Freitag, 14. Mai 2021: Der westlichste Punkt der Schweiz bildet den Abschluss.

Heute war der letzte Tag der diesjährigen Auffahrtsreise. Ich begann diesen mit einer Joggingrunde am Genfersee.

Impressionen vom Morgenjogging in Genève

Es war eine tolle Runde – Genève hatte noch geschlafen und ich hatte die Seepromenade quasi für mich alleine.
Hotelfrühstück gab es für uns Budgettouristen keines – wir organisierten uns was Feines am Bahnhof und fuhren anschliessend mit dem Zug nach Lancy Pont-Rouge. Vor ein paar Jahren war dieser Bahnhof eine kleine Haltestelle. Heute ist es ein öV-Umsteigepunkt erster Güte mit Anschlüssen auf Busse und Trams. Das Resultat war, dass wir den Anschlussbus nach Chancy, Douane erst im letzten Moment gefunden und diesen verpasst haben. 30 Minuten später fuhr der nächste… Wir sind also an de Endstation Chancy, Douane ausgestiegen und sind in Richtung des westlichsten Punktes gewandert. Der genau westlichste Punkt befindet sich mitten in der Rhone, die recht hoch war. Der westlichste Grenzstein ist Grenzstein 1.5.

Der westlichste Punkt der Schweiz befindet sich bei diesem Grenzstein bei Chancy

Nix, aber auch gar nix deutet darauf hin, dass dies der westlichste Punkt ist. Es hat einfach diesen Grenzstein. Aber keine Erklärungen dazu. Wenn man keine vorgängigen Recherchen betreibt, würde man diesen Stein nicht als DEN Stein erkennen. Wettermässig ist es regnerisch, sodass wir mit dem Regenschirm unterwegs sind. Und der Boden ist schlammig, das Wandern ist schwierig. Wir wandern dem Grenzverlauf entlang und treffen immer wieder auf Grenzstellen ohne Zöllner.

An der Grenze zu Frankreich

Und der Kanton Genf, welcher für uns Deutschschweizer doch nur als Stadtkanton bekannt ist, hat durchaus auch hübsche Seiten.

Unterwegs im schweizerisch-französischen Grenzgebiet

Die Wanderwege sind recht tief und in Avusy nehmen wir den Bus nach La Plaine und den Zug nach Genève. Mit schmutzigen Schuhen holen wir unser Gepäck im Hotel. Nun einfach so von Genève nach Bern zu fahren wäre zu einfach. Drum fahren wir nach Neuchâtel (hier mussten wir wegen ausserordentlichen Bauarbeiten noch in Morges umsteigen) und von dort mit der BLS in einem neuen MIKA-Zug nach Bern. Hier trennten sich unsere Wege.

Internationale Reisen sind in diesen Zeiten erschwert. Aber die Reise zu den geografischen Extrempunkten der Schweiz hat sehr viele tolle Erlebnisse gebracht. Und Reisen mit Woody sind immer wieder ein sicherer Wert, dass die Reise Spass macht. Merci Woody – bis spätestens Auffahrt 2022!

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Auffahrts-Donnerstag, 13. Mai 2021: Ganz im Norden der Schweiz.

Heute war der Tag, der unserer Reise die Berechtigung gibt: Auffahrt. Woody blieb liegen, ich machte mich gegen 6:30 Uhr auf zu einer Joggingrunde. Ich hatte mir vorgenommen, auf der einen Rheinseite zum Rheinfall zu joggen und dann auf der anderen Seite wieder zurück. Das Wetter war nicht perfekt, dafür aber das Erlebnis – GENIAL!

Joggend am Rheinfall

Nachdem ich wieder im Hotel war ging es ans packen, dann frühstücken und dann an den Bahnhof Schaffhausen. Hier suchten wir die Bushaltestelle der Linie nach Bargen – und fanden sie nach einiger Zeit… Die Fahrt nach Bargen dauerte knapp 20 Minuten. Dieses Dorf war heute Ausgangspunkt für die Wanderung zum nördlichsten Punkt der Schweiz. Zuerst führte die Wanderung der Autostrasse entlang und führte uns dann, teilweise über deutsches Gebiet, nach einer Stunde zum Grenzstein 593. Im örtlichen Dialekt wird er „Schwarzer Staa“ genannt – der schwarze Stein. Allerdings ist er nicht schwarz, sondern einfach grau. An diesem Ort hatte der Kanton Schaffhausen jeweils Verurteilte oder Verbannte abzuschieben. Heute hat es eine Grillstelle und eine Schautafel mit Erklärungen zum Schwarzen Stein.

Grenzstein 593 ist der nördlichste Grenzstein der Schweiz

Der Stein hat einen quadratischen Grundriss von 30 Zentimetern und besteht aus Kalk. Er ist insgesamt 150 Zentimeter hoch und ragt etwa 70 Zentimeter aus dem Boden. Errichtet wurde er 1839 anlässlich der Vermessung der badisch–schweizerischen Grenze.

Der Stein trägt auf allen vier Seiten eingemeisselte Inschriften:

  • Nordseite: GB (Grossherzogtum Baden); E (Gemeinde Blumberg-Epfenhofen)
  • Ostseite: 1839 (Jahr der Festlegung der Grenze)
  • Südseite: CS (Canton Schaffhausen); B (Gemeinde Bargen)
  • Westseite: 593 (Nummer des Steins)

Auf der Oberseite ist der exakte Grenzverlauf eingraviert; die Linie vollzieht hier einen scharfen Knick.

Der nördlichste Grenzstein der Schweiz - der Schwarze Stein

Nach einem kurzen Moment bei diesem Stein wanderten wir weiter, dieses Mal möglichst dem Grenzverlauf entlang, zurück nach Bargen. Nun ging’s wieder mit dem Bus nach Schaffhausen, mit dem Zug nach Winterthur und dann mit dem ICN via Jurasüdfuss nach Genève.

Hier hatten wir über Booking das Hotel Warwick, gleich gegenüber des Bahnhofs, gebucht. Das Hotel sah recht teuer aus, aber wir bezahlten CHF 170 fürs Zimmer. Ich kann mir gut vorstellen, dass das Zimmer in der Nicht-Corona-Zeit etwa 600 Stutz kostet. Und nun kommen statt kaufkräftige Araber zwei Schweizer mit Dufflebags… Trotzdem erhielten wir ein Zimmer im 7. Stock, mit einer Terrasse welche uns einen tollen Blick aufs Bahnhofgebäude ermöglichte.

Bahnhof Genève vom Roof Top aus gesehen

Nachdem wir uns für eine Nacht eingerichtet hatten machten wir uns auf die Suche nach einem Nachtessenslokal. In Hotelnähe fanden wir ein libanesisches Spezialitätrenrestaurant wo wir ausgezeichnet essen konnten.

Libanesisches Nachtessen in Genève

Das Essen war lecker und der Sonnenuntergang, der uns auf der Terrasse geboten wurde, spektakulär.

Sonnenuntergang in Genève

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Mittwoch, 12. Mai 2021: Zuerst in Österreich – und dann in Schaffhausen.

Nach dem Frühstück ging’s los an den Bahnhof. Zuerst mal das Gepäck im Schliessfach einstellen, dann aufs Postauto nach Martina, wo wir direkt Anschluss nach Samnaun hatten. Eigentlich wollten wir ja den östlichsten Punkt der Schweiz besuchen. Nur ist dies ein Berg auf über 2700 m über Meer – zu anspruchsvoll für uns Flachländer… Also wählten wir den östlichsten Haltepunkt des öffentlichen Verkehrs in der Schweiz – und das ist die Postautohaltestelle „Vinadi“ an der Strecke nach Samnaun. Der wirklich östlichste Punkt ist nur 1850 m östlicher als diese Haltestelle – somit ist es vertretbar, die Spielregeln für diesen Fall ein bisschen anzupassen.

Vinadi ist die östlichste Haltestelle der Schweiz

Der Name «Vinadi» ist romanische Übersetzung von «Weinberg». «Weinberg» wiederum rührt nicht von einer tatsächlichen früheren oder aktuellen Rebpflanzung her, sondern ist eine volksetymologische Umdeutung von wimberg, was seinerseits auf althochdeutsch wimî mit der Bedeutung «sprudelndes Wasser, Quelle» zurückgehe. Das weiss Wikipedia.

Vinadi besteht aus grad mal drei Gebäuden: einem Restaurant, einem ehemaligen steinernen Wohnhaus des Zolls und dem ehemaligen Zollkiosk, der momentan nicht in Verwendung ist.

Dieses Gebiet hier gehört erst seit 1868 definitiv zur Schweiz, vorher war es ein Teil Tirols. Und seit das Gebiet zur Schweiz gehört, konnte man eine Strasse nach Samnaun bauen. Die 1912 ab Vinadi über schweizerischen Boden nach Samnaun führende Samnaunerstrasse ist nur mit Fahrzeugen bis zu einer maximalen Fahrzeugbreite von 2,3 m sowie einer maximalen Fahrzeughöhe von 3,0 m befahrbar. Die Samnaunerstrasse ist zudem steinschlaggefährdet und nicht wintersicher. Den Hauptzufahrtsweg bildet die besser ausgebaute Strasse auf Tiroler Boden über Spiss.

