Dienstag, 16. April 2024: Hello Kitty – have a nice trip

Für die Anreise zu unserem heutigen Ausflugsziel Himeji haben wir „den putzigsten Hochgeschwindigkeitszug“ ausgewählt: Den „Hello Kitty“ Shinkansen (50. Geburtstag von Kitty). Ein Must-See-Zug. Martin teilt meine Haltung. Schliesslich war Kitty meine erste Katzen-Comic-Lieblingsfigur.

Um ehrlich zu sein, fahren wir um 11.37 Uhr „nur“ nach Himeji, um im Kitty-Shinkansen zu fahren. Die ersten beiden Wagen sind komplett im Hello Kitty Design gestaltet mit Motiven der berühmten Sanrio-Charaktere. Der erste Waggon namens Hello! Plaza, hat keine Passagiersitze, sondern ein „Kino“ und einen Souvenirshop mit Capsules-Maschinen. Im zweiten Wagon von A – Z im Kitty-Design gibt es eine grosse Hello Kitty-Figur in Shinkansen-Uniform. Auf der rund halbstündigen Fahrt von Osaka bis Himeji ist‘s ein riesiges Gewusel unter den fotografierenden Reisenden und auch nach der Ankunft in Himeji ist der Zug bis zu seiner Weiterfahrt Richtung Fukuoka das Foto-Objekt Nummer 1.

Hello Kitty in Shin-Osaka
Hello Kitty in Shin-Osaka
Hello Kitty in Shin-Osaka
Unterwegs mit dem "Hello Kitty"-Shinkansen
Unterwegs mit dem "Hello Kitty"-Shinkansen

Wir bleiben noch ein Weilchen auf dem Perron in Himeji, da man dort optimal Shinkansen Trainspotting betreiben kann. Einige der Züge halten in Himeji nicht und brausen mit bis zu 300 km/h über das Mittel-Geleise zwischen zwei Bahnsteigen. Überwältigend. Fährt recht ein.

Zugsdurchfahrt in Himeji

Nach rund einer Stunde ziehen wir weiter, kommen aber nur bis zum Bahnhofs-Vorplatz, wo wir Larissa und Loris treffen (Arbeitskollegin von Martin und ihr Partner). Wir tauschen uns zu verschiedenen Japan-Reiseerlebnissen aus und kreuzen den Weg mit einem weiteren Schweizer, der in Himeji lebt.

So, aber nun fertig geschwatzt. Jetzt wollen wir zur Burg von Himeji. Die Japaner nennen diese „Burg des weissen Reihers“, weil sie mit ihren weissen Mauern, die sich zu beiden Seiten des Hauptturms erstrecken, aussieht wie ein Vogel, der sich in die Lüfte schwingt. Für viele ist der Bau mit seinem anmutigen Zierwerk die schönste Samurai-Burg überhaupt. Das Innere, ursprünglich ein Waffenlager, ist eher karg. Heute beherbergt es Gegenstände, die das Burgleben illustrieren. Die obersten Räume bieten einen Panoramablick über Himeji. Wir sind uns aber einig: das Äussere der Burg ist eindeutig ansprechender als das Innere.

Schloss Himeji

Mit einem Regionalzug kehren wir zurück nach Osaka, wo wir heue Abend Shabu Shabu essen gehen. Leckeres Essen mit Sake-Begleitung, gute Einführung in die Essens-Zeremonie und einiges zu lachen. Dies aufgrund der Tatsache, dass wir bei unseren Gemeinschaftsgerichten wie z.B. Fondue nicht so eine Sache um persönliches und gemeinschaftliches Besteck machen.

Als wir schon zu Hause waren brach ein kurzes, aber heftiges Gewitter über Osaka herein.

Gewitter über Osaka

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Montag, 15. April 2024: Nara – der Touristen-Magnet

Wir stärken uns am reichhaltigen Frühstücksbuffet für den heutigen Ausflug nach Nara. Die Stadt liegt auf halber Strecke zwischen Osaka und Kyoto auf der zentralen Insel Honshu. Das 710 gegründete Nara hiess einst Heijo-kyo, was so viel wie Friedenszytadelle bedeutete. Mit seinen alten Gebäuden und der erfrischend grün-hügeligen und waldigen  Umgebung strahlt Nara eine grosse Würde aus. Bereits am Bahnhof bzw. auf der Busfahrt zum Nara-Park wird einem die touristische Dimension des Ausflugs bewusst: Italiener, Franzosen, Russen, Deutsche, Schweizer und ein paar Japaner lassen sich zum Park transportieren. OK, Augen zu und durch. Der mitten in der Stadt liegende Park ist 2 km lang und rund 4 km breit. Darin befinden sich verschiedene Sehenswürdigkeiten. Es sind aber nicht nur die Tempel und Schreine, die den Park besonders machen, sondern die zahmen Hirsche, die einen auf Schritt und Tritt begleiten. Es soll rund 1‘000 Tiere geben, die als „Götterboten“ zu einem Symbol für Nara geworden sind und mittlerweile als Nationalschatz ausgewiesen werden.

Kasuga Taisha Tempel
Gut getarnter Hirsch

Im Rahmen eines Tagesausflugs lassen sich nicht alle Sehenswürdigkeiten von Nara besuchen. Wir konzentrieren uns deshalb auf folgende:

Kasuga Taisha Tempel (Lampentempel)

Zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört der im Jahr 768 erbaute Shinto-Schrein Kasuga Taisha. Der in einem Waldstück gelegene Schrein ist der Gottheit geweint, die für den Schutz der Stadt Nara verantwortlich ist. Er ist berühmt für seine über 3‘000 Stein- und Bronze-Laternen im Schrein selbst und in der Umgebung des Schreins. So sind die Zugänge von rund 2‘000 verwitterten, moosbewachsenen Steinlaternen gesäumt. Eindrückliche Farbenkombination der tiefroten Gebäudefarbe mit den unterschiedlichen Grüntönen des Waldes.

Kasuga Taisha Tempel
Kasuga Taisha Tempel
Kasuga Taisha Tempel

Wir schlendern entlang des Sagi-Teichs und beobachten eine Gruppe Kimono-tragender Frauen sowie die zahlreichen Schildkröten im Teich und ziehen weiter entlang des Konfuku-ji-Tempels und der fünfstöckigen Pagode.

Tōdai-Ji Tempel

Der 745 erbaute buddhistische Tempel gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und ist die bedeutendste Sehenswürdigkeit von Nara. Nachdem 735 ein Drittel der japanischen Bevölkerung an Pocken gestorben war, beauftragte Kaiser Shomu den Bau des Tempels, um die Bevölkerung vor künftigen Epidemien und Katastrophen zu schützen. In dem ehemals grössten, nur aus Holz bestehenden Gebäude der Welt, der grossen Buddha-Halle, befindet sich der Grosse Buddha Daibutsu.

Tōdai-Ji Tempel
Tōdai-Ji Tempel
Tōdai-Ji Tempel

Die Erkunduns-Tour mit recht langen Wegen und hohen Temperaturen kostet Energie. Wir sind auch nach einer kleinen Pick-Nick-Stärkung etwas mau unterwegs und entscheiden uns daher, mit dem Zug zurück nach Osaka zu fahren. Zudem ist Martin etwas angeschlagen, so dass wir in der Nähe des Hotels etwas essen (Lokalität ohne Speisekarte in englischer Sprache, als Folge Verständigung mit Worten und Zeichen und dann eine muntere Reihenfolge der an den Tisch gebrachten Speisen, die wenig mit einem Menü zu tun hat) und danach früh zu Bett gehen.

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Sonntag, 14. April 2024:  Gamba Osaka – gamba!

Heute steht Fussball auf dem Programm. Wir haben uns Tickets für für das Spiel Gamba Osaka gegen Sagan Tosu, den zwölften gegen den achtzehnten der ersten japanischen Liga. Also eigentlich Not gegen Elend. Aber who cares? Doch der Reihe nach.

Nach dem Frühstück statten wir dem Osaka Grand Front Einkaufscenter einen Besuch ab. Stylishes Center, mit schönen Läden und Produkten.

Grand Front Osaka
Grand Front Osaka

Macht Spass, sich da umzusehen und durch die Läden zu schlendern (z.B. Arcterix Store mit integriertem Kälteraum, um wärmende Kleidung vor Ort testen zu können).

Gechillter Teddy vor dem Grand Front Osaka
Gechillter Teddy vor dem Grand Front Osaka

Danach geht‘s mit S-Bahn und Monorail zum Panasonic Stadium Suita in Suita (40 000 Plätze).

Monorail Osaka
Osaka Monorail
Panasonic Stadium Suita in Suita
Panasonic Stadium Suita in Suita

Der Klub wurde 1980 in der Präfektur Nara als Werksmannschaft des Elektronikkonzerns Matsushita (heute Panasonic) gegründet. Der F.C. Matsushita konnte 1990 den japanischen Pokal gewinnen. Der Vereinsname Gamba kann einerseits auf das italienische Wort für Bein zurückgeführt werden. Andererseits ist gambaru das japanische Verb für „entschlossen kämpfen“ und der Imperativ gamba ein beliebter Anfeuerungsruf in Japan (kennen wir von der Kletter-WM im Sommer 2023 in Bern). Passend zum italienisch-japanischen Namen wurden die Vereinsfarben inkl. Trikots in blau-schwarz gewählt, was einerseits die Firmenfarben von Panasonic widerspiegelt und andererseits an den in Japan bekannten Club von Atalanta Bergamo erinnert. Letzte grosse Erfolge verzeichnete Gamba im 2015 als man den japanischen Supercup und den Kaiserpokal gewann.

Bevor wir unsere Plätze 8 und 9 in der 15. Reihe aufsuchen, kaufen wir uns zwei Sprite-Getränke und je ein Seaweed-Salmon-Rice-Sandwich. Die Bratwürste sind ausverkauft und der Senf ist alle ….

Gamba Osaka - Sagan Tosu 2:1 (1:1)
Stadionverpflegung
Gamba Osaka - Sagan Tosu 2:1 (1:1)
Spielbeginn

Martin setzt auf das Heimteam und hofft daher auf Tore von Gamba Osaka. Das erste Tor fällt aber für Tosu und die Spieler wiegeln direkt auf unserer Höhe, um die gegnerischen Fans zu provozieren.

Gamba Osaka - Sagan Tosu 2:1 (1:1)
0:1 für Sagan Tosu
Gamba Osaka - Sagan Tosu 2:1 (1:1)
Auswechslung. Wer kommt für wen? 🙂

In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit gleicht Osaka aus und in der 9-minütigen Nachspielzeit der zweiten Halbzeit erzielt Osaka – zur Freude des Heimpublikums – das Siegtor.

