Mittwoch, 6. Juni 2018: Zu Besuch bei Räuber Hotzenplotz

Gestern habe ich geschrieben, dass die Autobahn an den Campingplatz grenzt. Dies hat mich jedoch nicht davon abgehalten, bis 7:45 Uhr zu schlafen. Ich funktioniere war offenbar sehr speziell: in der freien Natur wecken mich die Vögel um fünf, hat es aber eine Autobahn, schlafe ich bis kurz vor acht… Soll das einer noch verstehen!  

Nach dem Frühstück starte ich in den Tag: Ich fuhr nordwärts nach Bytom. Dort hat es ein besonderes Highlight aus strassenbahntechnischer Sicht: Auf der Linie 38 fährt das wohl älteste Tram Europas im Regelbetrieb: ein nach dem Krieg gebauter „Kriegswagen“. Aufgrund des Materialmangels nach dem Krieg sind diese Fahrzeuge sehr sparsam gebaut und weisen viel mehr Steh- als Sitzplätze auf. Ich fuhr zur Endstation „Friedhof“ und da kam diese historische Strassenbahn auch schon angezuckelt. Zu sagen ist, dass das Wetter für einmal unglaublich schön war, aber die Temperaturen erreichten 20° noch nicht. Nach diesem Ausflug zur Strassenbahn fuhr ich weiter Richtung Tschechien. In einem der letzten Dörfer in Polen brachte ich meinen Camper zu einer Lanzenwäsche, weil die Karre wieder aussieht wie… einfach schlimm. 

Tram in Bytom

Dann fuhr ich über die Grenze nach Tschechien. Als diese Gegend hier noch zu Deutschland gehörte hiess der erste Ort nach der Grenze noch „Hotzenplotz“. Und haben wir das Buch nicht alle mal gelesen? Ich ging aber nicht aus literaturtechnischen Gründen an diesen Ort sondern wieder wegen der Eisenbahn. Heute heisst der Ort übrigens Osoblaha. In Hotzenplotz hat die einzige Schmalspurbahn der tschechischen Staatsbahn ihren Ausgangspunkt und führt bis Třemešná ve Slezsku. Es war ein sehr interessantes Betriebsgeschehen zu beobachten: der ganze Zug bestand aus einer Diesellok und einem Personenwagen, einem Lokführer und einem Mann Zugpersonal. Und tatsächlich hatte es auch Kunden in diesem Zug! Wobei mindestens zwei ähnliche Nerds waren wie ich… 

Zug in Osoblaha

Ich fuhr weiter Richtung Norden. Dabei bemerkte ich eine ganz spezielle Sache: die Grenze zwischen Polen und Tschechien war fliessend. Ich wechselte den Staat sicher fünf mal – mal war ich in Polen mal in Tschechien mal umgekehrt… Teilweise merkte ich es nicht mal, sondern sah es erst auf meinem Navi, wenn wieder die zulässigen Geschwindigkeiten im neuen Land erschienen. Im Internet fand ich einen Campingplatz der eigentlich noch recht vernünftig tönte. Dieser befand sich quasi 1 m neben der Grenze in Tschechien. Ich fuhr diesen Platz an, schon leicht ermüdet, und der Platz war geschlossen! Dabei war ich so sicher dass der Platz offen war, weil auf Google noch Rezensionen geschrieben wurden, welche weniger als drei Wochen alt waren. Ich suchte im Internet einen neuen Platz und fuhr los. Das Navi dirigierte mich durch die Gegend. Plötzlich war eine vorgesehene Strasse wegen Bauarbeiten gesperrt und ich musste eine Umleitung fahren. Auf dieser Umleitungsstrecke sah ich einen Wegweiser zu einem Campingplatz: Camping Aktief. Ich fuhr diesen an und war eigentlich nicht erstaunt, wieder einen Holländer als Betreiber des Platzes vorzufinden. Mittlerweile war es gegen 19:00 Uhr. Er riet mir, zuerst im Nachbardorf Meziměstí essen zu gehen und dann das ganze Check-in zu machen. Ich fuhr wieder nach Meziměstí und ass im Restaurant Schweik ein feines und günstiges Nacht (übrigens werden hier um 20:15 die Stühle auf den Tisch gestellt und man wird gefragt, ob man vielleicht zahlen möchte…). Anschliessend wieder zurück zum Campingplatz wo ich eincheckte. Es hatte nicht viele Leute auf dem Platz, im Gegenteil es waren nur vier Fahrzeuge, davon zwei holländische, vor Ort. Der Platz war wieder sehr ruhig und ich war schon gespannt, wie lange dass ich morgen schlafen werde. 

Das Bier im Rest. Schweik war ein Helles gemischt mit einem Dunkeln. Bier Macchiato quasi…

 

Abgelegt in der Kategorie 2018,Polen,Sabbatical 2018,Tschechien Bisher keine Kommentare

Dienstag, 5. Juni 2018: K&K in Polen

Wenn es sich schon so ergibt, dass zwei grössere Städte quasi neben einander liegen, sollte man die auch beide besuchen. So ist das hier mit Krakau und Kattowitz, welche gerade mal knapp 70 km auseinander liegen. Ich verliess meinen guten Campingplatz und fuhr auf der Autobahn Richtung Kattowitz. Unterwegs hatte es noch ein Shopping Center, zu welchem ich einen Abstecher machte. Irgendwie sind weltweit alle Shopping Center gleich oder ähnlich. Auch dieses hätte irgendwo stehen können. Weisse Lindor-Kugeln kann man aber nicht in jedem Shopping Center kaufen…

Nach der Weiterfahrt gab es auch schon Niederschlag. Ich hoffe, der letzte für heute. Ich fuhr Richtung Kattowitz und erreichte den Camping 215. Offenbar sind die Campingplätze in Polen alle durchnummeriert (der in Krakau war die Nr. 103), und ich bin nun auf der Nummer 215. Der Platz hat im Internet sehr gute Rezensionen erhalten, aber es wurde immer wieder darauf hingewiesen, dass der Platz neben der Autobahn liegt. Tatsächlich ist der Platz wirklich sehr modern und sauber und die Autobahn, na ja, ist halt eben auch da. Als Bonus ist hinzuzufügen dass der Platz an einem See liegt. 

Schlesisches Museum

Nach Ankunft fuhr ich gleich mit dem Bus ins Zentrum. Zuerst musste ich um den See spazieren bis ich an der Haltestelle war. Allerdings wartete ich auf der falschen Seite, die Haltestelle in die korrekte Richtung war auf der anderen Seite der Strassenkreuzung in einer Entfernung von etwa 300 m… 

Im Vergleich zu Krakau ist Kattowitz keine „schöne“ Stadt. „Das Zentrum“ gibt es eigentlich nicht, oder ich habe dieses einfach nicht gesehen. Meine elektronischen Unterlagen sagten mir dass es genau zwei Sehenswürdigkeiten gibt: Zum einen das schlesische Museum und zum anderen die Christkönigskathedrale.Für mich als ÖV-Begeisterten hatte es aber noch eine weitere Sehenswürdigkeit: nachdem ich in Gmünden die kürzeste Strassenbahn der Welt besucht hatte, betreibt Kattowitz das grösste Strassenbahnnetz Europas. Insgesamt gibt es 31 Strassenbahnlinien mit einer Gesamtlänge von 200,6 km. Die Vielfalt der Fahrzeuge war recht interessant, es fahren auch Altfahrzeuge aus Deutschland und Österreich. 

Christkönigskathedrale

Bei der Kirche sass ich auf einer Bank und las ein wenig in meinem Buch. Dann ging ich in ein typisch polnisches Restaurant Nachtessen. Schließlich musste ich wirklich noch diese Pieroggen probieren bevor ich Polen verlasse. Ein grosse Herausforderung war anschliessend das Finden des richtigen Busses im Zentrum, der mich wieder zu meinem Campingplatz bringen sollte. Irgendwie brachte ich das aber auch auf die Reihe und fuhr wieder an meinen Platz an der Autobahn. Bevor ich auf den Bus ging kaufte ich in der Stadt am Markt, welche um diese Zeit noch geöffnet hatte, ein Schälchen Himbeeren, welche ich im Bus genoss.

Abgelegt in der Kategorie 2018,Polen,Sabbatical 2018 Bisher keine Kommentare

Montag, 4. Juni 2018: Krakau

Heute stand die Besichtigung von Krakau auf dem Programm. Da der Campingplatz ausserhalb der Stadt liegt, fuhr ich mit dem Bus ins Zentrum. Hier stieg ich um und fuhr weiter in ein Aussenquartier namens Wieliczka. Hier befindet sich das Salzbergwerk Wieliczka (deutsch Groß Salze), eines der ältesten und bekanntesten Salzbergwerke der Welt. Seit 1978 ist es UNESCO-Weltkulturerbe. Mit diesem Besuch habe ich mein 100. UNESCO Weltkulturerbe gesehen. Die Besuche liste ich auf dieser App auf, welche auch weitere Informationen zu den verschiedenen Orten vermittelt. Noch sind aber 972 UNESCO-Welterbestätten zu besuchen, erst dann ist die App voll… 

Gänge und Schächte untertags

Auch hier konnte man das Werk nur mit einer Führung besuchen. Da die deutsche Führung nur dreimal am Tag stattfindet, habe ich mich einer englischen Führung angeschlossen. Diese findet alle 30 Minuten statt. Zuerst ging es 330 Stufen in die Tiefe von dort weiter durch verschiedene Gänge, wo uns unser Führer die entsprechenden Angaben vermittelte. Er machte das auf eine Art, wie wenn er die Punkte bei dem European Song Contest ESC vergeben hätte – mit der gleichen Begeisterung und Monotonie in der Stimme und auch dem gleichen Osteuropäisch geprägten Englisch… 

Grosse unterirdische Kirche

Die Mine geht bis 135 m unter Grund (der besuchbare Teil). Sie bestand nicht nur aus Gängen und Schächten, sie hatte auch diverse grosse Säle mit Kirchen, Speisesälen und sonstigen Hallen. Jeden Sonntag Morgen um 7:30 Uhr findet eine Messe in 130 m Tiefe statt. Unregelmässig werden auch Konzerte in diesem exklusiven Ambiente durchgeführt. Mit dem Salz wurden auch verschiedene Skulpturen hergestellt, welche man besichtigen konnte. Nach rund 2 Stunden war die Führung beendet und ich kam wieder an die Oberfläche. 

Gwafi

Mit dem Bus fuhr ich wieder in die Stadt. Dort besichtigte ich zuerst das jüdische Viertel Kazimierz, welches heute ein sehr lebendiges Viertel ist mit vielen Lokalen und Geschäften. Hier fand ich auch einen fryzjer, der meine Haare und meinen Bart wieder in Form brachte. 

Hauptplatz

Anschliessend ging ich auf den grossen Hauptplatz welcher einen beeindruckenden gedeckten Markt hat und eine grosse Kirche. Auch hier hätte man durchaus einfach da sitzen können und den Leuten zuschauen können. In einem Restaurant um den Platz ass ich ein Nachtessen und ging anschliessend mit Tram und Bus wieder zurück zu meinem California..

