Mittwoch, 17, Juli 2019: Lange-Hosen-Tag

Irgendeinmal heute Morgen früh erwache ich ob dem Sonnenaufgang. Wir haben die letzten beiden Nächte die Kofferraum-Fenster-Jalusien nicht zu gezogen und so strömt das orange-goldene Licht direkt in unser „Schlafzimmer“. Zum Aufstehen ist es aber noch zu früh. Darum Augen-Kissen aufgelegt und weitergeschlafen. Als wir uns gegen 9 Uhr an den Outdoor-Frühstückstisch setzen, ist von der Sonne nichts mehr zu sehen. Es ist bewölkt und sehr zügig, was dazu führt, dass wir ebenso zügig frühstücken. Die Dusche im sehr einfach gehaltenen Dusch- und Toiletten-Häuschen wärmt uns etwas auf. Aber so oder so ist der Dresscorde heute: Lange Hosen. Wir verlassen diesen wunderschönen Campingplatz und fahren nochmals zum Waterton Park. Bereits nach wenigen Metern halten wir ein erstes Mal an. Martin entdeckt einen Fischadler, der seine Lunch-Beute am Verzehren ist. E Guete! 

Fischadler

Zeitgleich sichten wir ein erstes Reh. All dies bevor wir im Park angekommen sind. Nach dem Park-Eintritt fahren wir bis ins Waterton Village. Ich mache noch ein paar Aufnahmen der wunderschönen Flora am Wegesrand und auf den Wiesen. In Waterton sehen wir als erstes ein Bergschaf im Vorgarten eines Privathauses. Der Aufenthalt von Bergschafen, Hirschen und Rehen in den örtlichen Vorgärten führt dazu, dass die Hausbesitzer ihre Blumen und Baumpflanzungen grossmehrheitlich hinter Drahtzaun-Konstrukttionen „halten“, so dass die Deers & Co. sich nicht darüber her machen können. Im Wildflower Corner Coffee Shop holen wir uns nochmals einen leckeren Kaffee mit Kuchen. Den Kaffee trinken wir gleich vor Ort, den Kuchen gibt‘s später im Tag. 

Wildflower Coffee

Anschliessend nehmen wir noch einmal die Strasse Richtung US-Border, um nach Möglichkeit noch etwas Wildlife zu erspähen und vor allem die orange-roten wilden Feuerlilien zu fotografieren. Wie am Vorabend fahren wir bis zum Belly River Campground und wenden dort unser Fahrzeug. Wildlife kriegen wir heute keines zu sehen … bis auf eine Entenmutter mit ihrer siebenschnäbligen Kinderschar. Die Entchen sind wirklich noch sehr klein und tapsen in einer Kolonne ihrer Mutter hinter her über die grosse Strasse. Herzallerliebst! Martin hat natürlich sofort das Auto angehalten. Aber noch so war die Aufregung so gross, dass das Muttertier davon geflogen ist und sich die Jungen unter einem Busch versteckt haben. Wir hoffen, dass sich alle rasch wieder gefunden haben und sich im nahen Bach in Sicherheit begeben konnten.

Feuerlilien

Wir setzen unseren Weg fort, halten zwischenzeitlich immer wieder an, um Fötelis zu machen. Auf einem ruhig gelegenen Picknick-Platz essen wir die kleinen Cakes, die wir im Wildflower Coffee Shop gekauft haben.

Rastplatz

Kurze Zeit später brechen wir auf Richtung Crowsnest Park und fahren mit einem kurzen Zwischenstopp in Pincher Creek (Benzin tanken und Aprikosen/gelbe Kirschen aus dem Okanogan-Valley kaufen) bis nach Lundbreck weiter. Hier statten wir den Lundbreck Falls einen kurzen Besuch ab bevor’s weiter nach Frank geht.  

Lundbreck-Falls

In Frank gibt es das Frank Slide Interpretative Centre zu Canada‘s deadliest rockslide! Was war hier geschehen? Am 29. April 1903, morgens um zehn nach vier haben sich 110 Millionen Tonnen Felsen vom Turtle Mountain gelöst und sind auf die Kohleminen-Stadt Frank gestürzt bzw. haben diese teilweise komplett verschüttet. An die 100 Menschen haben bei diesem tragischen Naturereignis ihr Leben verloren. In weniger als 100 Sekunden hat der Bergsturz drei Quadratkilometer des Crowsnest-Tals mit bis zu 45 Metern Gesteinsbrocken und Geröll verschüttet. Eindrücklich! Das Geröllfeld liegt nahezu unverändert im Tal. Einzig ein Band für die Führung der Bahnstrecke bzw. der Strasse wurde frei gemacht. Wir verweilen eine Weile im interessant gestalteten Museum und schauen uns noch einen Film an, der die Ereignisse vom 29.4.1903 aus der Sicht von Menschen, die das Ereignis erlebt haben zusammenfasst.

Frank Slide

Von Frank aus ist es nur noch ein Katzensprung bis nach Blairmore, wo wir heute auf dem Lost Lemon 🍋 Campground von Marianne und Roland übernachten. Beim Betreten des Offices empfängt uns Marianne mit einem vertrauten „Guete Abe mittenang“. Die beiden sind vor 16 Jahren nach Kanada ausgewandert. Nach einem Schwatz und einer Restaurant-Empfehlung der beiden (Martin hat Lust auf Pizza) fahren wir in die Stadt zurück, die dann doch grösser ist als wir zuerst gedacht haben. In der Black Rock Pizzeria gibt es für uns beide eine leckere Pizza. Wir kehren zurück auf den Campground, installieren das Nötigste und gehen ins Bett. Da es hier recht kühl ist und dann auch noch zu regnen beginnt, ist unser tolles grosses Camper-Bett der ideale Zufluchtsort bei solchen Witterungsverhältnissen.

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Dienstag, 16. Juli 2019: Papierloser Grenzübertritt

DHeute ging‘s in den Waterton National Park. Dieser Park ist binational und bildet mit dem etwa 3x grösseren Glacier-Nationalpark eine grosse geschützte Gegend. Ende August 2017 schlug im Watertonpark im Wald der Blitz ein und löste einen grossen, ja sehr grossen Waldbrand aus. Die Bevölkerung von Waterton wurde evakuiert und man rechnete damit, dass das Dorf dem Erdboden gleich gemacht wird. Heute wissen wir: es gab ein teilweises Happy-End. Während grosse Teile des Waldes über dem Dorf weg sind, konnte das Dorf gerettet werden. Viele Teile des Nationalparks können aber noch nicht besucht werden, da immer noch die Infrastruktur hergestellt wird. Den Red Rock Canyon werden wir nicht sehen, ebenso besteht zum Cameron Lake noch kein Zugang. Eine kleine Entschädigung erhielten wir etwa 2 Kilometer nach Einfahrt in den Park, als wir einen Braunbären sichten konnten. In einer wunderschönen Wiese suchte er was zum Essen und liess sich von den Leuten nicht stören. Unsere Mit-Bären-Sichter begaben sid bis auf 5 Meter zum Bären. So ein Verhalten ist schlicht leichtsinnig. Wir betrachteten das tolle Tier aus sicherer Entfernung…

Braunbär

Gestern hatten wir Tickets für die Schifffahrt auf dem Upper Waterton Lake gekauft. Um 13:00 Uhr soll das Schiff losfahren, wir sollen doch 10 Minuten vor Abfahrt bereit zum Einstieg sein. Als gute Schweizer sind wir überpünktlich und sind schon eine halbe Stunde vorher dort. Aber die Schlange war schon sowas von lang, dass wir mit Sicherheit keinen Platz mehr auf dem sonnigen Oberdeck erhalten würden…
Und genau so war es. Aber wir hatten einen Platz auf dem Hauptdeck, ganz hinten gedeckt an der frischen Luft. Ist uns auch recht. Zu unserem Amüsement begann es kurz vor Abfahrt zu regnen. Waterton hat einen extremen Wetterwechsel, sodass dann 10 Minuten später die genässten Touristen wieder trocknen konnten… Wir legten los Richtung Süden, also US-Gebiet. Wir haben uns im Vorfeld erkundigt, ob wir irgendwelche Visa- oder ESTA-Formulare ausfüllen muss, aber nein, das müsse man nicht. Das Schiff tuckert also los. Die MV International wurde 1927 am Südufer des Sees gebaut und ist seit rund 100 Jahren auf diesem See im Einsatz. Der Begleitkommentar aus den Lautsprechern erzählte uns jedes und alles über den See und die Gegend. Vor Allem erzählte er, welche Tiere wir hier zu sehen kriegen: Elche (cool, dann haben wir die auch mal live gesehen!), Bären aller Art, vielleicht einen Mountain-Lion… Wow! Wir haben gut getan, eine solche Schiffreise zu machen! Wir können es vorneweg nehmen: Eine Hirschkuh und ein paar Enten haben wir gesehen. Sonst nix…

Aber es bleibt dabei: die Fahrt ist wunderbar. Immer mehr geht es gegen die US-Grenze und… wir fahren einfach so drüber… Keine Einreiseformalitäten, kein Anstehen, keine „Yes Officer“-Sprüche vor einem Beamten. Einfach so durch…  Über Lautsprecher werden wir aufgeklärt: Normal hätten wir in Goat Hunt (US) anlegen sollen und hätten dort 30‘ Zeit gehabt und uns die Beine vertreten können. Aufgrund von Budgetrestriktionen hat es aber aktuell kein Grenzpersonal vor Ort und drum dürfen wir hier nicht anlegen (worauf eine Frau auf dem Schiff laut „Thank you Mr. Trump“ sagte 🙂 ). Der nächste von Goat Hunt erreichbare Ort ist 30 Meilen entfernt, wohlgemerkt zu Fuss und nicht über eine Strasse, sodass die Grenzer auf dem Landweg von den USA nach Waterton (CAN) fahren und dann mit dem Schiff nach Goat Hunt fahren (würden). Goat Hunt sei der einzige Ort in den USA ohne Starbucks oder McDonald…

Wir überfahren also die Grenze und diese ist mit einem Obelisken sichtbar gemacht:

Grenzobelisk

Und offenbar gibt es in den USA ein Gesetz welches besagt, dass überall dort, wo die Grenze sichtbar gemacht werden kann, sie sichtbar gemacht werden muss. Und hast heisst in diesem kanadisch-amerikanischen Grenzfall, dass entlang der Grenze (exakt der 49. Breitengrad) eine Schneise in den Wald geschlagen werden musste, um die Grenze sichtbar zu machen:

Gut sichtbare Grenze CAN-USA

Am Ende des Sees angelangt fahren wir anschliessend wieder zurück. Die zweistündige Fahrt war kurzweilig und informativ.

Wir spazieren durch Waterton und entdecken ein tolles Café: Das Windflower Corner Coffee befindet sich in einer Hausecke (wo sich auch noch ein Kino und eine Velovermietung drin befindet) und ist so klein, dass man bei einer Türe hineingeht, man direkt am Tresen steht, die Bestellung aufgibt und das Getränk mitnimmt und auf der anderen Seite eine andere Türe hinausgeht. Im Haus selber kann man fast nicht kreuzen, so eng ist das Ganze… Wir können uns ein feines Kafi und was Süsses… Anschliessend machen wir einen Spaziergang zu den Cameron Falls, alls nun ach wir verregnet werden. Aber Frau hat ja immer einen Schirm dabei, sodass wir nicht allzu nass werden.

