Sonntag, 17. Mai 2015: 71°10’21”

Ich schlief nicht so gut wie auch schon. Ob mich das schaukelnde Schiff am schlafen hinderte? Oder hat mich das immer noch vorherrschende Tageslicht irritiert? Um 2:04 Uhr nahm ich das Handy und machte ein Foto der sich mir bietenden Szenerie:

Unglaublich – wirklich taghell!

Ich probierte, mich nicht zu sehr irritieren zu lassen und döste mich durch die Nacht. Um 8:00 Uhr standen wir schlussendlich auf und gingen zum Frühstück. Alle Norweger hatten heute, zu Ehren des Nationalfeiertages, entweder einen norwegischen Orden angesteckt oder trugen eine norwegische Fahne mit sich. Beim Stopp des Schiffes in Havøysund spielte zu Ehren der Ankunft des Schiffes und natürlich des Nationalfeiertages eine Blasmusik. Pünktlich um 11:15 Uhr schipperten wir ihm Hafen von Honningsvåg ein, unserem letzten Etappenort. Nach dem Ausschiffen (ja, dem sagt man im Fachjargon so… :-) ) gingen wir zum Hotel, welches sich grad beim Hafen befand und konnten dort schon das Zimmer beziehen.

Auch hier hatten wir einen Mietwagen reserviert. Da wir morgen Montag schon ziemlich früh abfliegen werden und das Mietauto beim Flughafen abgeben wollen, müssen wir den Wagen auch dort beziehen. Da kein Bus zum Flughafen fährt (zumindest nicht am Nationalfeiertag) nahmen wir ein Taxi. Der Flughafen ist niedlich. Sagen wir es so: Bern-Belp ist etwa 10x grösser :-) Ein Flugzeug wollte grad zur Landung ansetzen, drehte eine Runde über dem Flugplatz und flog wieder davon – kein klassisches Durchstarten, eher ein kurzes “Anschnüffeln”. Danach kam das “Follow me”-Fahrzeug zum Einsatz und fuhr die Piste ab. Am Pistenanfang liess der Fahrer einen Feuerwerksheuler los und verscheuchte die anwesenden Vögel. Nachdem das Follow me-Fahrzeug wieder weg war, konnte das Flugzeug endlich landen. So werden also Flughäfen im hohen Norden bewirtschaftet…

Wir betraten das Flughafengebäude und sahen natürlich kein AVIS-Schalter. Die Security-Verantwortliche sagte uns, dass das Büro im Städtchen sei, war aber so nett und rief AVIS für uns an. Er käme in etwa 15 Minuten, meinte sie. Wir warteten also am Flughafen, vom Personal wurde uns Kaffee angeboten und plötzlich kam aus Richtung Städtchen ein Fahrzeug, welches an der Seite mit “AVIS” beschriftet war. Der Autovermieter entschuldigte sich für die entstandene Verspätung, liess den mitgebrachten Vertrag von Woody unterzeichnen und überliess uns das gross mit “AVIS” beschriftete Fahrzeug als unseren Mietwagen: Ein Skoda Fabia mit 67’000 km… Der Vermieter nahm ein anderes Fahrzeug und fuhr wieder in die Stadt. Ich denke, wir hätten die Vermietung auch ohne Kostenfolge in der Stadt erledigen können. Aber so verdiente auch der Täxeler was an unserer Fahrt an den Flughafen.

Wir verliessen den Flughafen und fuhren noch einmal in die Stadt, um uns fürs Nordkap, auf norwegisch geschrieben “Nordkapp”, reisefertig zu machen. Prompt fuhren wir zu dem Zeitpunkt ins Städtchen, wo die Nationalfeiertagsparade durchgeführt wurde. Viele Leute trugen an dieser Parade Trachten und schwenkten Fahnen, natürlich spielte auch eine Blasmusik Wir fuhren hinterher und konnten dann zum Hotel abzweigen. Anschliessend fuhren wir Richtung Nordkap. Der nördlichste Punkt Europas ist 30 km von Honningsvåg entfernt und führt über eine verschneite, mit vielen grossen Steinen übersäte Landschaft. Zeitweise sieht man Rentiere. Diese sind mit ihrem hellen Fell so gut getarnt, dass man sie auf dem Schnee kaum sieht.

Das Nordkap besteht aus einem Felsen, wo sich oben ein Zentrum befindet (Souvenir-Shop, Kino, Restaurant etc) und eine Aussenanlage welche das Nordkap mit einer Weltkugel symbolisiert. Als wir das Zentrum betraten sagte uns eine Angestellte, dass sie um 15:00 Uhr schliessen – wir kamen um 14:30 Uhr an… Somit verzichteten wir auf den “Instruktionsteil” und begaben uns nach draussen zur Weltkugel. Es war bitterkalt und ein alle Kleider durchdringender Wind zog übers Nordkap. Dies führte dazu, dass wir fast alleine am nördlichsten Punkt Europas waren. Wir haben schon damit gerechnet, dass hier alles überlaufen sein wird – aber nein, Glück gehabt :-)

Aufgrund der geografischen Lage wird das Nordkap auch mit 71°10’21” bezeichnet. Insider wissen nun, dass dies keine Telefonnummer eines Pizzakuriers ist, sondern eben die Lage des Nordkapps. Nachdem wir durchgefroren waren fuhren wir wieder ab und suchten das Dorf Gjesvær auf. Hier werden Exkursionen zu einer Insel angeboten, wo man viele Vögel beobachten könne. Im Winterhalbjahr (ja, bis Mitte Mai ist hier touristisch noch Winter) wird die Bird Safari jedoch um 12:15 Uhr angeboten, was somit zu spät war. Nun, ein anderes Mal vielleicht wieder.

Wir fuhren zurück nach Honningsvåg und assen im Restaurant Arctic Sans leckeren Fisch und tranken dazu Bier aus der nördlichsten Brauerei der Welt, der Brauerei Mack.

Morgen reisen wir zurück in die Schweiz und unsere dreijährige Auffahrtsreise ist Geschichte: Wir haben es geschafft, in drei Jahren während der Auffahrtswoche von Catania ans Nordkapp zu reisen. Mit dem öffentlichen Verkehr. Und alles pünktlich :-)

Woody war auch dabei

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Samstag, 16. Mai 2015: WUNDERBAR!

Ich lag noch im Bett und blinzelte ein bisschen. Träume ich oder ist es Tatsache? WUNDERBARSTES WETTER! Keine Wolke, nur blauer Himmel und angenehme 22 Grad Temperatur aber immer noch sehr kalt. Aber das tolle Wetter wirkte wie Balsam auf das wettermässig bewölkte Gemüt. Aufstehen, Frühstück, packen und los geht’s in Richtung Tromsø. Wie schon erwähnt ist dies der einzige Abschnitt auf unserer Reise von Sizilien ans Nordkap, welchen wir mangels Fahrplanalternativen nicht mit dem öV zurücklegen können. Und diese Fahrt war einmalig schön! Das Wetter, die Strecke, die noch verschneiten Berge – alles hat zusammengepasst! Die Fahrt war ein einziges Schaulaufen der Natur! Ich will hier nicht in Superlative verfallen – aber es hat einfach alles gepasst.

Am späteren Nachmittag trafen wir in Tromsø ein. Zuerst begaben wir uns zur Eismeerkathedrale und bestaunten dort die Architektur. 50 Jahre alt ist dieses Ding dieses Jahr geworden und sieht immer noch modern aus. Von der Kirche hat man auch einen guten Blick auf die Brücke, welche den Meeresarm elegant überquert. Die Avis-Geschäftsstelle fanden wir rasch und gaben das Auto ab. Ein kurzer Spaziergang durch die Stadt führte uns zum Terminal des Hurtigruten-Schiffes. Wobei “Terminal” hier zu hoch gegriffen ist, das Schiff, wir hatten die MS Porlarlys, hält quasi mitten in der Stadt, man steigt ein, geht bei der Reception vorbei und erhält die Bordkarte. Unsere Kabine war in der 2. Etage und hatte zwei Bullaugen, welche Sicht nach draussen gaben.

Das Leben an Bord war ungezwungen. Kein Captain’s Dinner, sondern eine gute, leckere Küche. Nach Abfahrt in Tromsø assen wir im a la Carte-Restaurant. Hier gibt es keine Speisekarte, gegessen wird, was der Chefkoch in den Häfen frisch einkaufen konnte. Muscheln, Ente, Käsen von den Lofoten – so schlemmten wir uns durch die vier Gänge – jeweils mit dem passenden Wein (welcher nicht aus Norwegen war). Übrigens waren Woody und ich die eher jüngeren Gäste auf dem Schiff :-)

Nach dem Stopp in Skjervøy legten wir uns auf Bett und probierten zu schlafen. Draussen war es immer noch hell. Taghell.

 

 

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Freitag, 15. Mai 2015: Auf Safari – Auf Eisenbahnsafari

Nach dem Frühstück machten wir uns auf zu Avis, um unseren Mietwagen zu holen. Das Büro war nicht besetzt und an der Eingangstüre hing ein Zettel, auf dem stand: Jeg er for øyeblikket på rengjøring av biler. Ring 47 76 94 XX ennå.

Clevererweise war noch in englisch geschrieben, dass die Person grad am Auto reinigen ist und man doch bitte anrufen soll, was wir dann auch gemacht haben. 10 Minuten später war die Avis-Mitarbeiterin vor Ort und hat die notwendigen Formulare ausgefüllt. “Ich gebe Ihnen ein Upgrade” waren die fünf magischen Worte, die uns zu einem Nissan Qashqai verholfen haben. Erwartet haben wir was in der Golf-Klasse. Den Vertrag haben wir so ausstellen lassen, dass nur Woody fährt. Ein zusätzlicher Fahrer hätte was dazu gekostet. Übrigens haben wir das Auto heute schon gemietet, um auf Eisenbahnsafari zu gehen und die langen Erzzüge in freier Wildbahn zu fotografieren. Und dann auch um am Folgetag nach Tromsø zu fahren. Leider wurde für diesen Samstag kein vernünftiger Fahrplan angeboten, sodass wir auf die Variante “Mietwagen” umsteigen mussten.

Wir verliessen also Narvik und fuhren in Richtung schwedischer Grenze. Zuerst gingen wir zum Bahnhof Straumsnes. Wir erwarteten hier eine Kreuzung zweier Erzzüge auf der einspurigen Strecke. Woody hat im Vorfeld der Reise bereits den grafischen Fahrplan ausgedruckt, dies war nun die Basis für unsere Safari. Und kurz nach unserer Ankunft kam auch schon der bergwärtsfahrende, leere Zug, welcher im Nebengleis die Kreuzung mit dem talwärtsfahrenden, beladenen Zug abwartete. Dieser kam mit seinen 8000 Tonnen auch schon bald angerauscht, und somit konnte der bergwärtsfahrende Zug wieder auf die Strecke. Eindrücklich, wie die starken Loks diesen Zug beschleunigen.

Anschliessend fuhren wir über die Brücke über den Rombaksbotn. Dies ist eine eindrückliche Hängebrücke in grosser Höhe. Danach nahmen wir die Strasse in Richtung Schweden, bei Riksgränsen überquerten wir die Grenze und fuhren durch bis Vassijaure, wo wir noch einen Reisezug fotografieren konnten. Danach gings nach Björkliden, wo wir auf einen haltenden Reisezug trafen. Zufälligerweise war die gleiche Zugbegleiterin auf diesem Zug, welche wir am Vortag auf der Fahrt nach Narvik hatten. Sie hatte in Narvik übernachtet und geht nun wieder zurück zu ihrer Heimatstation Luleå. Dann hat sie 5 Tage frei, welche sie für einen Kurztrip nach Samos benützt. Sonne tanken, meinte sie…

Wir fuhren zurück nach Narvik. Mittlerweile war es schon Abend und wir gingen ins Restaurant Rallar’n Pub og Kro – the tavern was essen. Danach gings zum Einkauf, um für den nächsten Tag gerüstet zu sein. Schliesslich soll morgen die lange Transferfahrt nach Tromsø durchgestanden werden. Wasser und Früchte sind für solche Zwecke immer gut.

Danach gings aufs Zimmer und irgendwann mal ins Bett…

Woody war auch auf Safari

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Donnerstag, 14. Mai 2015 (Auffahrt): Von Meer zu Meer, mehr geht nicht

Luleå ist an einem Auffahrtsmorgen nicht gerade die aufstrebende Metropole, wie wir bei einem morgendlichen Stadtrundgang feststellen konnten. Oder lag es am garstigen Wetter? Tatsächlich peitsche der Wind durch die Gassen und drückte einem den Nieselregen ins Gesicht. Wirklich nicht toll, um länger draussen zu bleiben. Zum Glück hatten wir um viertel vor elf unseren Zug, in welchem wir die nächsten sieben einhalb Stunden in der Wärme sitzen konnten.

