Freitag, 8. Mai 2026: Mittelalter-Momente unter der ligurischen Sonne – das ist Noli

Wir haben das gestrige Treppensteigen gut überwunden und sind gut in Form. Schon kurz vor 10:30 Uhr fahren wir mit dem Zug wieder nach Savona, von wo es dann mit dem Bus Nummer 40/ weiter Richtung Noli geht. Die Busfahrt führt zuerst durch Savona City und danach zu den grossen Hafenanlagen. Kommen also noch in den Genuss von etwas mehr Savona-Sightseeing als am Mittwoch. Dann fahren wir der schönen Küste entlang und treffen kurze Zeit später in Noli ein.

Nachdem gestern Camogli für mich das Highlight an der italienischen Riviera war, ist es heute Noli. Noli (ca. 2’400 Einwohnende) gehört offiziell zu den «schönsten Dörfern Italiens».
Und das will was heissen. Etwas ungewöhnlich für seine Grösse war Noli vom 12. bis zum 18. Jahrhundert eine unabhängige Seerepublik. Diese stolze Vergangenheit spiegelt sich in den vielen mittelalterlichen Geschlechtertürmen und prachtvollen Gebäuden wider.

Unterwegs in Noli
Unterwegs in Noli
Unterwegs in Noli
Unterwegs in Noli

Noli hat es geschafft, sich den Charme eines aktiven Fischerdorfs zu bewahren. Beim Fischereihafen gibt es eine Stelle, wo die Fischer heute noch ihren Fang an Land bringen, den Fisch säubern und bearbeiten und danach im Städtchen weiterverkaufen. Zudem ist die Altstadt von einer fast vollständig erhaltenen Stadtmauer umgeben, zu der auch das Castello di Monte Ursino gehört, das hoch über der Stadt thront. Wir statten noch der romanischen Kirche San Paragorio aus dem 11. Jahrhundert einen Besuch ab, bevor wir in Noli noch ein paar kulinarische Souvenirs (Zitronen aus Noli, Trofie Pasta und Clementinen-Konfitüre) einkaufen.

Unterwegs in Noli
Unterwegs in Noli
Es darf geheiratet werden...

Unser gemütlicher Stadtrundgang führt uns am kleinen Restaurant «L’Alice Innamorata» vorbei. Ein unscheinbares Restaurant, das von einem Ehepaar geführt wird. Die Gerichte, die wir hier geniessen, sind geschmacklich hervorragend und auch für das Auge raffiniert interpretiert (meine Pasta alla Norma: die Taglierini sind in den Auberginen-Streifen «verpackt» und die Speisen sind mit Blumen dekoriert, der Salat mit Früchten) und zubereitet.

Pasta alla Norma

Was für ein schönes «Geschlemmer» heute Mittag – wir können unser Glück, in
den Genuss von so lecker zubereitetem Essen zu kommen, fast nicht fassen.
Als letzte Gäste der Mittags-Session verlassen wir die «Verliebte Sardelle» und mach uns auf den Weg zum Strand, denn die Bucht von Noli bietet kristallklares Wasser und schöne Strandabschnitte. Wir verbringen einen Teil des Nachmittags mit Lesen, Tagträumen – einfach einen Ferientag in Noli geniessen.

Azzurro
Strand von Noli

Gegen 16.00 Uhr geht es mit Bus und Zug wieder zurück nach Verazza, wo wir uns ein Apéro gönnen.

Aperitivo!

Da wir heute richtig zu Mittag gegessen haben, besteht unser Abendessen aus einem leckeren Stück Focaccia.

Grazie Dio, per questa giornata meravigliosa.

Donnerstag, 7. Mai 2026: „Verkehr nur bei schönem Wetter“

Nach dem Frühstück ging’s los Richtung Camogli. Diesen Ort hatte ich schon länger auf meiner „Bucket List“. Ich weiss nicht mehr, wie er drauf gekommen ist, vermutlich nach einer TV-Reportage über Ligurien (korrekt: hier ab 1:00:14 schauen – spannende Sache…).

Wir fahren mit dem Zug von Varazze direkt nach Camogli. Es zieht sich, bis wir dort sind, viele Langsamfahrten wegen Baustellen, aber schlussendlich kommen wir in Camogli an.

Und kaum sind wir ausserhalb des Bahnhofs sehen wir bereits die ersten Häuser, die wunderbar bemalt sind. Man meint, es sind Stuck-Elemente, aber nein, alles Fake da gemalt. Aber wunderschön! Und die optische Täuschung gelingt wirklich gut!

Wir gehen durchs Städtchen und kommen zum Strand. Genau! Dieses Bild wollte ich einmal live sehen.

Wunderschönes Camogli

Wunderschön. Eindrücklich… Wir schlendern der Promenade entlang, kaufen Proviant ein und entscheiden uns, mit der Wanderung auf der Portofino-Halbinsel zu starten.

Die Idee war, hoch nach San Rocco di Camogli zu wandern, dann runter ans Meer zum Porto Pidocchio und von dort mit dem stündlich verkehrenden Schiff wieder nach Camogli zu fahren.

Los geht es über einen Weg bzw. Treppen hoch nach San Rocco. Unterwegs sehen wir einen Fasan. Er war so nahe, wir hätten ihn berühren können. Irgendwie war er gefangen, da auf der einen Seite wir, auf der anderen Seite ein Maschen-Draht-Zaun war. Sachte sind wir an ihm vorbei – und haben den Anblick genossen.

Fasan

In San Rocco sind wir nun schon über 200 müM und von hier aus haben wir eine phantastische Übersicht auf die Bucht von Camogli.

Blick auf Camogli

Nach einem kurzen Regenstopp geht’s weiter hinunter ans Meer. Schon wieder haben wir 200 m Höhendifferenz, dieses Mal nach unten. Wir erreichen den Hafen, welcher sehr klein ist. Der Fahrplan sagt deutlich, dass stündlich ein Schiff fährt. Wir haben das 15:15 Uhr-Schiff um 3 Minuten verpasst, was uns aber nichts ausmacht. Komisch ist nur, dass wir während der Wanderung nie ein Schiff gehört hatten. Ich rufe die Reederei an und die sagt mir, dass sie bei diesem „tempo brutto“ nicht fahren und den Verkehr eingestellt haben. Sie fahren nur bei schönem Wetter…
Nun gut, das Mittelmeer war sicher nicht spiegelglatt. Aber es war auch nicht wellig, dass man nicht hätte anlanden können. Zumindest ein Kapitän-Profi müsste das doch hinkriegen… Da haben wir z.B. in Stromboli doch schon ganz anderes erlebt…

Blick auf den Porto Pidocchio

Wir essen unseren Proviant auf und dann geht es wieder die gleiche Strecke umgekehrt zurück. 200 m hoch bis San Rocco, runter nach Camogli. Das haben wir uns irgendwie entspannter vorgestellt, aber ändern können wir es nicht…

Wir kommen in Camogli an und gehen an den Strand. Bettina kühlt die Füsse im (erfrischenden?) Wasser, ich schaue zu.

Am Strand von Camogli

Dann geht’s zum Aperitivo bei einem Restaurant an der Promenade. Zu unseren Getränken kriegen wir noch eine Wasserspritz-„pistole“, um die aggressiven Tauben abzuwehren (und das macht irgendwie noch Spass…).

Um 19:00 Uhr nehmen wir den Zug zurück nach Varazze. Auch die Rückfahrt zieht sich.

Das Aperitivo hatten wir ja schon, aber für ein kleines Nachtessen im Städtchen reicht es noch…

Mittwoch, 6. Mai 2026: Savona – kann man, aber muss man nicht gesehen haben

Wir haben wieder wunderbar geschlafen. Die heutige Weckkulisse bildet ein Mix aus Hundegebell (der Nachbarshund bricht jeweils bei der Durchfahrt eines Fahrzeugs mit Martinshorn entlang der Strasse des Lungomare in ein erbärmliches Geheul aus) und Vogel-Gekreische (Möwe mit Jungtier auf dem Dach des Nebengebäudes sowie verschiedene Elsternvögel). Aber was soll’s. Wir sind ausgeschlafen und unternehmenslustig und starten in einen weiteren Ferientag voller Erlebnisse. Heute reisen wir mit dem Zug von Varazze nach Savona. Die Reise ist verhältnismässig kurz, nur zwei Stationen trennen die beiden Ortschaften voneinander.
Der erste Eindruck von Savona ist jetzt nicht ganz so prickelnd. Aber das haben Bahnhofs-Umgebungen oftmals so an sich. Zu Fuss machen wir uns auf den Weg Richtung Meer.