Gamba Osaka - Sagan Tosu 2:1 (1:1)
Siegtor in der Nachspielzeit
Gamba Osaka - Sagan Tosu 2:1 (1:1)
Alle Infos zum nachlesen 🙂

Es dauert danach gut eine halbe Stunde, bis wir im Fan-Marsch die Monorail-Station erreichen. All in hat dieses japanische Fussball-Erlebnis aber mega Spass gemacht.

Zum Abschluss eines coolen Tages gehen wir im Gebäude der Osaka Grand Front im Restaurant Da Bocciano Pizza essen. Sehr leckere Pizza. Und in der Bar & Gelateria Raffinato gibt‘s noch ein Dolce.

Tagesabschluss
Tagesabschluss

Und im späteren Sonntagnachmittag Schweizer-Zeit gewinnt dann auch noch YB gegen Luzern 4:2. 

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Samstag, 13. April 2024: Osaka entdecken

Das Wetter heute ist gut und so begeben wir uns nach dem Frühstück auf eine nächste Osaka-Entdeckunstour. Zu Fuss geht‘s durch die Strassenschluchten zum ersten Ziel, dem Nationalen Kunstmuseum. Der Eingang zum Museum besteht aus gebogenen Stahlteilen, die hoch über das Gebäude hinausragen. Die Struktur soll die Stärke und Flexibilität von Bambus, dem alten Baumaterial darstellen. Wir belassen es bei der Aussensicht und einem kurzen Besuch im Museumsshop.

Kunstmuseum
Kunstmuseum
Kunstmuseum
Kunstmuseum
SHIP’S CAT (Muse)
SHIP’S CAT (Muse)

Danach ziehen wir weiter zur Burg von Osaka. Wir schlendern durch die Gartenanlage und geniessen das touristische Treiben.

Burg von Osaka
Burg Osaka

Auf dem Weg zur U-Bahnstation kommen wir am Anleger der Osaka Urban Cruise vorbei. Spontan entscheiden wir uns, uns auf die rund 40-minütige Schiffsfahrt zu begeben. Die Tour führt an der Burg, an der Central Public Hall und dem Nakanoshima Rosengarten (der jetzt natürlich noch keine blühenden Rosen vorweisen kann) vorbei. Noch einmal kommen wir in den Genuss von zahlreichen Kirschbäumen in voller Blütenpracht.

Osaka Urban Cruise
Osaka Urban Cruise
Osaka Urban Cruise
Kirschblüten

Anschliessend geht‘s mit der U-Bahn zum Shitenno-ji Tempel. Prinz Shotoku ordnete den Bau des ursprünglichen Tempels im Jahr 593 an, und die Anlage gilt als Geburtsstätte des japanischen Buddhismus. Der Tempel wurde mehrmals durch Brände zerstört, der heutige Bau stammt aus dem Jahr 1965. 

Shitennō-ji
Shitennō-ji

Wir sind etwas mitgenommen von Sonne und Wärme und entscheiden uns, zum Afternoon Tea ins Hotel zurück zu kehren. Nach dem Genuss erfrischender kleiner Snacks ziehen wir uns aufs Zimmer zurück und verbringen den Rest des Tages mit mehr oder weniger nichts tun.

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Freitag, 12. April 2024: Weiter geht‘s nach Osaka

Unser Osaka-Zug fährt um 12.03 Uhr. Wir starten gemütlich in den Tag und geniessen das einzigartige Ambiente in der Frühstückslounge im 30. Stock. Per Taxi an den Bahnhof und kurze Zeit später beziehen wir unsere Plätze im Shinkansen mit Destination Tokyo.

Eisenbahnfahrausweis Japan
Unser Ticket nach Shin-Osaka

Nach zwei Zwischenstopps steigen wir in Shin Osaka, dem Shinkansen Bahnhof von Osaka, aus. Hier herrscht ein riesiges Gewusel – Freitagnachmittag halt – eigentlich wie bei uns – aber einfach viel mehr Menschen.

Die Shinkansen-Tickets werden am Automaten gelöst
Anstehen für Tickets am Automaten

Die Vereinten Nationen zählten zum Stichtag 28. Juni 2023 weltweit 34 Megastädte mit mindestens zehn Millionen Einwohnern. Auf Platz zehn der grössten Metropolen kam demnach Osaka mit 19 Millionen Menschen im Ballungsraum zu liegen.

Es dauert einen Moment, bis wir bei der Osaka Station den Weg zu unserem Hotel finden. Denn zu den vielen Menschen gesellt sich die Wärme. Es ist frühsommerlich warm und unsere Reisekluft lässt sich unter den Dufflebags auf die Schnelle nicht reduzieren. Wir checken in ein Zimmer im 30. Stock ein (3013), richten uns kurz ein und gönnen uns den Lounge-Afternoon-Tea für die Planung unseres Aufenthalts in Osaka mit Abstechern nach Kyoto und Nara.

Dann ziehen wir los und fahren mit der Metro ins Dōtonbori-Viertel, ein Hotspot Osakas. Entlang des Dōtonbori-Kanals verläuft die Dōtonbori Street, in der sich Restaurants, Bars, Geschäfte und Capsule toy Stores (dort kann man kleine Spielzeuge in einer Kapsel kaufen, so analog Kinderüberraschung) aneinander reihen. Und das gesamte Ambiente wird von den Leuchtreklamen (wie z.B. derjenigen der Handelskette Glico) dominiert. Schlicht eindrucksvoll und auf eine eigene Art überwältigend. Es ist unglaublich viel los, die Menschen schieben sich durch die Gassen und manchmal weiss man kaum, wohin man zuerst schauen soll. Alles ist bunt, grell, sehr laut und funky. 

Unterwegs in Dotonbori
Crazy Dotonbori
Unterwegs in Dotonbori
Viele Leute? Viele Leute!

Wir ziehen uns in eine Nebenstrasse zurück und finden im Restaurant „Il Piatto“ einen kleinen Italiener (zahn Plätze rund um eine kleine Koch- bzw. Essenszubereitungsstation) und gönnen uns da etwas kulinarische Abwechslung mit Bruschette und Spaghetti Genovese bzw. al Arrabiata. Mmmh.

Trattoria in Dotonbori - 10 Sitzplätze
Ristorante Il Piatto – 10 Sitzplätze auf 25 m2

Nach dem Essen spazieren wir noch etwas durch das Viertel und kehren danach zurück ins Hotel.

Je weiter östlicher unsere Japan-Reise-Route verläuft desto „mondäner“, bunter, schriller wird es. In Fukuoka wurde sehr wenig englisch gesprochen und die Stadt erschien uns als sehr beschaulich. In Hiroshima wurde es internationaler. In Osaka haben wir nun die neue Dimension Megastadt mit all ihren kulturellen Erscheinungen und Vielfältigkeiten.

Unterwegs in Dotonbori
Dotonbori-Kanal

Beim Benutzen der U-Bahn oder in Bahnhöfen fallen uns immer wieder die mit kindlicher Stimme gemachten An- und Durchsagen auf und nahezu überall dokumentieren plüschtierähnliche Wesen was man tun oder nicht tun oder speziell beachten soll. Kindisch? Nein, Kawaii und somit Teil der japanischen Kultur. Kawaii bedeutet ungefähr so viel wie „niedlich, liebenswert, bezaubernd“ und ist eines der am häufigsten verwendeten japanischen Worte. Kawaii beschreibt die Kultur, alles Niedliche zu vergöttern und fiktive „niedliche“ Figuren als Verkörperung des Positiven zu sehen. Kawaii kann sich auf Gegenstände, Menschen und fiktive Charaktere beziehen, die jugendlich, niedlich und kindlich sind und basiert auf den süssen körperlichen Merkmalen von Kindern und Tieren. Kawaii ist in Japan so beliebt, weil die Kultur die Unschuld der Kindheit und Jugend verherrlicht. Japanische Menschen versuchen der Jugend nachzueifern, indem sie den Kawaii-Stil in Kleidung und Lebensstil übernehmen (u.a. Manga-Mädchen).  Viele grosse Konzerne gestalten ihre Produkte auf Grundlage von Kawaii und dem eng zusammenhängenden Maskottchen-Kult (z.B. „Hello Kitty“ Shinkansen, Pipo-kun – Maskottchen in Form eines Kawaii-„Tieres“ der japanischen Polizei, Hikonyan als Stadtmaskottchen von Hikone, Lebensmittelverpackungen etc.). In Hikone wird sogar jährlich auf nationaler Ebene das Maskottchen des Jahres gekürt (yurugp.jp).

Unterwegs in Dotonbori
Super Mario/Maria

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Donnerstag, 11. April 2024: Soul of Japan

Was sind wir für Glückspilze: Erwachen erholt und voller Tatendrang in unserem tollen Hotelzimmer im 22. Stock mit der atemberaubenden Aussicht. Erhalten beim Frühstück einen Fensterplatz, so dass wir beide zum vielfältig-leckeren Frühstück das morgendliche Leben in den Strassenschluchten von Hiroshima beobachten können. Zudem Lektüre eines schönen Japan-Buches mit dem Titel „Soul of Japan“

Grosse Dankbarkeit.

Dann machen wir uns auf den Weg nach Iwakuni (Bus und Bahn). Die Hauptattraktion dieser Stadt mit rund 132‘000 Einwohnern ist die elegante „Brokatschärpen-Brücke“ Kintai-kyo, deren fünf Bogen aussehen wie gekräuselter Brokatstoff. Der Bau aus dem Jahr 1673 wurde 1950 bei einem Taifun zerstört. Die gedämpften Farbtöne der Kintai-kyo verschmelzen mit ihrer natürlichen Umgebung und die weich geschwungenen Holz-Brückenbogen sowie die imposanten Steinpfeiler bilden einen faszinierenden Kontrast aus Stabilität und Leichtigkeit. Das Überqueren der fünfspannigen Holzbögen fühlt sich ein wenig an wie Achterbahn. 

Kintai-kyo-Brücke
Kintai-kyo

Aktuell stehen am stadtauswärts gelegenen Uferteil noch viele Kirschbäume in Blüte. Wir geniessen die Schönheit von Brücke und Natur. 

Kirschblüten beim Kintai-kyo
Kirschblüten überall!

Mit dem Express-Bus fahren wir zurück in die Stadt, was etwas mehr als eine Stunde dauert. Danach gönnen wir uns noch ein öV-Spektakel der besonderen Art: Eine Fahrt mit der Monorail-Bahn Hiroshima. Die Einschienenbahn beginnt in der Station Midoriguchi, die unmittelbar neben dem Bahnhof Seno an der San‘yō-Hauptlinie von Japan Rail West liegt. Über eine Zwischenstation führt die Bahn hinauf zu einem auf den nahe gelegenen Hügeln neu entstandenes Wohngebiet, wo sie in der Station Midori-chūō endet. Die Strecke ist 1.3 Kilometer lang und überwindet einen Höhenunterschied von 160 Metern, wobei die Neigung bis zu 253 Promille beträgt. Auch fast ein wenig Achterbahn fahren.

