Sonntag, 10. Juli 2005: Mücken werden nie unsere Freunde

Im Radio spielten sie in der letzten Zeit einen Stampede-Spot ab, der in etwa wie folgt ging:

Stimme: “Autsch!”

Zweite Stimme: “Sie hörten soeben einen Cowboy, der von einem 1200 kg-Bullen am Kopf getroffen worden ist.”

Stimme: “Auuuuuua, ä,u, auuuuuuuuua, ääääääääääh, uuuuuuuuuuuu, aaaaaaaaaaaaaaaahhhh!!!!!!!

Zweite Stimme: “Sie hörten soeben einen Fussballer, der in einem Spiel getackelt worden ist.”

Zweite Stimme: “Sie sehen, an der Stampede treffen sie die Härtesten Männer.”

So wusste ich, dass sich wohl was ganz krasses abgespielt hatte, als ich am Sonntagmorgen früh einen kurzen Schlag hörte und sich mein lieber Mann neben mir unter lautem Gestöhne im Bett wand. Nein, liebe Freunde aus dem FCW-Kreis, er hat sich keine Sportverletzung eingefangen.!…. Vielmehr hat er sein rechtes Knie am Küchen- und Vorratsschrank, der halt bis ins “Schlafzimmer” reicht, angeschlagen. Mit einer noch recht kühlen Cola-Dose versuchten wir zu retten, was noch zu retten war. Eine leichte Verfärbung und eine Schnatte im Knie sind die sichtbaren Folgen dieses Vorfalls. Ohne auch nur noch einmal mit der Wimper zu zucken, geht mein Cowboy seither durch seinen Canada-Alltag. Wir verliessen nun Calgary (ohne auch nur einen line oder square dance-Schritt mit meinem feurigen Tanztalent getätigt zu haben) in Richtung Norden. Letzte Fotos von der von weither überall gut sichtbaren Downtown und dann hat uns die grosse Weite der Canadian Highlands. Eine wunderschöne Ebene mit leichten Erhöhungen. Die gelben Rapsfelder und die endlos grünen Getreide- und Wiesenfelder bilden einen schönen Kontrast zum blauen Himmel. Zwischendurch wird die Landschaft durch ein Eisenbahn-Trassee zerschnitten. Die leuchtenden Signallampen bringen gleichzeitig die Augen gewisser Reisender zum Leuchten. “Allzeit bereit zum Fotografieren“ lautet da die Devise.

Die Ortschafen, die wir durchqueren, so z.B. Cremona, Rocky Mountain House und einige mehr, haben alle den gleichen raumplanerischen Aufbau: Am Dorfeingang ist immer ein Schild mit dem Ortsnamen und dem Gründungsjahr der Community (z.B. Established 1912). Erste Tankstelle dann Food Market mit angrenzendem Liquor-Store, dann zweite Tankstelle mit Body-Shop (wobei Body-Shop nichts mit Körperkultur oder Kosmetik zu tun hat, da es sich dabei nämlich um eine Carosseriespenglerei handelt), dann Fastfood-Lokal wie Tim Hortons oder wahlweise auch Dairy Queen, allenfalls kann es auch noch ein Subway (the Sandwich company) sein. Es folgt eine dritte und eine vierte Tankstelle, ein ordentliches Restaurant (families are always warmly welcomed), eine Remax Real Estate Agency, eine fünfte Tankstelle und eine bankenähnliche Institution für Geldleihe mit, wenn’s hoch kommt einem Geldautomaten). Just vor dem Dorfende noch eine sechste Tankstelle mit integriertem Food and Grocery Store und dann – good bye and see you again …