Abgelegt in der Kategorie 2018,Polen,Sabbatical 2018 Bisher keine Kommentare

Sonntag, 3. Juni 2018: It Never Rains In Southern California

It never rains in Southern California. 

Dieses Lied kennen wir fast alle und es kommt einem immer wieder in den Sinn, wenn das Wetter schlecht ist. Zumindest mir ergeht es machmal so. Ich fuhr heute Morgen beim Campingplatz los und genau eine Stunde lang blieb es trocken. Dann begann es zuerst mit einigen Tropfen und dann schüttete es wieder. Aufgrund des Wetterberichtes für die nächsten Tage habe ich mich entschieden, die Slowakei zu verlassen, und in Richtung Polen zu fahren. Ich werde die nächsten Tage in Städte gehen, dort kann man sich auch bei schlechtem Wetter gut beschäftigen. Heute stand noch ein Besuch bei einer Waldeisenbahn auf dem Programm, welche auf der Strecke Richtung Polen lag. Wobei bei schlechtem Wetter machen solche Züge auch keinen grossen Spass. Zu sagen noch, dass diese Waldeisenbahn sehr gut unterhalten ist. Da diese ein nationales Objekt ist fliessen auch entsprechende Gelder und der Ausgangsbahnhof mitten im Wald sieht super aus. Ich beobachtete die Abfahrt eines Zuges und fuhr anschliessend nach Polen. Und wie es von einer Grenze abhängig wäre, wurde bei Grenzübertritt nach Polen das Wetter besser. Es hörte auf zu regnen, aber die Wolkendecke begleitete mich weiterhin. 

Waldeisenbahn

Ich wollte einen Stop in Zakopane machen. Diese Ortschaft kennt man vielleicht vom Sport, hier werden regelmässig Skisprungwettbewerbe durchgeführt. Der bekannte Skispringer Kamil Stoch kommt auch von hier. Das Städtchen war heute offenbar Anziehungspunkt für viele Leute, denn es gab keinen einzigen freien Parkplatz. Schade für mich, ich hätte gerne einen längeren Stopp in diesem Städtchen gemacht, so blieb es leider dabei, dass ich nur durchfuhr. Die Häuser hier sind in einem ganz speziellen Stil erbaut, dem so genannten Zakopane-Stil. Diese sehr speziellen Holzchalets wirken gefällig und sind quasi einheitlich im ganzen Städtchen so gebaut. Aber eben, leider konnte ich das ganze nur vom Auto aus sehen, weil es wie gesagt sehr viele Leute hatte, die unterwegs waren. 

Das hatte auch eine entsprechende Auswirkungen auf den Strassenverkehr. Der Verkehr lief zähflüssig, teilweise stand ich im Stau. Im Internet sah ich, dass ausserhalb Krakaus noch ein Eisenbahnmuseum ist, welches auch wieder am Weg lag. Das Wetter ist nun so gut geworden das ist mittlerweile einen blauen Himmel hatte und 27° C. Für einen Besuch eines Outdoor-Museums ist dies ideal, wenn nicht schon fast zu warm. Der Eintritt kostet acht Zloty, umgerechnet zwei Franken. Auf dem grossen Aussengelände standen etwa 50 Dampflokomotiven unterschiedlicher Grösse. Der grösste Teil davon war überhaupt nicht fahrfähig und hätte eher zu einem Schrotthändler gepasst als in ein Museum. Solche grosse Dampflokomotiven habe ich noch nie gesehen, die Triebräder der Loks waren teilweise grösser als ich selber. Viele Informationen konnte mir der Besuch aber leider nicht vermitteln da die Schautafeln ausschließlich in polnischer Sprache waren. 

 

Alteisenhandlung

Nach diesem Besuch fuhr ich Richtung Krakau zu einem der beiden Campingplätze. Die Lage des Platzes war ein wenig ausserhalb des Zentrums, in der Anflugschneise des Flughafens, aber sonst perfekt. Das Personal an der Reception zeigte mir, wie ich ins Zentrum komme und wo ich etwas essen kann. Ursprünglich habe ich geplant noch am Abend ins Zentrum zu fahren und dort zu essen, aber ich war zu müde und blieb im Quartier. In einem Restaurant ass ich was feines zNacht. Und mit einem grossen Bier hat das mich grad mal sechs Franken gekostet. Obschon ich müde war, ging ich noch nicht sofort ins Bett. Wie es so geht: plötzlich war es Mitternacht und ich stieg in den ersten Stock. 

Wer den Text des Liedes „It Never Rains In Southern California“ genau kennt weiss, dass nach dem Refrain auch die Liedzeile kommt:  „Es giesst, es giesst“. Und auch so kam es mir heute vor.

Abgelegt in der Kategorie 2018,Polen,Sabbatical 2018,Slowakei Bisher keine Kommentare

Samstag, 2. Juni 2018: Zwei Hobbies miteinander verbinden

Vor einigen Jahren ging ein Video rum, in welchem während einem Fussballspiel ein Dampfzug durch ein Fussballstadion fährt.

Dazu hat Watson noch einen tollen Artikel geschrieben, der mir auf dieser Reise in die Finger kam. Da dieses Cierny Balog grad ums Eck liegt (hmm, 80 km waren es schon…), war ein Besuch ein Must. Ein Fussballspiel sehen und idealerweise fährt noch ein Zug durch… Ein paar Google-Klicks ergab, dass der TJ Tatran Cierny Balog tatsächlich heute Nachmittag ein Spiel hat. Und wer weiss, vielleicht fährt ja dort wirklich ein Zug durch?

Bevor es zum Fussball ging, ging es noch um Kultur. Zuerst fuhr ich nach Levoča. Hübsches Städtchen mit wunderbarem Stadtkern, aber schlechtem Wetter… Ich war kaum 10 Minuten aus dem Auto, da begann es zu tröpfeln und dann zu schütten. Schade, ich hätte gerne in einem Strassencafé was getrunken und ein bisschen verweilt. Aber so war das nix. Also ein paar Kilometer weiter, zur Burg Spissky hrad, einem UNESCO-Welterbe. Diese Burg ist nicht mehr so gut erhalten wie andere Burgen, wirkt aber durch ihre Dimension und die Lage, protzig auf einem Kalkfelsen, sehr eindrücklich. Offenbar konnte sie nie von fremden Mächten eingenommen werden. 

Kirche ausserhalb von Levoča. Die gelbe Fassade kommt bei schlechtem Wetter gut zur Geltung

Ich hatte sofort einen Parkplatz und stieg in regnerischem Wetter auf die Burg Es hatte sehr viele Touristen, die sich diese Location mit mir ansehen wollten. Oben angelangt stellte ich fest, dass ich für die Besichtigung tatsächlich 8€ hätte bezahlen sollen, was mir zu viel war. Schliesslich wollte ich nicht die ganze Geschichte über mich ergehen lassen, sondern schnell nach oben, anschauen, und dann wieder weg. Also ging ich wieder den Weg runter zum Parkplatz. Schliesslich war ja noch Fussball auf dem Programm… Aber ob die bei diesem Sauwetter überhaupt spielen… Beim FC Weissenstein hätte der Platzwart dies nie zugelassen.  

Spissky hrad

Die Strasse führte durch Wälder, über Pässe und Felder. Und tatsächlich kam ich irgendwann in dieses Cierny Balog. Der Regen hatte noch nicht aufgehört, und ich sah schon mal den Bahnhof dieser Dampfbahn, die da durchs Stadion fahren soll. Von Cierny Balog aus fährt die Schwarzgranbahn, wie sie heisst, auf drei Strecken touristischen Verkehr. Ich lümmelte ein Wenig im Bahnhof rum, es kam ein Dieselzug von der Nordstrecke an und plötzlich kam ein Dampfzug von der Westseite. Und wenn meine Google-Maps-Recherchen richtig waren, dann wäre dieser Zug ja durchs Stadion gefahren… Ich ärgerte mich einen Moment, dass ich meine Zeit schlecht eingeteilt hatte und fuhr Richtung Stadion. Und die spielten tatsächlich! Es war grad Pause, das Heimteam führte 3:0 und ich ging ebenfalls ins Stadion. Schon witzig, vor der Haupttribüne noch Gleise zu sehen.

Halbzeitpause

TJ Tatran war stark, und beim Stand von 5:0 bin ich wieder gegangen. (Matchtelegramm siehe hier. Die haben dem Gegner ein Stängeli angehängt. Jakub Kvietok muss nach seinen 4 Toren bei Wuschu Spycher ein Thema für die nächste Saision sein!). Zug fuhr heute keiner mehr und ich habe es somit verpasst, einen Zug durchs Stadion fahren zu sehen. Aber ab der Schweiz sind es ja nur 1000 km bis man dort ist…

Weiter gings Richtung Norden nach Turany zum Camping. Dieses Camping lag am Rande eines Naturparks und war wegen dem Wochenende ziemlich voll. Aber Cali und ich fanden noch ein Plätzchen. 

Abgelegt in der Kategorie 2018,Sabbatical 2018,Slowakei Bisher keine Kommentare

Freitag, 1. Juni 2018: Hohe Tatra

Gestern Abend, also nach Redaktionsschluss des „Umereise“-Blogs, sah ich, dass sich die Wolken verzogen hatten. Und da zudem auch Vollmond war, hat sich eine gute Fotogelegenheit ergeben. Das Resultat möchte ich euch gerne zeigen:

TatraLichter.jpg

Tatra-Lichter


TatraNacht.jpg

Tatra in der Nacht

 

Schweizer Zug in Štrba

Nach einer foto-/wetterbedingt kurzen Nacht stand ich bereits nach 8 Uhr am Bahnhof von Štrba. Dieser lieg an der Hauptlinie Bratislava – Kosice und ist auch Ausgangspunkt der Bergbahn nach Štrbské Pleso. Die Bergbahn wurde 1970 eröffnet, nachdem schon bis 1932 eine bestanden hatte. Grund für den teilweisen Neubau der Bergbahn war die Durchführung der Nordischen Skiweltmeisterschaften 1970 in Štrbské Pleso. Diese Weltmeisterschaften, welche grad mal 8 Tage dauerten, lösten auch den Bau von Hotels, 2 Seilbahnen und 2 Sprungschanzen aus. Und dass die Gegend immer noch von dieser WM zehrt zeigt, dass an der Talstation der Bergbahn immer noch ein Plakat hängt, welches auf die WM hinweist. Und im Dorf in Štrbské Pleso gibt es ein „Hotel FIS“, welchdes nach dem Skiverband benannt ist. Das Spezielle der Bahn ist, dass sie aus Schweizer Produktion stammt: BBC Baden und die Lokfabrik SLM in Winterthur haben 3 Züge geliefert. Dass dies damals, nach der Niederschlagung des Aufstandes in der Tschechoslowakei ein wenig heikel war, zeigt dieser Artikel in der NZZ.

