Samstag, 19. Mai 2012: “My name is Bond, James Bond.”

Heute stand was ganz besonderes auf dem Reiseprogramm: eine Fahrt nach Beaulieu ins National Motor Museum! Nicht dass es uns die historischen Vauxhall und MG speziell angetan hätten, nein, der Grund war ein ganz anderer: zu Ehren des 50. Jubiläums der James Bond-Filme gab es in diesem Automuseum eine Sonderausstellung, in der alle Fahrzeuge gezeigt werden, die in Bond-Filmen eine Rolle gespielt hatten.

Für Bond-Cineasten ein spezieller Leckerbissen, den man nicht verpassen darf! So gab es so legendäre Autos wie den Aston Martin DB5, in welchem Bond in “Goldfinger” über den Furkapass gefahren ist. Oder der weisse Lotus Esprit S1 aus “Der Spion der mich liebte”. Unvergessen die Szene, wo Bond vor dem Heli ins Wasser flüchtet und vor dem eintauchen die Beifahrerin fragt “Can you swim?”

Wirklich, die Exponate waren super und haben sehr viele “ach ja”-Erlebnisse hervorgerufen. Aber auch sonst bot das Museum viel, nicht nur dem motorbegeisterten Publikum schliesslich befindet sich das Museum in einem wunderschönen Park, wo auch die Natur nicht zu kurz kommt.

Nachdem wir genug in der Agentenwelt geschwebt sind, machten wir uns auf nach Weymouth, welches östlich von Bournemouth liegt. Den Tipp, diesen Ort zu besuchen haben wir von der Zugbegleiterin der gestrigen Fahrt durch England erhalten, mit welcher wir ins Gespräch gekommen sind. Weymouth und Portland seien ihre Tipps. Und diese haben wir nun abgehoppt – und haben es nicht bereut. Portland ist auf einer Insel und im Sommer Austragungsort der Segelwettbwerbe der Olympischen Spiele. Markant ist der Leuchtturm am Südende der Insel, das Portland Bill Lighthouse. Nicht immer konnte der Leuchtturm die Schiffe vor der Küste warnen. Die letzte Havarie passierte sogar in diesem Jahrtausend.

Nach diesem Ausflug führen wir nach Weymouth, wo wir im Hafen in einer prima Beiz zNacht assen. Ich weiss nicht, was in mich gefahren ist, aber ich hatte Lust nach Fisch und bestellte einen Sea Bass (Wolfsbarsch) an einer Basilikum- Pesto-Sauce. So nebenbei erzählte ich Woody, dass ich selten Fisch esse, da ich einen grossen Respekt vor den Gräten habe (schliesslich musste mein Bruder mal ins Spital, weil Gräte im Hals stecken blieben – und das sei nicht lustig gewesen!). Woody baute mich auf und sagte, dass Fisch überhaupt kein Problem sei und es eigentlich fast nie Gräte drin habe. Ausser beim ganzen Fisch, der mit Kopf und Flosse auf den Tisch kommt ist ein grösseres Risiko vorhanden. An dieser Stelle muss ja wohl nicht speziell erwähnt werden, dass mein Wolfsbarsch ein ebensolcher Fisch war… Übrigens: mir geht es gut!

Die Rückreise verlief problemlos und nun sind wir im Hotel und machen ums bereit für die morgige Abreise…

 

 

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Freitag, 18. Mai 2012: In Oxford an die Uni, in Reading gelesen und in Winchester rumgeballert

 

Heute war ein Transfertag von Wales an die Südküste Englands. Das Auto haben wir in Llandudno Junction bei der Avis -Vermietung abgegeben und machten uns auf zum nebenan gelegenen Bahnhof. Vor uns steht eine Bahnreise durch halb England. Wir vermeiden es, durch London zu fahren und sehen dafür mehr oder weniger bekannte Ortschaften, wie z.B. Rhyl, Flint, Helsby oder Warrington Bank Quay, wo wir sogar umsteigen. Aber es hat auch Orte, die man schon mal gehört hat oder glaubt, sie gehört zu haben: Oxford? Studentenstadt, Eliteuni und ein jährliches Ruderbootrennen gegen die Uni Cambridge? Reading? Wurde hier nicht das Lesen erfunden? Und in Winchester das Gewehr, bekannt aus John Wayne-Filmen oder Lassiter-Romanen? Und irgendwie kamen wir dann in Southampton Airport an, eine Stunde später als geplant wegen einem Anschlussbruch in Wolverhampton. Der Flughafen Southampton bietet nicht nur Mietwagen an, sondern auch Flüge nach halb Europa, unter Anderem in der Wintersaison sogar nach Bern. Den Mietwagen von Alamo konnten wir rasch beziehen und stellte sich als Hyundai i30 heraus. Für die Mietdauer bis zum Sonntag ein gäbiges Auto. Die Fahrt nach Bournemouth war durch den Freitagsverkehr recht anstrengend und man musste wirklich auf der Hut sein, wo und wie man fährt. Vor Allem, wenn man das erste Mal ein rechts gesteuertes Auto fährt und dies noch auf der “falschen” Strassenseite.

Genau, ich habe es gewagt! Ich habe meine Generalprobe dieser speziellen Fahrweise hinter mich gebracht. Das erste Mal. Problemlos, dank der Unterstützung von Woody, welcher mir gezeigt hat, wo sich das Lenkrad befindet (und nicht nur)…

In Bournemouth stiegen wir im Hotel Cumberland ab, ein Art Deco-Hotel an der Küste. Das Wetter ist miserabel, Nebel wie im November. Wir verzichten auf einen Ausflug in die Stadt und essen im Hotel zNacht. Morgen wird das Wetter vielleicht wieder besser. Hoffentlich!

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Donnerstag, 17. Mai 2012: Ab in die Berge

Heute wollten wir es noch einmal wissen: ab auf den Snowdon, der mit 1085 m höchste Berg von Wales und England! Und das mit der einzigen Zahnradbahn von Grossbritannien, der Snowdon Mountain Railway.

So kurz nach halb elf trafen wir in Llanberis ein und wollten natürlich so schnell wie möglich auf diesen Wunderberg. Am Schalter sagte man uns, dass Tickets für den nächsten verfügbaren Zug um 13:30 verkauft werden. Sie habe aber noch zwei Restplätze für den 12:00-Zug, welcher wegen eines Lokdefektes von heute morgen erst um 12:30 fahren werde aber man soll sich um 12.15 bereit halten. Ein bisschen viel Information in einer Fremdsprache – zum Glück war die Sprache nicht walisisch…

So schlugen wir uns die Zeit bis zur Abfahrt noch um die Ohren und standen schön brav pünktlich bereit, um in den Zug einzusteigen. Zu unserer Enttäuschung war jedoch keine Dampflok am Zug, sondern eine dröhnende Diesellok… Heute war scheinbar nur eine Dampflok im Einsatz, alle anderen sind offenbar defekt. Sollen sie doch bitte zum Material Sorge tragen, schliesslich wurden die Loks mehrheitlich 1896 in der Lokfabrik Winterthur gebaut…

Das Reiseprogramm auf den Snowdon sieht so aus: 60 Min mit dem Zug hoch, 30 Min Aussicht geniessen und dann wieder 60 Min runter. Das Programm ist so straff definiert, da die Züge in der Regel keine Restkapazitäten haben, um die Reisenden irgendwann wieder runterfahren zu lassen. Mein Platz der Hinfahrt wird also auch auf der Rückfahrt wieder von mir belegt. Die Kapazität der Züge ist mager: alle 30 Minuten fahren bis zu zwei Züge auf den Berg (wie auf dem Brienzer Rothorn etwa). Jede Lok kann einen Wagen stossen, welcher 56 Sitzplätze aufweist. Das heisst max 224 Ausflügler pro Stunde können auf diesen Berg. Da sieht man plötzlich, dass unsere Wartezeit gestern und heute eigentlich schon zum Voraus klar gewesen wäre. Die können gar nicht mehr Kunden befördern und unsere Erwartungen waren ein bisschen zu hoch…

Dafür war die Aussicht schön, fast hätten wir nach Irland sehen können. Schuld am “fast” war Kachelmann, nicht Fielmann… Und nochmals: Wales ist äusserst lieblich und schön, was uns von dort oben noch einmal bewiesen wurde.

Nach diesem Ausflug führen wir zurück nach Llandudno. Dort wollten wir quasi zum Dessert das Great Orme Tramway ausprobieren. Der Great Orme ist der Hausberg Llandudnos, das Tramway ist ähnlich gebaut wie die Cable Cars in San Francisco: die Seilbahn verkehrt in der Strasse und schaut wie ein Tram aus alter Zeit aus. Aber auch hier hatten sie technische Probleme: er wisse noch nicht, ob er für die nächste Fahrt Tickets verkaufen kann, denn es gebe ein Problem, sagte uns der Billettverkäufer.

Wir warteten die Lösung des Problems nicht ab und fuhren mit dem Auto auf den Great Orme. Vom Auto aus konnten wir die technisch interessante Bahn beobachten – für eine Fahrt mit der Bahn wäre es ziemlich kalt gewesen, da die Fahrzeuge offen sind und die Temperatur wieder mal gesunken ist.

