Mittwoch, 25. April 2018: Unterwegs mit Signore Rueti bei Bueren

Kurzer Nachtrag zum Vortag: Gegen 22.30 Uhr sind unmittelbar vor unserem Camper drei italienische Mietcamper eingewiesen worden. Kurz darauf ist der Zirkus losgegangen: Riesen-Geschrei übermüdeter Kinder; drei Familienväter, die alle einander lautstark fachkundig beim finalen Installieren des Campers unterstützen wollten usw.. Aber wir waren ja im Ferienmodus, haben trotzdem Lärm rasch unseren Schlaf gefunden und sind heute morgen kurz vor 6.30 Uhr erwacht. Wir haben geduscht, Martin ist die Treppen in die Stadt hinauf gestiegen, um frisches Brot zu besorgen und ich habe unseren Bus für die Weiterreise vorbereitet und Frühstück gemacht. Kaum sassen wir beim Frühstück meldeten sich auch die italienischen Bimbi wieder lautstark zu Ohr. Der kleinste Junge war aber schon recht heiser aber er war immer noch der lauteste. Wir nahmen‘s gelassen. 

Beim Auschecken konnte die Tochter des Camping-Platzwarts dann die ID von Martin unter „Z come Zeller“ nicht finden. Ein kurzer Blick auf die gesammelten IDs und Pässe fördert zu Tage, dass Martin unter folgenden Namens-Angaben in die Gästekartei eingetragen worden ist: Name: Rueti bei Bueren Vorname: Bern BE Oh Sole Mio! Der 25. April ist in Italien ein Feiertag und zwar gedenkt man der Beendigung der Diktatur durch die Faschisten unter Mussolini. Es ist daher sehr ruhig im Städtchen und auf den Strassen. 

Auf der Reise passieren wir immer wieder Strassenstände, an denen rote Zwiebeln verkauft werden. Dieses sind eine Spezialität von Tropea. Die Zwiebeln schmecken nicht räss-herb, sondern eher süss. Wir haben diese am Vorabend zum Nachtessen genossen und sie sind echt lecker. Bei einem der Strassenstände halten wir an, um Erdbeeren zu kaufen. Wir kaufen auch zwei Schalen und bezahlen 48 Euro …! Gut, wir haben dann auch noch Orangen, Zitronen, Mandarinen (normal gross und mini), Brot, Käse, Trockenfleisch und Limoncello-Cream gekauft. Wir hätten aber auch noch Wein, Öl und verschiedene weitere Gemüse und Früchte kaufen können. Weiter geht die Reise. Auf der Autobahn kommen wir zügig voran, dies inkl. Kaffee- und Pinkelpause in einer Autogrill-Raststätte. Kurz vor 13.00 Uhr treffen wir im Camping-Village Pineta di Sibari ein. 

Auf dem grossen Campingplatz hat es mit uns vier Parteien plus noch einige Italiener, die auf dem Platz einen Bungalow haben und hier den Feiertag verbringen. Wir haben wieder Frontrow, diesmal zum ionischen Meer. Es steht ein absolutes Genuss-Programm an. Sünnele, lesen, Früchte Essen, Baden und das Nichtstun geniessen. Im früheren Abend kochen wir uns im Camper Busiate alla Trapanese. Dazu gibt es Tomatensalat und Knoblauchbrot. Noch einen kleinen Spaziergang auf dem Gelände, um die wilden Orchideen zu sehen, gibt’s noch einen Dessert-Kaffee vor dem Camper und dann schon bald „guet Nacht“.

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Dienstag, 24. April 2018: Giornata pigro a Tropea

Pigro wird übersetzt mit faul und träge. Der Engländer sagt aber „lazy“. Und genau einen solchen Tag hatten wir heute. Ausgeschlafen bis die Sonne das Gesicht gekitzelt hat und dann das Frühstück vorbereitet. Aber erst um 9:30 kam der Bäcker mit seinem Lieferwagen auf den Platz, damit wir frische Brötchen bei ihm kaufen konnten. Vor dem Frühstück haben wir noch geduscht. Die Dusche auf dem Campingplatz in Tropea ist einmalig: sie ist warm, in der Benützungszeit unbeschränkt und im Preis inbegriffen. Bisher kriegten wir einen Jeton, mit welchem man 4 Minuten warmes Wasser hatte. Oder man musste pro 90 Sekunden 50 Cents einwerfen…

Der Morgen floss dahin und wir verwendeten ihn mit Wäsche waschen. Im Camping-Ratgeber-Buch stand, dass „Rei in der Tube“ das absolute Camper-Waschmittel sei. Das hatten wir natürlich dabei… Kurz ein paar T-Shirts und Unterwäsche mit Rei gewaschen und aufgehängt. Anschliessend ein paar Seiten im Krimi gelesen, und dann an den Strand. Für diese Ferien haben wir einen „Beach-Shelter“ angeschafft, um am Strand am Schatten sitzen zu können. Dieser Shelter hatte heute bei uns Premiere. Die Hauptprobe hatte dieser beim Camping-Bus und nicht am Strand – das Öffnen dieses Wurfzeltes ist kein Problem, das zusammenlegen schon eher. Drum gab es zuerst eine Trockenübung.. Aber nun an den Strand.

Touristen hatte es nicht viele. Die Verkäufer von Tüchern und Handysticks waren klar in der Mehrzahl. Trotzdem konnten wir das Beach-Life geniessen – sei es mit Steine sammeln oder lesen. Auch ein Abstecher ins Wasser lag drin. 18 Grad „warm“ war das Wasser…

Den Tag schlossen wir in der Stadt Topea ab. Zuerst ein Aperitiv, wo die Beilagen schon fast zu einer Hauptmahlzeit reichen, dann in einem anderen Restaurant die Hauptspeise.

Als wir zum Campingplatz zurückkehrten stellten wir fest, dass dieser nun fast voll ist. Und man sieht auch wieder die Vielfalt der vielen Camping-Busse. Unser VW California ist der Kleinste. Der Grösste ist einer aus Deutschland, für welchen der Fahrer einen Lastwagen-Führerschein vorweisen muss… Nun, Geschmäcker sind verschieden.

Gute Nacht!

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Montag, 23. April 2018: Eine Lanze brechen für die Lavaggio a Mano

So haben wir uns das vorgestellt: Seafront Camping! Beim ersten Augenaufschlag des Tages sehen wir nichts anders als Meer. Wow, los geht‘s! Ich gönne mir ein frühmorgendliches Bad im Meer „vor dem Haus“. Was für ein Vergnügen, so in den Tag zu starten. Werde mich am nächsten Montag, wenn‘s für mich wieder zurück in den Büro-Alltag geht, sicher gerne daran zurück erinnern. Als ich aus dem Wasser steige, kommt mir mein frisch geduschter Lieblings-Mann entgegen und lässt mich wissen, dass er jetzt mit dem Bici ins Dorf (das ist Tonnarella) fährt und dort Brötchen fürs Frühstück kaufen geht. Als auch ich nach dem 1 Minuten 30 Sekunden Dusch-Slot für 50 Cents und zum Camper zurück kehre, fährt Martin mit Brot, Joghurt und 12 l Wasser auch gerade vor. Mittlerweile sind wir gut eingespielt und das Frühstück ist rasch zubereitet. Nach „einem bisschen Haushalt“ machen wir es uns nochmals draussen gemütlich und schreiben Tagebuch, plaudern mit unserem deutschen Campernachbarn und planen unsere Weiterreise. 

Kurz nach 13.00 Uhr setzen wir unsere Reise fort und zwar Richtung Messina Hafen. Erster Etappen-Ort heute ist die Autowaschanlage Delfini. Aber nein, Autowaschanlage ist nicht korrekt, denn hinter dem mit einem Bambusrohr-Zaun liegende Autopflege-Einrichtung arbeiten zwei Herren (Vater und Sohn?), deren Berufung es ist, Autos von Hand (Lavaggio a Mano) auf Vordermann zu bringen. Und zwar so, dass der Vorher/Nachher-Effekt eindrücklich erkennbar ist. Martin, der unser Auto unter Verweis auf die „Merde dei ucelli“ anmeldet*, kann nach rund 5 Minuten Wartezeit vorfahren. Die beiden Männer reinigen unser Auto professionell und mit viel Engagement. Kurz vor Fertigstellung des Werks kriegen wir noch einen Kaffee und dürfen uns von den Bäumen hinter der Anlage frische Orangen und Mandarinen pflücken, die wir begeistert geniessen. Ja, diese sapori della Sicilia sind nicht zu übertreffen (spizzicare) und die Menschen, die diese sapori mit ihren Insel-Gästen auf völlig authentische Art teilen können und wollen, verblüffen uns immer wieder aufs Neue. 

Die Nordküste von Sizilien gibt zwischen Milazzo und Messina nicht mehr viel her. Und auch Messina – grundsätzlich sicher ein Besuch Wert – vermag uns mit seinen Kirchen und Kathedrale nicht zu locken. Kurz vor 15.00 Uhr erreichen wir den Hafen, so dass es uns prima fein auf die 15.20 Uhr Fähre nach Villa St. Giovanni (Calabria) reicht. Das Einschiffen verläuft problemlos und wir verbringen den grössten Teil der rund 30-minütigen Überfahrt auf Deck. Nach der Ankunft setzen wir unsere Reise mit dem Tagesziel Tropea fort. Auf der Autostrada A3 kommen wir sehr zügig vorwärts. Die letzten 40 km gilt es auf Überlandstrassen zurückzulegen, was einmal mehr recht abenteuerlich aber gut verläuft. Wir sind aber trotzdem froh, in Tropea einzutreffen. Das Navi führt uns einwandfrei zum Campingplatz. Wir wissen, dass es zwei Campingplätze in nächster Nähe hat. Beim ersten fahren wir vorbei (der ist bereits geöffnet), beim zweiten – auf den wir eigentlich möchten – hat, wie könnte es anders sein, die 2018er-Saison noch nicht eingeläutet. Zurück zum Start und die Einbahnstrasse-Rundstrecke nochmals unter die Räder nehmen. 15 Minuten später stehen wir wieder vor dem Schild des geöffneten Campingplatzes und werden dort äusserst offensiv in Empfang genommen und subito zu den Stellplätzen gewunken. Ein so begeisterter Empfang bedeutet nur eines: Es hat in nächster Nähe zwei Campingplätze! Dies trifft auch hier zu. Denn nun stehen wir auf dem Ciccio Parking anstelle des Camping dell‘Isola. Der Ciccio liegt zwar nicht direkt am Meer dafür ist er angenehm schattig, verfügt über äusserst saubere Sanitäranlagen (Warmwasser-Duschen sind aktuell noch gratis) und wird vom „Campingplatz-Wart“ fast rund um die Uhr überwacht. Wir richten uns kurz ein und begeben uns dann ins Städtchen, das von unserem Campingplatz aus über eine Treppe in rund 7 Minuten erreicht ist. Hübsch ist es hier in Tropea. Klein aber fein. Wir gönnen uns einen Apérol und kommen in den Genuss einer reichhaltigen Stuzzichini-Palette. Und die ist so reichhaltig, dass wir anschliessend nur noch was kleines Leichtes (Fisch mit Gemüse und Salat) essen. Stägeli-Ab geht‘s zurück zum Campingplatz, wo der Platzwart uns Buonanotte wünscht. 

*Bei der Anmeldung zur Wagenreinigung wird Martin gefragt von wo wir kommen. „Siamo Svizzeri, da Berna“, antwortet er. Worauf der Junior-Capo Martin wissen lässt, dass seine Schwester in Lausanne lebt. Im gleichen Atemzug lässt er Martin wissen, dass er als Kind ein Puzzle mit 3000 Teilen von Berna gehabt habe und er Bern sehr schön findet. Martin lacht und erzählt dem Junior-Capo, dass ich ein Puzzle von Cefalù gehabt habe. Beide brechen in schallendes Gelächter aus.

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Sonntag, 22. April 2018: Neue Kirche in Tindari

Eine der ersten Handlungen des Tages war, die am Vortag bei der Reception bestellten Brote abzuholen – Frühstück gerettet und somit komplett. Start in den Sonntag somit geglückt.

