Samstag, 27. Juni 2015: Es heisst von Schweden Abschied nehmen

Kurz vor 7.00 Uhr erwachen wir. Heute ist unser letzter Schweden-Ferientag. Bereits gestern haben wir uns vorgenommen, heute Morgen noch den Hotel-Spa des Kosta Boda Hotels zu inspizieren. Also, nichts wie los: Badehose anziehen. Der Indoor-Pool ist eine Wucht. Blau gekachelt und mit eingebauten Vertiefungen, in denen die überall vertretenen Symbole der Lead Glas-Designer (Flasche, Schuhe, Gitarren und Geigen sowie Gesichter) eingelassen sind. Es hat nur wenige Leute im Pool und so können wir uns ungestört “tagwach” schwimmen. Wir schwimmen dann auch noch ein paar Drehungen im Aussenpool, der angenehm geheizt ist. Da ich nicht wusste, dass der Aussenpool geheizt war, war ich komplett überrascht, dass sich Martin so tollkühn ins Wasser gestürzt hat. Da hat jemand den inneren Schweinehund völlig ausgetrickst, dachte ich mir. Dabei hat er bloss mich ausgetrickst. Der morgendliche Schwumm hat Spass gemacht. Nachdem wir geduscht und uns parat gemacht haben, suchen wir das Frühstücksbuffet auf. Schön aufgemacht und natürlich ergänzt mit dem einmalig schönen Kosta Boda Glasgeschirr war das Frühstück kulinarisch wie optisch ein absolutes Vergnügen. Danach checken wir aus, beladen unser Auto, lassen dieses aber auf dem Hotelparkplatz stehen, um im Kosta Boda Outlet noch etwas shoppen zu gehen. Ich finde dort sogar die ersehnten Schweden-Zoggeli, die ich mir bei dieser Reise unbedingt erstehen wollte. Ich finde diese cool und zudem erinnern sie mich an meine Kindheit als diese Zoggeli Mitte der 70er-Jahre so richtig Hipp wahren. Wir kaufen noch neue Laufkleider und im Fabrikladen der Kosta-Glasbläserei noch einige Glaswaren. Jetzt ist unser Auto restlos voll. Da hat eigentlich nicht mehr viel mehr Platz.

Kurz vor 13.00 Uhr nehmen wir die heutige letzte Schweden-Etappe mit dem Tagesziel Trelleborg unter die Räder. In Trelleborg haben wir heute Abend gegen 22.00 Uhr die Überfahrt nach Rostock gebucht. Wir kommen zügig vorwärts. Die Überland-Ost-West-Verbindung im Süden ist nicht stark frequentiert. Das Land präsentiert sich heute nochmals von der schönsten Seite. Satte grüne Wiesen, Lupinen, Margeriten, Mohn und Kornblumen dekorieren die Strassenränder. Einen Elch sehen wir auch heute nicht. Dies obwohl in regelmässigen Abständen Strassenschilder vor dem König des schwedischen Waldes warnen. Völlig ohne Vorwarnung und deshalb total überraschend quert plötzlich ein Dachs die Strasse. Er hastet über zweispurige Strasse. Martin kann noch etwas abbremsen und da auf der Gegenfahrbahn kein Auto kommt, erreicht das prächtige Tier unversehrt das andere Strassenende. Toll. wir haben noch nie einen Dachs in freier Wildbahn erlebt. Dass er die Strassenquerung gut hinter sich gebracht hat freut uns daher sehr. Ansonsten verläuft unsere Reise unspektakulär. In Sölvesberg legen wir noch einen kurzen Stadtbesichtigungs- und Kaffeee-und-Kuchen-Halt ein, um dann von dort auf direktem Weg nach Malmö zu fahren. In Malmö angekommen, machen wir uns auf den Weg ins Quartier Westrahamnn, mit seinen zahlreichen neuen Wohnquartieren. Bei unserem letzten Aufennthalt hatten wir unser Hotel in diesem Stadtteil. Da wurde noch überall heftig gebaut. Das Ergebnis dieser Bau-Aktiviäten rund um das Hochhaus “Turning Torso” lässt sich sehen. Sieht alles sehr schön aus. Wir gehen im Restaurant “Salt und Brygge” Abendessen. Auch dort waren wir vor drei Jahren bereits einmal. Das Essen und ein Glas Wein dazu schmecken vorzüglich. Nach einem kurzen Spaziergang kehren wir zum Auto zurück und machen uns anschliessend auf den Weg nach Trelleborg, wo wir kurz vor 20.30 Uhr eintreffen. Wir checken einen und können nach einer kurzen Wartezeit unser Auto auf die Huckelberry Finn TT-Fähre verladen. Wir suchen unsere Kabine auf und sind froh, dass wir – diesmal auf dem Schiff – eine Zwei-Stock-Bett und somit eine bequeme Schlafgelegenheit haben. Beide sind wir sehr müde und schlafen daher rasch ein.

 

 

 

 

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Freitag, 26. Juni 2015: Bye bye, Schwedenhaus…

Nun, heute ist also der Moment der Abreise gekommen. Wie vereinbart ist die Hausbesitzerin Annika um 10:30 bei uns gewesen für die Schlüsselrückgabe. Einziger Posten, der noch zu bezahlen war, war das Internet. 5€ für 1 GB Daten ist eigentlich fair. Aber wenn es in der ganzen Woche mehrheitlich regnet und man zu Hause sitzt und rumsurft, zudem über Internet Radio hört, kann dies ganz schön ins Geld bzw. in die GB gehen. 19 GB haben wir verbraucht – rechne… :lol: Wer dieses Haus auch mal für sich buchen möchte erhält die notwendigen Informatioen unter folgender Internet-Adresse: www.simplesite.com/rumfording . Wir können das Haus wirklich empfehlen!

Zuerst machten wir einen Abstecher nach Hallsberg.

Seine Version: dies ist die nächtsgrössere Stadt und meine Frau will noch schwedische Holzzoggel kaufen. Ihre Version: dies ist ein Eisenbahnknotenpunkt, mein Mann will am Bahnhof noch fötelen.

Anschliessend ging es südwärts durch Wälder, Seen entlang und mehrheitlich über Hauptstrassen. Es war ein wunderschöner Tag. Ein paar Wolken aber tolles Wetter. Unterwegs machten wir einen Picknickstop, und einen grösseren Halt gab es im Städtchen Eksjö. Hier landeten wir eine Zufallstreffer. Wir wollten nur einen Kaffeehalt machen und sind in dem Städtchen Schwedens gelandet, welches noch die ursprünglichsten Holzhäuser aufwies. Enge Gässchen, ältere Häuser – ein richtiger Hingucker mit Charme.

Nach diesem Break gings weiter nach Kosta. Dies ist das Herz der schwedischen Glasbläserindustrie. “Das wird ein teuer Aufenthalt”, vermutete ich. Wir haben im Kosta Boda Art Hotel ein Zimmer reserviert. Design- und Spa-Hotel, nennt sich dies. Ich fahre ja nicht so auf dieses Glaszeugs ab, aber was ich hier gesehen habe, hat mich wirklich mehr als begeistert! Überall passende Glasdekorationen in einer Phantasie, wie ich sie noch nie gesehen habe. Auch jedes Zimmer hatte sehr viele und sehr individuelle Glaseinrichtungen, die Glasbläser haben sich als Zimmerdesigner bewährt! Ein Beispiel aus der Toilette: das Lavabo war nicht einfach eine Emaille-Schüssel, sondern ein Trog aus Glas. Und eingegossen ins Glas war ein blauer Glas-Fisch… Bei all diesen Glasdekorationen auf dem Zimmer begann ich im Kopf schon mit dem Text: “Liebe Mobiliar, beim Umdrehen im Zimmer habe ich nicht überlegt, dass ich noch einen Rucksack an hatte…” Zum Glück benötigte ich diesen Text aber nicht :-)

Das Nachtessen im Hotel war sehr fein und duch sehr professionell und nett serviert. Einen “Absacker” gönnten wir uns in der Glasbar. Diese Bar hat in Bezug auf Glasdekorationen das bisher gesehene noch getoppt. Übrigens: man konnte all die Glasdinger auch kaufen. Leider lässt das Limit meiner Kreditkarte keine grossen Sprünge (mehr) zu… Danach gingen wir aufs Zimmer und waren happy, diesen Tag ohne Scherben hinter uns gebracht zu haben.

Vor dem Einschlafen ein letzter Blick aus dem Zimmer auf die Poollandschaft und aufs Hotel: Und auch hier zeigt sich der Geschmack dieses Hotels.

 

 

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Donnerstag, 25. Juni 2015: Ferienprogramm vom Feinsten … was will man mehr

Kurz nach 7.00 Uhr wachen wir auf … nicht weil wir müssen, sondern weil wir ausgeschlafen und erholt sind. Kurzer Abstecher an den See, um die morgendliche Schönheit des Tages zu geniessen. Etwas später wieder zurück ins Bett und spannende Buchlektüre in beiden Betthälften. Irgendwann einmal später begeben wir uns in die Küche und bereiten unser Frühstück vor. Da es recht windig und frisch ist, beschliessen wir, heute drinnen zu frühstücken. Danach fliessender Übergang in die Planung der Weiterreise südwärts (Schweden und Deutschland), Sichtung der News aus Mails und “20 Minuten” & Co. Danach gibts für mich eine Jogging-Runde über Land. Als ich zurück kehre, ist wettermässig alles für eine weitere Kanu-Tour angerichtet. Darum nichts wie los und ab auf den See. Nach der Tour vom Montag sind wir nun wieder recht gut eingespielt und kommen daher zügig vorwärts. Nicht ohne aber bei den zahlreichen Seerosen-Clusters dann und wann einen Halt einzulegen, um die Ruhe und Schönheit der Umgebung zu geniessen. Wir schliessen die See-Umfahrung heute ab. Dann und wann macht uns die Strömung noch ein wenig zu schaffen aber es kommt alles gut und wir kommen voller Genugtuung und zufrieden wieder bei unserem Steg an. Wir beschliessen zur Feier des Tages draussen im Liegestuhl einen Apéro zu uns zu nehmen. Sonne, bequemer Liegestuhl direkt am See, Flensburger-Plopp-Bier, Salzstangen und Pringels: Das lässt sich aushalten.

Bei den ersten Aufräum-Arbeiten im und ums Haus (unsere Ferienwoche in diesem tollen Haus geht morgen zu Ende) trifft Martin beim Grill reinigen auf eine Ringelnatter, die sich auf dem Stein, den wir für den See-Ein- und Ausstieg benutzten, “sünnelet”.

Diese Tiere können sich zu Land wie zu Wasser aufhalten und so verschwindet die Natter sofort im Wasser – unter dem erwähnten Stein.