Im Artikel wird der Charme aus den 70er-Jahren beschrieben und ich kann dies bestätigen. Die Züge kommen sehr „schweizerisch“ daher, verschiedene Elemente der Züge kennen wir auch bei uns, z.B. die Leichtmetalltüren mit dem klassischen Griff. Ich genoss auf alle Fälle die rund 20-minütige Fahrt nach Štrbské Pleso. Dort angekommen stellte ich fest, dass das Wetter nicht mehr hielt, was es noch nach dem Aufstehen versprochen hat. Und irgendwie hatte ich das Gefühl, ich sei nicht gut genug angezogen für die Berge. Somit gings rasch ins nächste Sportgeschäft und ich habe eine Wanderjacke mehr im Gepäck. „This is from Slovakia, not from China“. 

Štrbské pleso, der See mit Sprungschanze

Mein ehemaliger Arbeitskollege Bruno, der schon mal hier war, hat zu Hause ein gut sortiertes Archiv und er hat mir eine tolle Route empfohlen. Ich startete,am Štrbské pleso (dieses Mal der See) vorbei immer schön dem Wanderweg entlang. Dabei musste man schon ein bisschen aufpassen, wohin man tritt, denn den Weg zu gehen war anspruchsvoll, obschon die Wanderung für meine Verhältnisse eher einfacher war. Nach rund einer Stunde kam ich beim Popradské pleso, einem grösseren Bergsee, an. Mir kam spontan der Oeschinensee in den Sinn: auch der Popradské pleso ist von Bergen umgeben wie in einem Trichter und passt auch von der Grösse her etwa. Nur dass „unser“ Oeschinensee natürlich viel schöner ist 🙂  Im Berghaus ass ich eine Knoblauchsuppe und trank was, bevor es wieder talwärts ging.

Popradské pleso, der Oeschinensee der Slowaken

 Dieses Mal wählte ich einen anderen Weg, um ins Tal zu gelangen. Nach ca 2 Kilometern kam ich zum Symbolický cintorín (symbolischer Friedhof). Diese Gedenkstätte ist ein symbolischer Friedhof zur Ehre deren, die ihr Leben in der Hohen Tatra gelassen haben. Aktuell befinden sich hier 160 Gedenktafeln und 50 handgeschnitzte Holzkreuze. Der Öffentlichkeit wurde dieser Friedhof im Jahre 1940 übergegeben unter dem Motto „Den Toten zur Ehre, den Lebenden zur Warnung“. 

Symbolicky Cintorin

Kurz vor 14:00 Uhr war ich wieder in Štrbské Pleso. Hier stieg ich wieder in den Zug ein, aber dieses Mal fuhr ich in Richtung Poprad. Auch diese Züge sind aus Schweizer Produktion, von der Firma Stadler. Allerdings sehen die Züge schitterer aus als die der Bergbahn, obschon sie nicht mal halb so alt sind wie diese. Auf einer Zwischenstation stieg ich aus und fuhr einen Umweg Richtung Poprad. So hatte ich die Möglichkeit, einmal mit einer „Brotbüchse“ zu fahren. In Poprad blieb ich eine Weile am Bahnhof und schaute dem Treiben zu. Um 18:34 stieg ich in den Intercity nach Bratislava um nach Štrba zu fahren. Ich nahm direkt im Speisewagen Platz, denn mir schien es angebracht, die Schlussfahrt des Tages mit einem Bier ausklingen zu lassen.

Billettkontrolle! Ich zeigte meine Freikarten und die Zugchefin meinte: „Die Freikarte ist ok, aber hast du eine Reservation für diesen Zug? Er ist reservationspflichtig.“ – „Oh, nein, habe ich nicht.“ – „Ok, kannst du bei mir lösen. Bis wo fährst du? Bis Bratislava?“ – „Nein, nur bis Štrba.“ – „Bis Štrba? Wir halten nicht in Štrba, das ist ein Intercity“ – „[sprachlos]“ – „Also, du fährts mit uns mit bis Liptovský Mikuláš und nimmst dort den nächsten Zug zurück nach Štrba. Dann bist du 20:30 in Štrba. Und das mit dem Zuschlag vergessen wir!“ – „Oh, danke!“

Natürlich hatte der Zug zurück noch 20 Minuten Verspätung. Und nein, heute machte ich keine Fotos vom Himmel mehr. Ich war zu müde… 

Schlussendlich bin ich das ganze Netz abgefahren 

Abgelegt in der Kategorie 2018,Sabbatical 2018,Slowakei Bisher keine Kommentare

Donnerstag, 31. Mai 2018: Überdosis Burg

Oravský hrad

Gestern habe ich geschrieben, dass ich im Minikemp Arrow untergebracht bin. Und ich fühle mich hier unheilmich wohl. Die Gastgeber sind top. Natürlich fährt die Bahnlinie grad an der Grundstückgrenze vorbei. Und der Fahrplan ist für hiesige Verhältnisse sehr dicht: 12 Züge ab Betriebsbeginn bis um 8:19 Uhr… Und der erste Zug fährt um 3:55 beim Bahnhof ab. Das alles schockt mich nicht, was mich jedoch ein Wenig auf Trab hielt war die Tatsache, dass mein Camper quasi 30 Meter von der Einfahrweiche entfernt war. Und die Schienenstösse (das ist dort, wo die eine Schiene und die nächste Schiene sich berühren) nicht wie in der Schweiz geschweisst sind, sondern dass zwischen diesen Schienen doch tatsächlich ein Zwischenraum von ca 15 mm bestand. Tä-täm… und das ab vier Uhr. Klar, ich bin einer der immer was zu meckern hat. Mal jublieren die Vögel wunderschön, mal könnte ich sie rupfen, mal renne ich den Zügen hinterher, dann stimmt der Schienenstoss wieder nicht… Ja, ich bin ein schwieriger Geselle. Aber jetzt, am Abend wo ich die Zeilen hier schreibe, merke ich, dass ich halt schon nicht sehr viel geschlafen habe diese Nacht…

Oravsky hrad

Oravsky hrad

Trotzdem genoss ich aber den Aufenthalt im Minikemp und sie werden von mir auf sämtlichen Portalen die höchste Bewertung erhalten, weil sie einfach eine coole Familie sind. Ich genoss den Aufenthalt so sehr, dass ich tatsächlich einfach noch liegen blieb und und erst um halb elf wegfuhr. Die Camp-Chefin hat mir gesagt, ich könne bleiben so lange ich will, aber ich muss dann das Ausfahrtstor wieder schliessen! Und das habe ich gemacht.

Ich habe mir ein tolles Programm mit Geschichte, Kultur und Technikt für den heutigen Tag bereitgelegt. Erste Etappe: Oravský Podzámok, mit der sehr gut erhaltenen Burg Oravský hrad. Die Burg Orava (slowakisch Oravský hrad, ungarisch Árva vára) ist eine sehr gut erhaltene Burganlage. 1800 brannte sie grösstenteils ab, aber von den Feinden wurde sie nie eingenommen, da sie auf einer steilen Felsklippe 112 Meter über der Wasserfläche des Orava-Flusses liegt Die Burg entstand schrittweise vom 13. bis zum 17. Jahrhundert, die Bauten wurden auf drei Terrassen des Felsens erbaut. Für den ersten berühmten Vampirfilm, „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“, wurden im Sommer 1921 Aussen- und Innenaufnahmen der Burg und deren Umgebung für die Darstellung der Burg des Vampirs Graf Orlok verwendet. Für den tschechoslowakisch-deutschen Film König Drosselbart von 1984 fanden ebenfalls Aufnahmen auf der Burg statt. Durch den überragenden Blick auf den Fluss und die umgebenden Berggruppen wird die Burg als eine der schönsten Burgen der Slowakei bezeichnet. 

Soviel, so klar.

Natürlich musste ich auf diese Burg. Sie war von unten so schön anzuschauen, dass ich trotz den 26 Grad, die kurz nach 11 schon auf dem Thermometer waren ein Eintrittsticket kaufen wollte. „Sie können nur eine Führung machen. Die grosse Tour dauert 2 Stunden, die kleine Tour 75 Minuten.“ Da ich weder beabsichtigte, Drachen zu töten und Jungfrauen zu retten sondern mit einfach einen Überblick verschaffen wollte, entschied ich mich für die kleine Tour. „Die nächste Tour beginnt in einer halben Stunde um 11:45. Sprechen Sie auch slowakisch?“ „Nein, mein Slowakisch habe ich länger nicht gebraucht und ist nun ein wenig eingerostet. Haben Sie eine Tour in english?“ „Nein, aber wir haben hier gratis Internet und so können Sie unsere Burg-App runterladen und mit den Kopfhöhrern bei den entsprechenden Stationen die Information hören.“ „Ah, super. Danke!“ Ich lud die App und die entsprechende Sprache runter und begab mich einen steilen Weg hoch zum Eingang. Die Gruppe war sehr gross, es hatte nüchterne Slowaken und betrunkene Slowaken. Mann, das kann was werden. Die junge Guide hingegen war eine Augenweide 🙂 

Aber auf dieser Führung habe ich nun eine neue mittelalterliche Foltermethode kennen gelernt: Burg-Führung. Die Guide wollte kein Detail bei den jeweiligen Stationen auslassen. Ich habe ja nix verstanden, aber wenn meine App die Station fertig kommentiert hatte, dann hatte die Guide erst Luft geholt. Ich litt. Die Temperatur wurde immer höher und die Erklärungen immer ausschweifender. Es. Ist eine schöne Burg, ohne zweifel. Sogar eine sehr schöne. Aber ich hätte nach einer Stunde alles gesehen. Längstens (habe eine schnelle Auffassungsgabe 😉 ). Nach zwei Stunden war ich gerädert wieder draussen. Eine sehr sehr schöne Burg. Aber ich werde glaube ich erst wieder kommen, wenn ich das Ganze ohne Guide machen kann. Die Kopfhörer musste ich ja so oder so tragen…

Vlkolínec

Mein Zeitplan war am Arsch durcheinander geraten. Aber fürs nächste UNESCO-Welterbe musste es noch reichen. 30 km entfernt befindet sich Vlkolínec. Vlkolínec ist ein Dorf mit 35 Einwohnern und gehört zur Stadt Ružomberok, die vier Kilometer entfernt liegt. Wegen seiner aussergewöhnlichen, unberührten Siedlung mit 40 originalen, bewohnten Holzhäusern ist es 1993 in die Liste des Weltkultur- und Naturerbes der Menschheit aufgenommen worden. Der in unverfälschter Weise erhaltene Ort ist einer der wenigen in Europa, in dessen Umgebung noch Bären, Wölfe und andere Tiere frei leben. Das Dorf ist einzigartig in Mitteleuropa, die Häuser sind aus Holz und mit Mustern und Bildern bemalt. Es wurden keine Strassen erbaut, die Häuser waren ohne Strom und Wasserleitung. Viele der Bewohner sind schon über 80 Jahre alt.

Alles in Allem hübsch. Aber ein bisschen sehr Ballenberg.

