Samstag, 2. Juli 2016: Nach Hause mit dem Roten Pfeil

Bahnhofschild von Catolica

Heute war wieder mal „Aufstehen mit Wecker“ angesagt. Die letzten Dinge wurden eingepackt und wir haben uns reisefertig gemacht. Noch die Hotelrechnung bezahlen, das Taxi bestellen und dann noch kurz in den Frühstücksraum ein Brötchen von vorgestern und ein Automatencapuccino zu uns nehmen – und nun sind wir wirklich reisefertig. Das Taxi ist schon bereit und bringt uns pünktlich zum Bahnhof (während der Fahrt musste ich dem Fahrer natürlich noch einmal erzählen, dass ich das letzte Mal vor 40 Jahren hier war. Ich werde diese Message jetzt wohl nicht mehr anbringen können… 🙁 ) Also pünktlich… Überpünktlich. So müssen wir noch 20 Minuten auf dem Perron auf unseren verspäteten Regionale Veloce warten. Unser Zug ist ein Doppelstöcker. Bei dieser Bauart hat man darauf geachtet, möglichst viele Sitzplätze pro Wagen unterzubringen, sodass fürs Gepäck nicht mehr viel Platz blieb. Wir mit unseren zwei grossen Koffern waren irgendwie nicht gemacht für diesen Zug.

Die Anzeige der Aussentemperatur war wohl ein bisschen pessimistisch

Wir stellten unser Gepäck auf zwei Sitze und setzten uns ins Abteil nebenan. Leisten konnten wir uns das, da der Zug zu 3/4 leer war. In der Schweiz hätte ich ein solches Verhalten von Mitreisenden als sowas von asozial gerügt, aber hier haben wir es uns erlaubt. Der Zug fuhr los, unser erstes Etappenziel war Bologna, uns standen rund 90 Minuten Fahrt mit dem Regionale Veloce bevor.

Der Zug begann sich zu füllen. Ab Forlì hatte es Stehplätze. Und Forlì ist noch 40 Minuten von Bologna entfernt und der Zug hält noch in Faenza, Castelbolognese-Riolo Terme, Imola und Castel S. Pietro Terme… Und an jedem Ort steigen immer mehr Leute ein und der Zug war voll. Also wirklich voll! Aber unser Gepäck und wir, wir hatten Sitzplätze… 🙂 Interessant ist, dass niemand auch nur annähernd wegen unserem Gepäck reklamiert hat. Dies wäre in der Schweiz schon ein bisschen anders gewesen…

Bis Bologna hatte unser Zug die Verspätung wieder aufgeholt. Sehr gut, denn wir hatten in Bologna nur 17 Minuten Zeit zum Umsteigen. Aber der Zug blieb in Bologna vor Signal und wir konnten den 17 Minuten im Countdown zusehen, wie sie runterzählen. Dann waren wir endlich dran und der Zug konnte in Bologna einfahren. Noch 10 Minuten Zeit blieben uns, um den Zug nach Milano zu erreichen. Der Bahnhof Bologna ist seit der Einführung der Hochgeschwindigkeitsstrecke doppelstöckig ausgebaut und unser Anschlusszug fuhr im gefühlten 3. UG. Die Wege sind lang in Bologna, und wenn man noch die Piktogramme und Hinweisschilder studieren muss, sind die Wege noch länger… Aber wir waren schlussendlich pünktlich auf dem Perron, was man von unserem Anschlusszug nicht sagen kann – der liess sich noch 5 Minuten Zeit.

Frecciarossa im Bahnhof Bologna, 3. UG

Als der Zug einfuhr, stellten wir fest, dass wir bis Milano einen „Frecciarossa„-Hochgeschwindigkeitszug hatten. Der Frecciarossa, oder eben der „Rote Pfeil“, ist die Antwort der Italiener auf den französischen TGV und den deutschen ICE: Ein sehr komfortabler Zug, der auch in der zweiten Klasse einen hohen Komfort und natürlich auch eine schnelle Verbindung bringt. So waren wir mit 300 km/h unterwegs und wir hatten Milano Centrale innerhalb 60 Minuten erreicht! Wahrlich ein Roter Pfeil!

In Milano hatten wir 40 Minuten Zeit zum umsteigen. Diese Zeit reichte um was Kleines zum Essen zu kaufen und anschliessend mit dem Eurocity der SBB in Richtung Schweiz zu fahren. Nach einem Umsteigen in Brig waren wir um 16:00 Uhr in Bern. Hier begrüsste uns das gleiche Wetter wie bei der Abreise 🙁

 

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Freitag, 1. Juli 2016: Un’altra giornate alla spiagga

Details zu diesen Tag können dem Tagebuch-Bericht vom 29. Juni 2016 entnommen werden.

Einzige Abweichungen:

– Wir haben keinen Fruchtspiess gekauft.

– Wir haben uns eine Massage von Mario gegönnt.

– Am Abend haben wir lecker im Restaurant Sfizio gegessen.

– Wales hat Belgien im zweiten EM-Viertelfinal 3 – 1 geschlagen. Sorpresa!

Unverändert hoch sind:

– Spass- und Genussfaktor eines solchen Beach-Tages!

 

 

 

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Donnerstag, 30. Juni 2016: „San Marino twelve points“

Autolinea INTERNAZIONALE!

Dies unser Fazit nach dem heutigen Ausflug nach San Marino. Aber alles der Reihe nach. Wir erwachen heute Morgen kurz bevor der Handy-Wecker klingt. Kurz frisch machen und los geht's zu Fuss Richtung Bahnhof Cattolica, von wo aus wir mit dem 08.39 Uhr Zug nach Rimini fahren. Dort angekommen, müssen wir uns kurz schlau machen, wo der Bonelli-Bus, der uns nach San Marino bringen soll, abfährt. Wir erhalten die nötigen Infos zum Abfahrtsort und können auch gleich in der Tourist-Info die Bustickets kaufen. In der Bar „08.30“ in der Nähe des Bahnhofs gibt's dann erstmal Frühstück (Cappuccini und Cornetti – und die Dame hinter der Theke will uns tatsächlich weis machen, dass es sich bei den Cornetti um Brioche handelt …, sie müsste wohl mal nach Sizilien fahren, die Gute).

So gestärkt, können wir nach kurzer Wartezeit in den 09.25 Uhr Bus (fast eine reine Russenkutsche) steigen, der uns nach San Marino fahren wird. Die Fahrt verläuft teilweise über Land. Aber schon bald können wir die drei Türme von San Marino ausmachen. Kurz nach 10.00 Uhr treffen wir in San Marino ein und begeben uns auf Entdeckungsreise.

Regierungssitz

Die Republik San Marino ist eine der ältesten Republiken der Welt und der einzige noch existierende Stadtstaat. Wir betreten die Altstadt durch die Porta San Francesco und gehen durch erste enge Gässchen, die beidseitig von Cafés, Restaurants und verschiedenen Geschäften gesäumt sind. Es gibt viele Lederwaren, Parfumkopien und -originale, viele Bijouterie-Artikel und elend viel Kitsch (made in China) zu kaufen. Vereinzelt hat es schöne Geschäfte mit interessantem Sortiment (z.B. Schmuck- und vereinzelt Kleiderläden). Nach diesem ersten Eindruck zum Stadtkern machen wir uns auf die Tour, um die drei Stadt-Türme zu besichtigen (1. Salita alla Rocca, 2. Salita alla Cesta und 3. Salita al Montale). Ist bei den ersten beiden Türmen die Wegstrecke noch recht eben und gut ausgebaut, führt der Weg zum Montale über Stock und Stein. Dies wirkt sich aber positiv auf die Zahl der Besucher aus. Der anspruchsvollere Weg hält viele davon ab, den Montale zu besuchen. Der Weg führt teilweise durch waldähnliche Partien, was in Anbetracht der Wärme (es sind rund 30 Grad Celsius) sehr angenehm ist. Um uns herum kriecht und fliegt es. Überraschend viele, verschiedene Schmetterlinge und Insekten sehen wir. Nach der ersten Teilbesichtigung des Montale sehe ich sogar eine Schlange in der Steinmauer.

Salita al Montale

Wir geniessen Panorama und Ambiente, die Wärme und die Ruhe hier oben. Anschliessend geht es via Kursaal/Centro Congressi vorbei an der italienischen Botschaft in San Marino (!) und für mich mit Umleitung durch die lokale Benetton-Filiale durch die Portanova in die Stadt. Wir sind durstig und finden ein schattiges Restaurant-Plätzchen, wo wir eine Mittagspause einlegen. Die Rast tut uns beiden gut. Anschliessend setzen wir unseren Stadtspaziergang fort. Wir besuchen die Basilica del Santo. Eine wunderschöne Kirche, mit hellem, für katholische Verhältnisse schon fast schlichtem Innenausbau. Beim Betreten der Kirche wird man darauf aufmerksam gemacht, dass man nebst:

Bitte anständig sein!

Nicht essen und trinken, nicht halbblutt oder mit Kopfbedeckung eintreten, nicht Musik hören, nicht laut reden, nicht wild miteinander rummachen auch nicht filmen oder fotografieren darf. Auch keine Hunde mitnehmen!

Als wir in die Kirche eintreten, ist diese vermeintlich leer. Wir gucken uns um und geniessen die Schönheit der Kirche und die Ruhe … und machen dann halt trotzdem ein paar Fötelis, was irgendwo aus dem „Off“ des Kirchenschiffs ein „Hächm“-Räuspern auslöst. Dr lieb Gott gseht aues. Wir zünden zwei Kerzen an und gehen dann weiter.

Im Flyer, den wir in der Touristinfo erhalten haben steht:

„Wachablösung: Die Soldaten der Festung (la Guardiaa di Rocca) halten Ehrenwache vor dem Regierungspalast und zelebrieren mehrfach täglich die Wachablösung. Prächtig sind sie in ihren Uniformen anzuschauen: Eine doppelreihig geknöpfte grüne Jacke, geschmückt mit weissen und roten Kordeln, rote Hosen mit grüner Biese, ein beschirmtes Käppi mit rotem Pompon und weisse Gamaschen. Zeiten: Von 09.30 h bis 17.00 h stündlich zur halben Stunde (Mai bis September).“.

Gelb-schwaze Stadt

Komisch, wir haben die Jungs beim erstmaligen Vorbeigehen gar nicht gesehen. Beim zweiten Besuch fragen wir nach. Antwort: „Nein, im Moment keine Soldaten und daher keine Wachablösungen, vielleicht – aber wirklich nur vielleicht – ab Juli.“ In Anbetracht der Tatsache, dass heute der 30. Juni ist gehen wir nicht davon aus, dass sich im Juli 2016 etwas an der Situation ändern wird.

Wir gehen noch etwas lädelen (Martin: Sonnenbrille, ich Schmuck), gönnen uns ein Gelato und machen uns dann zurück zur Busstation, wo wir den 16.45 Uhr Bus nach Rimini nehmen. Kurz nach 18.00 Uhr fährt der Zug nach Cattolica, so dass wir kurz vor 19.00 Uhr wieder im Hotel sind. Jetzt aber mal eine Stunde „befohlene Ruhe“, wir sind auf den Felgen. Danach gehen wir ins Restaurant „Il Cane del Greco“ essen. Nicht schlecht aber auch nicht überwältigend, einfach zu gross und zu abfertigend. Aber wenigstens haben wir von unserem eingeklemmten Zweiertisch einen guten Blick auf den TV, mit der Match-Übertragung Portugal – Polen von RSI. Dass die Restaurant-Betreiber den Match – ohne Sky-Gastrogebühr zahlen zu müssen – zeigen können, wählen Sie den Weg über das Schweizer Fernsehen. Uns fällt dies aber erst in der Werbepause beim zufälligen erspähen der Migros-Grill-Reklame auf.

Sanmarinesische Flora und Fanua

Da hier in Cattolica gerade die WDW (World Ducati Week – die Misano-Strecke befindet sich in unmittelbarer Umgebung von Cattolica) stattfindet, sind aktuell sehr viele Töffli-Buebe in Town. Beim Spaziergang zurück ins Hotel kann es sich Martin nur knapp verkneifen, eines der abgestellten Töfflis anzutippen und so eine Domino-artige Kettenreaktion an umstürzenden Ducatis und Vespas auszulösen. Aber wahrscheinlich steckt ihm noch das göttliche „Hächm“-Räuspern in den Knochen. Er lässt es deshalb bleiben.

 

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Mittwoch, 29. Juni 2016: Retro

Good Morning Cattolica!

„Das Hotel ist zentral gelegen“. So würde es in einem Ferienprospekt stehen, wenn wir das Hotel über das Reisebüro gebucht hätten. „Das Hotel ist zentral gelegen“ ist der Code für „ab 4:00 Uhr leeren sie den Müll, ab 5:00 Uhr fahren die ersten Vespas knatternd durch die Strassen und ab 6:00 Uhr kannst du definitiv kein Auge mehr zumachen.“ Der Code wurde entschlüsselt und es hat 100% gestimmt! Das gibt aber auch Gelegenheit für Sonnenaufgangsbilder oder Tagebucheinträge, was wir gemacht haben.

