Donnerstag, 23. Mai 2013: Moin moin

Ich erwachte und blinzelte. Da sah ich es, dieses Licht. Wusste nicht, was es war. War es dieses Licht, das man sieht, wenn die eigene Zeit abgelaufen ist? Oder das Licht am Ende des Tunnels? Ich war unsicher. Erst später merkte ich, dass man diesem Licht “Sonne” sagt (ältere Leser erinnern sich). Es kündigte sich also ein schöner Tag an. Und der Tag war noch jung als wir schon in Laufkleidern auf dem Deich standen und ein paar Kilometer abspulten. Mann waren wir schnell heute. So schnell wie noch nie. Ob sich das jahrelange Lauftraining nun endlich ausbezahlt hat? Nach ein paar Kilometern liefen wir wieder zurück und merkten, dass uns nun der Rückenwind verlassen hat. Aber es war trotzdem wunderschön, auf dem Deich zu sein und dem Horizont entgegenzulaufen.

Nach dem Frühstück, welches den wunderbaren Start in den Tag noch abrundete, packten wir ein paar Sachen zusammen und wollten zum Auto gehen – als es zu regnen begann. Wieder so ein einheimisches Wetter? Zu unserer grossen Freude regnete es nur etwa 5 Minuten und riss anschliessend auf. Schäfchenwolken im Himmel und Schäfchen auf den grünen Wiesen – eine ideale Kombination! Das Ziel unserer Fahrt war Friedichstadt. Natürlich wollten wir nicht auf direktem Weg dorthin fahren, sondern noch einen Abstecher an einen Ort machen, den wir auf der Karte gesehen hatten. Wir wollten uns davon überzeugen, ob der Ort wirklich so übel ist, wie sein Name vermuten lässt.

Wie erwartet war der Ort nicht so schlimm, ganz im Gegenteil. Ein paar Häuser und eine grosse Kirche bildeten dieses Kotzenbüll (vermutlich abgeleitet von “Siedlung der Kotzos”). Anschliessend fuhren wir weiter nach Friedrichstadt.

Friedrichstadt wurde 1621 durch den gottorfschen Herzog Friedrich III. gegründet und ist heute ein hochrangiges Kulturdenkmal. Herzog Friedrich III. zielte auf die Errichtung einer Handelsmetropole und holte dazu niederländische Bürger, besonders die verfolgten Remonstranten, an den Ort und gewährte ihnen Religionsfreiheit. Infolge dieser Massnahme siedelten sich auch Mitglieder vieler anderer Religionsgemeinschaften in Friedrichstadt an, so dass der Ort als „Stadt der Toleranz“ galt. Heute sind noch fünf Religionsgemeinschaften aktiv. Die Bauten der niederländischen Backsteinrenaissance und Grachten prägen das Stadtbild des heute vor allem vom Tourismus lebenden „Holländerstädtchens“ mit knapp 2.500 Einwohnern.

Soweit lehrt uns Wikipedia wie Friedrichstadt entstanden ist. In der Tourismuswerbung wird vom “Holländerstädtchen” gesprochen, und wenn man nicht wüsste, wo man sich befindet, könnte es durchaus für Holland durchgehen. Es gibt auch einen Kanal rund um die Stadt wo auch Grachtenfahrten angeboten werden. Auch die Brücken und Brückchen erinnern an Holland, zumindest in ihrer (kleinen) Grösse und mit der Möglichkeit, diese aufzuklappen. Wenn man “Friedrichstadt” hört kann man sich vorstellen, dass es in Deutschland wohl dutzende Städte mit diesem Namen geben wird. Dem ist aber nicht so, scheinbar gibt es trotz des prominenten Vornamens nur eine Stadt dieses Namens. Das Städtchen lebt heute vom Tourismus und ist speziell auch für dänische Gäste ausgerichtet, da die Grenze zum nördlichen Nachbar nur etwa 80 km entfernt ist. Es war hübsch, aber irgendwie war in dieser Stadt auch nicht grad der Bär los und wir gingen weiter, bevor der gelöste Parkschein aufgebraucht war.

Nächstes Ziel war der wohl am meisten fotografierte und gefilmte Leuchtturm Deutschlands, den Leuchtturm von Westerhever (den Turm und die Umgebung zeigt dieses Video). Dieser Turm wurde auch in der Schweiz bekannt, als er in den 1990er-Jahren für die Werbung für das Jever Bier Pate stand:

Als diese Werbung über den TV-Schrim ging wurde sie sehr stark kritisiert, da hier eine Firma aus Niedersachsen Werbung macht mit einer Ikone aus Nordfriesland. Und das geht nicht. Ok, ich denke, dass unterhalb von Detmold niemand mehr den Unterschied zwischen Niedersachsen und Nordfriesland gross interessiert. Und nach 5 Jever macht diese eh keinen Unterschied mehr.

So oder so ist der Leuchtturm Westerhever für uns Alpenbewohner schlicht DER Inbegriff eines Leuchtturms. Er ist hoch (41 m), er ist am Wasser (zumindest wenn Flut ist…) und er ist rot-weiss gestreift. Die Fahrt zu diesem Ort führte uns an grossen Weideflächen mit Kühen, Schafen und Pferden, und vielen Rapsfeldern vorbei. Der Kontrast der gelben Rapsfeldern mit dem blauen Himmel war fast schon kitschig schön. Auf alle Fälle hat die Fahrt Spass gemacht, und immer wieder gab es was zu sehen, was für uns Alpenbewohner speziell ist. Und ist es nur eine Horde Gänse, die am Gras kätschen ist… Wir fuhren bis zum Parkplatz des Leutturmes, der sich auf der “Binnenseite” des Deiches (also im Landesinnern) befindet. Vom Parkplatz ist es noch ein rund 40 minütiger Spaziergang bis zum Leuchtturm. Und bei der Einfahrt zum kostenpflichtigen Parkplatz wurden wir vom Parkplatzwächter landestypisch begrüsst: “Moin, moin“. Dieser Gruss kann übrigens den ganzen Tag und auch während der Nacht verwendet werden, da es nicht nur die Abwandlung von “(Guten) Morgen” ist. Wer sich vertieft über diesen Ausdruck informieren will, kann sich bei Kollege Wikipedia informieren. Der dem Gruss des Parkplatzwächters nachgereichte Wortfetzen “drei Euro bitte” muss nicht näher erklärt werden, da es sich hier um die Parkgebühr gehandelt hat…

Nachdem wir das Auto abgestellt hatten machten wir uns auf den Weg zum Leuchtturm. Es hatte recht viele Leute, die das Gleiche im Sinn hatten wie wir. Und auf dem Deich waren natürlich Schafe anzutreffen. Und in der Ebene, der Salzwiese, haben hunderte von Gänsen einen Stopp eingelegt.

Wir haben darauf verzichtet, ganz bis zum Leuchtturm zu gehen. Die beiden Häuser neben dem Leuchtturm dienen heute als Schulungsräume für den Nationalpark Wattenmeer und als Personalräume. Und wenn man den Turm besteigen will muss man dies zum Voraus buchen, was wir nicht gemacht haben. So genossen wir den Turm aus der Ferne, aber doch nah genug um einen Eindruck dieser Einrichtung zu erhalten.

Nach diesem Besuch fuhren wir wieder nach SPO zurück und begaben uns noch in die Stadt um ein paar Einkäufe zu erledigen. Znacht gab es wieder im Restaurant Die Insel, wo wir auch dieses Mal ausgezeichnet assen und einen sehr guten Service genossen.

Natürlich habe ich ein Jever getrunken.

 

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Mittwoch, 22. Mai 2013: Vom Winde verweht…

Bereits noch im Bett liegend, hören wir den Wind um die Hausecken pfeifen. Es stürmt nicht schlecht hier an der Nordseeküste. Da kommen einige Beauforts zustande. Wir sind standhaft und nehmen die luftige Tagesherausforderung an. Aufstehen voller Tatendrang. Um 08.10 Uhr stehen wir im gemütlichen Frühstücksraum unseres Hotels. Wir sind die ersten: The winner is Martin Zeller, Switzerland! Spassvoll freut sich mein lieber Mann ob diesem Erfolg, den er genussvoll mit einem Fisch-Frühstücks-Schnousiteller krönt. Nach dem Frühstück begeben wir uns zu Fuss nach SPO Dorf. Nach ungefähr einer halben Stunde Spaziergang treffen wir beim Autovermieter ein, wo wir unser Mietauto für die nächsten drei Tage beziehen. Diesmal einen Peugeot 5008 in grau.

Auf direktem Weg machen wir uns auf Richtung Eidersperrwerk. Nach rund 20 km treffen wir bei diesem imposanten Bauwerk ein. Wir parken das Auto und stellen dabei fest, dass die Hubbrücke bei der Schleuse geöffnet ist, d.h. gerade ein grösseres Schiff am Schleusen ist. Schnell abgurten, Autotüre auf und … zack wuchtet der Wind mit voller Kraft die Türe bis zum Anschlag auf. Hoppla, zum Glück stand direkt neben dran kein Auto. Mütze, Schal und gute Jacke montiert und los geht's. Wir kämpfen uns durch den Wind, was nun wirklich nicht ganz so einfach ist. Die Windböen stemmen sich gegen alles. Eine echte Wucht. Als Reaktion auf die verheerenden Folgen der großen Sturmflut 1962 wurde von 1967 bis 1973 das Eidersperrwerk an der Mündung der Eider gebaut. Der zum damaligen Zeitpunkt grösste Dammbau Europas reguliert bis heute über fünf gewaltige, 40 Meter breite Sieltorpaare den Wasserstand zwischen dem Fluss “Eider” und der Nordsee. Das in seiner Technik und in seinen Ausmassen beeindruckende Bauwerk besichtigen wir zu Fuss.

Auf den seitlichen Auslegern des Sperrwerks haben Hunderte von Meeresschwalben ihre Brutplätze eingerichtet. Ein konstanter Pegel an Krähen und Kreischen vermischt sich den konstanten Windgeräuschen. Als wir vom Ausflug auf die andere Seite des Sperrwerks zurückkommen, luftet es uns buchstäblich fast fort… Teilweise fällt das Einatmen schwer, so stark drückt sich einem der Wind ins Gesicht. Husch, husch zurück ins Auto. Als Belohnung drückt nun die Sonne etwas durch. Wir setzen unsere Reise fort. Vorbei an endlos gelben Rapsfeldern, grasenden Deichschafen, durch schmucke kleine Dörfer geht's durch durch die topfebene Landschaft.

Wir “schläcken” von den feinen Nordseebär-Gummibärli in Erbeer/Kirsche. Unser Weg führt uns weiter nach Friedrichskoog zur Seehunde-Station.

Nach einigen Umleitungs-bedingten Irrwegen treffen wir kurz vor 14.00 Uhr dort ein. Rasch ein Ticket gekauft und eingetreten, denn um 14.00 Uhr ist Seehunde-Fütterungszeit. In der 1985 gegründeten Seehundstation Friedrichskoog e.V. kann man sich das ganze Jahr hindurch über Seehunde und andere heimische Meeressäuger, ihre Biologie, Gefährdungen und Schutzmassnahmen im Lebensraum Wattenmeer informieren. In einem naturnah angelegten Beckensystem können Seehunde an Land und unter Wasser beobachtet werden. Von einem rund 17 m hohen Turm, den wir ebenfalls erklimmen, hat man zudem einen Blick über die gesamte Station, den Hafen und hinaus ins Wattenmeer. Die Seehundstation ist die einzig autorisierte Aufnahmestelle für verlassen oder erkrankt aufgefundene Robben in Schleswig-Holstein. Ein interessanter Besuch, den wir sehr geniessen, obwohl wir uns fast den Allerwertesten abfrieren. Bei einer Tasse Kaffee wärmen wir uns wieder auf, bevor wir die Heimreise antreten.

Für den ersten Teil der Rückreise wählen wir verlassene Überlandstrecken. Die dafür benötigte Mehrzeit lohnt sich, sehen wir doch tatsächlich einen Fasan. Wie fast bei allen Vogelarten fällt auch hier der Fasan-Hahn durch sein farbenprächtiges Gefieder und seine stark verlängerten Schwanzfedern auf. Da uns auf der schmalen Strasse ein Auto entgegen kommt, reicht es nur noch ganz knapp für einen Schnappschuss des Hühnervogels.

Um so fotomodelliger zeigen sich die Feldhasen – wenn auch zugegebenermassen sehr aufgeregt. Wir freuen uns aber sehr ob den Aufnahmen der beiden Mümmler. Wir kommen zügig voran und treffen gegen 18.00 Uhr – nach einem kurzen Mineralwasser und Pick-up Shopping – beim Hotel ein. Von dort machen wir uns auf den Weg ins Friesen-Café, wo wir uns ein Fischlein gönnen. Bei Martin ist es heute Abend Scholle (die sahen wir am Montag noch im Sand eingegraben) und bei mir Rotbarsch. Der kurze Spaziergang vom Restaurant zum Auto verläuft in frostigem Rahmen. Es ist noch rund 11 Grad Celsius und der Wind weht unablässig stark böig. Rasch, rasch nach Hause ins Hotel. Aufs Zimmer nehmen wir noch einen Latte Macchiato mit. Die sind hier im Hotel sensationell gut. Den Abend verbringen wir mit Lesen (Buch und Zeitung “Die Welt” und iPadlen. Die Wetterprognose für morgen verspricht etwas mehr Sonne aber auch unablässig Wind. Mütze, Schal und Handschuhe werden auch morgen wieder zum Einsatz kommen. In stiller Vorahnung haben wir diese schon von zuhause mitgebracht. Allenthalben sieht man jetzt Feriengäste mit blauen oder schwarzen Strickmützen mit dem eingestickten Text “Schietwetter”, die man hier in jedem zweiten Laden kaufen kann. Die Frage nach dem “Warum” erübrigt sich. Der Text … wohl wahr.

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Dienstag, 21. Mai 2013: *sing* “Ich bin ein Friesenjung’”

Immer schön höflich und korrekt soll dieser Reiseblog sein. Drum kann dieses Wort hier nicht geschrieben werden. Aber hier wird es viel gebraucht. Und auch in den nächsten Tagen soll es oft zum Zug kommen. So liessen wir es Tag werden, genossen das Frühstück in unserem Hotel und verbrachten die Zeit ein wenig mit Lesen.