Pünktlich verliess der Zug mit gerade mal drei Wagen den Bahnhof Luleå in Richtung Narvik. “Arctic Circle Express” heisst dieser Zug, welcher spätestens ab Boden recht gut besetzt ist. Die Fahrt führt also von der Ostsee über das Gebirge an den Atlantik. Und dabei wird der Polarkreis überquert. Einer der drei Wagen hat einen Kiosk, welcher in der rauhen Umgebung hilft, zu überleben. Und zwar recht preiswert. Ein Kaffee kostet umgerechnet CHF 2.40 – und zu diesem Preis gibt es sogar free refill.

wpid-Photo-20150514224407701.jpgDie Überquerung des Polarkreises war für mich eine Premiere. Entsprechend war ich gespannt, wie sich das Ganze präsentiert. Dank unseren Unterlagen (GPS, Streckenkarte mit Kilometrierung) wussten wir ziemlich genau, wo sich der Polarkreis befinden musste. Trotzdem fragte ich die Zugbegleiterin, ob die Überfahrt des Kreises speziell angekündigt werde. Nein, eigentlich nicht, das sei nichts spezielles. Aber für uns könne sie dies gerne ausrufen. Das ist doch mal ein Dienst am Kunden – schliesslich heisst der Zug ja “Arctic Circle Express”…

Plötzlich begann es zu schneien. Ja, schneien. Und irgendwann sahen wir draussen ein Schild “Polcirkeln”, welches scheinbar den Polarkreis bezeichnete. Das Schild hatte die Grösse eines Schildes, welches an Schulhäusern mit dem Text “Fussball spielen verboten” hängt. Und die Durchsage der Zugbegleiterin unterblieb. Somit war das überschreiten des Polarkreises unspektakulärer als wenn in Peking ein Sack Reis umfällt.

wpid-Photo-20150514224714133.jpgDie Gegend, durch die der Zug fuhr, war sehr speziell. Irgendwie ein bisschen trostlos wie die Mondlandschaft, andererseits auch faszinierend aufgrund ihrer Kargheit. Wie hier wohl Tiere überleben können? Und was machen Menschen, die hier wohnen? Zeitweise sind wir voll in den Winter zurückgekehrt: Hohe Schneewände, durch welche der Zug fuhr, Touristen mit Ski (nordisch und alpin) und Leute, die mit Schneetöffs über die noch gefrorenen Seen fuhren. Sehr speziell wurde die Gegend auch rund um Kiruna. Dieser Ort ist ein Bergbauort, hier wird Eisenerz abgebaut. Die künstlichen Berge mit dem Aushubmaterial sieht man überall, das Erz wird mit der Bahn nach Narvik abtransportiert. Der Erztransport war auch der Grund für den Bau dieser Bahn. Und die Erzzüge sind eindrücklich: Gigantische Loks mit 12 Achsen ziehen nicht enden wollende Züge. Und die Bedeutung des Erzabbaus ist so gross, dass in Kiruna auch Teile des Dorfes umgesiedelt werden mussten, um weitere Erzreserven zu erreichen. Von der Umsiedlung betroffen war auch der Bahnhof, welcher rund 1.5 km vom ursprünglichen Standort weg neu gebaut wurde. Wobei Bahnhof ein bisschen hoch gegriffen ist: ein Perron von 200 m länge und ein gedeckter Unterstand – das reicht für die täglichen 6 Reisezüge…

wpid-Photo-20150514224714135.jpgNach rund 6 1/2 Stunden Fahrt erreichten wir beim Ort Riksgränsen die schwedisch-norwegische Grenze. Von hier an ging die Strecke nun stetig bergab bis Narvik, wo wir pünktlich ankamen. Dieser Teil der Strecke hat mir fast am Besten gefallen – die Fahrt entlang eines Fjords war wirklich toll!

Wir sind hier im Hotel Scandic Narvik in einem Zimmer im 12. Stock untergebracht. Leider nicht mit Sicht aufs Wasser, aber die Berge sind auch schön :-)

Wie Woody den Tag erlebte

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Mittwoch, 13. Mai 2015: Die Königsetappe

Jeder professionelle Velofahrer kennt sie: Die Königsetappe. Auch Bahnreisende kennen sie und wir hatten sie heute auf dem Programm. Doch alles der Reihe nach:

Nach dem bewährten Scandic-Frühstück gingen wir los in Richtung Bahnhof. Es hatte aufgehört zu regnen, sodass wir das Ganze trockenen Fusses machen konnte. Beim Bahnhof kauften wir noch Reiseproviant ein, schliesslich geht heute die ganze Fahrt sage und schreibe 11h48 Minuten von Stockholm nach Luleå, rund 1200 km, mit umsteigen in Sundsvall und Umeå. Der Zug war schon auf dem Abfahrgleis bereit, doch einsteigen konnte man noch nicht. Zuerst musste das Catering mit Frischware versorgt werden, erst dann durften die Kunden einsteigen.

Bis Sundsvall reisten wir mit der Schwedischen Staatsbahn SJ und hier gönnten wir uns erste Klasse. Die Reise verlief problemlos und pünktlich. In Sundsvall stiegen wir auf einen Zug der Norrtåg um. Diese Züge wirkten in ihrem blau-gelb äusserlich attraktiver als die der SJ. Was wir noch nicht wussten war, dass die Norrtåg-Züge in Bezug auf den Komfort gerade mal Regionalzugs-Niveau hatten. 8 Stunden in diesen Zügen – Königsetappe, eben…

Die Reise begann pünktlich und endete irgendwann auf offener Strecke an einem lauschigen See abrupt. Die Strecke ab Sundsvall ist mit dem Sicherungssystem ETCS ausgerüstet und als Fachmänner der Materie ordneten wir die Zwangsbremsung diesem System zu. Mehrere zaghafte Startversuche endeten nach jeweils 2 Metern. Und dann endlich ging es weiter – mit rund 30 Minuten Verspätung. Ob unser 17-Minuten-Anschluss in Umeå gesichert ist? Die Zugbegleiterinnen meinen ja, schliesslich sei der Anschlusszug auch einer ihrer Firma, und die warten aufeinander.

In Umeå war es dann tatsächlich so, dass der eine Norrtåg auf den anderen Norrtåg gewartet hat und mit rund einer viertel Stunde Verspätung abfuhr. Der Anschlusszug war schon ziemlich voll, aber wir fanden noch bessere Plätze als die uns bei der Reservation zugeteilten. Bei jedem Bahnhof gab es einen grösseren Fahrgastwechsel. Nur die Mutter im Abteil nebendran, welche ihren Kindern auf dem Laptop Trickfilme zeigte, die blieb fast bis zur Endstation unsere Begleiterin…

Die Gegend, durch die unser Zug fuhr, ist schnell erklärt: schön! Die tollen Wälder mit den netten Seen gaben zum Sonnenuntergang hübsche Bilder ab. Was mich jedoch ein bisschen verunsicherte waren die vereinzelten Eisschollen auf den Seen und die Schneeflecken, die noch anzutreffen waren. Oder die Leute, die aus dem Zug ausstiegen und zuerst Mütze und Handschuhe montierten… Nun gut, wir sind schliesslich im Norden.

Luleå erreichten wir nach 12 Stunden Fahrt mit noch 2 Minuten Verspätung. Gute Nacht :-)

So war Woody unterwegs

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Dienstag, 12. Mai 2015: Aquavit [Wasser des Lebens]

Göteborg Tram

Wir erwachen und merken, dass der Wetterbericht recht hat: es regnet. Quasi aus Kübeln. Ein Grund, es nach dem Frühstück bis zur Check-out Zeit gemütlich angehen zu lassen. Ab 12:00 Uhr bis zur Abfahrt um 15:04 nach Stockholm galt es nun, die Zeit möglichst sinnvoll zu verbringen. Museum? Nein. Shopping? Nein. Eine Tageskarte lösen und möglichst viele Tramlinien abfahren? Jaaaa!

So lösten wir gemäss dem schwedischen Prinzip eine Tageskarte (das schwedische Prinzip beruht darauf, dass es keine Billettautomaten hat und man die Fahrausweise an einem Kiosk kauft) und fuhren los. Göteborg ist mit 12 Linien, welche sich über 200 km verteilen, eine richtige Tramstadt. Und im Einsatz sind Fahrzeuge, welche in verschiedenen Serien zwischen 1965 und 1984 gebaut wurden. Die ganz neuen Trams von 2004 interessierten uns nicht gross…

FLIRTen in Schweden

So fuhren wir los und probierten laufend, anhand des Streckenplans, eine optimierte Route mit vielen Linien zu fahren. Dies gelang uns nicht so schlecht und um 14:45 waren wir wieder am Ausgangspunkt Brunnsparken. Wir holten unser Gepäck im Hotel ab und begaben uns zum benachbarten Bahnhof. Die nächste Etappe ist die Fahrt von Göteborg nach Stockholm. Dabei benützen wir einen Zug der neuen Gesellschaft MTR. Diese Gesellschaft ist weltweit tätig, hat ihren Hauptsitz aber in Hong Kong. Seit Ende März bietet diese Firma nun IC-Züge zwischen Göteborg und Stockholm an und sie machen dies mit Schweizer Zügen von Stadler des Typs FLIRT. In der Schweiz werden diese Züge im Regionalverkehr eingesetzt und wir sind gespannt, wie es sich nun verhält, 3 1/5 Stunden in einem solchen Zug zu verbringen.

Königs waren nicht zu Hause

Um es vorneweg zu nehmen: die Reise war sehr bequem und überhaupt nicht mit einem Regionalzug zu vergleichen. Die Gastronomie an Bord könne sicher besser sein, aber ein paar Wraps und Sandwiches im Angebot scheinen für die Mehrzahl der Reisenden zu genügen. Der Kaffee kommt aus der gleichen Kaffeemaschine von Nespresso, welche wir im Büro haben :-) WLAN wurde gratis angeboten mit einer guten Verbindungsqualität. Und die Pünktlichkeit war recht gut, wir kamen 6 Minuten zu früh in Stockholm an (aber wie sagte schon der Pilot nach dem Flug von Zürich nach Frankfurt? “Zu früh ist auch unpünktlich”). Alles in Allem ein guter Zug!

Nach Ankunft begaben wir uns zu unserem Hotel, dem Scanic Grand Central. Kurzer Aufenthalt und dann sofort weiter in die Altstadt Gamla Stan. Vorbei am Königspalast, wo wir weder Carl XVI Gustaf Folke Hubertus Bernadotte noch Victoria Ingrid Alice Désirée oder Madeleine Thérèse Amelie Josephine trafen. Der Vater war auf der Jagd, die eine Tochter hatte Volleyballtraining und die andere musste noch gletten. Tja, selber schuld.

Aquavit ist das Wasser des Lebens

Anfang Mai war rund um den Hafen noch nicht viel los. Bei grad mal 10 Grad Temperatur verständlich. Wir suchten in der Altstadt ein gemütliches Restaurant. Die Auswahl war recht gross und wir entschieden uns für das schwedische Lokal Restaurang Mårten Trotzig. Das Menu bestand mehrheitlich aus schwedischen Spezialitäten und ich entschied mich für Rentier. Vorspeise wollte ich eigentlich keine, die Nesselsuppe, die Woody wählte, sprach mich nicht an. Der Kellner legte mir den Hering ans Herz, den ich bestellte. Und normalerweise nehme man zu Hering auch noch einen Aquavit, ob er mir auch einen solchen bringen solle. Öhm, ja gerne… Und so schlemmten und tranken wir uns durch die verschiedenen Gänge und genossen das Essen – lecker war’s. Und der Spaziergang (im Regen) zum Hotel half bei der Verdauung mit.

Der Tag aus Woody’s Sicht

 

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Montag, 11. Mai 2015: Viele Bahnen, ein Schiff und ein Taxi

Kommt der Geruch von hier?

Morgens gegen viertel vor sieben sind wir aufgestanden, haben geduscht aber der Fischgeschmack war immer noch vorhanden. Das Frühstück war nach dem Motto “klein aber fein” ein idealer Start in den Tag. Danach gingen wir wieder zum Bahnhof Thyborøn, um erneut den Zug nach Vemb zu nehmen. Es war die erwartet gemütliche Fahrt über Lemvig nach Vemb. Der Zug hatte in Vemb einen längeren Aufenthalt und der Lokführer erklärte uns, dass er nun mit dem Zug in die Werkstatt müsse um zu tanken. Wir dürfen aber gerne im Zug sitzen bleiben. 245.3 Liter Diesel wurden nachgetankt und es ging wieder zurück an den Bahnhof.