Wir nutzten die Zeit bis zur Abfahrt des nächsten Postautos zurück nach Scuol zu einem Spaziergang an den Inn und eine (gaaaanz kurze) Besichtigung der Burg Altfinstermünz. Diese Burg liegt auf österreichischem Boden. Aufgrund von Covid-Massnahmen konnte man die Gebäude nur von aussen besichtigen. Eine längere Besichtigung wäre aufgrund unseres Zeitplans auch nicht dringelegen. So gab es nur einen (illegalen) Abstecher nach Österreich und schon ging’s wieder zurück an die Haltestelle in Vinadi.

Burg Altfinstermünz

Zeitlich haben wir uns bei diesem Abstecher zur Burg Altfinstermünz komplett verschätzt. Wir mussten uns sputen, damit wir das nächste Postauto erreichen. Eine Stunde in Vinadi aufs nächste Poschi zu warten wäre nicht so prickelnd gewesen. Der ganze Weg, den wir an den Inn hinuntergingen, ging’s natürlich nun wieder hinauf – 90 Meter… Wir liefen konditionell am Anschlag und drohten das Poschi zu verpassen. Die Hauptstrasse war schon in Blickweite – und schon kam das gelbe Fahrzeug daher. Verpasst! Verpasst? Nein, Woody winkt dem Chauffeur, dieser hält sein Fahrzeug mitten auf der Strasse an (zur Haltestelle wäre es noch ca 200m gegangen) und wir können einsteigen… Service Public as it’s best!

Nachdem wir mit dem Postauto in Scuol angekommen sind beziehen wir wieder unser Gepäck aus dem Schliessfach und fahren anschliessend mit dem Zug nach Samedan. Hier haben wir ordentlich Zeit bis der Anschlusszug nach Chur fährt, sodass wir eine Kleinigkeit Proviant kaufen können und Trainspotting betreiben können.

Und wir haben Glück: Plötzlich fährt ein Güterzug ein, der mit einer Ge 4/4 I bespannt ist! Diese Lok wurde 1947 gebaut und ist heute noch im Einsatz! Ein echter (G-) Oldtimer also:

Die Ge 4/4 603 wurde 1947 gebaut - und ist heute noch im Einsatz!

Ein paar Minuten später sind wir mit dem Anschlusszug nach Chur weitergefahren. Wir genossen die Fahrt über die Albulabahn, welche seit 2008 als UNESCO-Welterbestrecke verzeichnet ist.

Fahrt über den Viadukt bei Filisur

Von Chur aus fuhren wir über Sargans und das St. Galler Rheintal nach Rorschach. Hier fuhr auf dem Nebengleis ein älterer Triebwagen von Thurbo ein, der als Destination „Auf Wiedersehen“ angeschrieben hatte. MIr kam in den Sinn, dass Thurbo die älteren Fahrzeuge ausser Dienst nimmt. Wohin fährt dieser Zug? Ich schaute kurz in den internen Systemen nach und stellte fest, dass dieser Zug die gleiche Strecke befährt wie wir. Statt wie wir bis Schaffhausen fährt dieser Zug nach Etzwilen. Dieser Bahnhof war früher ein Grenzbahnhof zu Deutschland (Strecke Singen-Etzwilen) und verfügt noch heute über grössere Gleisanlagen. Aus diesem Grund wir dieser Bahnhof auch als „Fahrzeugfriedhof“ benützt, als Zwischenlager für Fahrzeuge, bevor es dann in den Abbruch geht. Also war für uns klar, dass wir in Etzwilen einen Zug überspringen werden, damit wir dem Thurbo-Zug sein „letztes Geleit“ geben können.

Thurbo GTW 683 auf seiner letzten Fahrt.

Es war eine kurze und schmerzlose Episode: Einfahrt in Etzwilen. Abstellen in der Abstellgruppe – fertig. Und wird dieser Zug wohl besprayt und dann irgendwann der Reststoffverwertung zugeführt.

Wir fuhren weiter bis Schaffhausen und haben uns im Hotel Rüden einquartiert. Das Nachtessen konnten wir im Kronenhof geniessen. Und nach einem Verdauungsspaziergang durch Schaffhausen ging’s schon bald in die Heia.

Munot Schaffhausen by night

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Dienstag, 11. Mai 2021: Gotthard Panorama-Express ohne Panorama.

Nach dem Frühstück packten wir unsere Sachen und gingen zum Bahnhof Lugano. Heute war eine Fahrt mit dem Gotthard Panorama Express GoPEx auf dem Programm. Da das Wetter nicht so toll war, werden wir wohl nicht so viel Panorama zu erwarten haben. Also kein GoPEx sondern ein GoEx. Dieser Zug verkehrt in den Sommermonaten 2x pro Tag Süd-Nord und Nord-Süd und befährt sowohl die Ceneri- wie auch die Gotthard-Bergstrecke. Also nix mit husch untendurch, sondern Travelling in style…
Heute hatte es nicht sehr viele Kunden, die die Reise gebucht haben. Grad mal 8 Leute. Während der Reise wurden die verschiedenen Sehenswürdigkeiten, aber auch die Geschichte der Gotthardbahn erklärt. Die Fahrt war kurzweilig und beinhaltete verschiedene Überraschungen. So zum Beispiel in Wassen ein Mann, der eine Schweizerfahne geschwenkt hatte – 1:1 im Blick mit der Kirche von Wassen. Oder eine Holzfigur, welche im Zug sass und dem Financier der Gotthardbahn, Alfred Escher, gewidmet war.

The man with the Swiss flag

Auch Alfred Escher sitzt im Zug

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In Flüelen hatte man Anschluss auf Schiff nach Luzern. Wir blieben aber im Zug sitzen und fuhren bis Arth Goldau weiter.

Nach einem kurzen Aufenthalt fuhren wir mit dem Voralpenexpress der Südostbahn über Rothenthurm – Rapperswil nach Uznach, wo es dann nach einem Sprintanschluss weiter ging nach Sargans. Auch hier stiegen wir um nach Landquart. Die Umsteigezeit reichte, um im örtlichen Outlet vorbeizuschauen. Allerdings haben wir die Wirtschaft nicht angekurbelt.

Ab Landquart ging’s weiter nach Scuol. wo wir im Hotel Bellaval, gleich neben dem Bahnhof, übernachteten. Nach einem feinen Nachtessen im Hotel und einem Verdauungsspaziergang durchs Dorf gings ins Bett. Die Bergluft half uns, schnell einzuschlafen.

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Montag, 10. Mai 2021: Den südlichsten Punkt der Schweiz gefunden.

Bei aller Begeisterung für Züge: die Nacht war ein bisschen lärmig. Trotz wenig Schlag gönnte ich mir eine Joggingrunde, unten am See. Dann Frühstück und wieder runter an den See – wir wollten mit dem Schiff nach Capolago fahren.
Trotz des eher dürftigen Wetters hatte es ziemlich viele Leute auf dem Schiff.

Abfahrt der Schiffe in Lugano Centrale

Wir fuhren über Paradiso, Campione (mit dem scheusslichen Casino – ah, von Botta? Wunderschön…),

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Melide nach Capolago. Hier hatten wir Anschluss mit der Ferrovia Monte Generoso auf den Monte Generoso. Die Strecke von Capolago Lago nach Capolago – Riva S. Vitale ist grad mal 290 m lang – und hat Woody und mir bei den zu befahrenden Strecken der Schweiz gefehlt. Nun können wir also auch diese 290 m abhaken – Check!

Capolago Lago - Streckenende "Bahnhof" Capolago Lago

Im Zug auf den Monte Generoso hatte es, dem Wetter entsprechend, nicht sehr viele Leute. Bei der Endstation – Generoso Vetta – hat es seit einigen Jahren ein neues „Berghaus“. Auch dies ein Bau von Botta.

Fahrt auf den Monte Generoso

Wir gingen die paar Minuten hoch zum Gipfel und sahen – nichts. Das Wetter war wirklich übel, so dass wir eine halbe Stunde später mit dem nächsten Zug wieder ins Tal nach Capolago – Riva S. Vitale fuhren.

Gipfel des Monte Generoso

Nun fuhren wir mit dem Zug weiter nach Chiasso, ein paar Minuten später ging’s mit dem Bus weiter nach Pedrinate Chiesa. Von hier aus wollten wir zum südlichsten Punkt der Schweiz wandern. Zuerst ging’s der Hauptstrasse entlang und direkt bei der Grenze ging der Weg der Grenze entlang zum südlichsten Punkt. Die Grenze zu Italien ist mit einem Zaun gesichert. Dieser hat qualitativ unterschiedliche Ausmasse, vom Typ Maschen-Draht-Zaun bis zu massiven Stahlträgern. Aber ein Bud Spencer schafft es immer, in die Schweiz zu kommen, Zaun hin oder her…

Unterwegs zum südlichsten Punkt der Schweiz 🇨🇭

Der südlichste Punkt ist mit einem entsprechenden Hinweis ausgestattet. Es hat auch ein Bodenmosaik, welches die Schweiz zeigt, zwei Picknicktische, eine in Holz gehauene Helvetia und eine Schweizerfahne.

