Sonntag, 26. Oktober 2014: Rutschbanen, Odins Expressen und Dæmonen

15473135828_6504ea3e8a_zEs war ein wunderbares Aufwachen, heute morgen. Zuerst mal waren wir entspannt, weil wir dank der Umstellung auf Winterzeit eine Stunde geschenkt erhielten. Dann war diese Aussicht aus dem 13. Stock, auf den Tag der nun am Erwachen ist, die auch noch das ihrige dazu beitrug, dass wir einen guten Start hatten. Nach einigem Wachräkeln gingen wir in die 20. Etage zum Frühstück. Wir erhielten einen wunderbaren Tisch mit Sicht auf Tivoli, Rathausplatz und Innenstadt. Der Start war somit wirklich geglückt.

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Gegen 10:30 Uhr checkten wir aus und stellten unser bisschen Gepäck beim Hotel ein. Erstes Tagesziel war der Besuch des Vergnügungsparks Tivoli, welchen wir gestern nicht mehr im Programm unterbringen konnten. Heute ist auch das Wetter besser. Das Tivoli hat sich total dem Thema “Halloween” verschrieben. Sehr liebevoll wurde die ganze Anlage mit Spinnweben, Kürbissen und animierten Figuren verziert. Ich kannte das Tivoli nur im Sommer. Dass dieses auch im Herbst geöffnet hat, ist jedoch neu. Erstes Ziel war die Attraktion “Rutschebanen“. Diese Achterbahn ist ganz aus Holz und hat dieses Jahr das 100 jährige Jubliäum gefeiert. 100 Jahre alt? Genau, aber dank des mitfahrenden Bremsers besteht kein Sicherheitsproblem, denn er bremst die Bahn ab, dass sie nicht entgleisen kann. Auch wenn sie “nur” 13 m hoch ist und keine Loopings hat, der Spassfaktor ist doch sehr hoch.

014e03cf3025f3d2bdbbe3d872e312746b65459004Danach ging es weiter. Wir spielten eine Runde “Galoppen”. Hier geht es darum, aus gewisser Distanz Kugeln in Löcher zu werfen. Trifft man, geht ein Pferd ein paar Schritte vorwärts. Das Pferd, welches zuerst am Ziel ist, hat gewonnen (bzw. der Kugelwerfer). Nach dieser eher entspannenden Attraktion gings auf die Bahn “Odins Expressen“. Da es nicht so viele Leute hatte, konnten wir auf dieser Achterbahn 3 Runden drehen. Sehr spassig, das Teil! Nach einem Spaziergang durch das restliche Tivoli steigerten wir das Achterbahnfeeling und lösten Tickets für den “Dæmonen“. Diese Achterbahn hat 3 Loopings, ist bis 70 km/h schnell und das bis zu 4fache Körpergewicht kann auf einem lasten. Es war toll, die Füsse baumeln zu lassen und die 1 Min 46 Sek Fahrdauer über sich ergehen zu lassen. Also “toll” ist ja ein bisschen untertrieben. Es war HAMMER! Und das Frühstück konnten wir auch in uns behalten…!

0123dcb258f0675215bf2fa06ab8e9121d2a95001fDies war die letzte Fahrt. Nachdem wir das Gepäck im Hotel geholt hatten, ging es weder mit einem Odins Expressen oder mit Dæmonen, sondern einfach mit dem Zug weiter zum Flughafen. Da wir doch einige Sachen eingekauft hatten, lohnte es sich, den Duty-Free-Beleg abstempeln zu lassen. Aber diesen Schalter zu finden kommt eher einer kleineren Suchaktion gleich, welche wir jedoch positiv abschliessen konnten. Die Lounge jedoch fanden wir nicht, aber den kurzen Moment vor dem Abflug am Gate zu verbringen war auch nicht so schlimm. Und anschliessend brachte uns Swiss sicher und pünktlich in die Schweiz.

Toll war es, dieses Wochenende in Kopenhagen!

 

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Freitag, 24.10./Samstag, 25.10.2014: Fenster mit Aussicht

0184abfec8c543cbc70d4354e3731c90aa082e7705Um 17:04 Uhr geht’s los. Wir starten in unser Kopenhagen-Wochenende. Getreu dem Motto “Der Weg ist das Ziel” steht die Anreise im Mittelpunkt. Da der City Night-Liner, Basel ab 18:26 Uhr Ende Oktober aus dem Fahrplan gestrichen wird, wollen wir die gemütliche Reise im Schlafwagen noch ein letztes Mal geniessen. Auf dem Weg nach Basel erledigen wir die letzten geschäftlichen Mails, so dass nach der Ankunft in Basel die privaten Gedanken in den Vordergrund gelangen. Wir steigen um. Der City Night-Liner steht schon auf dem Gleis 4 und unser Abteil im Wagen Nr. 197 ist bezugsbereit. Martin schiesst noch die letzten Zugsbilder und ich packe die wichtigsten Dinge aus unserem leichten Handgepäck aus (auf dieser Reise ist unser Gepäck wirklich handlich ausgefallen) und richte alles für eine gemütliche Reise.

Kurz vor 19:00 Uhr geht die Reise los. Der Schlafwagen-Schaffner kontrolliert die Tickets und informiert uns kurz über den Verlauf der Reise, insbesondere die längeren Aufenthalte, die ein kurzes Beinevertreten an der frischen Luft möglich machen. Ungefähr auf der Höhe von Freiburg im Breisgau beginnen wir mit unserem Zugs-Abendessen. Da es keinen Speisewagen gibt, haben wir in der Storchenbäckerei Märit-Salate und Sandwiches gekauft. Wir geniessen dieses Mahl entspannt und mit grosser Vorfreude auf die beiden bevorstehenden Tage. Das Essen krönen wir mit Tee und Nussgipfel. Kurze Zeit später macht sich die legendäre Schlafwagen-Müdigkeit bereits bemerkbar. Rasch ins Pyjama geschlüpft, Zähne geputzt – in der kleinen Kabine mit komplett eingerichtetem Bad – sind die Wege kurz, so dass wir bald alles erledigt und verstaut haben und unsere Betten beziehen können. Martin im Parterre, ich im oberen Stock.

Martin liest kurze Zeit in seinem Buch, ich blättere entspannt die aktuelle Ausgabe der PETRA durch als wir feststellen, dass die Müdigkeit uns übernimmt. Lichter löschen und schon sind wir beide im Land der Träume.

016b5bba42f026c7950fa00786a84cc02f149aebaaNach ersten Stunden erholsamen Schlafs erwachen wir zwischendurch kurz. Wagen werden angehängt, Lokomotiven gewechselt. Alles nur kurze Intermezzi in völlig entspannter Umgebung. In Hannover höre ich die Lautsprecherdurchsage, dass auf dem Gleis neben uns um 02.40 Uhr der Zug nach Warschau abfährt. Es folgt die zweite Schlafetappe. Martin stellt fest, dass wir in Padborg eingefahren sind. Er träumt, dass er aus dem Zug aussteigt, um frische Luft zu schnappen und ein paar Schritte zu machen … plötzlich fährt der Zug ohne ihn ab. “Äs isch nume es chlises Tröimli gsy …” … zum Glück.

Kurz vor Rendsburg sind wir beide gleichzeitig wach. Ich steige runter und krieche zu Martin ins Bett. Gemeinsam beobachten wir, wie sich der Zug der Brücke in Rendsburg nähert, welche den Nord-Ostesee-Kanal überquert. Die Brücke ist mit einer Fahrrad/Fussgänger-Fähre auf Ufer-Niveau gekoppelt. Unter der Brücke haben wir vor Jahren schon einmal Pötte beobachtet, die durchgefahren sind. Gerade als wir über die Brücke fahren, fährt unten durch ein grosses Tankschiff. Noch kurz die Aussicht auf das Quartier Rendsburg-Schleife genossen und dann steige ich wieder in mein Logis im ersten Stock. Es folgt die dritte Schlafetappe. Kurz vor 08.00 Uhr sind wir nach morgendlichem Musik hören und Buch lesen so wach, dass wir aufstehen, duschen und uns tagfertig machen. Kurze Zeit später sitzen wir in unserem Abteil (die Betten sind hochgeklappt, in eine Halterung beim Fenster wurde ein Tisch eingehängt) vor einem reichhaltigen Frühstück. Unser Schlafwagenschaffner (er hat eine Stimme wie Kurt Aeschbacher) offeriert uns ein Milchcafé. Da er selbst den Café mit der Dallmayer-Sahne nicht mag, nimmt er jeweils einen kleinen Beutel Milch mit. Davon ist noch etwas übrig, so dass wir in den Genuss eines Milch-Cafés kommen. What a wonderful day. Inzwischen ist es taghell und die dänische Landschaft ist herbstlich-schön. Auch hier Indian summer Kulisse, dann und wann ein Hase, ein Fasan, ein Angler. Wir geniessen die schöne Aussicht, das feine Zmorge und nicht zuletzt das gemütliche Beisammensein. Die eingefahrene Stunde Verspätung nehmen wir gerne in Kauf. So bleibt uns noch etwas mehr Zeit, die Reise im Zug zu geniessen.

018a377a2421df85a313144235597d411eb9aa3637Kurz vor 11:00 Uhr treffen wir in Kopenhagen ein. Es ist herbstlich grau-nieselig. Wir gehen zum SAS-Hotel, welches nur einen Steinwurf vom Bahnhof entfernt liegt. Tatsächlich ist unser Zimmer bereits bezugsbereit. Freude herrscht. Wir richten uns kurz ein und machen uns dann auf Richtung Altstadt-Fussgänger-Zone. Bei grau-diesigem, windigem Wetter gehen wir am Rathaus vorbei, verschaffen uns einen Überblick über die grosse U-Bahn-Baustelle, machen ein paar Föteli und stechen dann in die Fussgänger-Shopping-Zone. Wir schauen uns in einigen Läden um. Martin entdeckt ein Geschäft, in dem man die Füsse in ein Aquarium eintauchen kann und sofort machen sich die kleinen Fische, die sich darin befinden, daran, an den Füssen und Beinen zu nuckeln. Sie ernähren sich von den Hautschüppchen der “Badenden”. Dieses Treatment probieren wir aus. Zu Beginn kitzelt es gewaltig … ganz ein eigenartiges Gefühl. Beim Eintauchen seiner Füsse und Beine prustet Martin schallend los. Er braucht einen Moment, um sich an das Gewusel um die Füsse zu gewöhnen.

010e1957ee9412679f36dedc3c834b95e2d8282745Nach rund einer halben Stunde ist der Genuss vorbei. Füsse trocknen, eincrèmen und weiter gehts. Wir spazieren weiter bis zum Nyhaven, wo wir uns einen Pölser genehmigen. Wir schlendern der Hafenfront mit all ihren Restaurants entlang. Das Wetter ist grad ein wenig unwirtlich. Es hat zu regnen begonnen und die Windböen lassen das Nasse noch kühler erscheinen. Wir erstehen uns verschiedene kleine Dinge. So auch leckere Schokolade im Hotel du Chocolat und kehren dann zurück ins Hotel. Unterwegs reservieren wir uns im Restaurant Peder Oxe einen Tisch fürs Abendessen. Im Hotel verbringen wir etwas mehr als eine Stunde mit lesen und internetlen. Das Essen im Restaurant Peder Oxe schmeckt von der Vorspeise (Salatbuffet) über Hauptgang (Hirschsteak bzw. Fisch) bis zum Dessert (Haselnusseiscrème bzw. Birnen-Marzipan-Cake (Mazarin) mit Vanilleeiscrème) vorzüglich. Peder Oxe aus unserer Sicht ein echtes dänisches Restaurant.

Nach dem Essen spazieren wir zum Hotel zurück. Legen aber noch ein Päuschen ein im Victoria’s Pub. Einen Schlummertrunk zu Live-Musik lassen wir uns nicht entgehen. Unser Nachhause-Weg führt uns am Tivoli Vergnügungspark vorbei. Jetzt in der Dunkelheit ist der Eintritt wunderschön mit leuchtenden Kürbis-Deko-Lampen verziert. Wollen wir noch gehen oder nicht? Nach kurzem Wärweisen entscheiden wir uns, den Besuch auf Sonntagmorgen zu verlegen. Wir machen uns bettfertig, geniessen vom Bade und vor allem vom Bett aus die schöne Aussicht auf das nächtliche Kopenhagen. Lichterlöschen und schon übernimmt uns der Schlaf nach diesem genussvoll schönen Tag.

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Samstag, 4. Oktober 2014: Tramtraum

Die Nacht war erwartungsgemäss kurz. Und kurz vor Frühstücksbuffetschluss schafften wir es dann auch noch zum Kaffee und Omelett. Da unser Flug zurück in die Schweiz erst gegen Abend getimt war hatten wir fast noch einen ganzen Tag in Prag. Ich wollte das Trammuseum sehen und mein Bruder sowie Vater Zimmermann begleiteten mich.

DSC09454So schlecht wie dieses Mal hatte ich mich wohl noch nie für eine Tramfahrt vorbereitet. Der Gipfel der Peinlichkeit war, dass mein Bruder mir die richtige Tramlinie zum Museum zeigen musste… Schlussendlich haben wir den Ort gefunden. Der Eintrittspreis ist mit umgerechnet CHF 1.70 sehr günstig. Die ausgestellten Fahrzeuge zeigen ein grosses Spektrum der Geschichte des öffentlichen Verkehrs in Prag. Vom Rösslitram von 1886 bis zum 1988er Ikarus-Gelenkbus findet sich quasi von jeder Generation ein Fahrzeug in der Halle. Auch die braune Geschichte rund um den 2. Weltkrieg wird nicht ausgeklammert, findet sich doch tatsächlich eine Strassenbahn vor Ort, welche mit “Juden Eintritt verboten” beschriftet ist. Alles in Allem ein wunderbares Museum, dessen Besuch sehr viel Spass gemacht hat.