Cameron Falls

Um trocken zu werden gehen wir in einen Laden für Outdoor-Kleider und lassen dort ihre Kasse klingeln. Mittlerweile haben wir Hunger und kehren bei Zum‘s ein. Die Bedienung ist schnell, das Essen gut und günstig. 

Wir fahren zurück auf unseren Campingplatz und halten unsere Augen offen. Vielleicht sehen wir wieder ein Tier am Strassenrand stehen? Leider nein. Sollen wir der Empfehlung auf dem Schiff Glauben schenken, in der Dämmerung auf dem Highway 6 Richtung US-Grenze zu fahren, weil man dort fast immer Tiere sehe? Oder ist das einfach so ein blabla wie mit den Tieren, die man vom Schiff aus sieht? Wir fahren natürlich auf den Highway 6 Richtung US und lassen uns von der Blumenpracht und dem Panorama beeindrucken. Tiere? Nun ja, Mücken, die auf die Windschutzscheibe klatschen. Doch, hier, ein Hirsch! Und tatsächlich ein paar Kilometer weiter ein Schwarzbär, welcher Stein um Stein umdrehte und darunter was essbares suchte. Mann, welche ein Glück, solch ein Tier sehen zu können!

Schwarzbär

Nun ist aber wirklich Zeit auf den Campground zurückzukehren. Es nachtet ein und ein wunderschöner Vollmond steigt auf. Ein Tag mit einmal mehr vielenvielen Eindrücken endet. Gute Nacht!

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Montag, 15. Juli 2019: Erlebnis-Reisetag

Heute scheint Gross-Abreisetag auf dem Bridgeview-RV-Campground zu sein. Es gibt sogar einen Stau vor der Dumping-Station! Bereits hat sich bei uns eine gewisse Routine bei den Abreisevorkehrungen eingestellt (Store und Lüftung einfahren, Wasser- und Stromkabel entfernen, Jalusien zurückschieben und vor allem die Schranktür-Sicherung aktivieren). Und so verlassen wir gegen 11:00 Uhr diesen Campingplatz, der wohl über die höchste Dichte an Zurechtweisung- und Verbotsschildern verfügt. Mein Favorit aus der Dusche: „Bitte nicht mit Strassenschuhen oder alten Flip Flops die Duschkabine betreten, da die auf dem Campingplatz „eingetretenen“ klebigen Pappelknospen fast nicht mehr aus der Dusche zu kriegen sind.“ Gut, das ist eigentlich nur der zweite Favorit. „Obeuse“ schwingt die Weisung, dass man auf dem Bridgeview-Campground nichts auf den Rasen stellen/legen/aufbauen darf, da dieser extrem gehegt und gepflegt wird und mit einem Sprinklersystem versehen ist. Somit müssen auch Zelte konsequent im Schotter aufgestellt werden und der geschmeidige Rasen dient höchstens zum Spielen der Kinder oder als Hundetoilette. 

Wir fahren nur einige hundert Meter weiter, um uns die Eisenbahnbrücke von Lethbridge anzusehen. In einem Wetland Park, der um einen kleinen Seitenarm des Old Man River angelegt wurde, haben wir einen ausgezeichneten Blick auf die Brücke und tatsächlich fährt doch gegen 11:30 Uhr ein Güterzug, weitgehend aus den gleichen Getreidewagen bestehend, über die Brücke und bleibt sogar für mehrere Minuten darauf stehen. Es ist schon faszinierend, den schweren, langen Güterzug auf der fragil wirkenden Brücke stehen zu sehen.

Brücke von Lethbridge mit Zug

Und wie immer kommen wir auch hier ins Gespräch mit Einheimischen, die uns erzählen, dass es etwas weiter vorne vom Spazierweg aus Schildkröten zu sehen gebe. Von den Tieren sind im trüben Wasser tatsächlich zuerst nur die Köpfchen zu sehen, die aus dem Wasser ragen. Erst bei genauerem Hinsehen sind auch die Panzer auszumachen. Wir verweilen noch ein wenig vor Ort, kommen mit einem Familienvater ins Gespräch, der uns im Wasser einen Northern Pike Fisch zeigt. Nachdem wir ihm gesagt haben, dass wir aus der Schweiz sind, meint er spontan, dass er sich wohl nicht getrauen würde, in Europa in einem Camper rumzureisen (fremdes Geld, fehlende Sprachkenntnisse, keine Ahnung von den Verhältnissen etc.). Die Schweizer würden ihn sicher subito in die Wüste schicken. „Geht nicht, wir haben in der Schweiz keine Wüste.“ Grosses Gelächter. Er ist Edmonton Oilers Fan und so konzentriert sich das Gespräch stark auf Schweizer Eishockey-Spieler in der NHL. Der erste Name, den er bringt ist der von Martin Gerber. Es folgen noch einige mehr … bevor wir uns voneinander verabschieden.

Schildkröte

Heute gibt es nur wenige Programmpunkte: 

1. Einkaufen im Safeway Wir brauchen nicht viel, ergänzen unsere Vorräte einfach für die Fahrt in den Westen. Eigentlich müssten wir auch dieses Mal nur eine kurze Liste abarbeiten. Aber Martin und ich verlieren uns regelmässig in den langen und hohen Regal-Gängen (du holst Brot, ich mache mich auf die Suche nach Tissues und wir treffen uns wieder bei den Früchten) und entdecken in diesem Shopping-Labyrinth auch immer wieder Produkte, die es bei uns nicht zu kaufen gibt. So heute zum Beispiel eine Schokoladen-Pizza von Dr. Oetker.

Was Dr. Oetker nicht so alles macht…

2. Fahrt zum Waterton National Park Zügige Fahrt durch eine wunderschöne Landschaft. Tolle Himmel-Wolken-Land-Farben-Bilder. 

3. Ankunft im Waterton National Park Etwas Sightseeing in Waterton Village, Tickets für einen Bootausflug am Dienstag gebucht und weiter geht‘s zum Campingplatz am Crooked Creek, wo wir vor ein paar Tagen den letzten verfügbaren Platz ergattert haben. 

4. Camping-Einrichtung hochfahren Abendessen und schlafen in absoluter Stille, die nur dann und wann durch eine Windböe „gestört“ wird.

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Sonntag, 14. Juli 2019: Auf Steine schreiben

Heute ist Nationalfeiertag der Franzosen. Eigentlich dumm, wenn der auf einen Sonntag fällt. So kriegt man keinen zusätzlichen freien Tag. Nun gut, nicht unser Problem… 🙂

Wir starten gemütlich in den Tag. Obschon unser Camping in Lethbridge gleich neben dem viel befahrenen Highway liegt, haben wir gut ja sehr gut geschlafen. Wir starten Richtung Süden, in Richtung amerikanische Grenze. Wir bleiben aber in Kanada und besuchen den „Writing on Stone Provincial Park“. Seit knapp einer Woche (!) ist dieser Park Unesco-Welterbe. Er liegt auf dem Gebiet der Blackfoot, einem „first Nation“ Volk, welches sich seinerzeit über mehrere hundert Kilometer in der kanadisch/amerikanischen Region ausbreitete. Mit der Ankunft des Weissen Mannes hat sich das Leben der Blackfoot verändert bzw. sie wurden verdrängt, nun soll dieser Park heute das Gedenken aufrecht erhalten und die verschiedenen Sehenswürdigkeiten den Leuten zeigen. Und als Sehenswürdigkeiten sind natürlich die historischen Zeichnungen im Fels und die speziellen Felsformationen mit den vielen und speziellen Hoodoos. Die Fahrt dorthin dauerte fast zwei Stunden, zuerst über einen grossen Highway, dann über einen kleinen Highway den wir als Hauptstrasse bezeichnen würden. Die Gegend ist mehrheitlich flach, es dominieren die gelben Rapsfelder, welche mit dem blauen Himmel einen wunderbaren Kontrast ergeben.

Dann kamen wir in die Nähe des Parks und sahen Warnschilder, dass es hier Klapperschlangen gibt, welche sich auch auf der Strasse sonnen und die man bitte nicht überfahren soll, da sie geschützt sind und sonst aussterben werden.

Snakes…

Und dann ist ja jeweils der Gedanke dass es doch toll wäre, eine Schlange zu sehen und auch die Angst davor und die Hoffnung, keines dieser Tiere zu Gesicht zu bekommen…

Wir gehen als Erstes zum Visitors-Center und sehen, dass von der Parkleitung Führungen angeboten werden. Wir entscheiden uns für die Führung WOS101, was so viel heisst wie „Writing on Stone one on one“. Für die Tour müssen wir gutes Schuhwerk und vernünftige Kleider tragen sowie mind 1 Liter Wasser mitnehmen. Um 14:00 Uhr treffen wir unseren Guide Saa’kokoto, einen echten Blackfoot, dessen Grossvater noch in der Region gelebt hat. Saa‘kokoto nimmt uns auf eine Reise mit in die Vergangenheit, in die Realität und in die geschichtlichen Hintergründe. Wir lernen auch ein paar Brocken Blackfoot-Sprache, wobei das zu wenig ist um in einem Wigwam Feuerwasser zu bestellen… 🙂

Zuerst steigen wir in einen Bus und fahren etwa 10 Minuten über Nebenstrassen. Dann geht es 5 Minuten zu Fuss auf eine Anhöhe, von wo aus wir über das ganze Gebiet sehen. Den Milk River, im Hintergrund die Strecke, von wo die Whisky-Schmuggler kamen, und die zwei Häuser wo die Royal Canadian Mounted Police über Recht und Ordnung wachte. Und hier, in diesem Gebiet, welches bis weiter als die Berge, die bereits auf US-Boden sind, lebten die Blackfoot.

Hier lebten die Blackfoot

Die Gegend ist wunderschön! Und Klapperschlange haben wir noch keine gesehen, weil Saa‘kokoto immer mit seinem Stock gegen die Steine schlägt. So können sich die Tiere verziehen, bevor wir sie zu Gesicht bekommen. Dann geht es wieder in den Bus und wieder etwa 10 Minuten über nun für den übrigen Verkehr gesperrte Strassen. Nun kommen wir an einen Felsen, wo es tatsächlich Zeichnungen drauf hat. Diese seien von 2000 vChr und wurden von Saa‘kokotos Vorfahren gemacht.

Ein Mann mit drei Pferden

Eindrücklich! Natürlich hat es im Felsen auch weitere Zeichnungen, aber auch Kritzeleien aus der heutigen Zeit. Also auch aus der Zeit, wo noch die Royal Canadian Mounted Police vor Ort war. Und wenn es den Polizisten in diesem abgelegenen Ort langweilig wurde, haben sie ebenfalls ihre Kritzeleien angebracht… Oder mit den Whiskey-Schmugglern gemeinsame Sache gemacht… Leider gibt es auch heute noch Leute, die diese Wände bekritzeln und das ist nicht so funny.

Saa‘kokoto erklärt uns die Wandmalereien

Danach ging‘s wieder mit dem Bus zurück zum Visitors-Center, wo wir noch ein paar Gegenstände aus dem Leben der Blackfoot anschauen und berühren können, mehrheitlich Felle verschiedener Tiere. Wir sind froh, für die Busfahrt ausreichend Getränke und passende Kleidung getragen zu haben 🙂
Alles in Allem war die Führung sehr lehrreich und die Infos von Saa‘kokoto, mit welchen er uns das Leben der Blackfoot rüber brachte, sehr informativ!

