Questo testo in italiano

Heute hiess es Abschied nehmen von Sizilien. Nach dem Frühstück und auschecken fuhren wir mit dem Autobus vom Hotel zum Bahnhof. Die Fahrt verlief so rasch, dass wir rund eine halbe Stunde zu früh am Bahnhof waren. Auch heute konnte man sehen, dass es ein schöner und warmer Tag geben wird.

Pünktlich fuhr unser Zug in Catania ab und wir hatten bequeme Fensterplätze mit Sicht aufs Meer. Kurz vor Messina hat das Wetter umgeschlagen und es begann zu regnen. Die Fahrt führte uns weiter nach Messina, wo der Zug auf das Fährschiff Scilla verladen wurde. Die Fahrt über die Meerenge dauerte nicht lange, vielleicht eine dreiviertel Stunde und wir begaben uns nur kurz auf Deck. Der Komfort und das Gastroangebot auf der Fähre luden sowieso nicht zu einem Verweilen auf Deck ein. Da die Überfahrt nur kurz war, gab es auch keine Buffets, wie man dies z.B. auf den Fähren zwischen Dänemark und Deutschland vorfindet.

Nach Ankunft der Fähre in Villa San Giovanni wurde der Zug wieder ausgeladen und zusammengestellt. Trotz der bisher pünktlichen Fahrt schafften es die Bähnler, den Zug mit 10 Minuten Verspätung abfahren zu lassen. Übrigens sassen wir mit einem pensionierten Trenitalia-Eisenbahner (Sizilianer, der aber auch schon Mal an der Linie rund um Tirano gearbeitet hat und zum Schluss seiner Karriere Capo Stazione in Pisa Centrale war) sowie einen Italiener, der viele Cousins in Bern hat, gemeinsam im Abteil (Letzterer hörte Musik auf seinem „Sony-Walkman“ Ältere Leser dieses Berichtes erinnern sich, was das ist 🙂 ). Aber die beiden schliefen oft. So eine Zugfahrt in Italien könnte übrigens interessant für Studien in Zusammenhang mit verwendeten Klingeltönen bei Mobiltelefonen sein. Die Italiener sind als sehr kommunikativ bekannt und machten von den Mobiltelefonen sehr oft und laut Gebrauch. Ich denke, dass man mit dem entsprechenden Klingelton dem Umfeld mitteilen will, was man ist. Oder was man sein möchte. „The eye of the Tiger“ aus Rocky I des rund 70 jährigen Mannes passt irgendwie nicht. Und auch nicht das schnittige Musikstück aus einer Rossini-Oper passte irgendwie nicht zum apathischen Mann im Abteil hinter uns. Der Mann wurde übrigens fast die ganze Zeit von seiner mitteilungsbedürftigen Frau zugetextet. Sie hörte nur auf mit sprechen, um kurz Luft zu holen. Er konnte nur noch mit „sisi“ oder „maaaaaa“ antworten. Am meisten Anrufe hat übrigens der Besitzer des „Nokia Standard Tunes Nr 8“ erhalten.

Ich habe den Klingelton meines Handys auf „laut“ gestellt, um ein bisschen als Einheimischer zu wirken. Aber mich hat niemand angerufen… 🙁

Die Fahrt auf dem Rist des Stiefels führte mehrheitlich am Meer entlang und bot eine fantastische Aussicht. Das Wetter war wechselhaft, von Starkregen bis üppig Sonnenschein hatten wir alles. Heute führte auch eine Etappe des „Giro d’Italia“ durch diese Gegend und vom Zug aus konnten wir die Werbefahrzeuge des Giro-Tross und einige Fahrer erkennen. Aber das ging natürlich huschhusch.

Unterwegs genossen wir die Landschaft, oder schauten Filme auf dem iPad. Zur Vorbereitung auf die Reise habe ich kürzlich „Ein Sommer in Amalfi“ aufgenommen und den habe ich nun geschaut. Dieser Spielfilm wurde kürzlich auf dem ZDF ausgestrahlt und handelte von einer Deutschen, die in Amalfi einen Reiseführer über Amalfi schreiben wollte und sich in einen Italiener verliebte. Ganz schlechtes Kino also, und auch die Bilder zeigten sehr wenig von Amalfi – vielleicht grad die grosse Treppe zur Kirche, aber sonst… Speziell war, wenn die Italiener gesprochen haben. Um es für das deutsche Fernsehpublikum verständlich zu machen, mussten sie gebrocken Deutsche sprecken, damit der Zuschauer von die Deutscheland auck verstehen wase gesprocken wirde. In der Hauptrolle als italienischer Gigolo sah man Carlos Leal, den man von der Cablecom-Werbung kennt. Ok, der at ja schone die Dialeggt. Und er hat sogar mit seiner (Film-) Tochter deutsche gesprocken, wasse woll in die Realà nie so passire wirde.