Nachdem wir geduscht haben, fahren wir noch einmal nach Askersund, wo wir im “La Luna” eine Pizza essen gehen. Als Restaurant kann man das “La Luna” fast nicht bezeichnen. Bei uns würde man von einem “Imbiss” sprechen. Man kommt rein, bestellt sich am Tresen eine Pizza, einen Hamburger oder einen Kebab – alles in verschiedenen Variationen – holt sich ein Getränk aus dem Kühlschrank und begibt sich an einen Platz, wo einem das Essen serviert wird. In Askersund haben wir heute vier solcher Lokale gesehen. Ein Restaurant “leicht gehobenerer Art” mit u.a. schwedischen Spezialitäten findet man sehr selten. Am ehesten noch in Hotel-Restaurants bzw. Ausflugs-Restaurants. Die Pizza im “La Luna” wird nicht in die “Pizza-Geschichte” eingehen. Aber sie schmeckt. Danach fahren wir die 16 km zu unserem Haus zurück, wo wir den Abend mit packen, lesen und geniessen offline beenden (heute Abend haben wir nämlich die 10 zusätzlichen Giga-Bytes geknackt, die uns Annika freigeschaltet hat). Morgen heisst es nun also bereits wieder Abschied nehmen von dieser wunderbaren Location. Annika stellt ihren Gästen nicht einfach eine Ferienwohnung, sondern vielmehr ein Ferien-Zuhause zur Verfügung. Uns hat es hier sehr, sehr gut gefallen und wir haben jede Minute an diesem schönen Flecken genossen.

 

 

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Mittwoch, 24. Juni 2015: @home

Der heutige Tag begann prächtig! Der See ruhig, die Sonne am Himmel! Dies rief förmlich dazu auf, wieder draussen zu frühstücken. Toll war es, dieses Frühstück – und kaum haben wir alles abgeräumt, begann es zu regnen.

Somit verbrachten wir den grössten Teil des Tages im Haus. Am Nachmittag ging Bettina noch eine Runde joggen, kam aber auch hier in einen Regenschauer. Die Kanutour auf dem See liessen wir bleiben, denn plötzlich begann es zu regnen und zu winden.

Wir haben genügend Lesestoff bei uns und können uns beschäftigen. Und das eine GB, welches uns auf den Internet-Account gutgeschrieben wurde, wurde schon längst auf 10 GB aufgestockt :lol: . Internetradio und Youtube brauchen eben Daten, damit wir auf RIX FM die immer gleichen tollen schwedischen Sommerhits hören können. Wir stellen fest, dass die Schweden SEHR stolz sind auf den Concours-Gewinner: er wird hier rauf und runter gespielt…

Zum Znacht gab es noch einmal Tex-Mex, somit sind nun auch diese Reste aufgebraucht. Nach dem Nachtessen klarte es auf und es wurde ein wunderschöner Abend. Aber jetzt, so geduscht und gewärmt, wollten wir auch nicht mehr auf den See. Wir liessen es dabei, ein paar Fotos am Bootssteg zu machen.

 

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Dienstag, 23. Juni 2015: Einmal Göta-Kanal, immer Göta-Kanal

Im 2003 sind wir zum ersten Mal gemeinsam nach Schweden gereist. Damals – über Göteborg angereist – haben wir mit dem Schiff “Juno” in einer viertägigen Fahrt den Göta-Kanal befahren und sind so nach Stockholm gereist. Bei der “Juno” handelt es sich um das weltweit älteste aktive Passagierschiff (zugelassene Passagierzahl: 125 / Indienststellung 1874). Im Regelverkehr auf dem Göta-Kanal werden trotz der Zulassung auf 125 Passagiere nur die 29 vorhandenen Doppelkabinen mit maximal 58 Personen belegt.

Wir erinnern uns immer wieder gerne an diese schöne, entschleunigte Art des Reisens (max. 10 kn oder 19 km/h). Die Reise ist wirklich etwas Besonderes: Eine Fahrt durch die idyllische Landschaft Südschwedens, die besondere Atmosphäre der alten Dame “Juno”, nette Gespräche mit den anderen Gästen und – last but not least – das köstliche Essen an Bord (u.a. frisch vor Ort gefangene Flusskrebse). Darum zieht es uns heute nach 2003 und 2013 (Reise in Mittel- und Südschweden) ein drittes Mal ans “Blaue Band Schwedens”, wie der historische Göta-Kanal auch genannt wird. Aber schön der Reihe nach.

Aufstehen, frühstücken und reisefertig machen und schon sitzen wir in unserem Auto und nehmen Kurs auf Gränna. Das kleine Städtchen Gränna liegt am Südostufer des Vätternsees. Gränna ist der Geburtsort des Polarforschers Salomon August Andrée, der 1897 zusammen mit zwei Begleitern in einem Heissluftballon den Nordpol überqueren wollte. Wie tollkühn! Das Unterfangen scheiterte jedoch. Rund 33 Jahre später entdeckte die Besatzung eines norwegischen Schiffes auf Vitö das letzte Lager der Polarexpedition, die sterblichen Überreste der Besatzung und einen Teil der Ausrüstung. Alles, was von dem wagemutigen Unternehmen übrig geblieben ist, wird im Andrée Expeditionen Museum gezeigt, das wir aber nicht besuchen. Die Stadt gedenkt ihrem berühmten Bürger aber auch mit einem Holzballon samt Korb, der im Kreisel direkt nach der Abfahrt von der E50 steht.

Unser heutiges erstes Ziel ist die Knäckebrödsbageri Fiket, die noch Knäckebrot nach altem Rezept herstellt und wo man herrlich verschiedene Knäckebrot-Sorten naschen kann. Es scheint aber, dass die Bäckerei-Mitarbeitenden heute einen Geburtstags-Apéro, gefolgt von einem ausgedehnten Mittagessen, einer Betriebsversammlung und einer Mitarbeiter-Schulung haben. Denn während der gesamten Zeit, die wir dort verbringen (inkl. Mittagessen im Fiket-Cafée) tut sich in der Backstube nix. Aber vielleicht ist es ja einfach auch “Strafe” für uns, weil wir uns gestern so herrlich über den Bericht zur Knäckebrot-Manufaktur des gluten-allergischen Sven Svensson (“Switch Reloaded”-Parodie auf Inga Lindström-Filme) amüsiert haben. So sehen wir bis zum Schluss nicht, wie das Knäckebrot mit dem Riffelmuster effektiv hergestellt wird.

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Dafür können wir bei Wetter’s Polkagriskokeri (Establ. 1966, Tradition & Hantverk) zuschauen, wie die bunt geringelten Zuckerstangen, die in verschiedenen Kochereien in Gränna hergestellt werden, entstehen. Erfinderin dieser Schleckerei war übrigens die mittellose Witwe Amalia Eriksson, die 1895 vom Magistrat der Stadt die Erlaubnis erhielt, Backwaren und Zuckerstangen herzustellen.

Wir essen eine Kleinigkeit im Fiket’s Café (Martin ein Krabbenbrot, ich einen warmen Toast) und beschliessen, etappiert zurück zu fahren und einen ersten Stopp am Göta-Kanal und zwar bei der Schleusentreppe von Berg einzulegen. In sieben Schleusenstufen (zwischen Roxensee und Berg) wird ein Höhenunterschied von 18.8 m überwunden. Da nur gerade ein Segelboot am “Schleusen” ist, fahren wir weiter nach Borensberg, wo es für uns Kaffee und Kuchen gibt. In Borensberg steht das Göta Hotell, in dem wir vor fast drei Jahren übernachtet haben. Das rot-weiss gestrichene Holzhaus von 1908 ist ein wunderschönes Fotomotiv, das heute Nachmittag noch durch eine Entenmutti mit ihren drei Entenmodis ergänzt wird. Wir verweilen vor Ort und machen einen Spaziergang entlang des Kanals. Einen Teil der Strecke, die wir vor drei Jahren in einem morgendlichen Footing zurück gelegt haben.

Wir geniessen die Ruhe, haben Spass an der vielfältigen Pflanzenpracht und sind so mit uns beschäftigt, dass uns das in aller Ruhe herannahende Tages-Ausflugsboot “Ceres” fast ein wenig überrascht. Rasch zur Schleuse zurück, um das “Schleusele” live zu sehen. Wir fahren weiter nach Motala, wo wir noch kurz ein paar Einkäufe erledigen. Unter anderem kaufen wir zwei Familienpackungen WASA Knäckebrot “Sport” ein, das wir hier jeweils zum Frühstück geniessen und das echt lecker, lecker ist. Im Hafen von Motala hat heute die “Diana” aus der Göta-Kanal-Flotte angelegt.

Kurzer Fotostopp im Hafen, wo wir heute Abend auch Abendessen gehen. Das Essen im Restaurant Hamnkrogen ist gut, das Personal erfrischend herzlich. Bevor wir die Heimreise nach Åsbro antreten, machen wir noch einen kurzen Spaziergang durch das Areal, in dem am Wochenende die Langdistanz-Triathlon WM stattfindet. Spannend. Habe mir noch nie ein Triathlon-Gelände mit Schwimmstart, Wechselzone Fahrrad, Wechselzone Laufen und Zieleinlauf so mitten drin anschauen können. Danach ab ins Auto und Rückfahrt nach Hause.

Ist das noch "Wetter"?Und da ich in diesem Tagebucheintrag nichts übers Wetter schreiben will, gibt’s einfach die Bilder zur besonderen Wetterlage – fast ein wenig Weltuntergangs-Stimmung – die wir kurz vor Askersund erlebt haben. Zu Hause angekommen: noch ein wenig lesen und iPadlen und dann ab ins Bett.

Zwei Anmerkungen:

1. Zu Knäckebrot:

Seit über 500 Jahren wird in Schweden Knäckebrot gebacken. Ursprünglich entstand es, weil normales Brot nicht lange haltbar war und in den langen Wintern, wenn die Wassermühlen an den zugefrorenen Seen, still standen, kein neues Brot gebacken werden konnte. Das dünne Knäcke war demgegenüber bis zu einem Jahr haltbar. Und es war sicher vor Mäusen, da es mit einem Loch auf Stangen hoch über dem Boden aufbewahrt wurde. Durch die kurze Backzeit des Teigs aus Roggen- und Weizenmehl, Salz, Wasser, Hefe oder Sauerteig bleiben die meisten Vitamine und Mineralien erhalten. Und wann immer die Schweden Hunger hatten, konnten sie sich ein Stück abbbrechen, auf schwedisch “knäcka”.

2. Zu Inga Lindström. Dies ist das Pseudonym von Christiane Sadlo, einer deutschen Drehbuchautorin.

 

 

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Montag, 22. Juni 2015: Relaxen … zu Land und zu Wasser

Ich wache auf, es ist bereits hell. Was wohl für Zeit sein mag? Nicht bewegen, ich will Martin nicht wecken. Kaum habe ich diesen Gedanken fertig gedacht, habe ich Martins Hand auf meinem Arm. “Willst du den See dampfen sehen?”, fragt er mich. Ja, ich will. Daher steige ich um 5.00 Uhr aus dem Bett und gehe vor’s Haus.

