Dienstag, 12. August 2008: Das Hygienemuseum und die gläserne Manufaktur

Wir lassen uns vom Tag wecken. Gemütliches parat machen und frühstücken in der Lounge. Wir wählen unseren Frühstücksplatz in der Lounge an einem langen Tisch, von dem wir einen einwandfreien Blick auf den Fernseher und damit auf die aktuelle Olympia-Reportage haben. Cool eh?

Nach dem Frühstück geht’s mit dem öV auf Richtung Gläserner Manufaktur, der Manufaktur von Volkswagen in Dresden. Wir schauen uns das eindrückliche Gebäude von aussen an. Wie der Name schon sagt: alles alle Wände sind aus Glas, somit sind die verschiedenen Produktionshallen mit der hängenden Karrosserie-Fertigungs-Anlage bestens einsehbar. Martin erkundigt sich nach Führungen und wir melden uns für eine um 17.00 Uhr an. Danach streckt Martin seine Fühler nach der Parkeisenbahnanlage aus. Rasch hat er deren Spur aufgenommen und führt mich zielstrebig zur Abfahrtsstelle. Logisch, dass wir eine Rundfahrt durch den Park machen. Die Eisenbahnanlage wird grösstenteils von Kindern betrieben (Fahrdienstleiter, Abfertigung etc.) und dies färbt dann wohl auch ein wenig auf uns ab. „Uiiiih, ist das schön!“, „Na Junge, hängst du schon an der Flasche?“

Nach der amüsanten Rundfahrt nehmen wir Kurs auf das Hygiene-Museum. Die ursprüngliche Ausstellung, die hier zu sehen ist, wurde von Herrn Dr. Lingner, dem Entwickler von Odol zusammengestellt. Er wollte dem Volk grundsätzliche Zusammenhänge zu Hygiene, Gesundheit und Wohlbefinden aufzeigen. Diese Grundausstellung wurde mit aktuellen Themen-Ausstellungen ergänzt. Aktuell sind dies eine Ausstellung zu Wetter und Klimawechsel sowie eine zum Thema: Glück – welches Glück? Die Standard-Ausstellung ist in verschiedene Themenblöcke gegliedert, so z.B. Leben und sterben, Hygiene/Krankheiten, Sex, Der gläserne Mensch (Veranschaulichung der Anatomie). Die Exponate sind zum Teil schon etwas in die Jahre gekommen, aber dennoch sehr interessant. Highlights für uns waren die Babywindeln mit den verschiedenen Inhalten … sowie die Ausstellung zur Sexualität, die vor allem bei den japanisch/chinesischen Kids auf sehr grosses Interesse stösst. Dort werden auch viele Clichés abgehandelt, z.B. dass Selbstbefriedigung krank macht (Bild eines jungen Mannes mit ganz vielen Bibelis im Gesicht) und das Sex auf die Augen schlägt, sprich die Sehkraft mindert. Die Zeit vergeht wie im Nu und schon müssen wir uns beeilen, um noch eine Kleinigkeit zu essen, die Glücks-Ausstellung zu durchgehen und uns dann zu Fuss auf den Weg zurück zur Gläsernen Manufaktur zu machen.

Pünktlich um 17.00 Uhr beginnt unsere Führung. Ein in Schale geworfener Besucherbetreuer nimmt uns in Empfang stellt uns den Bau selbst, die innere Unterteilung und die Phaeton-Philosophie vor. Denn in dieser Manufaktur – und es wir viel Wert auf die Begrifflichkeit Manufaktur und nicht Fabrik gelegt – werden ausschliesslich Autos des Typs Phaeton hergestellt bzw. gefertigt. Ein grosser Teil der einzelnen Komponenten wird direkt, teilweise per CarGoTram angeliefert. In der Gläsernen Manufaktur erfolg dann die Montage der Einzelkomponenten bis ein fix fertiges Auto in den grossen gläsernen Turm gestellt wird und von dort vom Besitzer abgeholt werden kann. Mir eröffnet sich eine Welt, zu der ich mir noch nie gross Gedanken gemacht habe. Kundenbetreuung im high price level Segment der Autokunden. Da geht man nicht einfach in eine Garage und kauf sich ein Auto. Nein, da kann man in Dresden im Kundenturm sich sein Auto zusammenstellen (farblich, Material, Motor, Felgen, Länge etc. etc.), kann bei der Hochzeit von Karosserie und Chassis dabei sein und dann, wenn der Wagen fertig gestellt ist, ihn in einer eigens für diesen Kunden inszenierten In-Empfangnahme-Show abholen (Wagen wird unterirdisch aus dem Gläsernen Turm in den Kundenturm gefahren und dort auf einer Bühne hochgefahren, dies natürlich mit Musik und Licht speziell in Szene gesetzt). Super! Na ja, so ein Wagen kommt einen ja auch zwischen € 60’000 und € 120’000 zu stehen. Der Rundgang mit den interessanten Ausführungen (z.B. kanadischer Bergahornbelag in den Fertigungshallen è die Mitarbeitenden sollen sich ja wohl fühlen; die Ingenieure sitzen leicht erhöht aber trotzdem in Mitten der Fertigungshallen, Computer gesteuerte Anlieferung der einzelnen Komponenten für den jeweiligen Wagen è jeder Wagen ist ja ein Einzelstück) endet animiert. So können wir ein Foto von uns machen, uns unseren Phaeton zusammenstellen und unser Foto mit dem eigens gestalten Phaeton mit einer beliebigen Kulisse zusammenführen. Wir erhalten ein Bild von uns, unserem blauen Phaeton vor der Gläsernen Manufaktur!

Nach so viel sehenswertem Interessantem mach wir uns auf den Weg zurück zum Hotel. Bei „unserem“ Italiener finden wir einen Platz und geniessen eine feine Pizza und Salat. Es beginnt zu regnen und trotzdem gibt es eine spektakuläre Abend-Wolkenstimmung mit Abendrot. Nachdem auch der Frösche verstehende Rikscha-Fahrer das Feld geräumt hat (Aufschrift auf seinem T-Shirt: Fröscheversteher) entscheiden wir uns, ohne Dessert zurück ins Hotel zu gehen. Dort gibt es in der Lounge noch einen feinen Kaffee und ein wenig Olympia. Ein wunderbarer, eindrücklicher Tag geht zu Ende. Der Schlaf lässt nicht lange auf sich warten.

Montag, 11. August 2008: Mietauto zurückgegeben

Ausschlafen dauerte heute bis 7:40 Uhr, danach ging’s in die Executive Lounge zum Frühstück – gediegen in einem ruhigen Rahmen. Nachdem wir fertig waren, starteten wir den Compressor unseres Mercedes und starteten nach Meissen. Unterwegs gab es einen Zwischenstopp bei einem Lidl, schliesslich ist seit heute Montag die neueste Laufkleidung-Kollektion im Verkauf… Lidls machten ein Geschäft mit uns. Kurz vor Meissen versteckte sich ein Paparazzi im Gebüsch, welcher von uns ein Bild machte – leider stellte es sich heraus, dass die fixe Radarstation der Polizei Sachsen geladen war und ein Bild von uns gemacht hat… Firma Sixt wird uns die Rechnung wohl zustellen…

Nach Ankunft in Meissen merkten wir plötzlich, dass wir eigentlich gar nicht die Porzellan-Manufaktur anschauen mochten und uns die Stadt eigentlich auch keinen Spass machte – so beehrten wir Meissen nur mit einem Kurzbesuch und fuhren danach zurück nach Dresden. Ein letztes Tanken, und dann wird der Mercedes Benz C 180 Compressor wieder an Sixt zurück gegeben.

Anschliessend ging es nun definitiv auf Achse in Dresden: der erste Besuch galt der Frauenkirche, welche im Februar 1945 durch die Alliierten quasi dem Erdboden gleich gemacht wurde, und ab 1996 wieder aufgebaut wurde. Die Restauration ist perfekt gelungen, jedes Detail sitzt perfekt. Störend ist jedoch, dass die Besucher der Kirche diese nicht als Kirche wahr nehmen, sondern als Zirkus – so führen sich die Meisten auch auf… Handys läuten, es wird geschwatzt – Basar pur! Schade für diesen Prachtsbau, dass die Besucher nicht mehr Würde entgegen bringen.

Danach ging’s – mit dem Reiseführer bewaffnet – an all den Sehenswürdigkeiten Dresdens vorbei, welche aus dem Reiseführer kommentiert werden konnten. Die Semperoper konnten wir anlässlich einer Führung besuchen. Detailliert wurde uns in einer Stunde Geschichte, Schicksal und Architektur der Oper erzählt. Wer hat schon gewusst, dass die Marmorsäulen gar nicht aus Marmor sind sondern nur so aussehen? Dass die Eichenwände aus Kalk sind und die Eichenstruktur nur aufgemalt ist? Nun wissen wir es…

Nach der Semperoper gingen wir durch die berühmte Prager Strasse zum Bahnhof. Berühmte Prager Strasse? War vielleicht mal, aber so mondän wie es in den Reiseführern heisst, ist diese Strasse nicht.

Im Bahnhof besorgten wir uns die Reservationen für die Rückreise und schlenderten danach wieder durch die Prager Stresse zurück. Abstecher bei Karstadt Sport, Drogerie Markt, Karstadt und einer Bücherwelt. Danach Nachtessen auf dem Platz vor der Frauenkirche, begleitet von einem quängelnden Italo-Kind am Nachbartisch. Den Abschluss des Tages bestand aus einem Drink in der Executive Lounge und der Eurosport-Berichterstattung über Olympia.

Sonntag, 10. August 2008: In Dresden eingetroffen

Morgenstund hat bekanntlich Gold im Mund – und mit dieser Vorgabe konnten wir das Frühstücksbuffet eröffnen. Kurz darauf verliessen wir Annaberg-Bucholz in Richtung Kurort Oberwiesental. Die Absicht war klar: wir wollten möglichst früh beim Dampfzug sein, damit wir auf der Reise nach Cranzahl noch genügend Platz hatten. Und die Rechnung ging auf: wir hatten nicht nur Plätze, wir hatten sogar einen ganzen Wagen zu unserer Verfügung! Nun, die Reise nach Cranzahl und zurück verlief ruhig und fast ohne Mitreisende… Den Fichtelberg liessen wir aussen vor, er erschien uns nicht als bereisenswert und wir fuhren direkt nach Dresden, wo wir die Innenstadt sofort ansteuerten.

Beim Hotel Hilton fanden wir sofort einen Einstellhallenplatz, und auch ein Zimmer hatten sie für uns. Wir wählten die Option des Executive Rooms und richteten uns in diesem Zimmer ein.

Die ersten Schritte galten der Innenstadt Dresdens und wir besuchten die ersten Hot Spots. Für den Abend richteten wir uns auf dem Platz vor der Frauenkirche auf der Terrasse eines Italieners ein. An diesem Abend fand auf dem Platz ein Opernkonzert statt und so konnten wir zum essen auch grad noch der Musik lauschen. Musik lauschen? Theorie ja, Praxis nein. Am Nebentisch hatten wir ein rosetrinkendes Sachsenpaar, welches ihre Meinung über alles den Tischnachbarn lautstark kundtun mussten… Trotzdem konnten wir einzelne Takte des Konzertes geniessen – wie auch das Essen.

Abschluss des Tages war vor dem TV – sist Olympia, halt…

Samstag, 9. August 2008: Tram und Eisenbahn

Öffnet man die Augen, wird jeder Tag zu einem Erlebnis. (Oskar Kokoschka)

Und schon hiess es wieder Abschied nehmen. Diesmal von Bad Schandau. Aufstehen, duschen, packen und ei was sehen wir da? Da haben wohl die  zwei Nachtbuben, die Martin morgens um 04.30 Uhr um den wohl verdienten Schlaf gebracht haben, indem sie ihre Handy-Klingeltöne à gogo austesteten, den Stadtbrunnen, der gerade vor dem Hotel steht, geschäumt. So steht nun auf dem Marktplatz zu Bad Schandau eine grosse Badewanne, gefüllt mit Wasser und weissem Schaum, die niemand zum Bade nutzen will. Einzig ein paar Kinder vergnügen sich mit einer Schaumschlacht an dem ungewöhnlichen Brunneninhalt.

Im schönen Frühstückssaal geniessen wir noch einmal unser Frühstück. Das Buffet ist wirklich wunderbar. Da gibt es alles. Eine grosse Auswahl an Wurstwaren, Hart- und Weichkäsen, Broten, Früchten und süssen Brotaufstrichen, Gemüse und Salaten, schön präsentiert, bilden diese Gaben die Grundlage für einen guten Start in den Tag. Obwohl heute auch draussen auf der Terrasse aufgedeckt ist, bleiben wir drinnen. Es ist ein wenig zu kühl, um es um diese Uhrzeit draussen geniessen zu können.

Nach Frühstück, kurzer Kneippeinlage in der Aussenanlage des Hotels, Auschecken und Beladen des Autos machen wir uns zu Fuss auf, um zur Haltestelle Bad Schandau der Kirschnitztalbahn zu gelangen. Eine Bahn, die eigentlich ein Tram ist. Heute sind wir frühzeitig am Bahnhof. Wir beziehen Tickets und Plätze und erfreuen uns an den Gesprächen von fünf sächsisch Dialekt sprechenden Frauen. „Kömm döch äu mit üns.“ Gut gefüllt verlässt das Tram Bad Schandau in Richtung Lichtenhainer Wasserfälle. In gemächlichem Tempo zuckelt das Trämle durchs Tal. Dann und wann eine Haltestelle, dann und wann ein Bekannter des Tramführers, dem er mit einem Kurzbimmel, einen sympathischen Gruss zukommen lässt. Und bei jeder Station das gleiche Prozedere: Türen auf, Reisende steigen ein, der Trämeler verlässt seinen Führerstand, um den Fahrpreis einzuverlangen, kehrt nach getaner Einnehmerei wieder in denselben zurück, schrilles Geklingel, Wagentüren werden geschlossen und weiter geht die Fahrt. Nach einer Fahrt von etwa einer halben Stunde kommen wir zu DEN Wasserfällen. Dr hälli Wahnsinn! Um es genau zu sagen: die Lichtenhainer Wasserfälle sind ein kleineres Rinnsal, das jeweils halbstündlich durch angestautes Wasser als scheinbar veritabler kleiner Wasserfall hernieder stürzt. Wir entscheiden uns, auf dieses Spektakel zu verzichten, haben wir wohl sicher schon mehrmals eindrücklichere Wasserfälle gesehen. Stattdessen nehmen wir das gleiche Trämli mit dem gleichen Fahrer wieder zurück nach Bad Schandau. Speziell zu erwähnen ist noch die pro Strecke zweimal stattfindende Stabübergabe der Tramführer. Bei jeder der zwei Kreuzungsstellen übergibt jeweils ein Tramführer dem anderen einen für den voraus liegenden Streckenabschnitt gehörenden farbigen Stab. Dies aus Sicherheitsgründen – gegenständliches Zeichen des bestätigten freien Streckenabschnitts.

