Donnerstag, 29. September 2022: Ciao Sicily – hello Genova

Heute wieder mal den Wecker aktiviert. Um 06:30 Uhr stehen wir auf, packen unsere Sachen zusammen und checken aus. Bevor wir losfahren, erhalten wir vom Gutkowski Hotel noch einen Cappuccino offeriert. Dann aber nehmen wir Kurs auf Catania-Flughafen. Die Reise verläuft zügig und die Autoabgabe einwandfrei. Nach dem Baggage drop off bleibt noch Zeit für ein kleines Frühstück bevor wir ins Flugzeug einsteigen.

Ryanair operated by Air Malta

Der Flug von rund 1 1/2 h Dauer „vergeht im Flug“ und ruhig – abgesehen von den zeitweilig, sehr lauten Ausrastern eines kleinen Kindes. In Genua bringt uns der Flughafenbus in die Stadt zum Bahnhof Piazza Príncipe.

Blick vom Flugzeug aufs Meer

Hotelzimmerbezug und dann machen wir uns zu Fuss auf, Genua zu erkunden. Und es gibt einiges zu sehen, bestaunen und geniessen. So viele schöne Palazzi, Plätzen, Kirchen etc.. Wir lassen uns treiben und geniessen was wir sehen, hören, riechen.

Enge Gassen in Genova Wasser und Architektur In der Altstadt Genuas

Heute gibt‘s nur ein kleines Znacht und vor allem keinen Alkohol.

Blick vom Hotelzimmer auf den Bahnhof Genova PP

Fun fact zum Flughafen Genova: wie überall in der Welt darf man bei der Sicherheitskontrolle maximal 100 ml Flüssigkeiten im Handgepäck dabei haben. Dies ist auch am Flughafen Genova so. Ausnahme: Pesto Genovese darf ins Handgepäck genommen werden, und zwar bis 500 Gramm. Der Pesto wird für 50 Cent pro Glas in einem speziellen „Pesto-Scanner“ gescannt. Die Einnahmen daraus werden an eine Organisation gespendet, welche kranken Kindern eine Behandlung im Ausland ermöglicht. Das Programm heisst „IL PESTO È BUONO“ 🙂

Mittwoch, 28. September 2022: Sicilia, Sicilia, Sicilia

Wir starten mit einem wunderbar leckeren Frühstück im Hotel Gutkowski in den Tag. Fürstlich, was einem hier geboten wird. Alles lokale Spezialitäten (himmlische Datteltomaten, verschiedene Käse, Honig aus der Region, eine schöne Auswahl an Früchten <u.a. eine Art Aprikosen-Pfirsiche – kleine aprikosengrosse Früchte in der Färbung eines Pfirsichs – schmecken  ganz toll>, Panini und natürlich kleine Cornetti), die das Zmorge zum genussvollen Erlebnis machen. So, der Tag kann kommen.

Die Promenade von Siracusa

Mit dem Fiätli geht‘s nun nach Licodia-Eubea. Die Fahrt führt durch unterschiedliche Landschaften, die durch Strassen unterschiedlichster Qualität erschlossen sind. Eigentlich wollen wir über Land fahren aber nach etwa 10-minütiger Fahrt über eine Strasse, die sich durch unterschiedlichste Asphalthöhen auszeichnet, landen wir unbeabsichtigt auf der Autobahn. Wollten wir eigentlich nicht – aber nach dem wir herausgefunden haben, dass die kurvig-holprige Fahrt dazu geführt hat, dass uns beiden etwas schlecht ist, „fahren“ wir mit der Autobahn wohl besser. Wir wollen ja das leckere Frühstück bei uns behalten.

Der Aetna, der heute eine weisse „Wolken-Mütze“ trägt, thront monumental in der Landschaft. Kurz vor Licodia durchqueren wir ein kleines Tal, in dem es entlang der kleinen Strasse zahlreiche Kakteen hat, welche Früchte tragen. Die Kaktus-Früchte werden an verschiedenen Ständen zum Verkauf angeboten. Ich freue mich darauf, heute eine solche direkt ab Pflanze zu „ernten“ und sofort zu geniessen. Gesagt, getan. Kaktus, Kaktusfruchte, Stächelchen. Die Frucht ist rasch geschält und der Biss in das süsslich-orange Fruchtfleisch ein echtes Vergnügen. Himmlisch. Die Frucht ist rasch verzehrt und was bleibt, sind die kleinen stacheligen Härchen, die sich beim von Hand und ohne Handschuhe Schinten in der Haut „verhaken“. Die Frucht begleitet mich den ganzen restlichen Tag mit kleinen Piecks.