Wir fuhren als Erstes nach Cefalù, wo wir hofften, unsere Velos unbeschädigt abholen zu können. Tatsächlich fanden wir die Velos so vor, wie wir sie am Vorabend abgestellt hatten. Unser heutiges Ziel war Milazzo, das Sprungbrett zu den Liparischen Inseln. Wir wählten heute die gemütliche Variante über die Hauptstrasse Strada Statale SS113. Die Strasse führt wunderschön dem Tyrrhenischen Meer entlang, teilweise ist man wirklich nur ein paar Meter vom Wasser entfernt. Seit Eröffnung der Autobahn Messina – Palermo ist der Verkehr auf der SS113 praktisch zusammengebrochen und man ist alleine unterwegs – speziell an Sonntagen. Kein Vergleich mit der Hektik in Palermo. Es sei denn, ein Punto fährt hinter dir und sein Fahrer wartet genau DIE unübersichtliche Stelle ab, um überholen zu können. Irgendwie geht es dann schon…

Erstes Etappenziel ist Tindari. Auf dem Hügel befinden sich die Ausgrabungsstätten der antiken Stadt Tyndaris, eine mehrfach zerstörte Siedlung, sowie die Wallfahrtskirche der Schwarzen Madonna. Wir parkieren unten und nehmen den Shuttlebus auf den Hügel. Einmal mehr verkehrstechnisch sehr gut gelöst. Wenn jeder mit dem Auto hochfahren würde, wäre das Verkehrschaos vorprogrammiert. Der Bus hält so an, dass man an verschiedenen Verkaufsständen vorbeigehen muss. Mandeln, Nüsse, Ceci („per vuoi Giggererbse“) und weitere Leckereien werden roh, geröstet oder gezuckert feil geboten. „No, lo prendo la discesa“ hat der Besucher vor mir die Kaufüberzeugungen abgewehrt. Schon wieder was auf Italienisch gelernt, wie man Verkäufern antworten kann…

Die Wallfahrtskirche von Tindari hat in ihrer Form nichts gemeinsam mit den Kirchen in Palermo und Cefalù. Sie ist zu sehr gradlinig und schnörkellos. Im Innern aber hat es ähnliche Mosaike wie wir sie in anderen Kirchen auf Sizilien gesehen haben. Auch wenn ich nicht der Sachverständige in Sachen Baustile bin, hat das Gemixe für mich irgendwie nicht gepasst. Eine Online-Wiki-Rechereche hat ergeben, dass diese alte Kirche wirklich „sehr neu“ ist: erst Ende 1950er-Jahre wurde die Kirche hier oben gebaut. Die Schwarze Madonna ist im Zentrum der Lobpreisungen in der Kirche. Highlight ist jeweils der 8.9., wo die Madonna die Probleme der Sizilanere bzw der Gläubigen löst. Und auf Mosaiken sieht man auch Szenen aus „heutiger“ Zeit, z.B. ein Mosaikbild des Papstes, welcher die Baupläne für die Kirche begutachtet… Für mich ein gelungener Mix zwischen alt und neu.

Die Ausgrabungen neben der Kirche sind nicht mehr sehr spannend, wenn man am Vortag in Segesta war, drum liessen wir die sein. Wir verliessen den Hügel und gingen Richtung Shuttle-Bus zum Parkplatz. Natürlich haben wir nun einige Mandeln und Nüsse gekauft. Die Giggererbsen haben wir gelassen wo sie waren.

Weiter gings nach Milazzo. Der Plan war, ein paar Tage in Milazzo zu bleiben und von hier aus Ausflüge nach Lipari und/oder Volcano zu machen. Die beiden Campingplätze auf der Halbinsel Milazzos lagen nah beieinander. Der eine war geschlossen, den anderen haben wir besichtigt und für für uns untauglich befunden. Schlecht unterhalten, alle Camper in einer Linie aufgereiht – nix für uns. So fuhren wir noch einmal durch Milazzo um zum nächsten Platz zu fahren. Wir waren 20 km unterwegs um festzustellen, dass dieser Platz noch gar nicht geöffnet ist bzw. seine Segel gestrichen hat. Was nun? In Tonnarella/Vigliatore hat es einen sog. Stellplatz. Hier kann man mit dem Camper hinfahren, es gibt Strom und Wasser, evt. noch eine Toilette und sonst nix. Nun gut, besser als gar nix, auch wenn die Referenzen auf Google und Tripadvisor nicht so toll waren.

Wir hatten aber einen 6er im Lotto mit diesem Platz. Ok, die Einrichtungen sind nicht so toll, und der Preis von 15 € auch eher am oberen Limit. Aber wir konnten unseren Camper am Ufer abstellen. Genau so habe ich mir Camping vorgesellt! Reihe 1, am Abend ein toller Sonnenuntergang im Gesicht und am Morgen beim Erwachen der erste Blick aufs Meer! Genau so!

Nachdem wir den Moment auf uns haben wirken lassen, gingen wir ins dorf ins Ristorante Risacca, wo wir wunderbar gegessen haben. Im Camper haben wir dann dem Meer zugehört und sind eingeschlafen…

 

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Samstag, 21. April 2018: Geschichtsstunde in Segesta

Wir brechen unsere Zelte am Lido von Valderice nach einem kurzen Darvida mit Gonfi Frühstück ab. Kurz noch an den Lido mit dem wohl kleinsten Kreisverkehr ever … und einen letzten Blick auf das hoch gelegene Èrice, das sich mehrseitig in seiner vollen Grösse zeigt, geworfen. Dann ziehen wir weiter. 

Den grössten Streckenteil der Fahrt nach Segesta legen wir auf der Autobahn zurück, die um diese Uhrzeit angenehm zu befahren ist. Nach rund einer Stunde Reise treffen wir bei der Zona Archeologica Segesta ein. Wir fahren direkt zum Eingang, wo es einen grossen Parkplatz hat, wo uns aber gesagt wird, dass wir etwa einen Kilometer zurückfahren und dort das Auto parkieren sollen. Von dort würde dann auch der Shuttle zu den Ausgrabungsstätten führen. Gesagt getan und natürlich fährt uns der Bus an die genau gleiche Stelle, zu der wir schon mit dem Auto gefahren sind. Ein Hinweisschild wäre allenfalls noch eine gute Idee, vielleicht …

Auf einem hohen Kalksteinfelsen seht der Tempelbau von Segesta auf einem Hochplateau, von dem aus der Blick weit übers Meer reicht. Umgeben von blühenden Gräsern und Blumen besitzt der Tempel eine wunderschöne Ausstrahlung. Es kann nach wie vor nicht erklärt werden wie die Elymer dazu kamen, einen so grob gearbeiteten, monumentalen Tempel hierher zu setzen. Wir können mit der Ungewissheit leben und geniessen die unendlich tiefe Ruhe, welche der Tempel, der 430 v. Chr. errichtet wurde, ausstrahlt. Zusammen mit Èrice gehörte Segesta zu den wichtigsten Zentren der „einheimischen“, elysischen Zivilisation Siziliens. Segesta war die blühendste Stadt. Sie erhob sich auf der Hochebene zwischen den Gipfeln des Monte Barbaro und bestand vermutlich bereits im 15. Jh. v. Chr. Die Bewohner bemühten sich um eine eigenständige Politik, nahmen aber viel von der griechischen Kultur an. Mit Selinunte lagen die Segestaner in ständigem Kampf. In unserem Reiseführer steht dazu folgendes geschrieben, das die kontinuierlichen Eroberungen durch Auswärtige sehr gut umschreibt: „Die Einwohner Segastas hielten es eben wie auch nach ihnen viele sizilianische Oppositionelle: Sie riefen Fremde herbei, wenn sie sich selbst nicht mehr helfen konnten, und bereiteten damit die Eroberungen durch die nächsten Auswärtigen vor.“. 

Das zweite Gebäude im griechischen Stil, das es anzusehen gibt, ist das antike Theater, das recht gut erhalten ist. Die Zuschauerbänke sind zum Teil in Fels gehauen. Wunderschön eindrücklich das Ganze. Wir kehren zurück zum Auto, wo wir uns in der Bar noch ein Panini und eine Cassatine Siciliana gönnen. Anschliessend setzen wir unsere Reise in Richtung Cefalù fort. „Schiffe vor Cefalù“ war die Bildlegende zu meinem ersten grossen Puzzle, das ich als Kind zusammengesetzt habe. Bin gespannt, ob ich mich heute noch in mein Puzzlebild hineinbegeben kann. Zuerst heisst es aber eine Übernachtungsgelegenheit zu finden. In Sanfilippo, auf einem sehr schön terrassenförmig angelegten Campingplatz werden wir fündig. Beim Check-In werden wir auch grad nach unserer Brotbestellung für den nächsten Morgen gefragt. Wir ordern Baguette und zwei Cornetti. Nachdem wir alles eingerichtet haben, fahren wir mit unseren Bicis in die Stadt. Das Städtchen ist atemberaubend schön. Trotz der touristischen Beanspruchung hat der Ort mit seinen engen, überfüllten Gassen seinen Charme nicht verloren. 

Sie liegt am Fusse einer imposanten Felswand aus Muschelkalk – der Rocca di Cefalù direkt am Meer – und besitzt einen schönen, weiten Sandstrand im Westen mit sauberem Wasser. Wir schlendern gemütlich durch die Gassen und und geniessen das emsige Treiben um uns. Die Zeit reicht noch für einen Dombesuch. Der Dom gilt als eines der grossartigsten Bauwerke der Normannenzeit (Roger II). Der Bau war zur damaligen Zeit ein so grosses Unterfangen, dass er mehrfach eingestellt werden musste, um bautechnische Lösungen für die aufgetretenen Probleme zu finden. Die mittlere Apside schützt die wunderschönen byzantinischen Mosaiken aus dem Jahr 1148. Die Halbkuppel dominiert wie im Dom von Palermo und Monreale ein Christus-Bild. Beim Restaurant Piratengruft kehren wir ein und kriegen in dem noch für wenige Minuten leeren Lokal einen Innen-Tisch am offenen Fenster mit Blick auf mein Puzzlebild (einige kleine Holzschiffe vor den Häusern der Altstadt an Land gezogen. In dem traumhaft schönen Ambiente geniessen wir ein cena molto delicioso mit Grillo-Wein. Phantastisch! Voller Glückseligkeit – ja es mag sein, dass Wein, Marsala (sizilianische Süssweinkopie des Portweins; Marsala liegt im Westen von Sizilien, was ich bis zu dieser Reise nicht gewusst habe) und der Amaro Siciliano des Hauses, auch noch das ihrige zu unserer Glückseligkeit beigetragen haben, gehen wir nochmals zum Dom, wo Davide Santacolomba ein Openair-Pianokonzert gibt. Die Stücke kommen Querbeet aus allen Musik-Genres (Imagine, La Lune von Debussy etc.). Ich will erst gar nicht versuchen, die Stimmung, die uns auf dem Domplatz eingenommen hat, zu beschreiben. Worte reichen da nicht mehr aus. Danke, danke, danke für diesen unvergesslich und ergreifend schönen Tag, den wir heute erleben durften. Wir lassen unsere Bicis stehen und fahren mit dem Taxi zurück zum Campingplatz. Ist sicherer so. Holen die Bicis morgen.

 

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Freitag, 20. April 2018: Sizilanisches Handwerk

Dumm schauten wir aus der Wäsche, dh. aus dem Pijama, als wir nach dem Aufstehen und dem WC-Gang wieder vor unserem Camper standen und merkten, dass das Auto schön verschlossen war, die Schlüssel aber IM Auto waren. Sizilianisches Handwerk half uns, in unser eigenes Auto einzubrechen und es zu öffnen. Über drei Stunden im Pijama auf einem Campingplatz rumzustehen ist nicht chillig. Und WIE der Capo-Meccanico des Campingplatzes das Auto geöffnet hat, bleibt hier aussen vor – sonst liefern wir noch die Anleitung, wie man bei einem Camper reinkommt…

So sind wir später als vorgesehen in Richtung Erice gefahren. Unterwegs vertraue ich immer dem Navi. Es schlug mir einen schnellen und einen lieblichen Weg nach Lido di Valderice vor. Natürlich wählte ich den lieblichen, entlang des Meeres. Und er war sowas von lieblich, und half, die Strapazen mit dem Capo-Meccanico vom Morgen abzubauen. Quasi ein Meter über Meer fuhren wir des Weges, bis sich die Asphaltstrasse in eine Naturstrasse verwandelte. Mit einem Allrader kein Problem, und die Strasse war trocken… Nach ein paar Kilometern auf der Naturstrasse, immer noch in vollem Bewusstsein, dass dies der richtige Weg sei, kam uns ein Auto entgegen. Nein, hier ist eine Sackgasse, da kann man nicht durch, die Strasse verwandelt sich in einen Fussweg, sagte uns der Fahrer. Also bei geeigneter Stelle wenden und in lieblicher Art und Weise zurückfahren…

