Samstag, 11. Mai 2024: „Verzicht ist der Ausweg“

Woodys Tag

4:30 Uhr ging der Wecker los. Die Kleider für den heutigen Tag haben wir bereits am Vorabend bereit gelegt, wir wissen, dass von nun an jede Sekunde zählt. Es ist kein Spielraum im Zeitplan vorhanden! Aber Punkt 5:20 Uhr waren beide geduscht bereit, die Rückreise anzutreten.

Kurzer Weg zur Tramstation – und das Tram fuhr auch 5:34 Uhr ab wie vorgesehen. Wir treffen am Hauptbahnhof Bratislava ein – alle Züge sind bereits auf der Anzeige angeschrieben – bei unserem fehlt noch das Abfahrtsgleis.

Wir vertreiben uns noch ein bisschen die Zeit als wir plötzlich merken, dass auf der Abfahrtstafel abwechslungsweise gar nicht die Haltebahnhöfe unseres Zuges nach Zürich angegeben werden, sondern irgendwelche slowakische Worte. „Odrieknuty zo je vychozd“ gebe ich in den Google Transistor ein und als Übersetzung erscheint ein buddhistischer Spruch: „Verzicht ist der Ausweg“ – nun, was wollen uns diese weisen Worte sagen? Könnte es sein, dass… Nein, nicht, oder?

Verzicht ist der Ausweg

Wir gingen an den Kundendienstschalter. Und zwar nicht an irgendeinen Schalter, sondern an den, der mit „Komplexer Kundenservice“ angeschrieben war.

Komplexer Kundenservice

In einem recht schlechten Englisch erklärte mir die Frau am Schalter, dass der Zug nicht ab Hauptbahnhof fahre, sondern ab dem Aussenbahnhof Petrzelka und wir sollen doch mit dem Bus dorthin fahren. In meiner naiven Art dachte ich, dass es einen organisierten Bus nach Petrzelka gibt – doch dem war nicht so. Wir buchten ein Bolt-Taxi und rauschten nach Petrzelka. Aber auch hier war kein Zug nach Zürich zu sehen. „De trein is canceld“ sagte man mir „Next seven sixteen“. Ah, das wäre dann die reguläre Verbindung nach Wien. Und ab Wien gibt dies grad eine satte Verspätung von 2 Stunden – ist halt kein S-Bahn-Verkehr, diese Strecke Wien-Zürich.

Wir gaben uns unserem Schicksal hin und warteten knapp eine Stunde im unattraktiven Bahnhof Petrzelka, fuhren dann nach Wien und verbrachten hier wieder eine Stunde – mit der Rückerstattung der Reservationen für den ursprünglichen Zug und mit einem Frühstück. Unsere Neubuchung machten wir dann von Wien nach Zürich im Business-Abteil, genossen das Mittagessen am Platz und recht bequeme Sitze.

Kaum als der Zug auf deutsches Gebiet kam, kassierte der Zug eine Verspätung. Diese wird nun locker ausgebaut und der Zug hat auf Höhe Arlberg nun schon eine Verspätung von 10 Minuten. Erfahrungsgemäss wird der Zug dann in der Schweiz nochmals hinter die S-Bahn gestellt und wir werden in Zürich mit etwa 2 1/2 Stunden Verspätung eintreffen… Eigentlich ist es auch schön – das zeigt, dass Reisen eben doch noch ein bisschen Abenteuer enthalten können.

Merci Woody für die Begleitung auf dieser Auffahrtsreise!

Statistik 11.5.2024
Tram4 km
Taxi6 km
Bahn985 km

Unsere Auffahrtsreise im Überblick


Statistik gesamte Reise
Bahn3486 km
Tram136 km
Bus76 km
Trolleybus4 km
Taxi23 km
Schiff1 km
Total3726 km

Freitag, 10. Mai 2024: Bratislavas Sehenswürdigkeiten

Woodys Tag

Das Frühstück gab’s heute nicht im Hotel, sondern auswärts: Mon Dieu hiess das Lokal, wo wir einkehrten und das Frühstück(chen) war fein.

„10 Sehenswürdigkeiten in Bratislava“ zählt die Website von Bratislava Tourismus auf. Diese standen auch heute auf dem Programm – aber ein paar dieser 10 werden wir wohl streichen…

Burg Bratislava

Burg Bratislava
Ausblick von der Burg Bratislava

Die Bratislavaer Burg ist das Wahrzeichen der slowakischen Hauptstadt. Sie liegt auf dem 85 Meter hohen Burgberg am linken Donauufer und stammt im Kern aus dem 9. Jahrhundert. Die Burg war ursprünglich Residenz der ungarischen Könige und ist heute Sitz des Historischen Museums.

Von hier aus hat man eine tolle Aussicht auf die Altstadt, die Donau und die Aussenquartiere. Auch die Windräder auf österreichischem Boden sieht man von hier aus. Heute dient die Burganlage als Museum und Repräsentationsgebäude.

Kriegsdenkmal Slavin

Kriegsdenkmal Slavin

Slavín ist ein Kriegerdenkmal und Friedhof zu Ehren der Sowjetsoldaten, die im Verlaufe des Zweiten Weltkriegs bei der Eroberung der Stadt Bratislava im April 1945 ihr Leben liessen.

Das Ehrenmal wurde zwischen 1957 und 1960 auf dem Gelände eines sowjetischen Ehrenfriedhofes erbaut und am 3. April 1960 zum 15. Jahrestag der Befreiung der Stadt der Öffentlichkeit übergeben. 1961 wurde es zu einem nationalen Kulturdenkmal erklärt. Das Areal besteht aus:

  • einer Ehrentreppe
  • einem Friedhof mit Gräbern (6 Massengräber, 278 Einzelgräber) von 6.845 Sowjetsoldaten
  • einer zentralen Ehrenhalle mit verschiedenen Statuen, Inschriften und einem symbolischen Sarkophag aus weissem Marmor gefertigt. Dazu kommt ein 39,5 Meter hoher Pfeiler mit einer Statue eines siegreichen Sowjetsoldaten auf seiner Spitze und den an den Aussenwänden angebrachten Inschriften mit Daten der Befreiung verschiedener Orte in der Slowakei in den Jahren 1944–1945.

Blaue Kirche St. Elisabeth

Blaue Kirche in Bratislava (Kirche der hl. Elisabeth)

Die Sankt-Elisabeth-Kirche 

st eine römisch-katholische Kirche in Bratislava in der Slowakei. Sie ist der heiligen Elisabeth von Ungarn geweiht. Aufgrund der Farbgebung der Fassade durch ein blaues Majolikamosaik wird die Kirche auch als Blaue Kirche bezeichnet.

Tatra Strassenbahnen

Tatras 7789/7790 in altem Farbschema

Nein, dieser Tipp stand natürlich nicht auf dieser Website. Aber natürlich gab es auch ein paar Fahrten mit diesen urigen Trams, welche seinerzeit im Ostblock sehr verbreitet waren. Nur einige haben es bis in die heutige Zeit geschafft – unter Anderen die in Bratislava.

Analog zu Kosice haben wir auch hier das Tramnetz befahren und sind so auch in Teile der Stadt gefahren, die in keinem Reiseführer aufgeführt wären.

Das Abschlussnachtessen hatten wir heute in der Fussgängerzone Bratislavas. Heute gab es früh Nachtruhe – morgen geht es bereits um 6:08 Uhr ab Bahnhof Bratislava los Richtung Heimat.

Zum Einschlafen gab es noch ein Lichtspektakel auf der Most Slovenského národného povstania, der Brücke des Slowakischen Nationalaufstandes, welches wir vom Zimmer aus gut beobachten konnten.

Zimmeraussicht
Statistik 10.5.2024
Tram61 km
Bus10 km
Trolleybus4 km

Donnerstag, 9. Mai 2024: Schweizer besuchen

Woodys Tag

Nach dem Frühstück ging’s direkt zum Bahnhof Brezno – um den Bus zu nehmen 🙂 Wir fuhren mit diesem rund 20 Minuten nach Cierny Balog, einem Wintersportort in der Niederen Tatra. Obschon der Ort nur auf 520 müM liegt, gibt es dort offenbar Wintersportaktivitäten, 2 Skilifte haben wir zumindest gesehen (auf grüner Wiese).

Es waren jedoch nicht die sportlichen Aktivitäten, welche uns an diesen Ort gebracht hatten, sondern die Schwarzgranbahn, oder Čiernohronská železnica wie sie in der Landessprache heisst.

Die Bahn wurde gebaut, um aus den Wäldern Holz zu den Sägereien in Cierny Balog zu befördern.

In den 1960er Jahren wurde der Verkehr eingeschränkt, 1982 der Betrieb offiziell eingestellt. Gleichzeitig ist die Bahn zum nationalen Kulturdenkmal erklärt worden.

1983 begannen Freiwillige mit dem Wiederaufbau der Bahn. Im Jahr 1992 wurde ein musealer Verkehr zwischen Chvatimech und Čierny Balog aufgenommen.

Nachdem in Čierny Balog während der Zeit ohne Verkehr zwischen 1982 und 1992 ein Fussballstadion des TJ Tatran Čierny Balog an der Strecke entstand, fahren seit Wiederinbetriebnahme des dortigen Streckenabschnitts 2012 Züge zwischen Spielfeld und Tribüne, was auch während Spielen vorkommt. Das Ganze sieht dann so aus:

Bei unserem Besuch hatte es leider kein Spiel

Somit ist der Besuch der Bahn auch aus fussballerischen Aspekten empfehlenswert!

Wir wollten in Cierny Balog jedoch Schweizer besuchen. 2021 hat die Waldenburgerbahn zwischen Liestal und Waldenburg ihre Bahn erneuert und zugleich von 75 cm Spurweite auf 100 cm Spurweite verbreitert. Die rund 20 Fahrzeuge konnten so nicht mehr verwendet werden – und mussten sowieso ersetzt werden, da sie nicht mehr dem Behindertengleichstellungsgesetz in der Schweiz entsprachen. Für 80 000 Franken wurden die Fahrzeuge in die Slowakei nach Cierny Balog verkauft, wo sie ein zweites Leben erhalten sollen. Dafür soll die Strecke elektrifiziert werden und es sollen wieder regelmässige Personenzüge auf der Strecke verkehren und Busse ablösen.

Die Fahrzeuge aus der Schweiz sind nun seit 3 Jahren vor Ort. Aber von den Bauarbeiten für die Elektrifizierung ist noch nichts zu sehen.

Ehemalige Fahrzeuge der Walderburgerbahn in Cierny Balog
Abgestellte Züge der Waldenburgerbahn in Cierny Balog

Ob das noch was wird mit dem Zugsangebot dank den Schweizer Zügen, ist für mich noch unklar.

Wir fuhren beide Strecken und genossen auch die Fahrt durchs Fussballstadion.

Unterwegs mit der Čiernohronská železnica
Heute mit Diesel unterwegs

Aber viel Betrieb, auch mit Dampfzügen, gibt es im Moment nicht, sodass wir bereits um 14:25 Uhr wieder mit dem Bus nach Brezno zurückfuhren. Von hier ging’s mit dem Regionalzug nach Banska Bystrica, wo wir auf den D-Zug (ja, diese Kategorie gibt es hier noch!) nach Bratislava umstiegen. Die Fahrt führte uns wortwörtlich durch die Pampa mit Ortschaften wie Nová Bana, Kozárovce, Levice, Podhájska, Surany, Sala und Galanta bis wir dann nach 3,5 Stunden Fahrt in Bratislava eingetroffen sind.