DSC09471Nach dem Museumsbesuch machten wir eine Rundfahrt mit der Linie 91, wo ausschliesslich historische Fahrzeuge zum Einsatz kommen. Für wiederum CHF 1.70 konnten wir so eine tolle Stadtrundfahrt geniessen  - unter dem Blick der vielen Touristen, welche Spass am vorbeifahrenden historischen Tram hatten. Irgendwo im Zentrum sind wir ausgestiegen und haben uns auf dem Weg zum Hard Rock Café gemacht. Hier trafen wir den Rest der Gruppe und assen was. Danach trennten wir uns auf um noch letzte Einkäufe zu machen (die Anderen) oder dem Bahnhof von Prag einen Besuch abzustatten (ich).

Gegen 17:30 Uhr trafen wir uns beim Hotel, und das vorbestellte Taxi (selbstverständlich ein AAA-Taxi) brachte uns zum Flughafen. Das Einchecken geht mittlerweile dank Web-Check-in sehr einfach. Wir hatten anschliessend genügend Zeit am Gate, um zur ‘inneren Ruhe’ :-) zu finden… Am Gate fielen mir etwa fünf Mitreisende auf, deren Gesichter übel zugerichtet waren. Ob sie wohl in eine Schlägerei gekommen sind? Nein, die Pflaster und Nasen-Schienen waren Zeugen von Schönheitsoperationen. Prag ist scheinbar zur Zeit DER Geheimtipp für Leute mit schlaffen Augenlidern, schrumpeligen Brüsten oder krummen Nasen. Die Preise sind scheinbar nur ein Fünftel des Preisniveaus der Schweiz. Würde ich so was machen (müssen), ginge ich aber mit dem Auto und nicht mit dem Flugzeug. Denn sich so zugerichtet in der Öffentlichkeit zu zeigen, braucht doch wohl fast noch mehr Mut als die Operation…

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Freitag, 3. Oktober 2014: Ein UFO im Lift

Auf der Fahrt zum Frühstück hatten wir heute ein UFO im Lift. Genau, Uli Forte, aktueller Trainer von YB und künftiger Meistertrainer, war im Lift auf der Fahrt in den Fitnessraum. Selbstverständlich machten wir, ganz im Stile eines Elevator Pitchs, eine Matchanalyse mit ihm. Er ärgerte sich immer noch über das erste Gegentor. Das sei eine Standardsituation, die Sparte immer und immer wieder mache, und den Spielern habe man das 2x gesagt und trotzdem haben sie nicht aufgepasst. Aber die kommen ja noch nach Bern, dann zeigen wir denen, wo der Uli der Most holt (ok, das haben wir nicht so in dieser Form gesagt…).

Nach dem Frühstück gingen wir zu Fünft in die Altstadt. Unglaublich, die vielen Touristen in Prag. Leib an Leib ist man teilweise unterwegs. Zuerst schauten wir uns mit rund 1000 Touristen die Astronomische Uhr an. Diese Sehenswürdigkeit dauerte keine zwei Minuten… Dann weiter über die Karlsbrücke. Auch hier ist man nicht alleine. Überall hats auch Maler, die ihre Kunstwerke verkaufen wollen, Musiker die das Publikum befiedeln, und sicher auch Taschendiebe, welche hier eine ideale Plattform finden.

Im Anschluss an die Karlsbrücke gings rauf zur Prager Burg, wo früher die Böhmischen Könige zu Hause waren. Dem happigen Aufstieg ist es zu verdanken, dass es hier nicht sooo viele Touris hat, aber immer noch genug. Bei einem besonders netten, historischen Gässchen muss man Eintritt bezahlen. Rund CHF 10.– bezahlt man um das Goldmachergässchen zu sehen. So wird das Goldmachergässchen zum Geldmachergässchen – aber hübsch ist es alleweil. Übrigens schafft es diese Sehenswürdigkeit auf Platz 2 auf der Liste der “Touristenfallen in Prag”.

Nach der Burgbesichtigung gings wieder runter in die Altstadt. Um 14:30 hatten wir eine Tour “Kommunismus und Atombunker” gebucht. Ein junger Herr führte uns durch das Zentrum und erzählte uns, wie es “damals” so war. Es waren interessante und berührende Geschichten, die die Unterdrückung des Volkes durch den Kommunismus geschildert haben. Auch der Kampf um die Freiheit, die 1968er-Unruhen, Svoboda, Dubcek, Havel und so weiter waren Themen. Und immer, wenn ich den Namen “Dubcek” höre, kommt mir ein Sketch von Otto Waalkes in den Sinn:

Nach einem Rundgang durch die Innenstadt gings mit dem Tram in ein Aussenquartier, wo wir einen Atombunker besichtigen konnten. Die ganze Anlage wurde in den 60 Jahren des Bestehens zum Glück nur für eine Übung benützt, und heute zeigt man den Touristen, wie es gewesen wäre – wenn… Ein schrecklicher Gedanke ist es trotzdem.

Der Ausflug in die Geschichte machte müde und wir gingen zurück ins Hotel. Einzelne schliefen, oder gingen shoppen, wieder andere gönnten sich eine Massage und ich mir eine Tramfahrt. MIt dem 14er bin ich mal einfach so losgefahren und konnte noch weitere Quartiere von Prag sehen.

Kurz vor acht versammelte sich die Reisegruppe wieder und wir liessen uns mit dem Taxi ins Restaurant SaSaZu befördern. Dieses Lokal beschreibt sich selber als Alchemie der Geschmäcker, Farben, Geräusche, Begeisterung und Design. Das Ganze basiert auf asiatischem Essen und nennt die fünf Techniken der asiatischen Küche als Basis: Sambal, Otak Otak, Flame, Roti und Tai Tai Grill. Spezielles Lokal, spezielles Essen und wirklich ein guter Tipp von Roland, der diesem Lokal bei all seinen Prag-Aufenthalten einen Besuch abstattet. Auch mir hat es geschmeckt, obwohl ich auf Grund der Speisekarte eigentlich nie so genau wusste, was ich erhalte… Highlights für mich waren, dass man nach dem Essen am Tisch wahlweise eine Hände- oder Nackenmassage erhielt. Und mit der Rechnung gab es ein Döschen “Breathe Freshness”.

Nach diesem kulinarischen Exkurs teilte sich die Gruppe auf. Eine Gruppe ging zu Bett, ich schloss mich der Party-Gruppe an. Die Musicbar Lucerna war unser Ziel, denn diese hatte eine 80ies-Night auf dem Programm. Uns gefiel es dort, denn die Musik war toll, und man konnte auch noch das dazu passende Musikvideo sehen. Auch die Getränke waren günstig, so dass wir es recht lange in diesem Lokal aushielten. Aber nein, den Sonnenaufgang sahen wir nicht…

 

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Donnerstag, 2. Oktober 2014: Auswärtsspiel

YB hat sich für die diesjährigen Gruppenspiele der Europa League qualifizieren können. Slovan Bratislava, SSC Napoli und Sparta Prag sind die Gruppengegner, und das Auswärtsspiel in Prag besuchen wir. Wir das sind mein Bruder, die Gebrüder Zimmermann sowie Vater Zimmermann.

Treffpunkt ist der Flughafen Zürich, direkt beim Gate. Und tatsächlich schaffen wir es, dass wir uns dort auch alle treffen. Der Flug nach Prag verläuft ereignislos, bis auf die Tatsache, dass 6 YB-Fans hinter uns das Gefühl haben, sie befinden sich in einem Fanzug und Lärm machen für 50.

Foto: Roland ZellerNach der Landung in Prag gehen wir zum Bancomaten und wechseln Tschechische Kronen. 100 Kronen entsprechen CHF 4.50. Wir diskutieren minutenlang, wie wir nun während unserem Aufenthalt die Preise in CHF umrechnen, denn diese Währung ist ja irgendwie nicht ganz einfach im Handling. Hinten eine Stelle streichen und dann durch 2 – das ist die vereinbarte Regel. Mal schauen, ob wie weit wir mit dieser Eselsbrücke kommen. Anschliessend nehmen wir ein Taxi ins Zentrum. Roland legt Wert darauf, dass wir ein AAA-Taxi nehmen, bei allen anderen Firmen wird man beschissen. Tatsächlich gelingt es uns, ein grösseres Taxi zu ergattern, welches uns fünf aufnimmt. Scheinbar ist die Rush-hour in Prag um 15:00 Uhr, denn wir landen irgendwie im Stau. Nach einiger Zeit treffen wir im Marriott Prag ein und beim Check-in stellen wir fest, dass verschiedene Sitzungsräume für den BSC Young Boys reserviert sind. Sind wir zufälligerweise grad im Mannschaftshotel der Gelb-schwarzen gelandet? Scheinbar…

Nach dem Check-in und einer “befohlenen Ruhe” gehen wir fünf auf die Gasse. Wir essen was in einem Restaurant bei einem grösseren Platz, wo sich die YB-Fans für den Fanmarsch zum Stadion besammelt haben. Nach dem Abmarsch der Fans gehen wir auch zu Fuss zum Stadion. Den Weg zu finden ist einfach, man kann einfach den weggeworfenen Bierdosen entlang gehen und findet so den Weg. Allerdings kürzen wir den Weg zum Stadion ab, um nicht mit den Hard-Core-Fans in den Polizeikessel zu geraten. So kommen wir zügig zum Stadion – dank dem Umstand, dass wir die YB-Schals noch nicht angezogen hatten. Diese zogen wir an, als wir im Stadion drin waren. Wir waren über eine Stunde vor Spielbeginn dort, probierten das schrecklich schmeckende alkoholfreie Bier und schauten den Mannschaften bei den Vorbereitungen zu. Unter den 6 Schiedsrichern (1 Schiri, 2 Linienrichter, 2 Torrichter und ein zusätzlicher Offizieller) befand sich auch eine Frau. Meines Wissens eine Premiere beim Männerfussball auf diesem Niveau.

Plötzlich kam Radio BE1-Reportergott Albi Saner des Weges und wir Stimmten ein “Albi-Saner-Reportergott”-Schlachtruf an. Er hatte sichtlich Freude daran und überliess uns eine Liste mit der Mannschaftsaufstellung. Aha, Costanzo gar nicht dabei, Hoarau von Anfang an, Vilotic auf der Bank und ebenso der Japaner Yuya Kubo, welcher den Titel des Sparta-Matchprogramms zierte. Übrigens hatte es auf der Haupttribüne etliche YB-Fans (zusätzlich zu den YB-Fans im Gästesektor).

Kurz vor Spielbeginn begann sich das Stadion zu füllen und pünktlich begann das Spiel. Leider war dieses faktisch nach 25 Minuten zu Ende, da Sparta mit 2:0 führte. Unsere Jungs waren schlecht auf den Beinen und immer einen Schritt zu spät. Die Korrektur in der zweiten Halbzeit gelang durch das 2:1 von Hoarau nur teilweise, kurz vor Schluss machten die Tschechen den Sack zu und erzielten das 3:1. Der Spielbericht kann in deutsch hier nachgelesen werden

Nach Spielende gingen wir wieder zu Fuss Richtung Stadt, wo wir uns auf 2 AAA-Taxis verteilten und Richtung Restaurant Aromi fuhren. Gemäss Roland ist dies der beste Italiener Prags. Und es war wirklich ein feines Restaurant: Food, Service, Ambiente würden wir wohl mit je 5 Sternen bewerten.

Anschliessend fuhren wir zum Hotel zurück und trafen vor dem Eingang wiederum auf Reportergott Albi Saner mit welchem wir eine knallharte Spielanalyse durchführten. Als er merkte, dass wir noch einigermassen nüchterne YB-Fans sind, wollte er mit einem von uns ein Interview für die Morgensendung machen. Die Jungs zierten sich und ich stellte mich für die knallharten Reporterfragen zur Verfügung. “Da geht man Auswärts ein Spiel schauen, YB spielt so schlecht – ist das für ein YB-Fan nicht ein grosser Frust?” – “(eigentlich hätte ich hier die Antwort fussballinterviewlike mit ‘Na gut’, ‘Wiä xäit’ oder ‘nichtsdestotrotz’ einleiten sollen, daber ich ‘konnte dies im entscheidenden Moment nicht abrufen’) Klar ist es schade, dass YB nicht besser gespielt hat, aber wir haben an der Reise nach Prag trotzdem Spass, denn es steht ja nicht nur der Fussball auf dem Programm.” – “Wie geht man als Fan mit der Erfolglosigkeit von YB um?” – “Als YB-Fan ist man das gewohnt. Ich bin seit 1977 YB-Fan und habe seit dieser Zeit ja schon drei Titel miterleben können.” Nun, um Mitternacht kann man keine besseren Statements erwarten – und im Radio war es dann auch nicht zu hören…

Bevor wir aufs Zimmer gingen, machten wir noch einen Abstecher an die Bar. Fast der gesamte YB-Staff war dort anzutreffen – die Spieler waren aber wohl schon auf dem Zimmer. Und an der Bar machten die YBler den besseren Eindruck als auf dem Feld: Obschon wir Forte, Chapuisat, Collaviti, Fryand, Medienchef Staudenmann und Präsi Müller nicht persönlich kennen, wurden wir freundlich begrüsst. Präsident Müller kam sogar noch zu uns und bedankte sich bei uns für die Unterstützung der Mannschaft. Das war irgendwie nett, aber brachte die drei Punkte auch nicht wieder zurück.

Gute Nacht.