Am Strand von Savona

Dort angekommen, schlendern wir bei schönem Wetter der Promenade entlang bis wir zur Fortezza del Priamar kommen. Dabei handelt es sich um einen imposanten Militärkomplex, der das Stadtzentrum beim Hafen dominiert. Den Namen hat die Festung vom direkt am Meer liegenden Hügel, auf dem sie steht und wo auch die ersten Siedlungsfunde aus der Bronzezeit gemacht wurden. Beim Fortezza del Priamar handelt es sich um eine bedeutende Festungsanlage im westlichen Ligurien, die aufgrund der vielen verschiedenen historischen Bau- und Ausbauphasen heute eine sehr komplexe Form aufweist. Da die Anlage, die wirklich Labyrinth-ähnliche Strukturen aufweist, am Abend um 18.00 Uhr abgeschlossen wird, sind wir bereits um 13:00 Uhr sehr auf den Rückweg bedacht. Also zumindest ich. Nach jahrzehntelanger Vernachlässigung wurde das Fort restauriert und dient heute als Ort für
verschiedene kulturelle Aktivitäten.

Blick auf die Festung

Vom Fort aus haben wir einen sehr guten Blick auf das muntere Treiben in der Hafenanlage.

Jungfamilie Move

Wir steigen den Hügel hinunter (d.h. wir haben einen Ausgang gefunden) und betreten den alten Teil der Stadt. Nach einem kleinen Imbiss besichtigen wir die Kathedrale di Santa Maria Assunta und lassen uns gemütlich durch die Strassen und Gassen der Altstadt treiben.

Kathedrale von Savona

Danach noch ein kurzer Benetton- und Oviesse-Abstecher und dann machen wir uns langsam auf die Rückreise nach Varazze. Auf dem Weg zurück zum Bahnhof kommen wir noch am Monumento alla Resistenza vorbei. Dieses erinnert uns an das Ende des Zweiten Weltkriegs. Savona wurde offiziell am 25. April 1945 befreit. Der Befreiungskampf wurde massgeblich von den Partisanen der Resistenza getragen, die bereits am 23. April mit Vorbereitungen für die Befreiung begannen. Am 25. April übernahm das regionale Befreiungskommittee die Kontrolle über die Stadt. Besonderheit: Der in Savona geborene spätere italienische Präsident Sandro Pertini rief an diesem Tag im Namen des Befreiungskomitees per Ratio zum Generalstreik gegen die Besatzer auf.
Zurück in Varazze statte ich dem kleinen Merceria-Geschäft in unserer Strasse einen Besuch ab und besorge mir Wolle, um einen Mini-Schal zu stricken. Manchmal stimmt einfach alles. Ich habe sogar die Strickanleitung dabei, so dass ich genau weiss, was und wieviel davon ich brauche.
Danach gehen wir in Varazze ins Apéro und bekommen dabei so einiges mit was in der Stadt läuft. Gemütliches Pizza-Znacht und schon bald buona notte.

Dienstag, 5. Mai 2026: Highlight Küstenwanderung

Unsere Unterkunft, die Villa Elena in Varazze ist ein typisches italienisches Hotel. Der Speisesaal ist luftig-hell und lädt zum Verweilen ein. Ein Tisch steht neben dem anderen und so kommt man dann auch sehr rasch mit den Tischnachbarn ins Gespräch. Bei uns sind das der 101-jährige italienische Papa mit seinem Sohn im Rentenalter. Der Papa hat früher als Motorradmechaniker die Moto GP begleitet und so in den 1950er Jahren und die ganze Welt bereist. Er kommt ins erzählen (längerer Dialog zwischen ihm und Martin). Der Sohn erzählt mir währenddessen, dass sein Vater immer noch Weihnachtskrippen bastelt und ausser dem schlechten Gehör immer noch topfit sei. Und ja, das sieht man. Der Herr Papa ist in Anbetracht seines Alters sehr in Form. Plötzlich spricht er seinen Sohn an und sagt im «Lascia gli mangiare». Ich kann mir ein Lachen nicht verkneifen. Der Sohn gibt uns noch einen Ausflugstipp und meint, dass das Wetter nach dem morgendlichen Regen jetzt nur noch besser werde.
Wir geniessen das Zmorge und machen uns dann wander-fertig, um den Wandertipp in die Tat umzusetzen.

Von Varazze führt ein wunderschöner Küstenweg im Parco del Beigua über Cogoleto nach Arenzano. Der Weg bietet eine wunderschöne Kombination aus Natur und historischer Eisenbahnromantik, denn die Route folgt einer ehemaligen Eisenbahnlinie und führt durch alte, beleuchtete Eisenbahntunnel und entlang der Küste mit ihren felsigen Buchten und lässt uns atemberaubend schöne Panoramen des Ligurischen Meeres geniessen – eingerahmt von typischen mediterraner Vegetation.

Unterwegs auf der alten Bahntrasse
Unterwegs auf der alten Bahntrasse
Unterwegs auf der alten Bahntrasse

Ab und an sieht man noch die ehemaligen Bahnwärter-Häuschen, die jetzt teilweise als private Domizile umgenutzt wurden. Kurz nachdem wir losgezogen sind, zieht noch einmal eine Schauer auf. Wir setzen uns in eines der Bagni-Cafés und lassen den Regen vorüberziehen, um danach bei strahlend schönem Sonnenschein weiterzuwandern.

Die Saison hat noch nicht begonnen

Welch ein genussvoller erster Ligurien-Ferientag. Die Küsten-Flora ist optisch wie olfaktorisch unbeschreiblich. Da blühen an Hängen voller wilder Vegetation die schönsten Passionsblumen. Die Blume war eine Lieblingspflanze von Maman. Zwischendurch habe ich ihm eine Topf-Passionsblume ins Pflegeheim gebracht. Es hat sich darüber immer sehr gefreut, mir aber auch immer wieder
gesagt, dass Passionsblumen keine Zimmerpflanzen seien und daher in Töpfen nie gut gedeihen würden. Tja, ist so – die Schönheit dieser Blume in dieser Wildnis ist der Beweis
dafür.

Passionsblume

In Cogoleto nehmen wir eine kleine Stärkung zu uns. Der Ort (letzte Gemeinde der Provinz Genua an der Riviera di Ponente) ist bekannt für seine Strandpromenade, die Lungomare Europa genannt wird und die längste des «Ponente» ist. Auch heisst es, dass Christoph Kolumbus hier geboren sein soll.

Und weiter geht’s der Küste entlang nach Arenzano. Dort
angelangt, machen wir uns auf den Weg zum Bahnhof, um mit dem Zug wieder nach Varazze zurückzukehren. Kurz vor dem Bahnhof kreuzt noch eine Pfauen-Truppe unseren Weg. Das Federkostüm des einzigen männlichen Tiers ist schon beachtenswert.

Zurück in Varazze schlendern wir noch etwas durch den Ort, gönnen uns einen Aperitivo und essen dann in einer gut frequentierten Pizzeria eine Pizza! E poi: buona notte.

Montag, 3. Mai 2026: Getrennte Anreise nach Genova PP

Heute gab es eine getrennte Anreise. Aus Rom und aus Bern

Sie (ab Bern)

Auffi geht’s heute um 6 Uhr. Gemütlich zmörgele, parat machen und dann geht’s los Richtung Bahnhof Bern, wo ich den 8:30 Uhr Zug nach Zürich nehme. Hier habe ich eine gute Stunde Zeit, um mich mit einem Reiseproviant zu versorgen und mir einen guten Kaffee
zu genehmigen, bevor die Zugsreise nach Genua startet. Eine super Direkt-Verbindung, d.h.
ohne umsteigen zu müssen, direkt von Zürich nach Genua fahren. Bis nach Zug gibt es in „meinem“ Wagen noch einen weiteren Mitreisenden, danach bin ich die einzige Reisende im Wagen Nummer 11.
Ich geniesse die Frühlings-Fahrt durch die Zentralschweiz und Italien, die Lektüre des Buchs „Nirgendwo. Überall“ von Nathalie Sassine-Hauptmann, das leckere Picknick und komme völlig entspannt kurz vor 16.00 Uhr in Genua Piazza Principe an.
Martin wird ungefähr eine Stunde später hier eintreffen und so besorge ich uns die Tickets für die Weiterfahrt nach Varazze und warte nach einem kurzen Fotostopp auf dem
Bahnhofsvorplatz in Genua auf das Eintreffen von Martin.

Stazione di Genova PP
Denkmal für Christoph Kolumbus auf dem Bahnhofplatz in Genova PP

Gut gelaunt und entspannt gesellt er sich kurz vor 17.00 Uhr in Genua zu mir.

Er (ab Rom)

Das Hotel Madison in Rom hat mir gratis einen Wirtschaftskurs geschenkt: Die Lage macht den Preis des Zimmers aus, nicht das Zimmer selber. Dieses war mehr oder weniger ein kleiner Raum. In der Dusche hatte es nur einen Dispenser für Conditioner, Duschgel fehlte. Und sie war so klein, dass man sich nicht vernünftig bücken konnte, um die Beine einzuseifen… Aber eben: die Lage war auch für mich entscheidend und diese war direkt neben dem Bahnhof Roma Termini.

