Freitag, 26. Juli 2019: Gelandet – und die Ferien bleiben in unseren Gedanken :-)

Schön waren sie, unsere Ferien. 3 Wochen von zu Hause weg, viel erlebt, viel gesehen und erlebt… So muss es sein. Und wir sind wieder gesund nach Hause gekommen – das ist das Wichtigste!

Rückflug

Die Route mit dem Camper war die folgende:

Mit dem Camper sind wir viel rumgekommen. 2476 km sind wir gefahren, was pro Tag 155 km ergibt. Wir haben Gegenden gesehen, die nicht so bekannt sind, wie z.B. Writing-on-Stone, aber waren auch mit dem Massentourismus unterwegs, z.B. in Lake Louise.

Bei unserem Camper handelte es sich um einen Dodge Ram ProMaster mit einem Camping-Aufbau Zion Class B von Roadtrek. Wir haben ihn über die Campervermietung BestTime RV gemietet. Ich war sehr überrascht, dass Camper schon 52‘000 km auf dem Zähler hatte. Da hätte ich mir was neueres fürs Geld gewünscht. Der Camper hatte alles, was wir benötigten, sogar ein kleines WC mit Dusche (haben wir aber nicht benützt). Die hintere Sitzgruppe konnten wir zum Bett umwandeln und hatten so eine Liegefläche von 188 x 193 cm – perfekt für süsse Träume 🙂 Das Fahrzeug selber war grösser als ein VW-Bus, aber kleiner als ein Wohnmobil. Somit kam man mit diesem Bus locker in die Städte und auch ein Parkplatz fand man in der Regel immer.

Weitere Daten zu unserem Camper:

  • Dodge Ram ProMaster, 280 PS, 3,6l V6-Motor mit einem Verbrauch von Rund 16l/100 km (90l Tank)
  • Radio/CD-Player, GPS-Navigation, Rückfahrkamera, Bluetooth- und USB-Anschluss, Tempomat
  • 140l Wasser-Tank, 86l Grauwasser-Tank, 37l Schwarzwasser-Tank, 30l Propangas-Tank
  •  24“ HD-TV mit DVD-Player, Mikrowellen-Ofen, 2 Gas-Herde, Kühlschrank mit Tiefkühlfach
  • Dach-Klimaanlage, Dach-Lüftung, Heizung
  • Elektrische Markise/Store (bei Wind nicht zu benützen 🙂 )

Unser Camper Dodge Ram ProMaster

Canada, wir kommen wieder!

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Donnerstag, 25. Juli 2019: Gone with the wind

Um 07.00 Uhr klingelt er zum ersten Mal seit zwei Wochen: Der Handy-Wecker. Da wir aber beide schon früher wach sind, macht uns der sonore Klingelton nichts aus. Heute sind wir rasch aus dem Bettchen raus. Duschen, frühstücken und fertig packen ist angesagt. Die beiden letzteren Programmpunkte werden durch den heftigen Wind nicht grad gross vereinfacht. Aber gegen 09.30 Uhr haben wir alles am richtigen Ort verstaut und fahren los, um ein letztes Mal das Auto aufzutanken und vor allem den Propan-Tank aufzufüllen. Von der Tankstelle aus sind es nur noch 2.5 Minuten bis zur Best Time RV Rentals. Die Rückgabe des Wagens läuft einwandfrei. Hick in der Frontscheibe und leerer Feuerlöscher gemeldet und auch die Sache mit der nicht korrekten Anzeige von Grau- und Schwarzwasser-Tank klärt sich (verklebter Sensor).

Der Camper ist wieder in Tagesstellung verbracht

Dann fahren wir zusammen mit einer Familie aus Magdeburg, die auch gerade ihren Camper abgegeben hat zum Flughafen (Shuttle wird von der Camper-Vermietung angeboten). Beim Airport stellen wir alle zusammen unser Gepäck ein (das Einchecken ist aus zeitlichen Gründen noch nicht möglich) und fahren dann mit dem Bus 300 in die Downtown. Da uns etwas mehr als eine Stunde Aufenthalt in der Stadt möglich ist, entscheiden wir uns, auf den Calgary Tower zu gehen. Der Bus hält sogar direkt vor dem Tower. But what the heck! Is this true? Yes, it is.

Calgary Tower – wegen zu geschlossen

Der Calgary Tower ist aktuell geschlossen, die Lifte werden revidiert. Tja, dann halt leider nicht. Wir verabschieden uns von den Magdeburgern und schlendern noch etwas durch die Fussgängerzone, von wo aus Martin noch verschiedene Fötelis macht. Der nächste 300er Bus Richtung Flughafen YYC ist unser. Die Fahrt dorthin, das Check-in sowie die Sicherheitskontrolle verlaufen einwandfrei. Es reicht noch für einen gemütlichen Aufenthalt in der Lounge.

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Mittwoch, 24. Juli 2019: Pretty changing weather, eh?

Der erste Start in den Tag gibt es heute um 03.00 Uhr, da entlädt sich nämlich ein richtiges Hitzegewitter über Canmore. Der Regensensor der Dachlüftung funktioniert einwandfrei. Bis ich aus dem Bett gestiegen bin, hat sich die Luke bereits geschlossen. Also wieder hinlegen und weiterschlafen. Das Gewitter und der heftige Regen beeinträchtigen unseren Schlaf überhaupt nicht. Wir schlafen bis kurz vor neun durch. Da es immer noch heftig regnet und windet, entscheiden wir uns, noch etwas liegen zu bleiben. Die Sonne zeigt sich ein erstes Mal zögerlich, lässt sich aber subito wieder von dicken, grauen Regenwolken verdrängen und es schüttet wieder aus Kübeln. Ja, wir haben Zeit und ein gemütlich warmes Bett, können also gerne noch etwas weiter drinnen verweilen. Gegen 11.30 Uhr scheint die Sonne so richtig feste und trocknet den Site-Campingtisch, so dass wir ausgiebig draussen frühstücken können. 

Danach der gewohnte „Cher“ – ein bisschen ausgiebiger geputzt, da wir morgen den Camper innen gereinigt abgeben müssen. Am Schluss müssen wir einen „gear“ mehr einlegen, um unsere Arbeiten und das „Auschecken“ des Camper (Strom- und Wasserleitungen entfernen) noch „trocken“ zu erledigen. Just als wir beide wieder im Camper sitzen, beginnt es ein weiteres Mal heftig zu regnen. Glück gehabt. Was ich gestern noch vergessen habe festzuhalten: Wir haben gestern auf der Fahrt auf dem Highway 1 einen Steinschlag in der Frontscheibe eingefangen. Als es einen kurzen scharfen Knall gegeben hat, dachten wir zuerst, ein Schrankschloss im Camper habe sich geöffnet. Wenige Minuten später entdeckten wir dann den Hick in der Scheibe. Zum Glück hat Martin uns im Mietvertrag mit einer entsprechenden Zusatzversicherung abgedeckt. Schon ein wenig verrückt: Da fahren wir am Vortag 65 km auf Schotter und nichts passiert. Aber auf dem Highway 1 jagt es uns ein Steinchen in die Frontscheibe.

Canmore church

Und noch ein weiterer Nachtrag zu gestern: Kirchenbau zu Canmore … Spanplatten, Dämmung und Aussenverschalung und fertig ist. Aber zuerst natürlich das Kreuz auf das Turmgerüst, damit schon mal klar ist welche Glaubensrichtung hier baut. 

Wir wählen den Highway 1A (Typ Landstrasse, die durch schöne Gegenden führt), um via Cochrane (hübsche Downtown) nach Calgary zu fahren. Unsere letzte Campingnacht verbringen wir im Mountain View Camping Resort, 3 km ausserhalb der Stadtgrenze von Calgary. Ja, und nun heisst es packen, Souvenirs verstauen und Camper putzen. Wir kommen gut voran und machen uns gegen 19.00 Uhr auf den Weg in die Old Spaghetti Factory zum Znacht. Danach zurück zum Camping, Grau- und Schwarzwassertank leeren und bettfertig machen. Morgen um 07.00 Uhr wird uns zum ersten Mal seit zwei Wochen wieder einmal der Wecker den Takt vorgeben. 

Gute Nacht, Calgary

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Dienstag, 23. Juli 2019: A hot summer day

Gemütlicher Start in einen wunderschönen Sommertag. In der Nacht hat es gemäss Aussagen von Martin leicht geregnet und heute Morgen: blauer Himmel, strahlender Sonnenschein – und ein böiger Wind. Der Frühstückstisch muss heute strategisch gedeckt werden, da der Wind unsere Reise-Tischdecke und die Sachen darauf immer wieder von neuem forttragen will. Unser Nachbar bedankt sich noch zweimal bei uns für unsere rasche Unterstützung beim Bekämpfen des Feuers am Vorabend. Erst als Martin mit dem Feuerlöscher angerannt sei, habe er daran gedacht, dass ja auch er einen Feuerlöscher habe und es wohl besser sei, mit dem Feuerlöscher zu löschen als mit Wasser. Das Wasser habe das Feuer nämlich nur verteilt. Er macht sich ebenfalls reisebereit, da er sein „Baby“ – und damit ist seine Harley Davidson gemeint und nicht etwa seine Partnerin – in Canmore auf allfällige Brandschäden (Pneus) prüfen lassen will. Er bietet uns ebenfalls an, in Canmore einen neuen Feuerlöscher zu kaufen. Da wir heute aber schon wieder weiterfahren, entfällt dies. But no problem. Bald haben wir alles verstaut und machen uns mit dem Auto auf zu den sanitären Anlagen. So wie es die Einheimischen tun. Teilweise bedingt durch die Grösse der Camping-Plätze teilweise aus reiner Bequemlichkeit legen sie die Strecke zwischen ihrem Site und den Duschen mit den grossen Trailer-Pickups oder mit Golf Carts zurück, welche auf privaten Campingplätzen angeboten werden. Über den Highway 1 geht‘s via Canmore in den Banff National Park, wo wir auf den 93er abzweigen und bis zum Marble Canyon fahren wollen. Da dort aber die Parkplatz-Infrastruktur erneuert wird, ist diese Natur-Attraktion „geschlossen“. Wir fahren daher etwas weiter (sind nun in British Columbia) und halten bei den „Paint Pots“ an. Ein kurzer Fussweg führt uns zu Wasser Pots – abhängig von der Boden-Sedimentierung – in verschiedenen Farben. 

Paint Pot


Paint Pot

Ganz schön aber auch nicht grad wow. Wir verweilen noch etwas am kühlen Vermilion River, den wir queren mussten, um auf den Paint Pots Trail zu gelangen. Mittlerweile hat das Thermometer 30 Grad Celsius erreicht. Wir entscheiden uns, weiter in Richtung Lake Louise zu fahren. In Lake Louise waren wir schon mal vor 14 Jahren und hätten gerne wieder mal „rein geschaut“. Da die Verkehrssituation aber eher chaotisch ist (viel zu viele Autos, keine Parkplätze) kehren wir um und fahren auf dem Highway 1A zurück Richtung Canmore. Tiere bekommen wir heute mit Ausnahme einer kurzen Bärensichtung in der Nähe der Paint Pots keine zu sehen. Es ist wohl einfach zu heiss für sie. Im Johnston Canyon machen wir einen Spaziergang zu den unteren und oberen Wasserfällen.