In Bad Schandau besichtigen wir noch kurz die Kirche. Einmal mehr sind auch dort die durch das Jahrhundert-Hochwasser von 2002 entstandenen Schäden photographisch präsentiert. Dann geht’s mit dem Auto weiter Richtung Annaberg-Buchholz, unserem heutigen Tagesziel. Durch verschiedene kleinere Dörfer und Städte fahren wir heute auf der Alleen- und Silberstrasse. Es sind schöne, eindrucksvolle Landstriche, die wir durchqueren. Riesige Weiten mit Feldern, Wäldern und Wiesen. Dazwischen machen wir in Olbernhau eine kurze Pause. Die sächsischen Dörfer und Städtchen sind am Samstag nach zwölf Uhr wie ausgestorben. Man hat das Gefühl, dass mit Ladenschluss um elf oder spätestens zwölf Uhr auch alles was kreucht und fleucht herein genommen wird. Man sieht keine Leute, nichts tut sich – im östlichsten Teil Deutschlands fühlen wir uns zeitweise allein wie im wilden Westen. Dicht auffahrende Autoraser holen uns dann aber jeweils wieder in die Realität zurück. Auch Tiere sehen wir heute keine, auch nicht in den deutsch-tschechischen Grenzwäldern. Dafür stossen wir mehr zufällig auf die Pressnitztalbahn. Eine Dampfbahn, aufs säuberste für eine Sonntagsfahrt herausgeputzt, idyllisch der Bahnhof von Steinbach bei Jöhstadt, viele Hobbyphotographen und verklärte Nostalgiker – aber halt wirklich ein schöner Anblick so ein Zug mit schön erhaltener Dampflokomotive. Der letzte Streckenabschnitt bis nach Annaberg-Buchholz ist rasch zurückgelegt und im Waldschlösschen eine Übernachtungsgelegenheit gefunden. In diesem Hotel wird gerade eine Hochzeitsfeier abgehalten. Aber es ist eine ruhige Hochzeitsgesellschaft – mit vielen Kindern (?) – da sollten wir trotzdem schlafen können, hoffen wir emel gäu Martin? Jetzt gehen wir dann im Hotel Nachtessen, planen den morgigen Tag und dann gibt es vielleicht wieder einmal ein bisschen Olympia-Fernsehen. Und morgen wollen wir ja dann wieder fit sein. Heute Nachmittag, eine Woche nach Start unserer Reise, spürten wir das Unterwegs sein mit all den Eindrücken, die wir bisher gesammelt haben schon ein wenig.

Freitag, 8. August 2008: Bastei und Schwedenlöcher

Oh happy day, der Himmel weint vor Freude. Nachdem gestern grand beau gewesen war, hat es in der Nacht zu regnen begonnen. Als wir aufstehen ist alles Wolken verhangen und es regnet immer noch. Von unseren Plänen machen wir uns an die Umsetzung von Plan B. Per Zug soll es nach Pirna gehen. Wir machen uns städtetauglich parat und begeben uns in den grossen Frühstückssaal (Schild beim Lift: Das Frühstück findet heute von 07.30 bis 10.30 Uhr im Saal Vital statt). Ein wahrer Traum was da alles aufgetischt ist. Da findet wirklich jeder und jede etwas nach seinem oder ihrem Gusto. Wir geniessen das Frühstück bei einem feinen Earl Grey Tea, der auch bestens zum Wetter passt. Doch halt! Plötzlich reisst der Himmel auf, die Sonne drückt durch und es wird sofort wieder recht warm. Flexibilität ist gefragt. Wir wechseln zu Plan A: Wanderung in der sächsischen Schweiz (Plan C wäre übrigens ein gemütlicher Hoteltag bei absolut widrigsten Wetterbedingungen, z.B. sich abzeichnendes Hochwasser…, gewesen). Im Hotelzimmer gibt’s einen ersten Tenuwechsel von stadttauglicher auf Wander-Bekleidung.

Mit dem Auto geht’s dann nach Rathen, dem Ausgangspunkt unserer Wanderung. Kurz vor Rathen stellen wir unser Auto auf einem öffentlichen Parkplatz ab. Mit diesem Parkplatz ausserhalb des Dorfes wird dafür gesorgt, dass Rathen an Gross-Wandertagen nicht im privaten Verkehr untergeht. Eine sehr gute Lösung, die sich bei unserer Tour sehr bewährt, da diese nur wenige Meter vom erwähnten Parkplatz entfernt enden wird. Nach fundierten Abklärungen von Martin haben wir uns für die Tour Nr. 3 aus dem Wanderbuch zur Sächsischen Schweiz entschieden. Diese führt von Rathen zur Bastei und durch die Schwedenlöcher zum Gamrig. Da werden Aussichten von hohen Senkrechtwänden über eine liebliche Landschaft und in zerrissene Felswirrnisse hinab sowie aus engen Schluchten zum Himmel hinauf durch abgelegene Waldwege miteinander verbunden. Bevor wir starten, kaufen wir im „Einkaufseck“ in Rathen einen Proviant bestehend aus Brötchen, Hühnerbrust, Pommbären, Twix und Apfelschorle ein. Nun kann’s losgehen. Wie bereits erwähnt, hat es in der Nacht heftig geregnet. Da die imposanten Felsformationen zum grossen Teil aus Sandstein sind, sind der Weg und die treppenmässig angelegten Anstiege stark versandet und durchnässt. Das stört aber zahlreiche Hobbywanderer nicht, den Weg in Sandalen und einfachsten Sommer-Freizeitschuhen in Angriff zu nehmen. Wir fühlen uns in unseren neuen Trekking-Schuhen sehr wohl und vor allem trittsicher. Schon bald gelangen wir zur ersten Aussichtsplattform, die einem einen gewaltigen Ausblick auf die Elbgegend gewährt (Stadt Wehlen).

Wir ziehen weiter und erklimmen eine Aussichtsebene nach der anderen bis wir schliesslich zur Felsenburg gelangen. Für 1.50 Euro kann man die Felsenburg auch besichtigen. Das lohnt sich alleweil, denn es ist fast nicht nachvollziehbar, wie auf dieser Höhe und in der schroffen Felslandschaft eine Festung in der Art der Felsenburg erbaut werden konnte. Bis hierher ist die Wanderung sehr schön, auch das Wetter bleibt stabil gut. Störend sind einzig die Mengen an Besuchern, die sich überall durchquetschen und um die scenic photo views kämpfen. Unmittelbar nach der Felsenburg durchquert man das Neurathener Felsentor und seht dann plötzlich auf der Basteibrücke. Sensationell! Die Brücke sieht man überall auf Fotos, Postkarten und Büchern und nun stehen wir selbst da oben. Von hier oben hat ein Sachse die ersten Fotoaufnahmen gemacht. Eine Felsinschrift erinnert an dieses Ereignis (Text: „xx hat mit Licht gemalt“).

Höhepunkt der everybody can do Wandermentalität ist eine frisch getrautes Ehepaar è Schnapszahl als Hochzeitstag: 08.08.08, das sich vor und auf der Basteibrücke fotografieren lässt. Was wir natürlich nicht wissen, ist dass nur wenige Meter weiter ein grosser Gaststätten- und Hotelkomplex folgt. Hier angelangt, bleiben die meisten Wanderer hier. So ist denn der weitere Verlauf unserer Wandertour viel ruhiger und einsamer.

Auf dem Gamsweg geht’s weiter. Bis zu einer Schutzhütte verläuft der Weg noch breit und angenehm. Danach folgt ein treppenmässiger Abstieg. Für uns nicht gross beschwerlich. Aber viele der uns entgegenkommenden Spaziergänger bekunden grosse Mühe mit dem Aufstieg. Die Schlucht, in der wir unterwegs sind, wird Schlucht der Schwedenlöcher genannt. Ursprünglich Blanker Grund genannt, wurde der neue Name gebräuchlich, nachdem sich die Menschen der Umgebung während des Dreissigjährigen Krieges vor den Schweden hierher geflüchtet und mit Hab und Gut verbarrikadiert hatten. Das Wetter scheint nun zu kippen. Es beginnt zu tropfen. Wir entscheiden uns deshalb, nach Möglichkeit durchzuwandern und erst am Schluss eine verzögerte Mittagsrast einzulegen. Weiter geht es via Amselgrund (dort entdecken wir einen kleinen, auf dem nassen, sandigen Weg gut getarnten Frosch), Höllgrund, Pionierweg (gingen dort die jungen DDR-Pioniere drüber?) zum Gamrigweg. Ein Pfad über Stufen zum 50 Meter höher gelegenen Gipfelbereich mit schöner Aussicht wollen wir zuerst nicht begehen. Dann entscheiden wir uns aber um. Der Aufstieg wird mit einer phänomenalen Aussicht belohnt. Und da sich die Regenwolken verzogen haben, beschliessen wir, hier unser Picknick einzunehmen. Lecker, lecker. Gestärkt nehmen wir den Abstieg und die letzten Meter der Tour unter die Füsse und kehren zu unserem Auto zurück. In Porschdorf geniessen wir ein kühles Bier und lassen die zahlreichen Eindrücke nachwirken. Dann geht’s zurück zum Hotel.

Wir entscheiden uns spontan, den Ausflug nach Pirna „nachzuholen“. Tenuwechsel, DB-Fahrausweise einpacken und weiter geht’s. Um 16.21 Uhr hätte es noch eine Verbindung mit der Sächsisch-Böhmischen Semmeringbahn. Das wird knapp. Aber sonst hätte es um 16.39 Uhr auch noch eine gewöhnliche Verbindung nach Pirna. An der Schiffsfähre-Station vor unserem Hotel legt eine Fähre an, die aber aus unserer Sicht in die falsche Richtung fährt. Unüberlegt laufen wir auf unserer Seite in Richtung Bahnhof Bad Schandau. Ja, wir laufen, denn wir hoffen immer noch, den 16.21er Zug zu erwischen. Als wir auf Höhe Bahnhof, aber eben am anderen Elbufer ankommen sind, stellen wir fest, dass es hier keine Fähre mehr hat. Also bleibt uns nichts anderes übrig, als noch weiter zu gehen und dann die grosse Elb-Autobrücke zu überqueren. Wir bringen die Strecke wie gepickt hinter uns. Zum Schluss rennen wir sogar, was mir in meinen Sommerschlarpen sehr gut gelingt. Je mehr wir uns dem Bahnhof näheren, desto weniger Sekunden bleiben bis 16.21 Uhr. Durch den Zaun sieht man schon eine S-Bahn, die Martin als „unser“ Zug erkennt. Wir rennen so schnell es geht und tatsächlich: Wir erwischen den Zug noch. Kaputt und ein wenig ausser Atem und doch happy, dass wir es tatsächlich geschafft haben. Die Fahrt ist schön, führt durch viele Tunnels, verwilderte Landschaften und an alten ausgedienten Bahnhöfen vorbei, die einen teilweise sehr schitteren Eindruck hinterlassen.

Kurz vor sechs treffen wir in Pirna ein. Eine kurze Stadtbesichtigung zeigt uns, dass es sich bei Pirna nicht um ein Must handelt. Marktplatz, Rathaus, Stadthaus und ein Heimatmuseum, in Pirna das DDR-Museum, sind die Standard-Sehenswürdigkeiten aller mit Pirna vergleichbaren kleinen Städte. Wir erstehen uns bei Subway Pirna zwei Sandwiches (welches Brot, welche Länge, noch zusätzlich aufgetoastet, welcher Inhalt, welche Sauce, zum hier essen oder zum mitnehmen ,,,????) und begeben uns dann zum Bahnhof, um mit dem nächsten Zug nach Bad Schandau zu fahren. Und siehe da, kaum dem Zug in Bad Schandau entstiegen, folgen wir der Menschentraube, die sich ans Elbeufer begibt und da ist doch tatsächlich das Schild einer Fähre. Wenige Minuten später trifft diese ein und bringt uns im abendlichen Sonnenlicht zu unserem Hotel zurück. Im Restaurant Memory in Bad Schandau gönnen wir uns einen Eisbecher bevor wir müde aber glücklich über diesen schönen, erlebnis- und eindrucksreichen Tag, zum Hotel zurückkehren.

Donnerstag, 7. August 2008: Keine Schande in Schandau

Um 6:00 kam Bewegung ins Doppelbett – und so waren alle beide wach. Packen, Frühstück, bezahlen, Abreise. Um 8:30 waren wir in Zittau am Nebenbahnhof und konnten so noch den ersten Zug des Tages bewundern, welcher nach Bad Jonstorf abfuhr – genau: wir besuchten nochmals die Dampfeisenbahn, welche von Zittau ins Zittauer Gebirge fährt, und zwar mit Dampf, wie seit vielen vielen Jahren. Auch der Hauptbahnhof war speziell: Absolut überdimensioniert für den heutigen Verkehr, noch vollständig erhaltene Anlagen für die Grenzkontrollen bei Reisen in die Tschechische Republik und halt einfach alt… Zufällig fuhr ein Lokalzug nach Tschechien ein, welcher die Nebenbahnromantik nochmals verstärkte: Tschechischer Dieselschienenbus mit Anhänger.

Bevor wir die Reise fortsetzten, machten wir noch einen kurzen Abstecher zum Lokdepot der Schmalspurbahn, wo sie gerade den nächsten Zug bereit gemacht hatten. Der Lokführer pützelte noch die Geländer und Tritte, erst dann war der Zug auch wirklich bereit für die grosse Reise.

Dann endlich ging’s los: Die Fahrt brachte uns nach Herrnhut und nach einigem Suchen in dieser lokalen sächsischen Perle fanden wir auch das Ziel der Begierde: Die Fabrik der Herrnhuter Sterne. Allerdings waren wir dann schon ein bisschen enttäuscht, dass wir dort nicht wie erhofft, den Arbeitern bei der Produktion der Sterne zuschauen, sondern nur den Laden besuchen konnten. Somit dauerte der Besuch in Herrnhut nicht länger als vor ein paar Jahrzehnten ein Boxenstop der Formel 1.

