24. August 2016: 4:0 und 1:6

Morning Glory am Hauptkanal von Papenburg

Wenn wir nun wie bisher jeden 2. Tag joggen gehen, hätten wir gestern gehen sollen. Sind wir aber nicht. Drum gehen wir heute zeitig auf und drehen in Papenburg ein paar Runden am Kanal. Anschliessend ein Besuch im Frühstücksraum und wir verlassen Papenburg. Unser nächster Fixpunkt ist Düsseldorf, 250 km entfernt. Irgendwie mag ich nicht 250 km auf der Autobahn rasen/fahren, andererseits wäre der Weg über die Hauptstrasse rund 1,5 Stunden länger. Also entschied ich mich für ein Mix aus beiden Lösungen, beginnend mit der Fahrt über die Hauptstrasse. Nach rund 25 km hatte ich aber schon genug von der Hauptstrasse und ich suchte auf direktem Weg die Autobahn zu erreichen. Aufgrund von Bauarbeiten wurden wir über eine Umleitung auf die Autobahn gelenkt. Und in Deutschland können Umleitungen sehr weit gehen. Diese Umleitung ging so weit, dass sie uns wieder in Richtung Papenburg führte und wir 5 km von Papenburg auf die Autobahn kamen… Hätte man auch einfacher haben können…

Die Fahrt nach Düsseldorf verlief nahezug problemlos – irgendwelche Hochgeschwindigkeitspsychos hat es aber immer. Auch unser Hotel in Düsseldorf, das Radisson, fanden wir dank Navi recht schnell. Unser Zimmer liegt im 8. Stock und bietet einen tollen Ausblick aufs Hilton 🙂

Am Spiel

Nach einer Akklimatisierung ging's los Richtung Innenstadt. Hier trennten wir unsere Programme in ein Damen- und in ein Herrenprogramm. Also Shopping und Fussball. Während Bettina den Kleidergeschäften nachging (im Hallhuber zu Düsseldorf war heute Shopping Queen zu Besuch. Die Kandidatin hat für €400 eingekauft – sagte die Verkäuferin zu Bettina), pilgerte ich nach Mönchengladbach um das Rückspiel der Champions League-Playoffs zwischen der Borussia und YB zu schauen. Man kann sagen, dass Bettina das erfolgreichere Programm hatte als ich. Sie hat etwa 4:0 gewonnen, ich 1:6 verloren… Nun, Fussball ist ja nur ein Spiel hahahahahahahaaaaa

Meinen Bruder, seinen Sohn und weitere bekannte YB-Fans traf ich nach dem Spiel beim Stadion. Obschon das Stadion sehr neu ist, war nach dem Spiel ein veritables Verkehrschaos ausgebrochen, wo alle Besucher ausser Fussgänger im Stau stecken blieben. Ein Stadion auf der grünen Wiese zu bauen und dann den Verkehr lassen wie er vor dem Bau war, lohnt sich eben nicht…

Eeeeeeinsteigen bitteeeee!

Aber auch der öV hat nicht brilliert. Am Hauptbahnhof in Mönchengladbach stand ein kurzer Zug nach Düsseldorf bereit. Bei Weitem nicht alle Reisenden bzw. potenziellen Reisenden konnten einsteigen. Wir organisierten uns ein Taxi und fuhren mit diesem nach Düsseldorf. Und hier haben wir wieder einiges erlebt: selbstverständlich wusste der Taxifahrer aus Mönchengladbach nicht, wo sich in Düsseldorf das Hotel befindet (dies kann ich nachvollziehen) und wollte während der Fahrt die Destination im Navi eingeben. Ich als Beifahrer übernahm dies für ihn, denn ich glaube nicht, dass er fahren und eingeben gleichzeitig zu Stande gebracht hätte. Die Fahrt auf der Autobahn war abenteuerlich. Mit 170 km/h bretterten wir mit dem B-Klasse-Mercedes in Richtung Düsseldorf und überholten alles, was gleichzeitig unterwegs war. Dann waren wir in Düsseldorf – noch den Rhein überqueren und abbiegen, dann wären wir beim Hotel. Wären. Der Taxifahrer interpretierte das Navi nicht korrekt und fuhr ins Kraut. „Bitte wenden“ sagte die Dame, was er auch gemacht hat. Und interpretierte das Navi noch einmal auf seine Art, fuhr wieder falsch und fuhr noch einmal über den Rhein zurück. Dies war der Moment, wo ich dem Täxeler sagte, wo er durchzufahren hat… Also wieder über den Rhein, dann die Quartierstrasse NICHT verfehlen und schon waren wir beim Hotel. Der Umweg hat sich für den Fahrer gelohnt: er wollte keine Pauschale für die Fahrt abmachen und liess den Zähler laufen…

Ich stieg beim Radisonn aus, Roland und Niklas fuhren mit dem Taxi weiter zu ihrem Hotel.

Seither habe ich nichts mehr von ihnen gehört. Ob ihr Fahrer noch das Hotel sucht?

 

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Dienstag, 23. August 2016: Ferien von den Ferien / Papenburg-Tag

Obwohl wir heute schon kurz vor 07.00 Uhr erwachen, lassen wir es ruhig angehen. Kurz nach 09.00 Uhr treffen wir beim Frühstücksbüffet ein. Unser Hotel ist weitgehend von Business-Reisenden frequentiert und so sind wir um diese Uhrzeit fast die letzten Gäste, die frühstücken. Wir geniessen's umso mehr.

Am Hauptkanal von Papenburg

Danach machen wir uns auf einen Spaziergang, der uns zur alten Meyer-Werft in der Nähe unseres Hotels führt. Die alten Werft-Hallen sind zu einem Hotel bzw. verschiedenen Veranstaltungsräumlichkeiten umgebaut worden. Der alte Werft-Kern ist aber auch da immer noch gut erkennbar. Da wurde bei der Umnutzung ganze Arbeit geleistet. Unser Spaziergang führt uns weiter zum Papenburger Zeitspeicher.

In diesem Zeitspeicher erleben wir auf interaktive Art die Entstehung und Entwicklung der Stadt Papenburg, die gleichsam von der Geschichte der Schifffahrt und des Schiffbaus geprägt ist. Der geschichtliche Rundgang ist originell gestaltet (z.B. Beladen des Schiffs mit Sandsäcken, Holzboot an Kordeln durch den Ems-Kanal führen) und macht echt Spass. Als weiters Highlight ist im Zeitspeicher ein Blick hinter die Kulissen des modernen Automobilprüfgeländes ATP möglich. Hier bietet sich u.a. die Möglichkeit für ein Duell auf der Autorennbahn.

Am Hauptkanal von Papenburg

Als wir den Zeitspeicher wieder verlassen, scheint die Sonne. Wir gönnen uns im Café Engel einen Kaffee und ein Stück Kuchen. Danach schlendern wir entlang des Hauptkanals und stöbern genussvoll in zwei Buchhandlungen umher. Unser Augenmerk liegt u.a. auf den zahlreichen Ostfriesen-Krimis (u.a. von Klaus-Peter Wolf). Wir kehren zurück ins Hotel, ordern einen Friesentee und lesen im Aussenbereich des Hotel-Restaurants. Fürs Nachtessen queren wir den Platz vor unserem Hotel und suchen das Restaurant „Schnürboden Alte Werft“ auf.

Am Hauptkanal von Papenburg

Leider geht mit unserer Bestellung so ziemlich alles schief, was in einem Restaurant schief gehen kann. Kommt dazu, dass die Professionalität des Service-Personals inkl. Chef de Service zu wünschen übrig lässt. Als wir dann aber endlich die bestellten Speisen erhalten, schmecken die Gerichte vorzüglich und wir geniessen die Fischspezialitäten.

Ein kurzer Spaziergang und wir sind wieder zurück im Hotel, wo wir den Abend gemütlich ausklingen lassen.

 

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Montag, 22. August 2016: Es meyert

Hotel Park Inn Papenburg

Während der Nacht hat es wieder stark geregnet. Am Morgen war der Himmel grau und verhangen, aber Tropfen fielen keine mehr vom Himmel. Nach dem Frühstück verliessen wir Ostfriesland in Richtung Süden. Die Fahrt verlief unspektakulär und vor 13:00 Uhr trafen wir in Papenburg ein. Wir parkierten beim Rathaus und holten in der Tourist-Office – welche sich in einem Schiff auf dem Stadtkanal befand – unsere Karten für die Führung durch die Meyer Werft. Diese Werft ist der Hauptarbeitgeber in der Region und baut Kreuzfahrtschiffe, die dann später in aller Welt rumgondeln. Anschliessend spazierten wir noch ein bisschen durch das liebliche Städtchen, welches viele Kanäle hat und das „Venedig des Nordens“ genannt wird (je länger je mehr werden sämtliche Städte, die einen Kanal im Zentrum haben „Venedig des irgendwas“ genannt. Noch eine Bachfreilegung in Bern und wir sind das „Venedig der Alpen“). Anschliessend fuhren wir zum Hotel Park Inn und bezogen dort unser Zimmer. Offenbar geht dies nicht mehr unspektakulär. Wie schon beim Zimmerbezug in Greetsiel wurden wir wortreich über die Annehmlichkeiten des Hotels informiert. Da kommt einem ein Wortschwall entgegen und man(n) muss sehr konzentriert sein, dass kein Detail verpasst wird (Sauna kostet €2.50, bitte eine Stunde vorher anmelden, damit vorgeheizt werden kann). Das Hotel ist am malerischen Hauptkanal gelegen die einzige Lärmquelle (nebst den parkierenden Autos, den vor dem Hotel schwatzenden Rauchern und den aus den Autos entladenen tak-tak-tak-tak-tak Rollkoffern) sind die im Hauptkanal schwimmenden schnatternden Enten – da geht beim Eindunkeln und bei Tagesanbruch die Post ab… 🙂

Besucherzentrum der Meyer Werft

Wir gehen also wieder in Richtung Rathaus, wo der Bus zur Besichtigung der Meyer Werft abfährt. Dieser bringt uns zur Werft, welche sich ausserhalb der Stadt befindet. Schon auf der Hinfahrt erfahren wir von der Guide einiges zur Geschichte von Stadt und Werft. In dieser moorgien Gegend wurde Torf abgebaut, dieser musste verkauft werden und darum baute man Schiffe – um den Torf nach Emden und weiter bringen zu können. And the rest is history… Die Führung war sehr informativ. In 500m langen Hallen werden die grossen Kreuzfahrtschiffe gebaut. Wir hatten Pech, vor 3 Tagen wurde die Genting Dream, das neuste Schiff aus dem Hause Meyer, aus dem Dock ausgeschifft und wird nun vor dem Dock fertig gemacht. Dieses Ausdocken ist ein Ereignis, welches jeweils Tausende von Zuschauern anzieht und auch live im Internet des TV-Senders N3 übertragen wird (das Ausdocken kann in einem Zeitraffer hier anschaut werden). Richtig spektakulär wird es aber, wenn ein Kreuzfahrtriese über den Fluss Ems in Richtung Nordsee fährt: Auch hier sind zwischen Papenburg und der Mündung der Ems in die Nordsee Tausende anzutreffen die dabei sein wollen, wenn das Schiff knapp in die Schleuse passt oder knapp an der Klappbrücke vorbei fährt (Doku dazu hier).

Panoramabild der Genting Dream

Blick in die Werft

Auf der Führung erhielten wir informative Inputs zu Meyer als Arbeitgeber. Da gibt es die 6500 Meyer-Mitarbeiter, welche gelbe Helme tragen, und hunderte Mitarbeitende von anderen Firmen, welche alle anderen Helmfarben tragen. Die Meyer-Leute unterstehen dem Rahmenarbeitsvertrag von IG Metall und arbeiten 35 Stunden pro Woche, die Restlichen unterstehen den jeweiligen Verträgen ihres Berufs. Das heisst für die Meyers, dass sie 35 Stunden an 5 Tagen arbeiten und jeweils von 7 bis 15 Uhr vor Ort sind (1 Stunde Mittagspause). Und dies erklärt auch den Verkehrsstau ausserhalb Papenburgs kurz nach 15:00 Uhr…

Die Führung war so interessant, dass die Zeit im Flug vorbei ging. Um halb 6 haben uns die Busse wieder zum Rathaus gebracht und wir waren wieder in der Stadt mit ihren Kanälen, wo diese Kreuzfahrtschiffe nicht ansatzweise reingepasst hätten.

St. Antonius-Kirche

Ein Besuch in der St. Antonius-Kirche sowie ein Nachtessen im Arkadenhaus rundeten diesen äusserst interessanten Tag ab.