Tagwache war um 7:30 Uhr, dann duschen und zum Frühstück. Anschliessend ein Spaziergang in die Stadt zur Bäckerei 3P (Pane, Pastificcieria, Pizza). Hier kaufte ich ein Cornetto und ein Panino ein für die Reise.

Mit diesem Zug bin ich nun 7 Stunden unterwegs


Dann wieder zurück ins Hotel und um halb 10 wieder beim Bahnhof. 9:57 Uhr fuhr mein Intercity 510 pünktlich ab und er war sogar 6 Minuten pünktlich, bis uns ein abrupter Stopp an der Weiterfahrt verhinderte. Irgendwann ging’s weiter und ich konnte die Fahrt soweit geniessen. Ich habe mir einen Platz in Fahrrichtung links gebucht, damit ich aufs Meer sehe. Und die Fahrt war wirklich prächtig – wären die Scheiben sauber gewesen, wäre es sogar super-prächtig gewesen… Mit 20 Minuten Verspätung traf ich in Genova PP ein und traf Bettina.

Ab hier geht’s nun mit dem Regionalzug nach Varnazze, Richtung Ventimiglia. Der Zug hat 20 Minuten Verspätung, aber wir schaffen es trotzdem bis Varnazze… Vom Bahnhof sind es nicht mal 10 Minuten zu Fuss zum Hotel Elena. Wir erhalten ein Zimmer im renovierten Gebäude und richten uns ein. Da uns die lange Anreise müde gemacht hat, verzichten wir darauf, in der Stadt ein Restaurant zu suchen und essen im Hotel. Wir haben einen zugeteilten Tisch im grossen Speisesaal erhalten. Hier spüren wir die frühere Zeit der Grand Hotels, mit den üppigen Dekorationen der Decken und den grossen Sälen. Das Nachtessen war lecker. Aber noch schöner ist das Bett, in welches wir kurz nach dem Nachtessen und einem Spaziergang an den Strand fallen und schon bald einschlafen…

Der Strand von Varazze am Abend

Donnerstag, 30. April 2026: Rückreise mit Hindernissen? Fast…

Früh ging der Wecker los, heute Morgen. Als würden wir zur Arbeit gehen. Aber nein, es ist „nur“ die Rückreise.

Belohnt werden wir um 5:30 Uhr mit einem grandiosen Sonnenaufgang!

Goedemorgen, Rotterdam
Goedemorgen, Rotterdam

Wir stehen zügig auf und kommen gut vorwärts. Wir kommen so gut vorwärts, dass wir in Rotterdam Centraal zwei Züge früher nehmen können. Könnten. Es hätte geklappt, wenn das Zugpersonal beim 6:53 Uhr-Zug nicht bereits um 6:52:20 die Türen geschlossen hätte.

Easy, es gibt alle 15 Minuten einen Zug von Rotterdam zum Amsterdamer Flughafen. Dann also 7:11 Uhr. Dieser kommt mit 3 Minuten Verspätung in Rotterdam an, muss mit einem bereitstehenden Zug vereinigen und würde dann mit 5 Minuten Verspätung abfahren. Würde. Nach vielen Versuchen klappte das Vereinigen nicht und der Zug wurde Ausfall gegeben.

Cancelled

Schon ca um 7:18 Uhr wurde kommuniziert, dass sie noch ein Reset machen müssen und die Möglichkeit bestehe, den Zug 7:23 Uhr zu nehmen. Wir vertrauten den niederländischen Ingenieuren – aber sie brachten den Zug nicht wieder flott…

Somit sind wir um 7:41 Uhr abgefahren. Dafür pünktlich.

Die Fahrt von Rotterdam zum Amsterdamer Flughafen dauert 26 Minuten.

Gepäckabgabe? Easy

Sicherheitskontrolle? Locker (und super organisiert!)

Will heissen, dass wir genügend Zeit für ein kleines Frühstück hatten (kein Vergleich zum Frühstück bei Jordy…) und rechtzeitig am Gate waren.

Wie auf dem Hinflug hatten wir beide einen Fensterplatz. Wir wollten nochmals die Tulpenfelder sehen – aber bekamen sie nicht vors Fenster.

Der Flug verlief ‚ohne besondere Vorkommnisse‘ und 10 Minuten vorzeitig landeten wir in Zürich.

Den nächsten IC nach Bern erwischen wir problemlos und sind nach tollen Niederlande-Ferien wieder zu Hause.

Mittwoch, 29. April 2026: Born to hug

Der letzte Ferientag in Holland bricht an. Morgen ist dann die Rückreise, die zählen wir nicht mehr als Ferientag.

Natürlich kehrten wir zum Frühstück wie gestern bei Jordy ein… Und natürlich war es lecker. Und natürlich hat es Spass gemacht, die Menschen auf der Strasse und beim Bäcker zu beobachten.

Born to hug

Die Dichte an Taschen, von welchen Bettina gestern ein Exemplar gekauft hat, war eindrücklich. Wurden diese wild im Quartier verteilt? Oder bestechen sie einfach durch die Qualität…? (Born to hug ist keine dieser Taschen. Uns haben es einfach Ginger & Knor angetan)

Gehen wir nach Amsterdam oder machen wir eine Hollandrundreise? Wir haben uns für die Hollandrundreise entschieden – via Amsterdam…

Wir reisen mit dem IC über die Schnellfahrlinie und den Bahnhof Schipol (die gleiche Strecke, welche wir auch morgen nehmen werden) zum Hauptbahnhof Amsterdam Centraal. Hier haben wir direkten Anschluss auf den Intercity nach Enkhuizen. Wir fahren bis Hoorn mit. Hier steigen wir auf den Bus um nach Den Oever und hier beginnt der Wirklich spannende Teil der Hollandrundreise:

Der Bus fährt auf dem Deich, welcher die Nordsee vom Ijsselmeer trennt. Dieser Damm gibt der Gegend dahinter die Sicherheit, dass sie bei einer Sturmflut nicht überschwemmt werden. Der Damm wurde 1932 fertig gestellt und stellt einmal mehr die Kunst der Niederländer dar, dem Wasser Land abzutrotzen! Heute führt eine zweispurige Autobahn über den Deich. Er hat mehrere Raststätten, wo auch der Bau dokumentiert ist und man auf das Ijsselmeer blicken kann. Bei der Haltestelle Kornwerderzand steigen wir aus und überspringen einen Bus. In der Zwischenzeit (rund 45 Minuten, da wir mit Verspätung angekommen sind, da noch eine Zugbrücke hochging…) machten wir einen Spaziergang am Ufer entlang und tranken im Deich-Museum was.

Deich-Infocenter in Kornwerderzand
Blick aufs Ijsselmeer

Der Folgebus war pünktlich und brachte uns über die Ortschaft „Zurich“ nach Leeuwarden.

Bushaltestelle neben der Autobahn
Es geht nach Zurich

Man muss nicht betonen, dass der Bahnhof Leeuwarden ein Bijou ist? Dieses mal ein älterer Bahnhof – top restauriert! Hier kaufen wir bereits die Fahrausweise für den morgigen Zugtransfer von Rotterdam nach Schipol.

Bahnhof Leeuwarden

Um 15:46 Uhr fährt der Zug Richtung Utrecht. Und die Fahrt zog sich… Es ist eine lange Reise von Leeuwarden nach Utrecht – und wir hatten plötzlich noch 20 Minuten Verspätung.

Irgendwann schafften wir es trotzdem noch bis Rotterdam. Wir gingen in die Innenstadt zur Markthalle und kehrten in einem japanischen Lokal ein.

Nun aber ins Bett – Tagwache ist schon bald…

Dienstag, 28. April 2026: Reif fürs Museum

Heute verzichten wir erneut auf das Frühstück im Hotel und gehen stattdessen im Stadtinneren in die Bäckerei Jordy. Das Quartier, in welchem sich die Bäckerei befindet, ist abseits der Hauptströme. Ein Veloladen, verschiedene Barbiere und mindestens drei Läden, welche Schallplatten verkaufen (für die jüngeren Leserinnen und Leser: mit diesen hörte man früher Musik. Es sind die Vorgänger der Musikstreams und der CD’s).

Lasst den Tag mit einem Frühstück beginnen!

Wir können sogar draussen sitzen und geniessen das preiswerte, leckere Frühstück.
Anschliessend gehen wir einen Spezialitätengeschäft, welches es Bettina angetan hat: Ein Taschengeschäft. Aber kein 08-15, nein, sie stellen Taschen und Rucksäcke aus Segeltuch her. Recycling der speziellen Art. Und die Taschen sind wirklich hübsch!