Skyrail Midoriguchi
Rollercoaster

Für Ende April 2024 ist aufgrund der geringen Rentabilität der Bahn die Stilllegung der Strecke und ein Ersatz mit Akkubussen geplant.

Beispielfilm aus dem Netz

Nach diesem Abstecher kehren wir in die City zurück und gehen wie am Dienstag, Okonomiaki essen. Diese wird oftmals als japanische Pizza bzw. dicker Pfannkuchen mit Weisskohl beschrieben. Sie wird vor den Augen der Gäste auf einer heissen Arbeitsfläche zubereitet und gebraten. Wir wählen auch heute die Variante mit Udon-Nudeln und Frühlingszwiebeln. Auch diesmal schmeckt‘s lecker. Aber die Okonomiaki vom Dienstag war besser. Noch ein kleines (letztes) Andersen-Dessert und einen Kaffee to go und schon sind wir in unserem Hotelzimmer und lassen den schönen Tag gemütlich ausklingen. 

Okonomiaki wird zubereitet
Es wird getafelt…

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Mittwoch, 10. April 2024: Traumtag auf Miyajima

Als wir kurz vor 6 Uhr erwachen, geht grad die Sonne auf und verströmt ihr warmes Strahlenlicht in einen wunderschönen Frühlingstag.

Guten Morgen, Hiroshima!
Guten Morgen, Hiroshima!

Wir stehen auf und machen uns parat für unseren heutigen Ausflug auf die Insel Miyajima. Zuerst noch ein stärkendes Frühstück in der Lounge eingenommen und schon stehen wir an der Haltestelle des Busses Nr. 50, mit dem wir die erste Wegstrecke zurücklegen. Nach rund 18 Haltestellen und der Überquerung von vier Flussarmen steigen wir aus dem Bus aus und wechseln auf eine Art S-Bahn, die uns bis nach Hiroden-Miyajimaguchi fährt. Hier wechseln wir auf die Fähre, die nach etwas einer Viertelstunde Fahrt auf Miyajima anlegt. Miyajima heisst der heilige Ort, was soviel wie „Schrein-Insel“ bedeutet. Ihr Itsukushima-Schrein, seit 1996 UNESCO-Welterbe, zählt zu den bedeutendsten Shinto-Schreinen Japans. Seit Jahrhunderten verzaubert sein rotes im Meer stehendes torii, das Shinto-Tor (das auch das Titelblatt unseres Reiseführers ziert) die Menschen.

Otorii von Itsukushima
Otorii von Itsukushima

Die Insel galt bereits in frühhistorischer Zeit als heiliger Ort. In der Vergangenheit durfte es auf der Insel weder Geburten noch Todesfälle geben. Auch ist es verboten, Bäume zu fällen, weshalb auf der Insel noch Urwald mit einer vielfältigen Flora und Fauna existiert. Als erstes besuchen wir den Itsukushima-Schrein. Die Hauptgebäude dieses Schreins ruhen direkt vor der Insel auf erhöhten Plattformen, deren Pfeiler bei Flut im Wasser stehen, so dass die Anlage zu schwimmen scheint. Die einzelnen Gebäude sind mit einem 280 Meter langen überdachten Korridor miteinander verbunden. Weltberühmt ist das hölzerne torii aus dem Jahr 1875, das etwas 160 Meter vor dem Schrein im Meer steht. Bei Ebbe kann es zu Fuss erreicht und durchquert werden,. Bei Flut steht es vollständig im Wasser. Das torii ist eines der meistfotografierten Wahrzeichen Japans.

Itsukushima Shrine
Itsukushima Shrine

Ebenfalls äusserst sehenswert sind die fünfstöckige Pagode, die rote Bogenbrücke und verschiedene kleiner Schreine und Tempel. 

5-stöckige Pagode beim Itsukushima Shrine
5-stöckige Pagode beim Itsukushima Shrine

In der Tempelanlage kaufen wir noch Amulette und lassen uns auf Omikuji ein. Omikuji ist eine alte Form der Wahrsagerei in Japan und die geht ganz einfach. Wir bezahlen pro Person eine Spende von 100 Yen (d.h. CHF -.60) und behändigen anschliessend einen Holzzylinder, den wir gut schütteln und danach schräg halten, so dass durch eine kleine Öffnung am Boden des Zylinders ein Stäbchen rauskommt, auf dem eine Zahl steht. Im Spendebereich gibt es ein Holzmöbel mit vielen durchnummerierten Schubladen. Aus der Schublade mit „meiner“ Nummer entnehme ich mein Omikuji. Jedes Omikuji enthält normalerweise eine Geschichte oder ein Gedicht in traditionellem und modernem Japanisch. Das ist der Schlüssel zur Deutung „meines“ Glücks. Diese Geschichten können selbst für Einheimische nur schwer zu verstehen sein. Aber es gibt auch einen ganz einfachen Weg, um herauszufinden, wie viel Glück man hat. Jedes Omikuji zeit eine Einstufung. Das ist normalerweise das grösste Kanji (Schriftzeichen) auf dem Papier. Die Rangfolge sieht folgendermassen aus:

  • Sehr viel Glück
  • Glück
  • Mässiges Glück
  • Etwas Glück
  • Halbes Glück
  • Glück in der Zukunft (aber nicht jetzt)
  • Etwas Unglück
  • Halbes Unglück
  • Unglück in der Zukunft (aber nicht jetzt)
  • Unglück
  • Grosses Unglück

Wenn man Glück gezogen hat, behält man das Omikuji als Andenken und erfreut sich an all dem Guten, das es bringt. Hat man Unglück gezogen, kann man die Omikuji an Schnüren im Tempel befestigen. Die Götter kümmern sich danach um die zurückgelassenen Omikuji. Wir sind glückliche Lernende, die den Omikuji-Umang noch nicht ganz im Griff haben.

Danach machen wir uns auf den Weg auf den 535 Meter hohen Berg Misen, der vollständig mit Wald bedeckt ist. Der Weg ist nur etwa 3 Kilometer lang aber der Aufstieg ist ruppig und führt über teilweise sehr hohe Stufen. Wir gehen diesen in einem ruhigen aber regelmässigen Tempo an und kommen gut voran. Auf der Bergspitze angekommen, geniessen wir zuerst die grandiose Aussicht, bevor wir uns an den am Vortag gekauften Andersen-Leckereien (Früchtebrot und Nussmischung) stärken.

Wanderung auf den Mount Misen
Wanderung auf den Mount Misen
Oben angekommen hat es eine tolle Rundsicht
Tolle Aussicht auf dem Gipfel

Für den Rückweg wandern wir ca. 15 Minuten bis zur Bergstation der Seilbahn (zuerst und anschliessend Gondelbahn) und bringen den „Abstieg“ in luftiger Höher hinter uns. Hat Spass gemacht und war wunderschön. Aber auch anstrengend.

Luftseilbahn zum Mount Misen
Luftseilbahn beim Mount Misen

Als Erstbesiedler des Berges Misen gilt der buddhistische Mönch Kükai, der sich im Herbst des Jahres 806 100 Tage lang für asketische Übungen dorthin zurückzog. Das von ihm entzündete Feuer soll seither niemals erloschen sind und brennt heute in der „Halles des nie verlöschenden Feuers“ unterhalb des Misen-Gipfels. Dieses Feuer ist auch der Ursprung der Flamme im Friedensgedenkpark  von Hiroshima für die Opfer des Atombombenabwurfs.

Auf dem Weg zurück ins Städtchen kommen wir noch an einem Café vorbei, bei dem wir nur deshalb einkehren, weil man vom Aussenbereich nochmals eine wunderschöne Aussicht auf das torii hat, das mittlerweile als Folge der Ebbe im „Trockenen bzw. Watt“ steht.

Schmeckt so, wie es aussieht, dafür ist die Aussicht cool...
Schmeckt so, wie es aussieht, dafür ist die Aussicht cool…

Es bleibt noch Zeit für letzte Fotos bevor wir um 16.40 Uhr die Fähre zurück ans Festland nehmen.

Das Otorii steht im Trockenen
Das Otorii steht im Trockenen

Mit einem Regionalzug fahren wir direkt zurück nach Hiroshima Hauptbahnhof. Wir sind recht müde und entscheiden uns daher, heute Abend im Hotel zu Abend zu essen, so dass wir schon „Daheim“ sind. Leckeres Italien-Buffett mit der lustigen Auszeichnung einer Spezialität als „Fisch nach Jägerart“. Welcher Jäger hat wohl den Fisch geschossen?

Zum Tagesabschluss noch den Sonnenuntergang...
Zum Tagesabschluss auch noch einen Sonnenuntergang 🙂

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Dienstag, 9. April 2024: Mitten in der Weltgeschichte

Es regnete, als wir unsere Augen öffneten. Der Wetterbericht meinte, dass um 11:00 der Regen von der Sonne verdrängt werden soll. Somit haben wir noch Zeit, in den Tag zu starten. Wir machen dies mit einem Frühstück am Buffet unseres Hiltons. Bei einzelnen Speisen brauchte es Mut, sie auf den Teller zu nehmen. Aber man soll ja offen sein…

Wir starten bei Sonnenschein unseren Spaziergang ins Zentrum. Der erste Abstecher galt der Bäckerei Andersen. Der Dänische Bäcker hatte eine tolle Auswahl, da mussten wir natürlich einen Nachmittagsproviant in Form eines Olivenbrotes kaufen. Damit Martin nicht zu kurz kommt, gibt’s noch eine Schnecke und eine Apfeltasche obendrein.

The Bread - gesehen in der Bäckerei Andersen
Was Volkswagen „Das Auto“ ist Andersen „The Bread“

Mit diesem Proviant machen wir uns auf zum Hiroshima Friedenspark welcher an den Atombombenabwurf vom 6.8.1945 erinnert. Hier hat es verschiedene Statuen, Denkmäler etc. Und immer hat man einen Blick auf den Atomic Dome, das ausgebrannte Gebäude mit der Stahlkuppel obendrauf. Die Stimmung ist andächtig und ruhig.

Atomic Dome
Atomic Dome

Wir gehen zum Kenotaph, welcher in seinem Sarkophag die 350’000 Opfer des Bombenabwurfs namentlich verewigt hat.

Kenotaph
Kenotaph
Kenotaph

Wir besuchen die Hiroshima National Peace Memorial Hall, wo in einer Halle die Quartiere und Orte in der Umgebung des Atombombeneinschlags genannt werden, welche ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen wurden. In der Mitte der Halle hat es einen Brunnen der stilisiert die Zeit des Bombenabwurfs (8:15 Uhr) anzeigt und den Opfern des Abwurfs das Wasser geben soll, welches sie in den ersten Stunden ‚danach‘ so sehr verlangt hatten.

