Samstag, 19. Mai 2018: Ferien von den Ferien

Heute gehe ich in die Ferien. Ferien machen in den Ferien. Heute gehts in die Heimat. Nach Bern. Zu einem Ereignis, welches seltener stattfindet als die Landesausstellung. Genau: Ich werde an der YB-Meisterfeier anwesend sein!

Wie schon gestern hatte ich auch heute Besuch erhalten. Die drei Enten waren schon gestern bei mir und auch heute haben sie bei mir vorbei geschaut. Ob ich den besten Rasen auf dem Campingplatz habe?

Nach dem Frühstück packte ich die Koffer für die Reise in die Schweiz. Viel ist es ja nicht. Und den Camper habe ich bei dieser Gelegenheit auch ein Bisschen rausgeputzt. Ein bisschen Wörthersee schauen war auch auf dem Programm. Am frühen Abend dann der Transfer von Klagenfurt nach Villach. Den Camper liess ich auf dem Platz stehen, denn schon bald komme ich ja wieder zurück. Und die Kosten für den Stellplatz sind günstiger als den Camper in einem Parkhaus abzustellen.

Für die Fahrt zum Bahnhof leistete ich mir ein Taxi. Und hoppla Georges, was kam da? Tatsächlich ein Porsche Cayenne! Man weiss ja, dass die Leute in Klagenfurt (mit ihren Zweitwohnsitzen…) versnobt sind. Aber dass man einen Porsche als Taxi braucht, das habe ich noch nie erlebt. Übrigens, wer mal in Klagenfurt ist und mit dem Porsche mitfahren möchte: einfach die Nummer der Zentrale auf dem Auto anrufen und ausdrücklich den Porsche verlangen. Es gibt nur einen Taxiporsche in Klagenfurt. Aber, um es vornewegzunehmen, die Fahrt war unspektakulär. Es hätte auch ein Volvo oder ein Mercedes sein können 🙂

Mit dem Zug ging es nach Villach. Dort hatte ich genügend Zeit, um in der Innenstadt im Hotel Post zu essen. Dieses Lokal kenne ich von einer Auffahrtsreise vor vier Jahren mit Woody, Bettina war auch dabei. Das Wiener Schnitzel war lecker und ich war nahezu alleine im Lokal… 

Gegen 23:00 Uhr fuhr mein Zug nach Zürich. Nach etwa 25 Jahren fuhr ich das erste Mal wieder in einem Couchettewagen. Geschlafen habe ich nicht viel. Ob es wegen dem verminderten Komfort war oder wegen der Vorfreude auf YB – wer weiss…

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Freitag, 18. Mai 2018: Nichts, rien, nada. Fast.

Heute wollte ich mal nix machen. Also fast. Einfach mal die Stadt Klagenfurt, den Wörthersee, den Campingplatz, den Camper, das Buch und das Leben geniessen.

Ich war schon recht früh wach und fuhr mit dem Stadtbus, der beim Strandbad abfährt, ins Zentrum. In einem Café genoss ich das „Geniesser-Frühstück“, mit Käse, Schinken und Spiegelei (mit einem Tee für einmal. Aber Tasse haben sie mir keine gebracht. Oder doch? Siehe Bild rechts…).

Danach einen längeren Spaziergang in Klagenfurt, inkl. Bahnhof, noch ein Kafi und am frühen Nachmittag wieder auf dem Campingplatz. Das Wetter war nun nicht so überragend, positiv ausgedrückt würde man sagen „abwechslungsreich“. Einfach ein bisschen „sein“. Dann mal an den Wörthersee zum Eis.

Also für einmal kein spektakulärer Tag. Aber ein schöner.

 

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Donnerstag, 17. Mai 2018: Mir fehlen die Wörther…

Ich wusste, dass ich heute Morgen schon recht früh Action habe: 

  • Zuerst muss ich einchecken. Gestern war bei Ankunft die Reception noch nicht besetzt. Und bei Ankunft II nach dem Ausflug nach Graz nicht MEHR.
  • Um 7:30 Uhr kommt der Bäcker mit frischen Waren, den will ich nicht verpassen…

Ich erwachte früh genug, dass ich vor dem einchecken und dem Bäcker noch duschen konnte. Wunderbare Duschanlage! Dann Check-in und bezahlt. Um 7:38 Uhr vor ein Kastewagen vor, wendete und hupte. Voilà, klappt ja mit dem Bäcker! Mit frischen Semmeln gings anschliessend ans Frühstück, danach noch ein Bisschen im neuen Buch lesen, Blog schreiben und zwischendurch auch nichts machen und Sonne und Wärme geniessen (ja, das gab es nämlich wieder mal).

Am späteren Vormittag fuhr ich nach Graz. Zuerst fuhr ich ins Shopping Center Nord und kaufte mir bei Saturn einen mobilen WLAN-Router. In diesen steckte ich eine SIM-Karate von www.yesss.at. Ich kann in Österreich 9 GB für € 9.99 kaufen, davon kann ich 3 GB EU-weit inkl. Schweiz und Norwegen verwenden. Das sind andere Preise als die der Swisscom, wo man für 3 GB in Europa CHF 49.90 bezahlt… Nun habe ich eine österreichische Nummer, auf welche man mir SMS senden könnte…

Genau um 13:00 Uhr war ich beim Autohaus Kuss auf der Matte. Um 30 Minuten und €122 später war ich wieder unterwegs. Die haben das super gemacht! Also wirklich, ich kann nix sagen, sehr gute Arbeit!

Weiter gings nach Klagenfurt an den Wörthersee. Die „Südautobahn“ A2 ist die längste Autobahn Österreichs, sie führt von Wien über Graz und Klagenfurt bis zur italienischen Grenze bei Tarvisio und anschliessend als italienische Autobahn bis Udine. Diese Autobahn führt nun wirklich durch die Berge, teilweise war ich auf über 1000 müM hoch. Und dann war ich in Klagenfurt und fuhr direkt zum Strandbad am Wörthersee. Und dieser See ist wirklich hübsch. Touristisch, etwa die Grösse des Brienzersees. Aber hier lässt es sich leben Und der Campingplatz ist auch ordentlich und gleich neben dem Strandbad gelegen… Hier bleibe ich nun einen Moment lang.

 

Klagenfurt ist mit dem Rad sehr einfach zu erkunden. Und heute fuhrt ich mit dem Velo ins Uni-Quartier wo ich beim Uni-Wirt zNacht gegessen habe. Sie haben im Restaurant zwei TV: auf einem lief SWE-LET, auf dem anderen FIN-SUI. Perfekt!

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Mittwoch, 16. Mai 2018: Boxenstopp in Graz

Ich verliess Ljubljana für meine Verhältnisse recht früh, dh um 8:30 war ich schon auf der Autobahn. Ich kam zügig vorwärts, die Autobahn führte durch eine liebliche Landschaft, bei uns würde man Voralpen sagen, durch Höger und Felsen. Die Landschaft wäre noch viel lieblicher, wenn die Autobahn nicht wäre…

Unterwegs kaufte ich schon in Slowenien die Österreichische Autobahnvignette, das Pickerl, wie man da sagt. Ich habe aus dem letzten Fall in Slowenien gelernt…

Der Grenzübertritt nach Österreich war problemlos. Ich fuhr in Richtung Graz wo ich zum Camper Service Nr. 1 in der Steiermak wollte, zum Autohaus Damisch. Seit dem „Markisen-Incident“ auf der Insel Brac konnte ich die Store nicht benützen. Ich nahm mir vor, dies in Österreich beheben zu lassen, denn dort wird man mich wohl am Besten verstehen und mir helfen können. Damisch ist zwar spezialisiert auf Fiat Ducato-Camper, aber hat auf der Website berichtet, dass er für alle weiteren Fälle auch der richtige Partner sei. Ich war kurz nach halb zwölf dort und das Problem angeschaut. „Fahren Sie doch am Besten zu VW, die haben solche Dinger vorrätig und können Ihnen das grad flicken.“ Schade für die E-Mail, die ich vor ein paar Tagen geschrieben habe und nicht beantwortet wurde. Hätten wir auch einfacher haben können… So fuhr ich noch drei Kilometer weiter zu Ing.Franz Kuss Autohaus GmbH. Hier sagte man mir, dass 11:55 Uhr sei und nun alle in den Mittag gehen und ob ich nicht einfach um 13:00 Uhr kommen könne… Ehm, klar, konnte ich. 

Ich ging was essen und war kurz nach 13 Uhr wieder vor Ort. Drei Spezialisten haben den Schaden angeschaut und sind zur Überzeugung gekommen, dass sie dies nicht flicken können, das Ersatzteil müsse bestellt werden. Aber wenn sie heute bestellen wird das Teil morgen ankommen. Ich soll morgen um 13:00 Uhr noch einmal kommen, dann flicken sie das grad. Perfekt! Beim dritten Boxenstopp erfahren, dass es noch einen vierten braucht – aber dass sie nicht auf mich warten und gleich zaubern können, war mir ja auch klar.

Ich fuhr weg und machte mich auf die Suche nach einem Campingplatz. 40 km südlich von Graz, in Leibnitz hat es was, was mir vermutlich passen würde… Die Fahrt ging über die Autobahn und schon bald war ich dort. „Campingplatz wegen Hochwasser geschlossen“ stand auf einem Schild vor dem Eingang… Die Felder in der Region glichen Seen, nun hat auch der am Campingplatz entlang führende Fluss für Überschwemmungen gesorgt. Der Mitarbeiter vor Ort sagte mir, dass nur die hintere Hälfte gesperrt sei, die vorderen ca 15 Plätze sind benützbar. Der Platz war schwach belegt und ich konnte mir einen Platz aussuchen. Der Campingplatz ist ein Teil des Schwimmbades von Leibnitz und die Anlagen sind super! Auch wenn ich mich auf Anhieb wohl fühlte, wollte ich so rasch wie möglich an den Bahnhof und mit dem Zug nach Graz fahren. Ich ging mit dem Velo die etwa 3 km zum Bahnhof und Minuten später hatte ich schon einen Zug nach Graz.

