Freitag, 2. September 2016: Le plan incliné

Denkmal an der Grenze

Heute ist unser letzter Ferientag „on the road“. Wir checken beim Hotel aus und erhalten als Gruss und Erinnerung an den Pfalzblick eine Flasche Pfälzer Schwedheim – Zellertal. Wir fuhren los und kamen schon bald zur Grenze zu Frankreich bei Sankt Germannshof. Ein Denkmal erinnert daran, dass diese Grenze ein historischer Punkt für das Entstehen von Europa war: 1950 wurde in einer geheim organisierten Aktion der Grenzpunkt von Europa-Aktivisten besetzt, der Schlagbaum zersägt und die „Vereinigten Staaten von Europa“ gefordert. Die rund 300 Demonstranten besetzten für einige Stunden den Grenzpunkt und sammelten anschliessend Geld, um die entstandenen Schäden wieder zu bezahlen… Wir verliessen diesen idyllisch gelegenen Ort am Bächlein Lauter und fuhren Richtung Frankreich.

Der Weg führte uns über Land, durch Dörfer und dann schlussendlich auf die Autobahn, die A4, welche uns zu unserem nächsten Ziel bringen sollte: dem „Plan incilné„. Was auf Französisch unspektakulär tönt, ist jedoch eine technische Meisterleistung: Ein Schiffshebewerk im Rhein-Marne-Kanal ersetzt die vorherigen 17 Schleusen und beschleunigt den Schiffsverkehr um rund 24 Stunden! Nur schade, hat sich die ganze Schiffstechnologie nach der Eröffnung dieses Schiffshebewerkes 1969 komplett verändert: die Schiffe sind grösser geworden und der Rhein-Marne-Kanal ist aufgrund seiner Bauart für die Frachtschiffahrt unbedeutend geworden. Einzig die Süsswasserkapitäne auf den gemieteten Schiffen sowie die Ausflugsboote benützen diesen Kanal und somit das Schiffshebewerk noch.

Schiffshebewerk

Die Anlage ist eindrücklich. Geplant wurde sie, dass sie zwei Schiffe hochziehen kann, aufgrund der geänderten Anforderungen wurde jedoch nur ein Becken gebaut. Wir lösten eine Eintrittskarte, damit wir das Hebewerk von der Nähe aus sehen können und den Maschinenraum besichtigen dürfen. Wir hatten Glück und es kamen grad drei Schiffe, welche die Fahrt nach unten antreten wollten. Die Liftfahrt dauert rund 5 Minuten. Die Besichtigung des Maschinenraums ist nicht so eindrücklich. Einerseits sind die Motoren nicht so eindrücklich (die Motoren leisten nur 120 PS – mehr ist nicht nötig, da die Schiffe auch mit einem mit Wasser gefüllten Gegengewicht nach oben/unten gebracht werden), andererseits war die Guide grottenschlecht. Man hätte auch einen Roboter mit synthetischer Stimme hinstellen können.

Wir fuhren weiter, nahmen wieder die Autobahn A4 und fuhren Richtung Süden bis Strasbourg, wo sie auf die A35 übergeht. Die A35 wird gemäss Wiki offenbar die „Autobahn der Störche“ genannt. Der Grund ist vorerst nicht bekannt. Bei der Raststätte Koenigsbourg sahen wir auf dem Rasen neben dem Gebäude dann wirklich einen Storch (der von Passanten mit Chips gefüttert wurde…). Drum wohl „Autoroute des Cigognes“…

L'autoroute des Cigognes

Bis Mulhouse blieben wir auf der A35, von dort gings auf die A36 westwärts in Richtung Belfort, da wir den Grenzübergang Basel vermeiden wollten. Bis Belfort blieben wir auf der Autobahn und fuhren anschliessend auf Nebenstrassen bis Delle, wo wir in einem Supermarkt einen Wocheneinkauf machten. Danach weiter über den Grenzpunkt Boncourt uns anschliessend fuhren wir über Porrentruy, Glovelier, Undervelier, Tavannes, Biel/Bienne nach Hause.

Nach 1931 km waren wir unfallfrei wieder zu Hause 🙂

 

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Donnerstag, 1. September 2016: Genuss pur

Also eigentlich verläuft der heutige Tag ähnlich entspannt wie der gestrige. Einfach keine Behandlungen mehr dafür länger ausschlafen, was ja auch nicht schlecht ist.

Wir haben uns am Mittwoch entschieden, noch einen Tag länger hier im Hotel Pfalzblick in Dahn zu bleiben. Das Wetter ist absolut fantastisch (schön und warm), wir können uns hier völlig entspannen, essen sehr fein und müssen uns um nichts kümmern.

Sicht vom Satelliten aufs Outlet

Nach dem Frühstück fahren wir nach Zweibrücken, wo's in der Nähe des Flughafens von Zweibrücken ein grosses Outlet-Center gibt: „The Style„. Nach einer halbstündigen Fahrt parken wir unser Auto und stürzen uns ins Shopping-Vergnügen. Es hat weitgehend sehr interessant bestückte Shops, nur wenige Shops verströmen ein Restposten-Wühltisch-Ambiente. Wir machen uns getrennt auf, die verschiedenen Shops zu erkunden und treffen uns gegen 14.00 Uhr zu Kaffee und Kuchen bevor wir noch letzte gemeinsame Einkäufe verrichten. Danach fahren wir zurück nach Dahn, wo wir den Nachmittag nach gemütlich ausklingen lassen.

Beim Nachtessen schwelgen wir in Erinnerungen, denn wir feiern heute „Gläserne Hochzeit„. Jaaaaaaa!

 

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Mittwoch, 31. August 2016: Entspannung pur!

Unser heutiges „Aktiv“-Programm beinhaltet folgendes:

– gemütlich ausschlafen

– das reichhaltige Frühstücksbüffet geniessen

– sich durch diverse Wellnessbehandlungen wohltuend pflegen lassen (s. auch Eintrag vom 30.08.2016: Heute hat's nun auch mit meiner Badeanwendung geklappt.) Ich könnte also vermelden: „Du die Wanne ist voll …, hu, hu, hu, honey“ (Du warst Kind in den 70/80er Jahren, wenn du diesen Liedtitel von Helga Feddersen und Dieter Hallvervorden noch kennst.).

– lesen, lesen, lesen

– mittäglicher Erfrischungs-Snack inkl. Kuchen

– fitten bzw. schwimmen

– lecker auf der Terrasse zu Abend essen (heute gab es ein Grillbuffet mit leckeren Salaten)

– am Abend das Abschieds-Freundschaftsspiel Fussballspiel von Bastian Schweinsteiger (da flossen doch tatsächlich Tränen) – also Deutschland gegen Finnland – zu schauen.

Wieslauterbahn

Eisenbahn-Highlight des heutigen Tages war um 10:17 Uhr die erstmalige Durchfahrt eines Personenzugs der Wieslauterbahn. Diese zweigt im Bahnhof Hinterweidenthal Ost von der Bahnstrecke Landau-Rohrbach ab und führt über Dahn (wo sich unser Hotel befindet) nach Bundenthal-Rumbach. Es handelt sich hier um ein Ausflugszügli. Die Strecke wurde 1911 als eine der letzten innerhalb der Pfalz eröffnet. 1966 folge als Reaktion auf den konkurrierenden Individualverkehr die Einstellung des Personenverkehrs; 1995 wurde auch der Güterverkehr-Transport eingestellt. 1997 wurde an Sonn- und Feiertagen wieder Personenverkehr eingeführt. In den letzten Jahren wurde das Angebot auf Mittwoch und Samstag ausgedehnt.

Da am heutigen Mittwoch, eine normale Regionalzug-Komposition und nicht ein älterer Schienenbus auf der Linie verkehrt, sieht Martin von einer Fahrt nach Hinterweidenthal ab und belässt es beim Fötele.

Der Zug fuhr insgesamt sechsmal an unserem Hotel vorbei. Und dies konnte man nicht übersehen bzw. überhören, da er jedesmal schon lange bevor bzw. lange nachdem er durchgefahren ist, „gehornt“ hat, da es ab Dahn Süd nur noch unbewachte Bahnübergänge gibt.

 

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Dienstag, 30. August 2016: Gut gewellnesst

Einen Wellnesstag in einem Blog beschreiben? Den Lesern erzählen dass man ein bisschen auf dem Liegestuhl herumfläzt, liest und döst? Ja, das machen wir…

Action gab es erst ab 14:30 – und wie:

  • 14:30 Bäderanwendung für ihn
  • 15:40 Traubenkernöl-Wohlfühlmassage für ihn
  • 16:10 Bäderanwendung für sie

Die Bäderanwendung entpuppte sich bei mir als Sprudelbad, wo ich den Badezusatz wählen konnte (ich wählte Minze).

Bei der Traubenkernöl-Wohlfühlmassage stellte ich mir eine U30-Pfälzerin mit Namen Uschi vor, erhielt jedoch einen Ü50-Ostblocker namens Vladimir (bin gespannt, ob ich mich nach dieser Massage morgen noch bewegen kann…)

Und die Bäderanwendund für sie entfiel, weil aufgrund eines technischen Defektes kein Wasser eingelassen werden konnte.

Aber essen gehört ja auch zur Wellness, und das machten wir ab 19:00 Uhr.

Und morgen gehts auf zu Teil 2 des Wellnessprogramms. Und das alles immer mit Pfalzblick…

Pfalzblick

 

 

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Montag, 29. August 2016: Von Römern, Keramik und Stahlbau

Amphitheater in Trier

Noch nüchtern checkten wir aus unserem Hotel in Trier aus und verliessen die Stadt. Vorher haben wir dem römischen Amphitheater einen Besuch abgestattet. Anhand von Modellen konnte man sehen, welch grosse Stadt dieses Trier gewesen sein muss. 85'000 Einwohner waren damals in der Stadt Treveris zu Hause, heute ein bisschen mehr, ca 110'000. Das Amphiteater war gebaut wie die anderen Theater auch, die wir dieses Jahr in Sizilien schon gesehen haben, und bot 18'000 Zuschauern Platz. Brot und Spiele war damals das Motto: Tierhetzen und Gladiatorenkämpfe entschieden über Leben und Tod, Hinrichtungen fanden statt und wichtige Ankündigungen wurden ausgerufen. Das Amphitheater hatte – als ungewöhnliche Besonderheit – ausserdem noch eine weitere Funktion: Es diente als östliches Stadttor von Trier. Nach dem Ende des weströmischen Reiches (5. Jahrhundert) wurde es im Mittelalter, wie viele andere Bauwerke Triers auch, als Steinbruch benutzt und die Steine wurden für andere Bauten verwendet. Die heutige (Teil-) Rekonstruktion gibt den Besuchern die Möglichkeit, sogar den Untergrund anzuschauen. Alles in Allem bekommt man hier eine Vorstellung, wie es früher gewesen sein muss.