Mit Argus-Augen durchkämmen wir sämtliche Wälder, Wiesen und Moorlandschaften auf der Suche nach wilden Tieren. Und tatsächlich lässt sich einiges ausmachen. In den Moorgebieten sind immer wieder Mooses zu sehen. Diese elchähnlichen Tiere (oder sind es sogar Elche? – ist halt schon eine Weile her seit den Erklärungen von Hans A. Traber) ernähren sich hauptsächlich von Wasserpflanzen in stillen Gewässern. Aber unser Hauptaugenmerk richtet sich natürlich auf Bären. Und sieh da: auf der rasanten Fahrt auf dem Highway ersperbert Bettina einen solchen. Bei der erstbesten Gelegenheit wendeten wir unser Fahrzeug und fuhren zurück. Sensationell! An einem leicht abschüssigen Waldrand, hinter einem Holzzaun – also konnten wir uns in Sicherheit wähnen – sichteten wir das schwarzbraune Tier, das sich in aller Ruhe auf Nahrungssuche befand. Sichtbar hungrig aber trotzdem bedächtig suchte es sich die saftigsten Grasbüschel aus und frass diese genüsslich. Einziges Makel: Beim gesichteten Tier handelte es sich um ein Rind und nicht um einen Bären. Zur Entlastung der Entdeckerin dieses Bärs muss noch angefügt werden: Das schwarzbärenfarbige Tier war allein auf weiter Flur im Wald unterwegs und wenn es Gras ausriss – sah es im hohen Gras von weitem – aber wirklich nur von sehr weit weg und mit Gegenwind in den Augen – einem Bären zum Verwechseln ähnlich. Trotzdem hat die Story das Zeug zu einem running gag.

In Rocky Mountain House haben wir uns im Laden am Dorfeingang noch mit Früchten und Getränken eingedeckt und uns dann Richtung Campground aufgemacht. Von weitem schon sahen wir, dass das Strassenschuld unseres Wunsch-Campgrounds beim Crimson Lake mit dem Schild “Full – Complet” versehen war. Martin, nun bereits etwas vertraut mit der kanadischen Mentalität meinte, dass er das nicht glaube, die seien doch einfach zu faul gewesen, das Schild wegzunehmen, das vom Wochenende her (da war der Campground gemäss Augenzeugenberichten wirklich full bzw. Complet) noch da hing. Gewisse Frauen reagieren bei solchen Absichten jeweils ein wenig staubig, warum nach freien Plätzen fragen, wenn es ja schon ausgewiesen ist, dass alles voll ist. Aber Zeller wäre nicht Zeller, wenn er nicht nach wenigen Minuten aus dem Campground-Store herausgekommen wäre und stolz mit einem registrierten Meldeformular gewunken hätte. So hatten wir, “Thank you Marten” einen wunderschönen Platz mitten im Grünen, für uns und die Mücken. Die Mückenplage ist elendiglich. Da war Skandinavien nur ein Trainingscamp.

Standesgemäss gab es Spaghetti mit Tomatensauce und Salat zum Znacht. Aufgrund der Mücken wurde es zur fast Food-Veranstaltung. Aber fein war’s trotzdem.

 

Samstag, 9. Juli 2005: An der Stampede

Heute war Samstag, ausschlafen war angesagt, was ziemlich gut gelang. Danach haben wir unser Fahrzeug zweckmässig eingerichtet und uns entschieden, die ‘Betten’ auch während des Tages eingerichtet zu lassen. Obschon wir massiv viel Gepäck bei uns haben, gelang es uns, alles irgendwie zu verstauen. Nun hat aber NIX mehr Platz!

Das gemütliche Zmorge fiel leider aus, da ich den Gashaupthahn leider nicht öffnen konnte. Nach der Robertschen Instruktion vom Vortag, in welcher er auch über die Gefährlichkeit des offenen Gashahns während der Fahrt doziert hatte, habe ich offenbar ein bisschen ZU viel Energie beim Schliessen bewiesen. So gingen wir halt beim Shop einen Kaffee holen. Duschen und Smalltalk folgten anschliessend. Der Smalltalk ergibt sich überall: Beim Geschirr abwaschen, beim pinkeln, beim kömerlen – einfach überall wollen einem die Einheimischen was sagen über den frühen Frühling, über das künstliche Kniegelenk – die Themenliste ist nicht beschränkt.

Als dann ein nach Bär aussehender Kanadier mit Werkzeug in den Händen ins Blickfeld kam, sprach ich diesen sofort darauf an, ob er vielleicht mit seinem Werkzeug den Gashahn aufdrehen konnte. Hilfsbereit wie die Einheimischen nun mal sind, kam er sofort und öffnete den Gashahn mit seinen blossen Händen – spielend! Ich war also wieder mal das Poulet, welches offenbar nicht den richtigen Hebeleinsatz seiner Hände gewählt hat… Ich bedankte mich artig und zeigte ihm meine Hände, “These are office-hands, you know” und wollte grad einen auf Smalltalk machen. Er sah aber, dass es keinen grösseren Sinn mehr macht, mit mir über meine handwerklichen Fähigkeiten zu diskutieren, zeigte noch einmal die beim Gasaufdrehen notwendige Körperhaltung und verabschiedete sich.