In Graz machte ich einen Stadtspaziergang. Der Weg vom Bahnhof in die Innenstadt ist nicht so prickelnd. Aber die Innenstadt als solche ist durchaus hübsch und hat mir sehr gefallen. Die Restaurants 1-4 gemäss Tripadvisor waren fully booked, aber mit einem x-beliebigen war ich auch zufrieden. Die einheimische Kost hat mir sehr geschmeckt. Heute gab es wieder mal ein Dessert: Ein Apfelstrudel mit Vanillesauce.

Den Zug 21:08 ab Graz zurück habe ich knapp verpasst, den Zug 22:08 erwischte ich sicher. Um 23:00 Uhr war ich wieder auf dem Campingplatz. In der Zwischenzeit hatte es ca 4 Camper mehr auf dem Platz. Warum der Engländer sein grosses Teil 3m entfernt von meinem kleinen Bus hingestellt hat, wusste ich jedoch nicht. Dabei hätte es noch noch mehr Plätze gehabt, wir hätten nicht aufeinander kleben müssen. In meinem Camping-Lehrbuch hat es geheissen, dass man den Mitcampern Freiraum geben soll und die nötige Distanz wahren. Genau das hätte ich auch geschätzt. Aber vermutlich ist das Buch bisher nicht in englischer Sprache herausgegeben worden…

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Dienstag, 15. Mai 2018: Das Burgfräulein hat am Dienstag frei

Es ist kalt geworden. So kalt, dass ich das erste Mal seit dem 16.4.2018 wieder lange Hosen angezogen habe. Der Schlaf im Wald war super, ich fühlte mich erholt. Gestern auf der Reise habe ich in Kroatien noch ein Körbchen Erdbeeren gekauft. Die habe ich zum Frühstück geschnetzetzelt und mit einem Joghurt vermischt. Sehr lecker. 

Während der Nachtd hat es geregnet, es war feucht und irgendwie unangenehm. So ist halt das Camperleben… Aber heute habe ich ein tolles Programm vor mir, welches solche Dinge vergessen lässt.

Zuerst fuhr ich nach Predjama, etwa 6 km vom Campingplatz entfernt. Hier hat es eine Burg, welche teilweise in die Höhlen gebaut wurde. Schon nur der Anblick ist spektakulär! Da die ganze Gegend (dh. bis nach Trieste an der Adria) die Felsen/Erde als Karst gelten, hat es hier natürlich viele Löcher in der Erde. Die Burg wurde so in die 123 m hohe Wand gebaut, dass man sich vorne gegen den Feind verteidigen kann und gegen hinten, falls mal was schief gehen sollte, über die Höhlengänge flüchten kann. Und effektiv kann man in der Burg durch Höhlen und Gänge entkommen und 38 m weiter oben ist man dann draussen – genial!

Schon nur die Burg von aussen anzusehen ist toll. Ich kaufte eine Eintrittskarte und sah mir das Ganze auch von innen an. Wow! Hier kommt man sich wirklich vor wie im Mittelalter! Die Präsentation der Burg ist wirklcih einmalig schön. Man kann sich richtig vorstellen, wie sie früher gelebt hatten. Und man sieht deutlich die Unterscheidung zwischen Burgherr und Dienerschaft, welche zum Teil in den Höhlen gehaust hatten. Leider war das Burgfräulein nicht da, sie hätte absolut in das Ambiente gepasst. Der Besuch hat mich richtig begeistert und ich wäre am liebsten hier eingezogen. Aber zum nächsten Migros ist es recht weit und ja… 🙂

Um 13:00 Uhr war ich registriert für eine Führung in den Höhlen von Postojna. Während der Fahrt vom Schloss zu den Höhlen hat es wieder heftig geregnet. So stark, dass ich auf dem Parkplatz noch einen Moment im Auto geblieben bin, damit ich nicht zu lange im Regen stehe.

Etwa in der 7. Klasse hat uns Herr Gertsch in der Gogere (Geografie-Unterricht) von den Höhlen erzählt und auch noch ein paar Dias von seiner Reise gezeigt. Das hat mich fasziniert und bis heute habe ich diese Geo-Stunde nicht vergessen (dafür ist der Hypotenusenansatz in den Hintergrund geraten…). 

Das  Ganze ist natürlich ein Touristenmagnet. Aus allen Herren Ländern welweit sind sie angereist. Mein 13:00 Uhr-Slot begann pünktlich. In Gruppen pro Sprache wurde man in die Geschichte der Höhlen eingeführt (man kann diese nun seit 200 Jahren besichtigen) und anschliessend fuhr man mit einem Zug in die Höhlen. Der Zug hatte ein bisschen Achterbahncharakter, so wie der Odins-Expressen oder die Rutschebanen im Tivoli in Kopenhagen. Nur ohne auf und ab… 🙂

Zuerst fährt man 2 km in den Berg. Dann geht man 1 km zu Fuss und dann geht es wieder 2 km mit der Bahn raus. Und das Warten seit der 7. Klasse hat sich gelohnt! Wunderbar, diese Höhlen! Auch hier war ich wieder begeistert und kam teilweise nicht aus dem Staunen raus. Was die Natur hier über Jahrtausende geschaffen hat ist super! Man kann dies gar nicht mit Worten beschreiben, man muss dies wirklich selber gesehen haben.

Als ich aus der Höhle kam, war hellster Sonnenschein. Aber die Gewitterwolken waren nah. Und noch bevor ich beim Auto war  begann es wieder zu schütten. Ich fuhr los in Richtung Bahnhof Postojna. Dieser Bahnhof liegt an der Strecke zum Hafen von Koper, bei Trieste und ist somit der Meerzugang Sloweniens. Ich hoffte, hier ein paar Züge fotografieren zu können und wurde tatsächlich nicht enttäuscht. Nur das Wetter hätte besser sein können. 

Am späteren Nachmittag fuhr ich in Richtung Ljubljana und stellte das Auto beim Camper Stop Vrbinc ab. Anschliessend fuhr ich mit dem Bus in die Innenstadt von Ljubljana. Ein Ticket kann man weder beim Fahrer noch an einem Automaten kaufen. Man muss dies in einem Laden im Vorverkauf beziehen. Ich sagte dem Fahrer, dass ich dann bei der Ankunft für die Fahrt bezahlen werde. Die Innenstadt ist akutell eine grössere Baustelle. Das Zentrum ist hübsch und ich werde wieder mal vorbeikommen, wenn ich mehr Zeit habe. Heute gab es nebst der Besichtigung der Altstadt ein feines Nachtessen. Da ich immer noch kein Busbillet kaufen konnte, fuhr ich mit dem Taxi zurück nach Vrbinc. Der Taxifahrer ist ein Sportfan. Er wusste, dass Young Boys Schweizer Meister wurde, wusste aber nicht, aus welcher Stadt sie kommen. Ich revanchierte mich dafür, dass ich den besten Eishockeyspieler von Slowenien kenne, Anze Kopitar, der bei den Los Angeles Kings spielt. Der Taxifahrersportfuchs wusste auch viel über das Schweizer Eishockey zu berichten… Er wusste alles! Und nun weiss er auch, dass die Young Boys aus Bern kommen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Montag, 14. Mai 2018: In Slowenien ist Vignettenpflicht

Gestern ist eine Horde Engländer in den Campingplatz Zagreb eingefallen. Etwa 6 grosse Wohnwagen mit Doppelachsen. Grosse Dinger. Einige hatten Hunde dabei, die über Nacht draussen vor dem Wohnwagen angebunden wurden. Sie haben nicht geschlafen, sondern gejault. Gebellt. Und meinen Blutdruck in die Höhe getrieben.

Hässig fuhr ich von diesem Platz weg, liess Zagreb hinter mir. Ich fuhr zuerst nach Krašić, um dort den Žumberak-Samobor Berg Naturpark anzuschauen. Im Dorf war jedoch nix angeschrieben und da das Wetter eh schlecht war, fuhr ich in Richtung Karlovac. Beim Coiffeur Drago liess ich mich aufhübschen und dann gings weiter nach Slowenien. Beim Grenzübertritt gab es wieder eine Kontrolle (Aus- und Einreise) und schon war ich im Euroland. Was ich wohl mit den vielen Kuna mache, die ich noch bei mir habe? 

Ich fuhr auf die Autobahn in Richtung Ljubljana und realisierte erst bei der ersten Kontrollstelle, dass ich eine Vignette hätte kaufen müssen. Dumm gelaufen… War es eine Kontrollstelle? Niemand war vor Ort. Wird die Kontrolle elektronisch durchgeführt? Das wäre bitter, denn der ADAC schreibt:

Tipp : Es empfiehlt sich, die Vignette schon vor der Einreise nach Slowenien zu kaufen, denn wer auf vignettenpflichtigen Strecken ohne gültige Vignette angetroffen wird, zahlt zwischen 300 und 800 Euro Geldbuße.

Bei der nächsten Raststätte ging ich raus und kaufte eine Vignette für 7 Tage zu 15€. Eigentlich noch teuer, wenn man mit der Schweiz vergleicht… Rasch klebte ich das Ding an die Scheibe und fuhr weiter. Nun hoffe ich, dass die Strassenpolizeigötter gnädig sind mit mir… Die ADAC-Seite habe ich nun in den Favoriten abgespeichert.

Ich umfuhr Ljubljana und fuhr direkt nach Postojna, meinem Ziel für morgen. Dabei hat mir das Navi wieder mal einen gröberen Streich gespielt. Wenn ich „kürzester Weg“ eingebe, dann wählt es auch den kürzesten Weg. Und der führt halt eben auch über Nebenstrassen, Naturwege und so weiter. Mit Allradantrieb kommt man überall hin, aber ob man das dem Auto antun will? Also, Wende auf dem Feld und wieder zurück – und auf der asphaltierten Strasse weiter.

Ich fuhr zum Campingplatz Pivka Jama, welcher sehr idyllisch im Wald liegt – mit kompletter Infrastruktur wie grosse Toilettenanlage, Laden und Restaurant. In dieses Restaurant ging ich essen. Es war darin sowas von kalt, dass ich während dem Essen die Jacke anbehalten habe. Auch sonst war die Bedienung frostig und es herrschte eine Stimmung im Restaurant wie bei einer Abdankung.