Das Nachtessen gab es wieder beim Italiener “Casanova“, der von Indern geführt wird. Auch dieses Mal assen wir wieder prima!

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Mittwoch, 16. Mai 2012: “Willkommen in Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwlllantysiliogogogoch!”

Um es vorneweg zu nehmen: Das Hotel hat sein Versprechen eingehalten und ich habe wunderbarst geschlafen.

Das Frühstück war fein und so konnten wir uns auf zur heutigen Bahn-Safari machen. Wir fuhren nach Llanberis zur Talstation der Snowdon Railway. Diese Bahn führt auf den 1085 m hohen Berg Snowdon, welcher ein beliebtes Ausflugsziel hier in der Gegend ist. Wir wollten das 10 Uhr-Bähnli nehmen, welches aber wie das um 10:30 ausverkauft war. Um 11 Uhr auf den Snowdon zu fahren war zu spät, dies hätte unser Tagesprogramm in unverantwortlicher Weise auf den Kopf gestellt. So müssten wir wieder zu einem Plan B greifen, welcher uns auch heute nach Porthsmadog brachte, den gleichen Ort wie gestern, als wir den Zug verpassten. Heute hatten wir dank dem Swnowdon-Ausfall genügend Zeit, um mit der Ffestiniog-Railway nach Ffestiniog zu fahren. Wir parkten in der Nähe des Bahnhofs und lösten ein Ticket für die Fahrt.

 

Gleichzeitig wurden wir informiert, nicht in den bereitstehenden Zug zu steigen, da dies nicht der unsrige sei. Wir würden weitere Informationen erhalten… So stellte sich heraus, dass der bereitstehende Zug der verspätete Zug in eine andere Richtung war und vor 40 Minuten hätte abfahren sollen. Ein Lokdefekt war dafür verantwortlich, dass es zu dieser Verzögerung kam, und somit würde auch unser Zug zu spät abfahren. Die geschätzte Kundschaft wurde aber nicht über eine Verspätung informiert, sondern darüber, dass unser Zug “re-timed” wurde. Und zwar von 11:40 auf 12:30. Somit fuhren wir trotz Verspätung pünktlich in Porthsmadog ab. Ich werde mir dieses Vorgehen merken und mal mit einem verspäteten Zug in der Schweiz ausprobieren…

 

Die Fahrt führte uns durch das wunderschöne walisische Hochland nach Ffestiniog. Für diese Fahrt gönnten wir uns erste Klasse in wunderschönen Sesseln. Wobei der Kodukteur darauf verzichtete, den Zuschlag von uns zu verlangen, wohl wegen der Verspätung eeee des re-timed Zuges. Die Fahrt nach Ffestiniog und zurück war abwechslungsreich. Die Lokomotiven und die Wagen werden von den Volunteers der Bahn gut in Schuss gehalten, und die glänzenden Stellen werden noch und nöcher gepützelt.

Als wir in Porthsmadog ankamen mussten wir feststellen, dass dank der Verspätung des re-timing wir zeitlich so dumm drin waren, dass es nun für überhaupt keine Bahnreise mehr reichte. So musste Plan C dranglauben: eine Fahrt zum längsten Bahnhofnamen der Welt. So konnte ich wieder einen Weltrekord abhaken, denn wir fuhren nach Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch.

Hier hat die walisische Sprache also noch einen draufgesetzt… (Wikipedialink hier) Es verwundert nicht, dass dieser Ort (welcher übrigens Städtepartnerschaften mit dem holländischen Ee und dem französischen Y hat…) eine unglaubliche Touristenattraktion ist. So kommen x Busse an, damit man sich mit dem Schild am Bahnhof fotografieren kann…

Den Tag schlossen wir mit einem feinen Znacht in einer Strandbeiz in Llandudno ab.

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Dienstag, 15. Mai 2012: Die walisische Sprache ist anspruchsvoll

Um 8:00 wurden wir sanft getötet. Das ist dem Handy von Woody zu verdanken, welches als Weckton “Killing me softly” abspielt. Nach der Morgenwäsche und dem packen des Koffers ging es zum Frühstück. 9:00 is breakfast-Time, nicht früher. Dafür wurden wir mit einem english breakfast beschenkt, welches alle Köstlichkeiten der englischen Küche zu präsentieren wusste: Böhnchen, Spiegelei, Speck, Würste und Toast. Beim Auschecken erfuhren wir, dass wir momentan die einzigen Gäste im Hotel waren. Aber im Sommer sind sie schon ausgebucht!

Der Stadtbus brachte uns zum Flughafen bzw. in die Nähe desselbigen. Die öV-Anbindung des Blackpooler Flughafens ist alles andere als optimal. Da wird sich wohl die Taxi-Vereinigung mit Erfolg gegen eine Verbesserung des Bus-Angebotes gewehrt haben… Am Flughafen haben wir bei AVIS unseren Mietwagen abgeholt. Es handelte sich um einen Peugeot 207. Aber irgendwas fehlte dem Franzosen. Das Steuerrad! Woody hat aber eine grosse Erfahrung im Fahren von andersgestrickten Autos und kann diesbezüglich schon Hunderte von Meilen vorweisen. So übe ich mich als Beifahrer, Kartenleser, Linksvortrittbeobachter und Radiosenderauswähler und lasse den Woody fahren.

Wir fuhren über die Autobahn Richtung Süden, liessen Städte wie Liverpool und Manchester rechts und links liegen und fuhren Richtung Wales (Wahlspruch: “Y Ddraig Goch ddyry cychwyn” – Der rote Drache rückt vor). Alle Schilder sind in Wales einerseits englisch aber auch walisisch angeschrieben. Und wenn man diesen Text genauer anschaut kann man sich vorstellen, das walisische Geschäftsbriefe in Word wohl dauernd rot unterwellt sind – oder die Rechtschreibeprüfung ist ausgeschaltet…

Wir fuhren immer tiefer in die bergige Gegend von Wales. Porthmadog war unser Etappenort und dort wollten wir mit der Ffestiniog Railway nach Ffestiniog fahren. Leider rechte es zeitlich nicht, den Zug zu erwischen. Und da auf dieser Strecke auch nicht grad ein Halbstundentakt als Grundangebot gilt, schauten wir einen kurzen Moment ein bisschen belämmert aus der Wäsche.

Plan B war jedoch schnell zur Stelle: die wunderschöne malerische Strecke am Folgetag bereisen und dafür heute den uns entgangenen Zug mit dem Auto einholen und ein paar nette Bilder dieses Zuges schiessen. Gesagt – getan. Und so begleiteten wir den Zug auf seiner Fahrt nach Ffestiniog und schossen hier und da ein paar Bilder. Auch ein Halt im Bahnhof von Festiniog lag drin und dort konnten wir uns davon überzeugen, dass hier die Liebe zum Detail wirklich innigste gepflegt wird. So bleibt uns die Vorfreude auf die Fahrt am morgigen Tag!

Die Weiterfahrt zu unserer “Wales-Basis” in Llandudno führte uns durch eine malerische Gegend mit vielen Schafen. Mich dünkt, dass sich die Macher von “Shaun the sheep” hier inspirieren liessen…

Das Hotel in Llandudno ist wunderbar und an der Reception versprachen sie uns sogar eine “Guten Schlaf-Garantie”. We will see… Gute Nacht!

 

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Montag, 14. Mai 2012: very British

Heute startete ich mit dem Chefredaktor des Partnerblogs zur schon traditionellen Auffahrtsreise. Woody ist öfters on tour, und dieses Mal ging es mit mir im Schlepptau in Richtung England. Unser Weg führte uns zuerst nach Genève, wo es als erste Etappe nach Dublin ging. Am Flughafen behaupteten sie, wir fliegen mit “Ech Längüs pour Dübläh”, wir haben aber “Air Lingus pour Döblin” gebucht. Je nu, sie werden es schon wissen, wo wir durch müssen.

Das grüne Flugzeug startete fast pünktlich in Genève, flog einen Moment über den Genfersee und bog dann links ab Richtung Frankreich. Der Flug verlief ruhig und pünktlich landeten wir in Dublin.

Der Flughafen in Dublin ist sehr modern und die Leute, die wir dort trafen alle sehr freundlich. Auch bei der Einreise und bei der Sicherheitskontrolle für den Weiterflug trafen wir nur nette Leute, so dass zu keiner Zeit Stress oder Hektik aufkam. Und wenn ich das Wort “nett” in Zusammenhang mit Einreise und Sicherheitskontrolle bringe, dann will das was heissen…

Die Zeit vor dem Weiterflug nach Blackpool reichte sogar noch um ein Mittagessen zu geniessen und dabei lernten wir wieder was: die irische Währung ist nicht das irische Pfund, nicht das britische Pfund und auch nicht eine Währung mit irischem Namen, den man nicht aussprechen kann, sondern der Euro €.

Anschliessend ging es mit einer kleinen Propellermaschine (einer ATR 42, für die Experten unter den Lesern), übers Meer nach Blackpool. Der Flugplan sieht 45 Minuten vor, wovon total wohl 20 Minuten taxiing auf den Flughäfen waren.