Während des Tages merkten wir, dass man uns hier sehr gern hat. Zumindest die Mücken. Die saugen gnadenlos! Und wir knallen sie gnadenlos nieder – wenn wir sie erwischen… Die Stiche konnte man mittlerweile nicht mehr an einer Hand abzählen, aber wir waren ja medizinisch auf dem neuesten Stand: Für unsere Finnland-Ferien vor 2 Jahren haben wir uns ein Vakum-Spritzenset gekauft, welches man über dem Stich ansetzen und das Mückengift raussaugen kann. Gar nicht so schlecht das Teil, und die Erfolgsquote liegt bei über 50%. Der Nachteil ist nur, dass es ein bisschen junkiehaft aussieht, wenn man die Spritze ansetzt, und dass sich die behandelte Stelle danach wie ein Knutschfleck verfärbt (wer sich da noch an „Knutschflecken“ erinnern kann/mag…)

Am frühen Nachmittag stand dann die Fahrt zum Flughafen auf dem Programm. Der Autovermieter war unser Ziel – wir wollten die Schlüsselchen am Schlüsselbund wieder haben… Aber leider Fehlanzeige, der Wagen war schon wieder vermietet und der Nachmieter hat wohl schon überall am Wagen die Schlüsselchen ausprobiert… Nun musste halt doch irgendwie das Schloss aufgebrochen werden!

So fuhren wir mit unserem Van wieder Richtung Stadt, und stellten ihn auf einem Park and Ride der Verkehrsbetriebe ab. Nachdem wir am Vortag beim Spital noch 10$ bezahlt hatten, war dieser gratis. Wie sicher dieser aber war, konnten wir nicht abschätzen (eh, es ging ja alles gut, die Kanadier sind ein ehrliches Völklein!).

Der Zug brachte uns zur Stampede, wo wir Natalie trafen. Natalie kam auch zur Schule, hörte vor einigen Wochen auf und reiste in der Zwischenzeit herum.

Eine Massenhypnose stand zuerst auf dem Besuchsprogramm: Da gelang es einem Hypnotiseur tatsächlich, 18 Personen in Trance zu versetzen. Mit dem Resultat, dass sich diese Versuchskaninchen den Befehlen des Meisters hingaben und Sachen machten, welche sie sonst nie machen würden, z.B. Heulen wie die Wölfe, tanzen wie Frau Spears, 12jährige Jungs anmachen… Der Phantasie ist auch hier kein Limit gesetzt!

Auch heute war der Saddledome unser Ziel, wo keine Hockeyaner sondern Pferde ihre Show abzogen. Diesmal hatten Shire-Horses in Begleitung des Calgary Philharmonic Orchestra ihren Auftritt. Auch für die Laien wie wir war es interessant und begeisternd, die schweren Arbeiter mit Begleitung von klassischer Musik ‘tanzen’ zu sehen!

Am Abend war dann Action pur angesagt: Chuckwagon – Race. Chuckwagons sind leicht modifizierte Planwagen, wie wir sie aus den Westernfilmen kennen und werden 4spännig gefahren. Nun wäre es zu simpel, wenn diese wie bei einem F1-Rennen einfach so aufgereiht wären – es kam besser: 4 Wagen pro Serie waren entgegen der Laufrichtung aufgestellt. Auf das Startzeichen mussten 4 Begleiter auf Pferden zuerst 2 Stangen und ein Holzfass in den Chuckwagon einladen, bevor dieser losfahren durfte. Dann fuhren die Chuckwagon los, mussten zuerst ein Holzfass umfahren und rasten über die Pferderennbahn. Die 4 begleitenden Reiter mussten nachreiten und der Sieger war das Team, welches zuerst im Ziel war. Dabei gab es Zeitzuschläge, wenn man das Fass umstiess oder nicht alle Reiter innerhalb 100 Yard ins Ziel kamen. Spektakel pur!