Anschliessend Transfer mit Tram zum Hotel an der Donau.

Statistik 9.5.2024
Bus19 km
Bahn289 km
Tram 3 km

Mittwoch, 8. Mai 2024: Eisenbahntechnisch höchst interessant…

Woodys Tag

Heute war in der Slowakei, wie in vielen anderen östlichen Orten Europas ein Feiertag. „Tag des Sieges über den Faschismus“, somit das Ende des 2. Weltkriegs. Ganz leer war die Stadt nicht, aber im Tram hatte es keine 10 Personen, welche zum Bahnhof Kosice fuhren.

Kurz nach 9:00 Uhr fuhr unser Express-Zug, der Tatran, in Richtung Westen. Wir fuhren zwei Stationen mit bis Margecany, wo wir auf einen Dieselzug Richtung Brezno umstiegen. Die Fahrt nach Brezno dauerte 3 Stunden, war als Nebenlinie gekennzeichnet und führte durch eine sehr schöne Gegend des Slowakischen Erzgebirges und der Niederen Tatra. Die Strecke erreicht in der Nähe der Haltestelle Vernár mit 957 müM den höchsten Punkt des Slowakischen Normalspurnetzes. Zudem hat es bei Telgárt sogar einen Kehrtunnel. Die Strecke ist recht jung. Im Gegensatz zu vielen Strecken in Europa, die über 120 Jahre alt sind, ist diese Strecke erst 1936 fertiggestellt worden.

Zugseinfahrt im Bahnhof Margecany
Unser Zug für die nächsten 3 Stunden…

Der Komfort im Zug war nicht so überragend. Wir waren froh, nach 3 Stunden in Brezno anzukommen. Das Hotel in Brezno befand sich hinter den Bahnhofgleisen und konnte durch eine Passerelle erreicht werden. Das Hotel beherbergt auch ein Automuseum, eine Minigolf-Anlage, ein Minizoo, ein Restaurant und und und. Woody hat hier ein Appartement reserviert (Nacht €97 für Zwei inkl Frühstück…).

Blick auf den Bahnhof Brezno. Finde den Zug...
Bahnhof Brezno: Finde den Zug

Wir genossen einen Moment der Ruhe, bis wir wieder zurück an den Bahnhof Brezno gingen. Um 16:14 Uhr fuhr nämlich der Zug nach Tisovec. Diese 32 km lange Strecke ist normalspurig und weist als Besonderheit einen rund 6 km langen Abschnitt mit Zahnstange auf. Die fahrplanmässigen Züge benutzen jedoch kein Zahnrad mehr, sie fahren „einfach so“ über die Strecke. Als Triebwagen hatten wir einen zweiachsigen Diesel mit dem Übernamen „Brotbüchse“ 🙂

Ein Rudel Schienenbusse in Tisovec
Brotbüchsen überall

Gleich nach Ankunft in Tisovec ging’s wieder zurück nach Brezno. Der Zugbegleiter war der gleiche von der Hinfahrt und auf der Rückfahrt liess er uns auf den hinteren Führerstand, damit wir die steile Strecke „aus der Nähe“ sehen konnten. Sehr sympa von ihm.

Längste und höchste Brücke auf der Strecke
Längste und höchste Brücke auf der Strecke

Den Tag liessen wir im Restaurant im Hotel bzw. Automuseum bei Pasta ausklingen.

Statistik 8.5.2024
Tram1 km
Bahn235 km

Dienstag, 7. Mai 2024: Östlicher geht fast nicht mehr

Woodys Tag

Wie bereits erwähnt ist unser Hotel in Poprad-Tatry gleich gegenüber des Bahnhofs. Es wurde 1898 in Betrieb genommen, ist also gleich alt wie der BSC Young Boys. Das Hotel hat die Eleganz des früheren Tourismus – mit Speisesälen und einem grossen Restaurantbereich. Im Frühstücksraum hat es einzelne 2er-Tische, aber sonst hat es einfach 6er-Tische. Ist das der übrig gebliebene Charme des Kommunismus?

Frühstücksraum in unserem Hotel
Frühstücksraum im Hotel

Nach dem Frühstück checken wir aus und gehen zum Bahnhof um festzustellen, dass unser Zug 20 Minuten Verspätung hat. Obschon es gegenüber gestern sehr kälter geworden ist, warten wir auf dem Perron, bis der Zug kommt. Die Fahrt nach Kosice dauert rund 90 Minuten und verlief ereignislos.

Vom Bahnhof aus gehen wir eine Viertelstunde zu Fuss zum Hotel. Es ist noch vor 12 Uhr und wir rechnen nicht damit, dass wir schon das Zimmer beziehen können. Hilton macht’s jedoch möglich und wir können unser schönes Zimmer in der 9. Etage beziehen.

Kosice liegt in der östlichen Slowakei. Östlicher geht in der Slowakei fast nicht. Unser Hotel ist 69 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. Im Alltag konnten wir diese Nähe zur Ukraine jedoch nicht feststellen. Es hat auch gefühlt weniger Autos mit ukrainischen Nummern. Wie sich das Ganze jedoch für die Bevölkerung anfühlt, lässt sich bei einem kurzen Besuch natürlich nicht sagen.

Nun, was machen wir in Kosice? Die Sehenswürdigkeiten sind überschaubar (2 Kirchen, 1 Theater), sodass eine Stadtbesichtigung wohl nicht die grosse Befriedigung bringt. Wenn wir schon auf einer Eisenbahnreise sind, dann wollen doch was mit Bahn machen – Tram fahren geht auch!

Wir suchen uns eine Route aus, welche zum Stahlwerk US Steel Kosice führt. Der Clou an dieser Strecke ist, dass das Tram eine grössere Distanz als „Überlandstrassenbahn“ zurücklegt. Dies kennen wir in der Schweiz vielleicht von der Strecke des Worbbähnlis, aber das hier in Kosice ist halt schon eine andere Liga!

Die Linien zum Stahlwerk sind auf die Arbeiter ausgerichtet. Es gibt Fahrten am Morgen und Fahrten am früheren Nachmittag. In der Zwischenzeit ist ist der Betrieb auf dieser Linie nicht vorhanden bzw. mit Bussen sichergestellt. Die Fahrt zum Stahlwerk soll der Start zum Tramnachmittag in Kosice sein.

  • Plan A: 13:08 mit dem Tram hinter dem Hotel abfahren und direkt zum Stahlwerk ==> Liess sich nicht umsetzen, da wir am Automaten keine Billette kaufen konnten, da sie nur Kleingeld annahmen (Es gibt auch Automaten, welche Karten akzeptieren, solche habe wir jedoch in der Hitze des Gefechtes nicht gefunden). Google hilft uns, das Büro des öV-Anbieters zu finden um dort zwei Tageskarten zu kaufen. Den Ort haben wir gefunden, aber das Haus machte überhaupt nicht den Eindruck, dass dort Billette verkauft werden. Optisch war es eher eine Drogenabgabestelle. Wir gingen trotzdem rein und BINGO – wir konnten dort 2 Tageskarten kaufen.
  • Plan B: mit Bus 11 ein paar Stationen fahren und dann aufs Tram umsteigen ==> Liess sich nicht umsetzen, da wir die Bushaltestelle von Bus 11 nicht gefunden haben.
  • Plan C (letzter Plan, hätte der nicht funktioniert, hätten wir die Tageskarten auf dem Hauptplatz von Kosice verbrannt): Mit Bus 23 ein paar Stationen fahren und dann aufs Tram umsteigen => hat wunderbar geklappt!

Wir fuhren also mit dem Überlandtram zum Stahlwerk (Teilweise mit einer Geschwindigkeit von 65 km/h!) und nahmen dort das nächste Tram an eine andere Endstation, von dort wieder zu einer anderen Endstation und so weiter – quasi ein Trambingo.

Überlandstrassenbahn
Überlandstrassenbahn

Gegen 17:30 Uhr hatten wir fast das ganze Tramnetz von Kosice abgefahren, mit Ausnahme von ein paar Zipfel. Nebst der Fahrt zum Stahlwerk war ein sehr sehr sehr grosser Kreisel ein weiteres Highlight. Mit den verschiedenen Fahrten haben wir ihn (beinahe) umrundet.

Tramkreisel in Kosice
Screenshot: Google Maps

Tram fahren war wirklich das Beste, was man an einem regnerischen Tag in Kosice machen konnte.

Tramparade vor dem Bahnhof Kosice
Tramparade vor dem Bahnhof Kosice

Kurz vor der letzten Tramfahrt zeigte sich die Sonne. Zu spät für uns, denn der Hunger hat sich nun definitiv gemeldet. Wir kehren in der „Altstadt“ ein und lassen den Abend im schönen Hotelzimmer bei PSG-BVB ausklingen.

Dom der Heiligen Elisabeth
Dom der Heiligen Elisabeth
Statistik 7.4.2024
Bahn101 km
Bus5 km
Tram57 km

Montag, 6. Mai 2024: „Tatrabahnen gem. spez. Programm“

Woodys Tag

Der Titel ist das heutige Programm auf unserer Reise. Konkret heisst das, dass wir eigentlich wussten, dass wir die schmalspurigen Bahnstrecken der Hohen Tatra befahren wollen, aber wie genau und nach welchem Fahrplan, hat Woody erst am Vorabend ausgetüftelt.

Der Zug 9:36 Uhr ab Poprad nach Strbske Pleso war 10 Minuten vor Abfahrt schon bis unters Dach gefüllt und wir wollten uns nicht auch noch in diesen Zug quetschen. Somit haben wir Plan B aktiviert, den wir eigentlich gar nicht entwickelt hatten. Wir fuhren also mit dem Normalspurzug direkt nach Strba (kein Schreibfehler, hat nur einen Vokal) und dort mit einem neuen Stadler-Zahnrad-Triebwagen hoch nach Strbske Pleso.

Neuer Zahnrad-Triebzug von Stadler für die Tatra-Bergbahnen
Zahnrad-Triebzug aus Schweizer Produktion in Strba

Schweizer Züge in Strbske Pleso haben durchaus Tradition. Bereits 1969 hat die Schweizer Industrie verschiedene Fahrzeuge an die damalige Tschechoslowakei geliefert. Anlass dafür waren die nordischen Ski-Weltmeisterschaften 1970, für welche der Ort Strbske Pleso auf Vordermann gebracht werden musste. So auch die Bahn. Und weil 1968 die Sowjetunion dem Prager Frühling ein brüskes Ende gesetzt hat, war es zu dieser Zeit kein Thema, diese Fahrzeuglieferung in die Tschechoslowakei zu kommunizieren – die Kritik am Osthandel wäre sicher sofort gefolgt. In einem älteren Bericht der NZZ kann man diesen Zeitgeist nachlesen. Die im Artikel beschriebenen Fahrzeuge wurden letzten Jahr abgelöst – durch solche, in welchem wir nun Platz nahmen.

Überbleibsel der nordischen FIS-Ski-WM von 1970
Erinnerung an die nordischen FIS-Weltmeisterschaften von 1970

Nach Ankunft in Strbske Pleso haben wir eine Wanderung um den See gemacht, der sich oberhalb des Dorfes befindet. Keine grosse Wanderung, in einer Stunde hat man die Seeumrundung geschafft. Wir staunen über die schreckliche Architektur und probieren, bei jedem Foto vom See den Bildwinkel so zu wählen, dass kein Haus drauf ist.

