Wir haben alle gut geschlafen im Meningie Motel und haben heute wieder mal einen Vogel-Wecker. Eine Schar weisser Kakadus mit gelber Haube gibt Gas und sorgt mit ihrem Kommunikations-Gezeter dafür, dass nach halb sieben Uhr, nicht mehr an Schlaf zu denken ist.
Um kurz vor acht beladen wir unser Auto zum letzten Mal auf dieser Reise und gehen danach in der Meningie Bakery frühstücken. Hier gibt es zahlreiche Pies und die obligaten süssen Gebäcke im Angebot. Wir werden fündig und setzen uns indoor an einen Tisch. Während wir so da sitzen, betritt eine Frau mit einem breiten Grinsen die Bäckerei – später gehen wir davon aus, dass sie die Besitzerin der Bäckerei ist. Sie kommt auf unseren Tisch zu und beginnt ein Gespräch mit uns, in dessen Verlauf wir auf die Pelikane zu sprechen kommen, für die das Seen-Gebiet rund um Albert- und Alexandria-Seen bekannt ist, die wir aber noch so gut wie nicht gesehen haben (nota bene: In der Bäckerei gibt es eine Tapetenwand mit Pelikan-Sujet). Auf Basis der Landschaftskarte, die unter der Glas-Tischplatte liegt, gibt uns die Frau Reisetipps für unsere heutige Etappe und verrät uns, wo wir Pelikane sehen können. Sie erzählt und erzählt: von ihrem Mann, der Fischer ist und der die Tapeten-Foto-Aufnahme in der Bakery gemacht hat, der in Österreich gelebt hat und ein guter Skifahrer ist, dass sie ihren schönsten Aufenthalt auf Tasmanien verbracht hat und wir unbedingt nach Tasmanien reisen müssten … usw. Sie tut dies mit so viel Freude und Leidenschaft, dass es nicht aufdringlich wirkt, sondern aus der Freude, schöne Dinge miteinander zu teilen. Solche Leute bräuchte es in Visitors-Centers.
Gesagt, getan. Wir brechen, um die Reisetipps umzusetzen. Als wir beim Motel losfahren, belagern etwas 20 Kakadus die Umgebung. In Anbetracht dessen, dass in Europa ein Kakadu zwischen 600 und 1’200 Euro kostet, ein rechtes Vermögen.
Los geht’s Richtung Murray River und Narrung Lakeside Reserve. Einen ersten Stopp legen wir in Raukkan, einer kleinen Aborigine-Gemeinde westlich von Narrung am Lake Alexandrina ein. Zu sehen gibt es hier so gut wie nichts – bis auf einen Mann aus der Ferne – nicht einmal Menschen. Spannendes Detail: In Raukkan wurde David Unaipon, Erfinder und Autor, geboten und steht die 1869 erbaut Kirche, die beide auf dem 50-AUS-Dollar-Schein abgebildet sind. That’s it.
Weiter geht’s nach Narrung, einer kleinen Siedlung. Sie liegt am nördlichen Rand der Narrung-Halbinsel, die den Coorong vom Albertsee trennt. Und im Narrung Lakeside Reserve, klappt’s dann endlich mit den Pelikanen. Eindrückliche Tiere, die sich hier zu Wasser und zu Land aufhalten.
Die Narrung Ferry führt uns in wenigen Minuten zum Point Malcolm, wo’s einen kleinen Leuchtturm gibt, den wir uns nur aus der Ferne anschauen.
Weiter geht’s in Richtung Adelaide, unserem heutigen Etappenziel. Einen Zwischenstopp der besonderen Art legen wir ins Hahndorf ein. Der Ort wurde uns sowohl von Lina und Frank wie auch der Meningie-Bäckersfrau als einen Stopp wert empfohlen. Hahndorf ist Australiens älteste deutsche Siedlung und liegt in den Adelaide Hills. Das Dorf wurde 1838 von lutherischen Flüchtlingen aus Preussen gegründet und nach dem Namen des Kapitäns des Schiffes, mit dem sie angekommen sind, benannt. Heute hat Hahndorf etwas 2’300 Einwohnende. Das deutsche Erbe ist auch heut noch sichtbar, etwas in Form von Bäckereien, mit typisch deutschen Backwaren (z.B. Schwarzwäldertorte, Bretzeln) wie auch Metzgereien mit einer Vielzahl an Wurstwaren, die für Australien eher untypisch sind oder Shopps mit Weihnachtsschmuck und Kuckucksuhren.
Vor der Fahrt nach Adelaide gönnen sich die Herren noch Kaffee und Kuchen und los geht’s. Wir kommen in Adelaide an, beziehen im Franklin Hotel an der Franklinstrasse unsere Zimmer und fahren anschliessend zum Flughafen, wo wir unser Auto abgeben, da wir es hier in Adelaide nicht brauchen. Danke «Öiti» für die gute Fahrt und ein grosses Dankeschön an Jüre und Martin für die sichere Fahrt auf unserer Reiseroute (und auf der – für uns – falschen Strassenseite).
Mit der O-Bahn, einem Bus, der einen Teil seiner Route auf der Strasse und einen anderen Teil auf einem speziellen Beton-Trasse mit Steuerungs-Impulsen zurücklegt, unternehmen wir eine Fahrt, die vor allem Martin freut. Jüre und ich verstehen uns mehr als «Beisitzer». Aber die Fahrt gibt gute Adelaide-Eindrücke.
Danach erkunden wir die quadratisch angelegte Innenstatt zu Fuss weiter und gönnen uns in der Bar 2KW (KW = King William Street) in der Roof Top Bar ein Apéro. Entspannte Ambiente und schöne Aussicht. Im Restaurant «Bread & Bone» gibt’s heute ein Burgers-Znacht (Jüre und Martin mit Wagyu Beef).
Der Verdauungsspaziergang führt uns zum eindrücklichen Victoria-Platz, wo ein wunderschöner Weihnachtsbau steht, den wir – wie viele andere auch – zur blauen Stunde fötelen. Langsam kommt auch bei uns Weihnachtsstimmung auf.
Ein erlebnisreicher Ferientag in und rund um Adelaide geht zu Ende. Wir kehren ins Hotel zurück und lassen den Tag gemütlich ausklingen.








