Sonntag, 3. September 2017: Ersatzfliegerflug

Für unsere Verhältnisse recht früh begaben wir uns zum Bahnhof und anschliessend mit dem Flughafenzug zum Flughafen. Natürlich waren in diesem Zug unsere Fahrausweise nicht gültig, sodass wir separate Karten kaufen mussten.

Die Prozedur am Flughafen ging recht zügig vonstatten, sodass wir schon bald beim Frühstück sassen. Dann gings zum Gate, wo wir den Einstieg abwarteten. Bisher war alles im Plan, auch das Boarding ins Flugzeug ging zügig vonstatten. Wir sassen im Flugzeug, in Erwartung des Abflugs, als die wie üblich leicht nasale Stimme aus dem Lautsprecher sagte „Good morning, this is your captain speaking!“

Wir haben einen Schaden an einem Rad und können so nicht fliegen. Es gibt nun zwei Varianten, a) das Rad kann repariert werden und b) wir müssen in einen noch zu organisierendes Ersatzflugzeug steigen.

Oha!

Nach einer halben Stund war klar, dass uns Variante b) aufgezwungen wurde und alle Flugpassagiere verliessen das Flugzeug wieder. Nach einer kürzeren Wartezeit und einem Gatewechsel konnten wir in ein typengleiches Flugzeug umsteigen. Somit gab es einen Ersatzfliegerflug zurück in die Schweiz.

Der Flug war angenehm und auch das Catering klappte. Und die Rückreise vom Flughafen Richtung Bern muss nicht speziell beschrieben werden…

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Samstag, 2. September 2017: Oslo und Umgebung

8:30 war Treffpunkt im Parterre unseres Budget-Hotels. Frühstück war nicht inbegriffen. „Hast du dein Bett gemacht und das Tuch zum trocknen aufgehängt?“ – „Öhm, warum? Wird nicht geputzt heute?“ – „Nein, im Budgethotel wird nur geputzt, wenn du auscheckst…“

Unser erstes Ziel, noch vor dem Frühstück, war die Osloer Oper, gleich ums Eck. Dieses wunderschöne 500 Mio-€-Gebäude wurde – Achtung, liebe Berliner Leser – ein halbes Jahr vor dem geplanten Termin eröffnet. Die Architektur ist eindrücklich und speziell, es ist eine Oper die man im wahrsten Sinn des Worts begehen kann…

Danach plagte uns ein Hüngerchen und wir gingen in den Bahnhof um ein kleines Frühstückchen zu essen. Dann gings weiter durch die noch fast ausgestorbene Fussgängerzone zum Schloss. Wachtablösung ist um 13:30, wir waren Stunden zu früh. Also weiter zum Frognerpark, wo Gustav Vigeland seine unzähligen und schönen Skulpturen ausstellen konnte. Das Wetter war prächtig, die Jacken waren rasch in Jürgs Rucksack versorgt. Im Vigelandspark hatte es sehr viele Leute, die sich aber gut verteilten. Die Menschenskulpturen sind sehr reell gemacht, von Jung bis Alt wurden alle Altersgruppen dargestellt. Beim grossen Monolith in der Mitte des Parks konnte man sogar vom Baby bis zum Greis alles in einer Skulptur bewundern.

Nach Kultur und Kunst gehts zum Sport: Mit der S-Bahn fuhren wir zu den Holmenkollen Skischanzen. Viele Leute wollten in diese Richtung, es war ein „Toughest-Race“ im Gang, ein unmöglicher Lauf wie der „Strongman Run“, der an verschiedenen Orten in der Schweiz auch stattfindet. Highlight für mich war, dass man in diesem Lauf tatsächlich den unteren Teil vom Auslauf bis zum Schanzentisch hochkraxeln muss und das Ziel befindet sich unterhalb des Schanzentischs…

Wir lösten Karten und fuhren ganz oben auf die Sprungschanze. Die Aussicht war unglaublich toll! Wir hatten wirklich einen Prachtstag erwischt! Aber die Zeit will genützt sein und wir fuhren wieder zurück nach Oslo. Nach schon fast 20’000 Schritten hatten wir Hunger. In Aker Brygge beim Hafen assen wir auf der Terrasse was Deftiges. Dabei liessen wir uns von der Sonne braten. Als die Sonne hinter den Häusern verschwunden war, war auch unser Essen fertig und wir zogen weiter.

Die nächste sportliche Attraktion war die Fussball-WM der Obdachlosen. Ja, die gibt es wirklich und wird mit 3 gegen 3 plus Goalie gespielt. Auch die Schweiz war vertreten, sie verloren gegen Irland 6:1. Dann zogen wir uns noch Norwegen gegen Chile rein, was in einer Blamage für den Gastgeber endete (2:12). Auch Frauen waren am Start, wir schauten Griechenland – Mexiko. Die Mexikanerinnen erteilten den Griechinnen eine Lektion. Drei Spiele, auch wenn sie nur jeweils ein paar Minuten dauerten, waren genug und wir zogen weiter Richtung Hotel. „Befohlene Ruhe“ stand auf dem Programm.

Einer blieb im Zimmer und las, einer ging auf die Pirsch und fotografierte noch einmal die Oper, dieses Mal bei anderem Sonnenstand. Es hatte deutlich mehr Leute, die auf der Oper rumkletterten. Gegen sieben Uhr gingen wir wieder auf die Gasse. Die ehemalige Bar „Tors Hammer“ wurde wegen Gang-Tätigkeiten geschlossen und unter dem Namen „Heidis Bierbar“ wieder eröffnet. Wir gönnten uns im sehr leeren Lokal ein Bier. „Die Leute kommen um 22 Uhr“, meinte der Bar-Keeper. Wir wechselten das Lokal und gingen ins Pub „Herr Nilsen„, wo sich grad eine Band für ein Pub-Konzert einrichtete. Dies sollte unser Lokal für den Abend werden. Aber nur bis zu dem Zeitpunkt, bis der Konzertzuschlag einkassiert wurde. Umgerechnet 40 Stutz für ein Konzert einer unbekannten Ü60-Bluesband war uns jedoch zu viel. Austrinken und wieder auf die Gasse zum Egon-Restaurant, wo wir was essen gingen. Dann noch einmal zu „Heidis Bierbar“, wo sich nun eine ahnsehnliche Warteschlange mit Partywilligen gebildet hat. Wir verzichteten auf ein Bier in diesem Lokal, weil wir zu lange hätten warten müssen.

Nach einem Feierabendbier anderswo gingen wir in die Box zurück.

Niemand hat das Bett gemacht. Ein nasses Tuch lag darauf.

 

 

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Freitag, 1. September 2017: Ausschiffen – und ab in die Box

Ankunft in Bergen

50% der Kabinenbelegung hat super geschlafen. Die anderen 50% hatten zu warm…

Um 10 Uhr hatten wir die Kabine freizugeben, wir packten in Etappen, Mann für Mann. Dann galt es, bis zur Ankunft in Bergen die Zeit totzuschlagen. Wir hatten noch Lesestoff und schafften das. Bei der Einfahrt in Bergen, der mit 240 Regentagen im Jahr regenreichsten Stadt Europas, schien die Sonne.

Bergen UNESCO-Welterbe

Nach dem Ausschiffen ein kurzer Spaziergang durchs Städchen, ein Einkauf um die nächste Zugreise zu überleben, und schon waren wir wieder im Bahnhof. 15:59 sollte unser Zug fahren, und er fuhr auch um diese Zeit. Nur nicht mit dem gewünschten Komfort: Anstelle eines Intercity-Zuges hatten wir einen alten S-Bahn-Zug zum einsteigen bereit. Unsere reservierten Plätze waren natürlich nirgends anzutreffen, sodass wir einfach irgendwo absitzten. Der Zug fahre nach Voss, dort kann man auf den IC umsteigen. Wegen Bauarbeiten sei dies so. Aha… Der Zug war rammelvoll, in einzelnen Abteilen kam Volksfeststimmung auf – Alkohol sei Dank…

In der norwegischen Metropole Voss stiegen wir um und konnten uns nun auf unseren reservierten Plätzen entfalten. Die Fahrt mit der Bergenbahn (so heisst diese Strecke) war toll, eindrücklich und fand bei bestem Wetter statt!

