Sonntag, 1. August 2010: Nationalfeiertag – ohne uns…

Besuch von Meister PetzSonntag, und wir geniessen ein ausgiebiges Frühstück, um uns für den zweiten Tag in der Brooks Lodge zu stärken. Auch heute meinen es die Bären gut mit uns. Zahlreich halten sie sich bereits am Morgen bei der unteren Plattform auf. Die Fotoapparate kicken unaufhörlich. Mit Megakameras mit Mega-Objektiven wird alles bildlich festgehalten – aber warum schaut fast niemand dem Geschehen einfach zu, um das ganze live mit eigenen Augen zu sehen und nicht auf der Suche nach DER ultimativen Bärenfoto? Als sich einer der Bären an der oberen Plattform gerade voll gefressen hat und den Schauplatz verlässt, entdecken wir einen Weisskopfadler. Wow! Maiestätisch tront er auf einer hohen Tanne und beobachtet das Treiben am Boden. Später am Tag erspähen wir noch einen zweiten Weisskopfadler – allerdings nur durch den Feldstecher.

So sind wir den ganzen Tag draussen und geniessen die Natur. Um 16:00 sollten wir bei der Lodge sein, um den 17:00 Flug nicht zu verpassen. Und tatsächlich, wir verpassen es, rechtzeitig zu sein, da sich bei der Brücke eine Bärin mit ihrem Jungen befindet und wir somit die Brücke nicht überschreiten dürfen. Aber für den Flug mit dem Wasserflugzeug (eine De Havilland Otter) hat es noch gereicht. Noch einmal können wir die eindrückliche Landschaft von oben geniessen. Via King Salmon geht es wieder zurück nach Anchorage.

Ein erster Höhepunkt unserer Reise durften wir erleben – es war wunderschön!

Samstag, 31. Juli 2010: Wir sind im Bärenland!

Vier Uhr morgens. Es regnet in Strömen. Eigentlich könnten wir noch eine Stunde schlafen. Eigentlich. Aber unser erstes grosse Erlebnis steht an: Der Besuch der Brook Falls im Katmai National Park. Der Hotel Shuttle-Bus bringt uns zum Flughafen. Auf der Fahrt dorthin komen wir mit einem deutschen Ehepaar ins Gespräch, welches vor einigen Tagen ebenfalls die Brooks Falls besucht hat. Sie erzählen uns von einer Bärin, die vier Junge hat und sich mit diesen oft am Strand aufhält. Das sind Aussichten.

Anchorage im RegenAm Airport in Anchorage bringen wir unser Hauptgepäck in den Storage, so dass wir nur das allernötigste mit uns nehmen müssen. Schliesslich reisen wir zuerst mit einem Kleinflugzeug (nach King Salmon) und anschliessend mit einem Wasserflugzeug (bis Brook Falls). Vor dem Abflug reicht es noch für ein kleines Frühstück und schon geht’s zu Fuss im strömenden Regen zum Flugzeug (Saab 340). Im Flugzeug werden Ohrstöpsel gereicht. Der Self-Checking nach Konsultation der Homepage „Seatguru“ erweist sich gut gemeint aber wenig effektiv. Wir sind davon ausgegangen, dass sich die Einzelsitze der 2. und 3. Sitzreihe noch vor dem Flügel befinden. Das Flugzeug ist aber so klein, bzw. die Flügel so gross, dass nur die Reihe 1 freie Sicht hat, was aber in Anbetracht von Regen und Nebel unerheblich ist. Nach 75 Minuten Flug erreichen wir King Salmon, wo uns ein Bus zum Standort der Wasserflugzeuge bringt. Kaum sind wir los gefahren, entdecken wir bereits die ersten zwei Bären am Strassenrand. King Salmon ist so was wie der letzte Outpost vor dem Niemandsland. Bevor wir in Gruppen auf die bereit stehenden Flugzeuge aufgeteilt werden, müssen alle Passagiere mit ihrem Gepäck auf die Waage. 170 Pfund zeigt diese bei Bettina an – das Gepäck war doch schwerer als wir angenommen hatten 😉

Wasserflugzeug De Havilland OtterDa offensichtlich plötzlich eine Person mehr in der indischen Reisegruppe ist, die auch auf die Flugzeuge aufgeteilt wird, fliegen getrennt nach Brook Falls. Martin zuerst. Bettina mit dem nächsten zurückkehrenden Flugzeug. An ihr und den anderen wartenenden Reisenden können sich die zahlreich vorhandennen Moskitos gütlich tun. Der Flug mit dem Wasserflugzeug ist spektakulär und eindrücklich. Wir überfligen ausgedehnte Landschaften – seenreich, karg, tundraähnlich – von denen anzunehmen ist, dass noch nie ein Mensch seinen Fuss auf den Boden gesetzt hat. Und dann trifft auch Bettina In der Lodge in Brooks Falls ein. Bei der Anfahrt an die Küste befindet sich bereits ein Bär im Meer und beobachtet die Einfahrt aufmerksam.

Familie BärKein Wunder, denn am Strand befinden sich ihre vier Jungen. Die Bärenkinder kommen schön eines hinter dem anderen auf das Flugzeug zu. Der Pilot bittet uns, rasch auszusteigen und uns zur Lodge zu begeben. Bären generell und Bärenmütter im Besonderen sind unberechenbar. Und alle wollen ein Foto von dieser sehr seltenen Konstellation von vier Jungen.