Es ist merklich kühler geworden. Drum ging ich nach dem Essen grad ins ziemlich warme Bett. Nach der letzten schlechten Nacht schlief ich hier wunderbar – mitten im Wald. Und es begann wieder zu regnen…

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Sonntag, 13. Mai 2018: Pokalübergabe in Zagreb

Ein wunderschöner Tag kündigte sich nach den gestrigen Gewittern an. Gemäss Wetterbericht soll es heute auch wieder ein bisschen gewittern. Aber nur leicht…

Nach dem Frühstück sattelte ich das Velo und fuhr zum Bahnhof Podsused Stajalište. Dort stellte ich fest, dass ich den Veloschlüssel noch im Camper hatte und da ich mein Velo nicht so unabgeschlossen den Mitbürgern dartun wollte, fuhr ich nochmals zum Camping und wieder zum Bahnhof. Der Bahnhof hat zwei Gleise, aber nirgends ist angeschrieben, auf welchem Gleis der Zug nach Zagreb fährt… Mein Instinkt hat mich jedoch nicht im Stich gelassen und ich stand auf dem richtigen Perron… Nach 15 Minuten Fahrt war ich schon in Zagreb. Die Stadt war heute wie ausgestorben. Sonntags um 11:00 Uhr ist offenbar noch nicht die Stunde aller Zagreber. Ich begab mich in die Innenstadt und suchte ein gemütliches Lokal für ein Kafi. Ich fand dieses rasch. Wobei mir eigentlich egal ist, wie gemütlich das Kafi ist. Schnelles WLAN müssen sie haben, damit ich heute um 16:00 Uhr YB-Lugano sehen kann und vor Allem die Pokalübergabe. The Beertija hiess es überigens – der Vollständigkeit halber.

Nach dem Kafi gings wieder in die Stadt. Einfach so, hier ein bisschen schauen, da ein bisschen. Es war zu warm für mehr. 31 Grad habe ich irgendwo angeschrieben gesehen. Auf dem Jelacica-Platz , dem Hauptplatz in Zagreb, hat die kroatische Majoretten-Allianz eine Vorführung gemacht. Offenbar waren heute in der Stadt irgendwo Wettbewerbe und anschliessend wurden die geschätzten Publikum auch noch ein paar Moves (sagt man dem so, bei den Majoretten?) in der Innenstadt vorgeführt. Interessanterweise haben Woody und ich während diesen Tagen mal in einem Nebensatz was über Majoretten gesagt (Zusammenhang nicht mehr klar), drum war es um so witziger, diese grad mal wieder live zu sehen. 

Es ging gegen 16:00 Uhr und ich ging wieder in die Beertija. Nach einem Personalwechsel wollte mir der Barkeeper den Code fürs WLAN nicht rausrücken. Da hänge die ganze Kasse und die Musik dran. Als ich ihm die Wichtigkeit der Fussballübertragung erklärt hatte, rückte er damit raus unter der Bedingung, sobald die Musik zu ruckeln beginnt, ich aufhören müsse TV zu schauen. Ich dankte ihm die Bereitschaft, mich im Lokal TV schauen zu lassen, mit einem prächtigen Bierkonsum 🙂 

Es war einmal mehr ein ergreifendes Spektakel, welches ich auf meiner Reise still vor mich her genoss. Grad als sie dem Adi Hütter den Champagner aus dem Pokal über den Kopf geleert hatten, ging über Zagreb ein grosses Gewitter nieder. Ich nahm noch ein Bier um auf einen Wetterumschwung zu hoffen… Als es ein bisschen weniger regnete, ging ich ins Restaurant Agava, wo Bettina und ich schon bei unserem letzten Besuch vor 4 Jahren gleich 2x eingekehrt sind. Und auch dieses Mal wusste das Restaurant zu überzeugen und auch dieses Mal begleitete ein Rotwein Donja Postup das Essen.

Nun war es an der Zeit, „nach Hause“ zu gehen. Das ist eigentlich die Tagesherausforderung: mit ein Paar Bier und einem Glas Wein den Zug zum Bahnhof Podsused Stajalište zu suchen. Irgendwie gelang dies. Und mein Fahrrad war auch noch dort. Und heil auf dem Campingplatz kam ich auch.

Hopp YB!

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Samstag, 12. Mai 2018: Von Bosnien-Herzegowina nach Kroatien

Heute Morgen war ich ein bisschen der Held. Und zwar bei den Mitcampern, die noch nie einen solchen VW-Bus gesehen haben. Zuerst das Zelt-Paar, welches mit dem Motorrad unterwegs war. Die beiden fragten sich, wie ich wohl aufs Dach komme, da steht ja gar keine Leiter am Auto. Der Geheimzugang via Fahrer-/Beifahrersitz wurde erklärt und ein Mysterium wurde gelöst. Die Reisegruppe aus Malaysia fand, dass ich einen „nice van“ habe und wo man denn da schlafe. Ah, oben (Zugang gezeigt). Und ob die Velos hinten immer so nah am Boden sind, das gehe doch nicht – nein, werde ich noch hochklappen. Und sehen Sie, der „nice van“ hat auch noch einen Schüttstein, einen Kochherd und einen Kühlschrank. Ooooooh! But no toilet? No, no toilet – am Schluss standen etwa 10 Malaysier ums Auto und staunten. Und ich staunte, dass sie sich wirklich für eine Rafting-Fahrt auf der Una bereit machten – da hatte es Leute darunter jeglichen Alters… Aber den Mutigen gehört die Welt!

Ich fuhr los und besuchte als erstes den Bahnhof von Kulen Vakuf. Trostlos… Aber vielleicht fährt hier ja wirklich wieder mal ein Zug? Dann gings weiter, durch Bihac durch nordwärts zur bosnisch-herzegowinisch/kroatischen Grenze. Die Grenzanlage wirkte sehr modern, beide Kontrollen also die Ausreise und die Einreise fanden am gleichen Ort statt. Das Ganze ging ganz zügig vorwärts und schon war ich wieder in Kroatien. Ein Campingplatz in der Nähe von Zagreb ist heute das Ziel.  

Ich fuhr über die Landstrasse als mir ein Auto lichthupend entgegenkam. Momol, ich hatte Licht, und die Geschwindigkeit stimmte auch – keine Sorge… Aber dann standen sie plötzlich da: die Policija – und winkten mich raus. Schon noch toll, dass ich mal eine Polizeikontrolle erleben darf, dies nachdem ich erst einmal nach einer Radarkontrolle rausgenommen wurde. Da muss man zuerst 34 Jahre das Permis haben, bis man kontrolliert wurde… „Drivers licence and papers for car“ hat der grimmig blickende Herr verlangt und hat es von mir erhalten. Er ging mit den Unterlagen zum Auto, wo sein Kollege Abklärungen machte, ob ich zur Fahndung ausgeschrieben und das Auto gestohlen sei. Nein, alles gut. „Drive save“ – „Thank you officer“ und schon war meine erste Polizeikontrolle durch. 

Zagreb kam näher und somit auch mein Tagesziel. In einem Shoppingcenter kaufte ich noch Getränkevorräte ein sowie einen Regenschutz im örtlichen Decathlon. Mein Regenschutz ist irgendwie nicht mitgekommen und die letzen Tage habe ich gemerkt, dass ein solcher noch praktisch wäre…

Das Camp Zagreb liegt in Rakitje, 15 km ausserhalb Zagrebs an einem See. Der Platz ist neu und die Campingfahrzeuge sind ein bisschen phantasielos im Kreis aufgestellt. Phantasielos aber mit einer guten Ordnung. Ich esse noch was in der Pizzeria gleich am See und mache mich schon bald bettfertig. Heute ist es sehr gewittrig und es sind schon ein paar Liter runter gekommen. 

 

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Freitag, 11. Mai 2018: Schönheiten und Scheusslichkeiten

Ich schlief ausgezeichnet und lange. Während des Frühstücks habe ich mich mit dem Hund angefreundet. Er gehört zum Camping und sabberte vor Freude, als ich plötzlich liebe Worte zu ihm sprach. Wettermässig hat es aufgefrischt, 14 Grad waren nun doch recht kühl. Dazu war es bedeckt und unsicher, ob es nicht noch regnen würde. So liess ich meinen Plan fallen, mit dem Velo in den 8 km entfernten Nationalpark zu fahren. Ich nahm den Camper.

Die Fahrt ging nach Martin Brod, dem südlichsten Eingang des Nationalparks. Die Strasse dorthin ist nur 1 km asphaltiert, dann wird es eine (gut unterhaltene) Naturstrasse, bevor sie kurz vor Martin Brod wieder asphaltiert ist. Der Eingang zum Nationalpark ist nicht so gut ausgeschildert, sodass ich fragen musste. Und um ein Haar wäre ich daran vorbeigefahren… Ein kleines Häuschen mit Barriere über den daneben führenden Weg – das ist der Eingang. Der Parkplatz bietet Platz für etwa 10 Autos. Ich parkiere, bezahle die 2 KM/CHF 1.20 Eintritt und mache mich auf den Weg. Einen Wasserfall kann man hier sehen. Den längsten im ganzen Park, über rund 300 m stürzt das Wasser aus verschiedenen Höhen herunter. Das Ganze sieht spektakulär aus und ich verweile einen Moment dort. Denn, das ist eigentlich schon alles, was man sehen kann. Aber dafür einen schönen 🙂

Ich kehre wieder zum Auto zurück und will zum Bahnhof fahren. Die Bahnstrecke ist seit 4 Jahren aus Kostengründen nicht mehr in Betrieb, aktuell spricht man jedoch darüber, diese wieder in Betrieb zu nehmen, und wieder einen Schienenverkehr zwischen Bihać (BiH) und Knin (HR) anzubieten. Von Weitem habe ich gesehen, dass die Strecke in einem schitteren Zustand ist. Die Fahrleitungsmasten stehen zwar noch, der Fahrdraht wurde aber entfernt/gestohlen. An Hand der Karte auf dem Navi suchte ich meinen Weg zum Bahnhof, die Strasse, welche gleich da vorne links über die Una führt, geht zum Bahnhof. Die Brücke war aber nicht mehr da. Also sie war schon da. Aber im Bosnienkrieg gesprengt. Die Teile liegen im Wasser. Darüber führt eine Eisenbrücke mit Holzplanken (max 5 Tonnen), ein wohl schon über 20 Jahre dauerndes Provisorium. Und irgendwie wagte ich es nicht, darüber zu fahren.  