S-Bahn-Reisekomfort bis Voss

Mittlerweile waren wir mit 25 Minuten Verspätung unterwegs, sodass wir noch länger Zug fahren durften… Gegen 23:00 Uhr kamen wir in Oslo an. Temperaturen angenehm, und das Hotel in Gehdistanz vom Bahnhof. Irgendwann hat man in Norwegen genug von den gesalzenen Preisen, sodass wir dieses Mal ein Budget-Hotel wählten. Budget-Hotel in Norwegen heisst aber immer noch umgerechnet CHF 150 pro Nacht. Citybox hiess das Hotel. An der Reception war niemand. Ausser drei Bildschirmen. Buchungsnummer eingeben für Zimmer 1. Aha, gefunden. Kreditkarte in den Schlitz stecken, Code eingeben. Ok, klappt auch. Und dann kommt unten ein Zettel raus und die Schlüsselkarte. Dann das gleiche Prozedere für Zimmer zwei und wir können in den 7. Stock joggeln und das Zimmer beziehen. Also Zimmer… Schlagartig wurde mir bewusst, dass bei Citybox die Betonung auf „Box“ liegt. Aha… Mich hat gedünkt, dass das Zimmer kleiner war als das Bad…

Nun, wir wollten ja Budget buchen und haben Budget erhalten. Und die Aussicht aus dem 7. Stock in den Osloer Nachthimmel ist grandios!

So, aber nun ab ins Bett. Auch ein Budgethotel muss amortisiert werden…

 

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Donnerstag, 31. August 2017: Einschiffen

Das richtige Schiff erwischen...

Ich bin bereits vor dem Wecker erwacht und traf Jürg beim Frühstück. Anschliessend checkten wir aus und gingen zum Hurtigruten-Terminal. Dieses Mal fanden wir ihn auf Anhieb, sogar mit einer Abkürzung. Um diese Zeit hat es am Hafen Trondheim zwei Hurtigruten-Schiffe, es galt also korrekt einzuschiffen. Wäre dumm gewesen, wenn wir plötzlich in Rørvik gemerkt hätten, dass wir aufs südwärts fahrende Schiff umsteigen müssen.

Unterwegs

Die MS Nordnorge ist das Schwesterschiff der MS Nordlys, mit welcher wir vor ein paar Tagen nordwärts fuhren. Nur wurde es letztes Jahr aufgefrischt und das Innere erstrahlt in trendiger Aufmachung. Sogar zwei Whirlpools sind vorhanden, mit Sicht hintenraus. Die Kabine war schrecklich eng. Aber hier ist man ja nur ein paar Stunden. So verbrachten wir die Zeit zuerst auf Deck, dann im Salon und auch im Restaurant. Das Mittagessen war nicht in der Fahrt inbegriffen und so gönnten wir uns was Kleines. Je ein Bier und ein „Hurtigruten-Burger“. Kostenpunkt: umgerechnet CHF 70.–… Ja, Norwegen ist definitiv KEIN Billigland…

Ein paar Stunden später war schon das Nachtessen angesagt. Seeluft macht hungrig und wir freuten uns auf unseren tollen Tisch am Fenster. Bei der Bestellung der Getränke empfahl uns die Kellnerin, auch einen Aquavit dazuzubestellen – trust the locals! Aquavit ist geschmacklich wie Resyl plus – nur rezeptfrei…

Einfahrt in Molde

Höhepunkt des Tages war die Einfahrt in den Hafen von Molde um 21:00 Uhr: man fährt an einem Hotel vorbei, welches der kleine Bruder des Burj al Arab in Dubai sein könnte (ok, evtl ein entfernter Cousin…). Danach folgt eine moderne Fussballarena, direkt am Wasser – ein Befreiungsschlag übers Dach und der Ball liegt im Wasser…

Es begann wieder leicht zu regnen und es war an Zeit, die Schuhlöffel hervorzunehmen und sich in der Kabine ins Bett zu legen…

 

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Mittwoch, 30. August 2017: 729 km

Trostlos, dieses Wetter...

Früh aufstehen, das tolle Wetter geniessen, zum Hafen gehen, auf ein Bänkli höcklen, die Seele baumeln lassen und die innere Ruhe finden.

Abfahrbereit in Bodo

Die Praxis sah dann so aus, dass es kühl war, regnete und wir dann doch erst um 9 beim Frühstück waren. Einige Provokateure im Frühstücksraum hatten T-Shirt und kurze Hosen angezogen. Ob sie so das Wetter besser machen?

Nun, irgendwann verliessen wir das Hotel, kämpften uns durch Regen und Kälte (wir hangelten uns quasi von Unterstand zu Unterstand), und kamen dann mal am Bahnhof Bodø an. Der Zug war schon bereit und wir stiegen ein.

9 Stunden 38 Minuten fahren wir nun durch die norwegische Landschaft. Von null Meter über Meer über 680 Meter wieder runter auf null Meter. Die Nordlandsbanan ist die längeste Bahnstrecke in Norwegen. Den höchsten Punkt erreichen wir nach 136.33 km bei Semska, rund 13 km weiter überqueren wir den Polarkreis südwärts. Die Gegend ist unglaublich schön und spektakulär karg. Schade spielt das Wetter nicht mit. Aber im Zug gibt es gratis Kaffee, WLAN und Steckdosen. Damit sind die Grundbedürfnisse der Menschheit ja abgedeckt…

Polarkreis!

Pünktlich um 22:05 treffen wir in Trondheim ein. Wer Spass am Bahn fahren hat, kann hier am gleichen Perron auf den Nachtzug nach Oslo umsteigen. Wir machen dies jedoch nicht und verziehen uns direkt ins Hotel, in welchem wir vor ein paar Tagen schon waren.

Auch wenn man im Bett liegt glaubt man, dass man das tä-täm – tä-täm der Bahnräder im Traum noch hört…

Angekommen in Trondheim

 

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Dienstag, 29. August 2017: Wetterglück – Spektakelpech

Wir überfahren den Polarkreis

Ein paar Mal ratterte das Schiff während der Nacht ganz heftig, aber eigentlich haben wir gut geschlafen. Zwischen 7 und 8 Uhr sollen wir den Polarkreis überqueren. Nachdem gestern dieses Event im Schiff mit einem „Wann genau überqueren wir den Polarkreis-Wettbewerb“ gehypt wurde, war jetzt keine Rede mehr davon. Wir haben unseren Wecker auf 6:30 Uhr gestellt, um diesen Moment sicher nicht zu verpassen. Gemäss Internet passiert dieses Ereignis auf dem nördlichen Breitengrad 66,33'55″. Dank unseren Gadgets verpassten wir die Überfahrt nicht. Lautsprecheransagen gab es ebenfalls nicht, nicht mal ein leichtes Holpern gab es, als wir den Polarkreis überfuhren. Nichts.

Wir gingen zum Frühstück. Für 105 Kronen hätten wir die Polarkreisüberfahrt mit Prosecco feiern können. Da wir nicht das ganze Ferienbudget verballern können, verzichteten wir darauf und nahmen einfach ein normales Frühstück mit Kafi.

Mit der Hurtigruten in Bodø angekommen

Um halb eins trafen wir in Bodø bei bestem Wetter ein. Was macht man in Bodø? Gemäss Tripadvisor gibt es ausserhalb Bodøs eine Stelle, wo man dem Wechsel der Gezeiten zuschauen kann. Und das muss sowas von spektakulär sein, dass sich an verschiedenen Orten ein Wassersog mit etwa 4 m Durchmesser ergeben soll! Also, wenn das die Attraktion Nr. 1 ist, dann müssen wir die gesehen haben. Zuerst wollten wir beim Hotel vorbei und einchecken, doch der Busterminal war ebenfalls am Weg und wir haben uns hier erkundigt, wie man zu diesem Saltstraumen kommt. Natürlich per Bus, und der Fährt in 15 Minuten oben an der 2. Querstrasse… Ok, Planänderung. Gepäck ins Schliessfach und ab zur Bushaltestelle! Bus 4 war pünktlich und die Kosten für die Fahrt unnorwegisch tief. 40 Minuten Bus fahren für 6 Franken – das bezahlen wir doch aus der Portokasse!