Nach der Führung gingen wir noch zu Fuss runter an den Milk River, durch die einmalig schönen Felsformationen der Hoodoos. Natürlich festen Schrittes, schliesslich wollten wir keiner Schlange begegnen…

Eindrückliche Hoodos im Writing-on-Stone Provincial Park

Die Fahrt zurück nach Lethbridge führte uns über die gleichen Highways zurück. Statt im Camper zu kochen gingen wir in Lethbridge erneut ins Montanas Steakhouse essen.

Es war ein langer Tag und entsprechend Müde gingen wir zu Bett.

Ein Tag bei den Schlangen, und keine gesehen. Es sind raffinierte Viecher, wie dieser Cartoon von Gary Larson zeigt:

Klapperschlangenschule

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Samstag, 13. Juli 2019: Interessante Begegnungen

Wir haben wunderbar geschlafen und werden auch auf dem Tillebrook-Camping durch die Sonne geweckt. Im Ferien-Tempo geht’s in den Tag. Als wir alles verstaut und zum ersten Mal die Tankentleerungen von Schwarz- und Grauwasser vorgenommen haben (Martin entdeckt bei der Wasser-Station noch ein Vogelnest) fahren wir los. Unser erstes Ziel heute ist Scandia, wo es einen alten Korn-Speicher zu sehen gibt (grain elevator). Die hohen, „mehrflügligen“, hölzernen Korn-Speicher gibt es in Kanada nur noch selten zu sehen. Meistens sind sie durch runde Metall-Silos abgelöst worden, die über direkte Zuleitungen für den Verlad auf die Getreidewagen der Bahn verfügen. Der blutrote Scandia-Elevator ist bereits aus der Ferne gut zu erkennen.

Scandia Grain-Elevator

Als wir auf den Parkplatz fahren, stellen wir fest, dass es sich um eine Art „Ballenberg“ handelt, es also noch andere ältere Gebäude und Einrichtungen zu sehen gibt. Zudem erspäht Martin eine Personengruppe, die so gekleidet sind, dass Martin sagt: „Da gibt‘s heute sicher einen Historic Event.“. Ich versuche seine Erwartungen zu zügeln. „Sind die Leute vielleicht so geklediet weil sie sich bewusst so kleiden?“. Wir schauen uns zuerst den Grain Elevator und die alten Bahnwagen der Canadian Pacific Railway an. Von aussen ganz hübsch, von drinnen ist eine Besichtigung leider nicht möglich. Ganz in der Nähe der Mühle stehen zahlreiche Oldtimer-Fahrzeuge und -Landmaschinen. Bunt zusammengewürfelt, teils auch nur lieblos abgestellt. In diesem Moment kommen einige Kinder der Personengruppe angerannt. Die Jungs tragen alle lange Hosen und karierte Hemden, die Mädchen wadenlange eher altmodisch anmutende Kleider und die langen Haare zu Zöpfen gebunden. Das sieht alles mehr nach real life als nach Historic Event aus. Wir schauen uns noch die anderen Objekte an, z.B. einen alten Laden, eine Scheune und zwei Wohnhäuser. Im alten Laden kommen wir mit einer Frau ins Gespräch und erfahren von ihr, dass es sich bei der Personengruppe um Mennoniten handelt. Die Glaubensgemeinschaft der Mennoniten wurde im frühen 16. Jahrhundert von Menno Simons, einem norddeutschen Führer der Wiedertäuferbewegung, gegründet. Unter dem Druck brutaler Verfolgung durch die Gegenreformation wanderten viele Mennoniten im 17. Jahrhundert nach Amerika aus. Konservative Mennoniten lehnen noch heute technische Errungenschaften wie Autos, Telefon und Elektrizität ab. Es gibt aber auch liberale Gruppierungen, die einen offeneren Zugang zu den heutigen technologischen Errungenschaften haben. Das scheint auch bei unserer Gesprächspartnerin der Fall zu sein. Sie trägt eine digitale Kamera mit sich und die Familien der Gruppe scheinen mit dem Auto angereist zu sein. Allen Gruppen gemeinsam ist die Erwachsenentaufe und die Ablehnung des Wehrdienstes. Der Alltag ist von Tätigkeit Nächstenliebe geprägt: Man hilft einander bei der Arbeit auf dem Feld, beim Bau von Häusern und verbringt viel Zeit in der Gemeinschaft.

Mennonitinnen

Wir setzen unsere Reise via Ortschaften mit den klingenden Namen Enchant und Lomond bis nach Vulcan weiter. Ich als absolute Star-Trek Banausin konnte mit dem Namen Vulcan wenig Bedeutungsvolles verbinden. Aber ich lerne aus der heutigen Begegnung mit Vulcan: Im Unisversum der Star-Trek-Filme und Filmserien existiert ein Planet Vulkan, allerdings in einem anderen Sonnensystem. Er liegt etwa 16 Lichtjahre von der Erde entfernt und umkreist den Stern Keid. Ich kannte bis dahin natürlich nur die Bedeutung des hypothetischen Planeten Vulkan innerhalb der Merkurbahn, der früher angenommen wurde, um die Periheldrehung von Merkur restlos zu erklären. Mit der Erklärung der Periheldrehung durch die allgemeine Relativitätstheorie verlor die Vulkan-Hypothese dann aber ihre Notwendigkeit und daher auch ihre Bedeutung … LOL 🙂 . Item. Wir besuchen in Vulcan das Tourist Office, das gleichzeitig auch Star-Trek Museum ist, lassen von uns ein Trekky-Bild mit Vulkanier-Gruss machen und fotografieren uns noch etwas durch die Umgebung bevor wir das samstäglich ruhige Vulcan verlassen und in Richtung Lethbridge aufbrechen und diesmal Orte mit den Namen Kirkcaldy, Champion, Carmangay, Barons, Monarch und Coalhurst durchfahren. 

Live long and prosper

Ob Reise, Begegnungen und vielen Reise-Eindrücken etwas ermüdet, sind wir froh darüber, für das heutige Abendessen auf weitgehend vorbereitete Speisen zurück greifen zu können. Beim morgendlichen Einkauf haben wir Chicken Legs 🍗 gekauft, die wir jetzt nur noch aufwärmen müssen. Dazu gibt‘s Kartoffelstock und einen gemischten Salat. Wir lassen den Abend bei einem Kaffee gemütlich ausklingen und schmieden dazu weitere Reisepläne.

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Freitag, 12. Juli 2019: Traum-Ferientag

Als ich mich heute Morgen noch einmal im Bett umdrehen will, stelle ich fest, dass die Sonne in unser Schlafgemach „glüslet“. Daher nichts wie auf und raus an die Sonne. Wir ziehen unsere Sportsachen an und unternehmen eine Jogging-Runde im Marschland des Lake Nevell. Das Gebiet ist bekannt für seine Vogel-Artenvielfalt. Kaum haben wir so richtig im Lauf-Flow entdecken wir zwei Deers beim morgendlichen Aesen. Sie betrachten uns etwa gleich neugierig, wie wir sie und ziehen dann weiter ins Land.

Aesende Deer

Der morgendliche Spaziergang bereitet uns sehr viel Freude. Es zwitschert, pfeift, zirpt und krächzt überall. Zwar bekommen wir nur wenige Vögel zu sehen. Die Distanz zwischen dem Weg und dem Wasser ist recht gross. Doch das Gesamtbild mit dem lauschigen See, dem satten Grün der Wasserpflanzen und Schilfgürtel, der strahlenden Sonne und den unzähligen Schäfchen-Wolken am blauen Himmel wirken beglückend.

Marshland

Nach rund zwei Stunden kehren wir zu unserem Camper zurück. Jetzt haben wir uns ein leckeres Frühstück verdient. Es ist mittlerweile so warm, dass wir unsere Camper-Utensilien (Tisch und Stühle) hervorholen müssen, da der Campground-Tisch an der prallen Sonne steht. Danach packen wir alles zusammen, fahren zum Dusch-Häuschen. Heute kriegen wir für einen Loonie (ein kanadischer Dollar) während ungefähr zwei Minuten Duschwasser. Aber wir schaffen‘s innert nützlicher Zeit Shampoo und Duschmittel abzuspülen. Es ist mittlerweile an die 30 Grad Celsius warm. Unser erstes Reiseziel heute ist der Brooks Aqueduct. In den frühen 1900er Jahren lancierte die Canadian Pacific Railroad ein grosses Bewässerungsprojekt als Teil des Eastern Irrigation District. Zusammen mit dem Bassano Dam (in Bassano) war dieser Aquädukt das zentrale Bauwerk für die Bewässerung des sehr trockenen Prärie-Landes. In der Zeit von 1912 – 1914 wurde gebaut und im Frühling 1915 konnte der Aquädukt (3 km lang, ca. 18 Meter hoch) und das damit zusammenhängende errichtete Kanalsystem in Betrieb genommen werden. 1979 wurde der Aquädukt durch ein effizienteres Kanalsystem abgelöst. Die Konstruktion und vor allem ihre Bedeutung bei der Besiedelung des Landes beeindrucken uns sehr. Wie mutig waren doch die ersten Siedler, die in dieses karge Prärieland zogen von Natur aus. Aber zu wissen, dass mit harter Arbeit in diesem Land auch ein Auskommen möglich war, hat sicherlich den Entscheid für die eine oder andere Familie einfacher gemacht. 

Aquädukt von Brooks

Weiter geht‘s für uns zum dritten Highlight des heutigen Tages: dem Dinosaur Provincial Park (UNESCO-Weltkulturerbe). Auf den letzten 13 Kilometern vor dem Park gibt es erste Warnschilder vor Klapperschlangen. Die Automobilisten werden aufgefordert, für die Schlangen zu bremsen. Huch, zu Beginn unserer diesjährigen Kanada-Reise waren wir Bären-Aware, jetzt kommt ein neues Tier dazu, mit dem wir ehrlich gesagt nicht unbedingt gerechnet haben. Die Landschaft hier wird Canadian Badland genannt. Die Landschaft ist äusserst karg und trocken, es gibt fast keine Bäume, d.h. daher auch kein Holz zum Kochen/Wärmen und auch Wasser gibt es nur im Tal, wo der Red Deer River in gemächlichem Tempo fliesst.

Dinosaur Provincial Park

Aber aus der Höhe betrachtet ist die Landschaft eindrücklich schön. Auch hier gibt es unzählige Felsformationen aus unterschiedlichen Gesteinsarten, was zu unterschiedlichen Erosionsformen führt. Wir geniessen die Zeit in der heissen, kargen Landschaft sehr. Von einem Spaziergang zu Fuss sehen wir aus Respekt gegenüber Klapperschlangen, Skorpionen und Black Widow Spinnen (ja all diese tollen Tiere geben sich hier ein Stelldichein) ab. Dafür fahren wir mit dem Auto einen Rund-Trail ab, der uns die schönen Seiten dieses Parks geniessen lässt. Der Park ist aufgrund der Tatsache, dass hier die meisten Dinosaurier-Skelette gefunden worden sind, zu seinem Namen gekommen. Zwei Exponate sehen wir an den originalen Fundstellen auf dem Rund-Trail, weitere Exponate sind im Park-Museum ausgestellt. Beeindruckt hat uns zudem die Cabin von John Ware, einem schwarzen Siedler, der als junger Mann aus der Sklaverei in den USA nach Kanada gezogen ist. Ein eindrückliches Leben – geprägt von Mut, Zuversicht, Kraft und der Fertigkeit, sich im Leben durchzuschlagen. Was Wahrheit und was Legende ist, entzieht sich uns. Trotzdem ziehen wir den Hut vor diesem Mann, der 1905 im Alter von 50 Jahre mit seinem Pferd in den Tod gestürzt ist. Wir verlassen den Dinosaur Provincial Park und fahren nach Brooks, wo wir im Steakhouse Montana Abend essen gehen. Lecker, lecker. Von hier aus ist es für kanadische Verhältnisse ein Katzensprung bis zum Tilebrook Provincial Park, wo wir heute Abend nächtigen werden.