Nach einer kurzen Einführung durch einen Ranger zu den Verhaltens-do’s und -dont’s im Park beziehen wir unsere Cabin und machen uns dann umgehend auf zu den Aussichtsplattformen, von denen aus man die Bären sieht. Die untere Bären-Plattform erreichen wir nach wenigen Metern ausserhalb der Lodge. Schon bald tauchen die ersten Bären auf. Teilweise alleine – teilweise Bärenmütter mit Kind. Es ist unheimlich eindrücklich, immer gibt es etwas zu beobachten, zu fotographieren und zu geniessen. Die zweite, obere Bärenplattform befindet sich etwa 1 1/2 Kilometer von der ersten entfernt. Ausgerüstet mit unserem Bäre-Glöggli (vielen Dank nochmals an Andrea und Christoph für dieses schöne Farewell-Geschenk) machen wir uns laut sprechend auf den Weg zu der zweiten Plattform, die sich direkt bei den Brooks Falls befindet. Ein Bär befindet sich dort und versucht, die sich Fluss aufwärts kämpfenden Lachse aus dem Wasser zu fischen. Da das Wetter in den vorangegangenen Tagen sehr regnerisch und stürmisch war, hat es bedeutend weniger Fisch auf der Reise als noch vor wenigen Tagen. Wir pendeln den ganzen Nachmittag zwischen den beiden Plattformen und kriegen am Abend eine Bärin mit zwei Jungen zu Gesicht, welche die längste Zeit in idealer Foto-Distanz grasen, spielen und fischen. Vieles erinnert uns an Björk und ihre Kinder. Aber hier ist es die freie Wildbahn. Um viele Eindrücke reicher, müde und verstochen, begeben wir uns am frühen Abend (wann haben wir wohl letztmals um 17.30 Uhr Abendessen zu uns genommen?) in die Lodge, um dort zu essen. Und wie die Amis halt so sind, sie wollen mit einem sprechen. Und welcher Spruch eignet sich am besten, um hier in Kontakt zu kommen: „Did you see bears today?“ – vorzugsweise, wenn man auch gleich den ganzen Nachmittag mehr oder weniger immer gleichzeitig auf der gleichen Plattform gestanden hat. Und alle erzählen dann ihre Geschichte, wie sie wegen der Bärenmutter mit ihren Kindern „steckenblieben“, weil die Brücke zur Lodge wegen der Tiere gesperrt werden musste. Big smile! Nach dem Essen begeben wir uns nochmals zur oberen Plattform.

Fisch zum ZnachtUnd jetzt Volltreffer: Zwei Bären sind auf Fischfang. Jetzt hat es auch mehr „springenden“ Lachs. Der eine Bär angelt sich sein Znacht sehr erfolgreich. Immer wieder begibt er sich mit einem gefangenen Fisch von der Flussbettmitte zu Seite, um dort seine Beute in Ruhe und ausserhalb Sicht der Plattformbesucher zu vertilgen. Einzig die zahlriech anwesend Möwen dürfen zu schauen und können ab und an einen Restenhappen ergattern. Unvergesslich dieses Abenteuer. Noch bei vollem Tageslicht kehren wir um 22.00 Uhr in unsere Cabin zurück. Voller Eindrücke und hundemüde gehen wir zu Bett.

Freitag, 30. Juli 2010: Anchored down in Anchorage

„But you know youre in the largest State in the Union
When youre anchored down in Anchorage“

Dies ist eine Textpassage im Lied „Anchorage“ von Michelle Shocked, welches uns gestern zum Einschlafen begleitet hat und auch heute den ganzen Tag.

Downtown AnchorageDas Alaska-Abenteuer startete heute morgen in einem herzigen Café, wo wir Rührei mit Lachs zum Frühstück hatten. Primafein war es! Anschliessend ging es auf Richtung Downtown, wobei Downtown eigentlich ein bisschen übertrieben ist. Eigentlich handelt es sich um eine lose zusammengeschütete Ansammlung von Souvenirläden. Um niemandem nahe zu treten kann man sagen, es ist doch sehr überschaubar, das Stadtzentrum.

Wir machen uns auf Richtung Bahnhof – aber auch dort geht es eher gemütlich zu und her. Es fehlen Züge wie Passagiere. Unwillkürlich kommt einem die Bahnhofszene bei „Spiel mir das Lied vom Tod“ in den Sinn, aber es fehlen die Dornbüsche, die durch die Strassen wehen. „Nein, im Moment hat es keinen Zug, erst wieder abends um 8“ hat das Schalterfrollein auf die Frage nach Zugverkehr geantwortet.

Westchester Lagoon

So machten wir uns auf den Weg zum 12 Meilen langen Coastal Trail, welcher – wie der Name es schon leicht antönt – der Küste entlang führt. Da Ebbe war, hat sich das Wasser etwa 100 Meter zurückgezogen. Der Weg ist hübsch und wird von Fussgängern, Joggern und Radfahrern genutzt. Die Radfahrer übrigens rufen „passing“ oder „comming left“, wenn sie Fussgänger überholen. Gut so! Faune und Flora waren interessant, so konnten wir z.B. Sandhügelkraniche beobachten.

Eathquake ParkWir gingen bis zum Earthqake-Park, welcher ans grosse Erdbeben vom 27.3.1964 erinnert. Des Beben hat einen Tsunami ausgelöst und dadurch weitere Schäden in anderen Städten verursacht. So wurde in der Folge die komplett zerstörte Stadt Stadt Valdez an einem neuen, von der Küste zurückversetzten Ort aufgebaut. Weltweit wurde der Ort 1989 bekannt duch die bisher folgenschwerste Tankerhavarie der US-Geschichte (Supertanker Exxon Valdez)

Danach ging es zurück ins Hotel, wo wir uns ein bisschen Ruhe gönnten. Nachtessen im Rumrunners in Downtown.

Morgen Samstag geht's in Richtung Katmai zur Bärenbeobachtung. Wir freuen uns!

 

Donnerstag, 29. Juli 2010: „How was your fishing?“

Nachdem die beiden letzten Artikel am Flughafen nur noch huschhusch raufgeladen werden konnten (unser Flug wurde aufgerufen…), haben wir nun ein bisschen mehr Zeit. Vielleicht bringen wir noch was sinnstiftendes zu Papier, denn wir sind nun auch schon 29 Stunden auf den Beinen. Wir gehen am Donnerstag zu Bett, ihr seid am Freitag schon voll im Business-Leben…

Nach der Landung in Chicago hatten wir gemäss Flugplan 4 1/2 Stunden Aufenthalt. Diese Zeit schmolz recht schnell dahin: Unser Flug hatte bei der Abreise in London 45 Minuten Verspätung eingefangen und für die Passkontrolle standen wir eine Stunde an. Die Einreise selber war eigentlich problemlos. Dank den neuen biometrischen Pässen, auf denen sämtliche unsere Daten abgespeichert sind, genügt es die Fingerabdrücke zu hinterlassen. Kontrolle total…

Es reichte noch, um im Flughafen was zu essen und dann ging es schon los. Eine schon etwas in die Jahre gekommene Boeing 757 hatte für uns Sitzplätze vor dem Notausgang reserviert. Dh dass man eine grosse Beinfreiheit hat, was uns in dieser Situation nicht ungelegen kam.