Architektur aus dem ehemaligen Ostblock
Ostblock-Architektur

Die Gegend hier oben ist wunderschön und erinnert natürlich an die Alpen. Wir befinden uns nun auf knapp 1400 müM. Von den Temperaturen her schwierig – Jacke anziehen, ausziehen, anziehen, ausziehen und so weiter…

Unterwegs am Strbske Pleso
Rund um den See bei Strbske Pleso

Um 12:16 Uhr fahren wir von Strbske Pleso mit der Schmalspurbahn Richtung Osten. Auch heute mussten wir wegen Bauarbeiten auf einen Bus umsteigen, da die Strecke bis 13:00 Uhr wegen Bauarbeiten gesperrt ist. Der Bus brachte uns nach Stary Smokovec, dann ging’s wieder mit der Bahn nach Tatranska Lomnica. Mittagshalt. Die Pizzeria La Famiglia servierte uns Pizza und Bier und wir waren gestärkt, um noch die restlichen Strecken auf diesem Schmalspurnetz abzufahren. Spoiler: Am Schluss sind wir wieder in Poprad-Tatry angekommen 🙂

Umsteigen in Stary Smokovec
Umsteigen in Stary Smokovec

Das Nachtessen gab’s in einem Lokal in der „Innenstadt“. Poprad hat kein eigentliches Zentrum, ausser Shopping Centres. Eine Einkaufsstrasse haben wir gesehen, aber die wirkte nicht so einladend. Google hat uns dieses Restaurant vorgeschlagen und es war für einen Salat oder einen Burger durchaus ok.

Der Rückmarsch zu unserem Hotel am Bahnhof verlief durch ein quasi verlassenes Poprad. Wurde die Stadt evakuiert?

Zurück in Poprad-Tatry
Statistik 6.5.2024
Bahn86 km
Bus10 km

Sonntag, 5. Mai 2024: Geschichtsstunde

Woodys Tag

Nach einer kurzen Nacht konnten wir feststellen, dass wir einen ganz schönen Tag haben werden.

Im Bahnhof Olomouc nahmen wir den Zug nach Krnov – glaubten wir, denn die Zugbegleiterin radebrechte uns, dass wir irgendwo zwischendrin auf einen Bahnersatzbus umsteigen müssen. Das Umsteigen hat wunderbar geklappt und wir kamen on time nach Krnov, wo wir erneut umsteigen mussten, dieses Mal nach Třemešná ve Slezsku. Hier konnten wir endlich auf eines der Tageshighlights umsteigen:

Wir fuhren mit dem Zug nach Osoblaha. Diese Strecke ist die einzige Schmalspurstrecke in Tschechien und fährt 3x pro Tag… Der Zug bestand aus einer Diesellok und einem Wagen – dies hat für das Reisendenaufkommen vollkommen genügt.

Die Bahnstrecke ist aus zwei Gründen interessant: Einerseits wegen der Bahn an sich, welche sich mit höchstens 40 km/h durch die Gegend schlängelt. Andererseits auch wegen der Geschichte dieser Gegend.

Osoblaha hiess früher „Hotzenplotz“ und gehörte zur Böhmischen Krone, welche wiederum habsburgisch war und so zum Österreichischen Kaiserreich kam. Aus Wikipedia:

Im Ersten Weltkrieg wurden fast alle Männer von 18 bis über 50 Jahren zu den Waffen gerufen. Viele von ihnen kehrten nicht mehr zurück. 1918 zerfiel die k.u.k. Monarchie und Hotzenplotz kam zu neu gegründeten Tschechoslowakei.
Nach Kriegsende war die Prager Regierung bestrebt, die öffentliche Verwaltung durch tschechische Grenzbeamte, Gendarmen, Staatspolizei, Postbeamte zu besetzen. Von den Deutschen wurde erwartet, dass sie die tschechische Sprache erlernten. Eine enorme Belastung war auch die grosse Arbeitslosigkeit während der Weltwirtschaftskrise der 1920er Jahre, die zum größten Teil deutsche Arbeitnehmer betraf. Die Einwohnerzahl ging durch Abwanderung von 4000 (1880) auf etwa 2500 zurück; die jüdische Gemeinde verschwand fast völlig.

In Vollzug des Münchner Abkommens nahmen 1938 deutsche Truppen die Stadt in Besitz und wurden als Befreier begrüsst. Die Stadt Hotzenplotz musste während des Zweiten Weltkrieges Umsiedler aus besetzten Gebieten aufnehmen. Ebenso wurden luftkriegsgeschädigte und -gefährdete Frauen, Kinder und alte Menschen aus Berlin, Hamburg und dem Ruhrgebiet einquartiert.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs kamen zu Beginn des Jahres 1945 die vor der näherrückenden Front flüchtenden Menschen aus Oberschlesien mit Pferde- und Ochsengespannen in die Stadt. Am 17. März 1945 stand die Rote Armee vor Hotzenplotz. Fast alle Einwohner der Stadt flohen.

Hotzenplotz war hart umkämpft, mehrfach wechselten die Besatzer. Bei einer Panzerschlacht wurden etwa 200 sowjetische Panzer vernichtet. Am 21. März besetzte die Rote Armee Hotzenplotz endgültig. Was nicht durch Artillerie zerstört war, wurde Opfer eines Brandes.

Im Mai und Juni 1945 kehrte die nach Nordmähren und ins Umland geflohene Bevölkerung nach und nach in die zerstörte Stadt zurück. Die meisten Häuser waren nicht mehr bewohnbar; vielfach wurden Quartiere in den Trümmern eingerichtet. Nach Kriegsende wurden alle männlichen deutschen Personen von 14 bis 60 Jahren zur Zwangsarbeit verpflichtet. Sie kamen in die Kohlenbergwerke nach Ostrava oder ins böhmische Landesinnere. Im Frühjahr 1946 begann die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus Osoblaha. In Viehwaggons mit jeweils 40 Personen gingen bis zum Herbst 1946 Transporte von Krnov aus nach Bayern, Baden-Württemberg und Hessen.

Das Zentrum der Stadt wurde am Ende des Zweiten Weltkriegs völlig zerstört. Am Eingang zum Ringplatz erinnert ein sowjetisches Abwehrgeschütz an die langen Kämpfe und den Sieg der Roten Armee über die Wehrmacht.

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Osoblaha

In jedem Dorf oder kleineren Stadt der Gegend liest sich die Geschichte identisch. Habsburgisch – 1. Weltkrieg – Tschechoslowakei – Münchner Abkommen – 2. Weltkrieg – Tschechoslowakei – Tschechien. Persönlich verstehe ich nicht, warum die deutschen Namen in Tschechien noch benützt werden. So sind am Bahnhof von Osoblaha der heutige und der frühere Namen angeschrieben:

Bahnhof von Osoblaha/Hotzenplotz
Der Bahnhof von Osoblaha

Dies, nachdem die Bahnhöfe an der Linie renoviert wurden und in den historischen Zustand zur Zeit der ersten tschechoslowakischen Republik instandbesetzt wurden. Das Gebäude in Osoblaha erhielt dabei wieder die frühere zweisprachige Beschilderung Hotzenplotz / Osoblaha.

So viel zur Geschichte. Nun doch noch ein paar Worte zur Bahn. Die Diesellok stammt aus dem Jahr 1958 und verströmt eine Eleganz aus früheren Zeiten. Vor ein paar Wochen kam die Lok 14 komplett saniert aus der Werkstatt. Sie hat nun ein tolles, knalliges rotes Farbenkleid und kommt frisch daher. Eine zweite Lok wurde vor ein paar Jahren modernisiert und ist im Depot als Reserve abgestellt. So hat man zumindest für die nächsten Jahre eine „Sicherheit“, dass die Bahn noch fahren wird.

Die Lok 14 steht in Osoblaha abfahrbereit vor dem Zug
Abfahrbereiter Zug in Osoblaha

Wie bereits gesagt, ist der Fahrplan mit drei Zügen pro Tag nicht so dicht. Somit mussten wir rund 90 Minuten in Osoblaha auf die Abfahrt des nächsten Zuges warten. Was machen? Bahnhofsbuffet hat es keines und das Zentrum ist doch rund ein Kilometer vom Bahnhof entfernt – und ob an einem Sonntag was offen ist?

Wir entschieden uns, eine kleine Wanderung zu machen. Gleich hinter dem Bahnhof ist die (offene) Grenze zu Polen und wir machten während unserer Wartezeit eine Rundwanderung über polnisches Gebiet von rund 4 km über Feldwege und Landstrassen. Nach Ankunft am Bahnhof blieben uns noch ein paar Minuten, um unser in Olomouc gekauftes Sandwich zu essen.

Tolle Farben auf unserer Wanderung
Wolkenspiel auf unserer Wanderung

Übrigens: unser Gepäck konnten wir während der Wartezeit bzw. unserer Wanderung in der Lokomotive einschliessen. Eisenbahnerkontakte nützen weltweit…

Um 13:46 war die Abfahrtszeit. Wir fuhren pünktlich los und mit umsteigen in Krnov erreichten wir Ostrava.

Umsteigen in Krnov
Umsteigen in Krnov

In Ostrava begann die letzte Zug-Etappe des Tages, welche uns in die Slowakei nach Poprad-Tatry bringen soll. Dieses Mal mit dem privaten Anbieter Leo Express (der Gründer der Bahngesellschaft heisst Leo). Nachdem RegioJet gelbe Züge hat, hat Leo Express schwarze Züge. Und solche des Typs „Flirt“, welche in der Schweiz im Regionalverkehr fahren.

Flirt von Leo Express in Ostrava
Flirt von Leo Express im Bahnhof von Ostrava

Und in diesem Regionalzug soll ich nun rund 4 Stunden sitzen? Hmmm

Natürlich hat Woody für die 4 Stunden nicht einfach die Holzklasse gebucht, sondern „Premium“, welche uns nur CHF 36.–/Person für diese Strecke gekostet hat. 2 Bier inbegriffen. Nachtessen inbegriffen. Kaffee/Dessert inbegriffen. Und die Sitze und das Zuginnere liessen einem sofort vergessen, dass man in der Schweiz in einem Regionalzug sitzen würde…

Premium-Sitze bei Leo Express
Hier lassen sich 4 Stunden Fahrt aushalten…

Das Hotel in Poprad-Tatry ist so nah beim Bahnhof, dass wir die Durchsagen aus dem Lautsprecher verstehen hören können.

Statistik 5.5.2024
Bahn445 km
Bus32 km

Samstag, 4. Mai 2024: Ziel erreicht

Woodys Tag

Das Frühstück im Hotel Bellevue war lecker, mit Aussicht auf die Gasse. Das Wetter hat sich massiv gebessert. Ein kurzer Schritt nach draussen zeigte uns, dass es zu kalt ist ohne Jacke und zu warm mit Jacke. Zum Glück habe ich eine Sammlung Jacken dabei, um auf jede Temperatur reagieren zu können…

Unsere Weiterfahrt heute war um 14:05 vorgesehen, somit hatten wir recht viel Zeit, uns nochmals in Český Krumlov umzuschauen und die gleichen Fotos wie gestern zu machen – aber mit blauem Himmel.