 

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Donnerstag, 21. August 2014: Gemütliches Zagreb-Ausklingen

Noch einmal geniessen wir einen richtig stimmigen Ferienmorgen in Zagreb. Wir erwachen kurz nach sieben, dösen noch ein wenig, nehmen die iPads zur Hand und schauen, was sich alles bedeutungsvolles und weniger bedeutungsvolles in der Welt ereignet hat, spielen ein wenig Solitaire, “schnausen” noch ein paar Himbeeren, die Martin gestern erstanden hat, duschen und begeben uns dann gegen 09.30 Uhr zum Frühstücks-Buffet. Die Sonne scheint schwach, es ist recht kühl. Die Restnässe des Gewitters der letzten Nacht vermischt sich mit leichten Windböen in eine frische Brise. Wir beschliessen, trotzdem draussen auf der Terrasse zu frühstücken. Wer weiss, ob wir das in diesem Jahr zu Hause noch tun können?

Ukrcavanje heisst Boarding

Gerade als wir uns an einen der wenig draussen gedeckten Tische setzen wollen, kommt Senka. Sie ist gemäss unserer Interpretation die Cheffe de Service. Wir haben sie am ersten Morgen kennen gelernt. Sie ist in Deutschland aufgewachsen und geniesst es daher, sich mit den Gästen auf Deutsch zu unterhalten. Wir führten an all den Tagen keine tiefgehenden Gespräche und trotzdem haben wir jeden Morgen einen persönlichen Austausch gepflegt, in dem man gegenseitig etwas von einander erfahren hat. Aufgestellt und mit einer persönlichen Note bringt sie uns unsere warmen Getränke und die Orangen-Jus (heute waren wir früh genug dran, d.h. es hat noch Orangen gehabt …).

Abflug Zagreb

Nachdem wir unser Frühstück beendet haben, verabschieden wir uns von Senka und begeben uns zurück aufs Zimmer. Es ist mit zunehmender Dauer des Frühstücks halt schon ein wenig frisch geworden. Darum verkriechen wir uns nochmals zurück ins Bett. Wir haben einen Late-Check-out organisiert und können daher bis um 14.00 Uhr unser Zimmer behalten. Super!

Nachdem wir uns wieder aufgewärmt haben, machen wir uns ans Packen, das in Anbetracht des überschaubaren Feriengepäcks rasch erledigt ist. Die Zeit reicht noch, um die letzten Ferien-Tagebuch-Einträge zu verfassen, bevor wir auschecken, unser Auto durch den Valet-Service vorfahren lassen und uns auf Richtung Flughafen machen. Kurzer Zwischenstopp zum Auftanken des Autos und schon sind die zehn Kilometer von der Innenstadt zum Flughafen zurückgelegt. Da Martin uns bereits gestern Abend für den Flug eingecheckt hat, müssen wir nur noch das Gepäck abgeben und unsere Boarding-Passes entgegennehmen. Es reicht noch für einen Drink in der recht spartanisch ausgerüsteten Lounge und einen Abstecher in den Dutyfree-Shop. Dann ist Croatian-Airlines-Flug OU464 ready for boarding. Wir legen die etwa 200 Meter Distanz zwischen dem Gate und unserem Flugzeug, einer DASH8, mit einem Bus zurück und werden beim Anstehen fürs Einsteigen Zeuge wie unsere beiden Gepäckstücke als letzte in den Flieger transportiert werden. Last in – first out … hopefully 😉

In Zürich wurde unser Gepäck ziemlich früh ausgeladen

Schon sitzen wir im Flieger und nehmen mit Freude die “Boarding completed” Mitteilung der Flight Attendant zur Kenntnis. Dann geht das Warten los, bis um 17.46 Uhr noch eine grössere Personengruppe ins Flugzeug steigt. Abflugzeit wäre 17.45 Uhr gewesen. So warten wir denn halt noch eine Viertelstunde … unsere Ferien in Kroatien dauern somit noch etwas länger … bevor Flugzeug und Passagiere “ready for take-off sind”.

 

 

 

 

 

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Mittwoch, 20. August 2014: Damen- und Herren-Programm

Wir lassen es heute sehr gemütlich angehen. Fast zu gemütlich. Wir müssen uns kurz nach 10.00 Uhr sputen, ums noch ans Frühstücks-Buffet zu schaffen. Da zu diesem Zeitpunkt im Hotel die Orangen “alle” waren, gab’s keinen frisch gepressten Orangensaft mehr. Tja, the early bird catches the worm!

Gestärkt und voller Tatendrang brechen wir anschliessend auf in unseren letzten vollen Zagreb-Tag. Wir fahren mit dem Tram in die Innenstadt, wo wir anschliessend mit dem Tram Nr. 8 in die nähere Zagreber-Agglomeration fahren. Von dort geht’s anschliessend mit dem Tram Nr. 15 auf eine kurze Überland-Tramfahrt. Etwa 10 Minuten dauert die Fahrt bis zur Endstation. Das Geleise liegt komplett in der Wiese verlegt, links und recht der Fahrstrecke wuchern Sträucher und Büsche und wischen das uralte Tatra-Tram sauber. Die Wagen sind wirklich uralt. Die Fenster können noch aufgeschoben werden und der Fahrer kann die Türen auch bei laufender Fahrt öffnen. Wir bleiben an der Endstation sitzen und fahren gleich wieder zurück. Vor der Rückfahrt mit dem Tram Nr. 8 in die Stadt gibt es noch einen Fotostopp. Martin will all die schönen (uralten, alten und modernen) TATRA-Tram-Kompositionen festhalten.

Auf dem früheren “Platz der Republik” in der Stadtmitte angekommen, trennen sich unsere Wege. Heute gibt’s getrenntes Damen- und Herren-Programm.

Martin macht sich auf den Weg zu einem Barber-Shop, um sich wieder mal rasieren zu lassen. Im Austausch mit der Barbierin erfährt er viele interessante Dinge. Das Barber-Experience fällt aber von der angewandten Technik bis zum Ergebnis mittelmässig aus. Wenigstens hat er keine Schnittwunden 😕. (PS: auf den Shop ist Martin durch ein Youtube-Video gekommen. In diesem Shop war er, rasiert hat aber die Tochter, die den Shop in dritter Generation führt).

Auch so was gehört ins Museum. Ist aber nicht von Tesla

Danach macht er sich auf den Weg ins Technik-Museum. Auch hier hält sich die Begeisterung ob der Exponate in Grenzen. Es gibt einiges Interessantes zu sehen aber wie so oft, wurden einfach verschiedene Exponate wild und teilweise begrenzt unterhalten (z.B. Oldtimer mit Plattfuss) zusammen in einen Raum gestellt. Da hat es in einem Raum Flugzeuge, Oldtimer und alte Trams, die dann erst noch aus Dubrovnik kommen. Beeindruckt ist Martin nur vom nachgebauten Bergwerk im Untergrund. Die Führung mit Experimenten zu Nikola Tesla (1856 – 1943) einem Erfinder, Physiker und Elektroingenieur findet in kroatischer Sprache statt, bringt aber ein wenig Action ins Museum. Das Lebenswerk von Tesla ist geprägt durch zahlreiche Neuerungen auf dem Gebiet der Elektrotechnik, insbesondere der elektrischen Energietechnik, wie die Entwicklung des heute als Zweiphasenwechselstrom bezeichneten Systems zur elektrischen Energieübertragung.

Nach dem Museums-Besuch gibt’s für Martin noch Sightseeing by Tram und danach geht’s zurück ins Hotel.

Bei mir ist zuerst etwas Shopping angesagt. Allerdings auf kleiner Flamme. Vielerorts ist noch Sommer-”Popust” (Schlussverkauf) und es gibt wenig Apartes in den Geschäften und für Winterkleider ist es doch etwas früh … oder etwa nicht …? Ja so ein schönes Kurzmäntelchen kann man ja immer gebrauchen, oder? Danach ist bei mir Sightseeing angesagt. Zuerst geht’s zur Kathedrale und anschliessend auf einen weiteren Altstadtbummel, der mich zum Museum of Broken Relationships bringt. Das Museum der zerbrochenen Beziehungen zeigt Zeugnisse schmerzvoller Trennungen und Relikte verlorener Lieben. Es wurde 2011 mit einem Sonderpreis zur Auszeichnung „Europäisches Museum des Jahres” ausgezeichnet.

Nach diesem Museums-Besuch mache ich mich auf den Weg zurück zum Hotel. Nach einem Apéro machen wir uns wieder auf den Weg in die Stadt. Weil’s so lecker war, wählen wir nochmals das gleiche Restaurant (Restaurant Agava) wie gestern aus. Auch heute schmecken uns Essen und Wein vorzüglich. Gemütlich lassen wir den Abend ausklingen.

In der Kneipenstrasse

Es ist frisch geworden. Zum ersten Mal seit Tagen brauchen wir wieder Jäckchen und Pullover, um den Abend genussvoll draussen verbringen zu können. Wir kommen trockenen Fusses nach Hause. Doch noch bevor wir einschlafen, entlädt sich ein Gewitter mit allem Drum und Dran. Morgen wird es noch kühler werden.

 

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Dienstag, 19. August 2014: Weitere Schritte in Zagreb

Aussicht vom Zagreb Eye

Nach dem Frühstück, das wir wieder auf der Terasse geniessen konnten, fuhren wir mit dem Tram ins Zentrum. Das Zagreb Eye, einer Aussichtsplattform, welche von der 16. Etage eines Bürogebäudes eine wunderbare Aussicht auf das Zentrum und die Umgebung bietet, war unsere erste Etappe. Nach diesem Abstecher ging es die Ilica entlang. Die Ilica ist mit 5.66 km eine der längsten Strassen Zagrebs. Und scheinbar die teuerste. Und somit die Einkaufsstrasse schlechthin, wie die Werbung uns Touristen weismachen will. Aber ein Shoppinggefühl wil sich bei uns nicht zwingend einstellen. Es hat sicher ein paar nette Shops, aber schon ein paar hundert Meter später ist die Ilica nichts anderes als eine gewöhnliche Strasse. Und auch die Häuser nehmen mit der Grösse der Distanz zum Zentrum in ihrer Schönheit ab.

Die Standseilbahn zur Oberstadt

Von der Ilica aus zweigt eine Sackgasse ab, an deren Ende sich die Standseilbahn zur Oberstadt befindet. Diese Bahn ist die wohl kürzeste der Welt, ist sie grad mal 66 m lang. Aber auf dieser Strecke werden stattliche 30.5 m Höhe überwunden, was man sonst zu Fuss machen würde. In unserer “Zagreb-Card” ist die Fahrt inbegriffen, sonst wären 4 Kuna (70 Rappen) fällig gewesen. Die Bahn fährt alle 10 Minuten, man hat aber die Möglichkeit, eine Extrafahrt zu verlangen, welche dann 20 Kuna kostet (urgent ride). Oben angekommen befindet man sich im historischen Teil der Stadt, wo sich auch Regierungsgebäude und Botschaften befinden. Gleich bei der Bergstation hat es eine Terasse, wo man einen Blick auf die Unterstadt geniessen kann. Natürlich kein Vergleich zum Zagreb-Eye…

St. Markus-Kirche

Von hier ist es nicht weit zur St. Markus-Kirche, welche mit ihrem farbigen Dach auffällt. Durch verschiedenfarbige Ziegel hat man 1880 zwei Wappen ins Dach gekriegt. Links befindet sich das Wappen von Kroatien, Dalmatien und Slawonien, rechts das Zagreber Stadtwappen. Gelungene Idee, diese Wappen.

Steinernes Tor

Von diesem Ort geht man durch eine Nebenstrasse duch das Steinerne Tor (Kamenita Vrata). Eigentlich nix spezielles, einfach ein Durchlass durch die Häuser durch. Wenn man jedoch näher kommt, sieht man in diesem Tor bzw. im Durchgang eine Kirche. Es hat eine Art Altar, wo Leute davor beten, aber auf der anderen Strassenseite befinden sich auch Kirchensitzbänke. Das Tor ist der letzte Teil der ehemaligen Stadtbefestigung aus dem 13. Jahrhundert. Ein Brand zerstörte 1731 einen Grossteil der Nachbarhäuser, wobei nur ein Bild der Maria mit Jesuskind am Tor der Legende nach unbeschädigt blieb. Daraufhin wurde das Steinerne Tor zu einer kleinen Kapelle umgebaut.

Anschliessend gingen wir in die Unterstadt und gönnten uns hier und dort ein Kaffee und shopten auch noch ein paar Dinge. Die geshopten “Trophäen” brachten wir am späteren Nachmittag ins Hotel. Von hier aus brachen wir am Abend auf zum Nachtessen. Wir steuerten die Kneipenstrasse an und blieben beim Restaurant Agava hängen. Hier genossen wir ein wunderbares Znacht mit einem ausgezeichneten kroatischen Wein, begleitet von einem perfekten Service. Kein Wunder, ist dieses Lokal bei Tripadvisor so weit oben klassiert. Auch die Lage des Lokals trägt das Seine dazu bei: man kann von der Terasse aus dem Treiben auf der Kneipenstrasse zusehen. Sehen und gesehen werden, ist das Motto.

 

 

 

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Montag, 18. August 2014: Erste Schritte in Zagreb

Trg Bana Jelacica

Trg Bana Jelacica

Wir haben ausgezeichnet geschlafen und freuten uns auf das Zmorge auf der Terrasse. Das Esplanade-Frühstück war ausgezeichnet und hat zu einem tollen Start in den Tag verholfen. Gegen Mittag spazierten wir in die Innenstadt, zuerst auf den Hauptplatz Trg Bana Jelacica (Josef Jelacic ist ein kroatischer Nationalheld). Die wunderschön restaurierten Häuser sind ein Blickfang. Aber auch an anderen Orten der Stadt wurden die repräsentativen Häuser aus früheren Zeiten vorbildlich herausgeputzt und können nun von unserer Generation noch einmal in ihrer Schönheit bewundert werden. Von diesem Platz aus kann man sternförmig die verschiedenen Sehenswürdigkeiten Zagrebs ablaufen.

Tkalčićeva - Beizen, soweit das Auge reicht...