Saltstraumenbrücke

Die Haltestelle Saltstraumen liessen wir jedoch links liegen und fuhren noch eine Station weiter, sodass wir zuerst über die imposante Saltstraumenbrücke fahren und dann zu Fuss zurückgehen konnten. Die Aussicht von der Brücke war enttäuschend. Wir haben schon erwartet, dass wir unter uns das Wasser zischen hören und schaumen sehen. Aber nix von alledem. Das Wasser plätscherte einfach so vor sich hin. Als wir am anderen Brückenende ankamen gingen wir ins Saltstraumen-Hotel und fragten, um welche Zeit sie nun gedenken, dass Spektakel starten zu lassen. Erst in 4 Stunden… Aha… Also weit nach der letzten Busabfahrt… Nun, öhm, eigentlich hätten wir ja selber draufkommen können, dass da nicht rund um die Uhr geplätschert wird. Ok… Dann wird der Ausflug zur Nr. 1-Attraktion von Bodø somit zu einem gewöhnlichen Ausflug ins Grüne… Das dafür bei tollem Wetter in einer schönen Gegend. Wir sassen über eine Stunde am Wasser und schauten ihm zu 🙂

Nichts zu sehen unter der Brücke - ausser schöner Gegend...

Um 16:16 nahmen wir den zweitletzten Bus des Tages zurück in die grosse Stadt. Vor dem Ausstieg beim Busterminal meinte der Fahrer zu uns, dass wir unglaubliche Glückspilze seien in Bezug aufs Wetter: 17 Grad im August ist es sonst nie. Höchstens 15 Grad. Die Wärme sei aussergewöhnlich! Oha! Also Spektakelpech und Wetterglück…

Nach dem Check-in im Hotel gingen wir zum Apéro im gleichen Gebäude im 13. Stock. Die Aussicht über den Hafen und aufs Meer war toll. Und das Bier schmeckte gut. Nordlands Pils. Das Nachtessen war weniger der Hit: Das Essen an und für sich war gut, die Menge entsprach eher einem Goofy-Teller. Nach dem Essen schlenderten wir ein bisschen durch Städtchen und kehrten unterwegs noch zu einem Absacker ein. Bodø ist keine Destination, welche ***** von uns kriegt…

Norwegen, wie wir uns es vorsellen...

 

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Montag, 28. August 2017: Ab aufs Schiff

Am Ufer der Nidelva

Um 12:00 legt das Hurtigruten-Schiff ab Trondheim nordwärts ab. Bis zur Abfahrt haben wir noch ein bisschen Zeit und wir machen einen Spaziergang durch Trondheim. Die hübschen farbigen Häuser am Ufer der Nidelva kennt man aus den Prospekten, auch die alte Brücke die über die Nidelva führt. Das Gesamtensemble ist wirklich sehr hübsch. Im gleichen Quartier hat es einen Fahrradlift, mit welchem man sich ins höher gelegene Quartier schieben lassen kann. Um davon profitieren zu können braucht es eine gewisse Technik. Allen, denen wir zugeschaut haben, felhte jedoch die Technik, aber wir hatten was zum Lachen.

Insel Munkholmen bei Trondheim

Auch beim rund tausend Jahre alten Nidaros-Dom kamen wir vorbei Hier wurden bis vor ein paar Jahren die norwegischen Könige gekrönt. Anschliessend ein paar Schritte durchs Städtchen und schon waren wir wieder beim Hotel. Wir checkten aus und gingen zum Terminal der Hurtigruten-Schiffe. „Gleich hinter dem Bahnhof ist es“, habe ich gesagt. Dort angekommen merkten wir, dass Hurtigbåtterminal und Hurtigrutenterminal nicht das Gleiche sind aber 700 m auseinander liegen… Trotzdem waren wir pünktlich vor Ort und konnten beim Schiff einchecken (oder sagt man einschiffen?).

Unterwegs

Beim Bezug der Kabine staunten wir ein bisschen. Wenn das eine Superior-Kabine sein soll, wie klein ist dann eine Standard-Kabine? Nun, wir sind ja nicht da um in der Kabine zu sitzen, aber trotzdem… Von Deck 7 schauten wir dem Ablegen in Trondheim zu. Die Temperatur war angenehm und lud zum Verweilen ein. Auf diesem Schiff sind wir nun die nächsten 24 Stunden. Wir verbrachten die Zeit mit lesen, Gegend bewundern oder eben, wie das Motto der Reise ist, „die Seele baumeln lassen“.

Um 18:00 ging's zum Nachtessen. Um 18:05 sagte man uns, dass wir auf die spätere Session um 20:00 gebucht sind. Da hatten wir das Bier aber schon bestellt und nahmen dies nun im Salon als Apéritv. Dann um 20:00 zum Nachtessen. Zu unserer Überraschung gab es… Lachs! Pünktlich mit dem Ende des Nachtessens hatten wir unseren ersten Halt. Rørvik. Wir schauten dem Ent- und Beladen zu und genossen die noch recht warmen Temperaturen auf Deck. Doch irgendwann gingen wir in die Kabine und genossen den Superior-Schlaf.

Rorvik, mit weiterem Schiff der Hurtigruten

 

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Sonntag, 27. August 2017: Nordwärts

Und wieder ruft der Norden. Der ganz nördliche Norden. Dieses Mal, nach Jahren wieder, Ferien mit Jürg. Dem anderen Jürg. Wir trafen uns direkt im Zug, der uns zum Flughafen Zürich brachte. Eingecheckt hatten wir schon, das Gepäck war schnell abgegeben und die Wartezeit bis zum Einstieg erträglich. Die erste Etappe brachte uns nach Oslo, die Ankunft war leicht verspätet. In Oslo mussten wir die Einreise vollziehen. Also nicht wir, sondern unser Gepäck. Das Gepäck wurde durchgecheckt, aber stichprobenweise vom Zoll geöffnet. Und erst wenn unser Gepäck den Check bestanden hat, dürfen wir in den Transitbereich weitergehen. Also warteten wir vor den Zugängen, bis am Screen unsere Namen bzw. unsere Initialen erschienen. Jetzt durften wir weiter, die Zeit für den Anschlussflug wurde knapp. Reicht es? Der Flughafen ist grösser als man meint, wenn man auf den Anschlussflug will… Endlich waren wir am Gate. „Are you the passengers from Zurich?“ wurden wir gefragt. „Yes, we are. Thank you for waiting!“ Rasch ins Flugzeug und kaum hatten wir die ersten Schritte in die Kabine kam die Durchsage „Cabin Crew, boarding completed“. 146 Augenpaare des bis auf zwei Plätze vollständig besetzten Flugzeugs starrten uns an. Unbeschreiblich, dieser Moment… Da fühlt man sich ein bisschen wie ein Popstar. Wir genossen diesen Moment. Ok, das Zuwinken war vielleicht ein bisschen übertrieben, aber trotzdem…

Keine Stunde später landeten wir in Trondheim. Der Anflug war toll, er führte uns über die Fjell-Landschaft. Fieberhaft suchten wir Rentiere am Boden, aber Fehlanzeige. Der Flughafen von Trondheim ist 30 km vom Zentrum entfernt. Er hat zwar einen Flughafenbahnhof, aber die Züge fahren nur so alle 4 Stunden. Kein wirkliches Angebot also. Wir suchten einen Bus und fanden gleich zwei Anbieter welche zum gleichen Preis in die gleiche Stadt fuhren. Wir wählten den Anbieter mit dem hübscheren Bus.

Der Bus brachte uns direkt vor unser Hotel. Zimmerbezug und einen Moment später waren wir unterwegs zum Nachtessen. Das Wetter war toll, aber im Vergleich zur Schweiz ein bisschen kühl. Wir fanden beim alten Hafen ein Restaurant mit einer Speisekarte, die uns zusagte. Spare Ribs-Fest tönte gut, und war superlecker! Und über den Preis hüllen wir den Mantel des Schweigens…

Unser erste Eindruck von Trondheim war gut. Nun wollen wir die Hotelzimmerqualität testen und gehen schlafen.

 

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Montag, 31. Juli 2017: Sbohem* Praha!