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Donnerstag, 11. Juli 2019: Am kühlenden See

Einmal mehr haben wir im Camper sehr gut geschlafen. Aber wir sind ja (nicht) nur zum schlafen da, sondern um was zu sehen und zu erleben. Wir frühstücken outdoor auf dem Picknicktisch und entstöpseln unser Camper von Strom und Wasser – abfahrbereit!

Nach nicht mal einem Kilometer halten wir beim Tourist-Office von Drumheller an. Dort befindet sich „The World largest Dinosaur“! Wir sind aber nicht wegen diesem ausgestorbenen Tier da, sondern weil wir im Tourist-Office Broschüren holen wollten, damit wir die Fortsetzung unserer Reise planen können. Analog. Altmodisch. Aber Die Auswahl an Prospekten und Broschüren ist recht gross und wir können eine gute Auswahl mitnehmen.

World largest Dinosaur

Der nächste Stop war der lokale Walmart, wo wir unsere Vorräte auffüllten bzw. solche Dinge kauften, die wir beim letzten Einkaufshalt verpasst hatten. Der Stop war kurz und schon ging es weiter auf einem der unzähligen Highways. Man sagt, ein Highway sein ein Spiegel der Nation. Was bedeutet denn das, wenn einer umzieht, und gleich sein ganzes Haus mitnimmt? Nun, hier offenbar normal.

Mein Haus und ich ziehen um!

Aber auch landschaftlich und farblich hatte unsere heutige Fahrt viel zu bieten:

Farbenspiel

Das heutige Tagesziel war der Kinbrook Island Provincial Park, ein Campingplatz auf einer Insel auf dem Lake Newell. Der See ist künstlich angelegt und war Teil des grossen Bewässerungssystems, welches 1915 in dieser Gegend in Betrieb genommen wurde. Ziel war, das Land fruchtbar zu machen und somit Farmern eine Existenz zu geben. Initiiert und grösstenteils finanziert wurde das Ganze von der Canadian Pacific Railway, welche bei der Besiedelung von Kanada massgeblich beteiligt war. Schliesslich bedeutete bebautes Land auch, dass man Getreide oder Gemüse mit der Bahn wegführt. Und somit war das Engagement der Bahn eigentlich auch zu einem Teil eigennützig. Auch heute noch dient der See der Wasserverteilung, aber auch dem Amusement der Kanadier, welche mit ihren Zelten, Vans Camperbussen und -Trailern hier einfallen und Spass haben wollen. Wir hatten einen der letzten Stellplätze für eine Nacht erhalten, fürs Wochenende hingegen ist fully booked – wir müssen weiter. Nun, wenn es den nur eine Nacht sein soll, dann geniessen wir diese, angefangen mit einem wunderschönen Sonnenuntergang.

Wow! Die lassen sich was einfallen für ihre Gäste!

 

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Mittwoch, 10. Juli 2019: Back to the past … Dinosaurs everywhere

Unsere erste Camping-Nacht haben wir einwandfrei verbracht. Gut und tief geschlafen, um erholt und erwartungsfroh in den neuen Tag zu starten. Als ich vom Düschelen zum Camper zurückkehre, hat Martin schon ein leckeres Frühstück vorbereitet. Ich brauche mich nur noch an den Campingtisch zu setzen.

Danach machen wir uns auf den Weg zum Royal Tyrrell Museum in Drumheller. Dort gibt es viel Interessantes zum Thema Dinosaurier zu erfahren. Denn der nördliche Teil des Südwestens von Alberta war vor rund 75 Millionen Jahren ein subtropisches Paradies für diese Lebewesen. Palmen, meterhohe Farne und Weichhölzer umgaben ein riesiges Inland-Meer, das sich aus Eiszeit-Schmelzwasser gebildet hat. Duzende verschiedener Dinosaurier-Arten haben hier gelebt, sind hier gestorben und wurden in der sich rasch wandelnden Natur unter Erde, Laub, Wasser und Eis zu versteinerten Skelett-Kreaturen.

Heute nur noch im Museum: Dinosaurier

Waren früher Ausgrabungs-Gangs unterwegs, welche das Ausgraben von Dinosauriern in wettkämpferischem Eifer betrieben, steht heute der wissenschaftliche Forschungsansatz im Vordergrund. Die einzelnen Exponate – grösstenteils Originale, teilweise aus Kunststoff gefertigte Kopien – werden sehr gut in Szene gesetzt (bildlich und mit Geräuschekulisse). Wir unterbrechen unseren Besuch für einen kurzen Lunch auf der Terrasse und schauen uns dann noch die zwei letzten Ausstellungsbereiche an (Kiefervergleiche von Tieren, die in der Zwischenzeit ausgestorben sind und Tieren der heutigen Zeit). Zum Schluss gibt‘s noch einen Film, der einem Einblick in die Arbeit hinter den Museumskullissen gibt. Auf kurzweilige Art wird erklärt, was passiert, wenn ein Fossil entdeckt wird, d.h. von der Fundstelle bis ins Museums-Archiv. Nach diesem ausgiebigen Museums-Besuch machen wir uns auf den Weg zurück zur nächsten Attraktion im Tal, den Hoodoos.

Hoodoos

Diese Hoodoos sind teilweise erodierte Steine, welche im andauernden Verwitterungsprozess eine sehr spezielle Form annahmen. Martin hat so viel von diesen Hoodoos erzählt und meine hohen Erwartungen konnten mit der Realität nicht ganz Schritt halten…

Bevor wir zurück zum Campingplatz fuhren, machten wir noch einen Abstecher aufs Gelände der ehemaligen Midland Coal Mine. 93 Cents für eine Tonne gewonnene Kohle, wobei ein echter Profi maximal 15 Tonnen am Tag gewinnen konnte, war das Auskommen. Harte, gefährliche Arbeit oftmals von ausländischen Arbeitern (Polen, Ukrainern) zu Tiefstlöhnen ausgeführt. Zurück auf dem Campingplatz bereiten wir uns ein leckeres Pasta-Znacht mit einem gemischten Salat zu. Bei einem Käffchen lassen wir diesen tollen Tag ausklingen.

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Dienstag, 9. Juli 2019: Surprise, surprise!

Heute endet der erste Teil unseres Calgary-Aufenthalts. Wir werden zum Schluss unserer Reise wieder hierher zurückkommen und von hier in die Schweiz zurückfliegen. Wir sind noch im Bett am iPad-len als mir Martin Calgary-Facebook-Bilder von Reto Zwahlen zeigt. Sind Zwahlens zeitgleich mit uns in Calgary? Ja, das sind sie – Social Media sei Dank ist die Ausgangslage rasch geklärt und wir verabreden uns beim Calgary Tower zu einem Café. Wir bereiten uns, unser Gepäck und das Appartment auf die Abreise vor. Zum Schluss noch den FOB unter der Appartment-Tür durchgeschoben und schon brausen wir ein letztes Mal vom P4-Park-Untergeschoss in die Strassen von Calgary. Auto voll getankt und in ein Parkhaus beim Calgary-Tower abgestellt und schon gibt es ein spontanes Hallo mit Reto, Jacqueline und den beiden Töchtern Vivienne und Larissa. Schnell finden wir ein Starbucks, wo wir alle zusammen einen Kaffee trinken und uns zu unseren Reiseplänen unterhalten. Zwahlens sind am Sonntag mit Edelweiss nach Calgary gereist und zwar genau mit der Maschine, die Martin von unseren Stampede-Grandstand-Show-Plätzen aus fotografiert hatte.

Edelweiss-Flugzeug, von der Stampede aus gesehen

Nach einer Stunde müssen wir weiter. Schade, wäre schön gewesen, noch etwas mehr Zeit miteinander zu verbringen. Aber sie reisen Richtung Vancouver, wir Richtung Nordosten weiter. Wir müssen unseren KIA abgeben und anschliessend zur Camper-Vermietung transferieren. Die Übergabe haben wir auf 12.00 Uhr vereinbart. Diese dauert dann ungefähr eine Stunde und mit einer weiteren Stunde zum Einrichten des Campers wird es 14.00 Uhr bis wir uns mit dem Tagesziel Drumheller mit dem neuen Vehikel auf die Reise machen. 

Unser Fahrzeug/Wohnung für die nächsten 16 Tage

Wir haben Calgary noch im Rückspiegel als wir erste wunderschöne Landpassagen durchqueren. Das Gras ist frisch-grün, der Raps blüht leuchtend gelb und der Himmel erscheint frisch blau getüncht. Toll, wir geniessen diese Landschafts-Farbpalette. Auf der heutigen Fahrt legen wir lediglich im Horseshoe-Canyon einen Stopp ein. Ein Spazierweg führt in die einzigartige Kugel-Hügellandschaft hinein. 

Horseshoe-Canyon

Die Hügel bestehen aus unterschiedlichen Gesteins- und Sediments-Schichten (Ton, Sandstein und kohleführender Schieferstein). Die einzelnen Horseshoe-Canyon-Formationen sind bis zu 230 Meter dick und sind bekannt für ihre Fauna-Fossilien. Überraschenderweise entdecken wir in der kargen Landschaft drei super-schöne blühende Kakteen. So schöne Kakteen-Blüten habe ich bisher noch nie gesehen. Einige sehen Rosenblüten ähnlich. 

Kakteen

Wir setzen unsere Reise fort und treffen nach weiteren 20 Kilometern in Drumheller ein, wo wir Lebensmittel-Einkäufe für die ersten Tage unseres Camper-Leben tätigen. Das erste Abendessen lassen wir uns durch die hiesige Filiale der Dairy Queen-Kette zubereiten. Die Lokalität ist scheusslich, dass Essen ist gut, ist aber nicht vergleichbar mit anderen DQ-Locations, die wir bei früheren Aufenthalten besucht haben. Zum Campingplatz, wo wir die nächsten zwei Tage nächtigen werden, ist es nur ein Katzensprung. Rasch sind wir eingerichtet und zum Tagesabschluss gibt‘s noch ein Käffchen aus der eigenen Küche. Dann übernimmt uns die Müdigkeit und wir beziehen ein erstes Mal unser Camper-Schlafgemach und fallen in einen tiefen Schlaf.

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Montag, 8. Juli 2019: Bären, Hirsche, Squirrels und Züge

Als wir vor 14 Jahren das erste Mal hier in der Gegend waren, hatten wir einen ‚einmaligen Moment‘. Und zwar fuhren wir von Calgary nach Canmore und assen dort in einem zufällig ausgewählten Restaurant Frühstück. Und es hat alles gepasst: das feine Essen, die Hintergrundmusik von Nora Jones – einach DER Moment… 🙂

Einmalige Momente bleiben einmalige Momente – und so auch dieser. Das Restaurant hat das Konzept geändert und öffnet neu erst um 11:00 Uhr. Und serviert kein Frühstück mehr. Schade. Aber das Internet bot eine Alternative: Chez François – und das war unser neues Ziel. Lecker gespiesen, so wie wir das erwartet haben. Die Einrichtung vielleicht eine Spur zu nüchtern, aber die aufmerksame Bedienung hat das wett gemacht. .

