Es braucht viel „Spass an der Freud“, um 4:30 morgens aufzustehen, zu duschen und dann im fast menschenleeren Bahnhof Villach Hbf den Zug zu besteigen. Was sag ich, den Zug? DEN Zug! Eurocity 172 „Vindobona“ (lateinisch für Wien, ave Cäsar) von Villach Hbf nach Hamburg-Altona, über Klagenfurt, St. Veit an der Glan, Leoben Hbf, Bruck an der Mur, Wiener Neustadt Hbf, Wien Meidling, Wien Simmering, Breclav, Brno h. n, Ceska Trebova, Pardubice hl. n., Kolin, Praha hl.n., Praha-Holesovice, Usti nad Labem hl. n., Decin hl. n., Bad Schandau, Dresden Hbf, Dresden-Neustadt, Berlin Südkreuz, Berlin Hbf (tief), Berlin-Spandau, Wittenberge, Ludwigslust, Büchen, Hamburg-Bergedorf, Hamburg Hbf und Hamburg Dammtor. 16h22 genussreiche Fahrt durch 3 Länder und deren Hauptstädte. Wie gesagt, es braucht ein bisschen „Spass an der Freud“, um das zu machen. Der EC Vindobona ist die wohl längste Zugverbindung Europas (ausser Russland) – und wird zum Fahrplanwechsel im Dezember umgestellt. Wir haben als quasi die letzte Chance auf einen solchen Trip, und die nutzen wir.

Es war wirklich noch früher Morgen, als wir zum Bahnhof gingen. Der Zeitungsverkäufer, der den „Kurier“ an den Mann bringen wollte, und das Zugpersonal sowie ein paar Kunden waren die einzigen Personen, die wir zu Gesicht bekamen. Wir wählten für die Reise ein Abteil „Business“, was den Vorteil hatte, dass dieses nur 4 Plätze hatte und wir so gut wie ungestört im Abteil sitzen konnten. Nachdem wir uns eingerichtet hatten und der Kontrolleur unsere „Fa-scheeeeeein bitte“ gesehen hatte, kam die Dame aus dem Speisewagen (welcher grad neben unserem Wagen eingereiht war) und wir konnten das Frühstück bestellen. Der Caterer auf den österreichischen Zügen heisst übrigens „Henry am Zug“, ein Firmenname, welcher uns noch öfters zum Schmunzeln brachte (wenn nun das Frühstück von einer Frau serviert wird, dann ist dies wohl die „Henriette“?). Das Frühstück schmeckte ausgezeichnet und war eigentlich recht üppig, und während dem Essen genossen wir den erwachenden Tag, die Blicke über den Wörthersee und die Landschaft ganz allgemein. Zu erwähnen ist natürlich noch, dass der Zug in Villach pünktlich abfuhr und diese Perfomence aber nicht mal bis zum ersten Halteort einhalten konnte. Die Minuten läpperten sich zusammen und schlussendlich fuhren wir in Bruck an der Mur mit 25 Minuten Verspätung ab. Uns konnte das ja egal sein, solange der Zug bis Hamburg Altona durchfuhr…

Wir tingelten durch die Lande und irgendwann kamen wir nach Wien Meidling (1. Hauptstadt der Fahrt). Nach dem Halt im Bahnhof gings durch den Rangierbahnhof, wo wir anhielten und neue Ware für den Speisewagen aufnahmen. Für mich eine Premiere, dass man einen ao Halt macht um die Biervorräte wieder aufzufüllen. Der, der das Bier brachte, hiess wohl auch Henry, und der war somit mit den Bieren am Zug. Österreich verliessen wir mit 47 Minuten Verspätung und fuhren in die Tschechein ein. Dies war für uns das Startsignal fürs Mittagessen. In den Speisewagen mochten wir nicht sondern liessen uns das Essen ins Abteil servieren. Gemüse-Curry für die Dame, Frikadellen und Härdöpfelstock für die Herren. Und dazu ein Tschechisches Bier aus Budweis, eben ein Budweiser. Dieses Bier wurde in der Tschechei gebraut, nach Österreich exportiert, von Henry im Rangierbahnhof eingeladen und wieder in die Tschechei eingeführt.

Die Tschechen gaben sich grosse Mühe und der Zug hatte nach einem geplanten Lokwechsel in Prag (2. Hauptstadt der Fahrt) noch 28 Minuten Verspätung. Weiter ging es der Elbe entlang und nach Decin erreichten wir Deutschland. Bis vor Dresden konnten wir hier die spektakuläre Gegend des Elbsteingebirges bewundern, mit den wunderschönen Felsformationen, den tollen Dampfschiffen auf der Elbe und auch den etlichen Burgen. Höhepunkt dieses Sightseeings war die Bastei, welche oberhalb des Kurorts Rathen von Menschen geschaffen in den Fels gehauen wurde.

In Dresden gab es einen erneuten Lokwechsel, und trotz diesem betrug die Verspätung noch 7 Minuten. Nach dem Bahnhof Dresden fährt man über die Elbe und hat eine wunderbare Sicht auf die architektonischen Highlights dieser Stadt, wie z.B. die Frauenkirche. Anschliessend ging die Fahrt durch die Pampa Richtung Berlin Südkreuz (3. Hauptstadt der Fahrt), wo wir tatsächlich 6 Minuten zu früh ankamen. Die Pünktlichkeitswelt war spätestens jetzt wieder in Ordnung, wenn sie denn überhaupt aus den Fugen war… Danach gings wieder über Land, vorbei an sattgrünen Feldern, deren junges Korn mit dem Wind tanzte und ein bezauberndes Bild abgab. Begleitet wurde das Naturschauspiel von Rigatoni oder einer Ingwer-Karotten-Suppe mit Thunfisch-Sandwich, der 3. Mahlzeit, welche wir uns im Abteil servieren liessen. Wie der lonesome Cowboy ritten auch wir dem Horizont entgegen mit seinem Sonnenuntergang, bis Hamburg-Altona, bis zur endgültigen Endstation unseres Zuges.

Unser Hotel, das Intercity-Hotel, war beim Bahnhof gleich um die Ecke, und unsere Zimmer warteten schon auf uns. Bevor wir jedoch zu Bett gingen, wollten wir noch einen Happen essen. Die Werbung von Subway hat uns 20 Min vor Ladenschluss in dieses Lokal gebracht, wo wir aber schon nicht mehr bedient wurden. „Wir machen heute früher zu. Aus betrieblichen Gründen.“ Aus betrieblichen Gründen? Halt das ist doch der Spruch der Eisenbahner… Ok, dann halt ab ins MacDonald. Ein Hamburger in Hamburg – das passt irgendwie…

So, nun mal die Knochen frisch büschelen und dann ins Bett fallen…

 

Woodys Tag, Teil 1, Teil 2