Der Campingplatz in Lido di Valderice war ein **-Platz. Nix besonderes. Sie hatten noch Platz für uns und reservierten diesen, bevor wir uns wieder aus dem Staub machten. Nächstes Ziel war Trapani, die Talstation der Seilbahn nach Erice. Gemäss Website der Firma hat es bei der Talstation einen bewachten Parkplatz. Noch zwei mal ums Eck und wir sahen schon die Beschriftung „P Funivia Erice“. Beim professionellen Auftritt der Bahn kam mir das handgemalte Schild ein bisschen spanisch (?) vor und wir fuhren an diesem Platz vorbei. Der gute Riecher hat sich bewährt, der offizielle Parkplatz war 50m weiter. Ich wollte zur Barriere fahren, als mir jemand sagte, ich soll den Platz weiter hinten nehmen (Er stellte sich als „Giuseppe“ vor…). Dies wollte ich machen und fuhr am offiziellen Platz vorbei, bis mir dämmerte, dass der nette Herr mich vom offiziellen Platz weghaben will und auf einen nicht offziellen lenken will. Also nochmals um den Block zum  offiziellen Parkplatz fahren, Giuseppe hat mich wieder zu sich gewunken. Trotzdem bin ich auf den offiziellen Platz gefahren. Der Parkplatzwächter erklärte mir, dass dieser Betrug Masche sei… Auf dem Weg vom Camper zum Billettschalter der Bahn musste ich mir von Giuseppe verschiedenes anhören. Aber ich konnte kein italienisch mehr…

In 10 Minuten bringt einem die Bahn von 20 m auf 700 müM. nach Erice. Und quasi zentral vors westliche Stadttor Porta Trapani. Erice hatte bereits 600 vor Christus eine Stadtmauer und ist eigentlich genial gebaut: Man hat Sicht auf alle Seiten und ist weit oben. Die Gässchen in Erice sind sehr eng – wobei ein Auto immer noch Platz darin hat… Im ersten Laden, im Basar dei Miele, kauften wir verschiedene lokale Spezialitäten, zum Beispiel Busiate (Pasta aus Trapani), verschiedene Pestos, Oliven und Honig. Der nächste Stop war bei der Pastificeria Tulipani, wo wir auf der Terasse einen Latte con Mandorle tranken (ein Milch-Marzipan-Mixgetränk welches nicht in die Top-1000 meiner Lieblingsgetränke kommt…). Wir kommen mit dem Kellner ins Gespräch und im Geschäft kaufen wir noch ein bisschen Marzipan. „Wenn das so weitergeht, kaufen wir Erice noch leer.“ sage ich zur Chefin. Als ich ihr gezeigt habe, was wir schon gekauft hatten, erklärte sie mir, dass ich im vorherigen Geschäft massiv zu viel bezahlt habe… Nun gut. Beim nächsten Besuch in Erice weiss ich es.

Wir spazieren durch Erice und geniessen dieses tolle Städtchen, geniessen die Aussicht auf Trapani und aufs sizilianische Hinterland. Es wird langsam Abend und wir essen im Caffe Maria Erice auf der Terasse eine Kleinigkeit.

Irgendwann fahren wir talwärts, und finden das Auto immer noch am gleichen Ort vor. Giuseppe hat uns sein lassen… Auf der kurvenreichen Strasse ging es auf den Campingplatz in Lido di Valderice.

 

 

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Donnerstag, 19. April 2018: Im Paradies – jetzt aber wirklich!

Diese Nacht konnten wir durchschlafen und erwachen ausgeruht und fit. Auch heute ist Martin meine persönliche Saftpresse und bereitet für uns herrlich frischen Orangensaft zu. Wir frühstücken ausgiebig – der Sonne sei Dank – draussen vor dem Camper. Danach bereiten wir uns für unseren Ausflug in den Naturpark von Zingaro, einer einzigartig unberührten Landschaft, vor. 

Hier wollen wir eine Wanderung machen. Vom Campingplatz aus fahren wir zuerst ins Städtchen von San Vito lo Capo, um dort etwas Proviant zu kaufen. Die erste Bäckerei, die wir ansteuern ist geschlossen. Es ist sehr ruhig hier und viele Lokale und Geschäfte haben noch Winterpause. Gerade als wir wieder in den Camper steigen wollen, spricht uns ein Kellner des Restaurant Delfino an, vor dem wir unseren Wagen abgestellt haben. „Panini könnt ihr auch von uns haben!“ Und schon hält er uns die Speisekarte – aufgeschlagen auf der Seite der Panini und Antipasti – unter die Nase. Wir entscheiden uns für ein Thon-Panini und eine Arancino „Bomba“ mit Spinat und Mozarella. Die Speisen werden frisch für uns zubereitet. So bleibt uns Zeit für einen Schwatz mit den Kellnern, bei dem wir einiges über den Tourismus und seine Auswirkungen auf das lokale Gastgewerbe erfahren. Wir wissen nun auch, dass es im Tyrrhenischen Meer keine Delphine gibt. Martins entsprechende Frage beantwortet der Kellner ohne Worte dafür aber mit imposantem Augenverdrehen und einem Zzzz-Geräusch der Lippen. Kurze Zeit später bringt der zweite Kellner unser Picknick inkl. Getränken. Wir verstauen alles im Auto und Martin erhält mit der Info an die Kellner „Facciamo ancora due passi.“ das OK, dass wir unsere Auto noch kurz vor dem Lokal stehen lassen können. Kurzer Blick auf den schönen Sandstrand inkl. Leuchtturm in weiss. 

Danach setzen wir unsere Reise fort und kommen nach einer spektakulären Fahrt entlang der Küste beim Naturpark an. Ende der 1970er Jahre sollte der Küstenabschnitt, der heute Naturpark ist, parzelliert und an Privatleute und Firmen vergeben werden. Es bildete sich aber schnell eine Bürgerbewegung, die 1980 glücklicherweise durchsetzte, dass man das gesamte Gebiet zum Naturschutzpark erklärte. Bis dahin waren allerdings schon grosse Eingriffe vorgenommen worden, vor allem die landwirtschaftliche Nutzung hatte eine Entwaldung zur Folge. Der Regen der vergangenen Tage hat die Natur in allen Farben erblühen lassen. 

Das Farbpotpourri ist riesig. Subito Auto parkieren, Eintritt lösen für 5 Euro pro Person und ab geht‘s ins Vergnügen. Oder eben ins Paradies. Wir beginnen unsere Wanderung am Torre dell‘Uzzo. Die Wanderung gestaltet sich sehr abwechslungsreich. Es geht an kleinen Badebuchten vorbei, kleine Museen können besucht werden – à la Ballenberg, wo erklärt wird, wie die Bauersleute früher gearbeitet und gelebt haben (Teigwarenherstellung – Busiate a la Trapanese mit Zutaten, welche man immer hatte, d.h. Tomaten, Auberginen, Mandeln, Öl, Knoblauch und Brotbrösmeli. Dabei wurde der Teig um die getrockneten Halme langer Gräser gewickelt.). Die Grotta dell‘Uzzo besichtigen wir und wir erfreuen uns ob der Pflanzenvielfalt (wilde Schwertlilien, Ringelblumen, Orchideen, Margheritten, Katzenaugen, Zwergpalmen, Feigenkakteen, Myrte, Ginster, riesige Rosmarin-Stauden und viele mehr). Und wie das duftet! Unbeschreiblich paradiesisch. Bienen und Hummeln sausen umher – ein konstantes Summen umgibt uns und überall hat es hübsche grün-braune Eidechsen, die flink den Weg mit uns teilen. Troumhaft schön isch es! 

Wir legen einen ersten Picknick-Halt ein und geniessen die Arancino-Bombe, die uns in dieser herrlichen Umgebung gleich doppelt so gut schmeckt wie sie eh schmecken würde. Auf dem Rückweg legen wir an der Cala dell‘Uzzo einen Badehalt ein. „Ah, elle est bonne“, wie der Franzose sagen würde. Wunderbar klares Wasser mit Fischen, die sehr an unseren Beinen interessiert sind. Jedenfalls scheinen sie an uns gerade so interessiert zu sein wie wir an ihnen. Der Schwumm im etwa 18 Grad Celsius warmen Meer erfrischt. Genussvoll-gemütlich kehren wir zum Ausgangspunkt unserer Wanderung zurück. Bei der Rückfahrt nach San Vito lo Capo legen wir einen Fotostopp beim Leuchtturm ein. Das Leuchtturm-Areal ist militärisches Sperrgebiet und der Zaun darf nicht überquert werden. Ausser durch den Sohn des Leuchtturm-Wärters, der sich munter via einer Art Sicherungskasten auf das Geländer der Absperrung und von dort auf die andere Seite runter springt. 

Im Städtchen hat das Lokal, das wir uns für das Abendessen ausgesucht haben, noch geschlossen. So kehren wir zur grossen Freude der beiden Kellner, die wir beim Delfino-Restaurant schon am Morgen getroffen haben, wieder dorthin zurück. Wir bestellen einen Aperol Spritz und wählen zum Essen Busiate a la Trapanese und einen frischen Fisch von der Catch of the day Platte aus. Dass der Fisch wirklich frisch ist, können wir selbst erfahren, in dem der Kellner sich und uns die Platte mit den drei Fischen direkt an die Nase hält. Kein Fisch-Mief, nur frischer Fisch. Der Fisch wird für uns mit Kartoffeln zubereitet an den Tisch gebracht und sachverständig filetiert. Den Teller mit dem ganzen Fisch und einem Teil der Kartoffeln stellt der Kellner vor Martin hin. Ich kriege einen leeren Teller. Martin hat mir ein paar Happen abgegeben … Eine Flasche Nero d’Avola ergänzt das leckere Mal auf ideale Weise. Zum Abschluss noch ein Espresso – für ein Dessert ist kein Platz mehr. Rückfahrt zum Campingplatz und kaum haben wir die Köpfe aufs Kissen gelegt, tragen uns die Bilder dieses wunderschönen Tages in den Schlaf. 

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Mittwoch, 18. April 2018: Ab nach El Bahira

Heute bin ich dran 🙂

Verschiedentlich wurde ich gefragt, ob ich im Camper gut schlafe.

Meine Antwort:
Möven ab 4:00 Uhr
Krähen ab 5:30 Uhr
Hunde ab 6:00 Uhr
Und wenn ich ein Rauschen ihm Ohr habe, bin ich mir nicht sicher ob es das Meer ist oder der Tinnitus 🙂

Diese Nacht kam noch der Diesel des Nachbars um 3:00 Uhr dazu. Aber im Grundsatz: Wenn ich schlafe, schlafe ich gut. Auf dem Dach hat es ein Bett 1.2 x 1.9m, ein Lättlirost mit Matratze. Wir haben ein Fixleintuch drüber und unsere Duvets von zu Hause mitgenommen und im IKEA zwei kleine Kissen gekauft. Also ganz ok.

Zum Frühstück gab es heute frisch gepressten Orangensaft aus einheimischen Früchten, dazu Baguette von der lokalen Bäckerei und Gonfi aus Bern mit in die Schweiz importieren Früchten.

Heute brachen wir die Zelte in Isola delle Femmine ab. Also nur philosophisch gesprochen, da wir ja kein Zelt haben sondern einen Camper… Erste Station war Monreale mit dem UNESCO-Welterbe Kloster. Die Anfahrt war anspruchsvoll: zuerst auf die Autobahn, was noch ok war, dann über eine Hauptstrasse durch ein Wohnquartier. Das war irgendwie noch speziell: Fussgänger, die unvermittelt auftauchen, Autos die in der zweiten Reihe parkieren und einem zur Hälfte auf die Gegenfahrbahn zwingen – wie früher das Moorhuhnschiessen: Man weiss nie, was als nächstes kommt und ob man gewinnt oder verliert.

Wir gewannen. Also kamen fehlerfrei in Monreale an. Die GPS-Koordinaten, welche wir an der Reception unseres Campings erhalten hatten, führten uns zum Parkplatz direkt unter dem Kloster. Vom grimmig dreinblickenden Parkchef bekamen wir ein Ticket und einen Platz zugewiesen. Obschon 10:40 Uhr war, waren noch nicht viele Fahrzeuge auf dem Parkplatz.

Wir stiegen zum Kloster hoch, vorbei an Händlern, welche Tücher und Holzpinocchios verkauften. Nach ein paar Metern kamen wir zum Platz mit der Kathedrale und dem Kloster. Wir gingen zum Kloster und konnten für 6€ den Kreuzgang besuchen. Die Struktur der Säulen war einmal mehr atemberraubend: wie diese filigran gestaltet sind vermag alle zu begeistern! Ob es auch die vielen Schüler begeistert hatte, die diesen Pflichtbesuch in Monreale absolvieren mussten, wissen wir aber nicht. Aber all die arabischen Einflüsse in die Baustile sind sehr eindrücklich!

Der Besuch der Kathedrale war kostenlos. Unverständlich bei diesem Reichtum an Mosaiken, den es hier zu sehen gibt: Die Kathedrale ist sowas von goldverziert und wunderschön… Zurecht UNESCO-Welterbe!