Lower Falls im Johnston Canyon

Der Aufenthalt in diesem eher schattig gelegenen Canyon mit dem reissenden Fluss zur Seite ist an diesem hot summer day gerade das Richtige. Insbesondere dort wo die Gischt bis zum Weg bzw. bis zu den Aussichtsplattformen gelangt, möchte man sich heute nicht mehr wegbewegen.

Johnston Canyon Upper Falls

Nach einem kurzen Squirrel Fotoshooting setzen wir unsere Reise fort. Einen nächsten kurzen Stopp legen wir bei einer Gedenkstätte für internierte Zwangsarbeiter ein. 1914 ist Kanada mit der Kriegserklärung gegen Deutschland in den ersten Weltkrieg „eingestiegen“. 1913 begann die grosse Wirtschaftskrise in Kanada. Die schlechte Wirtschaftslage verbunden mit einer hohen Arbeitslosenquote und teilweise aussichtslosen persönlichen Situationen führte zu rassistischen Aktivitäten gegenüber denjenigen Menschen mit kulturellem Hintergrund aus den Kriegsgegner-Ländern (Deutschland, Österreich-Ungarn, Ukraine, Polen etc.). Tausende dieser Menschen, teilweise sogar mit kanadischem Pass, die vor Jahren nach Kanada gekommen sind, in Kohleminen, im Strassen- und Eisenbahnbau mit harter und oftmals gefährlicher Arbeit zur Entwicklung Kanadas beigetragen haben, wurden nun in Internierungslager (im Gebiet des heutigen Banff National Parks) gesteckt und zur Zwangsarbeit verpflichtet. Die körperlich anspruchsvolle Arbeit, die harten Winter und vor allem die skrupellose Haltung der Aufseher haben viele (vor allem Ukrainer) nicht überlebt. Kanada arbeitet an dieser Stelle einen unrühmlichen Teil seiner Geschichte auf. Ein Mahnmal („Why?) eines ukrainischen Zwangsarbeiters soll daran erinnern. Wir geniessen die schönen Seiten dieses Parks und halten noch an dem einen oder anderen Aussichtspunkt an.

Bow Valley

Gegen 19.30 Uhr checken wir beim High River Campground ein, fahren dann aber nochmals nach Canmore zurück, um in der Tavern 1883 (7 Minuten Fahrweg entfernt) einen feinen Burger zu verspeisen. Dessert gibt es keines. Ein solches in Form eines Gelato genehmigen wir uns bei der Gelateria nel‘ autobus di scuola vecchio. In einem ausgedienten Schulbus wird super leckeres Eis angeboten. Wir stehen etwa 20 Minuten an bis wir zu unserer Organge- (Martin) und Salted Caramel Pekan-Glacé (ich) kommen. Die Temperatur liegt immer noch über 20 Grad als wir gemütlich durch Canmore schlendern. Nun aber rasch zurück auf den Campground, Strom- und Wasserkabel plug-innen und ab ins Bett. (Beim Abendessen erreicht mich die Mitteilung, dass meine Lieblings-Tante Elsbeth am Montag verstorben ist. Und heute vor einem Jahr ist meine liebe Maman verstorben. Beim Verweilen am Vermilion River ergibt sich eine gute Gelegenheit für einen Moment des dankbaren Erinnerns.)

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Montag, 22. Juli 2019: 65 km Schotter

Inmitten von Kananaskis haben wir wunderbar geschlafen. Die Stille rund um uns war schon fast beängstigend… Und wenn man am Morgen die Augen öffnet sieht man durch die Tannen den blauen Himmel – traumhaft. Wir spannen die Pferde vor die Kutsche und fahren los. Zuerst an den Lower Kananaskis Lake. Es hat ein paar Fischer draussen, aber sonst bildet der See einen idealen Spiegel, wo sich die Berge drin sehen können.

Lower Kananaskis Lake

„Warning – Bear in Area“ heisst es auf grossen Schildern. Es soll eine Grizzlymutter mit zwei Jungen in der Gegend sein. Wir möchten sie natürlich gerne sehen, aber ihr nicht begegnen… Also so vom Auto aus wäre praktisch. Aber die Tiere zeigen sich nicht. Dafür die Natur. Wunderbar!

Wir fahren nicht über den Highway 40, sondern „hintendurch“ nach Canmore, über den 742. 65 km Gravel, also Schotterpiste. Halten das Mensch und Maschine aus? Ja, wir versuchen es. 

On gravel road

Die durchfahrene Gegend ist wunderschön! Immer wieder halten wir an und geniessen den Moment. Die Strasse ist teilweise in einem solchen Zustand, dass ich mir maximal 20 km/h erlaube. Schneller wäre für den Camper nicht zuträglich. Es scheppert schon so überall. Teilweise ist die Strasse aber so gut zwäg, dass man mit 80 km/h bolzen kann. Diese Momente sind aber nicht sehr oft. Die Maschine hält es aus. Der Mensch am Steuer ist nach diesen 65 km geschafft. Das vorgesehene Programm mit dem Marble Canyon verschieben wir auf morgen und fahren zum Bow Valley Camping, wo wir einen Platz reserviert haben. Dies ist zwischen Canmore und Calgary in der Wildnis. Gut, so wild kann es auch nicht sein, schliesslich rauscht regelmässig ein Zug vorbei. Natürlich mit gehupe. Wir lassen uns überrachen, wie wir diese Nacht schlafen. Aber die Stille von Kananaskis wird so oder so nicht zu toppen sein…

Bow Valley Campground

Nach Redaktionsschluss eingetroffen:

Wir haben gemütlich zNacht gegessen. Kartoffelstock mit Fleischbällchen. Dann einen Verdauungsspaziergang über den Campground gemacht, bis zum Bow River und zurück. Dann sind wir an den Picknicktisch gesessen und Bettina hat grad ein Kafi serviert, als wir merkten, dass beim Wohnwagen neben uns etwas nicht stimmte: Unter dem Wohnwagen hindurch sahen wir, dass das Campfire unseres Nachbars ausser Kontrolle geraten ist. Am Boden brannte eine Linie. Dann grossflächig. Ich ging mal zum Wohnwagen um zu schauen, was da los ist und sah schon von weitem, dass überhaupt nichts in Ordnung ist. Ich rannte zu unserem Camper zurück und holte den Feuerlöscher. Cool, ich wusste sogar, wie man dieses Teil aus der Halterung nimmt… ich ging wieder zum Wohnwagen, entsicherte den Feuerlöscher und der Nachbar meinte „Great, a fire extinguisher. Use it, quick!“ – „Ähm sorry, take it, I don‘t know to use this.“ (Mann, ich hätte der Camper of the month werden können, wenn ich wusste, wie den Feuerlöscher bedienen… 🙁 ). Der Nachbar übernahm und ich entfernte mich aus der Gefahrenzone. Mittlerweile waren viele Leute vom Campground eingetroffen und halfen. Ich probierte noch, den Wasserschlauch vom Camper abzuschrauben (eine unglaubliche Prozedur!) und als ich beinahe soweit war kam einer der Mithelfer und sagte, sie brauchen kein Wasser mehr, das Feuer sei gelöscht. Uff, nochmals Glück gehabt! Aber, frei von Schuld war der Nachbar nicht ganz: ca 2 m vor dem Wohnwagen hatte er den Firepit und hat dort Marshmellows gebraten. Ca 1.5 m daneben war seine Harley, die er mit einem Plasticverdeck abgedeckt hatte. Und seine zwei Hunde waren auch noch in der Nähe angebunden… Irgendwie hat die Fassade des Wohnwagens überhitzt und sich dann entzündet. Fazit: keine Verletzten, die Schäden sind überschaubar, der Nachbar nervlich ein Wrack. Und mein Feuerlöscher ist leer. Das muss ich dann dem Vermieter noch erklären…

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Sonntag, 21. Juli 2019: Heute geben wir Gas … und Oel

Zu unserer grossen Überraschung haben wir heute schönstes Sonn-Tags-Wetter. Wir frühstücken draussen an der Sonne und „erledigen den Haushalt“ (abwaschen, betten, alles verräumen und die Schränke sichern sowie Strom- und Wasserkabel entfernen). Dann gehen wir duschen und fahren los. Im lokalen Safeway alimentieren wir unsere Vorräte für die letzten Tage in den Kananskis (also etwas fern vom Schuss) auf. So, nun aber los zu unserem ersten Etappenziel von heute, dem Turner Valley Gas Plant. Am Standort des 1985 geschlossenen Werks gibt es eine grosse Anlage zur Oelgewinnung zu sehen. 1911 hat ein Hobby-Geologe beim Durchqueren der Prärie aufgrund der Landschaftsformation und von Blasen im Fluss den Gedanken gehabt, dass es in der Gegend Oelvorkommen haben könnte. Er hat Geldgeber von seiner Idee überzeugen können und so wurden Bodenproben genommen, welche den Beweis lieferten, dass es im Gebiet Oel gab. Rasch wurde ein erster Holz-Bohrturm gebaut und mittels grossen Eisen-Extrudern, die in den Boden gerammt wurden, in die Tiefe gebohrt. 

Turner Valley Gas Plant

Auf der Führung wird uns gesagt, dass es bis zu zwei Jahren Extruding-Arbeit erforderte, um auf Oel zu stossen. Die Kunde über die Oel-Funde (in der ersten Zeit wurde Naphta gewonnen) machten bald die Runde und so setzte in der Gegend und natürlich vor allem im nahe gelegenen Calgary ein richtiger Oel-Boom ein. In den Banken von Calgary wurden die Geldgeschäfte abgewickelt, es wurden Unternehmen gegründet und Menschen von nah und fern reisten nach Calgary, um ins Oel-Business einzusteigen – seit es als Geldgeber oder Arbeitnehmer. Interessant ist, dass Calgary auch heute noch den Ruf als Oel-Stadt Kanadas hat. Zuerst wurde im Turner Valley Werk nur Oel gewonnen. Das ebenfalls vorhandene Gas (hoch gefährliches H2S) wurde über Spezialleitungen in die Luft abgegeben,  in den 20er und anfangs 30er Jahren in Ermangelung an Verwendungsmöglichkeiten und Gas-Separierungs-Technologie. Das Gas war zwar hochgefährlich, spendete gleichzeitig aber in den sehr kalten Wintern viel Wärme, so dass sich arme Leute rund um die Gas-Ausleitung niederliessen und so wenigstens warm hatten. Im Vorfeld des 2. Weltkriegs gelang es dann aber das Gas zu reinigen (z.B. Bhutangas) und gewisse Gase als Brennstoff für die Kriegsflotte des Commonwealth zu nutzen. Ende der 20er-Jahre wurde zudem begonnen, Pipelines nach Calgary zu legen, so dass das Oel nicht mehr in Fässer verfrachtet werden musste. Wir kommen in den Genuss einer Einzelführung durch Larry und Susan, die sehr viel Interessantes zu berichten haben (Facts, Kulturgeschichte, Stories). Sie zeigen uns dann auch noch den Raum mit den zehn Generatoren, die das Oel durch das Werk und vor allem durch die Pipeline gepumpt haben. In der Halle stehen 10 Stahlkolosse, zwischendurch wieselt ein Squirrel an uns vorbei oder ächzt irgendetwas. Alles ein wenig spooky. Larry bemerkt unsere leichte Irritation. „Das ist nur die Belüftungsanlage bzw. der grosse Ventilator, der gewisse Leicht-Teile bewegt.“. Spooky ist die ganze Anlage aber so oder so, sonst würden hier wohl nicht Teile des neuen Ghosbusters-Film gedreht. Auf dem Areal stehen zahlreiche Filmkulissen-Teile herum. Wir verabschieden uns von Larry und Susan und einer weiteren Mitarbeiterin, die deutsche Wurzeln hat und sich darüber freut, mit uns Deutsch sprechen zu können.  