Der Flughafen Blackpool ist in Etwa vergleichbar mit dem Flughafen Bern Belp vor 20 Jahren. Vieles machte einen provisorischen Eindruck und die Gepäckausgabe befand sich in einem Zelt. Den Bus ins Zentrum fanden wir nicht, so nahmen wir ein Taxi. Wir erwischten eines der Kategorie “London Taxi” und die Fahrt ins Zentrum zu unserem Hotel dauerte etwa 10 Minuten. Der erste Endruck von Blackpool war, dass die Stadt total heruntergekommen ist auch schon bessere Zeiten gesehen hat. Unser Hotel, das Stratten, war früher wohl auch mal ein Spitzenhotel, welches vielleicht einen Neubau mal eine Auffrischung nötig hätte. Das Zimmer bot Sicht aufs Meer und genügte für eine Nacht ganz gut.

Nachdem wir das Zimmer bezogen hatten, machten wir uns grad auf die Socken. Wir kamen ja nach Blackpool, um die bekannten historischen Trams zu sehen. Hier sind nebst doppelstöckigen Trams auch offene Cabrio-Trams im Einsatz. Vor Ort erfuhren wir nun, dass seit dem 4. April 2012 der ganze Regelverkehr mit brandneuen Trams von Bombardier abgewickelt wird. Die historischen Trams, wegen denen wir nach Blackpool kamen werden nur noch an Wochenenden und während den Sommerferien aus dem Depot gelassen… Schade – aber ein Grund, wieder einmal hier vorbei zu schauen…

Trotz den neuen Trams liessen wir es uns aber nicht nehmen die ganze Linie von Star Gate nach Flintwood Ferry abzufahren. Diese Fahrt dauert gemäss Fahrplan 63 Minuten. Fast eine Kunst ist es, Fahrausweise zu kaufen. Diese findet man nur an ausgewählten Kiosken, oder man kann die Fahrausweise gegen Zuschlag im Tram kaufen. Also keine Automaten, nix dergleichen. Und jedes Tram ist mit einem oder zwei Kontrolleuren begleitet. Diese führen die Kontrolle der Fahrausweise durch und verkaufen sie auch bei Bedarf. Sie sind die gute Seele auf den Trams und wissen fast alles. Ausser man stellt sehr schwierige Fragen, wie ich es wagte. Ich wollte wissen, wie viel schneller die neuen gegenüber den alten Trams seien. Die Kontrolleurin wusste dies nicht, schliesslich hat man mit der Inbetriebnahme der neuen Fahrzeuge auch grad vom imperialen zum metrischen System gewechselt, dh von Meilen auf km/h. Das auszurechnen benötigt ja schliesslich die Rechenkraft eines mittleren Grosscomputers… Wobei der Strassenverkehr imer noch mit Meilen “abgerechnet” wird… Wir fuhren also bis zur Endstation und stiegen dort in einen Bus um, welcher uns auf anderer Route wieder nach Blackpool brachte. Wie so oft in Enland hatten wir einen Doppelstöckerbus und das Glück wollte es, dass die Plätze oben ganz vorne frei waren, so konnte Woody schon mal in der Theorie üben wie es ist links zu fahren. Die Praxis kommt dann morgen mit der Übernahme des Mietwagens.

Auf der Rückreise machen wir noch einen kleinen Halt beim Bahnhof Blackpool North, welcher aber nicht so interessant ausfiel: in England ist es so, das man nicht einfach aufs Perron kann um Züge anzuschauen. Zugang hat man nur mit einem gültigen Billett, sonst bleibt man wie wir draussen vor der Sperre. Ein Plakat liess die Reisenden wissen, dass für Samstag, den 19.5. bereits alle Zuge ausverkauft seien. Wir fragten den Grund und erfuhren, dass der Blackpool FC am Samstag im Wembley-Stadion in London sein Spiel um den Auftieg in die Premiere League hat.

Die Jagd nach dem Nachtessen war intensiv. Dutzende von Fish&Chips-Läden waren anzutreffen, aber wir hatten Lust auf was anderes. Nach einem längeren Marsch im sehr kalten Meerwind fanden wir was, das uns passte. Der Rückmarsch zum Hotel war ebenfalls eine erfrischende Angelegenheit, aber wir konnten so noch den Sonnenuntergang anschauen.

Vor ein paar Wochen habe ich auf dem Unterschichtensender RTL2 eine Reportage über Blackpool gesehen. Es sei die absolute Partystadt – die dazu gezeigten Bilder sprachen Bände und können mit Worten nicht wiedergegeben werden… Was wir nun angetroffen haben war genau das Gegenteil: viele geschlossene Restaurants und Läden und einfach keine Stimmung auf den Strassen. Irgendwie habe ich das Gefühl, momentan sei ich der Älteste hier in der Stadt…

Der Tag aus Woodys Sicht, Teil 1

Der Tag aus Woodys Sicht, Teil 2

Der Tag aus Woodys Sicht, Teil 3

 

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Samstag, 31.03.2012: Abreise

Heute waren wir früher wach als am Vortag. Und so waren wir schon vor neun unterwegs in die Stadt. Da Calgary auf rund 1000 Metern und auf einem nördlicheren Breitengrad liegt, kann es vorkommen, dass es sehr kalt wird. Damit das Leben in Downtown trotzdem funktioniert, wurde das System +15 geschaffen. Dies sind gedeckte Verbindungen zwischen den Wolkenkratzern auf einer Höhe von 15 Fuss, also etwa 4,6 Meter über Boden, somit eigentliche Passerellen, welche die Strassen überbrücken. Diese +15-Wege ziehen sich durch alle Gebäude der Innenstadt und bilden so eigene Wege innerhalb der Stadt.

Dieses +15 haben wir nun an diesem Morgen ausprobiert und gelangten auf diesem Weg bis zum Calgary Tower. Diese Sehenswürdigkeit wurde Ende der 1960er Jahre gebaut und war damals das höchste Gebäude Calgarys. Heute verschwindet dieser Turm in den vielen Wolkenkratzern und hat seinen Toprang schon lange verloren. Trotzdem ist es möglich, von dort oben eine gute Sicht auf das Umland zu erhalten und so entschieden wir uns, nach oben zu fahren. Die Aussicht an diesem Tag war wirklich speziell schön und wir sahen die Rockies auf der einen und die Prärie auf der andern Seite.

Nach der genossenen Aussicht führen wir wieder auf Level Null und machten uns auf, ein passendes Frühstückslokal zu finden, welches wir in der 8th Avenue auch fanden. Im Lokal lag eine Sun auf, welche uns auf dem Titelbild die Nachricht eines Helikopterabsturzes mitteilte.

Das Studiums des Artikels zeigte uns schnell, dass die betroffene Firma genau die war, bei welcher wir am Vortag unsere Plätze bereits reserviert hatten – und die uns gesagt hatten, sie hätten da eine “Situation”… Wir waren uns bewusst, dass durchaus wir beide unter den four injured tourists hätten sein können oder sogar… Uns ist das Ganze irgendwie eingefahren und waren einfach nur froh, hier ein Frühstück essen zu können…

Bevor es ums Packen der Koffer ging, spazierte ich durch Downtown und liess mich von den wunderbaren Reflexionen der Wolkenkratzer inspirieren und machte ein paar Bilder. Das letzte Mal war ich vor 7 Jahren hier. Einige Ecken, speziell rund um die Schule, kannte ich gut, dann hatte es auch Gegenden, die sich so stark verändert hatten, das ich sie nicht mehr kannte.

Nach dem Packen der Koffer fuhren wir zum Flughafen und gaben den Mietwagen ab. Es sind doch einige Kilometer auf den Zähler gekommen, in etwa mehr als 2500 km. Aber wie man so schön sagt: die Kilometer in Nordamerika sind einfach zu fahrende Kilometer…

Flug KL678 hob pünktlich ab, startete gegen Süden und machte dann eine wunderschöne Rechtskurve um Downtown herum. So konnte ich auch noch einmal visuell von einer meiner Lieblingsstädte Abschied nehmen…

 

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Freitag, 30.03.2012: “We have a situation”

Heute war der letzte Spieltag auf unserer Sportreise: die Calgary Flames empfangen die Colorado Avalanche. Unser Programm während des Tages war am Vorabend noch unklar. Bei schönem Wetter wollten wir einen Helikopterflug in die Rocky Mountains machen, bei Schlechtwetter einen Stadtbummel mit Zoobesuch. So liessen wir uns Zeit mit dem Aufstehen und konnten zwischen den Wolkenkratzern sehen, dass das Wetter gut ist. So haben wir einer Helifirma telefoniert, deren Prospekt wir vor ein paar Tagen mitnahmen und haben für 13:30 einen Rundflug gebucht. Anschliessend ging es zum Frühstück und auf der Fahrt nach Kananaskis, der Abflugort des Helis, machten wir einen Abstecher zum Future Shop, wo sich Roli noch eine kleine Digicam kaufen wollte. Durch diesen Abstecher und wegen des dichten Verkehrs verzögerte sich unsere Fahrt und die Zeit 13:30 war nicht mehr zu halten. So riefen wir von unterwegs die Helifirma an und kündigten unsere späte Ankunft an. Rasch nahm jemand ab und wir wurden weierverbunden. Hier mussten wir fast 2 Minuten warten bis wir eine Antwort erhielten, und uns wurde mitgeteilt, dass wir nicht mehr kommen sollen, da für heute alle Flüge abgesagt wurden. “We have a situation”, liess man uns wissen. Die ganze Absage fanden wir äusserst billig und waren genervt. Wenn wir nicht angerufen hätten, wären wir für nix die 80 km gefahren. So riefen wir einen alternativen Anbieter an, der uns aber mitteilte, dass heute wegen Schneefall nicht geflogen werden kann. Das Wetter in Calgary war zwar gut, aber gegen Westen konnte man dichte Wolken entdecken. Somit war nix mit Helifliegen und wir entschieden uns spontan für eine Shopping-Tour im Chinook-Shopping-Center.