Weissenberg war das nächste Ziel, welches wir ins Navi eingegeben hatten. Dort gibt es nämlich ein Pfefferküchler Museum, welches der Herstellung von Lebkuchen gewidmet ist. In der 1643 gegründeten und erst 1937 aufgegebenen Pfefferkuchen Backstube sind allerlei alte Gerätschaften zu sehen. Als besonders interessante Sequenz ist zu erwähnen, dass die Besucher unter Anleitung mit Brotteig Tiere formen dürfen, welche anschliessend gebacken werden. Noch vor einigen Wochen haben wir uns krumm gelacht, wenn im „Making of“ auf unserer „Shaun das Schaf“-DVD trümmlige Engländerkinder versucht hatten, aus Lätt ein Schwein zu produzieren. Auf dem Boden gewälzt haben wir uns, wenn das gebastelte Schwein eher einem Härdöpfelknollen glich als einem landwirtschaftlichen Nutztier. Und nun waren wir plötzlich selber trümmlige Engländerkinder (ömel ich…). Nun, das Museum machte wirklich Freude und wir hatten eine Menge Spass dabei.

Weissenberg verliessen wir dann Richtung Bautzen. Bautzen ist eine wunderschöne mittelalterliche Stadt, welche mit massiven Mitteln renoviert wurde. Wie geschleckt sieht der Stadtkern aus, wirklich ein Bijou! Im Restaurant L’Ambiente assen wir Zmittag – excellent! Anschliessend machten wir einen kurzen Stadtrundgang, wo wir unter anderem ein Senfmuseum besucht hatten. Sogar ein Senfmuseum gibt es also! Der Stadtrundgang war darum so kurz, weil heute scheinbar der heisseste Tag des Jahres war: man spricht von über 30 Grad…

Bautzen bringt man nicht immer mit einer lieblichen Stadt in Verbindung: Über Jahrzehnte diente das Gefängnis von Bautzen der Inhaftierung von Staatsfeinden der DDR. Dieses ehemalige Stasi-Gefängnis ist nun eine Gedenkstätte, welche besucht werden kann. Eine Ausstellung informiert über das Unrechtsystem, welches in der DDR geherrscht hat. Die ganze Anlage ist eindrücklich und macht einem traurig…

Nach diesem Besuch haben wir den Ort Bad Schandau in der Sächsischen Schweiz anvisiert. Die Unterkunft im Hotel Elbresidenz ist wirklich oberedel – sogar das Auto wird einem vom Portier in die Garage versorgt. Nach der Ankunft haben wir den Swimming Pool in der 4. Etage genutzt und sind dann auf einen kurzen Stadtrundgang. Viele Häuser tragen Markierungen, wo 2002 das Jahrhunderthochwasser der Elbe stand. Ein Wahnsinn, wenn man bedenkt, dass man mit dem Boot in den 2. Stock hätte einschiffen können!

Mittwoch, 6. August 2008: Weg, möglichst weg…

Heute in 4 Monaten ist Samichlaustag.

Die Nacht war die Hölle – dramatisch gesehen, natürlich… Alle 15 Minuten hörte ich die Glocke der Turmuhr des Schlosses. Zu jeder vollen Stunde vier Mal die Viertelstunden und dann noch die vollen Stunden. Fenster schliessen wäre eine Alternative gewesen, hätte aber den Mieftod bedeutet. Dann halt eine schlaflose Nacht – mira… Tagwache um 6:30 Uhr, dann ab in den Pückler-Park zum Jogging. Das Schloss rechts liegen lassen, über die Doppelbrücke und schon ist man in Polen – Ausweise müssen mitgeführt werden. Jogging in Polen ist wunderschön, man fühlte sich schon wie ein kleiner Emil Zapotek. Und in Polen ist alles günstiger, sogar Jogging… Dafür ist die Ûbersichtskarte des Parks recht ungenau. Aber in Simone-Niggli-Luder-Manier gelang es, eine rechte Strecke zu laufen und wieder deutschen Boden unter den Füssen zu finden. Stretching beim Schloss – dekadent aber schön!

Dann duschen, Koffer packen, bezahlen („Nein, wir nehmen keine Kreditkarten“) und rasch möglichst weg aus diesem Moorbad: Karre beladen, reinsitzen, Motor starten und weg – und nach 300 Metern den nächsten Parkplatz suchen – schliesslich muss Mann und Frau noch frühstücken! Die Bäckereikette „Dreissig“ (doch, diesen Namen gibt es) hat leckeres Frühstück, das Rührei ist sensationell!

Nach dem Frühstück ging’s weiter nach Weisswasser. Weisswasser? Genau, DDR-Serienmeister im Eishockey. Und Ausgangspunkt der Waldeisenbahn. Aber heute war kein Dampf angesagt. Heute war gar nix angesagt, denn das Teil fährt nur Do-So – und auch nur im Hochsommer. Will heissen: Fehlanzeige.

Also: Weisswasser verlassen, über verschiedene baubedingte Umleitungsrouten nach Görlitz. Görlitz? Geburtsort von Ballack? Geburtsort von Jeremies? Geburtsort auch von einem Nationalhandballer? DER Ort in Deutschland, mit den meisten Autodiebstählen? Genau, all diese Fakten sind bekannt. Weniger bekannt ist hingegen, dass Görlitz eine wunderschöne Altstadt bietet. Schlicht sensationell, was sich hier dem Besucher zeigt! Angefangen bei der Dreifaltigkeitskirche mit dem geschnitzten Holzaltar, über die dem Kölner Dom nachempfundene Kirche Peter und Paul bis zur Altstadt – schlicht ein kultureller Traum! Auch wenn es zwischendurch zwischen topsanierten Prachtshäusern auch runtergekommene Dinger hat, ist Görlitz absolut eine Reise wert! Speziell Erwähnung verdient der Weihnachtsladen in Görlitz, der übers ganze Jahr Weihnachtsartikel, primär aus Sachsen und Thüringen, verkauft. Alles wunderbare Dinger. Übrigens: unsere Weihnachtsdeko ist nun gekauft und wird dieses Jahr in Huttenhauser Sternen erstrahlen! Wenn man mal in Görlitz ist, sollte man unbedingt auch das Warenhaus HERTIE besuchen: Der Laden ist traumhaft schön!

Nach Görlitz ging’s direkt nach Zittau. Diese Stadt zeichnet sich durch eine originelle Verkehrsführung aus: Ein Verkehrsring rund um die Stadt, welcher im Gegenuhrzeigersinn im Einbahnverkehr geführt wird. Speziell spannend für Auswärtige, welche das Hotel nicht beim ersten, nicht beim zweiten sonder erst beim dritten Mal finden: Diese machen jedes Mal eine veritable Stadttour mit. Allerdings ohne Erklärung über die Gebäude…

Das Hotel Dreiländereck nennt sich so, weil sich Zittau im Dreiländereck befindet: Deutschland, Polen und Tschechien treffen sich hier. Und beim dritten Anlauf haben wir dieses Hotel also gefunden. Wunderbares Hotel, wirklich!

Nachdem wir unser Handgepäck im Hotel deponiert hatten, machten wir uns auf die Suche der Zittauer Schmalspurbahnen, welche unter der Woche die Züge ausschliesslich mit Dampf führen. Der Bahnhof Bertsdorf sollte unser Ziel sein, da dort die Linie von Zittau und die Linien von Kurort Oybin und Kurort Jonsdorf aufeinander treffen. Navi sei Dank: Bertsdorf haben wir rasch gefunden – aber den Bahnhof? An diesem fuhren wir eher zufällig daran vorbei, und realisierten das Ganze erst beim 2. Anlauf… Auf alle Fälle hatten wir Glück und konnten einen Dampfzug in Bertsdorf sehen und die Ausfahrt auf Film bannen (dieser Ausdruck hat zwar heute in der digitalisierten Welt keine Berechtigung mehr…). Schlussendlich fuhren wir dem Zug bis Kurort Oybin nach und konnten auch dort noch ein paar Aufnahmen machen.

Dann fuhren wir wieder zum Hotel, luden unser Gepäck aus und gingen nach einem kleinen Spaziergang Nachtessen. Um 20:00 Uhr machten wir eine Stadtführung mit dem Nachtwächter mit und legten uns dann zur wohl verdienten Ruhe. Möge der Glockenschlag mit unserem Schlaf heute gnädig sein!

Zitat des Tages, gesehen auf einem T-Shirt anlässlich der Stadtführung: „Elend hat viele Gesichter (vorne). …und wie gefällt dir meins? (hinten).

Dienstag, 5. August 2008: Von modernden Moorbädern an der polnischen Grenze

– „Ig has ja nume guet gmeint.“

– „Ja, ig doch ou!“

Tja, genau dieses „Meinen“ ist Grund für unser Dilemma. Es ist 20.37 Uhr und wir liegen nach verrichteter Abendtoilette im miefigen Zimmer 214 des Hotels/Therapiezentrums Moorbad in Bad Muskau. Ganz weit im Osten

Eine Institution wie ein Albtraum. „We du nid brav bisch, de muesch allei i Waud“ – hat man mir früher gesagt. Auf heute umgemünzt: „We du nid brav bisch, de muesch nach Bad Muskau und aus bsungrigi Straf itz Therapiezentrum Moorbad“. Warum sind wir denn hier? Gegen 14.00 Uhr sind wir in Bad Muskau angekommen. Bad Muskau ist bekannt für die von Hermann Fürst von Pückler-Muskau geplante und umgesetzte Parkanlage (als UNESCO-Weltkulturerbe ausgewiesen). Als erstes haben wir uns auf die Suche nach einer Übernachtungsgelegenheit gemacht und sind dabei in der Touristinformation auf das Moorbad-Etablissement gestossen, das in ebenbesagtem Park seinen Standort hat. Unser „Verlangen“ nach dieser Unterkunft wurde verstärkt durch ein Sonderangebot (KIK – der Textildiskont …, Geiz ist geil etc. etc.) für ein Moorbad und eine Massage, das dort angeboten wird. Den gut gemeinten Hinweis der Dame von der Tourstinfo, „Ich ruf’ dort mal an und schaue, ob sie Ihnen dort ein Doppelzimmer zeigen können“ nahmen wir zwar auf, interpretierten den Inhalt aber gänzlich falsch.

Schon beim Betreten des Hauses wurden wir gewahr, dass es sich beim Hotel/Therapiezentrum Moorbad um eine eher heruntergekomme, sanatoriumsmässige Einrichtung handelt, die problemlos als Kulisse für einen 60er-Jahre Film hinhalten könnte. Da ich aber dachte, Martin wolle ja unbedingt eine Massage (hat er gestern in der Hartz 4-Tropical-Island-Halle auch so Kund getan) erachtete ich die Lokalität nach wie vor als – na ja – tolerierbar. Zumindest das zweite Zimmer war aus meiner Sicht akzeptabel. Er dachte sich gleichzeitig, dass er eigentlich in so einer Bruchbude lieber nicht übernachten würde, er mir aber die Freude über eine Moorpackung mit Massage nicht nehmen möchte. So kam es, dass wir erst beim Abendessen – nachdem wir uns ausführlich lustig über unsere Übernachtungslocation gemacht haben – herausgefunden haben, dass eigentlich jedes nur wegen dem anderen dort beleiben wollte. Nein aber echt too much dieser Betrieb.

Das Zimmer inkl. Mobiliar ist völlig heruntergewirtschaftet. Die sanitarischen Anlagen sind grauenvoll. Sorge bereitet uns die Dusche, die wohl zu DDR-Zeiten jeweils noch elektrisch vorgewärmt werden musste. Hoffentlich bleiben bei uns Strom und Wasser sauber getrennt. Moorpackung und Massage waren ganz ordentlich. Aber Abläufe (eine 51 C Grad warme Moorklatsche auf den Rücken) und Einrichtungen erinnern einen zwangsläufig mehr an Planwirtschaft als an Wellnesstempel. Aber wie steht’s schön auf einem Blatt Papier in der Chaos-Rezeption? Die Sterne sind unsere freundlichen Mitarbeitenden. Hallö! Alles klar du? Ja, wir sind in Sachsen angekommen.

Wie heisst der Nachbarort von "Burg"?Am Morgen sind wir in Krausnick gut erholt, frisch und fit für neue Taten und massiv verstochen aufgewacht. Nach einer Joggingrunde nach Gross Wasserburg und zurück (tierische Ausbeute: eine tote Blindschleiche …) gab’s Frühstück. Kurz vor der Abreise haben wir noch geschichtliche Details zum Areal des TIR erfahren. Über Regionalstrassen des ehemaligen sozialistischen Bruderlandes DDR führte uns der Weg nach Cottbus. Wobei wir Cottubs dann nach dem McDonalds-Zwischenstopp kurz vor den Toren von Cottbus ausgelassen haben. Nicht einmal ein Fussballspiel zwischen Energie Cottbus und Tilburg konnte uns zu einem Aufenthalt verleiten. Nach einer ausgiebigen und schönen Überlandfahrt (in Straupitz schöne EU-Beiträge-sei-Dank-finanzierte-Restaurierung der Kirche, in Burg sahen wir drei Störche) sind wir bereits erwähnt in Bad Muskau eingetroffen. Nach Massage/Moorpackung der Familie Zeller machten wir uns auf den Weg zur deutsch-polnischen Grenze. Grenzpfahl

Das Kofferauspacken und Einrichten im Zimmer entfiel aufgrund der widrigen Gründe. Der Polen-Abstecher viel kurz aus – sehr kurz um ehrlich zu sein. Am anderen Ende der Grenzbrücke beim Polen-Basar entdeckte Martin als erstes ein Schild mit der Aufschrift „Friseur“. Er, der immer davon gesprochen hatte, in Polen zum Coiffeur zu gehen – er wollte dann doch nicht den Kopf hinhalten. Und da wir weder eine Stange Zigaretten für 11 Euro, noch ein Kilo Himbeeren, noch schreckliche T-Shirts und Schuhe aus den 80er-Jahren brauchten, haben wir bald unsere Rückreise angetreten. Eine Spezi im Restaurant „An der Grenze“ für 3.75 Euro macht uns munter für den Parkbesuch. Dieser ist wirklich sehr schön, liegt sowohl in Deutschland wie in Polen und zeichnet sich durch das wunderschöne Schlossgebäude aus, das zurzeit restauriert wird. Eine echte Trouvaille. Es gibt also auch schöne Dinge am Ar… der Welt. Sorry, aber diesen Ort kann ich nicht anders bezeichnen. Nach einem ausgiebigen Abendessen mit der Fürst Brückler-Eisspezialität als Nachtisch sind wir ins Sanatorium „Moorbad“ zurückgekehrt. Ûbrigens. Im Kaffee König gibt es im September einen Tanznachmittag für 7€. Inbegriffen in diesem Preis sind 2 Tassen Kaffee, 1 Stück Kuchen oder Torte, und 3 Stunden Tanzmusik. Und die Löwenapotheke vermisst ihre historische Türklinke und bezahlt bei wiederauffinden einen Finderlohn von €100!