Wir entschieden uns zuerst für den Besuch der Tkalciceva. Diese Strasse ist eine Kneipenstrasse, links und rechts hat's Bars, Restaurants und Kneipen. Für uns aktuell kein Thema, da wir ja quasi vom Frühstück kommen. Aber hier werden wir wohl am Abend vorbei kommen – verhungern wird hier wohl niemand. Wir setzten uns ins Drinx und genehmigten uns einen ebensolchen. Alohohlfrei, natürlich, wir müssten ja noch durchhalten.

Das Durchhalten ist aber so eine Sache. Nachdem ich wirklich wieder ziemlich fit bin, ist es nun Bettina, die “muderet”. Wir brechen den Stadtrundgang ab und gehen zurück zum Hotel. Bettina gönnt sich ein bisschen “befohlene Ruhe“, ich gehe vorerst zum Bahnhof und schaue dem Betrieb zu. Anschliessend gehe auch ich ins Zimmer und wir dösen, lesen und ruhen. Und lassen den Nachmittag Nachmittag sein.

Irgenwann habe ich Hunger. Bettina nicht. so gehe ich alleine in die Stadt. Dieses Mal nehme ich aber das Tram, um bis zum Hauptplatz zu gelangen. Von dort in die Beizenstrasse. Hier zeigt sich jedoch, dass die meisten Lokale fürs Trinken eingerichtet sind, nicht aber fürs Essen. Irgendwo finde ich dann aber was, aber geschmeckt hat es irgendwie nicht. Der Service war lausig, die Kroketten kalt und das Fleisch zäh. Danach war der Heimweg angesagt und die Pflege meiner Frau. Komisch, aber Ferien sind ja nicht dafür da, krank zu sein?

 

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Sonntag, 17. August 2014: Eine Reise mit dem Orient-Express?

Heute ging es mir besser. Zumindest hatte ich das Gefühl, dass das so sei. Nach dem Frühstück verliessen wir Split, ohne von Split viel gesehen zu haben. Wir hatten ein wunderbares Zimmer mit einer tollen Meersicht, rechts noch ein Blick auf eine Bauruine – aber das war grad alles von Split, das uns im Gedächtnis haften bleibt.

Blick auf Primosten

Wir fahren nicht auf die Autobahn, sondern wählen die langsamere Strecke der Küste entlang. Zumindest bis Sibenik wollen wir das Meer noch ein bisschen zu unserer Linken haben. Und Sibenik ist auch ein schönes Städtchen. Wie üblich in Kroatien sind die Hauptverbindungen recht gut ausgebaut, so dass wir zügig vorwärts kamen. Immer wieder öffneten sich Blicke aufs Meer – bei wunderbarstem Wetter. Speziell schön war die Bucht von Primosten, mit einer wunderbaren Sicht aufs Städtchen.

Achtung! Wildsau (am Steuer?)

Wir fuhren weiter über Land und erreichten Sibenik. Auch hier hatte der Reiseführer versprochen, dass wir nur noch staunen werden über die Archtiektur der Stadt. Da wir noch viele km vor uns hatten wollten wir den Besuch von Sibenik möglichs kompakt halten. Das heisst: wenn wir grad einen Parkplatz am Eingang des Städtchens finden, dann gehen wir einen Rundgang machen. Wenn nicht, nicht. Tatsache war jedoch, dass uns das Navi nicht mal zur Altstadt führte und wir nur kurz beim Hafen vorbeifuhren und das in unseren Memoiren nun als “Unser Besuch von Sibenik” bezeichnen werden. Wir haben jedoch noch im Lidl ein paar Einkäufe gemacht und wenigstens auf diese Art das Bruttosozialprodukt von Sibenik ein bisschen beeinflusst.

Weiter gings. Das Navi wurde nun für unsere letzte grosse Etappe programmiert: “Zagreb, schnellste Verbindung, Fähren erlaubt (ok, spielt auf dieser Strecke keine grosse Rolle…), Autobahnen erlaubt, Strecken mit Maut erlaubt”.

Auf der Autobahn A1

Zielsicher wurden wir auf die Autobahneinfahrt geführt und von da an ging es nun Richtung Hauptstadt. Es hatte ziemlich viel Verkehr, sehr viele ausländische Kennzeichen. Die werden wohl nun Richtung Heimat fahren. Kroatische Autobahnen sind wahre Meisterwerke. Sehr gut ausgebaut führt die A1 über Hügel und durch Berge. Diese Hindernisse werden mit langen Viadukten und Tunneln überwunden. Das Ganze ist teilweise sehr phantasievoll gebaut und verdient Anerkennung. Regelmässig gibt es auch Raststätten und auch Tankstellen. Da man im Vergleich zur Schweiz nicht einfach mal rasch ab der Autobahn kann und ins nächste Dorf fahren zum tanken (die Dörfer sind teilweise mehrere Dutzend Kilometer von der Autobahn entfernt) tankt man eben an der Autobahn. Auch wir mussten wieder mal Sprit in den Wagen lassen – und mussten an der Tankstelle dafür etwa 20 Minuten anstehen. Das Ganze ist nicht sehr effizient aufgezogen, denn nach dem Tanken geht man in den Tankstellenshop, steht dort auch noch einmal an zum bezahlen – und so erklärt sich auch die Schlange mit den wartenden Autos.

Nach rund 300 km Autobahn erreichten wir die Zahlstelle vor Zagreb. Rund 24 Franken mussten wir für diese Strecke bezahlen. Und jeder kann sich selber überlegen, ob die 100 Stutz in der Schweiz für die Vignette gerechtfertigt sind oder nicht. Ich finde “ja”.


Fernseher aus dem Eröffnungsjahr des Hotels (zumindest fast)

In Zagreb hatten wir ein Zimmer im Hotel Espalanade gebucht. Gemäss Tripadvisor das Hotel Nr. 1 am Ort. Dieses Hotel wurde 1925 neben dem Bahnhof eröffnet, um Reisende des Orient-Express unterzubringen. Und auch heute noch hat es den Flair von altem Luxus behalten können. Heute übernachten nicht nur Könige und Fürsten, auch un-adelige sind hier anzutreffen. Irgendwie spürt man die Aura des Hotels überall. Die Wände könnten sicher viele Geschichten erzählen von den Herrschaften, die hier verkehrt sind. Oder von den Zeiten des Kommunismus. Vom Bürgerkrieg, der in den 90er-Jahren auch Zagreb erreicht hat. Oder von den Jahren 2002-2004, wo das Hotel geschlossen war und einer Gesamtrenovation unterzogen wurde. Und von was dieser alte, historische Röhren-Fernseher erzählen kann, wissen wir nicht. Wir haben den TV nicht angelassen…

Nach der langen Fahrt wollten wir nicht noch gross Zagreb unsicher machen. Wir gingen im Bistro des Hotels was essen, machten einen kurzen Spaziergang beim Hotel und fielen in die Federn. Die Matrazen sind unglaublich toll! Gute Nacht zusammen :-)

Hotel Esplanade, Zagreb

 

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Samstag, 16. August 2014: Reise nach Split

Wie am gestrigen Tag starten wir joggend in den Tag. Wir geniessen diesen “laufenden” Abschied von der beeindruckend schönen Landschaft, in der sich das Hotel befindet. Danach machen wir uns “tagfertig”. Leider geht es Martin plötzlich nicht mehr so gut. Er legt sich noch vor dem Frühstück etwas hin und muss dann auch das Frühstück ausfallen lassen. Erste Anzeichen einer Magen-Darmgeschichte manifestieren sich. Die Service-Angestellte, die festgestellt hat, dass Martin die bestellte Frühstücksspezialität so gut wie nicht anrührt, sagt mir kurze Zeit später – ich sitze mittlerweile alleine am schönen Frühstückstisch mit Meersicht – dass “etwas rumgehe”. Kurz aber heftig. Ich kehre ins Zimmer zurück und beginne, Koffer und Tasche zu packen. Martin schläft noch ein wenig.

Um 12.00 Uhr müssen wir auschecken. Martin fühlt sich etwas besser. Er hat einfach keinen Appetit. Zum Glück geht die Reise heute “nur” bis nach Split. Wir wollten ursprünglich bis Sibenik fahren, doch fanden wir dort kein Hotelzimmer mehr. Der erste Teil der heutigen Reise führt uns bis Plocé über die gleiche Strecke wie am Donnerstag auf der Reise nach Mostar. Die Grenzübertritt von Kroatien nach Bosnien und wieder zurück verlaufen heute zügig und problemlos.

Bei Plocé beginnt die kroatische Autobahn Richtung Norden. Wir kommen auch hier zügig voran. Die Autobahn ist recht neu und an diesem Samstag nicht sehr stark befahren. An einem Rastplatz legen wir eine Pause ein. Für Martin gibt es Cola, Darvida und ein Snicker. Es geht ihm glücklicherweise wieder besser. Kurz aber heftig scheint auch das Motto seiner Magengeschichte gewesen zu sein.

Auf der Raststätte hat es viele Ferienrückkehrer aus allen Ländern. Darunter auch sehr viele Kroaten, die im Ausland leben, z.B. in der Schweiz (Tochter zu ihrer Mutter: Nai, ich wott sersch Esse und den ersch bisle.).

Dann fahren wir weiter. Die Landschaft ist wild, abgesehen von der Autobahn noch sehr ursprünglich – ab und zu sieht man recht verwaiste Dörfer. Gut möglich, dass die Autobahn das ihrige zur Verwaisung der Dörfer beigetragen hat. Interessant ist, dass die Autobahn in regelmässigen Abständen von Wildübergängen gequert wird. Dabei sind diese Übergänge speziell für Bären und Füchse ausgeschildert. Aha, Bären gibt es hier also auch.

Gegen 16.30 Uhr treffen wir beim Radisson Blu in Split ein. Wir beziehen eine modern gestaltete Junior Suite mit herrlichem Blick aufs Meer. Leider geht es Martin jetzt wieder weniger gut. So sind wir froh, ein schönes, grosses Zimmer zu haben, in dem wir uns ausbreiten können. Gute Besserung, lieber Martin.

 

 

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Freitag, 15. August 2014: Baywatch

Für unseren letzten Dubrovnik-Tag haben wir einen Beach-Tag eingeplant. Um aber nicht den ganzen Tag nur faul rumzufläzen, gehen wir morgens beizeiten joggen. Wir machen eine Runde um die gesamte Hotelanlage aus, die ideal ist für ein Footing: Promenade gerade aus (im Schatten), ein bissiges Stützchen (erinnert uns ein wenig an den Aargauerstalden … gut, den kleinen Aargauerstalden 😉 …) anschliessend geht's entlang der verschiedenen Parkplatzbereiche und dann wieder runter zum Strand. Nächste Runde dito.

Unser Footing schliessen wir mit einer Stretch-Sequenz ab. Ah, wir fühlen uns gut. Komplett verschwitzt, freuen wir uns auf ein Glas kühles Wasser und eine Dusche. Dusche gefällig? Am Himmel gehen die Schleusen auf … ja tatsächlich. Nachdem wir uns frisch gemacht und auf der Dachterrasse einen schönen Tisch mit Meersicht erhalten haben, beginnt es zu regnen. Richtig zu regnen. Da die Dachterrasse selbst eben kein Dach hat, muss die offene Küche, in der die Frühstücks- und Kaffeespezialitäten frisch zubereitet werden, geschlossen werden. Wir frühstücken daher im grossen Restaurant, das wirklich sehr gross und daher auch sehr laut und hektisch ist. Wir geniessen's trotzdem.

In der Zwischenzeit haben sich die Regenwolken verzogen, die Sonne zeigt sich wieder und rasch sind die Regenpfützen verdunstet. Einzig die noch bei den Eingängen stehenden Hotelregenschirme zeugen vom morgendlichen Regen.

Wir ziehen unsere Badekleider und Sonnenhüte an, packen Bücher, iPads, Zeitschriften, Popcorn und Wasser in unsere Taschen und begeben uns zum Erwachsenen-Pool. Das Radisson Blu in Dubrovnik hat drei Pools. Einen ausschliesslich für Erwachsene, einen für Erwachsene, die von ihren “well-behaved children” begleitet werden dürfen und einen mit einer Pool-Kombi für Eltern und Kids – egal ob well-behaved oder nicht.

Wir suchen uns am Pool zwei Liegen mit direkter Aussicht aufs Meer. Und was haben wir den ganzen lieben und langen Tag getan? Gelesen, getratscht, im Pool geplanscht, im Meer geschnorchelt, Kieselsteine gesammelt, Glacé geschleckt, Popcorn geknabbert, im Pool Aquagym gemacht, gedöst. Ein ansehnliches Beach-Tag-Programm, oder?

Nach einem kurzen Apéro begeben wir uns zu einem leichten Abendessen im Restaurant “La Pasta”. (Erklärung eines englischsprachigen Vaters an seine Tochter: “”La” is French and “Pasta” is Italian”. Logisch oder?)

Mit iPad-len und Leichtathletik-EM in Zürich am Fernsehen verfolgend – Super Kariem! Gratulation zu EM-Gold im 400-Meter Hürden-Lauf – lassen wir den Abend ausklingen.

 

 

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Donnerstag, 14. August 2014: Never forget.*

(*Gravur auf Stein auf der neuen Brücke von Mostar)

Am 9. November 1993 war das strategische Ziel erreicht: Nach mehrstündigem Beschuss war die alte Brücke von Mostar komplett zerstört und ist in den Fluss Neretva gestürzt. In den ganzen Wirren des Balkankriegs, der kriegerischen Brutalität und dem grenzenlosen Leid der Bevölkerung unterschiedlicher Glaubensgemeinschaften und Abstammungen muss der Einsturz der alten Brücke in Mostar eigentlich als kleines Ereignis-Mosaiksteinchen betrachtet werden. Das haben wir wohl damals im 1993 auch getan. Ich erinnere mich gut daran, wie ich die Tagesschau-Bericht über kriegerische Handlungen im Balkan, ethnische Säuberungen, Flüchtlingsgruppen, die in der Schweiz Asyl suchten etc. nicht mehr sehen und hören wollte und mich davon abgegrenzt habe. Heute holt uns diese Geschichte unvermittelt ein. Wir unternehmen einen organisierten Tagesausflug nach Mostar.