Nach dem Besuch schlendern wir noch ein Bisschen durch die engen Gässchen des Städtchen und staunen, dass es IMMER einen Weg gibt, um mit dem Auto noch durch die Gassen zu fahren. Wir kaufen bei einem Strassenhändler noch ein bisschen Früchte und Gemüse und gehen wieder zum Parkplatz. Bei der zentralen Lage des Parkplatzes rechne ich mit Parkkosten von etwa 20 €. Aber nein, wir müssen nur 2 € abdrücken, was wohl auch die schlechte Laune des Parkchefs erklärt 🙂

Wir fahren über Land und schmunzeln über die Schilder „Schneekette an Bord obligatorisch“. Schnee in Sizilien? Auf 500 m.ü.M chettele? Hmm, offenbar schon. Aber das ist doch die Sonneninsel? Nun, sie wissen was sie tun…

Unser heutiges Ziel, den Campingplatz El Bahira ausserhalb von San Vito Lo Capo erreichen wir gegen 15:30 Uhr. Das Wetter ist nicht so toll, es tröpfelt und die Wolken sind dunkel…

Wir haben uns für Platz 25 im weitläufigen Camping entschieden. Zwischen einem holländischen Wohnwagen und einem deutschen Camper. Gegenüber einem Berner und einem Zuger…

Morgen wollen wir den Naturpark Zingaro besuchen.

 

Gefahrene Kilometer 114/660

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Dienstag, 17. April 2018: Una giornata a la palermitana

Kurz vor 6.30 Uhr macht Martin Tagwacht. Raus aus den Federn und erstmals unter die Camping-Dusche. Das kann ja was werden. Wir haben einen roten, etwas 2 cm breiten Plastic-Streifen erhalten, auf dem unser Dusch-Guthaben geladen sein soll. Der Streifen erinnert mich aber eher an die Chäpsli-Pistolen-Chlepf-Streifen, die wir als Kinder in den Sommerferien von Grosi zum Spielen erhielten. Das Duschprozedere ist einfach. Plastik-Streifen bei der zentralen Duschverwaltungs-Station in einen Schlitz einführen, die Nummer der Duschkabine eingeben, die man vorher für sich ausgewählt hat und anschliessend den roten Knopf betätigen. Zehn Sekunden später strömt angenehm warmes Wasser in die äusserst sauberen Duschkabinen. Man kann den Wasserfluss in der Kabine per Knopfdruck für maximal 60 Sekunden unterbrechen. Nach vier Minuten Wasserlauf-Dauer gilt das Duschvergnügen als beendet. Das warme Wasser macht die morgendliche Dusche zu einem echten Vergnügen. Zurück in unserem Cali hat sich Martin bereits daran gemacht, Orangen auszupressen. Frische Brötchen hat der Gute auch bereits geholt. Was für ein toller Start in den Tag!

Gegen 20 Minuten nach 8 Uhr verlassen wir den Campground und machen uns auf den Weg zur Abfahrtsstelle des Trenitalia-Ersatzbusses in Richtung Palermo. Mit der Anreise klappt es einwandfrei. Bei der Station „Imperatoren Federico“ steigen wir um. Keine zehn Minuten später sitzen wir bereits im Zug in die Innenstadt von Palermo. Steigt man an der Station „Palazzo Reale-Orleans“ aus, befindet man sich direkt vis-à-vis des Normannenpalasts, in dem heute die Regionalregierung residiert. Der Palast geht auf das 11. Jahrhundert zurück und wurde im 16. Jahrhundert umgebaut. Auf der ersten Etage des Palasts befindet sich die Palatina-Kapelle. Diese repräsentiert wie nur wenige andere Bauten Siziliens noch fast ursprünglich den normannischen Stil aus der Zeit Roger II. Im Mittelpunkt der dreischiffig Basilika steht der Marmorthron Rogers; an Wänden und Decken erzählen wunderbar farbige Mosaike die Legenden von Heiligen und Königen und darüber wölben sich sich die Kirchendecken, geschmückt mit muqqarnas, in der islamischen Baukunst aus Gips gearbeitete Stalaktiten. Wir sind ob dem prachtvollen Gesamteindruck grad ein wenig hin und weg.

Wieder draussen auf der grossen Durchfahrtstrasse hat man – Palatina-Kapellen-verzückt – das Gefühl, ob all der vorbei rasenden Fahrzeuge keine Luft zu kriegen. Wohltuend ist jedoch, dass wir – kurz nachdem wir die Porta Nuova passiert haben -, in der weitgehend verkehrsfreien Via Vittorio Emanuele landen. Hier ist es wieder angenehm ruhig. Vorbei am parkähnlichen Garten der Villa Bonanno geht es zur Kathedrale, die wir nur von aussen auf uns wirken lassen. Durch enge Gassen führt unser Weg zum Capo-Markt, auf dem weitgehend Früchte, Gemüse, Fleisch und Fisch feilgeboten werden. Wir lassen uns treiben und gönnen uns im Restaurant-Aussenbereich des Massimo-Theaters ein erfrischendes Getränk und Tramezzinis. So gestärkt schlendern wir durch die ebenfalls verkehrsberuhigte Via Maqueda, wo‘s dann noch einen Americano und ein Canolo zum Dessert gibt. Beim Geniessen des Desserts taucht ein Akkordeon-Spieler auf und bringt den Restaurant-Gästen ein Ständchen. Martin rückt einen Batzen hervor und zu unserem Vergnügen beginnt der Akkordeonist die allseits bekannte Melodie aus dem Film „Der Pate“ (passend für Palermo!) zu spielen. Dieses Stück wurde uns das letzte Mal live geboten als wir in Las Vegas im Venetian-Hotel mit der Gondel fuhren.

Kurze Zeit später sind wir bei den Quattro Canti (vier Ecken), die durch die Kreuzung der Via Maqueda und der Via Vittorio Emanuele gebildet werden. In jeder der vier Ecken steht eine Skulptur. Die Statuen symbolisieren die Jahresezeiten und stellen die spanischen Herrscher und die Schutzheiligen der Stadt dar. An diesem symbolträchtigen Zentrum und um die benachbarte Piazza Pretoria und Piazza Bellini stehen zahlreiche Kirchen. So unter anderem die Kirche San Cataldo. Ganz schlicht gehalten im normannischen Stil und mit arabischem Einfluss (drei Kuppeln über der Mittelhalle) zeigt diese Kirche sich im Innern dreischiffig mit korinthischen Säulen, die die wuchtigen Gewölbe aus blankem Naturstein und die Kuppeln tragen. Heute gehört die Kirche zum Orden der Ritter von Jerusalem, deren typisches Kreuz mehrfach zu sehen ist.

Wir kehren nochmals zum Pretoriaplatz zurück, der jetzt wieder komplett „entvölkert“ ist, nachdem 20 Minuten vorher etwa drei Schulklassen auf dem grossen Brunnenareal (bestehend aus rund 644 marmornen Einzelteilen) herumgeturnt sind. Entlang der Via Roma ziehen wir weiter in Richtung Vucciria-Markt, der aber um diese Uhrzeit schon fast „aufgeräumt“ ist. Einzig ein Fischstand und ein Verpflegungsstand „Pane e Meusa“ (Brot und Milz, Spezialität in Palermo) sind noch in „Betriebszustand“. Wir sind mitten im Dickicht des alten Palermo mit schmalen Gassen, den belebten Hinterhöfen, über den Köpfen hängt Wäsche zum Trocknen auf, Märkte und Trubel zeugen von einer multikulturellen Gesellschaft. In der Via Alessandro Paternostro stossen wir auf ein Lädchen mit dem Namen Tutui Bottega. Wir gehen zuerst daran vorüber, doch im letzten Augenwinkel faszinieren mich die Farben verschiedener ausgestellter Gegenstände. Wir kehren um und betreten den Laden, in dem eine Frau auch gleich ihr Schmuckatelier eingerichtet hat. Beim Bestaunen der vielen schönen Dinge stosse ich auf eine einzigartig schöne, in Materialmix gefertigte Stofftasche. Innert weniger Sekunden weiss ich, dass dies meine neue Tasche wird, die mir un buon ricordo di Palermo sein wird. Martin probiert einen sizilianischen Coppola-Tschäbber an, der ihm ausgezeichnet steht. Eine schöne Kette ergänzt das Shopping-Portfolio. Die junge Frau im Laden freut sich ob unserer Freude über die schönen Sachen und es ergibt sich ein unvergesslich persönlicher und freudvoller Austausch. Die Frau lässt uns wissen, dass sie den Sommer hindurch jeweils auf der Insel Favignana lebt und arbeitet. Die Insel müssten wir unbedingt einmal besuchen. Ein neuer Grund, ein viertes Mal nach Sizilien zurück zu kehren. Vorbei an der Piazza Marina mit der etwas herunter gekommenen Parkanlage mit alten Drachenbäumen haben wir bereits das Nordende der Stadt erreicht.

Glückselig kommen wir bei der Porto Felice an … Auch heute gibt‘s ein Gelato – in der Antica Gelateria Ilardo (Giovanni fu Filippo) beim Foro Italico. Von den Strapazen des Tages leicht ermattet 🙂 nehmen wir die letzte Etappe zur Stazione Centrale unter die Füsse. In einem Drogerie-Markt tätigen wir noch einige Einkäufe bevor wir den 16.35 Uhr Zug zurück nach Imperatore Federico und den Anschluss-Bus zurück nach Isola delle Femmine nehmen.

Auf dem Rückweg zum Campingplatz wollten wir eigentlich nochmals Fragoline del Bosco kaufen aber unser Früchte- und Gemüsehändler hat heute Abend „Chiuso mancanza di energia“. Der sollte mehr Früchte und Gemüse essen, der Herr! Wir sind schon ein wenig groggy und beschliessen darum, auch heute Abend in der kleinen Trattoria auf dem Campingplatz essen zu gehen. Zurück in unserem Bus lassen wir den Tag gemütlich ausklingen.

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Gefahrene Kilometer 0/546

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Montag, 16. April 2018: Im Paradies

Wir haben eine kurze aber recht erholsame erste Nacht in unserem Camper-Logis verbracht. Heute wird wieder ein Schönwetter-Programm gegeben. Runter aus der Schlaf-Etage in die „Küche“. Martin holt im kleinen Mercato, der sich auf dem Camping-Platz befindet frisches Brot und Joghurt. Der Kaffee ist auch schon bereit. Gesellt sich noch die selbstgemachte Himbeer-Gonfi dazu, die wir mitgebracht haben, ergibt dies ein überaus leckeres Frühstück.

Um 9:30 Uhr begibt sich Martin ins Office und wir checken ordentlich ein und beziehen unseren festen Platz an der „Via Palermo 37“. Wir haben entschieden, den heutigen Tag hier in Isola della Femmine zu verbringen. Nachdem wir uns final in „unserem mobilen Reise-Domizil“ eingerichtet haben, begeben wir uns ins Städtchen. Beim ersten Geschäft, einer kleinen Gemüse- und Früchtehandlung, stehen Körbe mit Orangen vor dem Eingang. Wir kaufen ein Kilo und erfahren vom Verkäufer, dass die Früchte aus Monreale kommen, einem nahegelegenen Städtchen. Dazu erstehen wir uns noch Zitronen, Knoblauch (wir nehmen den sizilianischen nicht den spanischen 🙂 ), Cherry-Tomaten, die so süss schmecken, dass man meinen könnte sie hätten eine Zuckerwasser-Injektion erhalten, Rüebli und Fragoline del bosco – oh, die sind ein Traum. Der Verkäufer empfiehlt uns, die kleinen Erdbeeren in einer Art Marinade bestehend aus dem Saft von zwei Zitronen, zwei Organgen und etwas Zucker zu servieren. Beim Verlassen des Geschäfts legt er uns noch zwei zusätzliche Organgen in die Tasche … für die Fragoline-Marinade. Sympatico.

Wir schlendern weiter durchs Städtchen mit seinen engen Gassen, durch die wir am Vorabend teilweise mit Ach und Krach mit dem Camper unseren Weg Richtung Camping-Platz gebahnt haben. Bei einer Paneteria kaufen wir uns zwei Paninis mit unterschiedlicher Füllung und zwei Salzgebäcke mit Spinat bzw. Auberginen. In der Apotheke (somehow the place to be in this village) kaufen wir noch eine Lippenpflege für Martin bevor wir zum Camping zurück kehren. Kurz nach 12 Uhr gibt‘s ein äusserst leckeres Mittagsmal. Die Panini schmecken ausgezeichnet. Dazu gönnen wir uns die schmackhaften Rüebli und frisch gepressten Zitronensaft, den wir mit Wasser vermischen. Traumhaft.