 

Und die ganzen Überbleibsel des Krieges der 90er-Jahre waren die Scheusslichkeiten, die ich heute zu Gesicht bekam. Ich sah sehr viele Häuser, welche zerstört waren, ausgebrannt, oder Einschusslöcher aufwiesen. In Kulen Vakuf sah ich ein Denkmal aus dem Krieg (er wird hier „der letzte Krieg“ genannt, also nicht „Bosnienkrieg“ oder ähnlich). Sehr viele Leute sind hier am 11.6.1992 verstorben. Keine Ahnung, was da passiert ist, das hat mir niemand gesagt, aber ich kann mir vorstellen, dass es eine weitere Scheusslichkeit des Krieges, welche wir jeweils in der Tagesschau frei Haus geliefert bekamen, war. Wie die Leute heute miteinander umgehen weiss ich nicht. In Martin Brod hat es 320 Serben bei einer Bevölkerung von 328 Leuten. Irgendwie möchte ich mehr darüber erfahren. Aber war nicht ich der, der jeweils den Sender weggeklickt hat, als es wieder um Jugoslawien ging? Nun bin ich mitten drin und sehe die Überreste von damals. Es fällt schwer, sich auf die Naturschönheiten zu konzentrieren, denn die Vergangenheit ist immer präsent.

Und nun gibt es einen Nationalpark. Gefördert und bezahlt von der EU. Einerseits macht es durchaus Sinn, die tolle Natur zu schützen und einen sanften Tourismus zu eintwickeln. Ob Velowege und Joggingstrecken wirklich das sind, was auch noch gebaut werden musste, wage ich hingegen zu bezweifeln. Die Gegend ist übrigens phänomenal! 27 Arten Fisch hat es in der Una. In den Wäldern hat es Schwarzbären, Wölfe und Luches. Fischotter und Biber soll es auch haben. Und die Vogelwelt ist traumhaft! Ich habe einem gelben Vogel zugeschaut. War dies eine Goldammer? Oder wie wohl der Vogel hiess, der im Fluss auf einem Stein gelandet ist und immer wieder den Kopf unter Wasser hielt? Ich habe den schon mal in einer Tiersendung gesehen, kenne den Namen aber nicht mehr… 

 

Da ich nun mit dem Auto unterwegs war, war ich natürlich flexibler unterwegs und es gab mir die Möglichkeit, Una-Tal-abwärts nach Štrbači buk zum nächsten Eintritt des Parks zu fahren. Die Strasse ab Orasac war wiederum eine Naturstrasse. In verschiedenen Foren bzw. Bewertungen zum Nationalpark habe ich gelesen, dass diese Strasse eine Katatstrophe sei und dringend gemacht werden müsste. Klar hatte sie Schlaglöcher, aber nix dramatisches. Ich konnte ca 30 km/h fahren, was in dieser wunderschönen Gegend genug schnell ist. Unterwegs hielt ich bei einem Rastplatz an und las ein bisschen in meinem Krimi (es geht dem Ende zu, die Polizei ist dem Mörder auf der Spur!). Dann fuhr ich weiter nach Štrbači buk (dieses Mal Eintritt 6 KM) und schaute mir diese Wasserfälle an. Diese sind mit 24 m Fallhöhe die höchsten Fälle im Nationalpark. Die ganze Anlage ist gut aufgebaut, man kann die Fälle von Aussichtsplattformen aus sehr gut anschauen. Und sie sind wirklcih toll! Ich ass dort noch eine Kleinigkeit und ging weiter.

Die Burg Ostrovica gehört nämlich auch noch zu den Sehenswürdigkeiten der Region. Also eigentlich ist es eine Ruine, die hoch über dem Una-Tal trohnt, viel zu sehen gibt es nicht. Aber ich habe ja Zeit – drum fahre ich hoch. Genau! Ich fahre, schliesslich ist es eine gut ausgebaute Naturstrasse, die dort nach oben führt. Die letzten 500 m gehe ich aber zu Fuss, dann bin ich oben und geniesse die Aussicht ins Tal. Wunderschön! Ich genoss den Moment der Stille dort oben mit den vielen Vögeln (nix spezielles, Krähen und so…) und ging anschliessend wieder den gleichen Weg nach unten. 

Während der Fahrt ins Tal sah ich plötzlich junge Männer, die den Hang runter aus den Büschen auf die Strasse kamen. Ca 15 dunkelhäutige, arabischstämmige Männer. Sie hielten mich auf und baten mich um Wasser. Ich gab ihnen, was ich hatte. Waren das Flüchtlinge? Ich hatte ein komisches Gefühl, als ich so umzingelt war, konnte mit der Wasserabgabe die Menge jedoch glücklich stimmen. Als ich alles Wasser weg hatte, fuhr ich weiter. Nach 200 m wieder eine Gruppe Männer, die um Wasser bat, ich hatte jedoch keines mehr. Das Ganze wiederholte sich nun noch etwa drei Mal und ich konnte nur noch zurufen, dass ich kein Wasser mehr habe. Insgesamt waren dies ca 40 Männer. Was machten die dort oben? Wohin wollten sie? Waren es Flüchtlinge? Auch diese Fragen werden mir wohl nie beantwortet werden.

Ich fuhr ins Camping zurück. Es beann sich zu füllen. Bis am Abend hatte es 4 Camperfahrzeuge, 1 Motorrad mit Zelt und eine Gruppe Malaysier, welche in den Bungalows des Campingplatzes übernachteten.

Als Nachtessen gab es frische Erdbeeren, welche ich von einer Bäuerin in Štrbači buk am Wegrand gekauft hatte. Diese seien hier gewachsen, die Aprikosen und Pfirsiche, die ich auch noch gekauft hatte, seien hingegen aus Bihac.

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Donnerstag, 10. Mai 2018: Dobrodošli in Bosnien-Herzegowina

Der Campingwart hat uns vorgewarnt: wir werden wegen der guten Luft gut und lange schlafen…  Und so war es in Etwa. Schlimm war das natürlich nicht, denn wir hatten als ersten Fixpunkt erst Woodys Abfahrt 12:22 Uhr am Bahnhof in Vrhovie. Wir räumten unsere Siebensachen zusammen und waren pünktlich am Bahnhof. Hier wollten wir uns verabschieden, ohne Abschiedsschmerz. Woody sollte einfach in den Zug einsteigen, ich winke, er winkt und dann war ich alleine unterwegs. Aber es kam anders… Wegen Bauarbeiten an der Bahnstrecke fuhr kein Zug und Woody musste mit einem Bus vorlieb nehmen. Ach wie unwürdig für einen Eisenbahner, der sich seinen ersten Stern bei Kroatiens Eisenbahn abholen wollte… Wir mussten länger auf den Bus warten, und plötzlich kam er, war da, kurze Umarmung einsteigen und wegfahren… Tschüss Woody, merci für die Begleitung auf unserer Auffahrtsreise der anderen Art… 

Mein heutiges Ziel war Bosnien-Herzegowina mit dem Una-Nationalpark. Ich wählte eine Strecke, welche rund 20% länger war als die vom Navi vorgeschlagene, aber ich hoffte, dass es auf dieser nicht so viele Lastwagen hat (in Kroatien ist Auffahrt kein Feiertag). Und diese Strecke hatte es in sich! Sie führte mich über eine sehr gut ausgebaute Gebirgsstrasse bis auf 1178 müM durch enge Schluchten, dunkle Wälder aber auch lauschige Ecken. Und meine Vermutung, dass es dort weniger Verkehr haben werde, wurde bestätigt.   

Dann kam der Moment des Grenzübertritts. Zuerst die Ausreise aus Kroatien: Dieses Nebenzollamt wartete vermutlich auf Kunden und mich wollten sie geniessen. Ich dachte zuerst, das gäbe eine harmlose Sache: Ausweis entgegennehmen, Ausweis kontrollieren, Ausweis zurückgeben, gute Reise wünschen. Aber nein: Meine ID wurde 3x gescannt, dazu wurde ein bisschen mit dem Kollegen geschwatzt, man liess es gemütlich angehen. Und tatsächlich: ich wurde über 5‘ auf Stand by gelassen, bis die Punkte „Ausweis zurückgeben“ und „gute Reise wünschen“ auf der Checkliste abgehakt wurden. Nach einem Kilometer Fahrt durchs grenztechnische Niemandsland kam ich zu den Bosniern-Herzegowinern (schreibt man das so?). Dieser Grenzbeamte legte den Fokus weniger auf mich (meine ID wurde einmal gescannt), sondern vielmehr auf die Autopapiere. Fahrzeugausweis in Ordnung? Versicherungspapiere (genau, das grüne Papier bei welchem ich mich immer gefragt habe, was das soll) vollständig? Alles klar! Und nach einer Minute konnte ich mit einem „have a nice trip“ weiter fahren. Unmittelbar nach der Grenze war ein „Autofriedhof“ mit etwa 100 Autos auszumachen. Das sind dann wohl die Autos, bei denen die grüne Versicherungskarte nicht grün genug war… Ein paar hundert Meter hinter der Grenze wurde die Strasse spektakulär! Links die Felswand, rechts der Abgrund ins Tal der Una mit teilweisen tollen Ausblicken. Ich hielt ein paar mal an, um das Ganze zu geniessen.

Mein Tagesziel war das Dorf Kulen Vakuf. Hier hat es einen Campingplatz mit tollen Bewertungen und es soll ein guter Ausgangspunkt für Ausflüge in den Una-Nationalpark sein. Die Fahrt zu diesem Dorf führte plusminus der Una entlang und der Campingplatz Rafting Center Discover Bihac befindet sich eingangs Dorf. Ich war der erste Gast heute und der ältere Chef Senad begrüsse mich und offerierte mir grad mal zwei Glas Slivoviz.

