Samstag, 29. August 2026: Noch ein bisschen Hygge.

Unsere dänischen Ferien gehen zu Ende. Nach vielen Kilometern zu Fuss, reichlich Nord- und Ostseeluft, Dünen, Heide, Wald und Kopenhagen geht’s heute nach Hause. In die Schweiz.

Der Morgen beginnt unspektakulär. Aufstehen, tagfertig machen und Taschen packen. Danach widmen wir uns nochmals ausgiebig dem Frühstück im Radisson Collection Royal Hotel. Das Frühstücksbuffet ist wirklich ein Traum. Die Auswahl ist riesig, alles schön präsentiert und ausgesprochen lecker. Genau die richtige Umgebung also, um den letzten Ferienmorgen nicht unnötig hektisch werden zu lassen. Wir frühstücken gemütlich und beschliessen danach, die verbleibenden Stunden in Kopenhagen getrennt zu verbringen. Martin hat, wenig überraschend, noch ein verkehrstechnisches Projekt auf seiner Liste.

Er macht sich auf den Weg zur Hovedstadens Letbane, der neuen Stadtbahn im Grossraum Kopenhagen. Und neu ist wirklich wörtlich zu verstehen: Erst vor genau einer Woche, am 22. August, wurde der letzte Teil der gesamten Strecke eröffnet. Sie führt auf 28 Kilometern entlang des Ring 3 von Ishøj im Süden bis Lundtofte nördlich von Lyngby und bedient insgesamt 29 Haltestellen. An sechs Stationen besteht Anschluss an die S-Bahn. Dass Martin sich zumindest einen Teil dieser funkelnagelneuen Strecke noch anschauen beziehungsweise abfahren muss, bevor wir Dänemark verlassen, versteht sich von selbst.

Haltestelle der neuen Strassenbahn von Kopenhagen

Ich unternehme stattdessen einen letzten Stadtbummel. Ohne eigentliches Ziel lasse ich mich einfach der Nase nach durch Kopenhagen treiben. Bewusst etwas abseits des Strøget, wo es ruhiger und weniger touristisch zugeht. Kleine Strassen, schöne Häuser, Geschäfte, Cafés und dazwischen immer wieder Szenen des ganz normalen Kopenhagener Samstaglebens.

Kurz vor zwölf treffen wir uns wieder im Hotel. Damit ist das individuelle Schlussprogramm beendet, und die eigentliche Heimreise beginnt.

Gemeinsam gehen wir zum Hauptbahnhof. Um 12:18 Uhr bringt uns der Zug direkt zum Flughafen Kopenhagen.

Abreise...

Alles funktioniert angenehm unkompliziert und ohne Hektik. Kurz vor 15:30 Uhr hebt unsere SWISS-Maschine Richtung Zürich ab. Die Rückreise verläuft einwandfrei und zügig. Fast jedenfalls. Denn in Zürich erinnert uns die Gepäckausgabe daran, dass Ferien offenbar nicht enden dürfen, ohne die Geduld nochmals ein wenig zu testen. Irgendwann erscheinen aber auch unsere Taschen auf dem Förderband, und wir können die letzte Etappe nach Hause antreten. Gegen 19 Uhr sind wir wieder daheim.

Und kaum angekommen, trennen sich unsere Wege bereits wieder. Martin macht sich gleich wieder auf den Weg ins Wankdorf zum Klassiker YB gegen den FC Basel. Ich wähle ein deutlich weniger spektakuläres Abendprogramm: Taschen auspacken, Wäsche waschen, Dinge wieder an ihren angestammten Platz räumen und langsam zu Hause ankommen. Auch das gehört irgendwie zu den Ferien.

Unsere erholsamen Hygge-Ferientage sind vorbei. Die Erinnerungen dürfen bleiben.

YB - Basel 3:3 (3:2)

Freitag, 28. August 2026: Was man auf Kehrichtverbrennungsanlagen nicht alles machen kann…

Um 11:00 Uhr sind wir beim Copenhill eingetroffen. Copenhill als Kopenhagener Hügel? Wo alles flach ist? Man kann dort sogar Ski fahren/snöben. Und zwar vom Dach der Kopenhagener Kehrichtverbrennung. Hier gibt es tatsächlich die Möglichkeit, dass man in 85 m Höhe die Aussicht geniessen kann und dann mit den Ski runterfahren. Unglaublich – aber wahr! Und es hatte tatsächlich ein Snöber, der unterwegs war. Die Anlage hat sogar einen Skilift, der bei vielen Skifahrenden in Betrieb genommen wird. Wir sind mit dem normalen Personenlift hoch- und wieder runtergefahren.