Nun war 16:00 Uhr. Zeitplan, was machen wir? Den letzten Teil „Technik“ verschiebe ich auf übermorgen. Ich gehe jetzt grad direkt in die Hohe Tatra. Hier bin ich nun auf dem Campingplatz in Strba (keine Angst, es ist nicht so schön wie es auf den Bildern aussieht…). Morgen geht‘s, gutes Wetter vorbehalten, in die Berge. Ein Kollege von SBB Cargo International, welcher Slowakei-Kenntnisse hat, hat mir geraten, einen Tatranský Čaj – Tee zu trinken. Als Abschluss nach dem Nachtessen habe ich das gemacht. Der Kellner fragte mich, wie viele Prozente ich möchte. Es gibt den Tatra-Tee mit Werten von 17 (Milchlikör) über 35 (Stevia) und 52 (Original) bis zu 72 Prozent (Räubervariante). Ich habe 52% gewählt und schon das hat mir den Darm gestreckt… Aber es soll gesund sein!

Abgelegt in der Kategorie 2018,Sabbatical 2018,Slowakei Bisher keine Kommentare

Mittwoch, 30. Mai 2018: Neues Land, tolle Erfahrung

Auf meiner Karte hatte ich noch 2 UNESCO-Welterbe und eine Schlucht namens Jánošíkove Diery markiert, welche am Weg lagen. Ich liess die Fahrt gemütlich angehen und startete erst um 10:30 Uhr. Zum. Glück war plötzlich ein Schild am Strassenrand, sonst hätte ich nicht realsiert, dass ich in der Slowakei bin. Somit habe ich ein Land mehr auf meiner persönlichen Landkarte. Aber es ist hier ähnlich wie in Tschechien… Auch in der Slowakei benützte ich die Autobahn und auch diese ist vignettenpflichtig. Cool! Ein weiterer Kleber für die Windschutzscheibe! Bei einer der ersten slowakischen Tankstellen kaufte ich eine Vignette. Die Enttäuschung war riesengross als ich keinen Kleber erhielt, sondern einfach ein Stück Papier auf welchem bestätigt war, dass ich eine Vignette für 10 Tage bezahlt habe. Ich hätte gerne einen Kleber mehr gehabt um meine Sammlung zu vervollständigen:

 

Vignetten im Uhrzeigersinn: Schweiz, Slowenien, Österreich, Tschechien

Kurz vor 14:00 Uhr kam ich in Jánošíkove Diery an. Eigentlich wusste ich nicht genau, was mich erwartet, da ich die nur in Slowakisch abgefasste Homepage schlecht interpretieren konnte. Eine Schlucht mit einem Wanderweg, das habe ich erwartet. Ich parkte das Auto beim Hotel, welches vor der Jánošíkove Diery lag und marschierte los. Und was ich zu sehen bekam, machte mich sprachlos! Eine Hauptschlucht und eine Nebenschlucht mit je einem Bach können begangen werden. Dort wo man auf einem Wanderweg nicht mehr durchkam, wurden Stege und Leitern gebaut. Teilweise konnte man so sogar Wasserfälle hoch‘wandern‘. 

Wasserfallwandern

Es wurden mehrere Wanderwege angeboten und ich entschied mich für einen Rundweg, wobei ich an einem Ort falsch abbog und dann ein wenig im Schilf war. Ein Slowakischer Wanderer, welcher als einzige Fremdsprache Tschechisch sprach, half mir mit Händen und Füssen wieder auf den richtigen Weg. 

In der Schlucht

Ich war fast 4 Stunden unterwegs, immer mit einem Lächeln im Gesicht und einem Staunen über diese wunderbare Natur, über die tollen Blumen und die vielen Vögel, die jubilierten. Unglaublich schön, in Worte fast nicht zu fassen! 

Wunderbare Wanderung

An die Hohe Tatra kam ich heute nicht mehr. Ich fuhr noch bis Parnica, wo ich im Minikemp Arrow untergebracht bin. Und dieses Camp ist sowas von mini, dass ich zwei Mal daran vorbeigefahren bin.

 

Abgelegt in der Kategorie 2018,Sabbatical 2018,Slowakei 2 Kommentare bisher

Dienstag, 29. Mai 2018: Eine Gewitterfront erspart die Lanzenwäsche

90 km/h darf man ausserorts in Tschechien fahren. Teilweise bei dem Strassenzustand eine Zumutung. Ich fahre selten so schnell, weil ich ja nicht immer nach jeder Kurve das Geschirr im Cali neu ordnen lassen will… Also lasse ich die Drängler (auch die Anständigen) wenn‘s passt überholen. Ich blinke rechts und signalisiere, dass er überholen kann. Oder ich fahre in eine Busbucht und lasse den Verkehr vorbei. Und da ist mir aufgefallen, dass die Überholenden fast ausnahmslos den Warnblinker betätigen und mir so danke sagen. Finde ich noch charmant 🙂

Rangierdienst mit Fahne

Weiteres, was mir im Strassenverkehr aufgefallen ist, sind die Fussgänger: Wenn ein Fussgänger an einem Fussgängerstreifen steht und rüber möchte, dann halte ich an, mache ein entsprechendes Handzeichen und lasse ihn rüber. Und bisher sind fast alle Fussgänger immer über den Streifen gerannt! Nicht so wie bei uns, wo man es sich noch 10x überlegt ob man nun wirklich über den Streifen will und wenn ja dann ganz gemütlich rüber geht…

Nun, heute war früh Tagwache. Verantwortlich dafür war die Vogelwelt. Ab 4:00 Uhr teilten sie mir mit, dass es ihnen gut geht und sie sich auf den Tag freuen. „Zurück zur Natur“ verfluche ich in solchen Momenten… Um 5:30 wurde es mir zu viel, ich pfiff zurück und startete ebenfalls in den Tag. Ich habe nach den gestrigen diversen Zugsbegegnungen noch ein wenig Recherche betrieben und festgestellt, dass die Schmalspurbahn rund 20 km von mir entfernt einen ihrer Endpunkte hat. Und wenn ich schon so früh wach bin, kann ich mir das historische Eisenbahnschauspiel doch zu Gemüte führen. So fuhr ich nach Obrataň. Dort endet die Strecke der privaten JHMD und macht Anschluss auf die staatliche CD. Und diese Eisenbahn dort ist schon noch ‚heile Welt‘. Man hat Zeit, die Anschlüsse sind genügend lang – aber man muss die Reise auch gut planen, da es keinen Stundentakt gibt. Wer den Zug verpasst, hat manchmal erst wieder am Abend eine Verbindung. Ich schaute dem Treiben zu und staunte, dass es das heute noch gibt.

Eingeheizt

Ich fuhr weiter ostwärts und wusste, dass noch eine kleine Museumsbahn unterwegs an der Strecke (ohne Umweg. Also fast…) lag. Die Schmalspurbahn Zastávka u Brna – Zbýšov hatte gemäss Homepage keinen Fahrtag, aber da die Anreise mit vertretbarem Aufwand möglich war, wollte ich mir das ansehen. Und wie der Zufall so wollte, hatten sie heute einen ausserordentlichen Fahrtag mit Schulkindern und hatten sogar die Dampflok angeheizt…

Nach so viel Eisenbahn an diesem Tag musste auch wieder mal andere Kultur hinhalten. Die Macocha-Schlucht war da grad ideal. Die Gegend um Brno/Brünn ist eine Karst-Gegend (wie um Postojna) und in Macocha ist vor vielen hundert Jahren eine Doline eingestürzt  und hat eine 174×76 m grosse und 138 m tiefe Schlucht hinterlassen. Diese ist nun eine Sehenswürdigkeit und man kann mit einer Seilbahn in die Schlucht hinunterfahren. Im Talgrund kann man dann Höhlen besichtigen (zu Fuss und mit einem Boot). Ich bin mit der Seilbahn runter gefahren, die Besichtigung der Höhle habe ich mir aber erspart – ich habe dies ja schon in Postojna gemacht. Und irgendwie ist Höhle doch gleich Höhle, oder? Ich machte einen längeren Spaziergang im Wald, bei der Schlucht und konnte hier und da kleinere Höhlen (nicht besichtigbar) sehen. Alles in Allem eine gute Sehenswürdigkeit, welche mir sehr Spass gemacht hat.

Macocha-Schlucht

 

Mit der Idee, weiter in Richtung Osten und Richtung Slowakei zu fahren, habe ich das Autocamp Luhačovicke zum Tagesziel erkoren. Das Navi leitete mich auf die Autobahn und schon von Weitem sah ich die Gewitterfront. Keine Chance auszuweichen. Ok, dann wasche ich das Auto eben im Gewitter, und nicht in einer Lanzenwäsche. Aber so ein Gewitter habe ich noch nie in einem Auto erlebt. Ich konnte auf der Autobahn nur noch 50 km/h fahren. Die Lastwagenfahrer kümmerte das Wetter wenig, die blochten normale Geschwindigkeit – aber fast alle PW fuhren reduziert. Bei der vorgesehenen Ausfahrt verliess ich die Autobahn und fuhr zu einem Shopping-Center, damit ich dort im Schatten des Gebäudes das Gewitter abwarten konnte. Es war kein Spass, in diesem Gewitter unterwegs zu sein. Aber das Auto ist nun wieder sauber…

Das Autocamp Luhačovicke ist eine sehr grosse Anlage, welche an einem Stausee liegt. Nebst mit waren noch 3 andere Camper anwesend. Hochsaison ist wohl noch nicht.

Mit Vollgas in die Gewitterfront

 

Abgelegt in der Kategorie 2018,Sabbatical 2018,Tschechien Bisher keine Kommentare

Montag, 28. Mai 2018: UNESCO-Welterbe-Hopping

Český Krumlov

Am Morgen habe ich festgestellt, dass sich die holländischen Gäste auf dem holländischen Campingplatz nicht an den weltweiten Ehrencodex halten: Sie tragen keine Crocs sondern ihre holländischen Holzzoggeln.

Um 10 Uhr wollte ich in Český Krumlov sein, und ich schaffte es knapp. Unterwegs fragte ich mich, wie es Český Krumlov auf meine Liste geschafft hat. Als ich aber dort war, merkte ich es sofort: ich habe alle Welterbeorte der besuchten Länder in meine Karte eingetragen und Český Krumlov war ein solcher Ort. Und was für einer!

Die Stadt liegt an der Moldau, die an dieser Stelle eine Schlaufe macht, so wie Bern nur kleiner. Die Stadt befindet sich innerhalb dieser Schleife und ist einfach hübsch! Dominiert wird die Stadt von einem Schloss, welches am anderen Ufer der Moldau ist und schlicht gigantisch aussieht! Also ich war wirklich begeistert von diesem Ort. Ich spazierte, trank Kaffee, schaute den Leuten zu und hatte einfach Spass, hier zu sein. Und das Glück wollte es, dass ich einen Parkplatz hatte, welcher in unmittelbarer Nähe dieses Zentrums war!