Nach dem shoppen ging’s direkt zum Spiel. Interessant zu sehen, wie unsere BAERTSCHI-Shirts Aufsehen erregen. Sofort ergab sich mit dem Platzanweiser ein Gespräch, er habe uns schon vor zwei Tagen am Spiel gesehen. Ja und der Bärtschi ist gut und der wird mal ein Star und er ist schon sehr reif und die Lobeshymnen wollten nicht aufhören…

Das Spiel war recht gut, obschon die Flames 1:4 verloren. Nun sind die Chancen auf die Playoffs dahin und wir werden wohl einige Flames-Spieler für Team Kanada an der Eishockey-WM sehen. Sofern sie nicht froh sind, diese Saison nicht mehr spielen zu müssen und sich bereits innerlich auf “Golf” eingestellt haben. Oder sie lassen sich beraten, wie sie ihre Millionen, welche sie dieses Jahr verdient haben, am sinnvollsten anlegen…

Nach dem Spiel gingen wir in die 17th Avenue, wo jeweils in verschiedenen Lokalen ein post-game-hangout zelebriert werden kann. Wir gingen ins Melrose und liessen es bei einem Bier bewenden und fuhren anschliessend ins Hotel.

 

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Donnerstag, 29.03.2012: Nie ohne Seife waschen

  • Nie
  • Ohne
  • Seife
  • Waschen

Dies ist die Eselsbrücke, um die 4 Himmelsrichtungen in die richtige Reihenfolge zu bringen.

Nachdem wir von Calgary aus nun schon im Süden (Vulcan), im Westen (Banff, Lake Louise) und im Osten (Drumheller) waren, ging es heute in Richtung Norden. Die Hauptstadt Albertas, Edmonton, war das Ziel der Reise, genauer gesagt die West Edmonton Mall, bis 2004 das weltgrösste Einkaufszentrum, seither Nordamerikas grösstes Einkaufszentrum.

Wir haben unserenLäden inspiziert

Folgende Rekorde hat die WEM:

  • weltgrösster Indoor-Freizeitpark
  • weltgrösste Dreifach-Indoor-Looping-Achterbahn
  • weltgrösster Indoor-Fluss
  • weltgrösste Parkfläche
  • weltgrösster festinstallierter Indoor-Bungeejumping-Turm
  • weltgrösstes Wellenbad

Dies sind wohl Gründe genug, die lange Fahrt nach Edmonton auf sich zu nehmen.

Nach der Ankunft schmissen wir uns grad ins Shopping-Getümmel. Und einmal mehr musste ich feststellen, dass man nich einfach gemütlich stöbern kann, sondern man wird laufend vom Personal mit Floskeln (“Hi how are you doing today?”) und unnützen Infos (“The summer-collection arrived yesterday”) zugedröhnt. Fragt man dann was Konkretes, ist die Antwort oft “I don’t know” oder “I’m not sure”. Man muss das einfach wissen und an sich abprallen lassen :-)

Nach dem shoppen gingen wir noch essen und fuhren in Nacht hinein Richtung Calgary. Und plötzlich werden einem wieder einmal die grossen Distanzen in Kanada bewusst, wenn das Fräulein vom Navi sagt: “in 277 km turn right!”

 

 

 

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Mittwoch, 28.03.2012: Noch älter als die Steinzeit

Google sei Dank fanden wir ein ausgezeichnetes Frühstücksrestaurant, locally owned, um den Tag zu starten. Ein bisschen befremdend war für mich, dass wir das Menü bei der Serviertochter bestellt haben, gebracht hat es jedoch der Koch (das ist ja kein Problem, aber…), der uns auf deutsch angesprochen hat mit “für wen ist Ei mit Schinken?” Ich war recht perplex und antwortete “das auf dem Teller ist Speck, kein Schinken”. Ein richtiger interkultureller Kontakt kam Leider nicht zustande und so quält mich noch jetzt die Frage, warum wir auf deutsch angesprochen wurden. Ist unser english so mies, dass man den Kuhschweizer in uns direkt anhört? Schon gestern in der Spaghetti Factory hat uns Debora gefragt (auf englisch), woher wir kommen. Da erinnere ich mich gerne an einen Moment vor 7 Jahren, als mir ein Kanadier sagte, dass ich einen Akzent habe, wenn ich englisch spreche und er vermute, ich sei Frankokanadier. Damals platzte ich fast vor stolz, über diese Feststellung. Nun scheint es, dass von meinem Englisch nicht mehr viel übrig geblieben ist. Muss wohl wieder mal einen Sprachaufenthalt machen…

Wir fuhren heute ostwärts in die Region von Drumheller. Diese Gegend ist bekannt für die interessanten geologischen Formen und die vielen Dinosaurierfunde. Für die Fahrt dorthin wählten wir nicht den schnellsten, sondern den interessantesten Weg. Und der führte uns über Nebenstrassen, er war manchmal geteert und manchmal geschottert, aber er hat auf alle Fälle viel geboten. So zum Beispiel das 300 Einwohner-Dorf Rosebud: diese Ortschaft hat eine Oper (wir wissen nicht, ob die Bezeichnung “Oper” in unserem Sinn verwendet wird, oder ob es sich um eine Liebhaberbühne handelt).

Und uns hat dort auch die Ansammlung von Trucks beeindruckt. Wir konnten aber keinen Grund für diese Ansammlung ausmachen, sahen keine Dorfbeiz und keine Viehversteigerung. Ein Rätsel mehr am heutigen Tag.

Als wir in Drumheller eintrafen, fuhren wir das Tal des Red Deer Rivers runter bis zur Atlas Cole Mine, welche bis 1959 Kohle förderte. Sie ist heute ein Touristenort, wo man auf Führungen in die alte Zeit des Bergbaus abtauchen kann. Natürlich nur während der Saison, die in dieser Gegend etwa von Mai bis September dauert. Somit konnten wir nur gute Miene zur alten Mine machen und umkehren.

Der Weg führte uns zu den Hoodoos, welches Gesteinsformen sind die über die Jahrtausende durch die Erosion entstanden sind, und ins Zentrum Drumhellers, wo der weltgrösste Dinosaurier steht.

Dort kann man innen über eine Treppe rauf und zu seinem Mund rausschauen (nein, für sowas waren wir nicht zu haben…).

Danach besuchten wir das Royal Tyrell Museum, wo die Dinosuarierfunde ausgestellt und dokumentiert sind. Die Art und Weise wie sich dieses Museum präsentiert ist sensationell. Da stehen wirklich Dinosaurierskelette zusammengesetzt in voller Grösse und man kann gut einen Vergleich zur eigenen Grösse machen. Auch interaktiv ist das Museum auf dem neusten Stand.

Auf Nebenstrassen fuhren wir Richtung Calgary. Die Strassen in der Prärie sind oft schnurgerade und so brachten wir es fertig, 85 km zu fahren ohne am Steuerrad zu drehen.

In Calgary angekommen machten wir uns bereit, das zweite Spiel der Flames zu sehen, dieses Mal gegen die Los Angeles Kings. Die Geschichte dieses Spiels ist schnell erzählt: die Kings mit flotten Kombinationen und mit einem interessanten Spielsystem, die Flames spulten ihr Programm ab und wirkten recht uninspiriert. 0:3 für die Kings war das logische Resultat. Es war ein schlechtes Spiel und das viele Geld nicht wert. Es gab off the ice zwei Ereignisse, welche uns noch länger als das Spiel in Erinnerung bleiben:

Wir sahen einen älteren Herrn in einem Dress von Fribourg Gottéron. “Heschù gwüsst dass ihr d Sesong scho fertig hit?” war der einzig richtige Satz eines Berners in dieser Situation, der aber nicht verstanden wurde. Aha, ein Welsch-Fribourger also: “Wotr sesong e descha termine nes pa?”. Die Reaktion des äusserst bierseligen Gottéron-Fan war ein “I can’t understand you.” So stellte sich heraus, dass der Mann ein Kanadier ist und sie jährlich nach Bern kommen um Senioren-Eishockey zu spielen. Und dass der Bärenpark schön ist und Wengen und das Matterhorn. Und das Dress haben sie geschenkt erhalten…
Die zweite Situation hatten wir den beiden Flames-Jerseys mit der Nummer 47 und dem Namen BAERTSCHI zu verdanken.
-Hi, warum trägt ihr beide BAERTSCHI-Jerseys?
-Wir sind aus der Schweiz, drum.
-Oh, ihr seid eine Familie
-Ja, wir sind Brüder
-Brüder? Er ist ja viel jünger, etwa der Sohn?
-Nein, wir sind Brüder, BAERTSCHI kennen wir nicht
-Äh, ok, bye, have good night
-Yes, you too

Sprachen muss man eben können :-)

 

 

 

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Dienstag, 27.03.2012: Ab in die Berge

Am Morgen lag in Calgary kein Schnee. Das Wetter war nicht so gut, recht bedeckt. Trotzdem entschieden wir uns, Richtung Westen in die Rocky Mountains zu fahren.