Nachdem wir im Flugzeug abgesessen sind, wurde der Kopf immer schwerer und die Augen fielen zu… So an die 3 Stunden Schlaf hat das sicher gegeben. Und um ein Haar hätten wir die ersten Naturschönheiten Alaskas verpasst – aber wir wurden vom Kapitän darauf aufmerksam gemacht. Wirklich wunderschöne Bergwelt von oben.

Und nach der Landung in Anchorage konnten wir eine Eigenheit Alaskas erfahren: Die abreisenden – mehrheitlich – Herren,  sprechen bekannte und unbekannte Leute an und fragen „How was your fishing?“. Es gibt Männen, die denken wirklich nur an das Eine…

Nun sind wir in einem Hotel in Anchorage, schreiben noch kurz diesen Tagesbericht und dann sind wir in den Träumen.

Donnerstag, 29. Juli 2010: Abflug

4:00 Uhr stand auf dem Wecker, als er klingelte (spontan hatte ich die Idee, in Facebook den Gruppen „Ich hasse Frühdienst“ sowie „Mein Wecker ist ein Axxxx-loch beizutreten). Rasch unter die Dusche, anziehen, und sich dann auf die Herkulesaufgabe des Tages vorbereiten: das Setzen der Thrombosespritze… Spritze ausgepackt, Bauchfalte suchen (gefunden!), Nadel ansetzen und rein damit. Ich habe mal gehört, dass es nicht einen Marathon braucht, um als tougher Mann zu gelten. Sich selber eine Spritze setzen zeichne einem auch aus… Ok dann zählen wir uns ab sofort zui dieser Spezies Mann!
Um 5:00 Uhr wartete das Taxi, welches uns für wohlfeile CHF 19.– innert 4 MInuten an den Flughafen brachte.
Während dem einchecken hat sich gezeigt, dass das neue Gepäck viel zu gut ist und viel zu viel drin Platz hat: 6 kg Übergepäck… Mit CHF 50.– wurde auch dieses Problem gelöst und wir hatten noch Zeit, einen Kaffee zu trinken. Anschliessend Transfer ins E-Dock und dort sind wir in den A320 der British Airways eingestiegen. Beim Einstieg konnten wir noch eine aktuelle Tageszeitung mitnehmen. Wir konnten wählen zwischen der Aargauer Zeitung und der Aargauer Zeitung. Ich habe mich für die Aargauer Zeitung entschieden und erhoffte mir spannende Berichte über die gestrigen Champions-League-Spiele. Aber nein, scheinbar ist der Redatktionsschluss im Aargau auf 18:30 festgelegt. Und dann reicht es halt nicht mehr für Sportberichte. Dafür hatte es einen Wandertipp für die 13 Kilometer von Boniswil nach Menziken in der Zeitung… Der Flug war pünktlich und sehr angenehm. Der Anflug auf London glich einer Stadtrundfahrt: von oben konnten wir alle Sehenswürdigkeiten wie Tower Bridge, London Eye, Parliament, Big Ben, Wembley-Stadion sehen. Während der Landung bzw. der Fahrt zum Gate wurde einem bewusst, wie gross der Flughafen London Heathrow ist – schlicht gigantisch. Wir sind an x Jumbo-Jets und etwa 6 neuen A380 vorbeigefahren, bis wir an unserem Gate angekommen waren. Nach Ankunft mussten wir den Terminal wechseln. Dies geschah mit einem Bus und benötigte 10 MInuten Fahrt über den Flughafen.

Schlussendlich kamen wir im Terminal 3 an und wollten noch gemütlich einen Tee zu uns nehmen. Da wurden wir angewiesen, dass wir an den American Airlines-Schalter müssen, um unsere Bordkarte umzutauschen. Die Warteschlange war lang, sehr lang – aber wir hatten keine Wahl und standen hinten an. In der Schlange trafen wir einen US Wissenschaftler, der an der Uni Bern arbeitet und dort in der Weltraumforschung tätig ist. Er arbeitet quasi 500 m von unserem zu Hause und wir sehen uns in London am Flughafen in einer Schlange.
Aber auch die längste Warteschlange ist mal zu Ende und wir konnten an den Schalter vorrücken. Die Mine der AA-Mitarbeiterin wurde immer finsterer und sie erklärte uns, dass die Internet-Registrierung von Bettina für die Einreise in die USA nicht vorhanden sei. Unsere Ausdrücke bewiesen, dass die Registrierung vorlag, aber scheinbar haben es Bites und Bytes nicht bis in den ESTA-Zentralrechner geschafft. Ohne diese Registrierung könne sie uns keine Bordkarte geben und ein Mitflug ist nicht möglich. Die Uhr zeigte 9:30 und in 45 Minuten geht der einzige AA-Flug von London nach Chicago. Was tun? Die Dame riet uns, das ESTA-Formular im Internetcafé nochmals auszufüllen und sie hoffe, dass es dann klappt.
Zum Glück mussten wir kein Internetcafé suchen sondern hatten unser Netbook dabei. So sassen wir dann auf einer Bank und loggten uns ein. Die Daten konnten rasch übergeben werden und eine halbe Stunde vor Abflug standen wir wieder am Check-in. Huschhusch wurden uns die Boardingpässe ausgehändigt. Unser Flug startete ab Gate 36, wir waren noch am Check-in. Ob es wohl noch reichen würde? (In einem Film auf RTL käme an dieser Stelle ein langer Werbeblock und die Zuschauer würden mit der im Raum stehenden Frage „Ob es wohl noch reichen würde?“ zusammen mit den neuesten Verbrauchertipps für Waschpulver,Schokoriegel und Hundefutter alleine gelassen…).
Ja, es hat gereicht. Ich habe allerdings nicht gedacht, dass wir so rasch schon wieder eine Joggingrunde drehen würden – aber wenn es sich anbietet? Rund 15 Minuten vor dem vorgesehenen Abflug waren wir am Gate, das Boarding hatte erst begonnen und wir konnten ins Flugzeug steigen. Eine Boeing 777 hatte ich noch nie. Ein Riesenvogel. Und unsere Plätze waren wirklich mitten im Flugzeug. Die Bestuhlung war 2 – Gang – 5 – Gang 2. Und da war nix mit Fensterplatz, sondern zmitzt in der Mitte…Aber was solls, wir wollen sowieso nur lesen und schlafen… Und diese Möglichkeit ergibt sich nun während den nächsten 8 1/2 Stunden.