Fredrikshavn

In Vemb hatten wir einen knappen Anschluss auf den Arriva-Zug, welchen wir pünktlich erreichten. Weiter ging es nun bis Langå, von dort mit einem Zug der DSB bis Aalborg, wo wir genügend Zeit hatten, im Städtchen was zum Zimittag zu kaufen. Anschliessend gings wieder mit der DSB nach Fredrikshavn. Kurz nach Aalborg befuhren wir dabei die Limfjordsbrücke, welche im Frühling 2012 eine gewisse Popularität erlangte: Damals fuhr ein Frachter in die Brücke und beschädigte diese empfindlich, sodass der Norden Dänemarks über ein halbes Jahr vom Eisenbahnverkehr abgeschnitten war (Bericht und Bilder befinden sich hier).

Skagen

In Fredrikshaven schlossen wir unser Gepäck in ein Schliessfach ein und fuhren anschliessend mit der Skagenbahn nach Skagen. Skagen ist der nördlichste Punkt von Dänemark, dort wo Skagerrak und Kattegat zusammenfliessen (haben wir doch mal in der Schule gelernt?). Wikipedia sagt zu diesem Namen:

Die ins Meer ragende Landschaft gab dem Ort seinen Namen, der sich aus dem altnordischen Wort skaga herleitet (dt. „herausragen”) bzw. vom altdänischen skaghi (dt. „Landspitze”).

Das Dorf ist wirklich hübsch und ist dominiert von niedrigen Wohnhäusern mit ocker verputzten Fassaden und roten Ziegeldächern mit weissen Dachfugen, die Fischern als Landmarken dienten. Getrübt wurde unser Aufenthalt in diesem Dorf nur dadurch, dass nonstop ein heftiger und kalter Wind durch das Dorf zog, welcher uns schon bald in ein Restaurant trieb. Die Reise zurück nach Fredrikshavn führte uns durch eine Dünenlandschaft, in welcher sehr viele Tiere auszumachen waren: Hasen, Rehe aber auch Fasane konnten wir vom Zug aus sehen.

Passerelle über das Hafengebiet

Nach Ankunft in Fredrikshavn holten wir unser Gepäck aus dem Schliessfach und machten uns auf in Richtung Hafen. Die nächste Etappe war die Überfahrt von Fredrikshavn nach Göteborg. Eigentlich ist der Hafen in der Nähe des Bahnhofs, aber für Fussgänger zieht es sich noch, bis man dann wirklich aufs Schiff kann. Highlight war die Passerelle, welche die Fussgänger in etwa 10 Meter Höhe übers ganze Hafengebiet führte. In sicherer Distanz von vielen Lastwagen, welche auf die Fähre verladen werden wollten.

Unser Schiff, die Stena Jutlandica

Mit etwa 12 Minuten Verspätung legten wir kurz vor halb neun ab. Die Fahrt sollte 3 1/2 Stunden dauern und wir starteten die Reise mit einem Besuch am Abend-Buffet. Für etwa 25 Franken konnte man sich durch das Angebot schlemmen und es war wirklich sehr lecker! Mit vollen Bäuchen gingen wir anschliessend auf die Ruhesessel und dösten uns durch die Nacht. Kurz vor Mitternacht kamen wir in Göteborg an und fuhren mit einem Taxi zum Hotel Scandic Europa. Unklar ist, warum sich der Chauffeur nach der Bezahlung so überschwänglich bedankt hatte. Zu viel Trinkgeld gegegben? Umrechnungsfehler von DKK zu SEK? Waren wir die ersten Fahrgäste des Tages? Oder machte er sich über uns lustig… Wir wissen es nicht. Aber dieses Unwissen hinderte uns auch nicht daran, rasch einzuschlafen.

Woody’s Tag lief so ab

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Sonntag, 10. Mai 2015: Die Saga geht weiter…

Auch dieses Jahr sind wir unterwegs auf unserer Auffahrtsreise. Teil 3 von 3 quasi. Wir haben uns vor ein paar Jahren gesagt, dass wir mit dem öV von Sizilien ans Nordkap wollen. 2013 fand Teil 1 statt, von Catania nach Bern. Letztes Jahr dann Teil 2 von Bern nach Billund in Dänemark. Und nun dieses Jahr von Billund ans Nordkap.

Pølser!Billund? Der zweitgrösste Flughafen Dänemarks ist nur deshalb so gross, weil er erstens halb Jütland abdeckt, aber auch, weil gleich neben dem Flughafen das Legoland liegt. Von der Schweiz aus gibt es an einzelnen Tagen auch Direktflüge, die jedoch mit unseren Reiseabsichten nicht kompatibel waren. So buchten wir Lufthansa ab Zürich via Frankfurt. Der Flug in der kleinen Boeing in der dritthintersten Reihe war nicht so bequem. Das Flugzeug hatte offenbar Heimweh und war zu früh angekommen. “Zu früh ist auch unpünktlich” sagte uns der Kapitän und erklärte uns, dass wir nun leider nicht an einem Dock aussteigen können, sondern auf einem Aussenfeld mit einem Bustransfer zum Gate. Offenbar war dies auch für den Flughafen eine Überraschung gewesen und so mussten wir noch rund eine Viertelstunde warten, bis die Treppe am Flugzeug war und auch ein Bus bereitstand. Anschliessend hatten wir eine lange Busfahrt zu absolvieren, kamen am Gate an, suchten das Abfluggate und konnten gleich wieder einsteigen. Natürlich wieder in einen Bus, der uns ans andere Ende des Flughafens brachte. Bis zum Zaun, welcher den Flughafen abtrennt, waren es noch 100 m – also wirklich am Ende des Flughafens…

Bahnhof EsbjergDer Weiterflug nach Billund fand dieses Mal in der zweithintersten Reihe statt und war ebenso unbequem wie der erste Teil. Dafür klappte das Aussteigen in Billund prima und nach einigen Minuten konnten wir auch schon unser Gepäck vom Rollband nehmen. Und gleich nach dem Verlassen des Flughafens sahen wir das erste dänische Highlight: ein Pølsevogn, von welchem wir gleich einen risted Hotdog mit allem nahmen. Nach einigen Minuten kam schon der Bus der Linie 44, welcher uns nach Esbjerg brachte. Dank dem raschen Anschluss am Flughafen auf den Bus hatten wir nun fast zwei Stunden in Esbjerg zu verbringen. Der Bahnhof bot nicht sehr viel, und auf dem Rundgang in die Stadt hatten wir in kurzer Zeit auch sehr viel gesehen. Da wir genügend Zeit und den entsprechenden Hunger hatten kehrten wir auf dem Hauptplatz im Restaurant Dronning Louise ein.

Best Adresse in townAnschliessend gings wieder an den Bahnhof, mit einem Abstecher zu Aldi, um unsere Wasservorräte zu komplettieren. Die Fahrt mit Arriva führte uns nach Vemb. HOer stiegen wir um auf die Lemvigsbanen, eine normalspurige Privatbahn, welche mit älteren Triebwagen die Strecke nach Lemvig – Thyborøn betreibt.

LynetterDie Triebwagen vom Typ Lynette (“Blitzchen”) sind eine Fahrt wert: Komfort, wie man ihn heute nicht mehr findet, der Fahrgastraum schön geheizt. Und so ratterten wir im fast leeren Zug in Richtung Lemvig, wo der Zug eine Spitzkehre macht. Scheinbar fährt die letzte Verbindung des Tages nicht durch, so dass wir auf den Zug nebenan umsteigen mussten. Die Fahrt führt durch eine lieblieche Gegend, gleich hinter den Dünen entlang. Das Meer bekommt man leider nicht zu sehen. Und plötzlich ist man in Thyborøn. Kein Bahnhof, sondern einfach ein Perron zum aussteigen. Wir waren die einzigen Fahrgäste, die um diese Zeit (21:30) aus diesem Zug ausstiegen. Wir waren die einzigen Fahrgäste, die durchs Dorf gingen – an anderen Orten hätten sie die Trottoirs wohl hochgeklappt.

InterieurNach 300 m zu Fuss waren wir schon beim Hotel Seaside angelangt. Die Reception erwartete uns und schloss gleich, nachdem uns die Zimmerschlüssel übergeben wurden. Das Zimmer war eher klein aber gemütlich, und sehr modern eingerichtet. Das Zimmer ging gegen den Hafen. Das Fenster wollten wir jedoch nicht öffnen: Seit wir in diesem Ort angekommen sind, nahmen wir einen penetranten Fischgeruch wahr, der das ganze Dorf umgab. Zuerst dachte ich, ich sei das, aber nein, dieses Mal lag es am Dorf.

Woody erlebte diesen Tag so

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Dienstag, 5. Mai 2015: Besuch an der EXPO 2015 in Milano

Aussteigen in Rho Fiera Milano Expo 2015Das Geschäftliche und das Privat miteinander verbinden – das geht. Und zwar so: im Rahmen der EXPO 2015 führt die SBB mehrere Extrazüge täglich nach “Rho Fiera Milano Expo 2015″, wie der Messebahnhof offiziell heisst. Mein Arbeitskollege und ich hatten den Auftrag zu überprüfen, ob die im Vorfeld definierte Qualität stimmt und wie sich das Ganze so für unsere Kunden präsentiert. So begaben wir uns frühmorgens in dieses Milano. Pünktlich um kurz vor halb zehn waren wir dort und beobachteten die Ankunft der Züge und der Abmarsch der Reisenden. Soweit alles im grünen Bereich. Um halb zwölf kam der letzte Extrazug aus der Schweiz und nun hatten wir bis kurz vor sechs Uhr Abends Zeit für uns – welche wir für einen Besuch an der Expo nutzten. Wir wollten sehen, was uns die EXPO zum Thema “Welternährung” beibringen will.

Da wir uns zu spät entschieden haben, die Expo zu besuchen, hatten wir in der Schweiz auch kein Billett gekauft und erledigten dies vor Ort.

  • EXPO-Tickets sollten schon im Voraus in der Schweiz gekauft werden. In der Schweiz kostet das Ticket CHF 36, in Italien am Schalter kostet er Eintritt € 39.

Der Eingang der Expo ist etwa 200 m vom Bahnhof entfernt, also absolut locker zu schaffen. Die Eingangskontrollen sind wir am Flughafen sehr streng. Und der Besucher muss anschliessend die Plasticboxen, mit denen die zu kontrollierende Gegenstände kontrolliert werden, wieder schön fein säuberlich wegräumen. Sonst kriegt man Ärger mit der Security. Mein “ma sono qui per divertimento, no per lavorare” wurde mit einem “maaaaaa, è così per tutti” abgetan.

  • Wer ein Sackmesser mit einer Klingenlänge von mehr als 5 cm mit sich führt, kann dieses nicht mitnehmen sondern muss es beim Eingang deponieren. Der Bezug desselben ist ganz einfach: Man geht durch eine spezielle Türe, gibt dort den am Morgen beim Eingang erhaltenen Tag ab und kann aus einer ganzen Schachtel Messer das schönste auswählen. Es ist also nicht garantiert, dass man das eigene Messer wieder zurückkriegt.

Und dann war er da: Der Moment, wo ich mein teures 39-€-Ticket in den Scanner stecken konnte und die Anzeige auf dem Display erschien “Biglietto non valido – ticket not valid”. Für mich sah das Verkaufsbüro sehr offiziell aus, ich war sicher, keinem Betrüger auf den Leim gekrochen zu sein. Oder vielleicht doch? Grosse Hektik brach beim Security-Personal aus. Aufgrund des Ausgabedatums des Tickets wäre es offensichtlich gewesen, dass das Ticket gültig sein muss – but the computer says “no”! Ein Supervisor, und dann noch sein Chef werden geholt. Das Ticket wird an einem anderen Computer “entwertet”. “We äve tigget änd computer problems” – Va bene, und wir durften rein.

EXPO-AvenueIn der Expo fielen uns die verschiedenen gesponsorten Pavillons auf. Chicco sponsert die Wickeltische, irgend eine Fitnessbude will sonswie die Welt besser machen… etc. Wir gingen nun die verschiedenen Pavillons anschauen. Man muss sich vorstellen, dass die ganze Expo aus einem etwa 2 km langen breiten gedeckten Weg besteht und dort dann die verschiedenen Pavillons stehen. Und dann stiessen wir auf den ersten Pavillon – einen asiatischen Tempel. Wie in den Medien angekündigt, war dieser nicht fertig gebaut und quasi noch eine Baustelle. Als wir sahen, dass es sich bei diesem Pavillon um Nepal handelte, hatten wir mit der Situation grosses Verständnis. Wegen der Erdbebenkatastrophe vom 25.4. haben die Nepalesen nun sicher andere Prioritäten als irgendwelche Pavillons, weit weg von zu Hause, fertig zu stellen. In der Folge schreibe ich die verschiedenen besuchten Pavillons auf und beschreibe sie.