So bogen wir auf den wir auf den Highway #1 ein, welcher ganz Kanada von Ost nach West verbindet und fuhren vorerst nach Canmore. Dort kehrten wir ins Restaurant The Wood ein. Dieses Restaurant kannte ich von früher, da ich schon mal mit Bettina dort eingekehrt bin. Von damals wusste ich, dass man ein leckeres Frühstück in eine schönen Atmosphäre geniessen kann. Und ich konnte zufrieden feststellen, dass auch dieses Mal die Restaurantauswahl gepasst hat und wir so einen wunderbaren Start in den Tag hatten.

Nachdem wir gegessen hatten fuhren wir über den alten Highway durch die Wälder Richtung Lake Louise. Die Strasse war teilweise noch schneebedeckt, ein Zeichen, dass es halt doch ziemlich geschneit haben muss in den letzten 24 Stunden. Und als wir über die alte Strasse fuhren hat sich auch das Wetter gebessert. Sehr wechselhaft immer noch, aber die Temperaturen gingen nach oben und teilweise konnten wir die Sonne und blauen Himmel sehen. Weil wir schon dran waren, zogen wir es grad durch und fuhren bis zu den “Spiral Tunnels“, den Kertunneln am Kicking Horse Pass den Canadian Pacific Railroad. Diese Tunnel sind ein absoluter Blickfang und lohnen einen Umweg. Sie wurden gebaut, um das Gefälle der Bahnstrecke zu verringern.

Wenn nun einer der langen Güterzüge durch diesen Tunnel fährt, sieht man vom Aussichtspunkt aus, wie oben der Zug in den Tunnel fährt und nach einer gewissen Zeit wieder unten zum Vorschein kommt. Oben fahren die restlichen Wagen des Zuges aber immer noch in den Tunnel. Man sieht also den Zug gleichzeitig in den Tunnel fahren und auch wieder rausfahren. Um dieses Spektakel zu sehen, hat man an dieser Stelle einen grossen Parkplatz mit Aussichtstribüne gebaut. Als wir nun dort ankamen mussten wir feststellen, dass der ganze Parkplatz noch unter Schnee lag und eigentlich nicht zugänglich schien. Roland, erfahrener Allrad-Fahrer, war anderer Meinung und nach einer längeren Diskussion über Fahrbarkeit oder nicht Fahrbarkeit probierten wir es aus und wir standen plötzlich mit dem Auto auf dem Parkplatz. Der Weg zum Aussichtspunkt ermöglichte es uns, die Wasserdichtigkeit der Schuhe zu testen, was positiv ausfiel. Einzig der Schnee, der sich zwischen Schuhrand und Socken zwängte, war nicht so praktisch. Der Abstecher lohnte sich und nach kurzem Warten sahen wir das Kehrtunnelspektakel live. Und rausfahren vom Parkplatz konnten wir auch wieder – problemlos…

Wir fuhren nun nach Lake Louise wo wir zu ebendem See gingen. An diesem See befindet sich auch ein Hotel, welches vor Jahrzehnten die Bahngesellschaft bauen liess, um Touristen in die Rocky Mountains zu bringen. Der See war gefroren uns schneebedeckt, aber die ganze Szenerie bei nun wunderbarstem Wetter war natürlich sagenhaft.

Von dort brachte uns unsere Reise nach Banff, für mich ein bisschen das Interlaken Kanadas. Nichts besonderes eigentlich, aber man geht hin. Wir assen was kleines und schauten uns (von aussen) das Banff Spring Hotel an, welches aus den gleichen Gründen wie das in Lake Louise gebaut wurde.

Danach fuhren wir Bei bestem Wetter auf dem alten Highway zurück nach Calgary und hatten das Glück, unterwegs noch ein paar Rocky Mountain Sheep zu sehen. In Calgary gingen wir in die Old Spaghetti Factory Nachtessen. Dabei stellte sich heraus, dass unsere Bedienung Debora vor 17 Jahren aus dem Raum Zürich mit den Eltern nach Calgary ausgewandert ist. Ich konnte mich aber nicht daran erinnern, sie einmal in einer Auswanderersendung auf RTL2 gesehen zu haben.

 

 

 

 

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Montag, 26.03.2012: Ein ausgefüllter Montag

Gemäss Wetterbericht, den ich in der Schweiz noch gesehen habe, hätte es heute bedeckt bei etwa 5 Grad sein sollen. Es hat aber leicht geschneit und eine Unwetterwarnung für Calgary prophezeite bis 5 cm Neuschnee.

Nach dem Aufstehen gingen wir in ein Kettenrestaurant und assen ein traditionell kanadisches Frühstück, welches ausgezeichnet mundete. Danach gingen wir zum Stadion, da wir noch die Karten fürs heutige Spiel abholen wollten. Dabei gelang es nach einem ca 40 minütlichen Aufwand des Ticketschalters, dass wir unsere Karten umtauschen konnten und nun Plätze erhielten, die nebeneinander waren.

Danach führte uns die Fahrt südwärts nach Vulcan. Dieser Ort, der seit seiner Gründung so hiess, liess sich marketingtechnisch was spezielles einfallen: sie erklärten den Ort zur Heimat der Vulkanier und somit zur Pilgerstätte aller Star Trek-Fans. Die Tourist-Office zum Beispiel ist in einer “Raumstation” untergebracht und überall im Städchen findet man Erinnerungsstücke an die Serie. Unser Gang ins Tourist-Office war spassig: wir hatten die Möglichkeit in die Kleider der Crew von Raumschiff Enterprise zu steigen und uns vor der Kulisse der Kommandobrücke ablichten zu lassen. Natürlich flankiert von Karton-Kapitän Kirk und Karton-Mr. Spock. Alternativ hätten wir uns auch noch die Ohren von Mr. Spock anziehen können, aber leider war unsere Grösse nicht vorhanden…

Nach diesem Abstecher in die Science-Fiction-Welt fuhren wir nach Lethbridge, wo gestern Sonntag die Schweizer Curling-Damen an der WM Gold gewonnen hatten. Speziell an diesem Ort ist eine grosse Eisenbahnbrücke, welche 100 Meter hoch und 1,6 km lang ist. Die Brücke ist äusserst spektakulär und war einen Stop wert. Vor ein paar Wochen entgleiste ein Zug auf der Brücke und 4 leere Getreidewagen fielen von der Brücke runter. SOLCH ein Spektakel gibt es natürlich nicht alle Tage, wir sahen nicht mal einen Zug…

Auf der Rückfahrt sahen wir eine ähnliche Brücke wie die in Lethbridge, nur dass sie in den Dimensionen kleiner war. Und wir sahen einen Zug, der auf diese Brücke zufuhr und wir mussten uns sputen, um den Zug fototechnisch so gut platziert zu sehen, damit es ein schönes Train-Spotting-Bild gab. Der Zug wurde vor der Brücke angehalten und die Lokführer erklärten uns, dass sie etwa 10 Minuten warten mussten, bis sie wieder Richtung Süden fahren konnten. Des Zeit reichte gut, um uns in Position zu bringen und nach Abfahrt des Zuges ein Bild “Zug auf Brücke” zu schiessen. Meine kleine Eisenbahnerwelt war somit in Ordnung…

Gegen 18:00 Uhr trafen wir in Calgary ein und wir fuhren direkt zum Stadion. Als wir sahen, dass wir praktisch die Einzigen waren, welche ohne Fanshirt unterwegs waren, entschlossen wir uns, ebenfalls ein solches zu kaufen. Wir liessen es uns nicht nehmen, den Namen “Bärtschi” draufnähen zu lassen. Dies war innert einer halben Stunde gemacht und wir konnten so in der grossen Masse der Fans untertauchen. Sven Bärtschi ist übrigens der kommende Star der Flames. Heute spielt er nach einem Gastspiel im Hauptteam wieder bei den Junioren. Nächste Saison wird er den Flames zeigen, wie gut Berner Eishockey spielen können. Das Spiel gegen die Dallas Stars begann für die Flames sehr schlecht, denn schon nach 26 Sekunden liess Goalie Kiprussoff einen harmlosen Schuss eines Dallasers passieren. Mit einem 1:1 konnte man in die erste Pause gehen und zu Beginn des 2. Drittels leuchtete nach 46 Sekunden wiederum die rote Lampe hinter dem Flames-Goalie… Das Spiel blieb spannend und Calgary konnte das Spiel 5:4 gewinnen. Es war ein wichtiger Sieg im Rennen um die verbliebenen Playoff-Plätze.