Bahnhofhalle des Prager Bahnhofs

Die Lage des Hotelzimmers mit Sicht auf die Hauptstrasse hat sich nicht geändert. Somit auch nicht die Schlafqualität. Die Betrunkenen sind jedoch ausgeblieben.

Nach dem Frühstück packten wir unsere paar Sachen und machten uns auf den Weg zum Flughafen. Dank Google haben wir einen schnelleren und trotzdem gemütlicheren Weg zum Flughafen gefunden: Mit Tram 26 quer durch die Stadt an den Stadtrand fahren und von dort mit dem alle 5 Minuten verkehrenden 119er zum Flughafen. So schafft man den Transfer in unter einer Stunde. Vorher haben wir jedoch am Bahnhof noch ein paar Trams übersprungen und ein bisschen Trainspotting betrieben (also der Mann…).

Nach einem kleinen Lunch in einem der zahlreichen Restaurants am Flughafen warteten wir aufs Flugzeug. Auch dieses Mal hatte die Swiss Verspätung, ganze 30 Minuten.

Nach einer Stunde Flugzeit hatte uns Zürich wieder.

*Sbohem = Tschüss

 

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Sonntag, 30. Juli 2017: Prager Sommer

Die Nacht im Hotel Seifert war recht anstrengend: Aufgrund der Hitze hatten wir das Fenster geöffnet und da unser Zimmer an der Hauptstrasse lag, hörten wir etliche Motorenfanatiker, betrunkene Heimkehrer oder sonstigen Lärm. Wir standen auf und nach dem Frühstück gings weiter mit Teil II unserer Prag-SURPrise!

Der kleine Eiffelturm

Zuerst steuerten wir das andere Moldau-Ufer an und fuhren mit der Standseilbahn auf den 327 m hohen „Hausberg“ Petrin. Hier befindet sich das Naherholungsgebiet der Prager mit Rosengarten, Wäldern und vielen Spazierwegen. Ein Aussichtsturm befindet sich ebenfalls auf dem Petrin, der „kleine Eiffelturm“. Mit 63,5 m Höhe ist er nicht so mächtig wie sein Vorbild in Paris, aber er bietet von ganz oben eine tolle Aussicht auf Prag. 299 Stufen sind wir hochgegangen, bis wir oben waren.

Aussicht auf Prag

Danach ging's weiter durch die Wälder zum Kloster, in dessen Nähe wir im Restaurant „Bellavista“ bei einem Glas Himbeersaft und einer Limonade noch einmal die Aussicht auf Prag genossen. Dann weiter zum Schloss, der Kathedrale und wieder hinunter ans Moldau-Ufer. Viele Musiker mit unterschiedlichen Talenten buhlten dabei um das Kleingeld der Touristen. Dieser entspannte Mix aus Architektur, Kultur und Musik hat uns während des Besuchs am anderen Moldau-Ufer begleitet.

Prager Schloss

Nun ging es weiter mit dem Tram bis zum „Tanzenden Haus„, welches eine tolle, mutige Architektur aufweist. Zu Fuss gingen wir zum Wenzels-Platz, wo wir uns vorstellten, uns in einem der zahlreichen Cafés ein leichtes Mittagessen zu gönnen. Im Restaurant des Hotels Adria wurden wir auf der Menükarte fündig und wir dachten, dass ein Club Sandwich das Richtige sei. Nach über einer Stunde Wartezeit kam das Sandwich endlich. Das Fleisch und die Pommes waren kalt. Den Himbeersaft bezahlten wir, das Club Sandwich gaben wir zurück und verliessen das Lokal. Im Restaurant „Zum goldenen M“ wurden wir schnell bedient. Nicht grad böhmische Küche, aber gegen den aufkommenden Hunger…

Tanzendes Haus

Anschliessend spazierten wir weiter durch die Altstadt und machten einen Abstecher in einen Laden, welcher „Der kleine Maulwurf“ in verschiedenen Varianten verkaufte. Wir kauften eine Tasse und gingen zurück ins Hotel.

Der kleine Maulwurf und seine Freunde

Eine Dusche in diesem Prager Sommer war nun sehr willkommen.

Um 19:00 Uhr hatten wir im Restaurant SaSaZu einen Tisch reserviert. South-East Asian Fusion Food ist das Motto dieses Lokals. Die Atmosphäre in diesem Lokal ist sehr speziell: Eher dunkel, eher laute Musik – aber tolles Essen mit einer spezielle Note. Und noch vor dem Dessert wurden wir vom Personal mit einer Handmassage verwöhnt. Der Besuch hat sich gelohnt, auch wenn das Lokal ein Wenig ausserhalb des Zentrums liegt.

SaSaZu

 

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Samstag, 29. Juli 2017: Welche SURPrise!

Zum Geburtstag bekam ich von meiner Frau eine Überraschungsreise geschenkt. Dabei war es nicht einfach eine Reise nach dem Motto „ich buche eine schöne Stadt für uns beide und sage dir nicht wohin“, sondern es wurde eine Überraschung für uns beide: www.surp.ch bietet dies an. Man sagt, wann und wie viele Übernachtungen man wünscht und www.surp.ch bucht dies für uns. Wählen wohin kann man nicht, man kann drei Städte angeben, wo man nicht hin will. Eine Woche vor Abflug erhält man einen Brief, den man am Flughafen öffnet und dann sieht, wohin die Reise geht. Eine Woche vorher sieht man schon auf einer spezifischen Homepage, wie das Wetter an der Destination sein wird, damit man auch die richtigen Kleider einpackt. Kein grosses Gepäck, nur Handgepäck ist auf dieser Reise inbegriffen.

Der Brief traf ein und wir wussten, dass wir um 7:00 Uhr in Zürich am Flughafen sein mussten. Das hiess, dass wir zu Fuss an den Bahnhof marschierten und 5:29 den Zug Richtung Zürich Flughafen nahmen. Nach dem Halt in Olten fanden wir, dass es der Spannung genug ist und wir öffneten den Brief schon vor Ankunft im Flughafen.

Prag

stand auf der Karte! Während ich schon zwei Mal in der tschechischen Hauptstadt war, war Bettina noch nie dort. Dass wir in Bezug auf das Öffnen des Briefumschlages ein bisschen geschummelt haben gab uns die Möglichkeit, schon online einzuchecken und den ganzen Boarding-Pass-Kram im Zug zu erledigen. Auch konnten wir uns schlau machen, was es in Prag alles zu sehen gibt.

„Due to the late arrival of the aircraft“ hatten wir bei Abflug 20' Verspätung. Der Flug dauerte eine Stunde, was ja quasi ein Katzensprung ist. Und noch vor 10 Uhr standen wir in Prag vor dem Flughafen und warteten auf den Bus zum Hotel. Also Bus – U-Bahn – Bus… und rund 1,5 Stunden später standen wir vor dem Hotel Seifert wo das Zimmer schon bezugsbereit war. Noch kurz hinlegen und dann los ins Getümmel!

Astronomische Uhr

Zuerst was gegen den Hunger machen – wir gingen in den Bakeshop im jüdischen Viertel. Die Quiches schmeckten sehr gut und der Service war toll. Dann ging's in die Altstadt: Marktplatz, Rathaus mit astronomischer Uhr, Karlsbrücke, Kafka-Denkmal und dann zum Wenzels-Platz. Hier hat es viele Einkaufsmöglichkeiten, auch an Samstagen um 18:00 Uhr. Wir fanden einen Bata-Schuhladen, welcher früher in der Schweiz zu den Lieblingsschuhgeschäften von Bettina zählte. In der Tschechei wurde diese Marke gegründet und existiert heute noch. Auch Benetton und das Shopping-Center „Palladium“ wurden von uns besucht, bis die Zeit für das Nachtessen herangerückt ist.

Karlsbrücke

La Bottega Linka ist aktuell sehr angesagt und kriegt auf Tripadvisor hohe Bewertungen. Und wir hatten das Glück, dort ohne Reservation einen der letzten Tische zu kriegen. Das Essen war ausgezeichnet und wir konnten die hohen Bewertungen gut nachvollziehen.

Der Tag war lang, und wir haben viel erlebt. Wir freuten uns auf das Hotelzimmer und das bequeme Bett.

 

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Freitag, 21. Juli 2017: Auf (fast) direktem Weg nach Hause

Wollen wir von Würzburg aus nach Hause oder irgendwo noch einen Abstecher machen?