Wanderung zum südlichsten Punkt der Schweiz Wanderung zum südlichsten Punkt der Schweiz

Nach ein paar Minuten der Andacht gingen wir weiter unseren Weg, mehr oder weniger der Grenze entlang, nach Chiasso. Von hier aus nahmen wir den direkten Zug nach Locarno. Seit der Eröffnung des Ceneri Basistunnels CBT gibt es direkte Züge von (Chiasso-) Lugano nach Locarno. In einer halben Stunde ist man dort. Generell kann gesagt werden, dass der neue Tunnel die Verbindungen im Tessin, namentlich zwischen Sopra- und Sottoceneri massiv beschleunigt. Bellinzona – Lugano macht man in noch grad mal 15 Minuten…

Piazza Grande in Locarno


In Locarno gingen wir auf die Piazza Grande und assen dort in einem Restaurant. Es wurde nun kühler und begann zu regnen. Wir waren zwar am Trockenen, aber frisch wurde es trotzdem. Nach dem Nachtessen ging es zurück nach Lugano und somit ins Hotel.

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Sonntag, 9. Mai 2021: Wieder auf Auffahrtsreise!

Corona ist zwar immer noch, aber die Auffahrtsreise findet trotzdem statt. Einfach im Inland. Und welches Motto haben wir dieses Jahr?

Wir besuchen den südlichsten Punkt der Schweiz.

Wir besuchen den östlichsten Punkt der Schweiz.

Wir besuchen den nördlichsten Punkt der Schweiz.

Wir besuchen den westlichsten Punkt der Schweiz.

Und das alles in der Auffahrtswoche. Ist das machbar?

Ja und nein. Ja, weil es von der Fahrmöglichkeit her möglich ist. Nein, weil sich der östlichste Punkt der Schweiz auf dem Piz Chavalatsch auf 2762 müM befindet – was für Woody und mich ausser Diskussion stand. So nahmen wir als Alternative die östlichste öV-Haltestelle der Schweiz. Diese heisst Vinadi , ist eine Postautohaltestelle und liegt an der Linie von Scuol nach Samnaun. Und ist nur 1.84 km weniger östlich als der Piz Chavalatsch – eine für uns durchaus vertretbare Alternative/Kompromiss.

Wir treffen uns im Bahnhof Bern und fahren nach Zürich. Unterwegs diskutieren wir über Corona-Selbsttests und kommen dann zum Schluss, dass die kommende Woche wohl entspannter ablaufen könnte, wenn wir beide einen solchen Selbsttest durchführen würden. Im Bahnhofkiosk des Hauptbahnhofs Zürich beschaffen wir uns das nötige Material und führen den Test im Zug Richtung Lugano durch. Positiv ist, dass die Tests negativ sind 🙂

Seit der Eröffnung von Gotthard- und Ceneri-Basistunnel dauert die Fahrt von Zürich nach Lugano grad mal weniger als 2 Stunden. Und schon bald kommen wir in Lugano an.

Protziger Eingang zum Continental Parkhotel in Lugano

Unser Hotel, das Continental Parkhotel, befindet sich direkt neben dem Bahnhof Lugano. Wir erhalten ein Zimmer mit Sicht auf den Monte Brè, das Seebecken des Lago di Lugano – und auf die Gleise der Gotthardbahn!

Room with a view - auf die Gotthardbahn!

Die Freude über die Aussicht war gross. Hier hatten wir aber auch einen Mangel an Informationen, denn wir ahnten zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass wir in der Nacht bei fast jedem Zug erwachen werden…

Wir beziehen das Zimmer und machen uns auf zum Apéro in der Stadt. Wir gehen zu Fuss und lassen das Bähnchen vom Bahnhof ins Zentrum links liegen. Und man im Zentrum ankommt – ob zu Fuss oder mit dem Bähnchen, kommt man an der Salami-Ausstellung der örtlichen Metzgerei vorbei:

Eine Ikone, die in keinem Reiseführer über das Südtessin fehlt: Die Salame der Macelleria Gabbani in Lugano

In der Nähe der Piazza Riforma gönnen wir uns ein Apéro(l), schlendern noch ein bisschen durch die Stadt und stellen fest, dass es in Lugano eine Standseilbahn gibt, welche seit Jahren ausser Betrieb ist: Das Funicolare degli Angioli. Seit 1986 ist hier kein Betrieb mehr. Das Trasse mit Schienen ist jedoch noch vorhanden. Und auch eine Treppe hat es. Eine sehr lange Treppe…

Scalite delle Angioli, Lugano

Wir kehren nun definitiv zurück ins Hotel und geniessen sehr traditionell das Nachtessen im grossen Speisesaal. Anschliessend ziehen wir uns schon bald aufs Zimmer zurück und freuen uns auf die kommenden Tage.

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Freitag, 11. September 2020: Unterwegs in den Walliser Bergen

Nach dem Frühstück gingen wir zum Bahnhof, wo sich unsere Wege trennten. Woody fuhr Richtung Bern, ich fuhr das Wallis hoch Richtung Martigny. Hier habe ich das Gepäck im Schliessfach eingestellt und stieg um auf die Bahn, welche nach Le Châtelard führt. Man kann dort aussteigen oder sitzen bleiben und weiter nach Chamonix fahren. Für mich war Le Châtelard recht, bin dort ausgestiegen und sogleich wieder auf eine Standseilbahn umgestiegen. Die 1920 von den SBB erbaute Barberine-Standseilbahn war mit bis zu 87 % Steigung bis zur Eröffnung der neuen Stoosbahn 2017, die steilste Zweikabinen-Standseilbahn der Welt. Die Seilbahn in Meterspur überwindet auf einer Länge von 1310 Metern eine Höhendifferenz von 700 Metern.

Funi von Le Châtelard Richtung Emosson

Auf die Standseilbahn folgt als zweite Sektion eine 600-mm-Feldbahn, die 1975 auf dem Trasse der in den 1920er-Jahren von den SBB betriebenen 750-mm-Werkbahn zum Weiler Emosson und der Barberine-Baustelle erbaut und als Petit train panoramique (Schmalspur-Panoramabahn) wiedereröffnet wurde. Sie verläuft auf leichtem Gefälle über Geländeterrassen und durch sechs Tunnels.

Unterwegs nach Emosson

Auf die Feldbahn folgt als dritte und letzte Sektion das Minifunic von 1991, welches vom Fuss der Staumauer zum Lac d’Emosson führt. Auf der etwa 260 Meter langen Strecke überwindet das Minifunic einen Höhenunterschied von 140 Metern.

Der Schrägseillift zur Emosson-Staumauer

Nun befinde ich mich bei der Staumauer des Lac d’Emosson. Hier oben endete 2016 eine Etappe der Tour de France. Ich verweilte einen Moment an diesem Ort und genoss das Panorama.

Lac d'Emosson

Dann wanderte ich einen schönen, leicht abfallenden Wanderweg bis nach Salvan.

Wanderung von Emosson nach Salvan

Hier nahm ich den nächsten Zug nach Martigny und fuhr über Visp und den Lötschberg-Basistunnel wieder zurück nach Hause.

Es war einmal mehr eine tolle Auffahrtsreise mit vielen schönen Erlebnissen. Da freue ich mich doch grad aufs 2021! Wohin wir im nächsten Jahr fahren? Das wissen in der aktuellen Corona-Situation wohl weder wir noch der Bundesrat 🙂

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Donnerstag, 10. September 2020: Ab in die Berge, und dann an den See

Schon um halb 10 waren wir in Aigle und bestiegen dort den Bus? Was, im Schmalspurparadies Aigle auf einen Bus umsteigen? Ja, das war die schnellste Verbindung um auf den Col de Bretaye zu gelangen – und ergab eine schöne Rundreise.

Der Bus brachte uns nach Villars sur Ollon, ein typisches Wintersportdörfchen welchem ohne Schnee der Charme fehlt. Hier stiegen wir vom Bus auf die Bergbahn zum Col de Bretaye um. Die Bahn endet quasi im nichts, es hat keine gedeckten Perrons, plötzlich ist einfach die Bahn fertig.

Zug der TPC in Col-de-Bretaye

An diesem Ort fällt schon wieder auf, wie speziell eine Gegend wirkt, wenn kein Schnee da ist. Die Skilift- und Seilbahnmasten mit den entsprechenden Kabeln standen da und erfüllten keinen Zweck – ausser die Gegend zu verschandeln.

Masten und Schneelanzen, soweit das Auge reicht...

Wir kehrten in einem Restaurant ein, tranken was und machten anschliessend einen Spaziergang um den See, welcher sich auf diesem Plateau befindet. Auch die Kühe fanden die Gegend recht hübsch.