Ich richtete mich kurz ein und ging ins Dorf, um ein paar Lebensmittel zu kaufen. Ich fand sogar ein geöffnetes Lebensmittelgeschäft und dort klärte ich als Erstes ab, wie man hier bezahlen kann: Mit Euro oder nur mit KM? Ich könne mit Euro Noten bezahlen, das Rückgeld erfolgt in Konvertibler Mark. Passt! Ich kaufte ein paar Dinge für die nächsten Tage ein und ging wieder zurück ins Camping. Gegen 18:30 ging ich wieder ins Dorf, wo ich in einem Restaurant was essen wollte. Aha, Bosnien-Herzegowina kennt kein Rauchverbot in den Restaurants. Und die Gäste sind fröhlich und singen lauthals bosnisch-herzegowinische Volkswaisen… Nun gut, mein Hunger war stärker als der Lärm in der Beiz und ich ass Salat, Cevapcici, Reis, trank dazu ein Glas Wasser und ein Glas exzellenten Château Bosniaque Barrique (höhö…) zum Preis von € 6.50. 

Ich ging zum Camping zurück, als mir in den Sinn kam gelesen zu haben, dass es in Bosnien-Herzegowna viele Strassenköter hat, die die Leute belästigen. Und prompt kam ein Riesending von einem Hund beim Betreten des Campingplatzes entgegen… Will der nun sein Terrain verteidigen oder mich begrüssen? Er wedelt mit dem Schwanz, was heisst das? Meine Stresshormone hatten grad einen grossen Schub, zum Glück hatte ich meine Umhängetasche dabei, welche ich vor dem Hund ein bisschen baumeln liess. Er tat mir nix, hatte wohl Freude an mir… Und ich ja auch an ihm… Grrrr

Mein Camper steht direkt am Fluss Una. Ein schöner Sonnenuntergang begleitet mich in meinen ersten bosnisch-herzegowinischen Abend. Ich bin das einzige Auto auf dem Campingplatz… (Nachtrag: um 21:15 Uhr kam noch ein slowenischer Grosscamper).

Zum Grillenzirpen und Flussrauschen schlafe ich ein.     

Woodys Tag

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Mittwoch, 9. Mai 2018: zalazak1 bei den Plitvicer Seen

Um dem grossen Touristen-Anstrom zuvorzukommen machte ich gestern während dem Nachtessen die Ansage, dass wir heute um 5:30 aufstehen und um 7:00 Uhr vor den Eingangstüren des Nationalparks Plitvicer Seen stehen wollen. Nachdem wir aber dann gestern doch noch länger an der Bar waren und die Nacht eher kurz waren, passten wir das Programm laufend an, dh von starr zu flexibel… 🙂 Aber um 9:30 standen wir bei der Kasse auf der Matte und lösten die Karten für den Nationalpark, welcher die wohl grösste Sehenswürdigkeit Kroatiens sein soll. Auch hier wurden Szenen von Winntou gedreht.  

Natur und Menschenmengen waren eindrücklich. Der Park zeigt grossartig, wie die Natur die verschiedenen Seen geschaffen hat und das Wasser von einem See zum darunter liegenden in grossen und kleinen Wasserfällen fliesst. Der Eintrittspreis von ca CHF 25 ist recht hoch. Aber es wird in diesem Park auch viel geboten: so kann man zum Beispiel alle Wege auf Holzstegen begehen, um erstens die Natur nicht zu beschädigen und andererseits auch über diese Wege die (weniger steilen) Wasserfälle hoch und runter zu steigen. Wenn man die vorgeschlagenen Rundwege im Park läuft, kann man eine Schifffahrt über den grössten See machen (Schiffe mit Elektorantrieb natürlich). Und ein auf Gummirädern verkehrendes Bähnli bringt einem wieder an den Ausgangspunkt der Wanderung. 

 

Den ersten Teil der Wanderung gingen wir mit den vielen anderen Touristen schön dem Wasser entlang. Auch wenn der Andrang gross war, war die Disziplin der Besucher doch recht hoch. Es wurde fast nicht gerempelt und selten geflucht und jeder konnte irgendwann sein Foto der unzähligen Wasserfälle machen. Nach der Schiffsankunft gingen wir den Berg hoch und wählten die alternative Route zum nächsten Fixpunkt. Hier hatte es sehr wenig Leute und die Aussicht auf die Seen aus der Höhe war fantastisch!

Der Nationalpark hat uns sehr gefallen und wir haben rund 5 Stunden im Park verbracht. 

Unser nächstes Ziel war ein Campingplatz in der Nähe von Vrhovine. Hier hat es einen Bahnhof und von dort wird Woody morgen um 12:22 Uhr nach Zagreb fahren. Natürlich fuhren wir den Bahnhof an um zu sehen, ob hier wirklich ein Zug anhält. Und tatsächlich, der Zug 12:22 war auf dem Plakat aufgeführt.

Das Camping Zelena Dolina in der Nähe von Vrhovine, aber irgendwo in der kroatischen Pampa, war unser Übernachtungsziel. Dieser kleine Campingplatz mit charmantem Chef ist eine ‚Hoschtet‘, wo man die Camper abstellen kann. Zur Begrüssung brachte er uns ein Glas Slivovitz, was beste Medizin sein soll. Eigenbrand, 47%. Nur Pflaumen und keine weiteren Zutaten, und morgen ohne Kopfweh. Ich kenne solche Balkan-Schnäpse: das streckt dir den Darm. Aber will man unhöflich sein und ablehnen? Nein 🙂 Das Passwort fürs WLAN heisst zalazak1, was Sonnenuntergang bedeutet (welchen man von diesem Campingplatz wunderbar sehen kann). Ich konnte mir dieses Passwort nicht merken und musste Woody gefühlte 35 Mal fragen, wie das Passwort lautet. Er meinte, ich soll mir dies doch aufschreiben, wenn ich mir das nicht merken kann. Nun habe ich es als Titel für den Tagesbericht gewählt. So vergesse ich es sicher nie!

Woody Tag (folgt)

 

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Dienstag, 8. Mai 2018: von 0 auf 770 – etwa…

Am Morgen informierte mich Woody, dass er mich bereits am (Auffahrts-)Donnerstag verlassen werde, damit er am Freitag Morgen in Zagreb den 9-Uhr-Flug nach Zürich nehmen könne. Die Preise für Abflüge am Samstag und Sonntag sind so hoch, dass der Freitag die beste Variante ist. Nun gilt es herauszufinden, von wo am Besten man wie nach Zagreb kommen kann. Dies wird eine Aufgabe der nächsten Stunden sein. Nach dem Auschecken fuhren wir über die Autobahn Richtung Norden und zweigten bei der Zahlstelle vor Zadar ab. Unser erstes Ziel war aber nicht Zadar, sondern Biograd. Dieses Städtchen war einer der Tipps des Österreichischen Campers Franz, den wir auf dem Platz in Bol getroffen haben. Die anderen Tipps wie Trogir und Primosten waren toll, Biograd war jedoch nicht so berauschend. Wir kehrten bei einer Gelateria ein, und die Erdbeercoupe war dafür mehr als berauschend!

Wir fuhren weiter nach Zadar, und dort hat es uns sehr gut gefallen. Tolles Städtchen mit Gassen zum verweilen, tolle Geschichte mit römischen Ruinen und eindrücklichen Kirchen. Speziell schön wurde in den letzten Jahren die Promenade am Meer gestaltet. Dabei wurden auf den Treppen ins Meer bestimmte Stellen frei gelassen, durch diese nun das Wasser rauscht und der Wind bläst. Diese See-Orgel gibt eine spezielle, nicht planbare Musik von sich, welche sehr toll anzuhören ist (Auf Youtube habe ich dieses Video davon gefunden). Zadar ist wirklich lässig, aber wir mussten weiter. 

Wir nahmen die Autobahn A1 in Richtung Zagreb. Diese Strecke ist noch nicht vollständig gebaut, aber 479,2 km von 553,7 geplanten Kilometern Autobahn sind seit 2013 in Betrieb. Die Autobahn ist recht kühn gebaut, sie führt den Berg hoch und dies teilweise in serpentinenähnlichen Kurven und mit längeren Tunnels. Und plötzlich waren wir auf rund 770 Metern über Meer, bevor es dann durch den Sveti Rok-Tunnel ging und wir wirklich im Hinterland hinter dem Meer waren. Unser heutiges Tagesziel war ein Campingplatz bei den Plitvicer-Seen. Die letzten ca 50 km mussten wir auf Hauptstrassen zurücklegen, bis wir dann beim gewünschten Camping ankamen. Aber oje, dieses hat zwar tolle Bewertungen – ist aber komplett geschlossen weil alles saniert und ausgebaut wird. So fuhren wir weiter zum Camping Korana (nicht zu verwechseln mit der Popgruppe ‚Koreana‘ 🙂 ). Dieses Camping war das bisher grösste, welches ich auf meiner Reise zu Gesicht bekam: 700 Stellplätze (!) hat dieses… Mir eine Spur zu gross, aber es hatte alle Annemlichkeiten anzubieten. So z.B. ein Restaurant, in welchem wir vor dem zu ‚Bett‘ gehen noch was assen.

 Woodys Tag

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Montag, 7. Mai 2018: Als Touristen unterwegs

Wir liessen den grossen Campingplatz und somit Split hinter uns. Der grosse Camping war gar nicht so schlecht, im Gegenteil… Unser erstes Ziel war Trogir, eine Stadt, deren historisches Zentrum auf einer Insel vor der Küste gebaut wurde. Die gesamte Altstadt von Trogir zählt seit 1997 zum UNESCO-Welterbe. Der Ort gilt als herausragendes Beispiel für städtebauliche Kontinuität. Die romanische Stadt Trogir stellt nicht nur an der Adria den am besten erhaltenen romanisch-gotischen Komplex dar, sondern in ganz Osteuropa. In dem mittelalterlichen, teilweise von einer Stadtmauer umgebenen historischen Stadtkern befinden sich ein erhaltenes Schloss, ein Turm, etwa zehn Kirchen und eine Reihe von Wohnhäusern und Palästen aus den Perioden der Romanik, Gotik, Renaissance und des Barock. In Trogir wurde auch von Winnetou 3 die Szene gedreht, als sie in Santa Fé einritten… Uns hat das Städtchen gefalllen. Wie überall auf dem Balkan gilt auch hier: Wenn man eine bis zwei Gassen hinter die Hauptgassen geht, sind keine Touristen mehr dort.    