Wir haben uns für eine Kombination entschieden: Heimreise auf Umwegen. Und zwar möglichst nicht auf Umwegen wegen „Umleitung“-en, sondern gewollt. In vielen Orten Deutschlands ist Ferienbeginn, somit sind auf den Autobahnen Staus zu erwarten. Wenn wir jedoch möglichst lange auf der A81, einer „Nebenautobahn“ bleiben, könnte dies vielleicht bedeuten, dass wir den Staus auf den „grossen“ Autobahnen A5 und A8 ausweichen könnten.

Donauquelle in Donaueschingen

Der Einstieg zur Umsetzung dieses Plans lief schon mal schief, denn ich verpasste die richtige Abfahrt ab der Hauptstrasse um überhaupt auf die Autobahn zu kommen. Als wir dann auf der A81 waren, hörten wir im Radio von den Staus deutschlandweit und am Gotthard. Aber unsere A81 wurde nie ganannt… Ob der Plan aufgeht?

In Donaueschingen wollten wir einen Stopp machen. Bis zu dieser Ausfahrt waren wir staufrei. Manchmal vielleicht ein bisschen „stockender Kolonnenverkehr“ mit 80 km/h, aber alles in Allem eine flüssige Fahrt. Der Plan ist also aufgegangen.

Donaueschingen ist der „Startpunkt“ der Donau, also die Quelle. Diese haben wir besichtigt – aber mehr als ein Teich wo es raufblätterlet ist diese Quelle auch nicht… Spätzle bzw. Pastetli in einem Restaurant waren unser Mittagessen.

Schwarzwälder Kirschtorte, genossen am Ursprungsorg

Weiter gings in den Schwarzwald. Am Titisee gab's für uns das Dessert, ein Stück Schwarzwäldertorte (wobei die von der Migros irgendwie besser ist…). Danach die Fahrt durch den Schwarzwald nach Weil am Rhein und Lörrach, wo wir noch verschiedene „Deutschland-Einkäufe“ tätigten.

Auch die Fahrt über Schweizer Autobahnen verlief staulos und wir waren um 22:00 wieder zu Hause, mit vielen Eindrücken!

 

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Donnerstag, 20. Juli 2017: Elend und Sorge

Wolfsburg ist keine Metropole. Zumindest nicht, wie man sich dies global vorstellt. Für Volkswagen ist es jedoch DIE Metropole. Verblüffend, wie viele VW oder Autos aus der VW-Gruppe in dieser Stadt zu sehen sind. Zum Beispiel die parkierten Autos an der Hauptstrasse unseres Hotels: Golf, Tiguan, Golf, Skoda, Audi, Golf, Alfa Romeo, Golf, Skoda, Skoda, BMW, Opel, Golf, UP!, Mercedes, Passat. Ob es hier Steuererleichtungen gibt, wenn man ein örtliches Auto kauft?

Grenzanlagen bei Mattierzoll

Wir verliessen die Stadt mit unserem Mercedes. Auf Hauptstrassen, südwärts, Richtung Harz. An der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze bei Mattierzoll haben wir eine Pause gemacht. Hier sind die damaligen Grenzanlagen noch muesal erhalten. Auf der Ostseite ist sogar noch der Beobachtungsturm der DDR-Grenzer zu sehen. Einmal mehr eindrücklich, diesen Teil der Geschichte, den wir miterlebten, vor Ort zu sehen.

Es dampft in Wernigerode

Wernigerode soll der erste Etappenort sein. Erstens weil es eine hübsche Stadt ist mit vielen Fachwerkbauten, zweitens weil die Harzer Schmalspurbahnen dort abfahren – aber das habe ich Bettina nur in einem verschachtelten Nebensatz kurz vor dem Ortschild „Wernigerode“ gesagt. Und dass sie nahezu ausschliesslich mit Dampf fahren, habe ich auch erwähnt.

Somit zuerst an den Bahnhof Wernigerode, wo sich beim Depot eine Aussichtsplattform befindet, um die Dampfloks zu sehen. Ein Zug wurde im Bahnhof bereitgemacht, zur Abfahrt in den Harz. Dieser Zug hatte sogar einen Aussichtswagen (Zugschlag 1 €), wo man sich auf der Fahrt durch den Harz den Waldduft, den Damplokrauch und ein paar Kohlestückchen durch die Haare wehen lassen kann. Endlich kam auch eine Dampflok vorn dran und pünktlich um 11:55 setzte sich der Zug in Bewegung. Wir schauten nur zu und wollten dann mit dem Auto weiter.

Marktplatz Wernigerode mit Rathaus

Vor der Weiterfahrt gingen wir aber noch ins Städtchen Wernigerode und assen dort in der Fussgängerzone Kaffee und Kuchen. Das Städtchen ist wirklich sehr hübsch und wird von uns bei einem Folgebesuch sicher längere Aufenthaltszeit erhalten.

Elend und Sorge

Wir fuhren mit dem Auto der Bahnstrecke entlang durch den Harz. Hier gibt es viel Wald. Aber auch Elend und Sorge. Elend und Sorge sind Teile der Stadt Oberharz am Brocken im Landkreis Harz. Welches Elend und welche Sorgen die Bewohner plagen, wissen wir nicht, aber die Gegend scheint hübsch zu sein.

Alte Mainbrücke Würzburg

In Nordhausen verlassen wir die Harz-Gegend und fahren nun, um die Reise zu beschleunigen, auf der Autobahn nach Würzburg, wo wir im Hotel Maritim absteigen. Das Hotel ist sehr in die Jahre gekommen und hätte einen Abriss eine Sanierung nötig. Die Lage jedoch ist ideal, denn es ist gleich neben dem historischen Zentrum gelegen. Wir gingen, gemäss Tripadvisor das Restaurant Nr. 1 in der Stadt, im Restaurant Weinhaus Stachel essen. Mit einem Spaziergang durch die Stadt schlossen wir den Tag ab.

 

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Mittwoch, 19. Juli 2017: Summer in the City

Heute steht wettermässig ein echter Sommertag an. Also los! Frühmorgendliche Joggingrunde (zweimal um den Ziegelsee) und dann subito ab in den See. Erfrischung pur. Anschliessend gibt's Frühstück – heute draussen auf der Terrasse. Wir packen, checken aus und fahren ins Zentrum. Wo wir uns noch verschiedene Ecken, Gassen und Tramkompositionen anschauen. Dann brechen wir auf in Richtung Stendal und Wernigerode. Einer der beiden Gärtner im Hotel Speicher hat uns von der Schönheit von Wernigerode geschwärmt. Über Hauptstrassen versuchen wir, dieses Ziel anzufahren. Versuchen. Denn schon bereits nach wenigen Minuten Fahrzeit werden wir ein erstes Mal umgeleitet. Nach eineinhalb Stunden Fahrzeit weisen wir eine Stunde Verspätung auf die ursprüngliche Planung auf. So sind z.B. gezwungen, in die entgegengesetzte Richtung des Wegweisers „Stendal 6 km“ zu fahren, fahren eine Weile und folgen anschliessend dem Wegweise „Stendal 10 km“, um zu guter letzt: in Stendal einzutreffen! Ein hübsches, kleines Städtchen – etwas verträumt bzw. etwas herunter gekommen. Wir trinken ein Mezzomix und nehmen eine Lagebesprechung vor. Aus dieser geht hervor, dass wir heute nur noch bis Wolfsburg fahren. Rasch noch online ein Hotelzimmer gebucht und los geht's. Kurz vor 19.00 Uhr treffen in Wolfsburg ein, beziehen unser Zimmer (Nr. 22) in der Goldenen Henne und gehen im Vapianos etwas essen. Es ist richtig schön warm und wir können in sommerlichem Outfit einen gemütlichen Abend verbringen. Kaum sind wir zurück im Hotel entlädt sich ein veritables Wolfsburg-Sommergewitter.

 

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Dienstag, 18. Juli 2017: Acht-er-bahn fahren

Zu unserer Hotelübernachtung haben wir ein Arrangement gebucht, wo auch eine Tagesmiete mit dem Fahrrad inbegriffen war. Heute war nun der Tag, dies einzulösen. Unsere Lieblings-TV-Sendung „Nordtour“ auf NDR hat vor einigen Wochen die „Blaue Acht“ gezeigt. Dies ist eine Radtour dem inneren und äusseren Schweriner See entlang.