Die Kuh geniesst die Aussicht auf den Lac de Bretaye

Nach unserem Aufenthalt fuhren wir mit der Bahn wieder talwärts nach Villars sur Ollon und stiegen dort auf einen anderen Zug der TPC um, welcher uns nach Bex brachte. Nun waren wir wieder im Tal unten und stiegen dort auf die SBB um, welche uns über St-Maurice nach Le Bouveret an das Ufer des Lac Lémans brachte. Hier befindet sich der Swiss Vapeur Parc, unser nächstes Tagesziel. Der Park ist eine grosse Einrichtung mit einer Eisenbahnanlage für grosse Fahrzeuge. Die Fahrzeuge sind so gross, dass sie Wagen ziehen können, welche erwachsene Leute drin haben.

Unterwegs im Swiss Vapeur Parc in Bouveret

Der ganze Swiss Vapeur Parc ist landschaftlich sehr schön und auch die Eisenbahnmodelle sind sehr hübsch gemacht. So haben wir die Möglichkeit, einem tollen Bahnbetrieb zuzuschauen bzw. selber auch mitzufahren. Die verschiedenen Strecken sind sehr abwechslungsreich und uns wird eigentlich nicht langweilig…

Unterwegs im Swiss Vapeur Parc in Bouveret

Aber wie immer auf unseren Auffahrtsreisen gilt: Wir haben ein strenges Programm! 🙂 So gilt es, nach ein paar Stunden den Park zu verlassen und wieder zum Bahnhof zu gehen. Wir fahren nach St-Gingolph, dem Grenzstädtchen auf der gegenüberliegenden Seite von Montreux. Diese Bahnlinie war früher mal eine durchgehende Strecke nach Evian und weiter Richtung Genève. 1937 wurde der Personenverkehr eingestellt, 1988 dann der Güterverkehr, und seit diesem Datum endet die Strecke recht abrupt:

Ende der Strecke - danach kommt Frankreich...

Mit der Fahrt nach St-Gingolph habe ich nun alle Strecken der SBB befahren. 🙂

Von St-Gingolph aus ging’s anschliessend mit dem Schiff quer über den Lac Léman nach Vevey. Hier sind wir ausgestiegen und haben in einem der unzähligen Restaurants an der Promenade unser Farewell-Dinner gegessen. Morgen trennen sich die Wege von Woody und mir, da er sein neues Auto beziehen kann! Nachdem er nun schon viele Monate auf den neuen fahrbaren Untersatz warten musste ist es für mich klar, dass er die schnellste Gelegenheit ergreifen musste, um in die Garage zu kommen.

Nach dem Nachtessen fuhren wir zurück nach Lausanne zu unserem Hotel.

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Mittwoch, 9. September 2020: Grenzwertig

Während Woody es vorzog, länger zu schlafen, begab ich mich mit der Metro nach Ouchy. Hier war es flach genug, um eine Joggingrunde am Lac Léman zu machen. Die Strecke nach St-Sulpice war toll, es lief mir gut und es war ein super Einstieg in den Tag. Zurück zum Hotel nahm ich natürlich wieder die Metro 🙂

Bonjour Lausanne

Nach dem Frühstück fuhren wir nach Vallorbe. Dieser Grenzbahnhof hat seine besten Jahre hinter sich. Trotzdem hat er ein eisenbahntechnisches Highlight zu bieten, nämlich je ein Güterzug von der Schweiz nach Frankreich und einer von Frankreich in die Schweiz.

620 034 Aarburg-Oftringen fährt in Vallorbe ein

Der Güterzug aus Brig-Lausanne kam ein bisschen zu früh an. Er fuhr in Vallorbe ein, die Lok wurde abgehängt, fuhr Seite Frankreich und umfuhr dann den Zug wieder. Auf einem Nachbargleis wurde die Lok abgestellt. Dann fuhr der Zug aus Frankreich ein. Eine Lok war an der Spitze, eine hat am Schluss gestossen und mitgeholfen, dass die Steigung Richtung Vallorbe mit dem schweren Zug gemeistert werden kann. Da der Zug in ein Gleis mit ausschliesslich Schweizer Fahrstrom fuhr, fuhr der Zug mit gesenkten Stromabnehmern ein.

Impressionen aus Vallorbe

Nachdem der Zug angehalten hatte, wurde die Lok abgehängt, von der Schweizer Güterlok abgeholt und Richtung Lausanne ausgezogen. Anschliessend wurde sie mit Schwung wieder unter den französischen Strom zurückgestossen. Sobald sie wieder unter Franzosenstrom war, konnte sie wieder eigenständig verkehren. Was sonst noch so in Vallorbe abging, zeigt dieser Film:

Nach diesem Intermezzo führte uns unsere Reise nach Le Brassus, wunderschön dem Lac de Joux entlang. Dann wieder zurück bis Le Day, wo wir Richtung Lausanne fahren wollten. Plötzlich merkte Woody, dass seine (Seh-) Brille verlustig ging (er trug die korrigierte Sonnebrille), am ehesten im Bahnhofbuffet Vallorbe. So sind wir am nächsten Bahnhof, Croy-Romaimôtier wieder ausgestiegen und nochmals nach Vallorbe gefahren. Im Bahnhofbuffet haben sie jedoch keine Brille gefunden.

Wir nutzten diesen Abstecher nach Vallorbe um unser Programm dahingehend zu ändern, dass wir nun mit dem Postauto nach Orbe fuhren. Von hier nach Chavornay fährt eine urige Privatbahn mit älterem Rollmaterial, die es sich zu besuchen lohnt. Die Strecke ist kurz und nichts spezielles:

Von Chavornay aus fuhren wir anschliessend nach Lausanne, wo wir vor dem Gang ins Hotel noch in einer Pizzeria an der Avenue de la Gare eingekehrt sind.

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Dienstag, 8. September 2020: Rollige Böcke

Damit normalspurige Güterwagen auch auf Bahnhöfen mit schmalspurigem Anschluss empfangen werden können, werden sie an den Übergabebahnhöfen Normal-/Schmalspur auf Rollschemel oder Rollböcke geladen und so auf die schmalspurige Strecke geschickt. In Morges zweigt die schmalspurige Strecke nach Bière (und mit einem Abzweiger nach L‘Isle-Mont-La-Ville) ab und diese Bahn (MBC) hat einen solchen Verkehr. Täglich gibt es zwei Kieszüge, welche bei Apples verladen werden und die anschliessend nach Gland fahren. Dieses Spektakel wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen und so sind wir nach Morges gefahren. Um es vorneweg zu nehmen: Es ist hoch interessant, wie hier gearbeitet wird! Ich habe probiert, dies in einem Film zusammenzufassen:

Nach einer Weile fuhren wir die Strecke der MBC hoch und runter und stiegen in Bussy-Chardonney aus. Von hier spazierten wir nach Yens. Wir schossen ein paar Zugsbilder an der Strecke und konnten euch einen Kieszug ablichten. Dann ging’s wieder nach Morges runter und von dort nach Allaman. Hier konnten wir den Kieszug noch einmal ablichten, daber dieses Mal auf der normalspurigen Strecke.

Züge fotografieren in Allaman

Anschliessend fuhren wir mit dem Zug nach Nyon, spazierten zur Schiffländte und fuhren mit dem Schiff nach Genève. Hier fanden wir ein tolles Restaurant wo wir draussen sitzen konnten und exzellent assen. Danach ging’s wieder Richtung Lausanne in unser Hotel.

Jet d'Eau in Genève

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Montag, 7. September 2020: Fast in Frankreich, aber nur fast…

Nach einem Ruhetag gestern (Woodys Vater wurde 80 und hatte zum grossen Familienfest geladen) starteten wir heute zu Tag zwei. Wir machen es also so wie bei der Tour de France, ein Prolog und dann ein Ruhetag…

Start war in Bern und die Reise führte uns nach Lausanne. Hier bezogen wir im hippen Flon-Quartier unser Zimmer im Hotel Moxy. Das Hotel wurde 2019 eröffnet, ist preislich recht günstig und eigentlich gut gelegen. Nach dem Zimmerbezug fuhren wir mit der Stadtbahn nach Renens VD und staunten erstmal über den umgebauten Bahnhof. Wir hatten den ganz anders in Erinnerung als so, wie er sich nun uns präsentiert hat. Der Anschluss nach Nyon fuhr nur ein paar Minuten später und kurz vor 14:00 Uhr waren wir dort. Der Anschluss nach La Cure mit der NStCM-Bahn wartete schon. Das Spezielle an diesem Bahnnamen: Die Bahn fährt seit Jahrzehnten nur noch bis La Cure, fuhr früher aber noch 13 km weiter ins in Frankreich gelegene Morez. Die Strecke wurde aufgegeben, der Buchstabe M im Namen blieb bis heute. Wir fahren also bis nach La Cure, welches sich auf 1150 m Höhe befindet. Der Weg führt über den Col de la Givrine. Die wohl harschen und schneereichen Winter laden hier ein zum langlaufen. Die Gegend ist ein Einfalltor für die Grenzgänger, die hier zu Hunderten mit den Autos unterwegs sind. Und hier geht die Bahn bis 5 m vor die Grenze zu Frankreich. Wir bewegen uns also tatsächlich am Limit… 

La Cure: hier ist die Strecke fertig. Hinter den Masten ist Frankreich

Nun gehen wir zu Fuss weiter, wandern über tolle Juraweiden 10 km nach St-Cergue. 