Kleiner Teil des Verwaltungsgebäudes von Villeroy & Boch

Wir warteten nicht auf den nächsten Gladiatorenkampf sondern zogen weiter Richtung Raum Saarbrücken. In Konz machten wir einen Stopp und assen in einer Bäckerei eine Kleinigkeit. Wir fuhren auf Nebenstrassen der Mosel und später der Saar entlang. Beim Dorf Mettlach sahen wir ein sehr grosses, in rotem Sandstein gehaltenes Gebäude. Eine Schule? Nein, die Zentrale des Keramikherstellers Villeroy & Boch. Diese ist in einem ehemaligen Kloster untergebracht. Seit 757 n Chr war dieser Ort ein Kloster. Die Französische Revolution, vor allem aber der Erste Koalitionskrieg ab 1792 bedeuteten für das Kloster Mettlach jedoch das Ende. 1793/94 wurde die Abtei verlassen und aufgegeben.

Exponate der EXPO 2000

Die aus dem 18. Jahrhundert stammenden heutigen Abteigebäude wurden 1802 zu französischem Nationaleigentum erklärt. Danach wurde das gesamte Anwesen an einen Papierfabrikanten verkauft. Von diesem erwarb im Jahr 1809 Jean-François Boch, der zur dritten Generation der Bochs gehörte, das stark zerstörte Gebäude und setzte es wieder instand. Dabei liess er es bereits teilweise zu einer Fabrik umbauen. Das Gebäude beherbergt bis heute den Hauptsitz der Firma Villeroy & Boch. Das Gebäude bietet nebst Büroräumen ein Keramikmuseum und ein Café. Im Park hat es viele exotische Bäume, die einer der Bochs einmal pflanzen liess. Ebenso im Park befinden sich grosse Keramikmosaike, welche an der Expo 2000 in Hannover ausgestellt wurden. Das Dorf Mettlach selber hat, soweit wir es sehen konnten, seine Seele verkauft und lässt nun Outlet- an Outlet-Store reihen. Dabei wäre es so hübsch an der Saar gelegen…

Hütte Völklingen

Wir fuhren (ja, natürlich nach einem Abstecher in den Villeroy & Boch-Outlet…) weiter über land Richtung Saarbrücken, liessen aber Saarbrücken links (oder rechts?) liegen und steuerten die Eisenhütte Völklingen an. 1986 wurde bei dieser grossen Eisenhütte die Öfen ausgemacht, anschliessend wurden grosse Teile begehbar gemacht und seither als Museum genutzt. Seit 1994 ist die ehemalige Fabrik in die Liste der UNESCO Welterbe eingetragen und ist nun auch Welterbehoppern wie uns ein Begriff… Für einen längeren Besuch und eine intensivere Auseinandersetzung mit der Thematik „Stahl im Saarland“ hat uns die Zeit leider gefehlt und wir fuhren weiter.

Kurz nach Völklingen fuhren wir über die Grenze nach Frankreich. Das Saarland hat bis in die 50er Jahre ja zu Frankreich gehört und wurde nach einer Volksabstimmung Deutschland zugeschlagen. Forbach, Freyming-Merlebach, Farébersviller, Diebling, Hundling und Saargemünd hiessen die französichen Metropolen, bis wir wieder Deutschland erreichten. Aber auch die Orte in Deutschland sind nicht bekannter: Mandelbach, Blieskastel, Zweibrücken, Pirmasens und Hinterweidental waren die Orte, die vor unserem Tagesziel Dahn lagen. Dahn? Kein Begriff? Wikipedia sagt uns, dass hier 1977 die Unterhaltungssendung Spiel ohne Grenzen ausgetragen wurde uns man vom 1. bis 7. August 2010 Gastgeber für die Weltmeisterschaft im Feldbogenschiessen war. Bei der Wahl dieses Übernachtungsortes suchte ich auf Googlemaps einen originellen Ortsnamen in Deutschland im Raum Saarbrücken an der Grenze zum Elsass. Und eine Wellness-Anlage musste es auch haben. Ich fand „Fischbach bei Dahn“ orginiell genug und googelte die Wellnessangebote. Im Hotel Pfalzblick haben wir un drei Nächte gebucht und lassen uns nun während dieser Zeit well-nessen.

 

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Sonntag, 28. August 2016: BENELUX ist komplett

Gemütlich und entspannt starten wir in den heutigen Tag. Kurz nach 09.00 Uhr verlassen wir das Hotel und machen uns auf den Weg um Bahnhof Trier. Hier gibt es eine Bäckerei-Filiale mit Café, in der wir lecker frühstücken. Danach lösen wir zwei Tickets, um mit dem Zug nach Luxemburg zu fahren. Nachdem wir uns am Freitag auf der Anreise nach Trier bereits in den Niederlanden und in Belgien aufgehalten haben, wollen wir heute BENELUX komplettieren. Kurzes Trennmanöver (auch unser Zug, der aus Koblenz kommt, wird in einen Zugsteil nach Mannheim bzw. einen Zugsteil nach Luxemburg aufgeteilt) und schon geht es pünktlich los. Bereits nach kurzer Fahrt, sagt eine Frauenstimme die nächste Station an: „Nägste Alt: Trchier Süt“ … Eine Stimme gleich der Stimme aus der Schöfferhoferweizen-Bier-Werbung. Zwischen den Stationen „Igel“ und „Wasserbillig“ passieren wir die Landesgrenze zwischen Deutschland und Luxemburg.

Auf dem Hop on-hop off-Bus

Die Zugstrecke führt bis kurz vor Luxemburg HB durch Wiesen- und Wälderlandschaften. An unserem heutigen Reiseziel angekommen, machen wir uns zu Fuss auf Richtung City Center. Vorbei am Denkmal für die Opfer des 2. Weltkriegs kommen wir zur Place de la Constitution. Von dort aus fährt der „Hop on – Hop off“ City Tour Bus. Bei diesen hohen Temperaturen gerade das richtige für uns. Wir lösen Tickets und schon geht es los. Auf dem Oberdeck haben wir heute luftige Plätze und kriegen viel von den EU-Gebäuden am Kirchberg zu sehen (u.a. Sitz des Gerichtshofs und des Gerichts erster Instanz, des Rechnungshofs und der Europäischen Investitionsbank (EIB) und des Generalsekretariats des Europäischen Parlaments). Trotz der Erweiterung der EU um zahlreiche neue Mitgliedstaaten, die eine Einrichtung von europäischen Institutionen in ihren Ländern fordern, ist Luxemburg eine der EU-Hauptstädte geblieben. In Luxemburg sind rund 9'500 internationale Bedienstete angesiedelt. Für die rund 5'000 Kinder der EU-Beamten gibt es eine gesonderte Schule, wo sie in ihrer Muttersprache vom Kindergarten bis zum Abitur ihre Schulausbildung absolvieren können.

Der Dom von Trier

Die kurzweilige, unterhaltsame Rundfahrt führt uns u.a. auch am RTL-Gebäude vorbei, wo vor Jahren bzw. Jahrzehnten jeweils auch der „Concours Eurovision de la Chanson“ (heute Eurovision Song Contest) ausgetragen wurde. Und auch da können die Luxemburger mit Europa mithalten. Luxemburg konnte fünf Siege erringen: 1961 mit Jean-Claude Pascal und dem Lied „Nous les amoureux“, 1965 mit dem von Serge Gainsbourg geschriebenen und von France Gall vorgetragenen Lied „Poupée de cire, Poupée de son“. 1972 gewann Vicky Leandros bei ihrer zweiten Teinahme für das Grossherzogtum mit dem Lied „Après toi“. Im darauffolgenden Jahr holte Anne-Marie David mit dem Lied „Tu te reconnaîtras“ den Sieg im eigenen Land. Zuletzt gewann mit „Si la vie est un cadeau“ von Corinne Hermès 1983 in München ein Beitrag aus Luxemburg den Wettbewerb.

Liebfrauenkirche Trier

Wir gönnen uns eine zweite Runde im Doppelstöcker-Bus. Allerdings schlägt das Wetter kurz nach Start der zweiten Tour-Runde um. Die Sonne verschwindet und es beginnt heftig zu winden aber wir kommen trocken durch. Am Bahnhof steigen wir aus und gönnen uns „chez Paul“ ein Café und ein Eclair. Es regnet … Schwein gehabt. Mit dem 14.31 Uhr Zug treten wir die Rückreise nach Trier an. Kurz vor 15.30 Uhr treffen wir dort ein. Zu Fuss geht es zurück Richtung Innenstadt. Auf der Höhe der Porta Nigra holt uns aber auch hier der Regen ein. Wir begeben uns unter einen Restaurant-Sonnenschirm und bestelle uns einen Apéro. Als es zu regnen aufgehört hat, setzen wir unseren Weg fort und statten dem Dom (jetzt bei Tag) und der Liebfrauenkirche einen Besuch ab. Beides wunderschöne Kirchen, absolut sehenswert. Danach haben wir noch einen Termin im „Burgeramt„. Beim Burgeramt handelt es sich nicht um eine Behördenstelle, sondern um ein Burger-Restaurant. Aber Burger mit Stil und keine verdrückte Brötchen-mit dürr grilliertem Fleisch-Bude. Wir gönnen uns einen Mediterran-Burger und einen Double Bacon Kraut-Burger. Top, top, top. Danach geht's zurück zum Hotel und im Innenhof bei einem Espresso etwas chillen und Tagebuch schreiben.

 

Auf dem Burgeramt: Damen- und Herrentoilette...

 

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Samstag, 27. August 2016: So ne Schifffahrt, die ist lustig …, oder etwa nicht?

Heute ist auch hier in Trier einer der heissesten Tage angesagt. Das Thermometer soll bis auf 35 Grad Celsius ansteigen. Da es hier keine kühlende See gibt wie vor einer Woche, beschliessen wir, heute eine Mosel-Schiff-Tour zu machen. Wir machen uns parat und frühstücken zuerst in unserem Hotel. Leider ein vergleichsweise recht unspektakuläres Frühstücksbüffet erwartet uns hier. Wir geniessen das Zmorge im noch kühlen Innenhof des Hotels trotzdem. Anschliessend machen wir uns auf den Weg zum Hafen. Als wir dort ankommen, fährt auch gleich schon das Schiff vor.

Deutsch-luxemburgische Freundschaft im Bahnhof Trier

Mit geringem Beratungsaufwand (ein Wort mehr wäre zu viel) erhalten wir zwei Tickets für die zweistündige Fahrt ausgehändigt. Gegen 11:15 Uhr verlässt das Schiff die Anlegestelle. Auf dem Oberdeck ist es mittlerweile schon sehr, sehr warm. Schatten gibt es so gut wie keinen und die Fahrt auf der Mosel ist natürlich auch nicht mit einer Schifffahrt auf dem Thunersee zu vergleichen. D.h. Fahrtwind ist auch nicht auszumachen. Wir bestellen uns Mineralwasser, um uns so ein wenig Erfrischung zu verschaffen. Die Info-Sequenzen zu Landschaft, Geschichte und sonstigem Erwähnenswertem fallen kurz und meistens akustisch nicht verständlich aus. Nach einer Stunde Fahrt wendet das Boot vor der ersten Schleuse und fährt wieder zurück zur Anlegestelle, macht fest, lädt neue Gäste auf und dann geht es im ähnlichen Stil eine gute halbe Stunde flussabwärts und wieder zurück zur Anlegestelle.