Beim Schloss in Český Krumlov
Ausblicke in Ceski Krumlov
Unterwegs in Cesky Krumlov
Schloss Cesky Krumlov

Nach einem leichten Mittagessen auf dem Marktplatz ging’s Richtung Hotel, wo wir das Gepäck mitnahmen und an den Bahnhof liefen. Der Bahnhof ist oben am Hand und unser Gepäck schwer… Die Uhr meldet: „Stufenziel erreicht“…

Am Bahnhof Český Krumlov halten eigentlich nur Regionalzüge. Ausser einmal pro Tag, dann fährt der Intercity nach Prag. Wir stiegen in diesen ein, vorderster Wagen, grad hinter der Diesellok. Auf dieser Strecke hat es sogar einen Speisewagen! Wir reisen 1. Klasse und erhalten das Gastroangebot an den Platz serviert. Wir entscheiden uns für ein Bier, welches offen im Kübel serviert wird. Die WLAN-Abdeckung im Zug ist vorzüglich und Woody und ich können nebenbei auch noch „Administration“ machen…

In Prag steigen wir um von der Staatsbahn auf die Privatbahn RegioJet. Die gelben Züge sehen hübsch aus, aber die Farbe mag das schlechte WLAN im Zug nicht kompensieren.

Zug von RegioJet in Prag

Mit diesem Zug fahren wir bis Olomouc, wo wir zu Fuss zum Hotel gehen. Woody hat eine exzellente Bleibe ausgewählt!

Langsam macht sich der Hunger bemerkbar und wir machen einen kurzen Fussmarsch zum Restaurant „Steak Restaurant“, wo wir ausgezeichnet speisen. Anschliessend geht’s zurück ins Hotel – nun kommt auch die Meldung „Schrittziel erreicht“.

Statistik 4.5.2024
Bahn: 444 km

Freitag, 3. Mai 2024: In der Wildnis ausgesetzt

Woodys Tag

Zu Fuss ging’s heute Morgen an den Bahnhof Linz Urfahr. Von hier nahmen wir den Zug nach Aigen-Schlägl, einem Ort an der tschechischen Grenze. Die Strecke von Urfahr nach Aigen-Schlägl ist eine Strecke der ÖBB, welche mit Dieseltriebwagen betrieben wird. Die Strecke hat keine Verbindung mit dem übrigen Netz. Das heisst, wenn ein Fahrzeug defekt ist und in der Werkstätte eine grössere Reparatur ansteht, muss das Fahrzeug auf der Strasse in die Werkstatt transportiert werden. Der Zug 9:30 Uhr ab Urfahr führt trotz des schlechten Wetters (regnerisch) einen Velowagen mit. Das heisst wiederum, dass wir einen alten Zug haben, an dem so ein Velowagen noch angehängt werden kann. Cool!

5047 069 mit Fahrradwagen in Linz Urfahr
Uriger Zug ab Urfahr

Die Fahrt dauerte 89 Minuten und führte förmlich an Stellen durch, wo sich wohl der berühmte Fuchs und der nicht minder berühmte Hase gute Nacht sagen. Einen Hasen haben wir unterwegs gesehen, einen Fuchs nicht. Auf dieser Strecke fuhren wir übrigens über die steilste Strecke in Österreich, welche ohne Zahnrad befahren wird (49 0/00) Die durchfahrene Gegend war wunderschön und hat zum wandern eingeladen. Aber nicht dieses Mal, wir haben ja eine Mission 🙂

Pünktlich trafen wir in Aigen-Schlägl ein. Für 11:00 Uhr haben wir ein Taxi bestellt, welches noch nicht vor Ort war. Nach 10 Minuten warten habe ich den Täxeler angerufen und gefragt, wo er den sei? „Jo des ist ja erst in eine Wochn.“ – Nein, heute, jetzt, grad! „Gemsma 5 Minuten, i kemm grad.“ Und tatsächlich: In weniger als 5 Minuten stand ein Tesla vor uns. Eine Premierenfahrt, so eine Runde im Tesla. Der Bildschirm vorne ist beeindruckend. Fast grösser als unser TV zu Hause…

Die Fahrt führte durch den Wald in Richtung Tschechien. „Des ist das oide Grenzhaus. Von hier bis zum See war alles Sperrzone“. Wir waren also im Niemandsland. Und nun überlege ich mir was wohl ist, wenn die Fähre nach Tschechien nicht fährt und wir hier im Niemandsland sind? Hat es hier ein Handy-Netz? Und tatsächlich: Wir stiegen im Nichts aus. Sind wir nun plötzlich in „Naked Survival“ dabei? Oder im Dschungelcamp? Und die letzten Worte des Taxifahrers hallen mir im Kopf nach „Ich hoff es klappt. Die Tschechn sind ned so zuverlässig“ (sagte der, der den Termin eine Woche zu spät eingetragen hat…).

Strasse ins Nichts
Strassenende in Kyselov. Sind wir im „Nichts“?

In rund 40 Minuten wissen wir Bescheid, wie es weiter geht. Es war übrigens kalt und zugig und ich war froh, dass ich 5 Minuten vor Ankunft in Aigen-Schlägl die wärmere Jacke angezogen hatte. An diesem Ort hatte es sauberes 5G aber sonst nichts. „Wir transportieren nichts was betrunken oder unter Alkoholeinfluss steht“ ist in den Transportregeln am Hafen auch *deutsch“ geschrieben. Zum Glück hatten wir kein Apéro… Um 12:00 Uhr soll die Fähre am anderen Ufer ablegen, um etwa 12:10 auf unserer Seite sein. Der Lipno-Stausee, welchen wir queren, ist übrigens der grösste See in Tschechien. Und dann geht’s los: Wir sehen tatsächlich um 12:00 die Fähre am anderen Ufer ablegen und ein paar Minuten später war sie schon auf unserer Seite.

Die Fähre von Černá v Pošumaví nach Kyselov
Sie kommt!

Somit müssen wir nicht bei „Naked Survival“ mitmachen. Aber auf dieser Fähre bei diesem Wetter überzusetzen war auch nicht ganz locker…

Null Komfort auf der Fähre nach Černá v Pošumaví
Wo ist die Cafeteria?

In der heutigen durchorganisierten Zeit klappt immer alles. Klappt auch unser Taxianschluss nach Ankunft der Fähre? Remember:

„Die Tschechn sind ned so zuverlässig“

Herr Lang, Taxifahrer

Als die Fähre noch weit vom Ufer entfernt war sahen wir einen dunkeln Wagen mit gelbem Taxi-Signal auf dem Dach. Und ja, es war der von uns bestellte Wagen. 2 Mail, 2 Anrufe – und schon klappt es.

„Die Tschechen sind durchaus zuverlässig!“

Martin Zeller, Taxigast

Die Taxifahrerin brachte uns auf kurzer Fahrt zum Bahnhof Černá v Pošumaví, wo wir etwa um 12:40 Uhr eingetroffen sind. Hier fährt keine S-Bahn alle 15 Minuten. Hier fährt alle 2 Stunden ein Zug. Der nächste um 14:05 Uhr… Der Wartsaal war unfreundlich also blieben wir draussen. Habe ich schon erwähnt, dass das Wetter schlecht und kalt ist? Wir sind auf 720 müM, bei strengen Wintern kann man 10 km von hier Ski fahren.

Pünktlich kam unser Zug und brachte uns nach Český Krumlov. Ich wollte unbedingt nochmals diesen Ort besuchen, weil er mir auf meiner Europatour vor 6 Jahren so gut gefallen hatte. Woody hatte sich, nachdem er Bilder der Altstadt gesehen hatte, auf diesen Aufenthalt eingelassen. Er hat im Hotel Bellevue reserviert, gleich am Eingang zur Altstadt. Wobei die Bellevue aus dem Blick aufs Nachbarhaus bestand. Ansonsten war das Hotel tippe-toppe! Wir checkten ein, bezogen das Zimmer und machten uns auf in die Stadt.

Ähnlich wie Bern befindet sich die Stadt in einer Flussschlaufe. Dominiert wird der Ort von einem Schloss auf einer Anhöhe. Die Häuser der Altstadt sind toll renoviert, aber nicht überkandidelt. Alles in Allem eine tolle Stadt welche uns trotz relativ schlechtem Wetter gut gefällt.

Blick auf Český Krumlov
Blick auf Český Krumlov vom Schloss aus
Fake-Gemäuer in Český Krumlov
Die Steine sind nur gezeichnet
Beim Schloss in Český Krumlov
Im Schlosshof
Beim Schloss in Český Krumlov
Beim Schloss

Im Restaurant Gotic gab ein fleischlastiges Nachtessen, begleitet von tschechischem Rotwein. Beides hat ausgezeichnet gemundet.

Statistik 3.5.2024
Bahn88.9 km
Taxi16.6 km
Fähre1.1 km

Donnerstag, 2. Mai 2024: Linz ohne Schnitte.

Woodys Tag

Nun ist unsere Japan-Reise auch schon eine Woche durch, aber nun steht auch schon wieder die „offizielle Auffahrtsreise 2024“ an. Mit Woody gehts Richtung Osten. Um 8:02 fährt der IC Richtung Zürich. Eine halbe Stunde wäre nach Fahrplan auch noch dringelegen, aber Eisenbahner haben immer noch ein bisschen Reserve… Spoiler: wir hätten die Reserve nicht benötigt…

Ab Zürich haben wir den Eurocity nach München bestiegen. Der Zug ist in Zürich gestartet und kam leer ans Perron. Aber trotzdem verlief der Einstieg chaotisch. Es hatte sehr viele Menschen, die offenbar noch nie gereist sind. Ein Puff mit Koffern und allgemeine Hektik, bis wir dann endlich abfahren konnten. Pünktlich!

Vor Abfahrt in Zürich
Vor Abfahrt in Zürich

Der Zug fuhr pünktlich, bis wir deutschen Boden erreichten. Schlussendlich hat sich die Verspätung soweit aufgeschaukelt, dass wir in München den Anschluss nach Passau verpasst hatten. Fahrplantechniker Woody hat jedoch einen Plan B bereit und wir reisten nach Regensburg (statt Passau), wo wir in den ICE Richtung Linz einstiegen. Alles hat wunderbar geklappt – bis zur Billettkontrolle: Ich hatte bis München einen Sparpreis gelöst und für die Strecke München – Passau ein Bayernticket. Wäre alles nach Programm gelaufen, hätte ich ab Passau meinen österreichischen Fahrausweis benützen können und wäre so gut über die Runden gekommen. Der Zugbegleiter liess mich wissen, dass das Bayernticket im ICE nicht gültig ist. Aber unter Eisenbahnern regelt man solche Probleme auf „dem kleinen Dienstweg“ und er liess ich trotzdem fahren… Guter Mann, dieser Kollege übrigens!

Königin der Schiene in Regensburg
Königin der Schiene – gesehen beim Umsteigen in Regensburg

Auch der ICE war zu spät und wir erreichten Linz mit rund 20 Minuten Verspätung. Wir fuhren mit dem Tram sofort in unseren Stadtteil und gingen direkt ins Hotel Arte. Check-in, Zimmerbezug – und wieder auf die Gasse.

Wir fuhren mit dem Tram auf den Pöstlingberg. Von hier oben hat man eine tolle Aussicht auf die Stadt Linz. Nicht nur die Aussicht auf die Stadt bewog uns, diese Fahrt zu machen, sondern auch die Tatsache, dass die Pöstlingbergbahn eine der steilsten Bahnen der Welt ist, welche ohne Zahnrad funktioniert. Einzig die Tramlinie 28 in Lissabon ist auf einem kurzen Abschnitt noch steiler.