Als alle Chuckwagenläufe abgespult waren, wurde eine grosse Bühne aufgebaut – hier galt es nun, das Stampede-Festival aufzuführen. Ehrensache, dass wir vor der Vorführung zuerst die kanadische Nationalhymne sangen. Richtig kitschig wurde es aber erst, als mitten während der Hymne ein Helikopter mit einer angehängten grossen Kanadafahne über dem Stampede-Ground seine Runde drehte… Hunderte von Schauspielern – vornehmlich Tänzer aller Altersgruppen – waren anschliessend in die Show integriert. Das Ganze thematisierte die 100-jährige Zugehörigkeit der Provinz Alberta zu Kanada und erinnerte in Art und Weise der Aufmachung an eine Mischung zwischen Geburtstagsparty, Eröffnungsfeier zu Olympischen Spielen und ‘Spiel ohne Grenzen’. Der roten Faden im Ganzen fehlte irgendwie und wurde durch Unmengen von Feuerwerk kompensiert. Da gingen Zehntausende von Dollars in die Luft, und dies alles vor den Stallungen der Gäule und Bullen!

Der Abend endete in grossem Glück:

a) wir haben das Auto wieder gefunden

b) die Karre wurde nicht aufgebrochen

Nach einem solch anstrengenden Tagesprogramm fielen wir nur noch müde ins Bett…

 

Freitag, 8. Juli 2005: Unterwegs mit dem Camper. Und das erste Rodeo

Nun galt es Abschied zu nehmen vom Hawthorn Calgary an der 5th Avenue. Nicht nur wir nahmen Abschied, schon bald müssen alle Abschied nehmen, weil das Hotel den Namen wechselt. Calgary 5 Downtown soll das Teil neu heissen…

Anschliessend galt es, den Chevi Monte Carlo ein letztes Mal auf Hochtouren zu jagen. Wir mussten den Wagen abgeben und fuhren zum Flughafen. Die Abgabe verlief sehr schnell. Leider ein bisschen zu schnell – aber das habe ich erst einen Tag später bemerkt: Zusammen mit dem Schlüsselbund des Autos gab ich auch den Schlüssel des Vorhängeschlosses ab, mit welchem ich meinen Laptop-Rucksack abgeschlossen hatte… Somit war der Laptop vorläufig nicht greifbar…

Am Flughafen nahmen wir ein Taxi, um zur CANDAN Campervermietung zu gelangen. Die Taxichauffeure – meine Spezialfreunde – sind weltweit die Gleichen: Man muss ihnen sagen, wo sich der gewünschte Ort befindet… So konnte auch ich unseren indischen Kanadier ans Ziel führen.

Um 11 Uhr hätten wir bei Candan sein sollen – natürlich waren wir zu früh, schliesslich mussten wir uns noch ein bisschen Reservezeit organisieren, der Tag war voll durchgeplant (kennt man doch von zu Hause…). So hatten wir bei Candan die Gelegenheit, die Sampede-Parade durch die Stadt am TV anzusehen. Hatte ein wenig was von einem Fasnachtsumzug mitten im Sommer…

Endlich hatte dann auch Robert Zeit, uns den Van zu erklären. Bei Candan gilt “Man spricht deutsch”, und Robert machte hier keine Ausnahme. Dem Accent nach zu schliessen wohl ein austrianischer Ost-St. Galller…

Jedes, aber auch jedes Detail hat uns Robert erklärt. Speziell zeitaufwändig war die Erklärung der Funktion der Markise. Eh, am Van hats drum eine Store, eben, die Markise. Auch das Leeren des Abwasser- und des Fäkalientanks wurde uns erklärt – wir kennen nun den Unterschied zwischen Grau- und Schwarzwasser. Unser Camper ist ein Luxusmodell: Ein 3,5-Liter Chevrolet mit Roadtreck-Aufbau, mit Dusche, WC, Mikrowellenofen, Kühlschrank, TV und DVD. So lässt es sich doch in der Wildnis leben!

Nun fuhren wir los, mit diesem Teil. 2,5 Meter hoch, fast 6 Meter lang – ungewohnt, eine solche Kiste zu fahren. Und wenn ich dann noch mit unserem Corsa in Bern vergleiche…

Wir suchten uns einen Parkplatz beim Spital, wo wir dann auf den Zug umsteigen konnten. Der Zug heisst hier C-Train (Calgary-Train) oder LRT (Light Rapid Train). Da uns der Markisen-Robert alles Haarklein erzählt hat, waren wir nun ein bisschen knapp dran, um nicht zu sagen, viel zu spät für das Rodeo an der Stampede. So verpassten wir leider den Anfang. Aber wir sahen sonst viele tolle Sachen: Wie die Cowboys neben einem Muneli herleiten, sicht vom Pferd runterfallen lassen, im Stürzen die Hörner des Stiers packen und den Stier zu Boden werfen. Steer-Wrestling sagt man dem hier… Oder ohne Sattel auf einem wilden Pferd, oder sogar auf einem 1200 kg-Stier (Bull-Riding) reiten. Der Spass dauert so um die 8 Sekunden, dann ist der Cowboy unten… Oder die Cowgirls, welche im Tempo eines gehetzten Äffin um 3 Fässer reiten… Das Rodeo war sehr abwechslungsreich und hat grossen Spass gemacht! Wirklich empfehlenswert. Toll ist auch die mediale Aufmachung im Stadion mit Grossbildschirm, Zeitlupe etc. Nichts spezielles hingegen sind die Live-Interviews mit den Cowboys, welche sich nicht gross von den Interviews mit unseren Fussballern unterscheiden:

Cowboy: “Well, ich hatte Glück, dass ich den Stier gut an den Hörnern packen konnte”

Fussballer: “Na gut, Glück ist immer ein bisschen dabei, wenn ein solcher Freistoss reingeht”

C: “Well, ich habe den Stier nicht gekannt, wusste aber, dass er gross ist”

F: “Na gut, der FC Weissenstein ist auf der nationalen Fussballkarte ein unbeschriebenes Blatt, aber grad solche Gegner sind natürlich immer gefährlich!”

C: “Well, der Boden war ein bisschen zu nass”

F: “Na gut, der Platzwart hat zum Heimteam geschaut und den Rasen nicht gemäht”

So hatten wir dann unseren Spass an Mensch und Tier…

Nach Ende des Rodeos besuchten wir im ehrwürdigen Hockeystadion Saddledome eine Vorführung mit Arbeitspferden (Shire-Horses – Naddel, verzeih mir, wenn ich es nicht richtig geschrieben habe…) bevor es dann zu einem weiteren Highlight, nein, eigentlich zu einem absoluten Knaller der ganzen Stampede ging: Wir besuchten die 2. Runde des Schafscherwettbewerbes! Kanadier, Amis, Engländer und natürlich Australier und Neuseeländer sind hier die wichtigsten lies einzigen teilnehmenden Nationen. Unterstützt von den Fans des jeweiligen Landes. Wir Schweizer machten das früher auch mit unseren Skifahrern, aber jetzt müssen wir das ja zum Glück nicht mehr…

Nun, beim Schafscherwettbewerb geht es darum, 4 Schafe innert 6 Minuten gründlich zu scheren, und nicht zu verletzen. Die Wolle muss möglichst in langen Streifen vom Schaf geschnitten werden. Um das Ganze noch ein bisschen schwieriger zu machen, wurden Schafe zur Verfügung gestellt, welche noch nie eine Schafschur hinter sich hatten – dementsprechend wild waren die. Eh, etwa so wie Klein-Martin, als er das erste Mal zum Gwaför ging…

Der Schafschurwettbewerb ist witzig, ungewohnt, speziell und überhaupt…

Die Stampede lebt eigentlich von solchen Einzelevents. Der Stampede-Ground als solcher ist eine Mischung zwischen Schützenmatte und BEA. Und an jeder Ecke gibt es Lose zu kaufen. Hauptpreise sind je nach Lotterie ein Auto mit Boot, ein Wohnmobil oder ein Haus…

So verliessen wir dann gegen 19.00 Uhr die Stampede und gingen zum Campground , wo wir einen Platz reserviert hatten. “Oh, da seid ihr ja, ihr seid spät dran, ich habe euren Platz bereits weiter gegeben” sagte die freundliche Lady mit der rauchigen Marlborostimme hinter dem Pult. Nachdem ich diese Worte übersetzt und deren Bedeutung begriffen hatte schob sie ein “hoho, just kidding” hinten nach, frühzeitig genug, bevor ich einen Tobsuchtsanfall mit Schadensgarantie gekriegt hatte… Bin manchmal ein bisschen konservativ und verstehe nicht in jeder Situation zu jeder Stunde jeden Joke in jeder Sprache gleich gut…

Nach dem Einchecken gings ins Coop, um die ersten Einkäufe zu machen. Coop ist die Abkürzung von Cooperative und hat mit unserem Konsum nichts zu tun… Die Superprofitkarte wollten sie ömel nicht nehmen…

Bevor wir wieder zum Campground gingen, fuhren wir noch ins KEG-Steakhouse. Das Essen war prima, und der Service gemäss Bettina sehr freundlich. Dabei war der Kellnerjüngling doch so ein Schniguel und Slimer, wää….