Holašovice

Heute wollte ich aber noch viel mehr sehen, drum fuhr ich weiter nach Holašovice, auch das ein UNESCO-Welterbe. Hier blieb die ursprüngliche Ortsstruktur mit dem Dorfplatz und den 17 anliegenden Gehöften und einem Fischteich seit der Gründung erhalten. Die im bäuerlichen Barockstil erbauten Gebäude stammen aus dem 18. bis 20. Jahrhundert, hauptsächlich aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Dieses Welterbe ist sowas von diskret und klein, wenn man bei der Ortseinfahrt nicht abbremst verpasst man es…

Ich bremste und machte einen Dorfrundgang. 5 Minuten später war ich im Restaurant und bestellte ein deftiges böhmisches Mittagessen – Knödel 🙂

Der nächste Stopp war České Budějovice, besser bekannt unter dem Namen Budweis. Die Stadt Budweis hat eine lange Brauereitradition. Die ortsansässigen Brauereien setzen wieder verstärkt auf den Namen „Budweis“ bzw. „Budweiser“ und halten verschiedene Namensrechte, abgesehen von den USA: Budweiser Bürgerbräu seit (1795) Budweiser Budvar seit (1895). In der Stadt befindet sich außerdem der Firmensitz des ältesten Bleistiftherstellers der Welt, Koh-i-Noor Hardtmuth. Die Stadt hat einen grossen, quadratischen Marktplatz und die Häuser darum haben alle Arkaden, wo sich Geschäfte befinden. Auch hier wieder ein Link zu Bern. Wenn auch ohne Welterbe.

Budweis

Nächster Tagespunkt war das Schloss in Hluboká nad Vltavou. Auch dies kein Welterbe, zudem hat das Schloss am Montag Ruhetag. Dies merkte ich aber erst vor Ort…

Man könnte nun meinen, ich sei den ganzen Tag von einem Ort zum Anderen gehoppt. Zu sagen ist, dass die Orte sehr nah bei einander liegen, ca 15 bis 25 km sind sie auseinander. Und hier sind die Strassen recht gut ausgebaut und erlauben ein schnelles Weiterkommen.

Unterwegs kam ich – rein zufällig – an verschiedenen Bahnhöfen vorbei. Bei einem (Jindřichův Hradec, man beachte den Kreis auf dem U) beginnt eine Schmalspurbahn, welche einen (Regel-) Betrieb hat wie noch vor 50 Jahren. Beim anderen Bahnhof (Pelhřimov) hat es einen Betrieb mit alten Normalspurtriebwagen (Aufgrund der eckigen Aufbauten erhielten die Triebwagen von Eisenbahnfreunden den Spitznamen „Brotbüchse“). Ich glaube, ich muss mein Reiseprogramm neu definieren…

Übernachtet habe ich im Camping Kovarna in der Nähe des Dorfes Červená Řečice. Auch dieses Camping wird von Holländern betrieben und sie haben ab 1.6. geöffnet… Aha, da bin ich ja ein paar Tage zu früh…. Auf der Website wird geworben mit „ruhiger Lage“. Das kann man wohl sagen… Das Camp liegt sehr im Nirgendwo, ist aber sehr hübsch gemacht. Und die Ruhe hat man hier. Ich habe es übrigens auf dieser Reise schon mehrfach erlebt, wenn bei ruhigen Campings eine Flugstrasse über den Ort führt, hört man die Flugzeuge, welche in 10‘000 Metern Höhe sind. Eigentlich schon interessant, dass wir zu Hause die hoch fliegenden Flugzeuge nicht hören, weil sie im Alltagslärm untergehen.

Noch ein Detail am Rande. In Italien mussten wir jeweils das WC-Papier selber aufs WC mitnehmen. Da hängt keine Rolle, jeder ist selber verantwortlich. Seit Italien hatten wir in jedem Camping WC-Papier vor Ort. Hier im Camping Kovarna ist wieder ein Camping, bei welchem man das Papier selber mitbringen muss. Dumm nur, wenn man dies erst merkt, wenn man auf dem Töpfchen sitzt…

Abgelegt in der Kategorie 2018,Sabbatical 2018,Tschechien Bisher keine Kommentare

Sonntag, 27. Mai 2018: Tief im Wald

Nix los in Sommerau

Um 9:32 Uhr habe ich bereits Kilometer 5000 auf meiner Reise gefahren. Aber da war ich schon weit ausserhalb Linz auf der fast leeren Autobahn Richtung Tschechien. Tschechien soll mein Tagesziel sein, aber nicht auf direktem Weg, sondern auf Umwegen. Zuerst fuhr ich zum Bahnhof Sommerau. In der Fachpresse lese ich immer wieder Artikel über diesen Bahnhof bzw. die Strecke und nun wollte ich mir diesen Bahnhof persönlich ansehen. Muss ja ein grossartiger österreichisch-tschechischer Grenzbahnhof sein, wenn ich diesen kenne. Die Geschichte hier war ja recht speziell: Zuerst gehörte Tschechien zu Österreich. Ab 1918 war das Land selbständig (Tschechoslowakei). Im Frühjahr 1939 wurde das Land durch Deutschland besetzt und aufgeteilt. 1945 wurde das Land von der Roten Armee besetzt und wurde anschliessend ein Satellitenstaat der Sowjetunion. 1989 wurde die Demokratie wiedererrichtet und am 1. Januar 1993 wurde die Tschechslowakei geteilt und Tschechien gegründet. Aber die Reise hat sich nicht gelohnt, weil wegen Bauarbeiten an diesem Wochenende die Strecke gesperrt war und kein einziger Zug fuhr. Höchstens ein paar Bauzüge.  

Das nächste Bahn-Ziel des heutigen Tages war Gmünd. Hier ist Ausgangs, Dreh- und Angelpunkt der Waldviertelbahn, welche heute mit einigen Zügen auf ihren Strecken von Gmünd aus nach Litschau, Heidenreichstein und Gross Gerungs unterwegs sein wird. Bei der Anreise nach Gmünd wurde mir auch klar, warum diese Bahn „Waldviertelbahn“ heisst. Denn auch die Strasse führte durch sehr üppige und dunkle Wälder. Der Wald war so dicht, dass man spontan an Märchen mit Hexen und so dachte. Dies muss hier erfunden worden sein, in diesem Wald. Die Strecke ging auf und ab, teilweise befand ich mich sogar auf 950 müM. Ich hätte nicht gedacht, dass dies so hügelig ist.

Bahnhofhalle Gmünd

In Gmünd habe ich die Anlagen der Bahn rasch gefunden. Und einmal mehr gestaunt, wie diese Museumsbahnen daher kommen. Da wurde sehr viel vom Staat finanziert, die Bahnhofanlage zeigt sich prächtig mit einer langen Bahnhofhalle, die abschliessbar ist und auch als Abstellanlage verwendet werden kann. Und eine Werkstätte, die zumindest von aussen einen hochwertigen Eindruck machte. In Österreich gehören solche Bahnen zum touristischen Angebot und werden entsprechend gefördert. Das ist in der Schweiz schon ein bisschen anders. Förderung hin oder her, bei meiner Ankunft war weit und breit kein Zug zu sehen. Bauarbeiten wie in Sommerau? Nein, die Züge sind einfach grad an den Endstationen und kommen in zwei Stunden wieder nach Gmünd zurück – und so lange wollte ich nicht warten. Auf einer Strecke war ein Dieseltriebwagen unterwegs, auf der anderen Strecke ein Zug gezogen von einer älteren Diesellok. Wenn der Zug nicht hier ist, gehe ich halt zum Zug. Somit fuhr ich die 25 km nach Litschau und war dort, bevor der Zug wieder zurück fuhr. Das Wetter war super und ermöglichte hübsche Bilder.

Dieselzug in Litschau

Schon bald war Zeit für das wichtigste YB-Spiel der Saison. Wo wollte ich das schauen? Ich entschied mich für Heidenreichstein, einen Parkplatz beim Schloss. Das Schloss war ein Wasserschloss, also umgeben von Wasser und ist heute noch von einem Grafen bewohnt. Sie wäre teilweise besuchbar, aber ich wollte ja das Spiel sehen. Dem Empfang beim Schloss war lausig, sodass ich für die zweite Halbzeit an den Bahnhof wechselte, wo der Empfang tatsächlich minim besser war. Das Spiel hat mich ca 3 GB Daten gekostet für nix und wieder nix. Verärgert, enttäuscht und angepisst fuhr ich anschliessend nach Tschechien. 

Der Grenzübertritt war schengen-konform dh ich wurde nicht kontrolliert. Die Grenzanlagen bestehen zwar noch, aber sind dem Verfall geweiht. Plötzlich sah ich ein Schild, dass ich nun in der Tschechei sei und mein Navi meldete mir die Höchstgeschwindigkeiten des neuen Landes. Aber man merkt es schon, dass man in einem anderen Land ist, wenn auch nur an Details: So hat jedes Dorf einen Feuerweiher, wo das Wasser der Feuerwehr gespeichert ist. Und an den Hauptstrassen habe ich viele Lautsprecher gesehen. Eine Googlerecherche ergab, dass diese Lautsprecher zumindest während des Kalten Kriegs für (Propaganda-)Informationen verwendet wurden. Auch heute werden scheinbar noch offizielle Meldungen über diese Lautsprecher verbreitet. Live gehört habe ich jedoch keinen.

Ich bin froh, habe ich ein Navi, das mir sagt wo ich durchfahren soll. Bis ich jeweils die Ortschaften gelesen und begriffen habe, bin ich jeweils schon daran vorbei gefahren. Schon interessant, wie wenig Vokale dafür viele Akzente die Tschechen in ihrer Sprache benützen. Ich glaube die können auf jeden Buchstaben noch ein umgekehrtes Hausdach stellen. 30 Sonderzeichen gibt das: 

Tschechische Sonderzeichen

Zeichen Beschreibung
Á Großes A mit Akut
á Kleines a mit Akut
Č Großes C mit Caron (Hatschek)
č Kleines c mit Caron (Hatschek)
Ď Großes D mit Caron (Hatschek)
ď Kleines d mit Caron (Hatschek)
É Großes E mit Akut
é Kleines e mit Akut
Ě Großes E mit Caron (Hatschek)
ě Kleines e mit Caron (Hatschek)
Í Großes I mit Akut
í Kleines i mit Akut
Ň Großes N mit Caron (Hatschek)
ň Kleines n mit Caron (Hatschek)
Ó Großes O mit Akut
ó Kleines o mit Akut
Ř Großes R mit Caron (Hatschek)
ř Kleines r mit Caron (Hatschek)
Š Großes S mit Caron (Hatschek)
š Kleines s mit Caron (Hatschek)
Ť Großes T mit Caron (Hatschek)
ť Kleines t mit Caron (Hatschek)
Ú Großes U mit Akut
ú Kleines u mit Akut
Ů Großes U mit Ring (Krouzek) darüber
ů Kleines u mit Ring (Krouzek) darüber
Ý Großes Y mit Akut
ý Kleines y mit Akut
Ž Großes Z mit Caron (Hatschek)
ž Kleines z mit Caron (Hatschek)

Quelle 

Speziell finden ich den Kreis über dem U. Habe dies hier schon öfters gesehen und immer gedacht, das sei ein Pixelfehler oder so… Vergleichbar ist die Sprache mit dem Kroatischen, wo Lekarna wie in Tschechien „Apotheke“ heisst. Wobei in Tschechien noch 27 Hatscheks und Krouzeks dazu kommen…

Auf der Fahrt zu meinem ersten Ziel in Tschechien hatte ich noch zwei Aufgaben zu lösen:

-Einen Bancomaten finden und tschechisches Geld abheben
-Etwas einkaufen fürs Frühstück 

Die Bancomatdichte in der Provinz der Tschechei ist vergleichbar mit der Anzahl Meeresstrände in der Schweiz. Also nicht existent. Es war wirklich ein Zufall, dass ich in einer grösseren Stadt einen Bancomaten fand. Nun konnte ich einkaufen gehen. Bei den Äpfeln hatte ich die Wahl, solche aus dem Südtirol oder aus Polen zu kaufen. Ich wählte Polen. Bei den Cherry-Tomaten hatte ich keine Wahl. Es gab nur solche aus dem Senegal.