Squirrel

Anschliessend fuhren wir wieder auf den Highway 1 Richtung Westen, kamen beim Kassenhaus für den National Park und drückten unseren Obulus ab, fuhren über Banff hinaus und nahmen die Ausfahrt zum Highway 1A durchs Bow Valley. Dies ist die alte Hauptstrasse, der Highway von Ost nach West. Nach Eröffnung der Autobahn bzw. des Highway 1 hat diese Strasse ihre Bedeutung verloren. Dies ist nun ideal für Touristen, welche hoffen, auf dieser ‚Nebenstrasse‘ (der Unterschied ist in Etwa, dass keine Lastwagen fahren…) Tiere zu sehen. Und tatsächlich: kaum waren wir auf der Strasse unterwegs sahen wir auf der rechten Seite einen Schwarzbären! Ein paar Kilometer weiter einen Hirsch mit Geweihdimensionen, die ich so noch selten gesehen habe. Dann auch ein paar Squirrels und Chipmunks. Wow, so könnte es die ganzen 55 km auf dieser Strasse weiter gehen. Aber nein, die Viecher haben ihr Pulver schon verschossen. Aber anyway, es war toll diese Tiere zu sehen.

Welch ein Hirsch!

Kurz vor Lake Louise dann der obligate Halt an der Morants Curve: Hier kann man von der Strasse aus die Eisenbahn wunderbar sehen und diese Stelle wurde früher von ‚Hoffotograf Morant’ für Werbeaufnahmen verwendet. Und heute ist sie ein Tourist-Spot, mit eigenem Parkplatz und Schautafeln welche den Touris die Bahn erklärt.

In der Morants Curve

Um 14:45 Uhr waren wir dort, meine Frau gab als ‚Deadline‘ 15:30 Uhr vor: Wenn bis zu diesem Zeitpunkt kein Zug kommt, gehts weiter. Die Bahnfangötter hatten diese Deadline mitbekommen: Um 15:24 fuhr ein Zug von Westen her in die Morants Curve ein. Wunderschöne Bilder… 🙂 

Auch die Blumenwelt ist eindrücklich: Akalei im Wald

Wir fuhren weiter. In Lake Louise sahen wir von Weitem einen Stau, somit fuhren wir nicht dorthin sondern weiter auf den Highway 1 in Richtung Westen. Nächster eisenbahntechnischer Höhepunkt sind die Spiral Tunnels. Wir würden einfach „Kehrtunnels“ sagen. Das spezielle ist, dass man bei einem Kehrtunnel sowohl die Einfahrt in den Tunnel wie auch die Ausfahrt sehen kann. Und bei der Länge der Züge fährt der Zug unten aus dem Tunnel heraus, während oben immer noch Wagen einfahren. Schon wieder ‚Spektakel pur‘!

Spiral-Tunnels (Mann, die sollten mal die Bäume umhauen!)

Irgendwann ist dann auch der letzte Wagen aus dem Tunnel gekommen und wir fahren los Richtung Calgary, dieses Mal auf direktem Weg über den Highway 1, wobei wir auch an dieser Autobahn einen Bären gesehen hatten. 

Braunbär am Strassenrand

Kurz nach 20:00 Uhr trafen wir in Calgary ein und wollten in der uns bekannten Spaghetti Factory was essen. Den Ort fanden wir, aber die Factory war umgezogen – ans andere Ende der Stadt… So fuhren wir weiter zum Chinook-Center und gingen bei Joey essen. Von Rolands Weihnachtsgeschenk war noch ein Betrag auf dem Gutschein vorhanden, nun ist dieser Gutschein ‚leer gegessen‘.

Vor dem nach Hause fahren machten wir noch einen Zwischenstopp bei der Peace Bridge. Diese Fussgänger-/Velobrücke wurde vor ein paar Jahren gebaut und strahlt vor Allem in der Nacht mit der Beleuchtung eine besondere Stimmung aus.

Peace Bridge

Die Calgary Stampeders, das lokale Football-Team wurde in der vergangenen Saison Meister in der Canadian Football League. Und heute Abend wurde mit dem Pokal, dem Grey-Cup, bei der Brücke Erinnerungsfotos geschossen. So wurde die Brücke kurzerhand und ohne Info gesperrt und vom Fotografen in Beschlag genommen. Aber ein Bild der Brücke ohne Fussgänger drauf ist ja auch nicht schlecht…

Peace Bridge – ohne Fussgänger und Velofahrer

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Sonntag, 7. Juli 2019: Chuckwagon-Races und sowas wie ein Musical

Wir haben den Dreh raus und wirklich gut geschlafen. So gegen 8:00 Uhr sind wir erwacht, und nicht mehr die ganze Nacht wegen jedem Geräusch von aussen erwacht (zumindest gefühlt).

Auch heute gingen wir wieder ins Oeb essen und der Kellner, ein Robbie-Williams-look-alike, erinnerte sich sogar noch daran, dass Bettina ein Grapefruitsaft und ich ein Orangensaft zum Frühstück hatten. Wir sind beeindruckt und nehmen die gleichen Getränke, essensmässig nehmen wir was anderes, ebenso leckeres wie gestern.

The Greatest Outdoor-Show on Earth

Wir gehen wieder zu unserem Appartement zurück um ein wenig später wieder mit dem Tram an die Stampede zu gehen. Same as yesterday, but different. Heute Sonntag hat es sehr viele Besucher an der Stampede und so können wir nicht einfach so 5 Minuten vor der ausgewählten Show eintreffen und das Gefühl haben, es hat noch Plätze für uns… Wir schauen noch einmal eine Runde Team Cattle Penning und sind wieder begeistert von der Präzision der Arbeit mit den Tieren.

Hauptdarsteller beim Team Cattle Penning

Wir schlendern über das Gelände und geniessen den Moment. Zum Znacht gibt chinesische Noodles von einem Stand, und dann gehen wir wieder zum Grandstand und nehmen unsere Plätze ein. Heute ein bisschen weiter oben, zentraler, aber ohne Verpflegungsmöglichkeit… Eingeläutet wurde das Ganze mit der live gesungenen Nationalhymne, begleitet von einem grossen Helikopter der Canadian Forces mit einer grossen Kanada-Fahne dran. Man zelebriert sich… Pünktlich um 19:45 starten die Chuckwagon-Races, wo mit Planwagen und 4 Pferden eine grosse Runde geritten, damit der Sieger bekannt ist. Die Rennen sind teilweise so eng, dass der Abstand zwischen dem 1. und 2. drei Hunderstel betragen. Diese Differenz kann schnell mal ein paar tausend Dollar in Preisgeld ausmachen…

Start der Show

Nach 9 Läufen Chuckwagon gibt es noch die Pferdestaffette: 6 First Nation-Reiter reiten mit ihrem Pferd (ohne Sattel) eine Runde, am Ziel wechseln sie das Pferd und es geht auf Runden 2 und 3. Hmmm… Ohne Sattel, aus dem Stand auf das Pferd hüpfen… Zuschauen ist hier definitiv einfacher als selber reiten.

YB wird bei den Chuckwagon-Races letzter

Nach dieser Staffette ist Zeit fürs Musical „Trailblazer“ Wir mussten zuerst nachschauen, was ein solcher überhaupt ist. Ein Pionier ist er, und somit zeigt sich auch, dass die Geschichte mit der Besiedelung der Gegend zusammenhängt. Das Musical war nicht so toll. Wirre Handlung, primär auf visuelle Effekte zielend und sehr laut (aus der Erfahrung vor 14 Jahren haben wir Gehörschutz mitgenommen, was eine sehr gute Entscheidung war 🙂 ). Wir waren froh, dass das Feuerwerk gestartet wurde, denn dies ist das Zeichen, dass das Musical ein Ende hat. Rund ein Drittel der Besucher hat das Ende nicht abgewartet und ist schon vorher gegangen. 

Wieder ein langer, interessanter Tag, aber auch unser letzter an der Stampede.

The End

 

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Samstag, 6. Juli 2019: It‘s Rodeo time!

Get Stamped-dressed first! Mein Cowboy sieht richtig cool aus – von Kopf bis Fuss ein echter Wrangler! Heute Morgen geht’s fürs Frühstück mit dem Auto in Calgarys Norden zu OEB Breakfast Co. Bridgeland. Nach einem solchen Frühstück ist Frau/Mann ready für alles was der Tag einem noch so bringt. Anschliessend geht’s kurz zurück ins Appartment und dann mit dem CTrain (Tram) zum Stampede-Gelände, wo wir kurz vor Mittag eintreffen. Hier ist schon recht viel los. Fast alle Leute tragen Western boots and hats und sind auch sonst Cowboy- bzw. Cowgirl-style dressed. Das Wetter ist gut und die Stimmung ist noch viel besser. Wir schnappen uns ein Tagesprogramm (Motto: „Get your Yahoos out“!) und machen uns auf zur Agricultural Zone. Zuerst kommen wir in den Genuss des Vintage Tractor Pull, wo Oldtimer-Traktoren einen Auflader mit steigendem Widerstand durchs Sägemehl ziehen müssen. Es ist lärmig zuweilen stinkig (abgäsele) aber spannend. Die Blacksmith Demo und das Racing Pigeon Release sowie die Dog and Ducks Competition (wie hält ein Hund eine Gänseschar zusammen) lassen wir aus, da wir uns auf den Weg zum Rodeo im Grandstand machen müssen.

Vintage-Traktoren

Der Transfer auf dem grossen Gelände ist recht zeitintensiv. Dies vor allem auch deshalb, weil es auf dem Chilbi-Gelände immer wieder etwas zu entdecken gibt. Das Afternoon-Rodeo startet um 1.30 p.m.. Wir haben Tickets fürs Clubhouse, das sich im vierten Stock des Stempede Grandstands befindet. Überraschung: Das Clubhouse ist nicht eine simple Tribüne, sondern eine Indoor-Restaurant-Tribüne. Hier oben kann man lecker essen und gleichzeitig mit bester Sicht das Rodeo-Spektakel geniessen. Cool! Es erwarten uns sechs aufregende Rodeo-Wettbewerbe: Bullenreiten (die Königsdisziplin), Bullenringen (Steer Wrestling: Ein rennender Bulle wird von einem Cowboy, der sich vom Pferd auf ihn stürzt, festgehalten und umgeworfen, so dass alle vier Beine keinen Bodenkontakt mehr haben.), Lasso werfen und Kalb dingfest machen, Reiten mit und ohne Sattel sowie Barrel Racing (Der einzige Wettbewerb für Frauen, die zu Pferd einen aus drei Fässern bestehenden Parcours abreiten müssen. Dabei müssen die Fässer jeweils umrundet werden und dürfen dabei nicht umgeworfen werden.). Bei keinem anderen Rodeo sind so hohe Preisgelder zu gewinnen, daher zieht es die besten Rodeoreiter aus Kanada und den USA nach Calgary.