Am frühen Nachmittag gingen wir hinaus. Wir wollten die Gezeiten der Nordsee einmal live erleben. Im Tiden-Kalender haben wir gesehen, dass um 16:06 Uhr Niedrigwasser sein soll. Wir gingen also an den Strand und gingen an den Ort, wo wir gestern Abend waren. Aber dort war weit und breit kein Wasser mehr zu sehen. Das Ufer fanden wir dann ca 200 Meter weiter weg. Es war richtig eindrücklich, das Ganze mal live zu sehen. Das freigelegte Land war teilweise trocken, teilweise noch feucht und oft auch mit vielen Muscheln ab Boden versehen. Hier kommen nun die Wattwanderer zum Zug. Am Besten barfuss, oder mit Gummistiefeln, lässt sich das Watt wunderbar erwandern. Vor Allem barfuss ist es eine echte Erholung für die Füsse, wenn einem der Schlick zwischen den Zehen durch hochkommt. Ja, und vielleicht ist auch ein Krebs dabei, den einem zwickt… Das ganze Vorgehen mit der Ebbe ist wirklich speziell, man kann förmlich sehen, wie sich das Wasser immer mehr zurückzieht. Allerdings hat das Wandern im Watt auch Gefahren: Wenn man die Zeiten der Flut nicht kennt kann es sein, dass man die Orientierung verliert. Oder ein Priel den trockenen Rückweg ans Festland abschneidet. Priele sind “Wasserreste”, welche nach dem Rückzug des Wassers übrigbleiben und je nach Struktur des Bodens zwischen ein paar Zentimetern oder ein paar Dutzend Zentimeter tief sein können. Aber die Orientierung verlieren? Gaht's no? Ich weiss doch, wo das Ufer ist, ich kann mich ja orientieren… Im Prinzip ja, aber… Wenn Dunst oder Nebel ist, sieht man das Land nicht. Wenn ich mich in einer Senke befinde, sehe ich das Ufer nicht mehr und ich kann mich nicht mehr an markanten Bauten am Ufer orientieren. Nachstehendes Panoramabild kann dies verdeutlichen:

Hier sieht man kein Ufer mehr, man weiss nicht mehr, wo man sich befindet… Also ohne Respekt und Vorbereitung auf eine Wattwanderung zu gehen ist lebensgefährlich. Oder man bucht eine geführte Wattwanderung, wo einem zusätzlich noch die Besonderheiten des Watts erklärt werden. Das Watt ist übrigens UNESCO Weltnaturerbe und ist als “Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer” gekennzeichnet. Bekannt sind natürlich die Wattwürmer. Wikipedia sagt hier “In der breiteren Öffentlichkeit zählt er zu den bekanntesten Tieren des Watts, was insbesondere an seinen allgegenwärtig scheinenden charakteristischen Kothaufen im Watt liegt.” Den Wurm sahen wir nicht (der ist im Sand drin eingebuddelt), aber die Kothaufen, die sahen wir. Zuhauf (im wahrsten Sinn des Wortes). Und da läuft man dann auch barfuss drauf. Aber es soll gut für die Haut sein… Und erst wenn man seine nackten Füsse über den Schlick und Schmödder des Watts getrieben hat, dann ist man ein Friesenjunge oder ein Friesenmädchen…

Wie anfänglich erwähnt war das Wetter nicht besonders. Und es hat gewindet. Und es war kalt. Und wir barfuss in diesem Zeugs… Da bot es sich an, dass wir nach dieser Wanderung die Wellnessanlage im Hotel benützt hatten, um wieder ein bisschen die eigene Körpertemperatur zu erhöhen, so in die Richtung von wenig unter 37 Grad…

Als wir wieder einigermassen warm hatten, gingen wir ins Zentrum zum Nachtessen. Heute testeten wir Restaurant #4 in der Hitliste von Tripadvisor: Das Restaurant Friesenkate (“Nein, wir nehmen keine Karten. Nur Barzahlung”). SPO war heute ziemlich ausgestorben und wir fanden problemlos Platz in diesem Restaurant. Wir trugen unseren Teil zur Überfischung der Weltmeere bei und bestellten Fisch. Es war lecker. Und jetzt sind wir froh, wieder im warmen Hotel zu sein. Morgen kann es wettertechnisch interessant werden. Der Deutsche Wetterdienst meldet (Auszug): “Der Nordwestwind weht stark, an der See auch stürmisch. Verbreitet sind Wind- oder Sturmböen, an der Nordsee auch schwere Sturmböen zu erwarten. In der Nacht zum Donnerstag lockern die Wolken weiter auf und es ist meist trocken. Die Temperaturen gehen auf Werte um 5 Grad zurück. Der Nordwestwind nimmt ab, dreht auf West und weht mäßig, an der See noch frisch.” Schaunmer mal…

Friesenjung' – gesungen von Otto

Ihr trinkt Kaffee'

ich trink tee bei mir

Die Frühstückseier eß ich weich,

Ich bin nur ein kleiner Friesenjunge

und ich wohne hinterm Deich!

Ja Ostfriesland ist ein schönes Land,

wie die Schweiz und Österreich,

denk dir nur einmal die Alpen weg,

was da bleibt das ist mein Deich.

(ohho)

Bin ein Friesenjung,

bin ein kleiner Friesenjung

und ich wohne hinterm Deich.

(everybody here we go)

(ohho)

Bin ein Friesenjung,

bin ein kleiner Friesenjung

und ich wohne hinterm Deich.

Kommt ein Mädchen aus dem Sachsenland,

sagt Herr Oddo ich will ma nach Frangreisch

ay ich zeig dir meinen Eifelturm

denn der steht gleich hinterm Deich.

(ohho)

Bin ein Friesenjung,

bin ein kleiner Friesenjung

und ich wohne hinterm Deich.

(everybody here we go)

(ohho)

Bin ein Friesenjung,

bin ein kleiner Friesenjung

und ich wohne hinterm Deich.

Es kommen alle Mädchen,

in das Friesenstädtchen,

weil sich diese Reise lohnt,

denn da wohnt der Eine,

ihr wisst schon wen ich meine,

Na nun sag schon entlich wer da wohnt!

Otto (Jaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa)

From Jamaica came's the reggy Girl,

smoke a big joint is what she like.

I say marioana is no good for you

lets smoke the grass from our Deich.

(ohho)

Bin ein Friesenjung,

bin ein kleiner Friesenjung

und ich wohne hinterm Deich.

(everybody here we go)

[Zuschauer]

(ohho)

Bin ein Friesenjung,

bin ein kleiner Friesenjung

und ich wohne hinterm Deich.

(one more time mit Licht Licht)

(ohho)

Bin ein Friesenjung,(ahhh)

bin ein kleiner Friesenjung

und ich wohne hinterm Deich.

(Everybody here we go)

(ohho)

Bin ein Friesenjung,

bin ein kleiner Friesenjung

und ich wohne hinterm Deich.

Wir Ostfriesen können jeden Tag,

vor und hinter jedem Deich.

Doch wenns richtig mal zur Sache geht,

werden nicht nur die Knie weich.(hey)

(ohho)

Bin ein Friesenjung,

bin ein kleiner Friesenjung

und ich wohne hinterm Deich.

(everybody here we go)

(ohho)

Bin ein Friesenjung,

bin ein kleiner Friesenjung

und ich wohne hinterm Deich.

Quelle

 

 

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Pfingstmontag, 20. Mai 2013: Hasen … zu Lande und zur See

Entspannt, ausgeruht und bereit für neue Ferienerlebnisse wachen wir auf. Das erste Highlight des Tages erleben wir beim Frühstück. Wir logieren hier in Sankt Peter Ording (hier verwendet man weitgehend immer nur die Abkürzung “SPO”) im Hotel “Landhaus an de Dün”. Ein kleineres (ca. 16 Zimmer) Garni-Vierstern-Hotel ein wenig ausserhalb des zentralen Teils von SPO-Bad gelegen. Es gibt dann auch noch den Teil SPO-Dorf mit dem “älteren” Dorfteil. Man kann sich vorstellen, dass das Frühstücks-Buffet für eine kleinere Gästeschar bei weitem nicht so umfassend und gross sein muss wie in einem Hotel Hilton in Köln. Aber was wir hier antreffen, ist schlicht und ergreifend überwältigend. Alles ist lieblich und mit viel Aufmerksamkeit fürs Detail zubereitet. Es hat von allem, aber von allem nur kleine Portionen, die vom freundlichen Personal immer wieder frisch alimentiert werden. Zum Käsebuffet werden Saucen und Chutney gereicht, von denen ich bis heute noch keine Idee hatte, dass es so etwas gibt. Das Gonfi-Honig-Buffet ist erste Sahne. Eine solche Auswahl (z.B. Melisse-Ingwer) habe ich noch nie gesehen. Und auch das Zucker-Auswahl neben der Tee-Selection lässt sich bestaunen: Zitronenzucker, Orangenzucker, Teezucker, Kandiszucker … Wir lassen es uns gut gehen und geniessen ein Candle-Light-Breakfast in angenehmem Ambiente. Wir geniessen die ersten Aprikosen im 2013. Die frischen Früchte (und die Aprikosen sind absolut lecker) sind allesamt aufgeschnitten und in kleinen Schalen servierbereit. Da auch nur kleine Schälchen zum Füllen bereit stehen, kann man sich von den verschiedenen Köstlichkeiten bedienen, ohne dass man grad das Gefühl hat, sich überessen zu haben. Ein herrlicher Start in den Tag wird uns da geboten.

Als wir zurück in unser Zimmer 21 kommen, war der Roomservice bereits durch. Alles ist frisch arrangiert. Wir verbringen die Zeit mit Lesen und iPadlen. Gegen 11.00 Uhr machen wir uns auf den Weg zum Bahnhof im Bad-Teil in SPO, um den 11.33 Uhr-Zug nach Tönning zu nehmen. Die Fahrt dauert ca. 20 Minuten und führt an endlosweiten Feldern vorbei, auf denen Kühe, Pferde und Schafe weiden, bunt gemischt und ergänzt mit Hasen, Enten, Austernfischern (tja, wir sind halt in Meeresnähe), Rehen und Fasanen. Die Fahrt ist kurzweilig.

In Tönning angekommen spazieren wir durchs Dorf in Richtung Hafen. Die Atmosphäre ist locker entspannt. Viele Leute schlendern durch die Gassen, einige sitzen in den zahlreichen Gaststätten draussen und gönnen sich ein deftiges Mittagessen oder einen Eisbecher. Die Hafenanlage ist stark befestigt. Nicht um gegen feindlichen Eroberungsfeldzüge gewappnet zu sein, sondern um sich vor dem Wasser – sprich vor den gefürchteten Sturmfluten – zu schützen. Immer wieder stossen wir auf grosse Schleusentore, welche tieferliegende Dorfteile vor vom Hafen her eindringenden Wassermassen schützen sollen. In schmalen Dorfgassen sind die Verankerungen fest in die Häuser oder in davor liegenden Steinblöcken eingelassen, in denen man im Falle einer Sturmflutankündigung nur noch dicke Platten einlegen muss. Eine solche Vorrichtung entdecken wir auch in der “Ehebrechergasse”. Wir kieken nur kurz in die Gasse hinein …

Wir verlassen das Wasser und gehen dem Deich entlang, auf dem auch hier zahlreiche Schafe weiden. Hier lernen wir, dass Schafe nicht einfach Schafe sind. Da gibt es die Bentheimer-Schafe (weitgehend hellbeiges Fell mit einigen dunkeln Tupfer im Gesicht oder an den Beinen … kommt einfach darauf an, wo das Tier vorher gelegen hat …), das Soey-Schaf: ein dunkles, kurzbeiniges Schaf mit langem Fell, das es sich im Frühling mehr oder weniger selbst abstreift und das Jakobs-Schaf, hell/dunkel gefleckt.

Aus dem Prospekt “Nordfriesische Lammtage4.5. – 31.7.2013” zitiert:”Aus dem Landschaftsbild sind sie heute nicht mehr wegzudenken, nennen doch 160'000 Schafe Nordfriesland ihr Zuhause. Eine Zahl fast ebenso hoch wie die Einwohnerzahl. Aber die Schafe und Lämmer sind nicht nur niedlich anzusehen, als Woll- und Fleischlieferant sind sie ein wichtiger landwirtschaftlicher Faktor und unersetzlich für den Schutz der nordfriesischen Küste. Scheinbar unermüdlich und unersättlich halten sie das Gras der Deiche kurz und stampfen mit ihren Hufen den Bodenfest, so dass Maulwürfe und Mäuse kam eine Chance haben, im Deich zu wühlen. Mit “goldenem Biss und goldenem Tritt”, wie man in Nordfriesland zu sagen pflegt, sorgen sie dafür, dass die Küstenschutzlinie sturmflutsicher ist und bleibt.”

Hier sieht man drei Fische...

Unseren Spaziergang setzen wir fort bis wir beim Multimar Wattforum ankommen. Hier gibt es verschiedene grosse Aquarien mit Fischen und Meeresgetier aus der Nordsee. “Flach wie ne Flunder” … wohl wahr, wenn man sieht wie sich dieser Fisch auf dem sandigen Meeresgrund dermassen gut einbuddelt, dass man nur noch die Augen und ansatzweise den Mund entdeckt. Katzenhaie gibt es zu bestaunen, ebenso wie (dicklippige) Barsche, Heringe, Krebse, Rochen, Stichlinge und und und.Kurzweile Informationen, viel Lehrreiches aber alles in einem Detailierungsgrad, der noch Spass macht.

Zudem gibt es noch ein Grossfisch-Aquarium, in dem man einem Taucher beim Füttern der Fische zusehen und ihm Fragen stellen kann, die er dann live aus dem Aquarium beantwortet. Die Fisch-Fütterung hat uns durstig gemacht, so dass wir uns im Wattforum-Bistro etwas zu trinken holen. Hier gibt es u.a. auch Flensburger-Mineralwasser in der Bügelflasche (ja natürlich, mein lieber Bruder, habe ich mir so eines gegönnt … :-) , der Klang kann hier gehört werden… ). Vom Aussenbereich des Restaurants, wo wir unsere Erfrischungen geniessen, werden wir Zeugen einer Hasenverfolgungsjagd. Die vier Mümmler jagen sich über ein grosses Feld. Hin und zurück – man die geben Gas. Wusste gar nicht, dass Feldhasen so schnell und ausdauernd sind. Zurück Im Aquarienbereich entdecken wir einen Seehasen – einen ohne Fell. Es gibt tatsächlich einen Fisch, der so heisst. Der hat am obern Teil des Körpers ab Höhe Kopf eine Wölbung, die aussieht wie ein paar an den Körper gelegte Hasenohren. Noch kurz einen Besuch im Forum-Shop und dann machen wir uns auf den Weg zurück zum Bahnhof von Tönning und von dort mit dem Zug wieder Richtung SPO – diesmal aber Dorf. Von dort aus spazieren wir gemütlich ins Dorfzentrum. Im Restaurant “Am Kamin“, mit einer leckeren Speisekarte und einem sehr hübschen Interieur, gönnen wir uns eine Krabbensuppe und Fisch (Martin) bzw. Salat und Tagliatelle mit Rindfleisch (ich). Als eine Art Verdauungsspazierung folgen wir dem Weg Richtung SPO Bad, wo wir kurz vor acht eintreffen.

Kurze Zeit später machen wir uns ein letztes Mal am heutigen Tag auf den Weg. Diesmal geht es Richtung Seebrücke. Dort startet um 21.00 Uhr eine Nachtwanderung im Watt für die Sinne. Es ist aber noch taghell und der Platz vor der Seebrücke noch eine richtige Pfingst-Party-Meile.Zu zwölft machen wir uns auf den Weg Richtung Meer, hören mit geschlossenen Augen dem Gezwitscher von Lerche und Rotschenkel zu. Der Fussmarsch zum Meer wird unterbrochen durch eine Tastsinn-Runde (Muscheln, Schnecken, Entenflügel, der Fuss eines Kormorans, Parafin-Kugel etc.) und eine Geschmackssinn-Runde (Zimt, Thymian, Kaffee, Koriander, Schafskacke etc.). Beim Meer angelangt, geniessen wir den Einbruch der Nacht. Da es komplett bedeckt ist, lassen sich weder der Nordstern noch weitere Leuchttürme ausmachen.Kurz nach 22.30 Uhr stehen wir wieder am landseitig gelegenen Ende der Seebrücke. Die Party-Meile hat sich aufgelöst.Vereinzelt ziehen letzte Nachtschwärmer durch die Strassen. Wir kehren zurück in unser Hotel, wo wir diesen wunderschönen, erlebnisreichen Tag mit Lesen im wohlig warmen Bett ausklingen lassen.

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Sonntag, 19. Mai 2013: SPO?

Beide schliefen wir gut, in unserer engen Koje. Morgens um zwei erwachten wir beide und hörten, wie im Abteil nebenan eine Frau ihrem Mann die Leviten las. Die Wände sind scheinbar dünn. Trotzdem holte uns der Schlaf wieder ein. Mitten in der Nacht merkte ich noch, wie mit unserem Zug ein Manöver gemacht wird. Ab Basel führt der Zug Wagen nach Hamburg und Amsterdam. Mitten in der Nacht werden dann die Wagen nach Amsterdam einem anderen Zug mitgegeben, dafür werden die Wagen von Paris unserem Zug mitgegeben. Also ein hin- und hermischeln von Wagen und ein Zusammestellen von Zügen mitten in der Nacht. Morgens um halb sieben sind wir erwacht. “Hannover” war am Bahnhof angeschrieben und so wussten wir, dass es nicht mehr lange bis Hamburg ging. Pünktlich sind wir in der Hansestadt angekommen und konnten uns die Beine en bisschen vertreten.