  • Nepal: Dieser Pavillon besteht aus einem asitatischen Tempel bzw. einer Pagode. Da das Ganze noch nicht fertig war, konnte man nicht sehen, was den Besuchern vermittelt werden soll. Ein Nepalese hat an einem Tisch gesessen und gegen einen Obulus mit einem Pinsel europäische Vornamen auf nepalesich übersetzt und in den entsprechenden Schriftzeichen auf ein Blatt gemalt.
    Pavillon Nepal
  • Belgien: Auch hier war noch nicht alles fertig gebaut. Dummerweise das Wichtigste – der Bierstand neben dem Pavillon. Der Pavillon selber war hübsch und hatte mit Schokoladenanfertigung (gesponsert von den verschiedenen belgischen Schoggihäusern wie Leonidas) und Pflanzenkulturen (namentlich Gewürze) die beiden Schwerpunkte. Auch im innern des Pavillons konnte man Bier kaufen – was wir taten – und dazu nahmen wir noch ein Käseplättli mit auf die Terrasse. Wir waren schon lange unterwegs und eine kleine Aufmunterung ladet die Batterien…
    Belgien ist für Käse bekannt?
  • England: Kein Pavillon. Aber eine geschickt gemachte Anlage, welche den Besuchern die Bienen bzw. deren Tätigkeiten aufzeigen soll. Der Besucher befindet sich ein einem Bienenstock, dies wird akustisch mit einem steten Brummen nachhaltig aufgezeigt. In der Nacht wird der Bienenstock durch Lampen zusätzlich beleuchtet, was sicher auch hübsch ist.
    Beehave
  • Spanien: zeigt uns in ihrem Pavillon den Beitrag der Iberer zur Welternähung. Also primär im Vordergrund stehen leckere und wohl auch teure Dinge, wie der bekannte Schinken Jamon iberico, welcher von schwarzen Schweinen stammt. Auch hier kehrten wir ausserhalb des Pavillons ein und fühlten uns rasch wie an einem Strand in Spanien. Wir genossen ein Glas Weisswein und ein kleines Versucherli von diesem sauteuren Jamon iberico (100 g = € 40!). Das kleine Schinkenplättli kostete € 22, war lecker aber der Service war an Tag 5 der Expo noch nicht auf der Höhe seiner Aufgaben.
    Jamon iberico
  • Iran: Ich war noch nie im Iran und wollte mir den Besuch dieses Pavillons nicht nehmen lassen. Hier wurden iranische Spezialitäten wie Gewürze, Nüsse und Fische präsentiert. Auch hier konnte man sich in einem Restaurant edel verpflegen lassen. Highlight: Der Coca-Cola-Kühlschrank im Iran-Pavillon.
    IranCocaCola im Iran?
  • Turkmenistan: Heisst der gütige Vater von Turkmenistan nicht Turkmenbaschi? Ist er derjenige der dafür sorgt, dass es den Turkmenen immer gut geht (und dass sie sich nicht mit so unmöglichen Themen wie korrekte Wahlen und Demokratie auseinandersetzen müssen)? In diesem Pavillon geht es nicht um die Welternährung sondern darum zu zeigen, welch tolles Land Turkmenistan ist. Von der Terrasse in der 2. Etage aus hat man eine tolle Aussicht auf die Expo.
    Pavillion with a view
  • Oman: Ich war drin in diesem Pavillon. Aber ich weiss nicht mehr, was hier der Schwerpunkt war. Ah, jetzt kommt es mir wieder in den Sinn: Das leben der omanischen Familie wurde gezeigt.
    Oh man!
  • USA: Ein sehr grosser Pavillon mit einer wunderbaren Terrasse. Oben auf der Terrasse hat es eine tolle Bar, die haben sogar Hawaiianisches Bier. Auch Espresso à € 1. Gute Aussicht von der Terrasse.
    USA
    Aussicht vom US-Pavillon
  • Deutschland: Dieser Pavillon ist nicht direkt an der EXPO-Strasse gelegen sondern ein Wenig nach hinten versetzt. Vorgestellt werden die Bundesländer mit ihren Gourmet-Spezialitäten (z.B. Dresdner Weihnachtsstollen). Hat auch eine kleine Terrasse mit Ruhemöglichkeiten.
    Germany
  • Ausstellungsturm: Beim Wahrzeichen der Ausstellung, welches man auf allen Werbeplakaten sieht, gibt es stündlich ein Konzert mit Wasserspiel.
    Aussstellungsturm
  • Schweiz: “Solidarität mit denen, die nach uns kommen”. Im Pavillon der Schweiz kann man gratis Äpfel (Apfelringe), Wasser, Kaffee und Salz mitnehmen. ABER: hier wird nicht aufgefüllt. Die Besucher sind also dafür verantwortlich, dass nicht schon Ende September keine Waren mehr mitgenommen werden können. Bin gespannt, wie sich das anlässt. Gute Idee, welche vom Publikum auch angenommen wird. Man muss ein Billett beziehen, wir hatten den nächsten Slot nach einer halben Stunde. Abgerundet wird der Pavillon durch eine Ausstellung der Gotthardkantone, welche mit einem Wasserspiel aufzeigen, dass die Alpen in der Mitte Europas sind und das Wasser des Gotthards vier Meere speist.
    Pavillon Suisse
    Salz
    Gotthard

Pizza MargeritaDas war genug an Kultur. Wir gingen noch zu den Italienern und assen eine Pizza. Frisch gemacht von einem unfreundlichen Pizzaiolo. Und dann merkten wir, dass der Tag lang war und wir eigentlich müde waren. Also ab zum Bahnhof und die Rückreise der Kunden beobachten. Einzelne Verbesserungsinputs haben wir aufgenommen und werden diese in den Folgetagen gemeinsam mit den verschiedenen Partnern bearbeiten.

Fazit:

  • Ein Besuch der EXPO lohnt sich.
  • Ein Tag genügt. Ein Tag genügt nicht. Jeweils abhängig davon, wie sehr man in die Details gehen will
  • Verhungern kann man nicht. Aber ein paar Euros sollte man zusätzlich mitnehmen
  • Die Anreise mit den Extrazügen ist zu empfehlen. Akutell hat es dort noch genügend freie Plätze, während dem die Regelzüge eher voll sind.
  • Wer erst im September/Oktober gehen will, wird wohl wesentlich Besucher antreffen als wenn er bis zum Sommer die Ausstellung besucht.

Mit hat’s gefallen. Und ich hoffe, dass dank diesen ultimativen EXPO-Tipps auch weitere Reisen der Leser dieses Blogs erfolgreich ablaufen werden.

Fahrt zurück

 

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Sonntag, 1. März 2015: Der Tag, an dem ein Viertel mehr Menschen Geburtstag haben

Heute ist der 1. März. In Schaltjahren wäre dies ja der 29. Februar. Also haben heute rund ein Viertel mehr Menschen Geburtstag, als an anderen Tagen. Aber das wird totgeschwiegen. Darum sei es hier erwähnt.

Die Nacht im Hotel Palace war ein bisschen durchzogen. Eigentlich habe ich nicht schlecht geschlafen, aber das Bett war zu weich und das Hotel zu ringhörig. Dem Altbau ist es zuzuschreiben, dass man die Schritte der anderen Gäste auf dem Flur auch im Zimmer hörte. Das Frühstücksbuffet war unterirdisch. Auch hier konnte das Hotel bei uns nicht punkten. Eine historische Fassade wurde hier nicht genutzt – schade.

Mit dem Zug fuhren wir zum Flughafen. Der Manchester Airport wurde mehrere Male umgebaut und erweitert. Funktional für die Kunden ist er nicht. Er ist unübersichtlich und unkomfortabel. Zehn Minuten vor dem geplanten Abflug erfuhren wir, ab welchem Gate der Flug gehen wird. Am Gate, welches etwa 10 Sitzplätze in einer Wartezone hatte, erfuhren wir, dass der Flieger 35 Minuten Verspätung haben wird. Die Organisation ist very british…

Der Flug nach Zürich war wie die Weiterreise nach Bern dann schon fast Standard…

 

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Samstag, 28. Februar 2015: Die teuflisch rote Geldmaschine

Die Pfunde schmelzen hier nur so dahin. Tanken am Bancomaten war angesagt (dieses Wortspiel musste sein :-) ). Danach auschecken aus unserem Hotel und Transfer nach Manchester. Leider war das Hotel nicht fähig, einen Minibus zu organisieren, so dass wir mit 2 Taxis nach Manchester fahren mussten. Für die Taxifahrer eine lohnende Sache. So wie sie sich anstellten war es vermutlich das erste Mal, dass sie einen Auftrag ausserhalb Liverpools hatten: Unsere Zieldestination, das Palace Hotel in Manchester, musste im Navi eingegeben werden, auch mit korrekter Postleitzahl. Die Fahrer legten im Übrigen auch Wert auf einen gepflegten Auftritt: Der eine Fahrer hatte für die Fahrt in die mittelenglische Metropole seine schönste Jogginghose angezogen, der Andere gönnte sich während der Fahrt drei Zigaretten… Die Fahrt führte uns zuerst durch die Aussenquartiere Liverpools und dann ging es auf die dreispurige Autobahn, wo wir konsequent auf der Mittelspur fuhren.

16685070656_31718d5524_zNach rund dreiviertel Stunden kamen wir bei unserer neuen Unterkunft an. Aufgrund von Bauarbeiten in der Stadt waren die ursprünglich vom Navi geplanten Strassen nicht passierbar und unsere beiden Taxihelden waren aufgeschmissen. Nach einer Lagebesprechung am Strassenrand stellten sie fest, dass das Hotel wohl grad um die Ecke sein müsse, was dann auch so war… Das Hotel ist ein Bau aus vergangener Zeit. MDCCCXXXXIII war an der Decke eingraviert, was als Eröffnungsdatum wohl etwa 1893 ergeben musste. Wir konnten noch nicht einchecken, aber unser Gepäck einstellen. Und so machten wir uns quasi auf direktem Weg in Richtung Old Trafford, dem Stadion von Manchester United heute gegen den Sunderland AFC spielte. Vom Zentrum aus nahmen wir das recht neue Tram und fuhren mit einmal umsteigen zur Haltestelle Old Trafford. Keine 50 m neben der Haltestelle befindet sich das Stadion. Ich habe mir dieses Stadion immer grösser vorgestellt. Ach, das ist gar nicht das Fussballstadion? Nun, scheinbar können auch Cricket-Stadiöner grösser als ein Sportplatz in unseren Breitengraden sein. Das Fussballstadion befand sich etwa einen Kilometer von der Tramhaltestelle entfernt.

16710957035_1ddc4b5f3f_zNach einem gemütlichen Spaziergang, vorbei an vielen Food- und Souvenirständen, standen wir vor dem Stadion. “Old Trafford“, dieser Name vergeht einem auf der Zunge. “Theatre of dreams” ist eine weitere Bezeichnung dieses Fussballtempels. Aber primär ist es eine Geldmaschine: Der Fanshop ist nicht einfach ein Shop, er nennt sich “Megastore“. Und diese Bezeichnung ist nicht übertrieben. Die Grösse des Megastores entspricht auf YB bezogen etwa dem Coop im Stade de Suisse. Und die Zuschauer sind sowas von begeistert von ManU, dass der Store regelrecht gestürmt wird: Die Eingangstüren werden zeitweise geschlossen, und man lässt nur alle 5 Minuten Kunden rein. Der Fan lässt dies natürlich über sich ergehen. Und im Store findet man ALLES. Alle Artikel tragen das Logo von Manchester United. Und hier ist man auch sicher, dass man keine chinesische Fälschung kauft. Der Irrsinn mit der Geldmaschinerie äussert sich auch darin, dass man auch an der Kasse queuen muss, trotz mind. 10 geöffneter Kassen. Wieviel hier an einem Spieltag wohl umgesetzt wird?
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16710889575_20305bd4b7_zDas Stadion ist alt traditionell, die Plätze eng. Mit dem Knie ist man am Rücken des Vordermanns, bzw. am Knie des Nebenmanns. Das Gastroangebot ist unterirdisch. Aber trotzdem kann man den Zuschauern das Geld aus der Tasche ziehen. Nebenbei hat mein Bruder noch erwähnt, für wieviel Geld er die Tickets gekauft hat. Ich mag es hier nicht aufschreiben, aber es war recht happig… Das Spiel gegen Sunderland war geprägt von einem überlegenen Manchester und von einem Sunderland, welches sich sehr geschickt verteidigte. Erst in der zweiten Halbzeit gelang Wayne Rooney mittels Penalty der Führungstreffer. Sunderland war nach diesem Penalty nur noch zu zehnt, weil einer ihrer Spieler den Penalty durch eine Notbremse verursacht hatte. Irgendwann passierte dann noch das 2:0, wiederum durch Rooney, und dann war das Spiel zu Ende. Interessanterweise war das Stadion innerhalb von 10 Minuten leer. Nur noch wir Schweizer liessen den Mythos “Old Trafford” auf uns wirken, begleitet von den Securities, welche uns dann mal zum Verlassen des Stadions aufforderten.
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16682177396_cd1010f39a_zAls wir draussen waren, störte uns plötzlich der Regen, der eigentlich schon während dem ganzen Spiel da war. Im Regen mussten wir nun zur Tramstation gehen – natürlich ohne Schirm… Als wir bei der Tramstation waren stellte ich fest, dass die Organisation des Abtransports eine einzige Katastrophe war. Zuerst mussten sich die Kunden aufteilen in eine Schlange “mit Ticket” und eine Schlange “ohne Ticket”. Wie Schafe, die in Neuseeland zur Schafschur gingen, mussten wir uns kanalisieren lassen. Tatsächlich mussten wir unseren Fahrausweis vorzeigen. Die Trams waren jedoch nicht auf den Eventverkehr vorbereitet. Die Trams fuhren weiterhin im 12-Minuten-Takt – keine Verstärkungskurse, nix… Die einzige Massnahme war, einzelne Kurse mit Anhänger fahren zu lassen… Somit versteht sich, dass wir lange im Regen auf eine Rückfahrgelegenheit warten mussten. Und das ist bei jedem Heimspiel so? Übrigens: auch auf der Strasse kam es zu Wartezeiten. Die Kolonne war lange, und wir haben sicher trotz der Wartezeit beim Einsteigen von einem rascheren Transport profitieren können.