 

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Sonntag, 21. August 2016: OTTO in Emden

(Englisch for runaways/Englisch für Fortgeschrittene: Attention = Ein kleiner Tannanbaum) 😊😉

Der Leuchtturm war am anderen Ufer

Wir erwachen beizeiten. Obschon es in der Nacht recht heftig geregnet hat, ist am frühen Morgen schon alles wieder recht trocken. Wir beschliessen, joggen zu gehen. Hier in Greetsiel hat es gut ausgebaute Nordic Walking Wege. Wir nehmen eine Route und machen uns auf Richtung Pilsumer Leuchtturm – also der Leuchtturm, aus dem Otto-Film. Ich habe mir in den Kopf gesetzt, die Route entlang des Leysieler Speichersees zu machen. Martin legt eine gewisse Skepsis an den Tag. Wenn wir diese Strecke machen, kommen rund 14 km auf nüchternen Magen zusammen. Wir beschliessen, los zu laufen und zu schauen wie wir vorwärts kommen. Himmel, wir kommen gut vorwärts! Die Natur um uns ist gigantisch. So herrlich nordisch: Man kann teilweise fast nicht ausmachen wo das Wasser endet und der Himmel beginnt und umgekehrt. Wie gesagt – wir kommen gut vorwärts und erreichen in einem „Ich fühl mich gut“-Mood die Schleuse Leysiel. Martin ist so motiviert, dass er noch bis zum Leuchtturm will. Wir müssen aber feststellen, dass sich dieser auf der anderen Schleusenseite befindet und so beschliessen wir, den Rückweg anzutreten. Und obwohl wir nun Deich-Innenseiten laufen, kriegen wir die volle Portion Gegenwind ab. Jetzt wird's intensiv. Aber wir sind beide gut und positiv drauf und kommen in unserem Tempo zügig vorwärts. Beide sind wir froh, als wir den Deich hinter uns gelassen haben und wieder auf Greetsieler Boden stehen. Auf den letzten Kilometer gilt es noch zahlreiche kleine Krötchen und Schnecken zu umschiffen und schon stehen wir vor unserem Hotel. Wir ziehen uns ein sauberes T-Shirt an und begeben uns subtio zum Frühstücks-Buffet. So bleibt uns noch eine knappe halbe Stunde fürs Frühstück. Hier gibt es zahlreiche leckere und gesunde Happen und köstliches Greetsiler Schwarzbrot.

Zu Besuch bei Ottto

So gestärkt und anschliessend auch noch frisch geduscht, machen wir uns kurz nach 12.00 Uhr auf Richtung Emden. Wir fahren auf dem direkten Weg – vorbei an den Zwilligingsmühlen von Greetsiel – nach Emden, wo wir in der Nähe des Museums „Det Otto Huus“ einen Parkplatz finden. Rasch zwei Euro Eintritts-Obolus pro Person abgedrückt und wir sind im Museum. Wobei Museum schon fast ein wenig übertrieben ist. Im Parterre ein Souvenir-Shop, im ersten Stock verschiedene Requisiten aus Bühnenprogrammen und Filmen von Otto und im zweiten Stock ist eine Art Kino-Saal eingerichtet, in dem Otto-Live-Aufnehmen in Endlosschlaufe laufen. Wir flätzen uns bald einmal in einem Kinosessel und geniessen die Bühnen-Ausschnitte, die halt einfach immer noch einen sehr hohen Unterhaltungswert aufweisen. Gegen 15.00 Uhr verlassen wir das Haus und schlendern noch ein wenig durch das sonntägliche Emden – das aber nur mässig zu beeindrucken mag. Wenn man dann aber liest, dass 80 % von Emden im Mai 1944 bei einem Grossangriff zerstört worden ist und viele der Bewohner nur dank eines raschen Aufsuchens eines der zahlreichen Bunkers überlebt haben, ist klar, warum die Stadt zwar rund 29 Bunker inkl. Bunkermuseum dafür aber wenig alte Sehenswürdigkeiten aufzuweisen hat.

Wir gönnen uns im Grand Café Emden einen Ostfriesentee und ein Stück Kuhfladen-Torte (tönt nicht sehr appetitlich, war aber sehr lecker.

Die Ostfriesische Teezeremonie:

 

 

Plakette bei der Kesselschleuse

Danach statten wir noch den Pelzerhäusern Nr. 11 und 12 (letzteres um 1585 erbaut, flämisch-niederländische Architektur mit dreigeschossiger Renaissancefassade) einen Besuch ab. Anschliessend fahren wir mit dem Auto zur Kesselschleuse von Emden. Die Kesselschleuse von 1884 ist Europas einzige in Betrieb befindliche Vierkammer-Schleuse, die jährlich etwa 2'800 Schiffe – grösstenteils Sport- und Freizeitboote – passieren. Sie verbindet vier Wasserwege mit unterschiedlichen Wasserständen miteinander: den Ems-Jade-Kanal, den Falderndelft mit Hafen, das Fehntjer Tief und den Stadtgraben.

Kirche in Campen

Dass es nun recht stark zu regnen beginnt, unterstützt unsere Absicht, uns auf den Heimweg zu machen. Auf dem Weg nordwärts regnet's zeitweise so stark, dass die Scheibenwischer das Wasser nicht mehr verdrängen können. Auf der Rückreise statten wir den Warfendörfern Rysum (wir fahren aufgrund des starken Regens nur durchs Dorf), Loquard (wir besuchen die Saal-Kirche aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts) und Campen (wir besuchen die Einraum-Kirche aus rotem Backstein mit dreijochigem Innenraum, reich mit Malereien und Zierrippen ausgestattet sowie den 65 Meter hohen Leuchtturm, der über eine Dreibein-Stahlkonstruktion verfügt).

Durch Regen, Wolken und Regenbogen erreichen wir schlussendlich Greetsiel. Dort angekommen, gönnen wir uns im Restaurant FestLand ein feines Fisch-Abendessen.

 

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Samstag, 20. August 2016: Bye bye Bremerhaven – wir kommen wieder!

Im hoteleigenen Schwimmbad (klein aber fein) schwimmen wir uns wach und frisch. Danach gönnen wir uns ein feines Frühstück im Haverkamp-Restaurant Weinrot.

Kurze Zeit später haben wir alles gepackt und checken aus. Gemäss heutiger Reiseplanung fahren wir mit einem Abstecher über Oldenburg nach Greetsiel in Ostfriesland. Unser Auto-Navi führt uns zielstrebig ans Wasser. Zuerst über eine Strasse mit Wendebrücke, welche die Option bietet, sich um 90 Grad zu wenden, so dass Sport- und Freizeitboote durchfahren können. Anschliessend dann zu einer Fähre die aber leider am heutigen Tag nicht in Betrieb ist. Navi umprogrammieren auf Status „Fähren – nein“ und schon geht's zügig vorwärts.

Der Pilsumer Leuchtturm

In Oldenbrug angekommen, legen wir einen Pipibox-Aufenthalt mit Schorlenkonsumation in einem Bistro ein. Dann gehen wir die Stadt erkunden. In der Filiale einer meiner Lieblings-Kleidermarke (Hallhuber) gibt es heute 15 % Rabatt auf das gesamte Sortiment. Da muss ich kurz rein – kurze Zeit später (Martin behauptet, in dieser Zeit drei Kapitel seines Krimis gelesen zu haben!) verlasse ich das Geschäft mit drei neuen Teilen. Wir schlendern weiter durch das Städtchen und geniessen die entspannte Samstags-Atmosphäre. Gegen 16.00 Uhr machen wir uns über die Autobahn auf den Weg nordwärts nach Greetsiel (teilweise heftige Niederschläge auf der Autobahn).

Restaurant Moin Moin in Greetsiel

Kurz vor Greetsiel ragt in einiger Entfernung der gelb-rot gestreifte Leuchtturm von Pilsum empor. Ruhm erwarb sich dieser Leuchtturm als Zuhause von Otto (und Schildi – der Schildkröte) im Film „Otto der Ausserfriesische„. Das Wetter ist wunderschön und so beschliessen wir, dem Leuchtturm heute noch einen Besuch abzustatten. Der Spaziergang auf dem Deich bis zum Leuchtturm tut uns beiden gut. Der gelb-rote Turm (in dem auch geheiratet werden kann) ist ein wunderschönes Fotosujet. Wir haben Spass und geniessen den Moment. Danach geht's dann endgültig in unser nächstes Feriendomizil. Im Hotel Vitalis checken wir ein und beziehen das Zimmer 109. Wir richten uns kurz ein und gehen anschliessend ins Städtchen. Nach einer ersten Erkundungstour gehen wir im Restaurant „Moin Moin“ Fisch essen. Sehr lecker.

Danach setzen wir unsere Erkundungstour am Hafen (viele Krabbenfang-Boote) fort. Beim Eiscafé am Hafen gönnen wir uns ein dänisches Eis. Dafür müssen wir jedoch anstehen wie in Bern bei der Gelateria. Ein gutes Zeichen. Das Eis schmeckt dann tatsächlich köstlich. Wir setzen uns damit auf eine Bank oberhalb des Hafens und beobachten von da das muntere Treiben in der Hafengegend (inkl. Greetsiler-Kirmes). Offensichtlich macht Eis-Schlecken müde. Denn jetzt sind wir beide sehr müde. Im Hotel angekommen, machen wir uns bettfertig und gehen schlafen.

Hafen Greetsiel

 

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Freitag, 19. August 2016: Leopold Ziegenbein und das Auswanderer-Museum prägen unseren Tag

Leopold Ziegenbein (* 16.11.1874 in Celle; † 21.06.1950 in Nordholz) war ein Nautiker und Kommodore beim Norddeutschen Lloyd (NDL) in Bremen.

Teil unserer morgendlichen Joggingstrecke

Ziegenbein war von 1929 bis 1936 Kapitän der „Bremen“ und damit Kapitän des grössten und luxuriösesten Passagierdampfers der deutschen Handelsflotte. Bereits während der Jungfernfahrt nach New York konnte der neue Vorzeigedampfer des Lloyd das „Blaue Band“ erringen. Er zählt zu den prominentesten deutschen Kapitänen der Handelsschifffahrt.

Im Innern der Kirche wird auch der Schifffahrt gedacht

1992 erhielt der Weserdeich in Bremerhaven den Namen Kommodore-Ziegendeich-Promenade. Und u.a. auf ebendieser Promenade gingen wir heute morgen joggen. Sonnenschein, blauer Himmel, angenehme Temperaturen: So macht morgendliches Joggen wirklich Spass. Wir geniessen das sportliche Feriengefühl. Die anschliessende Dusche und das Top-Frühstück im hoteleigenen Restaurant Havenkamp tragen das Ihrige zur guten Stimmung bei. So gestärkt und in absoluter Ferienlaune brechen wir auf Richtung Stadt-Zentrum. Als erstes statten wir der Grossen Kirche einen Besuch ab. Die Bremerhavener nennen ihre Seefahrer-Kirche aus dem Jahre 1855 einfach „Grosse Kirche“, denn nach wie vor ist der rote neugotische Backsteinbau eines der höchsten Gebäude der Innenstadt. Der Bau ist in rotem Backstein gehalten und mit farbig glasierten Klinkern dekoriert, die Seitenfronten haben gotische Spitzbögen, der Innenraum der Kirche wirkt sehr hell und offen. Nach heftigem Bombardement brannte die Kirche im 1944 völlig aus. Der Wiederaufbau der Kirche wurde 1960 beendet. An der Westseite befinden sich zudem eindrückliche Sandsteinfiguren von Christus, Luther und Zwingli, die 1855 angebracht wurden und bis heute gut erhalten sind.

Neben der Grossen Kirche steht Bremerhavens erstes plastisches Mahnmal zum Gedenken an alle Opfer des Nationalsozialismus. Das Mahnmal zeigt die verzweifelte Situation eines Mannes, der sich der Übermacht einer ihm Gewalt androhenden Gruppe ausgeliefert sieht. Menschengrosse Figuren stehen auf einem durchgehenden Sockel. Mit geballten Fäusten und zu Fratzen verzerrten Gesichtern scheinen sie den Mann drohend zu erwarten. An ihrer Seite steht ein Denunziant, ein Mann mit Brille, welcher mit einem Finger auf das Opfer zeigt. Am anderen Ende ein Torso, ein Mann mit freiem Oberkörper, der nur mit einer Hose bekleidet ist. Sein Kopf ist gesenkt, sein Gesichtsausdruck verschlossen. Er läuft schwankend, in gekrümmter Haltung und droht in der nächsten Sekunde umzufallen.

Auf einer ergänzenden Platte eingraviert ist ein Auszug aus einer Rede des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker vom 08.05.1985 (40. Jahrestag zum Kriegsende und der Befreiung vom Nationalsozialismus):

„Wir gedenken in Trauer aller Toten des 2. Weltkriegs und aller Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Wir gedenken aller Menschen, die wegen ihrer religiösen oder politischen Überzeugung, wegen ihres Andersseins verfolgt und ermordet wurden. Wir gedenken derer, die eher den Tod hinnahmen, als ihr Gewissen zu beugen. Wir gedenken aller Völker, die im Krieg gelitten haben. Wir dürfen nicht vergessen.

Die Toten mahnen uns. Mühen wir uns um Frieden und Menschlichkeit.“

Blick in die dritte Klasse

Beeindruckt ziehen wir weiter. Wir wollen uns das Deutsche Auswandererhaus anschauen. Im Deutschen Auswandererhaus folgen wir den Spuren der mehr als sieben Millionen Menschen, die ab ca. 1870 über Bremerhaven in die Neue Welt ausgewandert sind. Der Rundgang durch das Haus ist den ereignisreichen Lebensgeschichten historischer Auswanderer nachempfunden. Am lebendig gestalteten Kai (beim Original-Kai mit Auswanderer-Denkmal sind wir heute Morgen beim Joggen vorbeigekommen) scheinen die Trauer des Abschieds, die Ungewissheit, aber auch die Hoffnungen und Träume der Auswanderer zum Greifen nah. Als Besucher begleitet man den Aufbruch in die Neue Welt von den Bedingungen der Überfahrt (schlechtes Essen in der 3. Klasse bis zu genussvoller Überreise in der 1. Klasse aber auch klassenunabhängige Seekrankheit) bis zur Einwanderung in die USA. Ihren Abschluss findet die Reise in einem Nachbau des Grand Central Terminal. Der prächtige New Yorker Bahnhof symbolisiert die kulturelle Vielfalt der Neuen Welt (Frau mit Kind aus Friesland steckt dem dunkelhäutigen Gepäckträger Zettel mit der Aufschrift „Trein tu Schikago“ zu).