Wir waren in Reihe 6

Auf den letzten Drücker sind wir zum Frühstück gegangen und dann ging es los: der Erste Strandtag in Cattolica nach 40 Jahren. Das Hotel hat mit dem Strandbetreiber eine Agreement, sodass wir für zwei Liegestühle und einen Schirm nur €14 bezahlen müssen. Wir begeben uns zum Strandbetreiber und legen unseren Hotelgutschein vor. In Cattolica sind die Strandbetreiber bzw. deren Strände durchnummeriert. Vor 40 Jahren waren wir bei Nummer 99 Aldo, dieses Mal sind wir bei der Nummer 70/71, die nennt sich Oasis. Und in den letzten 40 Jahren hat sich hier was getan!

Natürlich sind die Sonnenschirme und die dazu gehörigen Liegen immer noch in Reih und Glied aufgestellt (was viele Leute als uncool anschauen), aber was dem Kunden sonst noch geboten wird, ist nahezu unglaublich:

  • Schliessfach beim Bademeister, wo man die Wertsachen hinterlegen kann
  • Frischwasserspender, wo man seine Flasche mit gekühltem Wasser auffüllen kann
  • Microwellenstation, wo man sein Essen aufwärmen kann
  • Einen Kinderbereich, wo die Racker beaufsichtigt werden
  • Animationsprogramm zur Bespassung der Gäste, z.B. mit Zumba um 11:00, Beachvolley um 16:30 und das Bimbi-Unterhaltungsprogramm um 17:00 Uhr
  • Der Strand ist mit dem Oasis-eigenen WiFi abgedeckt (Passwort: solemare…) sodass man am Strand seine Erlebnisse über die sozialen Medien in alle Welt verschicken kann…
  • Natürlich hat das Oasis (welches übrigens gleich 4 Nummern, 68-71, abdeckt) auch eine Website mit 24h-Webcam

Laubbläsereinsatz im Sommer

Die kommen also ganz professionell daher! Als uns der Bademeister alle Annehmlichkeiten des Spiaggias erklärte, dachte ich zuerst, dass er mich verarscht (speziell als er „saubere Toiletten“ erwähnt hat 🙂 ), aber es ist tatsächlich so!

Es gibt aber auch Dinge, die nicht geändert haben oder die sich eher zum Nachteil verändert haben:

  • Die Adria ist immer noch eine laue Pfütze (wenn ich einfach so reinspazieren kann und ohne Theater und grosses Schauspiel ins Wasser gehe, dann verdient das die Bezeichnung „laue Pfütze“!). Neu kann man bis zu den Wellenbrechern rausgehen ohne über das Becken nass zu werden.
  • Man kann immer noch mit Segelschiffen Rundfahrten machen
  • Auch Pedalos kann man mieten. Aber bei roter Fahne darf man damit nicht ausserhalb der Wellenbrecher
  • Man kann immer noch geschnittene Kokosnüsse kaufen und sie werden immer noch mit „Cocoooooo, Cocobelloooooo“ angekündigt
  • Auch das Eis wird einem an den Liegestuhl gebracht
  • Der Sand ist heiss. Also richtig heiss! Ist wohl die Vorstufe zu einem „Über-Kohlen-laufen-und-zu-sich-selber-finden“-Anlass.
  • Es kommen keine Nordafrikaner vorbei um Ramsch zu verkaufen, sie kommen nun noch südlicher und haben ein unglaublich scheussliches Angebot. Regenschirme? Selfie-Sticks? Lautsprecherchen? Und Kleider, die schon nur auf den Armen des Verkäufers übelst aussehen.
  • Entdeckt habe ich aber auch Asiaten, welche Massagen anbieten. Könnte durchaus sein, dass ich mich noch am Strand massieren lasse…

Der 4-Euro-Spiess

Sehr speziell war, dass um ca 12:30 nahezu alle Badegäste ins Hotel gingen um zu essen. Vor 40 Jahren hatten wir dies auch so: Mittags ins Hotel, Primo und Secondo verdrücken und dann 2 Stunden warten, bis man wieder ins Wasser darf, und dann wieder an den Strand. Tatsächlich füllte sich dieser wieder gegen 16:00 Uhr. Ein leichter Wind liess die Sonne nicht heiss sondern nur warm werden und der Strandtag war durchaus angenehm.

Gegen 18:00 hatten auch wir genug vom Beachlife und gingen Richtung Hotel. Natürlich stoppten wir unterwegs und schauten bei der Bimbi-Animation zu. Das Lied „Il cocodrillo come fa?“ (Achtung: dieses Youtube-Lied wurde schon 53 Mio mal angeklickt, und Italien weiss immer noch nicht wie das Cocodrillo macht)

Anschliessend machten wir uns hübsch und gingen essen. Wir gingen ins Liuzzi, welches sich als nettes Lokal aber ein bisschen kandidelt herausgestellt hat. Wird dann etwa 3,5 Sterne auf Tripadvisor erhalten.

Übrigens: auch diese Nacht haben wir die Fenster offen gelassen. Morgen wissen wir, ob wir durchschlafen konnten 🙂

 

 

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Dienstag, 28. Juni 2016: Arrivederci Sicilia!

Die Wecker läuten früh, heute Morgen. Aber 6:30 Uhr ist der richtige Zeitpunkt, um um 12:00 pünktlich abfliegen zu können.

Um 8 sind wir reisefertig, das Auto ist geladen und wir fahren noch kurz zu unserer Stamm-Pasitificeria um einen Cappucino und ein Gipfeli zu geniessen. Anschliessend geht es über die A18 Richtung Catania. Der Verkehr ist recht moderat. Im Radio bringt der Sender RDS ein Publikumsspiel analog ABCDRS3 unseres Staatssenders. Hier dünkt mich das Spiel schwieriger, muss man doch noch grammatikalische Formen von Wörtern nennen können, zum Beispiel das Passato remoto eines Verbs… DAS nenne ich doch mal eine Herausforderung!

Irgendwann auf der Höhe der Tangenziale Catania war der Vekehr nicht mehr moderat, wir waren in einen grösseren Stau geraten. Eine halbe Stunde Stau haben wir in unserer Zeitplanung eingerechnet. Wie lange wir schlussendlich gestanden sind weiss ich nicht, aber das Konto der halben Stunde Stauzeit wurde massiv überzogen.

Auch dieser Stau löste sich einmal auf und wir konnten den Flughafen Catania anfahren. Elegant fuhr ich an der letzten Tankstelle vor dem Flughafen vorbei, sodass ich mich anschliessend noch auf die Suche einer solchen machen musste. Nach 615 km mit unserem Mietwagen konnten wir diesen wieder abgeben und er wurde unbeanstandet übernommen. Der Eingang zum Flughafen befindet sich grade neben der Autovermietung und wir hatten nur ein paar Schritte zu machen. Ein Bus nach Licodia fuhr grad ab…

Die Gepäckabgabe und der Security-Check waren unglaublich schnell, sodass wir fast schon zu früh am Gate waren… Pünktlich konnten wir boarden und starteten zu unserem ersten Alitalia-Flug. Der bequeme Airbus A320 startete Richtung Meer und machte anschliessend einen weiten Bogen zurück nach Sizilien. Wären wir links gesessen hätten wir Taormina gesehen. So sahen wir aber Messina und die Liparischen Inseln. Eine Insel sah aus wie ein noch aktiver Vulkan, denn der Berg rauchte. Möglicherweise war das Stromboli. Weiter gings Richtung Norden, wo wir unseren Honeymoon-Ort Amalfi(-küste) und die Insel Capri überflogen. Das Wetter erlaubte es auch, Napoli zu sehen und wenn man geografisch ein bisschen sattelfester gewesen wäre, hätte man noch mehr erkannt…

Die Landung in Rom war pünktlich und pünktlich gings weiter nach Ancona. Hier hatten wir eine ATR72 der schweizerischen Darwin-Airline (Etihad Regional operated by Darwin), ein Flugzeug wo man hinten einsteigt. Auch der Flug nach Ancona verlief glatt und schon bald hatten wir den Stiefel durchquert und landeten im modernen Flughafen Ancona. Ein Bus brachte uns ein paar Minuten nach dem Verlassen des Flughafens an den Bahnhof Ancona wo wir uns nach der nächsten Verbindung in Richtung Norden schlau machten.

Unser nächstes Ziel war Cattolica. Dieser Ferienort an der Adria war in meiner Jugendzeit ein ‚must‘. Jahrelang gingen wir im Sommer ab Bern mit dem Badeferien-Express im Couchette nach Cattolica für zwei Wochen ins Hotel Promenade. Ich wollte hier nochmals hin und schauen, wie sich das Ganze verändert hat.

Aber eisenbahntechnisch ist Cattolica nicht grad der Nabel der Welt, nicht alle Züge halten dort an. Und der, der angehalten hätte, ist ausgefallen („vi scusiamo per i disagi“). So verbrachten wir rund anderthalb Stunden auf Perron 2 in Ancona und lauschten den Durchsagen. Namentlich das Italo-typische „allantonarsi della linea gialla“ vor jeder Zugseinfahrt. Aber dann ging es pünktlich los in Richtung Nord und nach rund einer Stunde war Cattolica – San Giovanni Giabicce, wie der Bahnhof heisst, erreicht. Mit dem Taxi gings anschliessend ins Luxor Beach, wo wir aufgrund eines Buchungsfehlers in eine höhere Zimmerklasse upgraded wurden (sagten sie zumindest).

Anschliessend gingen wir los, auf die Gasse (Stadtkern haben wir noch keinen entdeckt) und irgendwo zum Znacht. Anschliessend machten wir uns auf die Suche nach dem ehemaligen Hotel Promenade** (mit Dusche und Toilette auf dem Gang – aber 1975 war das uns noch egal, schliesslich war es ein Privileg in einem Hotel zu übernachten!). Und es gibt es noch! Allerdings nicht mehr als Hotel, sondern als Résidence Promenade, mit umgebautem Eingangsbereich.

Zurück im Zimmer stellten wir fest, dass unser Luxor Beach sehr zentral gelegen ist. Sehr zentral. Aber wir liessen die Fenster trotzdem offen und schliefen dann mal ein…

 

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Montag, 27. Juni 2016: Dolce far‘ niente in Giardini Naxos

Ferientage, die aus ausschlafen, zmörgele, sünnelen, im Meer baden und zwischendurch was trinken bestehen, sind auch ganz cool.

Verbringen den Tag am Hotel-Pool und verarbeiten all die tollen Ferieneindrücke, die wir bis jetzt gewinnen dürften.

Italien ist im Fussball-EM-Hype zur Achtelsfinal-Partie Italien – Spanien. Schon am Morgen wird auf einem der RAI-Sender in Endlos-Schlaufe über das Spiel von 18.00 Uhr berichtet. Wir werden uns gegen 18.00 Uhr frisch gemacht in eine Bar mit Match-Übertragung setzen und uns dazu einen ersten Aperol Spritz gönnen. Danach etwas essen gehen und unseren letzten Sizilien-Ferientage 2016 gemütlich ausklingen lassen.

Italien hat gewonnen, die spanischen Spielerfrauen können die Koffern packen. Huporgien auf der Strasse blieben aus.

Und im zweiten Spiel haben die Isländer auf sensationelle Art und Weise England ausgeschaltet. Wahnsinnson! Brexit 2.0 quasi.

Und hier noch das 1:0 der Italiener:
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Sonntag, 26. Juni 2016: Buongiorno Etnea

Heute lassen wir es sonntagsmässig angehen. Ausschlafen bis uns ein erstes Hüngerchen zum Hotel hinaus treibt. In einer Pastificeria in unserer Strasse wählen wir ein Omelett bzw. ein Panini und einen feinen Cappuccino zum Frühstück aus. Danach geht's zum Auto und von dort los in Richtung Ätna. Wir nehmen die Überland-Route, die uns durch viele Dörfer und Städtchen nach Zafferao Etnea bringt. Ab Zafferano geht's in die Höhe. Vorbei an schönen, teilweise etwas in die Jahre gekommenen Villen mit altem Baumbestand. Zwei unscheinbare grüne Buckel sind die Überreste zweier Krater, der Monti Rossi, die den Ort Nicolosi 1669 mit ihrem Lava- und Sandregen zerstörten. Entlang schier endloser Obstgärten, später durch Waldpartien geht es stetig bergwärts bis das schwarze Lavagestein die Herrschaft übernimmt. In schmalen Serpentinen bahnt sich die Strasse ihren Weg durch von der Lava gestaltete Landschaft (Ätna-Ausbruch im 1983).

Die ersten Ginsterbüsche haben bereits in der erstarrten Lava Wurzeln geschlagen und bereiten in mühseliger Arbeit vor, was weiter unten schon vollendet ist: Sie brechen die Gesteinsschollen auf und ermöglichen es damit anderen Pflanzen, sich in der Lava-Wüste anzusiedeln. Vor uns liegt jetzt nur noch die Gipfelpartie des Ätna, leicht in Wolken eingehüllt. Schliesslich ist der Ätna Regenfänger Nummer Eins an der Ostküste Siziliens. Nach rund 15 km Fahrt treffen wir beim Rifugio Sapienza ein. Eine riesige asphaltierte Fläche, mit Bussen, Souvenirläden, Hotels, Restaurants und der Talstation der Seilbahn, die hoch auf den Ätna führt.