Wanderung zwischen La Cure und St-Cergue

Hier im Dorf essen wir zNacht, bevor wir wieder die NStCM Richtung Nyon und dann die SBB nach Lausanne nehmen. 

Jean-Jacques Rousseau kommt hier vorbei und kriegt eine Strasse...

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Samstag, 5. September 2020: Fitness und Rauch

Nein, Corona hat die Auffahrt nicht in den September verschoben. Aber die traditionelle Auffahrtsreise…

Und so starten wir heute mit einem Programm, welches in der Schweiz stattfindet. Aber genau so vielfältig sein wird wie unsere üblichen Reisen. Um 7:00 Uhr starten wir in Bern und fahren über Luzern nach Erstfeld. Auch heute sind wie an jedem ersten Samstag im Monat „Fitnessfahrten“ angesagt. In Erstfeld hat es ein Depot von SBB Historic und die alten Loks sollen, müssen und dürfen regelmässig bewegt werden, damit sie keine Standschäden kriegen. 

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Die Parade der Bahnahnen (Wortspiel: nicht zu verwechseln mit Bananen) startet um 10:00 und dauert rund 2 Stunden. Dabei fahren die Loks auf Abstellgleisen hin- und her und zeigen sich den Fotografen. Manchmal machen sie Parallelfahrten und fahren auf gleicher Höhe nebeneinander. Um 11:00 gab es eine Pause, in welchem man zu den Loks gehen und die Lokführer über die technischen Details ausfragen konnte. 

Rund 50 Leute hat das Spektakel angezogen und um 12:00 machten sich nach dem Ende der Vorführung wieder alle aus dem Staub. Auch wir fuhren weiter und nahmen den Zug übe die Gotthard-Bergstrecke nach Göschenen. Dort stiegen wir um nach Andermatt und von dort auf den Zug Richtung Visp, in welchem wir bis Realp mitfuhren. Nach einem kurzen Fussmarsch erreichten wir den Bahnhof Realp der Dampfbahn Furka-Bergstrecke. Das war also das zweite historische Schmankerl, welches wir uns heute gönnten: Mit dem Dampfzug über die Furka, eine Reise wie vor rund 100 Jahren…

Wir hatten einen Platz in der 1. Klasse reserviert und genossen den Luxus des tollen Sessels. Noch vor Abfahrt wurden wir vom Gästebetreuer mit Champagner aus dem Wallis verwöhnt. Dann ging es los und der Zug schlängelte sich hoch Richtung Furka. Unterwegs ging es über die Steffenbachbrücke, welches jeden Frühling wieder aufgebaut und im Herbst abgebaut werden muss. In frühen Jahren wurde die Brücke oft von einer Lawine mitgerissen, sodass man sich einer technisch einmaligen Lösung behalf, einer Klappbrücke.

Bis der Zug bei der Station Furka eingetroffen war, musste auf der Zwischenstation Tiefenbach Wasser gefasst werden. Damit es rauchen kann, braucht es Wasser. In Furka gab es einen längeren Halt. Der Zug aus dem Wallis in Richtung Uri war zur gleichen Zeit dort und hat ebenfalls eine Pause gemacht.

Kreuzungshalt in Furka

Dann ging es durch den 1,8 km langen Furka Scheiteltunnel ins Wallis. Den nächsten längeren Halt gab es in Gletsch und auch dort wurde wieder Wasser nachgefüllt. Ich meinte mich zu erinnern, dass ich als Kind noch den Rhonegletscher gesehen habe. Aber nun hat es nur noch Fels, aber kein Eis mehr… Die Klimaerwärmung gibt es also wirklich…

Nun geht es weiter talwärts bis Oberwald. Hier sind wir ausgestiegen. Die Lok wurde auf der Drehscheibe gewendet und fuhrt wieder hoch nach Gletsch, wo sie jeweils übernachtet (in Oberwald hat es kein Depot, die Wagen werden jeweils im Bahnhof stehen gelassen).

DFB-Lok Nr. 9 auf der Drehscheibe in Oberwald
Die anschliessende Fahrt durchs Goms bis Brig zog sich noch dahin. In Bern angekommen zeigte sich doch eine gewisse Müdigkeit. Diese Fitness braucht halt auch Energie…

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Freitag, 21. August 2020: Non abbassiamo il guardia!

„Anche se simao tornati à viaggiare non dimentichiamo che il COVID19 è sempre tra noi.“ Unsere erste Auslandreise nach dem COVID in unser Leben getreten ist, geht langsam zu Ende. In den Zügen und auch sonst im ÖV tragen auch in Italien alle Masken, gleiches gilt für grössere Menschen-Ansammlungen im öffentlichen Raum. Bei den Zugängen zu den Fernverkehrs-Schnell-Zügen wird die Körpertemperatur der Reisenden gemessen. Vieles ist also anders geworden und ja COVID19 ist immer noch unter uns und beeinflusst massgebend unser Verhalten. Wir setzen alles daran, uns auch weiterhin zu schützen und zu unserer Gesundheit Sorge zu tragen. Nach einer erholsamen Nacht im Tiefschlaf wachen wir kurz vor 7 Uhr auf und machen uns für die bevorstehende Rückreise parat. Das Frühstück im Hotel besteht aus einem bedienten Buffett. Eine super-gute Lösung. Das reichhaltige Angebot bestehend aus regionalem Käse, Fleisch-Platte, Gebäck, Eierspeisen, Früchten und Joghurt ist schön angerichtet und wird durch das Hotel-Personal nach Wunsch für einen zusammengestellt. Wie im gesamten Hotel ist das Personal auch hier äusserst freundlich und zuvorkommend. Gut gestärkt machen wir uns nochmals auf einen kurzen Stadtbummel auf bevor es dann zum Bahnhof geht, wo wir uns mit dem 12.02 Uhr Zug auf Richtung Milano machen. Weiter geht‘s anschliessend über Lugano – Luzern nach Bern. Es zahlt sich nun aus, dass wir nicht allzu viele Sachen eingekauft haben. Aber das Saldi-Angebot in Venezia und Verona hat uns nicht sehr angesprochen. Darum stellt der Sack mit den kulinarischen Köstlichkeiten (u.a. Efeu-Honig, Pasta, Salami, Mozarella aus Paestum, eingelegtes Gemüse) aus der Salumeria G. Albertini in Verona „fast“ das einzige Zusatz-Gewicht dar.

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Donnerstag, 20. August 2020: Ciao Venezia, a presto!

 

Kurz vor 6.00 h startet Martin mit einer Foto-Session (Morgenrot-Moment auf der gegenüberliegenden Seite des Canale Giudecca) in den Tag. Wir lassen es ruhig angehen. Geniessen den Sonnenaufgang, das Vogelgezwitscher aus dem Fortuny-Garten und das bequeme Bett mit der Doppelkissen-„Landschaft“.


Room with a view

 

 

Kurz nach 7 h machen wir uns auf eine letzte Venedig-Joggingrunde. Martin will die Uferstrecke Giudecca zweimal ablaufen, was etwas 7 km entspricht. Ich will nochmals ans westliche Ende von Giudecca, wo die grosse Sporthalle mit dem Hallenbad steht. Getrennt laufen wir los und verabreden uns um 8.00 h im Hof des Hotels. Es ist angenehm warm, die Sonne scheint und einmal mehr sind ausser ein paar Einheimischen noch nicht viele Leute in den Gassen. Nach kurzer Laufzeit kreuzt ein Enten-Eltern-Paar mit drei Jungen meinen Weg. Ich bleibe stehen, mache eine Foto und nehme dabei die grosse Aufregung wahr, die bei sämtlichen Tieren herrscht. Das kann doch unmöglich nur wegen mir sein. Ich stelle fest, dass es noch von einem anderen Ort fiepst als nur von den fünf Tieren auf dem Kanal-Rand. Und tatsächlich scheint ein viertes Jungtier vom Kanal-Rand in eines der im Kanal festgezurrten Nussschalen-Boote gefallen zu sein. Das Kleine versucht unentwegt, den Bootsrand rauf zu kraxeln, was ihm aber nicht gelingt. Für mich ist der Abstand zwischen Kanal-Rand und Boot zu hoch, um ins Boot bzw. danach wieder auf Kanal-Rand-Level zu kommen. Glücklicherweise kommt ein Mann in sportlichen Klamotten, der sofort checkt was los ist. Er lässt sich ins Boot fallen und braucht einen Moment, um sich des Jungtiers zu bemächtigen. Bei den übrigen Familienmitgliedern und dem Duckling im Boot ist die Aufregung riesig. Schliesslich gelingt es dem Mann, das Jungtier zu fangen und es auf den Kanal-Rand zu setzen, wo es sofort in den Kreis der Enten-Familie aufgenommen wird. Der Mann klettert danach wieder hoch und zeitgleich sagen wir uns: „Famiglia riunita“. Wir lachen beide und jedes setzt seinen Weg fort.