Mittwoch, 28. Juli 2010: Los geht’s

Nach der Arbeit war kofferpacken angesagt. Das erst grad gekaufte Dakine-Kofferschmuckstück hatte die Aufgabe, das vorgesehene Gepäck zu schlucken. Ein guter Kauf: alles ging rein…
Um 20:02 fuhr unser Zug ab Bern und brachte uns nach Zürich Flughafen, wo wir den Hotelbus nach Glattbrugg bestiegen. Kurzum waren wir eingecheckt und auf unserem ZImmer. …und tatsächlich konnten wir noch die letzte Viertelstunde des YB-Spiels anschauen. Wer am nächsten Morgen früh raus muss, sollte aber auch früh schlafen. Das taten wir auch…

Das sieht ja gut aus!

Nachdem die Wetteranzeige für „Anchorage“ in meinem Handy über Wochen schlechtes Wetter gemeldet hat, konnte ich heute morgen das erste Mal so was wie eine Sonne auf dem Display erkennen:

Endlich Sonne...
Dies lässt Hoffnung aufkeimen, dass wir an unserem ersten Etappenort die Naturschönheiten mit einer wunderbaren Beleuchtung geniesen können.
Aber wer weiss, vielleicht haben die den dortigen Wetterfrosch auch verhaftet und die Meldungen erfolgen „live from Anchorage Jailhouse“… Dies würde die Zuverlässigkeit der Vorhersagen wieder in ein anderes Licht stellen… 

Wo Abheben am meisten weh tut

Unter diesem Titel wurde heute in www.derbund.ch ein Artikel über die unbeliebtesten Flughäfen weltweit veröffentlicht. Schlimm an der Top 10, wo „Flugtouristen seelisch ziemlich leiden müssen“, ist, dass wir drei der genannten schlimmen Flughäfen auf unserer Reise auch tatsächlich anfliegen werden:

Platz 1: London-Heathrow:  Warten als Grundzustand: Lange Menschenschlangen gehören zum Flughafen London-Heathrow seit Jahren dazu.

Platz 2: LAX in Los Angeles: Schmutz als Problem: Neben Überfüllung, Wartezeiten und langen Wegen finden viele Passagiere die Sauberkeit des Flughafens in Los Angeles als Zumutung.

Platz 5: Chicago O’Hare International Airport: Sit-in als Geduldsübung: Der Flughafen der wichtigsten Wirtschaftsmetropole ärgert seine Kunden vor allem durch lange Wartezeiten.

Zum Glück müssen wir nicht auch noch ab Paris Charles de Gaulle (Platz 3), New York JFK (Platz 4), Sydney Kingsford Smith (Platz 6), Miami International Airport (Platz 7),  Frankfurt Rhein-Main (Platz 8 ) oder Atlanta Hartsfield-Jackson (Platz 9) abfliegen… (Randnotiz: auch der Originalartikel in der Huffington Post listet in der Top 10 nur 9 Flughäfen auf. Zählfehler oder einstweilige Verfügung eines Airport-Betreibers?).

Wenn wir dann noch vom Bruder die Frage hören, ob wir eine Gepäckversicherung für den Fall des Verlustes in London Heathrow abgeschlossen haben,  werden wir wohl schon bald was zu erzählen haben…

Am Mittwoch gehts los…

In ein paar Tagen starten wir zu unserer grossen Reise. Die Anspannung steigt, und fast stündlich fragt man sich: „Was ist noch zu erledigen? Was ist noch offen?“ Sicher wird uns dieses Gefühl bis zur Abreise noch begleiten…

Viele Sachen, die wir mitnehmen wollen, haben wir schon bereitgelegt. Auch die meisten administrativen Dinge sollten eigentlich schon erledigt sein. Auch den Survival Guide haben wir gecheckt – schliesslich wollen wir uns  bei einem gemeinen  Rhynchophorus ferrugineus-Angriff zu verteidigen wissen…

Somit können wir uns wirklich auf das Packen des Gepäcks konzentrieren – und uns natürlich stündlich fragen „Was ist noch zu erledigen? Was ist noch offen?“…

Übrigens: Die YB-Abos werden wir  in gute Hände geben. Und das Spiel YB-Fenerbahce werden wir vielleicht am TV im Hotelzimmer in Zürich Flughafen sehen – aber nicht live…  Trotzdem: Hopp YB aus der Ferne!

Mittwoch, 19. August 2009: Unterwegs mit dem Tram

Frühstück, parat machen und los geht’s. Heute zeigt sich Trondheim von seiner sonnigsten Seite. Wir gehen ins Zentrum und klappern noch gewisse Sportgeschäft ab, bevor wir uns mit dem Tram Richtung Liam aufmachen.

Das Tram selbst wie auch die Betriebsinfrastruktur sind von schlechtester Qualität, sehr veraltet und vorallem miserabel unterhalten. Aber die Fahrt lohnt sich, haben eine wunderschöne Aussicht auf die Stadt. In Liam angekommen, spazieren wir um den See und lesen dann auf einem Bänkli in unseren Büchern. Es ist einfach schön. Die Sonne scheint, uns geht es gut, wir haben Ferien.

Im Verlauf des Nachnittags kehren wir zurück. Gehen noch etwas lädele, schreiben die letzten Karten und machen uns dann auf die Suche nach einer Lokalität für unser letztes Abendessen in Norwegen. Wir werden im Restaurant Egon im Nidelve, einem früher genutzten Teil des Hafens fündig. Wir geniessen das Essen am Wasser, mit Sonne im Gesicht, ausgeruht und um viele Eindrücke reicher. Wir haben viel erlebt auf unserer Norwegenreise. Schönes, unvergessliches und natürlich auch manchmal nerviges. Aber das Positive überwiegt klar – auch wenn wir wettermässig nun wirklich nicht gerade verwöhnt worden sind.

Wir kehren ins Hotel zurück, packen alle unsere Sachen zusammen und stellen etwa vier Wecker, damit wir um 03.40 Uhr aufwachen.

Dienstag, 18. August 2009: Und nun ohne Auto…

Wir frühstücken und machen uns auf die Suche nach der Hertz-Filiale, um unser Volvöchen abzugeben. War ein super Auto, das einen wesentlichen Beitrag zum guten und sicheren Verlauf unserer Ferien beigetragen hat.