Wir lösen Tickets für die Fahrt mit der Seilbahn. Die 6er-Kabinen sind genau so ausgestattet wie unsere Seilbahn-Kabinen. Sogar Vorrichtungen für den Ski-Transport gibt es. Die Fahrt ist spektakulär. Rasch gewinnen wir an Höhe und aus der Höhe kommt die farbige Blumenpracht im Kontrast zur schwarz-roten Lava besonders gut zur Geltung. Bei der Bergstation angekommen begeben wir uns nach draussen, um in der Lavalandschaft etwas spazieren zu gehen. Schier endlos viele, grosse Marienkäfer schwirren umher bzw. kraxeln auf dem Weg herum. Von einem Ausflug mit Jeep bis in die Nähe des Kraters sehen wir ab. Es ist absolut toll, hier oben zu sein. Nach dem Teide auf Teneriffa im Februar ist dies der zweite Vulkan, den wir in diesem Jahr besuchen. Wir geniessen die Aussicht auf die Monti Silvestri Krater, das Umland im Dunst und die unwirtliche Landschaft, in der wir uns befinden und die durch zahlreiche Gräser, Blumen und sukkulentenartige Pflanzen „verschönert“ wird. Danach geht's wieder mit der Seilbahn runter. Zu Fuss geht es dann noch zum Monte Silvestri Inferiore Krater, den wir zu Fuss umqueren. Als wir zum Auto zurück kehren, beginnt es zu regnen.

Auf der Fahrt zurück zum Hotel kommen wir noch an einem Haus vorbei, das vor Jahren den Kampf gegen die Lavamassen verloren hat und bis fast unters Dach mit Lava geflutet wurde. Auf dem direktesten Weg kehren wir zum Hotel zurück. Die Rückreise dauert etwas länger, da es einen schweren Unfall gegeben hat. So stehen wir auf unserer Spur, auf der sich der Unfall ereignet hat längere Zeit im Stau. Aber auch die Gegenspur muss gesperrt werden, damit der Rettungs-Helikopter landen kann. Viel Spektakel für zahlreiche Autopassagiere, die aus ihren Fahrzeugen aussteigen und sich die Szenerie aus der Nähe – vorzugsweise mitten auf der Gegenfahrbahn – anschauen wollen. Unglaublich. Dass einige dann hastig zu ihren Fahrzeugen zurück rennen müssen als die Fahrbahn wieder frei gegeben wird, versteht sich von selbst. Beim Fahrzeug unmittelbar vor uns handelt es sich um den Fahrer selbst, der zu seinem Auto zurück sprinten muss, um nicht der Grund der Stau-Fortsetzung zu sein. Wir kehren sicher zu unserem Hotel zurück.

Danke Martin, fürs aufmerksame, sichere Fahren.

 

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Samstag, 25. Juni 2016: Catania, Taormina und ein paar Hochzeiten

Etwas vom Schönen an der Art wie wir unsere Ferien verbringen ist, dass uns stets Zeit und Raum für spontane Aktivitäten bleiben. Ich erwache heute Morgen ob dem Meeresrauschen (live Meeresrauschen und nicht – wie zu Hause – aus dem Lichtwecker). Als ich mich im Bett drehe, stelle ich fest, dass Martin auch schon wach ist. Es ist 06.20 Uhr. Das Wetter ist sosolala. Von der Sonne ist nichts zu sehen aber es regnet wenigstens nicht mehr. Gegen 07.00 Uhr entscheiden wir uns, den 08.05 Uhr Zug nach Catania zu nehmen. Rasch duschen und parat machen und schon steigen wir vor dem Hotel in ein Taxi und lassen uns für 18 Euro (!) zum Bahnhof fahren. Der Zug fährt pünktlich ein, die Fahrt verläuft einwandfrei und so treffen wir gegen 09.00 Uhr in Catania ein. Hier beginnt der Geschäftsalltag gerade Fahrt aufzunehmen

In einer Bar auf dem Weg zum Duomo gönnen wir uns einen Cappuccino und ein Gipfeli. Danach gehts weiter und bei der ersten grösseren Kirche, die wir sehen, laufen bereits die floralen Deko-Vorbereitungen für eine Hochzeit. Kurzum stehen wir auf der Piazza Duomo, auf der auch der Brunnen mit dem Wahrzeichen der Stadt Catania steht: einem aus Lavastein gehauenen Elefanten, der wohl noch aus der byzantinischen Epoche stammt. Der Elefant trägt einen ägyptischen Obelisk auf seinem Rücken. Wir betreten die Kathedrale, die noch recht leer ist. Die Kirche ist der Schutzpatronin S. Agata geweiht. Darin befindet sich ebenfalls das Grab von Siziliens berühmtesten Komponisten – Vincenzo Bellini (z.B. Oper Norma). Wir geniessen die ruhig, entspannte Atmosphäre der Kathedrale. Gegen 10.00 Uhr beginnt sich diese jedoch stärker zu füllen, denn um 10.00 Uhr wird in Anwesenheit eines Kardinals eine Messe gelesen. Nach wenigen Minuten verlassen wir die Kirche und stehen auf der mittlerweile sehr belebten Piazza Duomo. Durch das Stadttor Porto Uzeda gelangen wir zum Fischmarkt und dem kleineren Teil des Früchte-, Gemüse- und weitere Lebensmittel-Markt. Hier geht's nun wirklich zu wie auf einem Ameisenhaufen.

Wir kehren zur Piazza zurück und gehen in die andere Richtung am Rathaus vorbei in die Via Etnea hinein zur Piazza Università (auf der einen Seite des Platzes befindet sich das Gymnasium auf der anderen die Universität). Sonne und Wärme machen durstig. Bevor wir allerdings etwas trinken gehen, statten wir noch Benetton einen Besuch ab.

Zweistöckiger Laden mit zwei Rolltreppen (eine hinauf, die andere hinunter). Allerdings sind beide kaputt. So bleibt von der RollTreppe wenigstens die Treppe. Wir kaufen Shirts für Martin und für mich ein Jeans-Kleid ein. Danach trinken wir was und können dabei zusehen wie die erste Braut des Tages in die Kirche geführt wird. Die Via Etnea führt von der Piazza Università aus weiter nach Norden. Sie ist die lebhafteste Strasse Catanias, gesäumt von Läden, Cafés und Hotels. Wir kehren zurück zum Bahnhof und nehmen den Zug, der um 12.15 Uhr Richtung Taormina fährt. Die Fahrt ist kurzweilig und führt uns über Land und städtische Gebiete.

Ungefähr eine Stunde nach Abfahrt in Catania treffen wir in Taormina/Giardini Naxos ein. Der im arabischen Stil gehaltene Bahnhof fasziniert uns. Als wir uns alles (inkl. Wartesaal 1. und 2. Klasse) angeschaut haben, erstehen wir uns zwei Bus-Tickets. Und wenn's läuft, dann läuft's: Fünf Minuten später fährt der Bus ein und bringt uns in einer spannenden Serpentinen-Fahrt ins Städtchen Taormina. Die Innenstadt zeigt sich im typischen taorminischen Stil, einer interessanten Mischung aus arabischer und normannischer Baukunst, die noch an manchen Palästen und Kirchen zu bewundern ist. Die Via del Teatro Greco führt uns zur berühmtesten Sehenswürdigkeit Taorminas, dem griechisch-römischen Theater. Dieses wurde unter römischer Herrschaft im 2 Jh. vor Christus errichtet. Die Baumeister nutzten das natürliche Halbrund mit dem grandiosen Panorama des Ätna. Das Theater war mit 109 m Durchmesser das zweitgrösste Schauspielhaus in Sizilien (nach dem griechischen Theater von Siracusa). Mit Säulen und Statuten geschmückte Bühnenaufbauten schlossen das Theater zum Meer hin ab. Die Aussicht von hier auf Meer, Küste und Ätna ist schlicht und ergreifend unbeschreiblich. Super schön!

Gegen 15.00 Uhr nehmen wir in einer Bar mit Fernseher im Aussenbereich Platz und schauen uns das EM-Achtelfinal-Spiel zwischen der Schweiz und Polen an, das im Penaltyschiessen an die Polen geht. Zeitgleich gibt's von der Bar aus die Hochezeitsaktivitäten bei der Katharinen-Kirche zu beobachten (Hochzeit eines Carabinieri). Bei einem Spaziergang durchs Städtchen ist die Enttäuschung über den Ausgang des Fussballspiels rasch verflogen. Wir schlendern den Corso Umberto entlang durch das Städtchen (je eine Hochzeitsgesellschaft beim Dom bzw. der S. Antonio-Kirche). In Taormina kann man nebst heiraten noch shoppen, shoppen, shoppen und viel Geld liegen lassen.

Wir gehen in einem schönen Terrassen-Lokal mit Meerblick eine Kleinigkeit essen und nehmen kurz vor 21.00 Uhr den Bus, der uns diretissima zum Hotel führt.

Als wir auf dem Balkon unseres Zimmers stehen, stellen wir fest, dass im Garten unseres Hotels eine Hochzeitsfeier am Laufen ist. Es ist dies die fünfte und letzte Hochzeitsgesellschaft am heutigen Tage. Auguri!

Ein wunderbar erlebnisreicher Tag neigt sich seinem Ende zu.

 

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Freitag, 24. Juni 2016: Auf den Spuren von Salvatore bzw. wo ist unser Patacò?

Brauche nur den Kopf nach rechts zu drehen und schon kann ich das liebliche Landschaftsbild geniessen. Auf den gegenüberliegenden Hügeln gibt es Olivenbäume, Felder und Äcker mit Schafen und Pferden drauf. Aus dem Hof eines näherliegenden Hauses kräht ein Hahn in regelmässigen Abständen. Es zirpt und verschiedene Vögel zwitschern und jubilieren munter drauf los. Kein nicht-natürlicher Lärm ist zu hören. Kurz vor acht stehe ich auf und gehe aufs Terrässli, das auf die Piazza Garibaldi hinaus geht. Gerade fährt der Früchte-Händler mit seinem Camion vor. Vor dem Municipio sitzt bereits ein einzelner Mann. Wahrscheinlich musste er früh raus, weil zu Hause der Freitagsputz ansteht und er im Weg war. Als Martin kurze Zeit später das Treiben auf der Piazza beobachtet, ist der Früchte-Händler weg dafür steht jetzt der Fisch-Händler auf dem Platz.

Wir machen uns reisefertig und gehen anschliessend in der Bar auf der gegenüberliegenden Strassenseite einen Cappuccino und ein Crossant essen. Mittlerweile befinden sich drei Männer vor dem Municipio, die i turisti im Auge behalten. Unmittelbar nach dem ersten echten colazione italiana gehen wir den Spuren von Salvatores Geschichte nach. Und Spuren der Geschichte Licodias finden sich überall. Auf dem Aushang der Todesanzeigen (so wie wir früher „z'Chäschtli“ mit den Zivilnachrichten gehabt haben) stossen wir auf mehrere Todesanzeigen von Personen, die wohl vor Jahren nach Melbourne ausgewandert und nun dort verstorben sind und deren Angehörige eine Erinnerungsmesse in einer der Kirchen in Licodia lesen lassen. Lebten im 1920 noch rund 9'000 Menschen in Licodia so sind es heute bloss noch etwa 3'000! Wir sehen uns das Haus an, in dem seine Eltern das Ladengeschäft (bis zum Tode seines Vaters Vincenzo) hatten und gehen weiter zur Kapuziner-Kirche. Wir betreten die Kirche, zünden je eine Kerze an und stellen fest, dass der Priester, der vor wenigen Minuten noch in den privaten Kleidern im Krichenraum stand, sich umgezogen hatte, um extra für uns eine Messe zu lesen. Kommt etwas überraschend für uns, da wir ja nun die Kirche nicht verlassen können und somit zu spät zum Ricotta-Rendezvous kommen. Als die Messe fertig ist – sie dauerte für meine Italienisch-Sprachkenntnisse sehr lange (habe wirklich nicht viel verstanden) – machen wir uns auf den Weg über die Strasse zur Ricotteria.

Dort bringt die Tochter gerade das Pane di Casa und wir erhalten dieses zusammen mit einer Schale warmem Ricotta, den der Käsermeister zusammen mit seiner Frau gerade am in kleine Kübel abfüllen ist. Der Ricotta schmeckt super, auch wenn wir in Anbetracht des Abendessens des Vortages noch recht satt sind. Von den Käsersleuten erfahren wir, dass es mittlerweile nur noch zwei Betriebe gibt, die Rocotta herstellen. Früher waren es rund 25 in der Region. Bevor wir weiterziehen, erwerben wir noch zwei Kilo Patacò. Diese sind bereits vorbereitet.

Anhand der Beschreibung von Salvatore versuchen wir nun, sein Geburtshaus zu finden. Am von ihm genannten Punkt befindet sich ein neueres Haus. Einer Frau in einem benachbarten Haus kommt unsere Besichtigungstour wohl etwas komisch vor. Wir erklären ihr was wir suchen und sie versucht sofort, uns weiterzuhelfen indem sie sich selbst bei einer älteren Frau erkundigt. Ich bringe den Namen von Margherita Galente ins Spiel (so wie ich verstanden habe Salvatores Cousine?). Grosses Aha und unverzüglich führt uns die Frau zum Haus von Margherita Galente.