Chvalšiny war mein erstes Ziel in Tschechien. Erstens liegt dieser Campingplatz in der Nähe meines morgigen Ziels Český Krumlov und zweitens hat dieser Platz auf Google sehr gute Bewertungen. Wer jetzt den Link „dieser Platz“ angewählt hat, hat vielleicht bemerkt, dass die URL keine .cz-Endung hat, sondern eine .nl-Endung. Der Grund ist einfach: Die Betreiber sind Holländer. Und die Gäste sind mehrheitlich auch Holländer. Und der Holländer geht offenbar dorthin in die Ferien, wo er ein bisschen zu Hause ist

Der Platz verdient die guten Bewertungen. Alles schön sauber, gut organisiert und einfach in einer tollen Landschaft. Zudem ist man in 10 Minuten zu Fuss am See entlang im Dorf. Ich ging im Dorf nachtessen. Es hat zwei Restaurants: eines hat die Küche ‚out of order, sir!‘ und das andere hat eine Serviertochter mit noch etwa 10 Zähnen. Das habe ich aber erst bemerkt, als sie mich bei der Bestellung angestrahlt hat… 🙂

Das Essen war super. Für umgerechnet CHF 8 Tomatensalat vorneweg, Hühnerfleisch mit Broccoli und ein grosses Bier.

„Dobrá chuť k jídlu“ – wie man hier sagt.

Willkommen in Holland

 

Abgelegt in der Kategorie 2018,Österreich,Sabbatical 2018,Tschechien Bisher keine Kommentare

Samstag, 26. Mai 2018: Museumstag in Linz

Heute habe ich das wohl erste Mal in den Ferien den Wecker gestellt. Um 7:00 Uhr sollte dieser abgehen, dann liegt noch einmal im Bett drehen drin, dann duschen und mit dem Velo an den Bahnhof, damit ich den 8:44-Zug nach Linz erreiche. Ich nächtige an einer Linie, wo man „Halbstundentakt“ und sogar „Stundentakt“ nur von der Fachliteratur her kennt. Also, 8:44 musste ich erreichen, sonst wäre es dann viel, sehr viel später geworden mit diesem Linz.

Blick auf Linz vom Pöstlingberg

Natürlich war ich viel zu früh am Bahnhof Ottensheim. Ich kann mir diesen Namen einfach nicht merken und drum habe ich zum alten Trick gegriffen: Das Bahnhofschild mit dem Handy abfotografieren, damit ich wirklich weiss, wohin ich zurück muss. Ich reiste ohne Frühstück nach Linz, weil ich auf dem Pöstlingberg (dem „Gurten“ von Linz) frühstücken wollte. Ich fuhr mit der Bahn bis Linz Urfahr, wo die Linie endet. Es gibt keine Verbindung zwischen „meiner“ Linie und dem Hauptbahnhof, man müsste also aufs Tram umsteigen. Aber ich wollte ja gar nicht in die Stadt, sondern auf den Pöstlingberg, wo seit ein paar Jahren ein Tram hochfährt. Vorher war es eine vom Tramnetz unabhängige Bahn, welche ab Linz Urfahr auf den Berg fuhr. 2009 wurde die Bahn gesamtsaniert und von 1000 mm Spurweite auf 900 mm umgespurt, damit die Züge auch das Strassenbahnnetz in Linz befahren können. Nun kann man in den Innenstadt von Linz einsteigen und direkt und ohne umsteigen auf den Pöstlingberg fahren.

Ich fuhr hoch und dank Google fand ich die Konditorei Jindrak, welche Frühstück im Angebot hatte. Zudem hatte sie noch eine grosse Terrasse mit prima Blick auf Linz, aber leider ohne Platz für mich in der ersten Reihe… Das Frühstück war eine Enttäuschung, null Charme und kein Herz. Zudem wurde das Ganze auf einem Plastiktablett serviert… Und sogar die Semmeln machten den Eindruck, dass es einfach nur Industrieware ist… Schade, aber da habe ich schon massiv besser gefrühstückt! Auch der Service war mies: „Nicht mein Tisch, Kollegin kommt gleich“ – wann habe ich das wohl zum letzten Mal gehört…?

Danach fuhr ich wieder „ins Tal“ (die Differenz von der Berg- zur Talstation war gerade mal 255 m, aber dies auf einer Streckenlänge von nur 2.8 km!) und ging dort in den alten Bahnhof der Pöstlingbergbahn, welcher heute ein Museum ist. Da heute in Linz super Wetter war, hatte es keine Besucher im Museum – ausser mir… Die Museumswärterin (sagt man dem so?) begrüsste mich per Handschlag und war froh, jemandem ihren Wissensschatz weiterbringen zu können. Sie erzählte mir von früher, bevor die Bahn modernisiert wurde und offerierte mir eine persönliche Führung im Lokdepot. Und dieses ist ganz clever organisiert: auf der linken Seite hat es zwei Gleise, wo die aktuellen Züge mit der Spurweite 900 mm untergebracht sind und rechts ist ein Gleis, wo noch zwei alte Züge mit Spurweite 1000 mm stehen. Diese können grad mal etwa 50 m Strecke in den alten Bahnhof fahren, welche man auf dem alten Standard belassen hat und das ist alles, was sie fahren können. Um den Link von der Historie in die Moderne zu machen, wurden drei alte Züge ebenfalls umgespurt und aufgepeppt und die fahren an Wochenenden zusätzlich zu den modernen Zügen ebenfalls auf den Berg. Ich hatte Spass an der persönlichen Betreuung, aber ich wollte ja noch andere Museen in Linz besichtigen. Schliesslich war Linz Europäische Kulturhauptstadt 2009 und ich hoffte doch, dass mich in dieser Stadt noch die Museumsmuse küssen wird.

Alter Sommerwagen der Pöstlingbergbahn

 

Museumsgebäude „Stahlwelt“

Der nächste Museumsbesuch war die Stahlwelt von Voest Alpine, dem grossen Stahlkonzern in Linz. Ich musste mit Tram und Bus ausserhalb der Stadt fahren und irrte bei Voest ein wenig umher (Übrigens heisste Voest „Vereinigte Österreichische Eisen- und Stahlwerke). Aus einem Gebäude kam eine Frau und fragte mich, ob sie mir helfen könne. Sie war die Museumswärterin des Museums „Zeitgeschichte“, welches sich mit dem Thema der Zwangsarbeiter bei Voest während des Dritten Reichs auseinandersetzt. Wir kamen ins Gespräch und ich löste ein Kombiticket für beide Ausstellungen. Auch hier war ich wieder der einzige Besucher und im Gespräch sagte ich so salopp, sie könne mir ja die Ausstellung erklären. Gesagt – getan: auch hier erhielt ich wieder eine Privatfühung und erfuhr vieles über die Zwangsarbeiter, die verschiedenen Hierarchien der Nationalitäten, von den Zwangsumsiedelungen um das Stahlwerk bauen zu können etc etc. Hochspannendes Thema – und sehr persönlich betreut worden 😉

Dann der Besuch bei der Stahlwelt, wo es ums Thema „Stahlerzeugung“ ging. Dies war ein bisschen weniger spannend, zudem hatte es viele Gruppen mit Führungen im Museum, was ein durchgehen schwierig machte.

Ich fuhr wieder in die Stadt und besuchte Museum Nr  4: Das Ars Electronica Center (AEC)Das „Ars Electronica Center – Museum der Zukunft“ in Linz ist das führende Museum der digitalen Kunst und Medienkunst. Es wurde 1996 eröffnet und präsentiert dem Besucher auf 3000 m² Projekte rund um die Computerkunst und Technologie. Hier hatte es interessante Bereiche zu den Themen Virtual Reality sowie Erdausmessung per Satellit, aber etliches sprach mich dann auch nicht so heftig an (z.B. das Thema der „Freien Radikalen“). Zum Glück schloss das Museum um 18:00 Uhr und ich konnte den Besuch abbrechen 🙂

Weiter gings auf den Hauptplatz, wo ich was zNacht nahm. Mein Tag war durchgetaktet, denn um 19:30 Uhr fuhr mein Zug nach (Moment, muss schnell das Foto auf dem Handy anschauen) Ottensheim. Hätte ich diesen verpasst, wäre der nächste erst um 21:30 gefahren. Aber nach so einem mit interessanten Themen gefüllten Tag war ich dann auch froh, wieder zurück fahren zu können. Der Zug fuhr pünktlich und noch vor 22:00 Uhr war ich im Bett.

Blick aus dem Zug auf die Donau

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abgelegt in der Kategorie 2018,Österreich,Sabbatical 2018 Bisher keine Kommentare

Freitag, 25. Mai 2018: Bahnsinnig

Red Bulls Hangar 7 in Salzburg

Heute war Bahntag. Nicht, dass ich fürs Büro was zu machen habe, sondern weil ich mein ferrophiles Gewissen bediene…

Zuerst aber gings zu den Roten Bullen beim Flughafen: Auf Tipp meines Bruders habe ich den Hangar 7 von Red Bull besucht. Dieser Hangar beim Flughafen ist ein multifunktionelles Gebäude, das eine Sammlung historischer Flugzeuge, Helikopter und Formel-1-Rennwagen des Unternehmens Red Bull beherbergt. Zudem hat es dort auch Restaurants und Kongressräume. 

Von den Flugzeugen konnte man die Maschinen sehen, mit welchen Kunststaffeln geflogen werden (Flying Bulls), bei den Formel-1-Autos eine bunte Palette von Fahrzeugen, die mal für Red Bull am Start waren, also z.B. diverse Sauber-Autos mit Red Bull-Werbung, einige Toro Rosso-Fahrzeuge sowie natürlich die Red Bull-Autos selber. Die ganze Ausstellung ist nett gemacht, die Architektur des Gebäudes ist fantastisch – und alles durch ein Süssgetränk in einer Dose finanziert… Neben dem Hangar 7 steht der Hangar 8, wo Red Bull seine Flugzeugflotte drin hat. Also die Flugzeuge, die nicht ausgestellt sind sondern in den Diensten des Konzerns stehen. Alles in Allem eine tolle Präsentation, sehr cool gemacht. Und ich bleibe dabei: Red Bull kann man nur nach einem Hangover trinken…

Die kürzeste Strassenbahn der Welt in Gmunden

Nach der Bullen-Show ging es nach Gmunden. Das Städtchen am. Nordufer des Traunsees ist wunderschön gelegen. Der Bahnhof, an welchem die Züge der ÖBB anhalten, liegt ausserhalb. Um die Kurgäste von diesem Bahnhof ins Städtchen zu bringen, wurde 1894 eine Strassenbahnlinie eröffnet. Und aktuell ist diese Strecke mit 2,315 km die kürzeste Strassenbahnlinie der Welt! Also ein MUSS für einen Nerd wie mich… Ich parkierte also in Gmunden Bahnhof und stieg dort aufs Tram um. Das Fahrzeug war aus dem Jahre 1952 und wurde von einer Strassenbahn aus Deutschland übernommen. Für € 4.40 verkaufte mir der Fahrer eine Tageskarte, was mir eine unbeschränkte Anzahl von Fahren ermöglicht hätte (eine einfache Fahrt hätte € 2.20 gekostet…). Ich fuhr ins Zentrum zum Franz-Josefs-Platz. Dieses Gmunden ist wirklich hübsch. Aber das Wetter machte nicht so mit. Während eines Spaziergangs begann es zu schütten. 