Irgendwann sind wir im Hotel angekommen. Dort trafen wir Bettina, welche nicht ans Spiel kam und dafür die Innenstadt erkundete. Den Tag schlossen wir mit einem feinen Nachtessen bei einem Italiener in der Gegend ab. Ein Spiel im Old Trafford zu sehen, ist ein Erlebnis. Die ganze Geldmaschinerie zu erleben, weniger.

 

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Freitag, 27. Februar 2015: Beatles for ever!

Um 9 Uhr treffen wir uns alle zum Frühstück. Der Weg vom Buffet zum Tisch kommt einer Morgen-Gymnastik-Session gleich. Das Buffet ist lecker, der Start in den Tag ist geglückt. Noch beim Frühstück entscheiden wir, gemeinsam eine Beatles Magical Mistery-Bustour zu unternehmen. Das Albert Dock ist Ausgangspunkt der Fahrt.

Der Tour-Guide begrüsst uns und erklärt uns, dass in Liverpool alle und alles mit Musik zu tun habe. Er zum Beispiel sei der Bruder des Sängers der Gruppe “Franky goes to Hollywood”. Da sagen wir doch einfach “RELAX”.


Magical Mystery Tour ist der Soundtrack zum gleichnamigen Fernsehfilm, der Beatles. Basierend auf Paul McCartneys Konzept einer “geheimnisvollen Busreise durch England” begann die Gruppe am 25. April 1967 in den Abbey Road Studios mit den Arbeiten am Titelstück Magical Mystery Tour. Während der zweistündigen Fahrt besuchen wir verschiedene Stationen, die in engem Bezug zu John, Paul, George und Ringo stehen. So besuchen wir die Häuser, in denen die vier ihre Jugendjahre mit ihren Familien verbracht haben, Schulen und Erinnerungspunkte wie die Penny Lane und das Gittertor “Strawberry Field”. Die Tour endet im legendären Cavern Club, wo die Beatles zahlreiche Konzerte gegeben haben.

wpid-Photo-20150329160853210.jpgDas Wetter spielt auch heute gut mit. Als wir vom Cavern Club durch die Innenstadt zurück zum Hotel gehen, ist’s immer noch schön aber sehr zügig und daher kalt.
Da wir nicht hungrig sind, verzichten wir auf ein Mittagessen in der Gruppe und begeben uns direkt zum Beatles-Museum. Das Museum ist witzig und interessant aufgemacht. Es gibt vieles zu entdecken. Auch wenn wir beide keine Riesen-Beatles-Fans sind, haben wir Spass die Führung entlang der Ausstellungs-Stationen zu absolvieren.

Nach dem Museums-Besuch gehen wir zurück in die Stadt und finden tatsächlich im ersten Supermarket meine heissgeliebten CurlyWorly Schokolade-Carmel-Stängel.
Danach kehren wir zurück ins Hotel und ruhen uns ein wenig aus. Um 20:00 Uhr wir uns alle, um gemeinsam das Sapporo Teppanyaki Restaurant aufzusuchen. Als wir das Lokal betreten, ist es laut, heiss und komplett besetzt. Wir quetschen uns auf die acht freien Stühle rund um die Teppanyaki-Grill. Roland war schon einmal in diesem Restaurant und erkundigt sich rasch, ob Ketchup, einer der Grilleure, verfügbar wäre, um sich an unserer Station in Szene zu setzen. Er ist’s. Die Show ist nicht beschreibbar. Wir amüsieren uns köstlich. Ich gebe aber zu, dass man selbst an so einer Station sitzen muss, um sich an der ganzen Show zu erfreuen. Dass man am Schluss so riecht, wie das ganze Lokal versteht sich von selbst. Zu Fuss geht es wieder in Richtung Hotel, nicht aber ohne noch einen Abstecher in den Cavern Club einzulegen. Wir gönnen uns ein Bier und lassen die Konzert-Atmosphäre auf uns einwirken. Die Band spielt Rock-Stücke und lässt zwischendurch auch ein Beatles-Song einfliessen. Kurz vor Mitternacht treffen wir im Hotel ein. Der heutige Tag hat uns viele neue Eindrücke beschert. Müde aber glücklich schlafen wir ein.

 

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Donnerstag, 26. Februar 2015: Abenteuer Europaleague zu Ende – Here comes the sun!

Um 7:05 ging das Flugzeug ab Zürich. Für uns Grund genug, schon in Zürich zu übernachten und so ein bisschen Extra-Zeit mehr zu haben. Im Radisson Blu ist man in Fusswegdistanz zum Gate und das ist ganz praktisch.

Das Flugzeug nach Manchester war wohl fast voll, viele gelb-schwarze Schals mit Fans, welche die Young Boys am Abend wie wir in Liverpool unterstützen wollten. Matthias und Oli trafen wir schon im Flugzeug, Roli, Cathrin und Niklas sollten wir erst in Liverpool treffen. Ja, wir sind eine grosse Truppe auf dieser Fanreise. Der Flug verlief unspektakulär, trotz Fensterplatz konnte man am Boden nichts sehen, da es bewölkt war. Dann plötzlich die Landung und schon war man in Manchester. Da England nicht zum Schengen-Bereich gehört gab es eine Passkontrolle. Aber auch hier hat die Automation schon Einzug gehalten, man musste nur den ‘maschinenlesbaren’ Pass in ein Gerät halten und der Computer sagte einem, ob wir nun einreisen können oder nicht. Ausserhalb des Flughafens konnten wir fast nahtlos in den gebuchten Shuttle umsteigen, welcher uns in rund 3/4 Stunden nach Liverpool brachte.

Das Wetter war schlecht. Es regnete, alles grau – so wie man sich das britische Wetter so vorstellt. Der Shuttle brachte uns zu unserem Hotel, dem Hilton. Trotz der frühen Stunde – die Lokalzeit war mittlerweile 10:00 Uhr konnten wir bereits unser Zimmer beziehen und kurz darauf waren die vier ab Zürich geflogenen auch schon ausser Haus im nahe gelegenen Shopping Center anzutreffen. Schliesslich galt es nun, dem prognostizierten schönen Wetter eine Chance zu geben und zudem auch auf die drei restlichen YB-Fans zu warten. Um 13:00 trafen wir Roland, Cathrin und Niklas in der Hotellobby und gemeinsam gingen wir zum Mittagessen ins nahe gelegene Las Iguanas. Dieses Restaurant bot brasilianisch-mexikanisch-südamerikanische Küche an und war recht preiswert und gut.

Danach teilte sich die Gruppe auf, Bettina und ich gingen in Richtung Albert Docks. Das alte Hafenviertel wurde vorbildlich aufgepeppt und ist nun die Ausgehmeile Liverpools. Es gibt auch viele Museen an diesem Ort. Seit 2004 ist das Hafengebiet UNESCO Welterbe, aber seit 2012 befindet sich dieses auf der Roten Liste des gefährdeten Welterbes. Die Gründe hierfür sind laut UNESCO “der langsame Zerfall der gesamten Anlagen aufgrund unzureichender Erhaltungsmassnahmen und Baumassnahmen im Umkreis, welche die visuelle Integrität der gesamten Anlage negativ beeinflussten”. Die ganze Anlage ist aber wunderschön anzuschauen und hat uns sehr gefallen. Auch das Wetter hat sich nun zur absolut besten Seite weiterentwickelt – wenn nur der Wind nicht gewesen wäre.

Wir besuchten als erstes das Liverpool Museum, welches eine gute Übersicht über die Entwicklung der Stadt zeigt. Das Museum selber ist ein moderner Bau, welcher sich gut ins historische Gesamtensemble des Hafengebiets einfügt. Danach gingen wir ins Merseyside Maritime Museum. Auf dieses Museum wurden wir aufgrund eines Prospektes aufmerksam, welcher eine Sonderausstellung bewarb. Hier wurde die Geschichte der Kindermigration von 1860 bis 1968 aufgezeigt. Kinder von Eltern, welche nicht mehr für ihre Kinder sorgen konnten oder sich für die Kinder ausserhalb Englands eine bessere Zukunft versprachen, wurden nach Kanada und Australien “exportiert”. Traurige Sache, die hier mit Wissen der Behörden und Kirchen betrieben wurde. Die Kinder waren teilweise erst 5 Jahre alt…

Nach diesen Museumsbesuchen besammelten wir uns um 18:00 in der Hotellobby und wollten gemeinsam in zwei Taxis zum Goodison Park, der Heimat des Everton FC dislozieren. Heute ging es in der Europa League für YB um den Einzug in die Runde der letzten 16. Nach dem 1:4 im Hinspiel vor einer Woche wird dies jedoch ein schwieriges Unterfangen. Nur äusserste Optimisten träumen von einem Weiterkommen… Vor zwei Jahren spielte YB schon einmal in Liverpool, gegen den FC Liverpool gelang damals in der Europa League in den Gruppenspielen ein 2:2. Obschon der FC Liverpool bekannter ist, ist Everton der ältere Klub. “The Grand Old Lady” sagt man scheinbar…

Taxis sind Mangelware, sodass wir rund 30 Minuten warten mussten, bis wir eines entern konnten. Auf zwei Taxis aufgeteilt fuhren wir zum Stadion. Unser Fahrer liess uns 500 m vor dem Stadion aussteigen, aufgrund des Verkehrs. Die andere Gruppe hingegen wurde problemlos vor das Stadion geführt. Nehme an, der eine Fahrer war Liverpool- und der andere Fahrer Everton-Fan… Als wir beim Stadion waren, mussten wir unseren Eingang suchen. Dabei waren die Angaben der Stewards nicht sehr hilfreich, schlussendlich machten wir eine Runde um das ganze Stadion und waren danach wieder am Ausgangsort – wo sich auch der Eingang zum “Peoples Club” befand, eine Loge fürs Volk. Hier konnten wir einen Hamburger geniessen, welcher im Eintrittspreis inbegriffen war.

In diesem “Peoples Club” wurden auch die schon früher angepfiffenen Spiele der Europa-League gezeigt, namentlich auch das Spiel Besiktas Istanbul gegen den Erzrivalen Liverpool FC. Ein Jubel erschallte in der Lounge, als Besiktas das 1:0 schoss. So musste Liverpool zumindest in die Verlängerung… Nebst unseren Hamburger zu geniessen konnten wir in der Lounge noch einem Live-Interview mit einem verdienten Spieler aus den 80er Jahren beiwohnen. Das wäre etwa so, wenn bei YB Tinu Weber von früher erzählen würde. Später wurde uns ein Blatt verteilt, auf welchem wir sehen konnten, wie die Mannschaften spielen werden. Wir waren erstaunt, dass YB auf 5 Positionen neue Spieler brachte. Scheinbar werden hier Spieler für das Derby am nächsten Sonntag gegen Thun geschont. Wölfli im Goal, Sutter, Zarate, Bertone, Kubo… Mal schauen, ob das gut geht.

20 Minuten vor Spielbeginn entschieden wir uns, unsere Tribünenplätze einzunehmen. Wir hatten Plätze hinter dem Tor und eine prima Aussicht. Das Stadion ist eines der älteren in der englischen Premiere League. Man möchte ein neues Stadion bauen, aber dieses befindet sich mitten im einem Wohnquartier… Wird wohl noch ein bisschen dauern, bis da was Neues steht.