Die ist zu Hause und freut sich – nach anfänglicher Skepsis – über unseren Besuch. Auch sie glaubt genau zu wissen, von welchem Licodia-Gebäude die Aufnahme von Salvatore stammt. Ein Herr stösst zu unserer Gruppe. Was die Fremden wohl wollen? Als auch er im Bild ist über unser Anliegen stellt er flux seine Tomaten, Pepperoni und die Melone auf ein Bänkli und führt uns zielstrebig zum neuen Haus, bei dem wir schon einmal waren. Auf sizilianisch erklärt er uns ausführlich wie es früher hier ausgesehen hat und wer, was und wie umgebaut hat. Er verabschiedet sich mit einem grossen Lachen, das sich noch verstärkt als Martin ihn daran erinnert, sein Gemüse auf dem Bänkli nicht zu vergessen. Mit Margherita Galente gibt es noch ein Erinnerungsfoto, dann verabschieden wir uns und gehen weiter. Bei einem kleinen Negozio wollen wir uns etwas zu trinken kaufen. Bevor wir eintreten können spricht uns eine alte Frau an und will von uns wissen, ob wir aus Australien seien. Wir wechseln ein paar Sätze miteinander, doch ihr sizilianisch-italienisch ist schwer zu verstehen. Die Erfrischung tut gut und Postkarten, nach denen wir uns ebenfalls erkundigen, gibt's offensichtlich keine mehr.

Vielleicht noch beim Tabacchaio, wird uns gesagt. Weiter geht's mit unserem Licodia-Spaziergang. Beim Tabacchaio treten wir kurz ein und fragen nach Postkarten. Die ältere Dame fragt spontan, ob wir Australier seien. Auch hier erklärt Martin von wo, warum und wieso wir in Licodia sind. Die Dame meint, dass sie keine Postkarten mehr verkaufe, dass es aber sein könnte, dass sie irgendwo noch ein paar alte Karten hätten. Ihr Mann sei jetzt aber kurz weggegangen. Ob wir wohl in einer Viertelstunde nochmals vorbeikommen könnten. Sie will uns unbedingt etwas schenken und kramt aus den Verkaufsdosen einige Täfeli, die sie uns gibt. So härzig. Klar, wir haben ja Zeit und wollen eigentlich noch die grosse Kirche anschauen. Die ist aber bereits Siesta-bedingt geschlossen. Wir sind gerade beim Dorfeingang angekommen und machen noch ein paar Föteli als das Polizei-Auto mit der einen der beiden Polizistinnen, die wir gestern getroffen haben, vorbei fährt. Man kennt sich: ein Lächeln und freundliches Zuwinken und weiter geht's. Wir machen uns auf den Weg zurück zum Tabacchaio als wir feststellen, dass wir den Patacò nicht mehr haben. Wo ist der Patacò? Bevor wir dieser Frage nachgehen können, gehen wir zum Tabacchaio, wo der Herr des Hauses eingetroffen ist und doch tatsächlich noch ein paar alte Postkarten gefunden hat, die er uns unbedingt schenken will. Und ja, er erinnert sich nun sehr gut an Salvatore. Sein Bruder war bloss drei Jahre jünger als Salvatore und offensichtlich ein Freund, der mit ihm auch in der Musik spielte. Für uns fast unfassbar, mit welchen Emotionen der Besuch in Licodia für uns aber auch für frühere Weggefährten von Salvatore verbunden ist. Wir bedanken und verabschieden uns in einer sehr herzlichen Art und Weise. Und dann geht's schnellen Schritts zurück zum Negozio. Dort – beim Besorgen der Getränke – haben wir unser Patacò stehen lassen, das bei unserer Ankunft kurz vor mittäglichem Geschäftsschluss immer noch dort steht. Wir kehren zum B+B zurück und packen unser Auto. Mit dem Auto geht es noch einmal zum Aussichtspunkt in der Nähe des Lago Dirillo zurück, um Fotos der Gesamtdorf-Sicht von Licodia zu machen bzw. später gehen wir noch kurz zum Familien-Friedhof.

Dann brechen wir auf und verlassen Licodia. Wir sind überwältigt wie warm und offen wir hier empfangen worden sind. Die positiven Gefühle wirken noch einige Zeit nach.

Im Navi ist Giardini Naxos eingegeben. Die Fahrt verläuft einwandfrei und gegen 18.00 Uhr treffen wir im Hilton ein und beziehen das Zimmer 6120 im sechsten Stock. Wir gehen noch etwas essen und lassen den Abend gemütlich ausklingen.

 

 

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Donnerstag, 23. Juni 2016 (2. Teil): Licodia Eubea

Gegen 17.00 Uhr treffen wir im Städtchen Licodia-Eubea (auf rund 500 m.M.) ein. In einem B+B auf der Piazza Garibaldi haben wir unsere heutige Unterkunft. Wir stellen unser Auto auf einem Parkfeld am Strassenrand ab, steigen aus und gehen auf das Haus Nr. 8 zu als von der gegenüberliegenden Strassenseite jemand „Martin, Martin“ ruft und Carmelo, unser B+B-Gastgeber über die Strasse geeilt kommt. Es folgt eine herzliche Begrüssung. Sofort will er wissen, was uns nach Licodia bringt. Wir erzählen ihm, dass mein Götti Salvatore im Jahr 1928 hier geboren worden ist und die Stadt im 1954 für immer verlassen hat – ohne bis heute je wieder einmal zurück gekehrt zu sein. Ihm sagt der Familienname Spingardi nichts aber er wird es nicht darauf beruhen lassen. Nun geht es aber zuerst ins Haus, wo wir das Dachzimmer mit einer wunderschönen Aussicht auf die weite hügelige Landschaft beziehen. Doch bevor wir unser Gepäck ausladen können, schlägt Carmelo vor, mit uns eine kleine „Stadtrundfahrt“ zu machen. Ich betrete gerade wieder die Piazza Garibaldi als ein schriller Pfiff ertönt. Eine Polizistin steht neben unserem Auto und pfeift die halbe Stadt zusammen, weil wir kein Parkticket gelöst haben. „Questa è la nostra macchina“ gestehe ich als ich auf sie zugehe. „Aha, la vostra macchina …“ quittiert sie prompt. Aber bevor wir die Konversation weiterführen können, kommt Carmelo herbei geeilt, der die Angelegenheit mit zwei, drei Sätzen klärt und die Frau Polizistin fragt, ob ihr der Name „Salvatore Spingardi“ etwas sage und sie dann auch gleich über die Gesamt-Ausgangslage, die zu unserem Licodia-Besuch geführt hat, informiert. Es ist dies das erste Mal aber nicht das letzte Mal, dass er „unsere Geschichte“ wiedergibt. Wir zeigen den beiden die Foto, die uns Salvatore von seinem Geburtshaus mitgegeben hat und sofort versuchen die beiden herauszufinden, wo sich das abgebildete Gebäude befindet. Zu unserer kleinen Gruppe stösst eine zweite Polizistin dazu und erfährt die „Geschichte“ um uns Svizzeri. Auch ihr sagt der Name „Spingardi“ nichts. Wir verabschieden uns in freundschaftlicher Art (mit festem Händedruck) von den Polizistinnen und Carmelo bestätigt ihnen, dass wir sofort ein Parkticket lösen werden. Dies tun wir.

Mittlerweile hat es zu regnen begonnen. Grosse Tropfen prasseln auf die Piazza. Wir fahren durch den Corso Umberto I, sehen das Haus mit Ladenlokal, in dem die Eltern von Salvatore vor 1950 ein Negozio geführt haben, zur Piazza degli Capuccini. An diesem Platz befindet sich eine Ricotteria, die uns Carmelo als erstes zeigen will. Gerade als wir eintreten, spricht Martin Carmelo darauf an, ob er Patacò kenne. Aber natürlich kennt Carmelo Patacò und dieses Patacò-Mehl könne man übrigens gerade hier in der Ricotteria käuflich erwerben. Und mit dem ausgesprochenen Wort „Patacò“ öffnen sich für uns hier die letzten Türen. Wir sind keine Fremden mehr, sondern Vertraute, die Kenntnis haben vom „sagenumwobenen“ Patacò. Was nun aber ist Patacò? Bis am Samstag, 18.06.2016 kannte ich „Patacò“ auch nicht. Salvatore hat uns bei einem Nachtessen darum gebeten, ihm 1-2 Kilo Patacò mitzubringen. Patacò ist ein Mehl aus der Platterbse. Das Mehl wird mit Wasser und Olivenöl angerührt und dann – so vorhanden – mit Broccoli und Salsiz ergänzt. In der kompletten Version wird es wie eine Art Polenta gegessen. Einfach nur angerührt, kann Patacò auch frittiert werden. Patacò ist eine echte Licodia-Spezialität. Beim Besuch der Ricotteria machen wir gleich für den nächsten Tag um 10.00 Uhr einen Termin für ein Ricotta z’Morge und den Kauf von zwei Kilo Patacò aus.

Wir fahren im strömenden Regen weiter durchs Städtli in die Via del Popolo, wo Carmelo das Geburtshaus von Salvatore vermutet. Wir schauen uns das Haus an, das effektiv verblüffende Ähnlichkeit zum abgebildeten Haus hat. Salvatore hat uns aber gesagt, dass das Haus in der Via San Martino gestanden habe. Wir werden der Angelegenheit am nächsten Tag nachgehen. Auf der Weiterfahrt kommen wir beim Restaurant „A Carreteria“ vorbei, wo eine Frau – wie sich herausstellt die Restaurant-Besitzerin – vor dem Haus steht, so dass Carmelo bei ihr eine Tischreservation inkl. Spezialitäten-Menü-Bestellung per gli Svizzeri aufgeben kann. Mittlerweile regnet es nicht mehr. Wir setzen unsere Fahrt fort und besuchen die Ruinen des Castello Santapau, von wo aus man einen herrlichen Blick auf die Stadt hat. Vom Castello gibt es nicht mehr viel zu sehen aber schön ist es trotzdem. Weiter geht’s über Stock und Stein zu einem Punkt, von wo aus Mann den türkisblauen Lago Dirillo sehen kann. Ein künstlicher See, der für die Instrustrie-Stromproduktion genutzt. Baden kann man darin aus algentechnischen Gründen nicht. Gekonnt handlet Carmelo auch die Sache mit den beiden wilden Eseln, die das Territorium des Aussichtspunkts für sich beanspruchen.

Wir fahren wieder in die Stadt und Carmelo zeigt uns noch ein zweites Haus, das er aktuell umbaut, um die Wohnungen für B+B-Zwecke zu nutzen. Mittlerweile giesst es wieder wie aus Kübeln. In der Ferienwohnung sucht Carmelo nach einer Broschüre über Licodia, die er uns für Salvatore mitgeben möchte. Er findet diese aber nicht. Bei unserem kurzen Aufenthalt in „unserem“ B+B-Zimmer auf der Piazza Garibaldi haben wir aber ein Buch über Licodia gesehen. Und klar kann sich Carmelo vorstellen, dass auch dieses für Salvatore sehr interessant wäre und so sucht er in seinem Handy kurz nach der Nummer des Autors des Buches, Nunzio Li Rosi, ruft diesen an, erzählt ihm unsere Geschichte und fragt ihn ob er noch una coppia eben dieses Buches habe (was er natürlich noch hat) und vereinbart eine sofortige Buchübergabe auf der Piazza Garibaldi. Vorab aber noch kurz ein Abstecher zum Mugnos-Palast (leider auch nicht mehr so gut im Schuss) und dann geht’s im strömenden Regen (all die jüngeren und älteren Herren, die bei unser Ankunft noch vor den beiden Bars bzw. auf den Bänkli vor dem Municipio gesessen und das Dorfleben beobachtet haben, haben sich in der Zwischenzeit ins Trockene zurückgezogen bzw. sind nach Hause zu Mamma gegangen) zurück zur Piazza Garibaldi, wo bereits der „alt“ Sindaco und sein Sohn im Auto auf uns warten. Carmelo holt bei ihnen unter dem geöffneten Kofferraum-Deckel ein Exemplar des Buches „Per Licodia Eubea – Una vita da Amministratore“ (358 Seiten, 2011) ab, das er uns anschliessend mit grosser Freude überreicht. Es versteht sich von selbst, dass es für ihn nicht in Frage kommt, dass wir das Buch selbst zahlen.

Wir verabschieden uns von Carmelo, der ein echter Gastgeber und ein überzeugter Licodiani ist.

Wir beziehen kurz unser Zimmer und müssen uns dann bereits auf den Weg zum Restaurant machen. Wir finden das Lokal in den Strässchen und Gässchen von Licodia auf Anhieb wieder. Man heisst uns herzlich willkommen. Im noch komplett leeren Lokal hat man für uns einen Tisch reserviert. Nicht irgendeinen Tisch – nein, den besten Tisch. Will heissen: Den Tisch mit der besten Sicht auf den Fernseher – die Fernbedienung des Gerätes liegt übrigens auch schon auf dem gedeckten Tisch.

Ein spontanes Lachen können wir uns nicht verklemmen, schätzen aber die herzliche Gastfreundschaft, die uns an diesem Abend zuteil wird und erachten diese nicht als selbstverständlich. Was dann folgt, ist ein echtes Festival dei Sapori (Aussage von Martin):

  • Vino: ein leichter, wunderbar schmeckender roter Hauswein – fast traubensaftmässig
  • Aperitivo 1: Tappanade von schwarzen und grünen Oliven mit Pizzabrot
  • Aperitivo 2: Frittierter Patacò, Salami-Wurst mit Pistazien drin, gebratener Speck, Käse, Oliven und Artischocken-Herzen und eingelegte Auberginen
  • Aperitivo 3: Patacò (Polenta-ähnlich zubereitet) mit Broccoli und Salsiz

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  • Primo: Maccheroni alla Norma (mit Gemüse-Sauce)
  • Secondo: Gebratene Wurst (ebenfalls eine Licodia-Spezialität und extra noch von Carmelo beim Wirt auf unserer kurzen Rundfahrt nachbestellt) und Pepperonata
  • Dolci: Gott sei Dank kein Tiramisù, sondern einfach eine Früchteauswahl
  • Zu den Espressi gibt es noch – vom Hause offeriert – einen Canello-Schnapps.