Untewegs

Nach dem Frühstück starten wir dem Ziegelsee entlang nordwärts. Bei Wickendorf gehts rechts über den Damm, welcher den inneren und äusseren Schweriner See teilt, bzw. die Ufer zusammenbindet. Der Radweg führt entlang der viel befahrenen B104. Der Wald, den wir hier durchqueren, steht teilweise im Wasser bzw. im See. Ein Fahrfehler, und man landet im Wasser. Ausweichen muss man auch den vielen kleinen Fröschen, die aus dem vom Strassenmeister gerade gemähten Grasstreifen zum Wasser wechseln wollen.

Goldammer

Nach der Fahrt über den Damm und entlang der Hauptstrasse wechseln wir auf einen Radweg entlang dem Ramper Moor. Der Weg führt durch die pure Natur. Wir entdecken sogar einen gelben Vogel, den wir dank Google als Goldammer identifizieren.

Beim Seecamping Flessenow machen wir Rast und beginnen, das Lunchpaket vom Hotel zu essen. Doch schon bald fahren wir weiter durch das Naturschutzgebiet Döpe nach Hohen Viecheln und Bad Kleinen. Über Gallentin fahren wir zum Schloss Wiligrad. Dieses Schloss mit wechselhafter Geschichte liegt über dem äusseren Schweriner See und sieht hübsch aus. Ja, und hat ein wunderbares Schlosscafé. Eine Kirschbaiser-Torte und ein Stachelbeerenbaiser können sie dort verkaufen. Uns.

Schloss Wiligrad

Die Kalorien werden wieder abgestrampelt. Weiter wieder bis Wickendorf, wo wir ja schon waren, wieder über den Damm bis Rampe, aber dieses Mal dem inneren Schweriner See entlang südwärts Richtung Schwerin. Hier nimmt der Spassfaktor dieser Radtour ein wenig ab, weil der Radweg entlang einer stark befahrenen Strasse führt. Vielleicht haben wir auch eine Abzweigung verpasst, aber so richtig schön ist das nicht grad. Bei Raben Steinfeld sind wir am Ende des äusseren Schweriner Sees. Hier sehen wir ein eindrückliches Denkmal „Die Mutter“, welches auf eindrückliche Weise die Zeit vom Mai 1945 beschreibt: Mittendrin ein Zug von 18'000 KZ-Häftlingen, welche zu Fuss verlegt wurden. Auf der einen Seite die US-Army, welche in Schwerin war, auf der anderen Seite die Sowjets, welche sich dem Gefangenenzug von hinten näherte. Und so ziemlich an diesem Ort trafen alle aufeinander – was das Ende des Dritten Reichs und die Rettung der Häftlinge (mit-) bedeutete.

Rast am äusseren Schweriner See

Nach einem Moment der Stille (inmitten des Verkehrs) an diesem Denkmal ging es weiter in Richtung Schwerin. Die Wege waren nun wieder viel radfahrergerechter und führten direkt am Schweriner See entlang über Feld und vor Allem Wald. Zippendorf ist übrigens sehr hübsch und hat sogar einen Sandstrand! Wenn die kalten Temperaturen des Schweriner Sees nicht gewesen wäre, hätte man sich an der Karibik wähnen können… Nach ein paar Kurven sahen wir das Schweriner Schloss. Der Radweg führte durch den Schlossgarten und am Schloss vorbei direkt in die Innenstadt. Und ein paar Minuten später waren wir beim Hotel und unter der Dusche…

63 km haben wir gemacht. Für uns untrainierte Velofahrer etwa 50 km zu viel… Aber wir waren stolz, diese Tour geschafft zu haben!

Das Nachtessen gab es anschliessend in der Innenstadt im Fischrestaurant Lukas. Wir fuhren mit dem Rad hin…

Alles in Allem hat es eine '8' gegeben...

 

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Montag, 17. Juli 2017: in der Landeshauptstadt von MV

Schwerin ist mit weniger als 100’000 Einwohnern die kleinste Landeshauptstadt in Deutschland. Hat aber viel zu bieten:

Dom von Schwerin und Marktplatz

Zuerst mal einen wunderbaren Tagesbeginn. Wir sahen nur blauen Himmel, als wir zum Fenster hinaus schauten. Und dies nach dem doch eher trüben Tag gestern. Unser Hotel befindet sich am Inneren Ziegelsee, und der ist so wunderschön gelegen, dass wir noch vor dem Frühstück gleich 2x um den See gejoggt sind (ok, ist auch kleiner als der Thunersee… 😉 ).

Als wir das Hotel verliessen, konnten wir mit dem älteren Gärtner ein paar Worte sprechen. Über die frühere Zeit hier, als das „Hotel Speicher am Ziegelsee“ noch ein „Speicher am Ziegelsee“ war. Wie 1961 die ganze Nutzung des Speichers obsolet wurde, da man das Getreide wegen der geschlossenen Grenzen nicht mehr in die BRD verkaufen konnte. Wie es rund um den Speicher viel Kleingewerbe hatte statt schicke Eigentumswohnungen („Da müssense 300 Tausend zahlen. Für die kleinen Wohnungen“). Nach ein paar Grundinformationen, auch zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt, spazierten wir Richtung Innenstadt. Beim Rathaus bemerkten wir, dass heute ja der 17.7.17 ist und sich somit viele Datums-Banausen dieses Datum als Hochzeitsdatum ausgewählt hatten. Vor dem Rathaus sahen wir 2 Hochzeitsgruppen, und drin wurde sicher eifrig JA gesagt. Angestossen wurde natürlich mit „Rotkäppchen Sekt„.

Schloss Schwerin

Die Altstadt von Schwerin ist sehr schön herausgeputzt. Nicht so kitschig wie Dresden, sondern einfach hübsch. Wir gingen weiter zum Schloss Schwerin. Dieses liegt auf der Schlossinsel im Stadtzentrum von Schwerin und ist heute Sitz des Landtages von Mecklenburg-Vorpommern. Viele Jahrhunderte war es die Residenz der mecklenburgischen Herzöge und Grossherzöge. Es ist das bekannteste und prächtigste von über zweitausend Schlössern und Herrenhäusern in Mecklenburg-Vorpommern.

Schlossgarten in Schwerin

Aufgrund seiner romantischen Erscheinung und der vergleichbaren Magnetwirkung für Besucher wird das Schweriner Schloss auch als „Neuschwanstein des Nordens“ und als „Märchenschloss“ bezeichnet und ist zudem deutscher Kandidat für das UNESCO-Welterbe. Das Schloss ist aber auch dauernde Baustelle und guter Arbeitgeber von Gerüstbauern, Stukkateuren, Malern, Gipsern usw… Wer so ein Erbe hat kann stolz sein. Aber es ist auch teuer, ein solches Erbe zu unterhalten.

Das Schloss ist wunderschön. Getoppt wird es jedoch von den Gärten! Der Schlossgarten ist vielleicht nicht so gross wie in Schönbrunn, aber er ist wunderschön und hat viele Sachen, die man bestaunen kann. Die Geometrie dieser künstlichen Anlage ist eindrücklich und lädt zum Verweilen ein. Wir aber zogen weiter in die Innenstadt und wieder Richtung Rathaus. Dort kehrten wir im Cafe Rothe ein und assen auf der Terrasse, mit Blick auf den Marktplatz, was Feines.

Zwei deutsche Touristen im Pensionsalter aus Buxtehude setzten sich zu uns und gaben uns eine Lektion von deutscher Verbittertheit. Dass Geld für die Flüchtlinge da ist, aber nicht für die eigene Bevölkerung. Dass die aus Russland ausgewanderten Deutsch-Russen eine volle Rente bekommen, ohne voll einbezahlt zu haben. Dass dieses schöne Schwerin nur so schön wurde, weil die Westdeutschen den Soli bezahlen. So ging es eine zeitlang, bis dann auch mal unsere Marzipan-Nusstorte und die Erdbeerschnitte gegessen waren und wir zahlen konnten…

Unterwegs am Pfaffenteich

Wir gingen weiter in die Innenstadt, die mehrheitlich verkehrsfrei ist. Subjektiv kann man sagen, dass es mehrheitlich kleinere Geschäfte hat, und nicht wie üblich die grossen Ketten wie H&M, C&A usw dominieren. Die grossen Läden hat es auch, aber einen Karstadt oder eine Galleria Kaufhof sucht man in Schwerin vergebens.