 

 


Famiglia riunita

 

 

Wie abgemacht, treffen wir uns kurz nach 8 h zum Stretchen im Hof des Hotels bei der Büste von Giovanni Stucky. Wir sind beide happy, haben uns mit dieser Bewegungs-Sequenz etwas gutes getan. Zurück ins Zimmer, duschen und packen. Und schon machen wir uns auf den Weg zum Majer-Café, wo wir – mittlerweile mit dem Angebot und dem Personal vertraut – ein weiteres Mal super gut frühstücken. Der caffè latte, die cornetti und für mich vor allem das rustico alle olive sind schlicht und ergreifend grossartig. Wir besteigen das 11.02 h Traghetto, das uns zügig zum Bahnhof bringt, wo wir nach wenigen Minuten In den Zug nach Verona steigen. Die etwas mehr als einstündige Reise verläuft ruhig. Verona begrüsst uns mit heissem Sommer-Wetter. Nach dem Check-In im Grand Hotel an der Porta Nuova machen wir uns auf den Weg in die schöne Altstadt.

 

 


Arena di Verona

 

 


Piazza delle Erbe

 

 

Es gibt viel schönes zu sehen, obgleich die Hitze unser „Entdecker-Tum“ etwas schmälert. Wie überall in Italien gibt es auch hier einen Stickerei-Shop. Dieser bietet verschiedene Stoff-Artikel des täglichen Gebrauchs an, die man direkt vor Ort mit einem Spruch, Monogramm oder Namen personalisieren kann. Das witzige an diesem Shop ist, dass er damit wirbt, dass man aus der oberen Etage des Geschäfts den berühmten Julia-Balkon fotografieren kann. Martin lässt sich eine schwarze Gesichtsmaske 😷 mit gelb eingesticktem YB verzieren und ich lasse zwei Säckli für die Schwestern Emilia und Lorena besticken. Hübsch das Ganze. Ja und dann geht‘s in den ersten Stock und siehe da: a perfect scenic photo stop!

 

 


DAS Highlight Veronas: Julias Balkon

 

 

Wir schlendern noch etwas durch die Stadt, gönnen uns aber schon bald ein Apéro. Es ist über 30 Grad warm, was einerseits einfach nur schön ist, andererseits nicht unbedingt sehr unternehmungslustig macht. Wir finden ein schönes Restaurant in der Nähe der Arena und gönnen uns da ein äusserst leckeres Fisch-Znacht (Wolfsbarsch).

 

 


Der Wolfsbarsch wird zubereitet

 

 

Den Verdauungsspaziergang zurück zum Hotel legen wir müde aber zufrieden zurück. Buona notte!

 

 


Arena di notte

 

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Mittwoch, 19. August 2020: Murano si – Burano invece no

Gemütlicher Start in den Tag im Majer Café. Bei der Treghetti-Station „Palanca“ besteigen wir den 4.2er und fahren damit diretissima nach Murano. Gemütlicher Spaziergang durch das hübsche Dorf-/Städtchen-Ensemble (Gärten mit Granatapfel-Bäumchen) mit unzähligen Glaskunst-Läden.

Granatapfelbaum

Der Ort ist wirklich schön und in der ersten Tageshälfte hat es auch noch nicht so viele Leute. Wir schlendern den Kanälen entlang und schauen uns die Geschäfte – mit einer Ausnahme – nur von Aussen an. Auch auf Murano lohnt sich das Abzweigen in die Hinterhöfe, die oftmals hübsch begrünt sind und in denen Oleander-Bäume blühen.

Murano

Als wir zur Schiffs-Station für die Weiterfahrt nach Burano kommen, hat sich dort aus wartenden Reisenden bereits eine Warteschlage gebildet. Wir stellen uns zuerst auch an, kommen dann aber zum Schluss, dass es in der aktuellen Corona-Situation wenig Sinn macht, sich für rund 45 Minuten auf engstem Raum in einen Traghetto-Innenraum zu pferchen. Wir beschliessen, im nebenan gelegenen Restaurant eine Kleinigkeit zu essen und dann zu schauen, ob es weniger Leute gibt, die nach Burano übersetzen wollen. Aber weit gefehlt! Als wir das Restaurant verlassen, ist die Warteschlange auf etwa 100 Meter angewachsen. Die damit verbundene Wartezeit für die Burano-Überfahrt wäre spielend mal eine Stunde gewesen. Nicht an die abendliche Rückkehr in der Menschenmenge zu denken!

Murano

Wir beschliessen deshalb, Burano definitiv auszulassen. Um so gemütlicher war unsere Rückreise zum Hotel im hinteren Freiluft-Passagier-Bereich auf dem Traghetto. Wir geniessen die Fahrt und sind danach so Nudel-fertig, dass wir uns im kühlen Zimmer des Hotels etwas ausruhen. Gegen 19:00 h setzen wir unser Programm fort und fahren zum Markusplatz, wo immer noch sehr viel Betrieb herrscht. Wir lassen uns treiben, geniessen die Atmosphäre und die üppige Schönheit des Markusplatz-Ensembles. Jetzt macht sich ein leichtes Hüngerchen bemerkbar. Martin findet in der Osteria 21 ein gemütliches Lokal für uns. Nach dem schon fast obligaten Aperol Spritz gibt es hier für uns nach einem Primi-Salat je einen Wolfsbarsch aus dem Ofen mit Kartoffeln. Am Tisch nebenan (das Lokal ist äusserst eng bestuhlt – beim 1 Meter Distanz kann es sich wirklich nur um einen italienischen Meter handeln …) kommen wir mit einem pensionierten deutschen Paar ins Gespräch (Er ist der Autor des Blogs „Deutschmeisterei.de“). Es ist ein angenehmes Gespräch übers Reisen, die Familie, Fussball, Eisenbahn, COVID, die Schweiz und Deutschland). Die Zeit vergeht im Nu und ein schöner Tag neigt sich dem Ende zu. Auf dem nächtlichen Markusplatz gibt‘s immer noch reges Treiben. Wir verweilen einen Moment bevor es mit dem nächsten Treghetto zurück nach Giudecca bzw. ins Hotel geht.

Piazza San Marco

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Dienstag, 18. August 2020: Scoprire Venezia parte 2

Der gestrige Spaziergang durch teilweise menschenleere Gassen und entlang beschaulicher Kanäle hat Lust auf mehr gemacht. Nicht dass es so wäre, dass Venedig corona-bedingt immer noch fast menschenleer wäre. Nein, so ist es nicht. An den zentralen Touristen-Attraktionen wie z.B. Piazza San Marco, Rialto Brücke und beim Gebiet um den Canale Grande gibt es viele Leute. Aber es fällt auf, dass die meisten Touristen wohl wirklich aus Europa nach Venedig angereist sind. Asiaten, Amerikaner und vor allem Kreuzfahrt-Touristen fallen aber komplett weg. Und so vermuten wir, dass es an all den Orten, wo wir das Gefühl haben, es habe viele Leute, es in der aktuellen Zeit auch viele Leute hat aber definitiv weniger als sonst an einem Sommertag Venedig heimsuchen.
Wie bereits erwähnt, machen wir uns heute zu einem zweiten Spaziergang auf. Auch heute nach einer Jogging-Runde und einem Majer-Frühstück. Mit dem Traghetto fahren wir bis zur Piazzale Roma. Trockenen Fusses kann man den Canale Grande seit Generationen an drei Stellen überqueren: im Nordosten über die 1934 errichtete Ponte degli Scalzi, kurz vor der Mündung über die nahezu gleich alte Ponte dell‘Accademia und etwa auf halbem Weg per weltbekannter Ponte di Rialto.  2008 kam eine vierte hinzu: Die vom spanischen Architekten Santiago Calatrava entworfene „Brücke der Verfassung“ verkürzt den Weg zwischen der Piazzale Roma und Ferrovia. Die Tatsache, dass ein modern anmutendes Bauwerk den Beginn eines altehrwürdigen Wasserboulvards markiert, darf symbolisch gedeutet werden – als Signal für den Willen der Venezianer, sich den Herausforderungen der Zukunft zu stellen. Doch ist die 94 Meter lange Stahl-Glas-Konstruktion seit Anbeginn umstritten. Sie kostete rund 10 Mio. Euro (dreimal mehr als ursprünglich kalkuliert), ihre Stufe laden, da sie der normalen Schrittlänge widersprechen, konstant zum Stolpern ein und zudem besitzt sie weder Lift noch Rampe, ist also für Reisende mit Gepäck, Kinderwagen oder Rollstuhlfahrer völlig ungeeignet. Bevor wir losgehen, legen wir noch einen Fotostopp beim Venedig-Tram, das eine Einspur-Führung und gleichzeitig be-pneute Räder hat.

Venezia-Tram nach Bauart Translohr

Über die Lista di Spagna – einem kilometerlangen Fussgängerweg gelangen wir zum Canale di Cannareggio (Chiesa di San Giobbi), dem wir – vorbei an der Ponte Tre Archi – bis zur Einmündung in die Lagunen-Landschaft folgen.

