Samstag, 3. Juli 2021: Ristorante Osservatorio: Der Geheimtipp

Auch heute unternehmen wir einen kurzen Stadtspaziergang. Dies nachdem wir nach dem Frühstück das Hotelzimmer gewechselt (411 zu 207; wir haben uns am Vortag spontan entschieden, einen Tag länger auf Stromboli zu bleiben) und vor allem die Reisepläne der nächsten Tage geschmiedet haben. Martin bucht uns Hotels auf Lipari und in Palermo und den Rückflug von dort in die Schweiz. Für die Weiterreise mit dem Aliscafo nach Lipari am Sonntag bzw. nach Palermo organisieren wir uns gleich die Tickets bei der lokalen Verkaufsstelle.

Room with a view

Dann noch etwas Proviant gekauft, eine Granita bei „Ingrid“ genossen und zurück geht‘s in unser Hotel, wo wir den gefühlt langen Nachmittag am und im Pool verbringen. Gegen 18.00 Uhr machen wir uns zu Fuss auf den Weg zum Ristorante Osservatorio. Die Lokalität liegt auf 200 müM und kann zu Fuss in ca. 50 Minuten erreicht werden. Es ginge sicher auch schneller. Aber wir halten regelmässig an, um wilden Fenchel und Kamille zu „erleben“ (eine Duftexplosion), Kapernblumen und reich behangene Feigenbäume zu bewundern und uns an farbenprächtigem Oleander zu erfreuen. Es versteht sich von selbst, dass dieser wunderschöne Weg äusserst kurzweilig ist.

Wilde Kapern

Ich habe mir unter dem Ristorante Osservatorio ein kleines „Berghaus-ähnliches“ Restaurant vorgestellt. Nicht aber ein Restaurant mit zwei grossen Aussenplätzen mit unzähligen Tischen, die alle schön eingedeckt auf Gäste warten (uns sie auch bekommen, denn das Ristorante ist heute Abend ausgebucht). Wir sind um 19.00 Uhr die ersten Gäste, was uns nicht stört, weil wir ja einfach kurz essen und dann nach Möglichkeit den Stromboli-Vulkan beobachten und fotographieren wollen. Nach den Getränken wird das Brot serviert. Eine Mischung aus Weissbrot und Brot, dessen Teig Asche zugefügt worden ist. Witzig – wo, wenn nicht hier, ist solches Brot angesagt.

Brot mit Vulkanasche

Das Servicepersonal ist erfrischend herzlich und aufgestellt. Wir geniessen Salate, Pasta und Fisch. Die Speisen munden vorzüglich.

Food and Vulcano

Und dazu bietet der Vulkan Spektakel 🌋. Es raucht und rumort auch heute die ganze Zeit. Der Rauchaustritt ist beträchtlich, da scheint im Vulkan drin grad einiges zu laufen. Und tatsächlich kommt es zu den ersten „sichtbaren Ausbrüchen“. Wie bei den Feuerwerk-Vulkanen steigt unter verschiedenen Malen eine imposante Feuersäule in den Himmel, deren feurigen Elemente mit Steinen durchsetzt sind. Wahnsinn.

Feuer beim Vulkan!

Der feuerspeiende Vulkan

Der Vulkan speit Feuer

Wir sehen mehr aktiven Vulkan als wir uns vorgestellt haben. Unsere Blicke haften am Vulkan, die Teller mit den leckeren Speisen geraten ein wenig in den Hintergrund. Die Tische um uns herum haben sich in der Zwischenzeit gefüllt und am Tisch neben uns ruft eine Frau immer wieder: „Il fuoco, il fuoco, guardi il fuoco“. Wir geniessen die spektakulären, unvergesslichen Bilder und ein leckeres Dessert (Canolo und Wassermelone 🍉). Es ist kurz nach 21.00 h und schon recht dunkel als wir uns auf den Rückweg machen wollen. Martin schlägt vor, noch ein paar Minuten zu warten und ein Selfie mit aktivem Vulkan zu machen. Fast ein wenig arrogant … aber heute Abend ist dies möglich. Das Selfie gelingt – auch wenn wir zwei Anläufe dafür brauchen. Bereichert um die eindrücklichen Bilder geniessen wir den Rückweg zum Hotel (den mitgebrachten Spotlights sei gedankt). 

Gute Nacht Stromboli

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Freitag, 2. Juli 2021: Forza squadre Svizzera e Italia

Gemütlich starten wir in den heutigen Ferientag. Die Location fürs Frühstück ist im Outdoor-Bereich und mit direktem Blick aufs Meer. Am kleinen aber feinen Frühstücksbuffet gibt‘s viel frisches Obst und herrlich gluschtig anmutende Torten.

Gesundes Frühstück mit Sicht aufs Meer

Gemütlichkeit oder „piano, piano“ ist das Motto des Tages. Wir unternehmen einen Spaziergang ins Städtchen, wo wir uns Wasser und einige gratti e vinci Lose kaufen. Eine Los-Art trägt den Titel „10 Anni Turista“. Das wäre doch was 👒🎞🌞🧘🏻‍♀️. In den engen Gässchen herrscht emsige Betriebsamkeit und immer gilt es auf der Acht zu sein vor den lärmig-stinkigen Ape-Lieferwagen und -Taxis.

Enge Gässchen auf Stromboli

Am Hauptplatz mit einer wunderschönen Aussicht aufs Meer steht die Kirche San Vincenzo Ferreri, die uns sehr gut gefällt. Der Innenbereich lässt auf eine erst kürzlich durchgeführte Renovation schliessen. Ein echter Hingucker ist die native Szenerie mit dem Stromboli-Vulkan im Zentrum. In der Krippenszenerie sind nebst Josef, Maria und dem Christkind sämtliche Berufsstände abgebildet (Bauer, Lehrer, (Pizza-) Bäcker, Hirte, Zitronenpflücker etc.). Obwohl es in der Kirche etwas kühler ist, laufen wir fast aus. Gegenüber der Kirche liegt das Restaurant „Ritrovo Ingrid“*. In der Bar geniessen wir mit traumhafter Aussicht eine erfrischende Zitronen-Granita.

Kirche San Vincenzo Ferreri auf Stromboli

* Melodram, Regisseur Roberto Rossellini mit Ingrid Bergmann als Hauptdarstellerin. Handlung: Um dem Internierungslager zu entgehen, heiratet ein Flüchtlingsmädchen nach Ende des Weltkriegs einen Fischer von der Vulkaninsel Stromboli. Der Film beschreibt das karge Leben auf der Insel: die Konventionen und Vorurteile, das harte Leben der Fischer und das ereignislose der Frauen.

Wir kehren zurück ins Hotel und verbringen den Nachmittag am Pool. Für den frühen Abend haben wir uns eine Fahrt mit dem Schiff nach Ginostra gebucht. Dort gibt‘s Apéro und dann eine Fahrt zu den Feuerzungen des Stromboli. Abhängig von der Aktivität des Vulkans kann man in der Dämmerung vom Boot aus auch kleinere Feuer-Eruptionen sehen. Wir verbinden den Aufenthalt in Ginostra (auf Stromboli) mit einem Spaziergang in dem kleinen Ort. Sehr hübsch aber auch sehr verschlafen. Wir haben bei der Reiseplanung noch überlegt, ob wir hier nächtigen wollen. Jetzt sind wir froh, dass wir dies nicht getan haben. Es wäre wirklich grad etwas sehr beschaulich gewesen.

Ginostra

Der Aperitivo hier schmeckt lecker. Wir geniessen die Sonnenuntergangs-Stimmung, die Ruhe und Beschaulichkeit in dieser lauschigen Umgebung.

Sonnenuntergang in Ginostra

Hier kriegen wir dann auch mit, dass die Schweizer Nati gegen Spanien im Elfmeterschiessen ausgeschieden ist. Nichts mit Fortsetzung des „Sommer“-Märchens. Um 20.20 Uhr ist der vereinbarte Treffpunkt am Porto von Ginostra. Weiter geht‘s mit unseren „ungsprächigen“ Bootsführer auf den Abschluss der Insel-Umrundung von Stromboli. Tatsächlich werden wir Zeuge von drei Lava-Ausfwürfen, die kurz nach der Blauen Stunde sehr spektakulär anmuten. Wir geniessen den Moment auf dem schaukelnden Boot und warten gespannt, auf das was noch kommt. Es kommt nicht mehr viel … daher fahren wir zurück zum Hafen von San Vincenzo, wo wir gegen 21.00 Uhr an Land gehen. Wir haben beschlossen, heute Abend im Städtchen eine Pizza essen zu gehen. Die Gassen sind weitgehend leer, um Lokale mit TV-Übertragung des Italien-Spiels (gegen Belgio) bilden sich kleinere Menschen-Trauben in die Gassen hinein. Und da: Grosses Geschrei … 1:0 für Italien. Ma no … das Tor wird wegen Offside nicht gegeben. Dio mio. Wir gehen weiter und Martin ergattert für uns bei „Ingrid“ den letzten freien Tisch mit perfekter Sicht auf den TV-Screen. Und jetzt kommt das eigentliche Feuerwerk: Essen, anfeuern, über zwei tolle Tore jubeln, über den Schiri ausrufen, weil der Elfmeter für die Belgier nun wirklich nicht gerechtfertigt ist (der Italiener hat dem Belgier wirklich nichts gemacht – wirklich, wirklich nicht), Pizza essen, mitfiebern (beklatschen der richtig guten Aktionen der Italiener, zittern bei den richtig guten Aktionen der Belgier bzw. wenn ein italienischer Spieler nach einer solchen am Boden liegen bleibt). Die rund sieben Minuten Nachspielzeit wollen und wollen nicht vergehen. Und dann ist es vollbracht: Italien gewinnt 2:1 gegen Belgien. Grosser Jubel, grosse Freude. Wir kehren ins Hotel zurück und schlafen gefühlt ein bevor wir im Bett sind.