Im Schlosspark-Center erledigten wir einige Einkäufe und assen im Restaurant Zeppelin Znacht. Lange Wartezeit, schlechte Lüftung, knapp freundlicher Service – wir hätten uns einen besseren Tages-Abschluss in dieser schönen Stadt vorstellen können. Den holten wir nach, indem wir entlang dem Pfaffenteich und dem Inneren Ziegelsee wieder gemütlich zum Hotel zurückspazierten

 

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Sonntag, 16. Juli 2017: Tschüss SPO

Garstig an der Nordsee

Es heisst Abschied nehmen von St. Peter-Ording. Wettermässig steht heute wieder „garstig-regnerisch-kalt“ auf dem Programm. Wir kraxeln aus den Federn und packen erste Habseligkeiten zusammen. Dann stellen wir fest, dass es so gut wie aufgefhört hat zu regnen. Darum allez hopp in die Laufklamotten und los geht's. Diesmal wieder nordwärts, da ich vom Strand zu Deko-Zwecken noch unbedingt ein wenig Sand und ein paar Muscheln holen möchte. Diese Idee ist mir wirklich erst am Samstagabend in den Sinn gekommen. Na besser spät als nie. Wir laufen los und geniessen ein erstes Laufstrecken-Drittel so gut wie ohne Regen und Gegenwind. Auf dem Weg ans Meer setzt wieder Regen ein. Rasch Sand und Muscheln geholt und verpackt und dann gilt es, sich mit den Sand- und Muschelsäckchen durch Regen und vollen Gegenwind durch zu kämpfen. Platschnass und ein wenig ausgelaugt, dafür aber so was von hellwach kommen wir beim Hotel an. Eine aufwärmende Dusche und das reichhaltige Frühstücksbüffet mit Ingwertee tragen das ihrige zum Wieder-Erlangen des kompletten Wohlbefindens bei.

Fertig packen, auschecken und tschüss liebes Landhaus an de Dün-Team. Es war wieder einmal ein uneingeschränkt genussvoller Aufenthalt bei euch.

Wir nehmen Kurs auf Schwerin, dem heutigen Etappen-Zielort. Wir fahren durch Tating und suchen dort das Café Restaurant Schweizer Haus auf – ein gut 100 Jahre altes Sommerhaus im Schweizer Stil. Gemäss unserem Reiseführer eines der Letzten seiner Art in Schleswig-Holstein. Anschliessend statten wir der Gemeinde Kotzenbüll (236 Einwohner) den obligaten Besuch ab. Obligatorisch ist ebenfalls das Foto mit dem Ortsschild dieser nordfriesischen Gemeinde. Ach ja, wir parken unser Auto grad neben dem Bossel-Platz von Kotzenbüll (Insider-Info).

Grabstein auf dem Geschlechterfriedhof Lunden

Bei diesigen Verhältnissen setzen wir unsere Reise fort bis nach Lunden, einer Ortschaft im nördlichen Dithmarschen. Vor beinahe einem halben Jahretausend (zwischen 1529 und 1559) hatte Lunden Stadtrechte. Die damalige Macht der örtlichen Würdenträger dokumentieren noch heute die mächtigen Grabplatten auf dem Geschlechterfriedhof bei der Kirche St. Laurentius. „Geschlechter“ waren mächtige Familien, die das politische Sagen in Dithmarschen hatten. Ein jedes Grab gehört zu einer Familie. Noch heute sind 13 grosse Grabplatten erhalten. Die meisten Tragen die Ecksymbole Mensch, Löwe, Stier und Adler, welche für die vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes stehen. Die Grabplatten wiegen bis zu zwei Tonnen, sie wurden jeweils mit Hilfe von Pferden weggezogen, wenn der Sarg einer verstorbenen Person in die Gruft gebettet werden sollte. Deshalb sind in mehreren Steinen Eisenringe eingelassen. Bemerkenswert ist auch der Sühnestein von Peter Swyn. Dieser wurde 1537 vom Pferde gerissen und erstochen. Auch diese Szene ist auf dem Stein festgehalten. Interessantes Detail zu Herrn Swyn:

Der heute noch im Hochdeutschen gebräuchliche Spruch „Das kann kein Schwein lesen.“ wird auf Marcus Swyn, den Enkel von Peter Swyn zurückgeführt. Nach dem Ende der Bauernrepublik in Dithmarschen mussten die Besitzdokumente vom Landvogt Marcus Swyn neu beglaubigt werden. Waren die Papiere unleserlich geworden, stellte man fest: „Das kann ja nicht einmal mehr ein Swyn lesen. – Dat kann keen Swyn lesen.“

Quelle: Geschichte zum Be-greifen: Das kann kein Schwein lesen.“ Tafel am Lundener Geschlechterfriedhof

Ja und dann geht es darum, Kilometer zu „fressen“ um nach Schwerin zu gelangen.

Zug auf der Grüntaler Hochbrücke

Strassenbau-Highlight unterwegs stellt die kombinierte Fussgänger-, Strassen- und Eisenbahnbrücke, die Grünentaler Hochbrücke, dar. Hier legen wir eine kurze Pause ein, um eine Aussichtsplattform aufzusuchen, von der man einen wunderbaren Ausblick auf die Brücke, die über den Nord-/Ostsee-Kanal führt, hat. Und dann fährt doch kurze Zeit später grad – so ne Zuefau – ein Zug über die Brücke. Das Eisenbahner-Herz schlägt höher. Ohne grössere Zwischenhalte setzen wir die Reise fort. Hie und da ein Pippi- oder Bewegungsstopp oder ein Fotostopp z.B. an der ehemaligen BRD/DDR-Grenze.

Ehemalige Grenze BRD/DDR

Kurz nach 18.30 Uhr treffen wir in Schwerin ein und beziehen im Hotel Speicher am Ziegelsee unser Zimmer 606 mit Seesicht. Kurze Zeit später beginnt es in Strömen zu regnen. Wir geniessen ein leckeres Abendessen im Restaurant des Hotels.

 

Nach dem Regen: Prima Sonnenuntergang von unserem Zimmer aus

 

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Samstag, 15. Juli 2017: Sonn-Samstag

Axels Strandhütte in SPO

Heute lassen wir die Seele baumeln. Das Wetter: den ganzen Tag „grand beau“. Jogging, Frühstück und dann rasch den Strandkorb auf dem Balkon des Zimmers 20 im Landhaus an de Dün in die richtige Position gerückt. Ausgerüstet mit Büchern und Zeitschriften, Getränken und unseren Himbeeren richten wir es uns im Strandkorb gemütlich ein. Zudem ist die Lage perfekt, um zu beobachten, was unten auf der Badstrasse alles abgeht. Wir unterbrechen unseren Strandkorb-Aufenthalt nur für einen kurzen Abstecher in den Bad-Dorfteil zum Spielzeugladen Mondenkind. Eigentlich wollen wir hier lustige Geburtstags- und andere Karten kaufen. Aber im Geschäft drin gibt's hunderte von originellen Spielen, die man im Geschäft direkt unter sachkundiger Anleitung ausprobieren kann. Witziges Konzept mit viel Charme und Engagement für die Sache. „Hier dürfen Sie Kind sein.“.

Abends, an der Nordsee...

Wir stossen auf das Memo-Spiel „Die Kunst aufzuräumen“ (von Urs Wehrli) und können dem Spiel nicht widerstehen. Daher rasch ins Hotel zurück, Kaffee und Kuchen bestellt und Memory gespielt. Etwas später machen wir uns auf den Weg zu Axels Strandhütte, wo wir heute Abend essen gehen. Chillige Terrassen-Lounge bei Ebbe und schöner Sonnenuntergangs-Stimmung. Gutes Essen – vielleicht eine Spur zu verkrampft originell. Aber alles in allem lecker. Schöner Tages-Ausklangspaziergang (30 Minuten) zurück zum Hotel.