Ankunft in der New Yorker Central Station

Zudem kann man in einem Ausstellungsgebäude ausserdem einen Einwanderer auf seinem Weg nach Deutschland begleiten, was natürlich auch sehr interessant ist und einen klaren Bezug zur Aktualität gibt. Das ist nicht mehr Museumsgeschichte von anno dazumal. Nein, das ist Gegenwart. In einer detailgenauen Rekonstruktion einer Ladenpassage aus dem Jahr 1973 lassen sich zwischen den nostalgisch anmutenden Verkaufsartikeln Erinnerungsstücke und Spuren der Einwanderer entdecken.

Sehr gut gemachte Ausstellung. Rauminszenierungen, Klanginstallationen und moderne Museumstechnik erlauben eine Zeitreise durch die Migrationsgeschichte aus und nach Deutschland.

Der Kopf ist voll, die Eindrücke wirken. Wir gehen nach draussen in die Sonne und gönnen uns ein Eis.

Gegen 16.30 Uhr finden wir uns vor dem Deutschen Schifffahrtsmuseum ein, um eine Hafenrundfahrt mit dem Bus zu machen. Hier geht es nicht primär darum, die „dicken Pötte“ vom Wasser aus zu sehen, sondern einen Einblick in die logistische Hafenwelt (Warenablieferung per Truck, Warenlagerung (inkl. Kühlung), Verladung auf das Schiff, Verzollung) zu erhalten.

Auf die Minute pünktlich fährt der doppelstöckige, gelbe HafenBus vor. Wir steigen ein, beziehen gute Plätze im vorderen Busteil und schon geht's los. Durch das Zolltor Roter Sand fahren wir in den Freihafen hinein. Aufgrund der Zollfreiheit muss jeder Tour-Gast einen gültigen Personalausweis mit sich führen – die Fahrt geht quasi „ins Ausland“…

Das Container-Terminal ist eines der grössten der Welt. Hier werden die riesigen Containerschiffe be- und entladen. Mobile Container-Kräne (analog Reifenportal-Kran im GBT) bringen die Container zu den korrekten Beladungszonen, die einem Schiff zugeordnet sind. Anschliessend werden die Container von gigantischen Kränen gemäss Beladungs- und Entladungsplanung formiert und anschliessend auf die „dicken Pötte“ gehoben. Zwischengelagerte Container mit verderblicher Ware werden bei grossen Metall-Konstruktions-Wänden abgestellt, wo sie sich „an den Kühlschrank andocken“ können.

Arbeiten im Trockendock

In einem weiteren Bereich des Hafens dreht sich alles um Fahrzeuge, die auf eigenen Rädern bewegt werden können (roll on, roll of ==> roro area). Bremerhaven ist der grösste Umschlagplatz für Autos in Deutschland. Auf riesigen Flächen des Auto-Terminals warten die Wagen auf ihren Ab- oder Weitertransport. Die Fahrzeuge kommen aus Asien oder Nordamerika an oder von hier in aller Herren Länder exportiert. Aber hier stehen nicht nur klassische PWs. Hier stehen: Wohnwagen, Camper, Feuerwehr-Autos, diverse Landmaschinen, diverse militärische Fahrzeuge, Oldtimer, diverse Kräne, spezielle Ladewagen, Busse, Forst-Fahrzeuge, Schulbusse etc.. Je eine Fläche für den Exporthafen bzw. den Importhafen. Mit Kränen und Van-Carriers wird die Ware sicher vom Schiff oder auf das Schiff verladen. Die Schiffe, die heute im Hafen stehen, fassen zwischen 5'000 und 6'000 PWs. Die Abläufe werden sehr sachkundig erläutert (inkl. Zahlen-/BuchSTaben-Kombination auf den Containern). Zuletzt geht die Fahrt zur Lloyd Werft, auf der die Pötte revidiert und teilweise umgebaut werden. Bekannt ist die Werft auch für Ihre „Verlängerungen“. Da wird ein Schiff in zwei Hälften getrennt, so dass ein neues Mittelstück eingesetzt werden kann. Schwimm- und Trockendocks sind während unserer Durchfahrt gut belegt zu sehen. Nach rund zwei Stunden kehren wir wieder in die Stadt zurück.

Da das Wetter heute weniger schön ist als gestern, essen wir indoor im Restaurant Weinrot unseres Hotels. Lecker, stylisch, freundliche Bedienung.

 

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Donnerstag, 18. August 2016: Moin, moin, Hamburg.

Bettina sagte, dass diese Schlafwagenfahrt ihr „bestes Schlafwagenschlaferlebnis ever“ war. Ich erwachte gefühlte 10x, konnte aber immer wieder sofort einschlafen. Unser Wagen war direkt hinter der Lok eingereiht – erfahrungsgemäss ist der Komfort schlechter, da die Kräfte der Lok auf den Zug nicht noch durch andere Wagen abgefedert werden. In Lörrach hatte ich das Gefühl, dass wir zu spät abfuhren. In Hamburg-Altona sind wir jedoch eine halbe Stunde zu früh angekommen. Wird wohl ein spezieller Fahrplan wegen Bauarbeiten sein, sodass unser Autozug beschleunigt wurde. Uns soll es recht sein, denn wir hatten nach Ankunft grad ein Anschlussprogramm gebucht, welches keine Minute Verzögerung erlaubt… 🙂

In Hamburg-Altona angekommen

Nach dem Frühstück im Abteil (welches auch immer spartanischer ausfällt – die Deutsche Bahn lässt das Angebot „Autozug“ wirklich zugrunde gehen) fuhren wir ohne Halt durch den Hauptbahnhof Hamburg und kamen einige Minuten später in Hamburg-Altona an. Einfahrt auf Gleis 7, Auslad der Autos auf Gleis 6. Der Auslad in Altona ist dahingehend speziell, dass der Auslad IM Hauptbahnhof erfolgt. Also nicht wie in Lörrach im Güterbahnhof, sondern man lädt das Auto ab und fährt durch die Bahnhofhalle, vorbei an Kiosken und Brezelkönigen, aus dem Bahnhof heraus. Bis es aber soweit war, mussten die Wagen des Autozugs von unserem Zug auf Gleis 6 zum Auslad gebracht werden. Dieses Mal ging der Rangierdienst einfacher vonstatten… Bettina traf auf dem Perron noch einen Arbeitskollegen, welcher zufällig auch auf dem gleichen Zug war. Er war mit dem Motorrad unterwegs und hatte eine Nordkapp-Tour vor sich.

Als die Autotransportwagen bereit waren, bestiegen wir diese und machten uns im Auto startbereit. „Ein Fahrfehler, und das Auto liegt auf dem Perron – und du auf Seite 1 der BILD-Zeitung“ sind meine Gedanken, als ich über die Wagen fuhr. Der Ablauf dieses Ablad zeigt in Etwa dieser Film, welchen ich bei der Reise 2015 aufgenommen habe.

Sightseeing mit Lastwagen

Kurz vor 9 Uhr verlassen wir den Altonaer Bahnhof und machen uns auf nach Finkenwerder. Hier haben wir für 11:10 eine Führung durch die Airbus-Werke gebucht. Ich hatte die Idee, zu den Landungsbrücken zu fahren und dann via alten Elbtunnel die andere Elbseite zu erreichen. Trotz Navi ist dies aber eine sehr anspruchsvolle Geschichte, da viele Baustellen und temporäre Einbahnen nicht im Navi verzeichnet sind. Nach längerer Fahrt bzw. „Sightseeing durch die Quartiere“ fanden wir dieses Finkenwerder und waren schon um 10 Uhr dort. Zeit genug um noch im örtlichen Edeka vorbeizuschauen, Wasser einzukaufen und ein zweites Frühstück zu uns zu nehmen (und wir mussten noch die Harasse Leergut zurückgeben – das Flensburger Bier vom letzten Hamburg-Besuch ist alle…). Nach den Einkäufen nahmen wir im Kaffee Platz und genossen Breakfast 2.0. Am Tisch nebenan war eine Gruppe älterer Frauen, wobei eine die Leaderin war und die Anderen unterhielt. Sie erzählte von ihrem Busausflug nach Berlin. Die SPD bietet das an, für nur 20 €. Und man kriegt eine Stadtdrundfahrt und eine Führung durch den Reichstag. Nene, ich bin nicht SPD-Mitglied. Alles organisiert über die Abgeordnete Jutta Fick. Sie kennt ihren Bruder. Den Jochen. „Das ist der jüngste Fick.“ Bei diesem Schlusszitat mussten wir laut losprusten, sodass der Restlattemacciato in unserem Mund beinahe übers ganze Café verspritzt worden wäre… Jaja, wenn man der lokalen Bevölkerung ein bisschen auf den Mund hört, kann man viel erfahren.

Beluga Transportflugzeug von Airbus

Anschliessend fuhren wir los in Richtung Airbus. Der Parkplatz ist etwa 10′ zu Fuss vom Eingang weg und wir fanden das „Check-in“ für die Führung problemlos. „Sie gehören zur Gruppe von Herrn Dos Reis, warten Sie draussen“, sagte die Dame am Schalter. Und nach einigen Minuten Wartezeit kam dann auch schon ein älterer Herr und sagte „Allo, ische bin Carlos. Meine Gruppe zu mir“. Viele Leute reagierten nicht, da sie ja zu Herrn Dos Reis mussten. „Jaja, meine Name ische Carlos Silvestro Dos Reis.“ Aha… Nun wussten wir, wohin wir gehören. Wir fassten Empfänger und Headsets und los ging es mit dem Bus ins Fabrikgelände. Hier befindet sich auch die Landebahn, welche den Flughafen „Finkenwerder“ ergibt. Dies ist auch der Flughafen für die Übergabe der Flugzeuge an die Kunden. In den Hallen konnten wir anschliessend die Fabrikation der A320-Familie (A318-321) sehen, aber auch in den neuen Hallen die Fabrikation des neuen Vogels A380. Airbus ist eigentlich kein Flugzeughersteller, sie setzen einfach die Teile der 150’000 Zulieferer zusammen und bauen die Vögel. Wobei die verschiedenen Teile von überall in Europa kommen und teilweise mit dem unförmigen Beluga-Flugzeug, per Schiff oder Lastwagen angeliefert werden. So ist Hamburg eigentlich ein idealer Standort.

Im Vorfeld zur Führung habe ich in verschiedenen Foren gelesen, dass diese Airbus-Führungen in Organisation und Durchführung von schlecht bis miserabel beschrieben werden. Auch mein Bruder, der die Führung auch schon gemacht hat, hat ein paar Müsterchen erzählt. Auch wenn 2,5 Stunden Führung anstrengend sind, hätte man es für die Besucher ein bisschen angenehmer gestalten können, wenn die deutsche Führung durch einen deutschen Guide geleitet worden wäre. Und wenn Herr Dos Reis die an ihn gestellten Fragen via Headsets für alle Besucher verständlich gemacht hätte, wäre dies auch für die anderen Führungsteilnehmer toll gewesen, denn sie hätten gewusst, auf was sich die Antwort von Herrn Dos Reis bezieht.

Nun, eigentlich eine sehr interessante Führung (wo man leider keine Fotos machen durfte), aber es wäre noch besser gegangen…

Schwebefähre Osten - Hemmoor

Anschliessend fuhren wir los über Landstrassen nach Cuxhaven. Rein zufällig sahen wir unterwegs ein Schild, welches auf die Schwebefähre von Osten nach Hemmoor aufmerksam machte. Dieser Schwebefähre haben wir auch einen Besuch abgestattet und waren fasziniert von der 100 jährigen Technik, welche bis heute überdauert hat.

Weiter gings nach Cuxhaven. Wir haben gedacht, dass wir hier, am Ende der Elbe die meisten dicken Pötte sehen, die aufs Meer fahren. Aber Fehlanzeige: zwei kleinere Pötte kamen an uns vorbei, ein paar Segelschiffe und das war’s. Also weiter nach Bremerhaven, wo wir im Hotel Haverkamp ein Zimmer gebucht hatten. Das Hotel fanden wir recht schnell und wir wurden sehr nett empfangen. Nebenbei erhielten wir noch ein Upgrade aufs Zimmer, was auch sehr charmant war.

Sonnenuntergang bei der Seute Deern

Nachdem wir das Zimmer ein bisschen eingeräumt hatten, gingen wir ans Meer an die Weser. Ähnlich wie Hamburg mit der Elbe haben auch Bremen und Bremerhaven keinen direkten Meeranstoss, sondern Flussanstoss. Aber die gleiche Thematik wie ein Meer mit Ebbe und Flut. Wir spazierten ein wenig in der Gegend herum und entschlossen uns, auf einem Schiff im Museumshafen zu essen. Die Seute Deern ist ein historisches Segelschiff, welches nun ein Restaurant ist. Wir nahmen auf Deck Platz – die Temperaturen erlaubten es – noch im T-Shirt draussen zu sitzen – und assen zu einem wunderschönen Sonnenuntergang Fisch.

Anschliessend ging es darum, die Annehmlichkeiten des Hotelzimmers zu geniessen… Gute Nacht, Bremerhaven.

Gute Nacht, Bremerhaven

 

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Mittwoch, 17. August 2016: Ab Lörrach

Unser Auto ist verladen

Nach den Ferien im Süden vor ein paar Wochen, zieht es uns auch dieses Jahr wieder in den Norden. Und der einfachste Weg, um mit dem Auto in den Norden zu fahren, ist der DB Autozug Lörrach – Hamburg. Leider wird diese Verbindung per Oktober 2016 eingestellt. Ob der Nachfolger von DB, auch so ein tolles Angebot auf die Schienen bringt? Vielleicht werden wir auch in Zukunft den neuen Anbieter berücksichtigen. Vorerst fahren wir mit der Deutschen Bahn wobei zu sagen ist, dass wir unsere Fahrt sehr spät reserviert haben. 10 Tage vor Abreise ist eigentlich alles ausgebucht, aber wir erhielten noch unsere Wunschplätze. Die Sommerferien sind nahezu zu Ende und vielleicht haben viele Kunden schon gedacht, dass es dieses Angebot nicht mehr geben wird – auf alle Fälle klappte unsere Buchung problemlos (im Internetzeitalter werden die Fahr- und Reservationsscheine immer noch per Post nach Hause gesandt…).