Pumpkompressoren

Nach einem kurzen zweiten Abstecher nach Black Diamond nehmen wir Kurs in Richtung der Kananaskis auf. Die Strecke führt uns durch dicht bewaldetes Berggebiet, das von zahlreichen Flüssen durchzogen wird. Bald schon stossen wir auf erste Herdenteile von Big Horn Sheep oder Rocky Mountain Sheep (so genau wissen wir das nicht), die Salz von den Steinen (inkl. Strassenbelag) schlecken. Die Autofahrer umfahren die Tiergruppen im Slalom. 

Sheeps

Die Fahrt zieht sich bis wir endlich am Boulton Creek Campground ankommen. Dieser besteht aus grosszügig dimensionierten Sites, die über eine loopförmig angelegte Verbindungsstrasse verteilt sind. Wald, Waldboden, Blumenpracht, Pilzvorkommen, Tiervielfalt, Berge, Sonne: Schlicht grossartig – und so ruhig. Wir verbringen einen gemütlichen Abend mit Lesen am Feuer (aber immer schön aufmerksam bleiben, es gibt Bären hier).

Es wird Nacht in Kananaskis

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Samstag, 20. Juli 2019: A day off

Heute fällt der Tagesrückblick kurz aus. An diesem regnerischen Tag sind wir nach dem Frühstück in die Chinook Honey Company gefahren und haben uns dort im Laden die verschiedenen Honigprodukte angeschaut (und natürlich auch Honig gekauft). Weiter ging‘s zum Okotoks Eratic, einem grossen Stein-Findling, den die Gletscher aus den Rocky Mountains bis nach Okotoks getragen haben. Okotoks heisst in der Sprache der First Nation Stein. Es ist also so, dass dieser Stein-Findling der Stadt den Namen gegeben hat.

Okotoks Eratic

Von hier aus fahren wir nach Calgary in die South Centre Mall. Wir gehen shoppen und finden hübsche Anziehsachen und ein Weihnachtsgeschenk für Martin. In fünf Monaten ist ja bereits wieder Weihnachten und darum kaufe ich Martin die coole Bose-Sonnenbrille mit integriertem Musikempfänger. Es ist 19.00 Uhr als ich aus der Umkleidekabine komme und eine Kasse für den Kauf meiner neuen Levis Jeans finde. Ab nach Hause! Aber zuerst noch in Cha Cha John‘ Fusion Kitchen (indische Küche mit kanadischem Einschlag) gemütlich und lecker Abendessen gehen. War super sympathisch und echt wieder mal eine Abwechslung zum bisherigen Menuplan.

Indisch-kanadische Fusion-Kitchen

Es regnet als wir unserem Camper wieder auf dem Campingplatz abstellen. Daher heute kein Feuer, sondern ein gemütlicher Indoor-Abend.

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Freitag, 19. Juli 2019: „Da muesch de haut e ‚gear‘ meh ilege.“

Dieser Satz von Marianne, die zusammen mit ihrem Ehemann Roland den Lost Lemon Campground führt, ist mittlerweile zu einem festen Bestandteil unserer Kommunikation geworden. Marianne hat mit diesem Satz Roland „in die Gänge“ gebracht, da er am Donnerstag (18.07.2019) spontan entschieden hat, mit befreundeten Camping-Leuten Squad fahren zu gehen. Die Arbeitsorganisation auf dem Lost Lemon Campground erfolgt nach dem Motto: „Erst die Arbeit und dann das Vergnügen“. Wir haben wunderbar geschlafen und eine sehr ruhige Nacht verbracht. Als wir kurz nach 7.00 Uhr erwachen, steht die Sonne bereits am blauen Himmel. Wir lassen es gemütlich angehen. Die Sonne erreicht erst gegen 9.00 Uhr unseren Tisch auf dem Campingplatz und da es recht kalt ist, sind wärmende Sonnenstrahlen am Frühstückstisch ein Muss. Heute Morgen ist es so kalt, dass wir erstmals die Heizung einschalten und den Camper auf 21 Grad wärmen, so dass das aus dem warmen Bett steigen, etwas leichter fällt. Das Duschen entfällt, da es auf dem Campground keine Duschen gibt. Zum Frühstück gibt‘s scrambled eggs mit Tomaten, Toast und Konfitüre, Orangensaft, Kaffee und frische Früchte. Dermassen gestärkt machen wir uns nach der Camper-Vorbereitung für die Weiterreise auf einen Spaziergang zum See. Nach diesem „Cher“ (wir wohnen u.a. dem Einwässern eines Motorbootes bei) kehren wir wieder zurück zum Camper. Zu unserer Überraschung erwartet uns beim Camper ein Deer, das am Grasen ist. Das Tier lässt sich bei seinem Frühstück nicht stören und post perfekt für Bilder aus nächster Nähe. 

Morgenbesuch

 Jetzt aber auf Richtung Okotoks, unserem heutigen Tagesziel. Von unserer Reiseplanung her ist Okotoks nicht unbedingt eine Wunsch-Destination. Da aber aufs Wochenende hin sämtliche Campingplätze in den Nationalparks im Westen von Alberta voll sind, sind wir gezwungen, westwärts auszuweichen. Nach etwas 30 km Fahrt kommen wir zur Bar U Ranch, die bezeichnenderweise am „Cowboy Trail“ (Highway 22) liegt. Die Ranch ist National Historical Site of Canada – und zwar der einzige Site, der sich der Ranching-Geschichte widmet. „Businessmen, cattle, Natives, princes, women, children, Percherons, polo ponies and cowboys; all played a part in the unique story of the Bar U Ranch. One of the first and most enduring of the large corporate ranches established in the 1880‘s.“. Zuerst geht‘s per Pferdewagen zu den Stallungen der Arbeits- und Reitpferde. 

Kutschentransfer

Die Stallungen der Arbeitspferde werden aktuell noch für die Kutschenpferde genutzt. Die übrigen Ranch-Teile sind reine Ausstellungsobjekte. Aber alle äusserst schön und vor allem authentisch zurechtgemacht. Über eine kleine Holzbrücke, die über den Pekisko Creek führt, gelangen wir zum Round-up Camp, also dem seinerzeitigen mobilen Camp-Teil bei tagelangen Ausritten zu den Herden auf weiter entfernt gelegenen Weiden. Bruce erzählt uns hier einiges zur Geschichte der Bar U Ranch. Bei ihm kommen wir auch in den Genuss von Cowboy-Kaffee, der auf offenem Feuer in grossen Gusseisenkrügen zubereitet wird. Gleich daneben steht der Dairy Barn … sehr, sehr anschaulich 😃. Im Cook House gibt’s frisch gebackene Cinnamon Buns und Cookies zu kosten. Herrlich! Der Duft der Cinnamon Buns hat uns bereits von der Holzbrücke aus angelockt. Besonders fasziniert haben uns der Harness Repair Shed, das Outhouse, der Blackshmith Shop und das Postoffice, in dem der Buchhalter gewohnt hat. Dort wurden die Cowboys jeweils auch für ihre Arbeit bezahlt. 

Bar U Ranch

 Wir sind sehr happy, dass wir diesen tollen Ort mit so viel Zeit und Musse besuchen können und einen Einblick ins Farmerleben bis in die 1950er und 1960er Jahre erhalten. Eindrücklich ist, dass der Cowboys-Schlafsaal im ersten Stock des Cooking Houses noch genau so aussah wie auf alten Fotos, die wir im darunter gelegenen Aufenthaltsraum sehen können. Wir sind echt begeistert. Nach einem Besuch im Gift Shop (ich finde hier ein Buch über John Ware, der mich seit dem Besuch im Dinosaur Provincial Park fasziniert) setzen wir unsere Tagesreise Richtung Black Diamond fort. In diesem beschaulichen Örtchen präsentiert sich die Central Avenue noch wie eine Westernfilm-Kulisse. Unser Eindruck: Black Diamond ist recht schmuck aber auch nicht overwhelming. Im örtlichen Bäckerei-Café gönnen wir uns Kaffee und Kuchen. 

100 m Altstadt

Nach wenigen Kilometern Weiterfahrt kommen wir bereits in Okotoks an und finden hier auch sofort unseren Campingplatz. Mit rund 200 Stellplätzen der grösste auf dieser Reise. Der Platz ist ganzjährig geöffnet und bietet auch Jahres-Fixplätze an, was dazu führt, dass einige Sites wie auf dem Schiffenen-Camping daher kommen und von lokalen Königen bewohnt werden. Also einfach Augen zu und durch. Bei uns gibt’s ein einfaches Pasta-Znacht am offenen Feuer. Martin ist der Feuermeister und hält uns mit einem tollen Feuer sämtliche Mücken weg. Supi Martin! Du musst heute keinen zusätzlichen „gear“ einschalten.

Firepit

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Donnerstag, 18. Juli 2019: Wättermässig ä Auerwäutstag

Die Sonne gibt kurz nach sieben Uhr das Startsignal in den Tag. Kurzer Spaziergang ins Lost Lemon-Badezimmer und lautes Zugshorn. Ein Güterzug … direkt hinter unserem Campground! Rasch zum Camper zurück, Kamera geholt und just den letzten Wagen der Güterkomposition fotografiert. Schittere Qualität zwar aber zumindest ein Fotobeweis. Die letzten paar Schritte zum Camper lege ich im Regen zurück. Das Wetter hat schlagartig umgestellt. Martin ist nun auch wach und meine „frohe Kunde“ zum soeben durchgefahrenen Zug schlägt er leicht zerknirscht ab. Es seien ja bereits um 23.45 bzw. 04.45 Uhr Züge mit lautem Horn vorbeigefahren. Ah ja? Die habe ich komplett verschlafen. Dabei liegt das Gleis wirklich nur ein paar Meter von der von unserem Standort gegenüberliegenden Campingplatz-Reihe, also etwas 50 Meter entfernt. Und da die Gemeinde Blairmore keine Bahnschranken für die zahlreichen Bahnübergänge im Village vermag, bleiben diese unbewacht, was zur Folge hat, dass die Lokführer gefühlt alle 100 Meter in Blairmore hornen müssen. Der liebe Eisenbahn-Fan an meiner Seite hat dementsprechend schlecht geschlafen. 

Es regnet immer noch in Strömen und beginnt dann sogar zu blitzen und donnern. An ein Outdoor-Frühstück ist heute nicht zu denken. Dann bleiben wir halt drin und wenn schon, denn schon: Wir frühstücken heute im warmen Bett. Einfach nur Kaffee, Orangensaft und Toast mit Ananas-Konfitüre. Kurz vor 10.00 Uhr steigen wir dann aber trotzdem mal aus den Federn. Und siehe da: Der Himmel reisst auf und strahlender Sonnenschein flutet die völlig durchnässte Camper-Schar auf dem Lost Lemon Campground. Da auf diesem Campground alles blitze blank sauber ist, entscheiden wir uns, die Laundry zu benutzen und eine Maschine Wäsche zu starten. Waschen, duschen, tumblen, Camper reisefertig vorbereiten und immer wieder zwischendurch ein kurzer Bärndütsch-Schwatz mit Marianne oder Roland den Campingplatz-Besitzern. So wird es 12.00 Uhr bis wir losfahren. 