Mit dem Tram fahren wir an den Bahnhof, wo wir den Zug nach Utrecht nehmen. 37 Minuten dauert die Fahrt und wir kommen in Utrecht Centraal an, einmal mehr an einem modernen und architektonisch coolen Bahnhof.

Das Quartier rund um den Bahnhof ist sehr modern und wird dominiert von einem Shoppingcenter. Verlässt man dieses, ist man in der „Altstadt“ von Utrecht. Nicht „alt“ in dem Sinne, wie wir es kennen, aber doch historisch genug, um als „hübsch“ angeschaut zu werden. Auch hier hat es wieder viele Grachten, welche dem Ganzen einen tollen Charme geben.

Unterwegs in Utrecht
Domtor in Utrecht

Eher ziellos spazieren wir durch die Stadt und entscheiden uns dann, dass wir das Eisenbahnmuseum von Utrecht besuchen wollen. Dieses befindet sich rund 20 Minuten zu Fuss ausserhalb des Zentrums und ist im ehemaligen Bahnhof von Utrecht Maliebaan untergebracht. Wir treten ins Bahnhofgebäude und merken, dass die Holländer nicht nur neue Bahnhöfe bauen können, sondern auch ältere Bahnhöfe wunderbar restaurieren können. Just wow!

Trans Europ Express

Gleis 1 kommt in der Zeit der 30er-Jahre daher mit dem passenden Zug: Es ist der Königszug, welcher da bereitsteht, als würde er in ein paar Minuten abfahren. Aber nein, heute nicht, die Wagen werden restauriert und können nicht besichtigt werden.

Perron 1 im Eisenbahnmuseum Utrecht
Der Königszug ist bereit zur Abfahrt
Ein Wagen des Königszugs

Der Hauptteil des Museums ist aber nicht beim Bahnhof, sondern einige Meter dahinter in einer grossen Halle. Viele ausgestellte Loks und Triebwagen. Aber man kann auch in die Zeit von vor 100 Jahren eintauchen, als Reisen noch Luxus und ein Spektakel war. Wo der Orientexpress mehrmals pro Woche von Paris nach Istanbul fuhr. Wo man noch direkte Verbindungen von London, mit der Fähre nach Vlissingen oder Hoek van Holland fuhr und dann direkt in die Züge nach Wien, Berlin oder Paris umsteigen konnte.

Cool war auch eine Achterbahn, welche mit 4er-Wagen durch ein Depot führte: Mal war man unter der Lok, mal daneben, und mal kamen plötzlich die Scheinwerfer des Zuges entgegen und der Wagen ist im letzten Moment noch ausgewichen. Europapark Rust im Eisenbahnmuseum. Ebenso wie der Loksimulator wo man quasi in einem Führerstand sitzt und den Zug mit den Passagieren durch die Gegend führen muss. Die Gegend sieht man auf dem Bildschirm vornedran und natürlich hat man als Lokführer keine Chance auf eine gemütliche Fahrt. Die interaktiven Sessel wackeln und ruckeln und die ganze Reise endet im spannungsgeladenen Chaos… 🙂

Irgendwann ist auch genug Eisenbahn und wir gehen wieder zurück ins Zentrum Utrechts. Hunger macht sich bemerkbar und wir essen in einem Steakhaus – am Ufer einer Gracht. Guter Service, gutes Essen und perfekte Location.

Apéro in liebevoller Umgebung
Nachtessen an der Gracht in Utrecht

Der Tag hat mit dem Frühstück super angefangen. Ebenso hat er geendet.

Wir fahren zurück nach Rotterdam. Die Nacht macht sich breit.

Montag, 27. April 2026: Koningdag – leve de Koning!

Heute feiert König Willelm Alexander seinen 59. Geburtstag. Der Geburtstag des Königs ist in den Niederlanden ein landesweiter Feiertag. Häuser und öffentliche Gebäude und Plätze werden mehrheitlich mit niederländischen Fahnen geschmückt und in ein orangenes Meer verwandelt. Da Feiertag ist, haben die meisten Geschäfte geschlossen. Die Städte verwandeln sich aber gleichzeitig in einen grossen Flohmarkt, denn am Koningsdag können alle ohne Bewilligung einen Verkaufsstand vor ihrem Haus aufstellen. 

Fahnen der Niederlande am Koningsdag

Wir entscheiden uns, den heutigen Tag in Dordrecht zu verbringen. Mit dem Wasserbus fahren wir um 9 Uhr unmittelbar vor unserem Hotel los und können ohne umzusteigen direkt bis nach Dordrecht fahren. Sind wir am Anfang nur etwa sechs Personen auf dem Schiff, füllt sich dieses langsam mit orange-gekleideten und meistens mit Fahrrad ausgestatteten Menschen.

Mit dem Waterbus fahren wir von Rotterdam nach Dordrecht

Auch wir haben uns natürlich Koningsdag-tauglich angezogen. Martin trägt ein orange-irisierendes Cap und ich ein Halstuch. Dies im Sinne der kulturellen Annäherung. 

Die Party kann steigen

Kurz vor 10:00 Uhr treffen wir im hübschen Dordrecht ein. Dordrecht hat ungefähr 123’000 Einwohnende und ist die älteste Stadt der Niederlande. Sie erhielt 1220 das Stadtrecht und war bis ins 16. Jahrhundert die bedeutendste Hafen- und Handelsstadt der Provinz. Auch nachdem Dordrecht von Rotterdam überholt worden war, blieb es ein wichtiger Binnenhafen. Im alten Hafengebiet erinnern wunderschöne Patrizierhäuser, Speicher und Höfe an die ruhmreiche Vergangenheit. 

Spaziergang in Dordrecht
Spaziergang in Dordrecht
Dordrecht

Wir schlendern gemütlich vom Hafen ins Zentrum und geniessen die beschauliche Atmosphäre. Je näher wir dem grossen Marktplatz mit der Grote Kerk kommen, desto mehr füllen sich die Gassen. Da wir noch nicht gefrühstückt haben, suchen wir das Bäckerei-Café Nobel auf, um uns dort zu stärken. Die Location ist schon von aussen wunderschön anzuschauen, ein bisschen in die Jahre gekommen, aber voller Charme. Als wir das Lokal betreten, ist der kleine Verkaufsraum proppenvoll mit Kunden. Wir stellen uns seitlich in die wartenden Kunden-Schlange und kommen durch die „Seitenlage“ geschmeidig zu zwei Sitzplätzen an der ladenseitigen Fensterfront. D.h. beste Sicht auf das Treiben in der Gasse und dazu ein herrliches Frühstück, bestehend aus frischem Brot, Butter und Konfitüre, Käse, Orangensaft und Kaffee und dann noch einem Zimt-Gebäck. Einfach nur herrlich.

Frühstück im Café Nobel

Und es gibt so viel zu sehen: glückliche Kinder, die sich an einem Stand ein neues Spielzeug gekauft haben, Erwachsene, die mit Tüten voller Kleidern oder Wohngegenständen daher kommen.  Und grossmehrheitlich alle in den königlichen Farben Niederlande und Oranje gekleidet. Einige Hundebesitzer lassen es sich nicht nehmen, auch ihren Vierbeiner in Koningsdag-Gewänder zu kleiden.

Alle in orange!

Nach dem reichhaltigen Frühstück spazieren wir weiter durch den wirklich sehr, sehr schönen Stadtkern.

Von Dordrecht aus nehmen wir den Bus und fahren nach Kinderdijk. Dort stehen am Zusammenfluss von Leck und Nord, die berühmten 19 Mühlen, welche die Allmend-Wiesen in früheren Jahrhunderten trocken hielten. Durch das Absacken des Bodens waren immer wieder neue Mühle notwendig, um die Höhenunterschiede überwinden zu können. Heute gehören sie zum UNESCO Welterbe. 

Windmühlen von Kinderdijk
Unterwegs in Kinderdijk

Zu Fuss und auf kleinen geführten Booten lässt sich das Mühlengebiet erkunden. Zwei Mühlen kann man sogar besichtigen und man erhält dabei einen guten Einblick in das karge und harte Leben der Mühlenbetreiber. Wichtig: bei diesen Mühlen handelt es sich nicht um Getreidemühlen, sondern um Wassermühlen, die den Wasserausgleich für die Nutzung der Wiesen sicher stellten.

Transport zu Wasser bei den Mühlen in Kinderdijk
Ländliche Idylle von früher

Natürlich gibt es hier viele Touristen, und trotzdem findet sich der Rahmen, um in Ruhe Vögel beobachten zu können und die einmalige Mühlenlandschaft zu geniessen.

Schilfrohrsänger
Mama Ente und ihre Jungmannschaft

Wir haben sehr viel Spass und sind dankbar dafür, dass wir dieses schöne Ensemble von Natur und technischer Errungenschaft erleben dürfen.