Kehren zu Fuss in die Stadt zurück. Statten verschiedenen Shopping Centers einen Besuch ab. Wettermässig wechselt es konstant zwischen heftigen Regenfällen und stahlblauem Himmel. Einzigartig dieser Norwegen-Sommer. Wir kommen beim St. Olavs Standbild vorbei und wollen den Nidaros-Dom besuchen. Doch der schliesst in 15 Minuten um 15.00 Uhr. Unglaublich diese Haltung und für den Besuch müssen Erwachsene 50 Kronen (ca. 10.00) bezahlen. An Stelle des Doms sind wir in die katholische Olavs-Kirche gegangen, haben dort einer auf polnisch gesprochenen Segnung beigewohnt und ein paar Kerzen angezündet. Wir spazieren ins Hotel zurück, ruhen uns ein wenig aus und gehen dann zum zweiten Mal in Norwegen ins Restaurant Big Horn ganz lecker essen (Restaurant ist in einem sehr schönen, klassischen Gebäude, das der Freimaurerloge gehört, untergebracht.)

Montag, 17. August 2009: Auf nach Trondheim

Aufgrund des schlechten Wetters, es regnet schon am Morgen Bindfäden, entscheiden wir uns, auf den geplanten Abstecher in den Dovrefjell-Nationalpark zu verzichten und statt dessen auf einer der weniger stark befahrenen Überlandstrasse den Weg Richtung Trondheim unter die Räder zu nehmen.

Zuerst machen wir aber noch einen Abstecher in eine der lokalen Töpfereien, heute von einem norwegisch-schweizerischen Glasbläser betrieben. Wir bewundern das Handwerk und kaufen für uns ein Souvenir in Form eines Kerzenständers und eines Butterschälchens. Wir fahren los und sind von jedem Wild-Warnschild am Strassenrand beeindruckt und zwar so, dass wir nur darüber lachen. Wir sehen, ähnlich wie seinerzeit in Finnland, nie etwas. Nach etwa einem Drittel unserer Strecke kommt ein Schild, das auf den nächsten 20 km vor Wild warnt.

Uuuuaaahhh.

Und was geschieht: in einer steppenartigen, kahlen Graszone mit See im Hintergrund stossen wir auf die ersten Rentiere. Wir sind so was von glücklich, steigen aus dem Auto aus und beachten die äsenden Tiere. Ihrem Namen entsprechend bewegen sie sich in der Landschaft und queren vorallem die Strasse. Kurze Zeit später stossen wir sogar auf ein Rudel, das sich auf der Strasse befindet. Believe it. Unser Traum ist in Erfüllung gegangen. Happiness pur. Abstecher zum Bahnhof von Hell (Aufschrift auf Schild: Hell Gods Expedition).

Im späteren Nachmittag treffen wir in Trondheim ein. Kleiner Schreck: die Hotels sind aufgrund einer grossen Fischermesse so gut wie ausgebucht. Wir steigen im Hotel Britannia ab und werden dort nach drei Tagen CHF 1’400.00 liegen lassen. Aber was solls, dafür profitieren wir von einer sehr zentralen Lage. Am Abend gehen wir im BK (Burger King) Proviant holen und schauen dann Fussball (Viking – Molde). Leider machen sie nicht Schere, Stein, Papier für die Platzwahl.

Sonntag, 16. August 2009: Ab ins Bergwerkdorf

Wir lassen’s am Morgen gemütlich angehen. Es regnet wieder. Erster Halt beim Bahnhof Dobas, wo wir dem emsigen Treiben (Züger nach Andalsnes, Oslo und Trondheim) zuschauen. Da hat die Frau Bahnstoffvorhang volle Arbeit geleistet. Überall hat es kurze Deko-Vorhänge. Sogar im Stellwerk.

Wir fahren gemütlich über Land nach Roros (Baedecker s. S. 337). Ein wunderschöner Flecken dieses Erzwerk-Städtchen, das aufgrund seiner weitgehend unveränderten Bausubstanz im Zentrum ins UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen worden ist. Wir kriegen ein Zimmer im Vertshuset, wo wir auch ganz lecker zu Abend essen. Vor dem Essen noch einen Spaziergang zu den Sanddünen vor Ort (total überraschend, ist doch kein Meer weit und breit zu sehen). Das Abendessen ist obe use fein. Wirklich köstlich. Wir essen Spezialitäten aus der Region. Und wenn sich weder Hirsch noch Rentier in Natura bestaunen lassen, dann holen wir sie uns halt aufs Teller. Sind ja eigentlich nicht so, aber wir wollten’s halt einfach mal ausprobieren. Es regnet und ist kalt. Wir brauchen einen Moment, um unser Bett im ehemaligen Erzwerk-Mitarbeiter-Häuschen aufzuwärmen.