Hiroshima National Peace Memorial Hall
In der Gedenkhalle
Hiroshima National Peace Memorial Hall
Brunnen mit der symbolisierten Zeit des Abwurfs

In einer Sonderausstellung erzählen ältere Männer von ihrem Einsatz als Kindersoldaten beim Ende des 2. Weltkriegs. Die teilweise 15 jährigen Buben wurden ausgebildet, um als Kamikaze mit kleinen, mit Dynamit beladenen Schiffen die angreifenden Schiffe als lebende Bomben zum sinken zu bringen. Nach dem Bombenabwurf wurden sie jedoch nach Hiroshima beordert und zur Hilfe vor Ort eingeteilt. Einige damalige Knaben leben heute noch als greise Männer – aber sie können sich noch an jedes Detail dieser Tage erinnern. Und erzählen es auf sehr eindrückliche Art aus eine Sicht, die man vielleicht bisher noch nicht so gekannt hatte.

Es war schwere Kost, diese ganzen Geschichten zu hören und wir mussten zuerst mal eine Pause einlegen (an dieser Stelle kommt nun das Olivenbrot, die Schnecke und die Apfeltasche zum Zug…). Irgendwie habe ich keine Lust mehr, auf 79 Jahre zurückzublicken. Aber wir stellen uns der Geschichte, die uns eigentlich bis heute prägt, und besuchen noch das Friedensmuseum. Dieses zeigt viele Facetten aus der Zeit nach dem Bombenabwurf, was in Hiroshima passiert ist und was in den nächsten Tage und Wochen passiert ist.

Hiroshima nach dem Bombenabwurf
Hiroshima nach dem Bombenabwurf

Zudem gab es Portraits über Menschen, die nach ein paar Tagen verstorben sind oder auch Jahre später.

Die Geschichte vom Mädchen mit dem Dreirad
Die Geschichte vom Mädchen mit dem Dreirad

Wir waren zusammen mit Dutzenden von Besuchern im Museum. Die Stille in diesem Museum war trotz der vielen Besucher eindrücklich. Die Geschichte bewegt. Sie schmerzt. Aber sie ist halt auch Teil der Gegenwart und das muss man zuerst sacken lassen.

Somit waren wir nach unserem Ausflug an die süd-/nordkoreanische Grenze wieder mit der jüngeren Geschichte konfrontiert. Weltgeschichte.

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Montag, 8. April 2024: 8. August 1945, 8:16 Uhr

Heute reisen wir von Fukuoka nach Hiroshima weiter. Unsere erste Shinkansen-Reise. Das bedeutet dass wir nach dem Frühstück unsere Habe zusammenpacken, aufgrund des Regens mit dem Taxi zur Hakata Station fahren  und dort schon kurze Zeit später unsere Plätze im Shinkansen Nozomi beziehen. Die Abläufe des Stationspersonals zur Ankunfts- und Abfahrts-Abfertigung der zwei vor uns abfahrenden Shinkansen lassen sich von unserem Wartebereich aus ideal beobachten. Da sitzt jetzt jeder Griff, jeder Prozessschritt. Gestes métier, eben. Da wird jede Vorkehrung zum Ankünden des Zuges, zur Einfahrt, Zeitkontrolle, Abwickeln des Aus- bzw. Einstiegs, der Beendigung der Einstiegsphase und der Abfahrts-Abfertigung mit Gesten und begleitenden mündlichen Ausführungen vorgenommen. Die rund einstündige Fahrt verläuft ruhig und „zügig“.

Shinkansen Nozomi in Hakata
Shinkansen Nozomi

Regnen tut‘s auch bei unserer Ankunft in Hiroshima. Daher nehmen wir auch hier den Taxi-Service in Anspruch. So können wir gegen 14:00 Uhr unser Zimmer (2210) im Hilton Hotel beziehen, uns einrichten und erneute eine coole Stadtaussicht geniessen.

Aussicht aus dem Zimmer
Aussicht aus dem Zimmer

Danach machen wir uns zu Fuss auf den Weg durch die Stadt mit dem Ziel Friedenspark. Der Park ist ein Erinnerungsort mit über 70 Monumenten, Einrichtungen und Gedenksteinen, die den direkten und indirekten Opfern des Atombombenangriffs vom 6. August 1945 gewidmet sind. Wir konzentrieren uns heute auf den Atombomben-Dom, der 1996 als Symbol für die durch die erste Atombombe in der Geschichte der Menschheit verursachten Zerstörungen in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen wurde. Der Atombomben-Dom soll an die Ziele der Abschaffung von Atomwaffen und einen dauerhaften Weltfrieden erinnern.

Der Atombomben-Dom, die ehemalige Halle für Industrieförderung der Präfektur Hiroshima , wurde vom tschechischen Architekten Jan Letzl entworfen. Zur Zeit seiner Errichtung im Jahr 1915 wurde das Gebäude wegen seines  kühnen europäischen Designs hoch gelobt. Am 6. August 1945 um 08:15 Uhr wurde das Gebäude durch den ersten Atombombenabwurf der Welt zerstört und brannte bis auf die Grundmauern nieder. Die Dom-Kuppel stand sofort in Flammen. Alle Menschen, die sich im Gebäude befunden haben, starben. Da der Druck der Explosion von oben kam, blieb ein Teil des Mauerwerks stehen.

Atomic Dome
Atomic Dome
Atomic Dome
Atomic Dome

Eindrücklich.

Da es wieder zu regnen begonnen hat, entscheiden wir uns, den Friedenspark am nächsten Tag zu besuchen. Unsere Erkundungstour führen wir durch die überdachten Hondori-Arkaden fort. Die Arkaden sind voller Geschäfte, Cafés, Bars und Restaurants. Vor lauter schauen, quillen einem fast die Augen über.  Dies tun sie erst recht als wir die Bäckerei Andersen betreten. Ein Feinkostladen mit Danish Pastery, sämtlichen Afternoon-Team Zutaten (inkl. Clotted Cream), Weine aus Östereich, Deutschland, Frankreich und Italien, Patisserie und Brot (Baguette und Pfünderli-Brot ==> The Bread). Wir widerstehen den kulinarischen Köstlichkeiten.

Französische Weine ohne Gas :-)
Vin de France 🙂

Anschliessend besuchen wir die Burg mit Wassergraben von Hiroshima. Diese wurde 1958 als Nachbau errichtet. Die ursprüngliche Burg wurde beim Atombomben-Abwurf vollständig zerstört. Rund um den Wohnturm befindet sich eine Galerie, die einen Panoramablick zu Stadt und Umgebung bietet. Da wir etwas spät dran sind, gibt‘s für uns heute kein Panorama mehr. Rund um die Burg gibt es viele Kirsch- und Kamelienbäume, welche die Burg zu einem schönen Fotospot machen. 

Königspalast in Hiroshima
Königspalast in Hiroshima
Königsschloss in Hiroshima

Im Vergleich zu Seoul und Fukuoka hat es hier in Hiroshima sehr viele westliche Touristen. Insbesondere Franzosen, Deutsche und Amerikaner. Auch Schweizer-Deutsch gelangt in unsere Ohrmuscheln. Für das Abendessen kehren wir zum Hotel zurück und gönnen uns da ein Teppanyaki-Essen mit Wagyu-Beef und Abalone, also Ohrmuscheln :-).

Teppaniaky :-)
Wagyu, etwa ein F3…

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Sonntag, 7. April 2024: Sonntagsruhe

Unser Zimmer in der 32. Etage liegt ostseitig – somit werden wir von der Sonne geweckt. Nur, wenn es so schön Wetter ist wie heute…
Nachdem wir von den Sonnenstrahlen wachgekitzelt wurden, gehen wir schon bald ans Frühstücksbuffet, bevor wir wieder ins Zimmer gehen und chillen.

Kurz nach 13:00 Uhr ist der Moment gekommen, sich noch ein bisschen zu bewegen. Wir nehmen Bus 306, welcher in der Nähe des Hotels abfährt und uns direkt zum Bahnhof Hakata bringen wird. Die Buslinie führt nicht nur durch die Städte Fukuoka, Tanjin und Hakata, nein, sogar noch über den Expressway, dessen Fahrbahn in ca 40 m Höhe der Küste entlang führt und tolle Ausblicke aufs Meer bringt. Nach rund 20 Minuten Fahrt kommen wir am Hauptbahnhof von Hakata an. Wie alle grossen Bahnhöfe in diesem Teil der Welt ist der Bahnhof ein Shoppingcenter. Und das offenbar recht erfolgreich, denn der Bahnhof ist voller Leute, ein Gewusel ohne Ende. Wir wollen doch nur zum Billettschalter…

Bahnhof Hakata
Bahnhof Hakata

Wir finden den Billettschalter und kaufen Billette für die morgige Reise mit dem Shinkansen nach Hiroshima. Der Kauf geht problemlos vonstatten, die Verkäuferin am Schalter sprach sogar recht gut englisch. Heute wollen wir mit dem Zug in eine andere Richtung: Wir wollen mit dem Zug nach Kidonanzoin-Mae, wo wir den liegenden Buddha Nanzoin bestaunen wollen.

Gleis 8 finden wir problemlos, steigen in den Zug ein und schon bald geht die Reise los, aus Hakata hinaus aufs Land, in Richtung Hügel – und nach nicht mal einer halben Stunde sind wir in Kidonanzoin-Mae. Dieser Bahnhof ist kein Shopping Center, sondern ein kleiner Bahnhof mit 2 Gleisen – und einem Bahnhofvorstand!

Wir gehen die paar Meter zum Eingang der Gedenkstätte Nanzoin, kommen an Gedenksteinen, Statuen und Tempeln vorbei – und plötzlich stehen wir vor ihm: Dem liegenden Buddha!

Der liegende Buddha
Der liegende Buddha
Der liegende Buddha
Eindrückliche Dimensionen

Die Dimensionen des liegenden Buddhas sind eindrücklich:

  • 40 m lang
  • 11 m hoch
  • 300 t schwer

Es handelt sich um die grösste Bronzestatue der Welt!
Die ganze Anlage ist nicht riesig, aber sie ist sehr vielfältig. Wir als nicht-Buddhisten können nicht mit jedem Teil was anfangen, aber rein optisch ist das Ganze schon eindrücklich:

Buddhistische Statuen
Buddhistische Statuen
Buddhistische Statuen
Buddhistische Kunst beim Tempel

Nachdem wir uns bei der Pracht satt-gesehen haben, fahren wir wieder mit dem Zug nach Hakata und probieren in einem Shop in Bahnhofsnähe ein Moji:

Zwei Mochis zwischendurch
Mochis to go

Nach einem kurzen Abstecher zur recht überschaubaren „Old Town Hakata“…

Eingang zur Altstadt von Hakata

…brachte uns Bus 306 wieder zum Hotel. Zum Abschied des Tages – und auch von Fukuoka konnten wir einen tollen Sonnenuntergang geniessen.

