Wir haben herrlich geschlafen in unserem bequemen Boxspring-Bett und wachen erholt und voller Tatendrang auf. Nach einem kleinen Frühstück warten wir um 10.00 Uhr in der Lobby auf Lina und Frank. Freudige Begrüssung und los geht’s – nicht wissend, was der Tag uns bringen wird. Wir sind eigentlich von einem gemeinsamen Stadtrundgang durch Melbourne ausgegangen, doch sie unternehmen mit uns einen Ausflug ins Beach-Umland von Melbourne, was für uns auch stimmig und schön ist. Denn ohne Lina und Frank hätten wir dieses Gebiet nicht zu sehen bekommen.
Zuerst steuern wir Arthurs Seat an, eine Gurten-ähnliche Erhebung auf der Mornington-Halbinsel, die ungefähr 85 km ausserhalb von Melbourne liegt. Wir fahren auf die Hügelkuppe, trinken Kaffee und fahren danach mit der Seilbahn von der Bergstation zur Talstation und dann wieder rauf auf den Berg, um danach in die andere Richtung als auf der Anreise, wieder den Hügel runterzufahren. Funny, but why not?
Wir fahren weiter nach Portsea, wo wir in einer schönen Location zu Mittag essen. Die Fahrzeit ist mit Gesprächen, in denen wir uns über die Geschehnisse der letzten Monate und Aktuelles aufdatieren, viel lachen und uns ob der schönen Gegend erfreuen «gefüllt». Von der Morington Halbinsel lässt sich dann und wann «through the dust» die Melbourne Skyline erkennen. Wir fahren ins hübsche Sorrento (wo auch auf Mornington, gemäss Lina die Reichen und Schönen ihre Häuser haben) und besuchen dort den Backbeach (inkl. Strandspaziergang beim Ocean Beach Park) und den Frontbeach, wo man noch einen nachgebauten Teil der einstigen Dampftram-Verbindung zwischen Sorrento und dem Ocean Beach Park sehen kann. In den späten 1800er Jahren war dieser Ort ein Touristenmagnet. Die Ausflügler reisten von Port Philipp Bay mit Schaufelrad-Dampfschiffen nach Sorrento an und gelangten über eine Fussgängerbrücke zum Steam Tram Hill, von wo aus sie mit dem Dampftram ins Städtchen Sorrento (mit dem noch heute in Betrieb stehenden Hotel Continental) oder eben weiter nach Ocean Beach Park fahren und sich dort verlustieren konnten. Denn sowohl Lage wie Aussicht dort sind wirklich breathtaking.
Wir geniessen die gemeinsame Zeit. Frank wird später sagen, dass es ihn berührt, dass wir uns nach zwei Jahren, in denen wir uns nicht mehr gesehen haben, miteinander den Gesprächsfaden wieder aufnehmen können, als hätten wir uns vor einer Woche zum letzten Mal gesehen. Und ja, so ist es. Auch wenn ich merke, dass die vielen Eindrücke, die konstante Konversation in englischer Sprache und auch die kurvenreichen Strassen mir auf allen Ebenen viel Energie abverlangen.
Von Sorrento setzen wir unsere Fahrt fort durch Ortschaften wie Rye, Rosebud und Marthas Point. Alles Orte, an denen viele Melbournians ihre Beach Houses stehen haben. So auch Lina und Frank, die ihres, das in Tootgarook steht, aktuell gerade erneuern und vergrössern lassen. Wir besuchen die Baustelle, was sehr interessant ist, weil das Beach House eigentlich wie ein normales Haus daher kommt. Also so eine Art Zweitwohnsitz darstellt. Obschon die drei Kinder von Lina und Sergi erwachsen sind – Emilie wird am kommenden Samstag, 29.11.2025 ihren langjährigen Freund Nick heiraten -, erhält jedes der Kinder ein eigenes Zimmer, das dann später auch Platz für Etagenbetten bieten soll, wenn die Kids selbst Kinder haben. Es ist berührend Lina zuzuhören, wenn sie ihre Erinnerungen an kurzweilige Ferientage in der Jugend mit den anderen Beach Houses Kindern, die gemeinsame Zeit mit ihren Eltern oder auch später die Zeit als junge Familie mit ihren Kindern teilt. Schön, dass sie sich ihr Zuhause an diesem erinnerungsträchtigen Ort ausbauen lassen. Lina erwähnt immer wieder, dass dies ihre Legacy für ihre Kinder sei, genau so wie sie das Haus von ihrer Mutter erhalten habe, weil diese gewusst habe, wie viel ihr das Haus bedeutet.
Auf der Fahrt zurück nach Melbourne kommen wir auch noch durch den Stadtteil Brighton durch, in dem Jenny lebt. Morgen werden wir sie hier besuchen und ein Wiedersehen mit Jüre haben, der sich zeitgleich zu unserem Ausflugstag mit Lina und Frank auf der Anreise nach Melbourne befindet.
Kurz vor acht sitzen wir in einem der Beizlis, die dicht aneinander gedrängt an der Yarra-Uferpromenade stehen und essen dort gemeinsam zu Abend. Es ist immer noch sehr kurzweilig und lustig, auch wenn wir alle etwas ermüdet sind. Danke Lina und Frank für diesen unvergesslich tollen, erlebnisreichen Tag.




Interessant, als ich 2006 auf den Arthurs Seat hochfuhr, habe ich das noch mit einem superlahmen Sessellift getan, der damals als „NEW“ angepriesen wurde.
Dort hat’s offenbar einen Mast geknickt und darum musste die Bahn neu gebaut werden. Die Geschwindigkeit ist auch heute noch darauf ausgelegt, dass man das Reiseerlebnis maximieren kann…