Für die Heimreise nutzen wir wieder den öffentlichen Wasser-Verkehr. Diesmal den Wasser Shuttle, der uns direkt von Kinderdijk nach Rotterdam fährt, wo wir nach ein paar Schritten wieder bei unserem Hotel eintreffen. Da wir recht müde sind, entscheiden wir uns, im Restaurant Dö in unserem Hotel zu Abend zu essen und den Abend gemütlich ausklingen zu lassen.

Auch die Erasmusbrücke in Rotterdam kleidet sich für den Koningsdag in orange

Ah, und noch etwas: warum heisst die Mühlenlandschaft Kinderdijk, also Kinderdeich? Dazu gibt es verschiedene Erklärungen. Die erste der folgenden drei ist diejenige, die uns bei der Besichtigung mitgegeben worden ist.

  • Bei der Elisabethenflut 1421 soll eine Wiege mit einem weinenden Kind und einer Katze unversehrt auf den Deich gespült worden sein.
  • Eine andere Legende besagt, dass der Deich durch Kinderarbeit entstanden sein soll.
  • Eine andere Geschichte erzählt, dass ein gewisser Jan in der Nähe von Kinderdijk lebte. Er hatte viele Kinder und hiess daher „Jan der Kindere“.
Kind Beatrice mit Katze

Sonntag, 26. April 2026: Sunday, Sunday, Shopping

Wir haben beide gut geschlafen und verbringen die Zeit nach dem Erwachen mit Lesen (ich lese meinen Dupin-Krimi fertig) und Ipadlen. Danach gehen wir im Hotel frühstücken – inkl. Appeltaart). Vor dem Mittag unternehmen wir eine Hafenrundfahrt mit der Spido-Schiffs-Gesellschaft. Das Boot ist sehr komfortabel und wettermässig liegt heute sogar ein Aufenthalt auf dem Sonnendeck drin. Die Fahrt bietet einige Sehenswürdigkeiten und interessante Informationen über den Wandel des Hafens, der sich aufgrund des zusätzlichen Platzbedarfs ausserhalb der Stadt weiter entwickelt hat.

Mit diesem Entwicklungs-Trend ging einher, dass die nicht mehr benötigten Docklands auch in Rotterdam zunehmend für den Wohnungsbau genutzt worden sind. Überall entstehen neue Wohn-Quartiere. Die Fahrt ist kurzweilig und interessant.

Unterwegs auf der Hafenrundfahrt
Unterwegs auf der Hafenrundfahrt

Wieder an Land machen wir uns auf den Weg in die Fußgängerzone, um noch etwas lädelen zu gehen. Ja, die Geschäfte in der Innenstadt haben alle geöffnet und es herrscht ein emsiges Treiben, wie an einem normalen Wochentag. Braucht man das wirklich?

Während Martin sich auf den Weg zum Bahnhof macht, um noch etwas Züge zu schauen und sein Eisenbahn Know-how zu erweitern, setze ich meinen Laden-Spaziergang fort. Gegen 17:00 Uhr treffen wir uns wieder im Hotel. Martin schaut sich hier das YB-Fussballspiel gegen St. Gallen an. Als dieses fertig ist – leider hat es nicht zum Sieg von YB gereicht – machen wir uns auf den Weg zum Restaurant „Very Italian Pizza“, wo wir zu Abend essen. 

Samstag, 25. April 2026: Verhuurd oder verkocht

Was in der deutschen Sprache eher negativ oder sogar ein wenig verrucht rüberkommt, erfreut das Herz eines niederländischen Maklers. Denn es bedeutet, dass er ein Objekt vermietet oder sogar verkauft hat. Andere Länder, andere Sitten und vor allem der Beweis dafür, dass Worte in einer Sprache nicht das gleiche bedeuten, wie in einer anderen Sprache.

Auch heute lassen wir es ferienmässig ruhig angehen. D.h. wir frühstücken gemütlich, packen unsere Taschen und machen uns dann mit dem Tram auf den Weg zum Bahnhof von Den Haag. Von hier aus nehmen wir den Zug nach Rotterdam. Die Fahrt dauert etwas länger als eine halbe Stunde. Danach stehen wir schon auf dem Bahnhof-Vorplatz des imposanten Bahnhofs von Rotterdam.

Bahnhof Rotterdam Centraal

Mit dem Tram fahren wir weiter zu unserem Hotel, wo wir unser Gepäck abladen. Da es erst kurz nach 13:00 Uhr ist, können wir das Zimmer noch nicht beziehen.

Wir machen uns daher direkt auf einen kurzen Stadtspaziergang, der uns an zentralen Locations von Rotterdam vorbei führt. Bezeichnenderweise figurieren darunter zwei alte Gebäude, die im 17. Jahrhundert erbaut worden sind. Es sind die einzigen Häuser, die der Krieg der Stadt übrig gelassen hat.

Schielandhuis

Die Stadt hat unter den deutschen Bombardements im Krieg sehr gelitten und ist daher weitgehend neu und modern wieder aufgebaut worden. Die Architektur ist interessant und vielseitig: zum Beispiel die grosse Markthalle, das Bleistifthaus, die gelben Kubuswohnungen und das gestapelte Haus de Rotterdam.

In der Markthalle von Rotterdam
Bleistifthaus Rotterdam
Kubus-Häuser in Rotterdam
Rotterdam

Zwischendurch gönnen wir uns eine kleine Pizza-Stärkung, bevor wir uns auf den Weg zurück zum Hotel machen. Wir beziehen unser Zimmer, das direkten Blick auf die Maas, die Erasmus Brücke und das angrenzende Stadtquartier gewährt.

Rotterdam Skyline
Room with a view - Rotterdam by night

Das heutige Abendessen nehmen wir im Restaurant El Gaucho ein. Argentinisch und somit eher nichts für Veganer. Die Fleisch-Speisen munden uns herrlich, obwohl wir knapp eine Stunde nach betreten des Lokals auch schon wieder draussen stehen. Aber Dinner-Socialising ist eh überbewertet. Zurück zum Hotel und ein gemütlicher Abend-Ausklang.

Freitag, 24. April 2026: Strand, Düne, Wald

Der Zug bringt uns heute nach Zandvoort aan Zee. Dieser Ort ist uns vielleicht eher bekannt als Rundstrecke für die Formel 1. Aber eigentlich ist es ein Seekurort.

Zandvoort - where dunes make history!

Auf der Zugfahrt, beim Umsteigen in Haarlem und beim Aussteigen in Zandvoort haben wir wieder mal die Bestätigung erhalten, dass die Niederländer tolle Bahnhöfe haben. Moderne Mobilitätscenter wie in Den Haag, aber auch „Kathedralen des Verkehrs“ wie in Haarlem, wo die historische Substanz des Bahnhofs erhalten geblieben ist. Wie auch in Zandvoort (wo der Bahnhof grad restauriert wird).

Eingang des Bahnhofs Haarlem
Bahnhof Haarlem
Bahnhof Zandvoort
Wartsaal 1. Klasse in Haarlem
Bahnhof Haarlem

Das Wetter ist super, die Brise steif und wir gehen auf direktem Weg an den Strand. Interessant: Hier finden sich oft Dispenser, wo gratis Sonnencreme bezogen werden kann – wenn die Dispenser nicht grad leer sind.

Sonnencrème-Dispenser in Zandvoort

Wir crèmen uns ebenfalls ein und wandern im Sand gegen den Wind in Richtung Norden. Ja, es ist frisch, aber das soll unsere heutige Challenge sein. Wir wandern weiter, vorbei an Hündelern und anderen Wanderern. Wir amüsieren uns an zwei Mädchen, welche probieren, bei diesem Wind Volleyball zu spielen – nur kurz, dann brechen sie das Unterfangen ab.

Am Strand bei Zandvoort

Nach rund einer Stunde Wanderung verlassen wir den Strand und biegen ab Richtung Landesinnere. Natürlich müssen wir zuerst die Düne überqueren – den Sand hoch, den Sand runter.

Die Düne hoch...

Nun wandern wir an einer eher windgeschützten Stelle durch die Dünen. Die Vegetation ist abwechslungsreich, wir hören viele Vögel, sehen sie aber selten.

Dann kommt das Unerwartete: EIN BERG!!

Wir haben den Hasenberg bestiegen!

Vom Hasenberg aus hat man eine wunderbare Sicht auf den Vogelsee – und nun sehen wir auch die Vögel, mehrheitlich Gänse und Enten.

Blick auf den Vogelsee

Die Wanderung durch die Dünen ist entspannend und bietet immer wieder Blick auf neue Aussichten. Wir geniessen es!