Kehrichtverbrennungsanlage Kopenhagen mit Copenhill
Skilift auf dem Copenhill

Die Aussicht war mässig, das Wetter hat seit gestern umgeschlagen. Wir erwarten jeden Moment Regen.

Nach dem Besuch des Copenhills gehen wir mit der Fähre Richtung Nyhavn und steigen dort auf den Bus der Linie 26 um. Diese Linie soll auf der Fahrt die meisten Sehenswürdigkeiten abdecken. Zumindest am Anfang ist es so, dann fährt man durch die Banlieu de Copenhague, immer weiter vom Zentrum entfernt. In Flintholm Station steigen wir aus und auf die Metro um, die uns wieder ins Zentrum bringt. Google Maps hat uns eine Bäckerei empfohlen, welche wir nun ansteuern. Offenbar ein hipper Ort, denn es ist ziemlich voll. Trotzdem gelingt es uns, zwei Plätze zu ergattern um einen Macchiato zu schlürfen und eine Zimtschnecke zu geniessen.

Das Wetter wird nun immer schlechter. Nicht zuletzt aus diesem Grund gehen wir ins Dänische Design-Museum ins Trockene, wo wir tatsächlich allerhand über dänisches Design erfahren. Arne Jacobsen, welcher vor 60 Jahren das SAS-Hotel entworfen/designt hat (dort wo wir nächtigen) ist natürlich auch im Museum mit vielen seinen Arbeiten vertreten. So zum Beispiel mit dem Besteck, welches er fürs SAS-Hotel entworfen hat, das aber schon zwei Jahre später durch konventionelles Besteck ersetzt wurde, da das Design-Besteck zu aufwändig im Handling war.

Arne Jacobsens Besteck fürs SAS-Hotel in Kopenhagen
Special Juicer...

Nach dem Ausflug in die Design-Welt spazieren wir bei wieder trockenem Wetter zum Schloss, wo aufgrund des Todes von Norwegens König Harald alle Fahnen auf Halbmast waren.

Die dänischen Fahnen sind aufgrund des Todes des norwegischen Königs Harald auf Halbmast

Der Spaziergang führte uns zum Nyhavn, wo wir bei einem Apéro den Menschen zuschauten, welche sich fürs Weekend fittranken.

Nachtessen dann im Mamma Rosa in der Strøget, und Rückkehr ins Hotel vor dem erneuten grossen Regen.

SAS Hotel Radissson in Kopenhagen

Donnerstag, 27. August 2026: Südwärts.

Die Zugvögel sammeln sich demnächst und fliegen nach Süden. Wir haben das heute gemacht – mit Bus und Zug. Ab Frederikshavn ging’s zuerst mit dem Bus quer durch Nordjütland nach Aalborg, wo wir direkten Anschluss hatten mit dem Intercity nach Kopenhagen. 471 km Fahrt standen uns bevor, die wir aber lesend und im Internet überbrücken konnten. Die Fahrt durch die vielfältige Landschaft war interessant, aber irgendwie waren wir dann doch froh, in Kopenhagen angekommen zu sein. Mit 18 Minuten Verspätung, aber angekommen.

Ankunft in Københaven H

Wir hatten ein Zimmer im Radisson gleich gegenüber des Bahnhof reserviert. Wir erhielten eines in der 13. Etage mit Sicht auf Bahnhof und Tivoli. Und wenn man ein bisschen in die Ferne schaut, kann man sogar das Meer und die Brücke nach Malmö sehen.

Wir deponierten unser Gepäck und machten uns auf in die Innenstadt. Liefen ei Einkaufsstrasse Strøget ab und besuchten hier und da ein Geschäft. Nachtessen gab’s in einem Lokal namens Café G / Limone Pizza. Wir hatten 2x Fisch, der gemundet hat. Ob schon es frisch geworden ist, haben wir auf der Terrasse Platz genommen. Dank der Wärmelampen waren die Temperaturen erträglich.