AZ 1498 Lörrach – Hamburg-Altona

Wie schon fast zur Tradition geworden, gehen wir vor dem Verlad bei meiner Gotte vorbei und holen sie ab zu einem feinen Znacht. Dieses Mal hat sie das Restaurant Baslerhof in Bettingen auswewählt. Interessanterweise ist Bettingen, obschon im Kanton Basel STADT gelegen, total auf dem Land. Und einen Steinwurf von Deutschland entfernt.

Das Wetter liess es zu, dass wir auf der Terrasse essen konnten. Auf das Kafi verzichteten wir, denn die Wolken wurden immer dichter und dunkler – wir wollten nun zum Ferienanfang definitiv nicht nass werden… Wir brachten ds Gotti nach Hause und machten uns auf den Weg nach Lörrach. Was zuerst nach einem Sommerregen aussah, entwickelte sich zum happigen Regenguss. Teilweise brachte der Scheibenwischer nicht alles Wasser von der Scheibe weg…

Unser Nachtlager

Trotzdem schwammen wir nach Lörrach und machten unser Auto an der Ländte beim Check-in des Autozugs fest. Wir waren die letzten Kunden, auf die gewartet wurde. Netterweise wurden wir mit einem Flyer des Nachfolgers Bahntouristik-Express bedient. Die Kunden wissen nun somit, dass es eine Fortsetzung dieses Angebotes geben wird. Bettina nahm das Gepäck, machte unser Schlafwagenabteil bereit und ich fuhr auf den Zug. Wir sind das letzte Auto auf dem Zug, nach uns werden die Übergangsbleche hochgehoben und der Zug abfahrbereit gemacht. Auch ich traf nun im Schlafwagen ein.

Vor der Abfahrt wird rangiert.

Der umfangreiche Rangierdienst, der für die Formation des Zuges notwendig ist, dauerte heute ausserordentlich lange. Wir Eisenbahner sprechen bei solchem jeweils von einem „Kaisermanöver“ 🙂 . Kurz nach Abfahrt des Zuges in Lörrach war bei uns Lichterlöschen. Den „Hauptbahnhof“ Lörrach sahen wir noch an uns vorbei fahren. Den Badischen Bahnhof von Basel hingegen fand schon ohne uns statt…

 

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Samstag, 2. Juli 2016: Nach Hause mit dem Roten Pfeil

Bahnhofschild von Catolica

Heute war wieder mal „Aufstehen mit Wecker“ angesagt. Die letzten Dinge wurden eingepackt und wir haben uns reisefertig gemacht. Noch die Hotelrechnung bezahlen, das Taxi bestellen und dann noch kurz in den Frühstücksraum ein Brötchen von vorgestern und ein Automatencapuccino zu uns nehmen – und nun sind wir wirklich reisefertig. Das Taxi ist schon bereit und bringt uns pünktlich zum Bahnhof (während der Fahrt musste ich dem Fahrer natürlich noch einmal erzählen, dass ich das letzte Mal vor 40 Jahren hier war. Ich werde diese Message jetzt wohl nicht mehr anbringen können… 🙁 ) Also pünktlich… Überpünktlich. So müssen wir noch 20 Minuten auf dem Perron auf unseren verspäteten Regionale Veloce warten. Unser Zug ist ein Doppelstöcker. Bei dieser Bauart hat man darauf geachtet, möglichst viele Sitzplätze pro Wagen unterzubringen, sodass fürs Gepäck nicht mehr viel Platz blieb. Wir mit unseren zwei grossen Koffern waren irgendwie nicht gemacht für diesen Zug.

Die Anzeige der Aussentemperatur war wohl ein bisschen pessimistisch

Wir stellten unser Gepäck auf zwei Sitze und setzten uns ins Abteil nebenan. Leisten konnten wir uns das, da der Zug zu 3/4 leer war. In der Schweiz hätte ich ein solches Verhalten von Mitreisenden als sowas von asozial gerügt, aber hier haben wir es uns erlaubt. Der Zug fuhr los, unser erstes Etappenziel war Bologna, uns standen rund 90 Minuten Fahrt mit dem Regionale Veloce bevor.

Der Zug begann sich zu füllen. Ab Forlì hatte es Stehplätze. Und Forlì ist noch 40 Minuten von Bologna entfernt und der Zug hält noch in Faenza, Castelbolognese-Riolo Terme, Imola und Castel S. Pietro Terme… Und an jedem Ort steigen immer mehr Leute ein und der Zug war voll. Also wirklich voll! Aber unser Gepäck und wir, wir hatten Sitzplätze… 🙂 Interessant ist, dass niemand auch nur annähernd wegen unserem Gepäck reklamiert hat. Dies wäre in der Schweiz schon ein bisschen anders gewesen…

Bis Bologna hatte unser Zug die Verspätung wieder aufgeholt. Sehr gut, denn wir hatten in Bologna nur 17 Minuten Zeit zum Umsteigen. Aber der Zug blieb in Bologna vor Signal und wir konnten den 17 Minuten im Countdown zusehen, wie sie runterzählen. Dann waren wir endlich dran und der Zug konnte in Bologna einfahren. Noch 10 Minuten Zeit blieben uns, um den Zug nach Milano zu erreichen. Der Bahnhof Bologna ist seit der Einführung der Hochgeschwindigkeitsstrecke doppelstöckig ausgebaut und unser Anschlusszug fuhr im gefühlten 3. UG. Die Wege sind lang in Bologna, und wenn man noch die Piktogramme und Hinweisschilder studieren muss, sind die Wege noch länger… Aber wir waren schlussendlich pünktlich auf dem Perron, was man von unserem Anschlusszug nicht sagen kann – der liess sich noch 5 Minuten Zeit.

Frecciarossa im Bahnhof Bologna, 3. UG

Als der Zug einfuhr, stellten wir fest, dass wir bis Milano einen „Frecciarossa„-Hochgeschwindigkeitszug hatten. Der Frecciarossa, oder eben der „Rote Pfeil“, ist die Antwort der Italiener auf den französischen TGV und den deutschen ICE: Ein sehr komfortabler Zug, der auch in der zweiten Klasse einen hohen Komfort und natürlich auch eine schnelle Verbindung bringt. So waren wir mit 300 km/h unterwegs und wir hatten Milano Centrale innerhalb 60 Minuten erreicht! Wahrlich ein Roter Pfeil!

In Milano hatten wir 40 Minuten Zeit zum umsteigen. Diese Zeit reichte um was Kleines zum Essen zu kaufen und anschliessend mit dem Eurocity der SBB in Richtung Schweiz zu fahren. Nach einem Umsteigen in Brig waren wir um 16:00 Uhr in Bern. Hier begrüsste uns das gleiche Wetter wie bei der Abreise 🙁

 

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Freitag, 1. Juli 2016: Un’altra giornate alla spiagga

Details zu diesen Tag können dem Tagebuch-Bericht vom 29. Juni 2016 entnommen werden.

Einzige Abweichungen:

– Wir haben keinen Fruchtspiess gekauft.

– Wir haben uns eine Massage von Mario gegönnt.

– Am Abend haben wir lecker im Restaurant Sfizio gegessen.

– Wales hat Belgien im zweiten EM-Viertelfinal 3 – 1 geschlagen. Sorpresa!

Unverändert hoch sind:

– Spass- und Genussfaktor eines solchen Beach-Tages!

 

 

 

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Donnerstag, 30. Juni 2016: „San Marino twelve points“

Autolinea INTERNAZIONALE!

Dies unser Fazit nach dem heutigen Ausflug nach San Marino. Aber alles der Reihe nach. Wir erwachen heute Morgen kurz bevor der Handy-Wecker klingt. Kurz frisch machen und los geht's zu Fuss Richtung Bahnhof Cattolica, von wo aus wir mit dem 08.39 Uhr Zug nach Rimini fahren. Dort angekommen, müssen wir uns kurz schlau machen, wo der Bonelli-Bus, der uns nach San Marino bringen soll, abfährt. Wir erhalten die nötigen Infos zum Abfahrtsort und können auch gleich in der Tourist-Info die Bustickets kaufen. In der Bar „08.30“ in der Nähe des Bahnhofs gibt's dann erstmal Frühstück (Cappuccini und Cornetti – und die Dame hinter der Theke will uns tatsächlich weis machen, dass es sich bei den Cornetti um Brioche handelt …, sie müsste wohl mal nach Sizilien fahren, die Gute).

So gestärkt, können wir nach kurzer Wartezeit in den 09.25 Uhr Bus (fast eine reine Russenkutsche) steigen, der uns nach San Marino fahren wird. Die Fahrt verläuft teilweise über Land. Aber schon bald können wir die drei Türme von San Marino ausmachen. Kurz nach 10.00 Uhr treffen wir in San Marino ein und begeben uns auf Entdeckungsreise.

Regierungssitz

Die Republik San Marino ist eine der ältesten Republiken der Welt und der einzige noch existierende Stadtstaat. Wir betreten die Altstadt durch die Porta San Francesco und gehen durch erste enge Gässchen, die beidseitig von Cafés, Restaurants und verschiedenen Geschäften gesäumt sind. Es gibt viele Lederwaren, Parfumkopien und -originale, viele Bijouterie-Artikel und elend viel Kitsch (made in China) zu kaufen. Vereinzelt hat es schöne Geschäfte mit interessantem Sortiment (z.B. Schmuck- und vereinzelt Kleiderläden). Nach diesem ersten Eindruck zum Stadtkern machen wir uns auf die Tour, um die drei Stadt-Türme zu besichtigen (1. Salita alla Rocca, 2. Salita alla Cesta und 3. Salita al Montale). Ist bei den ersten beiden Türmen die Wegstrecke noch recht eben und gut ausgebaut, führt der Weg zum Montale über Stock und Stein. Dies wirkt sich aber positiv auf die Zahl der Besucher aus. Der anspruchsvollere Weg hält viele davon ab, den Montale zu besuchen. Der Weg führt teilweise durch waldähnliche Partien, was in Anbetracht der Wärme (es sind rund 30 Grad Celsius) sehr angenehm ist. Um uns herum kriecht und fliegt es. Überraschend viele, verschiedene Schmetterlinge und Insekten sehen wir. Nach der ersten Teilbesichtigung des Montale sehe ich sogar eine Schlange in der Steinmauer.

Salita al Montale

Wir geniessen Panorama und Ambiente, die Wärme und die Ruhe hier oben. Anschliessend geht es via Kursaal/Centro Congressi vorbei an der italienischen Botschaft in San Marino (!) und für mich mit Umleitung durch die lokale Benetton-Filiale durch die Portanova in die Stadt. Wir sind durstig und finden ein schattiges Restaurant-Plätzchen, wo wir eine Mittagspause einlegen. Die Rast tut uns beiden gut. Anschliessend setzen wir unseren Stadtspaziergang fort. Wir besuchen die Basilica del Santo. Eine wunderschöne Kirche, mit hellem, für katholische Verhältnisse schon fast schlichtem Innenausbau. Beim Betreten der Kirche wird man darauf aufmerksam gemacht, dass man nebst:

Bitte anständig sein!

Nicht essen und trinken, nicht halbblutt oder mit Kopfbedeckung eintreten, nicht Musik hören, nicht laut reden, nicht wild miteinander rummachen auch nicht filmen oder fotografieren darf. Auch keine Hunde mitnehmen!

Als wir in die Kirche eintreten, ist diese vermeintlich leer. Wir gucken uns um und geniessen die Schönheit der Kirche und die Ruhe … und machen dann halt trotzdem ein paar Fötelis, was irgendwo aus dem „Off“ des Kirchenschiffs ein „Hächm“-Räuspern auslöst. Dr lieb Gott gseht aues. Wir zünden zwei Kerzen an und gehen dann weiter.

Im Flyer, den wir in der Touristinfo erhalten haben steht:

„Wachablösung: Die Soldaten der Festung (la Guardiaa di Rocca) halten Ehrenwache vor dem Regierungspalast und zelebrieren mehrfach täglich die Wachablösung. Prächtig sind sie in ihren Uniformen anzuschauen: Eine doppelreihig geknöpfte grüne Jacke, geschmückt mit weissen und roten Kordeln, rote Hosen mit grüner Biese, ein beschirmtes Käppi mit rotem Pompon und weisse Gamaschen. Zeiten: Von 09.30 h bis 17.00 h stündlich zur halben Stunde (Mai bis September).“.

Gelb-schwaze Stadt

Komisch, wir haben die Jungs beim erstmaligen Vorbeigehen gar nicht gesehen. Beim zweiten Besuch fragen wir nach. Antwort: „Nein, im Moment keine Soldaten und daher keine Wachablösungen, vielleicht – aber wirklich nur vielleicht – ab Juli.“ In Anbetracht der Tatsache, dass heute der 30. Juni ist gehen wir nicht davon aus, dass sich im Juli 2016 etwas an der Situation ändern wird.