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Donnerstag, 1. Juli 2021: Auf dem Seeweg von Amalfi nach Stromboli

Nach einer stürmischen Nacht (wir mussten um 02.00 h kurz auf, um unsere Sachen auf dem Balkon zu sichern) ist‘s heute grand beau. Wir erwachen vor dem Wecker, so dass wir noch ein wenig Zeit auf der morgendlich kühlen Terrasse unseres Zimmers verbringen können. Das Frühstück macht uns heute eine Möwe streitig. Dem Tier ist es doch tatsächlich gelungen, ein eingepacktes Cornetto aus der Verpackung zu bekommen und mit dem grössten Teil davon wegzufliegen. Der kleinere Teil bleibt in unzähligen Stücken am Boden liegen. Clevere Tiere. Herzliche Verabschiedung von Gianfranco und Angela des Casa Mao. Auf dem Weg zum Hafen holen wir noch unsere Panini und können dann bereits das Schiff nach Capri besteigen. Die Fahrt auf dem Sonnendeck mit schönster Aussicht auf die Amalfiküste macht Spass und vergeht im Nu.

Blick auf Capri

Und dann geschieht etwas ganz Unverhofftes. Wir steigen nahezu als letzte aus dem Boot und ich werde von einer Deutsch-sprechenden Frau angesprochen. Es ist Anna Rohe, die auch bei der SBB arbeitet. Sie ist mit ihrer Reisebegleitung in Agerola und macht heute einen Tagesausflug auf Capri. Wir unterhalten uns kurz, müssen dann aber weiter, da wir die Tickets für die Weiterfahrt nach Napoli organisieren müssen. Es reicht uns sogar auf die 11.35 h Fähre ⛴. Noch kurz einen caffè (der kostet am Hafen von Capri 4 Euro das Stück 🙄) und dann setzen wir unsere Reise fort. Nach einer knapp stündigen Überfahrt kommen wir in Napoli Porto Beverelli an, müssen nun aber zum Porto Napoli Mergellina wechseln. Dafür nehmen wir ein Taxi. Dio mio, was für ein Spektakel. Angurten wird gemeinhin überbewertet, und wer hat eigentlich gesagt, dass telefonieren und Auto fahren nicht gleichzeitig gehe? Unser Chauffeur ist ein veritabler „mago della strada“. Und so richtig in Fahrt kommt er, als er erfährt, dass wir aus der Schweiz sind. Er gratuliert uns zu unserem Fussball-Team und lässt uns wissen, dass er es grossartig findet, dass unser Team die „bastardi francesi“ aus dem EM-Turnier rausgekegelt hat. Una bellissima vittoria. Seine Freude darüber scheint grenzenlos. Wir kommen beim Fährhafen an, bezahlen unseren Kutscher und verabschieden uns.

Einfahrt aus Capri in Napoli

Und um 14.30 h brechen wir zur dritten Etappe unserer heutigen Tagesreise auf. Von Neapel nach Stromboli. Das Schnellschiff bringt uns in rund 5 Stunden nach Stromboli. Die Fahrt verläuft ruhig und unspektakulär. Einzig ein wenig kühl ist es, wir haben vergessen, was langärmliges ins Handgepäck zu einzupacken. Gegen 19.30 Uhr treffen wir in Stromboli ein.

Blick auf den rauchenden Stromboli

Am Hafen herrscht rechter Betrieb, der sich aber mit jedem Schritt von der Mole weg legt. Auf dieser Vulkaninsel verkehren ausschliesslich Ape-Taxis und Golf Carts. Eines unseres Hotels La Sirenetta Park wartet bereits auf uns bringt uns in einer kurzen Fahrt zum Hotel, wo wir das Zimmer 411 beziehen können. Die Parkanlage besteht aus einzelnen Zimmer-Einheiten, die jeweils über eine kleine Terrasse mit Meersicht verfügen. Traumhaft schön. Zudem haben sie hier auch gleich noch einen Sonnenuntergang für uns vorbereitet, so dass wir Hin und Weg sind.

Sonnenuntergang in Stromboli

Ein leichtes Abendessen im hoteleigenen Restaurant bildet den Abschluss des heutigen Tages. Aus der kleinen Karte wählen wir den „Fisch“ Totano aus. Google Translator übersetzt „Totano“ mit Pfeilkalmar. Na gut, probieren wir den Mal aus. Als die Teller vor uns auf den Tisch gestellt werden, ist die Überraschung über unsere Auswahl doch recht gross. „Das han ig mir nid so vorgschteut.“, meint Martin spontan. Auf jedem der beiden Teller liegen zwei Pfeilkalmare mit hübsch drapierten Tentakeln 🦑. Erst jetzt dämmert es uns: Kalmar – calamari … Eh be … Die Kalmare – an einem Olivenöl-Kräuter Jus schmecken aber herrlich. Sie werden einfach so zusammen mit Brot gegessen. Ende gut alles gut. Das Essen schliessen wir mit frischen Aprikosen und Kirschen ab, die so richtig aromatisch sind und uns in Bella Italia schwelgen lassen.

Totano - Pfeilkalmar

 

 

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Mittwoch, 30. Juni 2021: Strandtag in Minori

Heute weiss das Wetter nicht genau was es will. Wir beschliessen, mit dem frühen Morgen-Schiff nach Minori zu fahren und dort ein zweites Frühstück im the place to be zu uns zu nehmen. The place to be in Minori ist die Confiserie „Sal de Riso“. Salvatore de Riso ist Confiserie-Meister seines Fachs. Es werden unzählige Arten liebevollst zubereiteter Patisseries angeboten. Alles sieht sehr hübsch und lecker und zum Anbeissen fast zu schön aus. Ich war bereits vor zwei Jahren einmal dort, an einem Sonntag. Der Laden war proppenvoll, das reinste Gewusel von Gästen, die sich was Gutes gönnen wollten. Der Maestro himself war an diesem Tag zugegen und viele wollten sich mit ihm photographieren lassen, was die Unruhe im Laden und natürlich vor allem den Lärmpegel noch verstärkte. Wir bestellen uns je einen Cappuccino und ein Cornetto – einmal alla crema und einmal con la marmelata ciliegi. Alles mundet köstlich. Nun steht einem Strandtag nichts mehr im Weg.

Zu Besuch bei Sal de Riso

Zur Hälfte des Preises von Positano mieten wir in Minori zwei lettini e un ombrello. Der Sonnenschirm wird seinen Dienst erst am Nachmittag leisten müssen, denn am Vormittag ist‘s noch bewölkt und weit und breit nichts von Sonne. Aber das spielt uns keine Rolle. Denn fürs Lesen, Tag-Träumen und am Strand Spazieren ist das Wetter perfekt. Wir geniessen die Zeit, die Wärme und das Meer. Am Mittag geht das Schlemmen weiter. Im Lebensmittel-Lädchen „PANE, AMORE & FANTASIA“ haben wir uns zwei Panini mit Käse und grillierten Zucchini zubereiten lassen.

Pane, Amore e Fantasia

Mmmmmmhhh. Nach einem etwas ausgedehnteren Schwumm gibt‘s noch ein Gelato (Cornetto Canolo siciliano). Bevor wir mit dem letzten Traghetto von Minori nach Amalfi zurückkehren, genehmigen wir uns im Sal de Riso Strandcafé noch einen Apéro mit super schönem Apéro-Plättchen. Spitzenklasse was einem da geboten wird.

Leckeres Apéro

In Amalfi essen wir heute Abend im Restaurant # Al caneletta. Es gibt eine Burrata- bzw. Salat-Vorspeise und dann Dorade im Fenchelmantel und Kartoffelstock mit Zitrone. Ein Millefeuille mit Früchten und ein caffè (schön nacheinander) runden das Essen ab.

Mille feuille

Am Platz des Aussenbereichs des Restaurants befindet sich auch das Geschäft Deli Coast, in dem wir an den beiden Vortagen die Panini für die Wanderungen gekauft haben. Das Besitzerpaar erkennt Martin und gesellt sich kurz zu uns, um mit uns über die Wanderung ins Valle delle Ferriere zu sprechen. Martin hat ihnen am Morgen bereits Fotos per WhatsApp zukommen lassen. Es entwickelt sich ein herzliches Gespräch, in das auch das Servicepersonal einbezogen wird. Wir ordern für den morgigen Tag noch gleich zwei Panini als Reiseproviant für unseren Transfertag von Amalfi nach Stromboli. Wobei Martin vielleicht nach Santorini reist. Er spricht immer von Santorini, obschon er Stromboli meint. Ein letztes Mal steigen wir bei diesem Amalfi-Aufenthalt die Stufen – des Nachts wieder mit zahlreichen Katzen auf den oberen Treppenabschnitten – hinauf. Rasch noch unsere Sachen packfertig vorbereitet und dann geht‘s ins Bett.

Den Dom von Amalfi voll im Blick

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Dienstag, 29. Juni 2021: Scopri Amalfi – Valle delle Ferriere

Mehr Italianità als auf unserer Terrasse im Casa Mao geht fast nicht. Es ist angenehm frisch, die Sonne muss am Morgen früh zuerst noch die Küstenhügel-Höhe erklimmen, der Blick auf den Duomo und das Meer sind einzigartig schön Dann und wann schwappt eine Duftwelle von frisch gebrautem Kaffee bzw. eines Brodos herüber. Und seit kurz nach 6 Uhr kräht auch heute ein Hahn, bellt dann und wann ein Hund und raunzen die Katzen. Wir frühstücken gemütlich und steigen dann ins Städtchen runter, wo wir uns Panini als Wanderproviant besorgen. Das Ladenbesitzer-Paar erkundigt sich, wohin es heute gehe. Als wir ihnen sagen, dass wir ins Valle delle Ferriere wollen, zeigt er uns auf seinem Handy Bilder und gibt uns noch Tipps zu Badestellen. Zudem fordern sie uns auf, ihnen morgen dann unsere Bilder zu zeigen. Die Sandwiches und Kartoffelkroketten, die für die heutige Wanderung kaufen, werden uns auch heute herrlich munden.