Wir bezahlen, verabschieden uns und rügelen in aufgeräumter Stimmung gemütlich hinunter zur Piazza Garibaldi, wo’s für mich nur noch eins gibt: Ins Bett legen und verdauen. Aber es war fein.

 

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Donnerstag, 23. Juni 2016 (Teil 1): Ragusa

Heute hiess es Abschied nehmen von Siracusa. Ein letztes Mal das leckere Frühstück im Hotel Gutkowski geniessen. Wir haben uns gut aufgehoben gefühlt hier. Ich machte mich nach dem Frühstück auf den Weg, um das Auto aus dem öffentlichen Parking zu holen. Ein bisschen nervös war ich schon, denn das Parksystem war für mich neu: Bei der Einfahrt ins Parking wurde die Autonummer eingelesen, vor der Ausfahrt muss man an einem Automaten die Nummer eingeben und das System berechnet anschliessend den Preis. Normalerweise habe ich grosses Vertrauen in die Technik, aber in dieses System? Alle Befürchtungen zum Trotz funktionierte alles perfekt, sogar die Notenannahme bei der Kassierstation tat ihren Dienst tadellos und ich hielt ein Ausfahrticket in den Händen (mit QR-Code, nicht als Lochkarte wie in der Schweiz…). Ich konnte somit aus dem Parkhaus ausfahren und mich in den Verkehr begeben.

Und irgendwie beginne ich diesen Verkehr zu lieben. „Wer bremst, verliert“ kommt mir spontan in den Sinn, als wieder einer seine Schnauze von links in meine Fahrbahn stellt. Irgendwie kommt mir das Ganze vor wie das legendäre Moorhuhnspiel, nur ein bisschen anders. Statt dass ich hier nun die Hühner abschiessen kann, die plötzlich und unvermittelt hinter einem parkierten Auto hervorhüpfen muss ich bei diesen Hühnern bremsen, da es Fussgänger sind. Mittlerweile fühle ich mich in Level 5 dieses Games, da bei der Via Vittorio Veneto noch Ausläufer des Marktes vorhanden sind, die die Aufmerksamkeit noch vermehrt erfordern. Aber auch das schaffe ich. Als Bonus gibt es noch die hellbraune Katze bei der Kreuzung der Via Resalibera, die aufreizend neben den parkierten Autos knapp auf der Strasse liegt – aber auch die verfehle ich und durch all die Einbahnen und so komme ich beim Hotel Gutkowski an.

Vor rund drei Jahren war ich schon mal mit Woody auf Sizilien und konnte dort in Bezug auf die Fahrweise eine Schnupperlehre machen. Hupen sollte man auch zwischendurch, hier kann ich mich noch verbessern. Wie in Catania (wir waren damals dort) gehupt wird, zeigt nachstehendes eindrückliche Video:

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Das Navi brachte uns locker aus dieser schönen Stadt: „Ciao Siracusa, a presto!“ Es hat uns hier sehr gefallen. Wir fuhren über die noch nicht bis zum geplanten Endpunkt Gela fertig gestellte Autobahn A18 in Richtung Süden. Die Kassierstationen für die Autobahngebühr sind schon gebaut, aber nicht in Betrieb, sodass man durchfahren kann. Wir fuhren zu unserem ersten Etappenort Ragusa. Diese Stadt wurde in den 1690er-Jahren durch ein Erdbeben zerstört. Die Bewohner konnten sich anschliessend über den Neuaufbau nicht einigen, sodass ein Teil der Bevölkerung die Stadt am bisherigen Ort, Ragusa Superiore, der andere Teil der Bevölkerung die Stadt in Ragusa Ibla aufbaute. Wir fuhren Ragusa Superiore an (weil dies auf unserer Strecke zuerst kam) und dort den Bahnhof. Sieben Züge halten hier übrigens täglich.

Beim Bahnhof befindet sich ein grosses Parkhaus, wo wir unser Auto abstellten. Von nun an ging es zu Fuss ins Zentrum und auf der Höhe des Doms begann es zu regnen. Also eigentlich schüttete es aus Kübeln, sodass das abfliessende Regenwasser auf den abschüssigen Strassen sogar den Abfall runterspülte. Ich nehme an, dass die Häuser am Ende dieser Strassen ein bisschen günstiger sind, da die Bewohner nach einem Regenfall jeweils noch den Abfall entsorgen müssen.

Wir warteten den Regenguss in einer Pastificeria ab, wo wir uns mit Panini und Arancino verpflegten. Als der Regen noch nicht nachgelassen hat, haben wir noch ein Desset draufgesetzt…

Als wir es verantworten konnten, uns dem Regenschauer zu stellen, spannten wir die Schirme auf und verliessend die Pastificeria. Den Dom konnten wir nicht besichtigen, da er um dieses Zeit noch geschlossen war. Auch Kirchen machen eine Siesta. So spazierten wir weiter über die durch den Regen rutschig gewordenen Trottoirs in Richtung Ragusa Ibla. Auf einer Aussichtsplattform sahen wir auf Ibla hinunter. Diese Stadt ist von Weitem gesehen wunderschön! Aber leider haben wir keine Zeit, diese zu besuchen, sodass wir uns mit Fotos aus der Ferne begnügen.

Auf dem Rückweg zum Auto konnten wir noch den Dom besuchen, welcher innen sehr hübsch ist. Das Auto befand sich noch immer im Parkhaus. Und ich hielt ein Ausfahrticket in den Händen, sodass wir problemlos unsere nächste Etappe, Licodia Eubea, ansteuern konnten.

 

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Mittwoch, 22. Juni 2016: Antikes Siracusa und Forza Italia

Türe auf und gleissend helles Licht strömt von der Terrasse in unser Zimmer.

Ahhh, Augen zu und durch und dann ein wenig blinzeln 🙂

Auch heute geniessen wir die reichhaltige Früchte-Auswahl „aus der Region“. Es ist einfach schön, wenn man sich am Morgen an ein Tischchen setzen und sich von der einladenden Früchte-Auslage bedienen kann – ohne selbst etwas vorbereiten zu müssen. Nach dem Frühstück gehen wir zur Piazza Pancali mit den Überresten des 1939-40 ausgegrabenen dorischen Apollon-Tempels. In byzantinischer Zeit diente er als christliche Kirche, unter arabischer Herrschaft als Moschee und schliesslich wieder als Kirche – auch dies ein Teil der Geschichte von Sizilien.

Um die Tempelfragmente herrscht auf der Piazza Pancali reges Treiben – hier befinden sich Bushaltestellen, ein Taxistand, der Markt und in einer Seitengasse auch der Barbier, zu dem es Martin heute zieht. Er lässt sich dort pflegen und verschönern. Ich nutze die Zeit zum lädele, werde aber nicht fündig. Kurz nach Zwölf treffen wir uns wieder und begeben uns zur Station des Busses Nr. 2. Wir unternehmen den zweiten Anlauf, um den archäologischen Park Neapolis zu besuchen. Wir warten, warten, warten, schauen zu wie Busstation und Fussgängerstreifen zugeparkt werden, Martin smalltalkt mit italienischen Mamas und dann kommt er endlich – der Bus. Und er fährt uns direkt vor die Biglietteria und wir kriegen dort heute tatsächlich unsere Tickets. Das archäologische Areal besteht aus zwei Teilen: dem römischen Amphitheater, das wir als erstes besuchen sowie dem Altar des Hieron und dem griechischen Theater, den Steinbrüchen und dem „Ohr des Dionysios“.

Das römische Theater ist monumental. Es wurde im 3 Jh. errichtet und hat die klassische geschlossene Form der römischen Vergnügungsstätten. Die Gänge für Gladiatoren und wilde Tiere sind noch deutlich erkennbar. Was heute noch vom Altar des Hieron II. erhalten ist, lässt die Gigantomanie dieses Bauwerks nur erahnen: 192 m war der aus Felsen geschlagene Opfertisch lang, 22 m breit und wahrscheinlich 15 m hoch. Über zwei Rampen trieb man die 450 Opfertiere zu Ehren des Zeus Eleutherios an seinem Festtage auf den Altar und tötete sie rituell. Das griechische Theater, das grösste, das aus der Antike in unsere Zeit gerettet wurde und zugleich eines der grössten seiner Zeit wurde im 3. Jh. v. Chr. erbaut. Das Theater ist von klassischem Ebenmass. Aus Fels gehauen öffnet sein Halbrund sich einem wunderschönen Panorama, das als Hintergrund der Bühne fungierte und das auch heute immer noch tut, wenn das Theater für Festival-Aufführungen genutzt wird. 15'000 Menschen fanden auf den 61 Sitzreihen Platz. Oberhalb des Theaters befinden sich Steinbrüche, in denen Sklaven und Kriegsgefangene Kalkstein brachen, mit dem das antike Siracusa verschönert wurde. Zwischendurch geniesst man die Schatten spendenden Pflanzentunnels aus Oleander, Bambus und Hibiskus. Hauptattraktion ist die Latomia del Paradiso, von der ein Geheimschacht zum „Ohr des Dionysios“ führt, eine künstliche Grotte, berühmt für ihre eigenartige Akustik. In der Nähe befindet sich auch die Seilergrotte, in der früher die Seilmacher ihrem Handwerk nachgingen – die feuchte Luft der Grotte war den Fasern besonders zuträglich. Wir geniessen diesen Ausflug in die Antike.

Mit dem Bus geht's zurück in die Stadt und zum Hotel. Auf „unserem“ Terrässli geniessen wir einen kleinen Lunch mit Oliven, Brot, Nüssen und kleinen lokalen Köstlichkeiten, die wir uns zuvor in der Stadt bei einer Bäckerei erstanden haben (u.a. Guetzli „Auge der Santa Lucia“). Die Süssspeisen hier enthalten oftmals Ricotta, kandierte Früchte und Zitronencrème … sehr lecker. Den Rest des Nachmittags verbringen wir mit Lesen, Tagebüechle und „eifach si“.

Bevor wir essen gehen, unterstützen wir etwas das Lokale Kleingewerbe. So kaufen wir hier bereits zum zweiten Mal Tonware ein. Warum finden wir wohl auf dieser Reise, auf der wir a) nicht mit dem eigenen Auto unterwegs sind und b) am Schluss mit dem Zug zurückreisen und wo wir c) noch umsteigen müssen so viele schöne Tonsachen?

Vor dem Essen gibt es einen Apérol Spritz mit Tramezzini. Zu Abend essen wir in einem kleinen Lokal etwas ausserhalb des Zentrum-Gewusels. Das Essen ist fein (Dorade), vermag aber zusammen mit dem Service nicht ganz zu überzeugen. Der Chef des Hauses hat dies wohl auch erkannt und offeriert Espressi und je einen Schnapps (Martin: Canello, ich: Amaro). Gemütlich spazieren wir zurück und erheischen regelmässig Blicke auf die TV-Schirme. Das EM-Spiel Italien – Irland läuft gerade. Und sicher werden doch die Italiener auch noch das dritte Vorrundenspiel gewinnen. Da sie sich ja bereits für den Achtelfinal qualifiziert haben, ist dieses Spiel ja für sie nur ein Schaulaufen (allenthalben wird hier heute bereits mehr vom Spiel Italien – Spanien am nächsten Montag gesprochen als vom heutigen Spiel gegen Irland). Aber die spärlichen Chancen werden ausgelassen. 0 zu 0 der Spielstand als wir auf der Piazza Archimede ankommen. Wir kehren ins Hotel zurück, geniessen die Vollmond-Meer-Aussicht und kaum sind wir im Zimmer und der TIVU ist eingeschaltet, fällt das Tor für Irland. Ma che c…!!! Es bleibt auffällig ruhig in den Gassen von Siracusa.

Der heutige Tag hat auch bei uns „Spuren der Ermattung“ hinterlassen: kurz vor 24 h Licht aus und schlaf guet.

 

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Dienstag, 21. Juni 2016: Ein Hoch auf unser Navi!

Wir lassen's heute Morgen gemütlich angehen und geniessen auch an diesem Tag das leckere Frühstücksbüffet. Zurück im Zimmer packen wir unsere Badesachen zusammen und machen uns auf den Weg zum Auto. Witziges Detail: Martin hat noch nicht alle Angaben für unser heutiges Ausflugsziel ins Navi eingegeben, steht schon ein anderes Auto an der Seite, dessen Fahrer auf unseren Parkplatz aspiriert. „Se vanno?“ erkundigt sich die Beifahrerin bei mir. Ja, wir gehen schon. Unser heutiges Reiseziel ist das Naturschutzgebiet Vendicari/Eloro. In Siracusa wuselt es auf der Strasse munter drauflos. Fahren, fahren, Vortritt fordern und erst im letzten Moment bremsen, d.h. wirklich nur dann bremsen, wenn ein Zusammenputsch verhindert werden soll. Zielstrebig geht's aus der Stadt und den dazugehörigen Industrie- und Gewerbezonen heraus. Auf meinen Chauffeur ist einfach Verlass, er hat sich sehr gut an das vorherrschende Strassenverkehrs-Klima eingestellt. In Noto geht's von der Autobahn ab. Bei der Ausfahrt ist zum ersten und einzigen Mal das Ziel „Vendicari“ geführt. Dann geht es getreu dem Motto „Wer sucht, der findet.“ weiter. Ohne Navi wäre man hier – teilweise echt in der Pampa – absolut verloren. Wirklich sowas von verloren. Wir erreichen kurz nach Zwölf das angepeilte Ziel, Vendicari.

