Freitag, 6. Juni 2025: Auf Umwegen nach Turin

Mit Woody starte ich heute wieder zur Auffahrtsreise. Auffahrsreise? Haben wir nicht das Pfingstwochenende? Doch, aber ich war in der Auffahrtswoche verhindert, Woody ist teilpensioniert, und 2 Wochen später haben weitere Bähnchen etc geöffnet, welche an Auffahrt noch nicht aktiv sind. Mit dieser notwendigen Flexibilität starten wir also zwei Wochen später als gewohnt.

Im Gegensatz zu anderen Reisen gehen wir es heute gemütlich an. Start ist um 12:34 und wir fahren nach Genf. Im Speisewagen gönnen wir uns ein Mittagessen und die Zeit nach Genf vergeht wie im Zug/Flug.

Umsteigen in Genève

Hier steigen wir um auf einen Zug der Französischen Bahn SNCF um – und es ist wie ein Kulturschock. Ein dreiteiliger Zug soll diese Meute auf dem Perron aufnehmen? Hmmm… Ellenbogen ausfahren und wir haben zwei Plätze im Oberdeck. Der Zug fährt nach Valence, wir steigen jedoch in Chambéry – Challes-les-Eaux aus. Wir stellen fest, dass Bahnhöfe in Frankreich, die früher einen kurzen Namen haben, nun noch einen Zusatz geniessen… Beispiele gefällig? Nach Genève halten wir in Bellegarde-sur-Valserine, Aix-les-Bains-le-Revard bis eben Chambéry – Challes-les-Eaux. Hier haben wir etwas mehr als eine Stunde Zeit zum umsteigen, bevor es von hier aus im TGV über die Mont Cenis-Strecke nach Torino Porta Susa. Der TGV hält in Saint-Jean-de-Maurienne Arvan, Modane, und Oulx-Cesana-Claviere-Sestriere.

Gare de Chambéry - Challes-les-Eaux

Schon 1840 gab es die Idee einen Tunnel am Mont Cenis zu bauen und die beiden Täler Maurienne und Susatal zu verbinden. König Karl Albert von Sardinien-Piemont herrschte damals über beide Täler. Erst sein Nachfolger Viktor Emanuel II. beauftragte jedoch ab 1849 konkrete Planungen und ordnete 1857 den Bau des Tunnels an. Ziel war es, eine Verbindung von Grossbritannien über die Mittelmeerhäfen zum Suezkanal in Richtung der damaligen britischen Kolonie Indien zu schaffen.

Die Bauarbeiten begannen am 19. August 1857, indem König Viktor Emanuel II. von Sardinien-Piemont im Beisein des französischen Kaisers Napoleon III. die ersten Sprengungen auslöste. Die ursprüngliche Bauzeit sollte 25 Jahre betragen. Für Verzögerung sorgten sowohl politische als auch technische Probleme: Zum Zeitpunkt des Baubeginns gehörten sowohl Savoyen als auch das Piemont und damit die gesamte Länge des Tunnels zum Königreich Sardinien-Piemont. Als dieses 1860 Savoyen als Gegenleistung für die Unterstützung im Sardinischen Krieg gegen Österreich an Frankreich abtreten musste, wurde der Mont Cenis zu einer Staatsgrenze und es bedurfte der Intervention des piemontesischen – und später italienischen – Ministerpräsidenten Camillo Benso Graf von Cavour, um das Tunnelbauprojekt zu retten. Die Arbeiten, die zu Beginn mit den damals üblichen Handwerkzeugen ausgeführt wurden, gingen anfangs nur sehr langsam voran; unter Beibehaltung des Bautempos von 1857 bis 1860 hätte die Fertigstellung 40 bis 50 Jahre gedauert. Der den Tunnelbau leitende Ingenieur Germain Sommeiller erfand jedoch pneumatische Bohrhämmer und setzte sie ab 1861 ein; zusammen mit der elektrischen Zündung der Sprengladungen konnte die Baugeschwindigkeit verdreifacht und die gesamte Bauzeit schliesslich auf 14 Jahre verkürzt werden. Der Durchbruch erfolgte am 25. Dezember 1870, und am 17. September 1871 wurde der Tunnel offiziell eröffnet.

Die Strecke war nach einem Erdrutsch im August 2023 bis März 2025 geschlossen. Nun ist sie wieder offen und ich habe nun auch die Möglichkeit, diese Strecke mit spannender Geschichte zu befahren.

Abends um 20:30 kommen wir im Bahnhof Torino Porta Susa an und wir fahren mit der Metro zum Bahnhof Torino Porta Nuova, wo sich unser Hotel Concorde befindet.

Ankunft in Torino Porta Susa

Ein Outdoor-Nachtessen in der Fussgängerzone rundete unseren Reisetag ab.

Woodys Tag

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