Nebst dieser Strassenbahn gibt es eine Überlandbahn von Vorchdorf nach Gmünden. Per Ende Jahr sollen die beiden Linien im Zentrum vereinigt werden (es muss noch eine neue Brücke über die Traun gebaut werden) und die Züge verkehren dann durchgehend. Also ist die kürzeste Strassenbahn der Welt Ende Jahr Geschichte… Ich spazierte durchs Dorf zur anderen Bahn, welche sehr moderne Trams hat, und wollte eigentlich nach Vorchdorf fahren. Aber nein, die Dame bei der Billettkontrolle hat mir gesagt, dass meine Tageskarte nur für Gmunden Gültigkeit hat und ich mit diesem Fahrausweis somit nur bis Engelhof komme. Nun gut, dann fahre ich halt nur bis Engelhof. Ich hatte ein Buch dabei und stellte mir vor, dass ich an der Haltestelle beim Unterstand auf ein Bänkli sitze und den nächsten Zug nach Gmunden abwarte und lesend dem Regen zuhöre. Engelhof war wohl die einzige Haltestelle, die keinen Unterstand hatte und so konnte ich nur noch bei einem Haus an die Wand stehen und dort ca 25 Minuten auf die nächste Verbindung warten… Als ich wieder in Gmunden war ging ich ein ein Café, ass was kleines und wartete auf besseres Wetter.

Züge in Vorchdorf.

Es riss tatsächlich auf und ich konnte mit dem Tram zurück zum Bahnhof Gmunden fahren.  Da ich Vorchdorf, den nächsten regionalen Privatbahn-Knotenpunkt eben nicht auf der Schiene erreichen kann, machte ich dies eben auf der Strasse. Und in Vorchdorf sah ich Sachen auf den Schienen, von denen ich dachte, dass es die schon lange nicht mehr gibt. Die Bahnen um Vorchdorf /Gmunden werden von der Firma Stern und Hafferl betrieben. Die Firma betreibt nebst Bahnen auch Schiffe auf zwei Seen  (Attersee und Altausseersee – wo immer die liegen mögen…), sind ein Bauunternehmen, kümmern sich um Elektro- und Gebäudetechnik und ertellen Betonfertigteile… Es hat Fahrzeuge aus den 50er Jahren, die noch im täglichen Einsatz stehen und auch ehemalige Fahrzeuge aus der Schweiz (Triebwagen aus dem Aargau, Personenwagen des ehemaligen Worbbähnlis) am Bahnhof (aber wohl nicht mehr im täglichen Einsatz). Wettermässig ist zu sagen, dass es sehr schwarz war und ich eigentlich wusste, dass ich beim fotografieren wieder nass werde. Aber nein, solange ich draussen war, blieb es trocken – aber dann hat jemand die Wasserhahnen ganz ganz fest aufgedreht.

Als die Speicherkarte der Fotokamera anständig gefüllt  war fuhr ich weiter nach Linz. Ausserhalb, in der Ortschaft  Ottensheim habe ich einen einfachen Campingplatz gefunden (Dusche im Umkleideraum der Tennishalle…). Der Ort liegt an der Donau. Als es am Abend eine Regenpause gab, bin ich mit dem Velo ins Zentrum des Ortes gefahren und habe dem Treiben auf der Donau zugeschaut (Fähre, Lastschiffe, Flusskreuzfahrten und Sportboote). Es war recht was los in diesem Ort. Ich blieb so lange, dass ich das Licht beim Velo montieren musste… 🙂

 

Donaufähre in Ottensheim

 

Abgelegt in der Kategorie 2018,Österreich,Sabbatical 2018 Bisher keine Kommentare

Donnerstag, 24. Mai 2018: Das Geburtshaus von Mozart ist heute ein SPAR

Festung Hohensalzburg

Heute wollte ich früh aus dem Haus um die ganzen Attraktionen in Salzburg zu besichtigen. Aber ich habe so was von gut geschlafen, dass es kurz vor acht war, als ich erwachte und schlussendlich war ich erst 11:40 auf dem Bus ab Haltestelle Valkenauerstrasse. Und nein, ich habe nich einen F mit einem V vertauscht, das schreibt man offenbar so. Auf dem Weg zum Bus konnte ich mich in diesem Dorf doch tatsächlich noch als Auskunftsperson betätigen indem ich einer der Verzweiflung nahe stehenden Frau auf ihrem Handy zeigen konnte, wo sich die Karl-Reisenbichlerstrasse 23 befindet. Sie hatte alles richtig eingegeben. Sie hat nur nicht gewusst, dass der blaue Punkt auf der Google-Karte sie selber ist und sie sich an diesem orientieren kann.

Als erstes besuchte ich die Festung Hohensalzburg, welche über der Stadt thront. Man kann entweder zu Fuss hochsteigen oder aber mit einer Seilbahn hochfahren. Ich wählte „B“, das ganze Vergnügen dauerte rund eine Minute und ich war oben. Die Burg ist sehr eindrücklich, es ist eine ganze Stadt, die sich auf diesem Berg befindet. Auch das Museum ist sehr interessant. Es zeichnet einerseits die Geschichte der Burg nach, andererseits auch das Auseinanderfallen Österreichs nach dem Tod von Kaiser Franz Josef I.

Geburtshaus von Mozart

Nach dem Abstecher zur Festung besuchte ich die darunter liegende Altstadt. Hier befindet sich das Geburtshaus Mozarts – und im Erdgeschoss befindet sich tatsächlich ein Lebensmittelladen SPAR. Somit hatten Mozarts Eltern früher nicht weit, um zu posten…

Ich spazierte durch Salzburg, stattete dem Bahnhof einen Besuch ab, ging zum Schloss Mirabell und machte das, was Touristen machen. Und davon hatte es viele, mehrheitlich aus dem asiatischen Raum. Offenbar ziehen Salzburg und Mozart die Besucher an. Das Wohnhaus von Mozart liess ich aus, fuhr aber mit dem Bus daran vorbei. Wäre dieses Salzburg in den USA, hätte es wohl überall als Mozart verkleidete Leute gehabt, mit denen man sich hätte fotografieren lassen können. Aber nein, keinen einzigen Mozart sah ich. Und auch keinen Salieri (war das sein Konkurrent oder ist das ein Innenverteidiger von Red Bull Salzburg?). 

Ich ass in den Innenstadt in einem Lokal mit wunderbarer Terrasse im 6. Stock. Und ging anschliessend wieder mit dem Trolleybus ins Camping. Bis zur Falkenauerstrasse Valkenauerstrasse.

 

Schloss Mirabell mit Parkanlage

 

 

Abgelegt in der Kategorie 2018,Österreich,Sabbatical 2018 Bisher keine Kommentare

Mittwoch, 23. Mai 2018: Einstimmung auf Mozart

Zell am See liegt in der Nähe von Kaprun. Dort hat sich am 11.11.2000 ein tragisches Unglück ereignet, als eine unterirdische Seilbahn Feuer fing und 155 Menschen dabei umkamen. Ich fuhr an diesen Ort, um die Gedenkstätte zu sehen. Die Gedenkstätte befindnet sich gegenüber der ehemaligen Talstation dieser „Gletscherbahn Kaprun 2“ und ist sehr ansprechend gestaltet worden und besteht aus lang gezogenen Quadern aus Sichtbeton und Glasstelen. Die Verschiedenfarbigkeit der Glasstreifen soll die einzelnen Menschen symbolisieren. Die einzelnen Glasschlitze sind jeweils einer bestimmten Person gewidmet. Jeder Lichtschlitz steht als Symbol für ein Leben. 155 Menschen mussten sterben. Und die Richter fanden, dass niemand schuldig ist. Details zum Unfall auf Wikipedia, ein kritischer Bericht über die Untersuchungen findet sich hier Youtube.und einen TV-Bericht findet sich auf Youtube.

 

Gedenkstätte Kaprun

 

Eindrücklich. Und traurig.

Weiter gings. Bei einem Zwischenstopp in Schwarzach-St. Veit machte ich Rast beim Bahnhof. Und sah zufällig, dass das Museum der Tauernbahn geöffnet war. Natürlich machte ich in diesem kleinen aber sehr guten Museum einen Besuch.

Nächstes Zwischenziel war St. Wolfgang im Salzkammergut. Schliesslich muss ich mich auf die Mozartstadt Salzburg einstimmen, meinem nächsten grösseren Reiseziel. Natürlich ging ich nicht wegen Wolfgang, auch nicht wegen dem Weissen Rössl, sondern wegen der Schafbergbahn, welche ähnlich wie die Brienz-Rothorn Bahn noch mit Dampf fährt (einzelne Züge auch mit Diesel). Und, im Gegensatz zum Vortag, dieses Mal hatte ich Glück und es fuhren einige Züge. Sehr touristisch, aber hübsch zwäggmacht.

 

Schafbergbahn in St. Wolfgang im Salzkammergut

 

Ich fuhr in Richtung Salzburg, wo ich im Stadtteil Aigen beim Schloss einen Campingplatz gefunden habe. Morgen geht‘s dann in die Mozartstadt, wo ich noch nie war.

 

Abgelegt in der Kategorie 2018,Österreich,Sabbatical 2018 Bisher keine Kommentare

Dienstag, 22. Mai 2018: Panorama? Aber auch nur auf dem Prospekt…

Heute wollte ich mal früh aus den Federn, aber es wurde wieder 7:00 bis ich erwachte und 7:30 bis ich aus dem ersten Stock runterstieg und mit der Morgentoilette begann. Und klar, die Enten waren wieder zu Besuch 🙂 

Ich startete und fuhr zuerst zum Afritzer See. IM Vorfeld zu meiner Reise habe ich diverse Reisebericht gelesen und in einem Stand, dass der Campingplatz in Afritz wunderbar sei. Obschon ich nicht dort übernachten wollte, machte ich einen Abstecher nach Afritz und dem Afrizer See. Der Weg führte über Nebenstrassen und kam an so tollen Orten vorbei wie Äussere Einöde (ich kam zuerst bei der Inneren Einöde vorbei und habe gedacht, ich habe falsch gelesen. Aber nein, der Ort heisst wirklich so…) oder auch Arriach, dem geografischen Mittelpunkt Kärntens. Afritz ist hübsch, der Campingplatz ist toll gelegen. Ich nahm einen Espresso und die Gegend ist während des Trinkens des Espressos auch fertig geguckt. Ich fuhr weiter in Richtung Norden, dem Millstättersee entlang mit Ziel Heiligenblut.