Innenstadt von Trier

Gut „gebräunt“ verlassen wir das Schiff und schlendern im Schatten zurück ins Städtchen. Wir fühlen uns wie „gekocht“. In einem der zahlreichen Cafés trinken wir eine Apfelschorle bzw. ein Cola-Fanta-Sprite-Mischgetränk und kommen mit einem pensionierten Bankgesellschafts-Chef und seiner Gattin ins Gespräch. Er hat als passionierter Fluss-Radfahrer viel zu erzählen. Es entsteht ein kurzweiliger Schwatz. Danach trennen sich unsere Wege wieder. Auch Martin und ich haben getrennte Programmpunkte. Er geht an den Bahnhof und verfolgt dort die Vereinigung bzw. Trennung der Zugkompositionen aus Luxemburg und Deutschland (Zugverbindungen zwischen Luxemburg/Stadt und Koblenz bzw. Mannheim). Ich gehe in Trier noch etwas shoppen. Ist schon ein wenig irr … aber ich tue es: Herbstkleider am heissesten Sommertag des Jahres kaufen (in den Geschäften ist es so herrlich kühl, da kommt man wirklich in Stimmung). Martin stösst etwas später auch dazu und wir schauen uns noch dieses und jenes in der wunderschönen Stadt Trier an. Danach kehren wir zurück ins Hotel, wo wir uns kurz frisch machen. Danach geht es wieder in die Stadt, um im Restaurant Ratskeller zu Abend zu essen. Das Essen ist mässig gut. Aber die letzten Sonnenstrahlen, die Wärme und das pralle Leben auf dem Platz kompensieren dies.

Wir schlendern zur Basilika, die wunderschön beleuchtet ist und kehren auf „neuen Wegen“ wieder zurück zum Hotel. Rasch bettfertig gemacht und dann Fortsetzung der Krimi-Lektüre (Martin: Kill Shot // ich: Ostfriesenblut). Auf dass wir gut und ruhig schlafen können…

 

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Freitag, 26. August 2016: Hoogste Punt van Nederland – 322.5 m

Unser heutiges Tagesziel war die älteste Stadt in Deutschland – Trier. Natürlich erreichten wir diese nicht auf direktestem Weg, sondern mit interessanten Umwegen.

Die erste Etappe führte uns von Düsseldorf nach Grevenbroich. Grevenbroich ist Wohnort von Horst Schlämmer, dem Stellvertretenden Chefredakteur des Grevenbroicher Tagblattes. Natürlich ist alles nur ein Fake, Komiker Hape Kerkeling hat diese Kunstfigur geschaffen und über mehrere Jahre entsprechend auftreten lassen. Eigentlich haben wir von dieser Stadt nichts erwartet, schon gar keine Horst-Schlämmer-Look-alikes in den Strassen, aber statt an dieser Metropole vorbeizufahren, machten wir einen kleinen Abstecher.

Dreiländerpunkt

Die nächste Etappe war das Schloss Dyck, ein Wasserschloss aus dem 17. Jahrhundert. Die 9 € Eintritt pro Person waren für uns zuviel, um nur kurz vorbei zu schauen Wir machten nur beim Schlosskaffee einen Bionade Holunder-/Eiskaffee-Stopp und weiter gings in Richtung Aachen. Tripadvisor wusste nichts Spezielles über Aachen zu erzählen, sodass wir dort nur durchs Zentrum fuhren in Richtung Holland. Ausserhalb Aachens befindet sich das Dreiländereck Deutschland – Niederlande – Belgien. Das Dreiländereck befindet sich auf dem Vaalserberg und ist touristisch recht aufgemöbelt. Vor Allem die Holländer und die Belgier scheinen sich mit Aussichtstürmen und Beizchen zu übertrumpfen. Einzig die Deutschen sehen das ein bisschen nüchterner und haben weder Turm- noch Gastroaktivitäten in der Gegend zu verzeichnen. Der Grenzpunkt ist durch die drei Flaggen gekennzeichnet und ist dementsprechend von Touristen überlaufen.

Bergpreis geschafft

Das Highlight aus unserer Sicht befindet sich jedoch nicht beim Grenzpunkt selber, sondern etwa 40 Meter daneben: Der höchste Punkt der Niederlande! 322.5 m.ü.M sind doch allerhand und sind schlicht DER Anziehungspunkt der holländischer Hobbyvelofahrer. So hat es denn auch Heerscharen von „Gümmelern“, welche sich schweisstriefend vor dem Höchsten-Punkt-Gedenkstein fotografieren (lassen). Wir verlassen diesen interessanten Ort und fahren über Belgien nach Trier. Zuerst geht es über Landstrassen, dann geht's auf die Autobahn in Richtung Süden. Wir fahren an Spa vorbei, wo an diesem Wochenende die Formel 1 gastiert. Die Beschilderung der verschiedenen Parkplatzzonen ist vorbildlich – sonst hätten wir wohl nichts von diesem Rennen bemerkt.

Höchster Punkt der Niederlande

Die Autobahn war grenzüberschreitend und plötzlich waren wir wieder in Deutschland. Obschon das Wetter sehr warm war und sich Durst bemerkbar machte, blieben wir bei der Bierstadt Bitburg auf der Autobahn. Kurz vor Trier sahen wir einen Wegweiser zum „Berghaus Trier“. Hmm, hier haben sie wirklich einen anderen Bezug zu hohen Punkten und Bergen als in der Schweiz, denn die Gegend ist nicht ausgesprochen gebirgig.

Trier war schon zu Zeiten der Römer eine Stadt, und zwar mit 85'000 Einwohnern damals die grösste römische Stadt nördlich der Alpen und hiess damals Augusta Treverorum, später Treveris. Und dass die Zeit der Römer noch heute einen Einfluss auf das Leben in Trier hat sieht man überall: Römische Türmchen und Mäuerchen lassen manches Historiker-Herz hüpfen. Eye-Catcher (bzw lateinisch „oculus aucupe“) ist aus meiner Sicht aber die Porta Nigra, das noch sehr gut erhaltene Stadttor. Auch in unserem Hotel, dem Park Plaza, wird den Römern gehuldigt: in unserem Zimmer hängt eine Büste eines römischen Mundschenks (bzw. die Kopie davon) und auf den Teppichen in den Gängen sind lateinische Mottos aufgeführt.

Porta Nigra

Wir fühlten uns in Trier sofort sehr wohl. Nach dem Nachtessen in der Kartoffel-Kiste (welche trotz des Namens auf feines Fleisch servierte) nutzen wir die Annehmlichkeiten des klimatisierten Zimmers (Ende August und 35 Grad…)

 

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Donnerstag, 25. August 2016: Durch die Stadt schweben

Wuppertaler Schwebebahn

Heute liessen wir es Tag werden und starteten erst ein bisschen später. Zuerst gings mit dem Tram an den Hauptbahnhof, dann mit der S-Bahn nach Wuppertal. Hier befindet sich ein technisches Meisterwerk, die Schwebebahn. Ich selber bin schon einige Male damit gefahren, Bettina hat das Erlebnis jedoch noch nie geniessen können. Rund um den Bahnhof Wuppertal sind grosse Bauarbeiten im Gang, um der Stadt ein neues Gesicht zu geben. Um zum Schwebebahnbahnhof zu gelangen, mussten wir deshalb einen wahren Hürdenlauf absolvieren. Wir erreichten die nächste Schwebebahn und fuhren Richtung Wuppertal Oberbarmen, der einen Endstation. Schon witzig, an einem Gerüst hängend 15 m über dem Fluss Wupper zu schweben. In Oberbarmen stiegen wir aus, um gleich wieder in die selbe Schwebebahn zu steigen, welche in der Zwischenzeit die Wendeschlaufe durchfahren hat.

Schwebebahn Next Generation

Wir fuhren die ganze Strecke ab nach Wuppertal Vohwinkel. Ab der Station Zoo fährt man zwischen den Häusern, 8 m über der Strasse. Bei einem Stau kann man so die Autos elegant überholen (ob die Chinesen die Megabus-Staulösungs-Idee in Wuppertal abgeschaut haben?). Auch in Vohwinkel mussten wir aussteigen, damit die Schwebebahn die Wendeschlaufe befahren konnte. Hier verpassten wir es allerdings, die gleiche Bahn zu nehmen, da uns diese grad vor der Nase abfuhr. Das war eigentlich auch unser Glück, denn in Vohwinkel machte sich grad die neue Generation von Schwebebahnen bereit für eine Fahrschul-Fahrt. Nach rund 40 Jahren Betrieb werden die bisherigen Fahrzeuge von einer neuen Generation abgelöst, welche schneller, komfortabler und wartungsärmer sein soll als die bisherige Generation. Was aber unverändert ist, ist der Antrieb, welcher sich nach wie vor oben befindet und das Fahrzeug „schweben“ lässt. Als Neuheit wird bei der Schwebebahn ETCS eingeführt, die Sicherungstechnik welche die SBB auf Strecken mit Geschwindigkeiten von mehr als 160 km/h einsetzt. Ob das notwendig ist, wage ich zu bezweifeln…

Nachdem wir die Strecke abgefahren hatten, gingen wir auf ein Eis in ein Café, anschliessend noch in ein Einkaufscenter, um der Hitze zu entfliehen (offizielles Wording 🙂 ). Mitte Nachmittag fuhren wir wieder mit der S-Bahn nach Düsseldorf, schlenderten dort durch die Einkaufsstrasse Königs-Allee (Einheimische nennen sie „„) und gingen danach zur „längsten Theke der Welt„. Bisher dachte ich immer, die längste Theke sei in einer Bar anzutreffen. Ich stellte mir eine etwa 100 m lange Theke vor, wo man was trinken kann. Aber nein, denkste: Die Bezeichnung „längste Theke“ wird für die ganze Altstadt verwendet, wo sich sehr viele Beizen befinden. Alson nicht EINE Beiz hat die längste Theke, sondern alle zusammen… Und eindrücklich war das Ganze allemal: Es reiht sich Lokal an Lokal, und jede bietet Hopfensmoothies oder Stärkeres an.

Wir entschieden uns, bei einem Italiener zu essen. Das Lokal hob sich von allen anderen Italienern ab, indem es nicht „Ristorante San Marco“ oder „Eisdiele Venezia“ hiess, sondern „Ristorante Ponte Vecchio„. Service und Essen waren vorzüglich! Mit dem Tram gings anschliessend wieder ins Hotel.

