Mittwoch, 17, Juli 2019: Lange-Hosen-Tag

Irgendeinmal heute Morgen früh erwache ich ob dem Sonnenaufgang. Wir haben die letzten beiden Nächte die Kofferraum-Fenster-Jalusien nicht zu gezogen und so strömt das orange-goldene Licht direkt in unser „Schlafzimmer“. Zum Aufstehen ist es aber noch zu früh. Darum Augen-Kissen aufgelegt und weitergeschlafen. Als wir uns gegen 9 Uhr an den Outdoor-Frühstückstisch setzen, ist von der Sonne nichts mehr zu sehen. Es ist bewölkt und sehr zügig, was dazu führt, dass wir ebenso zügig frühstücken. Die Dusche im sehr einfach gehaltenen Dusch- und Toiletten-Häuschen wärmt uns etwas auf. Aber so oder so ist der Dresscorde heute: Lange Hosen. Wir verlassen diesen wunderschönen Campingplatz und fahren nochmals zum Waterton Park. Bereits nach wenigen Metern halten wir ein erstes Mal an. Martin entdeckt einen Fischadler, der seine Lunch-Beute am Verzehren ist. E Guete! 

Fischadler

Zeitgleich sichten wir ein erstes Reh. All dies bevor wir im Park angekommen sind. Nach dem Park-Eintritt fahren wir bis ins Waterton Village. Ich mache noch ein paar Aufnahmen der wunderschönen Flora am Wegesrand und auf den Wiesen. In Waterton sehen wir als erstes ein Bergschaf im Vorgarten eines Privathauses. Der Aufenthalt von Bergschafen, Hirschen und Rehen in den örtlichen Vorgärten führt dazu, dass die Hausbesitzer ihre Blumen und Baumpflanzungen grossmehrheitlich hinter Drahtzaun-Konstrukttionen „halten“, so dass die Deers & Co. sich nicht darüber her machen können. Im Wildflower Corner Coffee Shop holen wir uns nochmals einen leckeren Kaffee mit Kuchen. Den Kaffee trinken wir gleich vor Ort, den Kuchen gibt‘s später im Tag. 

Wildflower Coffee

Anschliessend nehmen wir noch einmal die Strasse Richtung US-Border, um nach Möglichkeit noch etwas Wildlife zu erspähen und vor allem die orange-roten wilden Feuerlilien zu fotografieren. Wie am Vorabend fahren wir bis zum Belly River Campground und wenden dort unser Fahrzeug. Wildlife kriegen wir heute keines zu sehen … bis auf eine Entenmutter mit ihrer siebenschnäbligen Kinderschar. Die Entchen sind wirklich noch sehr klein und tapsen in einer Kolonne ihrer Mutter hinter her über die grosse Strasse. Herzallerliebst! Martin hat natürlich sofort das Auto angehalten. Aber noch so war die Aufregung so gross, dass das Muttertier davon geflogen ist und sich die Jungen unter einem Busch versteckt haben. Wir hoffen, dass sich alle rasch wieder gefunden haben und sich im nahen Bach in Sicherheit begeben konnten.

Feuerlilien

Wir setzen unseren Weg fort, halten zwischenzeitlich immer wieder an, um Fötelis zu machen. Auf einem ruhig gelegenen Picknick-Platz essen wir die kleinen Cakes, die wir im Wildflower Coffee Shop gekauft haben.

Rastplatz

Kurze Zeit später brechen wir auf Richtung Crowsnest Park und fahren mit einem kurzen Zwischenstopp in Pincher Creek (Benzin tanken und Aprikosen/gelbe Kirschen aus dem Okanogan-Valley kaufen) bis nach Lundbreck weiter. Hier statten wir den Lundbreck Falls einen kurzen Besuch ab bevor’s weiter nach Frank geht.  

Lundbreck-Falls

In Frank gibt es das Frank Slide Interpretative Centre zu Canada‘s deadliest rockslide! Was war hier geschehen? Am 29. April 1903, morgens um zehn nach vier haben sich 110 Millionen Tonnen Felsen vom Turtle Mountain gelöst und sind auf die Kohleminen-Stadt Frank gestürzt bzw. haben diese teilweise komplett verschüttet. An die 100 Menschen haben bei diesem tragischen Naturereignis ihr Leben verloren. In weniger als 100 Sekunden hat der Bergsturz drei Quadratkilometer des Crowsnest-Tals mit bis zu 45 Metern Gesteinsbrocken und Geröll verschüttet. Eindrücklich! Das Geröllfeld liegt nahezu unverändert im Tal. Einzig ein Band für die Führung der Bahnstrecke bzw. der Strasse wurde frei gemacht. Wir verweilen eine Weile im interessant gestalteten Museum und schauen uns noch einen Film an, der die Ereignisse vom 29.4.1903 aus der Sicht von Menschen, die das Ereignis erlebt haben zusammenfasst.

Frank Slide

Von Frank aus ist es nur noch ein Katzensprung bis nach Blairmore, wo wir heute auf dem Lost Lemon 🍋 Campground von Marianne und Roland übernachten. Beim Betreten des Offices empfängt uns Marianne mit einem vertrauten „Guete Abe mittenang“. Die beiden sind vor 16 Jahren nach Kanada ausgewandert. Nach einem Schwatz und einer Restaurant-Empfehlung der beiden (Martin hat Lust auf Pizza) fahren wir in die Stadt zurück, die dann doch grösser ist als wir zuerst gedacht haben. In der Black Rock Pizzeria gibt es für uns beide eine leckere Pizza. Wir kehren zurück auf den Campground, installieren das Nötigste und gehen ins Bett. Da es hier recht kühl ist und dann auch noch zu regnen beginnt, ist unser tolles grosses Camper-Bett der ideale Zufluchtsort bei solchen Witterungsverhältnissen.

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