Afritzer See

In Penk sah ich „Bahnhof“ angeschrieben und folgte dem Wegweiser. Das wäre doch was, mal ein paar Züge der Tauern-Gebirgsstrecke zu fotografieren. Der Weg war steil, und nur das unterste Drittel asphaltiert. Als ich am Bahnhof ankam, wusste ich auch warum: Es halten 4 Züge pro Tag an: zwei pro Richtung am Morgen, zwei pro Richtung am Abend… Und während meiner Zeit am Bahnhof kam grad überhaupt kein Zug. Nun, Künstlerpech… So fuhr ich halt wieder ins Tal und setze die Reise nach Heiligenblut fort. Dieser Ort ist Ausgangspunkt der Grossglockner Hochalpenstrasse, ein Pass, der ins Land Salzburg führt.

Die Grossglockner Hochalpenstrasse geht massiv in die Höhe: der Scheiteltunnel befindet sich auf 2505 m.ü.M. und das Panorama ist wunderschön – man ist inmitten von Gletschern. Gut, das ist jetzt einfach eine Vermutung von mir, denn das Wetter war sowas von hundsmiserabel, dass ich teilweise 40 km/h mit eingeschalteten Warnblinkern fuhr, damit andere Fahrer den weissen Camper im weissen Nebel vor den weissen Schneewänden sahen. Nö, das war nix. Die Maut, um die Strecke befahren zu dürfen,  beträgt € 35, also fast ein CHF pro gefahrenen Kilometer… Für dieses Geld wollte ich alles fahren und befuhr sogar die 8 km lange Stichstrecke zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe. Ich bin überzeugt, dass ich bei schönem Wetter begeistert gewesen wäre. So hielt sich meine Begeisterung für diesen Touristen-Hot Spot in Grenzen. Ich werde wohl bei schönem Wetter diesem Bauwerk mit der tollen Aussicht noch eine Chance geben müssen.

Grossglockner-PANORAMA-Strecke

  

Ich fuhr nach Zell am See und richtete mich am See-Camping am Zeller See ein. Am Anbend fuhr ich mit dem Velo ins Städtchen um was zu essen. Das Wetter ist besser geworden. Vor dem Einschlafen konnte ich sogar Sterne sehen. Wird das Wetter ab morgen etwa beesser?

 

Zeller See

 

Abgelegt in der Kategorie 2018,Österreich,Sabbatical 2018 Bisher keine Kommentare

Montag, 21. Mai 2018: Heimaturlaub beendet

Ich habe heute Morgen viel mehr Leute erwartet. Auf dem Weg zum Bahnhof, im Zug und so weiter. Aber nein: Bern ist noch im Meisterfeiertaumel.

Auch. Aber primär ist Pfingstmontag. Da gehen nur die Wanderer früh raus. Oder die, die nach Österreich fahren, um ihre Reise fortzusetzen.

Von 8:02 bis 19:17 war ich im Zug. Oder im Bahnhof und wartete auf den Anschluss. Österreich ist halt schon unglaublich gross. Also lang. Bis man schon mal in Innsbruck ist. Dann in Salzburg. Und dann nochmals über und durch die Berge nach Villach und dann dem Wörthersee entlang nach Klagenfurt… Es war eine lange Reise. Aber das Buch, das ich dabei hatte, war gut.

Ich nahm wiederum ein Taxi um zum Campingplatz zu kommen. Kein Porsche dieses Mal, nix exquisites. Ein normales Taxi, ein Japaner. Und ein Chauffeur, wie man sich ein Täxeler vorstellt: Sei Auto vollgepflastert mit Duftbäumchen (6 an der Zahl), fahren ohne Gurt, Ausfahrten auf der Schnellstrasse ohne zu blinken, und dann noch bei rot durch… Sehen wir es mal als Abenteuerfahrt…

Der Camper stand noch dort, wo ich ihn abgestellt hatte. Nachdem ich mein Gepäck im Auto deponiert hatte, ging ich an den Wörthersee und ass in einer Pizzeria Spaghetti. 

Ich habe an diesem Tag nicht viel gemacht. Aber irgendwie war ich trotzdem müde. Und nach dem Bett zu Hause ist das Bett im VW das zweitbeste. 

Abgelegt in der Kategorie 2018,Österreich,Sabbatical 2018,Schweiz Bisher keine Kommentare

Sonntag, 20. Mai 2018: Meisterfeier

In der Frühe bin ich erwacht und musste im auf meiner Liege im Liegewagen still vor mich hinschmunzeln: Sind das die Pritschen, die auch Gefangene in U-Haft haben? So schmal und unbequem? Also ich fühlte mich nicht wohl. Das nächste Mal wieder im Schlafwagen. Aber das Positive: wir kamen pünktlich in Zürich an und somit auch in Bern. Auf dem Perron wartete Bettina auf mich 🙂
Und wir gingen sofort nach Hause. Die Dusche bei uns zu Hause genoss ich sehr, und auch das leckere Frühstück. 

Ich kam mir froh wie in der Rekrutenschule, denn ich hatte auch noch Wäsche dabei zum waschen…

Kurz nach 14:00 Uhr waren wir im Wankdorfstadion. Es hatte um diese Zeit noch sehr wenig Leute. Die Meisterfeier vom Bundesplatz wurde im Stadion übertragen. Wir hatten tolle Plätze mit guter Sicher auf die Bühne – aber da passierte noch nix. Also schauten wir die Übertragung auf dem Screen. Wir haben sicher mehr gesehen als die Millionen Zuschauer auf dem Bundesplatz… Wir trafen Bidu und Sylvia sowie Mauri mit Familie. War cool, sie wieder mal zu sehen!

Dann war die Zeremonie auf dem Bundesplatz vorbei und das Meisterteam machte sich auf den Umzug zum Wankdorfstadion. Aber das dauerte…. Erst gegen 18:00 Uhr trafen sie im Stadion ein. Vor der erneuten Mannschaftspräsentation gab es Auftritte eines Chansonniers und einer Hip-Hop-Band (ich gebe es zu, ich weiss nicht mehr wie die alle hiessen. Der Chansonnier ist ein Kehrli, die Hip-Hopper glaube Wurzel 5…).

Dann endlich kamen die, auf die wir über 4 Stunden im schattigen Sektor A gewartet haben: Die Mannschaft des BSC Young Boys. Ich verzichte darauf, die Spieler nochmals namentlich zu erwähnen, Interessierte können diese Namen hier nachlesen.

Es war eine richtig gute und würdige Feier. Es hat sich gelohnt, nach Bern zu fahren für dieses Event. Wenn ich nun wieder 32 Jahre warten müsste?

Abgerundet wurde die Party von einem Auftritt von Züri West. Der Sound war zwar lausig abgemischt und der Kuno tönte nicht nach Kuno, aber wir erkannten die Lieder trotzdem…

Den Auftritt von Guillaume Hoarau schenkten wir uns, den schauen wir dann im Internet nach. Es war ein langer, aber ganz schöner Tag. Schön war nicht nur die Würdigung von YB, sondern auch, dass ich Bettina wieder sehen konnte 😆

Abgelegt in der Kategorie 2018,Österreich,Sabbatical 2018,Schweiz Bisher keine Kommentare

Samstag, 19. Mai 2018: Ferien von den Ferien

Heute gehe ich in die Ferien. Ferien machen in den Ferien. Heute gehts in die Heimat. Nach Bern. Zu einem Ereignis, welches seltener stattfindet als die Landesausstellung. Genau: Ich werde an der YB-Meisterfeier anwesend sein!

Wie schon gestern hatte ich auch heute Besuch erhalten. Die drei Enten waren schon gestern bei mir und auch heute haben sie bei mir vorbei geschaut. Ob ich den besten Rasen auf dem Campingplatz habe?

Nach dem Frühstück packte ich die Koffer für die Reise in die Schweiz. Viel ist es ja nicht. Und den Camper habe ich bei dieser Gelegenheit auch ein Bisschen rausgeputzt. Ein bisschen Wörthersee schauen war auch auf dem Programm. Am frühen Abend dann der Transfer von Klagenfurt nach Villach. Den Camper liess ich auf dem Platz stehen, denn schon bald komme ich ja wieder zurück. Und die Kosten für den Stellplatz sind günstiger als den Camper in einem Parkhaus abzustellen.

Für die Fahrt zum Bahnhof leistete ich mir ein Taxi. Und hoppla Georges, was kam da? Tatsächlich ein Porsche Cayenne! Man weiss ja, dass die Leute in Klagenfurt (mit ihren Zweitwohnsitzen…) versnobt sind. Aber dass man einen Porsche als Taxi braucht, das habe ich noch nie erlebt. Übrigens, wer mal in Klagenfurt ist und mit dem Porsche mitfahren möchte: einfach die Nummer der Zentrale auf dem Auto anrufen und ausdrücklich den Porsche verlangen. Es gibt nur einen Taxiporsche in Klagenfurt. Aber, um es vornewegzunehmen, die Fahrt war unspektakulär. Es hätte auch ein Volvo oder ein Mercedes sein können 🙂

Mit dem Zug ging es nach Villach. Dort hatte ich genügend Zeit, um in der Innenstadt im Hotel Post zu essen. Dieses Lokal kenne ich von einer Auffahrtsreise vor vier Jahren mit Woody, Bettina war auch dabei. Das Wiener Schnitzel war lecker und ich war nahezu alleine im Lokal… 

Gegen 23:00 Uhr fuhr mein Zug nach Zürich. Nach etwa 25 Jahren fuhr ich das erste Mal wieder in einem Couchettewagen. Geschlafen habe ich nicht viel. Ob es wegen dem verminderten Komfort war oder wegen der Vorfreude auf YB – wer weiss…

Abgelegt in der Kategorie 2018,Österreich,Sabbatical 2018 Bisher keine Kommentare

Freitag, 18. Mai 2018: Nichts, rien, nada. Fast.

Heute wollte ich mal nix machen. Also fast. Einfach mal die Stadt Klagenfurt, den Wörthersee, den Campingplatz, den Camper, das Buch und das Leben geniessen.

Ich war schon recht früh wach und fuhr mit dem Stadtbus, der beim Strandbad abfährt, ins Zentrum. In einem Café genoss ich das „Geniesser-Frühstück“, mit Käse, Schinken und Spiegelei (mit einem Tee für einmal. Aber Tasse haben sie mir keine gebracht. Oder doch? Siehe Bild rechts…).

Danach einen längeren Spaziergang in Klagenfurt, inkl. Bahnhof, noch ein Kafi und am frühen Nachmittag wieder auf dem Campingplatz. Das Wetter war nun nicht so überragend, positiv ausgedrückt würde man sagen „abwechslungsreich“. Einfach ein bisschen „sein“. Dann mal an den Wörthersee zum Eis.

Also für einmal kein spektakulärer Tag. Aber ein schöner.

 

Abgelegt in der Kategorie 2018,Österreich,Sabbatical 2018 Bisher keine Kommentare

« Vorherige SeiteNächste Seite »