Die Berner Fahne ist aus richtigem Fahnenstoff und hält 3x länger

Für unsere heutige Reise mit dem Tagesziel Chain Lakes Provincial Park wählen wir zuerst die Crowsnest Heritage Route, die uns durch via Frank-Slide Geröllfelder nach Hillcrest und da direkt zum Friedhof führt. Hier befindet sich ein Obelisk aus schwarzem Marmor, der von kleinen Marmor-Quadern umgeben ist. Dies zum Gedenken an alle Kohlegruben-Arbeiter, die in der Ausübung ihrer beschwerlichen und gefährlichen Arbeit ums Leben gekommen sind. Insbesondere wird mittels anschaulicher Informationstafeln den knapp 200 Männern gedacht, die am 19. Juni 1914 in Hillcrest beim schwersten Kohleminen-Unglück in Kanada ihr Leben gelassen haben (Explosion). Wenn auch über 100 Jahre her, so bewegt uns dieser Ort und seine Geschichte doch sehr. 

Dann geht es diretissima Richtung Chain Lakes Provincial Park. Die Autofahrt gestaltet sich für Martin sehr anspruchsvoll, da unser Camper eine optimale Angriffsfläche für die heavy wind gusts darstellt. Unser Chäreli hätte wohl ohne Einsatz von Martin abgehoben. Darum sind wir froh, als wir beim Campground ankommen. Im Circle B beziehen wir gegen 15.00 Uhr unseren Platz 31 mitten in der Natur – so quasi wo Hase und Fuchs sich gute Nacht sagen. Wobei wir nach dem Nachtessen nur den Hasen bzw. zwei Hasen sehen, die ihrerseits znächtlen. Nach der Ankunft gehen wir spazieren und erkunden die schöne Landschaft entlang des Chain Lakes. Beim Hauptstrand des Chain Lakes hat es ein kleines Selbstbedienungs-Restaurant. Wir treten ein und als wir einen Blick auf die Karte werfen, wissen wir beide, dass jetzt der Moment gekommen ist, sie auszuprobieren: Die Poutine! Eine kanadische Spezialität, die von morgens früh bis abends spät gegessen werden kann. Poutine wird in einer Schüssel serviert in der Country Fries mit Cheddar und Gravy im Ofen gewärmt werden, so dass sich der Käse-Gravy-Mix crème-artig auf den Fries verteilt. Ganz OK das Ganze, aber einmal tut es für uns. 

Poutine!

Wir sitzen an einem Tisch im Aussenbereichs des Restaurant als aus dem Nichts heraus ein Teenager-Moose die Rasen-Strandfläche betritt und zum bzw. in den See schreitet. Sehr relaxed und ohne gross Notiz zu nehmen von den ungefähr zehn Personen, die ihn bei seinem Trinkausflug in den See beobachten. So ruhig er gekommen ist, so ruhig zieht er sich wieder in den Buschwald zurück. Toll, ein Moose ist absolut Premiere für uns.

Ein Moose!

Als wir zum Camper zurück kehren, hat sich der Himmel wieder arg verdunkelt. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es wieder heftig zu regnen anfangen wird. Aber irgendwie gelingt es den heftigen Winden, die Regenwolken in ein anderes Gebiet (Crowsnest?) zu verschieben. Zwei Stunden später ist‘s wieder grand beau aber sehr kalt, so dass wir zum ersten Mal in diesen Ferien die Heizung einsetzen. Den Rest des Nachmittags verbringen wir mit lesen und relaxen. Nach dem Abendessen, das wir temperaturbedingt in-house eingenommen haben, entdecken wir auf dem Vorplatz unseres sites Hasen, die sich an den Gräsern und am Klee (Kleeblumen) genüsslich tun. Es macht Spass den beiden zuzuschauen, die ihrerseits dann weniger Spass haben als sich die beiden beim Mümmeln ins Gehege kommen.

Beim Nachtessen

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Mittwoch, 17, Juli 2019: Lange-Hosen-Tag

Irgendeinmal heute Morgen früh erwache ich ob dem Sonnenaufgang. Wir haben die letzten beiden Nächte die Kofferraum-Fenster-Jalusien nicht zu gezogen und so strömt das orange-goldene Licht direkt in unser „Schlafzimmer“. Zum Aufstehen ist es aber noch zu früh. Darum Augen-Kissen aufgelegt und weitergeschlafen. Als wir uns gegen 9 Uhr an den Outdoor-Frühstückstisch setzen, ist von der Sonne nichts mehr zu sehen. Es ist bewölkt und sehr zügig, was dazu führt, dass wir ebenso zügig frühstücken. Die Dusche im sehr einfach gehaltenen Dusch- und Toiletten-Häuschen wärmt uns etwas auf. Aber so oder so ist der Dresscorde heute: Lange Hosen. Wir verlassen diesen wunderschönen Campingplatz und fahren nochmals zum Waterton Park. Bereits nach wenigen Metern halten wir ein erstes Mal an. Martin entdeckt einen Fischadler, der seine Lunch-Beute am Verzehren ist. E Guete! 

Fischadler

Zeitgleich sichten wir ein erstes Reh. All dies bevor wir im Park angekommen sind. Nach dem Park-Eintritt fahren wir bis ins Waterton Village. Ich mache noch ein paar Aufnahmen der wunderschönen Flora am Wegesrand und auf den Wiesen. In Waterton sehen wir als erstes ein Bergschaf im Vorgarten eines Privathauses. Der Aufenthalt von Bergschafen, Hirschen und Rehen in den örtlichen Vorgärten führt dazu, dass die Hausbesitzer ihre Blumen und Baumpflanzungen grossmehrheitlich hinter Drahtzaun-Konstrukttionen „halten“, so dass die Deers & Co. sich nicht darüber her machen können. Im Wildflower Corner Coffee Shop holen wir uns nochmals einen leckeren Kaffee mit Kuchen. Den Kaffee trinken wir gleich vor Ort, den Kuchen gibt‘s später im Tag. 

Wildflower Coffee

Anschliessend nehmen wir noch einmal die Strasse Richtung US-Border, um nach Möglichkeit noch etwas Wildlife zu erspähen und vor allem die orange-roten wilden Feuerlilien zu fotografieren. Wie am Vorabend fahren wir bis zum Belly River Campground und wenden dort unser Fahrzeug. Wildlife kriegen wir heute keines zu sehen … bis auf eine Entenmutter mit ihrer siebenschnäbligen Kinderschar. Die Entchen sind wirklich noch sehr klein und tapsen in einer Kolonne ihrer Mutter hinter her über die grosse Strasse. Herzallerliebst! Martin hat natürlich sofort das Auto angehalten. Aber noch so war die Aufregung so gross, dass das Muttertier davon geflogen ist und sich die Jungen unter einem Busch versteckt haben. Wir hoffen, dass sich alle rasch wieder gefunden haben und sich im nahen Bach in Sicherheit begeben konnten.

Feuerlilien

Wir setzen unseren Weg fort, halten zwischenzeitlich immer wieder an, um Fötelis zu machen. Auf einem ruhig gelegenen Picknick-Platz essen wir die kleinen Cakes, die wir im Wildflower Coffee Shop gekauft haben.

Rastplatz

Kurze Zeit später brechen wir auf Richtung Crowsnest Park und fahren mit einem kurzen Zwischenstopp in Pincher Creek (Benzin tanken und Aprikosen/gelbe Kirschen aus dem Okanogan-Valley kaufen) bis nach Lundbreck weiter. Hier statten wir den Lundbreck Falls einen kurzen Besuch ab bevor’s weiter nach Frank geht.  

Lundbreck-Falls

In Frank gibt es das Frank Slide Interpretative Centre zu Canada‘s deadliest rockslide! Was war hier geschehen? Am 29. April 1903, morgens um zehn nach vier haben sich 110 Millionen Tonnen Felsen vom Turtle Mountain gelöst und sind auf die Kohleminen-Stadt Frank gestürzt bzw. haben diese teilweise komplett verschüttet. An die 100 Menschen haben bei diesem tragischen Naturereignis ihr Leben verloren. In weniger als 100 Sekunden hat der Bergsturz drei Quadratkilometer des Crowsnest-Tals mit bis zu 45 Metern Gesteinsbrocken und Geröll verschüttet. Eindrücklich! Das Geröllfeld liegt nahezu unverändert im Tal. Einzig ein Band für die Führung der Bahnstrecke bzw. der Strasse wurde frei gemacht. Wir verweilen eine Weile im interessant gestalteten Museum und schauen uns noch einen Film an, der die Ereignisse vom 29.4.1903 aus der Sicht von Menschen, die das Ereignis erlebt haben zusammenfasst.

Frank Slide

Von Frank aus ist es nur noch ein Katzensprung bis nach Blairmore, wo wir heute auf dem Lost Lemon 🍋 Campground von Marianne und Roland übernachten. Beim Betreten des Offices empfängt uns Marianne mit einem vertrauten „Guete Abe mittenang“. Die beiden sind vor 16 Jahren nach Kanada ausgewandert. Nach einem Schwatz und einer Restaurant-Empfehlung der beiden (Martin hat Lust auf Pizza) fahren wir in die Stadt zurück, die dann doch grösser ist als wir zuerst gedacht haben. In der Black Rock Pizzeria gibt es für uns beide eine leckere Pizza. Wir kehren zurück auf den Campground, installieren das Nötigste und gehen ins Bett. Da es hier recht kühl ist und dann auch noch zu regnen beginnt, ist unser tolles grosses Camper-Bett der ideale Zufluchtsort bei solchen Witterungsverhältnissen.

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Dienstag, 16. Juli 2019: Papierloser Grenzübertritt

DHeute ging‘s in den Waterton National Park. Dieser Park ist binational und bildet mit dem etwa 3x grösseren Glacier-Nationalpark eine grosse geschützte Gegend. Ende August 2017 schlug im Watertonpark im Wald der Blitz ein und löste einen grossen, ja sehr grossen Waldbrand aus. Die Bevölkerung von Waterton wurde evakuiert und man rechnete damit, dass das Dorf dem Erdboden gleich gemacht wird. Heute wissen wir: es gab ein teilweises Happy-End. Während grosse Teile des Waldes über dem Dorf weg sind, konnte das Dorf gerettet werden. Viele Teile des Nationalparks können aber noch nicht besucht werden, da immer noch die Infrastruktur hergestellt wird. Den Red Rock Canyon werden wir nicht sehen, ebenso besteht zum Cameron Lake noch kein Zugang. Eine kleine Entschädigung erhielten wir etwa 2 Kilometer nach Einfahrt in den Park, als wir einen Braunbären sichten konnten. In einer wunderschönen Wiese suchte er was zum Essen und liess sich von den Leuten nicht stören. Unsere Mit-Bären-Sichter begaben sid bis auf 5 Meter zum Bären. So ein Verhalten ist schlicht leichtsinnig. Wir betrachteten das tolle Tier aus sicherer Entfernung…