Wir gehen noch etwas lädelen (Martin: Sonnenbrille, ich Schmuck), gönnen uns ein Gelato und machen uns dann zurück zur Busstation, wo wir den 16.45 Uhr Bus nach Rimini nehmen. Kurz nach 18.00 Uhr fährt der Zug nach Cattolica, so dass wir kurz vor 19.00 Uhr wieder im Hotel sind. Jetzt aber mal eine Stunde „befohlene Ruhe“, wir sind auf den Felgen. Danach gehen wir ins Restaurant „Il Cane del Greco“ essen. Nicht schlecht aber auch nicht überwältigend, einfach zu gross und zu abfertigend. Aber wenigstens haben wir von unserem eingeklemmten Zweiertisch einen guten Blick auf den TV, mit der Match-Übertragung Portugal – Polen von RSI. Dass die Restaurant-Betreiber den Match – ohne Sky-Gastrogebühr zahlen zu müssen – zeigen können, wählen Sie den Weg über das Schweizer Fernsehen. Uns fällt dies aber erst in der Werbepause beim zufälligen erspähen der Migros-Grill-Reklame auf.

Sanmarinesische Flora und Fanua

Da hier in Cattolica gerade die WDW (World Ducati Week – die Misano-Strecke befindet sich in unmittelbarer Umgebung von Cattolica) stattfindet, sind aktuell sehr viele Töffli-Buebe in Town. Beim Spaziergang zurück ins Hotel kann es sich Martin nur knapp verkneifen, eines der abgestellten Töfflis anzutippen und so eine Domino-artige Kettenreaktion an umstürzenden Ducatis und Vespas auszulösen. Aber wahrscheinlich steckt ihm noch das göttliche „Hächm“-Räuspern in den Knochen. Er lässt es deshalb bleiben.

 

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Mittwoch, 29. Juni 2016: Retro

Good Morning Cattolica!

„Das Hotel ist zentral gelegen“. So würde es in einem Ferienprospekt stehen, wenn wir das Hotel über das Reisebüro gebucht hätten. „Das Hotel ist zentral gelegen“ ist der Code für „ab 4:00 Uhr leeren sie den Müll, ab 5:00 Uhr fahren die ersten Vespas knatternd durch die Strassen und ab 6:00 Uhr kannst du definitiv kein Auge mehr zumachen.“ Der Code wurde entschlüsselt und es hat 100% gestimmt! Das gibt aber auch Gelegenheit für Sonnenaufgangsbilder oder Tagebucheinträge, was wir gemacht haben.

Wir waren in Reihe 6

Auf den letzten Drücker sind wir zum Frühstück gegangen und dann ging es los: der Erste Strandtag in Cattolica nach 40 Jahren. Das Hotel hat mit dem Strandbetreiber eine Agreement, sodass wir für zwei Liegestühle und einen Schirm nur €14 bezahlen müssen. Wir begeben uns zum Strandbetreiber und legen unseren Hotelgutschein vor. In Cattolica sind die Strandbetreiber bzw. deren Strände durchnummeriert. Vor 40 Jahren waren wir bei Nummer 99 Aldo, dieses Mal sind wir bei der Nummer 70/71, die nennt sich Oasis. Und in den letzten 40 Jahren hat sich hier was getan!

Natürlich sind die Sonnenschirme und die dazu gehörigen Liegen immer noch in Reih und Glied aufgestellt (was viele Leute als uncool anschauen), aber was dem Kunden sonst noch geboten wird, ist nahezu unglaublich:

  • Schliessfach beim Bademeister, wo man die Wertsachen hinterlegen kann
  • Frischwasserspender, wo man seine Flasche mit gekühltem Wasser auffüllen kann
  • Microwellenstation, wo man sein Essen aufwärmen kann
  • Einen Kinderbereich, wo die Racker beaufsichtigt werden
  • Animationsprogramm zur Bespassung der Gäste, z.B. mit Zumba um 11:00, Beachvolley um 16:30 und das Bimbi-Unterhaltungsprogramm um 17:00 Uhr
  • Der Strand ist mit dem Oasis-eigenen WiFi abgedeckt (Passwort: solemare…) sodass man am Strand seine Erlebnisse über die sozialen Medien in alle Welt verschicken kann…
  • Natürlich hat das Oasis (welches übrigens gleich 4 Nummern, 68-71, abdeckt) auch eine Website mit 24h-Webcam

Laubbläsereinsatz im Sommer

Die kommen also ganz professionell daher! Als uns der Bademeister alle Annehmlichkeiten des Spiaggias erklärte, dachte ich zuerst, dass er mich verarscht (speziell als er „saubere Toiletten“ erwähnt hat 🙂 ), aber es ist tatsächlich so!

Es gibt aber auch Dinge, die nicht geändert haben oder die sich eher zum Nachteil verändert haben:

  • Die Adria ist immer noch eine laue Pfütze (wenn ich einfach so reinspazieren kann und ohne Theater und grosses Schauspiel ins Wasser gehe, dann verdient das die Bezeichnung „laue Pfütze“!). Neu kann man bis zu den Wellenbrechern rausgehen ohne über das Becken nass zu werden.
  • Man kann immer noch mit Segelschiffen Rundfahrten machen
  • Auch Pedalos kann man mieten. Aber bei roter Fahne darf man damit nicht ausserhalb der Wellenbrecher
  • Man kann immer noch geschnittene Kokosnüsse kaufen und sie werden immer noch mit „Cocoooooo, Cocobelloooooo“ angekündigt
  • Auch das Eis wird einem an den Liegestuhl gebracht
  • Der Sand ist heiss. Also richtig heiss! Ist wohl die Vorstufe zu einem „Über-Kohlen-laufen-und-zu-sich-selber-finden“-Anlass.
  • Es kommen keine Nordafrikaner vorbei um Ramsch zu verkaufen, sie kommen nun noch südlicher und haben ein unglaublich scheussliches Angebot. Regenschirme? Selfie-Sticks? Lautsprecherchen? Und Kleider, die schon nur auf den Armen des Verkäufers übelst aussehen.
  • Entdeckt habe ich aber auch Asiaten, welche Massagen anbieten. Könnte durchaus sein, dass ich mich noch am Strand massieren lasse…

Der 4-Euro-Spiess

Sehr speziell war, dass um ca 12:30 nahezu alle Badegäste ins Hotel gingen um zu essen. Vor 40 Jahren hatten wir dies auch so: Mittags ins Hotel, Primo und Secondo verdrücken und dann 2 Stunden warten, bis man wieder ins Wasser darf, und dann wieder an den Strand. Tatsächlich füllte sich dieser wieder gegen 16:00 Uhr. Ein leichter Wind liess die Sonne nicht heiss sondern nur warm werden und der Strandtag war durchaus angenehm.

Gegen 18:00 hatten auch wir genug vom Beachlife und gingen Richtung Hotel. Natürlich stoppten wir unterwegs und schauten bei der Bimbi-Animation zu. Das Lied „Il cocodrillo come fa?“ (Achtung: dieses Youtube-Lied wurde schon 53 Mio mal angeklickt, und Italien weiss immer noch nicht wie das Cocodrillo macht)

Anschliessend machten wir uns hübsch und gingen essen. Wir gingen ins Liuzzi, welches sich als nettes Lokal aber ein bisschen kandidelt herausgestellt hat. Wird dann etwa 3,5 Sterne auf Tripadvisor erhalten.

Übrigens: auch diese Nacht haben wir die Fenster offen gelassen. Morgen wissen wir, ob wir durchschlafen konnten 🙂

 

 

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Dienstag, 28. Juni 2016: Arrivederci Sicilia!

Die Wecker läuten früh, heute Morgen. Aber 6:30 Uhr ist der richtige Zeitpunkt, um um 12:00 pünktlich abfliegen zu können.

Um 8 sind wir reisefertig, das Auto ist geladen und wir fahren noch kurz zu unserer Stamm-Pasitificeria um einen Cappucino und ein Gipfeli zu geniessen. Anschliessend geht es über die A18 Richtung Catania. Der Verkehr ist recht moderat. Im Radio bringt der Sender RDS ein Publikumsspiel analog ABCDRS3 unseres Staatssenders. Hier dünkt mich das Spiel schwieriger, muss man doch noch grammatikalische Formen von Wörtern nennen können, zum Beispiel das Passato remoto eines Verbs… DAS nenne ich doch mal eine Herausforderung!

Irgendwann auf der Höhe der Tangenziale Catania war der Vekehr nicht mehr moderat, wir waren in einen grösseren Stau geraten. Eine halbe Stunde Stau haben wir in unserer Zeitplanung eingerechnet. Wie lange wir schlussendlich gestanden sind weiss ich nicht, aber das Konto der halben Stunde Stauzeit wurde massiv überzogen.

Auch dieser Stau löste sich einmal auf und wir konnten den Flughafen Catania anfahren. Elegant fuhr ich an der letzten Tankstelle vor dem Flughafen vorbei, sodass ich mich anschliessend noch auf die Suche einer solchen machen musste. Nach 615 km mit unserem Mietwagen konnten wir diesen wieder abgeben und er wurde unbeanstandet übernommen. Der Eingang zum Flughafen befindet sich grade neben der Autovermietung und wir hatten nur ein paar Schritte zu machen. Ein Bus nach Licodia fuhr grad ab…

Die Gepäckabgabe und der Security-Check waren unglaublich schnell, sodass wir fast schon zu früh am Gate waren… Pünktlich konnten wir boarden und starteten zu unserem ersten Alitalia-Flug. Der bequeme Airbus A320 startete Richtung Meer und machte anschliessend einen weiten Bogen zurück nach Sizilien. Wären wir links gesessen hätten wir Taormina gesehen. So sahen wir aber Messina und die Liparischen Inseln. Eine Insel sah aus wie ein noch aktiver Vulkan, denn der Berg rauchte. Möglicherweise war das Stromboli. Weiter gings Richtung Norden, wo wir unseren Honeymoon-Ort Amalfi(-küste) und die Insel Capri überflogen. Das Wetter erlaubte es auch, Napoli zu sehen und wenn man geografisch ein bisschen sattelfester gewesen wäre, hätte man noch mehr erkannt…

Die Landung in Rom war pünktlich und pünktlich gings weiter nach Ancona. Hier hatten wir eine ATR72 der schweizerischen Darwin-Airline (Etihad Regional operated by Darwin), ein Flugzeug wo man hinten einsteigt. Auch der Flug nach Ancona verlief glatt und schon bald hatten wir den Stiefel durchquert und landeten im modernen Flughafen Ancona. Ein Bus brachte uns ein paar Minuten nach dem Verlassen des Flughafens an den Bahnhof Ancona wo wir uns nach der nächsten Verbindung in Richtung Norden schlau machten.

Unser nächstes Ziel war Cattolica. Dieser Ferienort an der Adria war in meiner Jugendzeit ein ‚must‘. Jahrelang gingen wir im Sommer ab Bern mit dem Badeferien-Express im Couchette nach Cattolica für zwei Wochen ins Hotel Promenade. Ich wollte hier nochmals hin und schauen, wie sich das Ganze verändert hat.

Aber eisenbahntechnisch ist Cattolica nicht grad der Nabel der Welt, nicht alle Züge halten dort an. Und der, der angehalten hätte, ist ausgefallen („vi scusiamo per i disagi“). So verbrachten wir rund anderthalb Stunden auf Perron 2 in Ancona und lauschten den Durchsagen. Namentlich das Italo-typische „allantonarsi della linea gialla“ vor jeder Zugseinfahrt. Aber dann ging es pünktlich los in Richtung Nord und nach rund einer Stunde war Cattolica – San Giovanni Giabicce, wie der Bahnhof heisst, erreicht. Mit dem Taxi gings anschliessend ins Luxor Beach, wo wir aufgrund eines Buchungsfehlers in eine höhere Zimmerklasse upgraded wurden (sagten sie zumindest).

Anschliessend gingen wir los, auf die Gasse (Stadtkern haben wir noch keinen entdeckt) und irgendwo zum Znacht. Anschliessend machten wir uns auf die Suche nach dem ehemaligen Hotel Promenade** (mit Dusche und Toilette auf dem Gang – aber 1975 war das uns noch egal, schliesslich war es ein Privileg in einem Hotel zu übernachten!). Und es gibt es noch! Allerdings nicht mehr als Hotel, sondern als Résidence Promenade, mit umgebautem Eingangsbereich.

Zurück im Zimmer stellten wir fest, dass unser Luxor Beach sehr zentral gelegen ist. Sehr zentral. Aber wir liessen die Fenster trotzdem offen und schliefen dann mal ein…

 

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Montag, 27. Juni 2016: Dolce far‘ niente in Giardini Naxos

Ferientage, die aus ausschlafen, zmörgele, sünnelen, im Meer baden und zwischendurch was trinken bestehen, sind auch ganz cool.

Verbringen den Tag am Hotel-Pool und verarbeiten all die tollen Ferieneindrücke, die wir bis jetzt gewinnen dürften.

Italien ist im Fussball-EM-Hype zur Achtelsfinal-Partie Italien – Spanien. Schon am Morgen wird auf einem der RAI-Sender in Endlos-Schlaufe über das Spiel von 18.00 Uhr berichtet. Wir werden uns gegen 18.00 Uhr frisch gemacht in eine Bar mit Match-Übertragung setzen und uns dazu einen ersten Aperol Spritz gönnen. Danach etwas essen gehen und unseren letzten Sizilien-Ferientage 2016 gemütlich ausklingen lassen.

Italien hat gewonnen, die spanischen Spielerfrauen können die Koffern packen. Huporgien auf der Strasse blieben aus.

Und im zweiten Spiel haben die Isländer auf sensationelle Art und Weise England ausgeschaltet. Wahnsinnson! Brexit 2.0 quasi.