“Unseren” See gibt’s heute Morgen früh mit einem Dunstschleier, was absolut toll ausschaut. Aber es ist kühl, daher rasch wieder zurück ins Bett und noch eine Runde dösen. Um kurz vor 8.00 Uhr erwachen wir wieder, lesen noch ein wenig und machen uns etwas später bereit, um joggen zu gehen. Das Wetter ist gut – nicht ganz so schön wie am Vortag aber stimmig für uns – und so macht das Joggen Spass. Martin kämpft mit seiner Wade, die schon seit ein paar Tagen schmerzt. Er wählt daher eine leicht andere Route als ich. Gegen 10.00 Uhr treffen wir uns wieder bei unserem Häuschen, stretchen gemeinsam unsere Glieder. Martin begibt sich anschliessend ins Haus und bereitet für uns beide ein tolles Frühstück zu. Danach fühlen wir uns richtig gestärkt. So gestärkt, dass wir uns entscheiden, eine erste Kanutour auf dem See zu machen. Dass Einwässern funktioniert einwandfrei. Wir gelangen beide “planmässig” ins Kanu und paddeln bereits von Anfang an recht strukturiert los. Wir gewinnen rasch Fahrt und es macht Spass, den See auf diese Art und Weise zu erkunden. Als wir das obere Ende des Sees erreichen, wenden wir und fahren zur Hochform auf. Haben rasch einen guten Speed – und dies erst noch bei Gegenwind. Wir fahren direkt an Seerosen-Teppiche, sehen eine auf einem einzelnen Felsen im See brütende Möwe und geniessen das vielfältige Vogel-Gezwitscher-Konzert aus dem an den See grenzenden Wald. Aus der Ferne sehen wir bereits wieder unser Haus als es zu regnen beginnt. Na, was soll’s? Wir paddeln unbeeindruckt aber trotzdem zügig zu unserem Haus zurück, legen an und kaum sind wir am Trockenen hört der Regen wieder auf und die ersten Sonnenstrahlen drücken durch. Wir duschen und ziehen trockene Kleider an und verbringen den Nachmittag mit Lesen, iPädle und umenüschele. Im Verlauf des Nachmittags zieht es uns wieder nach draussen auf die Liegestühle. Hier geniessen wir nicht das Nichtstun und einfach auf den See schauen und s’gniesse.

Im frühen Abend machen wir uns daran, Fajitas mit Tex-Mex-Sauce und Reibkäse zu füllen und zu erwärmen. Dazu gibt’s Salat mit Tomaten, Gurke, Rüebli und Tuna.

Als wir etwas später zum Kaffee im Wohnzimmer sitzen, beginnt es plötzlich kräftig zu regnen. Es schüttet. Und jetzt um 21.45 Uhr wirkt der Himmel wie runter gewaschen. Hellblau unschuldig und ohne Wölkchen. Hoffen wir, dass dies ein gutes Omen für unseren morgigen Ausflug an den Göta-Kanal und nach Grenna ist.

 

 

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Sonntag, 21. Juni 2015: Midsummer-Day

Augen auf und?: Blauer Himmel und Sonnenschein! Hurra!

Wir stehen kurz vor acht auf und machen uns daran, den Aussenbereich unseres Häuschens einzurichten. Auf der kleinen Veranda richten wir uns ein Frühstücks-Plätzli ein und direkt am See belegen wir die Liegestühle mit den schön blauen Liegekissen, so dass wir nach dem Frühstück unseren Beach-Tag starten können. Das Frühstück mit Käse, Gonfi, Orangensaft ergänzen wir mit schwedischen Erdbeeren, Himberjoghurt, das wir mit frischen Himbeeren veredeln und Pfefferkuchen-Güetzi. Wir geniessen das Pyjama-Frühstück an der warmen Morgensonne. Nach diesem exzellenten Tagesstart packen wir Bücher, Zeitschriften, Sonnenbrille, -crème und -hut und installieren uns auf den Liegestühlen. Ohhh, was für ein Sonntag.

Gut, um es vorweg zu nehmen … das Wetter hält nicht ganz. Die Sonne verschwindet, es tröpfelet ein wenig, es luftet, die Sonne kommt wieder zum Vorschein und die nächste Wolke bringt wieder einen kurzen Regenguss mit sich. Kurze Zeit später: blauer Himmel und die Sonne klatscht mit voller Wucht auf die Erde. Dann nutzen wir doch diesen Slot für ein erfrischendes Bad im See. Wunderbar! Kaum sind wir aus dem Wasser gestiegen, beginnt es heftig zu winden und ein erneuter Regenschauer setzt ein. Wir ziehen uns ins Haus zurück, duschen und waschen unsere Kleider. Das perfekt eingerichtete Häuschen verfügt sogar über eine Waschmaschine. Wir hängen die Wäsche draussen auf, um sie rasch lufttrocknen zu lassen, was sehr gut funktioniert. Am Abend sind unsere Jeans und Hoodies (Sommerröckli und Shorts waren bisher noch nicht so angesagt) bereits wieder trocken.

Das Wetter wechselt halbstündlich. Witziges Detail: Immer, d.h. auch nach der kürzesten Regenschauer tauchen wie aus dem nichts grosse schwarze Nacktschnecken auf dem Rasen rund um unsere Häuschen auf und sind dann – sobald die Sonne wieder scheint – so rasch verschwunden, wie sie aufgetaucht sind.

Am Abend sitzen wir noch einen Moment auf der grossen Holztreppe vor dem Haus und geniessen, die entspannte Abendstimmung. Kurz vor 19.00 Uhr bereiten wir uns zusammen ein leckeres Abendessen zu. Heute gibt es Kötbullar mit Sauce , Kartoffelstock und Erbsli. Dazu gibt's dänischen Gurkensalat. Den Tag lassen wir bei Café und Guetzli gemütlich ausklingen. Dazu lesen wir, schreiben Tagebuch, gehen an die Reiseplanung der nächsten Etappen und schauen uns u.a. Beni Thurnheers letztes Sportpanorama-Finale an. Gerührt ist er und wir sind's auch.

Das war unser Midsummer-Day in Schweden, auf den wir uns so gefreut haben. Schön ist's gewesen. Wir haben diesen – zugegebenermassen unbeständigen aber dennoch schönen Schweden-Ferientag sehr genossen. Auch heute ist es 23.00 Uhr noch so hell, dass man draussen etwas lesen könnte. Wir gehen aber jetzt schlafen und geniessen's, es uns in unserem schönen Schwedenbett gemütlich zu machen.

 

 

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Samstag, 20. Juni 2015: Warten auf den Elch

Wir haben eigentlich gut geschlafen. Noch besser hätten wir geschlafen (also ich), wenn das Kissen nicht rot-blau gewesen wäre (fussballtechnisch zu verstehen). Wir genossen unser erstes Frühstück und gaben uns anschliessend unserer Hauptbeschäftigung hin: Dem Nichtstun.

Dies taten wir bis Anfang Nachmittag, als wir zu einem Besuch von Askersund aufbrachen. Wir brauchten noch Grillkohle – und dies war der Grund aus unserem Nest auszubrechen. Die Fahrt dorthin dauerte etwa 20 Minuten und in einem Tankstellenshop fanden wir das Gewünschte. Das Wetter war schon den ganzen Tag unbeständig und auch in Askersund mussten wir damit rechnen, einen Regenguss abzukriegen. Aber trotz der dunklen Wolken hielt sich das Wetter. Wir nützten dies für einen Abstecher zu einem Glacéstand beim Hafen. Blaubeer-Himbeer im Snäckbaggar – das war lecker.

Wir fuhren zurück zu unserem Haus und taten weiterhin nichts. Das ging ganz gut :cool: Irgendwann warfen wir den Grill an und kochten was Leckeres. Zum Dessert schauten wir über den See und suchten am anderen Ufer einen Elch. Fehlanzeige. Aber wir haben Geduld, wir können bis Freitag warten :-)

Kurz vor Mitternacht gingen wir zu Bett. Es war noch nicht Nacht. Midsommar eben…

 

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Freitag, 19. Juni 2015: Heja Sverige!

Ungewohnterweise mussten wir den Wecker stellen: 6:00 Uhr zeigte er an, als er abging. Eine Stunde später waren wir unterwegs um einzuschiffen. Da unser Hotel in Hafennähe war, waren wir frühzeitig vor Ort und konnten unser Auto in Linie 14 einreihen. Plötzlich setzte sich die Karawane in Gang und wir konnten aufs Schiff fahren.

Ich war vor einigen Wochen auf der Auffahrtsreise schon aud diesem Schiff und kannte die Inneneinrichtung schon recht gut. So wusste ich, dass ein Frühstücksbuffet angeboten wird. Die letzte Erfahrung mit einem Buffet auf diesem Schiff war, dass dies durchaus üppig war. Also machten wir uns auf zum Restaurant wo wir einen Tisch mit Sicht nach vorne hinaus erhielten (diese Sicht ist eigentlich nur bei der Ausfahrt aus dem Hafen und bei der Einfahrt in den Hafen relevant). Das Buffet hielt, was es versprach. Interessant war der subtile Hinweis, dass wir diesen Tisch von 8:00 bis 9:15 benützen können, da anschliessend die nächste Session dran war. Das Restaurant war nur zu einem Drittel belegt…

Kurz vor Mittag kamen wir in Göteborg an. Die Abfahrt ab dem Schiff war problemlos, auch das Herausnavigieren aus der Stadt gelang nahezu auf Anhieb. Dann hiess es einfach, Richtung Westen zu fahren. Die Herausforderung hier war zu wissen, wo nun welche Höchstgeschwindigkeit gelte. Das Navi zeigte z.B. 90 an, draussen standen 80er Tafeln, und im Reiseführer stand, dass die Geschwindigkeit auf Hauptstrassen zwischen 70 und 100 betrage… Wir gehen davon aus, dass wir kein Speeding-Ticket bekommen haben.

Unterwegs hielten wir in Alingsås an, um die restlichen, vor Allem verderblichen Dinge einzukaufen. Das örtliche, grosse ICA war sehr gut versteckt, doch es konnte sich uns nicht entziehen. Da wir noch keine schwedischen Münzen bei uns hatten, konnten wir keinen Einkaufswagen ausleihen, sondern mussten alle Komissionen in ein Körbchen verstauen. Dies ging in die Arme… Das Geschäft war recht voll, offenbar wollten sich viele Schweden noch die Einkäufe besorgen, bevor Midsummer beginnt.

Nach diesem Einkauf fuhren wir in einem Rutsch durch bis zu unserem Ziel Åsbro. Hier haben wir für eine Woche ein Häuschen Haus am See gemietet. Und das erste Mal, seit wir ein Navi im Auto haben, fand das Navi die Adresse nicht :-( . Aber die Schweden sind ein hilfsbereites Völkchen, und so fanden wir “unser” Haus doch noch. Die Vermieterin Annika war schon vor Ort und zeigte uns alles Wissenswerte. Und wir stellten fest: das Haus sieht genau so aus wie im Internet angepriesen… :lol:

Abends grillten wir den im ICA gekauften Fisch im Garten. Es war perfekt!

Und an diesen Ausblick müssen wir uns nun eine Woche gewöhnen :wink:

 

 

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Donnerstag, 18. Juni 2015: Top of Danmark

Wir haben Ferien, d.h. ausschlafen und dann gemütlich frühstücken ist angesagt. In Ferienlaune und gut gestimmt, machen wir uns daran, die Reisepläne des heutigen Tags umzusetzen. Und nicht das Wichtigste aber eben doch wichtig: Heute scheint sogar die Sonne als wir ins Auto steigen. An und für sich nicht weltbewegend aber nach dem gestrigen Dauerregen-Tag löst dies doch Glücksgefühle aus.