Unsere Strecke:

In Salerno verliessen wir den Zug und die schon fast lieb gewonnenen Mitreisenden. Das Programm sah nun vor, dass wir mit dem Bus über Amalfi nach Sorrento fahren wollten. Zuerst mussten wir den Billettverkauf suchen, den wir aber zum Glück rasch fanden. Wir fanden auch die Abfahrtsstelle des Busses und fuhren pünktlich in Salerno ab. Die Fahrt nach Amalfi geht der Küste entlang und sie gehört zu den „Traumstrassen der Welt“. Und sie ist atemberaubend! Die Strasse ist hoch über dem Meer und ist nicht sehr breit. Irgendwie hat man das Gefühl, dass der Bus irgendwann die Wand berühren muss oder ein entgegenkommendes Auto touchiert. Aber scheinbar reicht es immer, es bleiben immer noch ein paar Zentimeter übrig. Und scheinbar gibt es einen Hupcode, von dem unser Chauffeur oft Gebrauch macht:

  • 1x hupen: danke, dass du mich vorbeigelassen hast
  • 2x hupen: Ciao Bella, come va? (wird höchstens bei Damen angewendet, die jünger als 25 Jahre alt sind)
  • 3x hupen: ich komme um die Kurve, macht Platz!
  • 4x hupen: hee, hast du mich nicht gesehen? Geh jetzt aus dem Weg!
  • 10x hupen: Mann, das gibt es jetzt aber nicht! Schon mal auf einer Bergstrasse gefahren? Bist du Holländer?

Bei ganz gefährlichen Kurven bekreuzte sich der Fahrer und hat um himmlischen Beistand gebeten. Dies ist hier in der Gegend so was wie eine Vollkaskoversicherung.

Nach 90 Minuten Fahrt sind wir in Amalfi angekommen.

Fahrt nach Amalfi:

 

Für mich war es eine Rückkehr: ich war 2001 mit meiner frisch angetrauten Frau auf Hochzeitsreise in diesem Städtchen und wir haben es sehr genossen. Es hat sich nicht viel verändert seither.

Die Confiserie neben der grossen Kirchentreppe ist genau noch am selben Ort wie die Gelateria, wo wir wunderbarstes Eis mit Walderdbeeren genossen haben.

Diese beiden Orte waren auch unsere Ziele in Amalfi.

Viel Zeit hatten wir nicht, da eine halbe Stunde später bereits der Anschlussbus nach Sorrento fuhr. Um 18:15 fuhr aber kein Bus, auch wenn der vor einer Woche im Internet ausgedruckte Fahrplan uns glauben machen wollte, dass um 18:15 kein Bus fuhr. Ein Angestellter der Busfirma machte uns mit ein paar typisch italienischen Handzeichen und einem Wortschwall, dem ich „Maaaa“, „cheeeeee“ und „non che und autobus per Sorrento alle sei e quarto“ entnehmen konnte. Also, das Internet lügt und der nächste Bus ist um 19:00 Uhr. Wir machten nochmal einen Rundgang durch das Städtchen und waren 20 Minuten vor der geplanten Abfahrt an der Haltestelle. Zum Glück, denn wir haben noch die letzten Sitzplätze erhalten, ganz hinten auf der Bank.

Der Bus nach Positano und Sorrento war proppenvoll und die Strasse ging genau gleich abenteuerlich weiter. Wer mal in der Gegend ist, soll € 7.10 aufwerfen und diese Fahrt unter die Räder nehmen. Aber nicht selber fahren. Denn dies ist Stress pur.

Kurz vor 21:00 Uhr waren wir dann in Sorrento, suchten unser Hotel (welches wir auch fanden) und gingen noch auf ein Bier raus. Morgen gehen wir nicht so früh aus den Federn, wir lassen es wohl Tag werden.

Der Tag aus Jürgs Sicht