Links oder rechts?

In Licodia angekommen, stellen wir fest, dass sich gegenüber unserem letzten Aufenthalt (Karfreitag 2017) nur wenig verändert hat. Es scheint, dass die Gelateria geschlossen ist – ob für immer oder einfach aufgrund von fine stagione wissen wir nicht. Die Ricotteria, die Bar im Strassenspickel, die Metzgerei und die kleinen Lebensmittellädchen gibt es alle noch. Wir parkieren das Auto und besuchen die St. Margerithakirche. Von hier startet jeweils die Karfreitag-Prozession und hier befinden sind denn auch viele Gegenstände (Holzkreuz; Figur Jesus, der nach Golgatha geführt wird; Glassarg mit Leib Christi vom Kreuz genommen). Die Ruhe und die besinnliche Einkehr tun gut. Als wir die Kirche verlassen weint der Himmel ein wenig um kurz darauf wieder der Sonne scheinen zu lassen.

Chiesa Madre di Santa Margherita in Licodia Eubea

Wir möchten Patacò-Mehl kaufen. Eine Spezialität von Licodia. „Ask the locals“ sagen wir uns und betreten die Metzgerei im der Hauptgasse. Nachdem die sympathische Fleichfachfrau der Kundin vor uns vier Hühnerflügelpaare samt Körper (d.h. eigentlich eine Poulethälfte – aber nicht wie bei uns eine seitliche, sondern der vordere Teil des Tieres aber ohne Kopf) bereitgestellt und verkauft hat, sind wir dran. Wir haben bereits eine Packung Busiate-Teigwaren ausgewählt und erkunden uns nun, ob sie uns sagen könne, wo wir Patacò erstehen können. Die Fachfrau und eine weitere Kundin tauschen sich aus und jede aktiviert via Handy ihre Kontakte, um herauszufinden, wer uns Patacò liefern könnte. Die Drähte laufen heiss, im Moment aber ohne Erfolg. Die Fleischfachfrau schlägt uns daher vor, noch etwas spazieren zu gehen. Das machen wir doch.

Stilleben in Licodia

Während wir gemütlich durch die Vicoli schlendern, glauben wir förmlich spüren zu können, wie das Dorf am Patacò organisieren ist. Als wir kurz vor 14:00 Uhr zur Metzgerei zurückkehren, stossen wir auf Signore Pozzoli aus der Ricotta-Käserei. Er bringt uns ein Pack Ricotta mit und freut sich übers Wiedersehen. Bei unserem ersten Licodia-Besuch hat uns unser Gastgeber, Carmelo, einen Besuch samt Degustation in der Käserei organisiert. Puh, das mit dem Ricotta scheint ein Missverständnis zu sein. Wir können diesen nirgends lagern und vor allem nirgends essen. Aber die Geste zählt. Kurze Zeit später erfahren wir, dass auf der Höhe der Käserei eine Frau auf uns wartet, die Patacò für uns hat. Die machen wirklich alles möglich hier – und vor allem mit so einer natürlichen Herzlichkeit. Wir fahren mit dem Auto zur Käserei und da wartet tatsächlich eine jüngere Frau mit zwei Kilo Patacò auf uns. Ein freudvolles Ciao, viel Gelächter und der Handel ist über die Bühne.

Als wir Licodia verlassen, winkt uns die Metzgerei-Fachfrau durchs Fenster Adieu und wir zurück. Einmal mehr der Licodia-Effekt: Wir kommen als Fremde und gehen auf eine Art als Freunde.

Hauptstrasse durch Licodia

Wir setzen unseren Ausflug fort und peilen Marina di Ragusa an – wollen noch einmal ins Meer steigen. Fine stagione sei Dank finden wir sofort einen Parkplatz und einen Bagnino-Betreiber, der noch bis Ende dieser Woche offen hat. Es macht Spass, den Nachmittag hier zu verbringen (Programmpunkte: Strandspaziergänge, im Meer baden, Gelato schlecken 😊).