So paradisisch traumhaft wie unser Camping-Platz in einer Art Olivenbaumgarten in blühenden Wiesen. Die Geräuschkulisse bildet das Meer, das etwa 100 Meter entfernt ist und die unzähligen Vogelarten, die den Garten beleben. Nebst Amseln, Spatzen, Tauben, Möwen gibt es auch Wiedenhopfe. Die Sonne scheint, der Wind weht leicht. Herz was will man mehr? Ein Gelato! Ja gut, nichts einfacher als das. Wir nehmen unsere Bicis vom Anhänger und fahren auf die Strandpromenade. Ein Espresso, ein erstes Fussbad im Meer und dann, ja und dann ein erstes Gelato (Café/Biscotti im Brioche für Martin und Café/Amarena Croquante im Brioche für mich). Delicioso.

Zurück beim Camper verbringen wir einen genussvoll-erholsamen Nachmittag. Vom Abendessen-Kochen sehen wir heute ab und gehen in die kleine Trattoria auf dem Campingplatz was essen. Um 19.30 Uhr gibt die Camping-Platz-Verwalterin Informationen zu Palermo. Können bei dieser Info dann auch gleich Bus-Tickets für den morgigen Palermo-Trip erstehen. Im Städtchen gibt es zwar einen Bahnhof aber die Bahnstrecke ist aktuell wegen Bauarbeiten nicht in Betrieb. Die Reise führt daher zuerst mit dem Bus von Isola delle Femmine zur Metro-Station „Imperatoren Federico“ und von dort mit dem Metro-Trenitalia-Zug nach Palazzo Reale-Orleans. Super, das wird klappen. Wir freuen uns auf unseren morgigen Palermo-Ausflug. Zähneputzen, Gesicht waschen und schon steigen wir in unsere Schlafkoje. Müde schweift der Blick in die Olivenbaum-Wipfel … schlaft guet, glichfaus … und wir sind im Reich der Träume.

Gefahrene Kilometer 0/546

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Sonntag, 15. April 2018: Auf hoher See

Das leichte Vibrieren und Schaukeln der Fähre lässt uns herrlich schlafen. Beide erwachen wir kurz nach 7 Uhr. Kurzer Blick nach draussen … es hat noch genug Wasser für unser Schiff … umdrehen und genussvoll ausschlafen. Gegen 11 Uhr stehen wir auf und begeben uns auf eines der Decks mit Verpflegungsmöglichkeiten. Auf Deck 9 frühstücken wir. Es gibt einen frisch gepressten Orangensaft, Cappuccino und Piadina mit Käse und Schinken. Das süsse Gebäck lassen wir aus. Es ist recht dunstig, so dass der Frühstück-Verdauungsspaziergang auf Deck 10 recht wenig hergibt. Da die Geschäfte auch auf hoher See um 12 Uhr für drei Stunden schliessen, kehren wir in unsere Kabine zurück und geniessen hier die Ruhe und das dolce far‘ niente. Wir lesen, bereiten uns auf die nächsten Reiseziele vor und lassen‘s uns gut gehen. Es ist ein entspannter Start in die Ferien, wenn man zwar unterwegs ist aber selbst einen Tag lang nichts besichtigen, erkunden kann.

Gemäss aktueller Planung sollte unsere Fähre um 21.35 Uhr in Palermo ankommen. Bis wir das Parkdeck B verlassen können, wird es sicher eine halbe Stunde dauern. Das bedeutet, dass wir schauen müssen, wie wir heute Abend unseren Camping-Stellplatz kriegen, den wir reserviert haben und der rund 20 km ausserhalb von Palermo liegt.
We‘ll see. Das kommt schon gut.
Wir lassen die Seele baumeln. Am Abend macht sich ein Hüngerchen bemerkbar und zufällig befinden wir uns um 19:00 auf Deck 7 vor einem Selbstbedienungsrestaurant, welches grad seine Türen öffnet. Wir geniessen die Mahlzeit an Bord, welche aus Salat, kaltem Gemüse, lauwarmer Pasta und kaltem Poulet besteht. Das Gastroangebot auf diesem Schiff hat durchaus noch Raum gegen oben. Nach dem Essen gehen wir wieder auf die Kabine. Draussen ist es mittlerweile dunkel geworden und Blitze zucken durch die Nacht. Wir fahren tatsächlich durch ein massives Gewitter – hallo Sizilien, Sonneninsel? Um 20:30 räumen wir unsere Kabine, welche bei diesem Trubel auf dem Schiff ein guter Rückzugsort für uns war. Wir begeben uns auf Deck 9, wo wir warten müssen, bis wir aufgerufen werden. Etwa um 21:30 kommen wir tatsächlich in Palermo an. Der Gewitterregen peitscht an unser Schiff, an einzelnen Stellen läuft Wasser hinein, was aber niemanden beunruhigt.
Während der Überfahrt kommt ca alle 5 Minuten eine Durchsage unterschiedlichen Inhalts („Annuncio di servizio“), aber jetzt, wo wir gerne wissen möchten, wann wir ab der Fähre fahren können, ist Funkstille. Da, endlich: Die Fussgänger, also die die ohne Auto auf dem Schiff waren, dürfen nun vom Schiff.
20 Minuten später die von Deck D („D come Domodossola“). Weitere lange Minuten später ist dann C wie Como dran. Noch fehlen B wie Bologna und A wie Ancona. Um viertel vor elf, also über eine Stunde nach Ankunft, war dann Bologna dran.
Unser Camper stand so, wie wir ihn in Genova parkiert haben, nämlich als einziges Auto verkehrt zur Ausfahrrichtung – wir wurden so eingewiesen. So mussten wir zuerst unser Auto im engen Schiff wenden, bevor wir ausfahren konnten. Dass wir so den ganzen Verkehr von Deck B blockierten, versteht sich von selbst… Irgenwie und irgendwann schafften wir es wegzufahren.
Der Regen war nun nicht mehr so stark wie vor einer Stunde. Aber es muss in Palermo massiv runtergelassen haben, denn verschiedentlich fuhren wir durch Seen auf der Strasse. Lustig anzusehen waren die Vespafahrer, denen das Wasser auf der Strasse über das Bodenbrett reichte – no Chance für trockene Füsse… 🙂
Was hätten wir vor 10 Jahren ohne Navi gemacht? Palermo, 23 Uhr, schlechte Sicht, Strassen unter Wasser… Heute geht das recht einfach – immer den Instruktionen auf dem Bildschirm folgen. Die Umsetzung in die Praxis bei komplexen Kreisvortritten ist dann noch eine andere Sache…
Dank Navi kamen wir gegen halb 12 in Isola delle Femmine an. Nach einer Einbahnstrassenrundfahrt quer durchs Städtchen fanden wir den Campingplatz „La Playa“. Die Besitzerin dachte mit: sie sah, dass die Fähre mit Verspätung eintraf und liess ihre Reception noch offen. Wir durften auf einen provisorischen Stellplatz fahren und dort die erste Nacht verbringen. Den richtigen Platz dürfen wir uns dann morgen aussuchen.
Der Regen hatte fast aufgehört und  beinahe trockenen Fusses konnten wir den Strom anschliessen und das Dach des Camper heben. Nun kam der schwierigste Teil der ganze Reise: in die Schlafkoje kraxeln… Aber wer mal „Salto mortale“ geschaut hat kennt die Tricks der Artisten… 🙂
Sofort einschlafen war nach dieser Anreise nicht möglich. Aber irgendwann sind die Augen zugefallen…
Gefahrene Kilometer: 22/546
 

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Samstag, 14. April 2018: Ciao a tutti – möge die Reise beginnen!


Um die
 7 Uhr herum wachen wir auf und starten sogleich in den Tag. Es gilt die letzten Reisevorbereitungen in der Wohnung, auf dem Balkon und im Camper zu treffen. Als wir alles einigermassen auf der Reihe haben, frühstücken wir. Kurz nach 11 Uhr verlassen wir im Camper die Fabrikstrasse. Los geht‘s! Noch kurz das YB-Abo bei Knischis einwerfen und dann geht‘s noch auf einen kurzen Abstecher zu Mam ins Zentrum Schönberg. Wir zeigen Mam unseren Camper und trinken einen Espresso mit ihm. Sie ist sehr happy über unseren Besuch. 

Ja, und dann geht’s richtig los Richtung Montreux. Wir kommen zügig voran. Auch wenn nur von der Autobahn aus, aber trotzdem schönes Panorama mit Lac Léman, Lavaux und den Ausläufern der französischen Alpen. Von Montreux aus geht es weiter Richtung Wallis nach Martigny und Sembrancher. In Sembrancher kaufen wir letzten Proviant oder sowas wie Camper-Notvorrat (z.B. Stocki) ein. Und dann weiter Richtung Grosser St. Bernhard. Den Gedanken, allenfalls über den Pass zu fahren, brauchen wir nicht weiter zu verfolgen, da die Passstrasse noch geschlossen ist. Da liegt noch sehr viel Schnee. Nachdem wir der SISEX SA (Société italo-suisse d‘exploitation du tunnel du Grand-Saint-Bernard) CHF 31.20 Wegzoll abgedrückt haben, können wir den rund 6 km langen Tunnel in Richtung Aosta passieren. 

Schmucke kleine Dörfer beidseitig der Talseiten des Aosta-Tals. In Etrouble legen wir einen Sightseeing-Stopp ein. Interessantes Detail: In den oberen Dörfer des Aosta-Tals wird französisch gesprochen. Die Beschriftungen der Geschäfte, der Post etc. sind in französischer und italienischer Sprache gehalten. Etrouble ist hübsch und vermag der Auszeichnung „zu den schönsten Ortschaften Italiens zu gehören“ ein wenig gerecht zu werden. Aber von einem überwältigenden „wow“ sind wir weit entfernt. Zurück bei unserem Camper beschliessen wir, die belegten Brote, die Martin am Morgen in unserer Bäckerei gekauft hat, zu essen. Der Esszimmer-Bereich des Campers „funktioniert“ einwandfrei. 

Von Etrouble setzen wir unsere Reise fort, verlassen das Aosta-Tal und treffen im Piemont ein. Wir legen eine kurze Pause in einer Autogrill-Raststätte ein. Ein Espresso reaktiviert die leicht ermatteten Geister. Noch etwa ein Drittel Wegstrecke von Bern nach Genua liegt vor uns. Dai, dai, dai. Die Autobahn führt durch wunderschöne Landschaften. Die Obstbäume stehen hier bereits in voller Blüte und wir staunen nicht schlecht, ob den zahlreichen Reisfeldern entlang der Autobahn. Die Felder werden mit speziell beräderten Traktoren bearbeitet. Traktoren, die nicht auf der Strasse fahren können und daher auf Flachwagen, die von normalen landwirtschaftlichen Traktoren gezogen werden, zu den Feldern gebracht werden. 

Wir verlassen das Piemont und sind nun in der Region Ligurien. Unser Plan war, in Mela, das einige Kilometer vor Genua liegt, die Autobahnausfahrt zu nehmen und in einer Trattoria etwas essen zu gehen. Doch Mela ist nirgends angeschrieben gewesen und so führt uns die top-ausgebaute Autobahn, die auf Brücken über die Stadt Genua konstruiert wurde (Stadt-Umfahrung einmal auf andere Art), direkt zum Hafen von Genua. OK, zuvor leisten wir noch den Obolus von 26 Euro Maut. Dank wertvollen Tipps von guten Freunden kommen wir auf der richtigen Route zum Hafen. Reisedokumente gezeigt und schon sind wir kurz nach 20.00 Uhr eingecheckt und fahren in die Wartezone der abendlichen Palermofähre. Wir werden nun 19 Stunden auf der MV La Superba unterwegs sein. Wir schliessen das Auto ab und suchen eine kleine Beiz beim Ferry-Terminal auf, die Martin von den Ferry-Einweisern angegeben wurde. Denn eigentlich wollten wir ja noch etwas essen. Über eine Passarelle, von der aus wir die Abfahrt einer anderen Fähre (Schiff in Superman und Wonderwoman Aufmachung) verfolgen können, gelangen wir zur Bibi Bar. Zugegeben nicht grad very stylish, dieses Lokal, das in einer Art Container untergebracht ist. Aber wie heisst es so schön: Wo die Einheimischen essen, da schmeckt es. Tatsächlich ist das Lokal weitgehend von in oranger Sicherheits-Ausrüstung gekleideten Ferry-Mitarbeitenden bevölkert, die dort ihr Abendessen zu sich nehmen. Es hat nur einige wenige Tische aber der Patron organisiert zwei Plätze für uns. Die Pasta schmeckt herrlich und auch das Pollo Milanese mit Pommes ist zwar nicht unbedingt Diätkost aber auch lecker. 