Samstag, 15. August 2009: Über die Trollstiegen

Ein wunderschöner Morgen. Die Sonne strahlt hell in unser Zimmer. Na bitte das ist doch klar ein Vorteil des zweiten Zimmers. Diejenigen in den Westzimmern dämmern da wohl immerIm Aquarium noch in der kalten Feuchtzone vor sich hin. Wir aber stehen auf und machen uns fertig, um um 10.00 Uhr vor dem Aquarium von Aalesund zu stehen. Als Zeichen der persönlichen Ehrerbietung an die wieder einmal mit voller Kraft scheinende Sonne entscheidet sich Martin dafür, heute eine kurze Hose zu tragen. Ich also auch ab in meine dreiviertel Hose und los kann’s gehen. Aber zuerst noch kurz checken, ob die 7up-Flasche am Vorabend richtig zu ist, um sie in die Tasche zu stellen und schwups … Riesensauerei, weil sie eben nicht richtig zu war. Hose ausziehen, zum Trocknen aufhängen und neuer Versuch in neuer Hose. Wir frühstücken, checken aus und packen unser Auto, das wir zwar problemlos bis am Montagmorgen hätten auf dem Parkplatz stehen lassen können. Martin hat gestern ein Parkticket bis am nächsten Morgen lösen wollen. Hat er auch getan. Da aber am Wochenende frei geparkt werden kann, war das Ticket dann für 6 Kronen mehr gleich bis am Montagmorgen 09:30 Uhr gültig. Henu. Unmittelbar nach dem Frühstück sind wir noch kurz vors Hotel getreten, um einen Temperaturcheck vorzunehmen. Fazit: die Sonne war weg und es war immer noch genau gleich zügig kalt wie am Vortag. Also zurück ins Zimmer und wieder die langen Hosen übergestülpt. It’s hardly to belive but that’s the way it is. Wir fahren ins Aquarium (sehen auf dem Weg dorthin noch ein Hurtigruten-Schiff). Eintritt pro Person 120 Kronen. Uns Der kleine PinguinBinnen-Schweizern eröffnet sich hier so was wie eine neue Welt. In grossen Wasserbecken sind zahlreiche Fische , die im Atlantik ihr zuhause haben, sind da ausgestellt. Es sind spannende Einblicke, gibt viel zu entdecken. Da man die auf Schautafeln abgebildeten Fische jeweils in den gemischt bevölkerten Wasserbecken finden muss. Beeindruckend für uns ist das grosse Becken mit den Rochen und ein kleineres Becken auf Augenhöhe, in dem Katzenhaie, verschiedene Krabbenarten so z.B. Einsiedlerkrabben und verschiedene kleinere Fische zusammenleben. Beim Aussenbecken mit den Humboldt-Pinguinen geht es ruhiger zu und her. Keiner der witzigen Kerle ist für einen kühnen Sprung ins Nass zu haben. Dafür entleeren einige von ihnen auf kraftvolle Art und Weise ihren Darm. Die gelbe „Im StreichelzooMaterie“ dann irgendwo hin – sei’s ins Wasser, dem Kollegen auf die Füsse oder sonst wohin. Wir ziehen uns wieder in das warme Gebäudeinnere zurück (ja es ist schon wieder sehr kalt) und sprechen ab, ob wir noch bis 13.00 Uhr warten wollen. Um diese Zeit findet nämlich die Tauchershow im grossen Wasserbecken statt. Nein, wir werden nicht warten, so entscheiden wir uns jedenfalls. Doch da ist ja noch der Fisch-Streichelzoo für Kinder und alle die sich so fühlen. Hier kann man einen Hummer, Seeigel, Seesterne, Wassergurken, kleine Rochen und andere Wassertiere „hämpfele“. Tja, klingt vielleicht komisch, ist aber so. Für uns Landeier was ganz spezielles. Zuerst gruset es mich ein wenig. Ich weiss nicht genau, wo diese Wesen vorne und hinten haben und fürchte mich ein wenig davor, gebissen zu werden. Die HüpfmuschelDoch als uns die Betreuerin der Streichelabteilung die springenden Muscheln zeigt, die sich durch ein aktives Zusammenziehen eines Muskelbandes fortbewegen und sich dadurch davor wehren, von den Seesternen aufgeknackt und verspiesen zu werden, ist die Neugierde stärker. Absolut toll. Wie sich ein Seestern anfühlt, wie sich die Einsiederkrabbe ganz in ihr Krabbenhäuschen zurückzieht, wenn man sie aufhebt, wie schwer ein Lobster ist, wie spitzig sich die Stacheln des Seeigels anfühlen, wie fein die Haut der Rochen ist. Wir staunen, sind begeistert und haben sehr viel Spass an diesem Teil (nasse Pulli-Ärmel und eiskalte Hände sind Beweis der Begeisterung). Die Zeit vergeht im Flug. Jetzt können wir ja gleich noch bis 13.00 Uhr bleiben. Eine Kleinigkeit essen und schon geht’s los. Der FuttermannEin Taucher taucht im Becken auf und füttert die vielen grossen Fische mit Fisch, den er in einem Beutel mit führt. Die Fische umkreisen ihn, einige versuchen, sich direkten Zugang zum Beutel zu verschaffen, da geht’s so richtig ab. Am Schluss der Vorstellung verbeugt sich der Taucher und verabschiedet sich winkend vom Publikum. Die Kinder sind begeistert. Wir sind doch auch noch ein wenig Kinder und deshalb auch sehr begeistert. Hat sich wirklich sehr gelohnt, dieser Besuch im Aquarium.

Wir reisen weiter. Nächstes Ziel sind die Trollstiegen. Die TrollstiegenDiese 11 Haarnadelkurven mit einer Steigung von 1:12 liegen südlich von Andalsnes. Da wir vom Süden herkommen, fahren wir die Stiegen runter. Spektakuläre Sache, auch wenn Martin sich mehr Action davon erhofft hat (er hat bei jedem Holländer oder Italiener, der an uns vorbeigefahren ist, gesagt, dass sich diese Fahrer nach Absolvierung der Trollstiegen jeweils ein neues T-Shirt anziehen müssten, da das alte vor lauter Angst vorm Fahren komplett verschwitzt sei). Unten im Tal gibt es dann noch ein weiteres Highlight: Fotohalt bei der spektakulären Sicht auf die Gipfel Karitind, Dronningen, Kogen und Bispen und natürlich bei Norwegens einzigem Strassenschild „Achtung! Trollüberquerung“. TrollwarnungWitziges Detail: Mitten in den Serpentinen der Trollstiegen kommt vom Tomtom-Girl die Meldung „Versuchen Sie wenn möglich zu wenden.“ Haha, funny girl.

Kaufen noch etwas Proviant ein und fahren dann weiter nach Dombas. Es regnet nur einmal – einfach in unterschiedlicher Intensität. Die Wolken hängen tief, es ist neblig grau und garstig kalt. Jedesmal, wenn wir unser Auto kurz verlassen (Foto- bzw. Pipistopp) kehren wir glücklich in unser gut geheiztes Volvöchen zurück. Gegen 18.00 Uhr kommen wir in Dombas an. Beziehen ein Zimmer im Hotel Dombas und gehen in ein feines italienisches Restaurant (auch diesmal wieder von Norwegern mit arabischem Hintergrund geführt) Pizza essen. Lecker und erst noch 10 % Discount. Warum wissen wir nicht. Aber wir müssen ja nicht alles wissen. Fahren mit dem Auto die 100 Meter vom Restaurant zum Hotel zurück (!) … verkriechen uns in unsere Hotelkaserne.Hotelkaserne

Irgendwo in der Pampa

Freitag, 14. August 2009: Von Geiranger (und nicht von Geiern)