 

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Mittwoch, 24. August 2016: 4:0 und 1:6

Morning Glory am Hauptkanal von Papenburg

Wenn wir nun wie bisher jeden 2. Tag joggen gehen, hätten wir gestern gehen sollen. Sind wir aber nicht. Drum gehen wir heute zeitig auf und drehen in Papenburg ein paar Runden am Kanal. Anschliessend ein Besuch im Frühstücksraum und wir verlassen Papenburg. Unser nächster Fixpunkt ist Düsseldorf, 250 km entfernt. Irgendwie mag ich nicht 250 km auf der Autobahn rasen/fahren, andererseits wäre der Weg über die Hauptstrasse rund 1,5 Stunden länger. Also entschied ich mich für ein Mix aus beiden Lösungen, beginnend mit der Fahrt über die Hauptstrasse. Nach rund 25 km hatte ich aber schon genug von der Hauptstrasse und ich suchte auf direktem Weg die Autobahn zu erreichen. Aufgrund von Bauarbeiten wurden wir über eine Umleitung auf die Autobahn gelenkt. Und in Deutschland können Umleitungen sehr weit gehen. Diese Umleitung ging so weit, dass sie uns wieder in Richtung Papenburg führte und wir 5 km von Papenburg auf die Autobahn kamen… Hätte man auch einfacher haben können…

Die Fahrt nach Düsseldorf verlief nahezug problemlos – irgendwelche Hochgeschwindigkeitspsychos hat es aber immer. Auch unser Hotel in Düsseldorf, das Radisson, fanden wir dank Navi recht schnell. Unser Zimmer liegt im 8. Stock und bietet einen tollen Ausblick aufs Hilton 🙂

Am Spiel

Nach einer Akklimatisierung ging's los Richtung Innenstadt. Hier trennten wir unsere Programme in ein Damen- und in ein Herrenprogramm. Also Shopping und Fussball. Während Bettina den Kleidergeschäften nachging (im Hallhuber zu Düsseldorf war heute Shopping Queen zu Besuch). Die Kandidatin hat für €400 eingekauft – sagte die Verkäuferin zu Bettina), pilgerte ich nach Mönchengladbach um das Rückspiel der Champions League-Playoffs zwischen der Borussia und YB zu schauen. Man kann sagen, dass Bettina das erfolgreichere Programm hatte als ich. Sie hat etwa 4:0 gewonnen, ich 1:6 verloren… Nun, Fussball ist ja nur ein Spiel hahahahahahahaaaaa

Meinen Bruder, seinen Sohn und weitere bekannte YB-Fans traf ich nach dem Spiel beim Stadion. Obschon das Stadion sehr neu ist, war nach dem Spiel ein veritables Verkehrschaos ausgebrochen, wo alle Besucher ausser Fussgänger im Stau stecken blieben. Ein Stadion auf der grünen Wiese zu bauen und dann den Verkehr lassen wie er vor dem Bau war, lohnt sich eben nicht…

Eeeeeeinsteigen bitteeeee!

Aber auch der öV hat nicht brilliert. Am Hauptbahnhof in Mönchengladbach stand ein kurzer Zug nach Düsseldorf bereit. Bei Weitem nicht alle Reisenden bzw. potenziellen Reisenden konnten einsteigen. Wir organisierten uns ein Taxi und fuhren mit diesem nach Düsseldorf. Und hier haben wir wieder einiges erlebt: selbstverständlich wusste der Taxifahrer aus Mönchengladbach nicht, wo sich in Düsseldorf das Hotel befindet (dies kann ich nachvollziehen) und wollte während der Fahrt die Destination im Navi eingeben. Ich als Beifahrer übernahm dies für ihn, denn ich glaube nicht, dass er fahren und eingeben gleichzeitig zu Stande gebracht hätte. Die Fahrt auf der Autobahn war abenteuerlich. Mit 170 km/h bretterten wir mit dem B-Klasse-Mercedes in Richtung Düsseldorf und überholten alles, was gleichzeitig unterwegs war. Dann waren wir in Düsseldorf – noch den Rhein überqueren und abbiegen, dann wären wir beim Hotel. Wären. Der Taxifahrer interpretierte das Navi nicht korrekt und fuhr ins Kraut. „Bitte wenden“ sagte die Dame, was er auch gemacht hat. Und interpretierte das Navi noch einmal auf seine Art, fuhr wieder falsch und fuhr noch einmal über den Rhein zurück. Dies war der Moment, wo ich dem Täxeler sagte, wo er durchzufahren hat… Also wieder über den Rhein, dann die Quartierstrasse NICHT verfehlen und schon waren wir beim Hotel. Der Umweg hat sich für den Fahrer gelohnt: er wollte keine Pauschale für die Fahrt abmachen und liess den Zähler laufen…

Ich stieg beim Radisonn aus, Roland und Niklas fuhren mit dem Taxi weiter zu ihrem Hotel.

Seither habe ich nichts mehr von ihnen gehört. Ob ihr Fahrer noch das Hotel sucht?

 

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Dienstag, 23. August 2016: Ferien von den Ferien / Papenburg-Tag

Obwohl wir heute schon kurz vor 07.00 Uhr erwachen, lassen wir es ruhig angehen. Kurz nach 09.00 Uhr treffen wir beim Frühstücksbüffet ein. Unser Hotel ist weitgehend von Business-Reisenden frequentiert und so sind wir um diese Uhrzeit fast die letzten Gäste, die frühstücken. Wir geniessen's umso mehr.

Am Hauptkanal von Papenburg

Danach machen wir uns auf einen Spaziergang, der uns zur alten Meyer-Werft in der Nähe unseres Hotels führt. Die alten Werft-Hallen sind zu einem Hotel bzw. verschiedenen Veranstaltungsräumlichkeiten umgebaut worden. Der alte Werft-Kern ist aber auch da immer noch gut erkennbar. Da wurde bei der Umnutzung ganze Arbeit geleistet. Unser Spaziergang führt uns weiter zum Papenburger Zeitspeicher.

In diesem Zeitspeicher erleben wir auf interaktive Art die Entstehung und Entwicklung der Stadt Papenburg, die gleichsam von der Geschichte der Schifffahrt und des Schiffbaus geprägt ist. Der geschichtliche Rundgang ist originell gestaltet (z.B. Beladen des Schiffs mit Sandsäcken, Holzboot an Kordeln durch den Ems-Kanal führen) und macht echt Spass. Als weiters Highlight ist im Zeitspeicher ein Blick hinter die Kulissen des modernen Automobilprüfgeländes ATP möglich. Hier bietet sich u.a. die Möglichkeit für ein Duell auf der Autorennbahn.

Am Hauptkanal von Papenburg

Als wir den Zeitspeicher wieder verlassen, scheint die Sonne. Wir gönnen uns im Café Engel einen Kaffee und ein Stück Kuchen. Danach schlendern wir entlang des Hauptkanals und stöbern genussvoll in zwei Buchhandlungen umher. Unser Augenmerk liegt u.a. auf den zahlreichen Ostfriesen-Krimis (u.a. von Klaus-Peter Wolf). Wir kehren zurück ins Hotel, ordern einen Friesentee und lesen im Aussenbereich des Hotel-Restaurants. Fürs Nachtessen queren wir den Platz vor unserem Hotel und suchen das Restaurant „Schnürboden Alte Werft“ auf.

Am Hauptkanal von Papenburg

Leider geht mit unserer Bestellung so ziemlich alles schief, was in einem Restaurant schief gehen kann. Kommt dazu, dass die Professionalität des Service-Personals inkl. Chef de Service zu wünschen übrig lässt. Als wir dann aber endlich die bestellten Speisen erhalten, schmecken die Gerichte vorzüglich und wir geniessen die Fischspezialitäten.

Ein kurzer Spaziergang und wir sind wieder zurück im Hotel, wo wir den Abend gemütlich ausklingen lassen.

 

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Montag, 22. August 2016: Es meyert

Hotel Park Inn Papenburg

Während der Nacht hat es wieder stark geregnet. Am Morgen war der Himmel grau und verhangen, aber Tropfen fielen keine mehr vom Himmel. Nach dem Frühstück verliessen wir Ostfriesland in Richtung Süden. Die Fahrt verlief unspektakulär und vor 13:00 Uhr trafen wir in Papenburg ein. Wir parkierten beim Rathaus und holten in der Tourist-Office – welche sich in einem Schiff auf dem Stadtkanal befand – unsere Karten für die Führung durch die Meyer Werft. Diese Werft ist der Hauptarbeitgeber in der Region und baut Kreuzfahrtschiffe, die dann später in aller Welt rumgondeln. Anschliessend spazierten wir noch ein bisschen durch das liebliche Städtchen, welches viele Kanäle hat und das „Venedig des Nordens“ genannt wird (je länger je mehr werden sämtliche Städte, die einen Kanal im Zentrum haben „Venedig des irgendwas“ genannt. Noch eine Bachfreilegung in Bern und wir sind das „Venedig der Alpen“). Anschliessend fuhren wir zum Hotel Park Inn und bezogen dort unser Zimmer. Offenbar geht dies nicht mehr unspektakulär. Wie schon beim Zimmerbezug in Greetsiel wurden wir wortreich über die Annehmlichkeiten des Hotels informiert. Da kommt einem ein Wortschwall entgegen und man(n) muss sehr konzentriert sein, dass kein Detail verpasst wird (Sauna kostet €2.50, bitte eine Stunde vorher anmelden, damit vorgeheizt werden kann). Das Hotel ist am malerischen Hauptkanal gelegen die einzige Lärmquelle (nebst den parkierenden Autos, den vor dem Hotel schwatzenden Rauchern und den aus den Autos entladenen tak-tak-tak-tak-tak Rollkoffern) sind die im Hauptkanal schwimmenden schnatternden Enten – da geht beim Eindunkeln und bei Tagesanbruch die Post ab… 🙂

Besucherzentrum der Meyer Werft

Wir gehen also wieder in Richtung Rathaus, wo der Bus zur Besichtigung der Meyer Werft abfährt. Dieser bringt uns zur Werft, welche sich ausserhalb der Stadt befindet. Schon auf der Hinfahrt erfahren wir von der Guide einiges zur Geschichte von Stadt und Werft. In dieser moorgien Gegend wurde Torf abgebaut, dieser musste verkauft werden und darum baute man Schiffe – um den Torf nach Emden und weiter bringen zu können. And the rest is history… Die Führung war sehr informativ. In 500m langen Hallen werden die grossen Kreuzfahrtschiffe gebaut. Wir hatten Pech, vor 3 Tagen wurde die Genting Dream, das neuste Schiff aus dem Hause Meyer, aus dem Dock ausgeschifft und wird nun vor dem Dock fertig gemacht. Dieses Ausdocken ist ein Ereignis, welches jeweils Tausende von Zuschauern anzieht und auch live im Internet des TV-Senders N3 übertragen wird (das Ausdocken kann in einem Zeitraffer hier anschaut werden). Richtig spektakulär wird es aber, wenn ein Kreuzfahrtriese über den Fluss Ems in Richtung Nordsee fährt: Auch hier sind zwischen Papenburg und der Mündung der Ems in die Nordsee Tausende anzutreffen die dabei sein wollen, wenn das Schiff knapp in die Schleuse passt oder knapp an der Klappbrücke vorbei fährt (Doku dazu hier).