So und jetzt muss ich aufhören und schlafen gehen. Frühstück gibt es morgen zwischen 07.30 und spätestens 08.00 Uhr! Sagt ich’s doch: Therapie-Planwirtschaft vom feinsten. Doch das betrifft uns glücklicherweise nicht. Martin und ich wir werden morgen im Park joggen und dann in der Filiale der Bäckerei 30 unser Frühstück einnehmen gehen. Denn ein Wiederbetreten des Speisesaals nach heute Nachmittag ist mir nicht mehr möglich.

Montag, 4. August 2008: Auf der tropischen Insel

Der Tag lachte uns um 7:00 Uhr entgegen – wir lachten zurück, indem wir unsere Gedanken des Vorabends umsetzten und uns in die Joggingkleider stürzten. Um 8:00 Uhr waren wir bei der Kirche und machten uns auf die Suche nach dem in der Karte bezeichneten Fitnessweg. Diesen fanden wir ziemlich schnell und wir liefen einen Naturweg den Spreewald-Fliess entlang in den Wald hinein. Nach 3 Kilometern erreichen wir die Schenke Wotschowska, welche wir am Vortag mit dem Kahn erreichten und wo wir die erste Rast hatten. Nach einer kurzen Verschnaufpause kehren wir um und joggten die gleiche Strecke zurück. Kaum im Schloss angekommen, begann es aus Kübeln zu giessen. Da wir das Zimmer unter dem Dach hatten, war es ein spezielles Spektakel, und wir mussten die Dachfenster schliessen, damit nicht alles unter Wasser gesetzt wurde…

Nach dem üppigen Frühstück, mit einem Gast am Nebentisch der gerotzt hat wie ein Schlossgeist mit der Kette spielen würde – haben wir die Zelte in Lübbenau abgebrochen und sind Richtung Lübben gefahren.

Das Tropical IslandLübben ist nicht wirklich der grosse Renner, und man hat diese Spreewaldmetropole eigentlich rasch abgehakt. Ausserhalb Lübben besuchten wir erstmalig einen Lidl (inhaltlich quasi der Zwillingsbruder vom Aldi) und machten noch Halt bei einer Tankstelle. Unser Autovermieter Sixt war schliesslich so was von nett, uns einen Mercedes zu überlassen, welcher dringend Kühlflüssigkeit benötigt. Und eine Parkscheibe war auch nicht vorhanden, so dass wir diese auch besorgen mussten.

Unser heutiges Ziel war Krausnick, wo sich in einer grossen Halle eine tropische Anlage, das Tropical Islands, befand. Nach der Wende beschloss die Firma Cargolifter, in Krausnick eine riesige Halle zu bauen und dort drin Luftschiffe für den Warentransport herzustellen. Die Geschäftsidee war eine grandiose Pleite und die gigantische Halle leer – bis sich jemand daran wagte, daraus ein tropisches Badeparadies zu machen.

Auf der Grösse von 8 Fussballfeldern, bei einer Höhe von 107 Metern und einer Länge von 300 Metern, entstand ein Strand mit künstlichem Horizont, wo sich Brandenburg in der Südsee fühlen kann.

Herr und Frau Brandenburg gehen hier rein wie sie an den Strand gehen: mit Kühlboxen werden Fressalien aller Art angeschafft und eine rauschende Party gefeiert. Das Tropical Islands hat übrigens 24 Stunden geöffnet…

Wir hatten die Absicht, im Tropical Islands zu übernachten und wollten ein Zweierzelt für eine Nacht mieten – leider alles ausverkauft.

UnterwegsSo fuhren wir über eine schittere Plattenstrasse nach Krausnick Downtown, wo wir in einem Landgasthof ein Zimmer erhielten. Wir richteten uns kurz ein und fuhren anschliessend wieder zum Tropical Islands und lösten dort einen Tageseintritt. Für €25 kann man nun im Tropical Islands bleiben, so lange man will: 2 Stunden, 3 Tage oder auch bis Weihnachten. Die Konsumationen werden jeweils auf einem Chip verrechnet – das grosse Staunen und Bezahlen wird dann beim Auschecken kommen…

Wir verbrachten einige Stunden in der grossen Halle und natürlich auch im textilfreien Sauna- und Wellnessbereich.

Nun liegen wir im Landgasthof Krausnick auf unserem Bett und sind kurz vor dem einschlafen. Gute Nacht

Sonntag, 3. August 2008: Im Spreewald

SpreewaldkahnDie Sonnenstrahlen kitzelten unsere Zehen, was uns bewog aufzustehen. Das Schlossfrühstück war genial und ein idealer Start in den Tag. Um 9:30 waren wir am Hafen und suchten den Kahn für die grosse Spreewald-Tour inkl. Hochwald. Kahn ist übrigens nicht despektierlich gemeint, sonder das was es ist: eine offene Barke mit einigen Bänken, wo 3 Personen neben einander Platz haben.

Der Antrieb des Kahns ist der Kapitän himself. Er hat die Aufgabe, mit einer Stake das Schiff am Grund des Kanals abzustossen und so vorwärts zu bringen.

Unser Schiff war mit etwa 18 Personen beladen und so machten wir uns auf den Weg. Wir hatten das Glück ganz vorne sitzen zu können.

Die Fahrt durch den Spreewald war wunderschön. Das Ganze ist als Biosphären-Schutzzone der UNESCO deklariert und erinnert an einen Urwald. Zwischendurch haben wir an einigen Gaststätten eine Rast eingelegt, und der Schiffer (wohl aber nicht der Vater von Claudia) erzählte uns Wissenswertes über die Gegend – Land und Leute, wie man so sagt. Einen breiten Raum nahm die Erklärung über die Sorben ein. Ein spezielles Volk mit einer speziellen Sprache. Wer sich interessiert, soll selber in Wikipedia googeln… Quintessenz der ganzen Sorbengeschichte ist, dass es in Lübbenau keine Sorben mehr gibt…

Spreewald - wunderbar!Während unserer Kahnfahrt sahen wir auch Tiere: Wasserläufer, Libellen, ein paar Fische und Mücken. Sonntags frei haben Storch, Fischotter und Eisvogel. Tja, falscher Tag halt…

Nach 8 Stunden unterwegs kamen wir quasi als letzter Kahn um ca 18:30 im Hafen Lübbenau wieder an.

Nach dem schon fast üblichen Gurken-Apéro fanden wir eine Gaststätte für ein Znacht. Ich hatte beispielsweise ein Hähnchen, welches die Wende noch persönlich miterlebt hat… Dafür war die Bedienung sosolala…

Nachdem wir beim Schloss auf der Terrasse noch eine Latte Macchiato hatten, verabschiedeten wir uns von der schweizer-deutschen Receptionistin und verzogen uns aufs Zimmer.

Samstag, 2. August 2008: Der erste Kontakt mit dem Osten

6:43 Uhr war unser erster Fixtermin: Abfahrt des Busses von der Endstation zum Bahnhof – wir waren früh genug aufgestanden und so war dieser Fixtermin nicht wirklich eine Herausforderung für uns…

Wir wussten, dass beim ICE die erste Klasse jeweils am Ende des Zuges war und so stiegen wir bei der Haltestelle „Schanzenstrasse“ aus – Wagen 14 ist der letzte Wagen. Kaum auf dem Perron angekommen stellten wir fest, dass der Zug heute umgekehrt formiert war – der letzte Wagen wurde zum ersten Wagen und so stand uns ein Parademarsch dem Perron 4 entlang bevor. Nachdem der Zug einfuhr und wir unsere Plätze einnehmen wollten mussten wir feststellen, dass die Plätze nicht ausgeschildert waren. Offenbar ist im ganzen Zug das System ausgefallen, so dass wir wohl unseren Platz fanden, aber nicht wussten, ob wir allenfalls noch auf einen andern nicht reservierten Platz sitzen konnten – schliesslich befand sich der reservierte Platz genau hinter einem Fensterpfosten. Bern-Berlin ohne Aussicht stand uns bevor.

Die Abfahrtszeit ist herangerückt, der Zug fährt keinen Meter. Auch nicht nach 5, 10 oder 15 Minuten. Ganze 21 Minuten Verspätung fing unser Zug in Bern ein. Offenbar war ein Lokdefekt an einem andern Zug Schuld an diesem Zeitrückstand. Auf Grund des Systemausfalls war auch keine Lautsprecherdurchsage verfügbar, so dass uns das Zugpersonal erst bei der Billettkontrolle über den Grund der Verspätung informieren konnte.

Nun gut, der Zug fuhr dann endlich mal ab, ab Olten hatten wir sogar noch weitere Reisende bei uns im Wagen, ab Basel noch mehr und ab Karlsruhe und Mannheim wurde der Wagen richtig voll.

Die Verspätung konnte laufend aufgeholt werden – bis auf 6 Minuten Verspätung konnte das Ganze reduziert werden. Vorbildlich informierte das Zugpersonal jeweils minutengenau über die aktuelle Verspätung und über das Erreichen der Anschlusszüge. Und obligatorisch nach jeder Stationsansage noch der Nachsatz „senk ju for träwelling wis Döitsche Bahn“.

Unser Zug im Bahnhof BerlinPlusminus pünktlich erreichten wir Berlin Hbf. Eindrücklich, was hier hingeklotzt wurde. Seit unserem letzten gemeinsamen Besuch in Berlin hat sich hier echt was getan – und der Bahnhof ist wirklich eindrücklich!

Sofort nach Ankunft machten wir uns auf die Suche des Autovermieters „Sixt“ – das Verkaufsbüro war rasch gefunden. Die Hausfarben von „Sixt“ sind orange – und das ganze Office war auch in dieser Farbe gehalten. Man kam sich irgendwie vor wie in einer Disco – wobei hier keine Drinks serviert wurden…

MercedesDer Clerk am Schalter stellte rasch fest, dass wir zu viel Gepäck mit uns hatten, um mit einem Audi TT glücklich zu sein. So wurde uns ein Mercedes Benz 180 C Compressor zugeteilt – schneeweiss.

Der Wagen befand sich im Parkhaus am vereinbarten Ort: Das Auto war rasch beladen, die Sitze den Personen angepasst und sofort ging es ans Programmieren des Navis. Schliesslich sollte raschmöglichst Lübbenau erreicht werden. Land und Ort konnten rasch programmiert werden, auch die Strasse wurde gefunden, nicht aber die Nummer… Wir liessen ungrad grad sein und verliessen das Parking. Wie gewohnt waren die ersten paar Meter mit einem Mietwagen noch ein bisschen ungewohnt, aber das hatten wir rasch im Griff.

Zuverlässig steuerte uns Frau Navi durch Berlin, plötzlich befanden wir uns auf der Autobahn nach Dresden. Ein Blick auf die Karte in unserem Reiseführer bestätigte uns, dass die allgemeine Richtung korrekt war. Wir schlängelten uns mit dem andern Verkehr durch Berlin, als Frau Navi meldete, dass wir die Autobahn nun verlassen müssen. Schon in der Jugendzeit lernten wir zu gehorchen und machten es auch dieses Mal. Auf Grund einer Baustelle lotste uns Frau Navi jedoch mitten in eine Sackgasse, die auf Grund einer Baustelle entstanden ist. Wenden war angesagt und wir fuhren aus eigener Initiative Richtung Dresden – Frau Navi rechnete neu und war mit uns einverstanden.

Lübbenau wurde erreicht, die Strasse gefunden und die Adresse erspähten wir von blossem Auge: Schloss Lübbenau!

Hotel Schloss LübbenauDas Schloss wurde Achzehnhundertirgendwann gebaut, diente im 2. Weltkrieg als Lazarett und während der DDR als Datenverarbeitungs-Schulungszentrum. Nach der Wende wurde das Schloss an die ursprünglichen Besitzer zurückgegeben: Familie Graf Rochus zu Lynar.

Beim einchecken staunten wir nicht schlecht: die Dame am Empfang, Frau Espenhahn, sprach fast perfekt schwizerdütsch. Verheiratet gewesen in der Schweiz, geschieden und nun mit der Tochter wieder in Lübbenau.

Das Zimmer befand sich im 3. Stock und ist einem Schloss entsprechend standesgemäss gross.

Nachdem wir das Gröbste eingeräumt hatten, machten wir uns auf den Weg in Richtung Hafen von Lübbenau. Dort hatten wir Gelegenheit, das erste Mal die weltbekannten Spreewald-Gurken zu probieren. Die Dinger sind echt gut und zu empfehlen!Spreewaldgurke

Wir sahen uns die verschiedenen Ausflugsangebote an und entschieden uns, dass wir am nächsten Tag die grosse Spreewald-Tour machen werden.

Um 19:00 waren wir im Schloss zum Nachtessen angemeldet – welches 1A war. Danach war es noch ein bisschen zu früh um zu Bett zu gehen und wir machten uns nochmals auf in Richtung Hafen – schliesslich war Hafenfest, das grösste in Lübbenau… Um 23:00 Uhr waren wir dann auch im Bett – bis wir um 0:20 Uhr vom Hafenfest-Feuerwerk geweckt wurden. Dies war also kein Feuerwerk sondern ein Feuer-weck…

Samstag, 23. Juli 2005 Heeeidi, Heeeidi – deine Welt …

Das Wetter meinte es heute wieder besser mit uns. Es war zwar immer noch alles sehr, sehr nass (bei uns würde man den Ausdruck “seichnass” benutzen) aber die Sonnenstrahlen gewährten wieder trocknende Wärme. Konnten wir am Donnerstagabend ob der Hitze in Osoyoos fast nicht einschlafen, so war es 24 Stunden später beim Outdoor-Zähneputzen fröstelnd kalt. Aber so ist das Camperleben.