Regenbogen unterwegsDer heutige Tag startet so wie der vorangegangene geendet hat: Mit strömendem Regen. Damit auch wir etwas von dem Nass abbekommen, stellen wir uns unter die Dusche. Kurz nach sieben stehen wir schon am Frühstücksbuffet, welches das Junior Business Team des Hotels für uns hergerichtet hat. (Bisher begegneten wir im Hotel nur Crewmitglieder, die im Alter der Junior Team Mitglieder der SBB scheinen). Das Buffet ist gross und mehr oder weniger frisch. Der Joghurt war leider „inmangibile“. Ja wenn man will, lernt man immer und überall Sprachen. Wobei es schon zu festzuhalten gilt, dass vorallem unsere italienischen Reisenden einen sehr grossen Beitrag zu diesen ad hoc Lernsituationen aus dem real life beitragen. Manchmal hat man das Gefühl, dass sie jeden Gedanken ja sogar jede Gefühlsregung ihrer Umwelt wort- und gestenreich mitteilen müssen und diese sich dann flugs auch dazu verpflichtet fühlen, diese Äusserungen ebenso wort- und gestenreich zu kommentieren. Aber was soll’s in den meisten Fällen sorgt es für Amusement bei uns.

Wir fahren los und legen schon bald einen ersten weiteren Regenbogen-Fotostopp ein. Gelinde gesagt ist es heute Morgen föking kold. Nein wirklich es regnet in Strömen und die Temperaturen befinden sich den ganzen Tag im einstelligen Bereich. Blick nach GeirangerGlücklich wähnt sich da einer mit Sitzheizung. In herbstlicher Atmosphäre fahren wir Richtung Geiranger. Die Aussichtspunkte auf den Geirangerfjord, die Geiranger vorgelagert sind, können wir getrost auslassen. Es ist so nebelig, dass man nicht in den Fjord reinsehen kann. Und um in den Genuss eines hübschen Nebelmeeres zu kommen, müssen wir nicht 80 Kronen (16.– Franken!!!) bezahlen. Ja, es sind schon richtige Abzocker unsere norwegischen Gastgeber. Für alles und jedes muss bezahlt werden.

Wir treffen in Geiranger an und stellen uns direkt in die Wartelinie für die Fähre nach Hellasylt. Da diese erst in 1 ½ Std. Fahren wird, schauen wir uns das kleine an den Hang geklebte Örtchen an, obwohl es nicht wirklich viel zu sehen gibt. Vor Geiranger hat das Kreuzfahrtschiff Vision of the Seas Anker geworfen. Wasserfälle säumten unseren WasserwegJetzt werden Hunderte von Reisenden in kleinen Beibooten an Land gekarrt, wo sie in die mit laufenden Motoren bereitstehenden Busse umsteigen und einen Landausflug erleben. Was für ein Reisefeeling. Der Touri-Shop ist dann auch einmal gesehen und so verbringen wir die letzte halbe Stunde vor Abfahrt der Fähre lesend und Guetzli essend im Auto. Die Fahrt mit der Fähre (auch wenn es kalt und nass ist) ist eindrücklich. Wir sehen viele Wasserfälle (7 Schwestern, der Zuhälter – eh nein, sorry, der Freier natürlich) und viele sehr abgelegene Bauernhöfe, die aber nicht mehr bewohnt sind. Wunderschön dieser Postkarten-Idyll Fjord Norwegens.Postkarte - mit schlechtem Wetter...

Wir fahren weiter Richtung Aalesund, nehmen nochmals kurz eine Fähre und erobern dann Aalesund. Das erste Hotel ist ausgebucht, im zweiten finden wir aber rasch ein Zimmer. Wir sind im Clarion Collection Hotel Bryggen untergebracht. Uns wird ein Zimmer auf die Strasenseite gegeben. Da wir langsam genug von Zweitwahlzimmern für eine Nacht (eigentlich ja zwar logisch aber für uns trotzdem doof) haben, fragen wir an der Réception für ein anderes Zimmer. Das wird uns gegeben inkl. 140 cm Doppelbett. Nach Zimmerbezug und einer selbst gebackenen Waffel (Spezialangebot des Hotels) machen wir uns auf den Weg in die Stadt. Schon bald haben wir den Eindruck, dass diese Jugenstil-Stadt (sehr schöne Gebäude und Gesamtansichten) wohl nicht zwingend auf dem aufsteigenden Ast ist. AlesundViele leere Ladenlokale und an einem Freitagnachmittag die Stimmung und das Leben in den Gassen wie bei uns am frühen Sonntagmorgen. Aber für uns stimmt es trotzdem. Auf dem Rathausplatz findet ein von Radio Aalesund organisierter Openair-Konzert Event start. „Loud as hell“ scheint hier das Motto zu sein, obwohl auch die Musik nicht schlecht ist. Doch auch diese Veranstaltung vermag keine Leute anzulocken. Auf dem Platz vor der Bühne steht um 17.00 Uhr nur ein Truck. Wenn’s dem gefällt. Auf der Suche nach einem Hurtigruten-Schiff entdeckt Martin das Steakhouse Big Horn. Dort gehen wir fein Nachtessen, wirklich sehr fein. Eine wohltuende Abwechslung auf unserem Speiseplan. AlesundWir kehren via Hafen mit modernen Fischfang-Booten zurück zu unserem Hotel. Und es ist wirklich föking kold hier. Wir haben beide kalt und geniessen noch eine Tasse heissen Tee vor dem Zubettgehen.

P.S.

Dumm war nur, dass wir das Hotelzimmer gewechselt haben. Unser zweites Zimmer liegt ja jetzt nun Richtung Stadt. Und wie erwähnt, ist das Konzert in der Innenstadt sehr laut. Und da diese recht klein und überschaubar ist, kommen wir auch im Hotel noch in einen sehr guten Genuss der musikalischen Darbietungen, was dazu führt, dass Martin bis um 01.30 Uhr kein Auge zu tut. Tja, dumm gelaufen. Hätten wir halt besser das vermeintlich schlechtere Zimmer zur Strasse und zum Band-Übungslokal, vor dem wir unser Auto abgestellt haben, behalten.

Gute Nacht!