Panoramabild der Genting Dream

Blick in die Werft

Auf der Führung erhielten wir informative Inputs zu Meyer als Arbeitgeber. Da gibt es die 6500 Meyer-Mitarbeiter, welche gelbe Helme tragen, und hunderte Mitarbeitende von anderen Firmen, welche alle anderen Helmfarben tragen. Die Meyer-Leute unterstehen dem Rahmenarbeitsvertrag von IG Metall und arbeiten 35 Stunden pro Woche, die Restlichen unterstehen den jeweiligen Verträgen ihres Berufs. Das heisst für die Meyers, dass sie 35 Stunden an 5 Tagen arbeiten und jeweils von 7 bis 15 Uhr vor Ort sind (1 Stunde Mittagspause). Und dies erklärt auch den Verkehrsstau ausserhalb Papenburgs kurz nach 15:00 Uhr…

Die Führung war so interessant, dass die Zeit im Flug vorbei ging. Um halb 6 haben uns die Busse wieder zum Rathaus gebracht und wir waren wieder in der Stadt mit ihren Kanälen, wo diese Kreuzfahrtschiffe nicht ansatzweise reingepasst hätten.

St. Antonius-Kirche

Ein Besuch in der St. Antonius-Kirche sowie ein Nachtessen im Arkadenhaus rundeten diesen äusserst interessanten Tag ab.

 

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Sonntag, 21. August 2016: OTTO in Emden

(Englisch for runaways/Englisch für Fortgeschrittene: Attention = Ein kleiner Tannenbaum) 😊😉

Der Leuchtturm war am anderen Ufer

Wir erwachen beizeiten. Obschon es in der Nacht recht heftig geregnet hat, ist am frühen Morgen schon alles wieder recht trocken. Wir beschliessen, joggen zu gehen. Hier in Greetsiel hat es gut ausgebaute Nordic Walking Wege. Wir nehmen eine Route und machen uns auf Richtung Pilsumer Leuchtturm – also der Leuchtturm, aus dem Otto-Film. Ich habe mir in den Kopf gesetzt, die Route entlang des Leysieler Speichersees zu machen. Martin legt eine gewisse Skepsis an den Tag. Wenn wir diese Strecke machen, kommen rund 14 km auf nüchternen Magen zusammen. Wir beschliessen, los zu laufen und zu schauen wie wir vorwärts kommen. Himmel, wir kommen gut vorwärts! Die Natur um uns ist gigantisch. So herrlich nordisch: Man kann teilweise fast nicht ausmachen wo das Wasser endet und der Himmel beginnt und umgekehrt. Wie gesagt – wir kommen gut vorwärts und erreichen in einem „Ich fühl mich gut“-Mood die Schleuse Leysiel. Martin ist so motiviert, dass er noch bis zum Leuchtturm will. Wir müssen aber feststellen, dass sich dieser auf der anderen Schleusenseite befindet und so beschliessen wir, den Rückweg anzutreten. Und obwohl wir nun Deich-Innenseiten laufen, kriegen wir die volle Portion Gegenwind ab. Jetzt wird's intensiv. Aber wir sind beide gut und positiv drauf und kommen in unserem Tempo zügig vorwärts. Beide sind wir froh, als wir den Deich hinter uns gelassen haben und wieder auf Greetsieler Boden stehen. Auf den letzten Kilometern gilt es noch zahlreiche kleine Krötchen und Schnecken zu umschiffen und schon stehen wir vor unserem Hotel. Wir ziehen uns ein sauberes T-Shirt an und begeben uns subtio zum Frühstücks-Buffet. So bleibt uns noch eine knappe halbe Stunde fürs Frühstück. Hier gibt es zahlreiche leckere und gesunde Happen und köstliches Greetsiler Schwarzbrot.

Zu Besuch bei Ottto

So gestärkt und anschliessend auch noch frisch geduscht, machen wir uns kurz nach 12.00 Uhr auf Richtung Emden. Wir fahren auf dem direkten Weg – vorbei an den Zwilligingsmühlen von Greetsiel – nach Emden, wo wir in der Nähe des Museums „Det Otto Huus“ einen Parkplatz finden. Rasch zwei Euro Eintritts-Obolus pro Person abgedrückt und wir sind im Museum. Wobei Museum schon fast ein wenig übertrieben ist. Im Parterre ein Souvenir-Shop, im ersten Stock verschiedene Requisiten aus Bühnenprogrammen und Filmen von Otto und im zweiten Stock ist eine Art Kino-Saal eingerichtet, in dem Otto-Live-Aufnehmen in Endlosschlaufe laufen. Wir flätzen uns bald einmal in einem Kinosessel und geniessen die Bühnen-Ausschnitte, die halt einfach immer noch einen sehr hohen Unterhaltungswert aufweisen. Gegen 15.00 Uhr verlassen wir das Haus und schlendern noch ein wenig durch das sonntägliche Emden – das aber nur mässig zu beeindrucken mag. Wenn man dann aber liest, dass 80 % von Emden im Mai 1944 bei einem Grossangriff zerstört worden ist und viele der Bewohner nur dank eines raschen Aufsuchens eines der zahlreichen Bunkers überlebt haben, ist klar, warum die Stadt zwar rund 29 Bunker inkl. Bunkermuseum dafür aber wenig alte Sehenswürdigkeiten aufzuweisen hat.

Wir gönnen uns im Grand Café Emden einen Ostfriesentee und ein Stück Kuhfladen-Torte (tönt nicht sehr appetitlich, war aber sehr lecker).

Die Ostfriesische Teezeremonie:

 

 

Plakette bei der Kesselschleuse

Danach statten wir noch den Pelzerhäusern Nr. 11 und 12 (letzteres um 1585 erbaut, flämisch-niederländische Architektur mit dreigeschossiger Renaissancefassade) einen Besuch ab. Anschliessend fahren wir mit dem Auto zur Kesselschleuse von Emden. Die Kesselschleuse von 1884 ist Europas einzige in Betrieb befindliche Vierkammer-Schleuse, die jährlich etwa 2'800 Schiffe – grösstenteils Sport- und Freizeitboote – passieren. Sie verbindet vier Wasserwege mit unterschiedlichen Wasserständen miteinander: den Ems-Jade-Kanal, den Falderndelft mit Hafen, das Fehntjer Tief und den Stadtgraben.

Kirche in Loquard

Dass es nun recht stark zu regnen beginnt, unterstützt unsere Absicht, uns auf den Heimweg zu machen. Auf dem Weg nordwärts regnet's zeitweise so stark, dass die Scheibenwischer das Wasser nicht mehr verdrängen können. Auf der Rückreise statten wir den Warfendörfern Rysum (wir fahren aufgrund des starken Regens nur durchs Dorf), Loquard (wir besuchen die Saal-Kirche aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts) und Campen (wir besuchen die Einraum-Kirche aus rotem Backstein mit dreijochigem Innenraum, reich mit Malereien und Zierrippen ausgestattet sowie den 65 Meter hohen Leuchtturm, der über eine Dreibein-Stahlkonstruktion verfügt).

Durch Regen, Wolken und Regenbogen erreichen wir schlussendlich Greetsiel. Dort angekommen, gönnen wir uns im Restaurant FestLand ein feines Fisch-Abendessen.

 

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Samstag, 20. August 2016: Bye bye Bremerhaven – wir kommen wieder!

Im hoteleigenen Schwimmbad (klein aber fein) schwimmen wir uns wach und frisch. Danach gönnen wir uns ein feines Frühstück im Haverkamp-Restaurant Weinrot.

Kurze Zeit später haben wir alles gepackt und checken aus. Gemäss heutiger Reiseplanung fahren wir mit einem Abstecher über Oldenburg nach Greetsiel in Ostfriesland. Unser Auto-Navi führt uns zielstrebig ans Wasser. Zuerst über eine Strasse mit Wendebrücke, welche die Option bietet, sich um 90 Grad zu wenden, so dass Sport- und Freizeitboote durchfahren können. Anschliessend dann zu einer Fähre die aber leider am heutigen Tag nicht in Betrieb ist. Navi umprogrammieren auf Status „Fähren – nein“ und schon geht's zügig vorwärts.

Der Pilsumer Leuchtturm

In Oldenbrug angekommen, legen wir einen Pipibox-Aufenthalt mit Schorlenkonsumation in einem Bistro ein. Dann gehen wir die Stadt erkunden. In der Filiale einer meiner Lieblings-Kleidermarke (Hallhuber) gibt es heute 15 % Rabatt auf das gesamte Sortiment. Da muss ich kurz rein – kurze Zeit später (Martin behauptet, in dieser Zeit drei Kapitel seines Krimis gelesen zu haben!) verlasse ich das Geschäft mit drei neuen Teilen. Wir schlendern weiter durch das Städtchen und geniessen die entspannte Samstags-Atmosphäre. Gegen 16.00 Uhr machen wir uns über die Autobahn auf den Weg nordwärts nach Greetsiel (teilweise heftige Niederschläge auf der Autobahn).

Restaurant Moin Moin in Greetsiel

Kurz vor Greetsiel ragt in einiger Entfernung der gelb-rot gestreifte Leuchtturm von Pilsum empor. Ruhm erwarb sich dieser Leuchtturm als Zuhause von Otto (und Schildi – der Schildkröte) im Film „Otto der Ausserfriesische„. Das Wetter ist wunderschön und so beschliessen wir, dem Leuchtturm heute noch einen Besuch abzustatten. Der Spaziergang auf dem Deich bis zum Leuchtturm tut uns beiden gut. Der gelb-rote Turm (in dem auch geheiratet werden kann) ist ein wunderschönes Fotosujet. Wir haben Spass und geniessen den Moment. Danach geht's dann endgültig in unser nächstes Feriendomizil. Im Hotel Vitalis checken wir ein und beziehen das Zimmer 109. Wir richten uns kurz ein und gehen anschliessend ins Städtchen. Nach einer ersten Erkundungstour gehen wir im Restaurant „Moin Moin“ Fisch essen. Sehr lecker.

Danach setzen wir unsere Erkundungstour am Hafen (viele Krabbenfang-Boote) fort. Beim Eiscafé am Hafen gönnen wir uns ein dänisches Eis. Dafür müssen wir jedoch anstehen wie in Bern bei der Gelateria. Ein gutes Zeichen. Das Eis schmeckt dann tatsächlich köstlich. Wir setzen uns damit auf eine Bank oberhalb des Hafens und beobachten von da das muntere Treiben in der Hafengegend (inkl. Greetsiler-Kirmes). Offensichtlich macht Eis-Schlecken müde. Denn jetzt sind wir beide sehr müde. Im Hotel angekommen, machen wir uns bettfertig und gehen schlafen.

Hafen Greetsiel

 

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Freitag, 19. August 2016: Leopold Ziegenbein und das Auswanderer-Museum prägen unseren Tag

Leopold Ziegenbein (* 16.11.1874 in Celle; † 21.06.1950 in Nordholz) war ein Nautiker und Kommodore beim Norddeutschen Lloyd (NDL) in Bremen.

Teil unserer morgendlichen Joggingstrecke

Ziegenbein war von 1929 bis 1936 Kapitän der „Bremen“ und damit Kapitän des grössten und luxuriösesten Passagierdampfers der deutschen Handelsflotte. Bereits während der Jungfernfahrt nach New York konnte der neue Vorzeigedampfer des Lloyd das „Blaue Band“ erringen. Er zählt zu den prominentesten deutschen Kapitänen der Handelsschifffahrt.