Es ist ein buntes Treiben hier. Die Mitarbeiter finden sich einzeln oder in Gruppen an den Tischen oder an der direkt angrenzenden Bar ein. Es wird viel gesprochen. Eines der zentralen Themen ist der Raketenangriff einiger Westmächte auf Syrien von letzter Nacht. Die Berichterstattung der Auslandkorrespondenten der italienischen TV-Station, die im TiVu läuft, konzentriert sich auf dieses Thema . Nach dem Essen kehren wir zum Auto zurück. Es ist kurz nach 22.00 Uhr. Wir packen unser Schiffsgepäck zusammen und verbringen die Zeit bis zum Verlad aufs Schiff mit Lesen und Musik hören im Auto. Draussen ist es recht ungemütlich, denn es weht ein scharfer Wind.
 

Kurz vor Mitternacht sind wir auf dem Schiff, beziehen unsere Kabine 1007, die den Namen „Aida“ trägt. Wir sind total müde, Martin ist von der Reise erschöpft. Drum machen wir uns bettfertig und steigen kurz nach 1 Uhr zum letzten Mal für längere Zeit in ein freistehendes, normales Bett. War da noch was? Nein, wir schlafen bereits.

Gefahrene Kilometer: 463/524


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Freitag, 13. April 2018: Freitag der 13.

Heute ist Freitag der 13. Was für viele ein Tag ist, welcher nicht unbedingt Glück bringt, bedeutet für mich aber ein Tag der Freude: Heute ist Tag 1 meiner Auszeit, welche mir meine Firma gewährt. 9 Wochen bin ich nun nicht im Büro sondern lebe ein anderes Leben – wie es mir gefällt.

In unserer Firma werden Auszeiten unterschiedlich gehandhabt: man macht nix. Oder man geht in die USA in eine Schlagzeugschule. Oder in ein Kloster um zu sich zu finden. Ich habe auch schon gehört, dass man die Schweiz von Ost nach West oder von Nord nach Süd durchwandert oder einen Sommer lang auf einer Alp bei den Arbeiten hilft. Ich habe nun seit Monaten ein spezielles Projekt laufend weiter entwickelt: Einen Camper mieten und von Sizilien an die Nordsee fahren. Arbeitstitel: „Von der Südsee an die Nordsee“ 🙂
Zuerst begleitet mich Bettina 2 Wochen, dann kommt über die entsprechende Zeit der bewährte Auffahrtsreisebegleiter Woody mit auf die Reise. Dann bin ich eine Weile alleine und in der letzten Woche wird Bettina mit mir den Abschluss der Reise bilden.

Heute ist nun Tag 1: Camper abholen. Nach diversen Recherchen habe ich mich für einen Anbieter im Berner Jura entschieden: Garage du Lion in Tavannes. Sie haben mir einen VW California, Modell 2018, mit unbeschränkten Kilometern und einem Berner Kontrollschild zu einem vernünftigen Preis empfohlen.

Nun sind wir unterwegs mit dem Zug nach Biel/Bienne – Sonceboz – Tavannes. Die Garage finden wir schnell und die Übernahme mit Erklärung des Fahrzeuges ist nach ca einer Stunde abgeschlossen. Ein Diesel Allrad ist nun für die nächsten 9 Wochen unser Gefährt. Um das Fahrzeug spüren zu können fahre ich ab Tavannes nicht über die Autobahn sondern nehme bis nach Sonceboz den Weg über den Pass Pierre-Pertuis. Man sitzt weiter oben als beim PW zu Hause, der Diesel hämmert leicht, aber das Fahrzeug ist gut zu fahren.

Bei der Einfahrt in unsere Einstellhalle haben wir eine Schranke angebracht: „2m Höhe maximal“ steht auf dem Verkehrsschild. Also sollten wir mit unseren 1.99 m unter dieser Schranke durchpassen. Doch weit gefehlt, wir touchieren die Schranke… Aber Bettina hebt sie an, sodass ich unten durchfahren und in die Einstellhalle kann. Die Höhe in der Einstellhalle ist anschliessend problemlos.

Wir packen unseren Camper mit den Dingen, die wir während der nächsten Zeit brauchen: Kleider, ein bisschen Food, einen Windschutz für den Strand und ein aufblasbares Sofa um zu fläzen. Im Heim & Hobby kaufe ich noch einen kleinen Kohlegrill und packe auch diesen ein. Unsere beiden Fahrräder stellen wir hinten auf den Ständer und schon sind wir bereit für die Reise.

Wir geniessen unsere letzte Nacht im eigenen, gewohnten Bett. Was die nächsten Wochen wohl alles an Erlebnissen und Abenteuern bringen werden?

Gefahrene Kilometer: 61/61

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24. Februar bis 4. März 2018: Teneriffa III

Samstag, 24. Februar 2018: Halbetappe

Teneriffa war wieder mal Trumpf – und heute quasi die Halbetappe der Hinreise. Zum dritten Mal gehen wir fast in der gleichen Woche ins gleiche Hotel auf Teneriffa – werden wir alt/älter?

Der Sonntagsflug war günstig, nicht zuletzt weil er schon um 7:00 ab Zürich ging. Damit wir die Anreise entspannter hatten, reisten wir am Vortag an übernachteten in Zürich am Flughafen im Radisson. Das Radisson ist bekannt für die Bar mit dem hohen Weinturm. Wenn man nun einen bestimmten (wohl teuren) Wein bestellt, holen Engel diesen Wein runter. Engel sind in unserer/meiner Vorstellung weiblich – umso grösser war das Erstaunen/die Enttäuschung, dass der Engel Gabriel hochgezogen wurde und unter grossem Brimborium seine Tänze im Silo zeigte. Wir waren Zuschauer – und nicht Weintrinker…

Das Zimmer war schön und trotz der startenden Flugzeuge sehr ruhig.

Sonntag, 25. Februar 2018: Sonneninsel? Von wegen…

4:45 klingelte der Wecker und wir machten uns bereit. Der Wetterbericht hat sehr kaltes Wetter vorausgesagt, sodass wir froh waren, dass wir durch eine Unterführung zum Flughafen gelangen konnten. So war uns das Wetter eigentlich egal… Die Gepäckabgabe war easy – lediglich beim Einsteigen stellten wir fest, dass unsere Plätze schon belegt waren. Wir durften aber trotzdem nebeneinander am Fenster sitzen, einfach eine Reihe weiter vorne.

Einige Minuten vorzeitig dockte das Edelweiss-Flugzeug beim Gate ab, fuhr auf die Startbahn und startete sogleich. 4,5 Stunden sind wir nun in der Luft – der Service der Edelweiss war sehr gut und der Flug war wie im Flug vorbei 🙂

„Bedeckt, 16 Grad“ meldete der Pilot vor Ankunft- wir haben uns eigentlich wärmere Temperaturen vorgestellt… Aber darauf lässt sich bekanntlich aufbauen.

Das Gepäck war rasch auf dem Band und bezugsbereit. Auch der vorreservierte Privat-Shuttle war innerhalb weniger Minuten bereit für uns. Und als der Shuttle dann auf der Autobahn war, zeigten sich bereits die ersten Regentropfen auf der Shuttelscheibe. Nicht grad das, was man sich als Empfangskomittee wünscht…

Nach Ankunft im Hotel H10 Adeje Palace probierten wir einzuchecken. Wir haben wieder den „Privilege“-Service gebucht. Da gibt es ein separates Check-In. Aber das dauert natürlich länger als das Check-in für Normalos… Wir kriegen wie gewünscht das gleiche Zimmer wie letztes Jahr, mit Sicht aufs Meer. Wir räumten unsere Sachen ein und liessen Geist und Körper „ankommen“. Am Abend gönnten wir uns gleich einen ersten kulinarischen Höhepunkt: Das Essen im hoteleigenen Tepaniaky-Restaurant „Sakura“, mit witzigem Live-Cooking.


Montag, 26. Februar 2018: So wie immer

Es war toll, wieder mal eine Nacht bei sehr offenem Fenster schlafen zu können. 8 Stunden Schlaf – ein Luxus! Vor dem Frühstück gingen wir der Strandpromenade entlang joggen. So wie immer. Vor einem Jahr haben sie begonnen, auf etwa 300 m den Strand zu sanieren, mit Unterstützung der EU – Euromillions quasi. Sie sind noch nicht ganz fertig… Die Strecke am Strand entlang ist ideal zum joggen. Mehrheitlich flach, aber zwischendurch doch coupiert, um die notwendigen Laufreize zu setzen. Anschliessend wieder zurück ins Zimmer, unter die Dusche und ab zum Frühstück. Mit dem „Privilege“-Paket können wir im a la carte-Restaurant essen. Obschon es noch ein bisschen kühl war, sassen wir draussen. Welch ein Genuss! Unsere Lieblingskellnerin Guadeloupe erkannte uns wieder und hatte grosse Freude, uns wieder zu sehen. Sie ist die gute Seele im Restaurant.

Gegen Mittag spazierten wir der Strandpromenade entlang Richtung Playa de las Américas bei wunderbarstem Wetter! Zum Zmittag/Zvieri gab es einen Tomaten-Thon-Salat. Dann wieder zurück. 23.7 km sollte der Schrittzähler am Abend anzeigen. Entsprechend müde waren wir nach dem Nachtessen, welches wir wieder im a la carte-Restaurant einnahmen.

Dienstag, 27. Februar 2018: Fi-naaa-le!

Heute war das Wetter eher bescheiden. Natürlich gingen wir trotzdem joggen, es regnete nicht und war angenehm warm. Nach dem Frühstück ging Bettina ins Water Gym, ich blieb auf dem Zimmer und schaute einen Film. Gegen halb zwei charterten wir ein Taxi und fuhre nach Playa de las Américas. Der Mango-Store hatte wieder nette Sachen für uns und unser Ferienbudget wurde angeknabbert. Interssanterweise hatte Mango keine Siesta mehr. In den Vorjahren war dies anders. Aber offenbar hat Kommerz über Kultur gesiegt… Dann wieder an die Strandpromenade und im gleichen Restaurant das gleiche Zmittag/Zvieri wie gestern. Zum gleichen Preis übrigens…
Abends um sieben waren wir pünktlich auf der Matte, um im a la carte-Restaurant zu essen. Der Service war sehr schnell und das Essen sehr gut, sodass wir fast pünktlich zum Start der zweiten Halbzeit des Cup-Halbfinals YB – FC Basel im Zimmer waren. Dank eines technischen Tricks, den ich nur face-to-face verrate, gelang es mir, SRF in Teneriffa zu schauen. Es hat sich gelohnt, ein bisschen schneller zu essen, wenn wir bekamen noch beide Tore mit (Elfmeter und Eigentor). YB ist nach 9 Jahren wieder im Cupfinal!! „Wir haben noch nichts erreicht!“ mahnt Adi Hütter. Aber ich freue mich trotzdem auf den Cupsiegfinal! Die Träume in der Nacht waren gelb-schwarz.

Mittwoch, 28. Februar 2018: Shopping-Tag

Mitten in der Nacht wurden die gelb-schwarzen Träume unterbrochen? Regnet es? Nein, kann nicht sein – umdrehen und weiterschlafen. Am Morgen sahen wir, dass der Regen eben doch Realität war. Sämtliche Sportsachen des Männchens, die er zum Auslüften auf den Balkon gelegt hat waren nass. Das Weibchen hat die Sportsachen natürlich versorgt… So macht Jogging kein Spass. Aber mit den übrigen Sportkleidern in den Kraftraum – das geht. Gesagt getan…

Nach dem Frühstück wieder getrenntes Programm: Aqua Gym und fläzen.

Auf Anraten von Guadeloupe gingen wir am Nachmittag ins neue Shopping-Center „Siam Mall“. Hübsch gemacht, viele Läden, die man schon kennt, aber bei schlechterem Wetter ein gutes Strandersatz-Programm. Mit dem Bus-Shuttle des Einkaufs-Zentrums gings zurück Richtdung La Caleta. Die letzten paar Kilometer machten wir zu Fuss, ‚unserem‘ Strand entlang und sahen, dass der Sand, der bei den Arbeiten zum Strand verteilt wurde, durch die Wellen an einen Haufen gespült wurde und sich teilweise auch auf der Strandpromenade befand. Schade für die Arbeit…

In den Bergen muss es ziemlich regnen oder geregnet haben. Ein Bachbett beim Strand, durch welches wir jeweils zum Hotel gingen und noch nie Wasser hatte, war ein veritabler Bach geworden…

Am Abend wieder im a la Carte-Restaurant gegessen. Primafein! Übrigens: YB spielt am 27. Mai im Cupfinal gegen den FC Zürich.