Unser nächster Stop war Primošten. Auch diese Stadt war auf einer Insel gebaut, die auf die Insel führende Brücke wurde jedoch irgendwann mal durch einen Damm ersetzt, sodass dies nun eine Halbinsel ist. Dieses Städtchen ist nicht ansatzweise überlaufen, im Gegenteil. Zuerst dachte ich, sie haben Siesta und das Städtchen geschlossen. Aber nein, die Restaurants haben geöffnet und auf einer lauschigen Terrasse am Meer haben wir je eine Portion Ćevapčići zu einem sehr günstigen Preis gegessen. Nach dem Essen machten wir einen Verdauungsspaziergang um die Halbinsel und fuhren anschliessend weiter zum Krka Nationalpark

Dieser Park hat wunderschöne Wasserfälle. Als wir auf den Eingang zum Nationalpark hinzu fuhren fragte ich mich, wo denn die Wasserfälle überhaupt sind, denn die Gegend war flach. Nach dem Lösen des Eintritts in den Park und nach Besteigen des Transferbusses war klar, was da abging: der Bus fuhr nach unten, wo der Fluss ein Bett gebildet hatte. Also was ähnliches wie der Grand Canyon in den USA. Wir waren gegen 16:30 Uhr am Start des Rundgangs und es hatte nicht allzu viele Leute. Der Rundweg im Nationalpark war aufgeständert und man ging hauptsächlich auf Holzplanken. Der Weg führte durch einen Wald, und auch über Bäche und kleine Flüsse. Wir sahen viele Frösche, welches sich gegenseitig zu einem Konzert anzustacheln schienen. Aber auch Libellen, welche tanzten, als gäbe es kein Morgen mehr. Alles in Allem eine wahre Freude, der Natur zuzuschauen. Und man war immer im Wald ober über dem Wasser. Traumhaft. Auch der einsetzende Regen machte nicht viel, denn wir waren ja (fast) trocken im Wald unterwegs. Und da: wieder ein Wasserfall, und hier und hier…

Bei den Hauptwasserfällen hätte man sogar baden können, aber es war aufgrund des vielen Wassers „verboten“. Dh. Dass viele Leute trotzdem gebadet haben 🙂 Krka ist, trotz fast unaussprechlichem Namen, eine Reise wert. Dass dies nicht erst wir erfahren, sondern auch schon die Filmleute von „Winnetou“, ist bekannt. In diesem Nationalpark haben verschiedene Winnetou-Filme gespielt. Unter dieser Website kann man die Filmszenen mit Bildern von heute vergleichen. Ach… Winnetou, der Held unserer Kindheit 🙂

Kurz vor Einnachten fuhren wir vom Eingang/Ausgang des Nationalparks zum Camping Marina, wo wir im Restaurant auch zNacht assen.

Woodys Tag

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Sonntag, 6. Mai 2018: Voller Einsatz für Split

Um 6:02 erwachte ich, weil der Hund des Nachbarhauses zu unserem Camping zu jaulen begann. Sonntags um 6 aufstehen ist toll, dann hat man viel mehr vom Sonntag… Wir frühstückten und räumten zusammen. Heute gehts wieder aufs Festland. Die Halterung der Markise sieht nicht mehr so aus, wie damals, als ich den Camper übernommen habe. Die Markise hält stabil, aber äbe… Ich werde dies mal in Österreich von einem Experten begutachten und allenfalls reparieren lassen. Selbstverschulden… 

Wir gegen 10 Uhr starten wir, fahren nicht die schnelle sondern die schöne Route, dem Meer entlang in Richtung Supetar, um die Fähre nach Split zu erreichen. Die Gegend ist wirklich toll! Abwechslungsreich, tolle Konraste mit den weissen Steinen, den grünen Bäumen und dem blauen Meer. In Supetar fuhren wir auf die Fähre und genossen die Überfahrt nach Split. Gegen 13:00 Uhr waren wir schon in Split und fuhren nach Strobec zum Camping Split. „Harmony of nature, culture and fun“ sagt der Campingplatz auf seiner Website über sich selber. Ein riesengrosser Campingplatz – gar nicht so mein Ding. Wir melden uns an und erhalten Platz 97 zugeteilt. Dieser Platz entspricht uns, stellen den Camper ab und verlassen den Campingplatz wieder um mit dem Bus nach Split zu fahren. Praktisch: die Linie 25 hält direkt vor dem Campingplatz. Allerdings ist der Fahrplan an einem Sonntag nicht so dicht, aber wir hatten Glück und um 14:10 fuhr schon der Bus Richtung Zentrum.

 

Im Zentrum besuchten wir den Diokletianpalast. Dies ist ein antiker Baukomplex, der als Alterssitz für den römischen Kaiser Diokletian diente, welcher als einziger römischer Kaiser 305 n. Chr. freiwillig aus dem Amt schied, gemeinsam mit seinem Mitkaiser Maximian. Der Diokletianpalast bildet heute die Innenstadt der kroatischen Hafenstadt Split und wurde nach der Römerzeit zu einer bewohnten Festung umgewandelt, welche in der Folge an unterschiedliche kulturelle Einflüsse angepasst wurde. Die UNESCO erklärte den Innenstadt-Bereich des Diokletianpalastes im Jahr 1979 zum Weltkulturerbe. Wir bestiegen den Glockenturm der Kathedrale um einen besseren Überblick über die Stadt zu erhalten. Das Zentrum ist sehr überschaubar, sodass wir die Highlights schon bald mal gesehen hatten.

Split hat auch einen Bahnhof. Sogar zwei Bahnhöfe. Der kleinere am Hafen, und der grössere in etwa 40 Minuten Fusswegdistanz, die Woody und ich gerne bei 28 Grad unter die Füsse nahmen 🙂

Auch der Bahnhof Split Predgrade war sehr überschaubar. Klar ist er vom Zugverkehr her nicht mit einem Zürich Stadelhofen vergleichbar, aber dass quasi nix fährt, das haben wir uns schon nicht so vorgestellt. Irgendwie hatten wir aber auch Glück, denn schon in 45 Minuten fuhr ein Zug von Sibenik her zum Hafenbahnhof von Split. Diesen wollten wir nehmen und somit per Bahn wieder ins Zentrum der Stadt gelangen. Der Zug fuhr pünktlich, Fahrausweise mussten wir beim Schaffner lösen. Dieser liess die Eisenbahnerkollegen die 4-Minuten-Fahrt gratis absolvieren. 

Vom Hafenbahnhof aus gingen wir wieder in die Innenstadt, wo wir im Restaurant Portofino fein zNacht assen. Danach gings wieder mit dem Bus zum Campingplatz, wo wir wieder die beiden Amerikanerinnen trafen, welche wir schon auf dem Platz ausserhalb Dubrovniks kennen lernten. Die Camperwelt ist eben klein…

„Split muss man sehen“, haben wir uns gesagt und wir gaben alles dafür, dass wir dieses Kleinod an der Adria auch sehen konnten. Rückblickend muss jedoch gesagt werden, dass die Stadt keinen Umweg wert ist.

Woodys Tag

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Samstag, 5. Mai 2018: Der schönste Sandstrand Kroatiens

Irgendwann war Tagwach und wir genossen unser Frühstück unter den Olivenbäumen. Der Wetterbericht für heute ist nicht überragend. Leichtes Gewitterrisiko ist für heute in Aussicht. Tatsächlich beginnt es leicht zu regnen, aber nur ein paar Tropfen. Wir wollen heute noch an den Strand nach Zlatny Rat, dem Goldenen Horn, dem schönsten Standstrand Kroatiens. In einer Regenpause satteln wir die Fahrräder und fahren an den Strand. Es hat nicht viele Leute, und der Strand ist wirklich sehr hübsch. Der Sand dieses Sandstrandes wird, je näher man kommt, immer grobkörniger. Am Ende war der Sandstrand nichts anderes als ein Kieselstrand wo man (also ich) läuft, wie wenn man zu Hause auf einen Lego-Stein tritt… Es hat viele Bars an diesem Strand (welcher an und für sich wirklich hübsch ist, aber einfach kein Sandstrand…) und irgend eine Bar stellt Liegestühle zur Verfügung – vermutlich sogar gratis, denn einkassiert wurde nicht.

Wir genossen den Nachmittag am Strand mit lesen und dösen, dazwischen kamen ein paar Tropfen von oben, und wir gingen sogar ins Wasser und schwammen ein paar Züge. Wir genossen den Tag am Strand und erst als wir fast die letzten Badegäste waren, fuhren wir mit dem Velo zurück zum Camping. Es begann tatsächlich wieder zu regnen und in einer Regenpause gingen wir zu Fuss ins Dorf um zu essen. Kaum haben wir uns im Restaurant Dalmatino zu Tisch gesetzt, begann es zu schütten – easy, wir waren ja im Trockenen…    

Nach dem Essen kamen wir nach Hause und ich bemerkte, dass man die Markise des Campers bei einem Gewitter nicht draussen lassen soll: das Teil hing irgendwie schräg am Camper, weil eine Stütze abgeknickt war. Wir rollten die Markise so gut es ging ein und gingen schlafen.

Woodys Tag

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Freitag, 4. Mai 2018: Super Bol

Mitte in der Nacht hat der Regen aufgehört. Wir packten unsere Siebensachen zusammen und fuhren los. Es war ein toller Campingplatz. Sehr sauber und eine tolle Aussicht auf die Adria. Kein Vergleich zu den teilweisen eher qualitativ schlechteren Plätzen in Italien.