Wir fahren weiter nordwärts Richtung Skagen und legen einen ersten Halt bei Den tilsandede Kirke (St. Laurentii Kirche) ein. Die Stadt Skagen musste diese Kirche 1795 aufgrund der Bedrohung durch Sandflug aufgeben. Heute schaut nur noch der Turm aus den Dünen. Bei näherer Betrachtung stellt man allerdings fest, dass auch nur noch der Turm aus den Dünen hervorlugen kann, denn der Rest der Kirche wurde komplett abgetragen. Wir sehen davon ab, 20 Kronen zu bezahlen, um auf den Turm zu steigen und spazieren durch die sandig-waldige Landschaft auf ein leicht erhöhtes Plateau, von wo aus sich uns ein herrliches Panorama zum Meer, weit in der Ferne auf die Stadt Skagen und die darum liegende Wald- und Wiesenlandschaft bietet. Ein böiger Wind leistet uns Gesellschaft – er wird dies den ganzen Tag tun. Vielen Dank, lieber Wind.

Von überraschend grosser Vielfalt zeigt sich die Flora in diesem Gebiet. Auf dem sandigen Grund gedeihen verschiedene Blumen aber auch spezielle Gräser und natürlich zahlreiche moosartige Pflanzen. Es gibt viel zu bestaunen. Zum ersten Mal – aber nicht zum letzten Mal am heutigen Tag – geniessen wir das Ensemble von Wind, Sonne, Sand und viel Grün.. Auf einer Nebenstrasse fahren wir nach Skagen und sogleich weiter nach Grenen. Grenen bildet die Spitze Kontinentaleuropas. Auf der Sandzunge, die man zu Fuss nach ca. 15 Minuten Spaziergang erreicht, kann man mit je einem Fuss in Nord- und Ostsee stehen, deren Wellen hier aneinander schlagen. Es chutet wie verrückt. Wir stehen barfuss im Wasser, um das “Spektakel” hautnah zu erleben bzw. zu dokumentieren. Wir sind eben Schweizer Landratten und bekommen nicht alle Tage Meer bzw. Nord- und Ostsee zu sehen. Entschuldigung, liebe Dänen, die ihr die Sandzunge aus trockener Position heraus fotografieren wolltet und dies wegen der Schweizer Bergmandlis nicht tun konntet. Ein salziges Lakritz-Bonbon auf euch!

Von einem Besuch des Bunkermuseums – die zahlreichen Bunkerüberreste an der Küste führen einem die strategische Bedeutung dieser Landmarke eindrücklich vor Augen – sehen wir ab. Noch ein kurzes Foto-Shooting vom Leuchtturm und wir kehren zum Auto zurück. Sand weg von den Füssen geputzt, Flip Flops weggeräumt, Schuhe an und jetzt fahren wir in die Stadt. In Skagen machen wir einen kurzen Bummel durch das hübsche, recht belebte Städtchen. In einem Bäckerei-Café genehmigen wir uns einen Cappuccino und ein Stück Torte. Ah, das tut gut. Es ist zwar nicht mehr so kalt wie am Vortag aber mehr als 16 Grad Celsius zeigt das Thermometer auch heute nicht an.

Nach diesem genussvollen Zwischenstopp setzen wir unsere Reise fort. Unser nächstes Ziel ist die Råbjerg Mile, eine Wanderdüne. Die 800 m breite und 2 km lange Wanderdüne besteht aus rund 3.5 Mio m3 Sandmasse. Sie wandert in einem Jahr gemächlich aber doch beständig ca. 15 Meter ostwärts. Auf bzw. in der Düne erlebt man Naturkraft pur. Es luftet extrem stark, peitscht einem den Sand an die Beine, zerrt einem an Kleidern, Schal und Kapuzen. Vermeintlich gehen wir über Dünenabschnitte, über die heute noch niemand gewandert ist und stellen beim Zurückgehen fest, dass der Wind auch unsere Spuren bereits wieder verwischt hat. Teilweise hat der Wind aus nassen Sandabschnitten wunderschöne Sandbilder mit regelmässigen, schon ausgezeichneten Bogenmustern geformt. Vom höchsten Punkt der Wanderdüne bietet sich einem eine grandiose Aussicht. Plötzlich beginnt es zu regnen, Der Flugsand vermischt sich mit den Regentropfen, was den Massage-Effekt an den Beinen erhöht. Wir wissen nicht mehr wie lange wir auf der Düne gewandert und bewundernd gestanden sind. Gigantisch, eindrücklich.

Nachdem wir uns der Faszination dieses Naturspektakels entziehen konnten, fahren wir weiter nach Hirtshals. Der Hafen und die Fähren nach Norwegen bilden die Existenzgrundlage dieser Stadt. Für einen Besuch des Nordsøen Oceanarium sind wir zu spät dran. Darum beschliessen wir, dass wir an unserer Existenzgrundlage für die kommenden Tage arbeiten wollen: Wir gehen einkaufen. Da morgen Freitag die Geschäfte in Schweden ab 15.00 Uhr wegen der Mid-Summer-Festivitäten geschlossen haben, kaufen wir einen ersten Teil Lebensmittel in Dänemark ein. Brot, Milch, Käse und Joghurt werden wir dann sicherlich noch in Schweden kaufen können. Wir entdecken in der Stadt eine kleine Pizzeria und beschliessen, dort essen zu gehen. Salat und Pizza, dazu ein lemonsoda-ähnliches Getränk schmecken lecker. Und auch das einzig verfügbare Musikstück “Tanta Voglia Di Lei”, das während unserem Besuch in Endlosschleife gespielt wird, gefällt uns :-) .

Nach dem Essen kehr wir ins unser Hotel in Frederikshavn zurück, packen unsere Sachen zusammen und gehen anschliessend zu Bett..

P.S.:

Meerenge zwischen Dänemark und England: Skagerrak

Meerenge zwischen Dänemark und Schweden: Kattegat

 

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Mittwoch, 17. Juni 2015: Schönwetter-Dänemark kennen wir aus dem Reiseführer

Schlechtwetter-Dänemark lernen wir heute kennen…

Die heutige Reise wird uns ganz nach oben in Dänemark bringen. Die rund 350 km von Esbjerg nach Frederikshavn wollen wir nicht möglichst schnell, sondern möglichst schön hinter uns bringen. Das mit “schön” könnte heute ein schwieriges Unterfangen werden, denn es regnet den ganzen Tag. Trotzdem beschliessen wir, die Strecke an der Westküste zu nehmen.

Als erstes verzichten wir, nach Blavand zu fahren. Hier hätte es gemäss Reiseführer einen wunderschönen roten Leuchtturm gehabt und zudem hätten wir die Ehre gehabt, am westlichsten Punkt Dänemarks gewesen zu sein, aber wir fuhren schnurstracks nach Hvide Sande. Dieser Ort, nach seinem weisssandigen Strand benannt, soll sehr schön sein. Trotz Regen machen wir hier einen Halt und gehen an den Strand. Ja, könnte ein schöner Kontrast sein: Blauer Himmel und weisser Sand. Aber heute gab’s nur grau und weiss als vorherrschende Farben. Der Wind peitschte uns den Regen ins Gesicht und es war wirklich gruusig. Aber diese Touristenattraktion durften wir nicht einfach so beiseite lassen. Schnell waren wir wieder im Auto und haben die Heizung ein bisschen wärmer gestellt.

Der Leuchtturm Bovbjerg Fyr war unser nächster Halt. Dieser Leuchtturm steht an der gemäss Reiseführer landschaftlich eindrücklichsten Stelle Dänemarks, nämlich an einer Steilküste, die mehrere Meter hoch ist. Wer schon mal an der Südküste Englands gewesen ist und schon andere Steilküsten gesehen hat denkt bei Bovbjerg nur an ein Steilküstchen. Aber das Ensemble mit Steilküste und rotem Leuchtturm war sehr hübsch. Schnell waren wir wieder im Auto und haben zusätzlich noch die Sitzheizung eingestellt.

Thyborøn ist fürs Erste Endsation an der Westküste, hier geht es auf der Strasse nicht mehr weiter. Eine Fähre über den Thyborøn-Kanal bringt Auto und Insassen nach Agger. Die Abfahrt erfolgt stündlich und wir erwischten die 12:00-Uhr-Fähre. Ich stellte mir vor, während der Überfahrt in der Lounge gemütlich einen Kaffee zu trinken. Aber diese Fähre hat gar keine Lounge. Und aussteigen wollten wir aufgrund des Wetters auch nicht. So verfolgten wir die Überfahrt auf dem Navi unseres Autos :-)

Der nächste Halt war in Vorupør. Der Reiseführer vermeldete hier zwar keine Sehenswürdigkeit, aber der Hunger trieb uns in diesen Ort. Wir stellten uns vor, in einem gemütlichen Strandcafé was zu essen. Fehlanzeige. Also kein “gemütlich” und schon gar kein “Strandcafé”. Wir steuerten auf einen Fischhändler zu, der in seinem Laden allergattig Köstlichkeiten anbot. Wir fragten nach einem Fischbrötchen und bekamen dies auch tatsächlich. Wir konnten sogar noch den Fisch auswählen, den wir in unserem Brötchen wollten. So fachmännisch wurde mir noch nie ein Fischbrötchen verkauft! Mit dem Auto fuhren wir ein Wenig ausserhalb des Dorfes und assen das Fischbrötchen – welches sich nach dem Auspacken als veritables Fischbrot entpuppte – im Auto.

Klitmøller soll ein toller Ort zum surfen sein. Drum steuerten wir diesen Ort an – schliesslich wollten wir ein paar Surfer auf den Wellen sehen. Fehlanzeige. Bei Regen wird offenbar nicht gesurft, man könnte ja nass werden…

Danach steuerten wir Frederikshavn an, wo wir am späteren Nachmittag ankamen. Das Scandic Reef ist nicht nur ideal beim Hafen gelegen (für unsere Weiterreise am Freitag), sondern betreibt auch ein grosses Freizeit- und Spassbad. Wir freuten uns darauf, in diesem Bad zu planschen und dänische Kinder vom 3 Meter-Sprungbrett zu schubsen – als man uns mitteilte, dass dieses Bad zurzeit renoviert werde und somit geschlossen sei. Und zwar genau bis zu unserer Abreise…

Nach dem Zimmerbezug gingen wir ins Städtchen und wollten was essen gehen. Die Innenstadt war verlassen. Keine Leute, nix. Keine offenen Geschäfte (die schliessen übrigens um 17:30 Uhr – kein Witz. Ausser Freitag, da ist Abendverkauf. Da schliessen sie um 18:00 Uhr…) und auch keine offenen Restaurants. So kehrten wir in unser Hotel zurück und genossen die dänemarkweit identische Systemgastronomie der Scandic-Hotels.