Nach einer halben Stunde und einem Besuch bei einem Bäcker ging es weiter mit dem Intercity nordwärts nach Husum. Von dort aus mit einem Regionalzug über eine Nebenlinie bis zu unserem Endziel, Bad St. Peter Ording. Vom Zug aus konnte man viele Tiere an der Strecke beobachten, wie zum Beispiel Hasen, Fasane oder auch Rehe.
Der Bahnhof von Bad St. Peter-Ording ist unspektakulär: Ein Gleis, ein Bahnhofsgebäude und das ist's. Wir nahmen ein Taxi, welches uns zu unserem Hotel, dem Landhaus an der Dün, brachte. Unser Zimmer war noch nicht bereit, so dass wir uns zu Fuss auf eine erste Erkundung von St. Peter-Ording machten. In Inseraten wird St. Peter-Ording nur als SPO bezeichnet. So kann man Buchstaben sparen…
SPO ist nicht klein, herzig und ruhig. Es ist ein grosser Ort mit verschiedenen Baustilen und es hat eine Unmenge von Touristen. Vorzugsweise mit Hund.

An der Westspitze der Halbinsel Eiderstedt in Schleswig-Holstein befindet sich das Nordseeheilbad St. Peter-Ording. Direkt an der Meeresküste gelegen, zeichnet sich Sankt Peter-Ording durch sein Seeklima mit einem geringen Anteil an Allergenen aus. Die reine Luft und der 12 km lange und bis zu 2 km breite Strand laden zu erholsamen Spaziergängen ein.

Das Klima von St. Peter-Ording ist praktisch dreigeteilt:

Das „Reizklima“ direkt an der Nordseeküste enthält eine hohe Konzentration an Salzen, Jod und Aerosolen und führt zu einer Stärkung des Immunsystems und lindert Atemwegserkrankungen.

Die anschließende Dünenzone verringert das Reizklima und weist durch den frischen Seewind einen geringen Gehalt an Pflanzenpollen und sonstigen Allergenen auf.

Als dritte Klimazone kann der ausgedehnte Kiefernwald angesehen werden, der bereits vor über hundert Jahren angepflanzt wurde. Hier ist das Reizklima wie auch die UV-Strahlung noch weiter abgemindert. Gesundheitsfördernd wirken die Harze der Nadelbäume.

Alle drei Zonen sind mit Wanderwegen verschiedener Länge und Schwierigkeitsgrade ausgestattet und können optimal zum Wandern, Nordic Walking und Jogging genutzt werden.

Eine Besonderheit ist die erst in den fünfziger Jahren entdeckte Schwefelsolequelle, die Sankt Peter-Ording neben der Anerkennung als Nordseeheilbad auch noch die Auszeichnung als Schwefelbad einbrachte.

Aufgrund der günstigen Lage wird in St. Peter-Ording das Thema Gesundheit und Wellness seit vielen Jahren groß geschrieben. Aber nicht nur Anwendungen und Therapien werden hier angeboten, sondern auch die unterschiedlichsten Freizeitaktivitäten und Sehenswürdigkeiten sorgen für einen kurzweiligen Aufenthalt. Zudem besitzt St. Peter-Ording eine hervorragende Gastronomie.

Am Ende des Ortes gegen das Meer hin hat es verschiedne Restaurants und dort geniessen wir eine einheimische Spezialität – ein Krabbenbrötchen. Über die Dünenzone führt ein langer Steg zum Strand. Zutritt zu diesem Steg erhält man nur, wenn man die Kurkarte vorzeigt oder € 3 Eintritt bezahlt. Als Hotelgäste haben wir eine Kurkarte und erhalten so “freie Bahn” zum Wasser. Immer wieder interessant zu sehen, mit welcher Konsequenz in Deutschland solche Regeln durchgesetzt werden. Da hat man keine Chance, sich gratis was zu erschleichen… Und gleich nach dem Eintritt folgt ein Schilderwald, in dem erklärt wird, dass man nicht Rad fahren darf, die Hunde nicht frei laufen lassen darf und, und, und…

Der Steg zum Meer war sehr belebt. Trotzem hörte man aber die Vögel, sie sich im Grasland zwischen Ort und Strand befanden. Und zwischendurch sah man auch einen Vogel, wie den Rotschenkel, eine Schnepfenart, welcher uns mit seinem Gesang entzückte:

Nach diesem Spaziergang konnten wir unser Zimmer beziehen und wir richteten uns ein. Anschliessend gingen wir wieder ins Zentrum des Ortes, wo wir – erst auf den zweiten Blick – einen tollen Laden entdeckten: Den Nordseebär. In diesem Geschäft kann man Gummibären kaufen, die selber hergestellt wurden und die es in ganz speziellen Geschmacksrichtungen zu kaufen gibt. Vanille-Erdbeer, Ingwer-Chili, Blutorange: das sind Geschmacksrichtungen, die Haribo nicht herstellt… Das Nachtessen gab es heute ein bisschen früher, schliesslich mussten wir ja rechtzeitig vor dem TV sein. Wir wollten die Eisgenossen im WM-Final gegen die Schweden siegen sehen. Obschon SPO keine Insel ist, nannte sich unser Restaurant Die Insel. Das Fischcurry war lecker und das Ambiente in diesem Restaurant toll. Danach gingen wir ins Hotel und schauten Das Eishockey-Finale. Der TV-Sender Sport1 übertrug das Spiel und die Kommentatoren brachten uns hie und da bei der Aussprache der Schweizer Spielernamen zum Schmunzeln. Und da war nicht nur der vermutliche Spanien-Schweizer Filipe Furrer, der nicht richtig ausgesprochen wurde, auch der Bundespräsident wurde kurzerhand zum Üli Maurer…

Leider verloren die Schweizer den Final gegen Schweden. 9 Spiele in Serie gewonnen – dies brachte die Mannschaft sensationell in den Final. Aber dann war gegen die Tre Kronor Schluss. 1:5-Niederlage. Schade, aber trotzdem Chapeau für die Leistung an dieser WM!

 

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Samstag, 18. Mai 2013: Nach den Ferien ist vor den Ferien …

Heute beginnen unsere Pfingstferien. Ausschlafen , es tagen lassen und dann motiviert und voller Tatendrang in den neuen Tag starten. Es ist wieder mal schön Wetter. Wir frühstücken gemütlich und geniessen den wunderbaren Mandarinen-Honig, den Martin von seinem Bahnreisli von Sizilien mitgebracht hat. Wir streichen den leckeren Bienensaft, dem noch Mandarinen-Saft hinzugefügt worden ist, auf das frische Brot, das Martin in unserer Quartierbeck geholt hat. Ein echter Gaumenschmaus. Wir geniessen diese kulinarische Köstlichkeit aus den letzten Ferien von Martin.

Dann gilt es, noch so dieses und jenes für die Ferien vorzubereiten. Ein wenig aufräumen und putzen, Koffer packen, Einzahlungen erledigen und noch ein, zwei Büroangelegenheiten erledigen. Martin geht noch kurz in die Stadt, um den Grand Prix von Bern zu verfolgen. Bei mir gibt es noch einen kurzen Abstecher ins Büro. Gegen sechs treffen wir uns zu Hause und machen uns auf den Weg zum Bahnhof. Im Côté Sud gönnen wir uns noch einen Salat. Bei dieser Gelegenheit amüsieren wir uns über die News, dass es nun Tatsache ist, dass im Buch “Die kleine Hexe” von Ottfried Preussler, der Begriff “Negerlein” durch den Begriff “Messerwerfer” und der Begriff “Türken” durch “Cowboys” ersetzt wird. Wir staunen, ob den vielen Messerwerfern, die es im Restaurant hat :-) . Um 20.34 Uhr nehmen wir den Zug nach Basel.
Auf der Reise verfolgen wir online den Eishockey-WM-Halbfinal der Schweizer. Da besiegen die doch tatsächlich die US-Hockeyaner. Eine Wucht. Gratulation!
In Basel angekommen, gönnen wir uns einen leckeren Milchkaffee und schauen dazu den Sport auf SRF. Kurz nach 22.00 Uhr beziehen wir unsere Mini-Kabine im Nachtzug nach Hamburg. Es war wirklich eng. Wenn zwei Personen und zwei Koffer in der Kabine drin waren, konnte sich niemand mehr bewegen. Wir richten uns so gut als möglich ein. Ich verziehe mich auf die obere Bett-Etage, um Platz zu schaffen. Wir lesen noch ein wenig, schlafen aber schon bald zum rhythmischen Eisenbahn-Sound ein. Gute Nacht Süddeutschland. Wenn wir morgen aufwachen, werden wir schon im Norden von Deutschland sein.

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Samstag, 11. Mai 2013: A casa

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Heute fuhren wir von Ventimiglia über die Tenda-Strecke nordwärts. Diese Strecke führt auch über französisches Gebiet und war vor Allem im zweiten Weltkrieg, heftig umstritten. Etliche Brücken und Tunnel wurden gesprengt um dem Feind ein Weiterkommen zu verunmöglichen. Ende der 1970er-Jahre wurde die Strecke wieder instand gesetzt und am 8.10.1979 feierlich wiedereröffnet. Anfang der 1980er-Jahre gab es sogar direkte Kurswagen ab Bern nach Ventimiglia über diese Strecke. Überhaupt hat es an der ligurischen Küste viele Orte, welche früher von Bern aus direkt, ohne Umsteigen erreicht werden konnten. Genova, Albenga und eben Ventimiglia. Die Tendabahn führt von Meereshöhe auf 1000 Metern über Meer und dann wieder bis nach Cuneo auf etwa 500 Meter. Sie weist einige Kehrtunnel, sensationelle Viadukte und eine atemberaubende Streckenführung auf. Für die 100 km ist man rund 2 Stunden unterwegs – und mehrheitlich auf französischem Gebiet.

In Cuneo sind wir umgestiegen auf einen Regionalzug nach Torino. In Torino hatten wir rund eine halbe Stunde Zeit und dann ging es wieder weiter bis Novara. Rund um Novara hat es sehr viele unter Wasser gesetzte Felder, vermutlich wird dort Reis angebaut. Den stündigen Halt in Novara benutzten wir, um im Städtchen was zu essen. Dann ging es in einem alten Dieseltriebwagen weiter auf Nebenstrecken nach Domodossola. Nun ist man schon fast wieder auf “heimischen Gebiet”, zumindest steigt man hier wieder in einen Zug ein, der mit “SBB” beschriftet ist. Über Brig gings nach Hause. Und als wir in Frutigen den Tunnel verliessen, sahen wir wieder einmal Regen. Aber nach Münsingen zeigte sich das Wetter wieder von der sonnigen Seite.

Und schon ist die Auffahrtsreise um und wir sind wieder “A casa”

Jürgs Rückreise

 

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Freitag, 10. Mai 2013: Rom, Firenze, Pisa…

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Heute brauchten wir keinen Wecker, irgendwann gegen sieben sind wir erwacht. Das Frühstück konnten wir im 6. Stock auf der Wintergartenterasse einnehmen, mit Sicht auf die umliegenden Häuser. Anschliessend gingen wir zu Fuss zum Bahnhof Tiburtina um den Zug nach Firenze zu nehmen. Dieses Mal wählten wir den Hochgeschwindigkeitszug “Frecciarossa” von Trenitalia, um die Strecke nach Firenze zurückzulegen. Schliesslich wollten wir die Fahrt mit dem “Italo” von gestern mit dem “Frecciarossa” von heute vergleichen. Und um es vorneweg zu nehmen: der “Frecciarossa” hat nach Punkten gewonnen! Komfort, Service und Verpflegungsangebot waren besser. Einzig Abstriche gab es für das Internetangebot, welches nicht gratis war. Ja, die Kritik der Rail-Tester ist halt gnadenlos…

Der Zug brachte uns nach Firenze, von dort ging es nach kurzem Aufenthalt nach Pisa, wo wir etwa eine Stunde verbraten mussten. Zum schiefen Turm war es zu weit und drum zogen wir es vor, im Bahnhof zu bleiben. Dummerweise hatte unser Anschlusszug dann noch rund 20 Minuten Verspätung, was bedeutete, dass wir noch länger im Bahnhof Pisa rumhängen mussten und dass wir in Genova den Anschluss nach Ventimiglia (oder XXmiglia, wie Insider schreiben :-) ) verpasst haben. Auch in Genova blieben wir beim Bahnhof, zumal es nun begonnen hatte, stark zu regnen.

Die Strecke nach Ventimiglia führte der Ligurischen Strecke entlang und bot wunderschöne Blicke aufs Meer. Leider hat man nun damit begonnen, die Strecke in den Berg zu verlegen und sie verliert nach und nach ihren Charme. Dafür gewinnen die Dörfer ein bisschen Platz zwischen Meer und den Bergen. Der Bahnhof San Remo ist neu ein unterirdischer Bahnhof… Schade für die Zugreisenden. Witzig hingegen war der kleine Bub in unserem Abteil, der mit der Grossmutter reiste. Schön selbständig zeichnete er. Allerdings nicht die von der Grossmutter verlangten Blümchen, Vögelchen und Häuslein, sondern… Zombies… :-)

In Ventimiglia hatten wir einen Fussmarsch von 10 Minuten zu unserem Hotel, welches sich direkt am Meer befand. Vor dem zu Bett gehen war es aber nun noch Zeit, was zu essen. Wir wählten ein sündhaft teures Strandbeizli in der Nähe aus, aber mit dem Preis zahlt man halt auch die Aussicht aufs Meer. Statt ein Dessert gab es heute einen Spaziergang durchs alte Ventimiglia, oder durchs Alta Ventimiglia, wie es auf der Karte hiess.

Einen Tagesbericht veröffentlichen wir heute nicht. Im Hotel wollen sie tatsächlich €14 für 5 Stunden Internet. Das geht natürlich nicht.

Jürgs Tag

 

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Donnerstag, 9. Mai 2013: SPQR

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Der Morgen begann mit der Putzmaschine um 5:00 Uhr. Auch heute stand Jürg auf und schloss das Fenster, so dass wir noch ein paar Minuten schlafen konnten – merci Jürg! Erwachen 2.0 war dann so gegen sieben und nach dem Frühstück gingen wir zum Bahnhof der Privatbahn Circumvesuviano. Eine Linie führt direkt nach Napoli, aber man hat auch die Möglichkeit mit umsteigen unterwegs, den Vesuv “hintenrum” zu umfahren und Napoli auf einem Umweg zu erreichen. Klar, dass wir diese Variante gewählt haben. In Poggiomarino hatten wir einen halbstündigen Aufenthalt den wir für einen Besuch in der Bar della Stazione nutzten. Man hat dann jeweils den Eindruck, dass man nach einem solchen echten italienischen Espresso 4 Nächte nicht mehr durchschlafen kann, so stark war er :-) Nachdem der Zug eingefahren war begab ich mich zum Führerstand und sagte, dass ich Eisenbahner aus der Schweiz bin und ob ich ihm zuschauen dürfe. Dies konnte ich. Der Zug war ein Triebwagen, das heisst, ich war noch im Fahrgastraum aber der Lokführer hat die Türe offen gelassen, so dass ich zuschauen konnte. Also was heisst “der Lokführer”? Teilweise waren 4 Personen im Führerstand plus ich, der zuschaute… Es gab ein Fachgespräch unter Eisenbahnern, mit Vergleichen SBB – Italien und so weiter. Dann noch ein bisschen Politik und was für Schweine die Politiker sind und das Volk betrügen und so weiter. Aber so ein paar Sachen geben schon zu denken:

 

-von der ganzen Flotte von Circumvesuviano ist noch ein Drittel in Betrieb. Der Rest ist irgendwo abgestellt und nicht mehr reparierbar, weil die Ersatzteile nicht mehr finanziert werden können. Der Zug, den wir benutzten, war aus dem Jahre 1966 und funktioniert bis auf die Heizung fast komplett.

