Auch heute hat uns der Wecker um 8:00 Uhr aus dem Schlaf geholt. Um 9:15 Uhr hatten wir schon ausgecheckt und durften im Hotel unser Gepäck einstellen. Unsere ersten Schritte gingen der Daugava entlang zu den Zeppelinhallen. Hier befindet sich heute der zentrale Markt und wir konnten bei Cappuccino und Gebäck was frühstücken.
Anschliessend ging’s mit dem 10:18 Uhr-Zug nach Dubulti. Dieser Ort ist ein Teil von Jürmala, dem mondänen Badeort aussserhab Rigas. Mondän heisst nicht, dass man es mit den Top-Badeorten dieser Welt aufnehmen kann. Es ist ein Ort, der mal als bevorzugte Wohnlage gegolten hatte. Sehenswert sind die Villen in Holzbauweise aus der Zeit um 1900, die im Jugendstil errichtet wurden.
In Jūrmala gibt es Freizeiteinrichtungen, eine Promenade und Gastronomie. Speziell ist der lange weisse Strand, der sich nach Osten 10 km auf Riga zu erstreckt, während man westwärts, durch nichts unterbrochen, mehr als 20 km an einem Stück vorfindet.
Auch uns hat es ans Meer gezogen. Das Wasser war zu kalt um plötzlich irgend welche Schwimmaktivitäten auszuüben. Aber zum Strandwandern hat es allemal gereicht und so sind wir von Dubulti nach Majori spaziert. 3 Kilometer nur, aber 3 schöne Kilometer.
Von Majori aus sind wir wieder mit dem Zug nach Riga zurückgefahren und bemerkten, dass Seeluft einfach hungrig macht. In der Innenstand haben wir eine Pizzeria mit Aussenterrasse gefunden und uns dort ein kleines Mittagessen gegönnt. Nun sind es immer noch über zwei Stunden bis zur Abfahrt des Zuges nach Vilnius. So bot es sich an, dass wir zur nächsten Tramstation gingen und ein 90 Minuten gültiges Billett lösten. Ins nächste Tram sind wir eingestiegen – es war ein sehr altes Modell Tatra T3, welches 1974 geliefert wurde. Obschon dieser Typ modernisiert wurde, ist es natürlich ein Highlight, in einem solch alten Teil fahren zu dürfen. Wir waren auf der Linie 10 unterwegs, wo die Strecke teilweise einspurig ist und sich die Fahrzeuge auf Kreuzungsstationen gegenseitig ausweichen müssen. Die Klimaanlage dieser Fahrzeuge funktioniert mit Öffnen der Fenster…
An der Endstation hatten wir etwa 12 Minuten Pause, bis es wieder Richtung Zentrum ging. Natürlich verbrachten wir die Zeit mit Fotografieren des Objektes. Das passte der Tramführerin gar nicht. Sie stieg aus und wies mich an, diese Fotos sofort wieder zu löschen, da offenbar Militäreinrichtungen in der Nähe waren. Und sie stellte tatsächlich sicher, dass ich auch alle Trambilder löschte! Ich kam mir vor wie ein kleiner Bub, der was schlimmes gemacht hat. Dabei hatte es gar keine Schilder in der Nähe, die mein Tun untersagt hätten.
Ruhig und gesittet fuhren wir wieder zurück ins Zentrum. Im Hotel holten wir unser Gepäck und spazierten zurück zum Bahnhof. Unser Zug nach Vilnius hatte 15 Minuten Verspätung. Ich wähnte mich in Sicherheit und holte die gelöschten Bilder wieder aus dem Papierkorb raus…
Der Zug nach Vilnius war der gleiche Zugtyp, den wir bereits gestern von Valga nach Riga hatten. Wir hatten reservierte Plätze – Woody am Fenster, ich hinter einem Pfosten. Aber ich hatte ja – wie gestern – WiFi zur Verfügung und konnte so auch mein eigenes Programm bestreiten.
Nach dem Grenzübertritt von Lettland zu Litauen mussten wir tatsächlich das erste Mal unsere Pässe zeigen. Ich habe zuerst gemeint, die beiden zugestiegenen Herren seien Förster. Aber nein, sie haben uns kontrolliert und nichts beanstandet…
Für die 348 km Fahrt nach Vilnius waren fünf Stunden voranschlagt. Teilweise fuhr der Zug jedoch so langsam, dass ich Zweifel bekam, ob der Zug dann wirklich um 22:05 Uhr in Vilnius eintrifft. Anfang Mai 2026 hat es in dieser Gegend zwei massive Entgleisungen gegeben. Am Bahnhof Gudžiūnai, wo wir sehr langsam vorbeigefahren sind, haben wir gesehen, wie Güterwagen noch immer neben den Gleisen liegen (sie schlafen nur…). Aber schon in Kedainiai, einem Bahnhof im quasi nichts, mussten wir trotzdem 11 Minuten auf die Abfahrtszeit warten. Offenbar sind die Fahrzeiten auf dieser Linie doch sehr grosszügig bemessen, sodass die Züge fast immer recht pünktlich sind…
Heute sind wir pünktlich in Vilnius eingetroffen. 22:05 Uhr.
Mit dem Trolleybus fuhren wir anschliessend ins Hotel. Morgen geht’s um 12:24 Uhr schon weiter Richtung Warschau. Mal schauen, was wir am Morgen noch machen können.

