Kurz vor Spielbeginn füllte sich der Sektor und wir erhielten Locals als Sitznachbarn links, rechts, oben und unten von uns. Als sie merkten, dass wir das Auswärtsteam unterstützten, machten sie einen auf Small Talk. Dabei zeigte sich, dass sie mit dem Schweizer Fussball nicht allzuviel anfangen können. Wo denn diese Young Boys herkommen. Und warum die so einen Namen haben, das könne ja in der heutigen Zeit auch ein bisschen falsch verstanden werden, wenn man Fan von so einem Team ist… Nun, als ich meinem Nachbarn erklärt habe, dass unser Stadion Wankdorf heisst, da war ihm klar, dass wir eine ganz versaute Truppe supporten… :-)

Das frühe 0:1 für YB brachte Ruhe in den Sektor… Aber schon bald gab es Penalty für Everton, den Lukaku gekonnt versenkte. Lukaku sorgte auch für das 2:1 (fünf Tore gegen YB, den müssten wir kaufen…) und irgendwann gab es noch ein 3:1 und der Ofen war aus.

Die zweite Halbzeit hatte auf dem Rasen keine Highlights mehr zu bieten. Aber auf den Rängen. Als Lukaku ausgewechselt wurde, ist ein älterer Zuschauer aufgestanden und hat den Trainer lautstark beschimpft. Schliesslich habe er viele Pfund gewettet, dass Lukaku einen Hattrick schiesst und nun nimmt ihn der Trainer nach 2 Toren raus… Gelächter im Sektor… :-) Riesenjubel brandete durchs Stadion, als das Resultat Besiktas – Liverpool bekannt wurde. Liverpool verlor im Penaltyschiessen… Respekt holten sich die YB-Fans beim Publikum mit der grossartigen Unterstützung ihres Teams. Die haben 90 Minuten durchgesungen und das Team angepeitscht. Diese Ausdauer gefiel den Everton-Fans und sie haben den YB-Fans applaudiert… Es ginge also, sich Respekt ohne Pyrofackeln zu verschaffen…

Nach dem Spiel gab es noch ein Bier in der Lounge, bevor wir uns auf den Nachhauseweg machten. Bei Stadionausgang wurden wir von Radio BE1-Reportergott Albi Saner aufgelauert. Wie schon beim Spiel in Prag wollte er von mir noch ein Statement zum Spiel. Und auch Bettina kam zu Ehren, ein paar Worte ins Mik zu sprechen. Und natürlich wurden auch dieses Mal die Statements nicht gesendet… Nun, Albi durfte trotzdem mit uns mit dem Taxi ins Zentrum fahren und während der Taxifahrt gab er noch den einen oder anderen Schwank aus seinem Reporterleben zum Besten.

1:3 verloren, aber einen tollen Tag gehabt. Hopp YB!

 

 

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Sonntag, 26. Oktober 2014: Rutschbanen, Odins Expressen und Dæmonen

15473135828_6504ea3e8a_zEs war ein wunderbares Aufwachen, heute morgen. Zuerst mal waren wir entspannt, weil wir dank der Umstellung auf Winterzeit eine Stunde geschenkt erhielten. Dann war diese Aussicht aus dem 13. Stock, auf den Tag der nun am Erwachen ist, die auch noch das ihrige dazu beitrug, dass wir einen guten Start hatten. Nach einigem Wachräkeln gingen wir in die 20. Etage zum Frühstück. Wir erhielten einen wunderbaren Tisch mit Sicht auf Tivoli, Rathausplatz und Innenstadt. Der Start war somit wirklich geglückt.

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Gegen 10:30 Uhr checkten wir aus und stellten unser bisschen Gepäck beim Hotel ein. Erstes Tagesziel war der Besuch des Vergnügungsparks Tivoli, welchen wir gestern nicht mehr im Programm unterbringen konnten. Heute ist auch das Wetter besser. Das Tivoli hat sich total dem Thema “Halloween” verschrieben. Sehr liebevoll wurde die ganze Anlage mit Spinnweben, Kürbissen und animierten Figuren verziert. Ich kannte das Tivoli nur im Sommer. Dass dieses auch im Herbst geöffnet hat, ist jedoch neu. Erstes Ziel war die Attraktion “Rutschebanen“. Diese Achterbahn ist ganz aus Holz und hat dieses Jahr das 100 jährige Jubliäum gefeiert. 100 Jahre alt? Genau, aber dank des mitfahrenden Bremsers besteht kein Sicherheitsproblem, denn er bremst die Bahn ab, dass sie nicht entgleisen kann. Auch wenn sie “nur” 13 m hoch ist und keine Loopings hat, der Spassfaktor ist doch sehr hoch.

014e03cf3025f3d2bdbbe3d872e312746b65459004Danach ging es weiter. Wir spielten eine Runde “Galoppen”. Hier geht es darum, aus gewisser Distanz Kugeln in Löcher zu werfen. Trifft man, geht ein Pferd ein paar Schritte vorwärts. Das Pferd, welches zuerst am Ziel ist, hat gewonnen (bzw. der Kugelwerfer). Nach dieser eher entspannenden Attraktion gings auf die Bahn “Odins Expressen“. Da es nicht so viele Leute hatte, konnten wir auf dieser Achterbahn 3 Runden drehen. Sehr spassig, das Teil! Nach einem Spaziergang durch das restliche Tivoli steigerten wir das Achterbahnfeeling und lösten Tickets für den “Dæmonen“. Diese Achterbahn hat 3 Loopings, ist bis 70 km/h schnell und das bis zu 4fache Körpergewicht kann auf einem lasten. Es war toll, die Füsse baumeln zu lassen und die 1 Min 46 Sek Fahrdauer über sich ergehen zu lassen. Also “toll” ist ja ein bisschen untertrieben. Es war HAMMER! Und das Frühstück konnten wir auch in uns behalten…!

0123dcb258f0675215bf2fa06ab8e9121d2a95001fDies war die letzte Fahrt. Nachdem wir das Gepäck im Hotel geholt hatten, ging es weder mit einem Odins Expressen oder mit Dæmonen, sondern einfach mit dem Zug weiter zum Flughafen. Da wir doch einige Sachen eingekauft hatten, lohnte es sich, den Duty-Free-Beleg abstempeln zu lassen. Aber diesen Schalter zu finden kommt eher einer kleineren Suchaktion gleich, welche wir jedoch positiv abschliessen konnten. Die Lounge jedoch fanden wir nicht, aber den kurzen Moment vor dem Abflug am Gate zu verbringen war auch nicht so schlimm. Und anschliessend brachte uns Swiss sicher und pünktlich in die Schweiz.

Toll war es, dieses Wochenende in Kopenhagen!

 

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Freitag, 24.10./Samstag, 25.10.2014: Fenster mit Aussicht

0184abfec8c543cbc70d4354e3731c90aa082e7705Um 17:04 Uhr geht’s los. Wir starten in unser Kopenhagen-Wochenende. Getreu dem Motto “Der Weg ist das Ziel” steht die Anreise im Mittelpunkt. Da der City Night-Liner, Basel ab 18:26 Uhr Ende Oktober aus dem Fahrplan gestrichen wird, wollen wir die gemütliche Reise im Schlafwagen noch ein letztes Mal geniessen. Auf dem Weg nach Basel erledigen wir die letzten geschäftlichen Mails, so dass nach der Ankunft in Basel die privaten Gedanken in den Vordergrund gelangen. Wir steigen um. Der City Night-Liner steht schon auf dem Gleis 4 und unser Abteil im Wagen Nr. 197 ist bezugsbereit. Martin schiesst noch die letzten Zugsbilder und ich packe die wichtigsten Dinge aus unserem leichten Handgepäck aus (auf dieser Reise ist unser Gepäck wirklich handlich ausgefallen) und richte alles für eine gemütliche Reise.

Kurz vor 19:00 Uhr geht die Reise los. Der Schlafwagen-Schaffner kontrolliert die Tickets und informiert uns kurz über den Verlauf der Reise, insbesondere die längeren Aufenthalte, die ein kurzes Beinevertreten an der frischen Luft möglich machen. Ungefähr auf der Höhe von Freiburg im Breisgau beginnen wir mit unserem Zugs-Abendessen. Da es keinen Speisewagen gibt, haben wir in der Storchenbäckerei Märit-Salate und Sandwiches gekauft. Wir geniessen dieses Mahl entspannt und mit grosser Vorfreude auf die beiden bevorstehenden Tage. Das Essen krönen wir mit Tee und Nussgipfel. Kurze Zeit später macht sich die legendäre Schlafwagen-Müdigkeit bereits bemerkbar. Rasch ins Pyjama geschlüpft, Zähne geputzt – in der kleinen Kabine mit komplett eingerichtetem Bad – sind die Wege kurz, so dass wir bald alles erledigt und verstaut haben und unsere Betten beziehen können. Martin im Parterre, ich im oberen Stock.

Martin liest kurze Zeit in seinem Buch, ich blättere entspannt die aktuelle Ausgabe der PETRA durch als wir feststellen, dass die Müdigkeit uns übernimmt. Lichter löschen und schon sind wir beide im Land der Träume.

016b5bba42f026c7950fa00786a84cc02f149aebaaNach ersten Stunden erholsamen Schlafs erwachen wir zwischendurch kurz. Wagen werden angehängt, Lokomotiven gewechselt. Alles nur kurze Intermezzi in völlig entspannter Umgebung. In Hannover höre ich die Lautsprecherdurchsage, dass auf dem Gleis neben uns um 02.40 Uhr der Zug nach Warschau abfährt. Es folgt die zweite Schlafetappe. Martin stellt fest, dass wir in Padborg eingefahren sind. Er träumt, dass er aus dem Zug aussteigt, um frische Luft zu schnappen und ein paar Schritte zu machen … plötzlich fährt der Zug ohne ihn ab. “Äs isch nume es chlises Tröimli gsy …” … zum Glück.

Kurz vor Rendsburg sind wir beide gleichzeitig wach. Ich steige runter und krieche zu Martin ins Bett. Gemeinsam beobachten wir, wie sich der Zug der Brücke in Rendsburg nähert, welche den Nord-Ostesee-Kanal überquert. Die Brücke ist mit einer Fahrrad/Fussgänger-Fähre auf Ufer-Niveau gekoppelt. Unter der Brücke haben wir vor Jahren schon einmal Pötte beobachtet, die durchgefahren sind. Gerade als wir über die Brücke fahren, fährt unten durch ein grosses Tankschiff. Noch kurz die Aussicht auf das Quartier Rendsburg-Schleife genossen und dann steige ich wieder in mein Logis im ersten Stock. Es folgt die dritte Schlafetappe. Kurz vor 08.00 Uhr sind wir nach morgendlichem Musik hören und Buch lesen so wach, dass wir aufstehen, duschen und uns tagfertig machen. Kurze Zeit später sitzen wir in unserem Abteil (die Betten sind hochgeklappt, in eine Halterung beim Fenster wurde ein Tisch eingehängt) vor einem reichhaltigen Frühstück. Unser Schlafwagenschaffner (er hat eine Stimme wie Kurt Aeschbacher) offeriert uns ein Milchcafé. Da er selbst den Café mit der Dallmayer-Sahne nicht mag, nimmt er jeweils einen kleinen Beutel Milch mit. Davon ist noch etwas übrig, so dass wir in den Genuss eines Milch-Cafés kommen. What a wonderful day. Inzwischen ist es taghell und die dänische Landschaft ist herbstlich-schön. Auch hier Indian summer Kulisse, dann und wann ein Hase, ein Fasan, ein Angler. Wir geniessen die schöne Aussicht, das feine Zmorge und nicht zuletzt das gemütliche Beisammensein. Die eingefahrene Stunde Verspätung nehmen wir gerne in Kauf. So bleibt uns noch etwas mehr Zeit, die Reise im Zug zu geniessen.

018a377a2421df85a313144235597d411eb9aa3637Kurz vor 11:00 Uhr treffen wir in Kopenhagen ein. Es ist herbstlich grau-nieselig. Wir gehen zum SAS-Hotel, welches nur einen Steinwurf vom Bahnhof entfernt liegt. Tatsächlich ist unser Zimmer bereits bezugsbereit. Freude herrscht. Wir richten uns kurz ein und machen uns dann auf Richtung Altstadt-Fussgänger-Zone. Bei grau-diesigem, windigem Wetter gehen wir am Rathaus vorbei, verschaffen uns einen Überblick über die grosse U-Bahn-Baustelle, machen ein paar Föteli und stechen dann in die Fussgänger-Shopping-Zone. Wir schauen uns in einigen Läden um. Martin entdeckt ein Geschäft, in dem man die Füsse in ein Aquarium eintauchen kann und sofort machen sich die kleinen Fische, die sich darin befinden, daran, an den Füssen und Beinen zu nuckeln. Sie ernähren sich von den Hautschüppchen der “Badenden”. Dieses Treatment probieren wir aus. Zu Beginn kitzelt es gewaltig … ganz ein eigenartiges Gefühl. Beim Eintauchen seiner Füsse und Beine prustet Martin schallend los. Er braucht einen Moment, um sich an das Gewusel um die Füsse zu gewöhnen.

