Heute Morgen sind wir etwas zügiger unterwegs als gestern. Wir wollen mit dem 10:00 Uhr-Bus nach Alberobello zu den Trullis fahren. Gesagt getan. Als der erste bis auf den letzten Platz besetzte Trulli-Touristen-Bus um sechs Minuten vor 10.00 Uhr losfährt, sind wir mit dabei. Die Fahrt dauert rund eine Stunde, so dass wir gegen 11.00 Uhr in Alberobello eintreffen – die Stadt von der vielerorts als „verwunschene Stadt für Schlümpfe“ gesprochen wird.

Schlumpfhausen?

1996 wurden die Trulli-Gebäude als aussergewöhnliches Zeugnis für Trockenbauten unter Unesco-Schutz gestellt. Aber was ist ein Trullo? Ein Trullo ist ein Karggewölbemauerwerk bei dem auf Mörtel verzichtet wird. Weissgetünchte Wände und dunkle Steindächer mit „Zipfelabschluss“ machen das typische Erscheinungsbild der Trulli aus. Grund für die grosse Anzahl dieser einfachen Bauten war dabei zum einen der Überfluss an Steinen aus der Landwirtschaft und zum anderen die besondere Trockenmauer-Bauweise. Denn ohne Mörtel konnten die Bauwerke wieder abgebaut werden. Als nämlich Graf Giangirolamo II. Acquaviva d‘Aragona im 17. Jahrhundert den Bau der Trulli-Häuser im grossen Stil beauftragte, wollte dieser unbedingt Steuern sparen. So forderte er die Bevölkerung auf, ohne Zement und Mörtel und nur mit Steinen zu bauen. Das hatte den Vorteil, dass man im Falle einer königlichen Steuer-Inspektion die Häuser ganz einfach wieder abbauen und später wieder aufbauen und dadurch Steuern sparen konnte. Gewitzter Typ, der Giangirolamo. 

Es macht Spass, die Zipfelhäuser-Kolonie zu entdecken und durchwandern. Diese Entdeckungs-Tour können wir fast für uns alleine machen. Denn die Leute sind über die ganze Siedlung verteilt, was im Vergleich zur überlaufenen Sommer-Hochsaison verschiedentlich zu menschenleeren Gassen führt.

Trulli in Alberobello
Trulli in Alberobello
Trulli in Alberobello
Die wichtigste Katze in Alberobello
Trulli in Alberobello

Nach rund zwei Stunden Besichtigung ziehen wir weiter und fahren mit dem Bus nach Turi, wo wir auf einen anderen Bus umsteigen, der uns nach Monopoli bringt. Die 45 Kilometer südlich von Bari gelegene Küstenstadt ist ein echter Hinucker: Direkt am Meer gelegen, im kleinen Hafen liegen blau getünchte Fischerboote und direkt an den Pier angrenzend eine Trutzburg, die Karl V. Im 16. Jahrhundert gegen die „Türkengefahr“ errichten liess. Aber Monopoli hat nichts mit dem Gesellschaftsspiel zu tun. Auch wird hier kein Spielgeld akzeptiert. 

Im alten Hafen von Monopoli

Der Himmel hat sich zugezogen, es ist nicht mehr so schön und warm wie am Vortag. Wir schlendern noch etwas durch die engen Gässchen und entscheiden uns danach, ins Apéro zu steigen. Apérol und Negroni können in der richtigen Dosierung auch aufwärmen und die gluschtig feinen Apéro-Snacks bereiten den Reisenden auch Freude. Danach geht‘s mit dem Zug zurück nach Bari, wo wir noch etwas für den morgigen Reisetag rekognoszieren. Denn es klappt so gut mit dem öV hier, dass wir möglicherweise in diesen Ferien gar kein Auto mehr mieten werden. Danach essen wir im Restaurant Alterno am Corso Vittorio Emanuele zu Abend: Fisch für Martin, Orecchiette für mich. Ein kurzer Verdauungsspaziergang durch die nächtliche Stadt (u.a. besorgen wir noch Martins Weihnachtsgeschenk … ???) und dann geht‘s zurück ins Hotel. Gerade rechtzeitig bevor der grosse Regen einsetzt.