 

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Freitag, 14. Juli 2017: Nicht mit dem Velo, sondern mit dem Rad unterwegs

Auch heute gab's zum Tagesbeginn eine Laufrunde am Strand. Oder am Deich, wie man will. Das Wetter war prächtig, die paar Wolken gehörten zum Design des Himmels und wirkten adrett. Heute soll der Tag sein, wo wir Velos mieten. Das versteht hier aber niemand, und drum mieten wir Räder. Die Traditionellen waren bereits alle vermietet, sodass wir ein Upgrade auf 2 E-Bikes erhielten. Nun, altersmässig sind wir nun offenbar in dieser Zielgruppe… Und die Räder hatten zudem vorne noch ein Körbchen angehängt…

Die ersten km waren speziell. Bettina traute der Sache noch nicht so und stellte den Strom erst ausserhalb des Dorfes an. Aber als auch sie entdeckt hat, dass so ein E-Bike „Velofahren 2.0“ ist, hat sie zwischenzeitlich den Strom auf Stufe 6 „Boost“ gestellt und ab ging die Post. Aber da waren wir schon einige Kilometer ausserhalb Sankt Peter-Ordings, hinter dem Deich bei den Schafen auf der Strecke zum Westerhever Leuchtturm. Dies soll unser heutiges Etappenziel werden. Den Turm sah man schon von Weitem, bis man dann aber wirklich dort ist, vergeht noch einige Zeit…

Aber auch wir haben es geschafft und sind beim Westerhever Leuchtturm angelangt. Auch ein Brautpaar war vor Ort und hat, wohl nebst 'Moin' auch 'Ja' gesagt. Der Leuchtturm mit den rot-weissen Farben ist ein wahrer Magnet und sehr viele Besucher wagten den Marsch vom weit entfernt liegenden Besucherparkplatz oder die Fahrt mit dem Rad zum Turm.

Wir hatten noch Zeit und Strom im Akku sodass wir beschlossen, nach Vollerwiek zum Himbeerhof Jürgens zu fahren. Die Fahrt über Garding („Die Mommsen-Stadt“, weil der Historiker Theodor Mommsen hier zur Welt kam) und Welt (ja, der Ort heisst so…) war windig, was nicht nur unserer Geschwindigkeit sondern auch dem Gegenwind zuzuschreiben war. E-Bikes sind hier oben im Gegenwind sicher ein Segen…

Den Himbeerhof Jürgens kannten wir aus einer Nordtour-Sendung auf NDR3. Dieser Bauer hat von der klassischen Milchwirtschaft umgesattelt auf Him-, Brom- und Stachelbeeren und hat offenbar den Zeitgeist getroffen. Im „Glückskaffee“ nahmen wir einen Himbeer-Becher und eine Himbeerschorle und danach gingen wir selber Himbeeren ablesen. In kurzer Zeit hatten wir 1.7 kg zusammen. Himbeeren sind irgendwie praktischer als Erdbeeren, weil man sich nicht bücken muss…

Der Blick auf die Uhr zeigte uns, dass es kurz vor fünf war. Der Blick an den Himmel zeigte uns, dass er sich von einem schönen blau in ein hässliches schwarz geändert hat. Ob wir es trocken nach Hause schaffen? Und wenn nicht: haben nasse E-Bikes einen Kurzschluss wenn sie nass werden? Beide Fragen konnten wir mit 'nein' beantworten:

  • Die letzten 5 Kilometer im Gegenwind und ins Gesicht peitschenden Regen…
  • Das E-Bike hat uns trotz Regen problemlos ins Hotel gebracht.

Die ganze Rundfahrt war 50 km lang und wir hatten noch Strom im Akku.

Eine wärmende Dusche war dann unser Folgeprogramm. Und ein feines Nachtessen im Restaurant Baake in Tating. Hier werden Tapas auf friesische Art serviert. Und die heissen eben nicht Tapas, sondern „Friesen-Happen“. Nette Idee, cool umgesetzt!

 

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Donnerstag, 13. Juli 2017: Nordsee-Ferientag

Wettermässig lässt der Morgen einiges zu. Es ist bedingt schön, luftet aber „wie Sau“. Wir springen aus den Federn und unternehmen eine gemeinsame Jogging-Runde zum Leuchtturm. Die rund 4.2 Kilometer auf dem Deich zum Leuchtturm stellen an sich keine grosse Herausforderung dar. Anspruchsvoller gestalten sich die gleichen 4.2 Kilometer beim Retour-Lauf. Jetzt gesellt sich zur Distanz noch der böige Wind. Der gibt zuweilen alles, so dass man wirklich fast nicht vom Fleck kommt. Wir kämpfen uns durch, gehen zum Hotel, wo wir uns „regenerieren“ und frühstücken gehen. Auf der Terrasse unseres Zimmers steht ein Strandkorb – natürlich ein Nordsee-Strandkorb mit grader Seitenpartie. Wir fläzen uns da rein, lesen und schreiben Tagebuch.

Die Sonne macht Lust auf Meer. Also los – Badehose einpacken und auf zum Strand. Der Strand von St. Peter Ording ist 12 km lang und bis zu 2 km breit, er besteht aus fünf Badestellen-Abschnitten. Alle Badestellen haben Restaurants in Pfahlbauten, Sanitäranlagen und gaaanz viele Strandkörbe. Die Pfahlbauten am Strand haben eine hundertjährige Tradition. Ein erster Pfahlbau hiess ganz offiziell „Giftbude-Erfrischungshalle“. Der Begriff „Gift“ hatte aber eine andere Bedeutung. Er wurde aus dem Plattdeutschen abgeleitet von „dort gift dat watt“ (dort gibt es etwas), nämlich (vermutlich) Schnaps.

Jo und was nu? Strandlaufen! Und diesmal geht's südwärts. So herrlich entspannend. Wir laufen, laufen und laufen im Wasser (die See ist heute gefühlt kälter als am Dienstag), im Schlick und im Sand – mal gibt's was zu besprechen, mal laufen wir minutenlang schweigend Seite an Seite und geniessen das beschauliche Strandleben. Denn hier hat es im Gegensatz zu den Badestellen fast keine Leute. Aber auch hier zeigt sich, dass man aufmerksam sein muss. Denn wie wir so dem Strand entlang schlendern, stellen wir plötzlich fest, dass zwischen uns und dem eigentlichen „Festland-Strandufer“ ein Priel liegt. Priele sind schmale Wasserläufe, die auch bei Ebbe nicht oder nur teilweise trockenfallen. Und eine der Wattwande-Regeln lautet: „Keinen Priel zwischen sich und dem Land lassen. Priele laufen bei Flut zuerst voll und schneiden dann den Rückweg ab.“. Zweimal kommen wir vom „richtigen“ Weg ab. Die Priele sind aber nicht sehr tief, so dass wir sie durchwaten können. Aus unserem Plan, zum Restaurant Seekiste zu gelangen, um dort Kaffee und Kuchen zu geniessen, wird nichts, da auch dieser Strand Teil durch einen Priel getrennt ist. Diesmal aber ein breiter und vor allem tiefer Priel.

Wir kehren um und treffen gegen 17.00 Uhr an „unserer Badestelle Bad“ ein. Auf dem Weg ins Dorf sehen wir von der Seebrücke aus noch ein Reh.

Hotel, duschen, umziehen, kleines Apéro und dann brechen wir auf, um zu Fuss nach SPO-Dorf zu gelangen. Dort ist nämlich jeden Donnerstagabend Strassenfest – eine Art Abendverkauf. Die meisten Geschäfte sind bis 22.00 Uhr geöffnet, es hat viele Verpflegungsstände, gibt Musik und ist einfach ein gemütliches Treiben. Wir holen noch rasch unsere Armbänder ab, die wir am Vortag bei Boy Jöns gebastelt haben und gehen anschliessend in der La Trattoria Abend essen. Zu Fuss geht's zurück zum Landhaus an der Dün.

Beide stellen wir an diesem Tag einen neuen Fitbit-Schritt-Rekort auf. Jedes von uns ist heute über 40'000 Schritte gegangen (Martin rund 43'000 und ich 46'000 „getippelt“).

 

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