-ein Lokführer bei ihnen verdient € 30'000 pro Jahr. Das reicht fast nicht zum Leben (auf die Frage, wie viel ein Lokführer in der Schweiz verdient, habe ich eine Zahl genannt, die ein paar Tausend Euro über der von ihm genannten Zahl lag – mit dem Hinweis drauf, dass die Lebenshaltungskosten in der Schweiz massiv teurer sind)

-bei ihnen werden Strecken auf Doppelspur ausgebaut, die nie in Betrieb kommen, weil man die Fahrzeuge für Fahrplanverdichtungen gar nicht hat

-gleichzeitig werden Linien geschlossen, weil alles zu teuer wird (so soll auch die Linie, die wir benützt haben, einstellungsgefährdet sein

-im Süden wird fast nichts investiert, die Mittel fliessen alle in den Norden

 

Irgendwann sind wir dann in Napoli angekommen und haben uns auf Gleis 24 begeben, wo unser Zug nach Rom abfuhr. Dieses Mal haben wir den Zug der privaten Gesellschaft NTV gewählt, den “Italo”. Die NTV wurde vor ein paar Jahren vom Ferrari-Chef Luca di Montezemolo gegründet, um gegenüber den Hochgeschwindigkeitszügen von Treinitalia eine bessere Alternative zu bieten. Nun ist es aber so, dass die NTV vom Infrastrukturbetreiber behindert wird, wo sie nur kann. So z.B. fährt man immer in den hintersten Bahnhofgleisen ab oder die Lounge ist irgendwo im Bahnhof versteckt – und NTV muss sich bessere Zugänge mittels Gerichtsbeschluss erstreiten… Der Komfort im neuen Zug ist durchschnittlich, das Verpflegungsangebot unterdurchschnittlich, und die dauernden Lautsprecherdurchsagen mit Hinweis auf Zusatzangebote wie Automiete an den Endbahnhöfen sind nervig. Positiv war das kostenlose Internet, welches in recht guter Qualität funktioniert hat.

Die Fahrt von Napoli nach Roma dauert ein bisschen mehr als eine Stunde. Oft war der Zug mit 300 km/h unterwegs und flog durch die Gegend. In Rom kamen wir nicht am Hauptbahnhof an, sondern in Roma Tiburtina. Dieser Bahnhof wurde vor anderthalb Jahren neu eröffnet und soll die Plattform für Hochgeschwindigkeitszüge werden, da man nur einen kurzen Weg von und nach den Hochgeschwindigkeitslinien hat. Der Bahnhof ist massiv überdimensioniert und man fühlt sich in der grossen Passerelle über den Gleisen ein bisschen verloren… Ein kurzer, von Jürg professionell recherchierter und vorbereiteter Fussmarsch zum Hotel brachte uns an unser erstes Tagesziel. Das Hotel delle Provincie kann empfohlen werden.

Nach einem Moment der “befohlenen Ruhe” gingen wir mit dem Tram zu Kolosseum. Hier bekamen wir einen Vorgeschmack auf die Masse der Touristen, die Rom eingenommen hat. Speziell witzig waren all die als Römer verkleideten Männer rund ums Kolosseum, mit welchem man sich (wohl für teures Geld) fotografieren lassen konnte. Man kam sich ein Wenig vor wie im Film “The Gladiator” – aber die Schwerter waren aus Plastik…

Und die römische Abkürzung SPQR, welche man z.B. auf jedem Kanaldeckel sehen kann, steht für das lateinische Senatus Populusque Romanus („Senat und Volk von Rom“). In der italienischen Ausgabe der Asterix-Bücher steht diese Abkürzung übrigens für “sono pazzi qesti romani!” – oder auf deutsch “die Spinnen, die Römer!”

Die nächste Etappe war der Vatikan, den wir mit der U-Bahn erreichten. An einer Ampel mussten wir nicht nur den normalen Verkehr durchlassen, sondern auch die Teilnehmer des Lamborghini-Treffens, welche ihre teuren Gefährte stolz und fahrend präsentierten. Vor ein paar Jahren ging ja mal die Geschichte rum, dass auch die italienische Polizei einen in Polizeiautofarben gestrichenen Lamborghini besitze. Dies kann ich bestätigen, denn wir haben dieses schnelle Pozilei-Auto tatsächlich gesehen… (oben erwähnter Lokführer würde nun erwähnen, dass dies von den Steuerzahlern bezahlt sei…).

Nach diesem High-Tech-Intermezzo wurde es spirituell, da wir den Petersdom besuchten. Vorher muss man durch eine Sicherheitskontrolle, wo die Rucksäcke geröngt werden und die Besucher auf ein schickliches Outfit gecheckt werden. Also nix mit schulterfrei und so. Der Petersdom ist eindrücklich in seinen Massen. Hier wurde vor Jahrhunderten ein Volumen verbaut, welches noch heute beeindruckt! Und dank der Sonne, die durch die Kuppelfenster hineinscheint, hatte man das Gefühl einer spirituellen Eingebung, die die Kirche umgab.

Nach dem Ausflug in die heilige Welt trafen wir meinen Bruder, der mit seiner Tochter ebenfalls in Rom war. Gemeinsam gingen wir zum Pantheon, welches durch die Römer erbaut wurde. Eigentlich ist dies eine Kirche, aber im ganzen Rummel und Trubel geht dies unter. Der in diesem Raum vorherrschende Gesprächslärm erinnert einem an alles Andere als eine Kirche. Die regelmässigen Durchsagen in 5 Sprachen, dass man ruhig sein soll, helfen jeweils einige Sekunden… Anschliessend gingen wir Nachtessen, im Wissen drum, dass man, je zentraler man isst, mehr dafür bezahlt. Food- und getränkemässig haben wir nicht übertrieben, aber mehr als das doppelte wie auf Sizilien bezahlt.

Anschliessend gingen wir zum Trevi-Brunnen, wo wir keine Münze einwarfen, da wir nicht wissen, wann wir wieder nach Rom kommen. Auch hier: Touristen ohne Ende, nur mit Glück konnte ich ein einigermassen vernünftiges Foto des Brunnens machen. Auch an unserem nächsten Ziel, der Spanischen Treppe, hatte es um 22:00 Uhr noch Touristenmassen. Und natürlich Händler, die einem alles Mögliche verkaufen wollen. Aktuell hoch im Kurs sind Laserpointer. Diese Dinger sind so stark, dass man die noch an weit entfernten Kirchtürmen wahrnehmen kann. Ob die in der Schweiz zugelassen sind?

Wir verabschiedeten uns von Bruder und Nichte. Sie bleiben bis Samstag in Rom. Ein Taxi brachte uns anschliessend nach Hause. Der Schlaf hatte uns nach diesem langen Tag rasch im Griff.

Der Tag aus Jürgs Sicht.

 

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Mittwoch, 8. Mai 2013: Capri, Caprihose, Ford Capri, Insalata Caprese…

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Die schon oft besungene und für Produktebezeichnungen ausgelehnte Insel Capri ist hier grad um die Ecke. Von Sorrento aus werden regelmässig Schiffverbindungen angeboten und wir fuhren um 11:25 mit einem Jetboot ab Sorrento in einer halben Stunde nach Capri. Frühmorgens hat in der Bucht von Sorrento noch ein grosses Kreuzfahrtschiff, die Crystal Serenety angelegt. Nun werden wohl tausende von Passagieren entweder die Ruinen von Pompeji, den Vesuv, die Costa Amalfitana, Napoli oder eben Capri besuchen. Unser Schiff war somit recht voll, aber wir konnten uns einen schönen Fensterplatz im Oberdeck ergattern.

Unser Plan sah vor, je einen Scooter zu mieten und mit diesem die Insel zu erkunden. Das vorher im Internet recherchierte Scootergeschäft fanden wir schnell. Ich zeigte meinen Führerausweis vor und in diesem steht geschrieben, dass ich seit Jahren einen Töfffahrausweis besitze. Die Vermieterin fragte mich, wann ich das letzte Mal Scooter gefahren bin und ich antwortete, dass dies vor 20 Jahren der Fall gewesen sei. Sie vermietete mir mit Hinweis auf meine mangelnde Scootererfahrung keinen Töff. Wir sollen den Bus nehmen, dies sei weniger gefährlich. Jemand wie ich erhalte keinen Scooter, denn Capri ist für Gelegenheitsfahrer viel zu gefährlich.

Oops, der hat gesessen.

Plan B, den wir schnell entwickelten, sah vor, eine Tageskarte für Standseilbahn und Busse zu kaufen. € 9.60 galt es nun während des Tages rauszufahren. Wir fuhren mit der Standseilbahn vom Hafen in die Stadt Capri und stiegen dort auf den Bus nach Anacapri um. Die Busse in Capri sind fast breiter als lang, wohl aus Rücksicht auf die engen Strassen auf der Insel. Der Bus war gestossen voll, die verschwitzten Touristenleiber schmiegten sich sanft aneinander. Aber die Fahrt dauerte zum Glück nur etwa 10 Minuten.

In Anacapri angekommen fuhren wir mit dem Sessellift auf den Monte Solaro. Das Wetter auf dem Gipfel war schlecht, man konnte das Meer kaum sehen. Wir spazierten ein Wenig auf dem Gipfel herum und plötzlich verzog sich der Nebel und gab den Blick auf das Meer und die verschiedenen Felsformationen und Inselchen frei. Plötzlich hat sich die Fahrt auf diesen Berg gelohnt – so schnell kann es gehen!

Irgendwann fuhren wir wieder runter und assen in Anacapri was. Natürlich musste es ein Capri-Salat sein, ein Insalata Caprese. Tomaten und Mozzarella sind immer lecker. Die von mir auch gemachte Bestellung der Ravioli Caprese hingegen war nicht so durchdacht, denn auch hier war Mozzarella drin… Aber auch das war lecker.

Wir fuhren anschliessend (dank unserer Tageskarte :-) ) mit dem Bus weiter bis ausserhalb Anacapri und kehrten anschliessend wieder zurück zum Hafen. Wir lösten eine Rückfahrkarte für das 17:15 Uhr-Schiff und hatten noch Zeit für ein Gelato.

Das Schiff brachte uns wieder nach Sorrento. Die Stadt selber ist erhöht und nur durch hunderte von Treppen zu erreichen. Aber irgendwie schafften wir auch das. Den Abend liessen wir in einem feinen Restaurant, dem O'Murzill (scheinbar dem kleinsten Restaurant Sorrentos) ausklingen.

Übrigens wird man hier als Tourist immer auf englisch angesprochen. Scheinbar geht man davon aus, dass niemand ausser Italiener italienisch kann. Morgen verkleide ich mich als Italiener. Gele mir die Haare streng nach hinten, trage rund um die Uhr eine Sonnenbrille und ich kaufe mir ein Fussballleibchen, wohl eines von Napoli mit der Nummer 10 “Maradona” drauf. Mal schauen, wie ich dann morgen angesprochen werde.

Buena notte!

Hier findet man Jüres Tag

 

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Dienstag, 7. Mai 2013: Reif fürs Festland

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Heute hiess es Abschied nehmen von Sizilien. Nach dem Frühstück und auschecken fuhren wir mit dem Autobus vom Hotel zum Bahnhof. Die Fahrt verlief so rasch, dass wir rund eine halbe Stunde zu früh am Bahnhof waren. Auch heute konnte man sehen, dass es ein schöner und warmer Tag geben wird.

Pünktlich fuhr unser Zug in Catania ab und wir hatten bequeme Fensterplätze mit Sicht aufs Meer. Kurz vor Messina hat das Wetter umgeschlagen und es begann zu regnen. Die Fahrt führte uns weiter nach Messina, wo der Zug auf das Fährschiff Scilla verladen wurde. Die Fahrt über die Meerenge dauerte nicht lange, vielleicht eine dreiviertel Stunde und wir begaben uns nur kurz auf Deck. Der Komfort und das Gastroangebot auf der Fähre luden sowieso nicht zu einem Verweilen auf Deck ein. Da die Überfahrt nur kurz war, gab es auch keine Buffets, wie man dies z.B. auf den Fähren zwischen Dänemark und Deutschland vorfindet.

Nach Ankunft der Fähre in Villa San Giovanni wurde der Zug wieder ausgeladen und zusammengestellt. Trotz der bisher pünktlichen Fahrt schafften es die Bähnler, den Zug mit 10 Minuten Verspätung abfahren zu lassen. Übrigens sassen wir mit einem pensionierten Trenitalia-Eisenbahner (Sizilianer, der aber auch schon Mal an der Linie rund um Tirano gearbeitet hat und zum Schluss seiner Karriere Capo Stazione in Pisa Centrale war) sowie einen Italiener, der viele Cousins in Bern hat, gemeinsam im Abteil (Letzterer hörte Musik auf seinem “Sony-Walkman” Ältere Leser dieses Berichtes erinnern sich, was das ist :-) ). Aber die beiden schliefen oft. So eine Zugfahrt in Italien könnte übrigens interessant für Studien in Zusammenhang mit verwendeten Klingeltönen bei Mobiltelefonen sein. Die Italiener sind als sehr kommunikativ bekannt und machten von den Mobiltelefonen sehr oft und laut Gebrauch. Ich denke, dass man mit dem entsprechenden Klingelton dem Umfeld mitteilen will, was man ist. Oder was man sein möchte. “The eye of the Tiger” aus Rocky I des rund 70 jährigen Mannes passt irgendwie nicht. Und auch nicht das schnittige Musikstück aus einer Rossini-Oper passte irgendwie nicht zum apathischen Mann im Abteil hinter uns. Der Mann wurde übrigens fast die ganze Zeit von seiner mitteilungsbedürftigen Frau zugetextet. Sie hörte nur auf mit sprechen, um kurz Luft zu holen. Er konnte nur noch mit “sisi” oder “maaaaaa” antworten. Am meisten Anrufe hat übrigens der Besitzer des “Nokia Standard Tunes Nr 8″ erhalten.

Ich habe den Klingelton meines Handys auf “laut” gestellt, um ein bisschen als Einheimischer zu wirken. Aber mich hat niemand angerufen… :-(

Die Fahrt auf dem Rist des Stiefels führte mehrheitlich am Meer entlang und bot eine fantastische Aussicht. Das Wetter war wechselhaft, von Starkregen bis üppig Sonnenschein hatten wir alles. Heute führte auch eine Etappe des “Giro d’Italia” durch diese Gegend und vom Zug aus konnten wir die Werbefahrzeuge des Giro-Tross und einige Fahrer erkennen. Aber das ging natürlich huschhusch.

Unterwegs genossen wir die Landschaft, oder schauten Filme auf dem iPad. Zur Vorbereitung auf die Reise habe ich kürzlich “Ein Sommer in Amalfi” aufgenommen und den habe ich nun geschaut. Dieser Spielfilm wurde kürzlich auf dem ZDF ausgestrahlt und handelte von einer Deutschen, die in Amalfi einen Reiseführer über Amalfi schreiben wollte und sich in einen Italiener verliebte. Ganz schlechtes Kino also, und auch die Bilder zeigten sehr wenig von Amalfi – vielleicht grad die grosse Treppe zur Kirche, aber sonst… Speziell war, wenn die Italiener gesprochen haben. Um es für das deutsche Fernsehpublikum verständlich zu machen, mussten sie gebrocken Deutsche sprecken, damit der Zuschauer von die Deutscheland auck verstehen wase gesprocken wirde. In der Hauptrolle als italienischer Gigolo sah man Carlos Leal, den man von der Cablecom-Werbung kennt. Ok, der at ja schone die Dialeggt. Und er hat sogar mit seiner (Film-) Tochter deutsche gesprocken, wasse woll in die Realità nie so passire wirde.