Am Strand von Marina di Ragusa

Mit dem letzten Tageslicht treffen wir in Siracusa ein. Kurz umziehen und ab in die Stadt. Nach einem Glas Wein zum Apéro begeben wir uns in die Pizzeria Oleum Ortigia (Pizza mit Fior di Latte bei akuter Tisch-Schräglage). 

Dienstag, 27. September 2022: Schönwetter-Ferientag

Na, wer sagt‘s denn? Der heutige Tag wurde mit den gestrigen Regengüssen vorgewaschen und ist jetzt makellos rein. Wir starten mit einem italienischen Zmorge im Bäckerei-Café Viola in der Via Roma bevor wir zu Circo Fortuna (Porzellan, T-Shirt und Poster/Karten) und Ebano (Canvas-Rucksack fürs mobile Büro von Martin) shoppen gehen. In beiden Läden haben wir ein tolles Shopping-Erlebnis, da wir mit den Ladenbesitzerinnen, welche die zum Verkauf stehenden Produkte auch gleich selbst herstellen, in schöne, bereichernde Gespräche kommen. Macht richtig Spass.

Mein neuer Rucksack

Dann noch einen kurzen Benetton-Abstecher (Poncho) und ab geht‘s in unser Appartement. Wir ziehen uns um, packen unsere Badesachen und machen uns auf den Weg Richtung Spiaggia della Pillirina. Den letzten Weg-Abschnitt geht‘s zu Fuss und so bietet sich uns ein wunderschönes Panorama auf Siracusa aus der Ferne.

Blick auf Siracusa, inklusive MSC Sinfonia Steilküste in Siracusa

Der kleine Sandstrand scheint uns vom Weg, der oberhalb des Strandes durchführt, verhältnismässig voll. Nach einigem Hin und Her entscheiden wir uns, zum Auto zurück zu kehren und weiter an die Spiagga dell‘Arenella zu fahren. Gesagt, getan. An diesem Strand verbringen wir einen gemütlichen, entspannen Ferien-Nachmittag. Baden, Strandspaziergänge, Lesen, ins Blaue träumen: Wir geniessen das Dolce far`niente.

Schon bald ist Saisonschluss

Gegen 18.00 h kehren wir zurück nach Siracusa. Rasch frisch gemacht und ab ins Städtchen (Teil Ortigia). Bevor wir ins Apéro gehen, reservieren wir uns bei Nostos Bistrot auf 20 h einen Tisch. Wir möchten heute gerne die Arancini-Vorspeise geniessen. Aber zuerst ein gemütliches Apéro im Café des Archimedes.

A Negroni a day...

Als wir zu Nostos Bistrot zurückkehren, sitzen alle Gäste draussen und im Innen-Raum ist es zappenduster Es stellt sich heraus, dass sie einen Kurzschluss hatten und daher nur noch kalte Speisen und Speisen, die auf dem Gas-Herd zubereitet worden sind, anbieten können. Wir setzen uns und kommen hier auch heute kulinarisch nicht zu kurz. Zudem isst auch heute – bei diesem Kerzenschein-Dinner – das Auge mit. Zusätzlich für Auge geboten werden gut aussehende sizilianische Feuerwehrmänner in chicem Blau. Vollmontur brauchen sie nicht, da es ja nicht brennt. Kurz nach deren Inspektion geben sie grünes Licht für die mittlerweile angerückten Elektriker. Wir erhalten noch einen Schlummertrunk-Limoncello und machen uns danach auf den Weg zurück zum Appartement. Den Limoncello gibt es aus einem weiteren persönlichen Gespräch heraus (Sizilien im Dezember, weihnachtliche Festlichkeiten rund um Santa Lucia und dass es äusserst sinnvoll gewesen sei, die Pompieri im Zusammenhang mit dem Kurzschluss anrücken zu lassen, da es dem Kurzschluss-Ereignis mehr Gewicht gibt und sich durch den Anruf der Feuerwehr der Pikett-Elektriker rascher zum Schadensort aufmacht, als wenn er (Nostos) diesen aufgeboten hätte.