Start zum Rodeo

Wir fiebern begeistert mit den Akteuren mit. Entertainment pur – obschon der Kampf zwischen menschlichem Willen und tierischer Kraft auch Fragezeichen zu den Duellen zwischen Mensch und Tier aufkommen lässt. Im Anschluss an das Rodeo gelingt es uns noch die letzten Teams beim Team Cattle Penning zu erleben, so auch das Siegerteam. Bei diesem Wettbewerb gilt es für ein Dreier-Team zu Pferd, aus einer Herde von 30 Kälbern (durchnummeriert von 1 – 10, d.h. es gibt dreimal die gleiche Nummer) die drei Kälber z.B. mit der Nummer 6 von der Herde zu separieren, in einen gekennzeichneten Feldsektor (in den kein Tier mit einer anderen Nummer laufen darf, da das Reiter-Team sonst disqualifiziert wird) und anschliessend in ein Gatter zu treiben. Da geisch nider! Nein echt – Spannung pur. Nach Abschluss dieses Wettbewerbs bleiben wir in der Halle sitzen, da es draussen zu stürmen (Wind/Regen) begonnen hat.

Um halb sieben beginnt die Heavy Horse Show in Begleitung des Calgary Philharmonic Orchestera. Bei diesem Wettbewerb werden in vier Settings Kutschen durch schön geschmückte Kutschenpferde (1, 2 und 6 Pferde plus die Unicorn-Class mit 3 Pferden) gezogen und das schönste Gespann (optisch aber auch von der Schrittharmonie und der Befehlsausführung) prämiert. Dies begleitet von der Live-Musik des Orchesters. Unvergesslich schön. Wir geniessen dieses Spektakel als Abrundung eines mega tollen Tags. Zum Schluss schlendern wir noch etwas über das Festgelände, lassen die verschiedenen Eindrücke auf uns wirken (kaufen noch eine Schoggi-Banane) und machen uns dann auf den Weg nach Hause. Das Spektakel hat seine Wirkung: Beim Kaffee zu Hause fallen uns die Augen zu, es ist definitiv Bettgeh-Zeit.

Kutschen wie Karossen

Mit der Calgary Stampede sollte ursprünglich das Western-Leben hochgehalten werden. Im Jahr 1912 war der amerikanische Schausteller Guy Weadick auf der Suche nach finanzieller Unterstützung für ein Fest, das an die im Verschwinden begriffene Western-Kultur erinnern sollte. In Calgary wurde er fündig. Ein paar örtliche Geldgeber gaben ihm die simple Anweisung: „Mach daraus das grösste Fest seiner Art auf der ganzen Welt.“. Weadick tat dies und seither lassen die Organisatoren der Stampede Jahr für Jahr sein Erbe wieder aufleben. Es ist für mich unmöglich in Worte zu fassen, was genau den Stempede-Spirit ausmacht, aber wer hier ist, weiss, dass es ihn gibt. Am deutlichsten spürt man ihn vielleicht in der ansteckenden guten Laune, die die Stadt während der Stampede-Tage erfüllt. Es ist als würde die ganze Stadt gemeinsam eine riesige Party feiern.

Yahoo!

 

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Freitag, 5. Juli 2019: YAHOO!

Kick off of the Stampede 2019 (the biggest outdoor show on earth!) Der Jetlag beeinflusst unser Zeitgefühl mässig. Wir sind zwar bereits um 4 Uhr hellwach und einigermassen frisch, tauchen aber wenige Minuten später nochmals für zwei Stunden Schlaf unter. Um 7 Uhr stehen wir auf. Denn heute geht‘s los mit der Stampede: It‘s parade day! Ein leichtes, leckeres Frühstück bildet den optimalen Start in diesen erlebnisreichen Tag.

Wir haben unser Appartment in der 12. Avenue SW, es ist also nur ein Katzensprung bis in die 9. Avenue SW, wo der Parade-Tross durchzieht. Wir ziehen unsere Western boots an, die sichern uns heute trockene Füsse. Es regnet und ist mit etwas über 10 Grad Celsius recht kühl. Als wir an bei der Parade-Strecke ankommen, hat es schon viele Leute, die sich mit Stühlen in der ersten Reihe einen Platz reserviert haben. Wir schauen uns etwas um und postieren uns auf einer kleinen direkt in der Kreuzung liegenden Mauer. In diesem Moment werden wir von einer Frau angesprochen, die uns zwei Tickets zeigt und uns fragt, ob wir Lust hätten, mir ihr auf der gegenüberliegenden Seite der Strasse auf dr Tribüne Platz zu nehmen? Klar haben wir! Und so sitzen wir wenige Minuten später an tollster Lage neben Brenda und ihrem Mann Dave auf der Tribüne, für welche offensichtlich Eltern und Angehörige von Mitgliedern der zahlreichen Marschmusik-Showbands Gratis-Tickets erhalten haben. Jedenfalls sind die musizierenden Töchter und Söhne das zentrale Thema. „Aha, in Pasadena findet jeweils die Worldchampionship der Marching Showbands statt – Marum ist der europäische Hotspot der Marsch-Show-Musik …“.

Calgary Stampede Showband

Kaum haben wir uns auf der einfachen Holztribüne installiert – es hat in der Zwischenzeit auch aufgehört zu regnen – ziehen die ersten Warm-up Akteure an uns vorbei: Eine italienische Tanzgruppe, eine super-coole Rope-skipping Truppe, eine Ladies-Line Dance Formation etc.. Und sie alle halten jeweils vor unserer Tribüne an und führen ihre Künste direkt den Tribünen-Zuschauern zugewandt vor. So cool. Der Jahrgänger-Kanadier mit deutschen Wurzeln, der vor Martin sitzt, ist so excited ob den Swiss people hinter ihm, dass er uns bei den Patrouille stehenden Polizisten zwei „Police Helper“-Sterne des Calgary Police Service besorgt und uns diese voller Freude überreicht. Die Freude ist ansteckend.

Auch die Feuerwehr ist an der Parade

Um kurz vor 10.00 Uhr zieht dann die erste Unit der offiziellen Parade an uns vorbei. Die Eröffnungs-Parade ist ein Spektakel mit dutzenden Marschkapellen aus dem In- und Ausland (Deutschand, Holland), Festzugswagen von kulturellen, sportlichen und wirtschaftlichen Vereinen, aber auch der First Nations, der Feuerwehr, der Polizei, des Militärs (wenn die militärischen Einheiten z.B. mit Panzern vorbeiziehen, stehen alle auf). Es gibt Clowns, Tänzer, Missen aus verschiedenen Wettbewerben, „Prominenz“ aus Wirtschaft und Politik – letztere natürlich alle hoch zu Pferd, einzelne gar hoch zu Bulle. Das Wort der Stunde ist „YAHOO“, das Parade-Akteure quasi im Minuten-Takt vom Publikum „einfordern“. Grosses Kino!

Yahoo!

Das Stampede-Fieber hat uns erfasst!

Kurz vor 12 Uhr ist die Parade zu Ende. Wir verabschieden uns von Brenda, David und den andern Tribünen-Nachbarn und kehren zu unserer Wohnung zurück, nachdem wir bei Tim Hortons eine Kleinigkeit gegessen haben. Wir legen uns nochmals kurz aufs Ohr. Gut, aus ‚kurz‘ werden vier Stunden. So machen wir uns erst kurz vor 18:00 Uhr auf den Weg zum Chinook-Center, wo wir als erstes in Laemmle‘s zwei Western-Hüte kaufen. Im GAP ergänzt Martin sein Stampede Outfit noch mit einer Jeans-Jacke und einem rot-blau karierten Hemd. What a cowboy! Wir schlendern noch durch einige Geschäfte in dieser immer noch sehr schönen Mall und gehen dann ins Joey Restaurant, das sich ebenfalls gerade im Chinook Center befindet. Dort essen wir super lecker, werden super freundlich bedient und mit super Sound vom Anwesenden DJ unterhalten. Just great! In Joey lösen wir das Weihnachtsgeschenk von Catrin und Roli ein: ein Gutschein, von welchem wir nun immer noch einen Betrag drauf haben.

Kleine Auswahl bei Laemmles

Hier die Stampede Parade in ganzer Länge:

Variante:

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Donnerstag, 4. Juli 2019: Edelweisse Anreise

Sommerferien!

Ab heute!

Wir fahren zum Flughafen Zürich. Im Zugabteil nebenan sitzt ein Herr mit einem Hund. Also ein grosser Hund. So braun und gross wie ein Reh. Dieser liegt quer im Gang, dass alle Leute darüber steigen müssen. Ich habe Hunde nicht gern, da kann er mich noch so anschauen. Und wenn er Intimpflege macht und sich leckt, schmatzt er… Unsäglich. Herrchen und Hundchen fahren mit uns bis Zürich Flughafen. Der Hundehalter hat einen kleinen Koffer für sich und eine riesengrosse Hundebox für seinen besten Freund. Wir sehen uns beim Check-in wieder. Der Hund weiss, dass er nun in die Kiste muss und eingecheckt wird. Er hat keine Freude an diesem Gedanken und sträubt sich – Sperrstellung. Aber der Boden ist glatt und Hundchen kann zum Check-in gezogen werden. Irgendwie spassig anzusehen. Der Hund, des Menschen bester Freund…

Unser Check-in geht glatt vonstatten. Nach der Aufregung vom Vorabend, wo Bettina aufgrund eines fehlenden eTA-Formulars kein Check-in machen konnte, ging alles glatt. Das eTA, obschon im April schon gemacht (und bezahlt) habe ich ein zweites Mal eingereicht und wir konnten beide einchecken.

Übrigens: nach Kanada geht es. Drum müssen wir ein eTA registrieren. Genauer gesagt nach Calgary. Edelweiss bringt uns in 10 Stunden direkt dorthin. Für diese weite Reise gönnen wir uns Business Class. Wir gehen ins Gate E Midfield und gönnen uns dort in der Lounge noch ein Lounge-Zmittag. Der Abflug ist wegen verspäteter Ankunft aus Havanna 10 Minuten später. „In Calgary werden wir rechtzeitig sein, wir fliegen einfach ein bisschen schneller“ hat uns der Captain. Einfach ein bisschen schneller fliegen – coole Airline-Welt! Wir fliegen in den „Wilden Westen“ aber es geht zuerst an den Bodensee, dann links ganz Deutschland hoch, an Hamburg, Schleswig-Holstein und Dänemark vorbei über Norwegen dann Island – Grönland und schon sind wir in Kanada.

Flug über Grönland

Der Flug vergeht wie im Flug. Natürlich sind 10 Stunden in einer Metallröhre eine lange Zeit. Service und Essen bei Edelweiss waren phantastisch! Ein bisschen schlafen geht auch. Bettina nutzt das On-Board-System und spielt Tetris, bis sie einen neuen High Score hat.

Mit trotzdem rund 5 Minuten Verspätung landen wir in Calgary. Nach 28 Grad beim Abflug sind die 12 Grad bei der Ankunft ein bisschen wenig… Die Einreiseprozedur ist weniger schlimm als auch schon. Zuerst an einen Bildschirm und dort das Einreiseformular eintippen. Dann wird das Einreiseformular ausgedruckt und wir gehen zum Zollbeamten. Früher gab es noch ein Interview: Was machen Sie hier und wie lange machen Sie das? Und so weiter. Heute fragten sie nur, ob wir ein eTA ausgefüllt haben und können durchgehen. Cannabis könnten wir einführen, müssten es aber deklarieren, steht auf einem Schild geschrieben. Aber den Einreisezettel müssen wir beim Zollbeamten abgeben. Und nun sind wir drin.