Braunbär

Gestern hatten wir Tickets für die Schifffahrt auf dem Upper Waterton Lake gekauft. Um 13:00 Uhr soll das Schiff losfahren, wir sollen doch 10 Minuten vor Abfahrt bereit zum Einstieg sein. Als gute Schweizer sind wir überpünktlich und sind schon eine halbe Stunde vorher dort. Aber die Schlange war schon sowas von lang, dass wir mit Sicherheit keinen Platz mehr auf dem sonnigen Oberdeck erhalten würden…
Und genau so war es. Aber wir hatten einen Platz auf dem Hauptdeck, ganz hinten gedeckt an der frischen Luft. Ist uns auch recht. Zu unserem Amüsement begann es kurz vor Abfahrt zu regnen. Waterton hat einen extremen Wetterwechsel, sodass dann 10 Minuten später die genässten Touristen wieder trocknen konnten… Wir legten los Richtung Süden, also US-Gebiet. Wir haben uns im Vorfeld erkundigt, ob wir irgendwelche Visa- oder ESTA-Formulare ausfüllen muss, aber nein, das müsse man nicht. Das Schiff tuckert also los. Die MV International wurde 1927 am Südufer des Sees gebaut und ist seit rund 100 Jahren auf diesem See im Einsatz. Der Begleitkommentar aus den Lautsprechern erzählte uns jedes und alles über den See und die Gegend. Vor Allem erzählte er, welche Tiere wir hier zu sehen kriegen: Elche (cool, dann haben wir die auch mal live gesehen!), Bären aller Art, vielleicht einen Mountain-Lion… Wow! Wir haben gut getan, eine solche Schiffreise zu machen! Wir können es vorneweg nehmen: Eine Hirschkuh und ein paar Enten haben wir gesehen. Sonst nix…

Aber es bleibt dabei: die Fahrt ist wunderbar. Immer mehr geht es gegen die US-Grenze und… wir fahren einfach so drüber… Keine Einreiseformalitäten, kein Anstehen, keine „Yes Officer“-Sprüche vor einem Beamten. Einfach so durch…  Über Lautsprecher werden wir aufgeklärt: Normal hätten wir in Goat Hunt (US) anlegen sollen und hätten dort 30‘ Zeit gehabt und uns die Beine vertreten können. Aufgrund von Budgetrestriktionen hat es aber aktuell kein Grenzpersonal vor Ort und drum dürfen wir hier nicht anlegen (worauf eine Frau auf dem Schiff laut „Thank you Mr. Trump“ sagte 🙂 ). Der nächste von Goat Hunt erreichbare Ort ist 30 Meilen entfernt, wohlgemerkt zu Fuss und nicht über eine Strasse, sodass die Grenzer auf dem Landweg von den USA nach Waterton (CAN) fahren und dann mit dem Schiff nach Goat Hunt fahren (würden). Goat Hunt sei der einzige Ort in den USA ohne Starbucks oder McDonald…

Wir überfahren also die Grenze und diese ist mit einem Obelisken sichtbar gemacht:

Grenzobelisk

Und offenbar gibt es in den USA ein Gesetz welches besagt, dass überall dort, wo die Grenze sichtbar gemacht werden kann, sie sichtbar gemacht werden muss. Und hast heisst in diesem kanadisch-amerikanischen Grenzfall, dass entlang der Grenze (exakt der 49. Breitengrad) eine Schneise in den Wald geschlagen werden musste, um die Grenze sichtbar zu machen:

Gut sichtbare Grenze CAN-USA

Am Ende des Sees angelangt fahren wir anschliessend wieder zurück. Die zweistündige Fahrt war kurzweilig und informativ.

Wir spazieren durch Waterton und entdecken ein tolles Café: Das Windflower Corner Coffee befindet sich in einer Hausecke (wo sich auch noch ein Kino und eine Velovermietung drin befindet) und ist so klein, dass man bei einer Türe hineingeht, man direkt am Tresen steht, die Bestellung aufgibt und das Getränk mitnimmt und auf der anderen Seite eine andere Türe hinausgeht. Im Haus selber kann man fast nicht kreuzen, so eng ist das Ganze… Wir können uns ein feines Kafi und was Süsses… Anschliessend machen wir einen Spaziergang zu den Cameron Falls, alls nun ach wir verregnet werden. Aber Frau hat ja immer einen Schirm dabei, sodass wir nicht allzu nass werden.

Cameron Falls

Um trocken zu werden gehen wir in einen Laden für Outdoor-Kleider und lassen dort ihre Kasse klingeln. Mittlerweile haben wir Hunger und kehren bei Zum‘s ein. Die Bedienung ist schnell, das Essen gut und günstig. 

Wir fahren zurück auf unseren Campingplatz und halten unsere Augen offen. Vielleicht sehen wir wieder ein Tier am Strassenrand stehen? Leider nein. Sollen wir der Empfehlung auf dem Schiff Glauben schenken, in der Dämmerung auf dem Highway 6 Richtung US-Grenze zu fahren, weil man dort fast immer Tiere sehe? Oder ist das einfach so ein blabla wie mit den Tieren, die man vom Schiff aus sieht? Wir fahren natürlich auf den Highway 6 Richtung US und lassen uns von der Blumenpracht und dem Panorama beeindrucken. Tiere? Nun ja, Mücken, die auf die Windschutzscheibe klatschen. Doch, hier, ein Hirsch! Und tatsächlich ein paar Kilometer weiter ein Schwarzbär, welcher Stein um Stein umdrehte und darunter was essbares suchte. Mann, welche ein Glück, solch ein Tier sehen zu können!

Schwarzbär

Nun ist aber wirklich Zeit auf den Campground zurückzukehren. Es nachtet ein und ein wunderschöner Vollmond steigt auf. Ein Tag mit einmal mehr vielenvielen Eindrücken endet. Gute Nacht!

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Montag, 15. Juli 2019: Erlebnis-Reisetag

Heute scheint Gross-Abreisetag auf dem Bridgeview-RV-Campground zu sein. Es gibt sogar einen Stau vor der Dumping-Station! Bereits hat sich bei uns eine gewisse Routine bei den Abreisevorkehrungen eingestellt (Store und Lüftung einfahren, Wasser- und Stromkabel entfernen, Jalusien zurückschieben und vor allem die Schranktür-Sicherung aktivieren). Und so verlassen wir gegen 11:00 Uhr diesen Campingplatz, der wohl über die höchste Dichte an Zurechtweisung- und Verbotsschildern verfügt. Mein Favorit aus der Dusche: „Bitte nicht mit Strassenschuhen oder alten Flip Flops die Duschkabine betreten, da die auf dem Campingplatz „eingetretenen“ klebigen Pappelknospen fast nicht mehr aus der Dusche zu kriegen sind.“ Gut, das ist eigentlich nur der zweite Favorit. „Obeuse“ schwingt die Weisung, dass man auf dem Bridgeview-Campground nichts auf den Rasen stellen/legen/aufbauen darf, da dieser extrem gehegt und gepflegt wird und mit einem Sprinklersystem versehen ist. Somit müssen auch Zelte konsequent im Schotter aufgestellt werden und der geschmeidige Rasen dient höchstens zum Spielen der Kinder oder als Hundetoilette. 

Wir fahren nur einige hundert Meter weiter, um uns die Eisenbahnbrücke von Lethbridge anzusehen. In einem Wetland Park, der um einen kleinen Seitenarm des Old Man River angelegt wurde, haben wir einen ausgezeichneten Blick auf die Brücke und tatsächlich fährt doch gegen 11:30 Uhr ein Güterzug, weitgehend aus den gleichen Getreidewagen bestehend, über die Brücke und bleibt sogar für mehrere Minuten darauf stehen. Es ist schon faszinierend, den schweren, langen Güterzug auf der fragil wirkenden Brücke stehen zu sehen.

Brücke von Lethbridge mit Zug

Und wie immer kommen wir auch hier ins Gespräch mit Einheimischen, die uns erzählen, dass es etwas weiter vorne vom Spazierweg aus Schildkröten zu sehen gebe. Von den Tieren sind im trüben Wasser tatsächlich zuerst nur die Köpfchen zu sehen, die aus dem Wasser ragen. Erst bei genauerem Hinsehen sind auch die Panzer auszumachen. Wir verweilen noch ein wenig vor Ort, kommen mit einem Familienvater ins Gespräch, der uns im Wasser einen Northern Pike Fisch zeigt. Nachdem wir ihm gesagt haben, dass wir aus der Schweiz sind, meint er spontan, dass er sich wohl nicht getrauen würde, in Europa in einem Camper rumzureisen (fremdes Geld, fehlende Sprachkenntnisse, keine Ahnung von den Verhältnissen etc.). Die Schweizer würden ihn sicher subito in die Wüste schicken. „Geht nicht, wir haben in der Schweiz keine Wüste.“ Grosses Gelächter. Er ist Edmonton Oilers Fan und so konzentriert sich das Gespräch stark auf Schweizer Eishockey-Spieler in der NHL. Der erste Name, den er bringt ist der von Martin Gerber. Es folgen noch einige mehr … bevor wir uns voneinander verabschieden.

Schildkröte

Heute gibt es nur wenige Programmpunkte: 

1. Einkaufen im Safeway Wir brauchen nicht viel, ergänzen unsere Vorräte einfach für die Fahrt in den Westen. Eigentlich müssten wir auch dieses Mal nur eine kurze Liste abarbeiten. Aber Martin und ich verlieren uns regelmässig in den langen und hohen Regal-Gängen (du holst Brot, ich mache mich auf die Suche nach Tissues und wir treffen uns wieder bei den Früchten) und entdecken in diesem Shopping-Labyrinth auch immer wieder Produkte, die es bei uns nicht zu kaufen gibt. So heute zum Beispiel eine Schokoladen-Pizza von Dr. Oetker.

Was Dr. Oetker nicht so alles macht…

2. Fahrt zum Waterton National Park Zügige Fahrt durch eine wunderschöne Landschaft. Tolle Himmel-Wolken-Land-Farben-Bilder. 

3. Ankunft im Waterton National Park Etwas Sightseeing in Waterton Village, Tickets für einen Bootausflug am Dienstag gebucht und weiter geht‘s zum Campingplatz am Crooked Creek, wo wir vor ein paar Tagen den letzten verfügbaren Platz ergattert haben. 

4. Camping-Einrichtung hochfahren Abendessen und schlafen in absoluter Stille, die nur dann und wann durch eine Windböe „gestört“ wird.

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Sonntag, 14. Juli 2019: Auf Steine schreiben

Heute ist Nationalfeiertag der Franzosen. Eigentlich dumm, wenn der auf einen Sonntag fällt. So kriegt man keinen zusätzlichen freien Tag. Nun gut, nicht unser Problem… 🙂

Wir starten gemütlich in den Tag. Obschon unser Camping in Lethbridge gleich neben dem viel befahrenen Highway liegt, haben wir gut ja sehr gut geschlafen. Wir starten Richtung Süden, in Richtung amerikanische Grenze. Wir bleiben aber in Kanada und besuchen den „Writing on Stone Provincial Park“. Seit knapp einer Woche (!) ist dieser Park Unesco-Welterbe. Er liegt auf dem Gebiet der Blackfoot, einem „first Nation“ Volk, welches sich seinerzeit über mehrere hundert Kilometer in der kanadisch/amerikanischen Region ausbreitete. Mit der Ankunft des Weissen Mannes hat sich das Leben der Blackfoot verändert bzw. sie wurden verdrängt, nun soll dieser Park heute das Gedenken aufrecht erhalten und die verschiedenen Sehenswürdigkeiten den Leuten zeigen. Und als Sehenswürdigkeiten sind natürlich die historischen Zeichnungen im Fels und die speziellen Felsformationen mit den vielen und speziellen Hoodoos. Die Fahrt dorthin dauerte fast zwei Stunden, zuerst über einen grossen Highway, dann über einen kleinen Highway den wir als Hauptstrasse bezeichnen würden. Die Gegend ist mehrheitlich flach, es dominieren die gelben Rapsfelder, welche mit dem blauen Himmel einen wunderbaren Kontrast ergeben.