Im Dorf hatte es am Morgen auf der Hauptstrasse einen tödlichen Verkehrsunfall gegeben. Die Strasse ist nur einspurig befahrbar und es hatte sich ein grösserer Stau entwickelt. Wir fuhren zuerst ins Dorf und gaben im Dorfladen unser Leergut zurück. Der Umweg lohnt sich eigentlich nicht, für die paar Kuna… Im Dorf hat uns das Navi dann eine alternative Route Richtung Norden vorgeschlagen. Diese nahmen wir und glaubten, dass wir so dem Stau auf der Hauptstrasse entkommen sind. Die vorgeschlagene Strasse war eher eine Drittklass-Strasse. Sie hat sich danach noch in eine Naturstrasse verwandelt und aufgrund des Regens hatte es verschiedene Wasserlöcher auf dem Fahrweg. Im Wissen drum, einen 4×4-Camper zu haben und mit der nötigen Portion Selbstbewusstsein fuhr ich  diese Strasse weiter. Ein bisschen mehr als Schritttempo lag drin, schneller wagte ich es nicht. Irgendwann kamen wir wieder auf die Hauptstrasse 8 und konnten nordwärts fahren.

Wer die Landkarte von Kroatien anschaut sieht, dass die Gegend um Dubrovnik von Kroatien abgeschnitten ist, weil ein bisschen Bosnien-Herzegowina ans Meer ragt. Das heisst auch, dass die Hauptstrasse 8 ab Dubrovnik nordwärts durch Bosnien-Herzegowina führt. Also Ausreise Kroatien, Einreise Bosnien-Herzegowina – 5 km durch Bosnien-Herzegowina fahren – Ausreise Bosnien-Herzegowina, Einreise Kroatien. In unseren zentraleuropäischen Zeiten von Schengen-Abkommen eine ungewohnte Situation. Aber die ganzen Grenzübetritte verliefen locker, keine Wartezeiten, keine Durchsuchungen von Auto etc. Kroatien baut aktuell eine Brücke, die das Gebiet von Bosnien-Herzegowina umfährt und über die kroatischen Inseln vor dem Festland führt. Ab 2022 sollen die Grenzübertritte in dieser Form nicht mehr notwendig sein. 

Wir fuhren nach Makarska, wo wir die 12:30 Uhr-Fähre auf die Insel Brač erreichen wollten. Wir hatten eine halbe Stunde Zeitreserve, ein kurzer Stop bei einem Händler nach der bosnisch-herzegowinisch/kroatischen Grenze lag noch drin, wo wir noch ein paar Orangen, Zitronen und Erdbeeren kauften – alles aus kroatischem Anbau (und die kroatischen Erdbeeren waren leckerer als die aktuell in der Schweiz erhältlichen aus Spanien…). Rund eine halbe Stunde vor Abfahrt der Fähre erreichten wir das Pier. Die Fähre ist klein, und es gab ein Risiko, dass wir diese verpassten und erst die nächste 5 Stunden später nehmen können… Aber eben, wir hatten Glück! Woody kaufte die Tickets für die stündige Überfahrt und dann ging der Belad los. Damit es beim Ablad in Sunmartin schneller geht mussten alle Autos tatsächlich rückwärts auf die Fähre fahren. Es war eigentlich lustig, diesem Treiben zuzuschauen… 🙂 , bis zu dem Moment, wo es dann einem selber betrifft… Aber schlussendlich war es keine grosse Sache. 

 

Nach knapp 45 Minuten kamen wir in Brač an und fuhren gleich los Richtung Bol, unserem heutigen Tagesziel. Die Insel Brač ist sehr gebirgig und recht schnell waren wir auf 400 m ü M. Über eine Serpentinenstrasse ging es dann runter nach Bol, immer mit einer wunderbaren Windschutzscheibenaussicht aufs Meer. Der erste Campingplatz unserer Wahl, der mit der besten Bewertung, war noch geschlossen. Der Campingplatz Kanun war zwar nicht am Meer, aber wunderschön in einem Olivenhain gelegen, mit Sicht aufs Meer. Wir richteten uns ein und wurden von den anderen Campern begrüsst (Rolf aus Zürich, welcher pro Jahr 6 Monate auf diesem Platz ist; Franz und Eveline aus Österreich, mit ihrem Camper Ozzy „Wie Ozzy Osbourne, gell. Der Bus raucht auch so viel…“ und ein Paar mit einem Campingbus aus Bayern). Woody ging mit dem Velo einkaufen und ich richtete uns ein. Am Abend gingen wir mit dem Velo ins Dorf Bol ins Restaurant Pumparela, idyllisch am kleinen Hafen gelegen.  

Bol ist wunderschön und ist aktuell noch überhaupt nicht überlaufen. Uns gefällt es hier super! Super Bol!

Woodys Tag

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Donnerstag, 3. Mai 2018: Pseudopus apodus

Woody und ich haben uns vorgenommen, einen gemütlichen Tag einzuschalten. (Fast) nichts tun. Und das den ganzen Tag. Doch es kam anders…

Woody ging ins Dorf und kaufte fürs Frühstück ein, währenddessen ich das restliche Zmorge vorbereitete. Das Frühstück war lecker, auch wenn der frisch gepresste Organgensaft heute ausfiel. Anschliessend war es wieder mal an der Zeit, ein bisschen Wäsche zu waschen. Auch wenn der Wetterbericht für heute nicht das ganz schöne Wetter voraussagte, wollte ich es wagen und die Wäsche an der kroatischen Sonne trocknen lassen. Das Aufhängen war schon fast beendet, als unser Campernachbar, ein Brite der Wert drauf legte, dass er Waliser sei, den Campingplatz lauthals informierte

„Look, there is a snake!“ Ich stellte mich cool, holte den Fotoapparat und schoss ein Bild dieses etwa 1,5 Meter langen Tiers, welches sich auf den Strässchen grad unterhalb unseres Campers zuerst still verhielt, aber dann recht schnell auf mich zukam aber natürlich im Steinhaufen unter mir verschwand. 

Shit.

Das war gar nicht das, was ich mir in meiner Nachbarschaft vorgestellt habe. Dann kamen die Deutschen unter uns dazu und meinten, dass sie im Internet gelesen haben, dass es in Kroatien ganz giftige Schlangen gebe. Und sie waren vor 2 Jahren in Namibia auf einer deutschen Farm und die Hunde dort gehen immer auf die Schlangen los und verenden dann, weil sie gebissen werden. Aber hier in Kroatien sei es ganz schlimm und überhaupt.

Ok. Es bestand also Lebensgefahr.

Da ich ja jetzt ein Bild dieses Tiers hatte, ging ich damit zur Reception und zeigte ihm dies. „Oh, thats a we call it in croatian ‚Blavor‘. It‘s not dangerous.“ Es sei eine Echse und er googelte mir das auf deutsch – es handelte sich beim fraglichen Tier um einen Scheltopusik. Noch nie was davon gehört… Auch der lateinische Name Pseudopus apodus sagte mir nix… Als auf Wikipedia noch der Begriff „Panzerschleiche“ stand, war ich fast schon überzeugt, dass das Teil nicht gefährlich ist. Aber einfach nur gruuusig… wääh…

Plötzlich begann es zu tröpfeln, aber nur einige Tropfen. Kein Grund die Wäsche reinzunehmen, denn nach 2 Minuten war der Spuk schon vorbei. Wir gingen zur Reception und ein bisschen zu interneteln, z.B. Berichte hochladen, und lebten in den Tag. Einmal tröpfelte es noch, aber eben, so wenig, dass der Boden nicht mal nass wurde.

Irgendwann fielen Tropfen vom Himmel, die nicht mehr ein tröpfeln waren. Ich machte mich auf zu unserem Platz um die Wäsche abzunehmen. Aber es war eigentlich kein Regen, sondern ein Wolkenbruch. Als ich beim Camper war, war nicht nur die schon beinahe trocken gewesene Wäsche wieder nass, sondern auch ich.

Der Abend war eigentlich öde. Es tröpfelte, regnete, schüttete – einfach nichts angenehmes. Wir verzogen. Uns in unseren Camper, kochten was aus den Vorräten und hörten zu, wie der Regen aufs Camperdach prasselte.

Vor dem Einschlafen schaute ich auf Wikipedia noch einmal die Angaben zu der Schlange nach. Sie sei tagaktiv. Ich hoffte, dass das dieses Tier auch weiss…

Woodys Tag

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Mittwoch, 2. Mai 2018: Game of Thrones

Gegen 7 Uhr erreichten wir Dubrovnik. Nach Fahrplan hätten wir um 8 Uhr ankommen sollen. So müssen wir bis 8 Uhr an Bord bleiben und um 8:10 Uhr fuhren wir mit dem Camper schon vom Schiff. Die Einreise für Kroatien bedingt eine Passkontrolle, da Kroatien nicht im Schengenraum ist. Dies nahm rund eine halbe Stunde in Anspruch und dann waren wir schon unterwegs zum Camp Pod Maslinom in Orasac, in der Nähe von Dubrovnik. Obschon wir schon recht früh dort waren, konnten wir uns einen Platz auswählen. Der terrassenförmig angelegte Platz hat Aussicht aufs Meer, und genau einen solchen Platz haben wir erwischt…

Der Platz ist sehr sauber, die sanitären Einrichtungen sind toll und recht neu und das Personal ist sehr freundlich! Wir richteten uns kurz ein und fuhren anschliessend mit dem Regionalbus nach Dubrovnik. 