Im Innern der Kirche wird auch der Schifffahrt gedacht

1992 erhielt der Weserdeich in Bremerhaven den Namen Kommodore-Ziegendeich-Promenade. Und u.a. auf ebendieser Promenade gingen wir heute morgen joggen. Sonnenschein, blauer Himmel, angenehme Temperaturen: So macht morgendliches Joggen wirklich Spass. Wir geniessen das sportliche Feriengefühl. Die anschliessende Dusche und das Top-Frühstück im hoteleigenen Restaurant Havenkamp tragen das ihrige zur guten Stimmung bei. So gestärkt und in absoluter Ferienlaune brechen wir auf Richtung Stadt-Zentrum. Als erstes statten wir der Grossen Kirche einen Besuch ab. Die Bremerhavener nennen ihre Seefahrer-Kirche aus dem Jahre 1855 einfach „Grosse Kirche“, denn nach wie vor ist der rote neugotische Backsteinbau eines der höchsten Gebäude der Innenstadt. Der Bau ist in rotem Backstein gehalten und mit farbig glasierten Klinkern dekoriert, die Seitenfronten haben gotische Spitzbögen, der Innenraum der Kirche wirkt sehr hell und offen. Nach heftigem Bombardement brannte die Kirche im 1944 völlig aus. Der Wiederaufbau der Kirche wurde 1960 beendet. An der Westseite befinden sich zudem eindrückliche Sandsteinfiguren von Christus, Luther und Zwingli, die 1855 angebracht wurden und bis heute gut erhalten sind.

Neben der Grossen Kirche steht Bremerhavens erstes plastisches Mahnmal zum Gedenken an alle Opfer des Nationalsozialismus. Das Mahnmal zeigt die verzweifelte Situation eines Mannes, der sich der Übermacht einer ihm Gewalt androhenden Gruppe ausgeliefert sieht. Menschengrosse Figuren stehen auf einem durchgehenden Sockel. Mit geballten Fäusten und zu Fratzen verzerrten Gesichtern scheinen sie den Mann drohend zu erwarten. An ihrer Seite steht ein Denunziant, ein Mann mit Brille, welcher mit einem Finger auf das Opfer zeigt. Am anderen Ende ein Torso, ein Mann mit freiem Oberkörper, der nur mit einer Hose bekleidet ist. Sein Kopf ist gesenkt, sein Gesichtsausdruck verschlossen. Er läuft schwankend, in gekrümmter Haltung und droht in der nächsten Sekunde umzufallen.

Auf einer ergänzenden Platte eingraviert ist ein Auszug aus einer Rede des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker vom 08.05.1985 (40. Jahrestag zum Kriegsende und der Befreiung vom Nationalsozialismus):

„Wir gedenken in Trauer aller Toten des 2. Weltkriegs und aller Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Wir gedenken aller Menschen, die wegen ihrer religiösen oder politischen Überzeugung, wegen ihres Andersseins verfolgt und ermordet wurden. Wir gedenken derer, die eher den Tod hinnahmen, als ihr Gewissen zu beugen. Wir gedenken aller Völker, die im Krieg gelitten haben. Wir dürfen nicht vergessen.

Die Toten mahnen uns. Mühen wir uns um Frieden und Menschlichkeit.“

Blick in die dritte Klasse

Beeindruckt ziehen wir weiter. Wir wollen uns das Deutsche Auswandererhaus anschauen. Im Deutschen Auswandererhaus folgen wir den Spuren der mehr als sieben Millionen Menschen, die ab ca. 1870 über Bremerhaven in die Neue Welt ausgewandert sind. Der Rundgang durch das Haus ist den ereignisreichen Lebensgeschichten historischer Auswanderer nachempfunden. Am lebendig gestalteten Kai (beim Original-Kai mit Auswanderer-Denkmal sind wir heute Morgen beim Joggen vorbeigekommen) scheinen die Trauer des Abschieds, die Ungewissheit, aber auch die Hoffnungen und Träume der Auswanderer zum Greifen nah. Als Besucher begleitet man den Aufbruch in die Neue Welt von den Bedingungen der Überfahrt (schlechtes Essen in der 3. Klasse bis zu genussvoller Überreise in der 1. Klasse aber auch klassenunabhängige Seekrankheit) bis zur Einwanderung in die USA. Ihren Abschluss findet die Reise in einem Nachbau des Grand Central Terminal. Der prächtige New Yorker Bahnhof symbolisiert die kulturelle Vielfalt der Neuen Welt (Frau mit Kind aus Friesland steckt dem dunkelhäutigen Gepäckträger Zettel mit der Aufschrift „Trein tu Schikago“ zu).

Ankunft in der New Yorker Central Station

Zudem kann man in einem Ausstellungsgebäude ausserdem einen Einwanderer auf seinem Weg nach Deutschland begleiten, was natürlich auch sehr interessant ist und einen klaren Bezug zur Aktualität gibt. Das ist nicht mehr Museumsgeschichte von anno dazumal. Nein, das ist Gegenwart. In einer detailgenauen Rekonstruktion einer Ladenpassage aus dem Jahr 1973 lassen sich zwischen den nostalgisch anmutenden Verkaufsartikeln Erinnerungsstücke und Spuren der Einwanderer entdecken.

Sehr gut gemachte Ausstellung. Rauminszenierungen, Klanginstallationen und moderne Museumstechnik erlauben eine Zeitreise durch die Migrationsgeschichte aus und nach Deutschland.

Der Kopf ist voll, die Eindrücke wirken. Wir gehen nach draussen in die Sonne und gönnen uns ein Eis.

Gegen 16.30 Uhr finden wir uns vor dem Deutschen Schifffahrtsmuseum ein, um eine Hafenrundfahrt mit dem Bus zu machen. Hier geht es nicht primär darum, die „dicken Pötte“ vom Wasser aus zu sehen, sondern einen Einblick in die logistische Hafenwelt (Warenablieferung per Truck, Warenlagerung (inkl. Kühlung), Verladung auf das Schiff, Verzollung) zu erhalten.

Auf die Minute pünktlich fährt der doppelstöckige, gelbe HafenBus vor. Wir steigen ein, beziehen gute Plätze im vorderen Busteil und schon geht's los. Durch das Zolltor Roter Sand fahren wir in den Freihafen hinein. Aufgrund der Zollfreiheit muss jeder Tour-Gast einen gültigen Personalausweis mit sich führen – die Fahrt geht quasi „ins Ausland“…

Das Container-Terminal ist eines der grössten der Welt. Hier werden die riesigen Containerschiffe be- und entladen. Mobile Container-Kräne (analog Reifenportal-Kran im GBT) bringen die Container zu den korrekten Beladungszonen, die einem Schiff zugeordnet sind. Anschliessend werden die Container von gigantischen Kränen gemäss Beladungs- und Entladungsplanung formiert und anschliessend auf die „dicken Pötte“ gehoben. Zwischengelagerte Container mit verderblicher Ware werden bei grossen Metall-Konstruktions-Wänden abgestellt, wo sie sich „an den Kühlschrank andocken“ können.

Arbeiten im Trockendock

In einem weiteren Bereich des Hafens dreht sich alles um Fahrzeuge, die auf eigenen Rädern bewegt werden können (roll on, roll of ==> roro area). Bremerhaven ist der grösste Umschlagplatz für Autos in Deutschland. Auf riesigen Flächen des Auto-Terminals warten die Wagen auf ihren Ab- oder Weitertransport. Die Fahrzeuge kommen aus Asien oder Nordamerika an oder von hier in aller Herren Länder exportiert. Aber hier stehen nicht nur klassische PWs. Hier stehen: Wohnwagen, Camper, Feuerwehr-Autos, diverse Landmaschinen, diverse militärische Fahrzeuge, Oldtimer, diverse Kräne, spezielle Ladewagen, Busse, Forst-Fahrzeuge, Schulbusse etc.. Je eine Fläche für den Exporthafen bzw. den Importhafen. Mit Kränen und Van-Carriers wird die Ware sicher vom Schiff oder auf das Schiff verladen. Die Schiffe, die heute im Hafen stehen, fassen zwischen 5'000 und 6'000 PWs. Die Abläufe werden sehr sachkundig erläutert (inkl. Zahlen-/BuchSTaben-Kombination auf den Containern). Zuletzt geht die Fahrt zur Lloyd Werft, auf der die Pötte revidiert und teilweise umgebaut werden. Bekannt ist die Werft auch für Ihre „Verlängerungen“. Da wird ein Schiff in zwei Hälften getrennt, so dass ein neues Mittelstück eingesetzt werden kann. Schwimm- und Trockendocks sind während unserer Durchfahrt gut belegt zu sehen. Nach rund zwei Stunden kehren wir wieder in die Stadt zurück.

Da das Wetter heute weniger schön ist als gestern, essen wir indoor im Restaurant Weinrot unseres Hotels. Lecker, stylisch, freundliche Bedienung.

 

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Donnerstag, 18. August 2016: Moin, moin, Hamburg.

Bettina sagte, dass diese Schlafwagenfahrt ihr „bestes Schlafwagenschlaferlebnis ever“ war. Ich erwachte gefühlte 10x, konnte aber immer wieder sofort einschlafen. Unser Wagen war direkt hinter der Lok eingereiht – erfahrungsgemäss ist der Komfort schlechter, da die Kräfte der Lok auf den Zug nicht noch durch andere Wagen abgefedert werden. In Lörrach hatte ich das Gefühl, dass wir zu spät abfuhren. In Hamburg-Altona sind wir jedoch eine halbe Stunde zu früh angekommen. Wird wohl ein spezieller Fahrplan wegen Bauarbeiten sein, sodass unser Autozug beschleunigt wurde. Uns soll es recht sein, denn wir hatten nach Ankunft grad ein Anschlussprogramm gebucht, welches keine Minute Verzögerung erlaubt… 🙂

In Hamburg-Altona angekommen

Nach dem Frühstück im Abteil (welches auch immer spartanischer ausfällt – die Deutsche Bahn lässt das Angebot „Autozug“ wirklich zugrunde gehen) fuhren wir ohne Halt durch den Hauptbahnhof Hamburg und kamen einige Minuten später in Hamburg-Altona an. Einfahrt auf Gleis 7, Auslad der Autos auf Gleis 6. Der Auslad in Altona ist dahingehend speziell, dass der Auslad IM Hauptbahnhof erfolgt. Also nicht wie in Lörrach im Güterbahnhof, sondern man lädt das Auto ab und fährt durch die Bahnhofhalle, vorbei an Kiosken und Brezelkönigen, aus dem Bahnhof heraus. Bis es aber soweit war, mussten die Wagen des Autozugs von unserem Zug auf Gleis 6 zum Auslad gebracht werden. Dieses Mal ging der Rangierdienst einfacher vonstatten… Bettina traf auf dem Perron noch einen Arbeitskollegen, welcher zufällig auch auf dem gleichen Zug war. Er war mit dem Motorrad unterwegs und hatte eine Nordkapp-Tour vor sich.

Als die Autotransportwagen bereit waren, bestiegen wir diese und machten uns im Auto startbereit. „Ein Fahrfehler, und das Auto liegt auf dem Perron – und du auf Seite 1 der BILD-Zeitung“ sind meine Gedanken, als ich über die Wagen fuhr. Der Ablauf dieses Ablad zeigt in Etwa dieser Film, welchen ich bei der Reise 2015 aufgenommen habe.