Nach einem ausgiebigen Frühstück, zu dem wir heute erstmals wieder einmal richtiges Vollkornbrot hatten (im Safeway wird dieses Brot als “Swiss whole grain bread” angeboten. Das ist doch etwas für uns Schweizer Körndlipicker), packten wir unsere sieben Sachen wieder in unseren RV und setzten die Reise auf dem Crowsnest-Highway #3 fort. Diese führte uns an den Ortschaften Erie, Salmo und Burnt Flat vorbei. Und dies im wahrsten Sinne des Wortes. Da sieht man die Tafel “You are entering Salmo”, dann die obligate Tankstelle, ein, zwei Häuser und dann nichts mehr. Das wäre dann also wohl Salmo gewesen. Nice to have been here and good bye.

VogelparadiesEinen ersten Zwischenstopp legten wir kurz vor Creston ein. Etwa 11 km westlich von Creston liegt das mitten im Sumpf von BC Hydro und anderen Industriefirmen gegründete Creston Valley Wildlife Interpretation Center. In diesem Feuchtgebiet leben zahlreiche Vogelarten, darunter Schwalben, Kolibris und Fischadler. Ein Holzplankenweg führt durch den Sumpf (vorher natürlich viel Anti Moskito-Spray anwenden) zu einem Turm, von wo aus man die Tiere (hauptsächlich Vögel aber auch Schildkröten) ideal beobachten kann (ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle an unseren Feldstecher – ein Werbegeschenk des Swiss Bankers Travelers Cheque Centre). Auch Kanufahrten sind möglich. Ja sind möglich. Wollen wir diese Möglichkeit nutzen? Ja, wir wollen, denn schliesslich grämt sich mein lieber Reisebegleiter ja immer noch ein wenig ob der verpassten Walfisch-Watching-Kanu-Fahrt. Es war unübersehbar, dass das kleine grüne Boot, welches am Anlegesteg festgebunden war, seine volle Aufmerksamkeit auf sich zog. Zudem ging es nur noch 40 Minuten bis zur nächsten geführten Tour. Um 12.52 Uhr auf dem Vogel-Turm gab es kein Halten mehr. Eskimorolle, Seekrankheit und nasse Füsse hin oder her: Die Kanufahrt rief. Dan war unser Guide. Seine Eltern stammen ursprünglich aus Dänemark, darum wohl auch der Name “Dan” und England. Er erzählte uns eine Menge interessanter Dinge über die Tiere, die wir sahen (verschiedene Vogelarten, deren Namen uns weder auf englisch noch auf deutsch sehr geläufig sind, Wasserschlage, Schildkröten) und auch über diese, die wir nicht sahen (Biber und Muskrat). Es war äusserst interessant und der Besuch dieses Parks hat unsere Erwartungen bei weitem übertroffen. Ja, und das Be- und Entsteigen des Kanus verlief völlig unspektakulär. Aber wirklich echt und ehrlich – no kidding – es wäre sinnlos mehr Worte darauf zu verschwenden. Wir sahen pretty cool aus in den grossen Schwimmwesten – ja immerhin war der Wasserstand der Tümpel ca. 1 Meter hoch und wir meisterten auch die anspruchsvolle Schikane beim Biberbau und vor allem ein Auflaufen auf einer Schilfrohr-Schwimminsel souverän. Während unserer “Kanu-Safari” erklärte uns Dan auch den Unterschied zwischen Schilfrohr und Seegras. Dies an einem bekannten Bild, das Moses und Schilfrohr oder eben auch Seegras zeigt, in dessen Bildtitel aber gerade die falsche Bezeichnung verwendet wird. Da bin ich mit der Materie weder auf der biblischen noch auf der kunstgeschichtlichen Ebene zu wenig vertraut. Aber item. Wichtig ist, dass man Seegras essen kann. Dan bewies uns das am lebenden Exemplar und riss ein Seegras-Büschel aus, entfernte die äusserten Blätter und biss dann in den Stängel und reichte uns die Delikatesse weiter. Tatsächlich, schmeckte gut – irgendwie wie Gurke – und es sind bis jetzt keine Beschwerden aufgetaucht.

Züge, Züge, Züge

Später sind wir dann noch nach Creston gefahren haben Auto und Mensch “aufgetankt” und sind weiter entlang dem Moyie River Richtung Etappenziel Cranbrook gefahren. Unterbrochen wurde die Reise nur durch einen ausgiebigen Fotostopp. Eine Güterwagen-Komposition mit Lokomotiven der Union Pacific Railways (USA) war das Objekt der Begierde (Es ging nur kurz – ich habe während der Wartezeit einen Winterpulli mit Rollkragen gestrickt …).

Ja, und dann kommt es vor, dass man sich auf einer wunderschönen Reise befindet, begleitet von einem Menschen, der einem sehr viel bedeutet. Man ist dankbar darüber, dass bis jetzt auf der Reise alles gut verlaufen ist und als Tüpfelchen auf dem i am Abend noch ein Restaurant für das gemeinsame Abendessen aussucht, das einzigartig ist und einem (im positiven Sinn) unvergesslich bleiben wird. “Heidi’s” Restaurant & Catering. Ein richtiger Geheimtipp, den wir allen ans Herz legen, die sich einmal in Cranbrook aufhalten werden. Die Inhaber des Lokals, Heidi und Gottfried, sind kanadische Secondos. Ihre Mütter stammen aus Österreich und die Väter aus Deutschland und beide haben sie die Hotelfachschule am Semmering besucht. Nach Jahren, die sie durch die ganze Welt geführt haben, sind sie wieder nach Cranbrooks, wo Heidi aufgewachsen ist, zurückgekehrt. Ich will mich ja nicht über das kanadische Essen beklagen. Trotzdem muss ich ehrlich zugeben, dass ich das Rindsgeschnetzelte, pikant gewürzt, an einer Pilzsauce mit gedünsteten Zwiebeln und Spätzli sehr, sehr, sehr genossen habe. Auch Martin hat sich ein Fleisch mit Spätzli ausgewählt. Wir haben geschlemmt und die lukullischen Köstlichkeiten vom ersten bis zum letzten Bissen (Apetizer, Starter, Main Menu und Dessert) genossen. Dazu noch kanadischer Cabernet Sauvignon und das Glück ist perfekt. Herz was willst du mehr?

Mit dem Wein kam auch die nötige Bettschwere, darum: Guet Nacht.

Dienstag, 19. Juli 2005: Grillen bleibt Männersache!

Heute Nachmittag hatten wir die Idee, dass wir die Feuerstelle in unserm Camground in Betrieb nehmen und uns ein feines Fleisch brutzeln könnten. Das Fleisch war schnell gekauft, das Holz auch, und mit einem feinem Znacht als Vorfreude fuhren wir zum Campground.

Rasch wollte ich ein Feuer machen – wollte. Irgendwie habe ich das verlernt. Früher, als alles noch besser war, hatte man ein paar Zeitungen genommen, chli Holz drüber und das Feuer brannte. Heute ist das offenbar anders. Bettina, ehemals Motek in der Pfadi Falkenstein, kannte sich mit Feuer machen aus und überliess mir das Holz hacken. Lumberjack, eben. IHR Feuer gelang super. SIE wusste wie! SIE hat ein Superfleisch gemacht, dank MEINEM Bier, welches wir zur Unterstützung benötigten. Also wieder mal ein echtes Teamwork: Sie feuern und kochen, ich holzen und Bier… Und das Nachtessen war SUPER – ein würdiger Abschluss eines tollen Tages, der um 7.00 Uhr begann:

In der Wildnis des Sprout Lake hatten wir beide super geschlafen und uns um 7.00 Uhr angeblinzelt: Uhrencheck – zu früh – umdrehen. Um 8.30 Uhr sind wir dann aufgestanden, haben gefrühstückt und sind Richtung Pazifik aufgebrochen. Ucluelet war unser Ziel. Das Dorf war herzig, hatte aber nicht viel zu bieten. Wir wanderten ein bisschen einem Trail dem Pazifik entlang und assen etwas zu Mittag. Die Teilnahme an einer Whale Watching Tour verwarfen wir. Wer will schon bei Wahlen dabei sein, da kennt man ja kaum die Kandidaten…

Unser Interesse zogen die Regenwälder auf sich, welche wir in einem weiteren Kanadischen Nationalpark – dem Pacific Rim National Parc – besuchten. Die Wälder waren wunderschön – ähnlich wie bei uns, nur ganz anders! Wir haben heute wieder einiges gelernt, z.B. dass es ‘temperate’ Regenwäler und ‘tropical’ Regenwälder gibt. Hier hat es also keine Schlangen und keine Affen, welche in den Bäumen turnen (sonst schon…).

Aber die Dichtheit des Waldes war beeindruckend! Und irgendwie fühlte man sich wirklich in einem Regenwald – sofern man es sich von Filmen und Geschichten zusammenreimen konnte… In BC ist die Holzwirtschaft der führende Arbeitgeber, und somit ist auch die Diskussion über das Abholzen eeeee Verwerten des Regenwaldes im Gange. Die Holzindustrie verweist auf die Arbeitsplätze und wie sich nun die Tiere, z.B. Rehe im ehemaligen Wald viel besser bewegen können. Andererseits geht es aber um mehr als nur um Holz, es geht ja auch um den ganzen Kreislauf der Natur. Und in einem Regenwald hatte es noch nie viele Rehe…

In vielen Reiseführern wird der Ort Tofino angepriesen – auch mein Bruder hat mir eine Whale-Watching-Tour in Tofino empfohlen. Der Waghals hat mir sogar empfohlen, die Wale mit einem See-Kajak zu besichtigen. Bis mal ein Wal raufkommt und ich mit dem Kajak auf der Wasserdüsse des Wales balanciere… Für die Walgeschichte reichte es halt einfach nicht – ein anderes Mal vielleicht, wenn ich jünger bin…

Das mit dem Grillen beschäftigt mich, weil es für die Zukunft Auswirkungen hat: Grillen ist Männersache, das wissen wir alle. Werde ich in der neuen Wohnung einen Grill durchsetzen können? Oder wird dann das Fleisch in der Küche gebrutzelt und auf dem Balkon gegessen? Ich bleibe dran!

 

 

Montag, 18. Juli 2005: Lost in Vancouver

Eigentlich, ja eigentlich wollten wir heute Morgen die 7 a.m. Fähre von Tsawwassen (Vancouver) nach Swartz Bay (Vancouver Island) nehmen, um von dort aus unsere Reise weiterzuführen. Um 5.45 holte uns der Handy-Wecker aus dem Schlaf und los ging’s. Duschen, die robertsche Markise einfahren, Gas abstellen und im Van alles in den Schränken verstauen und checken, dass alle Türen gut geschlossen sind. Sich plötzlich öffnende Kühlschranktüren und Besteckschubladen sorgen sonst für eine Super-Stimmung an Board. Und dann machten wir uns auf den Weg zum Hafen. Gemäss Plan sollten wir für die Anreise nur ca. 30 Minuten benötigen. Aber eben, es kommt ja bekanntlich immer ein wenig anders als geplant. Waren uns bei der Anreise auf den Campground die unzähligen Strassenschilder mit der Aufschrift “BC Ferries” als äusserst zahlreich erschienen, war davon jetzt keines mehr vorhanden (hatten wohl alle Gwaför-Montag um ein Lieblingsspruch von Martin zu benutzen). Wir fuhren unseren Van durch die Vorstadtstrassen und wussten, dass uns unsere Fahrt nicht zum Hafen führen wird. Endlich, als wir den Stadtteil “Westminster” erreicht hatten, bot sich uns die Gelegenheit, “näbeuse” zu fahren und uns neu zu orientieren. Aber mit unserer Karte war da nichts zu machen. Getreu dem Motto “Jeden Tag eine gute Tat” (wir waren ja am Freitag beim Lynn Canyon auch auf dem Lord Baden Powell Trail è Lord Baden Powell ist der Begründer der Pfadibewegung è die beiden einstigen Pfädis Schira und Motek lassen grüssen (na, wer ist jetzt wer?)) half uns ein Kanadier, der ursprünglich von Saskatchewan kommt, einmal zehn Jahre in Vancouver gelebt hatte und heute seinem Sohn in dessen Eigentumswohnung eine Reparatur durchgeführt hat (auf die weiteren Details verzichten wir hier) weiter. Once more: Thank you very much, indeed to you, unknown guide and keeper of the secret, how to get to the ferry dock. Es reichte dafür spielend auf die 9.00 Fähre und ein vorgängiges kurzes Frühstück à l’américaine. Und wo frühstückten wir? In einem Starbucks Coffeeshop. Zu erwähnen ist hier, dass es in Vancouver 120 Starbuck Coffeeshops gibt. Und auch wenn Vancouver sehr gross ist, kommt es tatsächlich vor, dass man sagen kann: “An jeder Ecke hat’s ein Starbucks”.

Die Überfahrt bei schönstem Wetter und angenehmen Temperaturen war eindrücklich und sehr kurzweilig. An Bord hatte es Unmengen Touristen, hauptsächlich asiatischer Herkunft. Deren Verhalten im Zusammenhang mit Foto- und Filmaufnahmen ist sehr amüsant. Und by the way: Hier in Kanada ist vor wenigen Tagen der neue Harry Potter-Band erschienen. Wer hier zur Zeit ein Buch liest, liest zu 84 % Harry Potter, sagenhaft! Überall sieht man Gesichter, die zwischen den Buchdeckeln mit der Aufschrift “Harry Potter” stecken.

Nach der Ankunft ging’s gleich weiter Richtung Victoria, der Inselhauptstadt. Schön für einen Kurzabstecher, aber sehr, sehr, sehr touristisch. Wir zogen weiter Richtung Nordwesten und erfreuten uns ob der schönen, kontrastreichen Küstenabschnitte (Meer, Wald, Berge, Himmel). In Duncan (the Capital of the Totempoels) legten wir eine Pause ein. Wir erwarteten von dieser Kleinstadt eigentlich nicht viel. Und siehe da, wir wurden überrascht. Feines Essen (Chicken Curry), Geschäfte, die Brot (das was wir unter Brot verstehen) verkaufen (auch wenn die Westfahlian Bakery unfortunately closed war) und Gwaför-Geschäfte, die am Montag geöffnet sind. Denn schliesslich hat Martin schon seit einigen Tagen mit dem Gedanken gespielt, sich einen Kahlschnitt verpassen zu lassen. Und heute war es wie schon erwähnt sehr warm und deshalb war heute sein Tag gekommen. Rein in Shirley’s Hairstudio – fünf Minuten Domdöse ausführen – und fertig ist das “Angesicht”. Na ja, noch etwas gewöhnungsbedürftig, aber wenigsten braucht er am Morgen nicht mehr immer so lange im Bad. Sonnencrème und das neu erstandene Calgary Flames-Cap kamen sofort zum Zug. Nach einem kurzen Shopping-Abstecher in den Safeway (da gibt’s übrigens Pringles Chips in Kleinportionen, d.h. 8 mal 20 Chips separat abgepackt und an der Kasse kann man sich eine CD mit dem Titel “My last will – Make your Testament”, Word Edition, erstehen) ging’s weiter Richtung Port Alberini und dann nach Sproat Lake, wo wir einen reservierten Camp-Site haben. Die Reise war relativ lang und die Wärme sowie die frühe Tagwacht taten das ihrige dazu, dass wir uns zwischendurch entschlossen haben, eine Schlaf-Pause einzulegen. In einem Provincial Park haben wir uns für eine Stunde aufs Ohr gelegt, bevor wir die letzte Reiseetappe des heutigen Tages zurücklegten.