Nicht nur wegen ihrer architektonischen Einmaligkeit, sondern auch aufgrund der großen Symbolkraft der Brücke wurde das Bauwerk und seine historische Umgebung am 15. Juli 2005 in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen. Die UNESCO würdigte die Brücke als „Symbol der Versöhnung, der internationalen Zusammenarbeit und des Zusammenlebens von verschiedenen religiösen, kulturellen und ethnischen Gemeinden”. Mostar liegt in Bosnien-Herzegowina und es war uns klar, dass diese Reise nicht einfach ein normaler Ausflug in eine andere Stadt ist, sondern ein Ausflug in die jüngere europäische Geschichte darstellt.

Um 08.10 Uhr fährt der Reisebus vor unserem Hotel vor. Nach einem leichten Frühstück auf der Dachterrasse im 7. Stock sind wir ready for takeoff. Wir fahren los Richtung Bucht von Mali Ston. In Neum überqueren wir zum ersten Mal die Grenze nach Bosnien-Herzegowina, das in dieser Gegend mit rund 20 km an die Adria angrenzt. Nachdem wir die 20 km zurückgelegt haben reisen wir bei Klek wieder nach Kroatien ein.

Mit dem Bau der Pelješac-Brücke, einer geplanten Schrägseilbrücke hätte die aufwändige Landquerung mit Grenzkontrolle eliminiert und die Region Dubrovnik besser an den Rest von Kroatien angebunden werden sollen. Doch der Brücken-Bau in Südkroatien, geriet im 2012 (Baubeginn 2007) ins Stocken. Unsere Reiseleitung gibt uns als Grund für den Baustopp an, dass der damalige Premierminister Kroatiens mit dem Geld untergetaucht sei. Ihn habe man festgenommen und verurteilt er habe aber bis heute nicht gesagt, wo das Geld sei.

Aus dem Internet erfahren wir: “Im Zuge der Anschuldigungen gegen den kroatischen Premierminister Ivo Sanader der angeblich 20 Tonnen Gold unterschlagen hat, sind nach Aussage eines Mitarbeiters der Schweizer Clariden Leu Bank die vorgelegten Beweise gefälscht. Es geht hier um Bankdokumente mit Kontonummern die als Beweis vorgelegt wurden. Nach Auskunft der Bank wurden diese Nummernkreise und auch die Formularsätze nicht von dem Vorgängerinstitut verwendet und sind demnach auch nicht echt.”

Tatsache ist, dass heute auf der Seite der Halbinsel Pelješac nur gerade ein Brückenpfeiler steht. Sonst gar nichts. Und who knows where the EU-money is?😇

Nach einem kurzen “technical stop” (trinken, pipi, Beine strecken) in Bosnien-Herzegowina fahren wir weiter und verlassen bald einmal die Küste und nehmen Kurs ins Landesinnere. Das Neretva-Tal ist so etwas wie das Grosse Moos im Seeland. Nur einfach viel grösser. Die Reiseleiterin versorgt uns mit vielen interessanten Informationen. Mit einer kurzen Zusammenfassung der geschichtlichen Hauptereignisse des Balkankriegs öffnet sie für uns dieses Geschichtskapitel neu. Bald queren wir zum zweiten Mal die Grenze nach Bosnien-Herzegowina. Diesmal nehmen die Einreiseformalitäten rund 30 Minuten in Anspruch und dies erst noch nachdem unser Car-Chauffeur ein fulminantes Überholmanöver der wartenden PWs eingelegt hat. Kurz nach 12.00 Uhr treffen wir in Mostar ein. Wir verlassen die Hauptstrasse und durchfahren ein Wohnquartier.

Ein erster Eindruck: Anstelle von Spielplätzen oder Gärten grenzen endlos scheinende Grabhaine von Kriegsopfern an die Siedlungen!

Wir besichtigen eine Moschee und machen einen kurzen Rundgang durch die Stadt. Zahlreiche Gebäude weisen immer noch Zerstörungen aus dem Krieg auf – fungieren somit als stille Zeugen dieser Zeit. Es fällt auf, dass zahlreiche katholische Kirchen und auch die Synagoge, die im Krieg komplett zerstört worden sind, noch heute nicht aufgebaut bzw. fertig gestellt worden sind. Es mangelt am Geld. Der Rundgang in der Stadt gestaltet sich anspruchsvoll. Es ist rund 36 Grad warm, die Stadt ist Touristen-mässig völlig überlaufen und das Gehen auf den mit runden Steinen gepflasterten Gassen ist nicht ganz einfach. Die vom darüber Gehen glatt polierten Steine sind sehr rutschig. Und dann stehen wir selbst auf der alten Brücke von Mostar und sind überwältigt – sozusagen Geschichte zum Anfühlen:

“(NZZ/C. Sr.): · Am 9. November 1993 haben Truppen der bosnischen Kroaten das Wahrzeichen der Stadt Mostar, die alte Brücke über den Fluss Neretva (stari most), gezielt zerstört. Sie war mehrere Stunden lang von der Artillerie beschossen worden. In der Hauptstadt der Herzegowina waren im Mai des gleichen Jahres heftige Kämpfe zwischen Bosnjaken (Muslimen) und Kroaten ausgebrochen, nachdem sich beide noch zu Beginn des Bosnienkriegs 1992 gemeinsam gegen serbische Verbände gewehrt hatten. Damit begann ein «Krieg im Krieg», der eine Friedenslösung in Bosnien weiter erschwerte. Die Kroaten kontrollierten den westlichen Teil der Stadt, die Bosnjaken den östlichen – und auch jene Häuser und Gassen der Altstadt, die sich westlich der Neretva befinden, also inmitten der von den Kroaten gehaltenen Gebiete. Mit der Zerstörung der Brücke sollten die bosnjakischen Kämpfer im Westteil der Stadt vom Nachschub abgeschnitten werden.

Die von den Türken im 16. Jahrhundert erbaute Brücke galt mit einer Weite von gut 28 Metern und einer maximalen Höhe von 19 Metern als ein Meisterwerk der damaligen Baukunst. Sie war lange ein Symbol für das friedliche Zusammenleben von Kroaten, Bosnjaken und Serben in der multiethnischen Stadt Mostar. Nach dem Bosnienkrieg wurde sie aufwendig rekonstruiert und mit der Unterstützung der Unesco, der Weltbank und der Türkei wiederaufgebaut. Dabei wurden, soweit dies möglich war, die alten Steine, die in der Neretva lagen, verwendet. Offiziell wurde die Brücke im Juli 2004 wiedereröffnet. Doch das Ziel, die gespaltene Stadt zu einen, konnte nicht erreicht werden. Mostar ist auch heute noch ethnisch geteilt. Die unsichtbare Grenze bildet die Frontlinie, wie sie sich im Krieg herausgebildet hatte.”

Die Herzegowina ist heute politisch dreigeteilt: Der Osten um Trebinje ist Teil der Republika Srpska. Westen, Mitte und Norden gehören zur Föderation Bosnien-Herzegowina, wobei der Westen den kroatisch geprägten Kanton West-Herzegowina und Norden und Mitte um Mostar den binationalen (bosniakisch-kroatischen) Kanton Herzegowina-Neretva bilden. Wie wird die Geschichte dieses Landes wohl weiter geschrieben?

Auf der gleichen Route wie am Morgen kehren wir im späteren Nachmittag zurück. Die Grenz-Übertritte verlaufen ohne Probleme. Mit drei in Mostar gekauften Lavendel-Säckchen und vielen Eindrücken, die teilweise noch verarbeitet werden müssen, treffen wir im Hotel ein. Wir essen eine Kleinigkeit und geniessen die Meersicht.

 

 

 

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Mittwoch, 13. August 2014: Grenzerfahrungen

Fast eine Woche waren wir nun in Montenegro. Heute verliessen wir dieses Land, welches uns viele Eindrücke vermittelt hat.

Der Tag begann um 2:30 Uhr mit einem Alarm im Hotel. Wir waren beide sofort hellwach. Da unser Zimmer auf der gleichen Etage wie die Reception lag, ging ich zuerst an die Reception und erkundigte mich, was der Alarm zu bedeuten hat und was nun die Anweisungen für die Gäste sind. Währenddessen nahm Bettina unsere Pässe aus dem Tresor und machte sich “evakuationsbereit”. An der Reception sagte man mir, dass “there is no problem, Sir. You can go back to your room.” Was ich dann auch tat. Musste noch lustig ausgesehen haben, mit der Pijamahose, einem Hemd und einem verschlafenen Blick in der Reception.

Der zweite Start war dann so gegen acht Uhr. Danach Frühstück, gemütlich die restlichen Sachen packen und gegen 11 Uhr fuhren wir los. Ab Budva wurde der Verkehr sehr dicht und mitten in der Stadt fuhren wir Stossstange an Stossstange – wenn wir denn überhaupt fuhren. Irgendwann merkte das Navi, dass da wohl was nicht in Ordnung sein konnte und lotste uns via eine Quartierstrasse über einen Hügel wieder an die Hauptstrasse und so konnten wir den Stau umfahren. Es gab auch andere Autofahrer, die dies machten, und offenbar war einem meine Fahrweise zu defensiv. Beim Einspuren in die Hauptstrasse überholte er mich während des Einspurens. Manchmal weiss man nicht, wo links und rechts ist und manchmal kann es auf diesen Strassen recht schnell gehen…

Die weitere Fahrt ging problemlos. In Lepetane nahmen wir für die Überfahrt über die Kotor-Bucht die Fähre nach Kamenari. Die zehnminütige Fahrt ersparte uns eine rund 40 km Fahrt um die Kotor-Bucht. Was sicher auch schön gewesen wäre, aber nicht unbedingt zweckdienlich. Die Fahrt auf der offenen Fähre war entspannend und ein schöner Break. Am anderen Ufer angekommen gings schon weiter in Richtung Kroatien. Herceg Novi ist die letzte grössere montenegrinische Stadt und spätestens nach Igalo steht man im Stau vor der Grenze. Die Ausreise bei den Montenegrinern war mit einer Verzögerung bzw. Wartezeit von 15 Minuten noch erträglich. Wieder ein Stempel mehr im Pass (unleserlich…)

Die Einreise in Kroatien wurde jedoch eine längere Angelegenheit. An solchen Dingen sieht man, dass z.B. ein Schengen-Abkommen halt doch was tolles ist. Oder wann wären wir Mitteleuropäer das letzte Mal länger im Stau gestanden? Rund eine Stunde verbrachten wir im Niemandsland von Karasovici, bei etwa 35 Grad. Den Motor lassen wir im Stau laufen, die Klimaanlage ist halt doch sehr praktisch… Und irgendwann kamen wir an die Kontrolle. Da stellt sich die Frage, ob es uns so geht, wie dem Italiener, der alles auspacken musste (inkl. Check des Motorraums). Oder ob wir mit mit einem kürzeren Check durchkommen. Es zeigte sich, dass die Kombination Mietwagen mit kroatischem Kennzeichen und schweizer Reisepasse ein Durchwinken auslösen können. Merci, Herr Grenzmitarbeiter!

Nach ein paar Kilometern wurden wir von einem Schild begrüsst, von welchem General Ante Gotovina herunterlächelte. Und hier zeigte sich, zumindest für mich, dass halt der Krieg immer noch nachhallt. Gotovina war kroatischer Kommandeur, verurteilter Kriegsverbrecher und seit der Berufung ein freier Mann. In diesem Teil des Balkans verehrt, in anderen Teilen wohl verflucht.

Dubrovnik liessen wir links liegen und fuhren oberhalb der Stadt über die Franjo Tudman-Brücke, ein technisches Meisterwerk! Nach 15 km Fahrt erreichten wir unser vorläufiges Ziel, das Radisson Blu. HIer lassen wir es uns gut gehen, ja sehr gut, und geniessen unser Zimmer im obersten Stock mit Sicht aufs Meer. Gegen Abend gehen wir an den Strand. Es war ein sehr guter Entscheid, die Badeschuhe einzupacken. Und ein guter Entscheid, das Schnorchel-Equipment einzupacken. Die vielen Fische haben uns überrascht und entzückt. Anschliessend machten wir uns ausgangsfertig und gingen im Resort lecker Nachtessen.

Nachtrag von BF: Während des Nachtessens lief YB-Grasshoppers. Den YB-Sieg konnten wir, High-tech sei “dank”, fast live mitverfolgen. Mein Mann nahm den 4:0-Sieg der Berner recht locker hin. Die Freude ist dann aus ihm förmlich explodiert, als er auf dem Nachhauseweg eine Heuschrecke sah und sie  verhöhnte “Du hesch viernull verlooooore!”

 

 

 

 

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Dienstag, 12. August 2014: Nach Albanien geschaut

Inseln vor Petrovac

Heute planten wir einen ganz speziellen Ausflug: wir wollten an den Shkoder-See. Dieser See ist der grösste auf dem Balkan und ist ein Grenzsee zwischen Montenegro und Albanien. Verschiedene Routen werden im Reiseführer empfohlen, wir entscheiden uns für ein Mittelding: von Petrovac in die Höger, dann dem See entlang und kurz vor der albanischen Grenze wieder runter zum Meer.