Sightseeing mit Lastwagen

Kurz vor 9 Uhr verlassen wir den Altonaer Bahnhof und machen uns auf nach Finkenwerder. Hier haben wir für 11:10 eine Führung durch die Airbus-Werke gebucht. Ich hatte die Idee, zu den Landungsbrücken zu fahren und dann via alten Elbtunnel die andere Elbseite zu erreichen. Trotz Navi ist dies aber eine sehr anspruchsvolle Geschichte, da viele Baustellen und temporäre Einbahnen nicht im Navi verzeichnet sind. Nach längerer Fahrt bzw. „Sightseeing durch die Quartiere“ fanden wir dieses Finkenwerder und waren schon um 10 Uhr dort. Zeit genug um noch im örtlichen Edeka vorbeizuschauen, Wasser einzukaufen und ein zweites Frühstück zu uns zu nehmen (und wir mussten noch die Harasse Leergut zurückgeben – das Flensburger Bier vom letzten Hamburg-Besuch ist alle…). Nach den Einkäufen nahmen wir im Kaffee Platz und genossen Breakfast 2.0. Am Tisch nebenan war eine Gruppe älterer Frauen, wobei eine die Leaderin war und die Anderen unterhielt. Sie erzählte von ihrem Busausflug nach Berlin. Die SPD bietet das an, für nur 20 €. Und man kriegt eine Stadtdrundfahrt und eine Führung durch den Reichstag. Nene, ich bin nicht SPD-Mitglied. Alles organisiert über die Abgeordnete Jutta Fick. Sie kennt ihren Bruder. Den Jochen. „Das ist der jüngste Fick.“ Bei diesem Schlusszitat mussten wir laut losprusten, sodass der Restlattemacciato in unserem Mund beinahe übers ganze Café verspritzt worden wäre… Jaja, wenn man der lokalen Bevölkerung ein bisschen auf den Mund hört, kann man viel erfahren.

Beluga Transportflugzeug von Airbus

Anschliessend fuhren wir los in Richtung Airbus. Der Parkplatz ist etwa 10′ zu Fuss vom Eingang weg und wir fanden das „Check-in“ für die Führung problemlos. „Sie gehören zur Gruppe von Herrn Dos Reis, warten Sie draussen“, sagte die Dame am Schalter. Und nach einigen Minuten Wartezeit kam dann auch schon ein älterer Herr und sagte „Allo, ische bin Carlos. Meine Gruppe zu mir“. Viele Leute reagierten nicht, da sie ja zu Herrn Dos Reis mussten. „Jaja, meine Name ische Carlos Silvestro Dos Reis.“ Aha… Nun wussten wir, wohin wir gehören. Wir fassten Empfänger und Headsets und los ging es mit dem Bus ins Fabrikgelände. Hier befindet sich auch die Landebahn, welche den Flughafen „Finkenwerder“ ergibt. Dies ist auch der Flughafen für die Übergabe der Flugzeuge an die Kunden. In den Hallen konnten wir anschliessend die Fabrikation der A320-Familie (A318-321) sehen, aber auch in den neuen Hallen die Fabrikation des neuen Vogels A380. Airbus ist eigentlich kein Flugzeughersteller, sie setzen einfach die Teile der 150’000 Zulieferer zusammen und bauen die Vögel. Wobei die verschiedenen Teile von überall in Europa kommen und teilweise mit dem unförmigen Beluga-Flugzeug, per Schiff oder Lastwagen angeliefert werden. So ist Hamburg eigentlich ein idealer Standort.

Im Vorfeld zur Führung habe ich in verschiedenen Foren gelesen, dass diese Airbus-Führungen in Organisation und Durchführung von schlecht bis miserabel beschrieben werden. Auch mein Bruder, der die Führung auch schon gemacht hat, hat ein paar Müsterchen erzählt. Auch wenn 2,5 Stunden Führung anstrengend sind, hätte man es für die Besucher ein bisschen angenehmer gestalten können, wenn die deutsche Führung durch einen deutschen Guide geleitet worden wäre. Und wenn Herr Dos Reis die an ihn gestellten Fragen via Headsets für alle Besucher verständlich gemacht hätte, wäre dies auch für die anderen Führungsteilnehmer toll gewesen, denn sie hätten gewusst, auf was sich die Antwort von Herrn Dos Reis bezieht.

Nun, eigentlich eine sehr interessante Führung (wo man leider keine Fotos machen durfte), aber es wäre noch besser gegangen…

Schwebefähre Osten - Hemmoor

Anschliessend fuhren wir los über Landstrassen nach Cuxhaven. Rein zufällig sahen wir unterwegs ein Schild, welches auf die Schwebefähre von Osten nach Hemmoor aufmerksam machte. Dieser Schwebefähre haben wir auch einen Besuch abgestattet und waren fasziniert von der 100 jährigen Technik, welche bis heute überdauert hat.

Weiter gings nach Cuxhaven. Wir haben gedacht, dass wir hier, am Ende der Elbe die meisten dicken Pötte sehen, die aufs Meer fahren. Aber Fehlanzeige: zwei kleinere Pötte kamen an uns vorbei, ein paar Segelschiffe und das war’s. Also weiter nach Bremerhaven, wo wir im Hotel Haverkamp ein Zimmer gebucht hatten. Das Hotel fanden wir recht schnell und wir wurden sehr nett empfangen. Nebenbei erhielten wir noch ein Upgrade aufs Zimmer, was auch sehr charmant war.

Sonnenuntergang bei der Seute Deern

Nachdem wir das Zimmer ein bisschen eingeräumt hatten, gingen wir ans Meer an die Weser. Ähnlich wie Hamburg mit der Elbe haben auch Bremen und Bremerhaven keinen direkten Meeranstoss, sondern Flussanstoss. Aber die gleiche Thematik wie ein Meer mit Ebbe und Flut. Wir spazierten ein wenig in der Gegend herum und entschlossen uns, auf einem Schiff im Museumshafen zu essen. Die Seute Deern ist ein historisches Segelschiff, welches nun ein Restaurant ist. Wir nahmen auf Deck Platz – die Temperaturen erlaubten es – noch im T-Shirt draussen zu sitzen – und assen zu einem wunderschönen Sonnenuntergang Fisch.

Anschliessend ging es darum, die Annehmlichkeiten des Hotelzimmers zu geniessen… Gute Nacht, Bremerhaven.

Gute Nacht, Bremerhaven

 

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Mittwoch, 17. August 2016: Ab Lörrach

Unser Auto ist verladen

Nach den Ferien im Süden vor ein paar Wochen, zieht es uns auch dieses Jahr wieder in den Norden. Und der einfachste Weg, um mit dem Auto in den Norden zu fahren, ist der DB Autozug Lörrach – Hamburg. Leider wird diese Verbindung per Oktober 2016 eingestellt. Ob der Nachfolger von DB, auch so ein tolles Angebot auf die Schienen bringt? Vielleicht werden wir auch in Zukunft den neuen Anbieter berücksichtigen. Vorerst fahren wir mit der Deutschen Bahn wobei zu sagen ist, dass wir unsere Fahrt sehr spät reserviert haben. 10 Tage vor Abreise ist eigentlich alles ausgebucht, aber wir erhielten noch unsere Wunschplätze. Die Sommerferien sind nahezu zu Ende und vielleicht haben viele Kunden schon gedacht, dass es dieses Angebot nicht mehr geben wird – auf alle Fälle klappte unsere Buchung problemlos (im Internetzeitalter werden die Fahr- und Reservationsscheine immer noch per Post nach Hause gesandt…).

AZ 1498 Lörrach – Hamburg-Altona

Wie schon fast zur Tradition geworden, gehen wir vor dem Verlad bei meiner Gotte vorbei und holen sie ab zu einem feinen Znacht. Dieses Mal hat sie das Restaurant Baslerhof in Bettingen auswewählt. Interessanterweise ist Bettingen, obschon im Kanton Basel STADT gelegen, total auf dem Land. Und einen Steinwurf von Deutschland entfernt.

Das Wetter liess es zu, dass wir auf der Terrasse essen konnten. Auf das Kafi verzichteten wir, denn die Wolken wurden immer dichter und dunkler – wir wollten nun zum Ferienanfang definitiv nicht nass werden… Wir brachten ds Gotti nach Hause und machten uns auf den Weg nach Lörrach. Was zuerst nach einem Sommerregen aussah, entwickelte sich zum happigen Regenguss. Teilweise brachte der Scheibenwischer nicht alles Wasser von der Scheibe weg…

Unser Nachtlager

Trotzdem schwammen wir nach Lörrach und machten unser Auto an der Ländte beim Check-in des Autozugs fest. Wir waren die letzten Kunden, auf die gewartet wurde. Netterweise wurden wir mit einem Flyer des Nachfolgers Bahntouristik-Express bedient. Die Kunden wissen nun somit, dass es eine Fortsetzung dieses Angebotes geben wird. Bettina nahm das Gepäck, machte unser Schlafwagenabteil bereit und ich fuhr auf den Zug. Wir sind das letzte Auto auf dem Zug, nach uns werden die Übergangsbleche hochgehoben und der Zug abfahrbereit gemacht. Auch ich traf nun im Schlafwagen ein.

Vor der Abfahrt wird rangiert.

Der umfangreiche Rangierdienst, der für die Formation des Zuges notwendig ist, dauerte heute ausserordentlich lange. Wir Eisenbahner sprechen bei solchem jeweils von einem „Kaisermanöver“ 🙂 . Kurz nach Abfahrt des Zuges in Lörrach war bei uns Lichterlöschen. Den „Hauptbahnhof“ Lörrach sahen wir noch an uns vorbei fahren. Den Badischen Bahnhof von Basel hingegen fand schon ohne uns statt…

 

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Samstag, 2. Juli 2016: Nach Hause mit dem Roten Pfeil

Bahnhofschild von Catolica

Heute war wieder mal „Aufstehen mit Wecker“ angesagt. Die letzten Dinge wurden eingepackt und wir haben uns reisefertig gemacht. Noch die Hotelrechnung bezahlen, das Taxi bestellen und dann noch kurz in den Frühstücksraum ein Brötchen von vorgestern und ein Automatencapuccino zu uns nehmen – und nun sind wir wirklich reisefertig. Das Taxi ist schon bereit und bringt uns pünktlich zum Bahnhof (während der Fahrt musste ich dem Fahrer natürlich noch einmal erzählen, dass ich das letzte Mal vor 40 Jahren hier war. Ich werde diese Message jetzt wohl nicht mehr anbringen können… 🙁 ) Also pünktlich… Überpünktlich. So müssen wir noch 20 Minuten auf dem Perron auf unseren verspäteten Regionale Veloce warten. Unser Zug ist ein Doppelstöcker. Bei dieser Bauart hat man darauf geachtet, möglichst viele Sitzplätze pro Wagen unterzubringen, sodass fürs Gepäck nicht mehr viel Platz blieb. Wir mit unseren zwei grossen Koffern waren irgendwie nicht gemacht für diesen Zug.