Und hier noch das 1:0 der Italiener:

 

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Sonntag, 26. Juni 2016: Buongiorno Etnea

Heute lassen wir es sonntagsmässig angehen. Ausschlafen bis uns ein erstes Hüngerchen zum Hotel hinaus treibt. In einer Pastificeria in unserer Strasse wählen wir ein Omelett bzw. ein Panini und einen feinen Cappuccino zum Frühstück aus. Danach geht's zum Auto und von dort los in Richtung Ätna. Wir nehmen die Überland-Route, die uns durch viele Dörfer und Städtchen nach Zafferao Etnea bringt. Ab Zafferano geht's in die Höhe. Vorbei an schönen, teilweise etwas in die Jahre gekommenen Villen mit altem Baumbestand. Zwei unscheinbare grüne Buckel sind die Überreste zweier Krater, der Monti Rossi, die den Ort Nicolosi 1669 mit ihrem Lava- und Sandregen zerstörten. Entlang schier endloser Obstgärten, später durch Waldpartien geht es stetig bergwärts bis das schwarze Lavagestein die Herrschaft übernimmt. In schmalen Serpentinen bahnt sich die Strasse ihren Weg durch von der Lava gestaltete Landschaft (Ätna-Ausbruch im 1983).

Die ersten Ginsterbüsche haben bereits in der erstarrten Lava Wurzeln geschlagen und bereiten in mühseliger Arbeit vor, was weiter unten schon vollendet ist: Sie brechen die Gesteinsschollen auf und ermöglichen es damit anderen Pflanzen, sich in der Lava-Wüste anzusiedeln. Vor uns liegt jetzt nur noch die Gipfelpartie des Ätna, leicht in Wolken eingehüllt. Schliesslich ist der Ätna Regenfänger Nummer Eins an der Ostküste Siziliens. Nach rund 15 km Fahrt treffen wir beim Rifugio Sapienza ein. Eine riesige asphaltierte Fläche, mit Bussen, Souvenirläden, Hotels, Restaurants und der Talstation der Seilbahn, die hoch auf den Ätna führt.

Wir lösen Tickets für die Fahrt mit der Seilbahn. Die 6er-Kabinen sind genau so ausgestattet wie unsere Seilbahn-Kabinen. Sogar Vorrichtungen für den Ski-Transport gibt es. Die Fahrt ist spektakulär. Rasch gewinnen wir an Höhe und aus der Höhe kommt die farbige Blumenpracht im Kontrast zur schwarz-roten Lava besonders gut zur Geltung. Bei der Bergstation angekommen begeben wir uns nach draussen, um in der Lavalandschaft etwas spazieren zu gehen. Schier endlos viele, grosse Marienkäfer schwirren umher bzw. kraxeln auf dem Weg herum. Von einem Ausflug mit Jeep bis in die Nähe des Kraters sehen wir ab. Es ist absolut toll, hier oben zu sein. Nach dem Teide auf Teneriffa im Februar ist dies der zweite Vulkan, den wir in diesem Jahr besuchen. Wir geniessen die Aussicht auf die Monti Silvestri Krater, das Umland im Dunst und die unwirtliche Landschaft, in der wir uns befinden und die durch zahlreiche Gräser, Blumen und sukkulentenartige Pflanzen „verschönert“ wird. Danach geht's wieder mit der Seilbahn runter. Zu Fuss geht es dann noch zum Monte Silvestri Inferiore Krater, den wir zu Fuss umqueren. Als wir zum Auto zurück kehren, beginnt es zu regnen.

Auf der Fahrt zurück zum Hotel kommen wir noch an einem Haus vorbei, das vor Jahren den Kampf gegen die Lavamassen verloren hat und bis fast unters Dach mit Lava geflutet wurde. Auf dem direktesten Weg kehren wir zum Hotel zurück. Die Rückreise dauert etwas länger, da es einen schweren Unfall gegeben hat. So stehen wir auf unserer Spur, auf der sich der Unfall ereignet hat längere Zeit im Stau. Aber auch die Gegenspur muss gesperrt werden, damit der Rettungs-Helikopter landen kann. Viel Spektakel für zahlreiche Autopassagiere, die aus ihren Fahrzeugen aussteigen und sich die Szenerie aus der Nähe – vorzugsweise mitten auf der Gegenfahrbahn – anschauen wollen. Unglaublich. Dass einige dann hastig zu ihren Fahrzeugen zurück rennen müssen als die Fahrbahn wieder frei gegeben wird, versteht sich von selbst. Beim Fahrzeug unmittelbar vor uns handelt es sich um den Fahrer selbst, der zu seinem Auto zurück sprinten muss, um nicht der Grund der Stau-Fortsetzung zu sein. Wir kehren sicher zu unserem Hotel zurück.

Danke Martin, fürs aufmerksame, sichere Fahren.

 

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Samstag, 25. Juni 2016: Catania, Taormina und ein paar Hochzeiten

Etwas vom Schönen an der Art wie wir unsere Ferien verbringen ist, dass uns stets Zeit und Raum für spontane Aktivitäten bleiben. Ich erwache heute Morgen ob dem Meeresrauschen (live Meeresrauschen und nicht – wie zu Hause – aus dem Lichtwecker). Als ich mich im Bett drehe, stelle ich fest, dass Martin auch schon wach ist. Es ist 06.20 Uhr. Das Wetter ist sosolala. Von der Sonne ist nichts zu sehen aber es regnet wenigstens nicht mehr. Gegen 07.00 Uhr entscheiden wir uns, den 08.05 Uhr Zug nach Catania zu nehmen. Rasch duschen und parat machen und schon steigen wir vor dem Hotel in ein Taxi und lassen uns für 18 Euro (!) zum Bahnhof fahren. Der Zug fährt pünktlich ein, die Fahrt verläuft einwandfrei und so treffen wir gegen 09.00 Uhr in Catania ein. Hier beginnt der Geschäftsalltag gerade Fahrt aufzunehmen

In einer Bar auf dem Weg zum Duomo gönnen wir uns einen Cappuccino und ein Gipfeli. Danach gehts weiter und bei der ersten grösseren Kirche, die wir sehen, laufen bereits die floralen Deko-Vorbereitungen für eine Hochzeit. Kurzum stehen wir auf der Piazza Duomo, auf der auch der Brunnen mit dem Wahrzeichen der Stadt Catania steht: einem aus Lavastein gehauenen Elefanten, der wohl noch aus der byzantinischen Epoche stammt. Der Elefant trägt einen ägyptischen Obelisk auf seinem Rücken. Wir betreten die Kathedrale, die noch recht leer ist. Die Kirche ist der Schutzpatronin S. Agata geweiht. Darin befindet sich ebenfalls das Grab von Siziliens berühmtesten Komponisten – Vincenzo Bellini (z.B. Oper Norma). Wir geniessen die ruhig, entspannte Atmosphäre der Kathedrale. Gegen 10.00 Uhr beginnt sich diese jedoch stärker zu füllen, denn um 10.00 Uhr wird in Anwesenheit eines Kardinals eine Messe gelesen. Nach wenigen Minuten verlassen wir die Kirche und stehen auf der mittlerweile sehr belebten Piazza Duomo. Durch das Stadttor Porto Uzeda gelangen wir zum Fischmarkt und dem kleineren Teil des Früchte-, Gemüse- und weitere Lebensmittel-Markt. Hier geht's nun wirklich zu wie auf einem Ameisenhaufen.

Wir kehren zur Piazza zurück und gehen in die andere Richtung am Rathaus vorbei in die Via Etnea hinein zur Piazza Università (auf der einen Seite des Platzes befindet sich das Gymnasium auf der anderen die Universität). Sonne und Wärme machen durstig. Bevor wir allerdings etwas trinken gehen, statten wir noch Benetton einen Besuch ab.

Zweistöckiger Laden mit zwei Rolltreppen (eine hinauf, die andere hinunter). Allerdings sind beide kaputt. So bleibt von der RollTreppe wenigstens die Treppe. Wir kaufen Shirts für Martin und für mich ein Jeans-Kleid ein. Danach trinken wir was und können dabei zusehen wie die erste Braut des Tages in die Kirche geführt wird. Die Via Etnea führt von der Piazza Università aus weiter nach Norden. Sie ist die lebhafteste Strasse Catanias, gesäumt von Läden, Cafés und Hotels. Wir kehren zurück zum Bahnhof und nehmen den Zug, der um 12.15 Uhr Richtung Taormina fährt. Die Fahrt ist kurzweilig und führt uns über Land und städtische Gebiete.

Ungefähr eine Stunde nach Abfahrt in Catania treffen wir in Taormina/Giardini Naxos ein. Der im arabischen Stil gehaltene Bahnhof fasziniert uns. Als wir uns alles (inkl. Wartesaal 1. und 2. Klasse) angeschaut haben, erstehen wir uns zwei Bus-Tickets. Und wenn's läuft, dann läuft's: Fünf Minuten später fährt der Bus ein und bringt uns in einer spannenden Serpentinen-Fahrt ins Städtchen Taormina. Die Innenstadt zeigt sich im typischen taorminischen Stil, einer interessanten Mischung aus arabischer und normannischer Baukunst, die noch an manchen Palästen und Kirchen zu bewundern ist. Die Via del Teatro Greco führt uns zur berühmtesten Sehenswürdigkeit Taorminas, dem griechisch-römischen Theater. Dieses wurde unter römischer Herrschaft im 2 Jh. vor Christus errichtet. Die Baumeister nutzten das natürliche Halbrund mit dem grandiosen Panorama des Ätna. Das Theater war mit 109 m Durchmesser das zweitgrösste Schauspielhaus in Sizilien (nach dem griechischen Theater von Siracusa). Mit Säulen und Statuten geschmückte Bühnenaufbauten schlossen das Theater zum Meer hin ab. Die Aussicht von hier auf Meer, Küste und Ätna ist schlicht und ergreifend unbeschreiblich. Super schön!

Gegen 15.00 Uhr nehmen wir in einer Bar mit Fernseher im Aussenbereich Platz und schauen uns das EM-Achtelfinal-Spiel zwischen der Schweiz und Polen an, das im Penaltyschiessen an die Polen geht. Zeitgleich gibt's von der Bar aus die Hochezeitsaktivitäten bei der Katharinen-Kirche zu beobachten (Hochzeit eines Carabinieri). Bei einem Spaziergang durchs Städtchen ist die Enttäuschung über den Ausgang des Fussballspiels rasch verflogen. Wir schlendern den Corso Umberto entlang durch das Städtchen (je eine Hochzeitsgesellschaft beim Dom bzw. der S. Antonio-Kirche). In Taormina kann man nebst heiraten noch shoppen, shoppen, shoppen und viel Geld liegen lassen.

Wir gehen in einem schönen Terrassen-Lokal mit Meerblick eine Kleinigkeit essen und nehmen kurz vor 21.00 Uhr den Bus, der uns diretissima zum Hotel führt.

Als wir auf dem Balkon unseres Zimmers stehen, stellen wir fest, dass im Garten unseres Hotels eine Hochzeitsfeier am Laufen ist. Es ist dies die fünfte und letzte Hochzeitsgesellschaft am heutigen Tage. Auguri!

Ein wunderbar erlebnisreicher Tag neigt sich seinem Ende zu.

 

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Freitag, 24. Juni 2016: Auf den Spuren von Salvatore bzw. wo ist unser Patacò?

Brauche nur den Kopf nach rechts zu drehen und schon kann ich das liebliche Landschaftsbild geniessen. Auf den gegenüberliegenden Hügeln gibt es Olivenbäume, Felder und Äcker mit Schafen und Pferden drauf. Aus dem Hof eines näherliegenden Hauses kräht ein Hahn in regelmässigen Abständen. Es zirpt und verschiedene Vögel zwitschern und jubilieren munter drauf los. Kein nicht-natürlicher Lärm ist zu hören. Kurz vor acht stehe ich auf und gehe aufs Terrässli, das auf die Piazza Garibaldi hinaus geht. Gerade fährt der Früchte-Händler mit seinem Camion vor. Vor dem Municipio sitzt bereits ein einzelner Mann. Wahrscheinlich musste er früh raus, weil zu Hause der Freitagsputz ansteht und er im Weg war. Als Martin kurze Zeit später das Treiben auf der Piazza beobachtet, ist der Früchte-Händler weg dafür steht jetzt der Fisch-Händler auf dem Platz.

Wir machen uns reisefertig und gehen anschliessend in der Bar auf der gegenüberliegenden Strassenseite einen Cappuccino und ein Crossant essen. Mittlerweile befinden sich drei Männer vor dem Municipio, die i turisti im Auge behalten. Unmittelbar nach dem ersten echten colazione italiana gehen wir den Spuren von Salvatores Geschichte nach. Und Spuren der Geschichte Licodias finden sich überall. Auf dem Aushang der Todesanzeigen (so wie wir früher „z'Chäschtli“ mit den Zivilnachrichten gehabt haben) stossen wir auf mehrere Todesanzeigen von Personen, die wohl vor Jahren nach Melbourne ausgewandert und nun dort verstorben sind und deren Angehörige eine Erinnerungsmesse in einer der Kirchen in Licodia lesen lassen. Lebten im 1920 noch rund 9'000 Menschen in Licodia so sind es heute bloss noch etwa 3'000! Wir sehen uns das Haus an, in dem seine Eltern das Ladengeschäft (bis zum Tode seines Vaters Vincenzo) hatten und gehen weiter zur Kapuziner-Kirche. Wir betreten die Kirche, zünden je eine Kerze an und stellen fest, dass der Priester, der vor wenigen Minuten noch in den privaten Kleidern im Krichenraum stand, sich umgezogen hatte, um extra für uns eine Messe zu lesen. Kommt etwas überraschend für uns, da wir ja nun die Kirche nicht verlassen können und somit zu spät zum Ricotta-Rendezvous kommen. Als die Messe fertig ist – sie dauerte für meine Italienisch-Sprachkenntnisse sehr lange (habe wirklich nicht viel verstanden) – machen wir uns auf den Weg über die Strasse zur Ricotteria.

