Es regnet in Strömen, als wir heute Morgen erwachen. Aber wirklich echt in Strömen. Und auf den Metalldächern der Häuser tönt Regen in Strömen noch viel imposanter als auf Ziegeldächern. Decke über die Ohren ziehen und froh sein, im Trockenen sein zu dürfen. Als wir wieder erwachen, ertönt der vertrauten gurgelnd-pfeifende Gesang des Flötenkrähenstars. Wenn man ihm zuhört, muss man lachen, weil der gurgelnde Teil seines Gesangs so tönt, als ob irgendwo in der Nähe eine Türe «gieren» würde. Das Pfeiffen, das manchmal hinterher folgt, ist dann wiederum sehr melodiös.
Wir machen uns abreisefertig und gehen vor der Abreise zu Cobbs Backery vis-à-vis von unserer Unterkunft Morgenessen. Huch, eine recht zuckerhaltige Angelegenheit: Frühstücks-Buns, Berliner und Muffins. Insulin-Ausschüttung pur.
Dann fahren wir los, um kurze Zeit später wieder anzuhalten. Wir machen einen wunderschönen Sonntagmorgen-Spaziergang auf der Griffiths Island. Dieser dauert rund eine Stunde und führt durch ein geschütztes Naturgebiet mit einer gewaltigen Vielfalt an Pflanzen und Vögel sowie weiteren Tieren, die wir – mit Ausnahme der Wasserschnecken – heute Morgen aber nicht zu sehen bekommen. Ein weiterer Höhepunkt ist der weiss-rote Leuchtturm inklusive Fliegen-Clustern. Je nach Exposition pustet einen der Wind so richtig durch oder wärmt einen die Sonne, die in der Zwischenzeit den Regen abgelöst hat. Sie wird sich aber den ganzen Tag hindurch einem Techtelmechtel mit dem Regen hingeben. Aber wir haben weitgehend immer Glück, d.h. wenn wir uns draussen aufhalten, zieht sich der Regen zurück.
Heute stehen rund 300 km auf dem Programm mit Etappenziel Robe. Gleich auf den ersten Metern durchfahren wir ein Gebiet mit Echidna-Warnschildern – aber obschon ich überall Ausschau nach den Igel-Tieren mit dem kurzen Schnabel halte, kriege ich den ganzen Tag keines zu sehen. Schade, aber glücklicherweise sind wir dem interessante Wesen am Nobbis Point in freier Wildbahn begegnet.
Schon bald überqueren wir die Grenze zum Staat South Australia und kriegen’s mit einer Zeitumstellung von 30 Minuten zu tun. Noch rasch alle Äpfel essen, um den quarantine restrictions gerecht zu werden und weiter geht’s.
Einen nächsten Stopp legen wir beim Blue Lake in Mont Gambier ein. Der See ist effektiv klar blau – blau wie aus dem Tintenfass. Im Spätsommer und Winter ist er grau. Temperaturabhängig gelangen unterschiedliche Sedimente aus dem Vulkansee an die Oberfläche und erhalten durch die Sonnen-Reflektion einen anderen Farbton.
Auf der Weiterfahrt zum Umpherston Sinkhole/Balumbul kommen wir an einem Krispy Kreme, in das wir zu Kaffee und Doughnut einkehren. Lecker süss.
Sinkhole bedeutet, dass das Gestein von eindringendem Wasser ausgespült worden ist. Dabei bilden sich Hohlräume. Wenn das Gestein zu instabil ist, kann es zusammenbrechen und die darüberliegenden Schichten sacken nach, und an der Oberfläche entsteht das Sinkhole. Das Umpherston Sinkhole ist wunderschön bepflanzt und stellt einen tollen Garten auf verschiedenen Etagen.
Wir sehen sogar noch ein possierliches Possum, das etwas enttäuscht zu sein scheint, weil wir ihm nichts zu essen mitgebracht haben. In Form von
Früchten und Nüssen dürfte man das.
Von Mont Gambier aus fahren wir nonstop durch nach Robe, wo wir im Robe-Motel einchecken. Eigentlich möchten wir noch einen Strand-Abstecher unternehmen. Da es aber zu regnen beginnt, kehren wir um und machen uns auf den Weg ins Städtchen, wo wir uns noch mit Reiseproviant und Wasser eindecken, bevor wir in einer Mex-Bar zum Apéro gehen und anschliessend im Caledonia Pub ein Curry geniessen. Reis hatten wir in den letzten Tagen nie und irgendwie muss zum Tagesende unseren Magen wirklich noch was richtig
Rezentes zugeführt werden.
Wir treffen auf ein Ehepaar aus der Schweiz, mit denen wir uns kurz zu unseren Reisen bzw. Reiseplänen austauschen. Als wir das Caledonia verlassen, regnet’s in Strömen. Diesmal erwischt es uns so richtig. Tropfnass kommen wir in unserem eher kühlen Motel-Appartement an. Puh, trocken Legen von Kleidern, Schuhen und Taschen ist angesagt und Dankbarkeit darüber, ein Dach über dem Kopf zu haben.