Auf der Fahrt ins Hotel schneite es. Aber 5 cm werden das nie und nimmer…

 

 

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Sonntag, 25.3.2012: YB auf nüchternen Magen

In letzter Zeit kann man sich YB ja schwerlich antun, schon gar nicht auf nüchternen Magen. Über einen IT-Kniff schaffte es Roland, dass wir auf seinem Laptop das Derby YB – Thun schauen konnten. Noch vom Bett aus erfreuten uns die Gelb-Schwarzen dieses Malmund besiegten die Oberländer gleich mit 4:0. Somit war nach dem Schlusspfiff auch unser Tag lanciert.

Wir starteten mit einem Frühstück bei der Kette Tim Hortons und machten uns dann auf den Weg Richtung Canada Olympic Parc, wo sich die Skisprungschanzen sowie die Bob- und Rodelbahn befinden. Wettermässig sprach nichts für einen Ausflug auf die Schanze und das Eis im Bobkanal war am abtauen.

So fuhren wir ins historische Städtchen Cochrane, wo wir im Saloon des Rockyview Hotels auf eine Cola einkehrten. Der Saloon war wirklich ein Lokal, wie man es aus Western kennt und wie man es sich vorstellt. Ein Billardtisch motivierte uns, wieder einmal eine Runde Billard zu spielen. Die Barmaid sah, dass ich so meine Schwierigkeiten hatte, den richtigen Betrag für den Einwurf zu bestimmen, so rief sie mir zu dass ich einen Loonie einwerfen kann. Ich bedankte mich artig für diesen Hinweis und fragte ein paar Sekunden später, wieviel denn so ein Loonie sei. Und nun weiss ich, dass eine 1-Dollar-Münze und ein Loonie identisch sind… Als ich nach dem Billard die beiden Colas bezahlen wollte teilte uns die Barmaid mit, dass sie uns diese offeriere. Keine Ahnung warum und wieso das so war…


Nach diesem Ausflug in die Western-geschichte fuhren wir zum Luft-fahrtmu-seum in Calgary. Die Aus-stellungs-objekte waren Flug-zeuge, die mehrheit-lich in den Weltkriegen eine Rolle spielten. Und die zwischen 80 und 100 jährigem Volunteers, welche einem die Exponate näher bringen wollten, waren wohl mal deren Piloten… Wir erwähnten, dass wir aus der Schweiz sind und an den Kriegen nicht beteiligt waren. Darauf meinte der Senior “so you missed all the action”…

Anschliessend fuhren wir zum Cross Iron Shopping Center, welches ein neuer Stern in der Soppingwelt ist. Wir waren immer noch auf der Suche nach einer SIM-Karte, damit wir über diese ins Internet können. Aber das war bis heute eine Fehlanzeige, denn keine Firma führt ein solches Angebot.

Dann ging es schon gegen Abend und wir verschoben uns zum Chinook-Center, wo wir im Joeys einkehrten. In diesem Retaurant war ich schon vor ein paar Jahren ein paarmal drin, nun wurde ich von Bettina mit einem Gutschein beschenkt, damit ich im Joeys essen gehen kann. Und es hat sich einmal mehr gelohnt, dort zu essen – lecker war es! Und von hier aus noch einmal ein grosses Dankeschön für den Gutschein :-)

Den Tag rundeten wir ab mit einem Kinobesuch. Der zur Zeit angesagteste Film ist “Hunger Games” und wir kriegten noch Tickets. Speziell ist, dass dieser im IMAX-Kino gezeigt wurde. speziell ist auch, dass wir den Film in der ersten Reihe anschauen mussten und auf Grund der hohen Leinwand diese Liegesessel waren. Speziell war, dass der Film sosolala war. Der Grund für diesen Filmerfolg erschloss sich bei mir nicht grad auf Anhieb.

 

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Samstag, 24.03.2012: Ab nach Cow Town

Tagwache war heute speziell früh, denn es galt, einen langen Reisetag in die 24 Stunden+ zu bringen. Um halb sieben fuhr pünktlich der IC ab Bern nach Zürich Flughafen und um kurz vor acht war ich schon im Flughafen. In der Schlange beim Check-in traf ich Roland, welcher es einige Minuten früher an den Schalter geschafft hat.
Wir konnten Business fliegen und so hatten wir die Möglichkeit, in der Lounge noch ein paar Momente zu verbringen, bevor wir dann mit der KLM unsere erste Etappe nach Amsterdam unter die Räder bzw Flügel brachten.
Am Flughafen AMS suchten wir wiederum die Lounge auf, welche so gemütlich war, dass wir ein bisschen die Zeit vergassen und im gemütlichen Laufschritt unseren Weiterflug erreichten.
Von Amsterdam bis Calgary hatten wir einen Airbus A330-200, welcher einen recht grossen Business-Bereich hatte. Die Sitze bzw Sessel sind recht bequem und können mittels Knopfdruck in jede erdenkliche Position gebracht werden. Das Menü konnte sich sehen lassen:
Vorab ein Makrelenfilet, danach Chicken mit Cashewnuss und Risotto und zum Dessert ein Früchtespiess. Dann kurz vor der Landung ein weiteres Häppchen. Und zwischen den Mahlzeiten konnten wir Filme schauen und sogar noch rund drei Stunden schlafen.

Pünktlich um 14:50 Ortszeit bzw 22:00 innerer Uhr sind wir in Calgary, oder eben Cow Town gelandet. Nach der Einreisekontrolle bezogen wir bei Alamo unseren Mietwagen, der sich als Mitsubishi Outlander herausstellen sollte und wir sind ins Zentrum zum Hotel Westin gefahren.

Unser Zimmer befindet sich im 7. Stock mit Sicht aufs nächste Bürogebäude. Nach dem auspacken der Koffer legten wir uns kurz hin – und der Schlaf übernahm rasch die Regie… Kurz nach 17 Uhr sind wir wieder erwacht und Richtung Chinook Shopping Center gefahren, wo wir was kleines gegessen haben. Viel Zeit hatten wir nicht, denn bereits heute stand die erste sportliche Betätigung auf dem Programm: das Spiel der Calgary Roughnecks gegen die Buffalo Bandits. Übrigens: die Sportart heisst Lacrosse und ist ähnlich dimensioniert wie ein Eishockeyspiel, nur dass man Turnschuhe trägt und sich auf einer Art Teppichunterlage wie im Tennis fortbewegt.
Das Spielgerät ist ein Stock mit einem Netz dran und damit probiert man den Spielball im gegnerischen Tor unterzubringen. Das Gänze erwies sich als äusserst schnelle und harte Sportart – attraktiv für die Zuschauer.

Nach dem Spiel gab es nur noch eines: ab ins Bett – gute Nacht…

Nachtrag: Calgary gewann das Spiel 17:6.

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Mittwoch, 10.8.2011: “Ab es Appezöll”

Ganz weit in den Osten der Schweiz sollte es heute gehen. Und zwar wollten wir das Haus, welches die Etikette der “Appenzeller“-Flasche ziert, mal live sehen. Das Haus befindet sich hinter Appenzell bei Wasserauen. Aber auch von dort geht es dann noch ziemlich steil und ziemlich lang bergauf, bis man am “Ort des Schnapses”  ist.

So fuhren wir also um 6:02 mit einem IC Richtung Zürich-St. Gallen. Nach Wasserauen hat man ab Bern alle 30 Minuten  eine Verbindung. In Gossau heisst es auf die Appenzeller Bahn umzusteigen. Da die Region vor einigen Wochen von schweren Unwettern heimgesucht wurde, konnten wir nur bis Herisau im Zug bleiben und mussten bis Urnäsch auf den Bus umsteigen. Dazwischen wurde an mehreren Stellen an der Strecke gearbeitet. Die grossen Arbeiten liessen schwere Schäden vermuten. Bis Mitte August soll der Zug jedoch wieder durchgehend fahren.

Um 9 Uhr waren wir in Wasserauen. Das Wetter war beständig – will heissen es war bedeckt, die Berge verhangen und kühl. Das war dann auch das Signal an uns, nicht grad loszuwandern, sondern schön sachte die Wirtschaft Appenzells kennenzulernen. So kehrten wir dann in der Alpenrose ein. Nicht, dass wir speziell auf Lieder von Polo Hofer stehen, aber das Lokal war praktisch das einzige in der Gegend.
“Dieser Tisch ist für unsere Stammgäste reserviert” stand unübersehbar auf einem Schild auf dem runden Tisch, wo der massige Aschenbecher steht. Wir setzten uns an den Tisch nebenan, am Stammtisch sassen zwei Stammgäste – Einheimische waren es. Und wenn man probierte zuzuhören, um zu erfahren was die Leute hier so bewegt, wurde enttäuscht: wir verstanden echt kein Wort der beiden Appenzöller – unglaublich dieser Dialekt (Beispiele hier und ein Video von Simon Enzler hier). Nun gut, wir wollten ja auch nicht fremde Völker aushorchen… Die Serviertochter aus der Alpenrose hat uns übrigens versprochen, dass nach dem Mittag das Wetter besser werden sollte. Recht hatte sie!