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Dienstag, 16. Juni 2015: Viel Spass mit 65 Millionen LEGO® Steinen

Ausschlafen gemütlich frühstücken und dann geht's los auf direktem Weg Richtung LEGO-Land in Billund. Navi sei Dank, gestaltet sich die Anreise problemlos. Wir parken das Auto fast angrenzend zum Flughafen von Billund und begeben uns zum Eingang. Rund 400 Dänische Kronen pro Person sind weg, dafür dürfen wir rein. Gratis dazu gibt es eine kurze Regenschauer. Kurz aber heftig. Wir gönnen uns den Spass und kaufen zwei Legoland-Regenpellerinen. So bleiben wir wenigstens trocken, denn es ist momentan nur ca. 12 Grad Celsius warm.

Wir schauen uns zuerst die Mini-Lego-Landschaften an (Amsterdam, Møgeltønder, Ribe, Kopenhagen, Bergen, Götakanal, Friesland, Los Angeles etc.). Danach machen wir uns auf zur Westernstadt mit ihren Saloons, Indianern und der Kanu-Flussfahrt durch die Steppenlandschaft mit Lego-Erdmännchen, -Klapperschlage, -Geiern und -Wölfen und und und. Wir “bödelen” unsere Mägen mit dem mitgebrachten Sandwich und machen uns auf zu den etwas spektakuläreren Bahnen: Der klassischen Achterbahn X-treme Racers und dem Polar X-plorer. Kleines Detail zur X-treme Racers-Achterbahn: Beim Anstehen für die Bahn stehen vor und nach uns Familien mit Kindern an. Die Kinder sind aufgeregt, voller Vorfreude und können sich kaum still halten. Aus irgendeinem Grund muss Martin plötzlich lachen. So richtig laut lachen. Vor und hinter uns ist es plötzlich still. Die Kinder vor uns schauen erschrocken zu Martin auf (das gleiche Szenario wiederholt sich als sich Martin schnäuzt). Martin der Kinderschreck. Die Polar X-plorer Achterbahn ist die grösste und schnellste (65 km/h Spitze) Fahrattraktion im LEGOLAND Billund. Auf einem “Schneemobil” durchquert man eine Polarlandschaft. Eine witzig-spannende Fahrt durch die Eisberge endet auf einem vereisten See – und dann nach 5 Meter freiem Fall – in der Höhle der Eisbären. Cool! Der Überraschungs-Effekt beim freien Fall in die Tiefe ist gewaltig.

Zum Schluss begeben wir uns in die “Auswinde” der Ice Pilots School. Eine Halle wurde zur “Fliegerschule” umfunktioniert. Man “baut” sich sein Flugtraining in einem Industrieroboter-Flugsimulator selbst zusammen. Danach begibt man sich zu Zweit zu seinem Simulator, nimmt dort Platz und wird dann in zügigem aber aushaltbarem Tempo vornüber, nach hinten, Überschlag bis man kopfüber dasitzt und wieder zurück in eine vornüber Haltung durch den Raum manövriert. Auf und ab und im Kreis herum in schwindelnden Höhen und Tiefen. Aber ey, Testpiloten vertragen sowas.

Zum Schluss schauen wir uns noch das grösste Modell der Welt aus LEGO® Steinen an. Luke Skywalkers LEGO® X-wing Starfighter wurde aus über 5 Millionen LEGO® Steinen gebaut. Drei Meter hoch, eine Flügelspannweite von 13 m und über 20 Tonnen schwer. Wow. Beim Verlassen des Exponaten-Raums gibt's noch ein Föteli von Martin mit Darth Vader: “Luke, mein Sohn …”.

BNach all diesen Eindrücken haben wir echt Hunger und gehen einen Pølser, also einen dänischen Hotdog essen und zwar einen mit allem drum und dran. Danach schlendern wir noch etwas durch die Anlage, statten dem Shop einen Besuch ab und geniessen eine Glacé. Schliesslich scheint jetzt ja wieder die Sonne … auch wenn es frisch bleibt. Anschliessend begeben wir uns zu unserem Auto und fahren zurück nach Esbjerg.

Dort angekommen, statten wir noch den weissen Riesen Jütlands einen Besuch ab. Die 9-Meter hohen Skulpturen am Strand (“Mennesker ved Havet” = Mensch am Meer), sind das Kunstwahrzeichen von Esbjerg. Ägyptischen Kolossalstatuen gleich, blicken die vier Riesen stoisch aufs Meer. Nach einem kurzen Abstecher zum Scandic-Hotel machen wir uns auf den Weg ins Grill-Restaurant “Flammen”. In diesem Restaurant kann man zu einem fixen Preis aus einem Vorspeisen-, Salat- und einem Hauptgang-Menu à discretion auswählen. Das Essen schmeckt sehr gut. Wir geniessen vor allem die grosse Salatauswahl. Salat ist etwas, was uns hier etwas fehlt. Ein erlebnisreicher Tag geht zu Ende. Zurück im Hotel lassen wir unsere Eindrücke nochmals Revue passieren und schlafen kurz darauf ein.

 

 

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Montag, 15. Juni 2015: Kirchen, Klöster und ein paar ø

Ausgezeichnet schliefen wir in unserem mehrere hundert Jahre alten Haus. So gut, dass wir später als geplant aufgestanden sind. Als erster Programmpunkt stand eine Runde Jogging auf dem Programm. Gleich hinter dem Schlosspark drehten wir eine Runde über Land, entlang von Feldern und begleitet von Vogelgezwitscher (oder haben sie uns ausgelacht?). Dann gab es ein Frühstück vom Feineren (nicht einfach ein Buffet, sondern ausgewählte Köstlichkeiten :-) ).

Dann endlich war der Moment der Abfahrt gekommen. Weit kamen wir nicht, ein paar hundert Meter weiter machten wir bei der Kirche Møgeltønder den ersten Halt. Die Kirche St. Nikolaus stammt aus dem 12 Jahrhundert und gehörte bis 1970 zum Schloss Schackenborg. Sie beinhaltet die älteste Orgel Dänemarks, diese stammt aus dem Jahre 1679. Die Kirche hat viele Details, welche es zu entdecken gilt. Namentlich die Grafenloge ist sehr speziell. Sie ist so gestaltet, dass der Pfarrer zu den Herrschaften heraufschauen musste…

Nach diesem Besuch ging die Reise noch weiter westlich nach Højer. Hier steht mit der Højer Mølle die höchste Mühle des Typs “Holländerwindmühlen” in Nordeuropa (Link zum Museum). Leider war heute Montag und was haben alle Museen an Montagen? Genau, geschlossen… So blieb uns nur eine Runde zu Fuss um die Mühle, um dieses technische Meisterwerk aus dem Jahre 1857 zu bestaunen. Weiter gingen wir nach Højer Sluse in Richtung Meer. An diesem Ort befindet sich die Schleuse, welche die Unzeiten der Nordsee ausgleicht und mit den Dünen dafür sorgt, dass das Hinterland vor Sturmfluten geschützt ist. Hierhin führte auch einmal eine Bahnstrecke und von hier aus ging man damals mit der Fähre nach Sylt. 1920 wurde der Ort dänisch und für die Deutschen wurde die Reise nach Sylt mit dem zweimaligen Grenzübertritt zu umständlich. Der Bau des Hindenburgdamms 1927, welcher die Reise von Deutschland nach Sylt direkt ermöglichte, machte diese Bahnlinie überflüssig. Am 15. Mai 1935 fuhr der letzte Personenzug, am 31. März 1962 der letzte Güterzug. Seither wurden die Schienen abgebaut und Reste dieser Strecke finden sich nur noch im Internet.

Løgumkloster war unser nächster Halt. Der Ort heisst so, nicht zuletzt weil sich dort ein Kloster befindet, das Kloster Løgumkloster (tönt vielleicht komisch, ist aber so… :-) ).

Um das Jahr 1173 kamen die weissen Mönche, die Zisterzienser, in die Gegend um die Brede Au, um hier ein Kloster zu gründen. Man wählte diesen Ort sehr bewusst: eine ländliche Lage mit vielen Wasserläufen und grossen Wäldern. Hier konnten vorteilhaft Landwirtschaft, Fischerei und Müllerei betrieben werden.

Und heute steht man vor einer gigantischen Anlage. Die Kirche ist dabei der Hauptpunkt, aber auch die Nebengebäude, die heute Seminar- und Schlafräume beinhalten, sind eindrücklich. Die Kirche wurde 2013 saniert. Hier muss viel Geld in die Sanierung geflossen sein. Alles sieht sehr neu und gut erhalten aus. Wir verweilten einen Moment an diesem Ort und brachen anschliessend wieder auf.

Ribe, unser nächster Halt, war der erste Ort an diesem Tag, der kein “ø” in seinem Namen hat. Dies macht das Schreiben der Reiseberichte mit der deutschen Standardtastatur einfacher. Zudem ist dieser Ort als der älteste Ort Dänemarks bekannt. “Als der Missionar Ansgar von Bremen im Jahr 860 einen Platz für die erste in Skandinavien zu errichtende Kirche suchte, fiel seine Wahl auf Ribe.” Ganz schön alt, das Ganze. Auch hier ist die Kirche der dominierende Teil der Innenstadt. Da wir an diesem Tag schon viele Kirchen sahen, verzichteten wir auf einen Besuch. Stattdessen kehrten wir im Café Postgaarden ein. Dies ist Café und Geschäft in einem und sehr originell aufgemacht.

Dann endlich kamen wir zu unserem heutigen Tagesziel, Esbjerg. Im Scandic haben wir ein Zimmer im ersten Stock gekriegt. Diese Etage sei renoviert und besonders schön, wurde uns gesagt. Das Zimmer war mehr oder weniger Standard, aber hübsch. Wir suchten uns auf Tripadvisor ein Restaurant in der Nähe und fanden es in Form des Ristorante Scala. Wir machten uns also auf den Weg und staunten zuerst mal über die Fussgängerzone. Sie war leer. Wurde die Stadt evakuiert? Oder ist die Stadt geschlossen? Nicht dass wir an jeder Strassenecke irgendwelche Strassenmusikanten erwartet hätten, aber doch ein bisschen Leben in der Innenstadt, das wärs gewesen… Nun, heute war Montag. Da haben nicht nur die Frisøre (hach, endlich wieder ein “ø”) und die Museen geschlossen, sondern auch das Scala. So gingen wir halt ins Dronning Luise, was gar nicht so schlecht war.

Da die Stadt an diesem Montag nicht allzuviel zu bieten hatte, beendeten wir unseren Tag und gingen zu Bett.

