Morning has broken, like the first morning ….. brrrrrrrrrmmmmmmm ….. 06.10 Uhr: die ersten Brummis queren die Polizeikreuzung in Prenzlau, DER Kreuzung in Prenzlau. Guten Morgen! Wenigstens ist das Wetter perfekt (Nachtrag: um 6:00 war es wirklich noch schön…). Und da aus Lärmgründen nicht mehr ans Weiterschlafen zu denken ist, feilen wir den Schönwetterplan für unseren Tag aus. Hier nun also die Highlights des heutigen Tages.

Auf dem Verdauungsspaziergang am Vorabend haben wir hinter unserem Hotel und der vis-à-vis liegenden Polizeikaserne einen kleinen Park entdeckt. Diesen nutzen wir heute Morgen für ein leichtes Footing. Der Park ist nahezu leer. Leichten Schrittes geniessen wir die morgendliche Frische des Tages. Bevor wir nach dem Jogging zum Hotel zurückkehren, schauen wir uns noch das Denkmal, das sich im Park befindet, in Ruhe an. Schon beim Laufen ist es uns mit den grossen am Hauptpfeiler des Denkmals befestigten Sternen aufgefallen. Das Denkmal erinnert an die rund 345 russischen Soldaten, die gegen Ende des Zweiten Weltkrieges in der Nähe von Prenzlau gefallen sind.

Zurück im Hotel: duschen, frühstücken, packen und los geht’s nach Gramzow, wo wir uns das Klein- und Privatbahnmuseum anschauen gehen. Durch einen Bericht in der TV-Serie „Eisenbahn-Romantik“ (eine Sendung für Extrem-Bahn-Freunde) über das Eisenbahnmuseum im Gramzow bzw. einer Dampfzug-Fahrt von Gramzow nach Damme sind wir überhaupt auf die Uckermark aufmerksam geworden und jetzt hier in den Ferien. Das Eisenbahnmuseum ist rasch gefunden und mit dem ersten Regen des Tages starten wir ins Openair-Eisenbahn-Museum (Martins Motto: Es regnet und wir haben schlechtes Wetter, also gehen wir ins Museum.). Wir erleben Eisenbahn-Romantik pur: Dampfloks, Eisenbahnwagen von 1. bis zur Holz-Klasse, DDR-Triebwagen (die den Übernamen „Ferkeltaxen“ trugen, weil darin alles u.a. auch Schweine transportiert worden sind), Güterwagen, ein Moped, das für die Fahrt auf Gleisen umgebaut worden ist, stellen Signale und nehmen gut aufbereitete Informationen aus den Bereichen Gleisbautechnik und deutsche Eisenbahngeschichte mit. Ich kann sagen, dass sich der Besuch dieser mit viel Leidenschaft und grossem Engagement aufbereiteten Ausstellung mehr als gelohnt hat. Hatten viel Spass. Und dann der Höhepunkt: Muss man aufs WC so wird einem der WC-Schlüssel ausgehändigt und die Fahrt zum etwas 200 m entfernten WC kann man per Handhebeldraisine unter die Räder nehmen. Das lassen wir uns nicht entgehen. Wir draisinelen zum WC und anschliessend erleichtert wieder zurück.

Heute haben wir einen richtigen Aprilwetter-Tag erwischt. Nach heftigem Regen scheint wieder für einen Moment die Sonne. Wir setzen die Reise fort in Richtung Schöneberg. Dort wollen wir zur Firma „Weidekorb“ von Ottmar Bleske. Er stellt – wie der Firmennamen es schon verrät – Weidenkörbe her. Interessiert sind wir vor allem an der Kalit. Die Kalit ist ein Spankorb mit Deckel nach alter Tradition gefertigt. In früheren Zeiten nahmen die Landwirte in der Uckermark in der Kalit ihr Essen mit aufs Feld. Mit Navi und sachdienlichen Hinweisen der gesamten Dorfbevölkerung finden wir den Korbmacher.