010e1957ee9412679f36dedc3c834b95e2d8282745Nach rund einer halben Stunde ist der Genuss vorbei. Füsse trocknen, eincrèmen und weiter gehts. Wir spazieren weiter bis zum Nyhaven, wo wir uns einen Pölser genehmigen. Wir schlendern der Hafenfront mit all ihren Restaurants entlang. Das Wetter ist grad ein wenig unwirtlich. Es hat zu regnen begonnen und die Windböen lassen das Nasse noch kühler erscheinen. Wir erstehen uns verschiedene kleine Dinge. So auch leckere Schokolade im Hotel du Chocolat und kehren dann zurück ins Hotel. Unterwegs reservieren wir uns im Restaurant Peder Oxe einen Tisch fürs Abendessen. Im Hotel verbringen wir etwas mehr als eine Stunde mit lesen und internetlen. Das Essen im Restaurant Peder Oxe schmeckt von der Vorspeise (Salatbuffet) über Hauptgang (Hirschsteak bzw. Fisch) bis zum Dessert (Haselnusseiscrème bzw. Birnen-Marzipan-Cake (Mazarin) mit Vanilleeiscrème) vorzüglich. Peder Oxe aus unserer Sicht ein echtes dänisches Restaurant.

Nach dem Essen spazieren wir zum Hotel zurück. Legen aber noch ein Päuschen ein im Victoria’s Pub. Einen Schlummertrunk zu Live-Musik lassen wir uns nicht entgehen. Unser Nachhause-Weg führt uns am Tivoli Vergnügungspark vorbei. Jetzt in der Dunkelheit ist der Eintritt wunderschön mit leuchtenden Kürbis-Deko-Lampen verziert. Wollen wir noch gehen oder nicht? Nach kurzem Wärweisen entscheiden wir uns, den Besuch auf Sonntagmorgen zu verlegen. Wir machen uns bettfertig, geniessen vom Bade und vor allem vom Bett aus die schöne Aussicht auf das nächtliche Kopenhagen. Lichterlöschen und schon übernimmt uns der Schlaf nach diesem genussvoll schönen Tag.

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Samstag, 4. Oktober 2014: Tramtraum

Die Nacht war erwartungsgemäss kurz. Und kurz vor Frühstücksbuffetschluss schafften wir es dann auch noch zum Kaffee und Omelett. Da unser Flug zurück in die Schweiz erst gegen Abend getimt war hatten wir fast noch einen ganzen Tag in Prag. Ich wollte das Trammuseum sehen und mein Bruder sowie Vater Zimmermann begleiteten mich.

DSC09454So schlecht wie dieses Mal hatte ich mich wohl noch nie für eine Tramfahrt vorbereitet. Der Gipfel der Peinlichkeit war, dass mein Bruder mir die richtige Tramlinie zum Museum zeigen musste… Schlussendlich haben wir den Ort gefunden. Der Eintrittspreis ist mit umgerechnet CHF 1.70 sehr günstig. Die ausgestellten Fahrzeuge zeigen ein grosses Spektrum der Geschichte des öffentlichen Verkehrs in Prag. Vom Rösslitram von 1886 bis zum 1988er Ikarus-Gelenkbus findet sich quasi von jeder Generation ein Fahrzeug in der Halle. Auch die braune Geschichte rund um den 2. Weltkrieg wird nicht ausgeklammert, findet sich doch tatsächlich eine Strassenbahn vor Ort, welche mit “Juden Eintritt verboten” beschriftet ist. Alles in Allem ein wunderbares Museum, dessen Besuch sehr viel Spass gemacht hat.

DSC09471Nach dem Museumsbesuch machten wir eine Rundfahrt mit der Linie 91, wo ausschliesslich historische Fahrzeuge zum Einsatz kommen. Für wiederum CHF 1.70 konnten wir so eine tolle Stadtrundfahrt geniessen  – unter dem Blick der vielen Touristen, welche Spass am vorbeifahrenden historischen Tram hatten. Irgendwo im Zentrum sind wir ausgestiegen und haben uns auf dem Weg zum Hard Rock Café gemacht. Hier trafen wir den Rest der Gruppe und assen was. Danach trennten wir uns auf um noch letzte Einkäufe zu machen (die Anderen) oder dem Bahnhof von Prag einen Besuch abzustatten (ich).

Gegen 17:30 Uhr trafen wir uns beim Hotel, und das vorbestellte Taxi (selbstverständlich ein AAA-Taxi) brachte uns zum Flughafen. Das Einchecken geht mittlerweile dank Web-Check-in sehr einfach. Wir hatten anschliessend genügend Zeit am Gate, um zur ‘inneren Ruhe’ :-) zu finden… Am Gate fielen mir etwa fünf Mitreisende auf, deren Gesichter übel zugerichtet waren. Ob sie wohl in eine Schlägerei gekommen sind? Nein, die Pflaster und Nasen-Schienen waren Zeugen von Schönheitsoperationen. Prag ist scheinbar zur Zeit DER Geheimtipp für Leute mit schlaffen Augenlidern, schrumpeligen Brüsten oder krummen Nasen. Die Preise sind scheinbar nur ein Fünftel des Preisniveaus der Schweiz. Würde ich so was machen (müssen), ginge ich aber mit dem Auto und nicht mit dem Flugzeug. Denn sich so zugerichtet in der Öffentlichkeit zu zeigen, braucht doch wohl fast noch mehr Mut als die Operation…

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Freitag, 3. Oktober 2014: Ein UFO im Lift

Auf der Fahrt zum Frühstück hatten wir heute ein UFO im Lift. Genau, Uli Forte, aktueller Trainer von YB und künftiger Meistertrainer, war im Lift auf der Fahrt in den Fitnessraum. Selbstverständlich machten wir, ganz im Stile eines Elevator Pitchs, eine Matchanalyse mit ihm. Er ärgerte sich immer noch über das erste Gegentor. Das sei eine Standardsituation, die Sparte immer und immer wieder mache, und den Spielern habe man das 2x gesagt und trotzdem haben sie nicht aufgepasst. Aber die kommen ja noch nach Bern, dann zeigen wir denen, wo der Uli der Most holt (ok, das haben wir nicht so in dieser Form gesagt…).

Nach dem Frühstück gingen wir zu Fünft in die Altstadt. Unglaublich, die vielen Touristen in Prag. Leib an Leib ist man teilweise unterwegs. Zuerst schauten wir uns mit rund 1000 Touristen die Astronomische Uhr an. Diese Sehenswürdigkeit dauerte keine zwei Minuten… Dann weiter über die Karlsbrücke. Auch hier ist man nicht alleine. Überall hats auch Maler, die ihre Kunstwerke verkaufen wollen, Musiker die das Publikum befiedeln, und sicher auch Taschendiebe, welche hier eine ideale Plattform finden.

Im Anschluss an die Karlsbrücke gings rauf zur Prager Burg, wo früher die Böhmischen Könige zu Hause waren. Dem happigen Aufstieg ist es zu verdanken, dass es hier nicht sooo viele Touris hat, aber immer noch genug. Bei einem besonders netten, historischen Gässchen muss man Eintritt bezahlen. Rund CHF 10.– bezahlt man um das Goldmachergässchen zu sehen. So wird das Goldmachergässchen zum Geldmachergässchen – aber hübsch ist es alleweil. Übrigens schafft es diese Sehenswürdigkeit auf Platz 2 auf der Liste der “Touristenfallen in Prag”.

Nach der Burgbesichtigung gings wieder runter in die Altstadt. Um 14:30 hatten wir eine Tour “Kommunismus und Atombunker” gebucht. Ein junger Herr führte uns durch das Zentrum und erzählte uns, wie es “damals” so war. Es waren interessante und berührende Geschichten, die die Unterdrückung des Volkes durch den Kommunismus geschildert haben. Auch der Kampf um die Freiheit, die 1968er-Unruhen, Svoboda, Dubcek, Havel und so weiter waren Themen. Und immer, wenn ich den Namen “Dubcek” höre, kommt mir ein Sketch von Otto Waalkes in den Sinn:

Nach einem Rundgang durch die Innenstadt gings mit dem Tram in ein Aussenquartier, wo wir einen Atombunker besichtigen konnten. Die ganze Anlage wurde in den 60 Jahren des Bestehens zum Glück nur für eine Übung benützt, und heute zeigt man den Touristen, wie es gewesen wäre – wenn… Ein schrecklicher Gedanke ist es trotzdem.

Der Ausflug in die Geschichte machte müde und wir gingen zurück ins Hotel. Einzelne schliefen, oder gingen shoppen, wieder andere gönnten sich eine Massage und ich mir eine Tramfahrt. MIt dem 14er bin ich mal einfach so losgefahren und konnte noch weitere Quartiere von Prag sehen.

Kurz vor acht versammelte sich die Reisegruppe wieder und wir liessen uns mit dem Taxi ins Restaurant SaSaZu befördern. Dieses Lokal beschreibt sich selber als Alchemie der Geschmäcker, Farben, Geräusche, Begeisterung und Design. Das Ganze basiert auf asiatischem Essen und nennt die fünf Techniken der asiatischen Küche als Basis: Sambal, Otak Otak, Flame, Roti und Tai Tai Grill. Spezielles Lokal, spezielles Essen und wirklich ein guter Tipp von Roland, der diesem Lokal bei all seinen Prag-Aufenthalten einen Besuch abstattet. Auch mir hat es geschmeckt, obwohl ich auf Grund der Speisekarte eigentlich nie so genau wusste, was ich erhalte… Highlights für mich waren, dass man nach dem Essen am Tisch wahlweise eine Hände- oder Nackenmassage erhielt. Und mit der Rechnung gab es ein Döschen “Breathe Freshness”.

Nach diesem kulinarischen Exkurs teilte sich die Gruppe auf. Eine Gruppe ging zu Bett, ich schloss mich der Party-Gruppe an. Die Musicbar Lucerna war unser Ziel, denn diese hatte eine 80ies-Night auf dem Programm. Uns gefiel es dort, denn die Musik war toll, und man konnte auch noch das dazu passende Musikvideo sehen. Auch die Getränke waren günstig, so dass wir es recht lange in diesem Lokal aushielten. Aber nein, den Sonnenaufgang sahen wir nicht…

 

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Donnerstag, 2. Oktober 2014: Auswärtsspiel

YB hat sich für die diesjährigen Gruppenspiele der Europa League qualifizieren können. Slovan Bratislava, SSC Napoli und Sparta Prag sind die Gruppengegner, und das Auswärtsspiel in Prag besuchen wir. Wir das sind mein Bruder, die Gebrüder Zimmermann sowie Vater Zimmermann.

Treffpunkt ist der Flughafen Zürich, direkt beim Gate. Und tatsächlich schaffen wir es, dass wir uns dort auch alle treffen. Der Flug nach Prag verläuft ereignislos, bis auf die Tatsache, dass 6 YB-Fans hinter uns das Gefühl haben, sie befinden sich in einem Fanzug und Lärm machen für 50.

Foto: Roland ZellerNach der Landung in Prag gehen wir zum Bancomaten und wechseln Tschechische Kronen. 100 Kronen entsprechen CHF 4.50. Wir diskutieren minutenlang, wie wir nun während unserem Aufenthalt die Preise in CHF umrechnen, denn diese Währung ist ja irgendwie nicht ganz einfach im Handling. Hinten eine Stelle streichen und dann durch 2 – das ist die vereinbarte Regel. Mal schauen, ob wie weit wir mit dieser Eselsbrücke kommen. Anschliessend nehmen wir ein Taxi ins Zentrum. Roland legt Wert darauf, dass wir ein AAA-Taxi nehmen, bei allen anderen Firmen wird man beschissen. Tatsächlich gelingt es uns, ein grösseres Taxi zu ergattern, welches uns fünf aufnimmt. Scheinbar ist die Rush-hour in Prag um 15:00 Uhr, denn wir landen irgendwie im Stau. Nach einiger Zeit treffen wir im Marriott Prag ein und beim Check-in stellen wir fest, dass verschiedene Sitzungsräume für den BSC Young Boys reserviert sind. Sind wir zufälligerweise grad im Mannschaftshotel der Gelb-schwarzen gelandet? Scheinbar…

Nach dem Check-in und einer “befohlenen Ruhe” gehen wir fünf auf die Gasse. Wir essen was in einem Restaurant bei einem grösseren Platz, wo sich die YB-Fans für den Fanmarsch zum Stadion besammelt haben. Nach dem Abmarsch der Fans gehen wir auch zu Fuss zum Stadion. Den Weg zu finden ist einfach, man kann einfach den weggeworfenen Bierdosen entlang gehen und findet so den Weg. Allerdings kürzen wir den Weg zum Stadion ab, um nicht mit den Hard-Core-Fans in den Polizeikessel zu geraten. So kommen wir zügig zum Stadion – dank dem Umstand, dass wir die YB-Schals noch nicht angezogen hatten. Diese zogen wir an, als wir im Stadion drin waren. Wir waren über eine Stunde vor Spielbeginn dort, probierten das schrecklich schmeckende alkoholfreie Bier und schauten den Mannschaften bei den Vorbereitungen zu. Unter den 6 Schiedsrichern (1 Schiri, 2 Linienrichter, 2 Torrichter und ein zusätzlicher Offizieller) befand sich auch eine Frau. Meines Wissens eine Premiere beim Männerfussball auf diesem Niveau.