Donnerstag, 1. März 2018: Den Ostteil der Insel erkunden

Die Wetterprognose sagte „muy bien“ zum Wetter, und drum haben wir heute einen Mietwagen gebucht. Das Büro der Avia Car-Mietfirma befindet sich gegenüber von unserem Hotel. Als digital native habe ich natürlich online gebucht. Umso überraschter war ich, von der Firma folgende Bestätigung zu erhalten:

Please wait tomorrow at hotel recepcion of H10 Adeje Palace at 09:00h, to be picked up by our employees (regognized by the orange Avia Car – Logo) and driven to our office (free shuttle service). The drop off procedure at the hotel will be explained by our employees, when signing the contract.

Habe ich mich bei der Buchung vertan? Das Büro ist doch gegenüber unseres Hotels? Oder haben die gegenüber gar keine Kategorie C-Autos? Mit 10 Minuten Verspätung holte uns ein Bursche beim Hoteleingang ab – und führte uns über die Strasse zum bekannten Büro von Avia… Hätten wir auch einfacher haben können, denke ich mir… Die Uhr im Avia-Büro ging übrigens 10 Minuten nach. Der Bursche war also pünktlich – Avia-Time halt…

Ein Seat Ibiza sollte unser Gefährt für heute werden.

Los gings über die Autobahn Richtung Santa Cruz de Tenerife, der Hauptstadt. Ein kleiner Verfahrer führte uns in Stadtzentrum und wir konnten feststellen, dass sie dort sogar Tramlinien haben. San Cristobal de la Laguna war unser erstes Tagesziel. 155‘000 Einwohner hat diese Universitätsstadt und ist sogar Bischofssitz. Uns interessiert aber das historische Zentrum, welches UNESCO-Weltkulturerbe ist und in seinem Bau Vorbild für viele südamerikanischen Städte war. Hübsch und farbig ist das Zentrum und er Besuch hat uns Spass gemacht.

Weiter ging die heutige Reise in die Lorbeer-Wälder in den nord-östlichen Teil der Insel. Anaga heisst der Teil der Insel und ist seit 2015 Biosphärenreservat. Hier oben hat es oft Nebel und dank der Feuchtigkeit wächst die Flora sehr gut. Die Lorbeer-Bäume bilden ein richtiges Dach über der Strasse, sodass man fast immer in einem grünen Tunnel fährt. Verschiedene Aussichtspunkte entlang der Strecke ermöglichen Ausblicke über die Insel, man soll sogar bis nach Gran Canaria sehen können. Doch heute sind die Wolken oft zu dicht, dass man nur weit und nicht sehr weit sieht. Hier befinden wir uns auf Rund 900 m über Meer.

Wir verlassen die Berge und fahren südwärts ans Meer zur Playa de las Teresitas. Hier befindet sich der einzige Sandstrand Teneriffas. Kunststück – man hat diesen Strand vor einigen Jahren gebaut und mit Sand aus der Sahara veredelt. Ein ökologischer Wahnsinn… Der Strand an sich ist wunderschön, aber irgendwie zu ‚clean‘: man findet keine Muschel, alles ist sehr sauber wie in einem Freizeitpark. Das gewisse ‚etwas‘ fehlt hier. Und draussen vor den Wellenbrechern warten die Frachtschiffe, bis sie in den Hafen einfahren können, welcher sich ein paar km westlich dieses Strandes befindet. Also eigentlich hübsch, aber hmmmm…

Wir verliessen die Playa de las Teresitas und fuhren wieder in Richtung Santa Cruz de Tenerife, weiter Richtung La Laguna um dann auf die TF-24 abzuzweigen, welche durch die Berge zu unserem Hotel führt. Die Strasse steigt stetig an und schon bald sehen wir in der Ferne den Pico del Teide, den mit 3718 m über Meer höchsten Berg Spaniens. Der Teide ist mit 7.500 Metern Höhe über dem Meeresboden der dritthöchste Inselvulkan der Erde. Die Fahrt in die Berge ist attraktiv, die Strasse ist gut ausgebaut und die Blicke eindrucksvoll. Wir waren schon spät dran und konnten nicht bei jedem Vista-Point anhalten. Auch eine Fahrt auf den Teide wollten wir nicht unternehmen. Aber ein paar Bilder des Teide mussten dann schon drinliegen.

Kurz nach Sonnenuntergang kamen wir beim Hotel an. Ein Tag voller Eindrücke neigte sich dem Ende entgegen.

Freitag, 2. März 2018: Bücher lesen

Vor der Joggingrunde haben wir den Mietwagen zurück gegeben und sind dann zu Fuss weiter dem Strand entlang. Dann wieder getenntes Programm Aqua Gym/Tagebuch schreiben. Dann ein bisschen Pool-Strand, obschon das Wetter nicht grad optimal war. Aber die mitgenommenen Bücher müssen auch gelesen werden!

Am Abend noch einmal Live-Cooking im Sakura – es ist einfach lecker!

Samstag, 3. März 2018: Ein Bad im Atlantik

Die ganze Nacht hat es gewindet, wir haben schlecht geschlafen. Beim Aufstehen regnete es aus Kübeln. Jogging ist nicht ratsam, weil die Strandpromenade mehrheitlich aus geschliffenem Stein bestand und die Rutschgefahr entsprechend hoch war. Also ab ins Fitness. Und nach dem Fitness verzogen sich die Wolken – der blaue Himmel zeigte sich von der besten Seite! So gingen wir nach dem Frühstück wieder an den Pool-Strand und machten es uns bequem. Mitte Nachmittag machten wir einen Spaziergang der Strandpromenade entlang, mit einem Zwischenstopp bei einer Badestelle. Und ja, wir taten es: 18 Grad nur, aber erfrischend war es, das Bad im Atlantik! Dann wieder zurück zum Hotel, an der Sonne fertig trocken werden und die erste Etappe der Badesaison ist Geschichte.

Sonntag, 4. März 2018: Rückreise

Kaiserwetter begrüsste uns zum Aufstehen! Dannn kurz zum Frühstück und auschecken. Der Shuttle-Service schaffte es beinahe, pünktlich zu sein. Die 5 Minuten Verspätung verziehen wir ihm aber als wir sahen, dass wir einen 19-Plätzer-Mercedes-Bus zur alleinigen Verfügung hatten. Keine Ahnung, wie sich das finanziell rechnet, aber uns solls egal sein.

Alles lief wie am Schnürchen. 8:50 Uhr Abfahrt beim Hotel, 9:30 Uhr bei der Security schon durch. Und Edelweiss brachte uns so schnell wieder nach Hause, dass wir rund eine halbe Stunde zu früh in Zürich waren.

Auch wenn wir nicht jeden Tag ein Superwetter geniessen konnten, waren es einmal mehr rundum geglückte Ferien! Mal schauen, ob wir noch ein viertes Mal nach Teneriffa gehen…

 

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Sonntag, 3. September 2017: Ersatzfliegerflug

Für unsere Verhältnisse recht früh begaben wir uns zum Bahnhof und anschliessend mit dem Flughafenzug zum Flughafen. Natürlich waren in diesem Zug unsere Fahrausweise nicht gültig, sodass wir separate Karten kaufen mussten.

Die Prozedur am Flughafen ging recht zügig vonstatten, sodass wir schon bald beim Frühstück sassen. Dann gings zum Gate, wo wir den Einstieg abwarteten. Bisher war alles im Plan, auch das Boarding ins Flugzeug ging zügig vonstatten. Wir sassen im Flugzeug, in Erwartung des Abflugs, als die wie üblich leicht nasale Stimme aus dem Lautsprecher sagte „Good morning, this is your captain speaking!“

Wir haben einen Schaden an einem Rad und können so nicht fliegen. Es gibt nun zwei Varianten, a) das Rad kann repariert werden und b) wir müssen in einen noch zu organisierendes Ersatzflugzeug steigen.

Oha!

Nach einer halben Stund war klar, dass uns Variante b) aufgezwungen wurde und alle Flugpassagiere verliessen das Flugzeug wieder. Nach einer kürzeren Wartezeit und einem Gatewechsel konnten wir in ein typengleiches Flugzeug umsteigen. Somit gab es einen Ersatzfliegerflug zurück in die Schweiz.

Der Flug war angenehm und auch das Catering klappte. Und die Rückreise vom Flughafen Richtung Bern muss nicht speziell beschrieben werden…

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Samstag, 2. September 2017: Oslo und Umgebung

8:30 war Treffpunkt im Parterre unseres Budget-Hotels. Frühstück war nicht inbegriffen. „Hast du dein Bett gemacht und das Tuch zum trocknen aufgehängt?“ – „Öhm, warum? Wird nicht geputzt heute?“ – „Nein, im Budgethotel wird nur geputzt, wenn du auscheckst…“

Unser erstes Ziel, noch vor dem Frühstück, war die Osloer Oper, gleich ums Eck. Dieses wunderschöne 500 Mio-€-Gebäude wurde – Achtung, liebe Berliner Leser – ein halbes Jahr vor dem geplanten Termin eröffnet. Die Architektur ist eindrücklich und speziell, es ist eine Oper die man im wahrsten Sinn des Worts begehen kann…

Danach plagte uns ein Hüngerchen und wir gingen in den Bahnhof um ein kleines Frühstückchen zu essen. Dann gings weiter durch die noch fast ausgestorbene Fussgängerzone zum Schloss. Wachtablösung ist um 13:30, wir waren Stunden zu früh. Also weiter zum Frognerpark, wo Gustav Vigeland seine unzähligen und schönen Skulpturen ausstellen konnte. Das Wetter war prächtig, die Jacken waren rasch in Jürgs Rucksack versorgt. Im Vigelandspark hatte es sehr viele Leute, die sich aber gut verteilten. Die Menschenskulpturen sind sehr reell gemacht, von Jung bis Alt wurden alle Altersgruppen dargestellt. Beim grossen Monolith in der Mitte des Parks konnte man sogar vom Baby bis zum Greis alles in einer Skulptur bewundern.

Nach Kultur und Kunst gehts zum Sport: Mit der S-Bahn fuhren wir zu den Holmenkollen Skischanzen. Viele Leute wollten in diese Richtung, es war ein „Toughest-Race“ im Gang, ein unmöglicher Lauf wie der „Strongman Run“, der an verschiedenen Orten in der Schweiz auch stattfindet. Highlight für mich war, dass man in diesem Lauf tatsächlich den unteren Teil vom Auslauf bis zum Schanzentisch hochkraxeln muss und das Ziel befindet sich unterhalb des Schanzentischs…

Wir lösten Karten und fuhren ganz oben auf die Sprungschanze. Die Aussicht war unglaublich toll! Wir hatten wirklich einen Prachtstag erwischt! Aber die Zeit will genützt sein und wir fuhren wieder zurück nach Oslo. Nach schon fast 20’000 Schritten hatten wir Hunger. In Aker Brygge beim Hafen assen wir auf der Terrasse was Deftiges. Dabei liessen wir uns von der Sonne braten. Als die Sonne hinter den Häusern verschwunden war, war auch unser Essen fertig und wir zogen weiter.

Die nächste sportliche Attraktion war die Fussball-WM der Obdachlosen. Ja, die gibt es wirklich und wird mit 3 gegen 3 plus Goalie gespielt. Auch die Schweiz war vertreten, sie verloren gegen Irland 6:1. Dann zogen wir uns noch Norwegen gegen Chile rein, was in einer Blamage für den Gastgeber endete (2:12). Auch Frauen waren am Start, wir schauten Griechenland – Mexiko. Die Mexikanerinnen erteilten den Griechinnen eine Lektion. Drei Spiele, auch wenn sie nur jeweils ein paar Minuten dauerten, waren genug und wir zogen weiter Richtung Hotel. „Befohlene Ruhe“ stand auf dem Programm.

Einer blieb im Zimmer und las, einer ging auf die Pirsch und fotografierte noch einmal die Oper, dieses Mal bei anderem Sonnenstand. Es hatte deutlich mehr Leute, die auf der Oper rumkletterten. Gegen sieben Uhr gingen wir wieder auf die Gasse. Die ehemalige Bar „Tors Hammer“ wurde wegen Gang-Tätigkeiten geschlossen und unter dem Namen „Heidis Bierbar“ wieder eröffnet. Wir gönnten uns im sehr leeren Lokal ein Bier. „Die Leute kommen um 22 Uhr“, meinte der Bar-Keeper. Wir wechselten das Lokal und gingen ins Pub „Herr Nilsen„, wo sich grad eine Band für ein Pub-Konzert einrichtete. Dies sollte unser Lokal für den Abend werden. Aber nur bis zu dem Zeitpunkt, bis der Konzertzuschlag einkassiert wurde. Umgerechnet 40 Stutz für ein Konzert einer unbekannten Ü60-Bluesband war uns jedoch zu viel. Austrinken und wieder auf die Gasse zum Egon-Restaurant, wo wir was essen gingen. Dann noch einmal zu „Heidis Bierbar“, wo sich nun eine ahnsehnliche Warteschlange mit Partywilligen gebildet hat. Wir verzichteten auf ein Bier in diesem Lokal, weil wir zu lange hätten warten müssen.