Welcome to Canada

Nach dem Bezug des Gepäcks steuern wir den Schalter von Alamo an, um unseren Mietwagen beziehen zu können. Wir stehen keine 3 Minuten an und sind dran. Auch hier geht es sehr schnell, bis wir das Auto haben. Wir können die nächsten Tage einen Kia Soul fahren. Ein in der Grösse und im Komfort passendes Auto für die nächsten Tage. Wir haben auch ein GPS bezogen und dieses wird vom Alamo-Mitarbeiter David ans Auto gebracht. David ist ein Sohn deutscher Einwanderer aus Nürnberg und spricht deutsch mit uns. Und viel. Aber er ist nett.

Wir verlassen den Flughafen und fahren Richtung Downtown. Wir haben das erste Mal ein Appartement über AirBnB gebucht. Wir finden den Ort auf Anhieb, aber Jeff, unser Vermieter ist nicht da. Wir rufen ihn an. Er ist aufgrund des Wetters an der Wärme. Wir fahren als erstes das Auto in die Tiefgarage. Die Siedlung umfasst 3 Hochhäuser à 24 Etagen und diese Leute müssen alle ihr Auto versorgen können. Die Einstellhalle geht 6 Etagen in den Boden – eindrücklich! Unsere Wohnung ist in der 7. Etage. Jeff zeigt uns die Wohnung, welche wirklich sehr gut eingerichtet ist. Blick Richtung Norden, Blick auf den Parkplatz des Coops und auf die Bahnlinie über die Rockies nach Vancouver. Der Wohnturm ist sehr gut gesichert und man kommt nur mit einem Badge rein bzw. kann nur mit einem solchen Teil den Einstellhalle und Lift benützen. Jeff hat immer von einem FOB gesprochen. Als ich ihn gefragt habe, was FOB heisst, wusste er es nicht… Google meint es zu wissen und sagt, es sei ein Anhänger.

Wir gehen los und spazieren one block away zu Coop hinter uns. Das ist ein sehr schöner Laden, aber eher in der oberen Preisklasse angesiedelt. Für ein paar Frühstückssachen bezahlen wir 93 kanadische Dollar… Aber das Geschäft ist sehr schön eingerichtet, auch Früchte und Gemüse sind sehr schön präsentiert.

Broccoli-Art

Zu Hause essen wir was kleines und gehen mal ins Bett. Es war heute ein langer Anreise-Tag. Gute Nacht! 

 

 

 

 

 

 

 

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Sonntag,2. Juni 2019: Rückreise – aber nicht direkt!

Wir verlassen unser IC-Hotel in Leipzig und gehen an den Hauptbahnhof. „Tschüssi“ sagt die Verkäuferin im Spar-Express (das ist ein Laden, kein Zug), als wir ein überteuertes Wasser kaufen. Die erste Etappe führt uns mit dem ICE von Leipzig nach Erfurt. Wir steigen auf den nächsten ICE um nach Nürnberg. Die Strecke führt über eine erst vor drei Jahren eröffnete Hochgeschwindigkeitsstrecke. Und wir fahren wirklich schnell. Mit 280 Sachen düsen wir durch die schöne Gegend.

Ab Nürnberg gehts weiter in einem doppelstöckigen IC2 bis Stuttgart, und ab hier gibt‘s SBB-Komfort bis Zürich. Die Fahrt führt durchs Gäu, wie man dieser Gegend sagt, über Singen und Schaffhausen und schon bald kommen wir in Zürich an. Bis Bern ist nun nur noch Formsache.

Anstrengend war sie, unsere Auffahrtsreise. Wir hatten ein eng getaktetes Programm gehabt. Dafür haben wir viel, ja sehr viel gesehen. Mir hat es Spass gemacht.

Ob es Woody auch Spass gemacht hat, kann man hier nachlesen.

 

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Samstag, 1. Juni 2019: Abschlussfahrt

Heute ist schon der letzte ganze Tag unserer diesjährigen Auffahrtsreise. Aber natürlich gibt es heute noch ein paar Highlights, die wir besuchen.

Wir starten in in Leipzig und fahren direkt nach Dessau Hbf. Kunstliebhabern ist diese Stadt bekannt als Zentrum des „Bauhaus“-Stils. Uns ist aber nicht nach Kunst zumute, sondern nach Eisenbahn. In Dessau fährt im Sommer jeweils der einzige doppelstöckige Schienenbus nach Wörlitz, durchs UNESCO-Welterbe dieses Gartenreichs. Wir sind rechtzeitig dort, dass wir die Plätze im oberen Stock „front row“ beziehen können – aber die sind schon besetzt… Dann gehen wir halt nach unten neben den Lokführer.

Unterwegs mit der Fürstin Louise

Die Dessau-Wörlitzer Eisenbahn hat zwei solche Schienenbusse im Fahrzeugpark, die Fürstin Louise und der Fürst Franz. Diesen beiden ist die gigantische Gartenanlage zwischen Dessau, Oranienburg und Wörlitz zu verdanken. Wir reisen heute mit der Fürstin, fahren auf alten Gleisen nach Wörlitz, machen einen Abstecher durch die Stadt (der Weg dorthin ist nicht unbedingt sehenswert…) und reisen mit dem gleichen Zug wieder zurück nach Dessau.

Ab Dessau geht‘s weiter über Halle (Wortspiel: Die Bahnhofhalle in Halle 🙂 ) nach Naumburg. Hier soll sich ein historischer Stadtkern befinden und ein hübscher Dom. Hier befindet sich aber auch die kürzeste Strassenbahn Deutschlands, die Naumburger Strassenbahn. Mit gerade mal 2.9 km Streckenlänge ist sie doch sehr überschaubar und war lange Zeit immer wieder Gegenstand von Aufhebungsdiskussionen. Der damalige Geschäftsführer von „Moonliner“, dem Berner Nachtbusnetz, stieg in Naumburg als Co-Geschäftsleiter ein und half mit, die Strassenbahn auf ein solides Fundament zu stellen. Heute ist sie Teil des Verkehrsangebots aber auch des Tourismus. Hier sind Fahrten mit alten ex-DDR-Strassenbahnen verschiedener Bauarten möglich. Wir kamen rechtzeitig zum Depot, wo eine Depotführung angeboten wurde. Ein älterer Mitarbeiter konnte zu jedem Tram spannende Geschichten erzählen – früher in der DDR war alles besser, schlussfolgern wir. 

Gotha-Tram bei der Endstation „Salztor“

Wir nehmen uns Zeit und fahren das ganze Netz der Strassenbahn ab 🙂 . Aber schon bald sind wir wieder am Bahnhof Naumburg und warten auf unseren Zug zurück nach Leipzig. Wir schliessen den letzten Abend unserer diesjährigen Reise in einem italienischen Restaurant im Zentrum Leipzigs ab. Leider waren weder Service noch Qualität der Speisen einem Abschlussabend würdig. Aber vielleicht gibt es ja noch ein weiteres Mal.

Woodys ErlebnisseWoodys Erlebnisse

 

 

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Freitag, 31. Mai 2019: Leizpig. Also nein, Leipzig.

Heute war Transfertag. Und Nachholtag. Und wir konnten beides vereinigen. Zuerst fuhren wir nach Radebeul Ost, wo wir auf die Lössnitzgrundbahn umstiegen. Radeburg und zurück war wohl die letzte Dampffahrt auf unserer Reise. Auch diese Strecke ist wieder toll, geht durch den Wald, über Dämme, Seen entlang und so weiter… Wer mal in der Gegend von Dresden ist, kann diesen Halbtagesausflug ab Dresden machen. Ist wirklich toll.

Liebliche Gegend…

Zurück in Radebeul Ost fuhren wir weiter nach Leipzig Hbf. Der Zug heisst Saxonia-Express und offeriert stündlich eine Verbindung zwischen Dresden und Leipzig und ist die schnellste Verbindung. Kurz vor 14:00 Uhr fuhren wir schon in Leipzig Hbf ein. Der Bahnhof ist eindrücklich. Ganze 26 Gleise überspannt die Bahnhofhalle. Und ich meine gelesen zu haben, dass Leipzig der grösste Bahnhof Europas sei. Und wenn ich in Leipzig bin erinnere ich mich immer an einen Schulkollegen, der mal in einem Vortrag über die DDR immer von Leizpig gesprochen hat. Wechstaben verbuchseln. Kann vorkommen, war aber in diesem Fall sehr nachhaltig… 🙂

Durst löschen in Radeburg

Wir checkten im InterCity Hotel (ICH) ein. Dies ist wirklich grad ums Eck beim Bahnhof. Dann hatten Woody und ich getrenntes Programm: Woody ging ins Museum der bildenden Künste MDBK, ich ging in ein Aussenquartier zum Coiffeur. Ein orientalischer Frisör,  mit Gesichtspflege und allem. Entgegen meinen Erfahrungen hat dieser meine Erwartungen nicht erfüllt. Er hat nicht mehr gemacht, als es meine kurdischen Syrer in Bern machen (oder syrischen Kurden). Zumindest sah ich jetzt wieder wie ein Mensch aus 🙂

Nach dem Coiffeur fuhr ich noch ein bisschen (ziellos) mit dem Tram umher. Nebst ziemlich modernen Trams gibt es auch Trams der tschechoslowakischen Tatra-Fabrik. Woody und ich nennen diese jeweils Tatratrams (gäbe bei Scrabble viele Punkte…). Irgendwann merkte ich, dass ich massiv ausserhalb des Zentrums gelandet bin, sodass eine Ankunft im Hotel auf 18:00 nicht mehr realistisch war… Aber kurz vor 19:00 Uhr war ich dann beim Hotel. Woody holte mich bei der Tramstation ab und wir gingen noch in der Innenstadt essen. Diesmal nicht italienisch, sondern lokal. Deftig war es – und gut!

Tatratram in Leipzig

 Woodys Tag

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Donnerstag, 30. Mai 2019: Saufen. Bis zum umfallen

Heute ist Auffahrt. Wobei es in Deutschland an diesem Tag eher unchristlich zu- und hergeht. Sie sagen dem „Vatertag“. Man kann heute also Heerscharen von Männern antreffen. Alle immer sehr fröhlich und laut. Man darf sich nicht daran stören, dass um 9:30 schon Bier getrunken wird. Dies vorneweg zu unserem Tag (ja, wir hatten zwei Bier 🙂 ). Der Start in Dresden Hbf und die Fahrt nach Flöha waren unspektakulär. In Flöha stiegen wir in den Zug aus Richtung Chemniz um, und der War schon sehr voll. Also wirklich voll. Und viele hatten ein Fahrrad dabei und es gab Momente, als ich bei Halten auf Zwischenstationen dachte „hier kriegst du nicht mehr ein Rad rein“. Aber sie schafften 10… Überflüssig zu sagen, dass durch die längeren Halte auf den Zwischenstationen der Zug immer mehr Verspätung kassierte…

Historischer Bus

In Wolkenstein stiegen wir aus und um. Weiter ging‘s mit einem historischen Bus aus den 70er der Firma Fleischer aus der ex-DDR. Der Fahrer hatte unseren Anschluss abgewartet, sonst wäre er wohl leer gefahren. 10 Minuten Verspätung hatten wir. Die Fahrt führte bei bestem Wetter übers Land, blühenden Rapsfeldern entlang, nach Steinbach. Und hier hätten wir wiederum Anschluss auf den Dampfzug nach Jöhstadt gehabt. Hätten. Weil der hat nicht gewartet… Tagesprogramm schon um 10 Uhr im Eimer! Wir wären gerne nach Jöhstadt und zurück, dann ab Steinbach wieder mit dem historischen Bus nach Wolkenstein, dann nach Cranzahl zur Fichtelbergbahn, mit Dampf nach Kurort Oberwiesenthal und zurück und dann gegen 19:00 in Dresden…

Steinbach bei Jöhstadt

Dieses Mal hatten wir einen „Plan B“. Der hiess „entschleunigen“… Wir fuhren mit der nächsten Möglichkeit von Steinbach nach Jöhstadt und machten dort eine längere Pause. Wurst und Bier trinken essen, Lokdepot anschauen, Leute beobachten. Dann wieder nach Steinbach und quasi das gleiche Programm wie in Jöhstadt durchziehen. 