Bei der Mündung in die Lagune

Auf dem Rückweg entlang der gegenüberliegenden Seite des Canale di Cannareggio biegen wir auf Höhe Guglie in das jüdische Viertel (Communità Ebraica) ab. Wir befinden uns nun im Herzen des Cannareggio. Bis zu acht Stockwerke hohe Häuser stehen hier – wenige Gehminuten nördlich des Canale Grande – dicht um einen zentralen Platz. Vereinzelt schmale, niedrige Häuschen, hie und da ein hölzerner Aufbau – offensichtlich beengte Verhältnisse.

Campo del Ghetto Nuovo

Wir befinden uns im ehemaligen Ghetto von Venedig, dem Ort, an dem einst Eisengiesser (ital. Getto für Guss) ihrem Handwerk nachgingen und im frühen 16. Jahrhundert die traurige Tradition der Absonderung der jüdischen Gemeinschaft innerhalb städtischer Kommunen ihren Lauf nahm. Beeindruckend ist für uns der Campo del Ghetto Nuovo. Auf dem Platz spielen Kinder, junge Männer sind über die Thora gebeugt. An einer Wand erinnern Bronzetafeln an die 200 Holocaust-Opfer der örtlichen Gemeinde. Wir ziehen weiter und queren den Campo dei Mori mit den turbantragenden Mohren aus Stein – einer mit eisernen Nase.

Metallnase – wegen Nasenbohren?

Die Kirche Madonna dell‘Orto – eine echte Schönheit (von Aussen – von Innen können wir leider nicht beurteilen, da die Kirche geschlossen war) ist ein nächstes Highlight. Beim Rio della Misericordia gönnen wir uns bei Bacaro-Gelato ein … was wohl? Ein Gelato, das wir auf der dafür liegenden Brücke genüsslich weg-schlecken. Unser Weg führt uns an der Farmacia Ponci – Venedigs älteste Apotheke (Einrichtung aus dem 17. Jahrhundert) -, dem Ca‘d‘Oro – das goldene Haus gilt als schönster Profanbau der venezianischen Hochgotik (Zuckerguss-Bau) – zum Fondaco dei Tedeschi. Wo einst Händler aus Deutschland ihre Waren lagerten und verkauften, Betreiben neuerdings diverse Firmen Luxusgüter-Edelboutiquen. Die Location ist absolut faszinierend. Zum Shoppen sind wir definitiv zu müde. Der heutige Erkundungstag fordert ihren Tribut. Wir spazieren zurück zur Piazza San Marco (finden im Restaurant bei der Rialto-Brücke tatsächlich meine Armbanduhr, die ich am Vortag dort verloren habe), von wo aus uns das Traghetto zurück nach Palanca nehmen. Dies aber mit einem Zwischen-Stopp auf der Insel San Giorgio. Die in unserem Reiseführer als „Lieblingsort“ ausgeflaggte kleine Insel (mit der Kirche San Giorgio Maggiore und dazugehörigem Kloster) stellt aufgrund der Bebilderung für uns eine absolute „Muss-Sehenswürdigkeit“ dar. Der Blick vom der Glockenstube des 60 Meter hohen Campanile der Klosterkirche ist wirklich einmalig: Dogenpalast, Markusdom, Piazza und Bacino di San Marco, rundum das Häusermeer des Centro Storico, mittendrin das grosse S des Canale Grande, nach Süden hin Lido und offenes Meer … prächtiger sieht man die Serenissima nirgends.

Welch ein Blick auf Venedig!

Da das Klostercafé geschlossen hat, fahren wir mit dem Traghetto zum Majer und gönnen uns dort einen und etwas später einen zweiten Apérol Spritz. Und weil‘s so schön und gemütlich ist, bleiben wir dort gleich zum Abendessen sitzen. Das Essen – Salate zur Vorspeise und Rippchen bzw. Tuna zum Hauptgang – schmeckt vorzüglich. Ein Caffé rundet den schönen Tag ab und wir machen uns erfüllt und glücklich über den schönen Tag zum Hotel zurück. Im Hotel gibt‘s noch eine Mücken-Kill-Activity, um zu verhindern, dass die Mücken uns auch in der bevorstehend Nacht wieder aussaugen.

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Montag, 17. August 2020: Scoprire Venezia

Wir haben unsere Laufsachen eingepackt, d.h. wir gehen heue Morgen als erstes joggen. Wetter und Temperatur sind perfekt ==> make me sweat! Wir laufen entlang des Canale Giudecca bis zum Posten der Guardia di Finanza, wo‘s kein Durchkommen gibt. Bei der Rückkehr biegen wir ins „Innere“ des Insel-Teils ab. Da geht‘s dann über verschiedene Brücken, Stege und teilweise auch in Hinterhöfe, wo‘s dann auch kein Weiterkommen gibt. Aber alles in allem gibt uns diese erste Joggingrunde einen guten Einblick ins bella vita quotidiana auf Giudecca. Da duftet es plötzlich nach frisch gebrühtem Caffè oder einfach nach frischem Brot, nach gewaschener Wäsche. Wir begegnen Einheimischen, die fast alle mit ihrem Märitwägeli unterwegs sind, um ihre Einkäufe über die zahlreichen Brügglis nach Hause zu transportieren. Frisch geduscht und mit dem guten Gefühl, sich bereits bewegt zu haben, machen wir uns auf die Suche nach einer Bäckerei mit Café. Bei Majer werden wir auf Anhieb fündig.

Caffè latte

Der caffè latte, die cornetti und für mich das rustico alle olive schmecken uns so gut, dass wir bis zu unserer Abreise jeden Morgen dort „zuchehäbe“ (morgen Dienstag werden wir dort dann auch zu Abend essen). Von hier überqueren wir kurze Zeit später mit dem Traghetto den Canale Giudecca und steigen bei der nächsten Station „Zattere“ aus, um uns auf den Spazier-Rundgang auf dem Dorsoduro zu machen. Wir schlendern den fast menschenleeren Weg entlang des Canale, geniessen des Ambiente.

Wenn man nicht grad beim Markusplatz ist, ist Venedig recht leer.

Bei der Chiesa Santa Maria della Salute tauschen wir uns darüber aus, ob wir beide Lust hätten, eine Gondola-Fahrt zu unternehmen. Beide eigentlich weniger und ohne hohe Priorität. Klar, was tun wir als nächstes? Wir steigen in eine Gondel ein, queren den Canale Grande und fahren in den Stadt-Teil San Marco bis zum Theater La Fenice und wieder zurück…

Unterwegs in der Gondel

Ein Gondoliere hat uns angesprochen und ja, eine Gondel-Fahrt durch die Kanäle ist wirklich was tolles. Das Leben ist das, was dir passiert währenddessen du Pläne machst 😆. Einfach flexibel sein und offen bleiben für alles Neue.

Kanalseitiger Eingang zum Theater La Fenice

Als wir wieder festen Boden unter den Füssen haben, setzen wir unseren Spaziergang fort. Nächste Staton ist der Laden von Saverio Pastor. Er wird als Maestrissimo seines Fachs – dem Schnitzen von forcolé (der charakteristischen Rudergabeln der Gondeln) – bezeichnet. In einem kleinen Schmuckgeschäft, das mit Murano-Glasperlen arbeitet, kauft mir Martin ein hübsches Armband und einen Ring. In der Nähe des Campo di Carità kaufen wir uns je ein Stück Pizza, essen dieses gemütlich und gönnen unseren Füssen etwas Ruhe. Dann geht‘s weiter zur San Pantalon Kirche und zum Campo Santa Margherita. Der Campo, diese 200 Meter lange, seltsam unregelmässig geformte Freifläche im Herzen von Dorsoduro, gilt zu Recht als einer der volkstümlichsten Plätze der Stadt: Obst- und Fischmarkt (beides am Nachmittag nicht mehr zu sehen), eine Gelateria, ein Kiosk, spielende Kinder, Rentnerkränzchen, Bars etc. … alles gibt es hier in nächster Nähe. Noch ein paar Schritte und schon sind wir wieder zurück am Canale di Giudecca. Eine erneute Erfrischung wird dringend benötigt und die Füsse sind ob der kurzen Rast auch nicht unglücklich. Ein letzter Abstecher gilt der Gondelwerft (squero) von San Trovaso. Im frühen 17. Jahrhundert gegründet, ist sie die älteste noch aktive und eine der letzten ihrer Art überhaupt. Hier gibt es leider nur für Gruppen Führungen. Einzelpersonen können aber vom Ostufer des Rio di San Trovaso einen Blick auf das malerische Werkstatt-Ensemble erhaschen.