Wanderung in den Dünen bei Zandvoort

Die Wanderung geht weiter und nun verlassen wir die Dünen und es geht in den Wald. Der Wald hier ist vom Baumbestand her anders als unsere Wälder. Aber es gefällt uns auch hier, und auch den vielen Vögeln, die wir hören.

Nun sind wir im Wald

Wir nähern uns dem Ende der Wanderung in Santpoort Noord und wenige Minuten später bringt uns der Zug über Haarlem wieder zurück nach Den Haag.

Wir geniessen den Abend im Restaurant Tante Roba, wo wir noch zwei Plätze finden und ausgezeichnet essen. Wir schliessen diesen wunderbaren Tag ab mit einem Verdauungsspaziergang zum Friedenpalast, dem Sitz des internationalen Gerichtshofs.

Friedenspalast in Den Haag
Friedenspalast in Den Haag

Donnerstag, 23. April 2026: So ein Käse!

Ein nächster schönen Tag will erlebt werden. Strahlend blauer Himmel, Sonne und Temperaturen bis zu 17° warten auf uns. Aber trotz Sonne stellt das Wetter auch heute eine Herausforderung dar: Die Sonne scheint, es ist schön warm also Jacke ausziehen. Zwei Minuten später, wir spazieren auf der Schattseite einer Gracht, es ist kühl, also Jacke wieder anziehen. So geht das den ganzen Tag – an und ab.

Wir starten 7:30 Uhr in den Tag, machen uns ready to go und frühstücken bevor wir um 8:30 Uhr den Bus Richtung Bahnhof nehmen. Von dort fahren wir mit dem Intercity nach Gouda. Gouda liegt ungefähr 20 Minuten von Den Haag entfernt. Und jeden Donnerstag findet hier der Käsemarkt statt. Die Attraktion schlechthin. Nach unserer Ankunft schlendern wir gemütlich durch das hübsche Städtchen und positionieren uns auf dem Marktplatz, wo alles schon für den Käsemarkt vorbereitet ist. Da gibt es neun Felder, auf denen je zwölf Käse-Laibe à 12 kg arrangiert sind. Um 9:00 Uhr betreten die Hauptprotagonisten des nun folgende Spektakels den Marktplatz: die Händler in weisser Berufskleidung, die Käse kaufen wollen und die in traditioneller Blaumann-Jacke gekleideten Bauern, die ihren Käse verkaufen wollen.

Besuch des Kaasmarkt in Gouda

Die beiden Vertreter ihrer Zunft beginnen nun in einem Mehr oder weniger lang dauernden Prozess den Verkaufs- bzw. Kaufpreis auszuhandeln. Werden die beiden Parteien handelseinig, wird der vereinbarte Preis bezahlt und die ebenfalls anwesenden Käse-Jungen verladen den Käse auf die von Pferden gezogenen Holzkarren. Die Käse-Mädchen (Typ Frau Antje aus der Werbung unserer Kindheit) haben nur nett auszuschauen mehr nicht. Iss so.

Ja klar, alles für die Touristen inszeniert. Aber dies sympathisch mit viel Charme und etwas Selbstironie. Nach diesem Spektakel begeben wir uns in ein sonnig gelegenes Café und gönnen uns einen leckeren Cappuccino im Café Gewoon Gouds. Zu den Warmgetränken wird hier eine kleine Sirupwaffel gereicht. Auch dies eine Spezialität der Niederlande. Danach besuchen wir den klassischen Wochen-Markt mit Gemüse- und Obstständen, lokalen Spezialitäten wie Käse und Waffeln sowie Souvenirs wie zum Beispiel niederländische Holzschuhe in Plüsch als Mehrfamilienhaus-taugliche Hausschuhe. Martin lässt sich in Gouda die Haare machen, ich statte einem hübschen Lädchen einen Besuch ab und flaniere noch etwas durch die Gassen. Wir entscheiden uns, auch in Gouda eine Grachtenfahrt zu unternehmen.

Grachtenfahrt in Gouda
Grachtenfahrt in Gouda
Grachtenfahrt in Gouda

Diese führt durch viele enge und tiefliegende Kanäle durch die wirklich schöne Altstadt. Uns gefällt Gouda zusammen mit Leiden ausgesprochen gut. Danach essen wir noch eine Kleinigkeit als frühes Abendbrot bevor es mit dem Zug zurück nach Den Haag geht.

Mittwoch, 22. April 2026: Noch mehr Tulpen!

Hillegom ist ein Dorf, welches zwischen Den Haag und Amsterdam liegt. Ok, viele Ortschaften liegen zwischen diesen beiden Städten. Um es genauer zu nehmen: Hillegom liegt in der Nähe des Keukenhofs. Wir wollen heute die Tulip Barn, also die Tulpenscheune, besuchen. In unserer Vorstellung werden wir hier breite und lange Tulpenfelder in verschiedenen Farben sehen. Und in der Scheune kann man Tulpenzwiebeln kaufen. Vorstellung und Realität können jedoch auch voneinander abweichen…

Mit dem Zug erreichen wir Hillegom und spazieren dann ca 30 Minuten zur Tulpenscheune. Auf dem Weg zur Scheune sehen wir bereits einzelne Tulpenfelder. Die Scheune ist ein grosser Magnet: Es hat viele Besucher und diese kommen aus allen Herren Ländern. Die langen und breiten Tulpenfelder sehen wir hier nicht, aber eine Auswahl an ca 1,5 m breiten Feldern, die etwa 40 m lang sind.

Besuch der Tulpenscheune
Tulpenfeld bei der Tulpenscheune

Hier können nun die Touristen zwischen den Feldern/Beeten flanieren und die Blumen fotografieren. Oder sich.
Wir werden Zeugen eines Antrags, welche sie mit „Ja“ erwidert. Praktisch, dies hier zu machen, dann muss man keine Blumen mitbringen – die sind schon dort… Oder die indischstämmige Frau welche in einem bunten Kleid einen Tanz aufführt – und dabei von einem plusminus professionellen Kamerateam ausgeleuchtet und gefilmt wird.
Oder asiatische Frauen, welche in den Tulpen kniend und möglichst verführerisch dreinblickend ein Foto von sich machen lassen.

Sie hat "Ja" gesagt!
Auch ein Film wird bei der Tulpenscheune gedreht
Foto zwischen Blumen

Ach, Touristen… Und ja, wir machen auch unsere Bilder 🙂

In der Scheune konnte man übrigens keine Tulpenzwiebeln kaufen, es befand sich einfach eine grosse Cafeteria darin.

Nachdem wir diesen Besuch abgehakt hatten fuhren wir mit dem Zug nach Delft – der Stadt, welche für ihr Porzellan bekannt ist. Der Bahnhof ist unterirdisch angelegt und wirkt sehr modern. Auch die Gegend rund um den Bahnhof ist sehr modern. Einzig der alte Bahnhof aus dem Jahre 1865 steht noch und ist heute ein Restaurant. Wir gehen in die Innenstadt und erreichen den Rathausplatz, wo sich die „Neue Kirche“ befindet. Der Name der Kirche täuscht ein wenig darüber hinweg, dass diese Kirche bereits ab 1315 gebaut wurde und ergänzte die Oude Kerk aus dem 11. Jahrhundert.

Die Nieuwe Kerk ist eine der grössten Kirchen der Niederlande und ein Werk der Backsteingotik. Der Westturm ist mit 109 Metern Höhe der zweithöchste des Landes. Die Nieuwe Kerk ist die Grabkirche des niederländischen Königshauses, 45 Angehörige der Dynastie sind hier beigesetzt.

Nieuwe Kerk in Delft

Auf dem Platz finden im Moment die Aufbauarbeiten zu den Festivitäten des Königstags vom nächsten Wochenende statt: Eine grosse Bühne steht schon, die Tribüne wird aktuell aufgebaut.

Wir trinken und essen was in einem Restaurant auf dem Platz – outdoor und in T-Shirt. Ja, es ist richtig warm geworden und wir geniessen die Sonnenstrahlen.

Nach dieser Stärkung schlendern wir durch die Altstadt von Delft, welche viele Grachten hat. Wir spazieren bis zum Oostpoort, dem Osttor der Stadt und wieder zurück ins Zentrum.

Oostpoort in Delft

Delft gefällt uns. Und die Menschen geniessen die Sonne und geniessen ein Bier in den vielen Aussenplätzen der Restaurants.