Ausblick beim Nachtessen

Nach dem Essen ging’s ins Hotel in die 13. Etage und wir bestaunten die Kopenhagener Lichter, bevor wir unser Licht löschten und den Tag in den Träumen nochmals durchlaufen liessen.

Room with a view

Mittwoch, 26. August 2026: Top of Denmark – Wir sind ganz oben angekommen.

Ein prächtiger Tag kündigt sich an, als wir um 8:45 Uhr in Frederikshavn den Zug nach Hulsig nehmen. Die Fahrt dauerte rund 20 Minuten, weitere 15 Minuten später waren wir in der letzten Etappe unserer Nordseeküstenwanderung bereits am Meer angekommen.

Nordseeküstenwanderung?

Aber hier sind wir doch an der Ostsee?

Ja, das ist ein bisschen dem Kompromiss von gestern geschuldet: Die gestrige Etappe ist an einem Ort geendet, der keinen öV hat. Und so haben wir die gestrige Etappe so gelegt, dass wir eben in Hulsig ankommen, damit wir den öV nach Fredrikshavn nehmen können. Heute nun von hier aus an die Nordsee zu wandern, wäre ein bisschen too much gewesen, zudem sehen wir die Nordsee heute noch einmal.

Wir sind also an der Ostsee – und der Strand ist sehr leer. Klar hat es Vögel und Muscheln, aber keine Menschen. So wandern wir nordwärts und hauchen dem Strand sowas von zusätzlichem Leben ein.

Menschenleerer Ostseestrand
Muschel am Ostseestrand

Nach knapp 2 Stunden verlassen wir das Meer und wandern ins Landesinnere. Hier besuchen wir die „Versandete Kirche“: Eine mehrhundertjährige Kirche, welche vom Sand massiv in Mitleidenschaft gezogen wurde, sodass man sie aufgeben musste. Das Kirchenschiff wurde abgebrochen, vom Turm sieht man noch einen Rest. Dass es in dieser Gegend so viele Probleme mit dem Sand bzw. den Wanderdünen gibt, ist durchaus dem Menschen geschuldet: Vor 300 Jahren hat man hier so viele Bäume zum Häuserbau abgeholzt, dass die natürliche Sperre des Sandes nicht mehr vorhanden war. Das Resultat sind Wanderdünen und versandete Kirchen…

Versandete Kirche

Dann erreichen wir das Städtchen Skagen. Der Ort ist immer noch der bedeutendste Ort Dänemarks für die Fischverarbeitung. Aber auch touristisch hat das Zentrum einiges zu bieten: In der Fussgängerzone pulsiert das ganze Leben Skagens!

Wir ziehen weiter, wieder ans Meer und wandern Richtung Norden. Die letzten Kilometer der Wanderung liegen vor uns. Bis ganz nach oben von Dänemark wollen wir und schon bald sind wir dort. Dort wo Nord- und Ostsee aufeinandertreffen. Zuerst sieht man alte Bunker, welche von den Deutschen im 2. Weltkrieg gebaut wurden. Ein bisschen weiter oben ist der Punkt „Top of Denmark“. Hier hat es viele Menschen, welche sich vom Aufeinandertreffen der Meere begeistern lassen.

Wo ist genau "Top of Denmark"?  - Dort wo die Menschen sind...
Top of Denmark

Wir waren doch vor elf Jahren schon hier oben. Aber einen solchen Menschenauflauf hatte es damals nicht gegeben. Heute ist aber auch das Wetter besser als vor elf Jahren.

Wir geniessen die Magie dieses Ortes und verweilen hier ein bisschen. Wir wagen sogar noch einen Sprung in die Nordsee, welche alles andere als karibische Temperaturen aufweist.

Irgendwann haben wir genug Meere gesehen und wandern zurück nach Skagen. Das Städtchen, welches weiter oben als „pulsierend“ beschrieben wurde, ist wie ausgestorben. Wurden die Menschen evakuiert? Haben wir eine Info verpasst? Das Restaurant Luna hat noch geöffnet und wir essen dort zNacht.