 

 

 

 

 

 

 

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Sonntag, 14. Juni 2015: Ein erstes Fussbad in der Ostsee

Schlafwagen-Schlafen ist für uns immer eine gute Sache. Wir schauen jeweils, dass wir recht müde sind, d.h. ein echtes Schlafbedürfnis haben, wenn wir eine Schlafwagen-Reise vor uns haben. Und so schlafen wir auch auf dieser Reise gut und tief. Zwischendurch wachen wir kurz auf. Was wohl für Zeit ist? Wo wir wohl sein mögen? Müssen wir schon bald aufstehen? Um 5.00 Uhr erwache ich ob dem Geschrei des kleinen Kaspars im Nachbarabteil. Ich stöpsle mir das iPhone und höre meine Lieblingsmusik und … schlafe wieder ein. Kurz nach 7.00 Uhr erwache ich ob einem Musik-Stück, das nicht auf meiner Song-Liste steht: “Guten Morgen Sonnenschein” von Nana Mouskouri. Ein Schlager, der Kindheitserinnerungen weckt. Mit dieser musikalischen Untermalung weckt uns die Schlafwagen-Schaffnerin. Erholt und erwartungsfroh, stehen wir eins nach dem andern auf, duschen und machen uns tagfertig. Aufgrund der Enge im Abteil ist es besser, wenn sich immer eines von uns auf seinem Bett stillhält. Kurz vor 8.00 Uhr erhalten wir unser Frühstück serviert. Es gibt Kaffee, Tee, Orangensaft, Brötchen, Süssgebäck, Butter, Marmelade und Kräuterleber (wer sowas mag … bitte). Wir sitzen gemütlich in unserem Abteil und geniessen unser Frühstück zu den Bildern der vorbeiziehenden Landschaft. Wir sehen Rehe, Hasen und eine Wildschweinfamilie aber noch so gut wie keine Menschen. Einzig in Stand winkt ein kleiner Junge dem vorbeifahrenden Zug. Wir winken zurück.

Es reicht gerade noch zum Zähneputzen und Packen bevor wir das wunderschöne Hamburg-Panorama geniessen können. Vor der Durchfahrt des Hauptbahnhofs bietet sich einem eine wunderbare Aussicht auf Michel, Hafen, Innenalster, Elb-Philharmonie, Speicherstadt und Hafencity. Kurz vor 9.00 Uhr treffen wir in Hamburg-Altona ein. Wir steigen aus und begeben uns zum Gleis 7, wo der Autozug-Teil kurze Zeit später hinrangiert wird. Schon bald können wir in unser Öuti steigen, vom Autozug runter und durch den Bahnhof Altona und dann weiter Richtung Norden fahren.

Wir sind gut erholt und freuen uns, unser erstes Reiseziel anzupeilen. Wir fahren nordwärts Richtung Eckernförde. In der deutschen Ortschaft Dänisch-Nienhof gibt’s direkt am Nordsee-Strand das Restaurant “Strandschlösschen Schwedeneck”. Wir haben diese Lokalität in der NDR-Sendung “Nordtour” kennen gelernt. Dort wird jeweils am Sonntag ein Brunch serviert. Martin wollte eigentlich reservieren aber das Lokal war bereits ausgebucht. Wir fahren trotzdem hin. Martins Plan ist es, dass wenn wir gegen 12.00 Uhr dort eintreffen, sicher bereits wieder erste Tische frei werden. Wir parkieren unser Auto etwas oberhalb des Restaurants, bezahlen der Besitzerin der Minigolf-Anlage noch einen 2-Euro-Obolus und legen die letzten Meter zum Lokal zu Fuss zurück.

 

Kurz bevor wir dort eintreffen, kommen uns zwei ältere Damen entgegen. Für Martin ist klar: Die beiden Damen haben soeben ihren Brunch beendet und wir “erben” ihren Tisch. Und genau so ist es. Der Plan ist aufgegangen. So kommen wir gegen 12.00 Uhr zu unserem zweiten Frühstück. Diesmal noch ein wenig reichhaltiger mit Fisch, Fleisch, Käse, Tomaten/Mozzarella mit Basilikumpesto, Kartoffeln, Grillgemüse, Karotten mit Sesam, süssem Zopf, frischen Brötchen, Fruchtsalat und Schaumküssen. Lecker. Nach dem Brunch begeben wir uns an den Nordsee-Strand.

 

Bluttfuss geht’s über den Sandstrand zum Wasser. Ein erstes erfrischendes Fussbad steht an. Es windet recht stark, die Sonne hat es in der Zwischenzeit auch geschafft, sich einen Weg durch die Wolken zu bahnen. Wir verweilen ein wenig, bevor wir uns ins warme Auto zurückziehen.

Nun geht’s weiter nordwärts. Wir fahren über Flensburg nach Padborg, wo Martin eine neue Foto-Session mit den Rundnasen-Diesellokomotiven einlegt. Achtung: Rundnasen-Lokomotiven sind nicht mit Gumminasen- bzw. Hamsterbacken-Fahrzeugen zu verwechseln. Liebhaber-Schrott für die mitreisende Laien-Frau, Herzschlag-Beschleuniger für den Kenner.

Bei der Weiterreise überqueren wir nochmals die Grenze zu Deutschland. Wir möchten eigentlich noch einen Kasten Flensburger-Bier kaufen, finden das Bier aber nur flaschenweise. Wir tanken noch kurz das Auto und machen uns dann endgültig auf den Weg nach Dänemark. Kurz vor der Grenze in Harrislee entdecken wir verschiedene Geschäfte, die sogar am Sonntag geöffnet haben. Haben die wohl auch Flensburger Bier? Wir halten an und verschaffen uns einen Überblick. Es handelt sich um die grossen Grenzhändler entlang der deutsch-dänischen Grenze. Aufgrund der niedrigen Mehrwertsteuer ist Deutschland ein beliebtes Einkaufsziel für viele Skandinavier. Das Angebot der Grenzshops ist dem skandinavischen Markt angepasst (viel Alkohol – u.a. auch Flensburger Bier -, Süssgetränke, Süsswaren, Hygieneartikel).

Nun nehmen wir die letzte Etappe unserer heutigen Reise mit Reiseziel Møgeltønder unter die Räder. Dort treffen wir kurz vor 18.00 Uhr beim Barock-Schloss Schackenburg ein und beziehen ein schönes Parterre-Zimmer in einem der alten angrenzenden Häuser. Wir essen dort auch zu Abend und geniessen ein feines Essen, das uns schön zubereitet serviert wird. Das Personal gibt sich eher wortkarg. Als wir die Getränke serviert erhalten, fällt uns sofort das Design der Mineralwasserflasche auf. Darauf ist ein Jüngling nackt von Hinten abgebildet. Als die Kellnerin kurze Zeit später mit der Vorspeise an unseren Tisch kommt, rühmt Martin das schöne Design und fügt an, seine Frau habe die Flasche extra umgedreht, um zu schauen, ob man den Jüngling dort von Vorne nackt sieht. Die Kellnerin muss herzhaft lachen, das Eis ist gebrochen. Nach dem Essen ziehen wir uns in unser Zimmer zurück. Wir sind müde und freuen uns auf das königliche Bett.

 

 

 

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Samstag, 13. Juni 2015: Nordwärts

Heute ist unser erster Ferientag. Wir lassen's gemütlich angehen. Ausschlafen, lecker frühstücken und anstelle der sonst üblichen Wochenend-Aktivitäten lancieren wir die letzten Ferienvorbereitungen. Die letzten Kleidungsstücke in die Reisetasche verstaut, Blick in den Kühlschrank: die Milch muss noch getrunken werden, Pflanzen giessen und uns von unseren lieben Nachbarn verabschieden, die während unserer Abwesenheit zu unserer Wohnung schauen. Als wir uns bei ihnen verabschieden wollen, heisst es spontan: “Habt ihr noch Zeit für einen Kaffee?”. Haben wir? Ja, wir haben. Und zum Kaffee gibt es erst noch ein feines Erdbeertörtchen. Wir geniessen die Köstlichkeiten, schwatzen und lachen gemeinsam. Gibt's doch einige hausinterne und -externe Neuigkeiten zu besprechen.

Gegen 15.00 Uhr machen wir uns auf den Weg nach Basel. Kurz vor 16.30 Uhr treffen wir bei Gotti Ruthli ein. Wie jedes Mal, wenn wir den Nacht-Autozug nach Deutschland genommen haben, treffen wir uns mit dem Gotti von Martin zu einem gemeinsamen Abendessen. Nach einem ersten Apéro-Kaffee und einigen TV-Bildern zur Hochzeitsfeier des schwedischen Prinzen Carl-Philippe machen wir uns auf den Weg nach Allschwil ins Restaurant “Burger Bohrerhof“. Wir erhalten draussen im Garten unter den Schatten spendenden alten Kastanienbäumen einen Platz. Rasch findet jedes in der Karte etwas “Gluschtiges” und so sitzen wir schon bald vor unseren Vorspeisen-Salaten bzw. kurze Zeit später vor Riz Casimir bzw. Rinds-Filet. Die Zeit vergeht im Flug. Es reicht noch für einen Espresso und dann fahren wir Gotti Ruthli nach Hause, wo wir uns von ihm verabschieden.

Martin und ich fahren weiter nach Lörrach, wo wir uns ans Verladen des Autos auf den Autozug nach Hamburg-Altona machen. Martin fährt das Auto auf den Autozug und ich beziehe mit unserem Nachtgepäck die Kabine 8. Die nette Schlafwagen-Schaffnerin kontrolliert die Tickets, nimmt die Frühstücks-Bestellung für den nächsten Morgen auf und gibt Anweisungen zur Sicherheit an Bord sowie zum Ablauf des morgendlichen Weckens/Türe Öffnens/Frühstück ausgehändigt erhaltens. Als Martin in der Kabine eintrifft, gehen wir gemeinsam nach draussen, vertreten uns noch etwas die Beine, fötelen so dies und das und schauen dem Rangier-Manöver zu, mit dem Autozug-Wagen, Reisezug-Wagen und Lokomotive in die richtige Formation und vor allem in die korrekte Reiserichtung gebracht werden. Kurz vor 21.10 Uhr steigen wir wieder in den Zug ein und beziehen unsere Kabine. Und wie immer macht sich spätestens um diese Zeit die grosse Müdigkeit spürbar. Zähne putzen, Pischi anziehen und dann nehmen wir unsere Etagen-Betten in Beschlag. Noch etwas lesen und dann übernimmt uns die Müdigkeit. Wir nehmen noch wahr, dass der Zug kurz nach 22.00 Uhr losfährt aber dann werden die Augen schwer. Guet Nacht, schlaf guet … du o, schlaf o guet.

 

 

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Pfingstmontag, 25. Mai 2015: Zweiter Besuch an der EXPO 2015 in Milano

Vor rund drei Wochen war ich schon einmal an der EXPO 2015 in Milano (siehe Bericht hier), nun bin ich mit Bettina noch einmal hierhin gekommen. Zwei Tage EXPO lohnen sich!

Auch dieses Mal sind wir selbstverständlich mit dem Zug angereist und dieses Mal sind wir ab Brig mit dem Extrazug von Genève gefahren. Wegen irgendwelchen technischen Problemen ist dieser Zug nicht ab Genève gekommen, sondern in Brig gestartet. Und weil es in der Kommunikation am Bahnhof einige Differenzen gab, sind viele Kunden bereits in den vorherigen Zug eingestiegen, sodass wir in diesem Zug ab Brig ganze 3 (!) Personen waren. Die Frau von der Minibar kam bis vor Rho Fiera vier Mal vorbei. Dieses vierte Mal kauften wir Zwei Kaffee, auch wenn wir eigentlich nicht unbedingt ein Kafi gebraucht hätten.