Toller Sonnenuntergang, bevor wir ins Hotel gehen

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Samstag, 6. April 2024: Sakura, Sakura

Die japanische Kirschblüte ist ein Symbol für Schönheit, Aufbruch und Neuanfang sowie für die Vergänglichkeit. Ihre Blütezeit beginnt in der zweiten März-Hälfte und zieht sich dann in den Norden hoch, bis sie anfangs Mai im nördlichen Hokkaido ankommt. Mit unserer Japan-Reise sind wir anfangs April also voll in der Saison. Zu Ehren der japanischen Kirschblüte werden während der Blütezeit Hanami (jap. Blüten betrachten), d.h. Kirschblütenfeste gefeiert, bei denen die Menschen sich unter blühenden Sakura zusammenfinden und picknicken. Insbesondere im Park des alten Schlosses von Fukuoka haben sich unter nahezu allen schön gelegenen Kirschbäumen grössere und kleinere Gesellschaften zusammengefunden, um sich zu einem Picknick zu treffen und gemeinsam eine gute Zeit zu verbringen. Die Stimmung hier wie auch schon vorher im Ohori-Park ist ausgelassen und entspannt. Wir spazieren gemütlich durch die  Pärke und erfreuen uns am munteren Treiben (Schwan-Pedalos mit Pedalen für alle Passagiere, diverse Klein-Hunde in Kleidern und mit eigenem Wägeli, riesige Fische in den Teichen, Schildkröten und Kormorane aber auch die modische Vielfalt der Japanerinnen).

Tierwelt auf dem Ohiri-See
Tierwelt auf dem Ohori-See

Nach dem Frühstück im 34. Stock mit einem tollen Mix aus japanischen und westlichen Essen (zweite Mahlzeit in Japan und zum zweiten Mal leckere Miso-Suppe) begeben wir uns an den direkt vor unserem Hotel liegenden Strand und spazieren auf der Promenade Richtung „stadtauswärts“.

Am Stadtstrand von Fukuoka
Stadtstrand von Fukuoka

Wir steigen auf den Atago-Hügel hinauf, wo sich ein Shinto-Schrein befindet. 

Atago-Schrein
Atago Schrein
Kirschblüten beim Atago-Schrein
Kirschblüten beim Atago-Schrein

Schreine stehen in Verbindung mit dem Shintoismus. Der Shintoismus, „Weg des Göttlichen“, ist die ethnische Religion Japans. Es handelt sich um einen Kult der Naturkräfte, die durch die Kami, die 800 Myriaden von Gottheiten, repräsentiert werden. Shinto-Schreine werden im Japanischen als jinja bezeichnet. Der Eingang zu einem Shinto-Schrein ist an den berühmten torii zu erkennen, einem in der Regel roten Portal, das die Grenze zwischen dem Heiligen und dem Profanen markiert. Das wohl bekannteste torii ist das des Itsukushima-Schreins auf der Insel Miajima.

Zugang zum Atago-Schrein
Torii beim Atago-Schrein

Demgegenüber ist ein buddhistischer Tempel normalerweise aus Holz gebaut und besteht aus drei Teilen: dem Hauptgebäude mit der Buddha-Figur, der mehrstöckigen Pagode und dem Studierraum.

Bereits beim Strandquartier kamen wir an Sea Hawks oder „typähnlichem Geflügel“ und nach dem Schrein-Besuch an verschiedenen Seidenkranich-Paaren vorbei, die mit dem Nestbau beschäftigt sind. Schöne Tiere, spannende Beobachtungen.

Sea Hawk beim Mittagessen
Mittagessen
Seidenkranich
Seidenkranich

Wir gehen weiter, diesmal mit der U-Bahn. Heisst: Schön im abgesteckten Tür-Feld auf den hingelegten Fussbildern in einer Kolonne warten und dann einsteigen.

U-Bahn von Fukuoka
Unterwegs mit der U-Bahn

Nach den eingangs beschriebenen Besuchen des Ohori- und Schloss-Parks fahren wir mit der U-Bahn weiter zur Canal City Mall, wo wir in Wolfgang‘s Stakehouse im angrenzenden Hyatt-Hotel essen gehen. Wolfgang Zwiener ist gebürtiger Bremer, der 40 Jahre lang im weltbekannten Peter Luger Steakhouse in New York gearbeitet und im 2004 ein eigenes Steakhouse bzw. jetzt eine eigene Steakhouse-Kette (USA und Asien) eröffnet/aufgebaut hat.

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Freitag, 5. April 2024: Von Seoul mit dem Zug nach Busan und der Fähre nach Fukuoka

Auch heute gibt‘s Wecker-gestützte Tagwache, denn um 08.57 Uhr fährt der Zug, der uns nach Busan bringt. Um 07.30 Uhr verlassen wir das Hotel und fahren zur Seoul Station. Kleines Frühstück bei Paris Croissant, wo wir per Zufall wieder auf Michi stossen (ihr Zug fährt um 08.48 Uhr) und dann heisst es schon sich auf dem Bahnsteig einreihen, Wartereihe direkt vor dem Wagen 3, einsteigen und los geht‘s. Die Fahrt dauert rund 2 1/2 Stunden und verläuft ruhig durch Städte und industriell-gewerblich genutzte Landstriche, nur selten durch Natur-Land.

Der KTX von Seoul nach Busan fährt ein
Unser Zug nach Busan fährt ein

Da beim Bahnhof Busan sämtliche grossen Schliessfächer bereits belegt sind, entscheiden wir uns, direkt zum fussläufig gut erreichbaren Ferry-Terminal zu gehen. Der Check-In für die Queen Beetle-Fähre beginnt um 13.30 Uhr. So beschliessen wir, nicht mehr in die Stadt hinauf zu gehen und die rund einstündige Wartezeit hier zu verbringen. Ein guter Entscheid. Denn schon bald beginnt das Check-In und die Sicherheitskontrolle und kurz darauf das Boarding. Beim Check-In wird uns die Frage gestellt, wann wir Japan wieder verlassen werden. Da wir unsere Heimreise erst ab Seoul gebucht haben, können wir die Frage nicht beantworten. Dies hat zur Folge, dass wir ein Formular unterzeichnen müssen, in dem wir bestätigen, für den Fall, dass uns die japanischen Behörden nicht einreisen lassen und wir mit der Fähre zurück nach Korea reisen müssen, die Kosten selbst zu tragen. Da wir nicht genau wissen, was es mit dieser Regelung auf sich hat, bucht uns Martin im Terminal-Wartebereich einen Rückflug von Tokyo nach Seoul am 23. April. Somit haben wir ein Ausreisedatum noch bevor wir überhaupt in Japan angekommen sind.

Die Queen Beatle ist in Busan bereit zur Abfahrt
In dieses schnittige Schiff werden wir schon bald einsteigen
Ausfahrt mit der Fähre aus dem Hafen von Busan

Dann geht es auch schon los mit der Express-Fähren-Fahrt nach Fukuoka. Mit dem Wellengang (Restaurant und Duty Free Shop haben geschlossen) kommen wir recht gut klar. Wir hören Podcasts und Musik und schauen uns dazu die Bilder der WM-Curling-Partie zwischen Japan und den Niederlanden an (die WM findet in Schaffhausen statt). So kommen wir eigentlich ganz gut durch, auch wenn der Magen schon etwas gefordert ist. Ankunft und Einreise in Fukuoka verlaufen zügig und ein Taxifahrer führt uns zum Hotel. Hier im Hilton Sea Hawk haben wir ein Zimmer im 32. Stock (3214). Das nächtliche Panorama der Stadt ist überwältigend. Da wir heute noch nichts richtiges gegessen haben, begeben wir uns ins Buffet-Restaurant und lassen uns die Gerichte aus aller Welt (Japan, Indien, Europa/USA) schmecken. Traumhaft.

Grosse Dankbarkeit.

Erster Blick auf Fukuoka
Erster Blick auf Fukuoka vom Schiff aus

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Donnerstag, 4. April 2024: Kim sehen

In Korea heissen viele Leute „Kim“. Wie hier bei der Aufstellung des koreanischen Fussballteams zu hören ist:

Kim, Kim, Kim, Kim, Kim

Heute wollen wir aber zu Kim im Norden. Also nicht direkt zu ihm, sondern nur an die Grenze. Nach Nordkorea kann man nicht einfach „nur so“ einreisen, dahin kann man nur organisiert gehen. Heute haben wir also einen Ausflug zur Grenze zwischen Süd- und Nordkorea gebucht. „Halbtagestour ab Seoul“ hat es in der Ausschreibung geheissen – und diese startete um 6:30 Uhr! Der Wecker wurde auf 5:00 Uhr gestellt und schon bald waren wir auf der Strasse und gönnten uns einen 30-minütigen Spaziergang zum Treffpunkt. Die Instruktionen, welche wir im Vorfeld per WhatsApp erhalten haben waren sehr präzise und wir fanden auch unseren Bus mit dem Kennzeichen 6225. Unser Guide Brian (natürlich Kim mit Nachnamen) nahm uns in Empfang und schon bald ging es mit dem Bus durch die Gassen Seouls in Richtung Norden. Während der Fahrt haben wir uns via Wikipedia noch kurz mit der Geschichte Koreas auseinandergesetzt, welche nicht so toll ist. Japanische Besatzung von 1910 bis 1945, dann Aufteilung in Nord (Schutzmacht Russland) und Süd (Schutzmacht USA), dann der Einmarsch Nordkoreas in Südkorea 1950 und ein dreijähriger Krieg, welcher das Land in Schutt und Asche legte. Dann wurde ein Waffenstillstand vereinbart, welcher bis heute gilt. Genau: es gab keinen Friedensvertrag, die beiden Länder sind eigentlich immer noch im Krieg – aber man hält sich an den Waffenstillstand. Mehr oder weniger. In Imjingang war der erste Halt. Blick auf den Fluss Imjin, welcher vom Norden her kommt, aber dann in Südkorea ins Meer mündet. Blick auf die Pfeiler einer ehemaligen, zerbombten Brücke, welche noch aus dem Wasser ragen. Blick auf die rekonstruierte Eisenbahnbrücke, welche für die Verbindung Süd-Nord gebaut wurde, aber in friedlicheren Zeiten nur durch einen Touristenzug nach Dorasan (der letzte, nördlichste Bahnhof in Südkorea) benützt wird. Aber die Verbindung ist aktuell eingestellt, weil die Situation seit den Raketentests vom nördlichen Kim wieder angespannt ist. Es hat auch zwei Gedenkstätten, welche daran erinnern, dass mit der Grenzschliessung zum Norden sehr viele Familien bis heute getrennt wurden. Man kann hier nicht „einfach so“ mal die Familie besuchen gehen, wie damals von der BRD aus in die DDR. Es gibt einfach keinen Kontakt.

