Bereits noch im Bett liegend, hören wir den Wind um die Hausecken pfeifen. Es stürmt nicht schlecht hier an der Nordseeküste. Da kommen einige Beauforts zustande. Wir sind standhaft und nehmen die luftige Tagesherausforderung an. Aufstehen voller Tatendrang. Um 08.10 Uhr stehen wir im gemütlichen Frühstücksraum unseres Hotels. Wir sind die ersten: The winner is Martin Zeller, Switzerland! Spassvoll freut sich mein lieber Mann ob diesem Erfolg, den er genussvoll mit einem Fisch-Frühstücks-Schnousiteller krönt. Nach dem Frühstück begeben wir uns zu Fuss nach SPO Dorf. Nach ungefähr einer halben Stunde Spaziergang treffen wir beim Autovermieter ein, wo wir unser Mietauto für die nächsten drei Tage beziehen. Diesmal einen Peugeot 5008 in grau.

Auf direktem Weg machen wir uns auf Richtung Eidersperrwerk. Nach rund 20 km treffen wir bei diesem imposanten Bauwerk ein. Wir parken das Auto und stellen dabei fest, dass die Hubbrücke bei der Schleuse geöffnet ist, d.h. gerade ein grösseres Schiff am Schleusen ist. Schnell abgurten, Autotüre auf und … zack wuchtet der Wind mit voller Kraft die Türe bis zum Anschlag auf. Hoppla, zum Glück stand direkt neben dran kein Auto. Mütze, Schal und gute Jacke montiert und los geht's. Wir kämpfen uns durch den Wind, was nun wirklich nicht ganz so einfach ist. Die Windböen stemmen sich gegen alles. Eine echte Wucht. Als Reaktion auf die verheerenden Folgen der großen Sturmflut 1962 wurde von 1967 bis 1973 das Eidersperrwerk an der Mündung der Eider gebaut. Der zum damaligen Zeitpunkt grösste Dammbau Europas reguliert bis heute über fünf gewaltige, 40 Meter breite Sieltorpaare den Wasserstand zwischen dem Fluss „Eider“ und der Nordsee. Das in seiner Technik und in seinen Ausmassen beeindruckende Bauwerk besichtigen wir zu Fuss.

Auf den seitlichen Auslegern des Sperrwerks haben Hunderte von Meeresschwalben ihre Brutplätze eingerichtet. Ein konstanter Pegel an Krähen und Kreischen vermischt sich den konstanten Windgeräuschen. Als wir vom Ausflug auf die andere Seite des Sperrwerks zurückkommen, luftet es uns buchstäblich fast fort… Teilweise fällt das Einatmen schwer, so stark drückt sich einem der Wind ins Gesicht. Husch, husch zurück ins Auto. Als Belohnung drückt nun die Sonne etwas durch. Wir setzen unsere Reise fort. Vorbei an endlos gelben Rapsfeldern, grasenden Deichschafen, durch schmucke kleine Dörfer geht's durch durch die topfebene Landschaft.

Wir „schläcken“ von den feinen Nordseebär-Gummibärli in Erbeer/Kirsche. Unser Weg führt uns weiter nach Friedrichskoog zur Seehunde-Station.

Nach einigen Umleitungs-bedingten Irrwegen treffen wir kurz vor 14.00 Uhr dort ein. Rasch ein Ticket gekauft und eingetreten, denn um 14.00 Uhr ist Seehunde-Fütterungszeit. In der 1985 gegründeten Seehundstation Friedrichskoog e.V. kann man sich das ganze Jahr hindurch über Seehunde und andere heimische Meeressäuger, ihre Biologie, Gefährdungen und Schutzmassnahmen im Lebensraum Wattenmeer informieren. In einem naturnah angelegten Beckensystem können Seehunde an Land und unter Wasser beobachtet werden. Von einem rund 17 m hohen Turm, den wir ebenfalls erklimmen, hat man zudem einen Blick über die gesamte Station, den Hafen und hinaus ins Wattenmeer. Die Seehundstation ist die einzig autorisierte Aufnahmestelle für verlassen oder erkrankt aufgefundene Robben in Schleswig-Holstein. Ein interessanter Besuch, den wir sehr geniessen, obwohl wir uns fast den Allerwertesten abfrieren. Bei einer Tasse Kaffee wärmen wir uns wieder auf, bevor wir die Heimreise antreten.

Für den ersten Teil der Rückreise wählen wir verlassene Überlandstrecken. Die dafür benötigte Mehrzeit lohnt sich, sehen wir doch tatsächlich einen Fasan. Wie fast bei allen Vogelarten fällt auch hier der Fasan-Hahn durch sein farbenprächtiges Gefieder und seine stark verlängerten Schwanzfedern auf. Da uns auf der schmalen Strasse ein Auto entgegen kommt, reicht es nur noch ganz knapp für einen Schnappschuss des Hühnervogels.

Um so fotomodelliger zeigen sich die Feldhasen – wenn auch zugegebenermassen sehr aufgeregt. Wir freuen uns aber sehr ob den Aufnahmen der beiden Mümmler. Wir kommen zügig voran und treffen gegen 18.00 Uhr – nach einem kurzen Mineralwasser und Pick-up Shopping – beim Hotel ein. Von dort machen wir uns auf den Weg ins Friesen-Café, wo wir uns ein Fischlein gönnen. Bei Martin ist es heute Abend Scholle (die sahen wir am Montag noch im Sand eingegraben) und bei mir Rotbarsch. Der kurze Spaziergang vom Restaurant zum Auto verläuft in frostigem Rahmen. Es ist noch rund 11 Grad Celsius und der Wind weht unablässig stark böig. Rasch, rasch nach Hause ins Hotel. Aufs Zimmer nehmen wir noch einen Latte Macchiato mit. Die sind hier im Hotel sensationell gut. Den Abend verbringen wir mit Lesen (Buch und Zeitung „Die Welt“ und iPadlen. Die Wetterprognose für morgen verspricht etwas mehr Sonne aber auch unablässig Wind. Mütze, Schal und Handschuhe werden auch morgen wieder zum Einsatz kommen. In stiller Vorahnung haben wir diese schon von zuhause mitgebracht. Allenthalben sieht man jetzt Feriengäste mit blauen oder schwarzen Strickmützen mit dem eingestickten Text „Schietwetter“, die man hier in jedem zweiten Laden kaufen kann. Die Frage nach dem „Warum“ erübrigt sich. Der Text … wohl wahr.