Martins sehr guten Italienischkenntnisse öffnen uns immer wieder (menschliche) Türen. Allenthalben fällt in Gesprächen über x-beliebige Themen seine mündliche Sprachfertigkeiten positiv auf und wird entsprechend gewürdigt. Und wenn er dann noch auf die entsprechenden Komplimente so was sagt wie: „Si, si parlo tanto bene per parlare sul tempo e sul calcio.“ hat er seine italienischen Gesprächspartner definitiv für sich gewonnen.

Montag, 26. September 2022: Perfekter Ferientag

Zuerst die Leerung der Glascontainer, danach eine Vespa, deren Motor gefühlt unter unserem Schlafzimmer-Fenster gestartet (der Anlasser springt etwa nach dem fünften Versuch an) und dann etwa fünf Minuten laufen gelassen wird, bevor sie ihren Besitzer davon trägt. Der örtliche Siracusa-Wecker hat seinen Dienst getan: Wir sind wach.

Martin steht auf und startet den Laptop, um noch ein Office-Doc zu finalisieren, das er am Donnerstag einreichen muss. Ich schreibe Tagebuch und mache mich dann auf einen morgendlichen Siracusa-Spaziergang. Draussen ist es schwül-warm und die Sonne scheint. Es macht Spass, dem Meer entlang und dann durch die kleinen Gassen zurück zu schlendern und zu beobachten wie der Geschäftsalltag in die Gänge kommt. In der Bäckerei Viola kaufe ich zwei Cornetti mit Gonfi, auf dem Markt Trauben, Orangen, Rüebli, Tomaten und Mandeln und dann beim Hotel Gutkowski noch zwei Cappuccini. Subito a casa et collazionare.

So gestärkt macht sich Martin auf den Weg zur Autovermietung, wo er unseren Mietwagen abholt. Ich räume auf und mache mit „ausgehfertigt“. Mit unserem Hybrid-Fiätli geht‘s sodann los.

Pandas sind in Mode

Wir machen uns auf den Weg nach Marzamemi – einem kleinen Fischerdorf im Südosten der Insel. Wir kommen gut und zügig voran, auch wenn uns der italienische Strassenverkehr dann und wann mehr fordert als gedacht (Stichwort „Moorhühner schiessen“). Der kleine Fleck (Marzamemi) ist wirklich allerliebst.

Unterwegs in Marzamemi

Die Sommerferien-Touristen sind weg und so geht alles etwas gemächlicher zu und her, wenngleich auch schon viele Lokalitäten ihre Saison 2022 abgeschlossen haben. Wir spazieren durch die kleinen Gassen des übersichtlichen Ortskerns und gehen in einem Beizli einen Teller Busiate essen. Bei dieser nudelbreiten Pasta-Sorte, die um einen dünnen Holzstab gewickelt wird, so dass eine spiralförmige etwa 5 – 7 cm lange Nudel entsteht, handelt es sich um eine regionale Pasta-Spezialität. Martin geniesst sie mit einer Schwertfisch-Datteltomatensauce, ich die meinigen mit Datteltomaten und gesalzenem Ricotta. Zum Dessert gibt’s einen Granatpfel-Saft, der hier die Spezialität der Saison zu sein scheint.

Unterwegs in Marzamemi

Mit unserem Fiätli ziehen wir weiter nach Lido di Noto. Füsse ins Meer aber subito! Es ist wunderschön, dieses Gefühl, wenn Wasser und Sand einem die Beine umspülen. Ganz ins Wasser zu steigen, ist keine Option, denn obwohl der Abbronzatissima Beach Club noch geöffnet hat, gibt‘s keine Duschen mehr, die der persönlichen „Retablierung nach dem Bad“ dienen würden.

Am Strand von Lido di Noto

Der Abstecher für ein Gelato in Noto – es wird gesagt, dass es dort das beste Gelato geben soll -, wird zur Stadtrundfahrt. Die Altstadt will sich uns nicht erschliessen und irgendwann haben wir genug Stadtrundfahrt im hektischen Feierabendverkehr. Darum zurück nach Siracusa, wo wir uns noch etwas ausruhen bevor wir essen gehen. Eine Location ist rasch gefunden und schon bald geniessen wir Fisch, Salat und Patatine fritte.