Brücke in Richtung Dorason - und die Ruinen der zerbombten Brücke
Brücke nach Dorasan und Ruinen der alten Brücke.

Von hier aus ging es weiter in die DMZ, die demilitarisierte Zone. Am 38. Breitengrad wurde von der UNO eine Zone definiert, welche als Puffer zwischen Nord und Süd dient. Diese kann vom Süden her besucht werden, aber nur, wenn man registriert ist. Dies wird von den Soldaten am Checkpoint genau kontrolliert, inklusive Kontrolle der Pässe im Bus. Touristen ist es erlaubt, in die DMZ zu gehen, die Bevölkerung innerhalb der DMZ darf ausreisen, muss aber vor dem Sonnenuntergang wieder zurück sein. Es sind rund 150 Menschen, welche in diesem Niemandsland leben, oft ehemalige Soldaten, welche sich nun als Bauern betätigen.

Unterwegs in der DMZ
Third tunnel
Unterwegs in der DMZ
Vereinigung?

Der erste Stop in der DMZ war der „Dritte Tunnel“. Nordkorea hat bis heute (was zumindest bekannt ist) 4 Tunnels vom Norden in den Süden gebaut, um innert Kürze den Süden angreifen zu können. Vielleicht hat es auch noch mehr Tunnel, aber die wurden bisher von Südkorea noch nicht entdeckt. Tunnel Nr. 3 kann man besichtigen. Man geht zu Fuss durch einen gebohrten Gang in die Tiefe und kann dann etwa 100 m durch den entdeckten Stollen gehen. Und dann wieder zurück nach oben, und so hat man das tägliche Training auch schon erledigt…

Die Angst, dass der Norden den Süden angreifen kann, ist latent vorhanden. Im täglichen Leben hat man sich daran gewöhnt, aber auf der Tour wird dies den Touristen schon nochmals erklärt. Und man macht sich lustig über den kleinen dicken Kim. Oder zeigt Satellitenbilder mit Nachtaufnahmen der koreanischen Halbinsel – unten sieht man die Beleuchtung aller Städte und Dörfer, im Norden ist alles dunkel, ausser bei der Hauptstadt Pjöngjang sieht man einzelne Lichter. Wahr oder Propaganda? Wir können es nicht beurteilen, hinterfragen es aber auch nicht.

Grenzanlagen vom Mount Dora aus gesehen
Grenzanlagen

Der letzte Stop ist der 150m hohe Mount Dora. Hier gibt es eine Plattform, von welcher aus man über die DMZ nach Nordkorea schauen kann. Es sind extra starke Ferngläser montiert, damit man wirklich alles sehen kann, was im südlichen Teil des Nordens abgeht. Man sieht den 160 m hohen Fahnenmast mit der Nordkoreanischen Flagge, welcher als der höchste Fahnenmast der Welt gilt. Man sieht das Propagandadorf, welches ein dörfliches Leben zeigen soll, aber effektiv Kulissen sein soll. Auch dies lässt sich nicht überprüfen. Und plötzlich hört man die Touristen „Ich sehe Menschen!“ sagen. Ja, es hat Menschen in Nordkorea, und die können gesehen werden. Aber vielleicht sind es nur Schauspieler, welche das Propagandadorf beleben? Der ganze Ort ist irgendwie surreal: Die Terrasse, wo man zu Kim schauen kann, die Feststellung, dass es dort Menschen gibt. Und irgendwie das Gefühl, dass wir vom Norden sicher auch beobachtet werden. Aber es ist halt auch Weltgeschichte!

Kim schauen
Zu Kim rüberschauen

Nach diesem Aufenthalt auf dem Mount Dora geht’s wieder zurück nach Seoul. Natürlich zuerst am Checkpoint vorbei, wo die aus der DMZ ausreisenden Touristen wieder genau gezählt werden.
Gerne hätten wir auch noch Panmunjom besucht. Dort befinden sich genau auf der Grenze zwei blaue Baracken, wo Gespräche zwischen Nord und Süd stattfinden, die Joint Security Arena, JSA. Der Verhandlungstisch befindet sich genau auf der Grenze, damit jede Partei auf ihrer Seite bleiben kann, man aber trotzdem „gemeinsam am Tisch ist“. Dieser Ausflug ist leider nicht mehr möglich, da im letzten Jahr in US-Soldat von dort aus in den Norden geflüchtet sein soll. Dieses Risiko will man zurzeit nicht mehr eingehen. Die JSA steht übrigens unter „Kontrolle“ der Schwedischen und Schweizer Armeen. Die Schweizer haben die Aufgabe, schriftliche Verhandlungsdepeschen aus dem Süden in den Briefkasten des Nordens zu legen. Aber der Norden leert seit einigen Monaten den Briefkasten nicht mehr, so dass dieser überquillt.

Nordkoreanischer Fahnenmast und Propagandadorf
Nordkoreanischer Fahnenmast und Propagandadorf

In Seoul kommen wir gegen 14:00 Uhr an. Die Rückfahrt in die Stadt verläuft schleppend, der Verkehr ist dicht. Der Bus schafft es zur City Hall, wo wir aussteigen. Wir schlendern zu unserem Hotel, machen hier und dort noch einen Stop in Geschäften. Am späteren Nachmittag fahren wir zum Bahnhof Seoul, um zu schauen, wo morgen unsere Reise startet. In Bahnhofsnähe essen wir Znacht und gehen dann wieder zurück zum Hotel, wo wir die hoteleigene Laundry ausprobieren.

KTX-Zug nach Busan
Abstecher zum Bahnhof Seoul

Seoul ist eine tolle Stadt! Morgen geht’s aber weiter Richtung Japan.

Auf dem Nachhauseweg
Auf dem Nachhauseweg

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Mittwoch, 3. April 2024: Wundertüten-Tag voller toller Erlebnisse

Vom morgendlichen Besuch bei Königs bis zum Abendessen auf dem Gwangjang-Markt ein cooler und abwechslungsreicher Seoul-Tag.

Doch der Reihe nach. Los geht‘s direkt zum Königspalast Gyeongbokung. Im Jahr 1392 erklärte Taejo, der erste König der Joseon-Dynastie, Seoul zur Hauptstadt. Nur drei Jahre später wurde der majestätische Gyeongbokung – der  „Palast des strahlenden Glückseligkeit“  – fertiggestellt. Der Komplex diente bis 1910 als Herrscherresidenz. Seine hölzernen Hallen-Pavillons und Tore erstrahlen in einer fantastischen Farbenpracht. Kurz vor 10.00 Uhr unterbrechen wir die Besichtigung, um der Ablösezeremonie der Palastwache beizuwohnen. Auch die Wache trägt farbige Kleidung, die sehr gut zur Geltung kommt. Wir setzen den Palastrundgang zusammen mit Michaela fort, die wir beim Transfer im Flughafen von Peking kennen gelernt haben. 

Wachablösung beim Königspalast
Wachablösung

Besonders gut gefällt uns der Hangwonjeong-Pavillon inmitten des von blühenden Kirschbäumen umrahmten Hangwonji-Teichs. Das Gebäude und seine Spiegelung im Wasser faszinieren. Die mit Kiefern bedeckten Berge im Norden bilden einen tollen farblichen Kontrast zu den bunten Gebäuden der Anlage.

Hangwonjeong-Pavillon
Hangwonjeong-Pavillon

Auch dieser Königspalast hat die für Korea typische Leidensgeschichte durchgemacht: Er wurde 1592 durch einen Brand zerstört, als eine riesige japanische Armee in Korea einfiel. Über 270 Jahre lag er in Trümmern, bis 1867 der damalige Machthaber Heungseon Daewongun ein Restaurationsprojekt lancierte, in dessen Rahmen rund 500 Gebäude restauriert bzw. neu  errichtet wurden (Büros des Innen- und Aussenpalasts, Wohnhäuser und Repräsentationsräume etc.). Der restaurierte Palast wurde während der japanischen Besetzung (1910 – 1945) von den japanischen Kolonialbehörden schwer beschädigt. Rund 90 % der Anlage wurden abgerissen. Ein vollwertiges Projekt zur erneuten Wiederherstellung des Palastes wurde 1990 gestartet, einschliesslich des Abrisses des japanischen Generalregierungsgebäudes, das etwas 70 Jahre lang auf dem Palastgelände gestanden hatte. 

Konstruieren, aufbauen, darin leben, durch fremde Kräfte in Schutt und Asche legen, Kultur zerstören, regiert werden und darunter leiden. Und immer wieder weitermachen und auferstehen. Ein Teil der Geschichte Koreas.

Zusammen mit Michi ziehen wir weiter mit dem Ziel, uns das Hanok-Dorf Bukchon anzusehen. Michaela lebt in Berlin und vertritt die Generation Insta-Influencer mit starkem Netflix-Touch. Sie weiss welche Locations, K-Beauty-Marken und Quartiere in Seoul in der Insta-/Netflix-/YouTube-Community gerade angesagt sind. So überrascht es denn auch nicht, dass sie uns im Samcheon-dong – einem Nachbarviertel von Bukchon – zum Café Onion führt. Als wir uns der Location nähern, meint sie lachend: „Wow, das hat heute ja gar nicht viele Leute hier! Auf Insta habe ich hier immer Menschenschlagen gesehen, die um das ganze Haus gegangen sind.“ Huch, da haben wir ja mal Glück. Die Location ist rappelvoll, so können wir uns in der kurzen Wartezeit, bis wir einen Tisch zugewiesen erhalten, einen Überblick über die leckeren Süssspeisen, die andere Gäste auf ihren Tischen stehen haben, verschaffen. Martin ist erleichtert, als wir einen klassischen Tisch zugewiesen erhalten und nicht ein Tischchen im „Schuhe aus, zum Tischchen schnagge  und kniend sitzend Bereich“.

Zum Glück hatten wir nicht diese Plätze
Wir hatten zum Glück bequemere Plätze

Wir holen uns je drei salzige und drei süsse Köstlichkeiten und geniessen diese im Sharing-Prinzip. So, jetzt kann‘s weitergehen.

Zuschlagen? Zuschlagen!
Da kann man nur zuschlagen…

Wir schlendern durch die kleinen Strassen, die gesäumt werden von unzähligen Cafés, Bäckereien und kleinen Boutiquen mit Anziehsachen, Taschen, Schmuck, Keramik und weiteren hübschen Dingen. Dann steigt der Weg an und wir gelangen ins dorfähnliche Ambiente des Hanok Bukchon. Ein Hanok ist ein Holzhaus, das meistens über einen zentralen Innenhof verfügt. Um den Hof herum gruppieren sich die Räume des Hauses mit den typischen Schrägdächern und Balkendecken. Die aus Holzpfeilern und Lehm bestehenden Wände sind mit Maulbeerpapier ausgelegt. Für Wärme sorgt eine Fussbodenheizung – durch Hohlräume unterm Boden strömt die Abluft der Feuerstelle. In Seoul mussten die meisten Hanoks, die einst das Bild prägten, Betontürmen weichen. Deshalb wirkt Bukchon wie eine Art Insel der Tradition in der modernen Zeit. So eine Art „Ballenberg live“. Wir nutzen das Angebot, für 3‘000 Won den Ausblick aus einem höher gelegenen Mehrfamilienhaus auf die Hanok-Dächer-Landschaft zu haben und kommen dort auch noch in den Genuss eines Grüntees. Der Spaziergang durch die hübschen, verwinkelten Gassen macht allen Spass und entschleunigt.