Nach einem Feierabendbier anderswo gingen wir in die Box zurück.

Niemand hat das Bett gemacht. Ein nasses Tuch lag darauf.

 

 

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Freitag, 1. September 2017: Ausschiffen – und ab in die Box

Ankunft in Bergen

50% der Kabinenbelegung hat super geschlafen. Die anderen 50% hatten zu warm…

Um 10 Uhr hatten wir die Kabine freizugeben, wir packten in Etappen, Mann für Mann. Dann galt es, bis zur Ankunft in Bergen die Zeit totzuschlagen. Wir hatten noch Lesestoff und schafften das. Bei der Einfahrt in Bergen, der mit 240 Regentagen im Jahr regenreichsten Stadt Europas, schien die Sonne.

Bergen UNESCO-Welterbe

Nach dem Ausschiffen ein kurzer Spaziergang durchs Städchen, ein Einkauf um die nächste Zugreise zu überleben, und schon waren wir wieder im Bahnhof. 15:59 sollte unser Zug fahren, und er fuhr auch um diese Zeit. Nur nicht mit dem gewünschten Komfort: Anstelle eines Intercity-Zuges hatten wir einen alten S-Bahn-Zug zum einsteigen bereit. Unsere reservierten Plätze waren natürlich nirgends anzutreffen, sodass wir einfach irgendwo absitzten. Der Zug fahre nach Voss, dort kann man auf den IC umsteigen. Wegen Bauarbeiten sei dies so. Aha… Der Zug war rammelvoll, in einzelnen Abteilen kam Volksfeststimmung auf – Alkohol sei Dank…

In der norwegischen Metropole Voss stiegen wir um und konnten uns nun auf unseren reservierten Plätzen entfalten. Die Fahrt mit der Bergenbahn (so heisst diese Strecke) war toll, eindrücklich und fand bei bestem Wetter statt!

S-Bahn-Reisekomfort bis Voss

Mittlerweile waren wir mit 25 Minuten Verspätung unterwegs, sodass wir noch länger Zug fahren durften… Gegen 23:00 Uhr kamen wir in Oslo an. Temperaturen angenehm, und das Hotel in Gehdistanz vom Bahnhof. Irgendwann hat man in Norwegen genug von den gesalzenen Preisen, sodass wir dieses Mal ein Budget-Hotel wählten. Budget-Hotel in Norwegen heisst aber immer noch umgerechnet CHF 150 pro Nacht. Citybox hiess das Hotel. An der Reception war niemand. Ausser drei Bildschirmen. Buchungsnummer eingeben für Zimmer 1. Aha, gefunden. Kreditkarte in den Schlitz stecken, Code eingeben. Ok, klappt auch. Und dann kommt unten ein Zettel raus und die Schlüsselkarte. Dann das gleiche Prozedere für Zimmer zwei und wir können in den 7. Stock joggeln und das Zimmer beziehen. Also Zimmer… Schlagartig wurde mir bewusst, dass bei Citybox die Betonung auf „Box“ liegt. Aha… Mich hat gedünkt, dass das Zimmer kleiner war als das Bad…

Nun, wir wollten ja Budget buchen und haben Budget erhalten. Und die Aussicht aus dem 7. Stock in den Osloer Nachthimmel ist grandios!

So, aber nun ab ins Bett. Auch ein Budgethotel muss amortisiert werden…

 

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Donnerstag, 31. August 2017: Einschiffen

Das richtige Schiff erwischen...

Ich bin bereits vor dem Wecker erwacht und traf Jürg beim Frühstück. Anschliessend checkten wir aus und gingen zum Hurtigruten-Terminal. Dieses Mal fanden wir ihn auf Anhieb, sogar mit einer Abkürzung. Um diese Zeit hat es am Hafen Trondheim zwei Hurtigruten-Schiffe, es galt also korrekt einzuschiffen. Wäre dumm gewesen, wenn wir plötzlich in Rørvik gemerkt hätten, dass wir aufs südwärts fahrende Schiff umsteigen müssen.

Unterwegs

Die MS Nordnorge ist das Schwesterschiff der MS Nordlys, mit welcher wir vor ein paar Tagen nordwärts fuhren. Nur wurde es letztes Jahr aufgefrischt und das Innere erstrahlt in trendiger Aufmachung. Sogar zwei Whirlpools sind vorhanden, mit Sicht hintenraus. Die Kabine war schrecklich eng. Aber hier ist man ja nur ein paar Stunden. So verbrachten wir die Zeit zuerst auf Deck, dann im Salon und auch im Restaurant. Das Mittagessen war nicht in der Fahrt inbegriffen und so gönnten wir uns was Kleines. Je ein Bier und ein „Hurtigruten-Burger“. Kostenpunkt: umgerechnet CHF 70.–… Ja, Norwegen ist definitiv KEIN Billigland…

Ein paar Stunden später war schon das Nachtessen angesagt. Seeluft macht hungrig und wir freuten uns auf unseren tollen Tisch am Fenster. Bei der Bestellung der Getränke empfahl uns die Kellnerin, auch einen Aquavit dazuzubestellen – trust the locals! Aquavit ist geschmacklich wie Resyl plus – nur rezeptfrei…

Einfahrt in Molde

Höhepunkt des Tages war die Einfahrt in den Hafen von Molde um 21:00 Uhr: man fährt an einem Hotel vorbei, welches der kleine Bruder des Burj al Arab in Dubai sein könnte (ok, evtl ein entfernter Cousin…). Danach folgt eine moderne Fussballarena, direkt am Wasser – ein Befreiungsschlag übers Dach und der Ball liegt im Wasser…

Es begann wieder leicht zu regnen und es war an Zeit, die Schuhlöffel hervorzunehmen und sich in der Kabine ins Bett zu legen…

 

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Mittwoch, 30. August 2017: 729 km

Trostlos, dieses Wetter...

Früh aufstehen, das tolle Wetter geniessen, zum Hafen gehen, auf ein Bänkli höcklen, die Seele baumeln lassen und die innere Ruhe finden.

Abfahrbereit in Bodo

Die Praxis sah dann so aus, dass es kühl war, regnete und wir dann doch erst um 9 beim Frühstück waren. Einige Provokateure im Frühstücksraum hatten T-Shirt und kurze Hosen angezogen. Ob sie so das Wetter besser machen?

Nun, irgendwann verliessen wir das Hotel, kämpften uns durch Regen und Kälte (wir hangelten uns quasi von Unterstand zu Unterstand), und kamen dann mal am Bahnhof Bodø an. Der Zug war schon bereit und wir stiegen ein.

9 Stunden 38 Minuten fahren wir nun durch die norwegische Landschaft. Von null Meter über Meer über 680 Meter wieder runter auf null Meter. Die Nordlandsbanan ist die längeste Bahnstrecke in Norwegen. Den höchsten Punkt erreichen wir nach 136.33 km bei Semska, rund 13 km weiter überqueren wir den Polarkreis südwärts. Die Gegend ist unglaublich schön und spektakulär karg. Schade spielt das Wetter nicht mit. Aber im Zug gibt es gratis Kaffee, WLAN und Steckdosen. Damit sind die Grundbedürfnisse der Menschheit ja abgedeckt…

Polarkreis!

Pünktlich um 22:05 treffen wir in Trondheim ein. Wer Spass am Bahn fahren hat, kann hier am gleichen Perron auf den Nachtzug nach Oslo umsteigen. Wir machen dies jedoch nicht und verziehen uns direkt ins Hotel, in welchem wir vor ein paar Tagen schon waren.

Auch wenn man im Bett liegt glaubt man, dass man das tä-täm – tä-täm der Bahnräder im Traum noch hört…

Angekommen in Trondheim

 

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Dienstag, 29. August 2017: Wetterglück – Spektakelpech

Wir überfahren den Polarkreis

Ein paar Mal ratterte das Schiff während der Nacht ganz heftig, aber eigentlich haben wir gut geschlafen. Zwischen 7 und 8 Uhr sollen wir den Polarkreis überqueren. Nachdem gestern dieses Event im Schiff mit einem „Wann genau überqueren wir den Polarkreis-Wettbewerb“ gehypt wurde, war jetzt keine Rede mehr davon. Wir haben unseren Wecker auf 6:30 Uhr gestellt, um diesen Moment sicher nicht zu verpassen. Gemäss Internet passiert dieses Ereignis auf dem nördlichen Breitengrad 66,33'55″. Dank unseren Gadgets verpassten wir die Überfahrt nicht. Lautsprecheransagen gab es ebenfalls nicht, nicht mal ein leichtes Holpern gab es, als wir den Polarkreis überfuhren. Nichts.

Wir gingen zum Frühstück. Für 105 Kronen hätten wir die Polarkreisüberfahrt mit Prosecco feiern können. Da wir nicht das ganze Ferienbudget verballern können, verzichteten wir darauf und nahmen einfach ein normales Frühstück mit Kafi.

Mit der Hurtigruten in Bodø angekommen

Um halb eins trafen wir in Bodø bei bestem Wetter ein. Was macht man in Bodø? Gemäss Tripadvisor gibt es ausserhalb Bodøs eine Stelle, wo man dem Wechsel der Gezeiten zuschauen kann. Und das muss sowas von spektakulär sein, dass sich an verschiedenen Orten ein Wassersog mit etwa 4 m Durchmesser ergeben soll! Also, wenn das die Attraktion Nr. 1 ist, dann müssen wir die gesehen haben. Zuerst wollten wir beim Hotel vorbei und einchecken, doch der Busterminal war ebenfalls am Weg und wir haben uns hier erkundigt, wie man zu diesem Saltstraumen kommt. Natürlich per Bus, und der Fährt in 15 Minuten oben an der 2. Querstrasse… Ok, Planänderung. Gepäck ins Schliessfach und ab zur Bushaltestelle! Bus 4 war pünktlich und die Kosten für die Fahrt unnorwegisch tief. 40 Minuten Bus fahren für 6 Franken – das bezahlen wir doch aus der Portokasse!

Saltstraumenbrücke

Die Haltestelle Saltstraumen liessen wir jedoch links liegen und fuhren noch eine Station weiter, sodass wir zuerst über die imposante Saltstraumenbrücke fahren und dann zu Fuss zurückgehen konnten. Die Aussicht von der Brücke war enttäuschend. Wir haben schon erwartet, dass wir unter uns das Wasser zischen hören und schaumen sehen. Aber nix von alledem. Das Wasser plätscherte einfach so vor sich hin. Als wir am anderen Brückenende ankamen gingen wir ins Saltstraumen-Hotel und fragten, um welche Zeit sie nun gedenken, dass Spektakel starten zu lassen. Erst in 4 Stunden… Aha… Also weit nach der letzten Busabfahrt… Nun, öhm, eigentlich hätten wir ja selber draufkommen können, dass da nicht rund um die Uhr geplätschert wird. Ok… Dann wird der Ausflug zur Nr. 1-Attraktion von Bodø somit zu einem gewöhnlichen Ausflug ins Grüne… Das dafür bei tollem Wetter in einer schönen Gegend. Wir sassen über eine Stunde am Wasser und schauten ihm zu 🙂

Nichts zu sehen unter der Brücke - ausser schöner Gegend...

Um 16:16 nahmen wir den zweitletzten Bus des Tages zurück in die grosse Stadt. Vor dem Ausstieg beim Busterminal meinte der Fahrer zu uns, dass wir unglaubliche Glückspilze seien in Bezug aufs Wetter: 17 Grad im August ist es sonst nie. Höchstens 15 Grad. Die Wärme sei aussergewöhnlich! Oha! Also Spektakelpech und Wetterglück…

Nach dem Check-in im Hotel gingen wir zum Apéro im gleichen Gebäude im 13. Stock. Die Aussicht über den Hafen und aufs Meer war toll. Und das Bier schmeckte gut. Nordlands Pils. Das Nachtessen war weniger der Hit: Das Essen an und für sich war gut, die Menge entsprach eher einem Goofy-Teller. Nach dem Essen schlenderten wir ein bisschen durch Städtchen und kehrten unterwegs noch zu einem Absacker ein. Bodø ist keine Destination, welche ***** von uns kriegt…

Norwegen, wie wir uns es vorsellen...

 

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