Tram auf dem Pöstlingberg
Tram auf dem Pöstlingberg

Die Aussicht vom Pöstlingberg auf die Stadt fand bei bestem Wetter statt. Gerne hätten wir auf dem Pöstlingberg gegessen. Aber entweder hatten die Restaurants ab 18:00 Uhr geschlossen oder wirkten nicht einladend.

Aussicht vom Pöstlingberg
Aussicht vom Pöstlingberg auf Linz

Das Nachtessen gab es in der Innenstadt von Linz in der Huberei. Das Linzer Schnitzel (aka Wiener Schnitzel) war so lecker, dass es kein Dessert und somit auch keine Linzer Schnitte mehr gab.

Einnachten an der Donau in Linz
Einnachten an der Donau
Statistik 2.5.2024
Bahn 811.9 km
Tram10 km

Donnerstag, 25. April 2024: Die vorläufig letzte Reise-Etapppe von Budapest nach Bern

Der lange gestrige Tag hat Spuren hinterlassen. Wir sind heute gegen 1 Uhr ins Bett gestiegen. Martin schläft recht gut und lang, ich bin bereits kurz vor 6 Uhr wieder wach, habe Kopfschmerzen und fühle mich nicht sehr gut. Die gestrige Tagesgestaltung (Bewegung, Ernährung, Anspannung/Entspannung) war nicht gerade top und beansprucht in einer eigenen Art und Weise.

Wir frühstücken, packen ein letztes Mal unsere sieben Sachen und machen uns zu Fuss auf den Weg zum Flughafen. Die fussläufige Erreichbarkeit des Flughafens vom Ibis-Hotel her ist wirklich top. Nutzen den Aufenthalt in der Lounge, um Tagebuch zu schreiben, Mails zu beantworten und e chli z‘sy.

Mohnblumen vor dem Flughafen Budapest
Mohn- und Kornblumen vor dem Flughafen Budapest

Und dann geht es – diesmal mit der Swiss (LX 2255) – um 14.45 Uhr auf Richtung Zürich und dann mit Zug und Bus weiter nach Hause.

Überflug über die Altstadt von Budapest
Überflug über die Altstadt von Budapest
Welcome to Zurich
Die Schweiz hat uns wieder…

Nun ist unser Seoul-Japan-Reiseprojekt in ein erlebtes Reise-Abenteuer übergegangen. Es war eine tolle, unvergessliche Reise mit vielen schönen Momenten, Erfahrungen und Eindrücken, die wir gewonnen haben und mit in den Alltag nehmen. Unsere persönlichen Top-Highlights sind:

  • Seoul: eine tolle Stadt, die sehr viel Interessantes zu bieten hat
  • Ausflug in die Demarkationszone (Korea: ein geteiltes Land)
  • Der liegende Buddha ausserhalb von Fukuoka
  • Fussballspiel von Gamba Osaka
  • Besuch der Insel Miyajima mit dem im Wasser stehenden Torii und Wanderung auf den Mount Misen
  • Tokyo: Shibuya Sky und Büsi-LED-Screen

Einige Eindrücke: 

Japaner sind oft klein und zierlich: manchmal sieht man sie z.B. hinter einem Schalter erst, wenn man wirklich vor dem Schalter steht.

Die Toilettenkultur ist einmalig: automatische Einrichtung inkl. Klo-Brillen-Heizung, Geräuschkulisse zur Kaschierung der WC-Geschäfts-Geräusche etc. ((Film))

Das Essen: Oftmals lecker aber der „Hangover“ mit all dem Fisch und Meeresgetier und Menü-Übersetzungen „Knorpel“ lassen mich an meine Grenzen kommen. Dafür Miso-Suppe zum Frühstück: einfach toll.

Die Förmlichkeiten, teilweise sehr gekünstelt, der Hang zu Luxusprodukten (LV, Prada, Dior, Chanel und Gucci à gogol) und dann wieder den grossen Kontrast zur absoluten Einfachheit.

Der Fokus auf den Kunden, z.B. im Restaurant beim Begleiten an den Tisch, sich verneigen, wenn der Gast aus dem Hotel abreist oder das Restaurant verlässt.

==> Japanisches Sprichwort: „Ein Lächeln ist hundert Worte wert.“

Und noch einige Zitate bzw. Volksweisheiten:

  • Besiege dich selber und du wirst deinen Gegner besiegen. (Takuan Sōhō)
  • Das höchste Ziel der Kampfkunst ist es, sie nicht einsetzen zu müssen. (Miyamoto Musashi)
  • Wenn man ohne Kraft beginnt, werden sieben von zehn Handlungen nicht zu Ende gebracht. (Yamamoto Tsunetomo)
  • Das Besiegen des Bösen, nicht des Gegners, ist das Wesen der Schwertkunst. (Yagyū Munenor)
  • Eine Person, die besonnen spricht, ist in guten Zeiten nützlich und wird in schlechten Zeiten Ärger vermeiden. (Yamamoto Tsunetomo)
  • Denke scharf nach und entscheide innerhalb von sieben Atemzügen. (Samurai Weisheit)
  • Den Weg zu studieren heisst sich selbst zu studieren. Sich selbst zu studieren heisst sich selbst vergessen. Sich selbst zu vergessen bedeutet, eins zu werden mit allen Existenzen. (Dogen Zenji)
  • Wenn einer eine Lüge erzählt, geben tausend andere sie als Wahrheit wieder.
  • Wenn Du verstehst, dass andere anders sind als Du, dann fängst Du an, weise zu werden.
  • Großes Verstehen kommt mit grosser Liebe.
  • Ob man das Leben lachend oder weinend verbringt, es ist dieselbe Zeitspanne.
  • Ein Grashalm ist ein Schatz und ein Schatz ist ein Grashalm.

Mittwoch, 24. April 2024: Ein laaaaaanger Mittwoch (der Tag hat 27 Stunden)

Kurz vor 4 Uhr in der Früh werde ich wach und um 04.10 Uhr klingelt dann auch der Wecker. Wir kriechen aus dem Bett und machen uns abreisefertig. Auf 05.30 Uhr haben wir ein Taxi bestellt, das uns zum Flughafen Incheon bringt. Es regnet in Strömen. Wirklich in Strömen. Wir haben‘s mit Incheon mit einem eigentlich sehr modernen Flughafen zu tun (z.B. separater Check-In-Bereich für Business/First-Reisende, Magnet-Schwebe-Bahn zwischen Terminal 1 und 2 etc.) aber der Taxi-Sektor verfügt nur partiell über einen Unterstand. Wir treffen natürlich im ungedeckten Teil ein. Schnell bringen wir uns und unser Gepäck ins Trockene und sind jetzt richtig wach. Wir checken ein, wickeln Security Check und Passkontrolle ab und suchen noch kurz die Aseana Lounge auf und dann geht‘s auch schon los und wir fliegen von Seoul nach Peking.

Wohnsilos beim Anflug auf Peking
Viele hohe Häuser für viele Menschen: Anflug auf Peking

Pünktliche Ankunft, Abwicklung Transit-Prozedere und dann warten, bis wir uns um 12.55 Uhr China-Zeit beim Gate einfinden müssen. Das Pre-Boarding Prozedere hält eine Gruppe von Mitarbeitenden über eine längere Zeit beschäftigt. Rund eine Stunde später sitzen wir auf unseren Sitzen 2K und 2H des Lufthansa Flugs LH723. Wir werden verwöhnt und geniessen den Aufenthalt an Bord (kulinarische Köstlichkeiten, Entertainment-Optionen [schaue mir die Filme „Sophia, der Tod und ich“ und „Das Beste kommt noch!“ an] und auch ein wenig schlafen). Kurz vor halb acht abends treffen wir in München ein.

Willkommen in Bayern
Wieder zurück in Europa

Wir sind nun rund 22 Stunden „auf den Beinen“. Und die Reise geht jetzt noch weiter mit Tagesziel Budapest.

Martin hat an seinem Platz die geographische Übersichtskarte mit der Flugroute eingeblendet. Auf der Karte erscheinen während des Flugs Ländernamen wie Afghanistan, Aserbaidschan, Kasachstan, Tadschikistan, Syrien, Israel und weitere. Ebenfalls vermerkt ist die Distanz zu konkreten Städten. Da tauchen Namen wie wie Aleppo, Kabul, Baku, Beirut und weitere auf. Nicht zu sprechen von Russland und der Ukraine. Wir sitzen in der Lufthansa Maschine Businessclass nach einer tollen Reise und kehren in die Schweiz zurück und unter uns sind Menschen, die willkürlich Gewalt und somit Macht ausüben und damit einhergehend Menschen, die leiden, sich um ihr Leben und diejenigen ihrer Familien Sorgen machen müssen. Das ist unsere Welt.

Mir kommt unweigerlich ein Text aus dem Buch (4000 Wochen von Oliver Burkeman), das ich in den Ferien am Lesen bin, in den Sinn. Burkeman zitiert Simon de Beauvoir wie folgt:

„Wie ein Kind, das sich seiner eigenen Identität bewusst wird, bin ich erstaunt, dass ich mich hier und in diesem Augenblick befinde, mitten in diesem Leben und nicht in einem anderen. Welcher Zufall hat dies bewirkt?“

Einmal mehr verspüren wir eine grosse Dankbarkeit für unser Leben, dass wir gesund sind, für das was wir in unseren Ferien und generell auf unseren Reisen erleben dürfen und unser Zusammensein.

Der Aufenthalt in München ist kurz. Wir fühlen uns noch recht fit, verlieren dieses Gefühl dann aber während des Flugs nach Budapest. Drum sind wir beide froh, als wir im Hotel Ibis Styles (Zimmer 434) ankommen und uns aufs Ohr hauen können.

Dienstag, 23. April 2024: From Japan to Korea – from Tokyo to Seoul

Heute legen wir die erste Etappe unserer Rückreise zurück. Wir machen uns reisebereit. Mittlerweile hat sich ein neuer Koffer zu unserem bestehenden Reisegepäck gesellt. Ein letztes Frühstück im Hilton und dann fährt auch schon der Shuttle-Bus für den Transfer zum Flughafen Narita vor dem Hotel vor. Dieser Transfer ist jeden Yen wert, denn er verläuft ruhig, zügig und führt uns direkt zum Terminal 1. Da Martin uns bereits eingecheckt hat, gilt es nur noch das Gepäck ab- und die Boarding Passes entgegenzunehmen. Sicherheits-Check und Passkontrolle verlaufen schnell und einwandfrei. Und schon sitzen wir in der Lounge und trinken etwas, bevor wir um 13.20 Uhr das Flugzeug der Korean Air besteigen, das uns in rund 2 1/2 Stunden Flug nach Seoul bringt.

Bereit fürs den Einstieg nach Seoul

Super grosszügiger Business-Passagierraum und vorzügliches Essen (Beef an einer Rotweinsauce mit Kartoffeln und Kefen, dazu einen Salat und Früchte zum Dessert) und auch der Service ist „bäumig“. Echt cool, wir schlemmen und geniessen. Gegen 16.30 Uhr landen wir in Seoul.