Um aus dem Dorf zu kommen habe ich das Navi programmiert, welches uns prompt auf dem einfachsten Weg hinter die Berge führte, nämlich durch den Tunnel. Wir wollten jedoch über die Berge und nach einem U-Turn konnten wir dies auch wieder zurechtbiegen. Wir fuhren die Strasse hoch und es ist immer wieder eindrücklich, wie schnell man hier Höhe gewinnt. Plötzlich hatten wir eine Höhe von 600 m, und schon ging es wieder hinten runter bis nach Virpazar. Hier sahen wir das erste Mal in unseren Ferien wieder mal ein Bahngleis. Und wie der Zufall es wollte, kamen gleich zwei Züge vorbei. Ich spürte kein Zittern in den Händen, somit ist davon auszugehen, dass ich in den Ferien den absoluten Bahnentzugs-Mood gut überstanden habe. Virpazar ist quasi der Hauptort für Touristen beim Shkoder-See, und bei der Einfahrt in den Ort wurde ich das erste Mal auf dem Balkan beschissen. Nicht schlimm, aber trotzdem. Ich solle doch grad da parkieren, da das Städtchen sehr crowded ist und wir keinen Parkplatz finden werden. Wir machten dies uns stellten unseren Wagen dort ab. Diese Finte diente nur dazu, dass man uns wortreich eine zweistündige Schifffahrt auf dem Shkoder-See zu empfehlen, auf was wir jedoch keine Lust hatten. Stattdessen kauften wir im Voli-Geschäft was zu Trinken ein und wollten uns wieder davon machen. Wenn wir denn gekonnt hätten, denn ein im Ablad begriffener Bierlastwagen versperrte unsere Parkplatzausfahrt und es sah nicht danach aus, dass dieser raschrasch von Dannen ziehen würde. Eine kurze Berechnung ergab, dass das Auto wohl aus der Parklücke zu bringen wäre, wenn ich a) mutig bin, und b) mir jemand hilft dabei. Bettina übernahm den Helfer-Job, ebenso ein polnischer Autofahrer, der auch von meiner Wegfahrt profitiert hätte. Ein bisschen hin und her, ein bisschen winken, ein bisschen vor und zurück, ein bisschen Spiegel einklappen – und das Auto war aus der Parklücke.

Nun konnte die Fahrt um den Shkoder-See beginnen. Das Städtchen Virpazar war überhaupt nicht crowded und kurz nach Siedlungsende kam eine Gabelung und es war nicht klar ersichtlich, ob wir nun links oder rechts müssen. Ein entgegen fahrender Tscheche wies mir den Weg, aber wies mich darauf hin, dass die Strasse um den Shkoder-See kein Kindergeburtstag sei und ich vorsichtig sein müsse. Und es sei eng… Nun, schaunmer mal… Der Tscheche hatte nicht übertrieben. Es war teilweise wirklich sehr eng, und beim Gegenverkehr musste mal einfach ein bisschen ins Grüne gefahren werden (wo es überhaupt möglich war), oder die Rückspiegel eingeklappt, oder einfach darauf gehofft, werden, dass der entgegenkommende Fahrer ein ebenso guter Fahrer ist wie ich :-)

Die Strecke war unglaublich schön. Zur Linken der See. Gross, nicht so gross wie der Bodensee, aber doch gross. Mittendrin immer wieder Inselchen mit Kirchen drauf. Und in der ganzen Gegen lag ein ganz spezieller Duft, der von den verschiedenen Pflanzen her stammten. Wir sahen Granatapfelbäume, wilden Thymian, Disteln in verschieder Form, und, und, und… Auch die Tierwelt bekamen wir zu sehen. Vögel, Esel, aber auch eine Smaragdeidechse, etwa 25 cm lang, welche vor unserem Auto vorbeihuschte. Und eine Schlange, die nicht mehr huschte und auch sonst ziemlich ausgetrocknet auf der Strasse lag. Alles in Allem wirklich eine sehenswerte Route, und der Gegenverkehr hielt sich auch einigermasseen in Grenzen.

Irgendwann sind wir dann bei dem Punkt angelangt, wo man nicht mehr weiter dem See entlang fahren kann, sonst wären wir nach Albanien gefahren. Auf 916 m Höhe verliessen wir beim Stegvaš-Pass den See und wechselten quasi die Bergseite um Richtung Meer zu fahren. Wenn wir auf dem Pass ausgestiegen wären, hätten wir auf der einen Seite den Shkoder-See, auf der anderen Seite die Adria gesehen! Wir fuhren jedoch weiter Richtung Meer und machten beim Restaurant “Panorama” einen Zwischenhalt. Hier ist der Restaurantname Programm. Wir nahmen auf der Terasse Platz und genossen den Blick nach Albanien. Die Weite und das Grüne war faszinierend. Ein steter Wald, bis auf ein paar Häuser – wunderbar! Die Cevapcici schmeckten vorzüglich – und schon bald fuhren wir weiter in Richtung Bar.

Auch wenn die Strasse auf der Karte jeweils als “breit” gekennzeichnet ist, sie ist es nicht. Gut fahrbar, aber kein Highway. Das Fahren ging problemlos und auch unser Hotel in Petrovic fanden wir nach diesem tollen Tag wieder.

Nach einer Dusche gings noch an die Partymeile auf der Strandpromenade. Die Pizzeria “Lazaret” servierte uns später am Abend noch eine Pizza – und so schlossen wir einen Tag mit vielen Eindrücken ab.

 

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Montag, 11. August 2014: Boat people

Als wir gegen 8.00 Uhr erwachen, ist es draussen schon sehr, sehr warm. So warm, dass der Gedanke nahe liegt, vor dem Frühstück es Bedli ga z'zwicke. Doch wir machen uns startklar fürs Frühstücksbuffet. Für die hiesige Kundschaft, die sehr international daher kommt (Montenegro, Russland, Weissrussland, Serbien, Bosnien, Kroatien und wir zwei Schweizer) stehen nebst der Standard-Frühstückswauswahl (Brot, Käse, Fleischplatte, Eierspeisen) auch Besonderheiten auf dem Buffet. So z.B. verschiedene Gemüsekuchen, Filoteig-Taschen mit Käsefüllung, Pasta, eine Cakeauswahl und mein Highlight: kleine Gläschen mit Popcorn mit Schokolade-Garnitur versehen. Und noch etwas für die Cliché-Kiste: Der Champagner, der ebenfalls auf dem Buffet geführt wird, erfreut sich reger Nachfrage.

Nach dem Frühstück holen wir unser Badezeug und machen uns auf den Weg zum Hafen. Wir haben uns entschieden, einen Schiffsausflug nach Budva zu machen. Als wir um viertel vor zehn beim Boot ankommen, ist dieses schon sehr gut besetzt. Wir ergattern zwei Sitzplätze im gedeckten Bereich. Die meisten Gäste, die nach uns kommen, beziehen ihre Plätze auf dem Dach des Schiffs. Eigentlich ein schöner Platz aber bei der heutigen Sonnenbestrahlung recht heimtückisch. Wobei das Thema “Sonneneinwirkung auf Haut” hier gar keines ist. Die Leute haben hier sehr oft einen dunklen Teint, was dazu führt, dass sie sehr braun werden, was schön anzusehen ist. Aber es gibt auch sehr viele Leute, die krebsrot verbrannt daher kommen … wirklich schrecklich … Dinge, die will man gar nicht sehen. Augen zu und durch gilt es auch an den Strandpromenaden bei gewissen Herren. Nämlich immer dann, wenn die Herren der Schöpfung je kugelbauchiger desto oben ohne daher kommen.

Als unser Schiff Punkt 10.00 Uhr ablegt, sind sowohl die Plätze auf dem Sitzdeck wie auf dem Oberdeck und vorne auf dem Bug komplett besetzt. Es ist unmöglich, auch nur einen Schritt zu machen. Bei der Ausfahrt aus dem Hafen kreuzen wir ein einfahrendes Schiff, das genau gleich bis aufs Dach besetzt ist. Unweigerlich kommen einem die Bilder der Bootsflüchtlinge vor Lampedusa in den Sinn. Sehr speziell diese Situation: Flüchtlings- und Toutistenboote..

Wir verlassen den Hafen von Petrovac und fahren der Küste entlag nordwärts Richtung Sveti Stefan. Die Küstenlandschaft kommt ganz unterschiedlich daher: Es gibt einsame Buchten, teils karg, teils grün, einige bewohnt, kleine Städtchen und Ortschaften. Es gibt aber auch hier direkt an den Stränden Edelvillen und Luxushotels, die den direkten Zugang zum Meer versperren. Einige der teils flächendeckenden Überbauungen wurden aber leider nicht abgeschlossen, so dass überdimensionierte Bauruinen die Landschaft verschandeln (z.B. Bucht von Zavala).

Nach etwa einer halben Stunde Fahrt erreichen wir Sveti Stefan. Die ehemalige Fischerinsel Sveti Stefan mit ihren steinernen Häusern und den roten Dächern, die nur über einen schmalen Damm mit dem Festland verbunden ist, ist eines der schönsten Fotomotive Montenegros. Nach dem onboard Fotostopp geht die Fahrt weiter Richtung Budva. Dort verlassen wir das Schiff für einen zweistündigen Aufenthalt. Wir benötigen ungefähr 20 Minuten, um vom Hafen zu Fuss in die Altstadt zu gelangen. Diese ist schmuck und lädt zum Verweilen ein. Wir geniessen in einem schattig gelegenen Restaurant einen frischen Fruchtsaft und schauen dem munteren Treiben zu. Die Suche nach einem Bancomaten … es müssen wieder Euros her … verläuft erfolglos. Das einzige Teil, das wir in der Altstadt finden, ist defekt. Budva, gemäss unserem Reiseführer-Buch “Die Stadt der schönsten Mädchen, der dicksten Autos und der höchsten Preise an der Küste bietet lange Nächte in den Diskos, gutes Essen an der obala (Promenade) und Designerklamotten in der Altstadt.”, ist den zweistündigen Aufenthalt wert, mehr aber auch nicht.

Zurück zum Schiff und weiter gehts auf die Budva gegenüberliegende Insel Sveti Nikola, welche hier auch als “Hawai” bezeichnet wird. Von einem direkten Vergleich zwischen “Hawai” und “Hawaii” sehen wir ab. Der Unterschied liegt nicht nur in einem “i” mehr 😊. Wir bewegen uns in unseren Flipflops durch die Menschen-Liegestuhlreihen über den steinigen Strand zum Meer hervor und gönnen uns eine kurze Erfrischung. Als wir am Morgen in Budva waren, zeigte das Thermometer rund 32 Grad Celsius an. Jetzt sind es etwa 37 Gtad Celsius .

Für zwei Holzpritschen und einen Sonnenschirm bezahlt man hier 10 Euro. Dazu gibt es – wie überall – laute Musik. Das Gewusel und der Lärm trägt nichts zu einem entspannten Strandtag bei. Für uns eh kein Thema, da wir nur eine Stunde Aufenthalt haben. Um 14.40 Uhr fahren wir mit unserem Boot wieder zurück nach Petrovac. Dort angekommen, gönnen wir uns ein Eis und decken uns mit Mineralwasser ein. Am Abend geniessen wir in der Kanoba Mediteraneo ein feines Abendessen mit lokalen Spezialitäten. Wir essen Kajmak (geschichteter Käse aus frischem, leicht gesäuertem Rahm), geräucherter Karpfen, njeguški pršut (luftgetrockneter Schinken) zur Vorspeise. Danach gibt es für Martin ein Fleischgericht mit Gemüse, Frites und Salat und für mich Fisch mit Mangolde/Kartoffeln und Salat. Bei einem Café und einem Schnaps, den Martin “vom Boss des Hauses” offeriert erhält, lassen wir den Abend auf der kleinen Terrasse mit bester Sicht aufs Meer gemütlich ausklingen.

P.S.

Das Restaurant ist gemäss Tripadvisor Nr. 1 auf Platz. Unser Gesamt-Urteil (Service, Qualität der Speisen, Lage etc.) ist, dass diese Rangierung sicher zu Recht erfolgt ist. Der junior Chef übergibt uns zum Schluss noch eine Visitenkarte, auf der er “TRIP ADVISER” notiert hat und uns um ein positives Feedback bittet. So geht das heute … wir sind ja schliesslich via Tripadvisor auf dieses Lokal aufmerksam geworden.

 

 

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Sonntag, 10. August 2014: Ausflug in die jugoslawische Geschichte

Die letzte Nacht in Kotor verbrachten wir recht ruhig. Um 1:03 Uhr hörte der Jazz im Nachbarlokal auf. Es war Freejazz und sie haben vereinbart, dass sie sich um 1:00 Uhr auf dem hohen C treffen… (hach, ein kleiner Scherz grad zum Anfang… :-) ). Wir schliefen gut, und da Sonntag war, war die Strasse bis 8:00 Uhr recht ruhig. Wir standen auf, packten unsere Koffer und machten uns auf zu einem letzten Spaziergang im Städtchen. Im Geschäft “Cats of Kotor“, welches den vielen streunenden Katzen der Stadt gewidmet ist, haben wir am Vortag noch was eingekauft und konnten als Cumulus-/Supercard-Bonus ein kleines Säckchen mit Katzenfutter mitnehmen. Dieses wollten wir nun noch verfüttern, aber die Katzen waren heute ein bisschen schnäderfräsig. Sie wollten gestreichelt werden, nicht fressen. Aber diese Strassenkatzen streicheln… Wer weiss, was man sich da alles holt. Teilweise sahen die Katzen fit aus, teilweise sah man ihnen das Leben auf der Strasse an. Interessant war, wie ausgebufft diese Dinger waren: wenn ein Hund vorbei kam, machten die Katzen keine Reaktion, denn sie wussten ja, dass der Hund angeleint ist… Tauben wurden nur von den kleinen Katzen gejagt, aber die Katzen verloren den Kampf regelmässig und hörten diesen Kampf auf, wenn sie ein bisschen älter wurden. “Cats of Kotor” – wahrlich auch ein Sujet, mit welchem sich Fotobücher füllen liesse.