Im Zentrum von Delft

Wir verlassen Delft und das oft sichtbare Design des Delfter Porzellans und fahren wieder nach Den Haag zurück. Im Wissen drum, dass die Tramlinie von Delft nach Scheveningen quasi vor unserem Hotel anhält, wählen wir das Tram für die Rückreise und „geniessen“ die 10 km-Fahrt im alten Fahrzeug…

Design des Delfter Porzellans

In der Nähe unseres Hotels finden wir ein passendes Restaurant. Ligurische Küche – Vorboten unserer übernächsten Ferienwoche 🙂

Dienstag, 21. April 2026: Der Kutscher kennt den Weg (Zitat Otto)

Mein Kutscher heute heisst Martin und – in der Tat – er kennt den Weg. 
Nach einem leckeren Frühstück machen wir uns mit dem Bus 24 auf Richtung Bahnhof. Denn heute geht es – once in a lifetime – zum Keukenhof. Mit dem Zug fahren wir bis nach Leiden, wo wir mit dem Bus 854 direkt zum Eingang des Keukenhofs gefahren werden. Bereits auf der Fahrt dorthin präsentieren sich uns grosse, wunderschöne Tulpenfelder in kräftigen Farben. Die Anreise verläuft zügig und da wir bereits Tickets gelöst haben, stehen wir kurze Zeit später im Blumenparadies Keukenhof. OK, wir sind nicht ganz alleine … Heerscharen von Menschen aus aller Herren Länder „gesellen sich zu uns“ und verteilen sich nach und nach auf den verschiedenen Wegen durch die abwechslungsreichen  Blumenanlagen. Da gibt es Blumenbeete, die mit Tulpen in einer Farbe gehalten sind, aber auch solche, die bunt und mit verschiedenen Frühblüher wie Narzissen gestaltet sind. Der Spaziergang durch diese aufregend schöne Frühlingspracht bereitet uns grosse Freude. Und wir haben für unseren Besuch auch einen Frühlings-Prachtstag erwischt. 

Keukenhof

Wir schlendern Stunden stundenlang durch die grosse Parkanlagen, die thematisch nach den Namen der niederländischen Königinnen und Könige gegliedert ist. In der Anlage steckt eine riesige Arbeit, denn die Blumenarrangements werden im Herbst angelegt, indem rund 7 Mio. Blumenzwiebeln gesetzt werden, die dann der Natur überlassen sind, um im Frühjahr in solch einer Pracht zu erstrahlen. 

Tulpen im Keukenhof
Tulpen im Keukenhof
Windmühle im Keukenhof
Tulpenfelder

Auf den abgelegeneren Wegen, wo ist es nicht so viele Leute hat, hört man einen Mix aus Vogelgezwitscher. Auch die gefiederten Freunde spüren den Frühling. Nach ungefähr 3 Stunden haben wir das Gefühl, alles gesehen zu haben und irgendwie sind wir auch von all den bunten Eindrücken und dem Dichtestress so ermüdet, dass wir uns entscheiden, unseren Keukenhof Besuch zu beenden und zurück nach Leiden zu fahren. Tatsächlich erreichen wir noch den nächsten Bus und sind eine halbe Stunde später wieder in Leiden. Zu Fuss geht’s ins Stadtzentrum, das sich um den alten und neuen Rijn drappiert.

Auf der Gracht in Leiden
Unterwegs in Leiden

In einem einem kleinen Café gönnen wir uns etwas zu essen, bevor wir uns auf eine Grachtenfahrt-Sightseeing-Tour begeben. Nach rund 1 Stunde Touristenfahrt gehen wir wieder an Land und spazieren der Nase nach durch Leiden dass uns sehr gefällt.

Die Universitätsstadt ist wirklich einen Besuch wert und begeistert uns durch die Häuser in verschiedenen Architekturstilen.

Spaziergang durch Leiden

Gegen 18:00 Uhr machen wir uns auf den Weg zurück nach Den Haag, wo wir 20 Minuten später eintreffen. Wir sind müde und entscheiden uns für einen Picknick-Einkauf und essen auf unserem Zimmer zu Abend. Ein eindrücklicher Ferientag, der uns begeistert aber gleichzeitig auch ermüdet hat, geht gemütlich zu Ende.

Montag, 20. April 2026: „Den Haag entspannt kennenlernen“.

Selten erstellen wir für unsere Reisen ein Reiseprogramm. Für diese Reise hingegen haben wir mal ein solches erstellt. Und dies sah für heute vor:

Den Haag entspannt kennenlernen

gemütlicher Start, Altstadt, Grachten, Höfe, Museen oder Bootsfahrt. Je nach Wetter am Nachmittag Ausflug ans Meer nach Scheveningen (Promenade, Pier, Strand)

Zumindest die Begriffe „entspannt“ und „gemütlich“ haben wir uns zu Herzen genommen. Wir lassen es Tag werden, geniessen das Frühstücksbuffet im Hilton – und gehen anschliessend wieder ins Bett…

Dann aber gehen wir doch in die Innenstadt. Dieses Den Haag ist sehr hübsch. Es erinnert an ein Freilichtmuseum – alles ist so historisch, hübsch und sauber.. Wir wollen Den Haag aber noch ein bisschen näher kennenlernen und haben für 13:00 Uhr eine Stadttour zu Fuss gebucht.

Unterwegs in Den Haag
Unterwegs in Den Haag

Pünktlich sind wir am Treffpunkt in der Innenstadt und zusammen mit 3 älteren Schottinnen führt uns Henrik durch die Stadt. Er zeigt uns hübsche Orte die wir vielleicht nicht besucht hätten. Das Maison de Bonneterie (Haus der Strumpfwaren) gibt es zwar seit 2014 nicht mehr und ist heute ein H&M. Das Haus ist jedoch mustergültig renoviert und hat eine wunderbare Kuppel im Inneren. Dieses H&M haben wir auf unserem Rundgang besucht, auch zwei Hotels und weitere Geschäfte – und Henrik hat unser immer die wesentlichen Punkte der Örtlichkeit gezeigt.

H&M ex Maison de Bonnetterie

Den Haag ist die Hauptstadt der Niederlande. Auch der König wohnt hier. Wenn er zu Hause ist, ist die Oranierfahne gehisst. Und der internationale Gerichtshof befindet sich ebenfalls in Den Haag. Es ist eine sehr internationale Stadt und man hört und spricht sehr viel englisch – holländisch hören wir nur selten.

Ein bisschen mehr als zwei Stunden dauert die Führung, welche beim Mauritshaus endet. Dieses wurde von 1633 bis 1644 gebaut und befindet sich direkt neben den Parlamentsgebäude. Es wurde als Adelspalais gebaut und ist seit 1822 ein Museum, das die Königliche Gemäldegalerie beherbergt. Eines der berühmtesten dort ausgestellten Gemälde ist Das Mädchen mit dem Perlenohrring von Jan Vermeer.

Das Mädchen mit dem Perlenohrring ist mit dem Fahrrad gekommen

Mittlerweile haben wir kurz vor 16:30 Uhr und wir haben uns entschieden, zum Strand zu fahren. Das Tram zum Strand fährt im Zentrum ab und benötigt 20 Minuten zum Meer in Scheveningen. Wir geniessen die Brise und spazieren teilweise im Sand, teilweise auf der Promenade.

Pier beim Strand von Scheveningen
Unterwegs am Strand von Scheveningen
Da braut sich was zusammen

Zuerst ziellos, aber mit einem Hüngerchen im Bauch dann gezielt zum Fischrestaurant Catch by Simonis. Dieses Restaurant hat uns Paul beim Check-in im Hotel empfohlen. Und der Tipp war ein Volltreffer! Ambiente, Service und die Scholle waren ausgezeichnet.

Auswahl im Restaurant "Catch by Simonis"

Wir hatten einen tollen Tag erleben dürfen und entsprechend müde waren wir, als wir mit dem Bus in Den Haag angekommen sind. Entsprechend schnell sind wir eingeschlafen.

Sonntag, 19. April 2026: Gruiten uit Den Haag

April. Zeit für Ferien. Wieder 🙂

Mit dem Zug fahren wir nach Zürich an den Flughafen, wo wir frühzeitig eintreffen. Es hat viele Menschen, welche an diesem Sonntag abreisen wollen. Der „Fast Baggage Drop“ zieht sich hin, die Warteschlange ist lang… Irgendwann schaffen wir es und bemühen uns zur Sicherheitskontrolle. Diese geht wie durch Butter – so schnell und ohne Probleme, das hatten wir selten.

Die Swiss – also wirklich die Swiss, nicht Swiss operated by AirBaltic oder Helvetic oder Edelweiss – fliegt mit knapp einer Stunde Verspätung ab. Aber das stört uns nicht gross, schliesslich haben wir in Amsterdam keinen Anschluss, der kritisch ist.

Der Flug ist toll und unser Plan, beim Anflug schon Tulpenfelder zu sehen, geht einigermassen auf. Bettina sitzt im Flugzeug rechts am Fenster, ich sitze links. Nur um die Tulpenfelder zu sehen fliegen wir getrennt…

Bei den orangen Tulpenfeldern weiss man nicht, ob man einen Tennisplatz oder ein Tulpenfeld sieht 🙂

Tulpenfelder beim Anflug auf Amsterdam
Tulpenfelder beim Anflug auf Amsterdam

Der Anflug auf Amsterdam geht über Den Haag. Wenn wir wüssten wo, würden wir wohl schon unser Hotel sehen…

Mit der Markenfarbe Orange kann Sixt in den Niederlanden natürlich auftrumpfen...