Der Campground am Sproat Lake ist wieder sehr schön gelegen und sehr, sehr ruhig (die Mücken tragen hier natürlich wieder das ihrige dazu bei – wer will bei dieser Plage noch lange draussen sitzen bleiben?). Auf dem See sind zwei Flugzeuge abgestellt, die jeweils für Löscheinsätze bei Waldbränden zum Einsatz kommen.

Martin Mars heissen diese Wasserbomber und können bis zu 27 Tonnen Wasser für einen Löscheinsatz aufnehmen. Interessant ist, dass einem die beiden Flugzeuge bei einer ersten Betrachtung eher klein vorkommen. Durch die grossen , im Wasser liegenden Tanks an der Unterseite sieht man nur einen kleinen Teil der Maschine. Tja, hoffen wir nun einmal, dass diese Geräte möglichst lange nicht mehr zum Einsatz kommen, auch wenn ein solcher sicher sehr spektakulär sein muss.

Ein gediegenes Spaghetti-Znacht bildet den würdigen Abschluss für diesen schönen Tag mit meinem neuen Reisebegleiter Kojak.

Dienstag, 12. Juli 2005: Tierkunde

Heute war ausschlafen angesagt. Aber … das Rudel der Kinder der Nachbars-Camperleute war schon früh ans Tagwerk gegangen. Schon am Morgen früh spielten sie eine Art “Tschiggis”. Dabei war jedes Kind mit einer langen, aufblasbaren Plastik-Keule ausgerüstet, mit der dann dasjenige Kind, das neu den “Tschigg” bekam, angetüpft (um nicht “verdroschen” zu sagen) wurde. Das ganze spielte sich natürlich völlig lautlos und ausserhalb “unseres” Camping-Sites ab. Es war sehr idyllisch, einzig Marine Boy – der Superheld – war ein wenig aus dem Häuschen … wohl weil er nicht mitspielen konnte.

Und jetzt stand er unmittelbar bevor – der grosse Moment: pure full huck-up experience!!! Zum ersten Mal Grau- und Schwarzwasser-Dumping, sämtliche Leitungen und Rohre durchspülen, Wassertank auffüllen – alles genau nach den robertschen Instruktionen. Alles verläuft problemlos und einwandfrei. Wir sind nun schon fast wirklich echte Camper!

Nach der obligaten morgendlichen Intensiv-Behandlung der Mückenstiche (es ist wirklich unvorstellbar, was diesbezüglich abgeht – und man merkt nichts von den Tieren, bis man sich kratzt und merkt, dass sie wieder zugestochen haben), die nun nebst der Kniebehandlung von Martin auch noch um die Halsbehandlung der fliegenden Reporterin ergänzt wurde … Machten wir uns auf den Weg nach Miette Hot Springs, d.h. also zu heissen Quellen. Ein ausgiebiges Bad ist eine gute Alternative zu den täglichen Minuten-Duschen. Für einen kanadischen Dollar kann man auf den Campingplätzen i.d.R. vier oder fünf Minuten duschen. Von Jasper fährt man 44 km bis Pocahontas und von dort durch das wunderschöne Fiddle Valley nochmals etwa 17 km durch eine wildromantische Landschaft. Das schwefelhaltige Wasser der heissen Quellen geniesst man in open-air Pools. Das Wasser fliesst mit 54 Grad C aus den Felsen und wird dann auf 41 rsp. 38 Grad herabgekühlt. Gerade einmal eine halbe Stunde hielten wir es aus. Ein kurzer Abstecher in das eisig kalte Erfrischungsbecken (die Temperatur wurde in diesem Becken zutreffenderweise mit einem Temperatur-Messer in Form eines Pinguins gemessen) kostete einige Überwindung.

Da sich das Wetter in der Zwischenzeit von seiner absolut besten und schönsten Seite zeigte, beschlossen wir, Richtung Maligne Lake aufzubrechen. Schliesslich gilt diese Ecke als das schönste Ausflugsziel des Parks (zu den Superlativen, die in diesem Land sehr regelmässig eingesetzt werden, dann später noch einmal mehr). Ein Phänomen ist der Maligne River, der vom Maligne Lake in den scheinbar abflusslosen Medicine Lake fliesst. Das Wasser verschwindet unterirdisch aus dem See und taucht erst nach Kilometern wieder an der Oberfläche auf. Die Schönheit des Maligne Lakes, eines in eine unbeschreiblich schöne und wilde Berglandschaft eingebetteten Sees ist nahezu unbeschreiblich. Überwältigend ist hier auch die Blumenvielfalt. Viele unserer Gartenpflanzen findet man hier in wilder Form. So die Wildrose, Delphin, Lupinien, Lilien nebst natürlich den klassischen Blumen wie Arnika, Klee, einer Art Alpenrose und vielem mehr. Auch Squirrels und Chipmunks hat es hier in grosser Zahl (ehm, das wären dann aber Tiere…).

Martin hat sich während unserer Zeit am See mit einem Chipmunk angefreundet. Das kleine Ding hat uns während der Zeit am Ufer des Sees begleitet (die kleinen Wesen sehen einander so ähnlich, dass wir nicht gemerkt hätten, wenn es sich um ein anderes Exemplar gehandelt hätte). Als es dann aber (in Anlehnung an den Film “Babe”) gefragt hat: “Darf ich Papa zu dir sagen?”, sind wir dann gegangen.

Die Rückfahrt nach Jasper war kurvenreich und von der Aussicht her absolut spektakulär. Plötzlich, als wir gerade aus einer Kurve herausfahren, meint Martin: “Was kommt denn da daher?” Tatsächlich kam uns auf der Strasse, sogar noch auf der richtigen Strassenseite ein Grauwolf entgegen. Mund leicht geöffnet, Zunge draussen trabte er aufmerksam seine Umgebung beobachtend bergauf. Toll – wir können unser Glück, einen wilden Wolf aus dieser Nähe zu sehen, fast nicht fassen.

Und tierisch geht es weiter: Wir sehen zwei ausgewachsene Hirsche mit riesigem Geweih. Einer davon, den wir nur aus einer gewissen Distanz sehen hat 15 Enden an seinem Geweih. Eine absolute Seltenheit, wie uns ein kanadischer Elk-Spezialist, der ebenfalls vor Ort ist, erklärt. Kurz vor Jasper kommt es dann zu einer Bergschaf-Manifestation auf dem Highway. Für diese militante Aktivität haben die Bergschafe vor allem die herzigen Jungtiere aufgeboten. Die muntere Tierschar macht es sich auf dem Highway gemütlich. Wir sind wohl noch das letzte Auto, das für eine gewisse Zeit die Strasse passieren kann. Danach ging nichts mehr und es dauerte gwüss lange, bis hinter uns wieder Autos auftauchen.

In Jasper angekommen, alimentieren wir unsere Essensvorräte und gehen dann im Jasper’s Pizza Place (sehr freundliche,ungekünstelte Bedienung) eine … ja klar … eine Pizza essen. Während des Essens beginnt es plötzlich wie aus Kübeln zu regnen. Kurze Zeit nach dem Wolkenbruch scheint aber bereits wieder die Sonne und beschert uns ein Erlebnis der ganz besonderen Art: einen doppelten Regenbogen! Phantastisch, wie sich der klare, farbige Bogen in der regenfrischen Landschaft abhebt. Alle Touris begeben sich vor das Restaurant und lassen ihr Essen kalt werden. Überall wird fotografiert und gefilmt. Einzig die Einheimischen lassen sich durch dieses Naturspektakel nicht aus der Ruhe bringen. Unsere Waitress zum Beispiel meint lachend: “O yeah, a double rainbow – we have them very often here. It’s cool eh, isn’t it?” “O yeah, it’s really cool…” Bevor wir zum Camping zurückgehen, machen wir noch einen Abstecher zur Jasper Tramway Talstation. Von dort führt eine Seilbahn auf den Mount Whistler, den Hausberg von Jasper. Interessant ist die Ankündigung der jeweiligen Fahrt bzw. des “Flugs”. “Passengers for flight 86 are kindly asked to proceed to the lobby”. Und kurze Zeit später: “This is the final call for flight 86. Passengers please proceed immediately to the lobby.” In der Hoffnung vielleicht noch weitere Fauna-Highlights erleben zu können, fahren wir mit dem Auto noch ein Stück auf dem Highway 93A. Aber irgendwie läuft nichts mehr – ja gut, zwei Hasen hoppeln fluchtartig von der Strasse weg. Aber das ist dann wirklich alles. Müde aber glücklich und zufrieden über die schönen und erlebnisreichen Ferientage, die wir hier in Canada verbringen können, kehren wir zurück auf den Campground. Diese Nacht verbringen wir auf einem andern Site. Da wir ursprünglich nur eine Nacht gebucht hatten, mussten wir Site wechseln (nicht mehr full huck-up – will heissen: auch keine Dumping-Activities mehr). Dafür hat’s hier auch weniger Kinder und ist daher viel ruhiger. Was für den nächsten Morgen von grösster Bedeutung sein wird. Verraten sei nur: Am nächsten Morgen früh (07.00 Uhr), Martin wird gerade am Kaffee kochen sein, wird in unserem Camper der Feueralarm losgehen. Einfach mal so, es brennt glücklicherweise nichts, der Alarm wird nur durch die Wärme der Gasluft ausgelöst. Ja, so schafft man sich Freunde, auch wenn man keine Kinder dabei hat.

 

Montag, 11. Juli 2005: Bären, Bären, Bären – und schon sind sie wieder weg…

Nun mal alle ehrlich: Stellt euch vor, ihr wäret in Kanada auf einem Campingplatz, irgendwo in der Pampa. Schön romantisch gelegen, mitten im Wald. Mitten in der Nacht spürt ihr ein Bedürfnis, euch zu erleichtern. Was wählt ihr in diesem Fall?

a) Ich marschiere 300 m vom Van zum Plumpsklo und wieder 300 m zurück und setze mich der Gefahr von Bären, Pumas und Mücken aus

b) Ich setze meinen wohlgeformten Eisenbahnerhintern auf die Toilette im Van und feiere das als Premiere, da ich noch nie zu diesem Zweck auf einem A4-grossen Teil gesessen habe

c) Ich mache ins Bett

d) Ich ignoriere meinen Körper

Antworten bitte bis zum 14.7.2005 an die folgende Adresse senden:

Camper Survey

Governement

3000 Kanada

Unter den Teilnehmenden wird ein tosender Applaus verlost.

Und nun zum Tagesbericht:

Wir haben den Wecker auf 6:45 Uhr gestellt, und waren wohl die ersten Menschen in diesem Park, die so früh aufgestanden sind. Wir wussten, dass die Duschen zwischen 6.00 AM und 8.00 AM gereinigt werden und wollten dann bereit sein, wenn es los ging. Und das klappte durchaus.

Frisch geduscht fuhren wir also über den Highway #11 in Richtung Rockies. Die Gegend war wunderschön, hinter jeder Kurve wartete wieder ein neues Bild auf uns. Das Wetter spielte nicht unbedingt so mit, wie wir uns das vorstellten, so alle 10’ hat das Wetter gewechselt, und zwar von wüst auf hässlich.

Bei der Saskatchewan River Crossing mündeten wir in den Highway #93 ein, auch bekannt als Icefield Parkway. Dieser Highway stellt die Verbindung zwischen Lake Louise und Jasper her und gilt landschaftlich als eine der schönsten Strecken (hier weiss ich leider nicht, ob es die schönste Strecke Albertas, Kanadas, Nordamerikas oder der Welt ist. Eh, spielt ja auch keine Rolle). Nach einigen Kilometern kamen wir beim Columbia Icefield vorbei. Dort hat man die Möglichkeit, mit Bussen, welche mit riesigen Schneepneux ausgerüstet sind, auf den Gletscher zu fahren. Diese Möglichkeit liessen wir links liegen und fuhren mit dem Auto bis zur Gletscherzunge. Jahresschilder zeigten uns, wie die Gletscher geschmolzen sind. In den letzten 100 Jahren sind die Gletscher hier oben sicher 500 m zurückgegangen! Wer da noch nicht den Link zur globalen Erwärmung macht, ist selber schuld.

Weiter gings dann wieder nordwärts Richtung Jasper, als auf der Beifahrerseite plötzlich ein Bär am Strassenrand war. Bettina konnte vor lauter Freude und Überraschung den Satz “Martin, mein lieber Gatte, hättest du eventuell die Güte das Fahrzeug abzubremsen und auf den Pannenstreifen zu stellen, da ich soeben ein Säugetier der Gattung Bär erblickt habe und diesen Anblick noch ein bisschen geniessen möchte” nicht aussprechen und brachte nur grad “E Bär” heraus. Leider waren wir schon ein bisschen zu weit weg gefahren, so dass wir rückwärts fahren mussten, um die Stelle zu finden. Klar war das Beifahrerfenster schon unten und der Fotoapparat griffbereit, als wir beim Bären angelangt waren. Als der Bär irgendwie Anstalten machte, in Richtung uns zu kommen, hatte Mann ein Praxisbeispiel vor Augen, wie man es nur selten zu sehen bekommt: “Die Reaktion einer Beifahrerin im Wechselspiel von Gwunder und Vorsicht”. Reell hat das so ausgesehen, dass man wegen dem Gwunder den Kopf draussen hat, um den Bären zu sehen, aber aus Vorsicht den elektrischen Fensterheber betätigt… Den Abdruck der Fensterscheibe am Kinn sieht man noch heute, 3 Tage später…

Ah, der Bär hatte dann das Weite gesucht und ward nicht mehr gesehen.