Nach dem Frühstück ein einem Lokal, welches wir bisher noch nicht gesehen hatten, verabschiedeten wir uns von unseren Vermietern und gingen mit all unseren Siebensachen durch das Stadttor über die Brücke zu unserem Auto. Habe ich erwähnt, dass ich Parkplatz Nr 1 der Stadt erwischt habe? So zentral wie dieser gibt es sonst keiner… Das Auto war rasch verladen und schon um 11:00 Uhr herrschten schon gefühlte 175 Grad in unserem schwarzen Auto. Nun: wir wollten Sommer – und wir haben Sommer gekriegt… Wir fuhren los, zur Stadt hinaus, und dank dem Reiseführer fanden wir die Abzweigung, um Richtung Lovcen-Nationalpark zu fahren. Diese Strasse wird im Reiseführer als “must” beschrieben, es wird geschwärmt, wie sie in den Felsen angelegt ist und es wird geschwärmt, welche Aussicht man auf die Kotor-Bucht geniesst. Natürlich hätte es eine kürzere, neuere Strasse durch den Tunnel an die Küste gegeben, aber das war nicht unser Ding.

Die Strasse stieg rasch an, ich peitschte die 95 Pferde des Chevrolet Lancetti die Serpentinen hoch. Die Gangschaltung (ja, wieder mal handgeschaltet fahren…) war wie ein Rührwerk in einer Backstube. Gemütlich aber doch zügig fuhren wir hoch, als ich mitten auf der Strasse einen Stein sah, der wie eine Schildkröte aussah. TAMI, DAS IST EINE SCHILDKRÖTE!!! Mitten auf unserer Fahrspur! Ich konnte rechtzeitig bremsen und Bettina trug das Tier von der Strasse weg ins Gras. Gibt es in Montenegro frei lebende Schildkröten? Oder ist sie zu Hause abgehauen? Werden wir noch googeln müssen, was hier die Biologie zu bieten hat. Nachtrag vom 15.8.2014: Es wird sich um eine Griechische Landschildkröte gehandelt, wenn wir Wikipedia richtig interpretieren (http://de.wikipedia.org/wiki/Griechische_Landschildkröte)

Weiter gings in die Höhe. 25 Serpentinen, welche mit unseren Passstrassen keinen Vergleich zu scheuen haben, sind es bis man auf 1000 m Höhe ist. Teilweise ist die Strasse dramatisch eng. Teilweise hat man eine wunderbare Aussicht auf die Kotor-Bucht, den, wie es in den Reiseführern so schön heisst, “schönsten Fjord der Adria”. Wirklich traumhaft, das Ganze! In Njegosi wird ein wunderbarer prsut (Schinken) hergestellt. Wir kaufen jedoch keinen, den in dieser Hitze mitzunehmen, wäre wohl nicht ganz clever… Noch kurz vor der Passhöhe zweigen wir rechts ab auf eine Nebenstrasse in den Lovcen-Nationalpark. Die Strasse ist nun noch enger, aber schon bald öffnet sich der Blick auf eine Hochebene, welche nach dem mediterranen Bild Kotors nun ganz andere Facetten Montenegros zeigt. Bei uns würde man von einer Alp sprechen. Ein paar Häuser sind da, Landwirtschaft wird betrieben, wirklich schön. Danach steigt die Strasse noch einmal an. Wir peilen das Mausoleum des Dichterfürsten Petar II. Petrovic Njegos auf dem 1657 m hohen Jezerski Vrh an. Der Nationalpark ist wegen der letzten Ruhestätte von Njegos zum Nationalpark erklärt worden, und nicht wegen der landschaftlichen Schönheiten.

Njegos lebte von 1813-1851, war Bischof und Fürst und starb früh an Tuberkulose. Er vollbrachte es, das zu dieser Zeit vorherrschende, in Clanstrukturen verhaftete politische System zu reformieren und eropäisierte so das Land. Sein Buch “Bergkranz” (Gorski Vjenac) war bis zum Beginn der Balkankriege in den Schulen Pflichtlektüre in ganz Jugoslawien. Der heldenhafte Befreiungskampf seines Vorvorgängers Danilo I. gegen die Türken war in diesem Buch das Hauptthema. Nicht unwesentlich war auch, dass er in diesem Buch verschiedene Volksverse aufschrieb, was die Vereinheitlichung der Schriftsprache entscheidend vorantrieb.

Im Guten ist’s ein Leichtes, gut zu sein. Doch in der Not erkennt man erst den Helden.

Schon zu Lebzeiten bestimmte er, dass er in einer Kapelle auf diesem Berg begraben werden will. Nach seinem Tod lag er zuerst in Cetinje, danach hatte man die Kapelle gebaut und ihn 1854 auf den Berg gebracht. Die Österreicher fanden 1916, dass er besser in Cetinje ruhe und bauten die Kapelle auf dem Berg ab. Anstelle der Kapelle entstand ein Denkmal. Nach dem ersten Weltkrieg wurde die Kapelle wieder gebaut, und zum 100. Todestag beschloss der Staat, dass auf diesem Berg ein Mausoleum gebaut werden soll, um Njegos eine würdige Stätte zu bieten. 1974 wurde das Mausoleum eröffnet. 462 Stufen müssen vom kleinen Parkplatz bis zum Mausoleum abgearbeitet werden. Die Strecke führt durch einen 80 m langen Tunnel und vor dem Mausoleum darf man 3 € abdrücken, um die Anlage zu besichtigen. Und sie ist gigantisch: Ein Hof, umgeben von ein paar Säulen, wir mit zwei grossen Frauenstatuen abgeschlossen. In einem Raum mit vergoldeter Decke findet man ein 28 Tonnen schweres Denkmal von Njegos. Und in einer Gruft im Untergrund ist er in einem Sarg aufgebahrt.

Speziell schön ist die Terasse hinter dem Mausoleum, welche eine umwerfende Aussicht bietet. Leider war das Wetter nicht ganz so das Wahre, aber man sagt, dass man von hier oben bis nach Italien sehen kann (und bei wirklich ganz gutem Wetter wohl bis nach Amerika). Natürlich ist dieses Mausoleum auch Hort von Geschäftemachern, so dass man weiss nicht was für Andenken kaufen kann, wo Montenegro bzw. Crna Gora drauf steht. Man kann sich aber auch für 5 Minuten eine montenegrinische Tracht mieten uns sich fotografieren lassen. Wir beliessen es bei ein paar Selfies…

Nachzutragen ist, dass der kleine Parkplatz unter dem Mausoleum hoffnungslos zugeparkt war, so dass wir unser Auto an der Strasse dazu parkieren mussten. Die Strasse liegt in der Steigung und ich machte es vielen Autofahrern gleich und legte einen Stein unter das Hinterrad. Eigentlich vertraue ich dem 1. Gang und der Handbremse, aber wenn das alle machen… (wobei physikalisch noch zu beweisen wäre, ob ein 2 kg-Stein ein 1,5-Tonnen-Auto bei einer 8%-Steigung aufhalten kann. Gibt es dafür eine Formel?).

Nach diesem Ausflug in die jugsolawische Geschichte fuhren wir wieder talwärts. Die Gegend ist wunderschön und es hätte auch verschiedene Wanderwege, die nach unserer Auffassung gut ausgeschildert sind. Wir fuhren durch Cetinje, welches uns nicht einlud, einen Stopp zu machen. Wir fuhren durch verschiedene Orte, deren Namen unglaubliche Buchstabenfolgen aufwiesen. Wenn ich das nächste Mal Scrabble spiele, werde ich mich an diese Orte erinnern und den Scrabble-Contest gewinnen (Ocinici, Obzovica und Podostrog, dann ist man punktemässig schon recht weit im Vorsprung…). In der Nähe von Budva erreichten wir die Küstenstrasse. Hier bogen wir südwärts ab und fuhren bis Petrovac. In diesem Ort konnten wir vor ein paar Tagen noch ein Zimmer für drei Nächte buchen. An anderen Orten wäre dies auch möglich gewesen, aber 3’000 €/Nacht zu bezahlen, war doch grad ein bisschen übertrieben. Aber auch hier bezahlen wir rund das Dreifache wie für unser Appartement in Kotor – dafür ist das Frühstück inbegriffen…

Das Hotel fanden wir rasch, und auch einen Parkplatz. Bei der Einfahrt in Petrovac war dies meine erste Sorge gewesen, denn in diesem Ort wird überall parkiert, namentlich auf dem Trottoir. Wir checkten ein und bezogen unser Zimmer, ein Standardzimmer mit Poolblick. Nachdem wir uns umgezogen hatten, gingen wir für ein spätnachmittägliches Bad an den Strand. Schon an der Strandpromenade kriegte ich einen ersten Schreikrampf: fertig mit dem verträumten lieblichen Kotor. Hier sind wir am Meer. Tourismus pur, mit einer Strandpromenade die alles zu bieten hat mit Ausnahme von Lieblichkeit und Verträumtheit. Der Strand war ein Kieselstrand, mit ganz feinem Kiesel. Und viel Dreck darin. Und das Wasser war schmutzig – bis zu den Knien rein, und dann schnell flüchten von diesem Unort…

Der Pool ist jetzt auch nicht grad der Hammer, aber zum Abkühlen geht es. Nach dem Bad machten wir uns ausgangsfertig und gingen an die Strandpromenade. Im Restaurant Fortuna fanden wir unser Glück und spiesen wunderbar. Will sich Petrovac mit uns versöhnen?

 

 

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Samstag, 9. August 2014: Auch heute MÜSSEN wir nichts…

Ausser ausschlafen.

Wir starten irgendwann, die Sonne stand schon hoch, in den Tag. Eine Kirchenglocke läutete 12:00 Uhr, als wir das Frühstück beendet hatten. Wir gingen am gleichen Ort essen, wo wir gestern Znacht gegessen hatten. Der Kellner hat gemeint, wir seien Hotelgäste und hat aus diesem Grund kein Kassabon gedruckt. Dies gab bei der Bezahlung Probleme. Wir können nur gegen ein Ticket bezahlen. Uns war es eigentlich egal, den Preis fürs Essen hatten wir berechnet und sind kopfrechenmässig auf den gleichen Betrag wie der Kellner gekommen. Wir haben dann irgendwie bezahlt. Aber dem Kellner war es nicht recht, dass wir kein Ticket erhalten haben…

Danach gingen wir auf den Markt, welcher sich ausserhalb der Stadtmauern befindet. Fisch, Fleisch, Käse, Gemüse und Früchte waren im Angebot. Tomaten, so gross wie kleine Melonen (he, cooler Vergleich :-) ), Kartoffeln, so gross wie Kokosnüsse, Himbeeren, welche schon von weitem rochen, und, das habe ich persönlich noch nie gesehen, frisch gepflückte Walderdbeeren. Also die, die man vielleicht zu Hause mal am Waldrand trifft, man davon schnaust aber nicht sicher ist, ob nicht vielleicht ein Hund drüber gebieselt hat. Also diese Walderdbeeren werden hier in Gläsern verkauft. 5 € das Glas. Ich konnte nicht widerstehen. Ich konnte auch bei den Himbeeren nicht widerstehen, und auch nicht bei den Nektarinen (“yes, yes, from Montenegro”. Ich glaube er hätte dies auch geantwortet, wenn ich gefragt hätte, ob diese garantiert aus biologischem Anbau mit Nachhaltigkeitszertifikat sind. “Yes, yes, from Montenegro”). Bettina konnte bei einer Tomate nicht widerstehen, welche unglaublich gross war.

Mit den gejagten Früchten und dem Gemüse im Gepäck gingen wir zu unserem Appartement. Vor dem Stadttor wurden wir von “mobilen Reiseberatern” abgefangen, welche uns eine Schifffahrt in der Bucht von Kotor schmackhaft machen wollten. Abfahrt in 15 Minuten… Da wir heute sowieso eine Aktivität unternehmen wollten, gingen wir rasch nach Hause um die Einkäufe zu deponieren und dann wieder vors Stadttor, um den “mobilen Reiseberatern” mitzuteilen, dass wir nun gerne eine Fahrt mit dem Schiff unternehmen möchten. Da kam bei den Einheimischen einen Moment so was wie Panik auf, denn scheinbar war das Schiff schon am Ablegen begriffen. Eine Frau rannte mit uns über die Strasse zum Kai, aber das Ausflugsschiff war schon abgefahren. Umkehren wäre sicher möglich gewesen, aber das Schiff war auch voll, wir hätten wohl keinen vernünftigen Platz mehr gehabt.

Dabei hätten wir doch sooooo gerne was unternommen ;-) Da bleibt als Alternative nur das gestrige Programm: von der Hitze fernbleiben und dem Schatten entlang gehen. Also zuerst zum Restaurant in unserer Nachbarschaft, dann ins Appartement und frische Walderdbeeren degustieren. Ein bisschen lesen, ein bisschen dösen, der Musik von draussen zuhören, den anderen Geräuschen… Und plötzlich ist es Abend und es ist Zeit fürs Nachtessen.

Die Auswahl an Restaurants ist gross, und wir nahmen in der Pizzeria Sara Platz. Auf Tripadvisor Patz 62 von 71 Restaurants in Kotor. Nicht so schlecht, aber auch nicht grad der Hammer. Das Kafi gab es dann wieder im Astoria, wo wir schon gefrühstückt hatten. Auch zu später Stunde war noch der selbe Kellner im Dienst, der schon am Morgen da war. Er entschuldigte sich noch einmal fürs fehlende Ticket… :-)

Zur Feier des Tages (oder so) hatte ich Lust auf einen Schnaps. “I take a Schnaps, a local one”. Mal schauen, was sie da bringen. “Rakija Loza” stand auf dem Ticket. Und der war so was von stark, dass sich meine Eingeweide grad ein bisschen streckten und kurz darauf wieder in die vorherige Lage kamen. In anderen Ländern gibt es so was sicher mit Rezept…

 

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Freitag, 8. August 2014: Ferien… Nichts müssen – nur wollen

Wir erwachen irgendeinmal – ausgeschlafen und erholt. Bevor wir aber aufstehen, lesen wir noch ein wenig. Beide haben wir einen echten Schmöker an unserer Seite. Ein Buch, das einen in den Bann zieht. In dem vor dem Einschlafen liest, bis einem die Augen vor Müdigkeit zufallen, an dessen Handlung man bei einer kurzen Schlafunterbrechung herum studiert und um das nach dem Erwachen am Morgen sich auch wieder die ersten Gedanken drehen. Bei Martin ist es ein weiterer Lee Child-Roman mit dem Titel “Underground”, bei mir die wunderschöne Geschichte “Eine Handvoll Worte” von Jojo Moyes.