Der Hauptgasse von Amalfi folgend, biegen wir vor dem Elektrohändler des Ortes rechts ab und steigen die ersten Treppenstufen Richtung Pontone hoch. Die ersten … es werden noch hunderte folgen bis wir entlang der Zitronen- und Orangen-Haine in Pontone ankommen.

Treppen von Amalfi nach Pontone

Zum Glück hat‘s hier eine Sitzbank, auf der wir uns etwas ausruhen und vor allem etwas trinken können. Hier kaufen wir uns auch die Zutritts-Karte für das Natur-Reservat mit den Wasserfällen. Der Weg führt durch leicht coupierte, waldige bzw. offene Passagen. Stets ist es kurzweilig und gibt immer etwas zu sehen (Pflanzen, Tierchen) bzw. zu hören (Vögel, Bach). Ab und zu kommen wir an Fabrik-Ruinen vorbei, in denen früher Papier hergestellt worden ist.

Mittlerweile gibt es in Amalfi nur noch eine Papiermühle, die gleichzeitig als Museum dient. An einer schönen Stelle am Bachlauf entscheiden wir uns, zu Mittag zu essen. Panini und Crocettas munden herrlich.

Deli Coast hat uns feine Sachen mitgegeben!

Wir setzen unseren Weg fort und kommen recht bald zum Naturreservat mit den erfrischend schönen Wasserfällen. Von überall läuft Wasser über die Moos- und Farn-überwucherten Felsen. Es ist erfrischend kühl hier und wir geniessen den Aufenthalt in dieser Waldoase (viele Frösche).

Im Valle delle Ferriere

Im Valle delle Ferriere

Frosch im Valle delle Ferriere

Danach geht‘s gemütlich zurück nach Amalfi. Dies aber nicht bevor wir uns in einem Pool-Becken des Flusslaufs ein erfrischendes Bad gegönnt haben.

Bad im Valle delle Ferriere

Mehr Erfrischung geht nicht mehr. Der Amalfi-Aare-Guru würde zwar etwas in der Richtung „Das Wasser ist hier so kalt, dass sich eine Tasse heissen Zitronen-Tees subito in eine Zitronen-Granita verwandeln würde.“ schreiben. Aber wir sind glücklich. Denn kurz danach gibt‘s eine kleine Bar, in der wir eine super leckere Granita geniessen.

Granita als Erfrischung

Spontan beschliessen wir, noch einen Abstecher nach Atrani – der kleinsten Gemeinde Italiens anzuhängen. Der Fussweg führt hinter dem Dom von Amalfi durch, dann durch einen Fussgängertunnel und das letzte Stück in Sichtdistanz dem Meer entlang. Wir erkunden Atrani auf die spontane Art, sind aber nicht unglücklich als uns unser Weg wieder zum Hauptplatz kommen lässt, wo wir uns eine flüssige Erfrischung genehmigen. 

Zurück in Amalfi kehren wir ins Casa Mao zurück, duschen und bringen unsere Wandersachen auf Vordermann. Nach einem Apérol-Apéro bei Pansa gehen wir noch einmal ins Restaurant San Giuseppe zum Abendessen. Auch heute werden die Uccelli wieder mehr als satt (Spruch von Martin bei unserem ersten Besuch am Sonntag, dass wir zu Hause am Abend sonst nur wie die Vögelchen essen).

Nachtessen

Mit Deutschland scheidet ein weiterer Titel-Aspirant an der Fussball-Euro 2020 aus. Jogis Zeit als Trainer der deutschen Fussball-Nationalmannschaft findet ein überraschend jähes Ende (Deutschland – England: 0 – 2). Dafür hat die Schweizer Fussball-Nati mit ihrem Sieg über Frankreich die Herzen der Italiener gewonnen. Jede/r scheint Tifo der squadra svizzera zu sein.

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Montag, 28. Juni 2021: Zwischen Himmel und Wasser … aber am Schluss definitiv im Wasser 😊

Wir haben herrlich geschlafen und starten erholt und voller Tatendrang in den neuen Tag. Die verhältnismässig “kühlen” Morgenstunden verbringen wir auf unserer terrazza – lesend, Tagebuch schreibend und Pläne schmiedend. Auf der Dachterrasse serviert uns Gianfranco ein liebevoll arrangiertes Frühstück. Da wir zu dieser Zeit noch die einzigen Gäste im Casa Mao sind, „gehört“ auch diese Terrasse uns. Der Blick aufs Städtchen und das Meer ist herrlich, dazu ein Cappuccino und einige fette biscotate (mir säge dene Zwieback) – was wollen wir mehr? Gianfranco feiert heute seinen 37. Geburtstag. Wir überreichen ihm eine Packung mit Mandelbärli in verschiedenen Aromen. Er freut sich riesig und inszeniert diese fotografisch am Tisch nebenan.

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Etwas später machen wir uns in unseren Wanderutensilien aber noch leerem Rucksack auf den Weg ins Zentrum, wo wir uns den Proviant für unsere heutige Wanderung besorgen. In einem kleinen Panini-Laden Deli Coast lassen wir uns zwei „personalized“ Panini zubereiten, kaufen zwei Arancini und genügend Wasser – denn es wird warm werden auf der Wanderung von Bomerano nach Positano. Um 10.15 Uhr geht‘s mit dem Bus los Richtung Agerola-Bomerano. Die Enge der Strasse, der starke Verkehr sowie zahlreiche Waren-Anlieferungen machen die Fahrt zum Abenteuer. Der Fahrer bleibt gelassen und entspannt und ist seinerseits wohl froh, als er im „Berg“-Dorf Bomerano (auf ca. 650 m gelegen) die geschwätzige Meute an Wanderturisten aus dem Bus hat. Bomerano ist ein hübsches kleines Dorf, das den Ausgangspunkt der heutigen Wanderung auf dem Sentiero Degli Dei bildet.

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Der Sentiero führt mit wundervollen Aussichtspunkten und tollem Panorama auf die Amalfiküste von Bomerano nach Nocelle. Wir wandern los und schon bald reiht sich vor uns die gesamte Amalfiküste bis zum Horizont hin auf. Was für ein erhebendes Gefühl. Himmel und Meer gehen fliessend ineinander über. Wir entdecken schöne Blumen und Gewächse (z.B. Aronstab), unzählige Arten Schmetterlinge 🦋 und Insekten. Dazu entwickeln wilder Rosmarin und Eukalyptus bei den hohen Temperaturen ein Duftgemisch, das in uns den Eindruck aufkommen lässt, wir seien in der Sauna. 

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Wir schwelgen im „wanderers high“ – sind glücklich und geniessen jeden Moment – natürlich auch die Mittagsrast, die wir an einem der raren schattigen Plätzchen verbringen. Gut gestärkt erklimmen wir „bachnass“ die letzten Steinstufen bis nach Nocelle, wo wir in einer kleinen Bar Wasser und eine Zitronen-Granita (eine Art Zitronen-Sorbet) geniessen. Welch herrliche Erfrischung – innerlich wie äusserlich – an diesem luftigen Spot mit Blick aufs Meer.

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Dann geht’s weiter: Auf uns warten noch rund 1’400 Treppenstufen runter nach Positano. Runter geht immer, sagt man und das ist so – aber am Schluss fahren die Stufen schon recht ein. Drum sind wir froh, als wir in Positano ankommen. Denn auf uns wartet hier ein weiteres Highlight. Wir haben heute Morgen auch unser Badezeug in den Rucksack eingepackt und das soll jetzt zum Einsatz kommen. Zwei Liegestühle und einen Sonnenschirm für 45 Euro – nein, nein, nicht gekauft nur gemietet 😂 – und auf geht’s ins Meer. Göttlich, die Erfrischung ist perfekt und was gibt es schöneres als auf dem Rücken treibend auf dem Wasser zu liegen und den Blick in Richtung Höhenzug des Sentiero Degli Dei schweifen zu lassen!

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Mit dem letzten Kurs-Schiff geht‘s zurück nach Amalfi, wo wir im Restaurant La Galea ein leckeres, leichtes Fisch-Znacht geniessen. Als Dolce gibt‘s ein Zitronen-Tiramisu … auch leicht, versteht sich.

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 Ach ja und da war ja am Abend noch dieses Fussballspiel an der EM 2020: Schweiz gegen Frankreich. Spektakulär war es mit allem Drum und Dran (z.B. verschossener Penalty der Schweiz) und hat am Schluss mit einem 8 zu 7 der Schweizer im Penalty-Schiessen geendet (3 – 3 nach der regulären Spielzeit). Das hoch attraktive Spiel mit hoch motivierten CH-Spielern vermag die Schweizer mit ihrer Nati wieder mal zu versöhnen.

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Sonntag, 27. Juni 2021: Am Kino vorbei Richtung Friedhof

Heute unternehmen wir einen Stadtbummel in Salerno. Vom Hotel geht‘s zum Lungomare und dann rein in die Altstadt mit ihren verwinkelten, engen Gässchen. Es bereitet mir Freude, Martin die Lokalitäten und Plätze zu zeigen, an denen ich mich vor zwei Jahren gerne aufgehalten habe: Die Sprachschule mit Meersicht, das Café Rosa (das heute bis auf den letzten Platz im Aussenbereich gefüllt ist), die kleinen lauschigen Plätze, an denen man das Gefühl hat, dass die Zeit stehen geblieben ist. Wir schlendern planlos, die Stadt hinauf bis wir zum Giardino della Minverva (Orto botanico della Schola Medica Salernitana) stossen. Für mich der schönste Ort der Stadt, wobei eben auch hier gilt: Der Weg ist das Ziel. Der am westlichen Ende von Salerno gelegene Garten empfängt einen als Zentrum botanischer und medizinischer Gelehrsamkeit. Eine zauberhafte Gartenoase mit traumhaftem Blick über Stadt, Hafen und Meer. In der Tisaneria Nemus gönnen wir uns einen kalten Kräutertee bevor wir die Heilkräuter-Gärten, die mit einem durchgängigen Wasserkanal-System erschlossen sind, durchqueren. Das kühlende Nass und insbesondere die schattigen Plätzchen machen den Aufenthalt im Garten bei den warmen Temperaturen zum Genuss.