Die Sumpflandschaft um die Mündung des Tellaro wurde als Riserva naturale orientata di Vendicari unter Naturschutz gestellt. Vendicari ist mit einer Fläche von 1450 ha das bedeutendste Feuchtgebiet Siziliens und liegt doch tatsächlich südlicher als Tunis. Erst sollte hier eine Raffinerie entstehen. Als die Naturschützer gegen diesen Plan Sturm liefen, entwickelten Spekulanten ein Tourismusprojekt mit einer Feriensiedlung für 5000 Besucher. Unter Einschaltung internationaler Organisationen gelang es, 1977 Vendicari zum Schutzgebiet und 1983 zum Reservat erklären zu lassen. Vendicari bildet eine kleine, sehr vielfältige Welt. Auf dem Mergel- und Sandboden des Küstenstreifens wachsen Oleander, Sandschilf, Levkoje, Zwergpalmen und verschiedene wilde Kräuterarten. Die Fauna wäre mit Fuchs, Stachelschwein, Kaninchen und Sumpfschildkröte vertreten. Wir sehen allerdings „nur“ Eidechsli. Vendicari ist auch das Habitat verschiedener Wasservögel. Es gibt verschiedene Beobachtungspunkte doch auch hier nur wenige Beobachtungsobjekte. Aber was soll's.

Es ist erholsam ruhig hier. Kein Verkehr, nur das Rauschen von Meer und Wind, das Rascheln der Eidechsli in den Büschen und das „Salve“, das sich die Wanderer zwischendurch zurufen. Wir wandern von „Torre Vendicari“ über „Cozzo Balsama“ zum Calamosche Strand. Der Sand hier ist fein, das Wasser sauber und der „Einstieg“ ins Meer easy und völlig angenehm. In unserem Reiseführer steht, dass der Calamosche Strand als schönster der Strände im Vendicari gelte und dass manche behaupten, es sei sogar der schönste von ganz Sizilien. Ja, es ist wirklich schön hier. Nach einem erfrischenden Schwumm und dem Geniessen der Natur-Strand-Szenerie mit italienischen Familien inkl. zahlreicher Bambini machen wir uns auf den Rückweg.

Wir legen einen Apéro-Halt bei einem Agriturismo ein und geniessen im Garten frisch gepressten Orangensaft und eine Auswahl verschiedener Häppli. Danach geht's mit dem Auto zurück nach Siracusa. Dort angelangt werden wir unter der Dusche Meersalz und Sand los und gehen ins Städtli, wo wir uns zur Piazza Archimede begeben – einem der schönsten Plätze der Stadt. Mittelpunkt der Piazza ist der Artemis-Brunnen, vor dem heute Abend das Fotoshootings des Dienstag-Brautpaares stattfindet. In einem nahegelegenen Restaurant gehen wir essen. Es gibt Salat zur Vorspeise und anschliessend Polpette (M) und eine Pizza Caprichiosa (B). Gemütlich schlendern wir durch das Gässli-Gewirr zurück zum Hotel.

 

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Montag, 20.06.2016: Buongiorno Bella Italia

Wachen um halb acht auf und sehen – noch im Bett liegend – nichts als blauen Himmel. Eine Schar Schwalben dreht ihre Runden jubilierend übers Quartier. Wir öffnen die Tür unseres Zimmers und sofort flutet die Sonne den Raum. Es ist gleissend hell. Wir gehen raus auf die kleine Terrasse, die direkt ans Zimmer grenzt. Wow! Die Aussicht aufs Meer und die Dächer des Quartiers lassen sofort Ferienstimmung aufkommen. Die kleine Dachterrasse ist effektiv das Privileg des Zimmers Nr. 15. Denn als einziges liegt dieses Zimmer auf der Dachetage. Wir geniessen die frühen Morgenstunden in unserem schönen „Daheim“.

Frühstück gibt’s im kleinen Beizli-Lokal neben der Réception. Es besteht aus vielen frischen Früchten (flache Pfirsiche, Orangen, Kirschen, Kiwis, Nektarinen etc.), Biscotti, mit Olivenoel bestrichenen Crostini, Panini, regionalem Käse und Konfitüre.

Alles schmeckt herrlich.

Nach dem Frühstück machen wir uns auf, Siracusa zu entdecken. Erste Station auf dem Markt ist ein Hutstand. Wir erstehen uns je einen Strohhut, denn wir Frühsommer 2016-regengewohnten Mitteleuropäer müssen uns wirklich zuerst wieder an Wärme und Sonne angewöhnen. Gemütlich geht’s anschliessend weiter über den Markt. Die wuselig-geschäftige Stimmung nimmt einen sofort in den Bann: Viele Leute, viele Geschmäcker (Käse, Fisch, Früchte etc.), eine riesige Auswahl an Früchten und Gemüsen (habe noch nie eine Aubergine Viola gesehen) und immer wieder werden lauthals schreiend die eigenen Waren feilgeboten. Und logischerweise versucht dann jeder, den Kollegen stimmlich zu übertrumpfen. Wir kaufen Baumnüsse, Pistazien und Oliven ein. Etwas später dann auch noch die köstlich schmeckenden gelben, flachen Pfirsiche und Walderdbeeren (die dann leider ein echter Flopp sind).

Dem Corso Umberto I entlang geht es anschliessend stadtauswärts in Richtung des archäologischen Parks Neapolis. Als wir dort ankommen, müssen wir jedoch feststellen, dass der Park am Montagnachmittag ab 13.45 Uhr geschlossen ist.

Aus dem Besuch wird für uns und zahlreiche andere Besucher, die mit uns vor der Bigletteria stehen, leider nichts. Wir besuchen daher die Kirche der Madonna Delle Lacrime – eine sehr moderne Kirche -, die mit ihrem zeltähnlichen Umriss das Stadtbild Siracusas prägt. Die Madonna vergiesst kein Tränchen ob unserem Besuch, was wir als positiv werten. Auf dem Weg zurück in die Altstadt kommen wir auch gleich noch an der Kirche der Schutzpatronin von Siracusa – der heiligen Lucia – vorbei und Stätten auch dieser einen Besuch ab. Hier könnten wir die Kirche zwar besuchen. Müssten aber noch eine halbe Stunde warten, um eine Führung von Kirche, Katakomben und Kapelle zu machen. Wir möchten uns einfach die Kirche anschauen und nicht die all inclusive Tour inkl. Katakomben-morbidem Ambiente absolvieren (Zitat aus dem Reiseführer: „Ihre Grabkammer ist allerdings leer, denn Lucia wurde von den Byzantinern geklaut und anschliessend von den Kreuzrittern nach Venedig gebracht.“). Wir lassen’s bleiben.

Wieder in der Altstadt angekommen, gönnen wir uns im „Schiticchio“ eine kleine Stärkung und besuchen anschliessend den Dom, der geöffnet hat und dessen Besuch nicht an ein Nebenprogramm geknüpft ist. Hier sehen wir unter anderem auch die silberne Lucia-Statue, die in der Lucia-Kapelle aufbewahrt wird. Wieder draussen auf dem Domplatz gönnen wir uns ein erstes Gelato. Und werden Zeugen des folgenden Spektakels: Es ist ein ganz gewöhnlicher Werktag, das öffentliche Leben ist gerade aus der Siesta wiedererwacht. Ein buntes Völkchen chic gekleideter Menschen steht vor dem Ratshaus (heute tragen zwei Herren sogar den gleichen Anzug … ). Ein Herr ist ausgesprochen gut gekleidet und trägt Blumen am Revers. Ein Fotograf und ein Video-Mann ergänzen die Szenerie. Man wartet und wartet. Es ist heiss … die Wartenden kommen zum Restaurant, um für sich und ihre zahlreich anwesend Jungmannschaft Wasser zu kaufen. Und dann: Endlich kommt hupend ein Auto über die Piazza gefahren, die Braut ist da. In einem üppigen Kleid klettert sie aus dem VW-Käfer und schreitet anschliessend am Arm von „Papa“ zum Zivilstandsamt.

Wir schlendern noch ein wenig durch die engen Gassen von Siracusa in Richtung Maniace-Kastell und kehren entlang der Via Nizza – mit bestem Blick aufs Meer und die kleinen Badebuchten – zurück zum Hotel. Hier ruhen wir uns kurz aus bevor wir uns erneut in Richtung Stadtmitte aufmachen, um im Restaurant Dionysos Abendessen zu gehen. Zur Feier dieses wunderschönen ersten Ferientages gönnen wir uns una cena siciliana: Zur Vorspeise gibt’s ein Thunfisch-Tartar (M) bzw. frittierte Sardellen (B), anschliessend Spaghetti in einem Sardellen-Sud (M) bzw. Penne Norma (Gemüsesauce) gefolgt von einem Thunfisch-Steak mit Salat (M+B). Delicioso! Wir sind so satt, dass es keinen Platz mehr für ein Dessert gibt. Müde aber glücklich kehren wir zum Hotel zurück.

 

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Sonntag, 19. Juni 2016: Dem Regen entfliehen

Seit Wochen sitzt ein tiefes Tief über Zentraleuropa. Die Tage, an welchen es bei uns nicht regnet, kann man an einer Hand abzählen. Wir sind froh, dass der Wetterbericht für unsere nächste Feriendestination Sizilien ausschliesslich Sonne vorsieht.

Der Swiss-Flug (operated by Edelweiss-Air) ist erst am späteren Nachmittag vorgesehen. Wir haben genügend Zeit, den Sonntag gemütlich anzugehen und um halb drei starten wir mit dem Zug Richtung Zürich Flughafen (natürlich verabschiedet sich Bern auf dem Weg zum Bus mit Regentropfen…). Dort angekommen stellen wir fest, dass wir nicht die einzigen sind, die genug vor Regenschirmen haben. Wir haben schon im Voraus eingecheckt und stehen rund 20 Minuten an, um das Gepäck abzugeben… Ich staune, dass sich die Airlines den Kunden gegenüber solche Wartezeiten erlauben. Schliesslich hätte man mehr als 5 Schalter öffnen können. Dafür waren die Wartezeiten bei der Security gnädig und schon bald waren wir am Gate.

Der Airbus der Edelweiss-Air war jetzt nicht grad DAS bequeme Flugzeug, ich fühlte mich sehr eingepfercht. Aufgrund des Regens und der allgemeinen Betriebsabwicklung flogen wir mit einer halben Stunde Verspätung ab. Das Catering auf dem Flug war sosolala, Sandwiches wurden serviert, „Wänzi Schinke oder Chees?“ Und der Fensterplatz bot auch nicht die spannenden Ausblicke, da die Wolkendecke bis weit in den Süden reichte. Aber bei zwei Stunden Flug kann man auch ein bisschen lesen oder dösen.

Die halbe Stunde Verspätung konnte nicht aufgeholt werden, somit landeten wir erst um 20:00 Uhr in Catania. Ich erinnere mich an die Mail, welche ich dem Hotel geschickt habe und schrieb, dass wir so gegen 21:00 Uhr im Hotel sein würden. Dies stellte sich als glatte Lüge heraus, denn schon nur beim Warten aufs Gepäck ging wieder eine halbe Stunde flöten (natürlich kam unser Gepäck ziemlich am Schluss…). Und beim Registrieren fürs Mietauto durften wir noch einmal eine dreiviertel Stunde die allgemeine Flughafenathmosphäre geniessen, bevor es zur Vertragsunterzeichnung ging. Aber wir haben ja Ferien…

Wir konnten einen schwarzen Peugeot 308 übernehmen. Obschon ich die Option „Navi“ nicht gewählt hatte, hatte dieses Auto bereits ein Navi drin. Sehr hilfreich, um das Flughafengelände zu verlassen und die Autobahn zu erreichen. Irgendwie war mir nicht ganz geheuer, in stockdunkler Nacht durch Sizilien zu fahren, aber die Autobahn war easy zu fahren. Wir fuhren nach Siracusa, welches rund 60 km von Catania entfernt ist. Die Fahrt war flott, bis wir die Autobahn verlassen hatten. Die Landstrasse als Zubringer erforderte die ganze Aufmerksamkeit, schliesslich galt es, keine Vespa ohne Licht abzuschiessen.

Obschon das Ortsschild „Siracusa“ angekündigt hatte und das Navi uns in die entsprechende Richtung lotste, war ich mir nicht sicher, ob wir richtig unterwegs waren. Die Strassen waren übelst und mit Schlaglöchern versehen, und auch die Strasse vor dem Bahnhof war irgendwie eine kleine Quartierstrasse, wo wir drüber rumpelten. Unser Hotel war auf der Insel Ortygia gelegen, in der Altstadt. Und die Fahrt zur und in der Altstadt erforderte noch einmal höchste Konzentration. Manchmal benötigte es ein bisschen Mut, um zwischen all den Parkern in der zweiten und dritten Reihe noch durchzufahren. Augen zu und durch. Und dank Navi fanden wir unser Hotel auch trotz engen Gassen und Einbahnstrassen sicher. Also das Hotel fanden wir, aber keinen Parkplatz, sodass wir drei Runden um die Altstadt machen mussten, bis wir einen Parkplatz in Gehdistanz zum Hotel fanden (einen in der weissen Zone, denn die Parkplätze in der orangen Zone sind den Ortygianern vorbehalten und falsch geparkte Autos werden abgeschleppt…).