Plötzlich kam Radio BE1-Reportergott Albi Saner des Weges und wir Stimmten ein “Albi-Saner-Reportergott”-Schlachtruf an. Er hatte sichtlich Freude daran und überliess uns eine Liste mit der Mannschaftsaufstellung. Aha, Costanzo gar nicht dabei, Hoarau von Anfang an, Vilotic auf der Bank und ebenso der Japaner Yuya Kubo, welcher den Titel des Sparta-Matchprogramms zierte. Übrigens hatte es auf der Haupttribüne etliche YB-Fans (zusätzlich zu den YB-Fans im Gästesektor).

Kurz vor Spielbeginn begann sich das Stadion zu füllen und pünktlich begann das Spiel. Leider war dieses faktisch nach 25 Minuten zu Ende, da Sparta mit 2:0 führte. Unsere Jungs waren schlecht auf den Beinen und immer einen Schritt zu spät. Die Korrektur in der zweiten Halbzeit gelang durch das 2:1 von Hoarau nur teilweise, kurz vor Schluss machten die Tschechen den Sack zu und erzielten das 3:1. Der Spielbericht kann in deutsch hier nachgelesen werden

Nach Spielende gingen wir wieder zu Fuss Richtung Stadt, wo wir uns auf 2 AAA-Taxis verteilten und Richtung Restaurant Aromi fuhren. Gemäss Roland ist dies der beste Italiener Prags. Und es war wirklich ein feines Restaurant: Food, Service, Ambiente würden wir wohl mit je 5 Sternen bewerten.

Anschliessend fuhren wir zum Hotel zurück und trafen vor dem Eingang wiederum auf Reportergott Albi Saner mit welchem wir eine knallharte Spielanalyse durchführten. Als er merkte, dass wir noch einigermassen nüchterne YB-Fans sind, wollte er mit einem von uns ein Interview für die Morgensendung machen. Die Jungs zierten sich und ich stellte mich für die knallharten Reporterfragen zur Verfügung. “Da geht man Auswärts ein Spiel schauen, YB spielt so schlecht – ist das für ein YB-Fan nicht ein grosser Frust?” – “(eigentlich hätte ich hier die Antwort fussballinterviewlike mit ‘Na gut’, ‘Wiä xäit’ oder ‘nichtsdestotrotz’ einleiten sollen, daber ich ‘konnte dies im entscheidenden Moment nicht abrufen’) Klar ist es schade, dass YB nicht besser gespielt hat, aber wir haben an der Reise nach Prag trotzdem Spass, denn es steht ja nicht nur der Fussball auf dem Programm.” – “Wie geht man als Fan mit der Erfolglosigkeit von YB um?” – “Als YB-Fan ist man das gewohnt. Ich bin seit 1977 YB-Fan und habe seit dieser Zeit ja schon drei Titel miterleben können.” Nun, um Mitternacht kann man keine besseren Statements erwarten – und im Radio war es dann auch nicht zu hören…

Bevor wir aufs Zimmer gingen, machten wir noch einen Abstecher an die Bar. Fast der gesamte YB-Staff war dort anzutreffen – die Spieler waren aber wohl schon auf dem Zimmer. Und an der Bar machten die YBler den besseren Eindruck als auf dem Feld: Obschon wir Forte, Chapuisat, Collaviti, Fryand, Medienchef Staudenmann und Präsi Müller nicht persönlich kennen, wurden wir freundlich begrüsst. Präsident Müller kam sogar noch zu uns und bedankte sich bei uns für die Unterstützung der Mannschaft. Das war irgendwie nett, aber brachte die drei Punkte auch nicht wieder zurück.

Gute Nacht.

 

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Donnerstag, 21. August 2014: Gemütliches Zagreb-Ausklingen

Noch einmal geniessen wir einen richtig stimmigen Ferienmorgen in Zagreb. Wir erwachen kurz nach sieben, dösen noch ein wenig, nehmen die iPads zur Hand und schauen, was sich alles bedeutungsvolles und weniger bedeutungsvolles in der Welt ereignet hat, spielen ein wenig Solitaire, “schnausen” noch ein paar Himbeeren, die Martin gestern erstanden hat, duschen und begeben uns dann gegen 09.30 Uhr zum Frühstücks-Buffet. Die Sonne scheint schwach, es ist recht kühl. Die Restnässe des Gewitters der letzten Nacht vermischt sich mit leichten Windböen in eine frische Brise. Wir beschliessen, trotzdem draussen auf der Terrasse zu frühstücken. Wer weiss, ob wir das in diesem Jahr zu Hause noch tun können?

Ukrcavanje heisst Boarding

Gerade als wir uns an einen der wenig draussen gedeckten Tische setzen wollen, kommt Senka. Sie ist gemäss unserer Interpretation die Cheffe de Service. Wir haben sie am ersten Morgen kennen gelernt. Sie ist in Deutschland aufgewachsen und geniesst es daher, sich mit den Gästen auf Deutsch zu unterhalten. Wir führten an all den Tagen keine tiefgehenden Gespräche und trotzdem haben wir jeden Morgen einen persönlichen Austausch gepflegt, in dem man gegenseitig etwas von einander erfahren hat. Aufgestellt und mit einer persönlichen Note bringt sie uns unsere warmen Getränke und die Orangen-Jus (heute waren wir früh genug dran, d.h. es hat noch Orangen gehabt …).

Abflug Zagreb

Nachdem wir unser Frühstück beendet haben, verabschieden wir uns von Senka und begeben uns zurück aufs Zimmer. Es ist mit zunehmender Dauer des Frühstücks halt schon ein wenig frisch geworden. Darum verkriechen wir uns nochmals zurück ins Bett. Wir haben einen Late-Check-out organisiert und können daher bis um 14.00 Uhr unser Zimmer behalten. Super!

Nachdem wir uns wieder aufgewärmt haben, machen wir uns ans Packen, das in Anbetracht des überschaubaren Feriengepäcks rasch erledigt ist. Die Zeit reicht noch, um die letzten Ferien-Tagebuch-Einträge zu verfassen, bevor wir auschecken, unser Auto durch den Valet-Service vorfahren lassen und uns auf Richtung Flughafen machen. Kurzer Zwischenstopp zum Auftanken des Autos und schon sind die zehn Kilometer von der Innenstadt zum Flughafen zurückgelegt. Da Martin uns bereits gestern Abend für den Flug eingecheckt hat, müssen wir nur noch das Gepäck abgeben und unsere Boarding-Passes entgegennehmen. Es reicht noch für einen Drink in der recht spartanisch ausgerüsteten Lounge und einen Abstecher in den Dutyfree-Shop. Dann ist Croatian-Airlines-Flug OU464 ready for boarding. Wir legen die etwa 200 Meter Distanz zwischen dem Gate und unserem Flugzeug, einer DASH8, mit einem Bus zurück und werden beim Anstehen fürs Einsteigen Zeuge wie unsere beiden Gepäckstücke als letzte in den Flieger transportiert werden. Last in – first out … hopefully 😉

In Zürich wurde unser Gepäck ziemlich früh ausgeladen

Schon sitzen wir im Flieger und nehmen mit Freude die “Boarding completed” Mitteilung der Flight Attendant zur Kenntnis. Dann geht das Warten los, bis um 17.46 Uhr noch eine grössere Personengruppe ins Flugzeug steigt. Abflugzeit wäre 17.45 Uhr gewesen. So warten wir denn halt noch eine Viertelstunde … unsere Ferien in Kroatien dauern somit noch etwas länger … bevor Flugzeug und Passagiere “ready for take-off sind”.

 

 

 

 

 

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Mittwoch, 20. August 2014: Damen- und Herren-Programm

Wir lassen es heute sehr gemütlich angehen. Fast zu gemütlich. Wir müssen uns kurz nach 10.00 Uhr sputen, ums noch ans Frühstücks-Buffet zu schaffen. Da zu diesem Zeitpunkt im Hotel die Orangen “alle” waren, gab’s keinen frisch gepressten Orangensaft mehr. Tja, the early bird catches the worm!

Gestärkt und voller Tatendrang brechen wir anschliessend auf in unseren letzten vollen Zagreb-Tag. Wir fahren mit dem Tram in die Innenstadt, wo wir anschliessend mit dem Tram Nr. 8 in die nähere Zagreber-Agglomeration fahren. Von dort geht’s anschliessend mit dem Tram Nr. 15 auf eine kurze Überland-Tramfahrt. Etwa 10 Minuten dauert die Fahrt bis zur Endstation. Das Geleise liegt komplett in der Wiese verlegt, links und recht der Fahrstrecke wuchern Sträucher und Büsche und wischen das uralte Tatra-Tram sauber. Die Wagen sind wirklich uralt. Die Fenster können noch aufgeschoben werden und der Fahrer kann die Türen auch bei laufender Fahrt öffnen. Wir bleiben an der Endstation sitzen und fahren gleich wieder zurück. Vor der Rückfahrt mit dem Tram Nr. 8 in die Stadt gibt es noch einen Fotostopp. Martin will all die schönen (uralten, alten und modernen) TATRA-Tram-Kompositionen festhalten.

Auf dem früheren “Platz der Republik” in der Stadtmitte angekommen, trennen sich unsere Wege. Heute gibt’s getrenntes Damen- und Herren-Programm.

Martin macht sich auf den Weg zu einem Barber-Shop, um sich wieder mal rasieren zu lassen. Im Austausch mit der Barbierin erfährt er viele interessante Dinge. Das Barber-Experience fällt aber von der angewandten Technik bis zum Ergebnis mittelmässig aus. Wenigstens hat er keine Schnittwunden 😕. (PS: auf den Shop ist Martin durch ein Youtube-Video gekommen. In diesem Shop war er, rasiert hat aber die Tochter, die den Shop in dritter Generation führt).

Auch so was gehört ins Museum. Ist aber nicht von Tesla

Danach macht er sich auf den Weg ins Technik-Museum. Auch hier hält sich die Begeisterung ob der Exponate in Grenzen. Es gibt einiges Interessantes zu sehen aber wie so oft, wurden einfach verschiedene Exponate wild und teilweise begrenzt unterhalten (z.B. Oldtimer mit Plattfuss) zusammen in einen Raum gestellt. Da hat es in einem Raum Flugzeuge, Oldtimer und alte Trams, die dann erst noch aus Dubrovnik kommen. Beeindruckt ist Martin nur vom nachgebauten Bergwerk im Untergrund. Die Führung mit Experimenten zu Nikola Tesla (1856 – 1943) einem Erfinder, Physiker und Elektroingenieur findet in kroatischer Sprache statt, bringt aber ein wenig Action ins Museum. Das Lebenswerk von Tesla ist geprägt durch zahlreiche Neuerungen auf dem Gebiet der Elektrotechnik, insbesondere der elektrischen Energietechnik, wie die Entwicklung des heute als Zweiphasenwechselstrom bezeichneten Systems zur elektrischen Energieübertragung.

Nach dem Museums-Besuch gibt’s für Martin noch Sightseeing by Tram und danach geht’s zurück ins Hotel.

Bei mir ist zuerst etwas Shopping angesagt. Allerdings auf kleiner Flamme. Vielerorts ist noch Sommer-“Popust” (Schlussverkauf) und es gibt wenig Apartes in den Geschäften und für Winterkleider ist es doch etwas früh … oder etwa nicht …? Ja so ein schönes Kurzmäntelchen kann man ja immer gebrauchen, oder? Danach ist bei mir Sightseeing angesagt. Zuerst geht’s zur Kathedrale und anschliessend auf einen weiteren Altstadtbummel, der mich zum Museum of Broken Relationships bringt. Das Museum der zerbrochenen Beziehungen zeigt Zeugnisse schmerzvoller Trennungen und Relikte verlorener Lieben. Es wurde 2011 mit einem Sonderpreis zur Auszeichnung „Europäisches Museum des Jahres” ausgezeichnet.

Nach diesem Museums-Besuch mache ich mich auf den Weg zurück zum Hotel. Nach einem Apéro machen wir uns wieder auf den Weg in die Stadt. Weil’s so lecker war, wählen wir nochmals das gleiche Restaurant (Restaurant Agava) wie gestern aus. Auch heute schmecken uns Essen und Wein vorzüglich. Gemütlich lassen wir den Abend ausklingen.

In der Kneipenstrasse

Es ist frisch geworden. Zum ersten Mal seit Tagen brauchen wir wieder Jäckchen und Pullover, um den Abend genussvoll draussen verbringen zu können. Wir kommen trockenen Fusses nach Hause. Doch noch bevor wir einschlafen, entlädt sich ein Gewitter mit allem Drum und Dran. Morgen wird es noch kühler werden.

 

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