Unsere Strecke:

In Salerno verliessen wir den Zug und die schon fast lieb gewonnenen Mitreisenden. Das Programm sah nun vor, dass wir mit dem Bus über Amalfi nach Sorrento fahren wollten. Zuerst mussten wir den Billettverkauf suchen, den wir aber zum Glück rasch fanden. Wir fanden auch die Abfahrtsstelle des Busses und fuhren pünktlich in Salerno ab. Die Fahrt nach Amalfi geht der Küste entlang und sie gehört zu den “Traumstrassen der Welt”. Und sie ist atemberaubend! Die Strasse ist hoch über dem Meer und ist nicht sehr breit. Irgendwie hat man das Gefühl, dass der Bus irgendwann die Wand berühren muss oder ein entgegenkommendes Auto touchiert. Aber scheinbar reicht es immer, es bleiben immer noch ein paar Zentimeter übrig. Und scheinbar gibt es einen Hupcode, von dem unser Chauffeur oft Gebrauch macht:

  • 1x hupen: danke, dass du mich vorbeigelassen hast
  • 2x hupen: Ciao Bella, come va? (wird höchstens bei Damen angewendet, die jünger als 25 Jahre alt sind)
  • 3x hupen: ich komme um die Kurve, macht Platz!
  • 4x hupen: hee, hast du mich nicht gesehen? Geh jetzt aus dem Weg!
  • 10x hupen: Mann, das gibt es jetzt aber nicht! Schon mal auf einer Bergstrasse gefahren? Bist du Holländer?

Bei ganz gefährlichen Kurven bekreuzte sich der Fahrer und hat um himmlischen Beistand gebeten. Dies ist hier in der Gegend so was wie eine Vollkaskoversicherung.

Nach 90 Minuten Fahrt sind wir in Amalfi angekommen.

Fahrt nach Amalfi:

 

Für mich war es eine Rückkehr: ich war 2001 mit meiner frisch angetrauten Frau auf Hochzeitsreise in diesem Städtchen und wir haben es sehr genossen. Es hat sich nicht viel verändert seither.

Die Confiserie neben der grossen Kirchentreppe ist genau noch am selben Ort wie die Gelateria, wo wir wunderbarstes Eis mit Walderdbeeren genossen haben.

Diese beiden Orte waren auch unsere Ziele in Amalfi.

Viel Zeit hatten wir nicht, da eine halbe Stunde später bereits der Anschlussbus nach Sorrento fuhr. Um 18:15 fuhr aber kein Bus, auch wenn der vor einer Woche im Internet ausgedruckte Fahrplan uns glauben machen wollte, dass um 18:15 kein Bus fuhr. Ein Angestellter der Busfirma machte uns mit ein paar typisch italienischen Handzeichen und einem Wortschwall, dem ich “Maaaa”, “cheeeeee” und “non che und autobus per Sorrento alle sei e quarto” entnehmen konnte. Also, das Internet lügt und der nächste Bus ist um 19:00 Uhr. Wir machten nochmal einen Rundgang durch das Städtchen und waren 20 Minuten vor der geplanten Abfahrt an der Haltestelle. Zum Glück, denn wir haben noch die letzten Sitzplätze erhalten, ganz hinten auf der Bank.

Der Bus nach Positano und Sorrento war proppenvoll und die Strasse ging genau gleich abenteuerlich weiter. Wer mal in der Gegend ist, soll € 7.10 aufwerfen und diese Fahrt unter die Räder nehmen. Aber nicht selber fahren. Denn dies ist Stress pur.

Kurz vor 21:00 Uhr waren wir dann in Sorrento, suchten unser Hotel (welches wir auch fanden) und gingen noch auf ein Bier raus. Morgen gehen wir nicht so früh aus den Federn, wir lassen es wohl Tag werden.

Der Tag aus Jürgs Sicht

 

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Montag, 6. Mai 2013: Einmal eine Runde Ätna, bitte!

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Der Lärm der grossen Stadt weckte uns. Wir machten uns auf zum Frühstück und starteten in den Tag. Nach der prima collazione ging Jürg auf den Balkon und sagte mir, dass ich Leute vom Ordnungsamt bei unserem Auto befanden. Mir war klar, was die uniformierten Helden wollten: gestern, als wir von unserer Ätna-Tour zurückkamen, stellten wir unser Auto beim Hotel auf den grossen Parkplatz. Ein Check der Schilder ergab, dass man bis 8:30 Uhr gratis parkieren kann. Nun war aber 9:10 Uhr… Pünktlich sind sie, die Leute vom Staat…

Jürg ging runter und ich machte mich noch fertig. Bevor ich runterging, wollte ich mir selber ein Bild von der Lage machen und bin geneigt zu schreiben, dass ich Jürg mit ein paar typisch italienischen Handzeichen und einem Wortschwall, dem ich “Maaaaa”, “cheeeeee” und “scusi” entnehmen konnte, dass er die Sache regelt. Ich ging dann auch runter und kann sagen, dass er die Sache wirklich geregelt hat – keine Busse!

Wir fuhren los und wälzten uns durch die Stadt. Der Verkehr war kein Vergleich zu gestern Sonntag. Scheinbar sind an Sonntagen alle Cataniaer zu Hause und schauen RAIuno. Der Verkehr war sehr anspruchsvoll: enge Strassen, Roller, die einem links und rechts überholen, Schilder, die beachtet werden müssen… Und plötzlich bekam ich Lust, es zu tun. Wie es alle hier tun. Und ich habe es gemacht. Zaghaft zwar, aber ich habe es gemacht…

Hach, und es war so schön!

Tanken mussten wir ja auch noch. Und zwar halbvoll. Der Herr an der Tankstelle wies uns darauf hin, dass wir bei der Säule, bei der wir angestanden sind, qualitativ hochstehenden Diesel erhalten, aber auch mehr dafür bezahlen. Er hat uns empfohlen, bei der Lastwagensäule zu tanken, dieser Sprit reicht für Mietwagen (aha, man hat uns also die mietwagenmietenden Touristen angesehen… Dabei habe ich doch krampfhaft einen auf italienischen Smalltalkt gemacht, so mit Handzeichen und so…). Das Wort “halbvoll” habe ich im Italienischkurs noch nicht gelernt, so wurde der Tank bis zu meiner Intervention, als der Zeiger schon auf “mehr als dreiviertelvoll” stand, gefüllt…

Die Rückgabe des Mietwagens war problemlos, auch die Kaution von € 300 wurde mir zurückgegeben, bzw. der Ritsch-Ratsch-Zettel der Kreditkarte verrissen. Und dass wir 7 km zu viel gemacht hatten (inbegriffen waren 100 km) war auch kein Thema. Auch nicht der Kratzer, der nicht auf dem Protokoll vermerkt war. Zurück in die Stadt gings wie gewohnt mit dem Bus. Mittlerweile waren wir schon so routinierte Linie 457-Fahrgäste, dass wir anderen Fahrgästen auf italienisch sagen konnten, wo sie aussteigen müssen…

Am Bahnhof gingen wir raus und wechselten auf die Metro. Jawohl, Catania hat eine Metro. Und was für eine: die Züge fahren von sieben bis zwanzig Uhr alle 15 Minuten. Und die ganze Metro hat sechs Stationen. Eine Metro für den Hausgebrauch, also… Wir fuhren bis zur Endstation, Catania Borgo, wo wir auf die Züge der Privatbahn Circumetnea umstiegen. Diese Bahn führt tatsächlich rund um den Ätna von Catania nach Risposto und ist 110 km lang. Der höchste Bahnhof ist auf über 900 müM gelegen. € 7.25 haben wir für die 110 km-Fahrt bezahlt und bekamen dafür eine Fahrt, die über Lavafelder führt, immer mit mit dem Vulkan auf der rechten Seite. Aktuell hat es sehr viele Pflanzen die blühen, so dass wir wahlweise gelbe, rote, grüne oder auch blaue Felder sahen. Aber auch das Schwarz der kalten Lava war fast überall vorhanden. Die Fahrt im lärmigen Dieseltriebwagen dauerte dreieinviertel Stunden, und bei der Ankunft in Riposto war man irgenwie froh, es geschafft zu haben…

Gefahrene Strecke:

 

Nach der Ankunft machten wir einen kleinen Spaziergang zum Hafen und genossen unterwegs eine Gelati. Auch hier sahen wir überall wieder den Aschestaub, der irgendwie die ganze Stadt bedeckt. Wenn man ein Auto eine Zeitlang abgestellt hat, ist es dann nicht mehr weiss.. Anschliessend marschierten wir wieder hoch nach Giarre-Riposto, dem Bahnhof an der Hauptlinie und fuhren zurück nach Catania.

Einen Moment der Ruhe gönnten wir uns dann im Hotelzimmer, und am Abend gingen wir zu einem feinen Lokal in der Nähe.

 

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Sonntag, 5. Mai 2013: Benvenuti al Sud

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Pünktlich verliess unser EasyJet-Flug die Calvin-Stadt Genève und steuerte über die Alpen in Richtung Süden. Catania war das Flugziel und der Pilot fand den Flughafen ohne Probleme. Jüre hatte unsere Plätze so vorreserviert, dass wir auf der linken Seite Fensterplätze geniessen konnten. Der Ätna war jedoch ein bisschen im Dunst verhüllt, so dass wir ihn nur erahnen konnten.

Nach der Landung haben wir rasch unser Gepäck bezogen und den Bus ins Zentrum gesucht. Die Linie 457 war am Ende des Terminals anzutreffen und der Chauffeur wollte grad losfahren. Zeit für einen Billettkauf blieb nicht, und der Chauffeur wies uns mit ein paar typisch italienischen Handzeichen und einem Wortschwall, dem ich “Maaaaa”, “cheeeeee” und “biglietto” entnehmen konnte, an, einzusteigen. So fuhren wir recht kostengünstig in die Stadt und schafften es sogar, bei der richtigen Haltestelle auszusteigen. So ohne Linienplan und Stationsansage ist es eine Lotterie, an der richtigen Stelle den Haltewunschknopf zu drücken. Zufällig befand sich die Haltestelle gegenüber unserem Hotel.

Unser Hotel, das Grand Hotel Excelsior, heisst so, weil es ein grosses Hotel ist. Beim Eintreten schmeckte man den typischen Duft von Reinigungsmitteln – sauber soll es sein, und auch so riechen…

Nach ein paar Minuten im Zimmer gingen wir wieder auf den Bus und fuhren wieder Richtung Flughafen. Dieses Mal hatte der Chauffeur Lust, uns ein Billett zu verkaufen. Natürlich mit einem Zuschlag. Aber € 1.60 für die Fahrt zum Flughafen sind für unserein doch noch recht günstig.

Beim Flughafen probierte ich, bei einem Warenautomaten eine Flasche Mineralwasser zu kaufen. € 2 eingeworfen und dann kam im Display der Text “Fuori servizio”. Üble Masche oder versteckte Kamera? Übrigens fuhren wir zum Flughafen, um ein Auto zu mieten. Wir haben kurzfristig noch beschlossen, zum Ätna zu fahren. Sämtliche Autovermieter waren in zwei Containern ausserhalb des Flughafens angesiedelt. Avis, Budget und Hertz hatten längere Warteschlagen zu verzeichnen. So wählten wir eben den Schalter der Hollywood Rental Cars aus. Dieser obskure No-Name-Anbieter gab uns einen Wagen für € 40 pro Tag. Nicht schlecht, der Preis. Die Kreditkartengarantie für das € 300-Deposit wurde noch old-fashioned mit einem Ritsch-ratsch-Kreditkartenabzug durchgeführt. Der Tank sei nur halbvoll. Ich soll ihn einfach wieder halbvoll zurückbringen. Vertrag unterschrieben – und der Fiat Panda gehört für einen Tag uns. Und wer weiss, vielleicht haben wir ihn ja auch gekauft… Bei der Fahrzeugübergabe waren alle Schäden auf dem Protokoll vermert. Vorne Stossstangen eingedrückt, Beule Fahrertür, Heckscheibe verkratzt, hinten Stossstange zerkratzt… Die Kratzer auf der Hintertür waren jedoch nicht vermerkt. Auf meine Intervention hin hat der Vermieter uns mit ein paar typisch italienischen Handzeichen und einem Wortschwall, dem ich “Maaaaa”, “cheeeeee” und “questo vediamo domani. Sono qui domani e vogliamo regolarlo domani” entnehmen können, dass wir dies dann morgen regeln.

 

Nun, dieser Fiat Panda war für meine Verhältnisse ein Kinderspielzeug (im Verlaufe der Mietdauer hat sich dann noch herausgestellt, dass dieses kompakte, kleine Fahrzeuge auf den engen Dorfstrassen durchaus seine Trümpfe ausspielen kann). Längere Zeit mussten wir pröbeln, wie man die Türen von innen verschliessen kann. Schliesslich wollen wir uns nicht an einer Ampel ausrauben lassen…

Den Weg vom Flughafen in die Stadt haben wir heute nun schon zum dritten Mal gemacht, so waren wir rasch durch Catania durch auf der Autobahn Richtung Messina. Irgendwo bogen wir ab in Richtung “Etna”. Die Strasse wurde teilweise richtig schmal, führte durch unbekannte Dörfer und immer weiter in die Höhe Richtung Ätna. Zwischendurch machten wir Stopps, um die Aussicht Richtung Meer oder Richtung Ätna zu geniessen. Die Strasse führte durch Lavafelder, teilweise hatte es auch Lavaasche auf der Strasse. Auf einer Nebenstrasse zu einem Aussichtspunkt war die Strasse sogar komplett von Lavaasche überdeckt, so dass man wie auf Sand fuhr.

Die Strasse brachte uns von Meereshöhe auf 1982 müM zum Rifugio Sapienza. Mittlerweile war es kurz vor 18:00 Uhr und die Touristen haben das Rifugio Sapienza mehrheitlich verlassen. Auch der Sessellift in Richtung Ätna-Krater fuhr nicht mehr. Wir haben uns für einen kurzen Spaziergang zu den Silvestri-Kratern entschieden. 1892 gab es dort einen Vulkanausbruch und heute können die verschiedenen Krater besichtigt werden. Auf dem Mond muss es wohl ähnlich aussehen…

 

Wir verliessen das Rifugio und fuhren auf einer anderen Strasse wieder talwärts. Unterwegs sind wir noch in einem Restaurant eingekehrt und haben fein Znacht gegessen. Da die Rechnung nur handgeschrieben auf einem Notizzettel geschrieben war und keinen Stempel aufwies, wissen wir nicht, wie das Lokal hiess. € 40 für 2 Personen mit Vorspeise und Wein ist jedoch ein sehr guter Preis :-)

Unsere Fahrt zum Ätna:

 

Später am Abend fuhren wir talwärts, irrten durch Catanias Einbahnstrassen und fanden recht zufällig unser Hotel…

Und morgen früh werden wir wieder an den Flughafen fahren, vorher noch den Panda mit Diesel füttern (halbvoll) und dann bei der Mietstation erfahren, ob wir nun einen italienischen Kleinwagen gekauft haben und ob das bereits bezahlte Deposit für eine Familienfeier verwendet wurde.

 

Jüres Tag

Flug von Genève nach Catania

Fahrt vom Flughafen zum Hotel

 

Nachtrag vom 14. Mai 2013:

Die Auswertung der GPS-Daten hat ergeben, dass wir beim Flug auf Catania die Insel Giglio überflogen haben. Dies ist die Insel, vor der am 12. Januar 2012 das Kreuzfahrtschiff Costa Concordia auf Grund lief, leck schlug und direkt vor den Hafen von Porto trieb, wo es kenterte, teilweise sank und mit etwa 65 Grad Schlagseite liegen blieb. Wenn wir vom Flugzeug aus nicht den Blick auf Festland gerichtet hätten, wäre das Wrack vom Flugzeug aus wohl zu sehen gewesen, wie das Satellitenbild von Google zeigt.