Overtourism in Bukchan
Overtourism und alt vs neu

Nach ein paar Weg-Minuten sind wir in Insa-dong, dem Viertel, in dem wir unser Hotel haben, das für einen Seoul-Aufenthalt eine super Lage hat.

In den Gassen Seouls
Unterwegs in Seoul

Wir kommen am Tempel Jogyesa, Hauptsitz des Jogye-Ordens, Koreas bedeutendster buddhistischer Schule vorbei. Die Haupthalle mit den drei grossen, goldenen Buddha-Figuren ist mit den für Korea typischen farbenprächtigen Tempelmalereien verziert.

Und da es sich gerade so gut läuft, ziehen wir weiter zum Deoksugung Palast, der „erst“ in den 1590er Jahren Palast wurde, nachdem Seouls andere Paläste während der japanischen Invasion abgebrannt waren. An das Palast-Areal grenzen zwei klassizistische Gebäude. Wir hängen noch einen kurzen „Nur-Schauen-Einkaufsbummel“ im Myeong-dong Viertel an und ziehen dann der Cheonggyecheon-Wasserlauf-Promenade weiter Richtung Gwangjang Markt, wo wir uns an einem der Stände eine Nudel-Dumpling-Suppe zum Znacht gönnen. Nicht am Stand der Netflix-Doku-Frau, sondern vis-à-vis davon. Michi und wir können‘s verkraften. Aber wir haben die Frau live gesehen. 

Nachtessen in der Markthalle

Wir sind so richtig „fix und fertig müde“, als wir uns auf den Weg zurück zum Hotel machen. Daher: Allez hopp, ab ins Körbchen und gute Nacht.

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Dienstag, 2. April 2024: Gangnam Style live in Korea und für jede Aktion bitte einen Jingle

Wir haben super gut geschlafen und wachen erholt und unternehmungslustig auf. In unserem Zimmer haben wir eine super feudale Dusche – so richtig geräumig, super duftende Pflegeprodukte und sowohl eine Raindance- wie auch eine bewegliche Duschbrause. Sich hier eine Dusche zu genehmigen, ist Genuss pur. Als wir fertig sind, gehen wir zu Coffee Bean & Tea Leaf und genehmigen uns dort einen Frühstücks-Imbiss und eine gute Tasse Kaffee. Danach machen wir uns bei sonnig-schönem Wetter auf den Weg zur Chenonggecheon-Promenade, einer gelungenen Naturanlage (Bächlein mit Fischen und viel grün und Spazierwege entlang) inmitten des Zentrums.

Chenonggecheon-Promenade
Chenonggecheon-Promenade

Zuerst kommen wir aber noch beim Bosingak vorbei. Ein Tempel, dessen Glocke einst das abendliche Schliessen des Stadttors und der Beginn der Ausgehsperre verkündete. Als Kontrast dazu ragt der Jongno Tower mit seiner „schwebenden“ Plattform in den blauen Himmel.

Bosingak-Stadttor
Bosingak-Stadttor
Jongno-Tower
Jongno Tower

Wir schlendern entspannt Richtung Dongdaemum. Das alte Stadttor wacht heute über stark besuchte Freiluftmärkte und Malls und einem von Zaha Hadid entworfenen Kulturpark. Kurzer Abstecher auf den Namdaemun-Markt: In einem grossen Verkaufs-Areal bieten Hunderte von Läden und Marktständen preiswerte Kleidung, Hüte, Gürtel und vieles mehr an. Wir schauen uns kurz um, kaufen aber nichts und ziehen – nach einer kleinen Erfrischung und weiteren Abstechern in die Dotta- und Hunday-Mall – weiter.

Der riesige von der 2016 verstorbenen irakisch-britischen Stararchitektin Zaha Hadid entworfene Komplex im Zentrum eine Kulturparks bildet einen eindrücklichen Kontrast zum übrigen Bild des Quartiers.

Dongdaemun Design Plaza
Dongdaemun Design Plaza
Dongdaemun Design Plaza
Dongdaemun Design Plaza
Eine tolle Architektur von Zaha Hadid

Mit der Metro fahren wir weiter südwärts ins neu entwickelte Gangnam-Stadtquartier und da in die Coex-Mall, wo wir im Italian Urban Bistro eine Essenspause einlegen. Das Essen schmeckt herrlich und gibt Energie für die Fortsetzung: Besuch der Starfield Public Library und ein wenig lädele, auch da ohne etwas zu kaufen.

Starfield-Library in Seoul
Starfield Library

Die Library ist ein echtes Vergnügen. Im Gegensatz zu anderen Bibliotheken liegt diese mitten in der Coex-Shopping Mall. Auch ist sie toll gestaltet. Optisch im Mittelpunkt stehen die xxx-Meter hohen Bücherregale die bis oben hin mit Büchern gefüllt sind. Es gibt verschiedene Cafés und und unheimlich viele Leute, die sich Filme auf ihren Laptops anschauen, lesen, plaudern etc.. Nichts von dem ruhigen Pscht-Ambiente aus Bibliotheken, die ich bisher gekannt habe. 

Wir gehen wieder nach draussen und kommen am „Gangnam Style“ Denkmal vorbei. Seouls Nobelviertel Gangnam widmet dem Sänger „Psy“ und seinem Song „Gangnam Style“ ein Denkmal in Form einer Skulptur, welche die gekreuzten Hände aus Psys Reitertanz darstellt. Der Clou: Sobald sich jemand für eine Foto unter die grossen Metallhände stellt, wird der Song abgespielt.

Gangnam-Style - Denkmal
Gangnam Style – Hommage an den Welthit von Psy

Wir beobachten das lustige und unterhaltsame Foto- und Video-Treiben eine Weile lang bevor wir weiter zum Lotte Tower ziehen. Es versteht sich von selbst, dass uns die eingängige Melodie des Gangnam Style Songs die nächste halbe Stunde endlos „nachläuft“. Da lässt sich auch gleich der Bogen zum Thema „Beschallung“ schliessen. Denn wir haben den Eindruck, dass es in Südkorea für alles tun oder nicht tun eine akustische Beschallung gibt. Seien es Erkenn-Melodien bevor die U-Bahn in die Haltestelle einfährt oder bevor der Lift die Ziel-Etage erreicht oder aber, wenn am Flughafen ein Indoor-Transport-Caddy herumkurvt. Stets ertönt ein Jingle. Ein Jingle, der warnt, manchmal aber auch Potenzial hat, einen zu nerven.

Das letzte Highlight unseres heutigen Seoul-Tages ist der Lotte World Tower. Mit 555 Metern Höhe und 123 Stockwerken ist der 2017 eröffnete Tower das höchste Gebäude Südkoreas, weltweit steht es auf Platz sechs. Die seien obersten Etagen bilden die Aussichtsplattform Seoul Sky. Coole Aussicht auf die Stadt und ihre Umgebung und insbesondere auch auf Teile der olympischen Anlagen der Sommerspiele von 1988. Einzier Wermutstropfen: Die Kombi aus frühabendlicher Diesig-Himmel und schmutzigen Fensterscheiben reduziert die Freude etwas. But that‘s the way it is.

Sky Seoul
Beeindruckender Bau
Sky Seoul-Turm - Blick Richtung Westen
Blick vom Turm Seoul Sky Richtung Westen
Freier Fall möglich?
500 m runter…

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Oster-Montag, 1. April 2024: Gut, dass wir im Korean Barbecue Trainingslager waren

Gegen 8 Uhr landen wir auf dem Flughafen von Peking. Riesengrosse Flughafen-Infrastruktur aber fast keine Leute. Fotografieren verboten und einiges mehr ebenfalls. Irgendwie ein komisches Gefühl. Und so wundert es dann auch nicht, dass wir trotz Transit das ganze Security-Check Prozedere durchlaufen müssen und Martin bei dieser Kontrolle grad auf einen Schlag beide Power-Charger auf einmal los wird. Auf den beiden kann keine Nummer mehr erkannt werden, was dazu führt, dass  diese behändigt und entsorgt werden. Nume nid ufrege. Auf dem folgenden Weiterflug von Peking nach Seoul kauft sich Martin einen neuen Charger. Der Flug vergeht zügig, wir sind fast die ganze Flugzeit am Mittagessen. Dori steht auf dem Menu. Und wir hofften, dass dieser Fisch nicht Dori aus dem Film „Nemo“ ist…

Welcome!
Welcome!
Ankunft im Flughafen Incheon
Flughafenarchitektur

In Seoul statten wir uns mit einer aufladbaren Travelcard und Zugstickets aus, um mit dem Flughafen-Zug ins Stadt-Zentrum zu gelangen. Vor der Zugsreise verabschieden wir uns von Michaela, einer deutschen Frau, die auch von Frankfurt nach Peking geflogen ist und mit uns den Weg zum Security-Check ausfindig gemacht hat. Sie fährt mit einem früheren Zug in die Stadt. In Seoul-City angekommen, fahren wir ein kurzes Stück mit der Metro bevor uns ein ca. 20-Minütiger Fussmarsch zum Moxy Hotel in Seoul führt. Wir beziehen ein Zimmer mit 9. Stock (903) und unternehmen gleich anschliessend eine erste Erkundungstour. Viele ungewohnte Eindrücke, Sprachfetzen, Geschmäcke sowie fremde Sprachzeichen prasseln auf uns ein.

Korean Food in Insadong
Speisen ben den Locals

Wir beschliessen, direkt in einem koreanischen Grill-Restaurant zu Abend zu essen. Zum Glück haben wir im ehemaligen Restaurant Weissenbühl (neu Chus Garden) in Bern ein „Übungs-Essen“ absolviert, so dass wir heute darauf aufbauen und recht souverän unser Essen „managen“ und vor allem geniessen können. Nach dem Essen machen wir uns auf den Weg zurück zum Hotel – gönnen uns noch einen Kaffee und gemeinsam ein Stück Trauben-Torte und dann geht‘s zurück zu Moxy, wo wir den langen Reisetag sacken lassen und uns noch fertig einrichten. Und natürlich sind wir schon an der Planung für den morgigen Tag.