Minerva-Garten in Salerno

Danach steigen wir wieder runter in die Stadt. Es ist Mittagszeit, alles ist für italienische Verhältnisse sehr ruhig, nur wenige Leute begegnen uns. In den Gässchen duftet es mehrheitlich nach Essen aber auch immer wieder nach Javelwasser und frisch gewaschener Wäsche, die Gassen-querend zum Trocknen aufgehängt ist. Der Duomo di San Matteo hat geschlossen, so können wir uns nur den maurisch wirkenden Säulenhof anschauen.

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Wir ziehen weiter und gönnen uns in der Nähe des Hotels eine Piadina und ein kühles Getränk (Martin geniesst ein Lemonsoda – aus sizilianischen Zitronen 🍋). Wir holen unser Gepäck beim Hotel ab und begeben uns an den Travelmar-Hafen. Mit dem 15.30 h Schiff geht‘s für uns weiter nach Amalfi.

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Dort werden wir von Gianfranco erwartet, unserem Gastgeber in Amalfi, wo wir im Casa Mao nächtigen werden. Ich war schon vor zwei Jahren bei ihm bzw. im Casa Mao. Er ist ein richtiger Gastgeber. Er begrüsst uns mit einem wunderschönen Bouquet, das er mir überreicht. Er habe sich sehr über unsere Buchung gefreut und zu sehen, dass ein Gast wieder zurückkehre sei für ihn das höchste.

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Es ist sehr warm und die rund 200 Treppenstufen an Dom und Kino vorbei dem Wegweiser Richtung „Cimitiero“ folgend zum Casa Mao stellen „eigentlich“ keine grosse Herausforderung dar. Aber mit dem Duffle-Bag am Rücken sind sie eine schweisstreibende Angelegenheit. Völlig verschwitzt treffen wir beim Casa Mao ein, wo wir das schönste Zimmer mit zwei Balkonen und Sicht auf den Dom und das Meer haben. Idylle pur – unbeschreiblich. Man muss es erleben. Gianfranco gibt uns noch verschiedene Tipps zu Ausflügen (Wanderungen) und Restaurants und lässt uns fühlen mit wieviel Herzblut er sein Business betreibt. Da Gianfranco nicht im Casa Mao lebt, gehört dieses heute nur uns – wir sind die einzigen Gäste. Wir duschen zum zweiten Mal am heutigen Tag und legen uns etwas hin, bevor wir uns auf den Weg zum Domplatz machen, wo wir uns Amalfi-konform einen Lemon Spritz genehmigen. Wie immer ist auf dem Domplatz viel los. Heute ist der Tag des Sankt Andreas, des Schutzpatrons des Duomo di Amalfi. Die imposante „Showtreppe“ zum Dom wird „nur“ von Einheimischen und Touristen bevölkert. Es gibt heute keine Hochzeitspaare, die sich mit und ohne Hochzeitsgesellschaft auf der Treppe in Szene setzen.

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Dafür spielt unten die Musik. Die Musikgesellschaft Amalfi-Atrani (😉) spielt auf. U.a. spielen sie die italienische Nationalhymmne, was natürlich sehr gut ankommt. Una lacrima sul viso … In der Trattoria San Giuseppe, wo wir einen Tisch reserviert haben, gibt‘s für uns ein feines Abendessen. Dabei ist Martins „Plättchen“ mit regionalen Käse- und Charcuterie-Spezialitäten der Hit. Risotto-Primo und Fisch bzw. Dorade im Salzmantel komplettieren die Schlemmerei. Dazu eine Flasche lokaler Rotwein. Was will man mehr als einfach dankbar sein und geniessen. Beschwingt erklimmen wir die Stufen zu unserem Daheim.

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Samstag, 26. Juni 2021: Lust aufs Reisen – Reiselust

Kurz vor halb sechs fordert der Wecker einmal mehr unsere Aufmerksamkeit. Puh, ich bin ja noch so müde – muss ich wirklich schon aufstehen? Ja, ich muss, ich will … ja, ja, ja. Denn heute geht‘s in die Ferien nach Italien! Also nichts wie raus aus dem Bett, duschen, sich reisefertig machen und los geht‘s. Am Bahnhof angekommen, organisiert Martin Kaffee, Brötchen und zwei Salatschalen als Reiseproviant. Und schon fährt der Zug ein, der uns heute direkt nach Milano bringen soll. Tut er auch – einfach leider mit etwas mehr als 30 Minuten Verspätung. Diese ist auf die administrativen Kontrollarbeiten beim Grenzübertritt in Domodossola zurück zu führen. Covid-bedingt ist ein Einreiseformular und ein negativer Covid-Test vorzulegen und es wird im Schnelldurchlauf Fieber gemessen. So kommt es denn in Milano zum Anschlussbruch bei der Weiterreise nach Salerno. Wir bleiben ruhig, schliesslich haben wir Ferien. Da wir erst um 14.25 Uhr weiterreisen können (ursprünglich war die Weiterreise für 11.10 Uhr geplant), beschliessen wir, im Bahnhof Mittagessen zu gehen. Es gibt Fisch mit gebackenen Rosmarin-Kartoffeln. Lecker. Danach noch zwei Caffè … pro Person – ich hänge etwas in den Seilen. Noch ein kurzer Abstecher in die Trenitalia Lounge und schon steigen wir in den Zug, der uns gegen 19.15 Uhr nach Salerno bringen sollte.

Frecciarossa 500 in Milano Centrale

Wie ist das schön: In einem modernen Zug zu sitzen (Corona-bedingt nur zu Zweit in einem Vierer-Abteil), Getränke und Snacks serviert zu erhalten und den Blick in die Landschaft gleiten zu lassen, durch die der Zug mit fast 300 Sachen braust. Dazu lesen, Musik hören oder auch einfach nichts tun. Im Coop beauty & wellness Heftchen, das ich durchblättere, stosse ich auf Pfirsich-Rezepte 🍑, die ich zu Hause unbedingt ausprobieren will: Grillierter Pfirsich-Tomatensalat und pochierte Crevetten mit Pfirsich-Dip. Erste Ferien-Inspirationen. Kurz vor halb Acht kommen wir in Salerno an. Salerno empfängt uns mit einer sonnig-warmen Atmosphäre. In der Fussgängerzone hat es noch recht viel Betrieb. Einige Geschäfte sind noch geöffnet und in den Bars tritt man sich zum Apéro. „Meer sehen“ ist unsere Devise. Darum deponieren wir nur kurz unser Gepäck im Hotelzimmer und machen uns gleich auf den Weg zum Lungomare. Ich bin glücklich, nach zwei Jahren wieder zurück in Salerno zu sein. Hier wo ich 2019 bei meinem Sprachaufenthalt eine so schöne, unbeschwert freie Zeit verbracht habe. Auf „Deck“ der Embarcadero Bar direkt am Meer geniessen wir die Abend-Stimmung und einen ersten Aperitivo.

Innenhof mit Vespa

Anschliessend geht‘s durch die engen Gässchen zurück zu Duomo und Monastero, wo heute die Carabinieri bzw. die Guardia di Finanza ihre Büros haben. Im kleinen Fisch-Restaurant „l‘Unica“ lassen wir uns im Aussenbereich nieder. Unser Menu: Antipasto: Sgombro (Makrele) auf Salat und Alice (Sardinen) filetiert mit einer dünnen Schicht Mozarella di Buffola überbacken. Primo: Spaghettino con gambero rosso (wir teilen uns eine Portion) Secondo: Tuna grigliata con melanzane (auch hier teilen wir uns eine Portion) Dazu eine Flasche leckeren Rotwein aus der Gegend und … gut ist … nein perfekt ist. Die Wärme, das feine Essen, die schöne Stadt … Glückseligkeit pur.

Euro in Italia

Gleichzeitig läuft das EM-Spiel zwischen Italien und Österreich. Lange wollen keine VAR-konformen Tore fallen, das Spiel geht in die Verlängerung. Und dann endlich erschallt der (Italien-Fans) erlösende Jubel ein erstes Mal und kurze Zeit später ein zweites Mal. Das Tor der Österreicher kriegen wir erst auf einem Screen kurz vor unserem Hotel mit, das „verschweigen“ die Italiener. Wir sind heute auch Italien-Fans und applaudieren beim Schlusspfiff mit. Zurück ins Hotel und den Kopf ablegen. Der Wein hat diesen irgendwie schwer gemacht …

Berührende Worte aus der Todesanzeige von Otto Wenger, der am 19.06.2021 verstorben ist: „Das Leben auf dieser Erde wurde uns geschenkt. Wenn wir erlebt haben, was war und wir nicht mehr erleben können, was sein wird, schenkt uns der Tod die Ruhe im Schoss der Erde.“ (Otto Wenger)

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Freitag, 14. Mai 2021: Der westlichste Punkt der Schweiz bildet den Abschluss.

Heute war der letzte Tag der diesjährigen Auffahrtsreise. Ich begann diesen mit einer Joggingrunde am Genfersee.

Impressionen vom Morgenjogging in Genève

Es war eine tolle Runde – Genève hatte noch geschlafen und ich hatte die Seepromenade quasi für mich alleine.
Hotelfrühstück gab es für uns Budgettouristen keines – wir organisierten uns was Feines am Bahnhof und fuhren anschliessend mit dem Zug nach Lancy Pont-Rouge. Vor ein paar Jahren war dieser Bahnhof eine kleine Haltestelle. Heute ist es ein öV-Umsteigepunkt erster Güte mit Anschlüssen auf Busse und Trams. Das Resultat war, dass wir den Anschlussbus nach Chancy, Douane erst im letzten Moment gefunden und diesen verpasst haben. 30 Minuten später fuhr der nächste… Wir sind also an de Endstation Chancy, Douane ausgestiegen und sind in Richtung des westlichsten Punktes gewandert. Der genau westlichste Punkt befindet sich mitten in der Rhone, die recht hoch war. Der westlichste Grenzstein ist Grenzstein 1.5.