Dort bringt die Tochter gerade das Pane di Casa und wir erhalten dieses zusammen mit einer Schale warmem Ricotta, den der Käsermeister zusammen mit seiner Frau gerade am in kleine Kübel abfüllen ist. Der Ricotta schmeckt super, auch wenn wir in Anbetracht des Abendessens des Vortages noch recht satt sind. Von den Käsersleuten erfahren wir, dass es mittlerweile nur noch zwei Betriebe gibt, die Rocotta herstellen. Früher waren es rund 25 in der Region. Bevor wir weiterziehen, erwerben wir noch zwei Kilo Patacò. Diese sind bereits vorbereitet.

Anhand der Beschreibung von Salvatore versuchen wir nun, sein Geburtshaus zu finden. Am von ihm genannten Punkt befindet sich ein neueres Haus. Einer Frau in einem benachbarten Haus kommt unsere Besichtigungstour wohl etwas komisch vor. Wir erklären ihr was wir suchen und sie versucht sofort, uns weiterzuhelfen indem sie sich selbst bei einer älteren Frau erkundigt. Ich bringe den Namen von Margherita Galente ins Spiel (so wie ich verstanden habe Salvatores Cousine?). Grosses Aha und unverzüglich führt uns die Frau zum Haus von Margherita Galente.

Die ist zu Hause und freut sich – nach anfänglicher Skepsis – über unseren Besuch. Auch sie glaubt genau zu wissen, von welchem Licodia-Gebäude die Aufnahme von Salvatore stammt. Ein Herr stösst zu unserer Gruppe. Was die Fremden wohl wollen? Als auch er im Bild ist über unser Anliegen stellt er flux seine Tomaten, Pepperoni und die Melone auf ein Bänkli und führt uns zielstrebig zum neuen Haus, bei dem wir schon einmal waren. Auf sizilianisch erklärt er uns ausführlich wie es früher hier ausgesehen hat und wer, was und wie umgebaut hat. Er verabschiedet sich mit einem grossen Lachen, das sich noch verstärkt als Martin ihn daran erinnert, sein Gemüse auf dem Bänkli nicht zu vergessen. Mit Margherita Galente gibt es noch ein Erinnerungsfoto, dann verabschieden wir uns und gehen weiter. Bei einem kleinen Negozio wollen wir uns etwas zu trinken kaufen. Bevor wir eintreten können spricht uns eine alte Frau an und will von uns wissen, ob wir aus Australien seien. Wir wechseln ein paar Sätze miteinander, doch ihr sizilianisch-italienisch ist schwer zu verstehen. Die Erfrischung tut gut und Postkarten, nach denen wir uns ebenfalls erkundigen, gibt's offensichtlich keine mehr.

Vielleicht noch beim Tabacchaio, wird uns gesagt. Weiter geht's mit unserem Licodia-Spaziergang. Beim Tabacchaio treten wir kurz ein und fragen nach Postkarten. Die ältere Dame fragt spontan, ob wir Australier seien. Auch hier erklärt Martin von wo, warum und wieso wir in Licodia sind. Die Dame meint, dass sie keine Postkarten mehr verkaufe, dass es aber sein könnte, dass sie irgendwo noch ein paar alte Karten hätten. Ihr Mann sei jetzt aber kurz weggegangen. Ob wir wohl in einer Viertelstunde nochmals vorbeikommen könnten. Sie will uns unbedingt etwas schenken und kramt aus den Verkaufsdosen einige Täfeli, die sie uns gibt. So härzig. Klar, wir haben ja Zeit und wollen eigentlich noch die grosse Kirche anschauen. Die ist aber bereits Siesta-bedingt geschlossen. Wir sind gerade beim Dorfeingang angekommen und machen noch ein paar Föteli als das Polizei-Auto mit der einen der beiden Polizistinnen, die wir gestern getroffen haben, vorbei fährt. Man kennt sich: ein Lächeln und freundliches Zuwinken und weiter geht's. Wir machen uns auf den Weg zurück zum Tabacchaio als wir feststellen, dass wir den Patacò nicht mehr haben. Wo ist der Patacò? Bevor wir dieser Frage nachgehen können, gehen wir zum Tabacchaio, wo der Herr des Hauses eingetroffen ist und doch tatsächlich noch ein paar alte Postkarten gefunden hat, die er uns unbedingt schenken will. Und ja, er erinnert sich nun sehr gut an Salvatore. Sein Bruder war bloss drei Jahre jünger als Salvatore und offensichtlich ein Freund, der mit ihm auch in der Musik spielte. Für uns fast unfassbar, mit welchen Emotionen der Besuch in Licodia für uns aber auch für frühere Weggefährten von Salvatore verbunden ist. Wir bedanken und verabschieden uns in einer sehr herzlichen Art und Weise. Und dann geht's schnellen Schritts zurück zum Negozio. Dort – beim Besorgen der Getränke – haben wir unser Patacò stehen lassen, das bei unserer Ankunft kurz vor mittäglichem Geschäftsschluss immer noch dort steht. Wir kehren zum B+B zurück und packen unser Auto. Mit dem Auto geht es noch einmal zum Aussichtspunkt in der Nähe des Lago Dirillo zurück, um Fotos der Gesamtdorf-Sicht von Licodia zu machen bzw. später gehen wir noch kurz zum Familien-Friedhof.

Dann brechen wir auf und verlassen Licodia. Wir sind überwältigt wie warm und offen wir hier empfangen worden sind. Die positiven Gefühle wirken noch einige Zeit nach.

Im Navi ist Giardini Naxos eingegeben. Die Fahrt verläuft einwandfrei und gegen 18.00 Uhr treffen wir im Hilton ein und beziehen das Zimmer 6120 im sechsten Stock. Wir gehen noch etwas essen und lassen den Abend gemütlich ausklingen.

 

 

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Donnerstag, 23. Juni 2016 (2. Teil): Licodia Eubea

Gegen 17.00 Uhr treffen wir im Städtchen Licodia-Eubea (auf rund 500 m.M.) ein. In einem B+B auf der Piazza Garibaldi haben wir unsere heutige Unterkunft. Wir stellen unser Auto auf einem Parkfeld am Strassenrand ab, steigen aus und gehen auf das Haus Nr. 8 zu als von der gegenüberliegenden Strassenseite jemand „Martin, Martin“ ruft und Carmelo, unser B+B-Gastgeber über die Strasse geeilt kommt. Es folgt eine herzliche Begrüssung. Sofort will er wissen, was uns nach Licodia bringt. Wir erzählen ihm, dass mein Götti Salvatore im Jahr 1928 hier geboren worden ist und die Stadt im 1954 für immer verlassen hat – ohne bis heute je wieder einmal zurück gekehrt zu sein. Ihm sagt der Familienname Spingardi nichts aber er wird es nicht darauf beruhen lassen. Nun geht es aber zuerst ins Haus, wo wir das Dachzimmer mit einer wunderschönen Aussicht auf die weite hügelige Landschaft beziehen. Doch bevor wir unser Gepäck ausladen können, schlägt Carmelo vor, mit uns eine kleine „Stadtrundfahrt“ zu machen. Ich betrete gerade wieder die Piazza Garibaldi als ein schriller Pfiff ertönt. Eine Polizistin steht neben unserem Auto und pfeift die halbe Stadt zusammen, weil wir kein Parkticket gelöst haben. „Questa è la nostra macchina“ gestehe ich als ich auf sie zugehe. „Aha, la vostra macchina …“ quittiert sie prompt. Aber bevor wir die Konversation weiterführen können, kommt Carmelo herbei geeilt, der die Angelegenheit mit zwei, drei Sätzen klärt und die Frau Polizistin fragt, ob ihr der Name „Salvatore Spingardi“ etwas sage und sie dann auch gleich über die Gesamt-Ausgangslage, die zu unserem Licodia-Besuch geführt hat, informiert. Es ist dies das erste Mal aber nicht das letzte Mal, dass er „unsere Geschichte“ wiedergibt. Wir zeigen den beiden die Foto, die uns Salvatore von seinem Geburtshaus mitgegeben hat und sofort versuchen die beiden herauszufinden, wo sich das abgebildete Gebäude befindet. Zu unserer kleinen Gruppe stösst eine zweite Polizistin dazu und erfährt die „Geschichte“ um uns Svizzeri. Auch ihr sagt der Name „Spingardi“ nichts. Wir verabschieden uns in freundschaftlicher Art (mit festem Händedruck) von den Polizistinnen und Carmelo bestätigt ihnen, dass wir sofort ein Parkticket lösen werden. Dies tun wir.

Mittlerweile hat es zu regnen begonnen. Grosse Tropfen prasseln auf die Piazza. Wir fahren durch den Corso Umberto I, sehen das Haus mit Ladenlokal, in dem die Eltern von Salvatore vor 1950 ein Negozio geführt haben, zur Piazza degli Capuccini. An diesem Platz befindet sich eine Ricotteria, die uns Carmelo als erstes zeigen will. Gerade als wir eintreten, spricht Martin Carmelo darauf an, ob er Patacò kenne. Aber natürlich kennt Carmelo Patacò und dieses Patacò-Mehl könne man übrigens gerade hier in der Ricotteria käuflich erwerben. Und mit dem ausgesprochenen Wort „Patacò“ öffnen sich für uns hier die letzten Türen. Wir sind keine Fremden mehr, sondern Vertraute, die Kenntnis haben vom „sagenumwobenen“ Patacò. Was nun aber ist Patacò? Bis am Samstag, 18.06.2016 kannte ich „Patacò“ auch nicht. Salvatore hat uns bei einem Nachtessen darum gebeten, ihm 1-2 Kilo Patacò mitzubringen. Patacò ist ein Mehl aus der Platterbse. Das Mehl wird mit Wasser und Olivenöl angerührt und dann – so vorhanden – mit Broccoli und Salsiz ergänzt. In der kompletten Version wird es wie eine Art Polenta gegessen. Einfach nur angerührt, kann Patacò auch frittiert werden. Patacò ist eine echte Licodia-Spezialität. Beim Besuch der Ricotteria machen wir gleich für den nächsten Tag um 10.00 Uhr einen Termin für ein Ricotta z’Morge und den Kauf von zwei Kilo Patacò aus.

Wir fahren im strömenden Regen weiter durchs Städtli in die Via del Popolo, wo Carmelo das Geburtshaus von Salvatore vermutet. Wir schauen uns das Haus an, das effektiv verblüffende Ähnlichkeit zum abgebildeten Haus hat. Salvatore hat uns aber gesagt, dass das Haus in der Via San Martino gestanden habe. Wir werden der Angelegenheit am nächsten Tag nachgehen. Auf der Weiterfahrt kommen wir beim Restaurant „A Carreteria“ vorbei, wo eine Frau – wie sich herausstellt die Restaurant-Besitzerin – vor dem Haus steht, so dass Carmelo bei ihr eine Tischreservation inkl. Spezialitäten-Menü-Bestellung per gli Svizzeri aufgeben kann. Mittlerweile regnet es nicht mehr. Wir setzen unsere Fahrt fort und besuchen die Ruinen des Castello Santapau, von wo aus man einen herrlichen Blick auf die Stadt hat. Vom Castello gibt es nicht mehr viel zu sehen aber schön ist es trotzdem. Weiter geht’s über Stock und Stein zu einem Punkt, von wo aus Mann den türkisblauen Lago Dirillo sehen kann. Ein künstlicher See, der für die Instrustrie-Stromproduktion genutzt. Baden kann man darin aus algentechnischen Gründen nicht. Gekonnt handlet Carmelo auch die Sache mit den beiden wilden Eseln, die das Territorium des Aussichtspunkts für sich beanspruchen.

Wir fahren wieder in die Stadt und Carmelo zeigt uns noch ein zweites Haus, das er aktuell umbaut, um die Wohnungen für B+B-Zwecke zu nutzen. Mittlerweile giesst es wieder wie aus Kübeln. In der Ferienwohnung sucht Carmelo nach einer Broschüre über Licodia, die er uns für Salvatore mitgeben möchte. Er findet diese aber nicht. Bei unserem kurzen Aufenthalt in „unserem“ B+B-Zimmer auf der Piazza Garibaldi haben wir aber ein Buch über Licodia gesehen. Und klar kann sich Carmelo vorstellen, dass auch dieses für Salvatore sehr interessant wäre und so sucht er in seinem Handy kurz nach der Nummer des Autors des Buches, Nunzio Li Rosi, ruft diesen an, erzählt ihm unsere Geschichte und fragt ihn ob er noch una coppia eben dieses Buches habe (was er natürlich noch hat) und vereinbart eine sofortige Buchübergabe auf der Piazza Garibaldi. Vorab aber noch kurz ein Abstecher zum Mugnos-Palast (leider auch nicht mehr so gut im Schuss) und dann geht’s im strömenden Regen (all die jüngeren und älteren Herren, die bei unser Ankunft noch vor den beiden Bars bzw. auf den Bänkli vor dem Municipio gesessen und das Dorfleben beobachtet haben, haben sich in der Zwischenzeit ins Trockene zurückgezogen bzw. sind nach Hause zu Mamma gegangen) zurück zur Piazza Garibaldi, wo bereits der „alt“ Sindaco und sein Sohn im Auto auf uns warten. Carmelo holt bei ihnen unter dem geöffneten Kofferraum-Deckel ein Exemplar des Buches „Per Licodia Eubea – Una vita da Amministratore“ (358 Seiten, 2011) ab, das er uns anschliessend mit grosser Freude überreicht. Es versteht sich von selbst, dass es für ihn nicht in Frage kommt, dass wir das Buch selbst zahlen.

Wir verabschieden uns von Carmelo, der ein echter Gastgeber und ein überzeugter Licodiani ist.