Vor dem Regen ist alles trocken

Wir haben unser Znacht noch nicht beendet, beginnt es zu regnen. Zuerst nur ein paar Tropfen ==> wir rutschen wird mitsamt Tisch noch etwas mehr unter den Sonnenschirm. Danach leichter Regen ==> ich bin unter dem Sonnenschirm geschützt, Martin öffnet meinen Knirps und beendet sein Essen. Der Regen wird stärker ==> Martin bezahlt die Rechnung und unter dem einen Knirps machen wir uns auf den Weg nach Hause. Die Regenschauer entwickelt sich zum Regenguss ==> wir begeben uns in eine Gelateria, holen uns ein Eis, das wir draussen unter den Sonnenschirmen geniessen (in der Gelateria haben auch unzählige andere Gäste Schutz vor dem Nass gesucht). Der Regenguss „giesst unentwegt weiter wie aus Kübeln“ ==> wir sind bereits halbnass, daher entscheiden wir uns, uns auf den etwa fünfminütigen Fussweg nach Hause zu begeben. Es ist müssig, sich zu Zweit unter einen Knirps zu drängen. Martin nimmt den Knirps, der so pflotschnass ist, dass er so gut wie keinen Schutz vor dem Himmelsnass bieten kann, ich laufe einfach so los.

Die grosse Menge an Nass kann nirgends abfliessen, was dazu führt, dass die tiefer gelegenen Gassen geflutet sind. Etwa fünf Centimeter hoch steht das Wasser, gurgelt um die Abflüsse bzw. sammelt sich in den zahlreichen Schlaglöchern in den Gassen der Altstadt. Wir können nur noch lachen, lange sind wir nicht mehr so verregnet worden. Pflotschnass betreten wir das Appartement. Die triefenden Kleider und Schuhe hängen und stellen wir in der gesamten Wohnung auf. Und zum Glück haben wir genügend Frottierwäsche, um auch uns wieder trocken zu kriegen. Als wir etwa eine Stunde später ins Bett gehen, hat der Regen aufgehört. Aber überall tropft und gurgelt Wasser. Morgen wird‘s sicher super schönes Wetter geben.

Samstag, 24. September und Sonntag, 25. September 2022: Mit dem Zug in 24 Stunden von Bern nach Siracusa/Sizilien

Funfact: In drei Monaten feiern wir Weihnachten. Ob aufgrund der möglichen Energiemangellage mit oder ohne Outdoor-Beleuchtung und in warme Wollpullis und Decken gehüllt oder einfach ganz „normal“ lässt sich im Moment noch nicht sagen. Vediamo.


Wir erwachen beide zeitig, machen uns „tagfertig“, verstauen die letzten Reiseutensilien in unsere Duffle-Bags und räumen die Wohnung noch etwas auf bevor wir uns auf zum Bahnhof machen. Dort besorgen wir unser „Langstrecken-Reise-Proviant“ und besteigen kurz darauf den 11:34 Uhr Zug von Bern nach Milano. Die Schul-Herbstferien haben begonnen und so herrscht ein recht grosses Gewusel im Zug. Viele Familien und zahlreiche Zug-Rookies, die lauthals ihr Erstaunen darüber kundtun, dass sie „auch“ auf ihren in der 1. Klasse reservierten Sitzen rückwärts fahren müssen. Das ist ja wirklich eine echte Überraschung 🥱. Aber irgendeinmal haben sich alle eingerichtet und beruhigt. Wir treffen pünktlich in Milano ein, wo wir rund zwei Stunden Aufenthalt haben. Wir gönnen uns einen feinen Cappuccino + Fruchtsalat sowie das aus Bern mitgeführte Reinhard-Gebäck.

Kaffee geht immer

Das Gewusel in Milano ist auch heute gross. Alle drängen sich unter der grossen Anzeige, um zu erfahren auf welchem Perron ihr Zug fahren wird. Alle leicht hektisch, gespannt, da oftmals die zentrale Info zum Perron erst wenige Minuten vor Zugsabfahrt neben der Fahrplan-Info eingeblendet wird. Dann setzen sich Teile der wartenden Menge hektisch in Bewegung, um „ihren“ Zug rechtzeitig zu erreichen. Das machen auch wir so, obwohl Martin schon fast Mike Shiva-mässig voraussagt, dass unser Zug nach Rom auf Gleis 5 fahren wird. Und „unser“ Zug fährt auf Gleis 5!