Costa Concordia schläft

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Samstag: 16. März 2013: It’s time to say goodbye

Wir sind noch so satt vom gestrigen Abendessen, dass wir beschliessen, heute das Frühstück auszulassen. Wir lassen's gemütlich angehen und packen unsere sieben Sachen, so dass wir das Hotelzimmer um 13:00 Uhr verlassen. Da wir beide nicht die grosse Shopping-Laune verspüren, haben wir entschieden, einen Stadtbummel zu Fuss zu unternehmen. Es hat geschneit in der Nacht und teilweise ist es recht glatt. Wir richten unseren Spaziergang auf einen Besuch in einer Filiale der Steakhouse-Kette “The Keg” aus. Leider ist dieser Gedanke nicht sehr zielführend. Wir suchen zwei solche Filialen auf, beide Lokalitäten öffnen aber jeweils erst um 4 pm, was heute für uns zu spät ist.

In Frans Restaurant gibt es für Martin dann aber doch noch ein Steak und für mich ein Lachs-Filet. Ein richtig feines Geburtstagsessen für meinen lieben Mann. Wir geniessen, diese letzte Toronto-Mahlzeit in vollen Zügen. Danach machen wir uns auf den Weg zurück zum Hotel, wo wir das eingestellte Gepäck beziehen. Es reicht uns sogar noch auf den 16:00 Uhr Bus zum Flughafen. Wir checken Priority ein (ohne Anstehen, ohne Hektik) und unterziehen uns einmal mehr einem ach so tollen Security Check. Keep smiling, smiling, smiling … grrrrrrrrrrrrrrr. In der Air Canada Maple Leaf/Feuille d'Erable-Lounge entspannen wir bei einer tollen Getränke-Auswahl (da könnte man sich echt vor dem Flug zudröhnen … aber das tun wir natürlich nicht :-) ) und einigen Snacks, schreiben Tagebuch und lesen Mails.

 

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Freitag, 15. März 2013: Wir würden es wieder tun

Den Erholungswert von Ferien spürt man u.a. dann, wenn man den Wecker auf 08:00 Uhr stellt und am Morgen kurz vor dem Läuten desselbigen erholt und voller Tatendrang erwacht. Kurzer Mailcheck, ein Blick in den eBund geworfen – was gibt's neues in der Schweiz? – und dazu läuft der Fernseher. Kurzer Exkurs zur laufenden Sendung. Die Serie heisst “Unexpected Parents” und zeigt Paare, die bis zur Geburt hin nicht gemerkt haben, dass sie Eltern werden. Tja, auch das gibt's bzw. auch dafür gibt's ein Publikum.

Nachdem wir uns frisch gemacht haben, begeben wir uns zum Frühstücksbuffet ins Bistro 33. Wir geniessen einen formidablen Brunch. Die Eggs Benedict schmecken göttlich, gleiches gilt für die frischen Fruchtsäfte. So gestärkt verlassen wir gegen 11:00 Uhr das Hotel, um den für heute gemieteten Wagen in der Nähe des Hotels zu übernehmen. Bis wir die Verleihfirma ausfindig gemacht haben, vergeht einige Zeit, denn diese befindet sich im 5. Stock des Eaton Centers, das aber eigentlich nur über drei Stockwerke verfügt. Einzig am Südende des Gebäudes hat es noch Büros und ein Parkhaus. Und auf dem obersten Rampenteil finden wir dann tatsächlich den Container des Autoverleihs. Nach dem obligaten Papierkrieg können wir unseren Wagen, einen Toyota Venza, übernehmen. Wir haben bewusst auf die Miete eines Navi verzichtet. Nun gilt es, den Weg zum Queen Elisabeth Way zu finden. Martin kann die Map, die wir extra mitgenommen haben, plötzlich nicht mehr finden, bügelt dieses Malheur aber mit seinen profunden Vorortskenntnissen bzw. seiner guten Orientierung (er ist mittlerweile das fünfte Mal in Toronto) aus. Rasch haben wir alle aufgrund von Baustellen geschlossene Streckenabschnitte umkurvt und fahren auf dem Queen Elisabeth Way in Richtung Niagara Falls. Wir waren bereits schon einmal dort und zwar im Jahr 2000. Damals haben wir uns verlobt und uns das Versprechen gegeben, dass wir zusammen unser Leben verbringen wollen, aufeinander Rücksicht nehmen und zueinander schauen. Der Ort bedeutet uns beiden daher sehr viel. Ausgewählt haben wir ihn damals, weil es ein Traum von mir war, einmal die Niagara-Fälle zu sehen. Nach der Verlobung sind wir damals weiter nach Florida gereist.

Heute ist der erste Tag, an dem das Wetter nicht grand beau ist. Aber das macht nichts. Bis zur Ortschaft Niagara-on-the-Lake fahren wir durch. Im erwähnten Örtchen parken wir unser Auto und unternehmen einen Bummel durch die historische Altstadt des Ortes. Auch essen wir eine Kleinigkeit bevor wir weiter zu den Niagara Falls fahren.

Bei unserer Ankunft an den Fällen scheint die Sonne durch die graue Wolkenschicht durch, was zusammen mit den Gischt-Tröpfchen der Fälle zu einem imposanten Regenbogen führt. Fast haben wir das Gefühl, mit dem Auto übers Ende des Regenbogens zu fahren. Wir parken das Auto und begeben uns zu den Fällen. Einmal mehr ein überwältigendes Gefühl. Da kommt das Wasser im breiten Flusslauf, vielleicht 10 oder 20 cm hoch ruhig fliessend, unspektakulär daher, um kurz vor dem Fall zu einem reissenden grau-grünen Strom zu werden, der lärmend und spritzend in die Tiefe donnert.

Faszination pur. Ich könnte dieses immerwährende Spektakel endlos lang beobachten. Aber es wird langsam kalt. Darum spazieren wir der Strasse entlang in Richtung Regenbogen. Auf dem Weg dorthin wird uns klar warum die Rainbow-Bridge ihren Namen trägt. Erstens hat sie selbst die Form eines Regenbogens und zweitens zeichnet sich in ihrer Form der Real-Regenbogen sehr schön ab.

 

Kurz vor dem Regenbogen ist die Gischt der Fälle so stark, dass wir richtig nass werden. So wie wir im 2000 das Niagara Falls-Wasser auf die beiden Niederer-Glassterne haben tropfen lassen – als Zeichen der Verbindlichkeit unserer Absichten, lassen wir das Wasser auf unsere Eheringe tröpfeln. Auch diesmal mit dem bewussten Gedanken, den gemeinsamen Weg weiter zu gehen. Wir geniessen die Zeit an den Fällen: das Wasser, das Tosen, die wunderschöne Aussicht auf die kanadischen und amerikanischen Fälle mit den Eisskulpturen in den die Fälle umgebenden Steinformationen. Nach einem wärmenden Kaffee – auch an den Niagara-Fällen hat es ein Tim Hortons – fahren wir in die Ortschaft Niagra hinein. Die Ortschaft ist schrecklich erinnert mich ein wenig an die touristischen Sommerferien-Hochburgen auf Mallorca bzw. Zypern. Wir besuchen noch ein Factory Outlet, wo wir einige Anziehsachen finden.

Dann brechen wir auf zur Rückreise Richtung Toronto. Denn unser Verlobungstag-Revival ist erst dann komplett, wenn wir auch wieder in der Old Spaghetti Factory (OSF) Abendessen gehen. Die Rückfahrt gestaltet sich problemlos. Der Wochenend-Rush auf dem Queens Express Way ist entweder schon vorbei oder nicht eingetreten. Rasch haben wir auch eine Tankstelle gefunden, um unseren Wagen voll zu tanken. Einzig finden wir nicht auf Anhieb die Autobahnauffahrt, so dass wir einen Teil des Wegs auf Hauptstrassen zurücklegen. Am Schluss läuft's aber wie am Schnürchen. Martin findet wieder auf Anhieb den Weg durch die City in ein Parkhaus, dort verlässt gerade jemand das Parkhaus und gibt uns sein Ticket, so dass wir keine $ 20 bezahlen müssen. Wir verlassen das Parkhaus und müssen keine 20 Schritte mehr gehen, um zur Old Spaghetti Factory zu gelangen. Für beide gibt es eine Strawberry Margherita zur Feier des Tages. Den Tag lassen wir bei einem Salat und einer lecker-feinen Portion Spaghetti (mit Meatballs bzw. browned butter and Mizithra cheese) ausklingen. Nach dem Essen bringen wir das Auto zurück und kehren ins Hotel zurück, wo wir unsere Einkäufe auspacken und zusammen nochmals den schönen Tag Revue passieren lassen. Mittlerweile ist es 00.15 Uhr: HAPPY BIRTHDAY MARTIN!

 

 

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Donnerstag, 14. März 2013: “The passion that unites us all”

Es war eine kurze Nacht, die wir im Bett verbracht haben. Ein paar Stunden nur. Aber da wir am Vorabend nix schlaues gegessen hatten, wollten wir das Frühstück nicht verpassen. Um 9:00 läutete der Wecker, kurz darauf waren wir im hoteleigenen Restaurant und haben uns am Buffet gestärkt. Nach dem Frühstück liessen wir es gemütlich angehen, und als wir das Zimmer verliessen, war schon weit nach Mittag. Unser Hotel ist in der Nähe der Yonge Street gelegen. Diese beginnt unweit von unserem Hotel und endet nach 1896 Kilometern als Provinzstrasse im Norden Ontarios. Ihre Länge hat der Yonge Street einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde gebracht. In Toronto ist die Yonge Street aber auch eine bei Touristen sehr beliebte Einkaufs- und Vergnügungsstrasse. Viele Einkaufsgeschäfte befinden sich hier, aber auch eine Art Rotlichtbezirk mit dem Stripclub “Zanzibar” (nackte Frauen und so) und mit dem Männer-Stripclub “Remingtons“. Der guten Ordnung halber sei aber noch erwähnt, dass sich direkt neben dem Remingtons auch eine kirchliche Mission befindet. Wir besuchten keines der Lokale, auch die kirchliche Mission besuchten wir nicht.

Hingegen besuchten wir das Eaton Center. Hier befinden sich rund 230 Geschäfte und Restaurants an der Wärme. Alle grossen Brands sind hier zu finden und wir liessen uns Zeit, um zu shopen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass uns Kanada die Ehrenbürgerschaft verleihen sollte, den schliesslich unterstützen wir die Wirtschaft dieses Landes massiv… :-)

Nach unserem Shoppingausflug machten wir einen kurzen Umweg ins Hotel und anschliessend gingen wir in Richtung Air Canada Centre. Wir hatten Karten fürs NHL-Spiel der Toronto Maple Leafs gegen die Pittsburgh Penguins gekauft. Bevor wir uns aber auf dem Weg zum Stadion machen konnten, wollten wir uns noch stärken. Schliesslich strengt shopping an und ausserdem müssen wir für das Spiel gerüstet sein… Als wir vor Jahren das erste Mal gemeinsam in Toronto waren, haben wir in der Old Spaghetti Factory ausgezeichnet gegessen. Dies wollten wir heute wiederholen. Irgenwie liessen mich die geografischen Kenntnisse im Stich und wir irrten im Quartier umher. Als wir das Lokal schlussendlich fanden, hatten wir zu wenig Zeit, um gemütlich zu essen und das Spiel von Anfang an zu sehen. So blieb uns nichts anderes übrig, um den Termin mit der Spaghettifabrik auf später zu verschieben. Stattdessen gingen wir direkt ins Stadion und wollten dort was essen. Gleich bei Öffnung des Stadions waren wir dort und konnten in Ruhe die Auswahl der Dutzenden von Essständen anschauen. Wir fanden was und begaben uns direkt zu unseren Plätzen.

Als vor ein paar Wochen klar war, dass die NHL den Lockout beenden würde und dass wir in Toronto die Gelegenheit bekamen ein Spiel zu sehen, probierte ich beim Buchungsbeginn 2 Plätze zu ergattern. Ich musste jedoch feststellen, dass in Toronto wirklich ein Bedürfnis nach Eishockey besteht und dass ein paar Stunden nach Buchungsbeginn nur noch Einzelplätze verfügbar waren. So konnten wir leider nicht nebeneinander sitzen, aber doch schräg diagonal 2 Plätze auseinander hintereinander. Speziell war auch, dass diese Plätze als “Nichtraucher” bezeichnet waren (in einem gedeckten Stadion eigentlich nichts besonderes), aber dass in diesem Sektor Alkohol getrunken werden darf… Und in Realität war der Service so ausgelegt, dass in diesem Sektor Food and Beverage an den Platz serviert wurden (gegen Bezahlung). Und so hätte man sich während dem ganzen Spiel gemütlich die Kante geben können – wenn nicht die horrenden Bierpreise gewesen wären. $12 pro Bier war wirklich ein bisschen happig, ein Glacécornet à $7.50 war preislich auch eher in einer Apotheke angesiedelt ;-) Und so liessen wir es kulinarisch bei ein bisschen Food, einer Glace am Platz und einem Kaffee am Pistenrand am Platz sein.

“The passion that unites us all” ist der diesjährige Slogan der Maple Leafs. Und die Kanadier ordnen dem Eishockey sehr viel unter und man spürt auch die Begeisterung für diesen Sport. Vor ein paar Wochen ist Stompin Tom Connors verstorben. Dieser Countrysänger hat das Lied “The Hockey Song” gesungen und dieses wird seither in fast allen Stadien der westlichen Welt gespielt. Ihm zu Ehren gab es ein nationales Memorial in einem Hockeystadion in Ottawa und dies wurde in allen News-Sendungen vermeldet. Auch die Hockey Hall of Fame, in welcher Leistungen des Eishockeys zelebriert und geehrt werden, befindet sich in Toronto.

Noch zu erwähnen ist, dass wir auf den Flügen mit Westjet (Toronto-Edmonton-Yellowknife-Edmonton-Calgary-Toronto) als In-flight-entertainment 20 Satelliten-TV-Kanäle zur Verfügung hatten – und auch in der Luft kann man Eishockey anschauen (und die Frau nebenan kann dann gleichzeitig Eiskunstlauf schauen – getreu dem Coop-Motto: “für dich und mich”). Und wenn mit Sidney Crosby und seinen Pittsburgh Penguins der aktuell weltbeste Eishockeyspieler in Toronto ein Gastspiel gibt, dann ist man “dabei”.

Und die Hype um diesen Crosby ist unglaublich. Vermutlich haben mehr Fans ein Crosby-Leibchen getragen als von allen andern Spielern der beiden Teams zusammen. Und man darf nicht vergessen: Crosby hat bei den Olympischen Spielen 2010 in Vancouver im Finalspiel gegen die USA das entscheidende Tor in der Overtime geschossen. Dies ist wohl auch der Grund, dass er nun ein Nationalheld ist, auch wenn er in einem Team der USA spielt.

Die Begeisterung und Würde in diesem Spiel war auch zu spüren, als bei einem Werbeunterbruch vom DJ der oben erwähnte “Hockey Song” gespielt wurde. Die Werbepause war fertig, die Spieler bereit beim Puckeinwurf, aber der Schiedsrichter hat gewartet, bis dieses Lied zu Ende gespielt war.

Begeisterung hin, Begeisterung her: das Spiel war nicht gut. Zu sehr wurde defensiv gespielt, es hatte keine Emotionen drin (also keine Prügelei und keine überharten Checks) und bis kurz vor Schluss stand das Spiel 1:0 für Toronto. Wir haben uns schon auf einen Mini-Sieg für das Home-Team eingestellt, als Pittsburgh ausgleichen konnte. Der Assist zum Tor kam von Crosby. Eine Verlängerung stand im Raum, aber kurz vor Schluss konnten die Gäste das 1:2 erzielen, Toronto nahm darauf den Goalie vom Eis und so stand es dann halt 1:3.

First star (der beste Spieler) wurde… SIDNEY CROSBY. Mit einer äusserst diskreten Leistung, aber es hat gereicht.