Der westlichste Punkt der Schweiz befindet sich bei diesem Grenzstein bei Chancy

Nix, aber auch gar nix deutet darauf hin, dass dies der westlichste Punkt ist. Es hat einfach diesen Grenzstein. Aber keine Erklärungen dazu. Wenn man keine vorgängigen Recherchen betreibt, würde man diesen Stein nicht als DEN Stein erkennen. Wettermässig ist es regnerisch, sodass wir mit dem Regenschirm unterwegs sind. Und der Boden ist schlammig, das Wandern ist schwierig. Wir wandern dem Grenzverlauf entlang und treffen immer wieder auf Grenzstellen ohne Zöllner.

An der Grenze zu Frankreich

Und der Kanton Genf, welcher für uns Deutschschweizer doch nur als Stadtkanton bekannt ist, hat durchaus auch hübsche Seiten.

Unterwegs im schweizerisch-französischen Grenzgebiet

Die Wanderwege sind recht tief und in Avusy nehmen wir den Bus nach La Plaine und den Zug nach Genève. Mit schmutzigen Schuhen holen wir unser Gepäck im Hotel. Nun einfach so von Genève nach Bern zu fahren wäre zu einfach. Drum fahren wir nach Neuchâtel (hier mussten wir wegen ausserordentlichen Bauarbeiten noch in Morges umsteigen) und von dort mit der BLS in einem neuen MIKA-Zug nach Bern. Hier trennten sich unsere Wege.

Internationale Reisen sind in diesen Zeiten erschwert. Aber die Reise zu den geografischen Extrempunkten der Schweiz hat sehr viele tolle Erlebnisse gebracht. Und Reisen mit Woody sind immer wieder ein sicherer Wert, dass die Reise Spass macht. Merci Woody – bis spätestens Auffahrt 2022!

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Auffahrts-Donnerstag, 13. Mai 2021: Ganz im Norden der Schweiz.

Heute war der Tag, der unserer Reise die Berechtigung gibt: Auffahrt. Woody blieb liegen, ich machte mich gegen 6:30 Uhr auf zu einer Joggingrunde. Ich hatte mir vorgenommen, auf der einen Rheinseite zum Rheinfall zu joggen und dann auf der anderen Seite wieder zurück. Das Wetter war nicht perfekt, dafür aber das Erlebnis – GENIAL!

Joggend am Rheinfall

Nachdem ich wieder im Hotel war ging es ans packen, dann frühstücken und dann an den Bahnhof Schaffhausen. Hier suchten wir die Bushaltestelle der Linie nach Bargen – und fanden sie nach einiger Zeit… Die Fahrt nach Bargen dauerte knapp 20 Minuten. Dieses Dorf war heute Ausgangspunkt für die Wanderung zum nördlichsten Punkt der Schweiz. Zuerst führte die Wanderung der Autostrasse entlang und führte uns dann, teilweise über deutsches Gebiet, nach einer Stunde zum Grenzstein 593. Im örtlichen Dialekt wird er „Schwarzer Staa“ genannt – der schwarze Stein. Allerdings ist er nicht schwarz, sondern einfach grau. An diesem Ort hatte der Kanton Schaffhausen jeweils Verurteilte oder Verbannte abzuschieben. Heute hat es eine Grillstelle und eine Schautafel mit Erklärungen zum Schwarzen Stein.

Grenzstein 593 ist der nördlichste Grenzstein der Schweiz

Der Stein hat einen quadratischen Grundriss von 30 Zentimetern und besteht aus Kalk. Er ist insgesamt 150 Zentimeter hoch und ragt etwa 70 Zentimeter aus dem Boden. Errichtet wurde er 1839 anlässlich der Vermessung der badisch–schweizerischen Grenze.

Der Stein trägt auf allen vier Seiten eingemeisselte Inschriften:

  • Nordseite: GB (Grossherzogtum Baden); E (Gemeinde Blumberg-Epfenhofen)
  • Ostseite: 1839 (Jahr der Festlegung der Grenze)
  • Südseite: CS (Canton Schaffhausen); B (Gemeinde Bargen)
  • Westseite: 593 (Nummer des Steins)

Auf der Oberseite ist der exakte Grenzverlauf eingraviert; die Linie vollzieht hier einen scharfen Knick.

Der nördlichste Grenzstein der Schweiz - der Schwarze Stein

Nach einem kurzen Moment bei diesem Stein wanderten wir weiter, dieses Mal möglichst dem Grenzverlauf entlang, zurück nach Bargen. Nun ging’s wieder mit dem Bus nach Schaffhausen, mit dem Zug nach Winterthur und dann mit dem ICN via Jurasüdfuss nach Genève.

Hier hatten wir über Booking das Hotel Warwick, gleich gegenüber des Bahnhofs, gebucht. Das Hotel sah recht teuer aus, aber wir bezahlten CHF 170 fürs Zimmer. Ich kann mir gut vorstellen, dass das Zimmer in der Nicht-Corona-Zeit etwa 600 Stutz kostet. Und nun kommen statt kaufkräftige Araber zwei Schweizer mit Dufflebags… Trotzdem erhielten wir ein Zimmer im 7. Stock, mit einer Terrasse welche uns einen tollen Blick aufs Bahnhofgebäude ermöglichte.

Bahnhof Genève vom Roof Top aus gesehen

Nachdem wir uns für eine Nacht eingerichtet hatten machten wir uns auf die Suche nach einem Nachtessenslokal. In Hotelnähe fanden wir ein libanesisches Spezialitätrenrestaurant wo wir ausgezeichnet essen konnten.

Libanesisches Nachtessen in Genève

Das Essen war lecker und der Sonnenuntergang, der uns auf der Terrasse geboten wurde, spektakulär.

Sonnenuntergang in Genève

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Mittwoch, 12. Mai 2021: Zuerst in Österreich – und dann in Schaffhausen.

Nach dem Frühstück ging’s los an den Bahnhof. Zuerst mal das Gepäck im Schliessfach einstellen, dann aufs Postauto nach Martina, wo wir direkt Anschluss nach Samnaun hatten. Eigentlich wollten wir ja den östlichsten Punkt der Schweiz besuchen. Nur ist dies ein Berg auf über 2700 m über Meer – zu anspruchsvoll für uns Flachländer… Also wählten wir den östlichsten Haltepunkt des öffentlichen Verkehrs in der Schweiz – und das ist die Postautohaltestelle „Vinadi“ an der Strecke nach Samnaun. Der wirklich östlichste Punkt ist nur 1850 m östlicher als diese Haltestelle – somit ist es vertretbar, die Spielregeln für diesen Fall ein bisschen anzupassen.

Vinadi ist die östlichste Haltestelle der Schweiz

Der Name «Vinadi» ist romanische Übersetzung von «Weinberg». «Weinberg» wiederum rührt nicht von einer tatsächlichen früheren oder aktuellen Rebpflanzung her, sondern ist eine volksetymologische Umdeutung von wimberg, was seinerseits auf althochdeutsch wimî mit der Bedeutung «sprudelndes Wasser, Quelle» zurückgehe. Das weiss Wikipedia.

Vinadi besteht aus grad mal drei Gebäuden: einem Restaurant, einem ehemaligen steinernen Wohnhaus des Zolls und dem ehemaligen Zollkiosk, der momentan nicht in Verwendung ist.

Dieses Gebiet hier gehört erst seit 1868 definitiv zur Schweiz, vorher war es ein Teil Tirols. Und seit das Gebiet zur Schweiz gehört, konnte man eine Strasse nach Samnaun bauen. Die 1912 ab Vinadi über schweizerischen Boden nach Samnaun führende Samnaunerstrasse ist nur mit Fahrzeugen bis zu einer maximalen Fahrzeugbreite von 2,3 m sowie einer maximalen Fahrzeughöhe von 3,0 m befahrbar. Die Samnaunerstrasse ist zudem steinschlaggefährdet und nicht wintersicher. Den Hauptzufahrtsweg bildet die besser ausgebaute Strasse auf Tiroler Boden über Spiss.

Wir nutzten die Zeit bis zur Abfahrt des nächsten Postautos zurück nach Scuol zu einem Spaziergang an den Inn und eine (gaaaanz kurze) Besichtigung der Burg Altfinstermünz. Diese Burg liegt auf österreichischem Boden. Aufgrund von Covid-Massnahmen konnte man die Gebäude nur von aussen besichtigen. Eine längere Besichtigung wäre aufgrund unseres Zeitplans auch nicht dringelegen. So gab es nur einen (illegalen) Abstecher nach Österreich und schon ging’s wieder zurück an die Haltestelle in Vinadi.

Burg Altfinstermünz

Zeitlich haben wir uns bei diesem Abstecher zur Burg Altfinstermünz komplett verschätzt. Wir mussten uns sputen, damit wir das nächste Postauto erreichen. Eine Stunde in Vinadi aufs nächste Poschi zu warten wäre nicht so prickelnd gewesen. Der ganze Weg, den wir an den Inn hinuntergingen, ging’s natürlich nun wieder hinauf – 90 Meter… Wir liefen konditionell am Anschlag und drohten das Poschi zu verpassen. Die Hauptstrasse war schon in Blickweite – und schon kam das gelbe Fahrzeug daher. Verpasst! Verpasst? Nein, Woody winkt dem Chauffeur, dieser hält sein Fahrzeug mitten auf der Strasse an (zur Haltestelle wäre es noch ca 200m gegangen) und wir können einsteigen… Service Public as it’s best!