Beim Eingang zur EXPO gab es ein ziemliches Gedränge – die Eingänge, welche für Schulen reserviert waren, wurden nicht oder fast nicht benützt, die Eingänge des gewöhnlichen Volks waren überbelegt. Plötzlich waren wir in einer Linie für Handicapte und Schwangere. Und ich machte auf einen “ich habe ein steifes Bein und bin froh um diesen Eingang”-Simulant – und kam damit durch… Unedel. Aber wenn man nur einen Tagesbesuch an der EXPO macht, muss man jede Sekunde ausnützen :-)

Hier auch wieder ein paar Stichworte zu den von uns besuchten Pavillons:

  • Tschechische Repuplik: Ein Bisschen Werbung für Bier. Viele Räume im Dunkeln, welche auf die Leistungen der Tschechischen Repuplik im Zusammenhang mit Ernährung machen. Dieser Pavillon ist nicht in meinen persönlichen Top 10.

  • Königreich Bahrain: Zeigte Häuser, wie sie im Orient sehen könnten. Zudem einige Pflanzen die aufzeigen, dass auch in der Wüste Pflanzen wachsen können und ihren Teil zur Ernährung beitragen.


  • Brasilien: quasi ein doppelstöckiger Pavillon: unten kann man sehen, welche Pflanzen in Brasilien angebaut werden, oben hatte es ein Netz, über welches man gehen konnte und sich das Ganze von ein bisschen weiter oben ansehen konnte.


  • Moldova: Architektonisch ein sehr schöner Pavillon. Innen zeigten sie Filme mit moldavischen Volkstänzen. Nicht so meins.


  • Litauen: Schöner Pavillon welcher eine schöne Aussicht über das Ausstellungsgelände erlaubte. Im Mittelpunkt der Ausstellung stand eine grosse Kugel, in derer Videos zum Thema Ernährung gezeigt wurden. Speziell schönes Licht-Spektakel innerhalb des Pavillons.


  • Weissrussland: Architektonisch sehr origineller Pavillon welcher zweigeteilt ist. In der Mitte hat es ein Wasserrad, über dieses fliesst jedoch kein Wasser sondern dort hat es Bildschirme, welche den Fluss des Wassers simulieren. Originell. Der Inhalt der Aussgellung IN den Pavillons ist mir jedoch nicht geblieben.


  • Malaysia: Man geht in eine grosse Kokosnuss – innen öffnet sich ein Regenwald. Sehr originell und aufwändig gemacht.


  • Argentinien: An unserem Besuchstag war der argentinische Nationalfeiertag und entsprechend viele Leute trugen heute eine blau-weiss-blaue Fahne mit sich. Innerhalb des Pavilons konnte man die verschiedenen Beiträge Argentiniens zur Welternährung sehen. Im Restaurant wurden Steaks verkauft (wir assen aber nicht hier).

  • Brunei Darussalam: Ein paar schöne Bilder im innern des Pavillons und ein paar Gewürze. Nett.

  • Polen: Sehr schöner Pavillon: am Anfang geht man zwischen Holzharassen hoch (Wir hatten doch in unserer ersten Wohnung alle solche Holzharassen, weil die Büchergestelle zu teuer waren und ein IKEA nur in Spreitenbach anzutreffen war. Etwa wo muss man sich das vorstellen, nur einfach massiv mehr Harassen…), dann öffnet sich plötzlich eine ganz andere Pavillon-Welt und man ist an einem anderen Ort – abgeschirmt vom Lärm der Expo – und man hört klassische Musik und befindet sich inmitten von Pflanzen. Im inneren des Pavillons sieht man in einem Film die Geschichte Polens. Absolut kontrastreich und toll, dieser Pavillon!

  • Holland / Niederlande: Diesen Pavillon haben wir irgendwie nicht verstanden: es standen viele Verkaufswagen auf dem Platz und verkauften holländischen Fast-Food wie z.B. Dutch Fries, Meatballs, Worstenbrod und Hot Dogs. Dazu ein DJ, der lauten Techno-Beat auflegt. Wenn das ihr Beitrag zur Welternährung ist, mache ich mir um unseren Planeten echt Sorgen.


  • Frankreich: Neben dem Pavillon von Holland befindet sich Frankreich. Irgendwie logisch, der Französiche Präsident heisst ja so: Hollande. Macht also Sinn. Zuerst geht man vor dem Pavillon durch einen Garten, in welchem man Pflanzen sieht, die auch in Frankreich angebaut werden. Im Pavillon selber haben sich die Franzosen an verschiedenen Ständen mit dem Thema der Ernährung auseinandergessetzt, teilweise sehr spielerisch und originell. Am Ausgang hatten die Besucher Gelegenheit, französische Spezialitäten käuflich zu erwerben.


  • Der heilige Stuhl: zwischen den Franzosen und dem bum-bum der holländischen Boxen befindet sich der heilige Stuhl, welcher uns heute unser tägliches Brot geben will. Menschen, Erhnähung und Hunger waren das Motto dieses Pavillons.


  • Slowenien: Dieses Land machte, wie einige andere auch, auf die Notwendigkeit der Bienen aufmerksam. Nachhaltig war jedoch die Beschriftung des Pavillons: Slovenia stand darauf geschrieben. Ein gutes Motto, wenn man die Liebe schon im Ländernamen hat. Die Touristenwerbung im innern machten Lust, dieses Land mal zu besuchen.


  • Iran: In diesem Pavillon wird den Besuchern der Beitrag des Landes zur Welternährung aufgezeigt. Namentlich Gewürze stehen hier im Vordergrund. Den Beitrag zu UNSERER Ernährung wurde ebenfalls von diesem Pavillon beansprucht: wir assen hier zu Mittag. Der gewünschte Salat, die gewünschte Hauptspeise und das gewünschte Dessert waren ausverkauft. Aber lecker war alles! Und falls jemand im Iranischen Pavillon essen will: einfach keinen Tee vor dem Essen bestellen. Den gibt es nur NACH dem Essen :-)


  • Schweiz: Ce n`è per tutti? Hat es für alle? Dies die Kernfrage dieses Pavillons. Die Antwort ist nein: zumindest nicht, was die Eintrittskarten für den Pavillon angeht. Wir hatten um 15:30 Uhr keine Möglichkeit, den Schweizer Pavillon zu besuchen. Es hat also nicht genug für alle. Wer aber sicher sein will, dass er den Schweizer Pavillon auch wirklich besuchen kann, kann unter http://www.padiglionesvizzero.ch/ticketing/ die Billette über Internet bestellen.

  • Deutschland: Mecklenburg-Vorpommern, unser Lieblingsbundesland (nebst vielen anderen :-) ) hatte bei unserem Besuch gerade ihre EXPO-Werbeplattform erhalten. Mit Strandkorb und Sand. Wir genossen den Besuch bei den Rostockern und Usedömlern und informierten uns über mögliche Orte, die wir bei den nächsten Ferien besuche könnten.

  • Rumänien: Weiss nicht mehr, was hier zu sehen war.

  • Spanien: das Gleiche wie beim letzten Mal. Nur einfach ohne Jamon Iberico zu essen :-)

  • Ungarn: sehr schön gemachter Pavillon, im Innern werden die grössten Ungaren (gewusst? Das Vitamin C wurde vom Ungar Albert Szent-Györgyi entdeckt.) und ungarisches Handwerk vorgestellt.

  • England: Wunderschöne Darstellung des Themas “Bienen”. Siehe auch meine Bemerkungen beim Bericht des letzten Mal.

Weitere Pavillons habe ich beim ersten Besuch der EXPO gesehen. Siehe hier.

Anschliessend ermüdete Rückreise. Gemäss mitgenommenen GPS-Tracker haben wir an diesem Tag 13 km zu Fuss gemacht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Montag, 18. Mai 2015: Take the long way home

Früh war Tagwache. Schliesslich stand noch das Tanken des Mietwagens und die Rückgabe desselbigen auf dem Programm, bevor wir einchecken konnten.

Das Tanken war kein Problem, die Rückgabe des Mietwagen auch nicht. Schliesslich mussten wir diesen nur auf den Parkplatz vor dem Flughafen stellen und den Schlüssel am Flughafenschalter abgeben. Das Check-In haben wir schon zu Voraus getätigt, das Gepäck rasch abgegeben und bei der Sicherheitskontrolle habe ich den Tagespreis gewonnen: mein Handgepäck wurde im Zufallsgenerator ausgewählt, manuell kontrolliert zu werden! So viel Glück muss man haben… So wurde mein Rucksack unter die Lupe genommen – aber es kam nichts verdächtiges zum Vorschein.

Ziemlich pünktlich landete das Flugzeug der Wideroe und wir konnten einsteigen. Es war recht voll und dank der kleinen Ausmasse dieses Fliegers kam man sich ein bisschen wie im Bus vor. Der Flug ging bis Hammerfest, dort gab es einigen Passagierwechsel, und von dort nach Tromsö. Hier war fürs erste Mal Endstation. Rund 90 Minuten später ging es weiter mit der SAS nach Oslo und mit der Lufthansa über Frankfurt nach Zürich. Honningsvag – Hammerfest – Tromsö – Oslo – Frankfurt – Zürich: Fünf Flugsegmente, um nach Hause zu kommen: das ist auch nicht alltäglich…

Wir haben bewiesen, dass es möglich ist, mit dem öV von Sizilien zum Nordkap zu reisen. Ok, wir haben noch zwei Mal einen Mietwagen im Programm gehabt, dies jedoch nur, weil wir einen knappen Zeitplan hatten. Mit der notwendigen Geduld und ohne norgwegischen Feiertage hätten wir auch dies mit dem öV geschafft. Und zwei Mal haben wir auf dieser in drei Etappen ausgeführen Reise den Anschluss verpasst. Einmal in Genua und einmal in Basel. Nicht schlecht wenn man bedenkt, dass wir eine Strecke von 3790.24 km (Luftlinie) gemacht haben.

Alles Kranich oder was?

Wo wir wohl nächstes Jahr hingehen?

 

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Sonntag, 17. Mai 2015: 71°10’21”

Ich schlief nicht so gut wie auch schon. Ob mich das schaukelnde Schiff am schlafen hinderte? Oder hat mich das immer noch vorherrschende Tageslicht irritiert? Um 2:04 Uhr nahm ich das Handy und machte ein Foto der sich mir bietenden Szenerie:

Unglaublich – wirklich taghell!

Ich probierte, mich nicht zu sehr irritieren zu lassen und döste mich durch die Nacht. Um 8:00 Uhr standen wir schlussendlich auf und gingen zum Frühstück. Alle Norweger hatten heute, zu Ehren des Nationalfeiertages, entweder einen norwegischen Orden angesteckt oder trugen eine norwegische Fahne mit sich. Beim Stopp des Schiffes in Havøysund spielte zu Ehren der Ankunft des Schiffes und natürlich des Nationalfeiertages eine Blasmusik. Pünktlich um 11:15 Uhr schipperten wir ihm Hafen von Honningsvåg ein, unserem letzten Etappenort. Nach dem Ausschiffen (ja, dem sagt man im Fachjargon so… :-) ) gingen wir zum Hotel, welches sich grad beim Hafen befand und konnten dort schon das Zimmer beziehen.

