Donnerstag, 19. April 2018: Im Paradies – jetzt aber wirklich!

Diese Nacht konnten wir durchschlafen und erwachen ausgeruht und fit. Auch heute ist Martin meine persönliche Saftpresse und bereitet für uns herrlich frischen Orangensaft zu. Wir frühstücken ausgiebig – der Sonne sei Dank – draussen vor dem Camper. Danach bereiten wir uns für unseren Ausflug in den Naturpark von Zingaro, einer einzigartig unberührten Landschaft, vor. 

Hier wollen wir eine Wanderung machen. Vom Campingplatz aus fahren wir zuerst ins Städtchen von San Vito lo Capo, um dort etwas Proviant zu kaufen. Die erste Bäckerei, die wir ansteuern ist geschlossen. Es ist sehr ruhig hier und viele Lokale und Geschäfte haben noch Winterpause. Gerade als wir wieder in den Camper steigen wollen, spricht uns ein Kellner des Restaurant Delfino an, vor dem wir unseren Wagen abgestellt haben. „Panini könnt ihr auch von uns haben!“ Und schon hält er uns die Speisekarte – aufgeschlagen auf der Seite der Panini und Antipasti – unter die Nase. Wir entscheiden uns für ein Thon-Panini und eine Arancino „Bomba“ mit Spinat und Mozarella. Die Speisen werden frisch für uns zubereitet. So bleibt uns Zeit für einen Schwatz mit den Kellnern, bei dem wir einiges über den Tourismus und seine Auswirkungen auf das lokale Gastgewerbe erfahren. Wir wissen nun auch, dass es im Tyrrhenischen Meer keine Delphine gibt. Martins entsprechende Frage beantwortet der Kellner ohne Worte dafür aber mit imposantem Augenverdrehen und einem Zzzz-Geräusch der Lippen. Kurze Zeit später bringt der zweite Kellner unser Picknick inkl. Getränken. Wir verstauen alles im Auto und Martin erhält mit der Info an die Kellner „Facciamo ancora due passi.“ das OK, dass wir unsere Auto noch kurz vor dem Lokal stehen lassen können. Kurzer Blick auf den schönen Sandstrand inkl. Leuchtturm in weiss. 

Danach setzen wir unsere Reise fort und kommen nach einer spektakulären Fahrt entlang der Küste beim Naturpark an. Ende der 1970er Jahre sollte der Küstenabschnitt, der heute Naturpark ist, parzelliert und an Privatleute und Firmen vergeben werden. Es bildete sich aber schnell eine Bürgerbewegung, die 1980 glücklicherweise durchsetzte, dass man das gesamte Gebiet zum Naturschutzpark erklärte. Bis dahin waren allerdings schon grosse Eingriffe vorgenommen worden, vor allem die landwirtschaftliche Nutzung hatte eine Entwaldung zur Folge. Der Regen der vergangenen Tage hat die Natur in allen Farben erblühen lassen. 

Das Farbpotpourri ist riesig. Subito Auto parkieren, Eintritt lösen für 5 Euro pro Person und ab geht‘s ins Vergnügen. Oder eben ins Paradies. Wir beginnen unsere Wanderung am Torre dell‘Uzzo. Die Wanderung gestaltet sich sehr abwechslungsreich. Es geht an kleinen Badebuchten vorbei, kleine Museen können besucht werden – à la Ballenberg, wo erklärt wird, wie die Bauersleute früher gearbeitet und gelebt haben (Teigwarenherstellung – Busiate a la Trapanese mit Zutaten, welche man immer hatte, d.h. Tomaten, Auberginen, Mandeln, Öl, Knoblauch und Brotbrösmeli. Dabei wurde der Teig um die getrockneten Halme langer Gräser gewickelt.). Die Grotta dell‘Uzzo besichtigen wir und wir erfreuen uns ob der Pflanzenvielfalt (wilde Schwertlilien, Ringelblumen, Orchideen, Margheritten, Katzenaugen, Zwergpalmen, Feigenkakteen, Myrte, Ginster, riesige Rosmarin-Stauden und viele mehr). Und wie das duftet! Unbeschreiblich paradiesisch. Bienen und Hummeln sausen umher – ein konstantes Summen umgibt uns und überall hat es hübsche grün-braune Eidechsen, die flink den Weg mit uns teilen. Troumhaft schön isch es! 

Wir legen einen ersten Picknick-Halt ein und geniessen die Arancino-Bombe, die uns in dieser herrlichen Umgebung gleich doppelt so gut schmeckt wie sie eh schmecken würde. Auf dem Rückweg legen wir an der Cala dell‘Uzzo einen Badehalt ein. „Ah, elle est bonne“, wie der Franzose sagen würde. Wunderbar klares Wasser mit Fischen, die sehr an unseren Beinen interessiert sind. Jedenfalls scheinen sie an uns gerade so interessiert zu sein wie wir an ihnen. Der Schwumm im etwa 18 Grad Celsius warmen Meer erfrischt. Genussvoll-gemütlich kehren wir zum Ausgangspunkt unserer Wanderung zurück. Bei der Rückfahrt nach San Vito lo Capo legen wir einen Fotostopp beim Leuchtturm ein. Das Leuchtturm-Areal ist militärisches Sperrgebiet und der Zaun darf nicht überquert werden. Ausser durch den Sohn des Leuchtturm-Wärters, der sich munter via einer Art Sicherungskasten auf das Geländer der Absperrung und von dort auf die andere Seite runter springt. 

Im Städtchen hat das Lokal, das wir uns für das Abendessen ausgesucht haben, noch geschlossen. So kehren wir zur grossen Freude der beiden Kellner, die wir beim Delfino-Restaurant schon am Morgen getroffen haben, wieder dorthin zurück. Wir bestellen einen Aperol Spritz und wählen zum Essen Busiate a la Trapanese und einen frischen Fisch von der Catch of the day Platte aus. Dass der Fisch wirklich frisch ist, können wir selbst erfahren, in dem der Kellner sich und uns die Platte mit den drei Fischen direkt an die Nase hält. Kein Fisch-Mief, nur frischer Fisch. Der Fisch wird für uns mit Kartoffeln zubereitet an den Tisch gebracht und sachverständig filetiert. Den Teller mit dem ganzen Fisch und einem Teil der Kartoffeln stellt der Kellner vor Martin hin. Ich kriege einen leeren Teller. Martin hat mir ein paar Happen abgegeben … Eine Flasche Nero d’Avola ergänzt das leckere Mal auf ideale Weise. Zum Abschluss noch ein Espresso – für ein Dessert ist kein Platz mehr. Rückfahrt zum Campingplatz und kaum haben wir die Köpfe aufs Kissen gelegt, tragen uns die Bilder dieses wunderschönen Tages in den Schlaf. 

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