Züge verschiedener Generationen in Milano Centrale

In Rom angekommen, essen wir noch ein Arancino und dann können wir schon unser Schlafwagen-Abteil im Zug beziehen. Wir richten uns kurz ein, machen uns bettfertig und auf geht‘s in mein Bett in der oberen Etage. Noch etwas lesen (habe am Nachmittag begonnen „Blind“ zu lesen – mega spannend) und dann löschen wir das Licht und fallen in einen erholsamen Zugschlaf. Die letzten Nächte waren kurz und die Tage streng – die „Rechnung“ geht auf.

Unser Schlafwagenabteil

Kurz vor 06.00 h erwachen wir „richtig“. In den Gängen herrscht ein emsiges Gewusel. Ein Blick aus dem Fenster schafft Klarheit: Wir sind bereits in Villa San Giovanni. Hier sollte der Zug für die Querung der Meerenge von Messina aufs Schiff verladen werden. Sollte bzw. wird verladen. Da eine Fähre eine Panne hat, kann heute nur ein Zug verladen werden. Und dies ist nicht unser, sondern der Zug, der auf dem Nebengeleise steht… Daher heisst es nun: sprigati! Wir streifen unsere Kleider über, schultern unsere Duffle-Bags und verlassen den Zug. In einem 6er-Abteil des anderen Zugs finden wir zwei Plätze und schon bald geht die Zugsreise weiter.

Ankunft in Villa S. Giovanni

Jetzt folgt der spektakuläre Teil mit dem Verladen des Zugs auf das Schiff. In einem „Kaisermanöver“ 😂 wird der Zug in zwei Phasen auf die Gleis-Abschnitte im Schiff aufgeteilt. Mega.

Unterwegs auf der Fähre von Villa S Giovanni nach Messina

Die Überfahrt nach Messina verbringen wir auf Deck. Das morgendliche Sonnenlicht hüllt Land und Meer in einen goldigen Schleier. Könnte heulen – so schön ist‘s.

Unterwegs auf der Fähre von Villa S Giovanni nach Messina

In Messina angekommen (ca. 30 Minuten Überfahrt), wird der Zug wieder „zusammengestellt“ und setzt seine Fahrt fort. Ein Fahrplan ist für uns nicht mehr ersichtlich: Irgendwann geht‘s weiter, irgendwann treffen wir in Taormina und dann in Catania ein. Aber was soll‘s, wir haben ja schliesslich Ferien.

Und gegen Mittag kommen wir in Siracusa an, wo‘s grad zu regnen beginnt. Wir gönnen uns eine Pizzetta und eine Limonade bevor wir den zweiten Teil des etwas 20 minütigen Wegs unter die Füsse nehmen. Aber nach so langem Sitzen, Liegen und wieder Sitzen müssen wir uns nun einfach bewegen. Gegen 13:00 h beziehen wir das Appartement des Gutkowski Hotels in Siracusa. Wir richten uns kurz ein und ruhen uns ein wenig aus bevor wir uns auf eine erste – teilweise verregnete – Stadt-Erkundungstour machen.

Unser Appartament in Siracusa

Siracusa ist einfach eine Perle. Wir lassen uns treiben und nehmen die Stadt und das muntere Treiben im Stadtkern mit allen Sinnen auf. Einfach schön. Dann ist die Zeit für einen ersten Apéro auf der Piazza del Duomo gekommen: così delizioso. Der Apéro macht Lust auf mehr.

Unterwegs in Siracusa

Daher ziehen wir weiter durch die Gassen zum Bistrot Nostos.
Wir geniessen: Antipasti Siciliani, „Schwertefische“, Gambero marinato, Zuppa di Cozze, Ravioli con pesce , mini Cannoli – va da sé, dass wir danach in einem leicht ausgedehnteren (Verdauungs)Spaziergang zum Hotel zurückkehren. Aber fein ist‘s gewesen.

Funfact zum Schluss: „Mai fidarti di un cuoco magro“. Dieser Ratschlag steht auf der schönen Restaurant-Tafel im Bistrot Nostos geschrieben. Gut zu wissen und total beruhigend: Dem Koch im Nostos darf man trauen, wirklich trauen, also wirklich, wirklich trauen.