Um 19:45 Uhr fährt der Zug in Skagen ab und bringt uns zurück nach Frederikshavn.

Morgen fahren wir nach Kopenhagen und verbringen dort die Zeit bis Samstag.

Wenn wir auf die Wanderung zurückblicken können wir sagen, dass diese Erfahrung 1A war! Es hat Spass gemacht, am Wasser entlang zu wandern, den Wind zu spüren und Sand unter den Füssen zu haben.

Gerne wieder!

Dienstag, 25. August 2026: Königsetappe.

Heute steht die Königsetappe an: 24 Kilometer von Tversted nach Hulsig. Eine Strecke, die dem Titel durchaus gerecht wird. Und dies nicht nur wegen der 24 Kilometer.

Wir starten in Tversted und wandern weiter nordostwärts der Nordseeküste entlang. Tversted liegt eingebettet zwischen Meer, Dünen und den für Nordjütland typischen Heidelandschaft. Schon nach wenigen Kilometern zeigt sich wieder, was uns an dieser Gegend so gefällt und uns so gut tut: viel Meer und erstaunlich wenig Menschen. Auch heute sind wir nahezu alleine unterwegs.

Menschenleerer Strand an der Nordsee

Nach rund fünf Kilometern ist Zeit für eine erste Pause. Beim Skiveren Camping kehren wir im Strandcafeen ein. Einen Kaffee und ein Zimtgebäck gibt‘s als erste Stärkung.

Weiter geht’s dem Strand entlang. Nach ungefähr drei Stunden verlassen wir die unmittelbare Küste und wandern ins Hinterland. Jetzt stehen wir mitten in der ausgedehnten Erika-Heidelandschaft. Dazwischen wachsen zahlreiche Hagebuttensträucher, deren kräftig rote Früchte nicht zu übersehen sind.

Es geht durch den Wald
Hier ist der Wanderweg nicht so breit

Und dann dieser Duft der wenigen noch blühenden Blumen. Traumhaft. Der landschaftliche Höhepunkt folgt mit der Råbjerg Mile. Mitten in der grünen Landschaft liegt plötzlich eine riesige Sandfläche vor uns. Die Råbjerg Mile ist Dänemarks grösste Wanderdüne und eine der grössten Europas. Einige Dünen-Facts: Fast einen Quadratkilometer misst diese Miniwüste, der Sand türmt sich bis auf rund 40 Meter Höhe. Rund vier Millionen Kubikmeter davon sind ständig in Bewegung. Der vorherrschende Wind treibt die Düne jedes Jahr etwa 15 Meter weiter Richtung Nordosten.

Råbjerg Mile
Råbjerg Mile

Oben angekommen wirkt die Umgebung beinahe surreal. Vor uns Sand, Sand und nochmals Sand. Vom Wind geformte Wellen, Kanten und Mulden ziehen sich durch die Fläche. Kaum Vegetation, dafür ein weiter Himmel und am Horizont wieder das dunkle Grün der Wälder und die Nord- und Ostsee.

Råbjerg Mile

Wir lassen die Sandmassen hinter uns und nehmen die letzten Kilometer Richtung Hulsig unter die Füsse. Hulsig liegt bereits auf der schmalen Skagen Odde südlich von Skagen und besitzt praktischerweise einen Bahnhof an der Bahnlinie zwischen Skagen und Frederikshavn. Genau den können wir nach 24 Kilometern ziemlich gut gebrauchen. Vorher wartet allerdings noch ein längerer Waldabschnitt auf uns. Gut begehbar, sandig und eigentlich ganz idyllisch. Eigentlich. Denn am Ende dieses Waldstücks entdecken wir ein Schild. Darauf der Hinweis, dass man das Gebiet derzeit nicht betreten solle. Grund: Wölfe mit Jungtieren. Na prima.

Achtung: Wölfe!
Letzte Kilometer auf der heutigen Etappe

Nach insgesamt 24 Kilometern erreichen wir Hulsig. Von dort geht es mit dem Zug zurück nach Frederikshavn. Fürs Abendessen gehen wir nochmals genau dorthin, wo wir bereits gestern gegessen haben. Einfach, weil’s so lecker ist. Danach zurück ins Hotel. Duschen und ab ins Bett.

Ende der heutigen Etappe