Nachdem wir mit dem Postauto in Scuol angekommen sind beziehen wir wieder unser Gepäck aus dem Schliessfach und fahren anschliessend mit dem Zug nach Samedan. Hier haben wir ordentlich Zeit bis der Anschlusszug nach Chur fährt, sodass wir eine Kleinigkeit Proviant kaufen können und Trainspotting betreiben können.

Und wir haben Glück: Plötzlich fährt ein Güterzug ein, der mit einer Ge 4/4 I bespannt ist! Diese Lok wurde 1947 gebaut und ist heute noch im Einsatz! Ein echter (G-) Oldtimer also:

Die Ge 4/4 603 wurde 1947 gebaut - und ist heute noch im Einsatz!

Ein paar Minuten später sind wir mit dem Anschlusszug nach Chur weitergefahren. Wir genossen die Fahrt über die Albulabahn, welche seit 2008 als UNESCO-Welterbestrecke verzeichnet ist.

Fahrt über den Viadukt bei Filisur

Von Chur aus fuhren wir über Sargans und das St. Galler Rheintal nach Rorschach. Hier fuhr auf dem Nebengleis ein älterer Triebwagen von Thurbo ein, der als Destination „Auf Wiedersehen“ angeschrieben hatte. MIr kam in den Sinn, dass Thurbo die älteren Fahrzeuge ausser Dienst nimmt. Wohin fährt dieser Zug? Ich schaute kurz in den internen Systemen nach und stellte fest, dass dieser Zug die gleiche Strecke befährt wie wir. Statt wie wir bis Schaffhausen fährt dieser Zug nach Etzwilen. Dieser Bahnhof war früher ein Grenzbahnhof zu Deutschland (Strecke Singen-Etzwilen) und verfügt noch heute über grössere Gleisanlagen. Aus diesem Grund wir dieser Bahnhof auch als „Fahrzeugfriedhof“ benützt, als Zwischenlager für Fahrzeuge, bevor es dann in den Abbruch geht. Also war für uns klar, dass wir in Etzwilen einen Zug überspringen werden, damit wir dem Thurbo-Zug sein „letztes Geleit“ geben können.

Thurbo GTW 683 auf seiner letzten Fahrt.

Es war eine kurze und schmerzlose Episode: Einfahrt in Etzwilen. Abstellen in der Abstellgruppe – fertig. Und wird dieser Zug wohl besprayt und dann irgendwann der Reststoffverwertung zugeführt.

Wir fuhren weiter bis Schaffhausen und haben uns im Hotel Rüden einquartiert. Das Nachtessen konnten wir im Kronenhof geniessen. Und nach einem Verdauungsspaziergang durch Schaffhausen ging’s schon bald in die Heia.

Munot Schaffhausen by night

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Dienstag, 11. Mai 2021: Gotthard Panorama-Express ohne Panorama.

Nach dem Frühstück packten wir unsere Sachen und gingen zum Bahnhof Lugano. Heute war eine Fahrt mit dem Gotthard Panorama Express GoPEx auf dem Programm. Da das Wetter nicht so toll war, werden wir wohl nicht so viel Panorama zu erwarten haben. Also kein GoPEx sondern ein GoEx. Dieser Zug verkehrt in den Sommermonaten 2x pro Tag Süd-Nord und Nord-Süd und befährt sowohl die Ceneri- wie auch die Gotthard-Bergstrecke. Also nix mit husch untendurch, sondern Travelling in style…
Heute hatte es nicht sehr viele Kunden, die die Reise gebucht haben. Grad mal 8 Leute. Während der Reise wurden die verschiedenen Sehenswürdigkeiten, aber auch die Geschichte der Gotthardbahn erklärt. Die Fahrt war kurzweilig und beinhaltete verschiedene Überraschungen. So zum Beispiel in Wassen ein Mann, der eine Schweizerfahne geschwenkt hatte – 1:1 im Blick mit der Kirche von Wassen. Oder eine Holzfigur, welche im Zug sass und dem Financier der Gotthardbahn, Alfred Escher, gewidmet war.

The man with the Swiss flag

Auch Alfred Escher sitzt im Zug

Untitled

In Flüelen hatte man Anschluss auf Schiff nach Luzern. Wir blieben aber im Zug sitzen und fuhren bis Arth Goldau weiter.

Nach einem kurzen Aufenthalt fuhren wir mit dem Voralpenexpress der Südostbahn über Rothenthurm – Rapperswil nach Uznach, wo es dann nach einem Sprintanschluss weiter ging nach Sargans. Auch hier stiegen wir um nach Landquart. Die Umsteigezeit reichte, um im örtlichen Outlet vorbeizuschauen. Allerdings haben wir die Wirtschaft nicht angekurbelt.

Ab Landquart ging’s weiter nach Scuol. wo wir im Hotel Bellaval, gleich neben dem Bahnhof, übernachteten. Nach einem feinen Nachtessen im Hotel und einem Verdauungsspaziergang durchs Dorf gings ins Bett. Die Bergluft half uns, schnell einzuschlafen.

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Montag, 10. Mai 2021: Den südlichsten Punkt der Schweiz gefunden.

Bei aller Begeisterung für Züge: die Nacht war ein bisschen lärmig. Trotz wenig Schlag gönnte ich mir eine Joggingrunde, unten am See. Dann Frühstück und wieder runter an den See – wir wollten mit dem Schiff nach Capolago fahren.
Trotz des eher dürftigen Wetters hatte es ziemlich viele Leute auf dem Schiff.

Abfahrt der Schiffe in Lugano Centrale

Wir fuhren über Paradiso, Campione (mit dem scheusslichen Casino – ah, von Botta? Wunderschön…),

Untitled

Melide nach Capolago. Hier hatten wir Anschluss mit der Ferrovia Monte Generoso auf den Monte Generoso. Die Strecke von Capolago Lago nach Capolago – Riva S. Vitale ist grad mal 290 m lang – und hat Woody und mir bei den zu befahrenden Strecken der Schweiz gefehlt. Nun können wir also auch diese 290 m abhaken – Check!

Capolago Lago - Streckenende "Bahnhof" Capolago Lago

Im Zug auf den Monte Generoso hatte es, dem Wetter entsprechend, nicht sehr viele Leute. Bei der Endstation – Generoso Vetta – hat es seit einigen Jahren ein neues „Berghaus“. Auch dies ein Bau von Botta.

Fahrt auf den Monte Generoso

Wir gingen die paar Minuten hoch zum Gipfel und sahen – nichts. Das Wetter war wirklich übel, so dass wir eine halbe Stunde später mit dem nächsten Zug wieder ins Tal nach Capolago – Riva S. Vitale fuhren.

Gipfel des Monte Generoso

Nun fuhren wir mit dem Zug weiter nach Chiasso, ein paar Minuten später ging’s mit dem Bus weiter nach Pedrinate Chiesa. Von hier aus wollten wir zum südlichsten Punkt der Schweiz wandern. Zuerst ging’s der Hauptstrasse entlang und direkt bei der Grenze ging der Weg der Grenze entlang zum südlichsten Punkt. Die Grenze zu Italien ist mit einem Zaun gesichert. Dieser hat qualitativ unterschiedliche Ausmasse, vom Typ Maschen-Draht-Zaun bis zu massiven Stahlträgern. Aber ein Bud Spencer schafft es immer, in die Schweiz zu kommen, Zaun hin oder her…

Unterwegs zum südlichsten Punkt der Schweiz 🇨🇭

Der südlichste Punkt ist mit einem entsprechenden Hinweis ausgestattet. Es hat auch ein Bodenmosaik, welches die Schweiz zeigt, zwei Picknicktische, eine in Holz gehauene Helvetia und eine Schweizerfahne.

Wanderung zum südlichsten Punkt der Schweiz Wanderung zum südlichsten Punkt der Schweiz

Nach ein paar Minuten der Andacht gingen wir weiter unseren Weg, mehr oder weniger der Grenze entlang, nach Chiasso. Von hier aus nahmen wir den direkten Zug nach Locarno. Seit der Eröffnung des Ceneri Basistunnels CBT gibt es direkte Züge von (Chiasso-) Lugano nach Locarno. In einer halben Stunde ist man dort. Generell kann gesagt werden, dass der neue Tunnel die Verbindungen im Tessin, namentlich zwischen Sopra- und Sottoceneri massiv beschleunigt. Bellinzona – Lugano macht man in noch grad mal 15 Minuten…

Piazza Grande in Locarno


In Locarno gingen wir auf die Piazza Grande und assen dort in einem Restaurant. Es wurde nun kühler und begann zu regnen. Wir waren zwar am Trockenen, aber frisch wurde es trotzdem. Nach dem Nachtessen ging es zurück nach Lugano und somit ins Hotel.

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Sonntag, 9. Mai 2021: Wieder auf Auffahrtsreise!

Corona ist zwar immer noch, aber die Auffahrtsreise findet trotzdem statt. Einfach im Inland. Und welches Motto haben wir dieses Jahr?

Wir besuchen den südlichsten Punkt der Schweiz.

Wir besuchen den östlichsten Punkt der Schweiz.

Wir besuchen den nördlichsten Punkt der Schweiz.

Wir besuchen den westlichsten Punkt der Schweiz.

Und das alles in der Auffahrtswoche. Ist das machbar?

Ja und nein. Ja, weil es von der Fahrmöglichkeit her möglich ist. Nein, weil sich der östlichste Punkt der Schweiz auf dem Piz Chavalatsch auf 2762 müM befindet – was für Woody und mich ausser Diskussion stand. So nahmen wir als Alternative die östlichste öV-Haltestelle der Schweiz. Diese heisst Vinadi , ist eine Postautohaltestelle und liegt an der Linie von Scuol nach Samnaun. Und ist nur 1.84 km weniger östlich als der Piz Chavalatsch – eine für uns durchaus vertretbare Alternative/Kompromiss.