 

Mittwoch, 25. Mai 2005: Kanada wartet auf die Queen – und vielleicht auch auf mich…

THIS IS A TEST

Vor der Reise ist natürlich Packen angesagt. Was nimmt man auf eine 9wöchige Reise mit? ALLES! Als Glücksfall hat sich dabei meine neue Tasche erwiesen, welche sooo gross ist, dass sie hinten 3 Räder haben muss…

Je grösser eine Tasche ist, desto mehr geht rein und desto schwerer wird sie. In Bern gibt es ja Taxidienste, welche einem von zu Hause zum Bahnhof bringen…

Am Bahnhof wurde ich noch von Jürg Michel persönlich verabschiedet (wann war er das letzte Mal vor 7.00 Uhr schon am Bahnhof?), mein Vater begleitete mich an den Flughafen.

Die Reise bis Zürich verlief planmässig und wunderbar – ab Zürich dann satte 25’ Verspätung wegen Lokwechsel (“Wir bitten Sie um Verständnis und Entschuldigung”). Nun gut – Reserve ist bekanntlich alles, so konnte mich diese Verspätung auch nicht schocken. Nach dem Check-in noch ein Café, 2-3 Einkäufe und dann los. Zürich – Frankfurt ist eine ¾ Stunde. Der Flug war wunderbar, das wolkenlose Wetter erlaubte einen Blick auf die Gegend unter uns.

Frankfurt AirportDie 2 Stunden Aufenthalt in Frankfurt vergingen rasch. Schöne Flugzeugbilder wurden einem präsentiert, Airlines von welchen man nur aus Büchern gehört hat. Jaja, in Frankfurt da ist was los…

Der Airbus A330 der Air Canada ist ein Riesenvogel: 46 Sitzreihen (ich in Reihe 40) mit einer 2 – 4 – 2-Bestuhlung. Ich konnte am Fenster sitzen. Mein Wunsch nach einem Nachwuchsmodel als Sitznachbarin erfüllte sich leider nicht, dafür konnte / durfte / musste ich Bekanntschaft schliessen mit einem 70 Jährigen, der vor 27 Jahren aus Polen nach Kanada ausgewandert ist und nun einen Abstecher in seine alte Heimat gemacht hat. Sein Beruf: römisch-katholischer Priester (Und er hat mit JP II also auch schon 3 Messen gefeiert – wie wohl alle Polen). Nun gut, ich habe in 10 Stunden mehr über die katholische Kirche in Polen gelernt als in 40 Jahren…

Reihe 40 hat den Nachteil, dass man bei der Food-Verteilung nicht mehr wählen kann. Die Auswahl geht wie immer bis Reihe 39 – so auch heute. Nun, das erste mal hatte ich Glück, denn es blieb nur noch das übrig, welches ich eigentlich wollte – Tschicken. Das Unterhaltungsangebot war sensationell: gleich 3 Filme wurden gezeigt – “Elektra”, “Finding Neverland” und “Les Choristes“. Drei Filme also aus der Kategorie “Nun ziehe ich die Kopfhörer ab und lese ein altes FACTS aus dem März”.

Erster Blick auf CalgaryDie Einreise war mühsam wie immer, man muss sich ja immer rechtfertigen bis zum geht nicht mehr, bis man einen Stempel im Pass hat. Der Bezug des Autos ging glatt vor sich – eine rote Superkarre des Modells “Monte Carlo” – die Marke teile ich bei Gelegenheit noch mit…

Wetter:

Sonnig, wunderschön, 20°, für die Nacht sind -2° angesagt. Aber um diese Zeit ist man ja – Jetlag sei Dank – im Bett…

Schlagzeile des Tages:

Die Queen hat heute Calgary besucht – Kanada ist halt immer noch eine Kolonie… Mitten im Abendverkehr war der Highway zum Flughafen gesperrt, was mich ja nicht gross kümmerte. Der Queen-Konvoi war eindrücklich, und ich vermute sogar, dass sie mir aus dem 5. Auto zugewinkt hat. Man muss also auf Calgary gehen um die Queen zu sehen! Übrigens: Das letzte Auto im Konvoi ist……. die Ambulanz!

Sport:

Eishockey, Memorial-Cup (höchste Juniorentrophäe in Kanada): Kewlona Rockets – Rimouski Oceanic: 1:4 nach 17:50 im 2. Drittel

Fussball, Champions League: Liverpool beats Ei-Si Milääään.