 

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Mittwoch, 13. März 2013: A frozen but heartly goodbye

Heute heisst es Abschied nehmen von Yellowknife oder wie die Einheimischen es nennen: YK. Die paar Tage hier im Norden sind rasch vergangen. Und doch können wir sagen, dass das was es hier zu sehen und machen gibt, wir gesehen bzw. gemacht haben. Und abgesehen vom Diamanten-Museum, das wir uns noch hätten anschauen können, lässt sich hier nichts mehr tun, das uns gereizt hätte. Wir erwachen ohne Wecker, stehen auf und gehen frühstücken. Einmal mehr ist das Hauptthema im Frühstücksfernsehen die Papst-Wahl. Kanadische Fernsehstationen haben sogar Studios in Rom gemietet und berichten Live über den Stand der Wahlen. Wir finden es erstaunlich, wieviel Raum dieses Thema hier in Kanada einnimmt. Klar ist eines der Themen, dass man hofft, dass diesmal ein sprachgewandter, viel gereister Kardinal als Papst gewählt wird. Nach einem weiteren leckeren Frühstück (ich werde die leckeren Cinnamon Bagels vermissen) packen wir unsere Taschen und checken aus.

Draussen erwarten uns knackige minus 28 Grad Celsius. Wir wussten, dass es sehr kalt sein musste. Bereits in den letzten Tagen hatten wir auf der Innenseite unserer Fenster Eisbildungen feststellen können. Durch den Tag hindurch lösen sich diese jeweils auf. Aber heute Morgen waren die Eisablagerungen so gross wie noch nie zuvor. Mit unseren Reisetaschen machen wir uns zum letzten Mal auf den eisigen Weg vom Hoteleingang zum Parkplatz. Auf diesem Weg hat es überall Kaffeeflecken.

Es ist anzunehmen, dass bei diesen Temperaturen ein ausgeleerter Kaffee ruckzuck zu einem Mocca-Eis wird. Unser Auto ist mit einer leichten Frostschicht überzogen. Schnell sind die Taschen im Kofferraum verstaut und wir sitzen im eiskalten Auto, indem sich beim Ausatmen Atemwolken bilden. Es ist abartig kalt – so kalt, dass Seifenblasen direkt in der Luft gefrieren bzw. nasse Kleider, die man im Freien aufhängt, von einem Moment auf den anderen steif sind. Funny.

Darum wie immer der erste Griff zum Knopf für die beiden Sitzheizungen im Auto. Wir fahren auf dem direkten Weg zum Flughafen von YK. Natürlich zeigt mir Martin auf dem Weg dorthin noch seinen bevorzugten Schnee bedeckten Weg von gestern … Unterwegs betanken wir unser Auto an einer kleinen Tankstelle, die sogar bedient ist. Martin hat schon seit gestern davon gesprochen, dass die Outdoor-Betankung wohl der schlimmste Moment unseres Yellowknife-Aufenthalts werde. Jetzt bleibt ihm dieses Erlebnis glücklicherweise erspart. Dafür gibts ein Extra-Trinkgeld für den Tankstellen-Angestellten.

An Flughafen angekommen, plugen wir unser Auto ein vermeintlich letztes Mal ein. Wir stellen aber fest, dass das Budget-Autoverleih-Office noch geschlossen hat. Darum droppen wir nur unser Gepäck und entscheiden uns spontan, nochmals zurück in die Stadt zu fahren und im Tim Hortens noch einen Kaffee mit Muffin zu geniessen. Gesagt, getan. Wir bestellen Kaffee und unsere Favoriten in Sachen Muffin (Fruit Explosion bzw. Cranberry/Blueberry bran) und installieren uns an einer der fix montierten Tisch-/Stuhl-Combo. Damit es im Auto nicht wieder so kalt ist, wenn wir zurück kommen, startet Martin bereits vom Tim Hortens aus funkferngesteuert den Motor. Das funktioniert und ist hier nichts aussergewöhnliches. Man fährt mit dem Auto vor den Food Market, schliesst das Auto ab, lässt den Motor laufen und geht einkaufen. Gleiches Ritual teilweise auch, wenn man auswärts essen geht. Zurück am Flughafen: Business as usual (Sicherheitskontrolle und warten im Gate). Hier erfahren wir die frohe Botschaft, dass der neue Papst aus Argentinien kommt, “erst” 76 Jahre alt ist und “Hoché” heisst.

Und schon beginnt unser Triple-Flight Event. Zuerst geht's von Yellowknife nach Edmonton (alles as scheduled) dann von Edmonton ein der Katzensprung-Flug nach Calgary (OK, aber wir fliegen 20 Minuten Verspätung ein, was in Anbetracht der kurzen Anschlussflug-Zeit etwas kritisch ist). In Calgary angekommen, beilen wir uns, um zum Toronto-Flug-Gate zu kommen. Dort angekommen, stellen wir fest, dass sich auch dieser Flug verzögert beginnen wird (19.20 anstelle von 18.15 Uhr). Wir kaufen noch eine süsse Kleinigkeit ein und relaxen, bis zum Boarding-Aufruf. Auch dieser Flug verläuft unspektakulär gut.

Als wir in Toronto ankommen ist es Donnerstagmorgen früh 01.20 Uhr. Zu unserem grossen Erstaunen hat auch unser Gepäck den Weg nach Toronto gefunden. Toll! Martin hat im Wissen um die auch ohne Verspätung späte Ankunftszeit in Toronto den Transfer Airport nach Downtown Toronto bereits im Vorfeld organisiert. In Anbetracht der grossen Müdigkeit sind wir jetzt noch zusätzlich froh, über diese “weise” Planung. Unser Wagen stellt schon bald im Shuttle-Terminal und wir fahren Richtung Stadt. Es hat geschneit und die Strassenverhältnisse sind nicht ganz ohne. Tatsächlich hat sich kurz vor unserem Autobahn-Exit ein Unfall ereignet. Die Autobahn ist gesperrt und für rund 30 Minuten geht gar nichts mehr. Die Müdigkeit wird nicht weniger … Kurt vor 02.30 Uhr treffen wir dann endlich in unserem Toronto-Hotel, dem Delta Chelsea ein. Kurze Abendtoilette, Pyjama aus dem Koffer zerren und guet Nacht.

 

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Dienstag, 12. März 2013: Mit einem Allrader kommt man überall durch

Nach den beiden Vortagen hatten wir heute einen “Ruhetag” auf dem Programm. Zeit genug um Bettinas Geburtstag – Happy Birthday – zu feiern. Wir liessen es gemütlich angehen und gegen Mittag starteten wir zu einer ausgedehnteren Besichtigungstour Yellowknives. Zuerst gingen wir zum Flughafen zum Terminal der Buffalo Airways. Diese Airline macht hauptsächlich Frachttransporte, aber auch tägliche Passagierflüge über den Great Slave Lake nach Hay River. Das Spezielle an dieser Airline ist, dass die Flüge mit alten historischen DC3- und DC4-Flugzeugen ausgeführt werden. Der Erstflug einer DC3 fand 1935 statt und dieser Flugzeugtyp war auch als “Rosinenbomber” für die Versorgung Berlins im Einsatz. Eines dieser Flugzeuge hat Jahrgang 1942… Eine Liste der von Buffalo Airways eingesetzten Flugzeuge befindet sich hier.

Speziell ist auch, dass Buffalo Airways in einer Reality-Show namens “IcePilots” die Hauptrolle gespielt hat und bei gewissen Zuschauerkreisen somit eine Berühmtheit erlangt hat. Selbstverständlich gibt es hier auch einen Souvenirshop, wo man auch Kleider der Airline-eigenen Kleiderlinie kaufen kann. Draussen waren natürlich überall “No trespassing”-Schilder aufgehängt, so dass man nicht sehr nahe zu den Flugzeugen gehen konnte. Aber für ein paar Bilder aus Distanz reichte es.

Nach diesem Ausflug fuhren wir weiter in die “Old town”, wie man dem ältesten Stadtteil Yellowknives auch sagt. In einem Warenhaus, welches eigentlich ein Allerweltsladen war, sahen wir uns ein bisschen um und staunten über die Auswahl. Sie hatten schlicht alles, einfach auf kleinem Raum. Kein Vergleich zum grossen Jakobsmarkt in Zollbrück, aber ähnlich :-) Nach diesem Shopping-Ausflug gingen wir noch in den “Just furs”, aber die Pelzauswahl sagte uns nicht zu…

Die Suche nach einem gemütlichen Café führte uns zum Tim Horton, welches sich bei unserem Hotel befand. Wir kauften was to go und gingen aufs Zimmer, wo wir die gekauften Cappuccino und Muffins genossen.

Die ganze Geschichte mit den DC3 der Buffalo Airways liess mir keine Ruhe und ich wollte einen solchen Flieger starten sehen. So liess ich Bettina im Hotel zurück und ging alleine noch einmal zum Terminal. Kaum angekommen startete der erste Motor, kurz danach der zweite. Der Motorenlärm ist im Vergleich zu den heutigen Flugzeugen Musik, verbunden mit dem speziellen Duft der Abgase, die man so nicht (mehr) kennt. Ich hielt mit der Kamera drauf um dieses Spektakel einzufangen. Dabei fror ich mir fast die Finger ab, denn in der Hektik habe ich vergessen, Handschuhe anzuziehen…

Als das Flugzeug in Richtung Startbahn abfuhr, war dies auch für mich ein Zeichen, den Fotostandort zu wechseln. Bei der Hinfahrt hatte ich einen Standort bei der Startbahn ausgemacht, der sich wunderbar eignen würde, das startende Flugzeug noch einmal zu filmen. Als ich dort angekommen war, wartete ich eine Zeit lang an der Sonne – aber in der Kälte. Weit entfernt hörte ich ein startendes Flugzeug, aber bei mir flog keines vorbei. Scheinbar starten die Flugzeuge über eine andere Startbahn und ich war am falschen Ort. Vor mir lag ein mit Schnee bedeckter Weg, und statt das Auto zu wenden und wieder zurück zu fahren, wollte ich den Allrader ausprobieren und über diesen Weg fahren. “Mit einem Allrader kommt man überall durch” sagte ich mir. Nach 50 m blieb ich jedoch stecken und kam nicht mehr vor- und nicht mehr rückwärts. “Ich habe gemeint, mit einem Allrader kommt man überall durch” schoss mir durch den Kopf… Mein Vater hat mir beigebracht, dass man in schwierigen Situationen nicht hilflos sein soll. Und so verfiel ich nicht in Panik, sondern machte mich auf zur Ford-Garage, die sich ca einen halben Kilometer weiter vorne befand. Die werden mir sicher helfen können, den Ford wieder auf festen Grund zu bringen…

Auf dem Weg zu dieser Garage traf ich einen Mann, der grad Feierabend gemacht hat und auf dem Weg zu seinem Auto war. Ich fragte ihn, ob er mir helfen könne, aus dieser Geschichte rauszukommen. Kein Problem, er hole den Truck. Nach ein paar Minuten kam er mit zwei Kollegen und einem Ford F150 Pick-up. Er blieb auch stecken, konnte sich aber selber befreien. So engagierten sie einen Kollegen mit einem F350, der hinten anfuhr und meinen Mietwagen mit einem Seil rückwärts rauszog… Somit war ich (mit unbeschädigtem Auto) wieder auf festem Grund und die Helfer machten sich davon. Einen Helfer konnte ich noch einholen und ihm ein Trinkgeld mitgeben, aber der Fahrer des F350 machte einen auf Fahrerflucht, so dass ich mich ihm gegenüber nicht mehr erkenntlich zeigen konnte. Der mit Schnee bedeckte Weg war übrigens eine Piste für Snowmobiles. Und ist natürlich nicht für schwere Allrader geeignet…

Zuhause angekommen diskutierten wir, wo wir essen gehen wollten. Tripadvisor und Inserate in Touristenzeitschriften waren so umfangreich, dass wir nach dem Studium dieser Inputs genau gleich ratlos waren… Warum was Neues starten?

So beschlossen wir, wieder in Bullocks Bistro zu gehen, wo wir schon gestern wunderbar gegessen haben. Reservieren kann man dort nicht, so dass wir rund eine halbe Stunde anstehen mussten, bis wir einen Platz an einem Tisch zugewiesen bekamen. 30 Minuten, die sich warten gelohnt hat. Das Essen war wieder primafein. Bettina hat wieder den Arctic Char gewählt, ich habe einen Fischspiess bestellt, der ein bisschen Alles von Allem hat, was die Küche dort zu bieten hat. Gut gegessen, gut getrunken, ein perfektes Geburtstagsdinner ;-)

Nach dem Essen fuhren wir noch einmal über die Ice Road auf den Great Slave Lake. Wir wollten fernab der Lichter der Stadt noch einmal die Sterne anschauen und hofften, den Kometen zu erblicken. Die Sterne sahen wir, den Kometen nicht. Und irgendwie war es mit -25 Grad auch zu kühl für ein gemütliches Tête-à-tête auf einem See. Unser zu Hause war geheizt und empfing uns gerne.

 

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Montag, 11. März 2013: Sayonara zäme!

Bereits um 09:00 Uhr klingelt der Wecker. Schon ein wenig früh, wenn wir bedenken, dass wir heute Morgen erst kurz vor 4 Uhr ins Bett gekommen sind. Aber so what … Unser Outdoor-Programm findet heute seine Fortsetzung. Aufstehen, frühstücken und wieder in die x Schichten unserer Outdoor-Kleider “einzwiebeln”. Vom Frühstück gilt es noch zu berichten, dass im kanadischen Morgen-Fernsehen tatsächlich ein Filmbeitrag zum Marder-Auftritt während des Fussballspiels FC Thun gegen den FC Zürich gezeigt wird. Als erstes geht es an diesem Morgen in die “Canadian Tire“-Filiale in Yellowknife. Dort kaufen wir Wärmebeutel und ein paar Schuhe. Und zwar nicht irgendwelche schönen Frühlingsschuhe, sondern ein paar Outdoor-Schuhe, welche die Füsse auch noch bei minus 30 Grad Celsius warm halten sollen. Um 12:30 Uhr finden wir uns erneut beim Explorer Hotel ein. Heute steht eine geführte Schnee-Schuhtour auf dem Programm. In zwei Bussen werden 74 Personen zum Aurora Village geführt. Unser Bus – Typ gelber Schulbus – ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Wir sitzen in der hintersten Reihe. Aufgrund der zahlreichen Unebenheiten auf der Strasse (Schlaglöcher und eingefahrene Schneereste) erinnert die Fahrt an eine Europapark-Bahn. Uns spickt es verschiedentlich aus den Sitzen und grössere Personen müssen acht geben, dass sie nicht die Köpfe anschlagen.

Kurz noch ein paar Angaben zur Diversität der Gruppe: von den erwähnten 74 Personen sind 70 Japaner, 2 Kanadier und 2 Schweizer. Von den 74 Personen gehen 6 Schneeschuhlaufen (2 Japaner, 2 Kanadier, 2 Schweizer). Martin wird sich am Schluss des Ausflugs vom Reiseleiter mit den Worten “It was a great pleasure for me to be the first time in Japan – outside of Japan” verabschieden. Auf der rund halbstündigen Fahrt zum Aurora Village werden die Informationen zu den bevorstehenden Aktivitäten ausschliesslich in Japanisch gegeben. Die nicht Japaner erhalten die Infos vor Ort. Aber es ist sehr spassig und unterhaltsam mit der japanischen Gruppe. Persönliches Highlight: Der japanische Guide erkundigt sich nach dem Namen der Schlittenhunde und eine vorwiegend aus Frauenstimmen bestehender Chor säuselt melodiös zurück: “Öskiiiiiiiiiiii.”