Wir treffen uns im Bahnhof Bern und fahren nach Zürich. Unterwegs diskutieren wir über Corona-Selbsttests und kommen dann zum Schluss, dass die kommende Woche wohl entspannter ablaufen könnte, wenn wir beide einen solchen Selbsttest durchführen würden. Im Bahnhofkiosk des Hauptbahnhofs Zürich beschaffen wir uns das nötige Material und führen den Test im Zug Richtung Lugano durch. Positiv ist, dass die Tests negativ sind 🙂

Seit der Eröffnung von Gotthard- und Ceneri-Basistunnel dauert die Fahrt von Zürich nach Lugano grad mal weniger als 2 Stunden. Und schon bald kommen wir in Lugano an.

Protziger Eingang zum Continental Parkhotel in Lugano

Unser Hotel, das Continental Parkhotel, befindet sich direkt neben dem Bahnhof Lugano. Wir erhalten ein Zimmer mit Sicht auf den Monte Brè, das Seebecken des Lago di Lugano – und auf die Gleise der Gotthardbahn!

Room with a view - auf die Gotthardbahn!

Die Freude über die Aussicht war gross. Hier hatten wir aber auch einen Mangel an Informationen, denn wir ahnten zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass wir in der Nacht bei fast jedem Zug erwachen werden…

Wir beziehen das Zimmer und machen uns auf zum Apéro in der Stadt. Wir gehen zu Fuss und lassen das Bähnchen vom Bahnhof ins Zentrum links liegen. Und man im Zentrum ankommt – ob zu Fuss oder mit dem Bähnchen, kommt man an der Salami-Ausstellung der örtlichen Metzgerei vorbei:

Eine Ikone, die in keinem Reiseführer über das Südtessin fehlt: Die Salame der Macelleria Gabbani in Lugano

In der Nähe der Piazza Riforma gönnen wir uns ein Apéro(l), schlendern noch ein bisschen durch die Stadt und stellen fest, dass es in Lugano eine Standseilbahn gibt, welche seit Jahren ausser Betrieb ist: Das Funicolare degli Angioli. Seit 1986 ist hier kein Betrieb mehr. Das Trasse mit Schienen ist jedoch noch vorhanden. Und auch eine Treppe hat es. Eine sehr lange Treppe…

Scalite delle Angioli, Lugano

Wir kehren nun definitiv zurück ins Hotel und geniessen sehr traditionell das Nachtessen im grossen Speisesaal. Anschliessend ziehen wir uns schon bald aufs Zimmer zurück und freuen uns auf die kommenden Tage.

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Freitag, 11. September 2020: Unterwegs in den Walliser Bergen

Nach dem Frühstück gingen wir zum Bahnhof, wo sich unsere Wege trennten. Woody fuhr Richtung Bern, ich fuhr das Wallis hoch Richtung Martigny. Hier habe ich das Gepäck im Schliessfach eingestellt und stieg um auf die Bahn, welche nach Le Châtelard führt. Man kann dort aussteigen oder sitzen bleiben und weiter nach Chamonix fahren. Für mich war Le Châtelard recht, bin dort ausgestiegen und sogleich wieder auf eine Standseilbahn umgestiegen. Die 1920 von den SBB erbaute Barberine-Standseilbahn war mit bis zu 87 % Steigung bis zur Eröffnung der neuen Stoosbahn 2017, die steilste Zweikabinen-Standseilbahn der Welt. Die Seilbahn in Meterspur überwindet auf einer Länge von 1310 Metern eine Höhendifferenz von 700 Metern.

Funi von Le Châtelard Richtung Emosson

Auf die Standseilbahn folgt als zweite Sektion eine 600-mm-Feldbahn, die 1975 auf dem Trasse der in den 1920er-Jahren von den SBB betriebenen 750-mm-Werkbahn zum Weiler Emosson und der Barberine-Baustelle erbaut und als Petit train panoramique (Schmalspur-Panoramabahn) wiedereröffnet wurde. Sie verläuft auf leichtem Gefälle über Geländeterrassen und durch sechs Tunnels.

Unterwegs nach Emosson

Auf die Feldbahn folgt als dritte und letzte Sektion das Minifunic von 1991, welches vom Fuss der Staumauer zum Lac d’Emosson führt. Auf der etwa 260 Meter langen Strecke überwindet das Minifunic einen Höhenunterschied von 140 Metern.

Der Schrägseillift zur Emosson-Staumauer

Nun befinde ich mich bei der Staumauer des Lac d’Emosson. Hier oben endete 2016 eine Etappe der Tour de France. Ich verweilte einen Moment an diesem Ort und genoss das Panorama.

Lac d'Emosson

Dann wanderte ich einen schönen, leicht abfallenden Wanderweg bis nach Salvan.

Wanderung von Emosson nach Salvan

Hier nahm ich den nächsten Zug nach Martigny und fuhr über Visp und den Lötschberg-Basistunnel wieder zurück nach Hause.

Es war einmal mehr eine tolle Auffahrtsreise mit vielen schönen Erlebnissen. Da freue ich mich doch grad aufs 2021! Wohin wir im nächsten Jahr fahren? Das wissen in der aktuellen Corona-Situation wohl weder wir noch der Bundesrat 🙂

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Donnerstag, 10. September 2020: Ab in die Berge, und dann an den See

Schon um halb 10 waren wir in Aigle und bestiegen dort den Bus? Was, im Schmalspurparadies Aigle auf einen Bus umsteigen? Ja, das war die schnellste Verbindung um auf den Col de Bretaye zu gelangen – und ergab eine schöne Rundreise.

Der Bus brachte uns nach Villars sur Ollon, ein typisches Wintersportdörfchen welchem ohne Schnee der Charme fehlt. Hier stiegen wir vom Bus auf die Bergbahn zum Col de Bretaye um. Die Bahn endet quasi im nichts, es hat keine gedeckten Perrons, plötzlich ist einfach die Bahn fertig.

Zug der TPC in Col-de-Bretaye

An diesem Ort fällt schon wieder auf, wie speziell eine Gegend wirkt, wenn kein Schnee da ist. Die Skilift- und Seilbahnmasten mit den entsprechenden Kabeln standen da und erfüllten keinen Zweck – ausser die Gegend zu verschandeln.

Masten und Schneelanzen, soweit das Auge reicht...

Wir kehrten in einem Restaurant ein, tranken was und machten anschliessend einen Spaziergang um den See, welcher sich auf diesem Plateau befindet. Auch die Kühe fanden die Gegend recht hübsch.

Die Kuh geniesst die Aussicht auf den Lac de Bretaye

Nach unserem Aufenthalt fuhren wir mit der Bahn wieder talwärts nach Villars sur Ollon und stiegen dort auf einen anderen Zug der TPC um, welcher uns nach Bex brachte. Nun waren wir wieder im Tal unten und stiegen dort auf die SBB um, welche uns über St-Maurice nach Le Bouveret an das Ufer des Lac Lémans brachte. Hier befindet sich der Swiss Vapeur Parc, unser nächstes Tagesziel. Der Park ist eine grosse Einrichtung mit einer Eisenbahnanlage für grosse Fahrzeuge. Die Fahrzeuge sind so gross, dass sie Wagen ziehen können, welche erwachsene Leute drin haben.

Unterwegs im Swiss Vapeur Parc in Bouveret

Der ganze Swiss Vapeur Parc ist landschaftlich sehr schön und auch die Eisenbahnmodelle sind sehr hübsch gemacht. So haben wir die Möglichkeit, einem tollen Bahnbetrieb zuzuschauen bzw. selber auch mitzufahren. Die verschiedenen Strecken sind sehr abwechslungsreich und uns wird eigentlich nicht langweilig…

Unterwegs im Swiss Vapeur Parc in Bouveret

Aber wie immer auf unseren Auffahrtsreisen gilt: Wir haben ein strenges Programm! 🙂 So gilt es, nach ein paar Stunden den Park zu verlassen und wieder zum Bahnhof zu gehen. Wir fahren nach St-Gingolph, dem Grenzstädtchen auf der gegenüberliegenden Seite von Montreux. Diese Bahnlinie war früher mal eine durchgehende Strecke nach Evian und weiter Richtung Genève. 1937 wurde der Personenverkehr eingestellt, 1988 dann der Güterverkehr, und seit diesem Datum endet die Strecke recht abrupt:

Ende der Strecke - danach kommt Frankreich...

Mit der Fahrt nach St-Gingolph habe ich nun alle Strecken der SBB befahren. 🙂

Von St-Gingolph aus ging’s anschliessend mit dem Schiff quer über den Lac Léman nach Vevey. Hier sind wir ausgestiegen und haben in einem der unzähligen Restaurants an der Promenade unser Farewell-Dinner gegessen. Morgen trennen sich die Wege von Woody und mir, da er sein neues Auto beziehen kann! Nachdem er nun schon viele Monate auf den neuen fahrbaren Untersatz warten musste ist es für mich klar, dass er die schnellste Gelegenheit ergreifen musste, um in die Garage zu kommen.

Nach dem Nachtessen fuhren wir zurück nach Lausanne zu unserem Hotel.

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Mittwoch, 9. September 2020: Grenzwertig

Während Woody es vorzog, länger zu schlafen, begab ich mich mit der Metro nach Ouchy. Hier war es flach genug, um eine Joggingrunde am Lac Léman zu machen. Die Strecke nach St-Sulpice war toll, es lief mir gut und es war ein super Einstieg in den Tag. Zurück zum Hotel nahm ich natürlich wieder die Metro 🙂

Bonjour Lausanne

Nach dem Frühstück fuhren wir nach Vallorbe. Dieser Grenzbahnhof hat seine besten Jahre hinter sich. Trotzdem hat er ein eisenbahntechnisches Highlight zu bieten, nämlich je ein Güterzug von der Schweiz nach Frankreich und einer von Frankreich in die Schweiz.