Dubrovnik ist eine sehr sehr schöne Stadt. Wenn es aber viele Kreuzfahrtschiffe hat, ist die Stadt sehr schnell sehr stark überlaufen. Heute hatte es im Hafen zwei grössere Schiffe und das machte sich in der Stadt bemerkbar. Für meinen Geschmack waren dies zu viele Leute, das Spazieren in den Gassen war nicht so unbeschwert wie man es gerne hat…

Trotzdem hat Dubrovnik seinen Charme. Die Stadt ist trotz der vielen Touristen immer noch sehr sauber – ein Umstand, welcher mir schon bei den beiden anderen Besuchen hier aufgefallen ist. Und das burgähnliche Ambiente mit der tollen Stadtmauer ist einfach speziell…

 

Hier wurde noch also die Mega-TV-Serie „Game of Thrones“ gedreht, von welcher ich bisher noch keine einzige Sendung gesehen habe… Der Hype um diese Serie ist überall sichtbar: Souveniers, Touren, Bücher – sehr vieles wird hier in diesem Zusammenhang angeboten – und ich verstehe nur Bahnhof (wobei es in Dubrovnik keinen Bahnhof hat weil es keinen Bahnanschluss gibt).

Wir entflohen dem Rummel und fuhren mit der Seilbahn auf den Hausberg Dubrovniks. Hier hatte es weniger Leute und erst noch eine tolle Aussicht auf die Stadt.

 

Um 17:30 fuhren wir mit dem Bus zurück nach Orasac zu unserem Camper. Wir genossen einen tollen Sonnenuntergang. Leider ist das Restaurant am Strand unten noch geschlossen. Leider sind die beiden Restaurants im Dorf ebenfalls noch geschlossen. Aber der Lebensmittelladen war geöffnet und wir kauften ein paar Dinge für ein Männerznacht ein (Bier reicht doch, oder?)

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Dienstag, 1. Mai 2018: Shop til you drop…

Ich habe wenig, aber gut geschlafen. Woody hat wenig und schlecht geschlafen. Seine neue Schlafposition ist für ihn offenbar noch ungewohnt. Zum Frühstück habe ich aus den letzten 2 Kalabrien-Orangen zwei volle Gläser Jus gepresst. Dies wird das letzte Frühstück auf dieser Reise in Italien sein. Gestern haben Woody und ich beschlossen, dass wir am Abend mit der Fähre von Bari nach Dubrovnik fahren und somit das nächste Frühstück in Kroatien sein wird.

Das Ausparken aus der Fahrzeugreihe war ähnlich spektakulär wie das einparken. Der von mir vorgeschlagene Weg war dem Camping-Boss zu einfach und wir vollführten ein grösseres gira-destra-sinistra-Attenzione-vai-ok-destra-Manöver. Fahrten in Städten mit ihren engen Gassen waren weniger Furcht einflössend als das Gewinke dieses Camping-Francescos. Aber auch das schafften wir dann irgendwie. 

Der erste Tagesstop war das Puglia-Outlet ein paar Kilometer ausserhalb von Molfetta, dem Nachbarstädtchen von Bisceglie. Beim Namen „Outlet“ habe ich immer das Gefühl, dass ich in den nächsten Stunden riesige Schnäppchen machen werde. Und Mal für Mal stelle ich fest, dass ich wenig bis nix kaufe. Ich buche das jeweils unter der Bezeichnung „Shopping-Erlebnis“ ab. Toll an diesem Outlet war das flächendeckende schnelle WLAN. So sassen wir einen Moment hin und buchten die Fahrt auf der Fähre von Bari nach Dubrovnik. Die elf Stunden Fahrt kosteten fast das Doppelte wie die 19 Stunden auf der Fähre von Genova nach Palermo… Oder waren das die Last-Minute-Preise?

Bis zur Abfahrt des Schiffes blieb noch Zeit. In meiner Google-Liste „Dinge die ich auf meiner Reise wenn möglich sehen will“ war die Stadt „Altamura“ drauf. Keine Ahnung, warum ich diese auf die Liste genommen habe, aber wir fuhren hin. Die Zufahrten zum Zentrum von Altamura waren abgesperrt und wir mussten ausserhalb parkieren. Als wir ins Zentrum kamen, sahen wir auch warum das Zentrum abgesperrt ist: Es fand das grosse Federicus-Fest statt! Federicus ist der Stadtgründer und jährlich verwandelt sich die Stadt zurück ins Mittelalter. Viele Besucher tragen mittelalterliche Kleidung und auch die Strassenmusiker spielen Musik aus dieser Zeit (damals wohl aber noch ohne Verstärker…). Wir genossen es, durch die engen Gassen zu gehen und den vielen Attraktionen zuzuschauen. Aber es hatte wirklich SEHR viele Leute an diesem Fest und irgendwann ist man dann auch froh, wieder aus dem Städtchen raus zu können. 

Auf dem Weg zum Parkplatz machten wir Halt in einem Caffé. Dort lag die rosarote „Gazzetta dello Sport“ auf und sie hatten tatsächlich einen Bericht drin über YB: „Il ritorno del vecchi Giovani Ragazzi“ haben sie den fast dreiviertel Seiten langen Bericht betitelt. Ich erzählte dem Barkeeper die Wichtigkeit dieses Berichtes und fragte, ob ich den Artikel allenfalls rausreissen und mitnehmen dürfe. Mit einem verachtenden Blick und einer entsprechenden Handbewegung sagte er wohl „Klar, nimm den Mist, das interessiert hier eh niemanden. Ausser die Serie A ist alles in Europa Mist. Aber wenn du dies unbedingt willst – werde glücklich damit!“ Ich riss den Artikel raus und zeigte ihn einem älteren Gast in diesem Caffé. Mit einem verachtenden Blick und einer entsprechenden Handbewegung sagte er wohl „Klar, nimm den Mist, das interessiert hier eh niemanden. Ausser die Serie A ist alles in Europa Mist. Aber wenn du dies unbedingt willst – werde glücklich damit!“. Dann kam mein Auftritt: ich fragte ihn, was er im Juni so mache, wenn die Fussball-WM läuft. Ob er dann Holland unterstütze? 🙂 Er holte tief Luft und setzte zu einem Referat an, in welchem er mir während den nächsten 20 Minuten erklärte, was im italienischen Nationalteam falsch laufe. Er hat sein Referat im Jahre 1970 bei der WM in Mexiko angefangen… Nun weiss ich alles. Und er unterstützt übrigens Deutschland, weil die den schönsten Fussball spielen.

Wir fuhren weiter nach Bari. Zuerst gingen wir einchecken und fuhren dann zur Mole 3, wo das Schiff beladen wird. Es verläuft alles wie erwartet und wir können recht schnell aufs Schiff fahren. Die MV Dubrovnik der kroatischen Reederei Jadrolinjia ist kleiner als das Schiff von Genua nach Palermo, aber älter. Der Kahn aus den 1970er-Jahren hat seine besten Zeiten schon längere Zeit durch. Heute hat es offenbar nicht viele Leute, denn auf dem Autodeck bleiben viele Plätze leer. Wir beziehen unsere Zweierkabine welche recht klein ist, aber durchaus komfortabel. Wir haben auch gleich das Nachtessen mitgebucht und gehen noch vor Abfahrt ins Bordrestaurant. Suppe – Spaghetti – Salat – Rumpsteak – Früchtekuchen und Käse. Ein klassischer Sechsgänger… Nach dem Essen schauen wir noch einen Moment der Ausfahrt aus Bari zu und gehen anschliessend in die Koje.

Woodys Tag

 

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Montag, 30. April 2018: Die Ablösung ist da!

Nach einer gut geschlafenen Nacht bin ich recht früh erwacht. Ich habe in meinem Buch gelesen, in welchem der Mordfall wieder eine unerwartete Wendung genommen hat. Nur noch 450 Seiten zu lesen…

Heute kommt die Ablösung – ich erwarte Woody. Treffpunkt und so haben wir bewusst offen gelassen. Aufgrund der Feiertagsbrücke sowie der mangelnden Verfügbarkeit von Campingplätzen werde ich eine zusätzliche Nacht auf dem bescheidenen Campingplatz in Bisceglie buchen und Woody am Flughafen von Brindisi abholen. Kurz nach 10:00 Uhr spazierte ich zum Bahnhof von Bisceglie (ok, es war kein Spaziergang, sondern ein längerer Marsch. Ist noch gross, dieses Bisceglie…) und nahm den Zug nach Bari. In Bari habe ich zwei Züge übersprungen um einen auf Trainspotting zu machen. Ich will Woody schliesslich dann erzählen, was es in Bari alles zu sehen gibt (für Nerds: In Bari Centrale halten die Züge von Trenitalia. Im Nebenbahnhof von Bari fährt die normalspurige Ferrovia Del Nord Barese, welche ihre Züge neu gelb-schwarz färbt.. Und in einem anderen Bahnhof 10 m weiter fährt die schmalspurige Ferrovia Appulo Lucane – mit Fahrzeugen von Stadler. Und beim Gleis 10 des Bahnhofs Centrale fahren die Züge der Ferrovia del Sud Est – uff! Jede Bahn hat ihren Bahnhof…).

Nach einer Fototour ging es weiter nach Brindisi. Kurz was gegessen und dann im Tabacchi Fahrkarten für den Bus zum Flughafen gelöst. Den Bus 14:28 ab Bahnhof habe ich knapp verpasst. Der Bus 14:58 ist nie gekommen (ein Fahrer der Busunternehmung hat gesagt, ich habe am falschen Ort gewartet oder den Bus nicht gesehen…) und der Bus 15:28 hatte 5‘ Verspätung. Mann, der Woody ist sicher schon bald in Brindisi Centrale, wenn das nicht klappt… Dann aber kam ein Bus, ich fuhr damit zum Flughafen, wo Woody schon wartete und in den selben Bus zurück zum Bahnhof einstieg. Hat ja nochmal geklappt.

Dann fuhren wir zurück nach Bisceglie, wobei wir in Bari einen längeren Umsteigeaufenthalt machten. Dank meinen Tipps konnte. Woody zur Fotopirsch starten und ich schaute aufs Gepäck. In Bisceglie angekommen bestellten wir ein Taxi, welches uns zum Campingplatz brachte. Der Taxichauffeur war sehr gesprächig, schade sprach er nur Dialekt…

Im Camper haben wir uns nun so eingerichtet, dass ich oben schlafe und Woody unten – die hintere Sitzbank haben wir ausgestreckt und er hat den Schlafsack dabei. Offenbar geht das gar nicht so schlecht. Bonne nuit, Georges du Bois.

Woodys Tag

 

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