Viel Beinfreiheit im A330 der Korean Airlines
Viel Beinfreiheit im A330 der Korean Airlines
Es darf geschlemmt werden
Es darf geschlemmt werden…

Das Einreise-Prozedere (Esta-Prüfung, Fingerabdrücke und Fotoaufnahme) zieht sich auch diesmal etwas hin. Aber was soll‘s, wir haben Ferien. Beim Ausgang 6 warten wir anschliessend kurz auf den Hotel-Suttle-Bus, der uns nach einer rund halbstündigen Fahrt zum Hotel „Flughafen-Hotel“ Nest-Incheon führt. Die Fahrt zieht sich  aufgrund eines event-bedingten hohen BMW-Verkehrsaufkommens (BMW führt ein Bootcamp im Hotel Nest durch) auf den letzten 500 Metern arg hin. 

All journeys have secret destinations of which the traveller is unaware
All journeys have secret destinations of which the traveller is unaware

Wir checken ein, organisieren den morgigen Taxi-Transfer – wir verlassen Korea Incheon morgen bereits um 08.20 h – und gehen dann in einer etwas pseud-style-haften Lounge eine Kleinigkeit essen. Dann noch etwas Tagebuch schreiben und gute Nacht. 

Montag, 22. April 2024: Letzter Tokyo- bzw. Japan-Ferientag

Wer hat an der Uhr gedreht? Die Zeit unserer Korea- und Japan-Ferien nähert sich ihrem Ende. Irgendwie ist die Zeit mega schnell vergangen. Gleichzeitig haben wir aber auch ganz viele tolle Dinge gesehen und erlebt und lässt das Gefühl aufkommen. Der Aufnahmespeicher sei recht voll. Drum nicht lang schnacken und diesen Tag abwechslungsreich gestalten und erleben. Wir fahren heute zu Ganso Shokuhin Sample-ya, einem Geschäft, das sich auf die Herstellung von Replica Food spezialisiert hat. In den meisten japanischen Restaurants sind die angebotenen Speisen in einem Schaukasten ausgestellt. Dies nicht in echt, sondern eben in Form von nicht essbaren Attrappen. Ganso stellt ganze Gerichte wie z.B. Frühlingsrollen mit frittierten Shrimps, Spahetti Pizza, Ramen-Suppen inkl. Onsen-Ei u.v.m. her. Die Esswaren sehen wirklich wie echt aus und so macht es Sinn, dass in dem kleinen Geschäftslokal immer wieder darauf hingewiesen wird, dass die Teile nicht essbar sind. Wir verweilen einen Moment und kaufen uns drei kleinere „Köstlichkeiten“ bevor wir ins getrennte Martin- und Bettina-Pogramm aufbrechen.

Ausstellungsessen
Ausstellungsessen
Ausstellungsessen
Ausstellungsessen

Der Ganso-Laden befindet sich im nördlichen Teil von Tokyo und ist das Viertel mit Geschäften, die Haushaltartikel, Backutensilien, Messer und Töpfe verkaufen. Ein Laden reiht sich an den nächsten. Es herrscht reger Betrieb. Aus einer der Strassen bietet sich uns ein überraschender, toller Blick auf den Tokyo-Turm. 

Blick auf den Tokio-Sky
Tokio Sky
Bettinas Programm
Ich spaziere zuerst noch etwas durchs Haushaltgeschäfte-Quartier bevor ich dann mit der U-Bahn ins unterirdische Einkaufszentrum Yaechika fahre. Anschliessend schlendere ich durch Ginzo mit seinen mondänen Geschäften und lege nochmals einen längeren Stopp im Papeteriegeschäft Itoya ein. Ein Paradies für jemanden wie mich, der so viel Freude an Stiften, Karten, Papieren, Büroutensilien, Bändern/Tapes etc. hat. Auch diesmal verlasse ich den Laden nicht mit leeren Händen.
Martins Programm
Ich gehe nordwärts zur Minowabashi Station, wo ich auf die einzige Tramlinie Tokios treffe, das „Tokyo Sakura Tram“ (Toden Arakawa Line). Die Linie führt über 12.2 km und 30 Haltestellen bis Waseda. Ich hatte Glück und erwischte einen Triebwagen aus den 1950er-Jahren (welcher aber modernisiert war). Nachdem ich in Waseda angekommen bin, ging ich mit dem Bus weiter zu Kato. Diese Firma stellt an diesem Ort Modelleisenbahnen her. Das Geschäft ist cool aufgebaut: im Parterre kann man die Eisenbahnen kaufen, im 1. Stock kann man sie auf einer Modelleisenbahn gleich testen.
Die einzige in Tokio verbliebene Tramlinie
Die einzige in Tokio verbliebene Tramlinie
Auswahl bei Kato
Verschiedene Shinkansen-Züge, darunter Dr. Yellow, stehen zum Verkauf

Kurz nach 18 Uhr treffen wir uns wieder beim Bahnhof Tokyo. Wir möchten noch einmal ins Rigoletto Wine & Bar Essen gehen. Nach einer kurzen Wartezeit kriegen wir einen Tisch und schlemmen von Negroni Orange – Oliven – Brot – Cherry-Tomaten-Salat mit ? – Beefgericht – Chickengericht (alles to share) bis zu einem Softeis- bzw. Tiramisu-Dessert. Dazu eine Flasche des wunderbar mundenden japanischen Merlots. Herrlich. Müde aber in „heiterer“ Verfassung kehren wir ein letztes Mal in unser Tokyo-Hotel zurück und schlafen schnell ein.

Hochhäuser mit Vollmond
Gute Nacht, Tokio

Sonntag, 21. April 2024: Unterwegs in Shibuya

Die Tage hier in Tokio gleichen sich: Die Sonne weckt einem, man fläzt im Bett bis es Zeit für Frühstück ist, und macht sich dann auf die Gasse. Heute hatten wir Karten für den Shibuya Sky. Seit November 2019 lässt sich vom Sky Deck des 230 Meter hohen Shibuya Scramble Squares die bekannte Shibuya-Kreuzung, aber auch auf sehr eindrucksvolle Weise die Millionenmetropole Tokyo von oben bestaunen. Vom 45. und 46. Stockwerk des neuen Wolkenkratzers können Besucher nicht nur ein unendliches Häusermeer bestaunen, sondern erleben auch den Tokyo Skytree, Roppongi, den Tokyo Tower und Shinjuku mal aus einer ganz anderen Perspektive. Bei klarem Wetter hat man mitunter sogar sicht bis zum Fuji. Aber das war heute nicht der Fall… 🙁

Wir fahren also Richtung Shibuya und sind leicht zu früh beim Shibuya Sky und müssen noch einen Moment warten. Wir können vom Parterre (1F = first floor) schon mal in die 14. Etage hoch. Auf diesen Etagen hat es Einkaufsläden – das ganze Haus ist quasi 1/3 ein Shoppingcenter… Als 13:20 herangerückt ist, konnten wir die Zugangsschranke passieren und mit dem Lift in die 45. Etage fahren. Von hier aus hatte man die Möglichkeit, die Shibuya-Kreuzung zu sehen, oder aber mit Rolltreppe/Treppe noch zur 46. Etage zu gehen. Auf dieser Höhe können sich die Besuchenden austoben: Bilder von der Umgebung machen, sich selber fotografieren (in allen Posen…), sich hinlegen und chillen oder auch auf einem Clubsessel Platz nehmen und die Gegend geniessen.

Auch wenn das Wetter nicht super ist, ist die Aussicht toll und es macht Spass, auf diesem Gebäude zu verweilen.

Nach einiger Zeit fahren wir wieder runter auf die 14. Etage, wo wir in einem schönen Geschäft Chopsticks kaufen und uns diese sogar personalisieren lassen – mit unseren Namen in Englischer Sprache und auch auf Japanisch. Ich musste dem Verkäufer unsere Namen aufsagen und er machte aufgrund der Aussprache japanische Schriftzeichen auf sein Papier. In einer Stunde werden wir die Stäbchen dann abholen und haben uns so ein tolles Souvenir unserer Reise erstanden!

Nun ging’s aber zur Katze.

Katze?

Ja, die ist in Shinjuku, einem Stadtteil nördlich von Shibuya, zu Hause. Es ist aber keine lebendige Katze, aber fast: Es ist eine Katze, die auf einem grossen Bildschirm beobachtet werden kann. Aber sie ist nicht einfach nur so auf dem Screen, nein, ist ist so cool animiert, dass ein 3D-Effekt erscheint und man meint, die gigantische Katze ist echt.

Aber warum eine Katze?

Wir kennen die Geschichte des treuen Hundes Hachiko, der auch nach dem Tod seines Herrchens jahrelang täglich am Bahnhof Shibuya auf dieses wartete. Er ist heute als Statue an mehreren Orten in der Stadt verewigt und der Bahnhof Shibuya hat sogar einen eignen Hachiko-Ausgang.

In Ikebukuro hingegen hat es überall Eulen. Als Figuren, Briefkästen, Graffiti und sogar der Form einer kleinen Polizeistation. Wie so oft im Japanischen geht diese Verbindung zwischen Maskottchen und Stadtteil auf ein Wortspiel zurück. Klingt das zweite Schriftzeichen von „Ikebukuro“ (ike und fukuro 池袋) nämlich ähnlich ich was das japanische Wort für Eule fukurō (梟).

Tja, und Shinjuku? Wollte beim Kampf um das beliebteste Tiermaskottchen mitspielen. Deshalb gewann das Post Production House Omnibus Japan den Pitch für die Bespielung des LED-Screens am „Cross Shinjuku Vision“-Gebäude mit der Idee, dort eine niedliche Katze einziehen zu lassen.

Der Begriff „Glückskatze“, auf Englisch „Calico“, beschreibt Tiere mit mehrfarbigen Flecken. In der Regel sind diese ausschließlich weiblich. Nur eine von 3.000 Glückskatzen ist ein Glückskater. Das ist nur möglich, wenn ein seltener Gendefekt auftritt, bei dem die Katze statt zwei (XY), drei (XXY) Chromosomen hat.

Das Tier in Shinjuku soll so einen raren Kater darstellen. Was ihn zusätzlich besonders macht? Ein schwarzer Fleck auf dem linken Hinterlauf, der die Form des Stadtteil Shinjuku hat.

Um ein bisschen japanische Tradition mit ins  Spiel zu bringen, trägt der Kater ein Halsband, das aussieht, als wäre es nach einer klassischen Methode geknöpft und geknotet worden.

Video: Euronews
Calico, 3D-Katze in Shinjuku
Calico war bei unserem Besuch recht aktiv

Nach dem katzenallergiefreien Besuch der Katze ging’s ein paar Strassen weiter, wo uns Godzilla beobachtet hat. Ob Godzilla auch Bewegungen macht, konnten wir nicht feststellen. Bei uns war er „einfach“ da…

Godzilla begrüsst uns
Godzilla begrüsst uns

Nach diesen beiden Tieren ging’s wieder zum Shibuya Sky, wo wir die personalisierten Chopsticks abgeholt haben. Und weil das Food-Angebot so zahlreich ist, haben wir dort auch noch grad zNacht genommen. Heute gingen wir zum Asiaten essen 🙂

Nun regnet es. Wir fahren zu unserem Hotel und richten uns ein für die Nacht.