620 034 Aarburg-Oftringen fährt in Vallorbe ein

Der Güterzug aus Brig-Lausanne kam ein bisschen zu früh an. Er fuhr in Vallorbe ein, die Lok wurde abgehängt, fuhr Seite Frankreich und umfuhr dann den Zug wieder. Auf einem Nachbargleis wurde die Lok abgestellt. Dann fuhr der Zug aus Frankreich ein. Eine Lok war an der Spitze, eine hat am Schluss gestossen und mitgeholfen, dass die Steigung Richtung Vallorbe mit dem schweren Zug gemeistert werden kann. Da der Zug in ein Gleis mit ausschliesslich Schweizer Fahrstrom fuhr, fuhr der Zug mit gesenkten Stromabnehmern ein.

Impressionen aus Vallorbe

Nachdem der Zug angehalten hatte, wurde die Lok abgehängt, von der Schweizer Güterlok abgeholt und Richtung Lausanne ausgezogen. Anschliessend wurde sie mit Schwung wieder unter den französischen Strom zurückgestossen. Sobald sie wieder unter Franzosenstrom war, konnte sie wieder eigenständig verkehren. Was sonst noch so in Vallorbe abging, zeigt dieser Film:

Nach diesem Intermezzo führte uns unsere Reise nach Le Brassus, wunderschön dem Lac de Joux entlang. Dann wieder zurück bis Le Day, wo wir Richtung Lausanne fahren wollten. Plötzlich merkte Woody, dass seine (Seh-) Brille verlustig ging (er trug die korrigierte Sonnebrille), am ehesten im Bahnhofbuffet Vallorbe. So sind wir am nächsten Bahnhof, Croy-Romaimôtier wieder ausgestiegen und nochmals nach Vallorbe gefahren. Im Bahnhofbuffet haben sie jedoch keine Brille gefunden.

Wir nutzten diesen Abstecher nach Vallorbe um unser Programm dahingehend zu ändern, dass wir nun mit dem Postauto nach Orbe fuhren. Von hier nach Chavornay fährt eine urige Privatbahn mit älterem Rollmaterial, die es sich zu besuchen lohnt. Die Strecke ist kurz und nichts spezielles:

Von Chavornay aus fuhren wir anschliessend nach Lausanne, wo wir vor dem Gang ins Hotel noch in einer Pizzeria an der Avenue de la Gare eingekehrt sind.

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Dienstag, 8. September 2020: Rollige Böcke

Damit normalspurige Güterwagen auch auf Bahnhöfen mit schmalspurigem Anschluss empfangen werden können, werden sie an den Übergabebahnhöfen Normal-/Schmalspur auf Rollschemel oder Rollböcke geladen und so auf die schmalspurige Strecke geschickt. In Morges zweigt die schmalspurige Strecke nach Bière (und mit einem Abzweiger nach L‘Isle-Mont-La-Ville) ab und diese Bahn (MBC) hat einen solchen Verkehr. Täglich gibt es zwei Kieszüge, welche bei Apples verladen werden und die anschliessend nach Gland fahren. Dieses Spektakel wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen und so sind wir nach Morges gefahren. Um es vorneweg zu nehmen: Es ist hoch interessant, wie hier gearbeitet wird! Ich habe probiert, dies in einem Film zusammenzufassen:

Nach einer Weile fuhren wir die Strecke der MBC hoch und runter und stiegen in Bussy-Chardonney aus. Von hier spazierten wir nach Yens. Wir schossen ein paar Zugsbilder an der Strecke und konnten euch einen Kieszug ablichten. Dann ging’s wieder nach Morges runter und von dort nach Allaman. Hier konnten wir den Kieszug noch einmal ablichten, daber dieses Mal auf der normalspurigen Strecke.

Züge fotografieren in Allaman

Anschliessend fuhren wir mit dem Zug nach Nyon, spazierten zur Schiffländte und fuhren mit dem Schiff nach Genève. Hier fanden wir ein tolles Restaurant wo wir draussen sitzen konnten und exzellent assen. Danach ging’s wieder Richtung Lausanne in unser Hotel.

Jet d'Eau in Genève

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Montag, 7. September 2020: Fast in Frankreich, aber nur fast…

Nach einem Ruhetag gestern (Woodys Vater wurde 80 und hatte zum grossen Familienfest geladen) starteten wir heute zu Tag zwei. Wir machen es also so wie bei der Tour de France, ein Prolog und dann ein Ruhetag…

Start war in Bern und die Reise führte uns nach Lausanne. Hier bezogen wir im hippen Flon-Quartier unser Zimmer im Hotel Moxy. Das Hotel wurde 2019 eröffnet, ist preislich recht günstig und eigentlich gut gelegen. Nach dem Zimmerbezug fuhren wir mit der Stadtbahn nach Renens VD und staunten erstmal über den umgebauten Bahnhof. Wir hatten den ganz anders in Erinnerung als so, wie er sich nun uns präsentiert hat. Der Anschluss nach Nyon fuhr nur ein paar Minuten später und kurz vor 14:00 Uhr waren wir dort. Der Anschluss nach La Cure mit der NStCM-Bahn wartete schon. Das Spezielle an diesem Bahnnamen: Die Bahn fährt seit Jahrzehnten nur noch bis La Cure, fuhr früher aber noch 13 km weiter ins in Frankreich gelegene Morez. Die Strecke wurde aufgegeben, der Buchstabe M im Namen blieb bis heute. Wir fahren also bis nach La Cure, welches sich auf 1150 m Höhe befindet. Der Weg führt über den Col de la Givrine. Die wohl harschen und schneereichen Winter laden hier ein zum langlaufen. Die Gegend ist ein Einfalltor für die Grenzgänger, die hier zu Hunderten mit den Autos unterwegs sind. Und hier geht die Bahn bis 5 m vor die Grenze zu Frankreich. Wir bewegen uns also tatsächlich am Limit… 

La Cure: hier ist die Strecke fertig. Hinter den Masten ist Frankreich

Nun gehen wir zu Fuss weiter, wandern über tolle Juraweiden 10 km nach St-Cergue. 

Wanderung zwischen La Cure und St-Cergue

Hier im Dorf essen wir zNacht, bevor wir wieder die NStCM Richtung Nyon und dann die SBB nach Lausanne nehmen. 

Jean-Jacques Rousseau kommt hier vorbei und kriegt eine Strasse...

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Samstag, 5. September 2020: Fitness und Rauch

Nein, Corona hat die Auffahrt nicht in den September verschoben. Aber die traditionelle Auffahrtsreise…

Und so starten wir heute mit einem Programm, welches in der Schweiz stattfindet. Aber genau so vielfältig sein wird wie unsere üblichen Reisen. Um 7:00 Uhr starten wir in Bern und fahren über Luzern nach Erstfeld. Auch heute sind wie an jedem ersten Samstag im Monat „Fitnessfahrten“ angesagt. In Erstfeld hat es ein Depot von SBB Historic und die alten Loks sollen, müssen und dürfen regelmässig bewegt werden, damit sie keine Standschäden kriegen. 

Untitled

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Die Parade der Bahnahnen (Wortspiel: nicht zu verwechseln mit Bananen) startet um 10:00 und dauert rund 2 Stunden. Dabei fahren die Loks auf Abstellgleisen hin- und her und zeigen sich den Fotografen. Manchmal machen sie Parallelfahrten und fahren auf gleicher Höhe nebeneinander. Um 11:00 gab es eine Pause, in welchem man zu den Loks gehen und die Lokführer über die technischen Details ausfragen konnte. 

Rund 50 Leute hat das Spektakel angezogen und um 12:00 machten sich nach dem Ende der Vorführung wieder alle aus dem Staub. Auch wir fuhren weiter und nahmen den Zug übe die Gotthard-Bergstrecke nach Göschenen. Dort stiegen wir um nach Andermatt und von dort auf den Zug Richtung Visp, in welchem wir bis Realp mitfuhren. Nach einem kurzen Fussmarsch erreichten wir den Bahnhof Realp der Dampfbahn Furka-Bergstrecke. Das war also das zweite historische Schmankerl, welches wir uns heute gönnten: Mit dem Dampfzug über die Furka, eine Reise wie vor rund 100 Jahren…

Wir hatten einen Platz in der 1. Klasse reserviert und genossen den Luxus des tollen Sessels. Noch vor Abfahrt wurden wir vom Gästebetreuer mit Champagner aus dem Wallis verwöhnt. Dann ging es los und der Zug schlängelte sich hoch Richtung Furka. Unterwegs ging es über die Steffenbachbrücke, welches jeden Frühling wieder aufgebaut und im Herbst abgebaut werden muss. In frühen Jahren wurde die Brücke oft von einer Lawine mitgerissen, sodass man sich einer technisch einmaligen Lösung behalf, einer Klappbrücke.

Bis der Zug bei der Station Furka eingetroffen war, musste auf der Zwischenstation Tiefenbach Wasser gefasst werden. Damit es rauchen kann, braucht es Wasser. In Furka gab es einen längeren Halt. Der Zug aus dem Wallis in Richtung Uri war zur gleichen Zeit dort und hat ebenfalls eine Pause gemacht.

Kreuzungshalt in Furka

Dann ging es durch den 1,8 km langen Furka Scheiteltunnel ins Wallis. Den nächsten längeren Halt gab es in Gletsch und auch dort wurde wieder Wasser nachgefüllt. Ich meinte mich zu erinnern, dass ich als Kind noch den Rhonegletscher gesehen habe. Aber nun hat es nur noch Fels, aber kein Eis mehr… Die Klimaerwärmung gibt es also wirklich…

Nun geht es weiter talwärts bis Oberwald. Hier sind wir ausgestiegen. Die Lok wurde auf der Drehscheibe gewendet und fuhrt wieder hoch nach Gletsch, wo sie jeweils übernachtet (in Oberwald hat es kein Depot, die Wagen werden jeweils im Bahnhof stehen gelassen).

DFB-Lok Nr. 9 auf der Drehscheibe in Oberwald
Die anschliessende Fahrt durchs Goms bis Brig zog sich noch dahin. In Bern angekommen zeigte sich doch eine gewisse Müdigkeit. Diese Fitness braucht halt auch Energie…

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