Interessanterweise wiederholte sich das Ganze 400 m weiter noch einmal: Wieder einen Bären entdeckt, wieder daran vorbei gefahren, wieder zurück, aber nein, dieses Mal blieb der Kopf im Fahrzeug… Aber auch hier war der Bär schon weg, als wir zum Sichtungsort kamen.

Kurz vor Jasper gingen wir auf den Campground ‘Whistler’. Der Campground ist ideal gelegen. Seit diesen Frühling hat die Kanadische Parkverwaltung die Reservationsmöglichkeit von Campsites über Internet eingerichtet. Dank unserer Vorreservation erhielten wir noch einen Platz.

Nach dem Einchecken fuhren wir nach Jasper. Beim Dorfeingang kamen wir an einem Rudel Hirsche vorbei, welche so provokativ im Gras ästen, dass sie fotografiert werden mussten. Ich habe das Wort ‘äsen’ mal in der Schule gelernt und mich immer gefragt, wann ich es mal brauchen kann. Schön, dies erleben zu dürfen! Während der Hirschfotosession telefonierte ich mit BC Ferries, um uns den Fährenplatz von Prince Rupert nach Prince Hardy bestätigen zu lassen. Leider waren wir immer noch auf der Warteliste, so dass wir auf die Fährenfahrt verzichteten. Wären wir ab Jasper nach Prince Rupert gefahren und keinen Platz auf der Fähre gehabt, hätte dies einen Umweg von 1200 km bedeutet. Nun beschlossen wir, direkt nach Vancouver zu fahren und dann noch auf Vancouver Island zu gehen. Die Fährenfahrt sparen wir uns für eine andere Reise auf.

Der Stadtbummel in Jasper war nicht sehr ausgedehnt, die Stadt ist einfach zu klein. Für Einkäufe im Christmas Shop reichte es aber trotzdem…

Im Earls assen wir was. Dabei hatte ich nicht grad eine glückliche Menuauswahl getroffen – der Food war einfach viel zu gesund! Warmer Randen und Zucchetti sind nicht meine Favourites – aber Bettinas… Schön, solche Dinge abschüfelen zu können!

Nach dem Essen trafen wir im Städtchen eine Familie aus der Schweiz, mit welcher wir schon bei der Hirschfotosession gesprochen haben. Die Kids schickten sie ins Kino, Romy und Daniel kamen dann mit uns ins Bier. War noch nett mit ihnen zu plaudern. Sie stammen aus Wohlen AG, Daniel ursprünglich aus Kerzers, hat mal bei Sparta bei den Junioren geschuttet, dann in der 4. Liga von Sparta und hat die Jungs dann in die 3. Liga geschossen. Als er mal vom Trainer nicht aufgestellt wurde, hat er die Freigabe vom Verein verlangt… (#8, kennst du den? Frag mal den Ürsel. Daniel ist in meinem Alter, nur 10 Jahre älter).

Nach ein paar Alkohols gings zurück zum Camping, wo wir auf Grund der geänderten Reisepläne noch eine Nacht nachbuchten – leider aber nicht mehr auf ‘unserem’ Platz, sondern nur noch auf einem mit ‘unservice’. Also ohne Stromanschluss für die Mikrowelle, kein TV, kein DVD – nix, nur eine Feuerstelle…

 

Sonntag, 10. Juli 2005: Mücken werden nie unsere Freunde

Im Radio spielten sie in der letzten Zeit einen Stampede-Spot ab, der in etwa wie folgt ging:

Stimme: “Autsch!”

Zweite Stimme: “Sie hörten soeben einen Cowboy, der von einem 1200 kg-Bullen am Kopf getroffen worden ist.”

Stimme: “Auuuuuua, ä,u, auuuuuuuuua, ääääääääääh, uuuuuuuuuuuu, aaaaaaaaaaaaaaaahhhh!!!!!!!

Zweite Stimme: “Sie hörten soeben einen Fussballer, der in einem Spiel getackelt worden ist.”

Zweite Stimme: “Sie sehen, an der Stampede treffen sie die Härtesten Männer.”

So wusste ich, dass sich wohl was ganz krasses abgespielt hatte, als ich am Sonntagmorgen früh einen kurzen Schlag hörte und sich mein lieber Mann neben mir unter lautem Gestöhne im Bett wand. Nein, liebe Freunde aus dem FCW-Kreis, er hat sich keine Sportverletzung eingefangen.!…. Vielmehr hat er sein rechtes Knie am Küchen- und Vorratsschrank, der halt bis ins “Schlafzimmer” reicht, angeschlagen. Mit einer noch recht kühlen Cola-Dose versuchten wir zu retten, was noch zu retten war. Eine leichte Verfärbung und eine Schnatte im Knie sind die sichtbaren Folgen dieses Vorfalls. Ohne auch nur noch einmal mit der Wimper zu zucken, geht mein Cowboy seither durch seinen Canada-Alltag. Wir verliessen nun Calgary (ohne auch nur einen line oder square dance-Schritt mit meinem feurigen Tanztalent getätigt zu haben) in Richtung Norden. Letzte Fotos von der von weither überall gut sichtbaren Downtown und dann hat uns die grosse Weite der Canadian Highlands. Eine wunderschöne Ebene mit leichten Erhöhungen. Die gelben Rapsfelder und die endlos grünen Getreide- und Wiesenfelder bilden einen schönen Kontrast zum blauen Himmel. Zwischendurch wird die Landschaft durch ein Eisenbahn-Trassee zerschnitten. Die leuchtenden Signallampen bringen gleichzeitig die Augen gewisser Reisender zum Leuchten. “Allzeit bereit zum Fotografieren“ lautet da die Devise.

Die Ortschafen, die wir durchqueren, so z.B. Cremona, Rocky Mountain House und einige mehr, haben alle den gleichen raumplanerischen Aufbau: Am Dorfeingang ist immer ein Schild mit dem Ortsnamen und dem Gründungsjahr der Community (z.B. Established 1912). Erste Tankstelle dann Food Market mit angrenzendem Liquor-Store, dann zweite Tankstelle mit Body-Shop (wobei Body-Shop nichts mit Körperkultur oder Kosmetik zu tun hat, da es sich dabei nämlich um eine Carosseriespenglerei handelt), dann Fastfood-Lokal wie Tim Hortons oder wahlweise auch Dairy Queen, allenfalls kann es auch noch ein Subway (the Sandwich company) sein. Es folgt eine dritte und eine vierte Tankstelle, ein ordentliches Restaurant (families are always warmly welcomed), eine Remax Real Estate Agency, eine fünfte Tankstelle und eine bankenähnliche Institution für Geldleihe mit, wenn’s hoch kommt einem Geldautomaten). Just vor dem Dorfende noch eine sechste Tankstelle mit integriertem Food and Grocery Store und dann – good bye and see you again …

Mit Argus-Augen durchkämmen wir sämtliche Wälder, Wiesen und Moorlandschaften auf der Suche nach wilden Tieren. Und tatsächlich lässt sich einiges ausmachen. In den Moorgebieten sind immer wieder Mooses zu sehen. Diese elchähnlichen Tiere (oder sind es sogar Elche? – ist halt schon eine Weile her seit den Erklärungen von Hans A. Traber) ernähren sich hauptsächlich von Wasserpflanzen in stillen Gewässern. Aber unser Hauptaugenmerk richtet sich natürlich auf Bären. Und sieh da: auf der rasanten Fahrt auf dem Highway ersperbert Bettina einen solchen. Bei der erstbesten Gelegenheit wendeten wir unser Fahrzeug und fuhren zurück. Sensationell! An einem leicht abschüssigen Waldrand, hinter einem Holzzaun – also konnten wir uns in Sicherheit wähnen – sichteten wir das schwarzbraune Tier, das sich in aller Ruhe auf Nahrungssuche befand. Sichtbar hungrig aber trotzdem bedächtig suchte es sich die saftigsten Grasbüschel aus und frass diese genüsslich. Einziges Makel: Beim gesichteten Tier handelte es sich um ein Rind und nicht um einen Bären. Zur Entlastung der Entdeckerin dieses Bärs muss noch angefügt werden: Das schwarzbärenfarbige Tier war allein auf weiter Flur im Wald unterwegs und wenn es Gras ausriss – sah es im hohen Gras von weitem – aber wirklich nur von sehr weit weg und mit Gegenwind in den Augen – einem Bären zum Verwechseln ähnlich. Trotzdem hat die Story das Zeug zu einem running gag.

In Rocky Mountain House haben wir uns im Laden am Dorfeingang noch mit Früchten und Getränken eingedeckt und uns dann Richtung Campground aufgemacht. Von weitem schon sahen wir, dass das Strassenschuld unseres Wunsch-Campgrounds beim Crimson Lake mit dem Schild “Full – Complet” versehen war. Martin, nun bereits etwas vertraut mit der kanadischen Mentalität meinte, dass er das nicht glaube, die seien doch einfach zu faul gewesen, das Schild wegzunehmen, das vom Wochenende her (da war der Campground gemäss Augenzeugenberichten wirklich full bzw. Complet) noch da hing. Gewisse Frauen reagieren bei solchen Absichten jeweils ein wenig staubig, warum nach freien Plätzen fragen, wenn es ja schon ausgewiesen ist, dass alles voll ist. Aber Zeller wäre nicht Zeller, wenn er nicht nach wenigen Minuten aus dem Campground-Store herausgekommen wäre und stolz mit einem registrierten Meldeformular gewunken hätte. So hatten wir, “Thank you Marten” einen wunderschönen Platz mitten im Grünen, für uns und die Mücken. Die Mückenplage ist elendiglich. Da war Skandinavien nur ein Trainingscamp.

Standesgemäss gab es Spaghetti mit Tomatensauce und Salat zum Znacht. Aufgrund der Mücken wurde es zur fast Food-Veranstaltung. Aber fein war’s trotzdem.

 

Samstag, 9. Juli 2005: An der Stampede

Heute war Samstag, ausschlafen war angesagt, was ziemlich gut gelang. Danach haben wir unser Fahrzeug zweckmässig eingerichtet und uns entschieden, die ‘Betten’ auch während des Tages eingerichtet zu lassen. Obschon wir massiv viel Gepäck bei uns haben, gelang es uns, alles irgendwie zu verstauen. Nun hat aber NIX mehr Platz!

Das gemütliche Zmorge fiel leider aus, da ich den Gashaupthahn leider nicht öffnen konnte. Nach der Robertschen Instruktion vom Vortag, in welcher er auch über die Gefährlichkeit des offenen Gashahns während der Fahrt doziert hatte, habe ich offenbar ein bisschen ZU viel Energie beim Schliessen bewiesen. So gingen wir halt beim Shop einen Kaffee holen. Duschen und Smalltalk folgten anschliessend. Der Smalltalk ergibt sich überall: Beim Geschirr abwaschen, beim pinkeln, beim kömerlen – einfach überall wollen einem die Einheimischen was sagen über den frühen Frühling, über das künstliche Kniegelenk – die Themenliste ist nicht beschränkt.

Als dann ein nach Bär aussehender Kanadier mit Werkzeug in den Händen ins Blickfeld kam, sprach ich diesen sofort darauf an, ob er vielleicht mit seinem Werkzeug den Gashahn aufdrehen konnte. Hilfsbereit wie die Einheimischen nun mal sind, kam er sofort und öffnete den Gashahn mit seinen blossen Händen – spielend! Ich war also wieder mal das Poulet, welches offenbar nicht den richtigen Hebeleinsatz seiner Hände gewählt hat… Ich bedankte mich artig und zeigte ihm meine Hände, “These are office-hands, you know” und wollte grad einen auf Smalltalk machen. Er sah aber, dass es keinen grösseren Sinn mehr macht, mit mir über meine handwerklichen Fähigkeiten zu diskutieren, zeigte noch einmal die beim Gasaufdrehen notwendige Körperhaltung und verabschiedete sich.

Während des Tages merkten wir, dass man uns hier sehr gern hat. Zumindest die Mücken. Die saugen gnadenlos! Und wir knallen sie gnadenlos nieder – wenn wir sie erwischen… Die Stiche konnte man mittlerweile nicht mehr an einer Hand abzählen, aber wir waren ja medizinisch auf dem neuesten Stand: Für unsere Finnland-Ferien vor 2 Jahren haben wir uns ein Vakum-Spritzenset gekauft, welches man über dem Stich ansetzen und das Mückengift raussaugen kann. Gar nicht so schlecht das Teil, und die Erfolgsquote liegt bei über 50%. Der Nachteil ist nur, dass es ein bisschen junkiehaft aussieht, wenn man die Spritze ansetzt, und dass sich die behandelte Stelle danach wie ein Knutschfleck verfärbt (wer sich da noch an „Knutschflecken“ erinnern kann/mag…)

Am frühen Nachmittag stand dann die Fahrt zum Flughafen auf dem Programm. Der Autovermieter war unser Ziel – wir wollten die Schlüsselchen am Schlüsselbund wieder haben… Aber leider Fehlanzeige, der Wagen war schon wieder vermietet und der Nachmieter hat wohl schon überall am Wagen die Schlüsselchen ausprobiert… Nun musste halt doch irgendwie das Schloss aufgebrochen werden!

So fuhren wir mit unserem Van wieder Richtung Stadt, und stellten ihn auf einem Park and Ride der Verkehrsbetriebe ab. Nachdem wir am Vortag beim Spital noch 10$ bezahlt hatten, war dieser gratis. Wie sicher dieser aber war, konnten wir nicht abschätzen (eh, es ging ja alles gut, die Kanadier sind ein ehrliches Völklein!).

Der Zug brachte uns zur Stampede, wo wir Natalie trafen. Natalie kam auch zur Schule, hörte vor einigen Wochen auf und reiste in der Zwischenzeit herum.

Eine Massenhypnose stand zuerst auf dem Besuchsprogramm: Da gelang es einem Hypnotiseur tatsächlich, 18 Personen in Trance zu versetzen. Mit dem Resultat, dass sich diese Versuchskaninchen den Befehlen des Meisters hingaben und Sachen machten, welche sie sonst nie machen würden, z.B. Heulen wie die Wölfe, tanzen wie Frau Spears, 12jährige Jungs anmachen… Der Phantasie ist auch hier kein Limit gesetzt!

Auch heute war der Saddledome unser Ziel, wo keine Hockeyaner sondern Pferde ihre Show abzogen. Diesmal hatten Shire-Horses in Begleitung des Calgary Philharmonic Orchestra ihren Auftritt. Auch für die Laien wie wir war es interessant und begeisternd, die schweren Arbeiter mit Begleitung von klassischer Musik ‘tanzen’ zu sehen!