Beide geniessen wir die tolle Lage unseres Appartements in der Altstadt von Kotor. Diese ist autofrei. Wenn wir die Aussentreppe auf die Gasse heruntergehen, stehen wir direkt vor der Wein- und Musikbar “Mon Ami”. Am Abend gibt es dort laute aber schöne Live-Musik (ich bin an beiden Abenden herrlich zu den Jazzklängen eingeschlafen). Den Tag hindurch spielen sie jeweils leichte Swing-Musik ab Band. Die Musik umweht unser Appartement mit einem flauschigen Klangteppich, der dann und wann durch Gesprächsfetzen und Gelächter aus der Nachbarschaft und von der Gasse angereichert wird. Zudem hört man in regelmässigen Abständen das Klingeln der Velo-Lütis an den Velo-Anhänger-Konstruktionen, mit denen Händler und Restaurateure ihre Produkte und Lebensmittel in die verkehrsfreie Altstadt bringen.

Die Klangkulisse fasziniert uns und verschönert den Aufenthalt in unserer Wohnung auf unbeschreibliche Art und Weise, denn aufgrund der grossen Hitze ziehen wir uns nach dem Frühstück, das wir im Hotel-Restaurant Luna Rosso (dem gleichen Lokal, in dem wir am Vorabend zu Abend gegessen haben) genossen haben, nochmals in unsere vier Wände zurück. Irgendwann erklingt aus dem “Mon Ami” wunderschöne Klaviermusik. Ein Klavierspieler begleitet sich selbst zu seinen Liedern. Die Musik nimmt uns sofort in den Bann. Wir nehmen unsere Bücher und gehen ins “Mon Ami”, um bei einem kühlen Getränk der schönen Musik zu lauschen. Einfach schön, wir geniessen die Entspanntheit, welche dieser Freitag für uns bereit hält.

Für heute hatten wir eigentlich Pläne: Nach Cetinje, der historischen Hauptstadt von Montenegro fahren, ins Lovcen-Gebirge fahren oder die Halbinsel Lustica (“Land der Oliven”) erkunden. Aber wir müssen heute nichts tun, wir können, wenn wir wollen aber heute wollen wir einfach nichts tun.

Im späteren Nachmittag auf dem Weg zur katholischen Kathedrale Sveti Trifun gelangen wir durch das eng-verwinkelte Gassen-Labyrinth immer wieder zu sehenswerten Gebäuden und historischen Sehenswürdigkeiten. Schliesslich treten wir in die Sveti Trifun Kirche, einem der prächtigsten Gotteshäuser Montenegros, ein. Uns beeindruckt der Altarbereich, der als Meisterstück des gotisch-romanischen Sakralbaustils gilt. Insbesondere der Engel auf der oberen Altarabdeckung und die zahlreichen aus Gold und Silber geschmiedeten Heiligenbilder sowie die Jesus-Figur in der oberen Schatzkammer-Etage ziehen uns in den Bann.

Ja, tatsächlich eine zweistöckige Kirche, die sogar über einen Balkon verfügt. Von diesem aus, verfolgen wir den Sonnenuntergang. Wir verlassen die Kirche und setzen uns mit weltlichen Themen auseinander: Wo wollen wir heute Abend essen gehen? Die Wahl fällt auf das Hotel-Restaurant Astoria, das über einen schönen Aussenbereich mit stilvoll gedeckten Tischen und eine vielversprechende Speisekarte verfügt. Für Martin gibt’s gebackenen Feta im Cornflakes-Mänteli, Salat und Fisch mit gegrillten Cherry-Tomätli für mich Salat und Tomaten-Pasta. Mit einem feinen Dessert (Windbeutel mit Früchten für Martin und einer Kugel Caramel-Glacé für mich) lassen wir diesen entspannt-erholsam-schönen Ferientag in Kotor ausklingen. Zu unterhaltsamen Jazz-Musik-Klängen machen wir uns bett- bzw. lesefertig. Morgen werden wir beide unsere Bücher fertig gelesen haben…

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Donnerstag. 7. August 2014: Zu den schwarzen Bergen

Ein letztes Mal gingen wir im Hotel Lapad frühstücken und packten anschliessend unsere sieben Sachen zusammen. Auschecken und das Gepäck in den Lacetti verladen und schon waren wir startbereit. Fast. Denn vor Abfahrt musste natürlich auch noch das Navi programmiert werden, was sich als ziemliche Knacknuss erwies. Unser nächster Etappenort befand sich in der autofreien Innenstadt, und dies dem Navi zu erklären, bedarf es einiger Kniffe. Aber irgendwie klappte es und wir konnten KOTOR eingeben.

Wir verliessen Dubrovnik auf der Hauptstrasse Richtung Süden. Ausserhalb der Gemeindegrenzen gab es an der Strasse einen Scenic Point, von wo aus man einen wunderbaren Blick auf Dubrovnik hat. Wirklich eine schöne Stadt. Dann ging es weiter Richtung Montenegro. 98 km ist die heutige Etappe, Google sagt, dafür braucht man 1:40 h. So lange? Lächerlich… Aber die Strassen hier sind halt keine A12 zwischen Niederwangen und Flamatt. Die Strassen hier sind Lebensadern, hier drauf spielt sich innerorts so einiges ab. Und es hat viele viele Autos. Teilweise standen wir im Stau, und teilweise kam man vorwärts, aber das Ganze war recht anspruchsvoll. Man wusste nie, ob hinter dem parkierten Lieferwagen rechts nun nicht plötzlich ein Fussgänger rauskommt. Man konnte spekulieren, ob der Rollerfahrer, der einem in der unübersichtlichen Kurve überholt, es noch vor dem Gegenverkehr wieder auf die richtige Spur schafft. Und man sah zwar, dass nun ein 30er-Abschnitt wegen einer Baustelle kommt, aber der “Ende 30er-Abschnitt” kommt dann nie. Also eine Fahrt voller Konzentration. Ständig gewappnet, dass da noch was kommen könnte… Irgendwie fühlte ich mich in die frühen 2000er versetzt, vor dem PC sitzend und Moorhuhn spielend. Da kamen auch hinter den Bäumen plötzlich Moorhühner hervor, die man treffen durfte, zwischendurch war es aber ein Jäger, den man nicht treffen durfte, sonst gab es Punktabzug. Hier hatte ich aber nur Jäger. Und es hätte mehr als Punktabzug gegeben.

So fuhren wir denn in Richtung Südende Kroatiens. Einmal ist fertig Land, das gilt auch hier. Plötzlich standen wir vor einer grossen Zollanlage, mit Autoschlangen. Es ging aber zügig vorwärts. Ausreise Kroatien. Wir fuhren zum Zollhäuschen und wedelten mit unseren Pässen, und wir wurden durchgewunken. Geht ja rassig, hier. Dann etwa 3 km durch Niemandsland und wieder eine Zollanlage, diesmal für die Einreise Montenegros. Diesmal wollte der uniformierte Herr die Pässe sehen, es gab sogar einen Stempel rein. Proaktiv streckten wir auch den Fahrzeugausweis hin mit der grünen Versicherungskarte. Ich habe doch noch nie die grüne Karte benützt. Hier ist es aber zur Einreise notwendig. Wer keine hat, kann am Schalter eine temporäre Karte kaufen (wohl für einige €€€€€). Das Wetter hat nun ein bisschen umgeschlagen, es hat immer wieder ein bisschen geregnet. Aber die Scheibenwischer müssen ja auch mal benützt werden… Im Radio kriegten wir einen lokalen Sender rein, der lokale Lieder spielte, die es problemlos in den Concours Eurovision Song Contest geschafft hätten. Zumindest in den Achtelfinal.

Dann führte die Strasse ziemlich rasch ans Wasser, um die Bucht von Kotor, kurvig, auch sehr moorhuhnartig, aber durchaus fahrbar. Der Kontrast “Wasser”, “Berge” und “historische Städte” war wunderbar. Ein tolles Ambiente, welches uns hier willkommen hiess! Irgendwann kamen wir in Kotor an. Ich liess das Navi die Erklärungen runterleiern, denn ich habe mir den Plan der Stadt und die ungefähre Lage der Unterkunft eingeprägt. Vor der Stadt links abbiegen, dann mal rechts halten und vor der kleinen Brücke auf dem kleinen Parkplatz parkieren. Dies ist der Plan.

Ich hielt links, fand die kleine Brücke und den kleinen Parkplatz – der aber voll war. Plan B sah den weiter entfernteren Parkplatz vor, und ich versuchte zu wenden. Und plötzlich fuhr ein Auto vom Parkplatz und wir hatten einen wunderbaren Parkplatz für unseren Wagen… :-) Mit dem Gepäck ging es nun über die Brücke, durch die Stadtmauer in die historische Innenstadt von Kotor (UNESCO-Weltkulturerbe). Unsere Unterkunft D&Sons fanden wir auf Anhieb. Das gebuchte Appartement befand sich in einem Altstadthaus. Auf einem Schild informierte man die neuen Gäste, dass sie doch die entsprechende Telefonnummer wählen sollen, was wir gemacht haben. Wir sollen Appartement 1 nehmen, sagte uns der freundliche Herr am anderen Ende der Leitung. Wir richteten uns also ein und trafen ein wenig später auf eine Mitarbeiterin, welche uns alles erklärte. Zur Begrüssung waren im Kühlschrank eine grosse Mineralwasserflasche und ein Liter Apfelsaft für uns. Klein, aber fein! Ein bisschen düster, da hier halt Haus an Haus gebaut ist, aber wenn man sich zum Fenster rauslehnt und den Kopf bis zur Genickstarre dreht, dann sieht man sogar den Himmel :-) , wenn man nicht vorher zum Fenster rausgefallen ist…

Nachdem wir die Miete bar bezahlt haben (natürlich gegen Quittung…) gingen wir ins Städtchen. Nachdem wir schon von Dubrovnik begeistert waren, sind wir es auch von Kotor. Alles viel kleiner. Aber sehr heimelig und nett. Wir kehrten auf der Gartenterasse des Jazz Club Evergreen ein und tranken mit den ebenfalls eingekehrten lokalen Intelektuellen was (wir Cola, sie Bier…). Dank der grossen Sonnenschirme störte uns der nun einsetzende Regen überhaupt nicht. Nach rund einer Viertelstunde war der Regen durch und wir gingen weiter. Ein paar Kirchen, ein paar Herrschaftshäuser, ein paar Geschäfte, ein paar Lokale – wunderbares Ambiente!

Nach einem ersten Rundgang gingen wir wieder aufs Zimmer und ruhten uns ein Wenig aus. Seit meiner Abreise habe ich noch nie rasiert und nun wäre der Moment gekommen, einen lokalen Hairdresser aufzusuchen. Aber wo in dieser verwinkelten Stadt hat es einen Gwaför? Google half nicht weiter (Suchbegriffe Kotor, old town, barber), hier wurde immer wieder darauf verwiesen, dass es in Kotor eine Altstadt hat, in welcher es Barber-Shops gibt. Hier haben die Frisöre keine Homepage wie z.B. kurdische Syrer meines Vertrauens in Bern (oder ist es ein syrischer Kurde?), der sich zumindest eine Facebook-Seite leistet. Ich erinnerte mich jedoch an die Stärken der Sozialen Netzwerke und suchte auf der Fotoseite Flickr nach den Begriffen kotor barber und hatte eine kleine Bilderauswahl erhalten. Auf einem Bild waren sogar die GPS-Koordinaten in den EXIF-Daten versteckt und ich konnte den Salon lokalisieren. Ich kam mir wieder mal unglaublich schlau vor… :-)

Wir machten uns erneut auf den Weg und fanden keinen Gwafi. Dafür machten wir noch ein paar dutzend Meter in der Stadt und sahen wieder neue Winkel, tolle Plätze und schöne Räume… Und plötzlich standen wir vor dem Barber Shop, den ich suchte… Man kann über die Sozialen Netze denken was man will, manchmal sind sie eben doch brauchbar… Ich trat ein und wurde von der Coiffeuse gebeten, im ehrwürdigen Gestühl Platz zu nehmen. In diesem Salon sind gemäss Internet sehr viele Promis anzutreffen, und hier werden Informationen ausgetauscht. Ich war jedoch der einzige Promi in diesem Salon. Und da ich des montenegrinischen nicht mächtig war, konnte ich auch keine Informationen austauschen. Nun, die Montenegro Barber Shop-Experience war cool! Und es ist auch kein beklemmendes Gefühl, wenn dir jemand in Montenegro das Messer an den Hals setzt :-) Und sie machte einen tollen Job. Schloss die Rasur mit einem alkoholdurchtränkten Wasser ab, das brannte wie Sau. Und kühlte die Haut mit einer Nivea-Handcrème-Massage… (Soll mal einer sagen, ich habe kein Niveau).

Frisch rasiert war ich nun bereit, meine Gattin ein ein Feinschmeckerlokal auszuführen. Das Luna Rosso befand sich gegenüber des Evergreens und so bekamen wir zum feinen Nachtessen noch eine Jazz-Untermalung dazu. Anschliessend machten wir noch ein paar Schritte duch die Stadt und gingen dann zurück zu unserem Appartement. Wie gesagt ist dieses mitten in der Stadt, neben einem Lokal mit Live Musik. Und so schaukelten uns neue und alte Hits in den Schlaf.

 

 

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