Wir haben wieder wunderbar geschlafen. Die heutige Weckkulisse bildet ein Mix aus Hundegebell (der Nachbarshund bricht jeweils bei der Durchfahrt eines Fahrzeugs mit Martinshorn entlang der Strasse des Lungomare in ein erbärmliches Geheul aus) und Vogel-Gekreische (Möwe mit Jungtier auf dem Dach des Nebengebäudes sowie verschiedene Elsternvögel). Aber was soll’s. Wir sind ausgeschlafen und unternehmenslustig und starten in einen weiteren Ferientag voller Erlebnisse. Heute reisen wir mit dem Zug von Varazze nach Savona. Die Reise ist verhältnismässig kurz, nur zwei Stationen trennen die beiden Ortschaften voneinander.
Der erste Eindruck von Savona ist jetzt nicht ganz so prickelnd. Aber das haben Bahnhofs-Umgebungen oftmals so an sich. Zu Fuss machen wir uns auf den Weg Richtung Meer.
Dort angekommen, schlendern wir bei schönem Wetter der Promenade entlang bis wir zur Fortezza del Priamar kommen. Dabei handelt es sich um einen imposanten Militärkomplex, der das Stadtzentrum beim Hafen dominiert. Den Namen hat die Festung vom direkt am Meer liegenden Hügel, auf dem sie steht und wo auch die ersten Siedlungsfunde aus der Bronzezeit gemacht wurden. Beim Fortezza del Priamar handelt es sich um eine bedeutende Festungsanlage im westlichen Ligurien, die aufgrund der vielen verschiedenen historischen Bau- und Ausbauphasen heute eine sehr komplexe Form aufweist. Da die Anlage, die wirklich Labyrinth-ähnliche Strukturen aufweist, am Abend um 18.00 Uhr abgeschlossen wird, sind wir bereits um 13:00 Uhr sehr auf den Rückweg bedacht. Also zumindest ich. Nach jahrzehntelanger Vernachlässigung wurde das Fort restauriert und dient heute als Ort für
verschiedene kulturelle Aktivitäten.
Vom Fort aus haben wir einen sehr guten Blick auf das muntere Treiben in der Hafenanlage.
Wir steigen den Hügel hinunter (d.h. wir haben einen Ausgang gefunden) und betreten den alten Teil der Stadt. Nach einem kleinen Imbiss besichtigen wir die Kathedrale di Santa Maria Assunta und lassen uns gemütlich durch die Strassen und Gassen der Altstadt treiben.
Danach noch ein kurzer Benetton- und Oviesse-Abstecher und dann machen wir uns langsam auf die Rückreise nach Varazze. Auf dem Weg zurück zum Bahnhof kommen wir noch am Monumento alla Resistenza vorbei. Dieses erinnert uns an das Ende des Zweiten Weltkriegs. Savona wurde offiziell am 25. April 1945 befreit. Der Befreiungskampf wurde massgeblich von den Partisanen der Resistenza getragen, die bereits am 23. April mit Vorbereitungen für die Befreiung begannen. Am 25. April übernahm das regionale Befreiungskommittee die Kontrolle über die Stadt. Besonderheit: Der in Savona geborene spätere italienische Präsident Sandro Pertini rief an diesem Tag im Namen des Befreiungskomitees per Ratio zum Generalstreik gegen die Besatzer auf.
Zurück in Varazze statte ich dem kleinen Merceria-Geschäft in unserer Strasse einen Besuch ab und besorge mir Wolle, um einen Mini-Schal zu stricken. Manchmal stimmt einfach alles. Ich habe sogar die Strickanleitung dabei, so dass ich genau weiss, was und wieviel davon ich brauche.
Danach gehen wir in Varazze ins Apéro und bekommen dabei so einiges mit was in der Stadt läuft. Gemütliches Pizza-Znacht und schon bald buona notte.