Wir fahren direkt vor sein Wohnhaus, als er gerade aus seinem „Budeli“ herauskommt. Wir begrüssen uns, wir sagen ihm warum wir hier sind und schon sind wir mitten in einem angeregten Gespräch. Nachdem er uns sein wunderschönes Heim mit vielen Obst- und Nussbäumen, einem grossen Garten und einer kleinen Weiden-Plantage gezeigt hat, lädt er uns zu einer Tasse Kaffee und Marmeladenbrote mit selbst gemachtem Pflaumenmus und Erdbeer/Kirsche-Gonfi ein. Er erzählt von früher, dem Leben in der DDR und wir unterhalten uns über dieses und jenes der heutigen Zeit. Mitten im Gespräch beginnt es stark zu regnen, plötzlich geht der Regen in Hagel über. Innert kürzester Zeit ist die Wiese vor dem Haus komplett weiss. Die Zeit vergeht im Nu. Ach ja, wir wollten ja eine Kalit kaufen. Er zeigt uns sein Lager und wir kaufen am Schluss Kalits in allen drei Grössen und noch einen Korb für in unsere Küche. Bevor wir losfahren, fahren wir mit Herrn Bleske noch zu einem Aussichtspunkt auf den Richterberg ganz in der Nähe. Von dort haben wir einen phantastischen Blick auf die Hohenstaaten-Friedrichsthaler-Wasserstrasse und das Untere Odertal. Wir hätten diesen tollen Flecken nie selbst gefunden (der Weg zum Aussichtspunkt führt noch halb durch einen privaten Garten). Wir fahren Herrn Bleske zurück zu seinem Haus . Es ist inzwischen bereits kurz vor 17.00 Uhr.

Eigentlich wollten wir ja um 16.00 Uhr im Auto sein, da wir im Radio unbedingt die Feierabend-Sendung vom Freitag anhören wollten. Der Sender Ostsee-Welle hat uns mit seinem guten Sound während der letzten Tagen begleitet. Jeweils um 16.00 Uhr wird der Feierabend zelebriert. Dies u.a. mit einem heissen Musik-Mix von Enrico Ostendorf (vermutlich wurde er in Anlehnung an Erich Honecker eigentlich auf den Namen „Erich“ getauft … aber das ist natürlich nur eine Vermutung). Tja, nun haben wir den Freitag-Feierabend-Mix verpasst. Aber der Grund, der dazu geführt hat, ist ein guter.

Später als eigentlich geplant programmieren wir unser Navi mit der Adresse des Schiffshebewerks in Niederfinow. Um ca. 18.00 Uhr kommen wir dort an. Das Besucher-Infozentrum ist nur bis 18.00 Uhr geöffnet. Tja, daür hatten wir leckere Marmeladenbrote …

Wir begeben uns direkt zum Hebewerk und haben Glück: Kurzerhand wird das rund 2.5 m tiefe, 86 m lange und 12.5 m breite Becken herunter gefahren und ein Schrotthändler-Schiff fährt in den Trog hinein, um anschliessend 36 m in Höhe gehievt zu werden und dann die Reise im höher liegenden Fortsetzungs-Teil des Kanals weiterführen zu können. Eindrücklich. Ein neuer Regenschauer bringt nun definitiv die Kühle. Wir essen noch was richtiges zum Abendessen (Thüringer Rostbratwurst, Sauerkraut und Salzkartoffeln mit Petersilie). Danach machen wir uns auf die letzte Etappe des heutigen Tages mit dem Tagesziel Lychen. Die Fahrt verläuft ruhig und ohne Überraschungsmomente. Um 20.30 Uhr treffen wir beim Seehotel Lindenhof in Lychen ein und beziehen ein schönes Appartement im zweiten Stock mit Schlafgalerie. Das Seehotel Lindehof liegt in einzigartiger Lage auf einer 30’000 m2 grossen Halbinsel im Wörlsee am Rande der Stadt Lychen. Wir richten uns ein wenig ein, da wir hier zwei Nächte verbringen werden, schreiben Tagebuch und freuen uns auf eine erholsame Nacht – dieses Mal bei offenem Fenster.

 

Statistisches: 214 km