Die Anzeige der Aussentemperatur war wohl ein bisschen pessimistisch

Wir stellten unser Gepäck auf zwei Sitze und setzten uns ins Abteil nebenan. Leisten konnten wir uns das, da der Zug zu 3/4 leer war. In der Schweiz hätte ich ein solches Verhalten von Mitreisenden als sowas von asozial gerügt, aber hier haben wir es uns erlaubt. Der Zug fuhr los, unser erstes Etappenziel war Bologna, uns standen rund 90 Minuten Fahrt mit dem Regionale Veloce bevor.

Der Zug begann sich zu füllen. Ab Forlì hatte es Stehplätze. Und Forlì ist noch 40 Minuten von Bologna entfernt und der Zug hält noch in Faenza, Castelbolognese-Riolo Terme, Imola und Castel S. Pietro Terme… Und an jedem Ort steigen immer mehr Leute ein und der Zug war voll. Also wirklich voll! Aber unser Gepäck und wir, wir hatten Sitzplätze… 🙂 Interessant ist, dass niemand auch nur annähernd wegen unserem Gepäck reklamiert hat. Dies wäre in der Schweiz schon ein bisschen anders gewesen…

Bis Bologna hatte unser Zug die Verspätung wieder aufgeholt. Sehr gut, denn wir hatten in Bologna nur 17 Minuten Zeit zum Umsteigen. Aber der Zug blieb in Bologna vor Signal und wir konnten den 17 Minuten im Countdown zusehen, wie sie runterzählen. Dann waren wir endlich dran und der Zug konnte in Bologna einfahren. Noch 10 Minuten Zeit blieben uns, um den Zug nach Milano zu erreichen. Der Bahnhof Bologna ist seit der Einführung der Hochgeschwindigkeitsstrecke doppelstöckig ausgebaut und unser Anschlusszug fuhr im gefühlten 3. UG. Die Wege sind lang in Bologna, und wenn man noch die Piktogramme und Hinweisschilder studieren muss, sind die Wege noch länger… Aber wir waren schlussendlich pünktlich auf dem Perron, was man von unserem Anschlusszug nicht sagen kann – der liess sich noch 5 Minuten Zeit.

Frecciarossa im Bahnhof Bologna, 3. UG

Als der Zug einfuhr, stellten wir fest, dass wir bis Milano einen „Frecciarossa„-Hochgeschwindigkeitszug hatten. Der Frecciarossa, oder eben der „Rote Pfeil“, ist die Antwort der Italiener auf den französischen TGV und den deutschen ICE: Ein sehr komfortabler Zug, der auch in der zweiten Klasse einen hohen Komfort und natürlich auch eine schnelle Verbindung bringt. So waren wir mit 300 km/h unterwegs und wir hatten Milano Centrale innerhalb 60 Minuten erreicht! Wahrlich ein Roter Pfeil!

In Milano hatten wir 40 Minuten Zeit zum umsteigen. Diese Zeit reichte um was Kleines zum Essen zu kaufen und anschliessend mit dem Eurocity der SBB in Richtung Schweiz zu fahren. Nach einem Umsteigen in Brig waren wir um 16:00 Uhr in Bern. Hier begrüsste uns das gleiche Wetter wie bei der Abreise 🙁

 

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Freitag, 1. Juli 2016: Un’altra giornate alla spiagga

Details zu diesen Tag können dem Tagebuch-Bericht vom 29. Juni 2016 entnommen werden.

Einzige Abweichungen:

– Wir haben keinen Fruchtspiess gekauft.

– Wir haben uns eine Massage von Mario gegönnt.

– Am Abend haben wir lecker im Restaurant Sfizio gegessen.

– Wales hat Belgien im zweiten EM-Viertelfinal 3 – 1 geschlagen. Sorpresa!

Unverändert hoch sind:

– Spass- und Genussfaktor eines solchen Beach-Tages!

 

 

 

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Donnerstag, 30. Juni 2016: „San Marino twelve points“

Autolinea INTERNAZIONALE!

Dies unser Fazit nach dem heutigen Ausflug nach San Marino. Aber alles der Reihe nach. Wir erwachen heute Morgen kurz bevor der Handy-Wecker klingt. Kurz frisch machen und los geht's zu Fuss Richtung Bahnhof Cattolica, von wo aus wir mit dem 08.39 Uhr Zug nach Rimini fahren. Dort angekommen, müssen wir uns kurz schlau machen, wo der Bonelli-Bus, der uns nach San Marino bringen soll, abfährt. Wir erhalten die nötigen Infos zum Abfahrtsort und können auch gleich in der Tourist-Info die Bustickets kaufen. In der Bar „08.30“ in der Nähe des Bahnhofs gibt's dann erstmal Frühstück (Cappuccini und Cornetti – und die Dame hinter der Theke will uns tatsächlich weis machen, dass es sich bei den Cornetti um Brioche handelt …, sie müsste wohl mal nach Sizilien fahren, die Gute).

So gestärkt, können wir nach kurzer Wartezeit in den 09.25 Uhr Bus (fast eine reine Russenkutsche) steigen, der uns nach San Marino fahren wird. Die Fahrt verläuft teilweise über Land. Aber schon bald können wir die drei Türme von San Marino ausmachen. Kurz nach 10.00 Uhr treffen wir in San Marino ein und begeben uns auf Entdeckungsreise.

Regierungssitz

Die Republik San Marino ist eine der ältesten Republiken der Welt und der einzige noch existierende Stadtstaat. Wir betreten die Altstadt durch die Porta San Francesco und gehen durch erste enge Gässchen, die beidseitig von Cafés, Restaurants und verschiedenen Geschäften gesäumt sind. Es gibt viele Lederwaren, Parfumkopien und -originale, viele Bijouterie-Artikel und elend viel Kitsch (made in China) zu kaufen. Vereinzelt hat es schöne Geschäfte mit interessantem Sortiment (z.B. Schmuck- und vereinzelt Kleiderläden). Nach diesem ersten Eindruck zum Stadtkern machen wir uns auf die Tour, um die drei Stadt-Türme zu besichtigen (1. Salita alla Rocca, 2. Salita alla Cesta und 3. Salita al Montale). Ist bei den ersten beiden Türmen die Wegstrecke noch recht eben und gut ausgebaut, führt der Weg zum Montale über Stock und Stein. Dies wirkt sich aber positiv auf die Zahl der Besucher aus. Der anspruchsvollere Weg hält viele davon ab, den Montale zu besuchen. Der Weg führt teilweise durch waldähnliche Partien, was in Anbetracht der Wärme (es sind rund 30 Grad Celsius) sehr angenehm ist. Um uns herum kriecht und fliegt es. Überraschend viele, verschiedene Schmetterlinge und Insekten sehen wir. Nach der ersten Teilbesichtigung des Montale sehe ich sogar eine Schlange in der Steinmauer.

Salita al Montale

Wir geniessen Panorama und Ambiente, die Wärme und die Ruhe hier oben. Anschliessend geht es via Kursaal/Centro Congressi vorbei an der italienischen Botschaft in San Marino (!) und für mich mit Umleitung durch die lokale Benetton-Filiale durch die Portanova in die Stadt. Wir sind durstig und finden ein schattiges Restaurant-Plätzchen, wo wir eine Mittagspause einlegen. Die Rast tut uns beiden gut. Anschliessend setzen wir unseren Stadtspaziergang fort. Wir besuchen die Basilica del Santo. Eine wunderschöne Kirche, mit hellem, für katholische Verhältnisse schon fast schlichtem Innenausbau. Beim Betreten der Kirche wird man darauf aufmerksam gemacht, dass man nebst:

Bitte anständig sein!

Nicht essen und trinken, nicht halbblutt oder mit Kopfbedeckung eintreten, nicht Musik hören, nicht laut reden, nicht wild miteinander rummachen auch nicht filmen oder fotografieren darf. Auch keine Hunde mitnehmen!

Als wir in die Kirche eintreten, ist diese vermeintlich leer. Wir gucken uns um und geniessen die Schönheit der Kirche und die Ruhe … und machen dann halt trotzdem ein paar Fötelis, was irgendwo aus dem „Off“ des Kirchenschiffs ein „Hächm“-Räuspern auslöst. Dr lieb Gott gseht aues. Wir zünden zwei Kerzen an und gehen dann weiter.

Im Flyer, den wir in der Touristinfo erhalten haben steht:

„Wachablösung: Die Soldaten der Festung (la Guardiaa di Rocca) halten Ehrenwache vor dem Regierungspalast und zelebrieren mehrfach täglich die Wachablösung. Prächtig sind sie in ihren Uniformen anzuschauen: Eine doppelreihig geknöpfte grüne Jacke, geschmückt mit weissen und roten Kordeln, rote Hosen mit grüner Biese, ein beschirmtes Käppi mit rotem Pompon und weisse Gamaschen. Zeiten: Von 09.30 h bis 17.00 h stündlich zur halben Stunde (Mai bis September).“.

Gelb-schwaze Stadt

Komisch, wir haben die Jungs beim erstmaligen Vorbeigehen gar nicht gesehen. Beim zweiten Besuch fragen wir nach. Antwort: „Nein, im Moment keine Soldaten und daher keine Wachablösungen, vielleicht – aber wirklich nur vielleicht – ab Juli.“ In Anbetracht der Tatsache, dass heute der 30. Juni ist gehen wir nicht davon aus, dass sich im Juli 2016 etwas an der Situation ändern wird.

Wir gehen noch etwas lädelen (Martin: Sonnenbrille, ich Schmuck), gönnen uns ein Gelato und machen uns dann zurück zur Busstation, wo wir den 16.45 Uhr Bus nach Rimini nehmen. Kurz nach 18.00 Uhr fährt der Zug nach Cattolica, so dass wir kurz vor 19.00 Uhr wieder im Hotel sind. Jetzt aber mal eine Stunde „befohlene Ruhe“, wir sind auf den Felgen. Danach gehen wir ins Restaurant „Il Cane del Greco“ essen. Nicht schlecht aber auch nicht überwältigend, einfach zu gross und zu abfertigend. Aber wenigstens haben wir von unserem eingeklemmten Zweiertisch einen guten Blick auf den TV, mit der Match-Übertragung Portugal – Polen von RSI. Dass die Restaurant-Betreiber den Match – ohne Sky-Gastrogebühr zahlen zu müssen – zeigen können, wählen Sie den Weg über das Schweizer Fernsehen. Uns fällt dies aber erst in der Werbepause beim zufälligen erspähen der Migros-Grill-Reklame auf.

Sanmarinesische Flora und Fanua

Da hier in Cattolica gerade die WDW (World Ducati Week – die Misano-Strecke befindet sich in unmittelbarer Umgebung von Cattolica) stattfindet, sind aktuell sehr viele Töffli-Buebe in Town. Beim Spaziergang zurück ins Hotel kann es sich Martin nur knapp verkneifen, eines der abgestellten Töfflis anzutippen und so eine Domino-artige Kettenreaktion an umstürzenden Ducatis und Vespas auszulösen. Aber wahrscheinlich steckt ihm noch das göttliche „Hächm“-Räuspern in den Knochen. Er lässt es deshalb bleiben.

 

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