Donnerstag, 13. August 2009: Unterwegs nach Stryn

StabkircheFrühstücksbuffet, Check-out und Abfahrt mit dem Auto in Richtung Gudvangen. Auf der Fahrt noch Besichtigung der Stabkirche in Hol (nur von aussen möglich) und verschiedene Foto- und Pipistopps. Fähre nach KaupangerIn Gudvangen stellen wir uns die Autoreihe für die Fähre nach Kaupanger ein. Die Fahrt dauert rund zwei Stunden. Zuerst ist das Wetter noch schön und wir gehen nach einem kleinen Lunch auf Deck. Doch schon bald wird es immer dunkler und dunkler und windiger und windiger. Bis am Schluss der Überfahrt wird es regnen und so stürmen, dass ein Mitglied der Besatzung die Plastik-Stühle zusammen räumen muss, da sie der Wind wie Federn auf Deck herumtreibt.

Die Überfahrt ist wunderschön und wir glauben – sind uns eigentlich sicher – ein, wenn nicht zwei Seals gesehen zu haben (Martin hätte zwar lieber Heidi Klum und nicht Seal gesehen). Nass und fei e chli düre gfrohre gehen wir in Kaupanger an Land. Wieder je 40 Kronen für die Stabkirche, diesmal die älteste. WetterumschwungUnd schon geht’s weiter in Richtung Stryn, dem heutigen Tagesziel. Wir durchqueren auch am Nachmittag viele Strassentunnels (aber glücklicherweise nicht mehr ganz so enge und lange wie noch am Morgen). Sonnenschein und Regen wechseln sich konstant ab und dies so fliessend ineinander übergehend, dass wir drei schöne Regenbogen sehen. Dies innert kürzester Zeit.

RegenbogenFliessend übergehend auch die Tiere (noch lebend) am Strassenrand: Kühe, Kälber, Schafe und Ziegen. Gegen 17.00 Uhr kommen wir, nach einem kurzen Abstecher in ein Sportbekleidungs-Outlet und nach verschiedenen Regenbogen-Fotostops (das gibt auch schon Aufschluss über die Wetterlage), in Stryn an. Teilweise waren die Bogen nicht komplett aber dafür von grösster Farbintensität. Zimmerbezug im Hotel Stryn, Nachtessen einem norwegisch ansässigen Iraner der ein italienisches Restaurant führt, dessen Interieur nicht kitschiger sein könnte – aber was tut man nicht alles für einen Teller Spaghetti. Das Thermometer hat sich mittlerweile auf die 10 Grad Celsius eingependelt. Der Regen nimmt überhand und als wir die Lichter löschen sieht man gemäss Martin nicht einmal mehr die Gipfel der nächsten Bergkette. Tschüss und sleep well.Tiere unterwegs

Mittwoch, 12. August 2009: Wanderung über die Hardangervidda

Im Bahnhof GeiloEs ist kalt geworden. Schien am Morgen beim Aufstehen noch die Sonne, ist diese nach dem Frühstück nicht mehr zu sehen. Das leckere Frühstückbuffet (frisches Brot, das gchroset het) hat sich in der Verweildauer im Frühstücksraum ausgewirkt. Aber was soll’s, Wir haben Ferien. Wir schalten einen Wandertag ein und entscheiden uns für die Tour 32 aus unserem Wanderbuch, eine Wanderung in die Hardangervidda. Zuerst aber noch kurz zur Touristen-Info, zum Bahnhof Geilo ==> Fotos vom Zug nach Bergen machen, Einkauf der Bäkerei. Dann fahren wir zum Fagerheim, wo wir 40 Kronen für den Bergparkplatz hinlegen müssen, die je 5 Kronen, die wir für die Benutzung der Toiletten bezahlen müssten, werden uns grosszügigerweise erlassen.

Wir starten die Tour. Es ist kalt, windig und eigentlich wenig amächelig. Aber wir ziehen’s durch und erreichen nach rund zwei Stunden die Krokka-Hütte, wo wir unseren Lunch (u.a. die hart gekochten Eier, die wir in für uns sonst unüblicher Art und Weise vom Frühstücksbuffet in Rauland haben mitlaufen lassen) verzehren. Es zieht und uns wird richtig kalt, so dass wir das weiter wandern dem Aufenthalt vorziehen. Plumps-Donnerbalken-Besuch. Nach rund 3.5 Stunden treffen wir wieder beim 40-Kronen-Parkplatz an. Oh, wie ist es schön über ein Auto mit Sitzheizung zu verfügen. Hardangervidda

Wir tauen langsam auf. Rückfahrt nach Geilo, Lädele (Expert, Coop, Sportgeschäfte). Und dann wieder Buffet. Leider mehr oder weniger die gleichen Buffetgerichte wie am Vorderabend. Wir packen und bereiten alles vor, damit wir am nächsten Tag früh Abreise fertig sind, denn wir haben eine grössere Strecke vor uns.

Dienstag, 11. August 2009: Auf nach Geilo

KrossobahnGrand beau als wir aufwachen. Also nichts wie los. Wir packen unsere sieben Sachen aufs Neue, frühstücken und schmeissen uns und unser Gepäck ins Auto. Heute ist die Talstation der Krossobanen unser erstes Ziel. Norwegens erste Seilbahn wurde 1928 von der Firma Norsk Hydro gebaut, damit ihre Arbeiter am Wochenende in den Genuss von Sonne und frischer Luft kamen. Bei der Bergstation angekommen, machen wir einen ungefähr 1 ½ stündigen Spaziergang in der schönen, vegetationsreichen Umgebung. Warntafel auf der Strecke nach GeiloZurück im Tal machen wir uns auf den Weg Richtung GEILO. In Geilo (ausgesprochen: jeilo) beziehen wir ein klassisches Zimmer im Dr. Homes Hotel. Wir gehen zu einem kurzen afternoon Kaffee. Danach ein kurzer Abstecher ins Städtchen. Nicht, dass es keine Läden hätte, nein, aber um 17.00 Uhr war Ladenschluss. Und bis auf Coop in Ort ist alles geschlossen. Wirklich alles. Unglaublich. Sogar die Tourist-Info ist geschlossen. Dann halt wieder zurück zum Hotel und dort zum hoteleigenen Sommer-Buffet. Wir geniessen das gediegene Ambiente aber auch kulinarisch vielfältige Auswahl sehr und verbringen einen schönen Abend bei einem gemütlichen Essen (die zentrale Lage unseres Tisches ermöglicht es uns auch, viel zu beobachten, ein wenig zu lästern und es einfach lustig zu haben).