Gondelbauer-Werkstatt

So, jetzt aber noch einen Abstecher zur Piazza San Marco. Einfach immer wieder wunderschön dieses Ensemble mit Markus-Dom, Dogen-Palast, Torre und Piazza San Marco. Es hat recht viel Volk hier und so besteigen wir ein weiteres Traghetto, das uns zu einer weiteren Sehenswürdigkeit – der Rialto-Brücke – bringt. Heftige Windböen und erste Regentropfen setzen ein, so dass wir uns entschliessen, ins Apéro zu gehe. Kurze Zeit später scheint aber wieder die Sonne und wie gefühlt Tausend andere Leute machen auch wir hier Fötelis von der Brücke, von uns, von uns und der Brücke und …

Eine der meist fotografierten Brücken: Rialto

Beim Benetton und im Celio legen wir noch einen Shopping-Zwischenstopp ein bevor wir zu Fuss zur Piazzale Roma zurück kehren, wo wir das Traghetto nach Giudecca-Redentore nehmen. Im Ristorante al Redentore essen wir zu Abend und lassen beim Blick auf die gegenüberliegende Kanalseite, auf der wir den heutigen Tag verbracht haben – noch einmal den Tag Revue passieren. Zurück zum Hotel … heute sind wir genug gelaufen.

Buenanotte

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Sonntag, 16. August 2020: Ab in die Lagunenstadt

Heute bagann die erste Auslandsreise während der Corona-Zeit: Venedig ist das Ziel! Die Reise führte uns mit dem Zug über Zürich und durch den Gotthard Richtung Mailand. Hier hatten wir eine knappe Stunde Aufenthalt und schon ging es weiter nach Venedig. Ich schwärme immer von der Einfahrt in Venedig: Man fährt über den Damm, kommt am Bahnhof an, geht zum Bahnhof raus, und ist mitten am Canale Grande!

Canale Grande beim Bahnhof S. Lucia

Ich finde diesen Weg jeweils so toll und begeisternd, dass ich ihn am liebsten jeden Tag machen möchte! Ein paar Minuten nach Ankunft hatten wir ein Vaporetto welches uns nach Giudecca brachte. Wir übernachten im Hilton Hotel. Dieses Hotel befindet sich in einer ehemaligen Kornmühle direkt am Giudecca-Kanal. Wir beziehen unser Zimmer in der fünften Etage, von wo aus wir einen tollen Blick auf die Stadt Venedig haben. Nachdem wir uns eingerichtet haben, schlendern wir ein bisschen dem Kanal entlang und bleiben dabei auf Giudecca. Nach einem Apero gehen wir in Harrys Dolci, wo wir vorzüglich Nachtessen. Der Rückweg zum Hotel ist nicht weit, so dass wir schon bald im Bett sind. Die Stadt hat einen tollen ersten Eindruck gemacht! Wir freuen uns auf morgen.

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Freitag, 6. März 2020: Obrigado Lisboa

Heute ist Abreisetag. Irgendwie habe ich Lissabon zu verstehen begonnen, wusste was in etwa wo ist, und nun fahren wir nach Hause.

Aber einmal ist fertig…

Der Tag beginnt mit einem Sonnenaufgang über der grossen Brücke – wow!

Guten Morgen Lisboa

Check-out Time ist 12:00 Uhr was uns Zeit gibt, sanft in den Morgen zu gehen. Wir machen dies boggender- und joggenderweise. Auch das Abschlussfrühstück hat geschmeckt und für 12:00 haben wir ein Uber bestellt. Dieses ist pünktlich vor Ort und so sind wir schon zwei Stunden vor Abflug am Flughafen.

Eigentlich hätten wir nach dem Check-out im Hotel noch alle Tramlinien und alle Standseilbahnen abfahren können, denn auch so hätten wir den Flug nicht verpasst. Einzelne Gewerkschafter der französischen Fluglotsen nehmen die Flugreisenden in kollektive Geiselhaft und wir können erst mit 40 Minuten Verspätung abfliegen. Der Flug ist windbedingt etwas unruhig aber bringt uns sicher nach Zürich.

Obrigado Lisboa

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Donnerstag, 5. März 2020: Ascensores de Lisboa-Hattrick

Heute ist das Wetter leider nicht mehr so schön wie am Vortag. Wir lassen es darum etwas gemütlicher angehen. Nach dem Frühstück machen wir uns zu Fuss in die „Oberstadt“ von Belém, wo wir am Vortag auf der Tramdurchfahrt ein Streetart-Objekt in Form eines Waschbärs gesehen haben. Dieses schauen wir uns aus der Nähe und mit Zeit an.

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Street-Art Waschbär

Mit dem Tram fahren wir dann ein paar Stationen weiter bevor ihr auf der Höhe des Tramdepots mit integriertem Trammuseum (Museu da Carris) aussteigen und eben diesem Museum einen Besuch abstatten. Das Museum gibt einen schönen Einblick in die Geschichte von den durch Esel gezogenen Waggons bis zu den heutigen elektrischen Trams. Der Museumsbesuch ist kurzweilig und beinhaltet sogar noch eine Fahrt mit einem historischen Tram – also so einer Art Fitness-Fahrt in Lissabon.

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A night at the museum…

Weiterreise in die Stadt, wo wir uns beim Mercado da Ribeira zu Kaffee und Kuchen einkehren. Gut gestärkt geht es anschliessend mit dem Ascensor da Bica in die „Oberstadt“.

Bica Standseilbahn in Lissabon

Ein uriges Tram bringt uns von da zum Miradouro São Pedro de Alcântara, von wo sich wir einen wunderschönen Ausblick auf die Stadt haben. Mit dem Ascensor da Glória geht‘s anschliessend wieder runter in die Stadt.

Ascensor da Gloria

In der Nähe des Rossio treten wir in ein kleines Lädchen ein, das handgemachte Puppenkleider, Puppenhäuser anbietet und über ein Puppenspital verfügt, das ältere und beschädigte Puppen neu auffrischt und repariert. Und das alles mit ganz viel Liebe und Freude an der Sache. Für uns geht‘s danach auf zum nächsten Ascensor do Lavra. Hier steigen wir Treppen ins Quartier hoch, um anschliessend die „Tal-„Fahrt mit dem Ascensor so richtig geniessen zu können. Somit ist unser Ascensores-Hattrick komplett. Die drei Ascensores wurden übrigens gebaut, um auch diejenigen Stadtteile Lissabons erschliessen zu können, die von der ab 1873 verkehrenden Pferdestrassenbahn wegen der starken Steigung nicht bedient werden konnten. Betreiber der Bahnen ist, wie auch für die anderen städtischen Verkehrsmittel der städtische Verkehrsbetrieb Carris. Trotz ihrer Ähnlichkeit zur Strassenbahn werden sie als Ascensor (Aufzug) bezeichnet und im allgemeinen Sprachgebrauch manchmal auch Elevador genannt, was eigentlich ein senkrecht fahrender Aufzug ist (Elevador de Santa Justa, s. Eintrag vom 03.03.2020). So shaky die drei Bahnen daher kommen, so zuverlässig fahren sie. Auch blieben sie über ein Jahrhundert lang von schweren Unfällen verschont. Leider sind die Wagen ein beliebtes Zielobjekt von Sprayern. Die Bahnen (90 cm Spurweite) gelten schon seit einiger Zeit als nationale, technische Denkmale. Hier noch einmal alle technischen Details in der Übersicht: Ascensor do Lavra – eröffnet 1884, Länge 182 m, Höhendifferenz 43 m, max. Steigung 25,0 % Ascensor da Glória – eröffnet 1885, Länge 265 m, Höhendifferenz 48 m, max. Steigung 18,0 % Ascensor da Bica – eröffnet 1892, Länge 260 m, Höhendifferenz 45 m, max. Steigung 19,1 %

Zusammenfassung Wikipedia

Elevador do Lavra

Jetzt sind wir hungrig und vor allem durstig. Im Bar-Restaurant des Figu-Hotels geht‘s zum Apéro. Die Tapas fallen hier definitiv grösser aus, als wir uns das unter dem Wort Tapas vorstellen. Aber der Cod-Fish mit Kartoffelstock, das Kichererbsen-Pesto, die Chicken Wings und die super leckeren Riesen-Crevetten an Knoblauchsauce munden herrlich. Wir geniessen hier also Apéro und Abendessen in einem. Danach macht sich Martin auf zu einem Barber-Shop, den er online in der Nähe hat ausfindig machen können. Tatsächlich kriegt er da noch einen Slot und wird sehr schön gepflegt und getrimmt. Der Barber-Man ist ein echter Kenner-Künstler seines Fachs. Die Location ist ebenfalls einmalig und zieht immer wieder zahlreiche Blicke von Passanten an, die zu Stehenbleibern werden.

Figaros Barbershop

Zum Ende des heutigen letzten Lissabon-Ferientages statten wir in nächtlichem Ambiente der Kathedrale Sé einen Besuch ab. Die Bezeichnung Sé ist die Abkürzung für seeds episcopalis, Bischofssitz. Die strenge Fassade mit ihren bezinnten Zwillingstürmen vereint den romanischen und gotischen Baustil. Hauptlichtquelle ins Innere ist die schöne Fensterrose. Direkt vor der Sé verkehren Strassenbahnen, was zu jeder Tages- und Nachtzeit ein schönes Fotosujet abgibt. Wir kehren ein letztes Mal zu Mercado da Ribeira zurück, wo wir uns eine gemeinsame Pizza erstehen. Nach dem ausgedehnt ausgefallenen Apéro gibt‘s nur noch ein Hüngerchen. Die letzte Tramfahrt des Tages führt uns zurück zum Hotel.

Catedral Sé Patriarcal

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