Auch hier hatten wir einen Mietwagen reserviert. Da wir morgen Montag schon ziemlich früh abfliegen werden und das Mietauto beim Flughafen abgeben wollen, müssen wir den Wagen auch dort beziehen. Da kein Bus zum Flughafen fährt (zumindest nicht am Nationalfeiertag) nahmen wir ein Taxi. Der Flughafen ist niedlich. Sagen wir es so: Bern-Belp ist etwa 10x grösser :-) Ein Flugzeug wollte grad zur Landung ansetzen, drehte eine Runde über dem Flugplatz und flog wieder davon – kein klassisches Durchstarten, eher ein kurzes “Anschnüffeln”. Danach kam das “Follow me”-Fahrzeug zum Einsatz und fuhr die Piste ab. Am Pistenanfang liess der Fahrer einen Feuerwerksheuler los und verscheuchte die anwesenden Vögel. Nachdem das Follow me-Fahrzeug wieder weg war, konnte das Flugzeug endlich landen. So werden also Flughäfen im hohen Norden bewirtschaftet…

Wir betraten das Flughafengebäude und sahen natürlich kein AVIS-Schalter. Die Security-Verantwortliche sagte uns, dass das Büro im Städtchen sei, war aber so nett und rief AVIS für uns an. Er käme in etwa 15 Minuten, meinte sie. Wir warteten also am Flughafen, vom Personal wurde uns Kaffee angeboten und plötzlich kam aus Richtung Städtchen ein Fahrzeug, welches an der Seite mit “AVIS” beschriftet war. Der Autovermieter entschuldigte sich für die entstandene Verspätung, liess den mitgebrachten Vertrag von Woody unterzeichnen und überliess uns das gross mit “AVIS” beschriftete Fahrzeug als unseren Mietwagen: Ein Skoda Fabia mit 67’000 km… Der Vermieter nahm ein anderes Fahrzeug und fuhr wieder in die Stadt. Ich denke, wir hätten die Vermietung auch ohne Kostenfolge in der Stadt erledigen können. Aber so verdiente auch der Täxeler was an unserer Fahrt an den Flughafen.

Wir verliessen den Flughafen und fuhren noch einmal in die Stadt, um uns fürs Nordkap, auf norwegisch geschrieben “Nordkapp”, reisefertig zu machen. Prompt fuhren wir zu dem Zeitpunkt ins Städtchen, wo die Nationalfeiertagsparade durchgeführt wurde. Viele Leute trugen an dieser Parade Trachten und schwenkten Fahnen, natürlich spielte auch eine Blasmusik Wir fuhren hinterher und konnten dann zum Hotel abzweigen. Anschliessend fuhren wir Richtung Nordkap. Der nördlichste Punkt Europas ist 30 km von Honningsvåg entfernt und führt über eine verschneite, mit vielen grossen Steinen übersäte Landschaft. Zeitweise sieht man Rentiere. Diese sind mit ihrem hellen Fell so gut getarnt, dass man sie auf dem Schnee kaum sieht.

Das Nordkap besteht aus einem Felsen, wo sich oben ein Zentrum befindet (Souvenir-Shop, Kino, Restaurant etc) und eine Aussenanlage welche das Nordkap mit einer Weltkugel symbolisiert. Als wir das Zentrum betraten sagte uns eine Angestellte, dass sie um 15:00 Uhr schliessen – wir kamen um 14:30 Uhr an… Somit verzichteten wir auf den “Instruktionsteil” und begaben uns nach draussen zur Weltkugel. Es war bitterkalt und ein alle Kleider durchdringender Wind zog übers Nordkap. Dies führte dazu, dass wir fast alleine am nördlichsten Punkt Europas waren. Wir haben schon damit gerechnet, dass hier alles überlaufen sein wird – aber nein, Glück gehabt :-)

Aufgrund der geografischen Lage wird das Nordkap auch mit 71°10’21” bezeichnet. Insider wissen nun, dass dies keine Telefonnummer eines Pizzakuriers ist, sondern eben die Lage des Nordkapps. Nachdem wir durchgefroren waren fuhren wir wieder ab und suchten das Dorf Gjesvær auf. Hier werden Exkursionen zu einer Insel angeboten, wo man viele Vögel beobachten könne. Im Winterhalbjahr (ja, bis Mitte Mai ist hier touristisch noch Winter) wird die Bird Safari jedoch um 12:15 Uhr angeboten, was somit zu spät war. Nun, ein anderes Mal vielleicht wieder.

Wir fuhren zurück nach Honningsvåg und assen im Restaurant Arctic Sans leckeren Fisch und tranken dazu Bier aus der nördlichsten Brauerei der Welt, der Brauerei Mack.

Morgen reisen wir zurück in die Schweiz und unsere dreijährige Auffahrtsreise ist Geschichte: Wir haben es geschafft, in drei Jahren während der Auffahrtswoche von Catania ans Nordkapp zu reisen. Mit dem öffentlichen Verkehr. Und alles pünktlich :-)

Woody war auch dabei

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Samstag, 16. Mai 2015: WUNDERBAR!

Ich lag noch im Bett und blinzelte ein bisschen. Träume ich oder ist es Tatsache? WUNDERBARSTES WETTER! Keine Wolke, nur blauer Himmel und angenehme 22 Grad Temperatur aber immer noch sehr kalt. Aber das tolle Wetter wirkte wie Balsam auf das wettermässig bewölkte Gemüt. Aufstehen, Frühstück, packen und los geht’s in Richtung Tromsø. Wie schon erwähnt ist dies der einzige Abschnitt auf unserer Reise von Sizilien ans Nordkap, welchen wir mangels Fahrplanalternativen nicht mit dem öV zurücklegen können. Und diese Fahrt war einmalig schön! Das Wetter, die Strecke, die noch verschneiten Berge – alles hat zusammengepasst! Die Fahrt war ein einziges Schaulaufen der Natur! Ich will hier nicht in Superlative verfallen – aber es hat einfach alles gepasst.

Am späteren Nachmittag trafen wir in Tromsø ein. Zuerst begaben wir uns zur Eismeerkathedrale und bestaunten dort die Architektur. 50 Jahre alt ist dieses Ding dieses Jahr geworden und sieht immer noch modern aus. Von der Kirche hat man auch einen guten Blick auf die Brücke, welche den Meeresarm elegant überquert. Die Avis-Geschäftsstelle fanden wir rasch und gaben das Auto ab. Ein kurzer Spaziergang durch die Stadt führte uns zum Terminal des Hurtigruten-Schiffes. Wobei “Terminal” hier zu hoch gegriffen ist, das Schiff, wir hatten die MS Porlarlys, hält quasi mitten in der Stadt, man steigt ein, geht bei der Reception vorbei und erhält die Bordkarte. Unsere Kabine war in der 2. Etage und hatte zwei Bullaugen, welche Sicht nach draussen gaben.

Das Leben an Bord war ungezwungen. Kein Captain’s Dinner, sondern eine gute, leckere Küche. Nach Abfahrt in Tromsø assen wir im a la Carte-Restaurant. Hier gibt es keine Speisekarte, gegessen wird, was der Chefkoch in den Häfen frisch einkaufen konnte. Muscheln, Ente, Käsen von den Lofoten – so schlemmten wir uns durch die vier Gänge – jeweils mit dem passenden Wein (welcher nicht aus Norwegen war). Übrigens waren Woody und ich die eher jüngeren Gäste auf dem Schiff :-)

Nach dem Stopp in Skjervøy legten wir uns auf Bett und probierten zu schlafen. Draussen war es immer noch hell. Taghell.

 

 

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Freitag, 15. Mai 2015: Auf Safari – Auf Eisenbahnsafari

Nach dem Frühstück machten wir uns auf zu Avis, um unseren Mietwagen zu holen. Das Büro war nicht besetzt und an der Eingangstüre hing ein Zettel, auf dem stand: Jeg er for øyeblikket på rengjøring av biler. Ring 47 76 94 XX ennå.

Clevererweise war noch in englisch geschrieben, dass die Person grad am Auto reinigen ist und man doch bitte anrufen soll, was wir dann auch gemacht haben. 10 Minuten später war die Avis-Mitarbeiterin vor Ort und hat die notwendigen Formulare ausgefüllt. “Ich gebe Ihnen ein Upgrade” waren die fünf magischen Worte, die uns zu einem Nissan Qashqai verholfen haben. Erwartet haben wir was in der Golf-Klasse. Den Vertrag haben wir so ausstellen lassen, dass nur Woody fährt. Ein zusätzlicher Fahrer hätte was dazu gekostet. Übrigens haben wir das Auto heute schon gemietet, um auf Eisenbahnsafari zu gehen und die langen Erzzüge in freier Wildbahn zu fotografieren. Und dann auch um am Folgetag nach Tromsø zu fahren. Leider wurde für diesen Samstag kein vernünftiger Fahrplan angeboten, sodass wir auf die Variante “Mietwagen” umsteigen mussten.

Wir verliessen also Narvik und fuhren in Richtung schwedischer Grenze. Zuerst gingen wir zum Bahnhof Straumsnes. Wir erwarteten hier eine Kreuzung zweier Erzzüge auf der einspurigen Strecke. Woody hat im Vorfeld der Reise bereits den grafischen Fahrplan ausgedruckt, dies war nun die Basis für unsere Safari. Und kurz nach unserer Ankunft kam auch schon der bergwärtsfahrende, leere Zug, welcher im Nebengleis die Kreuzung mit dem talwärtsfahrenden, beladenen Zug abwartete. Dieser kam mit seinen 8000 Tonnen auch schon bald angerauscht, und somit konnte der bergwärtsfahrende Zug wieder auf die Strecke. Eindrücklich, wie die starken Loks diesen Zug beschleunigen.

Anschliessend fuhren wir über die Brücke über den Rombaksbotn. Dies ist eine eindrückliche Hängebrücke in grosser Höhe. Danach nahmen wir die Strasse in Richtung Schweden, bei Riksgränsen überquerten wir die Grenze und fuhren durch bis Vassijaure, wo wir noch einen Reisezug fotografieren konnten. Danach gings nach Björkliden, wo wir auf einen haltenden Reisezug trafen. Zufälligerweise war die gleiche Zugbegleiterin auf diesem Zug, welche wir am Vortag auf der Fahrt nach Narvik hatten. Sie hatte in Narvik übernachtet und geht nun wieder zurück zu ihrer Heimatstation Luleå. Dann hat sie 5 Tage frei, welche sie für einen Kurztrip nach Samos benützt. Sonne tanken, meinte sie…

Wir fuhren zurück nach Narvik. Mittlerweile war es schon Abend und wir gingen ins Restaurant Rallar’n Pub og Kro – the tavern was essen. Danach gings zum Einkauf, um für den nächsten Tag gerüstet zu sein. Schliesslich soll morgen die lange Transferfahrt nach Tromsø durchgestanden werden. Wasser und Früchte sind für solche Zwecke immer gut.

Danach gings aufs Zimmer und irgendwann mal ins Bett…

Woody war auch auf Safari

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