Samstag, 20. April 2024: Menschen – überall Menschen

Mount Fuji oder nicht Mount Fuji – das war heute Morgen die Frage. Die dreistündige Reise zum Berg der Berge für die Japaner lohnt sich nur, wenn man den Mount Fuji auch sieht. Das Wetter war nicht schlecht, aber „grand beau“ sieht einfach anders aus. So beschlossen wir, nach dem Frühstück „in der Gegend“ zu bleiben. Wobei die Gegend hier in Tokio doch sehr weit gehen kann…

Wir starteten mit einem rund 15-minütigen Fussmarsch zur U-Bahn-Haltestelle Tokio Teleport. Nach umsteigen in Osaki und Ofuna stiegen wir auf eine Schwebebahn um. Bei dieser Bahn laufen die Fahrzeuge nicht auf Schienen, sondern sind oben mit einer Konstruktion verbunden. Die Shōnan Monorail ist 1970 in Betrieb genommen und befördert noch heute die Fahrgäste von Ofuna nach Shōnan-Enoshima. Die Strecke ist nicht sehr lang, die Fahrt dauert nur 14 Minuten. Aber sie führt sogar durch zwei Tunnel! Wer will, kann die Fahrt hier mitmachen:

Unterwegs mit der Schwebebahn (Film von travelgeek)
Shona Schwebebahn in Ofuna
Schwebebahn beim Startpunkt in Ofuna

Nach der Ankunft in Shonan-Enoshima gingen wir durchs Städtchen in Richtung Meer. Ein Damm bringt die Besucher zu Fuss oder mit dem Auto auf die Insel Enoshima. Wir machten einige Meter auf der Insel. Den Schrein wollten wir nicht besuchen, da wir auf unserer bisherigen Reise schon x Schreine gesehen haben. Und die Menge der Touristen hat auch nicht unbedingt zum verweilen eingeladen. So waren wir quasi schneller weg als wir dort waren…

Menschenmengen unterwegs zum Schrein auf Enoshina
Unterwegs zum Enoshina-Schrein

Auf einer anderen Strecke fuhren wir wieder zurück nach Tokio. Es war nun kurz nach Mittag und die Züge sind voll und voller. Wir hatten für die verschiedenen Strecken nur für die ersten 6 Minuten einen Sitzplatz, dann mussten wir stehen. In Harajuku sind wir ausgestiegen – und wohl halb Tokio war auf den Beinen resp. auf den Trottoirs. Menschen, wohin man sehen konnte…

Samstags-Betrieb auf Tokios Strassen
Menschen überall

Zielstrebig haben wir den Laden „Oriental Bazaar“ angesteuert. Dieses Souvenirgeschäft hat viele hochwertig gefertigte Erinnerungsstücke. Bettina kaufte sich einen Kimono, Socken (speziell mit abgetrenntem grossen Zeh für die Flipflops und ein Küchentuch). Ich genoss während dieser Zeit die Menschenmengen vor dem Geschäft 🙂

Weiter ging’s für uns zu Fuss in Richtung Bahnhof Shibuya. Wir wollten die Statue des Hundes Hachiko sehen. Hachiko, ein japanischer Akita, holte jeden Tag stets zur selben Zeit sein Herrchen, den Universitätsprofessor Ueno Hidesaburo, vom Bahnhof ab. Eines Tages im Mai 1925 jedoch wartete Hachiko vergebens – der Professor kam nicht mehr nach Hause. Dennoch kehrte der Hund weiterhin Tag für Tag zum Bahnhof zurück. Als Anerkennung dieser unerschütterlichen Treue wurde noch zu Hachikos Lebzeiten im April 1934 eine Bronzestatue auf dem Bahnhofsvorplatz errichtet.

Ein Jahr später, am 8. März 1935, starb Hachiko. Dies wurde landesweit in den Zeitungen gemeldet. Seine Überreste befinden sich heute ausgestopft im National Science Museum im Tokioter Bezirk Ueno. Im ganzen Land gilt Hachikos unbedingte Treue und Beharrlichkeit fortan als beispielhaft, viele Lieder und Kinderbücher erzählen von ihm. Der westliche Hauptausgang des Shibuya-Bahnhofs heisst bis heute Hachiko-guchi („Hachiko-Ausgang“).

Auch hier waren wir nicht die einzigen, welche dieses Denkmal sehen wollten…

Statue für Hachiko, den treuen Hund
Der treue Hund Hachiko

Shibuya? War da nicht was? Genau, das ist doch DIE berühmte Kreuzung, wo sich die Menschenmassen jeweils über die Strasse ergiessen:

Video von Aron Åkesson

Auf einer Plattform hatten wir die Möglichkeit, dem Treiben auf der Kreuzung aus der 8. Etage zuzusehen.

Shibuya-Crossing
„Wildwechsel“ in Shibuya

Viele zehntausend Strassenüberquerungen später gingen wir wieder in Richtung unser Hotel. Vorher noch ein Stopp fürs zNacht und noch ein bisschen Shopping. Nun sitzen wir im Hotelzimmer und schauen auf die Skyline von Tokio…

Nächtliche Skyline von Tokio
Gute Nacht…

Freitag, 19. April 2024: Totally Tokyo

Unser erster ganzer Tokyo-Tag. Los geht‘s – und zwar mit S-Bahn und Bus Richtung Tokyo Tower.

Tokio Tower
Tokio Tower

Er wurde als Symbol für Japans Nachkriegsboom und als Sendeturm für die Region errichtet. Wir fahren keine der beiden Aussichtsplattformen an, sondern geniessen die Bauweise des Quartiers mit vielen sehr beeindruckenden Gebäuden.

Architektur in Tokio
Architektur in Tokio

Zu Fuss geht‘s weiter Richtung Hauptbahnhof Tokyo. Teils durch Parkanlagen (Hibiya-Park), in denen bei dem schön warmen Wetter viele Angestellte ihre Mittagspause verbringen, teils entlang stark befahrener Strassen laufen wir uns buchstäblich die Beine in den Bauch.

Zwischen den Hochhäusern hat es immer wieder schöne Parks

Die Distanzen sind echt krass. Das stellen wir hier zum ersten Mal fest. Die Stadt „zu erlaufen“, ist in Tokyo keine Option. Irgend einmal erreichen wir den in Marunouchi gelegenen Bahnhof dann aber doch. Der von Kingo Tatsuno entworfene und 1914 vollendete Hauptbahnhof Tokyo soll dem Bahnhof von Amsterdam nachempfunden sein. Die Kombination des Backsteingebäudes mit den Wolkenkratzern, die es nahezu komplett umgeben, ist eindrücklich.

Bahnhof Tokio
Bahnhof Tokio bei Tag…
Bahnhof Tokio bei Nacht
…und bei Nacht

Wir ziehen weiter und kommen nach etwas zehn Minuten Fussmarsch zu einem Geschäftshaus, von dessen öffentlicher Terrasse wir einen sehr guten Blick auf ganze Shinkansen-Kompositionen, die in den Hauptbahnhof einfahren bzw. diesen verlassen, haben. Echt cool, dem Treiben zuzuschauen.

Trainspotting in Tokyo
Trainspotting

Nach einer kleinen, dringend benötigten Stärkung machen wir uns auf den Weg zum Mori Building Digital Art Museum, für das wir gegen 15 Uhr Tickets haben. Im EPSON teamLab Borderless wird auf 10‘000 Quadratmetern mithilfe von 520 Computern und 470 Projektoren eine Welt kreiert, die alle fünf Sinne stimulieren soll. Es werden rund 50 digitale Kunstwerke gezeigt, die man selbst finden und ansteuern soll. Nahezu unbeschreiblich faszinierend, was wir zu sehen, fühlen, hören, bestaunen, riechen kriegen.

EPSON teamLab Borderless
EPSON teamLab Borderless
EPSON teamLab Borderless
EPSON teamLab Borderless
EPSON teamLab Borderless
EPSON teamLab Borderless

Nach einem längeren Aufenthalt im Digital Art Museum schlendern wir durch das Roppongi Hills Quartier. Der Geschäfts- und Wohnkomplex wirkt modern, clean und kosmopolitisch. Die Mischung aus Restaurants, Bars, Cafés, Läden, Museen, Kunstinstallationen und Unterhaltungsmöglichkeiten, die alle in einer hochmodernen architektonischen Vision miteinander verbunden sind, macht es leicht, hier zu verweilen.

Wir sind nudelfertig, hungrig und daher etwas „ulidig“. Und nein – heute Abend keine Lust auf japanisches Essen. Daher freuen wir uns im gut gefüllten Restaurant Rigoletto Wine & Bar einen Tisch zu kriegen und von Apéro (Negroni Orange) bis zum Dessert eine feines europäisches Essen zu geniessen. Danach geht‘s für uns asap nach Hause (Pole-Position im Zügli mit perfekter Aussicht).

Negroni Orange
Der Negroni Orange war lecker 🙂

Donnerstag, 18. April 2024: Bye bye Osaka, hello Tokyo

Transfer-Reisetage auf unserer Japan-Reise verlaufen immer weitgehend entspannt. Wir stehen auf, gehen gemütlich frühstücken und dann haben wir noch genügend Zeit, um zu packen und uns an den jeweiligen Shinkansen-Bahnhof zu begeben, wo wir jeweils um 12 Uhr einen Zug haben. Heute 12.06 Uhr einen Nozomi N700 nach Tokyo.

Für die rund zweistündige Reise kaufen wir uns am Bahnhof Osaka eine Bento-Box zum Lunch. Nicht dass wir gross hungrig wären. Aber eine Bento-Box gehört einfach auf eine längere Shinkansen-Zugreise. Das Essen ist in Japan übrigens nur in Shinkansen Fernzügen erlaubt.

Bento-Box zum zMittag
Auswahl in der Bento-Box

Während der morgendlichen Reiseplanung stellt Martin fest, dass es sich für uns besser ausgibt, wenn wir nicht wie geplant bis nach Tokyo „Hauptbahnhof“, fahren, sondern den Zug bereits weiter südlich in Shinagawa (Bezirk der Präfektur Tokyo, seit 1991 eine Städtpartnerschaft mit Genf), d.h. einen Stopp früher verlassen. In Shinagawa als bedeutendem Umsteige-Knoten soll es eine Bus-Verbindung geben, die uns direkt zu unserem Hotel, dem Hilton Tokyo Odaiba bringt. Martin macht die Haltestelle rasch ausfindig und so sitzen wir schon mit unserem Bagage im Bus und lassen uns durch die Wolkenkratzer-gesäumten Strassen fahren. Wahnsinn. Vor allem die Rainbow Bridge mit ihrer vorgelagerten Kreis-förmig angelegten Zufahrt. Und tatsächlich setzt uns der öV-Bus direkt vor dem Hotel ab. Grosses DANKESCHÖN an meinen lieben Reiseplaner Martin. 

Grosses WOW, als wir unser Zimmer (1417) mit (Grand) Front City View beziehen. Die Aussicht auf die Rainbow Bridge und die dahinterliegenden Stadtteilen inkl. Tokyo Tower ist schlicht überwältigend. Wir geniessen Aussicht und sind dankbar über dieses tolle Erlebnis.

Room with a view
Room with a view by day…
Room with a view - by night
…and by night.

Nach einem kleinen Imbis starten wir unsere Erkundungstour durch den Odaiba-Meerespark und kommen dabei auch in den „Genuss“ von Wasser „von oben“. 

Odaiba war ursprünglich eine Gruppe von Festungsinseln, die in der Edo-Zeit (1603-1867) zur Bewachung der Bucht von Tokyo dienten. Die künstlichen Inseln wurden später zu einer einzigen zusammenhängenden Insel zusammengefasst, auf der sich heutzutage einige der phantasievollsten Bauwerke von Tokyo befinden, darunter das Gebäude des Fernsehsenders Fuji TV. 