Die Reception war noch besetzt und wir erhielten ein Zimmer in einem Altstadthaus hoch über den Dächern Siracusas. Wunderschön. Und nach einem alkoholfreien Absacker an der Hotelbar waren wir recht schnell im Bett. Benvenuti al Sud!

 

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Samstag/Sonntag, 21./22. Mai 2016: Short Trip to Athens

Ist das?… Nein, das kann doch nicht sein …?

Doch, es ist der Wecker, der uns um 05.30 Uhr aus dem Schlaf klingelt.

Die Nacht war kurz. Gestern Abend noch am wunderschönen Konzert von Albert Hammond in der Mühle Hunziken und jetzt steht schon ein nächstes Highlight an. Unser kurzer Athen-Besuch. Als wir gestern kurz vor Mitternacht zu Hause angekommen sind, haben wir noch rasch unsere kleinen Koffern gepackt und sind dann kurz vor 01.00 Uhr ins Bett gehüpft.

Wir machen uns reisefertig und nehmen kurz nach halb sieben in der Länggasse den Bus und dann um 07.02 Uhr den Zug nach Zürich-Flughafen. Da wir einen Business Flug haben, verlaufen Check-In und Sicherheitskontrolle zügig und wir stehen bereits am Gate B39, wo unser Flugzeug (eine Boeing 777-300ER) um 09.10 Uhr abheben sollte. Bis alle Gäste an Bord sind, dauert es eine Weile und so verzögert sich der Abflug um fast eine halbe Stunde. Wir erreichen unsere Flughöhe und schon bald wird uns ein herrliches Frühstück serviert. Wir geniessen die Köstlichkeiten auf unseren Deluxe-Sitzen – was für ein Privileg, dies erleben zu dürfen. Die Reise verläuft ruhig und ohne grössere Turbulenzen und gegen Mittag landen wir in Athen. Da wir nur Handgepäck dabei haben, sind wir subtio aus dem Flughafen raus. Weniger subtio verhält es sich aber mit der U-Bahn. Das U-Bahnpersonal ist am 21.05. für 48 Stunden in den Streik getreten.

(C)Hellas – welcome to Greece!

Wir kehren zurück zum Arrival-Deck und stellen uns in die Taxi-Warteschlange. Taxi um Taxi fährt ein und lädt Gäste auf, so dass die Wartezeit im Nu vergeht und schon sind wir auf dem Weg zu unserem Hotel – dem Hilton. Es ist völlig dunstig im Stadtgebiet. Die Sicht reicht nur einige Meter weit. Smog? Im Hotel erklärt uns die Réceptionistin, dass es sich um Sand aus Ägypten handle, der die Luft so weiss-neblig mache. Wir beziehen unser Zimmer im elften Stock mit Akropolis-Sicht (Nr. 1128). Der Nebel gibt aber nur eine schwache Sicht auf den Akropolis-Hügel frei. Wir sind so müde, dass wir beschliessen, eine Stunde auf dem Zimmer zu verbringen. Mit einem Power-Nap, ein wenig Dösen und etwas Trinken gewinnen wir neue Energie, so dass wir uns dann gegen 14.00 Uhr zu Fuss auf in Richtung Stadtmitte machen. Die Vasileos Konstantinou ist eine richtungsgetrennte dreispurige Strasse, auf der sich der Verkehr in konstant hohem Mass dahinwälzt. Die Häusersubstanz ist grösstenteils sehr sehr alt, die Trottoire und Querstrassen sind voller Schlaglöcher. Da zudem überall Autos parkiert sind, ist man als Fussgänger echt gefordert. Nach ca. 15 Minuten Fussweg kommen wir am Panathenaic Stadion, dem olympischen Stadion der ersten olympischen Spiele der Neuzeit von 1896 vorbei. Dieses fasst rund 60'000 Zuschauer und ist in einem sehr guten Zustand.

Durch eine erholsam ruhige Parkanlage geht es weiter zu den Überresten des Zeus Tempels und des Hadrians Bogen. Es ist schon verrückt: Mitten im modernen Athen befinden sich Ruinen von Gebäuden, die vor Jahrtausenden errichtet worden sind. Wir ziehen weiter und nachdem wir – wie Martin zu pflegen sagt – einen Obolus von 20 Euro/Person entrichtet haben, machen wir uns auf, den Hügel mit der weltbekannten Festungsanlage (Akropolis) zu erklimmen. Es hat relativ wenig Besucher und so können wir uns die einzelnen Objekt (Dionysos Theater, „Herodium“ – Odeum von Herodes Atticus und Partheon) in Ruhe anschauen.

Hier küsst einen wirklich die Vergangenheit. Dies wird einem hier so richtig bewusst. Vor allem dann, wenn man von der Akropolis in die Stadt schaut und dort inmitten der „neuen Stadt“ wieder das „alte“ olympische Stadion der „Neuzeit“ sieht. Wir geniessen den Aufenthalt in dieser geschichtsträchtigen Umgebung, machen Fötelis und ziberle auf den glitschigen Marmorsteinen des Weges herum. Der Himmel verfinstert sich zunehmend. Es ist Regen angekündigt. Trockenen Fusses steigen wir wieder in die Stadt herab und landen im geschäftigen Plaka-Quartier mit unzähligen Shopping-Möglichkeiten.

Doch wir sind zu müde, um zu shoppen und wollen zudem noch dem Parlament-Gebäude die Ehre erweisen. Von diesem Platz werden die Nachrichten-Einspieler von Werner van Gent und seinen Griechenland-Berichterstatter-Kollegen aufgenommen. Wir schauen uns von der gegenüberliegenden Strassenseite das Gebäude an, in dem es noch recht emsig zu und her zu gehen scheint. Bei zahlreichen Büros sind die Fesnter geöffnet und es brennt Licht. Und dies kurz nach 19.00 Uhr. Wir ziehen den Hut.

Anschliessend machen wir uns auf den Weg, ein Restaurant fürs Abendessen ausfindig zu machen. Der Tag hat uns hungrig gemacht. In der Nähe der römisch-katholischen Kathedrale stossen wir aufs Restaurant Metropol. In dem wir einen Fünfer-Tisch finden. Kurze Zeit später stossen Marcel, Werner und Lukas zu uns, die mit uns angereist sind, den Nachmittag aber nach ihrem Gusto verbracht haben.

Martin und ich bestellen ein Bier und eine Meze (Käse, Schinken, Oliven, Tomaten und in Weinlaub eingewickelter Reis). Mmmh fein.

Zum Abendessen gibt es griechischen Salat und Poulet-Gyros. Das Essen schmeckt gut und das Bier bzw. Radler der Marke „Mythos“ (nomen est omen) erfrischt die staubtrockene Kehle. Nach einem Espresso machen wir uns per Taxi auf den Weg zurück zum Hotel. Wir sind so richtig „düre“ und freuen uns auf unser Bett, das wir sehr zu schätzen wissen. Die zahlreichen Obdachlosen, die sich in der Stadt ein notdürftiges Lager errichtet haben, führen uns die andere Seite des pulsierenden Nachtlebens von Athen zu Gesicht.

Wir schlafen gut und ausgiebig. Gegen 09.00 Uhr stehen wir auf, machen uns frisch und packen, so dass wir anschliessend entspannt frühstücken gehen können. Nochmals geniessen wir die Aussicht auf die Akropolis. Von der Sicht her ist der Blick besser, allerdings hat sich jetzt der Baukran von der eingestellten Baustelle vor dem Hotel (gemäss Beschilderung hätte der Bau des neuen Museums im 2013 abgeschlossen sein sollen …) so gedreht, dass die Akropolis-Ruinen nur noch durch das Kran-Gestänge erkennbar sind. Gegen 11.00 Uhr checken wir aus und fahren mit dem Taxi zum Flughafen. Kurzes Duty-Free-Shopping und kurzer Aufenthalt in der Lounge und schon steigen wir ins Flugzeug (wieder eine Boeing 777) ein.

Dieses Mal wird ein leckeres Mittagessen (wir wählen beide das Boeuf Stroganoff mit Spätzli aus) gereicht. Dazu gibt's einen Salat und ein Käseplättli und zum Dessert noch ein Schoggi-Mouse mit Himbeer-Gelée. Ein Glas Rotwein rundet das leckere Mahl ab. Pünktlich treffen wir in Zürich ein. Bevor wir den Zug nach Bern nehmen geht's noch ins Flughafen Migros, wo wir den kleinen Wochen-Einkauf machen. Für Martin beginnen morgen die finalen Gotthard-Eröffnungsfest-Vorbereitungen, d.h. er wird die nächsten 10 Tage im Tessin verbringen. Und für mich beginnt schon bald der Kunstturnen-Europameisterschafts-Einsatz. Der kurze Athen-Trip hat Spass gemacht. Wir hatten noch einmal richtig Zeit für einander und fühlen uns fit, die nächsten Herausforderungen anzugehen.

Ein Privileg, so viel einmaliges erleben zu dürfen. Geniessen wir es und freuen uns, Teil dieser Ereignisse sein zu dürfen.

 

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Dienstag, 17. Mai 2016: Über Berlin nach Bern

Die verlängerte Wochenend-Entspannung hält an. Wir wachen vor dem Wecker auf.

Duschen, packen, frühstücken und auschecken. Kurz nach acht machen wir uns durch Städtchen auf den Weg zum Bahnhof. Pünktlich um 08.44 Uhr fährt der Zug nach Berlin in Binz ab. Wir sind beide noch recht müde und träumen in den Tag und die Landschaft. Als wir in Berlin ankommen haben wir knappe zehn Minuten Zeit zum Umsteigen. Es klappt und auch im Zug von Berlin nach Interlaken können wir im Wagen 12 zwei reservierte Plätze beziehen.

Wir lieben diese ausgedehnten Zugreisen, die man so wunderbar zum Lesen, Schreiben und Arbeiten nutzen kann. Wie üblich bei der DB wird in der 1.Klasse das Essen an den Platz gebracht. Das Hühnerfrikassee ist mässig lecker. Ein Käffchen rundet unser heutiges Mittagessen ab.

Die Fahrt verläuft zügig und pünktlich.

Wir haben unsere Binz-Reise, die ja weitgehend „Schlafwagen-getrieben“ war, sehr genossen. Der Kap Arkona-Besuch bleibt eine Pendenz auf unserer Reise-Liste und das ist gut so, ist diese Pendenz doch immer noch Grund, wieder mal einen Rügen-Abstecher einzulegen.

 

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Montag, 16. Mai 2016: Highlights des Tages: Nonnensee und Freustil

Heute gehen wir am Sandstrand joggen. Gegen den Wind aber mit einem big smile.

Zwischendurch kreuzt eine mutige Badenixe unseren Weg und juckt in die etwas 12 Grad Celsius Wärme Ostsee. Ja, danach ist man sicherlich wach. Martin kündigt ebenfalls einen Schwumm an. Er schlägt aber nicht ein, als ich von ihm die definitive Absichtserklärung will. Auf dem Rückweg joggen wir bis zum Strand-Abgang 29 und stretchen dort ausgiebig. Den letzten Abschnitt am Strand bis zum Strand-Abgang 23, der zu unserem Hotel führt, nutzen wir für ein ausgiebiges Fuss-Peeling.

In der Hotel-Morgenpost, die jeweils auf dem Frühstückstisch liegt, wird ein Ausflug an den Nonnensee bei Bergen auf Rügen empfohlen. Eigentlich hätten wir uns auch noch einen Ausflug ans Kap Arkona vorstellen können. Doch mit dem Bus sind dies je zwei Stunden Weg hin und zurück. Da ist der Tag weitgehend sitzend gelaufen. Wir beschliessen deshalb, den Nonnensee-Tipp umzusetzen. Mit dem „Rasenden Roland“ Dampfzug geht es von Binz nach Putbus (romantische Blustfahrt), wo wir auf einen Überland-Zug bis nach Bergen auf Rügen fahren. Dort angekommen, gehen wir ca. 1 km durch Industrie- und Ladengebiet und gelangen dann an den See.

Über lange Zeit hat man versucht, den Nonnensee trockenzulegen, was auch – Pumptechnik sei Dank – weitgehend gelungen ist. Allerdings ist dann im 1993 die Pumpe kaputt gegangen und innert kürzester Zeit war hat sich die Natur das Land als See zurück erobert. Die Natur hat gesiegt und innert kürzester Zeit hat sich der Nonnensee zu einem Vogelparadies entwickelt, dem auch bei den saisonalen Vogelzügen eine grosse Bedeutung als Rastplatz (u.a. Gänse) zukommt. Warm angezogen wie wir sind (inkl. Mütze) macht der Spaziergang viel Spass. Am oberen Ende des Sees stossen wir auf die grauen Gerippe abgestorbener Bäume, auf denen die Kormorane unzählige Nester angebracht haben. Teilweise zu Zweit sitzen die Kormorane in ihren Nestern und schauen Nachbars ins Nest. Es ist ein Kommen und Gehen zu beobachten, der Lärmpegel steigt je näher man den Nestern kommt und es „miefet“ …

Wir beobachten die Szenerie eine Zeitlang und setzen dann unseren Weg fort. Die Aussichts-Kanzeln geben wenig her, sie sind recht weit weg vom See positioniert. Man bräuchte ein Fernglas, um Tiere sehen und bestimmen zu können.