Traubentorte
Dessert

osse Flughafen-Infrast

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Oster-Sonntag, 31. März 2024: Ein langer Reisetag

Wir stehen auf, packen unser Reisegepäck zusammen und stellen noch vor dem Frühstück sicher dass wir unser Zehn-Treppen-Minimum absolviert und „auf der Uhr“ haben. Gesagt, getan. Danach gehen wir frühstücken. Die Mini-Pancakes aus dem Automaten schmecken – mit Himbeer-Marmelade – vorzüglich. Zu Fuss geht’s anschliessend zum Flughafen wo Check-In und Security Check so zügig ablaufen, dass wir noch genügend Zeit haben, um in der Lounge Tagebuch zu schreiben und ein paar administrative Dinge zu erledigen.

Um den Mittag herum fliegen wir von Budapest nach Frankfurt. In Frankfurt steht der Wechsel ins Terminmal Z an. Dieser nimmt rund 20 Minuten in Anspruch und führt uns durch ein Labyrinth an Gängen, Treppen und Rollbändern gefühlt quer durch Frankfurt.

Lange Gänge am Flughafen Frankfurt
Lange Wege am Flughafen Frankfurt

Wir freuen uns auf unsere Business-Plätze, die rasch bezogen und eingerichtet sind. Nach dem Start geht‘s zackig los mit dem frühen Abendessen. Leider alles etwas sehr hektisch (die zierliche chinesisch-stämmige Flight Attendant fliegt fast Hoover-Board-mässig durch die Reihen und räumt alles, was sie für „abräumungswürdig“ handelt, zackig weg).

LH 720 FRA-PEK
LH720 FRA-PEK

Nach dem Essen lesen wir noch ein wenig und ich schaue mir die Filme „Barbie“ und „The House of Gucci“) an. Danach schlafen wir eine kurze Runde in unseren Bett-Sitzen und regenerieren. Mit den letzten Sonnenstrahlen des Tages geht für uns doch ein strapaziöser Reisetag zu Ende. Morgen, wenn wir aufwachen, sind wir schon in China.

Immer der Nase nach
Immer der Nase nach…

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Oster-Samstag, 30. März 2024: Auf nach Südkorea und Japan

Was haben wir uns vor-gefreut, freudig aufgeregt und gleichzeitig etwas angespannt und nun ist der Tag des Aufbruchs zu unserer rund vierwöchigen Südkorea- und Japan-Reise gekommen. Bürodossiers auf „pendent“ getagged, Wohnung aufgeräumt und Reisetaschen gepackt. 

Symbol unserer Reise
Symbolbild

Aber gemach, gemach … nume nid gschprängt. Wir reisen uns warm und fliegen  heute von Zürich nach Budapest. Unser Vorne-Sitzen-Business-Flug führt uns morgen von Budapest über Frankfurt nach Seoul.

Boarding Richtung Budapest
Ostwärts

Wir kommen überall smoothly durch (sogar an den mega Silikon-gepimpten Lippen und Po-Backen einer Mitreisenden. So was haben wir noch nie gesehen. Da gab‘s wenig, das noch Natur war).

Kurz nach 14 Uhr haben wir unser Zimmer im Ibis Styles Hotel am Flughafen (Zimmer 115) bezogen und machen uns mit Bus und Zug auf den Weg ins Stadtzentrum. Die Sonne scheint und es ist angenehm war. Richtiges Osterwetter. Wir queren und spazieren der Donau entlang und geniessen das Frühlings-Ambiente. Das Panorama auf das Parlamentsgebäude und die daran anschliessenden Gebäude verschiedener Ministerien sowie den Stadtteil Pest ist eindrücklich.

Ungarisches Parlament, Budapest
Ungarisches Parlament

Beide waren wir über 30 Jahre nicht mehr in dieser Stadt. Als uns der Hunger überkommt, gönnen wir uns leckere ungarische Spezialitäten. Beide Gerichte sind mit ach so unscheinbar wirkenden weiss-grünlichen Paprika-Schoten geschmückt, die richtig pikant sind und bei Martin subito einen Schluckauf auslösen. Als wir das Restaurant verlassen, beginnt die Blaue Stunde. Wir steigen unzählige Treppen hoch, um den Burgberg mit der Fischer-Bastei zu „erklimmen“. Wow, what a view.

Fischerbastei
Fischerbastei
Touristenmagnet
Touristenmagnet
Blick aufs Parlament von der Fischerbastei aus
Blick aufs Parlamentsgebäude

Natürlich sind wir nicht die einzigen Menschen hier oben, doch geniessen können wir unseren Aufenthalt an diesem schönen und geschichtsträchtigen Ort (im Mittelalter Ort des Fischmarkts, die Fischer-Bastei wurde der Fischer-Gilde gewidmet, die im Mittelalter ebendiesen Abschnitt der Stadtmauer zu verteidigen hatte) trotzdem.

Digitales Zeitalter
Digitales Zeitalter

Durch die schönen Altstadtgassen ziehen wir weiter Richtung Ketten-Brücke. Mit ihrer spektakulären Beleuchtung zieht die Brücke schon von der Fischer-Bastei aus die Blicke auf sich. Vorbei am stylishen Hotel Clark (vielleicht eine Unterkunft für einen nächsten Budapest-Abstecher) schlendern wir in einer locker gehaltenen Menschen-Kette über die Ketten-Brücke und lassen die vielfältigen Eindrücke auf uns wirken.

Kettenbrücke
Kettenbrücke

Der Tag war lang, wir sind müde. Mit historischem Tram – Combino-Tram – Zug – Bus geht‘s zurück zum Hotel, das in einem gemütlichen 7 – 10 minütigen Spaziergang vom Flughafen aus erreichbar ist. „Zu Hause“ machen wir uns bettfertig, lesen noch ein wenig und schlafen innert Kürze in stiller Vorfreude auf das bevorstehende Reiseerlebnis ein. Aufgrund der Sommer-Zeit-Verschiebung fällt die Nacht ja noch eine Stunde kürzer aus. Daher: schlafen!

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Samstag 25. November 2023: Bari weint bei unserem Abschied.

In einem Monat ist Weihnachten.
Um 06.30 h klingelt der Wecker. Aber wir sind ein paar Minuten vor der Zeit erwacht, machen uns tag- und reisefertig und gehen kurz vor 8 h frühstücken. Huch, es regnet und zwar in Strömen. Auch wenn wir zu Fuss nur etwa 15 Minuten hätten, um gemütlich zum Bahnhof zu gelangen (so kämen wir am heutigen Tag noch zu ein paar Schritten), entscheiden wir uns, ein Taxi zu nehmen. Am Bahnhof kaufen wir noch etwas Proviant ein und nach ein paar Minuten trifft dann auch der Zug aus Brindisi kommend in Bari ein.

Los geht‘s: Sieben Stunden Zugfahrt den rückseitigen Stiefelschaft hoch nach Milano. Die Zeit vergeht recht „zügig“ mit Lesen, Lesen, Lesen, privaten Pendenzen erledigen und zwischendurch etwas essen und trinken.

Unterwegs mit dem Zug an der Adriaküste
Fahrt entlang der Adriaküste

In Mailand trennen sich unsere Wege: Martin verbringt den Abend in Mailand und besucht das Fussballspiel zwischen der AC Mailand und der ACF Fiorentina. Io invece (smilie) proseguo il viaggio verso Berna.

Beide haben wir die abwechslungsreichen und gleichzeitig erholsamen Ferientage in Apulien genossen. Schön war‘s. Auch wenn Apulien unser Herz nicht im gleichen Mass erobert hat wie Sizilien, haben uns die kleinen Ortschaften mit ihrer unverkennbaren Italien-Architektur und der teilweise bunten aber charmanten Weihnachts-Dekoration begeistert und uns immer wieder ein Wow abgerungen. Grazie „Bella Italia“.

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Freitag 24. Noveber 2023: Ladri di capelli (= Höörlidieb).

Heute herrscht am kleinen aber feinen Frühstücksbuffet in der Bar unserer Unterkunft ein dichtes Gewusel. Erkältete Geschäftsleute, mitteilsame italienische Rentner und Touristen aus verschiedenen Ländern bevölkern heute gleichzeitig den kleinen Raum. Wir gehen‘s gemütlich an und verlassen gegen 11 Uhr den Palazzo. Martin mit dem Ziel Barbiere Carlo Fasano, ich auf dem Weg zu „La Feltrinelli“. Der Buchladen mit kleiner Musikabteilung (Schallplatten und CD) und Papeterie-Ecke löst bei mir immer eine Art „Heimkommen-Gefühl“ aus. Der Duft, der in der Luft liegt, das Ambiente und die Tausende Bücher unterschiedlicher Schreibstyle und Themen faszinieren mich seit meinem Salerno-Sprachaufenthalt. Im Feltrinelli war’s auch immer schön warm, was im nass-kühlen Salerno-Frühling 2019 von grosser Bedeutung war. Ich schlendere durch die Etagen und schon ruft mich Martin an und teilt mir mit dass der Figaro sein Werk vollbracht hat.

So, und nun aber husch ab zum Bahnhof. Wir fahren mit dem 12:32 Uhr Zug nach Ostuni, der weissen Stadt.

Ostuni, die weisse Stadt

Diese befindet sich auf drei Hügelkuppen. Um dorthin zu kommen, muss man vom Bahnhof noch einen Bus nehmen, der einen zum Stadteingang fährt. Die Häuser von Ostuni sind mehrheitlich in weisser und beiger Farbe gehalten. Auch heute können wir gemütlich, mehrheitlich ungestört alleine in den engen, schön gestalteten Gassen zirkulieren. Immer wieder gibt es ein hübsches Etwas zu bestaunen oder einen überraschenden Anblick eines Hauses, Gassenwinkels, Aussicht oder ähnlich zu bewundern.

Viva l'Italia!
Unterwegs in Ostuni
Ostuni, die weisse Stadt
In Ostuni, der weissen Stadt

Im Ostuni Bistrot essen wir eine leckere Kleinigkeit und kaufen ein lokales Olivenöl. Später gesellen sich apulische Mandeln und Krachmandeln sowie gefüllte Feigen und Taralli zum Oel. Wir geniessen den Aufenthalt in Ostuni beide sehr – es isch eifach schön hie. 

Piazza della Libertà, Ostuni
Ostuni

Nach 16:00 Uhr machen wir uns gemächlich auf den Weg zurück nach Bari, wo wir kurz vor 18:00 Uhr eintreffen. Wir ziehen noch etwas durch die Läden, wo Martin die Kleiderkauf-Laune überkommt. Mit schönen, neu erstandenen Dingen kehren wir zum Hotel zurück. Den Abend runden mir mit einem Znacht im Pasta-Restaurant Matiti ab und können uns danach noch ein Dolce bei Martinucci. Dann ab ins Bettchen, morgen steht ein langer Rückreise-Tag an.

Weihnachtsbeleuchtung in Bari

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