Nach der Ankunft im Aurora-Village, das wir nach gestern Nacht nun bei Tag sehen (und es ist einmal mehr ein absoluter Prachtstag, den uns Yellowknife bietet), werden wir in unsere Aktivitätengruppe aufgeteilt. Bevor wir unsere Tour starten, bereiten wir uns am offenen Feuer Marshmellows zu. Grilled Marshmellows seien wie hot icecream hat mich der eine japanische Guide wissen lassen. Und tatsächlich, die schmecken wunderbar. Nach zwei Marshmellows haben wir aber genug. Schon geht es aber los mit Schneeschuhlaufen. Wir erhalten je ein paar der racketförmigen Holzschneeschuhe. Kein Vergleich zu unseren modernen Kunststoffschuhen mit Eisenzacken. Auf flachem Gelände und mit bereits vorhandenen Spuren von Vorläufern funktionieren die Teile recht gut. Anspruchsvoller wird es im hügeligen Gelände mit Neuschnee oder dann vor allem quer durch den Wald hindurch, wo man immer wieder aufpassen muss, dass es nicht zu Einfädlern an Wurzeln kommt. Wir durchqueren lichte Birkenwälder, eine flache Ebene, auf der einen ein eisiger Wind ins Gesicht bläst und eine hügelige Waldzone, wo's manchmal so stotzig ist und die Schuhe keinen Halt geben, dass man sich an Stämmen und Ästen hochhangeln muss.

Unser einheimischer (first nation) Guide sammelt während der Tour immer wieder Birkenrinde-Späne und trockenes Holz ein, um uns später zu zeigen, wie man trotz Schnee ein wärmendes Feuer entfachen kann. Werden dann noch Tannäste aufs Feuer gelegt, ergibt dies eine hohe Rauchsäule, was bei Notfällen in den grossflächigen Wäldern lebensrettend sein kann.

Wir kehren glücklicherweise heil ins Village zurück, wo ein emsiges Treiben herrscht. Vor den Hundeschlitten sind bereits die lautstarken Öskiiiiiiiiiiis formiert. Sie können fast nicht mehr warten bis es losgeht. Auf der Fläche des zugefrorenen Sees fahren die Snowmobiles (oder Schneetöffe, wie wir sagen) herum. Vorwiegend (japanische) Töfflibuebe haben hier ihren Spass und toben sich aus.

Wir entscheiden uns, Snowgliding zu gehen. Es gibt hierfür eine vorbereitet Bahn. Diese beginnt mit einer recht stotzigen Abfahrt im Startgelände, die dann in ein etwas weniger steiles Stück übergeht und dann auf dem gefrorenen See ausläuft. Wir nehmen uns eine Doppelslide. Bei den Slides handelt es sich um mit Luft gefüllte Reifen, die mit Stoff umhüllt sind. Nach einem kurzen Aufstieg ist das Startgelände erreicht. Wir setzen uns in die Slides und wuchten uns auf die Bahn. Einfacher gesagt als getan, denn bei der Doppelslide muss man aufpassen, dass man nicht zu weit nach vorne rutscht, da die Fahrt sonst losgeht bevor beide darin Platz genommen haben. Dafür muss man sich dann gemeinsam nach vorne wuchten, damit auch die zweite Slide vom Holzboden aufs Eis gelangt. Schon geht's los. Zwei, drei Abheber krönen die rasante Abfahrt, die vor ausschliesslich japanischem Publikum stattfindet. Martin krönt unsere “Zieleinfahrt” mit einem spontanen “Sayonara zäme”, was zu einigen Lachern führt. Dieses Slide-Erlebnis muss wiederholt werden. Daher begeben wir uns nochmals zum Start. Von der zweiten Fahrt gibt es sogar eine Live-Aufnahme, auf der alles, was ich vorhin in Worten zu schildern versucht habe, in Bildern gibt :-)

Nach einem kurzen Spaziergang über den See zu den Öskiiiiiiiiiii-Ställen kehren wir zurück in die Dining Hall, wo wir uns ein warmes Getränk und einen Snack gönnen. Bei zahlreichen Japanern ist die grosse Müdigkeit eingetreten. Sie sitzen an den Tischen, des sonnengefluteten Raumes, haben die Köpfe auf das auf den Tischen vor ihnen liegenden Gepäck gelegt und schlafen. Kurz vor 17:00 Uhr verlassen wir das schöne Gelände und machen uns auf den Rückweg Richtung Explorer Hotel. Dort stöpseln wir unser Auto los und fahren Richtung Old Town zu Bullock's Bistro, wo wir Abendessen wollen. Bullock's Bistro scheint hier in Yellowknife eine Institution zu sein. Die Beschreibung im 2013 Visitors Guide “Discover Yellowknife” ist so treffend und die Location könnte nicht treffender beschreiben werden, so dass wir den Text gerade 1:1 übernehmen: “For freshly caught whitefish, pickerel or char, pay a visit to Bullock's Bistro, recognized by Reader's Digest as one of the finest restaurants in the country. Housed in a log cabin that was once Weaver and Devore's store, the interior walls are covered with signs, photos, autographs and testimonials to the delicious meals had by visitors past. Rumours of the cranky servers are way overblown – the staff is the friendliest in town. Mostly. Just don't show up talking on your cell phone. Try the pan-fried local fish with home made fries and salad and served with Bullok's secret fish sauce. And, when you are done, make your mark – sign the wall, or the table, or even the ceiling, if you can reach it.” Ein echter Volltreffer diese Location. Nicht ganz günstig das Essen aber in Anbetracht von Qualität und Ambiente jeden Cent Wert.

P.S. Im Tourist Guide sind die home made fries erwähnt. Und die sind wirklich frisch zubereitet. Wir haben nach kurzer Wartezeit zwei Plätze an der Bar mit direkter Sicht auf den Grill erhalten. Als die Fries am Ausgehen waren, hat die Küchenhilfe eine Kiste mit Kartoffeln gebracht und diese seitlich zur Wand abgestellt. Daraufhin hat die Köchin die benötigte Menge an Kartoffeln direkt mit einer an der Wand fix montierten Metall-Pommes-Frites-Schneide-Vorrichtung – so wie wir sie früher aus Plastik von zylyss hatten – zu Pommes Frites verarbeitet. Frischer geht's wirklich nicht.

 

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Sonntag, 10. März 2013: Wir haben die Aurora gesehen!

Wenn man von Innertkirchen nach Wassen fahren will, dauert das im Sommer weniger lang als im Winter, da man über den Sustenpass fahren kann. Wenn ich hingegen von Yellowknife nach Detta fahren will, dauert dies jedoch im Winter weniger lang – weil ich da den kurzen Weg über den See nehmen kann. So fahre ich 6.5 statt 27 km… Das gibt es nur in den klimatisch strengeren Regionen der Welt zu bewundern.

So fuhren wir in der Nähe des Hafens auf den Great Slave Lake… Und obschon die Dettah Ice Road auf der Homepage dangerousroads.org aufgeführt ist, scheint sie nicht sehr gefährlich, da sie sehr breit ausgeführt ist und auf dem Eis genügend Schnee liegt. Gefährlich ist es natürlich im Frühling, wenn die “Strasse” zu schmelzen beginnt. Aber in der Regel kann man diese Strecke zwischen Weihnachten und Mitte/Ende April benützen. Und zwar auch mit Lastwagen, aber sie dürfen nicht mehr als 46 Tonnen wiegen…

wpid-Photo-10.03.2013-1305.jpgUnd alle Fahrzeuge dürfen höchstens 40 km/h fahren. Das Eis ist rund 1.2 m dick, und darüber liegt noch etwa 30 cm fest gepresster Schnee. Nur an einzelnen Stellen fährt man auf dem blanken Eis, welches eine schwarze Farbe aufweist. Dies rührt daher, dass der Great Slave Lake mit 614 m der tiefste See Nordamerikas ist (der neuntgrösste weltweit). Sollte das Eis also brechen, hat man eigentlich recht schlechte Chancen, davonzukommen…

Eisstrassen sind hier oben noch oft anzutreffen und waren in der TV-Serie “Ice Road Truckers” auch in Europa einer grösseren Publikum bekannt geworden (zumindest einem Publikum, welches RTL II schaut…). Es gibt tatsächlich Strassen zur Versorgung von in der Pampa gelegenen Minen, welche nur während 2 Monaten im Jahr befahrbar sind. Und zwischendurch bricht auch mal ein Lastwagen ein, der vielleicht Opfer des Übergewichts, der zu stark eingestellten Sitzheizung oder der Klimaerwärmung wurde…

Die Strasse führt nach Dettah, einem Dorf der “First Nation” (wie man politisch korrekt sagt), aber dort gibt es nichts sehenswertes, so dass wir wieder in Richtung Yellowknife fuhren. Dieses Mal nicht mehr über den See, sondern über die “Sommerstrasse”, welche im Winter wegen dem vielen Schnee und Eis auf der Fahrbahn den gefährlicheren Eindruck macht als die Eisstrasse über den See. Bei der Einfahrt in die Stadt konnten wir noch das Flugzeugdenkmal eines Bristol 170 Frachtflugzeuges näher betrachten. Dieser Flugzeugtyp war massgelich an der Entwicklung des Nordens beteiligt und erhält hier ein Denkmal, welches allerdings bei näherem hinsehen nicht mehr so frisch wirkt und vielleicht mal einen neuen Anstrich erhalten sollte.

Anschliessend besuchten wir den Snowking. Dieser lebt, wie es sich für einen König gehört, in einem Schloss, welches aus Schnee und Eis gebaut ist. Für 5 $ kann man dieses auch von innen besuchen, was wir aber sein liessen. Bei rund ums Schloss spazieren sahen wir, dass das Schloss auf der Rückseiten einen “fire exit” aufweist – Gesetz ist Gesetz…

Nach diesem Ausflug hatten wir einen Moment “befohlene Ruhe”, da wir uns noch für die kommende Nacht sammeln mussten. Um halb sieben gingen wir los, um irgendwo noch zNacht zu essen. Wir hatten mehrere Adressen aus Tripadvisor, die wir checken wollten. Aber die Restaurants hatten entweder geschlossen oder waren voll. So endeten unsere Bemühungen zu Futter zu kommen in einem PizzaHut

Anschliessend mussten wir uns warm anziehen, denn schliesslich stand uns die Nacht der Nächte bevor: Wir hatten ein Arrangement zum Aurora Village gebucht, um das Polarlicht, die Aurora Borealis, zu sehen. Yellowknife sei die “Capital of the Aurora”… da sind wir ja gespannt… Treffpunkt war um 21:00 Uhr im Explorer Hotel, welches wir rasch fanden und auch sofort einen Parkplatz mit Stecker hatten. Die Gäste für dieses Arrangement waren mehrheitlich Asiaten, sie füllten schlussendlich 3 Busse zum Aurora Village, die nicht-Asiaten ein Bus. Wir fuhren los, verliessen Yellwoknife (oder YK, wie man hier sagt…) und fuhren in die Nacht. Auf der Fahrt, welche rund eine halbe Stunde dauerte, kamen uns viele Lastwagen entgegegen, die die Versorgung der Minen sicherstellen. Nach einiger Zeit bogen wir links ab, fuhren noch 2 km und waren wirklich im nirgends.

Das Aurora Village sind ein paar Holzhäuser (eine Dining-Hall, ein Souvenir-Shop und ein paar Betriebsgebäude) sowie etwa 8 Tipis (in keinem Tipi war eine Toilette installiert, sonst hätte man ja sagen können “i'm in the tipi making pipi…” * ). Wir wurden auf die verschiedenen Tipis aufgeteilt, welche für die kommende Nacht unser Standort sein würde. Danach gab es einen Rundgang durch Aurora Village, wo uns alle Einrichtungen erklärt wurden. Inklusive der geheizten Sitze, wo man gemütlich sitzen und die Aurora beobachten konnte. Im Souvenir-Laden sass ein Professor an einem Computer, welcher gut vernetzt erklärte, wann denn nun die Aurora komme. Auf Grund einer Prognose-Seite wusste ich schon, dass diese Nacht keine starke Aurora zu erwarten ist. Level 2 von 9 war für mich eine Zahl, unter der ich mir schlussendlich gleichwohl nichts vorstellen konnte.

Wir verzogen uns ins Tipi und tranken ein bisschen Kaffee und nach einiger Zeit gingen wir raus auf den zugefrorenen See und installierten Stativ und Kamera. Dank der schwachen Beleuchtung des Aurora Village hatten wir eine wunderbare Sicht auf den Sternenhimmel. Unglaublich, diese vielen Sterne, die zu uns herunterschauten. Zusammen mit dem Mond, ergab dies eine einmalige Stimmung:

Von der vielzitierten Aurora war aber nichts zu sehen. Plötzlich kam eine Frau aus dem Souvenir-Shop und vermeldete, dass der Professor vorausgesagt hat, dass innerhalb der nächsten 30 Minuten die Aurora zu sehen sei, und dann 90 Minuten lang nichts. So suchten wir den Himmel ab, aber nix sahen wir. Also probierte ich den Sternenhimmel mit einer langen Beleuchtungszeit zu filmen. Als ich die Bilder auf dem Display der Kamera kontrollierte, sah ich, dass es irgendwie schon eine Aurora gibt, die aber mit dem normalen Auge nicht sichtbar ist. Hingegen mit langer Beleuchtungszeit sieht man einen grünen Schimmer auf dem Bild:

Interessant. Aber war es das schon? War das die Mühe wert, bei minus 28 Grad mitten in der Nacht in der Pampa auf einem gefrorenen See zu stehen und in den Himmel zu starren? Da muss doch noch mehr kommen. Das Aurora Village-Arrangement sieht vor, dass um 1:00 die Rückfahrt nach YK stattfindet. Man hat jedoch die Möglichkeit, den Aufenthalt um 90 Minuten zu verlängern. Dazu muss man sich bis um 23:50 Uhr entscheiden und 25$ pro Person nachzahlen. Da wir nun schon 7000 km von Bern entfern sind, um dieses Polarlicht zu sehen, entschlossen wir uns nachzuzahlen, in der Hoffnung, schon noch ein bisschen mehr zu sehen als ein paar grüne Schleier auf lang belichteten Bildern… Und dann kam wieder die Frau, die verkündet hat, dass der Professor gesagt hat, dass innerhalb der nächsten 30 Minuten die Aurora beginnt. Aha, der Guru hat also gesprochen…

Und dann passierte um 1:00 Uhr etwas, was man nicht beschreiben kann. Es kam unerwartet, begleitet vom entzückten Kreischen der Aurora Village-Besucher: Es ist schwierig zu beschreiben, aber es sah aus wie grüne Farbflecken, die am Himmel tanzten. Mal schnell, mal langsam. Mal zartgrün, mal knallgrün, mal ein Stich ins Violette. Und manchmal drehte sich die Aurora im Kreis, so dass man sich in einem 360 Grad Kino wähnte. Es war unglaublich, dieses Schauspiel. Man kann zwar Fotos davon machen, aber erleben, mit eigenen Augen wahrnehmen, das ist eine ganz andere Sache! Die 25$ Aufpreis für die 90 Zusatzminuten haben sich gelohnt. Und diese Aurora-Show liess einem die Kälte vergessen. Man stand dort, mit vielen anderen Touristen und schaute in den Himmel. Und immer wieder sah man neue Formen. Und immer neue Farben und Farbtöne. Und es könnte nicht schön genug sein: zwischendurch sah man noch Sternschnuppen, die am Himmel runterfielen. DER PERFEKTE ABEND, DIE PERFEKTE NACHT! Und wie gesagt: es ist schwer zu beschreiben, was da im Himmel, aber auch in den Menschen abgeht…

 
 
 
Um 2:20 Uhr versammelten wir uns im Tipi und begaben uns zu den Transferbussen. Das bisschen Wärme im Bus und das regelmässige schaukeln brachte mich zum einnicken. Und plötzlich waren wir wieder beim Explorer Hotel und somit wieder mitten in der Zivilisation. Auto vom Strom nehmen und in unser Hotel fahren… Und dann möglichst schnell ins Bett. Es ist kurz vor vier Uhr. Wir sind müde und wissen, dass wir hier was aussergewöhnliches gesehen haben…
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*interessanter Fact: Man probiert in diesem Reiseblog möglichst originell zu sein, und hier und da einen Link zu hinterlegen. Man googelt also Tipi und pipi und es gibt für diese Suchbegriffe tatsächlich Treffer. Unglaubliches hier oder auch hier

 

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