Nach rund 90 Minuten stehen wir wieder am Bahnhof von Bergen auf Rügen. Mit einem direkten Zug geht's zurück nach Binz. In Binz lassen wir den Nachmittag im Hotel ruhig ausklingen. Kaum sind wir im Hotel angekommen, entlädt sich ein richtiges Gewitter. Es donnert, der Wind peitscht den strömenden Regen an die Scheiben, wir sind froh, drinnen sein zu können und nicht im Regen stehen zu müssen.

Um 18.30 Uhr haben wir uns im Restaurant Freustil einen Tisch reserviert. Als wir das Hotel verlassen regnet es noch immer aber nicht mehr so stark wie früher am Nachmittag. Das Freustil zu beschreiben, ist nicht ganz einfach. Es ist ein kleines, witzig eingerichtetes Lokal, das originelle Essenkreationen anbietet und einen reizt, neue Kombinationen auszuprobieren und Spass am Essen zu haben. Wir wählen für uns beide das Überraschungsmenu (4-Gang-Menü) aus und sind bereits bei den Grüssen aus der Küche zum ersten Mal sprachlos. Wow, so was von originell präsentiert und wie das schmeckt …!!! Mmmmmhhhhhh.

Dieses Gefühl hält während des ganzen Abends an. Wir schwelgen … und geniessen die originelle Koch- und Essenspräsentationskunst. Das „Pflaumenkuchen“-Dessert, in einer kleinen Teigschüssel serviert, bildet eigentlich der Abschluss des Essens. Doch im Freustil gibt es ein Vor-Dessert (Sanddorn-Köstlichkeiten im Sandkasten) und ein Nach-Dessert (Vanilleeis-Stängel im Nussmantel). Satt und entspannt verlassen wir das Restaurant und kehren fussläufig mit einem letzten Abstecher zur Seebrücke Binz zum Hotel zurück. Es ist so was von kalt. Brrrr … den Hasen vor der Villa Undine scheint die Kälte nichts anzuhaben. Auch spätabends sitzt ein Vertreter seiner Gattung im Rasen vor der Villa und mümmelt Gras. Wir machen uns bettfertig und geniessen es so richtig, ins warme Bett steigen zu können.

P.S.

Im Freustil wurde zu unserer Überraschung auch Belper Knolle angeboten.

 

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Sonntag, 15. Mai 2016: Wie die Einheimischen es tun …

Kurz nach fünf ist Sonnenaufgang. Kurz vor sechs wache ich auf und geniesse das Liegenbleiben-Können in unserem bequemen Bett. Kurz vor acht Uhr starten wir zu unserer ersten Rügen-Jogging-Tour. Vom Hotel aus geht's Richtung Seebrücke und dann weiter dorfauswärts (wir machen im hinteren küstenanliegenden Dorfteil das Steakrestaurant Lennox aus, in dem wir an diesem Abend essen gehen werden) in einen waldigen Höhenabschnitt. An der Küste ist das Laufen nicht möglich, es gibt keinen Weg. Daher geht's zuerst eine steile Treppe hoch, die zu einem schönen Waldweg führt. Der Buchenwald ist noch in seinem Junggrünen, überall hat es Buschwindröschen und Veilchen. Die Laufstrecke ist herrlich coupiert und fordert uns echt heraus. Zwischendurch gibt der Wald auf der Küstenseite den Blick auf das Meer frei. Der Wind unterstützt unsere Laufanstrengungen teilweise mit Rückenwind-Böen, teilweise bespasst er uns aber auch mit Gegenwind. Und teilweise bringt er auch eine herbe Fisch-Brise mit sich . Auf dem Rückweg beschliessen wir, einen der Waldwege zum Meer hinunter zu nehmen und der Küste entlang ins Städtchen zurück zu kehren. Am Meer entdecken wir Kormorane, die mit ihrer morgendlichen Toilette beschäftigt sind. Zu Fuss geht's über die Steinküste bis zum Sandstrand, wo wir Schuhe und Stocken ausziehen und uns ein morgendliches Meeres-Fussbad gönnen. Wie auf Teneriffa (dort war es eine Entenfamilie) stossen wir auch auf Rügen auf eine (Haubentaucher-?)Entenmutter mit ihrer Kinderschar. Mutig folgen die jungen Entchen der Entenmutter ins Wasser und reiten auf den kleinen Wellen in Strandnähe, die aber im Verhältnis zur Grösse der Jungtiere ein Mehrfaches deren Körpergrösse ausmachen.

Beim Hotel angelangt, sind die Füsse nun echt eiskalt und wir freuen uns auf eine warme Dusche. Das Frühstücks-Buffet im Hotel ist reichhaltig und schön aufgemacht. Wieder geniessen wir das feine Essen, die schöne Aussicht und das wunderbare Gefühl, Zeit für uns zu haben. Und was machen wir heute?

In den Ostsee-Bäder-Orten dürfen die Geschäfte im Sommerhalbjahr am Sonntag geöffnet haben. Wir beschliessen daher, lädelen zu gehen. Zuerst geht's durch die verkehrsfreie Fussgängerzone. Das Sortiment ist weitgehend auf Ü60-Kundschaft ausgerichtet und spricht uns wenig an. Da ich mir aber kältebedingt eine Mütze erstehen möchte, beschliessen wir, weiter durchs Dorf zu Stolz – dem Warenhaus des Nordens – zu gehen. Stolz ist effektiv eine Nummer im Norden Deutschlands. Markenzeichen: gute Abdeckung im Norden Deutschlands, breites aber wenig tiefes Sortiment, teilweise Markenartikel, partielles Wühltisch-Ambiente, günstige Saisonware. Das zieht. Im Geschäft brummt der Bär: Einheimische und Besucher (wie wir) flanieren durch den Laden und werden fündig. Für mich gibt's eine blaue Mütze und ein Ringel-Shirt für Martin einen neuen Gürtel. Stolz – a place to be.

Und auf Stolz folgt das nächste Highlight: Wir fahren mit dem Bus zu Karls Erlebnishof nach Zirkow. Bei Karls Erdbeer- und Erlebnishof waren wir letztes Jahr während der Sommerferien in Rövershagen. Einen gleichen Erlebnishof gibt es auch in Zirkow auf Rügen. Dort übrigens mit dem grössten Kletter- und Rutschenturm in Deutschland. Ohne Auto gestaltet sich die Anreise ein wenig umständlicher. Vom Bahnhof aus geht es mit dem Bus Nr. 20 bis nach Serams. In the middle of nowhere gibt es dort einen Umsteige- und Wende-Busbahnhof. Wir steigen in den Bus Nr. 24 um, mit dem wir nach wenigen Minuten in „Zirkow Karls“ (so heisst die Station) eintreffen. Kurzer Check der Rückreise-Bus-Abfahrtszeiten und wir treten bei Karls über die Schwelle. Es hat viele Leute, teilweise zu viele Leute (vor allem Einheimische und Leute aus der Region aber natürlich auch zahlreiche Urlauber). Wir schlendern durch das Geschäft, nehmen ein Zvieri bestehend aus Erdbeertorte und Café zu uns und gehen dann noch nach draussen in die Erlebniswelt.

Wir schauen dem bunten Treiben zu, machen Fötelis im Velokörbchen und Martin absolviert den Balanceparcours bzw. er tut dies teilweise. Den ersten Teil, wo man auf 10 cm breiten Holzbrettern zu balancieren hat, meistert er perfekt. Als er dann aber auf den halben in den Boden eingelassenen Gummipneu stehen will, drückt er diesen grad platt und es gibt nichts mehr zu balancieren. Ende Gelände – wenigstens können wir beide darüber lachen. Zurück im Laden kaufen wir noch von der leckeren Erdbeermarmelade. Frische Erdbeeren kriegen wir leider keine mehr. Die sind bereits ausverkauft. Mit dem Bus geht's zurück nach Binz, wo wir unsere Einkäufe ins Hotel bringen bevor wir nochmals in Städchen gehen. Es bleibt bei einem Sightseeing-Shopping-Bummel, der das Portemonnaie freut. Wie bereits kurz angetönt, begeben wir uns anschliessend zum Restaurant Lennox. Aperol- bzw. Lillet-Apéritiv, Salat- bzw. Carpaccio-Vorspeise und anschliessend Fisch mit Spargel bzw. Spinat schmecken lecker. Nach einem abschliessenden Espresso gehen wir nochmals zum italienischen Eis-Stand. Allerdings frieren wir an die Hände, dies nicht aufgrund des Speiseeises sondern aufgrund der kalten Temparaturen (ca. 9 Grad Celsius und Wind). Wir schlecken das Eis im Hotelzimmer zum Tatort (Zirkuskind) zu Ende.

 

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Samstag, 14. Mai 2016: Rügen-Vergnügen

Die Anreise in der Nacht von Freitag, dem 13. Mai nach Rügen ist gut verlaufen. Pünktlich haben wir Basel verlassen, rasch sind wir in unsere Etagen-Betten gekrochen und haben wunderbar geschlafen. Bis kurz vor Berlin Hbf verbringen wir die Zeit mit Lesen und Musik hören. Dann stehen wir auf, gönnen uns eine erfrischende Dusche in der kleinen Zugs-Dusche in unserem Abteil, ziehen uns an und frühstücken. So ein richtig gemütlicher Tagesstart. Die Weiterreise vergeht wie im Flug (vorbei an vielen Städten, die wir auch schon besucht haben z.B. Rövershagen, Ribnitz-Damgarten, Stralsund um nur einige zu erwähnen) und pünktlich um 12.01 Uhr treffen wir in Binz auf Rügen ein. Auf direktem Weg geht's zum Hotel Am Meer, in dem wir die nächsten Tage logieren werden. Da das Zimmer noch nicht bezugsbereit ist, geben wir das Gepäck ab und machen uns auf den Weg der Seepromenade entlang zur Seebrücke. Die Sonne scheint aber es geht auch ein böiger Wind, so dass die Temperaturen im unteren Rahmen liegen. Bei der Seebrücke angekommen, geniessen wir das bunte Treiben auf dem Platz vor der Seebrücke. Wir sind definitiv nicht die einzigen, die das Pfingstwochenende in Binz verbringen.

Am Strandabschnitt 14 begeben wir uns zu einem Beizli und gönnen uns ein Fischbrötchen und ein Bierchen. Lecker! Wir sind so richtig auf Rügen angekommen. Danach gehen wir uns zu einem Glacé-Stand (Orig. ital. Eis) und holen uns ein Dessert. Super, super feine Café-Glacé und auch die restlichen Sorten sind wunderbar – wir werden zu „Wiederholungstätern“ werden.

Kaum haben wir unser Eis erstanden, stellen wir fest, dass das Bädertram die nächste Fährt nach Prora und zum Baumwipfelpfad im Naturerbezentrum anbietet. Und ins Bähndli darf man natürlich nur ohne Eis. Also rasch fertig Eis geschleckt und los geht's. In Pora, wo die grosse über 5 km lange Ferien-Anlage, welche die Nationalsozialisten geplant haben, in Überresten steht, machen wir nur eine kurze Stippvisite. Weiter geht's zum Baumwipfelpfad.

Wir lösen ein Ticket und machen uns auf den Weg durch den wunderschönen Buchenwald. Der befestigte Weg aus einer Holzkonstruktion enthält verschiedene Informationen über den Wald (Entstehung, Bewohner etc.) und vor allem lustige Geschicklichkeits-Einheiten, welche jungen und älteren Besuchern gleichermassen Freude bereiten. Nach etwa einer halben Stunde treffen wir am Fuss des 40 Meter hohen Adlerhorsts ein. Der Weg windet sich Runde um Runde hinauf in luftige Höhen. Auch hier gibt es interessante Informationen über den Nestbau verschiedener Vögel und wir erfahren, dass Saatkrähen eigentlich Singvögel sind – schwer vorstellbar aber wahr. Die Höhe gibt einen einzigartigen Weitblick über das Land her (Jasmunder und Greifswalder Bodden, Litzow, Prora, Binz etc.). Mit jeder erklommenen Höhenrunde wird es aber auch bedeutend luftiger. Zuoberst angelangt, weht uns der Wind derart um die Ohren, dass wir froh sind, unsere guten Jacken mit Kapuzen dabei zu haben. Wir geniessen den Ausblick und lassen die Landschaft mit den junggrünen Gras-Weiden, den gelben Rapsfeldern, den Buchenwäldern, der Ostsee und der Himmelfärbung, die von blau über weiss in alle Grau-Nuancen übergeht auf uns wirken. Als es uns zu kalt wird, beschliessen wir wieder runter zu steigen und kehren auf der Holzweg-Konstruktion zum Naturerbezentrum zurück. Wir kommen noch in den Genuss eines Buchfink-Konzerts

– Buchfink, wie könnte es im Buchenwald anders sein…

Wir trinken noch etwas und schauen uns in den Ausstellungsräumlichkeiten des Naturerbezentrums ein wenig um bevor wir mit dem Zügli wieder nach Binz zurück kehren.

Zurück in Binz beziehen wir im Hotel unser Zimmer 202, richten uns ein und geniessen eine ruhige Stunde. Fürs Nachtessen begeben wir uns ins Hotelrestaurant, wo es köstliche Fleisch- und Fischgerichte gibt. Zum Auftakt ein Aperol Spritz, dann einen Salat und anschliessend ein Rindsfilet für Martin und eine Fischplatte für mich.

Das Restaurant gibt einen tollen Blick auf die Ostseeküste frei und auch der Seepromenade gibt es viel Unterhaltsames zu beobachten. Wir haben jedenfalls unseren Spass. Nach dem Essen kehren wir aufs Zimmer zurück und lassen den Abend gemütlich ausklingen.

 

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