Gebäude von Fuji TV
Gebäude von Fuji TV

Im Park befindet sich auch eine 12,5 Meter hohe Nachbildung der Freiheitsstatue, die im April 1998 zum Gedenken an das „Französische Jahr in Japan“ als Geschenk Frankreichs enthüllt wurde. Die rund 46 Meter hohe Original-State of Liberty (La Liberté éclairant le monde), die 1886 eingeweiht wurde, war ja auch schon ein Geschenk Frankreichs an die Vereinigten Staaten. Von daher: Wenn man nicht weiss, was schenken: Eine Liberté als Geschenk geht immer. 

Freiheitsstatue in Tokio
Geschenke erhalten die Freundschaft

Fürs Abendessen in einer Shopping Mall „im Quartier“ treffen wir uns spontan mit Barbara Krähenbühl und einem Teil ihrer Japan-Reisegruppe auf eine Pizza. Es ist spannend festzustellen, dass nach rund zwei Wochen Japan-Ferien sich bei vielen eine ausgeprägte Lust nach europäischem Essen manifestiert. Lustiger Abend.

Es regnet mittlerweile stark und so sind wir froh, dass wir uns nach einem kurzen Heimweg in unser schönes Refugium mit nächtlicher Rainbow Bridge Sicht zurückziehen können.

Mittwoch, 17. April 2024: Kyoto

Kurz nach 9 Uhr reisen wir nach Kyoto. Erstes Highlight nach der Ankunft: Das Bahnhofsgebäude von Kyoto. Das moderne, 1997 fertig gestellte Gebäude mit hohen Hallen, Glasoberflächen und tribünenartigen Treppen bildet den futuristischen Eingang zur alten Kaiserstadt.

Bahnhof Kyoto
Bahnhof Kyoto

Mit dem Bus Nr. 206 fahren wir zusammen mit gefühlt 400 Touristen und 4 Einheimischen zum Gion-Viertel. Berüchtigt und gleichzeitig faszinierend: Playboy-Paradies-Theater, Geisha-Viertel, Ochaya (Teehäuser), Shopping-Meile. Wir kommen an einem Herren-Friseur-Geschäft vorbei und Martin entschliesst sich spontan, sich da verschönern zu lassen. Mit viel Professionalität kümmern sich der Senior-Chef und sein Lehrling um die Kopf-Haarpracht von Martin. Jetzt macht er wirklich wieder was her, der Martin. Er schreibt im Übersetzungstext an den Coiffeur selbst, dass er jetzt wieder ein gepflegter Mann sei.

Unterwegs in Kyoto
In den Gassen Kyotos

In einem kleinen Café geniessen wir eine Erfrischung in Form eines kalten Tees und eines Stücks Cheesecake. Lecker, lecker. Dann kaufe ich mir im Ball & Chain Taschenladen noch Erinnerungstaschen bevor wir uns zum Bambuswald Arashiyama begeben. Der Bambuswald in seinem frischen hellen grün ist wohltuend für die Augen.

Bambuswald von Kyoto
Bambuswald von Kyoto

Das Wipfellaub raschelt angenehm entspannend und lässt einen vergessen, dass man auch hier nicht alleine unterwegs ist.

Im Bambuswald von Kyoto ist man nicht alleine unterwegs
Wir sind nicht alleine unterwegs…

Sobald man sich jedoch etwas weiter den Hang „hinauf arbeitet“, ist man dann doch fast für sich alleine unterwegs und kann die schöne Aussicht auf den Fluss und die gegenüberliegenden Berghänge mit Kiefern-, Laub- und Kirschbäumen geniessen.

Blick auf den Katsura River
Blick auf den Katsura River

Es ist bereits 15 Uhr – die Zeit vergeht im Flug. Um sich Kaiserpalast, Silber- und Goldpavillon und weitere Sehenswürdigkeiten anzusehen oder einfach noch etwas ausgedehnter durch die Viertel zu schlendern, reicht die Zeit nicht. Es bräuchte dazu zwei, wenn gar drei, vier volle Aufenthaltstage. Ist so, ist aber kein Problem für uns. Wir peilen noch eine Sehenswürdigkeit an, die wir uns unbedingt ansehen wollen: den Fushimi-Inari-Taisha-Schrein. Der weitläufige Schreinkomplex mit seinen Tausenden von leuchtenden Toren, der sich im südlichen Kyoto-Stadtteil Fushimi (verstecktes Wasser) der die Hügel hinauf erstreckt, ist eine der eindrucksvollsten Sehenswürdigkeiten Japans. Der Schrein soll schon vor der Gründung Kyotos existiert haben. Die Anlage ist Inari, dem Shinto-Gott des Reises und des Sakes geweiht. Die Region um Kyoto ist Japans zweitgrösster Sake-Produzent. 

Torii beim Fushimi-Inari-Taisha-Schrein
Torii beim Fushimi-Inari-Taisha-Schrein
Torii beim Fushimi-Inari-Taisha-Schrein

Tausende von zinnoberroten torii säumen den rund vier Kilometer langen Weg vom Hauptschrein zum inneren Schrein. Die torii wurden von Einzelpersonen und Unternehmen gestiftet. Grössere Tore können bis zu einer Million Yen kosten. Das imposanteste von allen ist das grosse Romon-Tor, das vor dem Hauptschrein steht. Es wurde 1589 von Hideyoshi Toyotomi gestiftet, dem Kriegsherrn, der für die Einigung des Landes verantwortlich war. Die „Funktion“ eines torii ist es übrigens, die Grenze zwischen Alltäglichem und sakralem zu markieren. 

Wir machen uns gegen 17 Uhr auf den Weg zum Inneren Schrein auf der Hügelspitze. Dies im Wissen, dass wir zügig gehen müssen, da die Sonne gegen 18.30 Uhr untergeht und es dann  rasch eindunkelt. Der Stufen-Weg „berg- und talwärts“ ist gut ausgebaut und daher angenehm begehbar. Dies insbesondere auch, weil es um dieses Tageszeit nicht mehr so viele Besucher hat. Alle Verkaufsgeschäfte auf dem Weg (auch diejenigen, die grillierte Spatzen am Spiess verkaufen sollen) haben bereits geschlossen. Andächtig aber gleichzeitig auch berührt, ob des sich in der eindrücklichen Umgebung Bewegens getreu dem Motto „Der Weg ist das Ziel“, kehren wir gegen 19 Uhr zum Haupttempel zurück.

Fushimi-Inari-Taisha-Schrein
Fushimi-Inari-Taisha-Schrein

Müde aber gleichzeitig sehr, sehr glücklich fahren wir mit dem Zug nach Osaka zurück. Bei Da Bocciano gibt‘s einen Salat und eine Pizza (Campione 2012 und Wagyu Beef) und dann ab nach Hause und Beine hoch lagern und entspannen.

Dienstag, 16. April 2024: Hello Kitty – have a nice trip

Für die Anreise zu unserem heutigen Ausflugsziel Himeji haben wir „den putzigsten Hochgeschwindigkeitszug“ ausgewählt: Den „Hello Kitty“ Shinkansen (50. Geburtstag von Kitty). Ein Must-See-Zug. Martin teilt meine Haltung. Schliesslich war Kitty meine erste Katzen-Comic-Lieblingsfigur.

Um ehrlich zu sein, fahren wir um 11.37 Uhr „nur“ nach Himeji, um im Kitty-Shinkansen zu fahren. Die ersten beiden Wagen sind komplett im Hello Kitty Design gestaltet mit Motiven der berühmten Sanrio-Charaktere. Der erste Waggon namens Hello! Plaza, hat keine Passagiersitze, sondern ein „Kino“ und einen Souvenirshop mit Capsules-Maschinen. Im zweiten Wagon von A – Z im Kitty-Design gibt es eine grosse Hello Kitty-Figur in Shinkansen-Uniform. Auf der rund halbstündigen Fahrt von Osaka bis Himeji ist‘s ein riesiges Gewusel unter den fotografierenden Reisenden und auch nach der Ankunft in Himeji ist der Zug bis zu seiner Weiterfahrt Richtung Fukuoka das Foto-Objekt Nummer 1.

Hello Kitty in Shin-Osaka
Hello Kitty in Shin-Osaka
Hello Kitty in Shin-Osaka
Unterwegs mit dem "Hello Kitty"-Shinkansen
Unterwegs mit dem "Hello Kitty"-Shinkansen

Wir bleiben noch ein Weilchen auf dem Perron in Himeji, da man dort optimal Shinkansen Trainspotting betreiben kann. Einige der Züge halten in Himeji nicht und brausen mit bis zu 300 km/h über das Mittel-Geleise zwischen zwei Bahnsteigen. Überwältigend. Fährt recht ein.

Zugsdurchfahrt in Himeji

Nach rund einer Stunde ziehen wir weiter, kommen aber nur bis zum Bahnhofs-Vorplatz, wo wir Larissa und Loris treffen (Arbeitskollegin von Martin und ihr Partner). Wir tauschen uns zu verschiedenen Japan-Reiseerlebnissen aus und kreuzen den Weg mit einem weiteren Schweizer, der in Himeji lebt.

So, aber nun fertig geschwatzt. Jetzt wollen wir zur Burg von Himeji. Die Japaner nennen diese „Burg des weissen Reihers“, weil sie mit ihren weissen Mauern, die sich zu beiden Seiten des Hauptturms erstrecken, aussieht wie ein Vogel, der sich in die Lüfte schwingt. Für viele ist der Bau mit seinem anmutigen Zierwerk die schönste Samurai-Burg überhaupt. Das Innere, ursprünglich ein Waffenlager, ist eher karg. Heute beherbergt es Gegenstände, die das Burgleben illustrieren. Die obersten Räume bieten einen Panoramablick über Himeji. Wir sind uns aber einig: das Äussere der Burg ist eindeutig ansprechender als das Innere.

Schloss Himeji

Mit einem Regionalzug kehren wir zurück nach Osaka, wo wir heue Abend Shabu Shabu essen gehen. Leckeres Essen mit Sake-Begleitung, gute Einführung in die Essens-Zeremonie und einiges zu lachen. Dies aufgrund der Tatsache, dass wir bei unseren Gemeinschaftsgerichten wie z.B. Fondue nicht so eine Sache um persönliches und gemeinschaftliches Besteck machen. Konkret: Um das Fleisch in der Gemüse-Brühe zu wenden, verwendet man grössere Stäbchen als die Essstäbchen. Die grösseren „Gemeinschaftsstäbchen“ verwendet man aus praktischen,  aber auch aus hygienischen Gründen. Da die Essstäbchen zum Mund wandern, sollen diese nicht in die Brühe gelangen. Für die erste Fleisch-Runde erhalten wir eine „Einführung“ bei der zweiten sind wir auf uns gestellt, werden aber von der Chefin beobachtet, die unter den Banderolen unserer Esskoje steht. Martin setzt zu einer neuen Fleischrunde an und dies natürlich unter Einsatz seiner Essstäbchen. Die Chefin – und die Japaner sind ja wirklich in nahezu jeder Situation beherrscht – kann sich ein herzhaftes Lachen und den Griff an die Stirne – analog des Films „Naked Gun“ von Steve Martin – nicht verkneifen, als sie Martin sieht, der sich rasch seines „Fehlverhaltens“ bewusst wird. 

Als wir schon zu Hause waren brach ein kurzes, aber heftiges Gewitter über Osaka herein.

Gewitter über Osaka