Kohle fassen in Jöhstadt

Um viertel vor drei fuhr wieder der historische Bus und wir fuhren über Wolkenstein und Flöha wieder nach Dresden. Die Leute haben sich verflüchtigt und wir konnten sogar im Zug sitzen. 

Heute kamen wir das letzte Mal auf dieser Reise in Dresden an. Morgen ist eine andere Stadt unser Tagesziel. Wir sehen später, welche. Unser Abschiedsessen hatten wir heute beim „Classico Italiano“ bei der Frauenkirche. Hier assen schon „Promis“ wie Kai Pflaume, Kai Ebel, Woody und ich… Lecker war‘s!

Kai Pflaume war auch schon dort


Die Geissens sowieso… Rooooobert…


Formel 1-Kenner Kai Ebel auch!

 Woodys Erlebnisse

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Mittwoch, 29. Mai 2019: Zwickau? Zittau? Mann, warum heissen die Orte fast gleich?

Der Ehrgeiz auf unseren Auffahrtsreisen ist recht hoch. Möglichst viel sehen. Wir sind gut durchgeplant. Minutenscharf. Aber wenn es in die Hose geht, müssen wir spontan einen Plan B haben. Der hat gestern gefehlt. Somit müssen wir den gestrigen Tag in Bezug auf die fehlenden Elemente heute nachholen 🙂 .

Wir starten in Dresden Hbf und fahren der Elbe entlang südwärts bis Bad Schandau. Hier klappt der knappe Umstieg auf einen Zug der Deutschen Bahn, der aber mit Personal der Tschechischen Bahn geführt wird. Kooperationsverkehr nennen sie das hier. Wir starten Richtung Brücke über die Elbe, dann in den Wald in der Sächsischen Schweiz. Wildromantisch. Bei Sebnitz fahren wir über die deutsch-tschechische Grenze. Wir müssen in Mikulášovice dolni nádrazí umsteigen. Wegen Bauarbeiten hat es nur ein Gleis im Bahnhof und die Züge können nicht kreuzen. So fahren sie gegeneinander aufs gleiche Gleis, die Reisenden steigen um und die Züge fahren wieder in die gleiche Richtung zurück. Dann umsteigen in Rumburk. Rumgurken in Rumburk höhö… 🙂 Weiter gehts mit einem Zug der Tschechischen Bahn nach Rybnište, wo wir grad Anschluss haben auf einen Zug der Privatbahn Trilex (die fährt in Deutschland, Polen und in der Tschechischen Republik). Nun fahren wir durch bis Zittau. Hier haben wir fast eine Stunde Aufenthalt, bis es mit der Zittauer Schmalspurbahn weiter geht.  

Mächtige Tschechen

Im Bahnhof hat es einen Kiosk, wo man auch essen kann. Viele Einheimische beschränken sich aufs Trinken. Wohl den ganzen Tag lang mit einer Pulle Bier am Stehpult. Man verlässt den Ort nur, um draussen zu rauchen. Wir essen was, entscheiden uns für eine Soljanka. Eine Suppe mit allem drin. Gemüse, Wurst, Brot… Die Suppe ist das Teuerste im Angebot, € 2.20… Das Wasser dazu kostet € 0.85 plus Pfand. Die Suppe ist sehr gut und der Service freundlich.

Soljanka

Dann gehen wir zum Zwickauer Schmalspurbahnhof. Ach neee, Zittau, wir sind in Zittau! Wir nehmen den Zug der Zittauer Schmalspurbahn und fahren bis Kurort Oybin. Dort haben wir eine knappe Stunde Aufenthalt und wir besuchen das Museum der Schmalspurbahn. Schon fährt wieder der Zug talwärts und wir fahren bis Bertsdorf mit. Hier steigen wir erneut um und befahren die Stichstrecke nach Kurort Jonsdorf und zurück nach Bertsdorf. Von hier aus geht‘s zurück nach Zittau.

Mitten im Wald mit der Zittauer Schmalspurbahn. Frische Dampfluft inklusive…

Beim Kiosk machen wir einen Halt und probieren eine Wurst. Auch lecker 🙂 . Der Zug nach Dresden wartet auf Gleis 1. Dieses Mal fahren wir direkt nach Dresden. Meinen wir… Denn in Bischofswerda ist die Fahrt zu Ende. Streckensperre wegen Personenunfall. Ein Ersatzbus kommt nach 45 Minuten. In Arnsdorf steigen wir wieder auf den Zug um. Aber beim Bahnpersonal ist grosse Ratlosigkeit vorhanden. Wann fahren wir? Wohin fahren wir (ok, es gibt ja nur eine Richtung – die nach Dresden…)? Geschlagene 40 Minuten sitzen wir im Zug und nichts geht. Null Information. Auch wenn bei Personenunfällen bzw. ungeplanten Streckenunterbrüchen alles ein Bisschen komplizierter ist – in der Schweiz läuft das besser. Wir hatten 1h35 Verspätung bei der Ankunft in Dresden. 

Es reichte noch, im L‘Osteria ein feines Znacht zu essen. 

Woodys Sicht der Dinge

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Dienstag, 28. Mai 2019: Programmänderung

Das Hilton ist eine gute Herberge. Wir haben zur Feier der Auffahrtswoche einen Aufpreis bezahlt und haben unser Zimmer im „Executive Floor“. Das Frühstück können wir in der Lounge einnehmen statt im Speisesaal. Tolle Sache!

Wir starten am Hauptbahnhof Dresden und fahren mit der S-Bahn nach Oschatz. Dieser Ort liegt zwischen Dresden und Leipzig. Wir kommen an und haben fast eine Stunde Zeit, bis unser Anschlusszug der Döllnitzbahn abfährt. Eine gute Gelegenheit, den aufgefrischten Bahnhof anzuschauen. Hier wurde ein „Mobilitätszentrum“ eingerichtet, wo man nicht nur Fahrkarten kaufen kann, sondern sich auch über touristische Angebote informieren kann und was kleines Essen. Das Ganze wurde im letzten November eröffnet und der frisch renovierte Bahnhof war wirklich hübsch. Im Mobilitätszentrum waren zwei Damen, eine die am Schalter war und eine, die diejenige am Schalter wohl instruierte. „Guten Tag, ich möchte gerne eine Tageskarte für 2 Personen mit der Döllnitzbahn.“ Sie drückt Tasten, es rattert, und mir wird mit der Bemerkung „12.30“ ein Billett auf den Tresen gelegt. Ich bezahle mit Karte, nehme das Ticket, verabschiede mich und gehe. Mein Gruss wird nicht erwidert. 

Bahnhof Oschatz der Döllnitzbahn

Ein paar Minuten später möchte ich auf die Toilette. „€0.50, Schlüssel im Mobilitätszentrum beziehen“ heisst es an der mit WC beschrifteten Türe. Ui, dann muss ich nochmal beim „Mobilitätszentrum“ vorbei… Ich habe das Kleingeld passend und mache mich auf den Weg. Ich erhalte den Schlüssel, begebe mich aufs WC und auch dieses war wunderbar saniert und pico-bello sauber. Es ist ein zwei Bereiche aufgeteilt: in einen Eingangsbereich, wo man die Hände waschen kann, und einen „Geschäftsbereich“, aufgeteilt fürs kleine und grosse Geschäft (sorry für die Details, ist aber für den Verlauf der Story wichtig!). Während im Händewaschbereich das Licht automatisch anging, ging im anderen Bereich das Licht nicht an. Es hatte für mein Bedürfnis (hahaha – doppeldeutig) zu wenig Licht. 

Idylle im Bahnhof Mügeln

Nach dem Geschäft brachte ich den Schlüssel zurück und bemerkte, dass das Licht in der Herrentoilette defekt ist. Wortlos nahm sie diese Info entgegen. Wir lümmelten noch ein Wenig im Bahnhof rum, als ich sah, dass sie kontrollieren ging, ob das Licht wirklich defekt ist. „Lischt geht“ – „Ja, vorne schon, hinten nicht“. Sie ging nochmals rein und stellte auch fest, dass das Licht hinten nicht funktionierte. Wir gingen zum Bahnhof raus, als wir von der Dame wieder zurückgerufen wurden: „Es hat einen Lichtsensor. Und gemäss diesem hatte es genügend Licht, sodass das Licht nicht eingeschaltet wurde. Ich habe dies auf der Damentoilette nachgesehen, da ist es genau so.“ – „Nun, mir war es zu dunkel. Da sollten Sie den Sensor neu einstellen.“ – „Nein nein, das läuft automatisch!“ – „Ok“. Die Moral von der Geschicht: Wenn du Schweigende aus der Reserve holen willst, sprich mit ihnen über Beleuchtungen in Toiletten…

Die Bahn von Oschatz nach Mügeln wird nur an Wochenenden mit Dampf geführt. Heute war eine Diesellok vorgespannt, welche älter ist als manche Dampflok in Sachsen: Sie ist von 1940 und wurde in Österreich gebaut. Die Fahrt ging nach Mügeln und einer Pause wieder zurück nach Oschatz. Wir waren quasi alleine im Zug, ausser einzelnen Schülern auf Teilstrecken. „Macht ihr nochmal eine Runde?“, fragte uns der Schaffner. „Nein, es geht weiter.“ – „Morgen müsst ihr kommen, dann haben wir den neuen Triebwagen vorgespannt!“ (wobei ‚neu‘ – der Triebwagen wurde 1995 gebaut…, ist aber erst seit November 2018 auf der Döllnitzbahn im Einsatz). – „Nein, morgen sind wir in Zittau“ – „Ach, (abschätzige Handbewegung) Zittau…“

Weiter ging‘s in Richtung Radbeul Ost. Leider war der Anschluss auf die Lössnitzgrundbahn sehr knapp, unsere S-Bahn ein bisschen verspätet, und der Anschluss ging flöten… Wir blieben einen Moment in Radebeul Ost, gingen in den REWE zum Kafi und machten am Bahnhof noch ein paar Fotos von durchfahrenden Güterzügen.

Trainspotting in Radebeul Ost

Irgendwann wollten wir Richtung Dresden, und da wir am Morgen eine Tageskarte für die Strassenbahn gelöst hatten, fuhren wir mit dem Tram ins Zentrum. Und da wir die Tageskarte nur fürs Stadtnetz gelöst hatten, mussten wir zuerst bis zum Ende der Tarifzone zu Fuss gehen, um ‚legal‘ zu fahren…

Die Fahrt durch die Vorstadt war cool. Im Zentrum sind wir ausgestiegen und ins Hotel gegangen. Hier gab es „befohlene Ruhe“. Am Abend gingen wir ins Ontario Steakhouse essen. Dies soll ein kanadisches Spezialitätenrestaurant sein… Das Essen war besser als die Bedienung. Zum Hotel zurück ging‘s ums Eck. Es war ein regnerischer, kühler Tag und wir waren froh, wieder ‚daheim‘ zu sein. 

Woodys Tag

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