Nach der erforderlichen Stärkung machen wir uns auf den Weg. Die erste Etappe führte uns zum Seealpsee. Der See ist wunderschön gelegen und wenn es windstill ist, spiegelt sich die ganze Gegend im Wasser – unglaublich schön. Speziell auch war die Kuh auf der Weide, die dreifärbig war. Sie erinnerte irgendwie an eine Coupe Mocca, Vanille, Macchiato – ohne Rahm.
Wir entschieden uns, um den See zu laufen. Auf dem Wegweiser stand geschrieben “Seealpsee – rondom”. Wir wussten zuerst nicht, was ein Rondom ist, nahmen danach jedoch an, dass es sich hier um den Weg handelt, der RUNDUM den See führt. Da man auf zwei Wegen um den See gehen konnte (linksrum und rechtsrum), hatte es auch zwei Wegweiser. Rechtsrum dauerte die Wanderung 45 Minuten, linksrum 3/4 Stunden…

Nach dem Seealpsee begann dann der Aufstieg Richtung Aescher – Waldkirchli – Ebenalp. Der Aufstieg war recht steil und wir merkten, dass wir mittlerweile schon in dem Alter sind, wo man lieber aufwärts statt abwärts wandert…
Nach einiger Zeit erreichten wir das Gasthaus Aescher. Dieses Haus ist an den Berg gebaut und ziert seit ich denken kann die Appenzeller-Flasche. Der Ort ist ein Magnet für alle Wanderer und Naturbegeisterten und entsprechend bevölkert. Trotzdem fanden wir im Gasthaus noch einen Platz, damit wir dort was essen konnten. Das Hauptgericht in diesem Restaurant ist Rösti mit Beilage. Selbstverständlich assen auch wir Rösti. Mit dem Getränk experimentierte ich ein bisschen und bestellte ein Bier Panaché Flauder. Also statt mit Citro einfach Bier mit Flauder gemischt – was nicht mal so schlecht war.

Nach dem Essen verliessen wir den Aescher, nicht ohne zuerst noch ein paar Bilder gemacht zu haben. Unsere Kleider haben den Chäs-Rösti-Geschmack sehr gut angenommen. Für den Rest des Tages sollte uns also dieser spezielle Duft begleiten.
Ein paar Meter nach dem Gasthaus Aescher folgt das Wildkirchli, eine Kirche welche eine Höhle als Kirchenschiff benützt und vor der Höhle einen Glockenturm aufgestellt hat. Wiederum ein paar Meter weiter befindet sich ein Haus, wo über Jahre Eremiten gewohnt hatten. Heute befindet sich dort eine Ausstellung über Tiere, die vor xtausend Jahren in dieser Gegend gelebt haben.
Ab diesem Haus kann man nicht mehr der Felswand entlang wandern, der Weg führt nun durch eine Höhle und nach einigen Metern kommt man wieder ans Tageslicht. Von hier ist es nicht mehr weit bis auf die Ebenalp, von wo eine Seilbahn wieder nach Wasserauen führt. Ab Wasserauen nahmen wir wiederum den Zug Richtung zu Hause.

Es war eine wunderbare Wanderung in einer wunderbaren Gegend, die wir Berner viel zu wenig kennen. Es hat Spass gemacht und wir waren wohl nicht das letzte Mal dort.

 

 

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Dienstag, 9.8.2011: Wie tun es die Tiere?

Heute wollten wir mal richtig früh im Tierpark Dählhölzli sein, und den Tieren beim Aufwachen zuschauen. Wie läuft das bei Steinbocks mit der Morgentoilette? Was macht ein Waschbär nach dem Aufstehen? Alles Fragen, die wir uns beantworten lassen wolten.
Eigentlich wollten wir um 5 aufstehen (aber natürlich ohne Wecker…), um 6:15 war es dann tatsächlich so weit…

Huschhusch in den Tierpark, Parkplätze um diese Zeit kein Problem.

Die gefiederten Freunde waren noch am schlafen. Kopf unter den Flügeln, auf einem Bein. Diese liessen sich überhaupt nicht stören von menschlichen Zuschauern.

Gämsen und Steinböcke hingegen waren schon äusserst aktiv. Rauf auf den Felsen, wieder runter. Hier was essen, da ein paar Revierkämpfchen… Äusserst lustig, den Kerlchen zuzuschauen.

Einzelne Tiere wurden bereits gefüttert, so z.B. die Flamingos. Diese erhielten Pellets, die nicht sehr appetitlich aussahen, den Tieren aber zu schmecken schienen – sie stürzten sich förmlich darauf!

Nachdem wir den Tieren einige Zeit zugeschaut haben, begann es – wie so oft diesen Sommer – zu regnen. Wir gingen zum Auto und fuhren in den Breitenrain, wo wir in der Confiserie Praliné ein Frühstück nahmen. Nach dem kömerlen im Coop Breitenrain hatten wir noch den ganzen Tag für uns, den wir weiterhin genossen.

 

PS: dieses Jahr hat ja der Steinbock Paul noch eine gewisse Youtube-Berühmtheit erlangt. in dem er mit seinem Geweih – ach, seht selber…

YouTube Preview Image

 

 

 

 

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Montag, 8.8.2011: Lörrach liegt im Euroland

Wir hatten zu Hause noch ein paar starke (sprich teure) Euros, die wir in den Weltwirtschaftskreis pumpen wollten. Ein Ausflug nach Lörrach bot sich somit an.
Mit dem Zug nach Basel, und dort hat man einen guten Anschluss an die Wiesentalbahn, welche durch die SBB betrieben wird. In nicht mal ganz anderthalb Stunden ist man mit dem öV von Bern in Lörrach.
Es hat einen Karstadt, sogar einen Migros und jede Menge weiterer Geschäfte, die das Schweizer Portemonnaie jubeln lassen. Speziell Toilettenartikel und Artikel des täglichen Gebrauchs sind im Müller oder DM sehr preisgünstig zu erhalten.
Natürlich hat es auch etliche Restaurants, welche ein gutes Angebot zu günstigen Preisen haben.

Wer wie wir bei der Ausreise MwSt-Formulare vom Zoll zu stempeln hat, wählt bei Rückreise mit dem öV folgendes Vorgehen:

  • In Basel Bad Bf aussteigen
  • Gleich nach der Bahnhofunterführung zum Deutschen Zoll gehen und die Formulare dort abstempeln lassen
  • Beim Schweizer Zoll vorbeigehen und dort bei Überschreiten der Zollfreimenge die CH-MwSt bezahlen. Ist der Schalter nicht besetzt, unauffällig und zügig durchgehen
  • Ab jetzt ist die Weiterreise mit der Bahn ab Basel Bad Bf nicht mehr möglich, da man mit ausgeführten Waren nicht wieder in Deutschland einreisen darf. Und der Badische Bahnhof ist, obschon auf Schweizer Boden gelegen, deutsches Zollgebiet
  • Der Transfer zum SBB-Bahnhof ist mit der Buslinie 30 ohne umsteigen zwischen Bad und SBB-Bahnhof möglich. Wer kein GA hat, muss hier noch den Busbeförderungsobulus entrichten

Bei diesem Vorgehen verliert man rund eine halbe Stunde. Je nach eingekauftem Betrag kann sich dies aber lohnen.

 

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Samstag/Sonntag 6./7.8.2011: Der Schutzpatron von Glarus heisst Fridolin

Vor einigen Jahren hätten wir beinahe einen Stopp in Glarus – dem kleinsten Hauptort der Schweiz – gemacht. Aber eben: “hätten”.

Nun haben wir diesen Besuch nachgeholt. Mein Cousin Dänny war dieses Wochenende ebenfalls in Glarus, wo er seine Freundin Corinne besuchte.
Auf Grund des Wetterberichtes mussten wir annehmen, dass es bei Ankunft in Glarus massiv regnen wird. Aber nein: das schönste Wetter und angenehmste Temperaturen erwarteten uns. Wir waren quasi komplett overdressed und waren froh, dass unsere Unterkunft, der Glarnerhof, gleich gegenüber des Bahnhofs war.
Nachdem wir eingecheckt und uns im Zimmer breit gemacht hatten, trafen wir uns mit Dänny und Corinne zu einem Stadt bzw. Dorfrundgang mit anschliessendem Apéro bei Corinne.

Vor 150 Jahren ist die Stadt Glarus bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Dies wird aktuell auch ‘gefeiert’. In und um die Stadt finden verschiedene Events unter dem Motto “Glarus brennt” statt. So zum Beispiel hat es grad neben unserem Hotelzimmer ein Festzelt, welches grosse Unterhaltung bis in die frühen Morgenstunden erwarten lässt…

Nach dem Apéro gings mit dem Auto in die Höger. Die Region um Glarus ist uns absolut unbekannt und wir wussten überhaupt nicht was  das bedeutet, wenn das Nachtessen in der Schwammhöchi angekündigt wird. Mit dem Auto gings also auf enger Strasse obsi und nach einigen Minuten erreichten wir diese Schwammhöchi auf 1100 müM. Was wir dort zu sehen bekamen, hat uns fast der Atem verschlagen: die Aussicht auf den Klöntalersee ist schlicht obenuse! Eine klare 6.0 für diese Aussicht!
Und auch das Essen im Restaurant war gut!