Wir beziehen kurz unser Zimmer und müssen uns dann bereits auf den Weg zum Restaurant machen. Wir finden das Lokal in den Strässchen und Gässchen von Licodia auf Anhieb wieder. Man heisst uns herzlich willkommen. Im noch komplett leeren Lokal hat man für uns einen Tisch reserviert. Nicht irgendeinen Tisch – nein, den besten Tisch. Will heissen: Den Tisch mit der besten Sicht auf den Fernseher – die Fernbedienung des Gerätes liegt übrigens auch schon auf dem gedeckten Tisch.

Ein spontanes Lachen können wir uns nicht verklemmen, schätzen aber die herzliche Gastfreundschaft, die uns an diesem Abend zuteil wird und erachten diese nicht als selbstverständlich. Was dann folgt, ist ein echtes Festival dei Sapori (Aussage von Martin):

  • Vino: ein leichter, wunderbar schmeckender roter Hauswein – fast traubensaftmässig
  • Aperitivo 1: Tappanade von schwarzen und grünen Oliven mit Pizzabrot
  • Aperitivo 2: Frittierter Patacò, Salami-Wurst mit Pistazien drin, gebratener Speck, Käse, Oliven und Artischocken-Herzen und eingelegte Auberginen
  • Aperitivo 3: Patacò (Polenta-ähnlich zubereitet) mit Broccoli und Salsiz

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  • Primo: Maccheroni alla Norma (mit Gemüse-Sauce)
  • Secondo: Gebratene Wurst (ebenfalls eine Licodia-Spezialität und extra noch von Carmelo beim Wirt auf unserer kurzen Rundfahrt nachbestellt) und Pepperonata
  • Dolci: Gott sei Dank kein Tiramisù, sondern einfach eine Früchteauswahl
  • Zu den Espressi gibt es noch – vom Hause offeriert – einen Canello-Schnapps.

Wir bezahlen, verabschieden uns und rügelen in aufgeräumter Stimmung gemütlich hinunter zur Piazza Garibaldi, wo’s für mich nur noch eins gibt: Ins Bett legen und verdauen. Aber es war fein.

 

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Donnerstag, 23. Juni 2016 (Teil 1): Ragusa

Heute hiess es Abschied nehmen von Siracusa. Ein letztes Mal das leckere Frühstück im Hotel Gutkowski geniessen. Wir haben uns gut aufgehoben gefühlt hier. Ich machte mich nach dem Frühstück auf den Weg, um das Auto aus dem öffentlichen Parking zu holen. Ein bisschen nervös war ich schon, denn das Parksystem war für mich neu: Bei der Einfahrt ins Parking wurde die Autonummer eingelesen, vor der Ausfahrt muss man an einem Automaten die Nummer eingeben und das System berechnet anschliessend den Preis. Normalerweise habe ich grosses Vertrauen in die Technik, aber in dieses System? Alle Befürchtungen zum Trotz funktionierte alles perfekt, sogar die Notenannahme bei der Kassierstation tat ihren Dienst tadellos und ich hielt ein Ausfahrticket in den Händen (mit QR-Code, nicht als Lochkarte wie in der Schweiz…). Ich konnte somit aus dem Parkhaus ausfahren und mich in den Verkehr begeben.

Und irgendwie beginne ich diesen Verkehr zu lieben. „Wer bremst, verliert“ kommt mir spontan in den Sinn, als wieder einer seine Schnauze von links in meine Fahrbahn stellt. Irgendwie kommt mir das Ganze vor wie das legendäre Moorhuhnspiel, nur ein bisschen anders. Statt dass ich hier nun die Hühner abschiessen kann, die plötzlich und unvermittelt hinter einem parkierten Auto hervorhüpfen muss ich bei diesen Hühnern bremsen, da es Fussgänger sind. Mittlerweile fühle ich mich in Level 5 dieses Games, da bei der Via Vittorio Veneto noch Ausläufer des Marktes vorhanden sind, die die Aufmerksamkeit noch vermehrt erfordern. Aber auch das schaffe ich. Als Bonus gibt es noch die hellbraune Katze bei der Kreuzung der Via Resalibera, die aufreizend neben den parkierten Autos knapp auf der Strasse liegt – aber auch die verfehle ich und durch all die Einbahnen und so komme ich beim Hotel Gutkowski an.

Vor rund drei Jahren war ich schon mal mit Woody auf Sizilien und konnte dort in Bezug auf die Fahrweise eine Schnupperlehre machen. Hupen sollte man auch zwischendurch, hier kann ich mich noch verbessern. Wie in Catania (wir waren damals dort) gehupt wird, zeigt nachstehendes eindrückliche Video:

Das Navi brachte uns locker aus dieser schönen Stadt: „Ciao Siracusa, a presto!“ Es hat uns hier sehr gefallen. Wir fuhren über die noch nicht bis zum geplanten Endpunkt Gela fertig gestellte Autobahn A18 in Richtung Süden. Die Kassierstationen für die Autobahngebühr sind schon gebaut, aber nicht in Betrieb, sodass man durchfahren kann. Wir fuhren zu unserem ersten Etappenort Ragusa. Diese Stadt wurde in den 1690er-Jahren durch ein Erdbeben zerstört. Die Bewohner konnten sich anschliessend über den Neuaufbau nicht einigen, sodass ein Teil der Bevölkerung die Stadt am bisherigen Ort, Ragusa Superiore, der andere Teil der Bevölkerung die Stadt in Ragusa Ibla aufbaute. Wir fuhren Ragusa Superiore an (weil dies auf unserer Strecke zuerst kam) und dort den Bahnhof. Sieben Züge halten hier übrigens täglich.

Beim Bahnhof befindet sich ein grosses Parkhaus, wo wir unser Auto abstellten. Von nun an ging es zu Fuss ins Zentrum und auf der Höhe des Doms begann es zu regnen. Also eigentlich schüttete es aus Kübeln, sodass das abfliessende Regenwasser auf den abschüssigen Strassen sogar den Abfall runterspülte. Ich nehme an, dass die Häuser am Ende dieser Strassen ein bisschen günstiger sind, da die Bewohner nach einem Regenfall jeweils noch den Abfall entsorgen müssen.

Wir warteten den Regenguss in einer Pastificeria ab, wo wir uns mit Panini und Arancino verpflegten. Als der Regen noch nicht nachgelassen hat, haben wir noch ein Desset draufgesetzt…

Als wir es verantworten konnten, uns dem Regenschauer zu stellen, spannten wir die Schirme auf und verliessend die Pastificeria. Den Dom konnten wir nicht besichtigen, da er um dieses Zeit noch geschlossen war. Auch Kirchen machen eine Siesta. So spazierten wir weiter über die durch den Regen rutschig gewordenen Trottoirs in Richtung Ragusa Ibla. Auf einer Aussichtsplattform sahen wir auf Ibla hinunter. Diese Stadt ist von Weitem gesehen wunderschön! Aber leider haben wir keine Zeit, diese zu besuchen, sodass wir uns mit Fotos aus der Ferne begnügen.

Auf dem Rückweg zum Auto konnten wir noch den Dom besuchen, welcher innen sehr hübsch ist. Das Auto befand sich noch immer im Parkhaus. Und ich hielt ein Ausfahrticket in den Händen, sodass wir problemlos unsere nächste Etappe, Licodia Eubea, ansteuern konnten.

 

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Mittwoch, 22. Juni 2016: Antikes Siracusa und Forza Italia

Türe auf und gleissend helles Licht strömt von der Terrasse in unser Zimmer.

Ahhh, Augen zu und durch und dann ein wenig blinzeln 🙂

Auch heute geniessen wir die reichhaltige Früchte-Auswahl „aus der Region“. Es ist einfach schön, wenn man sich am Morgen an ein Tischchen setzen und sich von der einladenden Früchte-Auslage bedienen kann – ohne selbst etwas vorbereiten zu müssen. Nach dem Frühstück gehen wir zur Piazza Pancali mit den Überresten des 1939-40 ausgegrabenen dorischen Apollon-Tempels. In byzantinischer Zeit diente er als christliche Kirche, unter arabischer Herrschaft als Moschee und schliesslich wieder als Kirche – auch dies ein Teil der Geschichte von Sizilien.

Um die Tempelfragmente herrscht auf der Piazza Pancali reges Treiben – hier befinden sich Bushaltestellen, ein Taxistand, der Markt und in einer Seitengasse auch der Barbier, zu dem es Martin heute zieht. Er lässt sich dort pflegen und verschönern. Ich nutze die Zeit zum lädele, werde aber nicht fündig. Kurz nach Zwölf treffen wir uns wieder und begeben uns zur Station des Busses Nr. 2. Wir unternehmen den zweiten Anlauf, um den archäologischen Park Neapolis zu besuchen. Wir warten, warten, warten, schauen zu wie Busstation und Fussgängerstreifen zugeparkt werden, Martin smalltalkt mit italienischen Mamas und dann kommt er endlich – der Bus. Und er fährt uns direkt vor die Biglietteria und wir kriegen dort heute tatsächlich unsere Tickets. Das archäologische Areal besteht aus zwei Teilen: dem römischen Amphitheater, das wir als erstes besuchen sowie dem Altar des Hieron und dem griechischen Theater, den Steinbrüchen und dem „Ohr des Dionysios“.

Das römische Theater ist monumental. Es wurde im 3 Jh. errichtet und hat die klassische geschlossene Form der römischen Vergnügungsstätten. Die Gänge für Gladiatoren und wilde Tiere sind noch deutlich erkennbar. Was heute noch vom Altar des Hieron II. erhalten ist, lässt die Gigantomanie dieses Bauwerks nur erahnen: 192 m war der aus Felsen geschlagene Opfertisch lang, 22 m breit und wahrscheinlich 15 m hoch. Über zwei Rampen trieb man die 450 Opfertiere zu Ehren des Zeus Eleutherios an seinem Festtage auf den Altar und tötete sie rituell. Das griechische Theater, das grösste, das aus der Antike in unsere Zeit gerettet wurde und zugleich eines der grössten seiner Zeit wurde im 3. Jh. v. Chr. erbaut. Das Theater ist von klassischem Ebenmass. Aus Fels gehauen öffnet sein Halbrund sich einem wunderschönen Panorama, das als Hintergrund der Bühne fungierte und das auch heute immer noch tut, wenn das Theater für Festival-Aufführungen genutzt wird. 15'000 Menschen fanden auf den 61 Sitzreihen Platz. Oberhalb des Theaters befinden sich Steinbrüche, in denen Sklaven und Kriegsgefangene Kalkstein brachen, mit dem das antike Siracusa verschönert wurde. Zwischendurch geniesst man die Schatten spendenden Pflanzentunnels aus Oleander, Bambus und Hibiskus. Hauptattraktion ist die Latomia del Paradiso, von der ein Geheimschacht zum „Ohr des Dionysios“ führt, eine künstliche Grotte, berühmt für ihre eigenartige Akustik. In der Nähe befindet sich auch die Seilergrotte, in der früher die Seilmacher ihrem Handwerk nachgingen – die feuchte Luft der Grotte war den Fasern besonders zuträglich. Wir geniessen diesen Ausflug in die Antike.

Mit dem Bus geht's zurück in die Stadt und zum Hotel. Auf „unserem“ Terrässli geniessen wir einen kleinen Lunch mit Oliven, Brot, Nüssen und kleinen lokalen Köstlichkeiten, die wir uns zuvor in der Stadt bei einer Bäckerei erstanden haben (u.a. Guetzli „Auge der Santa Lucia“). Die Süssspeisen hier enthalten oftmals Ricotta, kandierte Früchte und Zitronencrème … sehr lecker. Den Rest des Nachmittags verbringen wir mit Lesen, Tagebüechle und „eifach si“.

Bevor wir essen gehen, unterstützen wir etwas das Lokale Kleingewerbe. So kaufen wir hier bereits zum zweiten Mal Tonware ein. Warum finden wir wohl auf dieser Reise, auf der wir a) nicht mit dem eigenen Auto unterwegs sind und b) am Schluss mit dem Zug zurückreisen und wo wir c) noch umsteigen müssen so viele schöne Tonsachen?

Vor dem Essen gibt es einen Apérol Spritz mit Tramezzini. Zu Abend essen wir in einem kleinen Lokal etwas ausserhalb des Zentrum-Gewusels. Das Essen ist fein (Dorade), vermag aber zusammen mit dem Service nicht ganz zu überzeugen. Der Chef des Hauses hat dies wohl auch erkannt und offeriert Espressi und je einen Schnapps (Martin: Canello, ich: Amaro). Gemütlich spazieren wir zurück und erheischen regelmässig Blicke auf die TV-Schirme. Das EM-Spiel Italien – Irland läuft gerade. Und sicher werden doch die Italiener auch noch das dritte Vorrundenspiel gewinnen. Da sie sich ja bereits für den Achtelfinal qualifiziert haben, ist dieses Spiel ja für sie nur ein Schaulaufen (allenthalben wird hier heute bereits mehr vom Spiel Italien – Spanien am nächsten Montag gesprochen als vom heutigen Spiel gegen Irland). Aber die spärlichen Chancen werden ausgelassen. 0 zu 0 der Spielstand als wir auf der Piazza Archimede ankommen. Wir kehren ins Hotel zurück, geniessen die Vollmond-Meer-Aussicht und kaum sind wir im Zimmer und der TIVU ist eingeschaltet, fällt das Tor für Irland. Ma che c…!!! Es bleibt auffällig ruhig in den Gassen von Siracusa.

Der heutige Tag hat auch bei uns „Spuren der Ermattung“ hinterlassen: kurz vor 24 h Licht aus und schlaf guet.

 

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