Wir landen in Amsterdam. Der Flughafen ist gross und wir spulen unsere Meter ab, bis wir beim Gepäck sind. Dieses kommt rasch und um 15:29 Uhr fährt schon unser Zug nach Den Haag. Vom Bahnhof aus nehmen wir zwei Stationen das Tram ins Zentrum und nach einem kurzen Spaziergang sind wir beim Hilton.

Einchecken, ankommen und schon bald sind wir im Restaurant „La Passione“ und geniessen ein feines italienisches Essen next level! Ein Verdauungsspaziergang zum Mauritshaus und zum Parlament rundet den Tag ab.

Mauritshaus
Unterwegs in Den Haag

Sonntag, 22. März 2026: Tschüss Balkan, tschüss Ferien!

Alles hat ein Ende – auch unsere Ferien. Der letzte Fixpunkt war der Besuch des Tesla-Museums in Belgrad. Dieses war vom Hotel aus fussläufig zu erreichen und ist natürlich nicht der Automarke Tesla gewidmet, sondern Nikolai Tesla, dem grossartigen Erfinder auf dem Gebiet der Elektrotechnik.

Die Personalie „Tesla“ ist ja recht spannend was die Herkunft angeht:

  • Am 10.7.1856 geboren
  • Geburtsort Smiljan
    Zur Zeit von Teslas Geburt war der Ort Teil des Kaisertums Österreich
    Heute liegt der Ort in Kroatien
    Tesla war ein Kind eines serbisch-orthodoxen Priesters

Ist Tesla nun Kroate (was mir bei einer Tesla-Ausstellung in Zagreb erklärt wurde)? Ist er Serbe (die Urne mit seiner Asche befindet sich im Museum)? Oder ist er etwa sogar Österreicher? Oder Amerikaner, weil er den grössten Teil seines Lebens in den USA verbrachte?

Egal. Tesla war für seine Zeit genial! Er hatte 280 Patente erhalten. Die Entwicklung des Zweiphasenwechselstroms hat in unserem heutigen Leben immer noch seine Bedeutung!

Der Andrang zum Tesla-Museum in Beograd ist gross...

Der Andrang beim Museum war gross, aber Roli hat auch hier schon vorgesorgt, damit wir „skip the line“ machen konnten und die verschiedenen Demos im Museum aus nächster Nähe sahen.

Das Museum ist so gestaltet, dass man stundenlang drin verweilen kann. Natürlich nicht, schliesslich mussten wir schon bald zum Flughafen. Auch dieses Mal hatten Bettina und ich den schwarzen Mercedes AMG mit getönten Scheiben.

Die Swiss brachte uns zurück nach Zürich. Ja, die Ferien sind zu Ende…

Samstag, 21. März 2026: Primea ist eröffnet!

Heute fand das Highlight des Belgrad-Besuchs statt: Wir durften der Eröffnung der Primea Poliklinika beiwohnen. Mehrere Monate wurde geplant und gebaut – heute war die Eröffnung einer Klinik, welche die medizinische Situation in Belgrad verbessern soll. Mit 17 Untersuchungszimmern, mit neuem Personal – und einer Praxis, die ganz toll geworden ist!

Die Primea Poliklinika ist eröffnet!

Nach der Eröffnung wurden die Besucher auf eine „Yugo Tour“ mitgenommen.

Der Yugo ist ein Kleinstwagen des ehemals jugoslawischen und später serbischen Automobilherstellers Zastava. Er wurde unter verschiedenen Bezeichnungen von 1981 bis 2008 produziert. Als einziges Auto aus einem europäischen sozialistischen Staat wurde er einige Jahre auch erfolgreich in die USA exportiert.

Zastava Yugo

Heute werden mit diesen Autos Stadtrundfahrten angeboten. Nebst dem Fahrer hat es Platz für 2-3 Gäste. Die Fahrt in einem solchen Auto ist ein Flashback in die 80er Jahre:

Back to the 80ies...

So haben die Autos früher ausgesehen…

Wir teilten die Gruppe auf zwei Touren auf: Die „Belgrade Beginners Tour“ und die „Rise and Fall of Yugoslawia-Tour“. Wir haben die zweiten Tour gemacht. Als erstes brachte uns die Fahrt im Konvoi von ca 5 Autos nach Neu-Belgrad zum Genex Tower. Dieser ist Beispiel für die damalige schnelle Bauweise mit Beton, dem Brutalismus (von beton brut).

Genex-Tower

Der nächste Halt war die Behörde für öffentliche Sicherheit, welche einen speziellen Grundriss aufweist, welcher erst auf der Google-Karte ersichtlich ist:

Behörde für öffentliche Sicherheit

Der letzte Besichtigungspunkt war das ehemalige Konzentrationslager, welches sich mitten in Belgrad befand. Noch heute findet sich hier ein Turm, welcher Die „Centralna kula na Starom sajmištu“ heisst (Zentralturm des Alten Messegeländes). Das markante Bauwerk ist Teil des ehemaligen Messegeländes, das während des Zweiten Weltkriegs als Konzentrationslager Semlin genutzt wurde. Heute ist es eine Gedenkstätte.

Centralna kula na Starom sajmištu - Zentralturm des Alten Messegeländes

Die ganze Yugo-Tour war äusserst informativ. Der junge Guide Luka wurde 1995 geboren, also mitten im Balkankrieg. Er erzählte die Geschichte von damals, ohne anklagend zu sein. Wir haben viel über Land und Leute von 1900 bis heute erfahren und können die Tour empfehlen.

Das Nachtessen fand ausserhalb Belgrads in Erdevik statt. Wir wurden mit einem Reisecar abgeholt und fuhren rund eine Stunde ins Weingebiet dieses Weines, der mittlerweile unser serbischer Lieblingswein geworden ist.

Zuerst konnten wir das Weingut mit den Weinkellern besichtigen, danach ging es kulinarisch zur Sache.

Weingut Erdevik
Weingut Erdevik

Die ganze Gesellschaft der Primea-Eröffnungsfeierlichkeiten belegte das Weingut. Als Tischdekoration fanden wir einen Gruss aus der Schweiz vor:

Gruss aus der Schweiz

Der ganze Eröffnungstag war toll und hat Spass gemacht! Vielen Dank, Roli!

Freitag, 20. März 2026: Tito lebt!

Jelena holte uns beim Hotel ab und wir fuhren mit dem Taxi aus Belgrad hinaus. Das Ziel war ein Bahndepot bei einem kleinen Bahnhof. Darin versteckt ist ein Überbleibsel aus der sozialistischen Vergangenheit Jugoslawiens: Der Blaue Zug (Plavi voz) von Jugoslawiens Langzeitpräsidenten Josip Broz Tito!

Der Zug hat(te?) 21 Wagen und bot Platz für 200 Leute. Mit diesem Zug fuhr Tito durchs Land und besuchte sein Volk. Auch Staatsgäste wie Queen Elisabeth II, Gama Abdel Nasser, der Schah von Persien, Haile Selassie, Muammar al-Gaddafi, Nicolae Ceausescu etc hatten die Ehre, in diesem Zug herumchauffiert zu werden!

Titos Zug ausserhalb von Belgrad

Der Zug bot jeglichen Komfort. Nebst luxuriösen Schlafzimmern mit eigener Badewanne (für Gäste und für Herr und Frau Tito), hatte es einen Konferenzsaal, ein Kino, einen Speisewagen. Alles technisch der letzte Schrei – von damals.

Seine letzte Fahrt hatte Tito nach seinem Tod, als sein Sarg von Ljubljana nach Belgrad überführt wurde.

Einzelne Wagen werden heute noch benützt, so z.B. im Sommer im Schnellzug Beograd – Bar.

Nach diesem historischen Highlight fuhren wir wieder mit dem Taxi zurück ins Zentrum und gingen im Kafana SFRJ, einem typisch serbischen Restaurant, essen. Auch hier kam man nicht um Tito herum. Es hing auch eine Karte des alten Jugoslawiens und weitere Erinnerungsstücke von früher.

Serbisches MIttagessen

Das Mittagessen war deftig, ich hatte in Kohl eingewickeltes Fleisch auf Kartoffelstock. Lecker!

Der Nachmittag war „zur freien Verfügung“ und wir schlenderten durch die Stadt.

Später trafen wir auf die Gruppe, die heute aus Zürich angereist ist. Am Abend gingen ins Le Fer essen. Speziell an diesem Lokal ist, dass dieses auf einem Ponton und auf der Save vertäut ist.

Le Fer - Restaurant auf der Save