Dann kamen wir in die Nähe des Parks und sahen Warnschilder, dass es hier Klapperschlangen gibt, welche sich auch auf der Strasse sonnen und die man bitte nicht überfahren soll, da sie geschützt sind und sonst aussterben werden.

Snakes…

Und dann ist ja jeweils der Gedanke dass es doch toll wäre, eine Schlange zu sehen und auch die Angst davor und die Hoffnung, keines dieser Tiere zu Gesicht zu bekommen…

Wir gehen als Erstes zum Visitors-Center und sehen, dass von der Parkleitung Führungen angeboten werden. Wir entscheiden uns für die Führung WOS101, was so viel heisst wie „Writing on Stone one on one“. Für die Tour müssen wir gutes Schuhwerk und vernünftige Kleider tragen sowie mind 1 Liter Wasser mitnehmen. Um 14:00 Uhr treffen wir unseren Guide Saa’kokoto, einen echten Blackfoot, dessen Grossvater noch in der Region gelebt hat. Saa‘kokoto nimmt uns auf eine Reise mit in die Vergangenheit, in die Realität und in die geschichtlichen Hintergründe. Wir lernen auch ein paar Brocken Blackfoot-Sprache, wobei das zu wenig ist um in einem Wigwam Feuerwasser zu bestellen… 🙂

Zuerst steigen wir in einen Bus und fahren etwa 10 Minuten über Nebenstrassen. Dann geht es 5 Minuten zu Fuss auf eine Anhöhe, von wo aus wir über das ganze Gebiet sehen. Den Milk River, im Hintergrund die Strecke, von wo die Whisky-Schmuggler kamen, und die zwei Häuser wo die Royal Canadian Mounted Police über Recht und Ordnung wachte. Und hier, in diesem Gebiet, welches bis weiter als die Berge, die bereits auf US-Boden sind, lebten die Blackfoot.

Hier lebten die Blackfoot

Die Gegend ist wunderschön! Und Klapperschlange haben wir noch keine gesehen, weil Saa‘kokoto immer mit seinem Stock gegen die Steine schlägt. So können sich die Tiere verziehen, bevor wir sie zu Gesicht bekommen. Dann geht es wieder in den Bus und wieder etwa 10 Minuten über nun für den übrigen Verkehr gesperrte Strassen. Nun kommen wir an einen Felsen, wo es tatsächlich Zeichnungen drauf hat. Diese seien von 2000 vChr und wurden von Saa‘kokotos Vorfahren gemacht.

Ein Mann mit drei Pferden

Eindrücklich! Natürlich hat es im Felsen auch weitere Zeichnungen, aber auch Kritzeleien aus der heutigen Zeit. Also auch aus der Zeit, wo noch die Royal Canadian Mounted Police vor Ort war. Und wenn es den Polizisten in diesem abgelegenen Ort langweilig wurde, haben sie ebenfalls ihre Kritzeleien angebracht… Oder mit den Whiskey-Schmugglern gemeinsame Sache gemacht… Leider gibt es auch heute noch Leute, die diese Wände bekritzeln und das ist nicht so funny.

Saa‘kokoto erklärt uns die Wandmalereien

Danach ging‘s wieder mit dem Bus zurück zum Visitors-Center, wo wir noch ein paar Gegenstände aus dem Leben der Blackfoot anschauen und berühren können, mehrheitlich Felle verschiedener Tiere. Wir sind froh, für die Busfahrt ausreichend Getränke und passende Kleidung getragen zu haben 🙂
Alles in Allem war die Führung sehr lehrreich und die Infos von Saa‘kokoto, mit welchen er uns das Leben der Blackfoot rüber brachte, sehr informativ!

Nach der Führung gingen wir noch zu Fuss runter an den Milk River, durch die einmalig schönen Felsformationen der Hoodoos. Natürlich festen Schrittes, schliesslich wollten wir keiner Schlange begegnen…

Eindrückliche Hoodos im Writing-on-Stone Provincial Park

Die Fahrt zurück nach Lethbridge führte uns über die gleichen Highways zurück. Statt im Camper zu kochen gingen wir in Lethbridge erneut ins Montanas Steakhouse essen.

Es war ein langer Tag und entsprechend Müde gingen wir zu Bett.

Ein Tag bei den Schlangen, und keine gesehen. Es sind raffinierte Viecher, wie dieser Cartoon von Gary Larson zeigt:

Klapperschlangenschule

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Samstag, 13. Juli 2019: Interessante Begegnungen

Wir haben wunderbar geschlafen und werden auch auf dem Tillebrook-Camping durch die Sonne geweckt. Im Ferien-Tempo geht’s in den Tag. Als wir alles verstaut und zum ersten Mal die Tankentleerungen von Schwarz- und Grauwasser vorgenommen haben (Martin entdeckt bei der Wasser-Station noch ein Vogelnest) fahren wir los. Unser erstes Ziel heute ist Scandia, wo es einen alten Korn-Speicher zu sehen gibt (grain elevator). Die hohen, „mehrflügligen“, hölzernen Korn-Speicher gibt es in Kanada nur noch selten zu sehen. Meistens sind sie durch runde Metall-Silos abgelöst worden, die über direkte Zuleitungen für den Verlad auf die Getreidewagen der Bahn verfügen. Der blutrote Scandia-Elevator ist bereits aus der Ferne gut zu erkennen.

Scandia Grain-Elevator

Als wir auf den Parkplatz fahren, stellen wir fest, dass es sich um eine Art „Ballenberg“ handelt, es also noch andere ältere Gebäude und Einrichtungen zu sehen gibt. Zudem erspäht Martin eine Personengruppe, die so gekleidet sind, dass Martin sagt: „Da gibt‘s heute sicher einen Historic Event.“. Ich versuche seine Erwartungen zu zügeln. „Sind die Leute vielleicht so geklediet weil sie sich bewusst so kleiden?“. Wir schauen uns zuerst den Grain Elevator und die alten Bahnwagen der Canadian Pacific Railway an. Von aussen ganz hübsch, von drinnen ist eine Besichtigung leider nicht möglich. Ganz in der Nähe der Mühle stehen zahlreiche Oldtimer-Fahrzeuge und -Landmaschinen. Bunt zusammengewürfelt, teils auch nur lieblos abgestellt. In diesem Moment kommen einige Kinder der Personengruppe angerannt. Die Jungs tragen alle lange Hosen und karierte Hemden, die Mädchen wadenlange eher altmodisch anmutende Kleider und die langen Haare zu Zöpfen gebunden. Das sieht alles mehr nach real life als nach Historic Event aus. Wir schauen uns noch die anderen Objekte an, z.B. einen alten Laden, eine Scheune und zwei Wohnhäuser. Im alten Laden kommen wir mit einer Frau ins Gespräch und erfahren von ihr, dass es sich bei der Personengruppe um Mennoniten handelt. Die Glaubensgemeinschaft der Mennoniten wurde im frühen 16. Jahrhundert von Menno Simons, einem norddeutschen Führer der Wiedertäuferbewegung, gegründet. Unter dem Druck brutaler Verfolgung durch die Gegenreformation wanderten viele Mennoniten im 17. Jahrhundert nach Amerika aus. Konservative Mennoniten lehnen noch heute technische Errungenschaften wie Autos, Telefon und Elektrizität ab. Es gibt aber auch liberale Gruppierungen, die einen offeneren Zugang zu den heutigen technologischen Errungenschaften haben. Das scheint auch bei unserer Gesprächspartnerin der Fall zu sein. Sie trägt eine digitale Kamera mit sich und die Familien der Gruppe scheinen mit dem Auto angereist zu sein. Allen Gruppen gemeinsam ist die Erwachsenentaufe und die Ablehnung des Wehrdienstes. Der Alltag ist von Tätigkeit Nächstenliebe geprägt: Man hilft einander bei der Arbeit auf dem Feld, beim Bau von Häusern und verbringt viel Zeit in der Gemeinschaft.

Mennonitinnen

Wir setzen unsere Reise via Ortschaften mit den klingenden Namen Enchant und Lomond bis nach Vulcan weiter. Ich als absolute Star-Trek Banausin konnte mit dem Namen Vulcan wenig Bedeutungsvolles verbinden. Aber ich lerne aus der heutigen Begegnung mit Vulcan: Im Unisversum der Star-Trek-Filme und Filmserien existiert ein Planet Vulkan, allerdings in einem anderen Sonnensystem. Er liegt etwa 16 Lichtjahre von der Erde entfernt und umkreist den Stern Keid. Ich kannte bis dahin natürlich nur die Bedeutung des hypothetischen Planeten Vulkan innerhalb der Merkurbahn, der früher angenommen wurde, um die Periheldrehung von Merkur restlos zu erklären. Mit der Erklärung der Periheldrehung durch die allgemeine Relativitätstheorie verlor die Vulkan-Hypothese dann aber ihre Notwendigkeit und daher auch ihre Bedeutung … LOL 🙂 . Item. Wir besuchen in Vulcan das Tourist Office, das gleichzeitig auch Star-Trek Museum ist, lassen von uns ein Trekky-Bild mit Vulkanier-Gruss machen und fotografieren uns noch etwas durch die Umgebung bevor wir das samstäglich ruhige Vulcan verlassen und in Richtung Lethbridge aufbrechen und diesmal Orte mit den Namen Kirkcaldy, Champion, Carmangay, Barons, Monarch und Coalhurst durchfahren. 

Live long and prosper

Ob Reise, Begegnungen und vielen Reise-Eindrücken etwas ermüdet, sind wir froh darüber, für das heutige Abendessen auf weitgehend vorbereitete Speisen zurück greifen zu können. Beim morgendlichen Einkauf haben wir Chicken Legs 🍗 gekauft, die wir jetzt nur noch aufwärmen müssen. Dazu gibt‘s Kartoffelstock und einen gemischten Salat. Wir lassen den Abend bei einem Kaffee gemütlich ausklingen und schmieden dazu weitere Reisepläne.

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Freitag, 12. Juli 2019: Traum-Ferientag

Als ich mich heute Morgen noch einmal im Bett umdrehen will, stelle ich fest, dass die Sonne in unser Schlafgemach „glüslet“. Daher nichts wie auf und raus an die Sonne. Wir ziehen unsere Sportsachen an und unternehmen eine Jogging-Runde im Marschland des Lake Nevell. Das Gebiet ist bekannt für seine Vogel-Artenvielfalt. Kaum haben wir so richtig im Lauf-Flow entdecken wir zwei Deers beim morgendlichen Aesen. Sie betrachten uns etwa gleich neugierig, wie wir sie und ziehen dann weiter ins Land.

Aesende Deer

Der morgendliche Spaziergang bereitet uns sehr viel Freude. Es zwitschert, pfeift, zirpt und krächzt überall. Zwar bekommen wir nur wenige Vögel zu sehen. Die Distanz zwischen dem Weg und dem Wasser ist recht gross. Doch das Gesamtbild mit dem lauschigen See, dem satten Grün der Wasserpflanzen und Schilfgürtel, der strahlenden Sonne und den unzähligen Schäfchen-Wolken am blauen Himmel wirken beglückend.