Unser Entscheid, nicht draussen zu essen, hat sich als gut herausgestellt, denn es begann tatsächlich zu nieseln.
Nach dem Essen fuhren wir noch runter an den See. Dieses “sneak preview” hat Lust auf mehr gemacht, wir werden sicher wieder mal dorthin gehen!

Nach einem kleinen “Absacker” gingen wir zu Bett, die Party im Festzelt störte nicht zu sehr, da wir sehr müde waren.

Am nächsten Morgen gingen wir nach dem Frühstück ins Städtchen und machten einen Rundgang zur Bäckerei Gabriel, wo Corinne heute Sonntag Dienst hatte. Glarus hat übrigens sehr breite Strassen und breite Trottoirs. Die breiten Strassen wurden nach dem Brand so gebaut, um zu verhindern, dass künftige Feuer einfach so leicht von der einen zur andern Strassenseite übergreifen können. Und die Trottoirs braucht man, wenn  Landsgemeinde ist und die Zuschauer chriisdick stehen um der Regierung zuzujubeln (e si no e vero e ben trovato).

Übrigens: der Regen hat nun gnadenlos eingesetzt, auch mit Schirm wurde man komplett nass. Aus diesem Grund haben wir uns entschieden, die Heimreise vor 12 anzutreten. Bettina direkt, ich mit einem fussballtechnischen Abstecher via Luzern.

 

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Freitag, 5.8.2011: Auf Umwegen nach Hause

Heute war unser Abreisetag. Wir wollten jedoch nicht einfach so direkt nach Hause fahren, sondern vom Umstand profitieren, dass wir uns in einer Gegend befinden, in welcher man nicht alle Tage ist. Wir fuhren also mit dem Zug von Zuoz nach Zernez – eine Strecke, die wir mittlerweile schon gut kennen und schon ein paar Mal gefahren sind. Dort sind wir wiederum auf einen Bus umgestiegen. Dieses Mal jedoch nicht auf das Postauto, welches uns in den Nationalpark bringt, sondern in einen Bus der italienischen Firma Silvestri. Dieser fuhr im Auftrag von Postauto Schweiz von Zernez  nach Livigno und akzeptiert sogar das GA.

Die Route führte wie die Strecke der Postautos nach Müstair in den Nationalpark hinein. Bei Punt la Drossa zweigt die Strasse von der Nationalparkstrasse ab in einen Tunnel. Der Munt-la-Schera-Tunnel wurde in den 1960er-Jahren gebaut, um den Zugang zur im Bau befindlichen Punt dal Gall-Staumauer sicherzustellen. Der Tunnel ist einspurig und alle 15 Minuten gibt es einen Richtungswechsel. Zur Zeit kostet die Durchfahrt CHF 15.– pro PW, für Fahrgäste im Bus gibt es keinen Mehrpreis zu bezahlen.

In Livigno mussten wir rund 50 Minuten auf den Anschlussbus nach Pontresina warten. Wir nahmen uns Zeit, ein bisschen im Dorf zu schlendern. Livigno ist ein zollfreie Zone. Benzin ist rund 1.10 € “teuer”, ebenso werden im Dorf hauptsächlich Zigaretten und Elektronikartikel verkauft. Es hatte sehr viele Leute im Dorf, die herumschlenderten und paradoxerweise in der Fussgängerzone auch sehr viele Autos. In Italien sieht man die Thematik “Fussgängerzone” wohl ein bisschen offener als bei uns.
Livigno hat uns einerseits gefallen, da das ganze Dorf in einem ursprünglichen Stil erbaut wurde. Andererseits laden der ganze Autoverkehr und die Menschenmassen, die sich durchs Dorf zwängen auch nicht dazu ein, dieses Dorf ins Herz zu schliessen.
Wenn wir mal Zigaretten kaufen, gehen wir dorthin, sonst wohl eher nicht…

Wir fuhren mit Silvestribus weiter ab Livigno über den Pass Forcla di Livigno ins Berninagebiet und dann bis Pontresina. Dort hatten wir Anschluss nach Samedan, von dort nahmen wir den Zug über die UNESCO-Welterbe-Eisenbahnstrecke “Albula“. Die Strecke hat die Aufnahme in das UNESCO-Welterbe wahrlich verdient, sie ist schlicht sensationell: Brücken, Tunnel, Kehrtunnel… Oft weiss man gar nicht wo jetzt Norden ist…

 

Über Chur – Zürich erreichten wir am späteren Nachmittag unser zu Hause.

 

Diese Route wurde nur bis Zürich wiedergegeben, da im Zug von Zürich nach Bern kein Empfang aufs GPS möglich war (Doppelstockwagen).

 

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Donnerstag, 4.8.2011: Ab in den Nationalpark

Nach dem Frühstück verliessen wir unser Hotel und fuhren mit dem Zug bis Zernez. Dort wechselten wir auf ein schön gelbes PostAuto und fuhren Richtung Nationalpark. Die Bushaltestellen im Park orientieren sich an den Parkplätzen und so hiess unsere Station lediglich “P8″, mit dem Zusatz “Stabelchod”.

Wir waren die einzigen, die an dieser Haltestelle ausgestiegen sind und machten uns auf zur Wanderung zum Margunet. Der Weg führte durch einen wunderschönen Wald und war leicht ansteigend. Alle paar Meter wurde den Besuchern auf Schautafeln verschiedene Dinge der Natur erklärt. Praktisch jede Tafel hatte eine Version für Erwachsene und eine für Kinder. Wenn wir also die Erwachsenen-Verson nicht begriffen konnten wir uns an die Kids-Ausgabe halten… So lernten wir zum Beispiel den Unterschied von Arvennadeln und Föhrennadeln kennen (wer weiss spontan den Unterschied?). Oder wir können nun eine Liegeföhre aus dem ff bestimmen. Ja, so Aufenthalte im Nationalpark sind lernreich.
Nach einigen Minuten sind wir bei der Alp Stabelchod angekomen. Auf einer grossen Wiese befindet sich eine Alphütte, welche den Wildhütern als Unterkundft dient. Am Abend hat es auf dieser Alp viele Hirsche – wir sahen jedoch nur das, was der Hirsch ausscheidet…

Der Weg führte uns weiter in die Höhe. Wir wurden unterstützt von einem gedruckten Reiseführer und einerKarte. Beides wäre eigentlich gar nicht nötig gewesen, denn im Nationalpark hat man nicht viele Möglichkeiten sich zu verlaufen, da es jeweils nur einen Weg gibt – und diesen zu verlassen ist verboten.
Wir waren übrigens in dem Gebiet, wo mehrfach Bartgeier ausgesetzt wurden, wir sahen jedoch keinen. In dem Gebiet soll es auch viele Murmeltiere haben. Wir sahen jedoch keine, meinten sie jedoch zu hören. Im gleichen Gebiet soll es auch viele Hirsche haben – und wir sahen. Gämsen…
Speziell witzig war jeweils die Begegnung mit mit Feldstechern ausgerüsteten Touristen die rätselten, ob sie nun wirklich am gegenüberliegenden Hang einen Hirsch oder sogar einen Steinbock sehen. Ich machte mir dann jeweils einen Spass draus, den gegenüberliegenden Hang zu fotografieren und den kleine braunen Fleck auf dem Bild (was auch noch als Pixelfehler durchging) heranzuzoomen und den Feldstechern zu zeigen, dass es eine Gämse ist…

Gegen Mittag erreichten wir den Gipfel des Margunet auf 2328 müM. Dort machten wir einen Mittagsrast, bevor wir uns auf den Abstieg machten. Der gedruckte Reiseführer war übrigens in einer sehr blumigen Sprache geschriben. Da hatte es Sätze drin wie “In diesem Waldstück hören wir im Sommer gelgentlich das Betteln junger Sperber”, “Eichhörnchen huschen durch das Gewirr der graubraunen Äste oder keckern verärgert hinter einem Baum hervor” oder aber auch “Wr wandern einem murmelnden Bächlein entlang”. Romantisch, nicht? Man wähnte sich textlich ein bisschen in “Bauer, ledig, sucht…

Irgendwann waren wir wieder im Tal angekommen und wir liefen noch zur Bushaltestelle beim Hotel Il Fuorn. Schon bald fuhr das Poschi vor, welches uns nach Zernez brachte.

Der Besuch des neuen Nationalparkhauses war eher enttäuschend. Gratis kann man nur noch den Shop mit Karten, Büchern und Stofftieren besuchen, für die Ausstellung und die Videovorführungen muss man neu nun CHF 7 abdrücken.
Ein Besuch von Friedhof und Kirche rundete unseren Besuch in Zernez, dem Heimatoet von Bettina, ab. Die Rhätische Bahn brachte uns schnell und sicher wieder nach Zernez.

Am Abend konnten wir wiederum Gerbers treffen und assen gemeinsam Nacht in einer Pizzeria.
Auch heute hat uns der Regen wieder verschont.

 

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