Am Abend war dann Action pur angesagt: Chuckwagon – Race. Chuckwagons sind leicht modifizierte Planwagen, wie wir sie aus den Westernfilmen kennen und werden 4spännig gefahren. Nun wäre es zu simpel, wenn diese wie bei einem F1-Rennen einfach so aufgereiht wären – es kam besser: 4 Wagen pro Serie waren entgegen der Laufrichtung aufgestellt. Auf das Startzeichen mussten 4 Begleiter auf Pferden zuerst 2 Stangen und ein Holzfass in den Chuckwagon einladen, bevor dieser losfahren durfte. Dann fuhren die Chuckwagon los, mussten zuerst ein Holzfass umfahren und rasten über die Pferderennbahn. Die 4 begleitenden Reiter mussten nachreiten und der Sieger war das Team, welches zuerst im Ziel war. Dabei gab es Zeitzuschläge, wenn man das Fass umstiess oder nicht alle Reiter innerhalb 100 Yard ins Ziel kamen. Spektakel pur!

Als alle Chuckwagenläufe abgespult waren, wurde eine grosse Bühne aufgebaut – hier galt es nun, das Stampede-Festival aufzuführen. Ehrensache, dass wir vor der Vorführung zuerst die kanadische Nationalhymne sangen. Richtig kitschig wurde es aber erst, als mitten während der Hymne ein Helikopter mit einer angehängten grossen Kanadafahne über dem Stampede-Ground seine Runde drehte… Hunderte von Schauspielern – vornehmlich Tänzer aller Altersgruppen – waren anschliessend in die Show integriert. Das Ganze thematisierte die 100-jährige Zugehörigkeit der Provinz Alberta zu Kanada und erinnerte in Art und Weise der Aufmachung an eine Mischung zwischen Geburtstagsparty, Eröffnungsfeier zu Olympischen Spielen und ‘Spiel ohne Grenzen’. Der roten Faden im Ganzen fehlte irgendwie und wurde durch Unmengen von Feuerwerk kompensiert. Da gingen Zehntausende von Dollars in die Luft, und dies alles vor den Stallungen der Gäule und Bullen!

Der Abend endete in grossem Glück:

a) wir haben das Auto wieder gefunden

b) die Karre wurde nicht aufgebrochen

Nach einem solch anstrengenden Tagesprogramm fielen wir nur noch müde ins Bett…

 

Freitag, 8. Juli 2005: Unterwegs mit dem Camper. Und das erste Rodeo

Nun galt es Abschied zu nehmen vom Hawthorn Calgary an der 5th Avenue. Nicht nur wir nahmen Abschied, schon bald müssen alle Abschied nehmen, weil das Hotel den Namen wechselt. Calgary 5 Downtown soll das Teil neu heissen…

Anschliessend galt es, den Chevi Monte Carlo ein letztes Mal auf Hochtouren zu jagen. Wir mussten den Wagen abgeben und fuhren zum Flughafen. Die Abgabe verlief sehr schnell. Leider ein bisschen zu schnell – aber das habe ich erst einen Tag später bemerkt: Zusammen mit dem Schlüsselbund des Autos gab ich auch den Schlüssel des Vorhängeschlosses ab, mit welchem ich meinen Laptop-Rucksack abgeschlossen hatte… Somit war der Laptop vorläufig nicht greifbar…

Am Flughafen nahmen wir ein Taxi, um zur CANDAN Campervermietung zu gelangen. Die Taxichauffeure – meine Spezialfreunde – sind weltweit die Gleichen: Man muss ihnen sagen, wo sich der gewünschte Ort befindet… So konnte auch ich unseren indischen Kanadier ans Ziel führen.

Um 11 Uhr hätten wir bei Candan sein sollen – natürlich waren wir zu früh, schliesslich mussten wir uns noch ein bisschen Reservezeit organisieren, der Tag war voll durchgeplant (kennt man doch von zu Hause…). So hatten wir bei Candan die Gelegenheit, die Sampede-Parade durch die Stadt am TV anzusehen. Hatte ein wenig was von einem Fasnachtsumzug mitten im Sommer…

Endlich hatte dann auch Robert Zeit, uns den Van zu erklären. Bei Candan gilt “Man spricht deutsch”, und Robert machte hier keine Ausnahme. Dem Accent nach zu schliessen wohl ein austrianischer Ost-St. Galller…

Jedes, aber auch jedes Detail hat uns Robert erklärt. Speziell zeitaufwändig war die Erklärung der Funktion der Markise. Eh, am Van hats drum eine Store, eben, die Markise. Auch das Leeren des Abwasser- und des Fäkalientanks wurde uns erklärt – wir kennen nun den Unterschied zwischen Grau- und Schwarzwasser. Unser Camper ist ein Luxusmodell: Ein 3,5-Liter Chevrolet mit Roadtreck-Aufbau, mit Dusche, WC, Mikrowellenofen, Kühlschrank, TV und DVD. So lässt es sich doch in der Wildnis leben!

Nun fuhren wir los, mit diesem Teil. 2,5 Meter hoch, fast 6 Meter lang – ungewohnt, eine solche Kiste zu fahren. Und wenn ich dann noch mit unserem Corsa in Bern vergleiche…

Wir suchten uns einen Parkplatz beim Spital, wo wir dann auf den Zug umsteigen konnten. Der Zug heisst hier C-Train (Calgary-Train) oder LRT (Light Rapid Train). Da uns der Markisen-Robert alles Haarklein erzählt hat, waren wir nun ein bisschen knapp dran, um nicht zu sagen, viel zu spät für das Rodeo an der Stampede. So verpassten wir leider den Anfang. Aber wir sahen sonst viele tolle Sachen: Wie die Cowboys neben einem Muneli herleiten, sicht vom Pferd runterfallen lassen, im Stürzen die Hörner des Stiers packen und den Stier zu Boden werfen. Steer-Wrestling sagt man dem hier… Oder ohne Sattel auf einem wilden Pferd, oder sogar auf einem 1200 kg-Stier (Bull-Riding) reiten. Der Spass dauert so um die 8 Sekunden, dann ist der Cowboy unten… Oder die Cowgirls, welche im Tempo eines gehetzten Äffin um 3 Fässer reiten… Das Rodeo war sehr abwechslungsreich und hat grossen Spass gemacht! Wirklich empfehlenswert. Toll ist auch die mediale Aufmachung im Stadion mit Grossbildschirm, Zeitlupe etc. Nichts spezielles hingegen sind die Live-Interviews mit den Cowboys, welche sich nicht gross von den Interviews mit unseren Fussballern unterscheiden:

Cowboy: “Well, ich hatte Glück, dass ich den Stier gut an den Hörnern packen konnte”

Fussballer: “Na gut, Glück ist immer ein bisschen dabei, wenn ein solcher Freistoss reingeht”

C: “Well, ich habe den Stier nicht gekannt, wusste aber, dass er gross ist”

F: “Na gut, der FC Weissenstein ist auf der nationalen Fussballkarte ein unbeschriebenes Blatt, aber grad solche Gegner sind natürlich immer gefährlich!”

C: “Well, der Boden war ein bisschen zu nass”

F: “Na gut, der Platzwart hat zum Heimteam geschaut und den Rasen nicht gemäht”

So hatten wir dann unseren Spass an Mensch und Tier…

Nach Ende des Rodeos besuchten wir im ehrwürdigen Hockeystadion Saddledome eine Vorführung mit Arbeitspferden (Shire-Horses – Naddel, verzeih mir, wenn ich es nicht richtig geschrieben habe…) bevor es dann zu einem weiteren Highlight, nein, eigentlich zu einem absoluten Knaller der ganzen Stampede ging: Wir besuchten die 2. Runde des Schafscherwettbewerbes! Kanadier, Amis, Engländer und natürlich Australier und Neuseeländer sind hier die wichtigsten lies einzigen teilnehmenden Nationen. Unterstützt von den Fans des jeweiligen Landes. Wir Schweizer machten das früher auch mit unseren Skifahrern, aber jetzt müssen wir das ja zum Glück nicht mehr…

Nun, beim Schafscherwettbewerb geht es darum, 4 Schafe innert 6 Minuten gründlich zu scheren, und nicht zu verletzen. Die Wolle muss möglichst in langen Streifen vom Schaf geschnitten werden. Um das Ganze noch ein bisschen schwieriger zu machen, wurden Schafe zur Verfügung gestellt, welche noch nie eine Schafschur hinter sich hatten – dementsprechend wild waren die. Eh, etwa so wie Klein-Martin, als er das erste Mal zum Gwaför ging…

Der Schafschurwettbewerb ist witzig, ungewohnt, speziell und überhaupt…

Die Stampede lebt eigentlich von solchen Einzelevents. Der Stampede-Ground als solcher ist eine Mischung zwischen Schützenmatte und BEA. Und an jeder Ecke gibt es Lose zu kaufen. Hauptpreise sind je nach Lotterie ein Auto mit Boot, ein Wohnmobil oder ein Haus…

So verliessen wir dann gegen 19.00 Uhr die Stampede und gingen zum Campground , wo wir einen Platz reserviert hatten. “Oh, da seid ihr ja, ihr seid spät dran, ich habe euren Platz bereits weiter gegeben” sagte die freundliche Lady mit der rauchigen Marlborostimme hinter dem Pult. Nachdem ich diese Worte übersetzt und deren Bedeutung begriffen hatte schob sie ein “hoho, just kidding” hinten nach, frühzeitig genug, bevor ich einen Tobsuchtsanfall mit Schadensgarantie gekriegt hatte… Bin manchmal ein bisschen konservativ und verstehe nicht in jeder Situation zu jeder Stunde jeden Joke in jeder Sprache gleich gut…

Nach dem Einchecken gings ins Coop, um die ersten Einkäufe zu machen. Coop ist die Abkürzung von Cooperative und hat mit unserem Konsum nichts zu tun… Die Superprofitkarte wollten sie ömel nicht nehmen…

Bevor wir wieder zum Campground gingen, fuhren wir noch ins KEG-Steakhouse. Das Essen war prima, und der Service gemäss Bettina sehr freundlich. Dabei war der Kellnerjüngling doch so ein Schniguel und Slimer, wää….

 

Mittwoch, 25. Mai 2005: Kanada wartet auf die Queen – und vielleicht auch auf mich…

THIS IS A TEST

Vor der Reise ist natürlich Packen angesagt. Was nimmt man auf eine 9wöchige Reise mit? ALLES! Als Glücksfall hat sich dabei meine neue Tasche erwiesen, welche sooo gross ist, dass sie hinten 3 Räder haben muss…

Je grösser eine Tasche ist, desto mehr geht rein und desto schwerer wird sie. In Bern gibt es ja Taxidienste, welche einem von zu Hause zum Bahnhof bringen…

Am Bahnhof wurde ich noch von Jürg Michel persönlich verabschiedet (wann war er das letzte Mal vor 7.00 Uhr schon am Bahnhof?), mein Vater begleitete mich an den Flughafen.

Die Reise bis Zürich verlief planmässig und wunderbar – ab Zürich dann satte 25’ Verspätung wegen Lokwechsel (“Wir bitten Sie um Verständnis und Entschuldigung”). Nun gut – Reserve ist bekanntlich alles, so konnte mich diese Verspätung auch nicht schocken. Nach dem Check-in noch ein Café, 2-3 Einkäufe und dann los. Zürich – Frankfurt ist eine ¾ Stunde. Der Flug war wunderbar, das wolkenlose Wetter erlaubte einen Blick auf die Gegend unter uns.

Frankfurt AirportDie 2 Stunden Aufenthalt in Frankfurt vergingen rasch. Schöne Flugzeugbilder wurden einem präsentiert, Airlines von welchen man nur aus Büchern gehört hat. Jaja, in Frankfurt da ist was los…

Der Airbus A330 der Air Canada ist ein Riesenvogel: 46 Sitzreihen (ich in Reihe 40) mit einer 2 – 4 – 2-Bestuhlung. Ich konnte am Fenster sitzen. Mein Wunsch nach einem Nachwuchsmodel als Sitznachbarin erfüllte sich leider nicht, dafür konnte / durfte / musste ich Bekanntschaft schliessen mit einem 70 Jährigen, der vor 27 Jahren aus Polen nach Kanada ausgewandert ist und nun einen Abstecher in seine alte Heimat gemacht hat. Sein Beruf: römisch-katholischer Priester (Und er hat mit JP II also auch schon 3 Messen gefeiert – wie wohl alle Polen). Nun gut, ich habe in 10 Stunden mehr über die katholische Kirche in Polen gelernt als in 40 Jahren…

Reihe 40 hat den Nachteil, dass man bei der Food-Verteilung nicht mehr wählen kann. Die Auswahl geht wie immer bis Reihe 39 – so auch heute. Nun, das erste mal hatte ich Glück, denn es blieb nur noch das übrig, welches ich eigentlich wollte – Tschicken. Das Unterhaltungsangebot war sensationell: gleich 3 Filme wurden gezeigt – “Elektra”, “Finding Neverland” und “Les Choristes“. Drei Filme also aus der Kategorie “Nun ziehe ich die Kopfhörer ab und lese ein altes FACTS aus dem März”.

Erster Blick auf CalgaryDie Einreise war mühsam wie immer, man muss sich ja immer rechtfertigen bis zum geht nicht mehr, bis man einen Stempel im Pass hat. Der Bezug des Autos ging glatt vor sich – eine rote Superkarre des Modells “Monte Carlo” – die Marke teile ich bei Gelegenheit noch mit…

Wetter:

Sonnig, wunderschön, 20°, für die Nacht sind -2° angesagt. Aber um diese Zeit ist man ja – Jetlag sei Dank – im Bett…

Schlagzeile des Tages:

Die Queen hat heute Calgary besucht – Kanada ist halt immer noch eine Kolonie… Mitten im Abendverkehr war der Highway zum Flughafen gesperrt, was mich ja nicht gross kümmerte. Der Queen-Konvoi war eindrücklich, und ich vermute sogar, dass sie mir aus dem 5. Auto zugewinkt hat. Man muss also auf Calgary gehen um die Queen zu sehen! Übrigens: Das letzte Auto im Konvoi ist……. die Ambulanz!

Sport:

Eishockey, Memorial-Cup (höchste Juniorentrophäe in Kanada): Kewlona Rockets – Rimouski Oceanic: 1:4 nach 17:50 im 2. Drittel

Fussball, Champions League: Liverpool beats Ei-Si Milääään.