Marshland

Nach rund zwei Stunden kehren wir zu unserem Camper zurück. Jetzt haben wir uns ein leckeres Frühstück verdient. Es ist mittlerweile so warm, dass wir unsere Camper-Utensilien (Tisch und Stühle) hervorholen müssen, da der Campground-Tisch an der prallen Sonne steht. Danach packen wir alles zusammen, fahren zum Dusch-Häuschen. Heute kriegen wir für einen Loonie (ein kanadischer Dollar) während ungefähr zwei Minuten Duschwasser. Aber wir schaffen‘s innert nützlicher Zeit Shampoo und Duschmittel abzuspülen. Es ist mittlerweile an die 30 Grad Celsius warm. Unser erstes Reiseziel heute ist der Brooks Aqueduct. In den frühen 1900er Jahren lancierte die Canadian Pacific Railroad ein grosses Bewässerungsprojekt als Teil des Eastern Irrigation District. Zusammen mit dem Bassano Dam (in Bassano) war dieser Aquädukt das zentrale Bauwerk für die Bewässerung des sehr trockenen Prärie-Landes. In der Zeit von 1912 – 1914 wurde gebaut und im Frühling 1915 konnte der Aquädukt (3 km lang, ca. 18 Meter hoch) und das damit zusammenhängende errichtete Kanalsystem in Betrieb genommen werden. 1979 wurde der Aquädukt durch ein effizienteres Kanalsystem abgelöst. Die Konstruktion und vor allem ihre Bedeutung bei der Besiedelung des Landes beeindrucken uns sehr. Wie mutig waren doch die ersten Siedler, die in dieses karge Prärieland zogen von Natur aus. Aber zu wissen, dass mit harter Arbeit in diesem Land auch ein Auskommen möglich war, hat sicherlich den Entscheid für die eine oder andere Familie einfacher gemacht. 

Aquädukt von Brooks

Weiter geht‘s für uns zum dritten Highlight des heutigen Tages: dem Dinosaur Provincial Park (UNESCO-Weltkulturerbe). Auf den letzten 13 Kilometern vor dem Park gibt es erste Warnschilder vor Klapperschlangen. Die Automobilisten werden aufgefordert, für die Schlangen zu bremsen. Huch, zu Beginn unserer diesjährigen Kanada-Reise waren wir Bären-Aware, jetzt kommt ein neues Tier dazu, mit dem wir ehrlich gesagt nicht unbedingt gerechnet haben. Die Landschaft hier wird Canadian Badland genannt. Die Landschaft ist äusserst karg und trocken, es gibt fast keine Bäume, d.h. daher auch kein Holz zum Kochen/Wärmen und auch Wasser gibt es nur im Tal, wo der Red Deer River in gemächlichem Tempo fliesst.

Dinosaur Provincial Park

Aber aus der Höhe betrachtet ist die Landschaft eindrücklich schön. Auch hier gibt es unzählige Felsformationen aus unterschiedlichen Gesteinsarten, was zu unterschiedlichen Erosionsformen führt. Wir geniessen die Zeit in der heissen, kargen Landschaft sehr. Von einem Spaziergang zu Fuss sehen wir aus Respekt gegenüber Klapperschlangen, Skorpionen und Black Widow Spinnen (ja all diese tollen Tiere geben sich hier ein Stelldichein) ab. Dafür fahren wir mit dem Auto einen Rund-Trail ab, der uns die schönen Seiten dieses Parks geniessen lässt. Der Park ist aufgrund der Tatsache, dass hier die meisten Dinosaurier-Skelette gefunden worden sind, zu seinem Namen gekommen. Zwei Exponate sehen wir an den originalen Fundstellen auf dem Rund-Trail, weitere Exponate sind im Park-Museum ausgestellt. Beeindruckt hat uns zudem die Cabin von John Ware, einem schwarzen Siedler, der als junger Mann aus der Sklaverei in den USA nach Kanada gezogen ist. Ein eindrückliches Leben – geprägt von Mut, Zuversicht, Kraft und der Fertigkeit, sich im Leben durchzuschlagen. Was Wahrheit und was Legende ist, entzieht sich uns. Trotzdem ziehen wir den Hut vor diesem Mann, der 1905 im Alter von 50 Jahre mit seinem Pferd in den Tod gestürzt ist. Wir verlassen den Dinosaur Provincial Park und fahren nach Brooks, wo wir im Steakhouse Montana Abend essen gehen. Lecker, lecker. Von hier aus ist es für kanadische Verhältnisse ein Katzensprung bis zum Tilebrook Provincial Park, wo wir heute Abend nächtigen werden.

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Donnerstag, 11. Juli 2019: Am kühlenden See

Einmal mehr haben wir im Camper sehr gut geschlafen. Aber wir sind ja (nicht) nur zum schlafen da, sondern um was zu sehen und zu erleben. Wir frühstücken outdoor auf dem Picknicktisch und entstöpseln unser Camper von Strom und Wasser – abfahrbereit!

Nach nicht mal einem Kilometer halten wir beim Tourist-Office von Drumheller an. Dort befindet sich „The World largest Dinosaur“! Wir sind aber nicht wegen diesem ausgestorbenen Tier da, sondern weil wir im Tourist-Office Broschüren holen wollten, damit wir die Fortsetzung unserer Reise planen können. Analog. Altmodisch. Aber Die Auswahl an Prospekten und Broschüren ist recht gross und wir können eine gute Auswahl mitnehmen.

World largest Dinosaur

Der nächste Stop war der lokale Walmart, wo wir unsere Vorräte auffüllten bzw. solche Dinge kauften, die wir beim letzten Einkaufshalt verpasst hatten. Der Stop war kurz und schon ging es weiter auf einem der unzähligen Highways. Man sagt, ein Highway sein ein Spiegel der Nation. Was bedeutet denn das, wenn einer umzieht, und gleich sein ganzes Haus mitnimmt? Nun, hier offenbar normal.

Mein Haus und ich ziehen um!

Aber auch landschaftlich und farblich hatte unsere heutige Fahrt viel zu bieten:

Farbenspiel

Das heutige Tagesziel war der Kinbrook Island Provincial Park, ein Campingplatz auf einer Insel auf dem Lake Newell. Der See ist künstlich angelegt und war Teil des grossen Bewässerungssystems, welches 1915 in dieser Gegend in Betrieb genommen wurde. Ziel war, das Land fruchtbar zu machen und somit Farmern eine Existenz zu geben. Initiiert und grösstenteils finanziert wurde das Ganze von der Canadian Pacific Railway, welche bei der Besiedelung von Kanada massgeblich beteiligt war. Schliesslich bedeutete bebautes Land auch, dass man Getreide oder Gemüse mit der Bahn wegführt. Und somit war das Engagement der Bahn eigentlich auch zu einem Teil eigennützig. Auch heute noch dient der See der Wasserverteilung, aber auch dem Amusement der Kanadier, welche mit ihren Zelten, Vans Camperbussen und -Trailern hier einfallen und Spass haben wollen. Wir hatten einen der letzten Stellplätze für eine Nacht erhalten, fürs Wochenende hingegen ist fully booked – wir müssen weiter. Nun, wenn es den nur eine Nacht sein soll, dann geniessen wir diese, angefangen mit einem wunderschönen Sonnenuntergang.

Wow! Die lassen sich was einfallen für ihre Gäste!

 

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Mittwoch, 10. Juli 2019: Back to the past … Dinosaurs everywhere

Unsere erste Camping-Nacht haben wir einwandfrei verbracht. Gut und tief geschlafen, um erholt und erwartungsfroh in den neuen Tag zu starten. Als ich vom Düschelen zum Camper zurückkehre, hat Martin schon ein leckeres Frühstück vorbereitet. Ich brauche mich nur noch an den Campingtisch zu setzen.

Danach machen wir uns auf den Weg zum Royal Tyrrell Museum in Drumheller. Dort gibt es viel Interessantes zum Thema Dinosaurier zu erfahren. Denn der nördliche Teil des Südwestens von Alberta war vor rund 75 Millionen Jahren ein subtropisches Paradies für diese Lebewesen. Palmen, meterhohe Farne und Weichhölzer umgaben ein riesiges Inland-Meer, das sich aus Eiszeit-Schmelzwasser gebildet hat. Duzende verschiedener Dinosaurier-Arten haben hier gelebt, sind hier gestorben und wurden in der sich rasch wandelnden Natur unter Erde, Laub, Wasser und Eis zu versteinerten Skelett-Kreaturen.

Heute nur noch im Museum: Dinosaurier

Waren früher Ausgrabungs-Gangs unterwegs, welche das Ausgraben von Dinosauriern in wettkämpferischem Eifer betrieben, steht heute der wissenschaftliche Forschungsansatz im Vordergrund. Die einzelnen Exponate – grösstenteils Originale, teilweise aus Kunststoff gefertigte Kopien – werden sehr gut in Szene gesetzt (bildlich und mit Geräuschekulisse). Wir unterbrechen unseren Besuch für einen kurzen Lunch auf der Terrasse und schauen uns dann noch die zwei letzten Ausstellungsbereiche an (Kiefervergleiche von Tieren, die in der Zwischenzeit ausgestorben sind und Tieren der heutigen Zeit). Zum Schluss gibt‘s noch einen Film, der einem Einblick in die Arbeit hinter den Museumskullissen gibt. Auf kurzweilige Art wird erklärt, was passiert, wenn ein Fossil entdeckt wird, d.h. von der Fundstelle bis ins Museums-Archiv. Nach diesem ausgiebigen Museums-Besuch machen wir uns auf den Weg zurück zur nächsten Attraktion im Tal, den Hoodoos.

Hoodoos

Diese Hoodoos sind teilweise erodierte Steine, welche im andauernden Verwitterungsprozess eine sehr spezielle Form annahmen. Martin hat so viel von diesen Hoodoos erzählt und meine hohen Erwartungen konnten mit der Realität nicht ganz Schritt halten…

Bevor wir zurück zum Campingplatz fuhren, machten wir noch einen Abstecher aufs Gelände der ehemaligen Midland Coal Mine. 93 Cents für eine Tonne gewonnene Kohle, wobei ein echter Profi maximal 15 Tonnen am Tag gewinnen konnte, war das Auskommen. Harte, gefährliche Arbeit oftmals von ausländischen Arbeitern (Polen, Ukrainern) zu Tiefstlöhnen ausgeführt. Zurück auf dem Campingplatz bereiten wir uns ein leckeres Pasta-Znacht mit einem gemischten Salat zu. Bei einem Käffchen lassen wir diesen tollen Tag ausklingen.

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Dienstag, 9. Juli 2019: Surprise, surprise!

Heute endet der erste Teil unseres Calgary-Aufenthalts. Wir werden zum Schluss unserer Reise wieder hierher zurückkommen und von hier in die Schweiz zurückfliegen. Wir sind noch im Bett am iPad-len als mir Martin Calgary-Facebook-Bilder von Reto Zwahlen zeigt. Sind Zwahlens zeitgleich mit uns in Calgary? Ja, das sind sie – Social Media sei Dank ist die Ausgangslage rasch geklärt und wir verabreden uns beim Calgary Tower zu einem Café. Wir bereiten uns, unser Gepäck und das Appartment auf die Abreise vor. Zum Schluss noch den FOB unter der Appartment-Tür durchgeschoben und schon brausen wir ein letztes Mal vom P4-Park-Untergeschoss in die Strassen von Calgary. Auto voll getankt und in ein Parkhaus beim Calgary-Tower abgestellt und schon gibt es ein spontanes Hallo mit Reto, Jacqueline und den beiden Töchtern Vivienne und Larissa. Schnell finden wir ein Starbucks, wo wir alle zusammen einen Kaffee trinken und uns zu unseren Reiseplänen unterhalten. Zwahlens sind am Sonntag mit Edelweiss nach Calgary gereist und zwar genau mit der Maschine, die Martin von unseren Stampede-Grandstand-Show-Plätzen aus fotografiert hatte.

Edelweiss-Flugzeug, von der Stampede aus gesehen

Nach einer Stunde müssen wir weiter. Schade, wäre schön gewesen, noch etwas mehr Zeit miteinander zu verbringen. Aber sie reisen Richtung Vancouver, wir Richtung Nordosten weiter. Wir müssen unseren KIA abgeben und anschliessend zur Camper-Vermietung transferieren. Die Übergabe haben wir auf 12.00 Uhr vereinbart. Diese dauert dann ungefähr eine Stunde und mit einer weiteren Stunde zum Einrichten des Campers wird es 14.00 Uhr bis wir uns mit dem Tagesziel Drumheller mit dem neuen Vehikel auf die Reise machen. 

Unser Fahrzeug/Wohnung für die nächsten 16 Tage

Wir haben Calgary noch im Rückspiegel als wir erste wunderschöne Landpassagen durchqueren. Das Gras ist frisch-grün, der Raps blüht leuchtend gelb und der Himmel erscheint frisch blau getüncht. Toll, wir geniessen diese Landschafts-Farbpalette. Auf der heutigen Fahrt legen wir lediglich im Horseshoe-Canyon einen Stopp ein. Ein Spazierweg führt in die einzigartige Kugel-Hügellandschaft hinein. 

Horseshoe-Canyon

Die Hügel bestehen aus unterschiedlichen Gesteins- und Sediments-Schichten (Ton, Sandstein und kohleführender Schieferstein). Die einzelnen Horseshoe-Canyon-Formationen sind bis zu 230 Meter dick und sind bekannt für ihre Fauna-Fossilien. Überraschenderweise entdecken wir in der kargen Landschaft drei super-schöne blühende Kakteen. So schöne Kakteen-Blüten habe ich bisher noch nie gesehen. Einige sehen Rosenblüten ähnlich. 

Kakteen

Wir setzen unsere Reise fort und treffen nach weiteren 20 Kilometern in Drumheller ein, wo wir Lebensmittel-Einkäufe für die ersten Tage unseres Camper-Leben tätigen. Das erste Abendessen lassen wir uns durch die hiesige Filiale der Dairy Queen-Kette zubereiten. Die Lokalität ist scheusslich, dass Essen ist gut, ist aber nicht vergleichbar mit anderen DQ-Locations, die wir bei früheren Aufenthalten besucht haben. Zum Campingplatz, wo wir die nächsten zwei Tage nächtigen werden, ist es nur ein Katzensprung. Rasch sind wir eingerichtet und zum Tagesabschluss gibt‘s noch ein Käffchen aus der eigenen Küche. Dann übernimmt uns die Müdigkeit und wir beziehen ein erstes Mal unser Camper-Schlafgemach und fallen in einen tiefen Schlaf.

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Montag, 8. Juli 2019: Bären, Hirsche, Squirrels und Züge

Als wir vor 14 Jahren das erste Mal hier in der Gegend waren, hatten wir einen ‚einmaligen Moment‘. Und zwar fuhren wir von Calgary nach Canmore und assen dort in einem zufällig ausgewählten Restaurant Frühstück. Und es hat alles gepasst: das feine Essen, die Hintergrundmusik von Nora Jones – einach DER Moment… 🙂

Einmalige Momente bleiben einmalige Momente – und so auch dieser. Das Restaurant hat das Konzept geändert und öffnet neu erst um 11:00 Uhr. Und serviert kein Frühstück mehr. Schade. Aber das Internet bot eine Alternative: Chez François – und das war unser neues Ziel. Lecker gespiesen, so wie wir das erwartet haben. Die Einrichtung vielleicht eine Spur zu nüchtern, aber die aufmerksame Bedienung hat das wett gemacht. .

Squirrel

Anschliessend fuhren wir wieder auf den Highway 1 Richtung Westen, kamen beim Kassenhaus für den National Park und drückten unseren Obulus ab, fuhren über Banff hinaus und nahmen die Ausfahrt zum Highway 1A durchs Bow Valley. Dies ist die alte Hauptstrasse, der Highway von Ost nach West. Nach Eröffnung der Autobahn bzw. des Highway 1 hat diese Strasse ihre Bedeutung verloren. Dies ist nun ideal für Touristen, welche hoffen, auf dieser ‚Nebenstrasse‘ (der Unterschied ist in Etwa, dass keine Lastwagen fahren…) Tiere zu sehen. Und tatsächlich: kaum waren wir auf der Strasse unterwegs sahen wir auf der rechten Seite einen Schwarzbären! Ein paar Kilometer weiter einen Hirsch mit Geweihdimensionen, die ich so noch selten gesehen habe. Dann auch ein paar Squirrels und Chipmunks. Wow, so könnte es die ganzen 55 km auf dieser Strasse weiter gehen. Aber nein, die Viecher haben ihr Pulver schon verschossen. Aber anyway, es war toll diese Tiere zu sehen.

Welch ein Hirsch!

Kurz vor Lake Louise dann der obligate Halt an der Morants Curve: Hier kann man von der Strasse aus die Eisenbahn wunderbar sehen und diese Stelle wurde früher von ‚Hoffotograf Morant’ für Werbeaufnahmen verwendet. Und heute ist sie ein Tourist-Spot, mit eigenem Parkplatz und Schautafeln welche den Touris die Bahn erklärt.

In der Morants Curve

Um 14:45 Uhr waren wir dort, meine Frau gab als ‚Deadline‘ 15:30 Uhr vor: Wenn bis zu diesem Zeitpunkt kein Zug kommt, gehts weiter. Die Bahnfangötter hatten diese Deadline mitbekommen: Um 15:24 fuhr ein Zug von Westen her in die Morants Curve ein. Wunderschöne Bilder… 🙂 

Auch die Blumenwelt ist eindrücklich: Akalei im Wald

Wir fuhren weiter. In Lake Louise sahen wir von Weitem einen Stau, somit fuhren wir nicht dorthin sondern weiter auf den Highway 1 in Richtung Westen. Nächster eisenbahntechnischer Höhepunkt sind die Spiral Tunnels. Wir würden einfach „Kehrtunnels“ sagen. Das spezielle ist, dass man bei einem Kehrtunnel sowohl die Einfahrt in den Tunnel wie auch die Ausfahrt sehen kann. Und bei der Länge der Züge fährt der Zug unten aus dem Tunnel heraus, während oben immer noch Wagen einfahren. Schon wieder ‚Spektakel pur‘!

Spiral-Tunnels (Mann, die sollten mal die Bäume umhauen!)

Irgendwann ist dann auch der letzte Wagen aus dem Tunnel gekommen und wir fahren los Richtung Calgary, dieses Mal auf direktem Weg über den Highway 1, wobei wir auch an dieser Autobahn einen Bären gesehen hatten. 

Braunbär am Strassenrand

Kurz nach 20:00 Uhr trafen wir in Calgary ein und wollten in der uns bekannten Spaghetti Factory was essen. Den Ort fanden wir, aber die Factory war umgezogen – ans andere Ende der Stadt… So fuhren wir weiter zum Chinook-Center und gingen bei Joey essen. Von Rolands Weihnachtsgeschenk war noch ein Betrag auf dem Gutschein vorhanden, nun ist dieser Gutschein ‚leer gegessen‘.

Vor dem nach Hause fahren machten wir noch einen Zwischenstopp bei der Peace Bridge. Diese Fussgänger-/Velobrücke wurde vor ein paar Jahren gebaut und strahlt vor Allem in der Nacht mit der Beleuchtung eine besondere Stimmung aus.

Peace Bridge

Die Calgary Stampeders, das lokale Football-Team wurde in der vergangenen Saison Meister in der Canadian Football League. Und heute Abend wurde mit dem Pokal, dem Grey-Cup, bei der Brücke Erinnerungsfotos geschossen. So wurde die Brücke kurzerhand und ohne Info gesperrt und vom Fotografen in Beschlag genommen. Aber ein Bild der Brücke ohne Fussgänger drauf ist ja auch nicht schlecht…

Peace Bridge – ohne Fussgänger und Velofahrer

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Sonntag, 7. Juli 2019: Chuckwagon-Races und sowas wie ein Musical

Wir haben den Dreh raus und wirklich gut geschlafen. So gegen 8:00 Uhr sind wir erwacht, und nicht mehr die ganze Nacht wegen jedem Geräusch von aussen erwacht (zumindest gefühlt).

Auch heute gingen wir wieder ins Oeb essen und der Kellner, ein Robbie-Williams-look-alike, erinnerte sich sogar noch daran, dass Bettina ein Grapefruitsaft und ich ein Orangensaft zum Frühstück hatten. Wir sind beeindruckt und nehmen die gleichen Getränke, essensmässig nehmen wir was anderes, ebenso leckeres wie gestern.

The Greatest Outdoor-Show on Earth

Wir gehen wieder zu unserem Appartement zurück um ein wenig später wieder mit dem Tram an die Stampede zu gehen. Same as yesterday, but different. Heute Sonntag hat es sehr viele Besucher an der Stampede und so können wir nicht einfach so 5 Minuten vor der ausgewählten Show eintreffen und das Gefühl haben, es hat noch Plätze für uns… Wir schauen noch einmal eine Runde Team Cattle Penning und sind wieder begeistert von der Präzision der Arbeit mit den Tieren.

Hauptdarsteller beim Team Cattle Penning

Wir schlendern über das Gelände und geniessen den Moment. Zum Znacht gibt chinesische Noodles von einem Stand, und dann gehen wir wieder zum Grandstand und nehmen unsere Plätze ein. Heute ein bisschen weiter oben, zentraler, aber ohne Verpflegungsmöglichkeit… Eingeläutet wurde das Ganze mit der live gesungenen Nationalhymne, begleitet von einem grossen Helikopter der Canadian Forces mit einer grossen Kanada-Fahne dran. Man zelebriert sich… Pünktlich um 19:45 starten die Chuckwagon-Races, wo mit Planwagen und 4 Pferden eine grosse Runde geritten, damit der Sieger bekannt ist. Die Rennen sind teilweise so eng, dass der Abstand zwischen dem 1. und 2. drei Hunderstel betragen. Diese Differenz kann schnell mal ein paar tausend Dollar in Preisgeld ausmachen…

Start der Show

Nach 9 Läufen Chuckwagon gibt es noch die Pferdestaffette: 6 First Nation-Reiter reiten mit ihrem Pferd (ohne Sattel) eine Runde, am Ziel wechseln sie das Pferd und es geht auf Runden 2 und 3. Hmmm… Ohne Sattel, aus dem Stand auf das Pferd hüpfen… Zuschauen ist hier definitiv einfacher als selber reiten.

YB wird bei den Chuckwagon-Races letzter

Nach dieser Staffette ist Zeit fürs Musical „Trailblazer“ Wir mussten zuerst nachschauen, was ein solcher überhaupt ist. Ein Pionier ist er, und somit zeigt sich auch, dass die Geschichte mit der Besiedelung der Gegend zusammenhängt. Das Musical war nicht so toll. Wirre Handlung, primär auf visuelle Effekte zielend und sehr laut (aus der Erfahrung vor 14 Jahren haben wir Gehörschutz mitgenommen, was eine sehr gute Entscheidung war 🙂 ). Wir waren froh, dass das Feuerwerk gestartet wurde, denn dies ist das Zeichen, dass das Musical ein Ende hat. Rund ein Drittel der Besucher hat das Ende nicht abgewartet und ist schon vorher gegangen. 

Wieder ein langer, interessanter Tag, aber auch unser letzter an der Stampede.

The End

 

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